Indiana Tribüne, Volume 20, Number 31, Indianapolis, Marion County, 18 October 1896 — Page 3
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Revanche! Von Arandn ZZaro von Asöttls.
(14. Sortierung.) Wieder war das schleierariige Flimmein vor Viklors Sinnen, und es geschah ihm alles wie in einer Traumschwüle. Er ließ sich über die Boulevards hinfahren nach dem Bahnhof, weil der Mann mit dem goldbetreßten Käppi es so befohlen. Dort angekomnun, würde Jemand oder Etwas da sein, das ihn zum Aussteigen veranlaßte und ihm lveiter befehlen würde, was zu thun fei. Ja, es würde schon irgendwoher ein Kommando Eins Zwei drei!" ertönnen, das ihn im richtigen Augenblick den Finger an dem Hahn des Revolvers krümmen" hieße. Was wollte er denn? Doch nicht sein Weib niederschießen? ohne sich von ihrer Schuld überzeugt zu haben? Aber ihn! ihn! Plötzlich überfiel ihn ein ungeheurer Schreck! Er rief dem Kutscher zu, anzuhalten. Der Mann hörte nicht und das Fuhrwert saufte wahnsinnig weiter. War der Ruf ihm in der Kehle stecken geblieben? Er griff in die bewußte Seitentasch: nach der Waffe und wollte sie herausreißen, um sie auf den Fahrdamm zu schleudern. Aber seine Hand blieb wie angeklammert in der Tasche haften und sie ruckte nicht. Die kalten Schweißtropfen thauten auf seiner Stirn, und die Angst schnürte ihm den Athem zu die entsetzliche Angst vor sich selber. Was ist denn das! Ich kann nicht mehr, wie ich will! Es ist ein Dämon über mir, in mir die Revanche, die Revanche befiehlt, und ich muß gehorchen! Und der Fiaker sauste, jagte, raste dahin, die andern Fuhrwerke üöeryolend. Viktor hatte sich auf das LederPolster zurückgeworfen und ließ'geschehen, was geschehen sollte. Durch das Geflirr des Schleiers sah er die Menschenströme des Trottoirs sich gleich großen Schlangen dahinwälzen. Hi,r und da schnellten gleichsam deutlichere Einzelheiten aus dem Chaos von Farben. Gestalten und Bewegungen. Der grandios thuende Kaf6kellner, der mit theatralisch erhobener Kanne den braurren Trank in die Tasse eines Gastes springen läßt ein Polizist mit ausgestrecktem Arm und hohl zum Befehlen aufgerissenen Mund ein Herr, der sich zwischen dem Gewühl des Fahrdammes durchwindet, die Augen trotzdem zah auf die Zeitung geheftet, die er in den Händen ausgebreitet hält. Jetzt biegt der Wagen in eine Rebengasse ein, und nun hört Viktor erst das Gerassel der Räder auf dem harien Pflaster, das bisher der gewaltige Allerleilärm des Boulevards verschlungen. Plötzlich stutzt das Pferd aufbaumend. Es ist ein Lastfuhrwerk im Wege und ein Wortwechsel erhebt sich. Gottlob für diesen Aufenthalt! Run kommt der Wagen zu spät! Viktor fühlte sein Herz vor Erregung hämmern. Er richtete sich empor, um dem Wortwechsel zu lauschen. Da hatte aber der Kutscher auch schon wieder Kehrt gemacht und raste mit verdoppelter Geschwindigkeit nach dem Boulevard zurück, um die nächste Seitengasse einzubiegen. Und Viktor sank mit einem Stöhnen wieder in das Polster. Jetzt hallte der tief klagartige Ton eines Lokomotivensignals in das Gerassel des Wagens. Die enge Gasse hellte und dehnte sich zu einer großen Weite. Unter einem auf leichten Eifenfaulen ruhenden Dach quoll und wogte ein weißerDampf mit gewaltigem Zischgetöse. Jetzt ward aus den verwehenden Dampffetzen eine Reihe von Eisenbahnwaggons sichtbar. Das Gitter trennte sie von dem Vorplatze, an dem Gitter lehnten und standen Menschen, die den Abreisenden, denen sie nach französischem Bahnrezlement nicht auf den Perron folgen dürfen, ihr Lebewohl von hier aus zunickten und zuwinkten. O. er kannte die Situation wohl; er erinnerte sich sehr deutlich d:r Stunde, da er sein Weib nach ihrer Rückkunft von Mülheim hier erwartet hatte, da sie ihm von jenseits des Git ters mit ihrem lieben, hübsche-,', frischen Gesichtchen ein lächelnde Willkommen geboten. Und wie ihn damals vor Freude darüber eine Lust ngewandelt, sie in seinen Armen emporzuHeben und den kostbaren Schatz vor aller Augen nach -der bereitstehenden Equipage hinzutragen. War es die 'Vision dieser Bergan genheit? Wieder lüftete sich der gespenstische. Schleier vor seinen Blicken, und d'.e' schärfste Deutlichkeit sprang ihm,5.ntq:gen. Dort an dem geöffneten Fenster eines Waggons stand sie! Er sah das Lächeln ihres lieben Gesichts ihre Hand war erhoben und ließ ein weißes Tüchlein wehen. Doch nicht etwa ihm galt das. der eben aus dem Fiaker sprang? Nur