Indiana Tribüne, Volume 20, Number 24, Indianapolis, Marion County, 11 October 1896 — Page 7
aaDeiilutbcr. Bon Lertha Framholz. Ich hatte heut 'mal eine -ruhlge Stunde zum Nachdenken. Das war twe große Seltenheit. Wir armen Frauen sind ja mit Arbeit in einer Weise überlastet, die zum Himmel schnit Wie ich also so im besten Nachdenken bin, fällt mir ein, daß mein Mann gestern eigentlich ganz Necht gehabt hatte. Natürlich war es tvnder- wegen der Kinder gewesen. Der Junge hatte einen greulichen Spektakel gemacht, ich hatte ihm das Verboten. Er hörte nicht, in Folge deffen bekam er einen derben Klapps. Da hatte er noch mehr gebrüllt und fcas Mädchen harte aus purer Schwesterliebe mit einaestimmt. Und wenn bt Beiden losschreien, dann ists schon zum Davonlaufen. Plötzlich erschien mein Mann. Ruhe", gebot der mit einer entsprechenden Handbewegung. Der Junge schluckte und schnappte och einige Mal, das Mädchen steckte den Finger in den Mund, aber sofort waren alle Beide manschenstill. Von Kinder - Erziehung habt ihr grauen nun 'mal leinen blassen Schimmer." schnarrte er mich an und fftolzirte wieder in sein Arbeitszimmer. ZFriedfertig, wie ich nun einmal dernlaat bin. erwiderte , ich Nichts und legte die beleidigende Sottise zu den Lbrigen. Gelegentlich werde ich sie uch schon 'mal anbringen können. Diese Geschichte von der Kinder-Er-Ziehung ging mir jetzt im Kopfe herum. Ein schwer zu behandelndes 2hema war es, wir hatten unter uns Damen nach der dritten oder vierten Tasse Mokka sehr oft gesprochen über schlechten Männer, die noch schlechteren Dienstmädchen, die unverschämt hohen Fleischpreise, die wohlthätige Wirkung von Liebigs Fleischeztrakt und über das lächerlich geringe Wirthschaftsgeld. Aber über Kinder - Ersiehung? Ich konnte mich wirklich nicht erinnern. Doch halt! Einmal hatte die Frau Regierungsrath a. D. dieses Thema erschöpfend erörtert. Milde, meine Dame", so hatte sie in ihrem einstündigen Vortrag ausgeführt. .Milde und Güte genügen vollkommen, die Kinder zu guten Menschen zu erziehen. Es braucht kein Schlag, kein hartes Wort zu fallen.die herzigen Engel gehorchen jedem Blick, jedem Wink. Ach. wenn doch alle Eltern das beherzigen möchten. . . . Es ist entsetzliche wenn man manchmal so sicht und hört . . . ." und gerührt löffelte sie in ihrer Kaffeetasse umher. Wir löffelten alle mit, um ihr dadurch unsere vollste Zustimmung zu erkennen zu geben. Da fuhr Frau Lehrer Vaumgart mit der naseweisen Frage dazwischen: Gestatten Sie, Frau Regierungsrath, wieviel Kinderhen haben Sie denn?" .Ich?' .meinte die gedehnt. .Ich? Ich habe natürlich gar keine, aber wenn man manchmal so sieht und hört. . . ." und wieder wurde der silberne Löffel in die Tasse versenkt. Beim nächsten Kaffeekränzchen äußerte sich Frau Kreisthierarzt Wenzel zu derselben Frage. .So ganz glatt geht 5 mit den Kindern nicht ad, meinte sie, .da muß es manchmal eine kräftige Prügelsuppe absetzen. Sie haben Eigensinn, den muß man herausklopfen.' Mit Milde und Güte ist Nichts auszurichten, aber ein paar Tüchtige drauf, die wirken Wunder." Da hielt ich's nicht länger aus. Und liebe Frau Doktorin, wieviel Kind. . . .", weiter kam ich mit meiner Frage nicht, da wurde ich von Frau Wenzel schon unterbrochen. .Wieviel?" lachte sie, .32". sage und schreibe zweiunddreißig Kinder . . . ." wir horchten hoch auf, ich wurde ganz blaß'und ich sah auch, wie meine Nachbarin sich plötzlich verfärbU, .in einer Klasse", fuhr die Frau Kreis thierarzt fort. .Ich war vier Jahre Lehrerin, ehe ich meinen Mann kennen lernte." . Mes' athmete erleichtert auf. .Eigene Kinder meinte ich", warf ich fchüchlern ein. .Ach so", töite es zurück, .eigene. Da haben wir allerdings keine. Es ist auch nicht nöthig, man hat so schon Scherereien genug." Hm so richt-. tr.tr das auch nicht eigene - Erst z. Da' schien mir der goldene ' : ?::: der beste, also' halb Milde, t Stenge. Ich beschloß.hierüber nM n- 'Rann zu interpelliren. Der r:.' :.it einen geradezu feindselig, ttic. zu. .Natürlich". K-fcn e. . nichtsGanzes und nichts S.izftz. Heute Zuckerdrot, morgen Bald so, bald so, wie Krapu'!', .katz." Aber Män" - at ich. .so gieb och eine- 'JiaU . Wie soll ich's n eigenlici, machen? Ich weih Nörnctf. ' ckmal die Einbildung bei Deine Kinder Wunder!der?" fragte ich geWunderkinder. Du biltaß Deine Kinder ganz 'nmern seien. Die sind besonders groß, besonnders klug. Die wissen ,ch Etwas dazu, die werße und noch größere Men- . So gewöhnliche Kinder . nicht, bewahre! Es sind aber, so eine Art übertra- . . Und an dieser Wunkrankheit leiden alle Mütübst das nicht? Schön, ich t beweisen!" sprach hatte, ich bald wie- , kein Wunder bei der vie
