Indiana Tribüne, Volume 20, Number 31, Indianapolis, Marion County, 18 October 1896 — Page 6

Vorüber. Von Johann Plagge. Nun ist das letzte Lied verklungen? Die letzten Blumen sind verblüht; Wie ernst und still ist es geworden; Wie ernst und still mir im Gemüth! Wo Rosen blühten, stehen Dornen; Das Auge weint, wo's froh gelacht; Wo jugendwarmes Leben wohnte, Ist's todt und kalt und dunkle Nacht. Ein letztes Grüßen froher Stunden, Dann weißer Schimmer erster Schnee, Wie seltsam ist es, alt zu werden. Und in der Brust ein junges Weh! Armenisches Iraumkeöen. Lou Hedda von Schmid.

I. Da ich mehrere Jahre in Astrachan verbrachte, fo bot sich mir vielfach Gelegenheit, die Sitten und das gesellschaftliche Leben der dort ansässigen Armenier kennen zu lernen. Dieselben gehören größtentheils dem Kaufmannsstande an und erfreuen sich beinahe ausnahmslos des Reichthums. Wurden am Ende der Promenade ein paar schwere oder hellgraue Karossiers sichtbar, nickten aus dem offenen Landauer von hochmodernen Sammetoder Plüschhüten rothe und orangefarbene Federn, so konnte ich mit Bestimmtheit annehmen, daß es reiche Armenierinnen waren, welche, lässig in die Wagenkissen zurückgelehnt, die getigerte Plüschdecke über die Kniee gebreitet, den Nachmittagscorso mit. machten. Den armenischen Damen geben diese Spazierfahrten Gelegenheit. ihre kostbaren, wenn auch nicht immer geschmackvollen Toiletten zur Schau zu stellen und möglicherweise den Neid ihrer Freundinnen und die Bewunderung der Herrenwelt zu erregen. Dieser Korsofahrten gedenkend, entsinne ich mich zweier armenischer Frauengestalten, mit denen ich, wenn sie an meinem Fenster langsam in ihrer schönen Equipage voruberrollten, eifrig Grüße austauschte. Mutter und Tochter waren's. Erstere besaß Spuren ehemaliger großer Schönheit, letztere hatte etwas zu kräftige Züge, eine zu sehr entwickelte Nase, aber kluge, sprechende Augen. Ossianna liebte den Luxus, und ihr gegenüber zeigte sich der sonst im höchsten Maße geizige Vater auch niemals knauserig. Sie trug stets die kostbarstenToiletten, und ihr Zimmer glich einem reizenden Schmuckkästchen. Und doch war sie nicht glücklich. Einmal, als ich sie besuchte, traf ich sie in besonders gedrückter Stimmung. Wie beneide ich Sie!" rief sie aus, nachdem ich ihr gegenüber auf dem elegantenPlüschsenel Platz genommen. Haben Sie denn Ursache, Andere zu beneiden?" versetzte ich. Ach," rief sie leidenschaftlich, wie diel gäbe ich darum, wenn ich gleich Ihnen und anderen jungen Mäochen allein über die Straße gehen dürste, sobald e mir beliebt. Ich aber kann nur, wenn ich das Verlangen habe, frische Luft zu schöpfen, an der Seite meiner Mutter oder einer anderen älteren Dame diese für mich so langweiligen Korsosahrten unternehmen. Die Sitten sind bei uns sehr streng. Nicht einmal als jungverheirathtte Frau durfte tch ohne Begleitung meines Mannes, oder meiner Schwiegermutter oder einer älteren Schwägerin eine Spazierfahrt machen. Oh, wie ich ihn hasse, diesen leidigen Etiquettenzwang. Reisen möchte ich die Welt kennen lernen! Aber Sie wissen ja, Mama ist so überaus schwerfällig, der Gedanke eine weitere Reise anzutreten, erfüllt sie mit Schrecken." Ossianna' hatte mit sich steigernder Lebhaftigkeit gesprochen, nun schwieg sie und in ihre Züge trat ein müder, resignirter Ausdruck. Sie werden sich bald verheirathen", sagte ich tröstend, und Ihr Gatte wird Ihnen alsdann die Welt zeigen." Nein," erwiderte sie herb, fast schroff, ich werde niemals heirathen." In der That wußte ich die Mutter hatte es mir bedauernd erzählt , daß Ossianna bereits mehrere Vortheilhafte Parthieen cusgeschlagen. Bald darauf erhielt ich ein Briefchen von ihr, in dem sie mich bet, einen Maskenball, den ihre Eltern gaben, zu besuchen. Ich hatte im'Laufe diefes Abends Gelegenheit zu beobachten, wie ein armenischer Ball verlief. Die Unterhaltung wurde hauptsächlich in russischer Sprache geführt. Die alten Armenierinnen saßen an den Wänden des großen Saales auf den gelbseidenen, niedrigen Didans und tauschten ihre Bemerkungen über die Anlesenden denn um dieselben drehten sich doch meist ihre Gespräche aus. Di's? whtrw.n trugen auf ihren ' ;.. V . eln kein modisches ;. ;n. sondern schwarzseil ii'er über Stirnbinden r : . ..tvü7 m Farbe. " -V:s, an welcher ausfc . ; Y.:t Jugend placirt war, piLr.iit O" inna. Ein blasser, hö xi üisavA kleidete?, etwa drei ßi liz?r M:rn mit stark gelichteten7 it: : schwarzem, modisch aestu" - " :rt -mV wie ich bemerkte, seh. 7 lschasilichen Formen, rca; . "''; ??ck beobachtete das Pac otli : j Ossianna mit hin- " 5. der Unterhaltunq ihre: :r. Huschte. Es war nickt 't' tben. daß Ossianna sich 1 '.'-.). u " ::n Nachbar interessirte. V ' fr: .-. meine Vermuthung auch $ . d?nn nern redete in de. '.:': : "t ganz os?en. wenn auch . '.:r ( ' c :!on darüber, da Ossial . i " nur deshalb ab-

