Indiana Tribüne, Volume 20, Number 24, Indianapolis, Marion County, 11 October 1896 — Page 3
Revanche! Von Jisaan&cr ZZaran von AgSerls. "(13. Sortierung.) Und immer noch nicht! Auch jetzt noch weigerte sie sich, stumm widerstrebend, nach der gewaltigen Anstrengung der vier Nachtwachen, die wohlverdien! Ruhe drüben in ihren eigenen Räumen aufzusuchen, so sehr ihr .zarter Körper sich dem Zusammenbrechen nahe fühlte. Sie war entschlossen, die Wohnung nicht mehr zu betreten, und so raffte sie ihren ganzen Willen zusammen, um die übernommene Engelsrolle bis zum Schluß durchzusüh ren. Sie ließ es sich nicht nehmen, dem Entschlafenen das Paradebett zu richien und mit reichem Blumenschmuck auszustatten. Es .war immer noch das Mütterlein, daS sie zu vertreten hatte. . Aber unter der rührenden Pietät regte sich etwas .wie weltlicher Trotz. Galt es nicht, ihnen allen zu zeigen: Seht, so rächt sich ein: Deutsche! Endlich, gegen Abend, als alles geordnet war. nach dem sie noch einmal an der Seite des Leichnams unter dem Geknister der Kerzen zum Gebet niedergekniet war, machte sie sich auf und ging. Stumm, ohne ein Zucken der Wimpern, ohne eine Thränenspur, aufrecht und mit festem Schritt durchschritt sie den Garten; im Hausflur, als sie den Treppenfuß passirte, befiel sie ein ganz kurzes Stutzen.... war denn wirklich alles vorbei? . Schnell faßte sie sich und mit hast!gerem Schritt gewann sie' das Thor, als fürchtete sie, daß eine der Thüren sich öffnen und eine Hand sie zurückhalten könnte. Verdutzt schaute ihr Mongenast aus der Portierloge nach, das Läppchen noch zur einen Seite des Ohres zum Gruß erhoben, den sie nicht beachtet hatte. Später, als es sich längst herausgestellt, daß sie nicht wiederkehren würde, gab es seinem asthmatischen Herzen jedesmal eine Art schmerzlicher Beklemmung, daß eben dieser sein letzter Gruß unerwidert ae- ,
blieben war. Und in seiner stillen Verehrung, die er der Entflohenen weihte. behauptete er, sie wäre etwas Besseres gewesen, als eine Deutsche sie hätte den Schimpf dieses Namens nicht verdient; und er wünschde, daß sie dennoch wicderkehren möchte, damit er ihr nachträglich noch seine Verwunderung beweisen dürste, allen anderen zum Trotz. Drei Tage darauf folgte die Staatsequipage der Jaminets dem Leichenwagen auf den Pöre-Lachaise. Darin saßen Vater und Sohn, beide bis ins Herz hinein gelähmt von einem starrm Schweigen. Nur ein Gedanke schien zu brennen in ihnen: nicht als ob sie dem sterblichen Theil Armands die letzte Ehre erwiesen nein, als wenn freute in Wirklichkeit das Glück des Hauses Jaminet zu Grabe geleitet würde.. Sechsundzwanzigstes Kapitel. Der Triumph des Revanchegötzen war vollständig. Nicht allein, daß das Preußennest-' gründlich ausgefegt und die landesverrätherische Verbindungmit dem deutschen Fabrikanten zerrizjen wurde, nein, sogar bis auf die Ausmerz'ung ihres Namens follte die schuldige Firma gezüchtigt werden. Armands Katastrophe und Tod hatten endlich den Widerstand des alten Jaminet gebrochen. Er fühlte sich wie erschlagen von dem Wort, das ihm sein Jüngster ins Antlitz geschleudert hatte, und er wußte, daß es vergeblich wäre, fürder gezen' die .dämonische Macht der Umstände anzukämpfen. Er -erklärte sich also bereit, sich als Schlachtopfer hinzustrecken. Auf den von M5jard vorgeschlagenen Trug wollte er nicht eingehen er wenigstens wollte seinen Namen nicht zu dem ganz elementaren Kniff" hergeben; ebenso sträubte er sich. dieSchmach des offenen Treubnichs gegen das