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len Arbeit, welche unS schwachen Se schöpfen aufgehalst wird. Da kam ein Brief meiner Schwester aus Kleienstein. Die schrieb mir,, daß sie auch so furchtbar viel zu thun habe, daß Mutter sehr schwach sei und daß in diesem Jahre erst nach Weihnachten geschlachtet werde. Dann hat sie einen allerliebsten kleinen Jungen von etwa drei Jahren, der den Eltern viel Freude bereitet. Ueber den schrieb sie etwas ausführlicher, . weil auf dem Briefbogen noch eine Seite frei war. .Weil die auf dem Lande noch keine billige Privatpost haben, stecken sie in den Brief so viel wie nur möglich, weil sie die .Post nicht reich machen" wollen. Beim Kaffeetrinken gab ich meinem Mann den Brief zum Lesen. Der setzte seinen Kneifer auf und las langsam und bedächtig. .Na ja", meinte er endlich, das wußte ich doch. Äunderlind Nummer Eins!" .Wunderkind?" fragte ich erstaunt. .Jawohl, hast Du's denn nicht gelesen? Also paß auf. hier steht's schwarz auf weiß. . . .Und nun, liebe Schwester, der kleine süße Ernst. Großmutter hat ihm zu seinem Geburtstage eine Trompete geschenkt, ich eine Trommel und August ein kleines Orchestrion. Nein, was der Junge arg auf die Musik ist. Er trompetet, trommelt mit der einen und dreht das Orchestrion mit der anderen Hand. Und Alles im Takt. Dann das Gehör: wenn August singt, hält er sich die Ohren zu, wenn ein falscher Ton kommt. Wir werden ihm bald ein Klavier kaufen, schon jetzt tastet er mit seinen zehn Flngerchen auf der Kommode umher. ' Du glaubst nicht, was wir den Jungen lieb haben wegen seiner musikalischen kZildung, das ist so ein echtes musikalisches . . ." Hie? brach mein Mnn ab und lachte laut auf. .Haha, ich wußte es ja: ein Wunderkind. Hier steht's: ein echtes musikalisches Wunderkind. Siehst Du, jetzt hat Kleienstein auch sein Exemplar. Vivnt sequens!" Ich sah mir den Brief an, das Wort stand drin, mein Mann hatte Recht. Aber was hat so ein flüchtig Eingeschriebener Brief für einen Werth! Gar keinen, kalkule ich. Wenn der Junge zudem so musikalisch war, warum sollte meine Schwester mir das nicht schreiben? Jede Mutter ist stolz auf ihr Kind. Hiervon machten eben die Kleiensteiner auch keine Ausnähme. Ich war also noch weit entfernt, mich zu der grauen Theorie meines Mannes zu bekehren. Am nächsten Tage erhielt ich unerwarteten Besuch. Die Schwester der Frau meines Bruders stellte mir ihr wiedergenesenes Töchterchen vor. Gott, was hatte die aushalten müssen. Mafern, Diphtherie, Scharlach es war ganz entsetzlich gewesen. Und jetzt war die kleine sieben Jahre alte Ella wieder vollständig auf dem Posten. Und was das für ein liebes Kind war. Die Mutter strahlte vor Glück, als sie erzählte, wie herzig diese Ella sei. .Sie glauben's gar nicht," legte sie los, nein, dieses Kind. Wie die standhaft die schwere Krankheit überstanden hat. Natürlich, jetzt thun wir 'ihr auch was an, 's ist ja unsere Ein-