Weise, weil sie ihren schwarzbärtigen, eleganten Vetter liebe. Und ihn heirathen könne sie ja nicht, weil die Blutsverwandtschaft zwischen , ihnen eine zu nahe war. Zu Beginn des Herbstes starb Ossiannas Vater und die Wittwe siedelte auf den dringenden Wunsch ihres Kindes ganz nach Tiflis über. Zwei Jahre verstrichen, dann hörte ich, daß sie einen in Tiflis ansässigen, sehr reichen armenischenKaufmann geheirathet hatten. Nun befand sie sich doch wieder in den engenSchranken. in denen sie, wie ich ja wußte, in ihrer Mädchenzeit so geseufzt. II. Richtige Kaffeegesellschaften- giebt es bei den Armeniern nicht. Geklatscht wird allerdings ebenfalls auf den armenischen Nachmittags - Gesellschaften, aber man erscheint zu denselben ohne Arbeitsbeutel und in großer Toilette. Ich hatte in Astrachan mehrfach Gelegenheit, derartige Gesellschaften zu besuchen. Die Familie, welche mich eines Tages einlud, bestand aus Vater, Mutter, zwei frühverwittweten Töchtern, welche ganz im Elternhause lebten, und drei Söhnen. Diesmal war es nicht ausschließlich eine Damengesellschaft die kleine Festlichkeit war zweien jüngst vermählten Paaren, nahen Verwandten, zu Ehren arrangirt und die jungen Ehemänner hatten ihre Gattinnen in die Gesellschaft begleitet. Die beiden Frauen sie hießen beide Margarita waren reizend. Die Aeltere zählte kaum 13 Jahre, ihre Gestalt war von seltenern Ebenmaß, ihre dunklen Sammetäugen blickten in fascinirender Weise