drei Herzschläge noch pochte dieser Gedanke. Ein paar weitere Herzschläge noch stierte er nach dem winkenden Tüchlein hin. Jetzt das Läuten einer Glocke, ein hoher Pfeifton der Lokomotive, und im zischelnden Dampf schiebt sich der Zug schwer und lang sam vorwärts. Wem denn? Teufel, wo ist er, dem das Wehen des Tüch keins galt? Wo wo wo ist er? Es stehen viele dort am Gitter, die .' ebenfalls winken . Plötzlich wo.ndte er sich und prallte , kur zurück. Unweit hinter ihm. etwas halbrechts, stand Zeür.er. Der Preuße schien ihn nicht bemerkt zu b ben. wenigstens fuhr er fort, mit gefpannter Anfmerksamkeit das Absahren des Zuges zu verfolgen. Er stand hoch aufrecht, mit seiner imposanten Figur, ein starker, kräftiger Mann, der ihn, den zierlichen Franzosentypus. überragte. Auch er hatte den Arm er. hoben und winkte mit seinem Taschen, tuch dem nun schneller forteilenden',
Äuge nach. Es aeschab kalt über Vik-
tors Kopf hinweg, und wenn damit ein Hohn beabsichtigt war, so konnte der nicht 'schärfer zum Ausdruck kommen. Aber nein jener hat offen bar Viktor nicht bemerkt! Doch gerade viele völlige Aerlorenheit, seine auf sie gerichteten Blicke, das Winken über sei. nen. des verlassenen Gatten Kovk bin weg. war solck unaebeuerlicker Qobn! Ein so glückseliges Lächeln verklärte vie männlich schonen Zuge. Vor Viktors Auaen war ein ??luiben von rothen Lichtern, seine Hand wühlte in der bewukten Tasche. ?kekt rik er die Waffe daraus hervor und richtete sie mit wagerecht vorgestrecktem Arm gegen Die breite Brust fernes Opfers. Preußischer Hund!" schrie er. ganz von binnen. lott Schuß fuhr Ic8, mit einem kurzen scharfen Knall; durch das Fluthen der rothen Lichter sab er die Gestalt des Getroffenen mit gegen die Herzseite der Brust aekramvkter ano in oen Knieen wanken unS hnnn . . . . o-- ri gleich einer Säule auf's Dklaster stürzen. Ein zuckendes Wälzen, dann zcrrren ,:a? oie pauste des Sterbenden m schnellen, zackigen Bewegungen. Flua Sichtete sich die Menscksn. masse um den Tbäter und das Odker. Alltor versuchte weder eine Flucht, noch wehrte er sich aeaen die Berbaf. ' r , tung durch die Stadtsergeanten. Er ...... - i nannie leinen icamen. nock ebe man idn oanaq gefragt. Und wer ist der da?" fnack dem ,, . - . ' i -iGetroffenen weisend). em Name ist Zeuner Tod den deutschen Verrätbern!- antwortete Viktor grimmig. Ein Prussien! Ein Prussien!- So fort ging ein empörtesAuffahren durch Die Mane. Was! Ein Prussien! Dann ist ibm recht geschehen! Tödtet sie alle!" Bravo bravo!" ioblte es. Ein. zelne, die um den Getroffenen beschäftigt waren, standen davon ab. mit einem entrüsteten Achselzucken Wenn es ein Prusten it.... Die beiden Stadtseraeanten bielten es für gerathen, den Thäter eiligst in Sicherheit zu bringen, ebe ibn der ausbrechende Fanatismus der Mena: aus ihren Händen befreite. Neunundzwanzigstes Kapitel. Der Gefangenwärter brachte dieZeihingen in Viktors Zelle. O. man behandelte ihn wie eine Nespekti Person, und er hätte sich oft besinnen können, ob er es denn wäre, der einen Mitmenschen auf offener Straße meuchlings über den Haufen geschossen. Er hatte die schönste Zelle der Anstalt, wenn man die mittelgroße, mit bcquemeren Möbeln ausgestattete Stube, de, ren breites vergittertes Fenster sich auf das wimmelnde Häusermeer der Weltstadt öffnete, eine Zelle nennen konnte. Es fchlte ihm an nichts als an der Freiheit und die vermißte er nicht. Erst nach einer Weile fuhr er aus seinemBrüten auf und griff mechanisch nach den hingelegten Blättern. Er durchstöberte eins nach dem andern, hastig, mit wachsendem Unwillen. Immer noch dasselbe! Ueberall stieß sein Blick auf den Sensationsfall Jaminet". Zum hundertsten Male wurde ihm da seine Heldenthat vorgehalten. Er sah sich auf dem schwindelnden Bombast patriotischer Phrasen bis zum Himmel erhoben; man glorifizirte ihn wie einen Märtyrer, der sich für eine heilige Sache geopfert. Möge fortan jeder Patriot das Gleiche thun! Ist nicht jedes Deutschen Anwesenheit in Paris und Frankreich eine versteckte und offene Beleidigung? Wenn einJeder. den es zunächst angeht, sich seinen Preußen aufs Korn nimmt, so ist die wirkliche Befreiung des Territoriums von der preußischen Besudelung bald vollbracht! Und so weiter und kein Ende! Mit einer Bwegunq des Ekels schleuderte er die Blätter auf den Tisch. Auch sonstige Ovationen hatten sich wie an den anderen Tagoen eingefunden: Briefe. Billete. Verse, schwülstig, aufgeregt, tollhäuslerisch. Die öffnete er nich einmal mehr. Mein Gott, wann werde ich denn von sol chen Widerlichkeiten erlöst sein? O, er kam sich selbst durchaus nicht als ein Held vor! Er war durchaus nüchtern geworden, er war aus seiner Tollheit erwacht die Andern staken noch darin. Acht Tage hielt ihn die dumpfe Lähmung umfesselt, dann kam das Erivachen: ein Brief von ihr, der all seine Starrheit, seine künstlich entfachte Wuth, seinen Patriot!schen Wahnsinn in bittere Thränen der Neue und der Zerknirschung zerfließen ließ. Nur wenige Zeilen: Keine Lüge in dieser Stunde! Ich kenne Deine Qualen, und was an mir ist. soll zu ihrer Linderung beitragen. So erfahre denn Aug' in Auge, daß ich unschuldig bin, und daß ein Unschuldiger zum Opfer gefallen. Ich verstehe, ich begreife Alles, und der liebe Gott wird mich auch Verzeihung lehren. Ich bete darum, ich bete, daß er Dir vergeben möge, wie Deine irdischen Richter Dir mit Sicherheit vergeben werden " Ja, wie ein großoffener Blick aus ihren unbeschreiblich klaren Augen sahen die Zeilen ihn an dagegen war kein Zweifel! Sie war unschuldig, wie der Andere unschuldig gewesen! Er ist ein unselig Kranker, ein Opfer der furchtbaren Hassesepidemie, die das arme Frankreich durchwüthet und zerwühlt. Und da kommt sie wie ein erbarmender Engel und bringt ihm die kostbare HimmelSgabe der Thränen. Von übergewaltiger Sehnsucht bew'altigt, streckte er die Arme nach ihrer milden Lichtgestalt aus. Aber er fühlte, wie sie ihn fanft abwehrte und ihn mit seinem Trostesflehen an eine höhere Stelle verwies. Ist doch fürder kein:
Gemeinschaft mehr mit ihr und ihr Liebe zu echoffen zwischen ihnen liegt für immer die hingestürzte Säule
des unschuldig Geopferten! Der Brief enthielt außerdem eine kurze Notiz über rhren Verbleib. Auf dem Bahnhof Epernay hatte die dort ausgeschrieene Nachricht von dem Entschlichen sie ereilt, und sie war sofort mit ihrem Vakr nach Paris zurückgekehrt, um der Aermsten der Mutter beizustehen. Nunmehr aber kehrte sie Paris für immer den Rücken. Er wollte ihr antworten, die Worte versagten ibm. Sie hatte so viel der Lüge, der Heuchelei, des Schwulstes, der schier verbrecherischen Eitelkeit, deZ erbärmlichen Charlatanismus hier in Paris erlebt, daß er fürchtete, sie mochte selbst zetzt m dieser Stunde das Bekenntniß seiner reuigen und sehnsüchtigen Thränen als Lüge, zum mindestens als Selbsttäuschung, den Nationalfchler der Franzosen, auffassen. So blreb er stumm. Ein paar Tage lang harrte er bei jedem Oeffnen der Thüre schrak er zusammen, da er wähnte, sie eintreten zu sehen. Hinweg mit solcher Gaukelei! Sie hat Pans sur immer verlassen und sie hat wohl gethan! Gott schenke ihr Frieden auf ihrem Wege! Was nun? Wieder war eine neue unheimliche Gaukelei da, mit der er sich in dem Einerlei der entsetzlich dahinschleichendenStunden betrog: die Hoffnunq, daß man ihn verurtheilen, ja zum Tode verurtheilen würde. Und er malte sich mit einer Art grausamer Wonne diese Erlösung aus. . Und doch konnte er täglich in den Zeitungen lesen, wie man seine Freisprechung gebieterisch verlangte und mit Sicherheit darauf rechnete. Er hatte den Verführer feines Weibes erfchossen so hieß es. Das allem wurde ihn am Tage des Urtheilsspruches frei ausgehen heißen; übrigens war man ja gewohnt, französische Geschworene sich in solchen Fällen von der Gefühlsäußerung der Menge bestimmen zu lassen. Noch mehr: der Verführer seines Weibes war em Preuße das Gebot der nationalen Würde und Ehre ließ den Geschworenen also keine Wahl. In unnützer Erregung wurde solchen undenkbaren und unmöglichen Geschworenen, die etwa stutzen könnten, eine allgemeine moralische Steinigung angedroht. Würde diese Freisprechung nicht das Symbol der zukünftigen großen Revanche bedeuten? Wäre sie nicht das Zeichen, an dem sich alle patriotischen Herzen aufrichten und erquicken müß ten? Uebrigens. war Gertrud nicht felbst von dieser Freisprechung überzeugt? Aber in verzweifeltem Trotz wehrte er sich gegen solche .Möglichkeit. Ich will nicht frei sein! Die Freiheit wird mir zur Hölle werden! Was soll ich, va draußen? Ich habe keineHeimaih mehr, ich werde nirgends Rast haben! Verurtheilt, verdammt, tödtet mich! Seid barmherzig! Nur nicht die grausame Marter solcher Freiheit! Zulekt rührte er weder die Zeitungen, noch die allerlei Zuschriften an; auch verweirte er den Bezuch