ziqe. Sieht sie nicht aus wie 'ne Prinzessm?" Mein Mann warf einen Blick auf die menschliche Puppe: breiten Rembrandhut mit einer ganzen Blumenladung. ob:n. unten, an beiden Seiten, kurzes Seidenkleidchen mit Guipurekragen, schwarze Seidsnstrümpfe, Lackschuhe, braune Wildleder-Hand-schuhe. Auf der linken Schulter eine blaue, um die Taille - eine rothe Schleife, um die Oberarme noch was Grünes. .Oh," machte mein Mann, beinahe wie 'ne Prinzessin." .Wie so nur .beinahe"?" fragte ich pikirt. .Na, 'ne wirkliche Prinzessin würde einfacher angezogen sein", uzte der Mann grinsend. Ich warf einen Blick auf die arme beleidigte Mutter. Sie schien diese hämische Bosheit nicht recht verstanden zu haben, denn sie erzählte ruhig weiter: !... .Etwas wenden thun wir jetzt an das Kind, 's ist ja unsere Einzige. Und dann, was das Kind Zartes an sich hat! Die kann ergreifen, was sie immer will, der mißglückt nie Etwas. Die zerschlägt Nichts, die macht Nichts kaput, die macht keine Scherben. ..." Pardautz, klittte es da nebenan im Salon. Mein Junge kam athemlos herbeigestürzt. .Ella,' den großen Teller. den blauen, auf dem Busfet " Du lieber Himmel, das artige Kind hatte mir einen echten Delfter Teller, den ich bei einem Antiquar in Amsterdam für schweres Geld erstanden hatte, in tausend. Trümmer zerschlagen. .Aber Ella", zürnte die Mutter, mach doch keine Dummheiten. Waum zerschlägst Du denn zu Hause Nichts? Ein Glück noch", sie betrachtete die Scherben, .daß es nur der blaue Teller war, im schlimmsten Falle kaufe ich in der Markthalle einen neuen, dort hat ein Töpfer aus Welten seinen Stand Was? Das ist eben das Geschickte bei der Ella, wenn sie schon was zerschmeißt, was ja nie vorkommt, dann ist es nur alter Plunder. Sie machen sich keinen Be griff, wie zart das Mädchen Alles anfaßt, die räumt bei uns Alles auf, an Ordnung, Reinlichkeit, Sauberkeit ist oas ein wahres Wunder. . . .Kind!" fiel mein Mann ein. .Na. siehst Du wohl", wandte er sich an mich, .d hätten wir ja wieder eins. Vivat sequens!" Ich war etwas verblüfft. Aber für
ganz besiegt hielt ich mich noch nicht. Der Abend ging übrigens vorüber, ohne daß ein zweiter Delfter das Zeitliche fegnete. Wir besitzen auch einen zweiten gar nicht. Den ersten hatte ich noch nicht so recht verschmerzt, da gab's eine neue Ueberraschung. Meine Schwägerin aus Schlesien erfreute mich mit einem dreitägigen Logirbesuch. Sie brachte ihren zwölfjährigen Sohn mit. SapPerlot. war der in der gesunden Luft der schlesischen Berge in die Höhe gegangen, das war ja beinahe ein Grenadier geworden. Die Schwägerin erzählte uns eine wahre Idylle von dem Aufenthalt auf dem fchlesischen Dörflein. Und was für eine Erholung für die Kinder! .Wie ein Sperling sah der Otto aus, als wir aus Berlin fortzogen", erzählte sie und jetzt der reine Riese. Der wirft die kräftigsten Burschen zu Boden, er fürchtet sich vor keinemMenfchen mehr. Turnen kann er, na, man glaubts kaum. Vögel hat er auch schon gefangen und mit einem richtigen Gewehr einen Hasen todtgeschössen. Im Winter erst, das Vergnügen, da wird Schnee geballt, Schlittschuh gelaufen, Schlitterbahn gefahren. . ." Aus dem Speisezimmer drana fröhlicher Lärm, daneben ein knirschendes, knisterndes Geräusch. Ich eilte khin. O je, da sah es schlimm aus. Der kleine Schlester batte den Teppich hoch gehoben und auf dem Parquet eine Schlitterbahn etablirt. .Hurrah", schrie er, .Bahn frei", und nach kurzem Anlauf sauste er durch das Zimmer. Er hatte hohe Stulpenstiefel an, und unten faßen an diesen Stiefeln Nägel und Eisen. .Hurrah",
brüllte mein Junge, .Bahn frei", auf bloßen Strümpfen, von denen rechts und links schon Fetzen hingen, flitschte er auf mich zu. .Aber Otto", kam nun auch die Schwägerin hinzu, .das geht doch hier nicht. Deck' mal sofort den Teppich wieder auf. Du wirst mit Deinen Stiefeln noch Kritzeln in die Diele machen. Nein, zu Haus", wandte sie sich an meinen Mann, .macht er nie so was. Er ist ein sehr braver Junge. Aber kräftig, sehr kräftig. In der Schule ist er der Größte, der Stärkste; da balgt er sich mit allen. Er kriegt sie auch alle unter. Mit dem Lernen geht es nicht so gut. aber die Kraft, die Kraft, die der Junge hat. Was meinenSie, da muß ja jede Mutter stolz sein. Das ist ein Athlet, eine Art Wunderknabe " .Bitte", verbesserte hier mein Mann, .Sie wollten wohl WunderZind sagen." Die stolze Mutter griff den Auödruck begierig auf. .Natürlich. Sie haben ganz Recht, 's ist ein Wunderkind an Kraft und Gewandtheit. Das lass' ich mir auch nicht mehr abstreiten. Wenn Sie das schon finden, komm' her, mein Otto, Du liebes, gutes. kräftiges . . ." .Wunderkind," ergänzte meinMann. .Das war Nummer drei!" Ich