sprühend und lebenslustig m die Welt. Ihr Gatte war ihr ebenbürtig, waZ sein Aeußeres anbetraf es war wirklich ein fchön vollendetes Paar und wie es schien, auch ein glückliches. Die andere junge Frau war klein und zierlich, ein halbes Kind noch. Ihr Mann war weder jung noch hübsch. Ein großer, dunkler Bart umrahmte sein Antlitz und verlieh demselben ein düsteres Gepräge. Die Beiden paßten, wenigstens ihrem Aeußeren nach, wie Tag und Nacht zu einander, und ich konnte nicht begreifen, wie die junge Frau lachen und schwatzen konnte, im Bewußtsein, an einen solch' finster blickenden, bärbeißigen Gemahl gefesselt zu fein. Ihr Herz hatte seine Sprache ohne Zweifel noch nicht gefunden. Direct von der Schuldank kommend, war sie von ihren Eltern dem Manne, den letztere ihr ausgesucht, vermählt worden. Sie besaß nun kostbare Toiletten, konnte nach Herzenslust Eonfect knabbern. Korso fahren und Gesellschaften geben, da nahm sie den finstren Gatten, den ich in meinen Gedanken unwillkürlich mit einem Othello verglich, mit in den Kauf. , Man wußte, daß sie ihn ohne Liebe geheirathet. In ihren Kreisen sand man dies ganz in der Ordnung. Während ich im Stillen Betrachtungen darüber anstellte, wurden auf einem großen Servierbrett Berge von Nüssen herumgereicht. Neben letzteren lag eine Schicht kleiner grauer Papiersäcke. Im Salon entstand ein lebHaftes Durcheinander. Alles griff zu und füllte die Säckchen it Nüssen, um sie darauf in dcnKleidertaschenverschwinden zu lassen. Dann erfolgte sehr schnell der allgemeine Aufbruch der Gäste, welcher mit vielen Küssen und Händedrücken vor sich ging. Ich ließ mir nachher erklären, daß auf armenischen Gesellschaften das Serviren von Nüssen ein Zeichen sei, daß es an der Zeit sei, daß die Gäste aufbrächen. Nach Verlauf von mehreren Jahren ich hatte Astrachan bereits auf immer verlassen besuchte mich die älteste Tochter des alten Paares, dessen Gastfreundschaft ich noch heute in dankbarer Erinnerung bewahre. Ich erkundigte mich nach gemeinsamen Bekannten, auch nach den beiden Margaritas, die mich damals so sehr interessirt und mir viel Stoff zum Nachdenken geboten hatten. Ich bin mit der ältern der Eousinen nach Petersburg gekommen," erwiderte die Wittwe, sie hat jedes Jahr ihrem Manne ein Kind geschenkt und ist so kränklich und blutarm, daß sie einen hiesigen Speciallen zu Rathe gezogen und jetzt einige Wochen lang hier eine Kur brauchen wird. Sie hat ein schweres Loos, die Arme, ihre Schönheit und Gesundheit sind in knapp sechs Jahren dahin. Außerdem ist ihr Mann ein Haustyrann, er plagt die arme Seele mit grundloser Eifersucht. Es ist ein trauriges Glück, das sie gefunden. Ich habe es oft gesagt und bleibe auch dabei, wer aus Liebe heirathet, begeht einen unvernünftigen Fehler." Nun, und die Andere die andere der Cousinen, wie geht es ihr?" fragte ich verwundert. Ach das arme Herzchen sie ist todt, schon längst. Sie starb zeitig, vor Schwäche sagten die Aerzte. Wir Alle haben sie sehr beweint. Und sie wäre, hätte ein so früber Tod sie nicht ereilt, gewiß stets glücklich geblieben, denn der Reichthum ihres Mannes mehrt sich von Jahr zu Jahr und er. der Mann, hätte sie auf den Händen getragen. Er war so verliebt in sie. Er hat auch nicht zum zweiten Mal geheirathet. er lebt nur für seine ToÄter. sie heißt nach ihre? Mutter Margarita." Nachdem die redselige Wittwe geganqen. saß ich noch lange sinnend im Zwielicht des hereinbrechenden.Abends. Arme Margarita! Erklärte Schwärmerei. Wesbalb Fräulein Gfriht nur so für den Rhein schwärmt?" Ja. sehen Sie. die hat sich am Rhsm nach einem Rheinländer beim Rheinw?m mit einem cvelnianver verlor:.

Luftschiffe. , ' - Als vor nunmehr mehr, als einem Jahrhundert die Luftschifffahrt mit der Erfindung Montgolfier's in's Leben trat, betrachtete man sie als ein Wunderkind unter den Erfindungen. Wunderkinder pflegen aber in ihrev späteren Entwickelung die erregten Hoffnungen meist nicht zu verwirklichen und das gilt auch bis auf den heutigen Tag von der Luftschifffahrt. Es soll damit keineswegs behauptet werden. daß sie keine Fortschritte gemacht habe, aber im Vergleiche zu der. EntWickelung der Elektricität und der Dampfkraft sind es immer nur bescheidene Erfolge, welche die Aeronautik zu verzeichnen hat. Erst ganz neuerdings macht sich eine regere Thätigkeit, ein frischerer Zug auf diesem Gebiete bemerkbar und die Zahl der Patente, welche in Washington auf Flugapparate, Luftschiffe u. .

