Indiana Tribüne, Volume 20, Number 24, Indianapolis, Marion County, 11 October 1896 — Page 6

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as ßndc iörcs Wartens. Slizze von Silber Holt. Ihr Tagewerk war gethan, und nun hatte Jane Varlay ihr Spinnrad herausgenommen auf die weinumrankte Vorhalle' und begann zu spinnen bei den legten warmen Strahlen der sinkenden Sonne. Sie war allen Dorfbewohnern ein vertrauter Anblick und es war manches Jahr hn, daß Jemand sich darüber gewundert hatte, daß sie eine so ungewöhnliche Zeit zu ihrem Spinnen wählte oder daß sie überhaupt noch ein Spinnrad gebrauchte, nachdem alle anderen schon lange in die dunklen Bodenkam rnern verbannt waren. Niemand wußte, wie lustig die Erinnerungen waren, die lebhaft dabei vor tont Geiste der Alten auftauchten. Den ganzen Tag lang, wäh rend sie ihren häuslichen Pflichten nachging, konnte sie voll Freude an die glückliche Stunde denken, die immer ihren Taa abschloß. Sie kam immer, Sommer und Winter, als ihr einziges, großes Vergnügen, nur unterschieden durch die Plätze, auf denen i sie saß; im Winter an ihrem Fenster, ?m Sommer m der Vorhalle. Die Zeit war glimpflich umgegangen mit Jane Barlay. Der glänzende rosige Teint ihrer früheren Mädchenzeit hatte sich in ein gesundes Noth verwandelt und die Fülle des Haares, wenn sie auch über und über mit Grau gesprenkelt war, hatte sich nur wenig vermindert. Keiner hätte gesagt, sie sei einen Tag älter als Dreißig, während sie in Wirklichkeit nur wenige Wochen von dem halben Jahrhundert entfernt war. An den kommenden Geburtstag dachte sie, während sie in der Vorhalle saß. Aber während sie daran dachte, siel ihr Blick zärtlich auf das Rad, und im Geiste eilte sie schnell zurück zu dem Dämmerlicht des milden Juni vor dreißig Jahren. Ein Lächeln flatterte um ihre Lippen und stahl sich hinauf in ihre Augen ; und während sie mit gesenktem Kopfe dasaß, schien es ihr, als ob sie Alan Faraday hörte, der sie, wie einst, bereden wollte, ihr Spinnrad zu verlassen und einen Spaziergang mit in's Feld zu machen. Dann kam die Erinnerung an das. was Alan ihr in jener Nacht am Gitter gesagt hatte; dann, wie er nach wenigen glücklicben Wochen fortgegangen war in die Stadt, um Geld zu verdienen, wie er ihr sagte ; und dann ach! dann hatte das lange, lange Warten begonnen. Alan hatte gesagt, er würde wieder kommen, sobald er ein Heim für -sie hätte und so wartete sie. Ja dreißig Jahre und immer noch kam er nicht. Aber was that das? Jane war gewiß, daß er ihr treu war ; gewiß. daß er eines Tages kommen würde. Da schreckte sie das laute Klirren der kleinen Gartenthür empor. Sie sland auf und schaute verdrießlich auf die Gestalt, die schnell den Gartenweg hinaufkam. Mein Gott! sollte sie die nicht kennen? war das nicht?, aber nein. nein. Unsinn, ich träumte", und sie schaute wieder und aufmerksam dahin. Und doch. ... . das konnte wirklich keine Täuschung sein; der Mann war ihr jetzt ganz nahe, er war's, ja, er war's so stand er vor ihr, ganz so wie damals. . . Guten Abend, Madarne"; sagte er, wohnt Jane Barlay noch hier?" Bei dem Klänge der lange ersehnten Stimme machte Janes Herz zuerst einen großen Freudensprung und dann stand es fast still. Für einen Augenblick war ihre Rührung so groß, daß sie Nichts erwidern konnte ; endlich sagte sie mit bebender Stimme: ..Ja und dies ist Alan Faraday! Dein Kommen überraschte mich. Mein