schwieg beschämt, hatte ich doch selbst nicht geglaubt, daß der Wunderkindunfug solche Wurzeln geschlagen habe. Ein freudiges Gefühl durchzog mich: ich fühlte mich von diesem Unfug frei. Als ich nun erst fah, wie der Stubenbohner sich zwei Tage lang ( Mark 7.50) abmühen mußte, um das Parket wieder halbwegs gangbar zu machen, war ich von den Wunderlindern kurirt, sogar gründlich kurirt. Daß meinen Kindern Unrecht geschehen sollte, wollte ich nicht, aber sie waren einmal Kinder, nicht besser und nicht schlechter, wie Kinder nun mal sind. Da vernahm ich eines Abends aus dem Arbeitszimmer meines Mannes jämmerliches Geschrei. Ich hörte auch die laute Stimme meines Mannes, der Jemand anzuschnauzen schien. Sollte etwa mein Lieschen das Opfer dieser Brutalität. . . .? Eilends stürzte ich hinzu. Äickig, dieser große, starke Mann hatte das wehrlose Kind geschlagen. Und was hatte das verbrochen? Den Goldstreusand in das Tintenfaß geschüttet, den Bleistift in das Faß gesteckt, vom Blaustift die Spitze abgebrochen und den Kleister in den Papierkorb geschüttet. Wegen dieser kleinen Scherze hatte der Mann das Kind geschlagen, ich sah es auf den ersten Blick, auf der rechten Backe war ein rother Fleck. , . .Wie kommst Du denn hierzu!" rief ich in höchster Aufregung. .Du marterst mir ja das arme Kind. Komm' her, mein Herzchen, mein Engel, mU ne süße Maus, wer thut Dir denn was? Nein, Dir darf Niemand was thun. Du bist mein Ein und Alles. Solcher Kleinigkeiten wegen brauchst Du das Kind nicht zu schlagen," wandte ich mich an den Barbar, der sich ruhig den Blaustift wieder anspitzte. .das ist nicht so schlimm, 's ist nun mal ein aufgewecktes Mädchen. Hast Du schon 'mal ein Kind gesehen, das mit zwei Jahren nach Tinte, Bleistift und Kleister greift? Na also, und dieses einzigste Herz, es ist so gut, so zuckersüß, so mollig, so ach, ich habe keinen Ausdruck für so was Schönes. . . ." .Ich habe noch einen", lachte mein Mann vom Schreibtisch her,' indem er dem mit Kleister gefüllten Papierkorb einen Tritt versetzte, daß er bis zum Fenster wirbelte, .das ist eben Dein Wunderkind!" Ablehnung. Supplicant: Gnädiger Her?, mir geht's so elend und jammervoll, daß ich ganz verzweifelt bin. Meine arme Frau ist seit zwei Jahren krank, mein Sohn wurde von Wölfen zerrissen, meine UnglücklicheTochter ist erblindet, meine " Bankier: .Nu, was erzählen Sie mir all' das?! Bin ich etwa Dramatiker?"
Es greift um sich!
Von B. Willibald. Um den Kaffeetisch der Fran Gerichtsrath wurde es plötzlich ganz still. Das Stimmengewirr, in dem noch vor einer Minute Eine die Andere zu übertönen gesucht hatte, legte sich die Stricknadeln klapperten leiser. Selbst die Frau Apotheker brach in der interessanten Geschichte ab. die sie seit zwanzig Jahren auf jeder Kaffeegesellschaft zum Besten gab, wie nämlich ihre Earoline mit sieben hochfeinen Gläsern, das Stück zu einer Mark, die Treppe hinaufgefallen war, und das wollte etwas Heißen. Aller Augen richteten sich voll Spannung auf die Frau Katastercontroleur, die im Flüsterton der Frau Gerichtsrath anscheinend etwas Entsetzliches mittheilte. Das wirkte mehr, als wenn sie alle Register ausgezogen hätte, um die Redesluth zu übertönen. Sogar die kleine Frau Assessor, die sich an der Besprechung der Dienstbotenfrage fo wenig betheiligt hatte und zuweilen mit einem unterdrückten Seufzer einen sehnsüchtigen Blick durch das Fenster ins Freie sandte, wurde aufmerksam. Ihr Mann und sie hatten für den Nachmittag einen so hübschen Ausflug geplant, als die Einladung zur Frau Gerichtsrath kam. Sie hatte ablehnen wollen, aber ihr Fritz hatte ihr klar gemacht.' daß sie die Frau feines Vorgesetzten dadurch schwer kränken würde. ' .Meine Kleine wird doch klug und gewandt genug sein, sich auch einmal für eine Zeit mit kleinstädtischen VerHältnissen abzufinden," hatte er gesagt, und damit war ihr Widerstand besiegt. Sie fand es aber noch langweiliger, als sie gedacht hatte, und nachdem sie sich Anfangs vergeblich bemüht hatte, den Schreckensthaten der . Porzellan mordenden Trina und der Schätze speisenden Lena wirklich von