TSfsSA gg g-rsry E o w d o n's Luftschiff. w. herausgenommen werden, ist in rapidem Wachsthum begriffen. Wer diese Bewegung genauer betrachtet, kommt zu der Ueberzeugung.daß es die Vorboten einer gänzlichen Umgestaltung auf dem Gebiete der Luftschifffahrt sind, welche er beobachtet. Von deutschen Erfindern hat sich besonders der Ingenieur Otto Lilienthal, der '-- v-for Virj?, Ovfer eines unglücklichen Flugversuches wurde, auf diesem Gebiete Verdienste erworben, unciiitjui cuitio;uc den Schwebe- und Segelflug und constatirte zuerst, daß man sich mit einem Flugapparat, der in der Hauptsache den Flügeln eines Vogels gleich war. von geringer Höhe aus in schräger Linie auf einige hundert Aards weit durch die Luft fortbewegen könne. Ein womöglich noch höheres Interesse beansprucht die Erfindung deZ als Astronom rühmlichst bekannten Professors Langley in Washington. D. C. Langley's Luftschiff, besser gesagt Flugmaschine, besteht aus zwei übereintnderliegenden, dachförmigen B a t t e y's Luftschiff, dünnen Platten, die ein wenig nach aufwärts gerichtet und unter einandev durch ein Gestänge von Stahl verbunden sind. Diese schräg gestellten Platten werden rückwärts durch eine Art Steuer vervollständigt und durch zwei Flllgelschrauben nach vorwärts getricben, sie heben sich durch den Druck des Windes wie ein Drache schräg in die Luft und fenken sich bei aufhörender Vorwärtsbewegung dadurch, daß der Druck des Windes nachläßt. Die Breitenausdehnung des ganzen Apparates beträgt 14 Fuß, sein Gewicht 24 Pfund. Die bisher, gemachten Versuche haben günstige Resultate ergeben, die erreichte Flughöhe betrug 200 Fuß, die Länge der Fahrt eine halbe englische Meile, weil der Maschine der Dampf ausging. Auf anderen Principien beruht die Erfindung, welche James Sledon Cowdon in Vienna, Fairfax County, Erickson's Luftschiff. Virginia, sich hat patentircn lassen. Bei der. Eonstruction seines Lustschiffes hat er nicht den Vogel in der Luft, sondern den Fisch im Wasser zum Vorbild genommen. Der Fisch kann im Wasser in vollständiger Ruhe verharren und sich vermittelst seiner Schwimmblase beliebig nach oben oder nach unten bewegen. Dazu behauptet Cowdon mit seinem Luftschiff ebenfalls im Stande zu sein. Dasselbe besieht aus drei Cylindern, von denen zwei sich in derselben öhe befinden, während der dritte hcer anaeoracht ist. Diese Cylinder werden m!t Wasserlioffgas oder einer anderen Gas art gefüllt und erhaltcn darauf eine ihrer Größe entsprechende Hebekraft. Die Enden der Cylinder sind teleskopisch in einander aeschoben und lassen sich durch eine sinnreiche Vorrichtung derlänaern oder verkürzen. Da nun die Hebekraft der Cylindkr von ihrem Fläficnir.calt aoTvinc.i, kann der Fübrer Ve Fws.n-.a'chine ncchBcl':bcn 10 Zoll

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oder 10 Fuß heben, je nachdem er die Cylinder - verkürzt oder verlängert. Zwischen den mit Stahlgestängen abgesteiften unterenCylindern ist die zum