zudringlicher Freunde. Ihr phrasenhaftes Gewäsch war ihm so widerlich als das gedruckte m den Zeminqen. Selbst Boularödes Besuch verschmähte er. den dieser kurz vor dem Tage des Urthellsspruches m semer Zelle cstatten wollte. Paris hat sich bisher gewundert, daß vu Stimme des T:,rtaus m dieser neuen Hetze fehlte. Wo steckt er denn? Seit vielen Wochen bereits, noch vor dem Tode des Tana-loid-Erfinders Armand, war er räthselhafterweise verschwunden. Seine Freunde sprenaten aus, er arbeite draußen im Dienste seines Vaterlandes und habe eine große Tournee angetreten, um Käufer sur den sranzo,:schen Revancheartikcl zu werben. In Wirklichkeit konnte man ihn unter den besenartigen Palmen von Bordighera. wo er der Neugier weniger ausgesät war. als m dem modischen Nizza, in eifriger Allianzwerbung mit einer ehemalig sehr schönen, aber immer noch liebesmächtigen russijchen Fürstin antreffen; endlich schien es Zeit, von dieser Ablenkung nach Paris zuruckzukehren, denn bei der wundervollen Esfektszene von Jaminets Freisprechung durfte er sich die Rolle des Arrangeurs nicht entgehen lassen. Natürlich gestaltete sich diese Frei sprechung zu einem großartigenSchaustück. daS ganz Paris" in Aufregung versetzte. Die Eintrittskarten zu dem Sitzungssaal der Assisen waren um stritten wie die zu einer sensationellen Theaterpremiöre. Ein hochelegantes Publikum füllte den Saal, man war ja der Freisprechung gewiß, und so brauchten die Toiletten ja auch nicht auf den Ernst der Situation Rücksicht nehmen. Die bewunderten Modedamen wetteiferten mit den gefeierten Koketten m der auffallenden Extravaganz der Farben und Stoffe. DerAusschli'ß von dieser Sitzung kostete manchen schönen Augen schmerzliche Thränen. Und waö war eigentlich zu seheii? Ein Tisch mit ein paar pedantischen Richterroben,-eine Loge, wo der Dellnquent zwischen zwei glanzend uniformirten und martialisch wichtigen Gendarmen saß. Diese vorsichtige Einrahmung, so wenig it durch das Bedürfniß geboten war, trug immerhin zur Erhöhung der Feierlichkeit b:i. und es gab nicht wenige unter den Zuschauern, die Viktor Jaminet um solch grandiose Pose und solch herrliche Re klame beneideten. War er Nicht großer als sie alle? Aber was für ein wunderlicher Kauz ist er doch? Sitzt da, blaß und apathisch, mit müden Augen vor sich ins Leere starrend nicht die geringste Spur von einem Bewußtsein, wie sehr er sich um die nationale Ehre seines Vaterlandes verdient gemacht!
Auch die kurze Verhandlung bot we
nig Interessantes. Der Prozeß lag so klar; der kostbare, in Silber ziselirte Revolver dort auf dem Tisch wußt mit dem dunklen Auge seiner Mündung mehr zu erzählen, als der Richter und der emstlblge Delinquent. Nur ein Zwischenfall: Der Vorsitzende: Angeklagter, Sie bekennen also, Ihre Frau Gertrud Jaminet auf dem Bttveis einer Untreue mit dem v. Sön6 in flagranti ertappt zu haben?" Der Angeklagte zuckt zusammen: .Nein, sie ist unschuldig " stammelt es von seinen fahlen Lippen. Der Vorsitzende, unwillig über diese Störung des Programms: . Aber als Sie auf den p. SLn6 fchossen, waren Sie doch von dem Motiv geleitet, Ihre beleidigte Gattenehre zu rächen?" Der Angeklagte macht eine abwehrend schüttelnde Geste in die Luft: Ich war krank ich war toll ich war wahnsinnig!- keucht er heiser. Ein Gemurmel derErregung schwillt durch die dichtgestauten Zuschauermassen. DerVorsitzende. ironisch erfreut über diese offenbare Bestätigung seinerFrage: Gut also. Sie waren von Sinnen in Ihrem Zorn..." Nach einer abermaligen ohnmächt'kg protestirenden Geste sank der Angeklagte in seine Apathie zurück. Vergeblich, gegen das Schicksal dieserFreisprechung anzukämpfen! Und er störte ferner nicht das Programm. Anscheinend theilnahmlos saß er da und ließ die Szenen des Schaustückes nacheinander vor sich abspielen: das unnöthige, nur zur Dekoration dienende Aufgebot der Zeugen die Instruirung der Geschworenen der bedeutunasvolle Abgang derselben die dom geschwätzigen Gesumme der Zuschauer erfüllte Pause die gespannte Stille, die dem Wiedereintritt der Geschworenen folgte der linkisch: Bericht des Obmannes plöhlich bricht ein frenetischer Jubel los. Bravogeschrei und Händeklatschen und johlende Rufe die Wände des ?aa les scheinen zu beben unter dem Tumult. Es ist das Wörtlein nein!" desObmannes. das die Schuld des Angeklagten hinwegstreicht. Jaminet hat es selbst nicht einmal vernommen. Er ist wirklich ein