Herzen kommendes und ungeheucheltes Interesse entgegen zu bringen.hatte sie mit stummer Ergebung ihre Arbeit zur Hand genommen. Sie machte auch dadurch einen recht angenehmen und bescheidenen Eindruck, da in diesem Kreise Jede am liebsten sich selbst red:n zu hören schien. Wenn noch wenigstens ihre Freundin Emmi hier wäre, die sie glücklicherweise in diesem kleinen Neste wiedergefunden hatte! Aber sie, als die .Frau Assessor" wurde stets nur mit .Standesdamen" eingeladen. Sie fühlte sich immer noch viel mehr zu den jungen Mädchen hingezogen, obgleich es da etwas weniger zu essen, dafür aber mehr zu lachen gab. Und sie lachte doch immer noch so gern, die kleine Frau Assessor, das verrieth ihr rundes, rosiges, fröhliches Gesichtchen auf den ersten Blick. Wenn sie nur schon wieder zu Hause wäre; wenn die Kaffeefchlacht doch erst mit Danksagung und Händedrücken ein glorreiches Ende nehmen wollte. Ihr Bruder Karl, der Lieutenant, wollte ja kommen. Seit er das Rad hatte und seit er Emmi kennen gelernt hatte, kam er alle paar Tage aus der nahen Garnison herüber. Wie vergnügt würden sie wieder sein! Emmi würde natürlich auch kommen. Ja, ja, die Beiden! Es wäre zu nett! Sie war selbst so glücklich verheirathet, nun möchte sie auch die Anderen glücklich sehen. Aus diesen holden Träumereien weckte sie die plötzlich eingetretene Stille. .Ist es denn wirklich wahr?" flüsterte die Frau Gerichtsrath, indem sie die Brille auf die Stirne schob und die Frau Katastercontroleur zweifelnd ansah. .Ganz sicher", entgegnete diese eifrig, .der Bruder vom Milchmann von der Frau Breuer hat es selbst gesehen. Der hat es dem Kindermädchen gesagt, und die hat es unserer Lena erzählt." .Ich kann es mir nickt denken," war die immer noch zweifelnde Antwort, .ich habe sie doch immer für ein nettes, feines Mädchen gehalten." Die Frau Katastercontroleur schien weniger wohlwollend zu sein. .Sie war aber immer schon etwas mancipanirt," sagte sie Fremdwörter waren ihre schwache Seite , sie hat sogar vor einiger Zeit meiner Tochter Mathilde ein Buch von Sudermann geliehen. .Frau Sorge", hieß es. Ich habe es natürlich sofort ungelesen retour geschickt und meiner Tochter streng verboten " .Was ist das denn für ein. Buch?" fragte eine der anderen Damen neugierig. .Ach. Sie wissen doch", klärte die Frau Katastercontroleur sie auf, .Sudermann ist der Mann, der meistens Theaterstücke schreibt. Tragödien, wo so allerlei drin vorkommt. " Die kleine Frau Assessor blickte etwas krampfhaft auf ihre Handarbeit und fuhr ganz erschrocken auf, als sie jetzt persönlich angeredet wurde: Sie müssen das doch wissen, Frau Assessor, als Großstädterin!" Das letzte Wort hatte einen kleinen, undefinirbaren Beigeschmack, den man nicht mit Wohlwollen bezeichnen konnte. Sie antwortete ganz harmlos und! unbefangen. .Es ist schade, daß Sie das Buch nicht gelesen haben. Ich selbst habe selten etwas mit so viel Ju teresse gelesen wie Sudermanns .Frau Sorc;e". Es ist schön und ergreifend. Ihr Fräulein Tochter , würde gewiß viel Genuß davon gehabt haben." . .Also Sie haben das gelesen", wunderte sich die Dame mit schlecht verhehlter Mißbilligung. .Von wem sprachen Sie denn eigentlich vorhin?", unterbrach sie eine Andere. Die Frau Kataftercontroleur hatte j gerade ein aroßes Stück Torte in den i
Mund gesteckt und konnte nicht gleich antworten. .Sprechen wir lieber nicht davon", sprach die Gastgeberin statt ihrer, .man weiß ja noch nicht genau, ob es wahr ist.. Es ist vielleicht nur eine Verleumdung. Wenn es bekannt würde. so wäre ihr guter Ruf ja auf immer dahin. Einen Mann bekäme sie dann niemals!" Die Neugierde der anderen Damen war natürlich aufs Höchste gestiegen. .Uns könnten Sie es doch erzählen," meinten sie, .wir sprechen gewiß nicht darüber!" .Also unter dem Siegel der Verschwiegenheit," sagte feierlich die Frau Katastercontroleur, die fchon längst darauf brannte, die hochinteressante Neuigkeit zum Besten zu geben. . Gespannte Erwartung auf allen Gesichtern. Die Stricknadeln ruhten. Fräulein Emmi Verger soll radfahren!" Triumphirend blickte die Frau