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Smith'sLuftschiff. Fortbewegen erforderliche Maschine angebracht, an beiden Enden befinden sich Propeller, welche das ganze Luftschiff balanciren. und dazwischen liegen die Steuervorrichtungen. Die Gondel mit den Passagieren hängt noch tiefer. Der Erfinder behauptet, mit diesem Luftschiff 100 Meilen in der Stunde zurücklegen zu können, doch vorläufig hat er dasselbe erst auf dem Papier vollendet und daher seine Leistungsfähigkeit noch nicht ad oculos demonstrirt. Mit einem Cylinder, begnügt sich der New Yorker Erfinder Sumpter B. Battey für ein Luftschiff, von welchem er Wunderdinge verheißt. Der cigarrenförmige Cylinder ist aus Aluminium construirt und die Aufwärtsbezw. Abwärtsbewegung wird durch mächtige Flügel bewirkt. Originell ist Battey's Methode der Vorwärtsbewegung. Am Hinteren Ende befindet sich eine Art von Becher mit einer rückwärts liegenden Oeffnung. In diesen Becher fällt alle sechs Minuten aus einem Rohr, dessen Thätigkeit durch ein Uhrwerk automatisch regulirt wird, eine Nitroglycerin-Pille; dadurch wird jedesmal ein elektrischer Strom geschlossen, der eine Explosion verursacht, und der entstehende Stoß treibt das Luftschiff vorwärts. Der Aluminiumcylinder wird vor dem Aufstieg mit Wasserstofsgas gefüllt. Der Explosionsbecher kann von dem Führer des Luftschiffes mittels eines Apparates nach rechts und links gedreht werden und dadurch wird das .Steuern bewirkt. Die Gondel ist unter dem Cylinder angebracht. C h a n u t e's Flugmaschine. Eine Combination eines mit Wasserstoffgas gefüllten Seidenballons, zweier Flügel und eines den Bewegungsmechanismus enthaltenden Cylinders ist die Flugmaschine von Carl Erickson in San Francisco. Der Ballon dient zum Heben des Ganzen, die Flügel halten das Luftschiff im Gleichgewicht und im Innern des aus Aluminium construirten Cylinders befindet sich die Maschine, welche diePropeller treibt. Unter dem Cylinder hängt die 12 Personen fassende Gondel und unter dieser befindet sich ein Propeller. mit welchem die Aufwärts- und Abwärtsbewegung controlirt wird. , Einfacher sieht das Luftschiff des Dr. A. C. Smith von San Francisco aus. Der. Rumpf dieses Luftseglers besteht aus einem Cylinder mit konifcher Spitze, der am hinteren Ende eine Propellerschraube hat. Der 145 Fuß lange und 39 Fuß im Durchmesser betragende Cylinder, der aus Aluminium gearbeitet ist, entbält die Kleinigkeit von 89.593 Cubikfuß Wasserstoffgas und in seiner ganzen Länge ziehen sich zu beiden Seiten zwei riesige Flügel hin, die ebenso wie der. Propeller von einer starken Maschine getrieben werden. Die Flügel sollen 15 bis 20 Bewegungen, die Schraube 1500 Umdrehungen in der Minute machen und der Erfinder behauptet, mit diesem Luftschiff die Entfernung von San Francisco nach New Dork in 40Stunden zurücklegen zu können. Vorläufig hat er freilich noch keine Veranstaltungen zur Ausführung dieser kühnen Verheißung getroffen. Weniger prätentiös ist die Flugmafchine des Prof. Octave Chanute, wclcher für dieselbe auch nicht den stolzen Namen Luftschiff beansprucht. Prof. Chanute. welcher früher dem amerikaNischen Jngenieurverein als Präsident vorstand, hat bei seinem Apparat den Mechanismus des Fahrrades mit Flügeln combinirt und thatsächlich mit demselben schon eine Anzahl er folgreiche Flugversuche gemacht. Ausrede. Aber Eduard, ich glaube gar. Du hast heute getrunken?" Ja, meine Theure, sonst war ich Dir immer zu geistlos." D e r M a n n schätzt an anderen Frauen oft Eiienschafien, von d:nen er froh ist. daß seine eigene sie nicht besitzt. , ' Aha ! 'b-r 5:e-r Nzchb??. was war denn das beute Nacht sür ein Lärm bei Ihnen?" Ach nichts, meine Frau sagt: mir nur. wie spät es sei. als ich nach Hause kam." 'Secundärbah n. Passagier: Warum stelt der Zug?" Schaffner: Da vorn sitt zwischen den Sicnen eine Henne und da warten I wir, bis sie ihr Ei g'!?g! ha! .