empörend wunderlicher Kauz! Was stiert er immer noch fragend in das Sturmgewoge der Menge hinein? Hat er denn nicht verstanden? Er ist frei hurra, er ist doch frei! Macht das denn gar keinen Eindruck auf ihn? Aber Geduld alles nach dem Programm! Noch eine Reihe feierlicher , .?. . r ! v. cnijf. UMilanoilllZleiien von vc wtity tertisches. dann öffnet ein Gerichtsdiener die Thür der Gefangenenloge, die beiden martialischen Gendarmen treten daraus hervor Bitte, mein Herr!" sagt der Diener, indem er Jaminet höflich zum Bertassen der Loge auffordert. Und Jaminet stolpert hinaus; unsicheren Schrittes wie ein Betrunkener stolpert er an der johlenden, bravoschreienden, tücherschwenkenden Zuschauermasse vorüber stolpert eine Flucht von Korridoren entlang, durch eine mächtige Halle, in der ihn allerlei Leute grüßen und in fanatischer Verzückung angrinsen stolpert die breite i. . . ' r ri i , . treppe mnao iioiperi in oen grossneten Schlag eines Fiakers hinein, den ihm zemand dorthin vor das Portal gestellt Es strecken sich ihm verschiedene Hände entgegen, die ihn beglückwünschen wollen, und mechanisch erwidert er ihren Druck, mechanisch verzerren sich seine G:sichtsmuskeln zu der kankaturartigen Nachahmung ihres Lächelns. Einer fragt ihn Wohin?- Er glaubt, es sei Voularde. Er zuckt mit den Schultern wohin? Ja wohin? Er weiß selbst nicht! Und der Fragende findet, daß es am besten sei. den Mann im Wagen dort sich selvit zu überlassen, damit er sich erst m dieser neugewonnen Freiheit zurecht findet. Teufel, er ist kein großer Geist!" flucht Boularöde. sich abwendend. Aber man muß ihn schon aufwecken es wäre doch schade, wenn an Jaminets sentimentaler Schwerfälligkeit der ganze schöne Effekt scheiterte! Und er piante eine Ovation für den Abend. Nun stolpert der Fiaker über das Pflaster und den Makadam, durch das Menschengewimmel enger Straßen und über weite Avenüen und Plätze, die von eleganten Equipagen belebt sind; stolpert ebenso apathisch in das junge Frühlingsgrün des Boulogner Holzes hinein wohin? ja wohin? Einmal hört der Fiaker auf zu stolpern. Jaminet sitzt am Ranve einci Teiches vor einem gedeckten Tisch. Es ist. köstlicher Sonnenschein, ringsum leuchtet das Grün. Funkenschauer glitzern über den Teich. hellgeStzte Kinder mit zarten nackten Rosaoeincken füttern jauchzend die vornehm hcrangleitenden Schwäne, ausgelassene Sperlinge tummeln sich zwitschernd im Kies, und von ferne, aus der dufterfüllten Waldesweite kommt der Sanaesgruß der Vögel. Ein so herrlicher Frühlingstag, und er ist frei! jeder Athemzug eine Equickung, über die man all' die kulinarischen Meisterstücke, die der Kellner herbeischleppt, verges sen müßte. Dennoch hat er keine Ruhe, hastig bricht er das Diner aö und der Fiater nimmt seine trostlos stolpernde Bewegung wieder auf. Nach einer Weile halt er abermals, diesmal vor einer seltsamen Ruine, die aus dem üppigen Gewucher einer Gartenwildniß ragt. Jaminet will aussteigen, doch, den einen Fuß bereits auf demBoden, stutzt er. Sein Blick haftet verblüfft auf einer gewissen Marmortafel dort am Thorpfeiler. Eigenthum eines Franzosen zerstört durch die Franzosen -
Von einem plötzlichen Schreck er-
grissen, fluchtet er in den Wagen zu rück. Nein, nicht jetzt, nicht heute! Vielleicht wird ihm die Marmortafel mit ihrer Inschrift für allezeit den fc'i:n v i . i ' vsinm 0011 oermeyren: im armer. alter, braver Vater.... Stöhnend ver hüllt er das Antlitz mit den Händen. Es begann zu dunkeln, als der ??ia ker die Wohnung in der Rue de Elöry erreicyle. s'war nun genug des Stolperns! Gleich seinem Vater will er sich nun in der andern Ruine des Sau ses Jaminet verstecken. Könnte die Marmortafel von La Mireille nicht treffender hier an dem Thorflügel prangen? Ein überaus trostloser Empfang! Der Portier hat seit Mongenasts Abgang und während Jaminets Haftzeit zum zweitenmal gewechselt, und er mug iicy dem Mann in der Loge, der ihn fragend ansieht, erst als Besitzer und Herrn des Hauses ausweisen. Wie der Mann erschrocken zurückfäbrt und dann durch widerliche Unterwürfigkeit orese 'Regung zu verwischen sucht! Schon gut. schon gut es klebt das Blut eines Unschuldigen an meinen Händen, man kann dem biedern, Phi. lister solches Zurückfahren nicht übelnehmen! Doch das ist Viktor willkommener als das Bravorufen der Fanatiker. Stille im Haus ruinenhafte Stille! Das Komptoir ist geschlossen zu dieser Stunde oder ist