Katastercontroleur um sich. Der Eindruck ihrer Worte entsprach ganz ihren Erwartungen. Mit entsetzten Mienen, sprachlos blickten die Damen sich an. So muß es in alten Zeiten gewirkt haben, wenn Jemand versicherte, ein junges, schönes, geachtetes Mädchen gejehen zu haben, wie sie zum Kamin hinaus auf dem Besenstiel durch die Lüfte zum Blocksberg ritt, und wenn dann vor Aller Augen die lohende Gluth des Scheiterhaufens aufstieg, der die Aermste mit Sicherheit erwartete. Nur die junge Frau Assessor theilte nicht das allgemeine Entsetzen. In ihren Augen leuchtete es, um ihre Lippen zuckte es, vergebens suchte sie sich zu beherrschen. Die schon längst mühsam zurückgehaltene Lachlust brach sich Bahn. Sie lachte, lachte wirklich, hell, fröhlich, unaufhaltsam in die schreckensvolle Stille hinein. Gleichzeitig fühlte sie sechs Paar Augen vorwurfsvoll auf sich gerichtet. .Weshalb lachen Sie?" fragte eine strenge Stimme. Es gelang ihr. sich zu. fassen. Ach, entschuldigen Sie", begann sie. .als Sie vorhin sagten .unter dem 'Siegel der Verschwiegenheit",.das erinnerte mich an etwas so Komisches." Die Mienen der Damen wurden etwas freundlicher; es war schwer, diesem lieben, fröhlichen Gesichtchen gegenüber böse zu sein. .Einige Tage, ehe ich mich mit meinem Mann verlobte," erzählte sie, .kam eine jüngere Freundin zu mir, um mir zu berichten, daß sie etwas Schreckliches von dem Assessor erfahren habe. Sie konnte sich aber gar nicht entschließen, mit ihrer Wissenschaft herauszurücken, so daß sie mich ganz unruhig und aufgeregt machte. Schließlich vertraute sie mir auch unter dem Siegel der tiefsten Verschwiegenheit an, derHerr Assessor trüge eine Schnurrbartbinde!" Sie lachte wieder aber Niemand lachte mit. .War's denn wirklich wahr?" fragte die Frau Apotheker. .Gewiß, wer doch einen so langen Schnurrbart hat! " Die Frau Katastercontroleur räusperte sich. .Liebe Frau Assessor," sagte sie mit
mütterlicher Nachsicht, .ich würde das j aber doch lieber nicht erzählen. Hier, unter uns ist das ja nicht schlimm, j wir sprechen natürlich nicht darüber. Und wenn ein zunger Mann eine Schnurrbartbinde trägt, so ist das ja noch nicht so blamabel, als wenn eine Dame auf dem Rad fährt." Die junge Frau blickte die Sprecherin etwas verdutzt an ; ehe sie aber antWorten konnte, hatte sich schon die Frau Gerichtsrath an sie gewandt. .Sie sind ja mit Fräulein Emmi befreundet", meinte sie. .Reden Sie ihr doch mal ins Gewissen. Sie muß doch einsehen, daß sie sich in unseren Kreisen ganz unmöglich macht, wenn die Sache auf Wahrheit beruht." Die Frau Assessor wurde sehr roth. .Das kann ich nicht gut", sagte sie muthig. Ich habe Emmi selbst dazu beredet und ihr mein eigenes Rad zum Lernen geliehen, damit wir später gemeinschastliche Ausflüge machen können." .Was, Sie fahren Rad, und der Herr Assessor erlaubt das!?" klang es durch einander. .Ach ja " die junge Frau lächelte muthwillig, .wir hätten uns ' sonst vielleicht nie kennen gelernt. Wir haben uns beim Radfahren verlobt!" Es war ein Glück, daß gerade aufgebrochen wurde; die Sache war zu überwältigend, als daß man gleich Stellung dazu hätte nehmen können. .Nun, Kleine", fragte der Assessor, als seine Frau nach Hause kam. .hast Du Dich auch nett und passend benommen?" .Ich glaube nicht", antwortete sie kleinlaut, .ich fürchte, ich habe uns unrettbar compromittirt." . .Aber. Kind! " Sie versuchte, ein beschämtes Gesicht zu machen, aber der Schelm blitzte aus ihren Augen. .Ich habe erzählt, daß ich .Frau Sorge" gelesen habe, daß Du eine Schnurrbartbinde gebrauchst, und daß wir uns beim Radfahren verlobt haben." Der Assessor lackte: .Wenn sie nun ächstcns noch erfahren, daß Dein Bruder Karl sich mit Emmi Berger verlobt " Die junge Frau lächelte verschmitzt: .Ich' fürchte, dann werden alle Töchter auf meinem Rad fahren lernen wollen", sagte sie. Im Eifer. Gattin: Oskar, Du bist heute so zerstreut !" Ma. jor (sehr beschäftigt): .Laß zum Sammeln blasen!" M iß v erstanden. Fräulein: .Ich habe einen sehr großen Kaj ter " Studiosus Süffel: Uni! dabei sind Sie so vergnügt?"
Künstler im chuppcnklcidc.