Herz klopft zuweilen et was heftig. Aber komm doch herein, komm doch herein. Alan!" Der Mann lachte fröhlich und sagte, während er ihr in das seltsam altmodische Zimmer folgte: Sie kenncn mich also?" .Ich hätte Dich überall niederersannt. Setz' Dich doch, dann will ich die Lampe anzünden." Die alte Jane sprach ganz ruhig. aber ihr warmes kleines Herz schlug ihr vor Freude fast bis zum Ersticken. etoift an meiner aroßen Aehnlichkeit mit meinem Vater. Jeder sieht sie sofort", antwortet: die fron liebe Stimme. Klirr! Die Kuppel, die Jane über die Lampe setzen wollte, fiel nieder und brach in tausend Stücke. Jane Barlay aber siel rn den nächsten Stuhl. Alan's Sohn nicht Alan, nur sein Sohn! Alan tft also die ganzen Jahre verheirathet gewesen", stotterte sie, mdern sie vergeblich versuchte, lyrcm Kopf das klar zu machen, was ihr Serz so schnell begriffen. In dem Zwielicht schien es, als ob sie plötzlich zusammenschrumpfte und alt wurde. Die Hoffnung war todt und mit der Hoffnung war auch die sVjand dahin. Lassen Sie mich helfen!" rief die fröhliche Stimme. Ach! ich fürchte. ' . . . . m rw n da giebt's keine Hilfe meyr. in zerbrochen." Die Worte machten sie wieder etws munter, sie blickte starr aus die Glasscherben, während sie die kleinen Hände schwach gegen das Herz drückte ; dann sagte sie: Ja, ich fürchte, es ist zerbrochen Meier. Frau Generalconsul Meier (zu ihrem Gatten, nachdem ihr derselbe denAgenten Meier vorgestellt): Jsidor, sei doch nicht immer so dumm! Sprich unsern Namen doch wenigsten QiiZ -nit andere? Betonung!"

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Jas Znvalidcttßeim Sei Santa Womca. Daß Republiken nicht immer undankbar sind, beweist die Existenz der von unserer Bundes-Negierung in's Lebene gerufenen Jnvalidenhäuser. welche allen im Dienste verwundeten oder durch Krankheit arbeitsunfähig gewordenen Soldaten und Matrosen ein komfortables Heim gewähren. Zur Zeit mögen ca. 24.000 Veteranen, von denen etwa 500 im mexikanischen Kriege gekämpft haben, in diesen Anstalten untergebracht sein. Der Ursprung dieser Jnvalidenhäuser datirt vom 1. März 1865, an welchem Tage der Conreß ein Gesetz annahm, dem zufolge em Asyl" für die Verpflegu-lg der Invaliden der Armee und Flotte, sowie der im Kriege arbeitsunsähig gzwordenen Freiwilligen errichtet wurde. Im Laufe der Jahre wurde dieses Gesetz manchen Aenderunqen unterworfen und durch Gesetz vom 23. Januar 1873 sür Asyl" die amtliche Benennung Home" substituirt. Ferner wurden Zweig-Heimstätten in's Leben gerufen. Dieselben befinden sich in folgenden Orten: in Dayton, O., für die Ccntralstaaten, in Milwaukee, Wis., für

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l' r'&i . - Cr iyri' Administrationsgebäude. die nordwestlichen Staaten, in Hampton, Va., für die südlichen Staaten, in Leavenworth, Kans., für die westlichen Staaten, in Augusta, Me., für die östlichen Staaten, bei Santa Monica, Cal.. für die pacifischen Küstenstaatcn; dazu kommt noch eine kleinere Anstalt in Marion, Ind. Im Nachstehenden wollen wir den Leser mit der Zweiganstalt der pacifischcn Küste bekannt machen, welche 4 Meilen von dem Städtchen am Ufer des Stillen Oceans belegen ist. In jener Gegend sind Schnee und Frost unbekannte Naturerscheinungen; die überall angelegten Gruppen von Ziertflanzen und prächtigen Blumengärten der Anstalt und Umgegend stehen den ganzen Winter hindurch