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Venndorftr Trachten. Von lieblichen und fruchtbaren Gesilden umringt, begrenzt von den sanft aussteigenden Hügeln des Deistergebirges, liegt in der ehemaligen kurhessischen Grafschaft Schaumburg, etwa drei Meilen westlich von der schönen Stadt Hannover entfernt, das heilkräftige Bad Nenndorf. Es ist zwar kein Weltbad. das Tausende von Fremden herbeilockt, aber fooch in mancher Hinsicht berühmt. Anmuthig ist auch die Umgebung Nenndorf's, die Gelegenheit zu schönen Ausflügen bietet. Vor Allem sind die freundlichen Dörfer Groß- und Klein-Nenndorf mit ihrer biederen treuherzigen Bevölkerung aus uraltem Sachsenstamme hervorzuheben. Sonntag Nachmittags, wenn die Curmusik ihre Weisen ertönen läßt und vor dem Curhause und unter den Linden der Esplanade die Badegäste lustwandeln, mischen sich

Kranzjungfern. auch die Burschen und Mädchen der Dörfer unter die Menge und erfreuen Auge und Herz durch ihr heiteres, frohsinniges Wesen und die leuchtenden Farben ihrer Kleidung. Die Nenndorfer sind nämlich trotz aller Wandlungen der Zeit durchaus nicht neumodisch geworden, sondern haben treu die Sitten und Gewohnheiten ihrer Vorfahren fowie die alte kleidsame Tracht bewahrt. Anthropologen, wie Virchow, haben diese Tracht gerühmt und sie findet auch Gefallen bei den Stadtdamen. Viele Frauen und Mädchen, die zur Cur in Nenndorf weilten, ließen sich in dieser Tracht beim Nenndorfer Photographen aufnehmen. Unsere Abbildungen führen uns Nenndorfer in ihrem Staat vor. Mädchen und Frauen tragen einen rothen Rock und ein buntes Mieder, über das ein reich ausgenähtes, mit zahllosen Flittern besetztes Tuch geschlungen ist. Eine Bernsteinkette und eine weite Krause zieren den Hals, den Kopf bedeckt eine schwarze mit Vändern und Perlenstickereien geschmückte Mütze; große silberne Ohrringe und eine silberne Spange vor der Brust vervollständigen den Schmuck. Für gewöhnlich tragen die -Nenndorfer Schönen bunte leinene Schürzen, Sonntags a'ber bunte seidene Einfacher ist die Männertracht. An Wochentagen besteht sie aus einer langen Hose, einer bunten Jacke mit zwei Reihen buntgestickter Knöpfe und der mitten Jacke" oder einem weißleinenen Ueberrock, dessen Taille dem Träger fast in der Schultergegend sitzt. Als KopfbeDeckung dient für gewöhnlich eine Zipfelmütze. Sonntags tragen die Männer einen langen schwarzen Tuchrock mit kurzerTailie und zwei Reihen bunter Knöpfe.; die Zipfelmütze wird für die Festtage durch eine fchwarze Pelzmütze ersetzt. Wie überall zeigen die Bauern auch in Nenndorf ihren schönsten Staat bei Familienfesten, namentlich bei HochzeiBurschundMä'dchen. ten. Wer von den Fremden Gelegenheit findet, einen Nenndorfer Hochzeitszug zu fehen, hat daran seine helle Freude. Mit bunten Bändern geschmückte Reiter sprenge auf reich geschirrten Rossen dem Zuge voran. Ihnen folgt der ganz mit Tannenreisig umwundene Brautwagen mit dem Brautpaare und denKranzjungfrauen. Die Kleider der letzteren sind natürlich besonders kostbar, reicher als für gewöhnlich verziert, und den charakteristischen Schmuck bildet ein etwa 10 Zoll hoher Kranz, der von rothen Perlen, Flittern und kleinen ovalen Spiegeln zusammengefügt ist. Denselben Kranz trägt ein junges Mädchen.wenn es Pathin wird. Noch prachtvoller ist die Tracht der Braut. Sie trägt einen schwarzen Tuchrock und ein Mieder, das mit Silber- und Perlenstickereien verziert ist. Den Kopf schmückt der bereits enoähnte Kranz, von dem aber ! silber- und goldgestickte Bänder ringsum beraosiattern. daß sie das Gesicht der Braut fast völlig verdecken. Die Bernsteinkette ist mit einem silbernen Schloß verschen und die silberne Spange vor der Brust besonders reich vergoldet. Der Vrautanzug, den der : Bräutigam zu schenken pflegt, !?at in ! der Regel einen Werth von L00 bis ! 600 Mark. Der Bräutigam trägt den