Von Dr. L. Karrell. Ein alter griechischer Naturforscher glaubte, die Aale entstünden aus dem Schlamme. Das ist osfenbar darauf zurückzuführen, daß man des Morgens auf feuchtem Boden diese Fischsorte antreffen kann, ohne daß am Abend vorher eine Spur von ihnen daselbst vorhanden war. Die Fähigkeit dieses Longinus der Wasserbewohner, zeitweise Spaziergänge auf das Land zu unternehmen, ist schon im Alterthum angezweifelt worden. Seneca macht sich darüber lustig, indem er sagt: Wenn es wahr wäre, daß die Fische aufs Land gehen können. so müte man zum Fang derselben statt der Angel die Hacke nehmen. Heute ist es unbestritten, daß der Aal zeitweise Landaufenthalt nimmt. An einzelnen Punkten der adriatischen Küste benutzt man sogar diese sonderbare Anwandlung desselben, um ihn zu fangen. Er verläßt nämlich fein eigentliches Element das Wasser , um Abwechselung in sein Menu zu bringen; seinem Geschmacke Rechnung tragend, bauen die Küstenbewohner, z. B. in der Umgebung von Pirano. Erbsen und Wicken als Lockspeise für ihn an. Sie begießen zu diesem Zwecke jene Stellen deS Abends mit Wasser, um den Aalen das Hinaufkriechen zu den Stauden zu erleichtern, während der Nacht verdunstet das Wasser oder versickert und die Aale sitzen auf dem Trockenen. Unter den abenteuerlichen Bewohnern des Meeres lebt noch fo manch anderer, der von Zeit zu Zeit gerne festen Boden unter sich sühlt. Einer von ihnen liebt es sogar, unter Palmen zu wandeln. Es ist dies der in den indischen Gewässern lebende Kletierfisch. Seine Kiemen haben die Fähigkeit, sich lange feucht zu erhalten, so daß man ihn selbst zwei bis drei Tage lang in einem trocknen Gesäße lebend erhalten kann. Er gehört deswegen zum Inventarium der indischen Gaukler. Da sick diese des sonderbaren Gesellen bei seinen Spaziergängen bemächtigen, so empfindet auch er zu seinem Leidwesen, daß man nicht ungestraft unter Palmen wandelt. Die Leistungen dieses merkwürdigen Wanderburschen werden in den Schatten gestellt von einem Bewohner afrikanischer Flüsse, welchen man den Klown unter den Fischen nennen kann, denn er vollführt nicht nur Kletter-, sondern auch Sprwg-Uebun-gen auf dem Festlande; er heißt darum auch Schlammspringer. Oft kommt es vor. daß er bei seinen Turn-Pro-ductionen mit den Flossen zwischen den Aesten des Mangrovenbaumes hängen bleibt und dann in der Lust zappelt. Diese Stellung veranlaßt die Neger zu glauben, der Fisch sei vom Himmel gefallen. Diesem so vortheilhaft veranlagten Wasserbewohner reihen sich die schon seit Alters her bekannten Flugfische des Atlantischen Oceans an. Die Flossen derselben besitzen lange Strahlen. zwischen denen die wie ein Fallschirm wirkende Haut ausgespannt ist. Sie fliegen meist, wenn sie von einem Raubfische verfolgt werden. Das Reich der Mitte, das man auch das Reich der Absonderlichkeiten nennen könnte, zeichnet sich ebenfalls nach dieser Richtung besonders aus. In seinen Gewässern beherbergt es einen Fisch, welcher jeder Schützengilde zur Ehre gereichen würde. Der befloßte Schütze gebraucht statt Pulver und Blei nur Wasser. Wenn er sich nämlich an einer Fliege gütlich thun will, so schießt er auf dieselbe ein Wassertröpfchen los, er verfehlt niemals sein Ziel, und das getroffene Insekt wird die sichere Beute des .Spritzfisches" so heißt der treffliche Flußbewohner. Die im Parterre des Oceans hausenden Flsche erfreuen sich wieder anderer Talente. Sie sorgen dafür, daß diese freudlos dunklen Gründe das goldene Licht nicht für immer entbehren müssen, sie beleuchten sich selbst ihren Lebenspfad. Manche haben ihre Leuchtorgane in unmittelbarer Nähe der Augen, andere wieder haben dieselben weniger günstig situirt, sie keuchten mittelst der sogenannten Seiten!!nie des Körpers, noch andere dieser sonderbaren Veleuchtungsinstallateure der Meerestiefe erhellen ihren Weg mit Orzanen, die an der Schwanzflosse angebracht sind. Ueberhaupt verfügen die in den untcrsten Räumen des großen Wasserreichs wohnenden Fische über besondere Fähigkeiten, denn sie können dem ungeheuren Druck der. auf ihnen mehrere tausend Meter hoch aufgethürmten Wogen Stand halten. Ein sich an der Oberfläche herumtummelnder Fisch würde dieser bedeutenden Krast schon erliegen, wenn man ihn einige hundert Meter tief einsenken würde. Wie machen es die ost so zart organisirten Geschöpfe, ' um einem Drucke von oft vierzigtausend Kilogramm Widerstand zu leisten? Die Gewebe ihres Körpers sind von Hohlräumen durchsetzt, in denen sich Wasser betindet. welches aus dS von außen Laftende einen Gegendruck ausübt, somit die Wirkung aufhebt. Auch wir Menschen würden von dem Luftdruck, welcher ungefähr fünfzchntausend Kilogramm schwer auf uns lastet, plattgedrückt werden, wenn nicht die Lungen, die Mund- und Ohrenhöhlen sowie andere Räume unseres Körpers vo. derselben Luft erfüllt wären. Die in so gedrückter Stimmung lebenden Meeresthiere erfreuen sich noch anderer Bsnefizien. Ihr Körper ist meist dünn und langgestreckt, oft fadenähnlich, dafür gleicht ihr mit kräftigen Zähnen und Kiefern ausgestattetcs Maul einem großen Sack. ..In