in üppigster Blüthe, sich malerisch abhebend von dem saftigen Grün des die Baumanla:en und Blumenbeete einfassenden Rc:ens. Da Südcalisornien während )es ganzen Jahres nur etwa einen Monat Regenzeit hat (gewöhnlich im December oder Januar), so muß künstliche Berieselung angewandt werden. Häufig vorkommender Morgenthau tragt viel dazu bei. den Pflanzen und Blüthen stets ein frisches Aussehen zu verleihen. ' vIr Tri. -r ,- Haus des Oberarztes. Das zur Anstalt gehörende Land hat einen Flächeninhalt von 633 Acres , und liegt auf einem vom Thale gegen eine Hügelkette sanft aufsteigenden Terrain. Die Gebäude befinden sich auf der hochstgelegenen Seite, und man genießt von ihnen aus eine prachtvolle Aussicht auf das liebliche Thal, den stillen Ocean, die umliegenden Hügel und die in der Ferne blaß lila schimmernden Gebirge. Diese Zweiganstalt wurde im September 1888 zur Aufnahme von Invaliden eröffnet und beherbergt jetzt 1640 Mitglicder. Als Material für Fundament und Unterbau der Hauptgebäude sind Quader- und Backsteine Verwender, während das übrige Bauwerk aus weißem Fichten- und rothem Tannenholz besteht. Alle Gebäude sind in einem dem Äuge gefälligen Farbenwech sel angestrichen und werden mit warmer Luft geheizt; die Beleuchtung ist elektrisch. Die Anstalt hat Eisenbahn-, Telegraphen- und Telephonverbindung mit Los Angeles und Santa Monica. Die zur Ausnahme der Mitglieder bestimmten Kasernen haben eine Länge von etwa 280 Fuß und sind in beiden Hauptquartier. Stockwerken mit um das ganze Gebäudc herumgehenden Balkönen oder Lauben versehen. Die aus Backstnen aufgeführten Unterbauten schließen Gewölbe ein, welche als Lagerräume für Mundvorräthe. Kleidunz. Eisenwaaren. Ackergeräthc und so weit:r dienen. Eine Freitreppe führt auf der Frontseite . zum ersten Stockwerk, in dem 'man durch ein Vorzimmer. w:l ck'es als Nauch- und Spielzimmer be wird. Ze nack recbts und links in einen . Schlafsaal gelangt. Diese Schlafsäale halten ie öü numerirle m.n, unh in ihrer TOitt? ftebfN ?Zz jltlbil, .. -7 " - " - I sche zum Schreiben. Kartenspielen und so weiter, liucr ozn yiauuMtiuuiciii künden sick die Badezimmer und Waschräume. Dieselbe Einrichtung

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wiederholt sich im zweiten Stock, wo sich außerdem das Schlafzimmer und oas Bureau des die Kaserne commandirenden Capitäns und seines Schrei bers befinden. Von hier führt eine Treppe nach dem langen Mansarden. saal unter dem Dache, welcher 50 bis 60 Betten enthält und an einem Ende durch einen Bretterverschlag von dem Bagageraum getrennt wird, in welchcm die von den Mitgliedern hcrgebrachten Koffer und so weiter aufb?wahrt werden. Gegenwärtig gibt es sechs dieserCompagniekasernen, und an einer siebenten wird gebaut. Ueber dem allgemeinen Speisesaal befinden sich die Quartiere und dc: Uebungssaal der Militärkapelle, in welch letzterem jeden Morgen der Unierricht im Studium neuer Compositionen stattfindet. Jeden Nachmittag von 2 bis 3 Uhr gibt die Kapelle ein Concert auf dem Balkon des Gebäudes, ausgenommen am Mittwoch, an welchem Tage das Concert vor dem Hospital ausgeführt wird. Im Hauptquartiergebäude befinden sich zu ebener Erde die Bureaux des Gouverneurs, der Adjutantur und des Schatzmeisters, deren Schreiber in den ZNansarden wohnen. Den ganzen oberen Stock nimmt ein Lesesaal ein, worin die neuesten Tagesblätter und das französisch-amerikanische