Haus Wahl auf sich zu nehmen. Er trat also von der Leitung der Firma zurück. Ein ungeheurer Ekel vor dem ahnwitzigen Getriebe um ihn her hieß ihn seinem eigenen Hause den Rücken kehren. Nun, da Gertrud fort war. schien ihn nichts mehr zu halten. Er zog sich nach seiner Villa Mireille zurück, wo er sich in eigensinniger Abgeschkosseneit. die selbst nicht mehr der altgewohnten Zeitung Zugang über seine Schwelle gestaötete. gegen die Verührung aller Häßlichkeiten französischer Politik und Sitte verschanzte. Noch immer hatte die Villa der Wiedecherstellung aus ihrem ruinenhaften Zustand geharrt. Nun ereignete sich das Sonderbare, daß, als der Besitzer diese Ruine bezog, erst recht nichts für deren Aufbau geschah. Jaminet derr es offenbat mit Nichten, den Vor nzen der Familke und der Vervning der Freunde nicht nachgeu haben; als wenn all die Zeit , eine Ahnung ihn beherrscht - s' gerade die Ruine eines Ta me demonstrative Rolle zu ; - . cen wäre. "ch einige der wenig:? be- ' a 'i 'terz immer zur Woh lassen, wahrend die - v i erfront mit eingeM?n gähnten und das l cdtqitn und von der . i.hlten Dachsparren l: W Ge.i. vi u. '-; Feucl -:o er-. sichh, ' blau j öer (Sart.'n; .r: inert im a '.! mit fostbc.c:-. 5' LNtttelbeete : Stelle inat: :'. ie das Thor n und, nicht miriVr Empfang am H? ' d heitere Himmels hartig wucherte tw.'-t lag zertrum'.zuA des ehemals "7.t:,-pich belegten AUz vj.it, an einer loreiid kreifch, -:rri;;'n Angeln, :r'."3r.:;i:. war der eij."i.u?.j V-r asth- : !:;r:en und Tnatisch: McngvT.v. einsilbig die Honn-l tt b?ave Diene? "fpiu Der al. rschaht.
der neuen Aera zu dienen, und er war nebst Frau Mongenast seinem Herrn in die freiwillige Verbannung gefolgt.
wo er seinen siechen Korper recht mit Sonnenschein durchrieseln ließ und fei: ne Hauptbeschäftigung darin zu finden schien, das Gedeihen des Unkrautes zu überwachen. War das Befremden' der.Einwoh: ner von Suresnes und selnerSomm gäste über die räthselhafte Versassung der Villa schon groß gewesen, so sollte es doch noch überboten werden. An dem einen Thorpfeiler fand sich eines Morgens eine hübsche Marmorplatte angeheftet, auf der in goldenen Lettern folgende Inschrift zu lesen war: Sigtntdum eines Jrckiasen. Jerftört durch die Arajse am 12. vril 1871. Was soll das bedeuten? Ist es ein Scherz? eine Verrücktheit? oder gar eine Herausforderung? Man blieb vor der Inschrift stehen, ganz SuresneS pilgerte nach der Rume. um sich die in Marmor aearaoene Schrulle anzu sehn. Kopfschüttelnd, mit einem schie fen Lächeln begaffte man die Tafel: einige wollten empört thun und uit Polizei gegen den Unfug hetzen. Diese aber wies die Hetzer ab mit einem zynischen: Na, ist es denn nicht :e Wahrheit? Dagegen ist nichls zu sagen!" War es nicht die anze tragische Ge schichte der Jaminets, die in dieser Inschrift enthalten war? Die meisten aber, die sie anglotzten, empfanden seh? wohl den qrlmmlgen Hieb, der dem Franzosenthum damit versetzt wurde. Es war der Lerchenstem, den der alte Kaufmann seinem von der Re vanche zu Grunde gerichteten Hause gestiftet hatte. Also auch der Name der Firma ver schwand. Viktor Jaminet nahm kei nen Anstand, dem Regiment der Gas senbuben auch noch diese Konzession zu machen. Es wäre volltisck. den Namen, der so viel Haß auf sich gelenkt, eine Zeitlang gänzlich zu verber gen. Zueru oute Möiards N.ith be soglt werden, und man wcll!e der Chappseide durch em vorsichtizes Trugmanöver ihren alten Vorrang und ihre Ertragsfähigkeit erhalten. Aber der Vorschlag