diesem spielt a)i der ganze Verdauungsvorgang , ab.. Solche Thiere, die einem schwimmenden Kopfe mit schnurartigem Anhängsel gleichen, haben die Expeditionen zur Erforschung des Meeresgrundes im Atlantischen Ocean in Gesellschaft des Sack- und Pelikanfisches an's Tageslicht gefördert. Man würde einen unter solchem, Druck lebenden Geschöpfe gar keinen Gefallen erweisen, wenn man es zwingen wollte, in seichten Gewässern zu. leben. Selbst das am Grunde des Bodensees lebende Felchen geht zu Grunde, wenn es sich in höhere Regionen versteigt. Ebensowenig, wie es in dem vermeintlichen Reich der Finsterniß an Lichteffekten mangelt, herrscht hier lautlose Stille. Im Mittelländischen Meere treibt ein mürrischer Geselle sein Unwesen, der nach berühmten Mustern die Dinge um ihn her belnurrt. Dieser schon den Alten bekannte Fisch heißt deswegen der .Knurrhahn". Nicht so lange ist der mittelst seiner Kiemenbogen trommelnde Fisch des Indischen Oceans bekannt. An den Küsten Au straliens hat man sogar singendeFischc entdeckt. Diese seltsamen Wassuvirtuosen lassen sich nur an hellen, klaren Sommerabenden hören. Vielleicht haben diese zu der Sage von den Sirenen Anlaß gegeben. Noch ein anderer Fisch scheint dem Gebühren der Menschen etwas abgelauscht zu haben, er angelt gleich diesen nach seinesgleichen. Er heißt darum auch der Angler und seines furchterregenden Aussehens wegen der Meerteufel. Zum Fangen anderer Fische benutzt er die länglichen Anhängsel zu beiden Seiten seines mit starken Zähnen bewaffneten, geräumigen Maules. Ruhig sitzend, läßt er dieseFangfäden imWasser spielen, aber wehe dem munteren Fischlein, welches sich von der Arglist des Meerteufels täuschen läßt nd jene für ein Würmchen hält. Der tückische Angler hat noch andere Untugenden, er ist so gestößig, daß er noch im Netze die mitgefangenen Flundern verschlingt, es kommt ihm diese Passion aber theuer zu stehen, weil ihn die Fischer zuerst aufschlitzen, und die fast unversehrten Flundern herausnehmen. Auch fahrende Fische" nennt die Salzfluth ihr eigen. Der eigenthümlichfte von ihnen ist der Schisfshalter, welcher schon den alten Römern unter dem Namen .Naucrates" bekannt war. Er fährt mit den Schiffen, aber weder am Vorder- noch am Zwischendeck, weder erster noch zweiter Klasse, sondern er saugt sich mit einer an seinem Kopf btsmdlichen Scheibe an dem unteren Theile des Schisfes fest. Er bedient sich nicht immer menschlicher Fahrzeuge zu semen Reisen, manchmal läßt er sich auch von dem gestrengen Herrn der Gewässer, dem Hai, durch die Fluthen tragen, indem er sich dabei an seinem Bauche festhält. Der Schisfshalter genießt die alleinige Auszeicknuna. diesem Meeresty-
rannen nähern zu dürfen, ohne von demselben gefressen zu werden; er sazeint sogar bei demselben das Amt des Oberküchenmeisters zu verwalten. Die Haifische werden zumeist von mehreren derselben umschwärmt und erhalten von Zeit zu Zeit in Form eines Rippenstoßes einen zarten Wink, daß irgendwo etwas zu holen sei; sie sind auch seine Wegweiser. Als Entgeld für ihre Dienste dürfen sie sich die mageren Reste seiner opulenten Mahlzeiten aneignen. Dieses Protectonskind des gefürchtetsten Seeungeheuers nennt noch an-. dere Vorzüge sein eigen. Die Römer glaubten, daß er sich mit bewunderungswürdiger Zähigkeit an den Schiffen festhalte und daß er sich lieber in Stücke reißen lasse, ehe er seinen Platz aufgäbe. Dieser Beharrlichkeit wegen galt er als Sinnbild der Eonsequenz und Charakterstärke. Diese Eigenschaften so meint man gingen auch auf sein Fleisch über, deshalb wurde dieses allen wankelmüthigen Gatten von ihren Frauen vorgesetzt. Es ist ein Glück, daß dieses Vorurtheil heute nicht mehr besteht, sonst würde der Schiffshalter trotz seines zähen Fleisches fast täglich allenthalben gegessen werden! Ich sprach von Liebe ihr und Treue. Ich sprach von Liebe ihr und Treue, Stumm stand sie dort! Ich schwor ihr wieder stets auss neue, Sie sprach kein Wort! Da schloß ich sie in meine Arme, Wahnsinnig schier! Und sieh, ihr Mund, der licbeswarme. Gab Antwort mir! Drum liebe Freunde, laßt euch sagen: Beim LiebeZspicl Muß man die Mädchen wenig fragen Und küssen viel! Im Alter von 120 I a hren starb in Trzemeszno. Prov. Posen, die Hospitalitin Frl. Metzekiewicz. Sie ist als Unterthanin des früheren Kö--igreiches Polen geboren, war Zeuge .der Grundsteinlegung der dortigen kacholischen Pfarrkirche, die vor drei Jahren das hundertjährige Jubiläum feierte und erfreute sich bis zum Tode verhältnismähia guter Gesundheit. Genau befolgt. 23t: geht's Ihrer Frau?" Schlecht. Herr Doctor." Haben Sie ihr auch die Medicin richtig gegeben?" Freilich." Und sie nach Vorschrift geschüttelt?- Daß ihr Hören und Sehen verging!" - Mißverstöndniß. Vater: Was? Der Schneider soll Dir den Rock weiter machen? Kannst Du denn nicht selber die Knöpfe versetzen?" Sohn (Student): Oh. sogar den ganzen Anzug!-