Joiir nal dosEtats-Unis" aufliegen. Diese Zeitungen dürfen nicht fortgetragen werden. Es ist jedoch stets eine großeAuswahl von Monatsschriften wie des Century," Harpers-, Scribners," Kosmopolitan" und andere mehr vorhanden, welche Jedermann nach Belieben in seiner Wohnung oder unter einem schattigen Baum lesen kann. Eingebundene Bücher jedoch werden von dem Bibliothekar eingetragen und müssen z'cden Samstag behufs Erneuerung der Leihezeit oder Umtausches vorgezeigt werden. Die Bibliothek enthält alle englischen Klassiker in mehreren Exemplaren, sowie auch die Geschichte aller Länder und Völker, die besten Reisebe-

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Kaserne. schreibungen, Biographieen berühmter Männer und natürlich eine zahllose Menge von Werken, die von dem Secessionskriege handeln. Der Lesesaal ist täglich (Sonntag ausgenommen) von 8 Uhr Morgens bis 4 Uhr Abends offen. Eine eigentliche Kirche oder Kapelle besitzt das Home" zur Zeit noch nicht, wohl aber eine allgemeine Versammlungshalle, woselbst bald katholischer, bald protestantischer Gottesdienst abgchalten wird. Eine kleine Orgel, von den Damen der Officiere gespielt, und der Gesang dieser Damen liesern die Kirmenmusik. In derselben befindet sich auch eine kleine, regelrechte Bühne mit Coulissen und Vorhang, auf welCtx theils Liebhaber, theils Schauspielertruppen von Zeit zu Zeit Vorstellungen geben. Das Hospitalgebäude hat eine Länge von fast 600 Fuß. wovon eiwa 90 Fuß in der Mitte eine Tiefe von 280 Fuß haben; dieser mittlere Theil des Complexes heißt das Administrationsgebäude und enthält im unteren Stock die Bureaux. Consullations- und Operationsräume.Laboratorium und Apotbeke nebst dahinter liegendem Speisesaal für 160 Personen, sowie Speisekammern und Eisbehälter. Im oderen Stocke befinden sich die Wohnun- & &tk " 4ij j l A -442ir5 r-tr t wir I cc aZ3 Zi " .Ks-rrxrri Kaserne. gen der Assistenzärzte, der Hausmutter, der Oberkrankenpslegerin und der zum Lureau hörenden Unterofficiere. Die sehr geräumige Küche, welche mit allen modernen Einrichtungen der Kochkunst versehen ist. liegt im zweiten Stockwerk und ein Fahrstuhl befördert mt zubereueten Speisen nach dem Speisesaal. An die östliche und Westliche Seite dieses Hauptaebäudes lehnt sich unmittelbar je ein etwa 260 Fuß langer Flug:!, wovon ersterer oic Krankensääle und letzterer diejenigen für die Neconvalescenten enthält. Das Ganze steht unter der Leitung emes Oberarztes, welcher den Ranz eines Majors bekleidet. Zwei Assistenzärzte stehen ihm zur Seite. Ein Chemiker und Apotheker befassen sich mit Herstellung der medicimschen Pravarate und Arzneien. Die Küche steht urter der Oberleituna der Hausmutter. welcbe einen Cbef. einen Unterkock und sechs Gehilfen beschäftigt, welche die verschiedenen, von den Aerzten als Diät verschriebenen Speisen zubereiten. Zum Schlüsse sei bemerkt, daß sich zur Zeit in dieser Anstalt etwa 150 Deutsche befinden. D i e poetische Hausfrau. Mann (beim Frühstück): Aber Eulalia, die Eier sind wieder hart heute'.". Sie: Da habe ich wieder ewige , Jamben zuviel gezahlt! Deutlich. Dame: Nun. Qerr Doctor. in welches Seebad soll ich mit meinen Töchtern nächstes Jahr aeben?" Doctor: Ich würde Ihnen rathen, ruhig zu Hause zu bleiben und es 'mal mit einem HeirathZanirag in der Zeitung zu versuchen'. -

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Kandia.