es überHaupt nicht mehr geöffnet worden seit jenem Tage? Ihm war im Vorbeigehen, als hätte er Spinnweben quer über ber Thürwandung bemerkt. Eine Verwechslung ei. das waren doch die Spinnweben, die das Gitterthor von La Mireille wie ein Trauerflor behingen! Der Teppicher Treppe ist entfernt; vorsichtig, wie in einer Scheu vor der Stille, schleicht Viktor hinan. Ein völlig steinernes Gesicht, das gar keine Empfindung zu äußern scheint. Auch das ist Viktor lieber als das Freuden, gejohl im Gerichtssaale. Ob der Herr etwas befiehlt? Nichts! Endlich ist er allein. Die Teppiche sind aufgerollt, die Lüstres mit plumpen weißen Ueberzügen verhangen, die unbedeckte Politur der Tische und Möbel glänzt aufdringlich trotz der Dämmerung, die hinter den herabgelassenen Vorhängen herrscht. In den Spiegeln huscht es gespensterartig das ist ja er selber, der durch die Räume schleicht und nach einem Platz sucht, um sich niederzulassen, ach, nur ein barmherziges Plätzchen, das ihm auf eine Stunde das Gefühl der Httmath wiedergäbe.... Vergeblich! Wie ein Ausgestoßener irrt er umher, und die Sessel und Polster und Truhen und Puffs scheinen sich gegen seine Berührung zu wchren Stille ruinenhafte Stille ringsum! Die Uhren auf den Kaminen stehen lautlos, das Bauer, m dem zu Gertruds Zeit ein fröhliches Vögelchen hupfte, ist verlassen; aus emem Blumentisch hangen die verwesten Blätter der Pflanzen in häßlichen braunen und gelben Fetzen. Eine schwüle, dumpfe Luft bedruckt den Athem, es riecht nach Staub und Moder, und nichts lebendes als der scheue Tritt, der diese unheimlicheTodtenruhe zu stören fürchtet. Endlich! endlich hat er das barmherzige Plätzchen gefunden! Aus dem bläulichen Dämmer der Schlafstube leuchtet ihm vom dunklen Lager ein weißes Kissen entgegen. Ah, wie er darauf stürzt! gierig, durstend nach seinen eigenen Thränen.... Ihr Kissen! Er meinte eine gewisse Einsenkung in der Mitte der SpitzenUmrahmung zu gewahren dasPlätzchen. wo zuletzt ihr Kops geruht? Und er stürzte hin. warf sich über das La . r i rr "i r ger und umprey!: oas mn ieinen Armen. War es nicht, als hauchte es eine süße Wärme aus? eine Spur rbres blühenden Lebens, die das Linnen ihm für die unsägliche Leere dieser Stunde aufbswayrt.... War oas nicht der Duft ihres schönen, üppigen Haares, den sein Odem einsog? . ... W ST-t ää Gerlru... Gertru... aaz iernu... Mit lauten, kinderhaft ausbrechen den Jammeriönen vergrub er das Ant litz in das Kissen. Und dann nichts als das Echo dieses Jammers, das durch die Räume des Hauses irrte. So mochte er Stunden gelegn haben. als er, plötzlich auftaumelnd, das Gesicht aus dem Kissen hob. Tonte nicht sein Name von der Gasse herauf? Er hatte wohl geträumt? Nein, jetzt abermals und deutlich, sein Name, mit Hochrufen begleitet. Was war das? Die Gasse von einem dumpfen Stimmengemurmel erfüllt. Und es schien näher zu rücken, schwoll mächtiger an und hallte immer dröhnender zwischen den hohen Häuserfronten. Hirch aberraals sein Name. Hoch Jaminet. hoch, hoch! Es lebe der Preußentödter!-. Mit einer gewaltsamen Bewegung bäumte er sich empor, saß in den Knieen emporgerichtet und horchte in stierer Spannung. Nein, keine Halluzma-tron seiner verhetzten Sinne! Jetzt erinnerte er sich. was ihm am Mittag Boularöde in den Fmker nachgerufen: Wu kommen diesen Abend!Es ist Boularöde mit seinen Bataillonen von Fanatikern. Sie sind erschienen, um ihm, der einen Preußen getödler, ihre jubelnde, bewundernde Ovation darzubringen.... Hoch Viktor Jaminet! Nieder die Deutschen! Tödtet die Deutschen!" Wie ein Vlitzesschlag traf chn de? ungehv-ure Zorn; mit einem Satz war er aufrecht auf den Füßen, stand dort. mit geballten Fausten und lodernden Augen. Und ein Röcheln der Wuth machte sich Luft aus seiner gepreßten Brust a ah! ist es nicht genug, daß sie das Glück 'des Hauses unter-