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, , j bereits beschriebenen landesüblichen

Sonntagsanzug. Nach der Trauung geht eö unter allerlei Scherz heimwärts. Bor dem Eintritt in's Haus wiest der Bräutigam ein Weinglas hinter sich; das Zerschellen desselben verheißt Glück. Alsdann beginnt auf der langen Hausdiele" ein fröhliches Festmahl, dessen Beschluß ein Tanz bildet. Das Böhme-Tcnlmal. Keine Stadt im deutschen Vaterlande hat wohl im letzten Jahrzehnt so viele Denkmäler geschaffen wie Görlitz im schönen Schlesierland. Jetzt soll dort abermals ein Monument errichtet werden und zwar soll dem Görlitzer Theosophen in der Schusterwerkstatt, Jakob Böhme, ein sichtbares Zeichen der Verehrung und Werthschätzung zu Theil werden. Die Anregung hierzu ging von der Schuhmacher-Jnnung in Görlitz aus, die gelegentlich der Hans-Sachs-Gedenkfeier im Jahre 1894 den Beschluß faßte, dem ehrsamen Handwerksgenossen und Philosophen Jakob Böhme, der im Jahre 1575 zu Altseidenberg geboren wurde, in Görlitz lebte, arbeitete und nach Tagen schweren Leides und bitterer Enttäuschung am 17. November 1624 starb, ein Denkmal zu setzen. Ansichtdes Denkmals. Im Sommer des Jahres 1895 bereits erhielt der Gedanke der Errichiung eines Jakob Böhme-Denkmals durch Veranstaltung von Sammlungen eine feste Gestalt, und dem rührigen Eifer der Schuhmacher-Jnnunz, die einen Aufruf erließ, ist es gelungen, einen stattlichen Fonds zusammenzutragen, der allerdings noch einer bedeutenden Erweiterung bedarf, wenn der Jakob Böhme-Brunnen nach dem Modell von Prof. Johannes Pfuhl in Charlottenburg zur Ausführung gelangen soll. Der Künstler verkörperte den Görlitzer Theosophen.die noch vorhandenen Bilder desselben zu Grunde legend, aus freier Phantasie und nahm sich weiterhin, um für die Bildung des Gesichts eine gewisse Directive zu haben, die Worte des Pastors Schönwälder in Görlitz, des Verfassers ' der Biographie Böhme's, zur Richtschnur, die also lauten:. Seine Erkenntniß ist eine unmittelbare, wie eine Erleuchtung über ihn kommende. Er ist kein Denker, kein Grübler, sondern ein Seher. Kein Traumseher und kein Geisterseher, sondern ein Schauer im Geiste, im Lichte der Ewigkeit. Und was er mit dem Auge seines Geistes sah, und worin er lebte, das schrieb er nieder." Die Vallonärmel in ihrer Ausnützung für die liebe Familie ! GalanterieinderKüche. Jette, wenn ick Ihnen K5öße machen sehe, muß ick immer an Ihnen denken." Na. wieso denn?" Nu, Sie sind schön und's Schönsie zu die Klöße is doch 'ne jute jebratene Jans!" Schnell gealtert. Kellnerin: Sie lernt man doch nimmer auskennen, Herr Rath. Bei der ersten Maaß nannten Sie mich Ihren lieben Engel und jetzt bei der achten Maaß bin ich eine alte Hexe. Rath (brummend): Na, da liegt doch auch schon 'ne Menge Zeit dazwischen!

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Bitte Feuer!