Das heitere AegÄifaV Meer da? Meer der Griechen mit seiner Himmelsblau? und den grünen Eilanden über den sonnbe glänzten Wassern schließt im Süden mit der langgestrcckten, wenig gegliederten Insel Kandia, dem alten Kreta, ab. Bei der Annäherung vom Norden her treten Türke auf Kreta, die vielen Eilande des Kykladenarchipels zu nahe an Kandia heran, um dieses letztere unvermittelt dem Beschauer vor Augen zu führen. Wesentlich ander3 verhalt es sich, wenn man von Suden, das heißt vom offenen Mittel meere her, an die Insel herankommt. Dann schweben allmälig sonngeröthete Felszacken über dem Meeresspiegel empor; andere Hochgipfel folgen, von denen der nähere jener Jda" ist, welcher bei den alten Hellenen als der Geburtsort des Zeus galt. Alle blauduftigen Hohen, weit gestreckt bis zum äußersten östlichen Gesichtskreis, gehören zu Kandia. Man bekommt nun die richtige Vorstellung von dieser größten aller griechischen Inseln, welche sich gleich einem ungeheuren Damm zwischen dem offenen Mittelmeere und der Aegalschen See erstreckt, als wollte sie diese von der übrigen Welt absperren. Aus Kandia hat sich die Uroevolkerung der Dorer unverfälscht in der angestammten Ursprünglichst und Wildheit erhalten, in der Landschaft Shpakla. dem weißen Gebirge im äußersten Westen der Insel. Dort trug man noch bis zur Neige des vorigen Jahrhunderts Pseile und Bogen und tanzten die Krieger den uralten Waffentanz. Dabei sind die Shpakioten von ungestümer Tapferkeit, welche im Einklänge steht mit ihrer vielgerühmten Sittenstrenge. Mit einer tiefen und starken Religiosität verbinden ste allerdings nen krassen, von heidnischen Elementen durchtränkten Aberglauben und einen leidenschaftlichen Drang zur Blutfehde, welche den ohnedles nur einige tausend Köpfe zählenden Volksstamm häufig genug entzweit und gegenüber den Mohammedanern der Inseln ohnmächtig gemacht hat. Wenn man von kandrotlschen Mohammedanern" spricht, ist zu bemerken, daß damit keine Türken, sondern moslemischen Griechen gemeint sind. Ihrer Abstammung nach ist also die Bevölkerung der Insel eine einheitliche. nicht aber in Bezug auf ihr GlaubensBewohner der Shpakia. bekenntniß. Die zwei Jahrhunderte, in welchen die Insel türkisches Besitzthum ist (seit 1669), haben ausgereicht, wenigstens in den zugänglichen Gebieten alles Leben zu ertodten und die Bevölkerung, welche auf eine dreitausendjährige Geschichte voll erhebender Züge und glänzender Erinnerungen zurückblicken darf, in den Staub zu treten. Unter diesem Drucke ist im Laufe der Zelt ein großer Theil der kietenischen Griechen zum Islam übergetreten. Es waren hauptsächlich die Shpakiotcn, welche in ihrem wilden Alpenlande dieser Vertürkung mit Erfolg sich erwehrten. Dort fuhren vom Halbrund der Küste beschwerliche Pfade durch stundenlange Felsengen nach zenem Hochlande, wo der m sich völlig abgeschlossene Stamm seine uralten Sitten und Lebensgewohnheitm erhalten und ein starkes Freiheitsgefühl bewahrt hat. Zur Neubelebung von Hoffnungen fehlen nie Anlässe. Wre die benachbarte Insel Santorin, auf welcher die vulkanischen Kräfte bestandig rumoren geräth auch Kreta alle paar Jahre in Bewegungen anderer Natur. Seit dem letzten großen Aufstande von 1867 bis 1869 hat sich dieseZ Schauspiel zu Anfang dieses Jahres wiederholt. Es hat nichts genützt, daß in jenen Jahren die türkischen Truppen furchtbar hausten und die wüsten Soldaten Taa für Tag Schrecken in des Städten verbreitcten. Wenn damals zur Nachtzeit da, wilde Geheul in die Wohnungen bereingrollte, zitkrten Kinder und Weiber um ihr Leben. Zur Sühne freilich ließen auch die Shpakiotcn es an Gransamkeiten nicht fehlen. DaS entsprach ihrer Natur und dem ural ten: Aiicf um Auge. Zahn um Zahir." An frühe?? Kampfe der grimmigsien Ar! freilich unter anderen Ifciv senden entbrnnnt erinnern die üstenstädte. Wenn man in den seichten'Haftti. des Hauptortes der Insel, der Stadi Kandia (nicht zu vcrwcchsein mit dem neuerdings viel genannten Sianea), einläuft, sieht man ringsum die' gewaltigen venezianischen FestungÄwerke. deren Vertheidigung durch die Soldaten der Republik denkwürdig für alle Zeiten geworden ist. Drei Jahre (1867 bis 1869) währte d'rt Belagerung, bei welcher die Venezianer 30,000 Mann verloren. M.000