graben und in den Staub gestürzt, dal$ sie den ehrlichen Namen Jaminet in den Koch gezogen und ihn' aus der Liste der anderen ehrlichen Namen gestrichen nicht genug, daß sie ihm den Frieden seiner Seele untergraben und mit brutalen Händen das Band seiner Ehe zersprengt daß sie die Einzige, Süße. Herrliche vor die Thüre gestoßen nicht genug, daß sie ihn das MordWerkzeug auf einen Unschuldigen richten Ueßen daß sie ihn in die Oede, in die Verzweiflung, in das siern- und sonnenlose Nichts hinausgestoßen? Was? Und da müssen sie noch kommen und ihn mit ihrem widerlichen Wahnsinnsgejohle von dem letzten Plätzchen emporzerren, wo sein JannnerZuslucht fand? Und er schüttelte die Fäuste nach dem Lärm 'hinab. Franzosen!" schrie er mit allem Ausdruck der Verachtung, dessen er fähig war. Man ruft Preußen!" und glaubt das Höchste der Beschrmpsung zu leisten. Wohlan, er aber ruft: Franzosen!Jetzt donnerte der Lärm unter dem Thorweg sie dringen ins Haus jetzt tönt das Gescharr ihrer Tritte auf der Treppe Halt da! Viktor stürzt auf die Tapetenthüre zu. die in das türkische Boudoir führte, riß sie auf und gegen die Wand hin, deren Dekoration von dem Schein der Gaslaterne draußen glänzend beleuchtet war. Er wollte sein Hausrecht wah-
ren er wollte den brutalen Schreiern den Eintritt hier in das Allerheiligste wenigstens, das von dem Hauch ihrer süßen Erinnerung durchweht war, mit der Masse in der Hand wehren. Seine Hände tasteten nach dem Revolver. Teufel, der ist ja nicht mehr da, der hat das Seinige vollbracht! Dort hingen aber Waffen genug, Hiebund Stichwaffen jeglicher Form und Größe. Das erste, worauf seine Hand stieß, war ein venetianisches Stilett. Mit einem raschen Blick prüfte er den scharfen, dreikantigen Stahl, und seine Faust umkrampfte den auf die Breite der Hand berechneten Griff, der sich so sicher und bequem einfitgte. Das ist doch keine Waffe, um damit Eindringlinge von der Schwelle zu wehren! Ein Gelüste durchzuckte ihn heiß und betäubend nun, das Stilett würde sich aber tresflich zu anderem eignen Jetzt lärmen die Tritte bereits innerhalb der Wohnräume, eine Lawine, die sich näher und näher 'heranwälzt. Und das wachsende Getose der Gasse scheint diese Lawine vorwärts zu schieben. Thüren öffnen sich, deutliche Stimmen hallen herüber: Wo ist er? Der Portier sagt doch, er sei zu Hause. He, Jaminet!" Und von der Straße her das fanatische Gejchl: Hoch Jaminet! Hoch der Preußentödter!" Eine wilde Verzweiflung packte den Verfolgten. Wohlan, sie sollen hin haben, ihren Preußentödter! - Er taumelte, das Stilett in der Faust, nach dem Schlafzimmer zurück. Hurrcch! Hoch die Rvanche!" braust der Ruf durch das Haus. Viktor hat die Weste aufgerissen und die steife Hcmdenbrust auseinandergezerrt. Ein Ruck, ein Zucken der Faust, eine Verwünschung, die auf seinen Lippen verzittert da torkelt er nieder auf das Lager, und das spitzenumrahmte Kissen ist noch einmal barmherzig und beut sich seinem hinschlagenden Haupt. Hoch Jaminet! Nieder die Deutschen! Wo ist er? He, der Preußentödter?" Doch von dem Schlafzimmer her dringen plötzlich Rufe der Beschwichtigunlg zu den Schreiern der hinteren Zimmer. Was ist drn?' Er hat sich erstochen!' Nicht möglich!" Entsetzt umstehen die Vorberen den zum Tode auszuöenden Körper. Das Stilett hat meisterhaft die richtige Stelle getroffen. Entsetzt und völlig rathlos stehen sie während man unten auf der Straße noch immer nicht abläßt von den Hochrufen. Boularöde aber kann nicht an sich halten. Und in das eisige Entsetzen hmein läßt er seine Kritik der Situation zischeln: Unbeschrerbuch vummr DreißigstesKapitel. Es dauerte lange, bis die Firma Wahl sich von dem schweren Schlag erbolte. den ihr der Riß der Pariser Beziehung zugefügt. Wahl war nach Gertruds Flucht auf deren Alarmruf nach Paris geeilt, um zu retten, waö zu retten war. Er selbst hatte es verschmäht, mit dem Hause Schneider & Co. persönlich zu verkehren, die nothwendkge und schwierige Liquidation der alten Verbindungen einem Vevollmächtigten überlassend. Doch wollte er sich gegen die Revanche v:ö auss Äeußerste wehren, stand doch sein durch lanae ab aufaestavelter Wohlstand auf dem Spiel. Da hatte sich Zenner bereit gefunden, m die Bresche emzutreten, und seinem aufopfernden Elfer und seiner Kenntniß der lokalen f . .3 f I(. azWierigieiici! c gtwiani, & . r rr y .t.uf.!W. lt.. AitSt.Mn oie ONliNCsC ligaopscivc uu.. wiwtiiui Namen ein neues Absatzgebiet zu erffnen. So war auck Gertrud zu der Geleenbeit aewunan worden, mit Zeuner zusammen zu kommen, so sehr sie auch vor sich selber ler -pur oes Nerdacktes auszuweichen willens war. die ihrer Flucht aus der Rue de Clöry ein unlauteres Motiv unterschieben konnte. Sie batte kemm M& m vre Rue Soufflot gesetzt und die alte Dame Wie ihren Sohn nur flüchtig in Gegenwart des Vaters getroffen. Somit durfte sie Viktor AUg' m Äuge zurufen: ?kck bin nickt schuldig, und Du hast emen Unschuldigen gerichtet!" ; (Fortsetzung und. Schluß folgt.).