Zn den Wiesen. Noch - immer zieht der Strom der durch das obere Rheinthal dem Süden zustrebenden Naturpilger zumeist an der Kette der Vogesen vorüber, ohne diesem gesegneten, reizvollen, in vieler Hinsicht so bedeutsamen, ja großartigen Gebirge auf deutscher Erde mit seinen Dörfern. Städten, Bewohnern, seinen Kunstschätzen und seinem Gewerbesleiß das gebührende Interesse zu schenken. Wer als Deutscher diese hervorragend schöne Natur durchwandert und inniger kennen gelernt hat, wird das freudig stolze Bewußtsein in sich tragen, daß die siegreichen Waffen des letzten Krieges dem Vaterland ein kost bares Kleinod wiedergegeben haben. Die malerischsten Punkte der Vogesen sind auf einer kurzen Wanderung von Kolmar, der Hauptstadt des OberElsaß, leicht zu erreiche Folgt man den Ufern der Fecht, eines klaren Gebirgswassers, so gelangt man nach Türkheim, der alten, von Weinbergen umkränzten Reichsstadt, am Fuße der Vogesen. Die traurige Erinnerung an das verhängnißvolle Treffen zwi-

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Türkheim (Markt), schen dem Großen Kurfürsten und Turenne (1675) wird durch den Anblick der heiteren Gegend, der gesegneten Rebberge, der charakteristisch-alter-thümlichen Stadt bald verscheucht. Man fühlt sich beim Anblick der Giebelhäuser, auf denen nicht selten ein Storchennest thront, in vergangene Jahrhunderte zurückversetzt. Türkheim gehört zu den hervorragenden Weinorten des Elsaß, von denen ein alter Denkspruch sagt: Zu Thann im Rangen, Zu Gebweiler in der Wannen, Zu Türkheim im Brand Wächst der beste Wein im Land. Doch gegen den Reichenweier Sporn Haben sie all das Spiel verlorn." Mit dem feurigen Türkenblut" gestärkt, setzen wir unsere Wanderung fort durch die Nebgelände von Katzenthal und Ammerschweier nach Kaysersberg, einer alten, noch jetzt theilweise ihren ehemaligen Character wahrenden Reichsstadt, die von dem Hohenstaufen Friedrich II. dieStadtmauern und das jetzt noch als Ruine vorhandene Schloß als Erweis kaijerlicher Huld empfing. Die Stadt, in deren Mauern der berühmte Geyler erKaysersberg (an de: Weißbrücke). zogen wurde, erinnert noch in der Renaissancearchitectonik ihres Rathhauses und einiger Bürgerhäuser mit dem freundlichen Erkerschmuck (Fachwerkbau) an den kunstliebenden Sinn seiner alten Bürger. Von den Vorbeicjn bringt uns eine Schmalspurbahn an den Fuß der Hochvogesen, und durch Urbeis (Orbey), einen Ort mit fast durchweg romanischer Bevölkerung, in die gewaltigen Granitmassen des kristallinischen Kammes, hinauf zu den berühmten Seen, dem Zielpunkt aller Bergsteiger. Der schwarze und weiße See, schon durch ihre Lage in fcr erhabenen Felsengegend von großartiger Wirkung, gewinnen noch durch ihren Ursprung an Interesse, insofern sie Ueberree alter Gletscherseen sind. Auch Moräne in ihrer Nähe erinnern noch an die Zel der Gletscher.. . Südlich davon liegt deV.grüne oder Darensee, dem Billing iy seiner Geschichtt und Beschreibung cs Elsaß" (Basel 1782) die Eigenschaft zuschreibt, dah sein Wasser von Johanns bis Jakobi in eine klebrige und grunl!a),Ma!er!e stockt und gerinnt und dann wieder hell wird wie zuvor." Dieser wunderlichen rQrJk r:.i kt.r : je i s . , vz Iuy.t iv uuy iicjj. luuiii Uiul UllUC"-1-zu Grunde als die Thatsache, daß i'.. oben erwähnter Zeit Wasserpflanze,' den See besonders zahlreich bedecken. , r t ! I 3) er Ueberfluß mach? mehr Menschen unglücklich, als der. Mangel. N o b e l. Direktor (einerSchmie- 1 re. Kinter den Coulissen mm Scbzu- j spieler): Grsliski. die Einahme heute gut. ich lasse Ihnen in der los menden Scene wirklichen Limbur serviren! ) Poesie und Pro"' Herr: Vergangene Woche habe ich herrliches Gedicht ufaern! gnädiges Fräulein!sFräulein:Az. haben Sie's mir den nicht zugef? Herr: Entschuldigm Sie, ich hat7 rade Geld nöthig, da habe ich's' fünf Mark an ein: illustrirteZeitsk verkauft!

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