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Kanonenkugeln verschossen, während die Angreifer die eiserne Taufe mit 40.000 Kanonenkugeln. 15.000 Vomben und 20.000 Granaten erwiderten. Heute ist es still in diesem Hafen; die Mauern sind im Verfall, die veneziaNischen Paläste seit zwei Jahrhunderten Ruinen. Dazwischen erheben sich die mohammedanischen Buden, von Palmen beschattet. Mit Beginn dieses. Jahres begann der alte Glaubenshaß (nicht aber Rassenhaß, denn Christen und Mohammedaner gehören, wie hervorgehoben, einem und demselben Volksjitamm an) zu glimmen, und im Frühjahr kam der Streit zu vollem Ausbruch. Es wäre gefehlt, anzunehmen, daß es sich in dieser Bewegung lediglich um die Bethätigung des sorstehend gekennzeichneten Hasses handelte. Die christlichen Kretenser streben ein HLheres an: Ordnung und Rechtssinn, Beseitigung der barbarischen Zustände, vor Allem aber eine den Bedürfnissen der Insel und ihrer Bewohner entsprechende Autonomie, sowohl in politischer wie in wirthschaftlicher Beziehung. Unter dem Druck der Verhältnisse hat der Sultan sich dazu verstehen müssen, den Kretern eine theilweise Autonomie zu bewilligen. Dem Su?tan bleiben noch folgende Rechte: die Ernennung ei? (christlichen) Gouverneurs auf 5 Juyre, eine Befugniß. die allerdings an die Zustimmung der Mächte geknüpft ist, die Ernennung des Vice - Gouverneurs, die Ernennuna der böb'ren 9Wmtr hi8 ?Wr

"""jj y j -m w "f j nrtn ?nTtrtfTitnrt2ftnSritYtrtsTT itnS . V UMltWUIVViUIWil die Hälfte der Zolleinnahmen. Außer, Aufstaudische. dem verfügt der Sultan über die Truppen und ernennt natürlich die Officiere (von denen ein Drittel Mohammedaner, zwei Drittel Christen fein sollen); nur bei Unruhen sollen die Truppen von dem General-Gou-verncur in Anspruch genommen werden können. Die Militärhoheit des Sultans ist also Gznz unbeschränkt ; das ausnahmsweise Verfügungsrecht, das dem Gouverneur bei Unruhen zustehen soll, hat in Wirklichkeit nicht viel zu besagen, denn e ist nicht die geringste Bürgschaft dafür, daß. die Truppen in einem solchen Falle dem Gouverneur auch wirklich Gehorsam leisten. Unbestunmt ist noch die-zu-künftige Gestaltung der Gendarmerie und der Justiz. Die Reorganisation dieser beiden wichtigen Zweige des öffentlichen Lebens soll unter Hinzuziehung fremder Officiere bezw. Juristen erfolgen. Ist dies geschehen, dann ist ein Zustand geschaffen, der die Möglichkeit eines dauernden Friedens und eines Wiederaufblühens der fo arg heimgesuchten Insel in sich schließt. Nicht so schlimm Gauner? .'s Geld ode? 's Leben-!'" Ehegatte (auf dem Heimweg vMi Wirthshaus): Jetzt bin ich aber er?, fchrocken! Ich dachte schzn, es wä? mei' Akte, die mich holeir will!" Inder Hoffnung ist das Glück am größten, in derErfüllung am Neinsten, m der Erinnerung am schönsten. G ü n st i g e r? Z e i t p 2 w k t. .Was sehe ich. Herr Müller, drnI Töge nackf der Hochzeit beruuscht?" Ja, wissen Sie. jetzt kann- ich ihr noch weismachen, ich sei vc:re Glücke berauscht !" MalitiTs. Herr v. Lnftig: Wenn ich nur wüßte, was ich, meinem Freunde Gäther zu seinem morgigen Geburtstage für . eine Uebcrraschung Sneiten soll?" Pumpnr Sie ihn nmal nicht W. das wird rhn gewiß überraschen! Höchste Devoteon.. (Aus dem Bericht eines Gefangenausseh:rS an die vorgesetzte Behörde, betreffend eine Gefängnißvolte): Auch Straf ling Meier geberdete sich wie rasd und stiefr unter anderem auch dieDeohung aus, er werde den dicken Bauch des 'ehrfurchtsvollst Gefertigten auf-schlitz.-, ; - Unerwarteter E r f 0 l a. Junge Jrau: Ich bin ganz zerknirscht, liebe Mutter! Nein, so schlimme Absichten hatte ich mit meiner Ohnmacht nicht! Der gute Alfons erschrak so heftig darüber, daß er mir, trotz seines Geldmangels, ein seidenes Kleid kauf te. O Gott und ich hatte doch wirk.lich und wahrhaftig nur einen Sonnenschirm gemeint!