Aür die Küche. Falsche Schildkrötensuppe. Diese Suppe ist ein vortreffliches, allein sehr complicirtes und kostbares Gericht. Man kann dieselbe indessen auch recht kräftig und Wohlschmeckend nach folgendem Recept bereiten. Ein Pfund Kalbfleisch wird mit etwas kleingeschnittenem Schinken, Petersilienwurzel, Sellerie und Mohr rüben von allen Seiten angebraten und zwei in heißem Wasser abgewellte Kalbsfüße hinzugethan. Nun wird mit 2 Quart Wasser aufgefüllt und Alles zwei Stunden langsam gekocht. Die so gewonnene Bouillon wird mit zwei Löffeln Mehl und etwas Butter zu einer Suppe verkocht, das Fleisch der Kalbsfüße in kleine Stücke geschnitten und ein halbes Glas Madeira in die fertige Suppe gegeben. Etwas Fleischeztract erhöht den Wohlge schmack. Diese Portion reicht für sechs Personen vollauf. Gebackene sHackfleisch (Haschee). Verschiedene gekochte und gebratene Fleischsorten, auch Ueberreste von Fischen, hackt man nicht zu fein, mischt etwas feingewiegten Häring, oder besser Sardellen, eine Zwiebel. Salz, Pfeffer, Muskatnuß, etwas ge riebene Semmel und einen flachen Teller kalt geriebener Kartoffeln darunter. Run mengt man noch ein Ei und ein Pint sauren Rahm mit dem Fleisch, füllt die Masse in eine butterbestrichene Form und backt dieselbe eine halbe Stunde bei mäßiger Hitze. Dieses gebackene Haschee ist ein leichtes, angenehmes Gericht zum Abendbrot oder ein Zwischenessen zum Mittagstisch. Nieren schnitten. Hat man von einem Nierenbraten übrig geblie bene Niere und auch Fett, so läßt sich dieses sehr schmackhaft auf folgende Weise verwenden: Man wiegt Alles sehr fein, würzt mit Salz, Pfeffer und Muskatnuß, gibt ein Ei und ein wenig Rahm dazu und mengt gut durcheinander. Nun werden Semmeln in Schnitten getheilt, diese mit verrührtem Ei bestrichen, die Masse auf eine oder die beiden Seiten gestrichen, mit Semmelmehl bestreut und in heißem Schmalz herausgebacken. Gemischter oder auch nur Kopfsalat paßt sehr gut dazu. Filets laNapolitaine. Ein abgelegenes, gehäutetes Rinderfilet wird zwei Tage in einer Marinade von etwas Weißwein, Citronensaft, einigen Löffeln Provenceöl, 2 geschnittenen Zwiebeln, 2 Mohrrüben, 2 Schalotten, einer Pastinakwurzel, einem Lorbeerblatt, mehreren Stielen Petersilie und Estragon, Pfefferkörnern und Gewürz gebeizt. Vor dem Gebrauch abgetrocknet, brät man es mit reichlicher Butter in der Pfanne, kocht während dessen Reis mit Bouillon, Butter und Salz weich, streicht ihn als Unterlage auf eine ovale Vratenschüssel. bepinselt ihn mit gequirltem Eigelb, läßt ihn im Ofen goldgelb backen, legt das inScheiben geschnittene und wieder zusammengesetzte Filet darauf, garnirt es mit in Wein gedünsteten Trüffelscheiben und in Butter geschmorten, mit etwas Zucker glacirten kleinen Zwiebeln, eine Tomaten - Sauce besonders
dazu reichend. Aal-Fricassee. Der gehautete, in Stücke geschnittene Aal wird innen und außen mit Salz bestreut, mit Essig beträufelt und bis zum Gebrauch eine Stunde stehen gelassen. Gut abgetrocknet, legt man ihn dann in hellgebräunte Butter, der man etwas Thymian, einige Sellerieschnitten, zwei Zwiebeln, weißen Pseffer und einen halben Löffel Fleischertract zufügte. Nachdem der Aal in etwa zwanzig Minuten weich gedämpft ist, verrührt man eine Messerspitze Mehl in Weißwein, gießt dies über den Fisch, schärft ihn mit dem Saft einer halben Citrone und zieht die Sauce mit zwei bis drei Eigelben ab. Mehlauflauf. Mit einem Quart Milch rührt man 4 Kochlöffel Mehl zu einem steifen Brei. Ist derselbe in einer Schüssel erkaltet, so rührt man 3 Unzen Butter zu Schaum und mischt diesen unter den Brei, ebenso eine Prise Salz, ein Viertelpfund Zucker und 6 Eigelb und die feingewiegte Schale einer Citrone. Nun bestreicht man eine Auflaufform gut mit Butter, zieht den Schnee der 6 Eiweiße noch leicht durch den Brei, füllt ihn ein und backt denselben in Mittelhitze rasch. Er muß sofort zu Tische gebracht und mik einer Wein oder Fruchtsauce gegeben werden. Stangen biscuits 3 Eigelb werden mit einem Viertelpfund Zucker, dem Safte und Gelben von einer Viertel Citrone eine halbe Stunde gerührt. Hernach mengt man 2 Unzen Mehl und den Schnee der 3 Eiweiße darunter und setzt sofort mit einem Trichter fingerlange Biscuits auf ein mit Papier belegtes Blech. In mittelheißem Ofen gebacken, eignet sich dieses sehr leichte Backwerk besonders gut für Kranke. Trost. Marum weinst Du denn. Kathi?- WI mir meinLiebHaber untreu geworden ist!" Ach. hör' doch auf! Er wird Dir schon wie der treu werden!" Praktisch es Versah ren. Abgelehnt. Handschrift unleserlich, schrieb der Redacteur eines Blättchen auf die Rechnung, die ihm seinSchnei der geschickt hatte. Backfisch-Kritik. Elsa: Wie hat Dir die neue Oper gefallen? Vttiha: Ausgezeichnet! Der Cos ponist sollTioch unverheirathet saj" Auf Umwegen. Albn Mutter, wenn Du jetzt Albert fc< und ich Deine Mutter, weißt ?u waö ich thät? Mutter: Na. was venn? Albert: Ich kaufte Dir ein großeSStücl, Kuchen. - - -