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An: Wörtsicr See. Eine Perle der Kärnthner Alpen ist der Wörther See mit seiner Umgebung. die als Sommerfrische immer mehr in Aufnahme kommt. Namentlich bildet Pörischach mit seinen schmucken Villen einen HauptanziehungsPunkt. Prachtvolle Parkanlagen, eine schön gelegene Restauration auf der Halbinsel, von der man auf beiden Seiten den See überblicken kann, Waldspaziergänge in schattigen Buchenwäldern auf den sanft ansteiguiden Hügeln, welche den See umgeben, nicht zum mindesten das reine, kristallklare Wasser des Sees lassen diesen und seine Umgebungen als eine der entzückendsten Sommerfrischen erscheinen. Die herrlich gelegene Ruine Leonstein ist das häufige Ziel eines der nächstenSpaziergänge. Die Prachtvolle Aussicht von der kleinen und

.(hiil ZKWMAM r7T! X li v Maria L 5 r e t t o. großen Gloriette suchen ihresgleichen Ueberall überragen die schneebedeckteir Häupter der Karawankenkette und der Drauthal-Alpcn die waldbedeckten Vorberge. Da ist der Mittagskogel mit seinen schöngeschwungenen Konturen, das Massiv des Dobratsch, die langgestreckte Görlizen Alpe, deren Fuß vom Ossiacher See bespült wird; im Süden und Osten ragen die Häupter der Karawanken, der Groß-Obir, Horlatsch und so weiter aus. Beiden ist der am westlichsten gelegene Ort am See. Es ist der Ausgangspunkt der herrlichsten Touren ins Rosenthal nach St:rnberg. dessen' Hochgelegene Kirche die ganzeGegend beherrscht und eine prachtvolle Rundschau bietet. MarZa Wörth. In Maria Loretto dagegen, dem östlichsten Punkte des Sees, bietet sich von der Terrasse ein prachtvoller Uebcrblick über den See. Gegenüber die freundliche Gartenrestauration des Maiernigg. Weiter zurück schließt das Bild der Annakogel mit Einblick in die, Bucht vo.-z Reifnitz. .Vm Maria Loretto aus führt ein Kanal, welchen die Dampschiffe auf jedeRundfahrt durchfahren, bis an diö: Lände von Klagenfurt, beinahe ins Herz der Stadt. Mari Wörth. eine zlit, romanische Kirche.- mit äußerst interessanier Krypta. !iegt reizend auf einer Halbinsel. Nach ihr führt der See den Namen. Den See umgeben noch eine Reihe Orte-, von denen besonders das. reich mit Villen versshen? KrumPendorf erwähnt sei. Einzeln gelegene. Villen am Seeufer erhöhen den Reiz der Gegend. Außerdem schmücken die Anhöhen mehrere Schlösser, öfteten thu mit. namentlich Freienthurm,. dann Horn--stein, Drassmg und so weiter. Vom Wörther S aus sind. die schönsten? Hochtourm- auf die Spitzen des umg? benden Hochgebirges Lecxuem zu mu? chen, und wer die Muye solcher Touren nichscheut, der kann in den sckönen Buchenwäldern, welche.' den See beurahe ganz umgeben, ar? gut gehaltenen Wegen', stundenweit fsth ergehen. Die am Nvrduser des Sees laufende- EisenbOyn(Route Villach Klagenfart) und Sie häufig verkehrenden Dnnpfboot? vermitteln auf bequemste, Weise den Verkehr. D? abergl.Subische Hanes. . .Wissen S'. Herr Doctor. früher hab' i' auf de Doctor gar nir 'geben; seitdem Sie aber mei' Frau turirt hab'n, bin i doch abergläubisch 'worden!" Schöne Aussicht. Mutter: ....Ich sage Dir. wenn Du diesen Mann heirathest, wirst Du später noch betteln gehen!- Tochter (schwärmerisch): Ach, da kenn' , ich meinen Adols zu gut da wird er seyen!"

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Frau Kla!s!y.',Lchs5. Einen sehr großen Verlust hat die Kunst erlitten: Die berühmte Primadonna Frau Katharina Klafsky-Lohse ist in Hamburg an den Folgen einer Schädeltrepanation gestorben, welche zur Beseitigung eines Gehirnabscesses vorgenommen wurde. Die dahingeschkedene Künstlerin ist am 19. September 1855 in dem ungarischen Dorse St. Johann als das Kind eines armen Handwerkers geboren. An ihrer Wiege stand wohl Frau Sorge, aber der Genius der Kunst breitete schutzend seine strahlenden Fittige .über sie. Nachdem sie als Kind trübe Tage gesehen, kam sie im Alter w. 15 Jahren nach Wien, wo sie anfänglich als Kindermädchen ihr Brot verdiente. Spä-

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FranKlafsky - Lchse. "! ker wurde sie Kirchensängerw und' dann. Choristin, bis ihr ein' reicher Gönner gediegenen Gesang- unb Musikunterricht ertheilen ließ. Frau Klafsky zählte, zu den größten d?amatischen Sängerinnen unserer Zeit, Ihr Orgcm war n Sopran von fcrtreißender Kraft und grsßem Umng, dem die wuchtigsten dramatischen -Ac-cente mühelos zntquollek?. Die- äußeren Lebens schicksale der Künstlerin in den letzten'Jahren brachten ihr mancherlei: Freud und Lad. Zuerst Äie glückliche Ehe mit dem tr:ff-lichen-Baritonisren Fran? Greve, berm 40,000 Mark jährliche Gage, Weiler Gastspiele an großen Bllh'run, reich nr Ruhm und Ehren.'. 1892! starb ihrGemahk eines plötzlichen Todes. Jw zweiter Ehe war die Dahirtqeschiedenemit dem Kapellmeister. OU Lohse ver. mählt.. Mmotorvagcn in Ticuste. dcr Feucr.' unchr.. Die Berliner Feuerwehr?, die alle Fortschritt? der Technik zur: Verbesserung ihrer. Entrichtungen sWgsam beachtet, hativor Kurzem Ve:suchssahrturrnit denGanswindt'schcn Tretmotorwagen gemacht. Sechs Wann, von denen die beiden vordersten ie Steuerung und ras Geläute bedienen, setzen darck Auf- und Abbewegunz die dreiUn Trittbretter in Gang., deien Druck mittels starker Niemen auf einen horizontalen. mit Federkraft anrkenden Mechanismus übertragen illid durch diesen zur Wirkung-aus die 'Radachse gebracht wird.' Der gan?.e B-agen, der zur Verminderung des Gewichtes aus Stahlrohr und Hickoryholz möglichst, 'licht gebaut ist,, hei. sich bei .den Pro ypwin f tr3. Zu-B r.and stifte. ben insofern bewährt, als tz sehr leicht: und sicher fähr, rascher-als ein be--, spannter Wagen vorwärkommt und bei nicht zu. großer Entfernung die: Mannschaft, in guter Ecustitution zurr Brandstätte bringt. Soweit die bis--herigen Beobachtungen reichen, gewöhnen sich die Mannschaften sehr leicht an ein gzneinsames Treten in demse!ben Ten;pl7.. so daß selbst Steigungen: gut gensmmen werden: Der Wagens der sich sehr manövrirfähig und IOV Allem leicht drehbar erweist, ist in al-. len Zlbmessungen möglichst eizge schränk worden, sührt aber die tsich. tigsten- Gerathe für die Löscharbeitnr turt Standrohr. Aerte. Klapplciter nebst einem HydrcnknverzeichniZ mit. Vorläufig ist bei der Berlin Feuerwehr nur der erwähnte Probewagen vorhanden., dessen Manyfchcrft eineArt von schleunige... T ' C!T. den soll und an 5t un ' ' ' bis! zu drei Srock h. . ;v-;rlz Wa.sser geben kenn. ; ji f - v , ii .v- v . i v.vL ' ' l -i - jkr -i . , I r ' TJi wLt. ' " ! : v v'viA. ' - ' 9Xr&r'.0 tvÄVWV . . , ' - Praktische Erfindu.' Z ':r:n Etahlreiter zu Ausf! '..cn .. U rnille." Kutscher-B leSi: iH gerl: Kutscher, fahren i ir.:v so rasch wie möglich nach 'l'ft: . ter. Die Vorstellung lir.r.i , . Viertelstunde. Droschk:':' :1ic wirken wohl schon im u?.x li

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