scheiterte an dem viereckigen Schädel" Wahls. Damals begannen die Deutschen sich in die Brust zu werfen und sich ihrer nationalen Wurde und Kraft bewußt ... V rm a o ie r -y i c. rrr zu werueu. Äas? ur loulc oen iijoni stand seines Hauses von der BarmHerzigkeit der Revancheschrerer abhän gen lassen? Zudem forderte die Ruck r i p p w licyi aus jcin ungiuailcyes Zttnd ein energisches Nein!" Und er war es selbst, der das alte Band zerr'ß. Mochte werden, was wollte! Mochte er den ganzen Fabrikationsbetrieb umwälzen, mit dem Risiko, damit einen großen, ja den größten Theil seines Vermögens einzubüßen. Insgeheim sagte er sich, während er sich außerlich in patriotische Falten , drapirte. daß die Dinge in Frankreich doch üb:r kurz und lang zu einer Katastrophe hindrängten; und em zweiter Krieg wäre ohnehin sein Ruin gewesen. Also war es am besten, das unsichere Veryaltniß bei dieser Gelegenheit zu loien. So ward denn das kleine messingene Schild an dem Thorslugel der Firma durch ein andres, viel größeres erfetzt. das die Aufschrift Schneidör & Co." trug. Es war kein Zweifel, diese neue Firma, die unter dem Namen des Elfässers segelte, mußte ja floriren, man würde den Ausfall der Chappseide glänzend wieder wett machen! Das mußte man dem verkappten Teutonen lassen, er verstand die Zeitlaufte und politischen Gelegenheiten auszunützen. So hatte er es erreicht, das schon vor dem Kriege durch seine Le-der-und Häuteartikel erworbene bedeutende Vermögen durch schlaue Schaustellung und Ausnutzung seines Märtyrerthu'ms zu verdoppeln. Das ganze Haus sollte einen ausgesprochen elsässischen Charakter bekommen, dadurch würde am schnellsten die unbequeme Erinnerung an das Preußen nest" ausgemerzt werden. So sah man denn die Pulte des Komptoirs mit Schwabengesichtern besetzt natürlich war jedes deutsche Wort offiziell vecpönt; nur insgeheim von Pult zu Pult flatterten die geächteten Klänge des gemeinsamen deutschen Heimathidioms. Aber Viktor hatte durchaus keine Freude an der neuen Ordnung. Schlaff und scheinbar willenlos, obgleich er doch der eigentliche Chef der Firma war, sagte er zu allem ja", was Schneider im Verein mit Möiard plante. In der ersten Zeit ehrte sein Schwager diese Apathie als den Aus druck des berechtigten Kummers "que diable!" so einfach ist die Sache doch nicht, wenn einem die Frau aus dem Hause wegläuft! lill dornieresr sie war za ein Fratzchen, in das man sich vernarren konnte! Aber immerhin eine Deutsche und es lohnt nicht, daß man ihr länger als acbt Tage nachseufzt! Es waren nun acht Taae seit ibrer Flucht vergangen und sie wir nicht zurückgekehrt. Hatte denn Viktor erwartet oder ersehnt, daß sie zurückkehren würde? Ihren festen Willen, daß dies nicht geschehen würde, hatte sie ihm ja kundgegeben. Ein kurzes Billet, das ihm lebewohl sagte: sie wolle als Preußin fürder nicht das Wohl des Hauses Jaminet gefährden, und sie sei gegangen; sie bedaure zwar die Schmach, die sie durch ihre Flucht auf ihn lüde, aber ihr Bleiben wäre die größere Schmach. Wenige kurze Worte, die ihres so flüchtigen, so schnell verwelkten Glückes gedachten aber unter diesen Worten fühlte er ihre Thränen vibriren. Mit einem Schrei, de? sich aus dem Innersten seiner Brust ' , , . m?v i rang, zerimrrerie er oas iuer in ver Faust. Dann, nachdem sich die erste Lähmung gelegt, üitZalkte er das Pa
pier, um die Schrift zu Ende zu lesen, aber die Thränen, die in seinen Blicken schwollen, Thränen des Zornes, des Schrecks, der Reue und der Verzweiflung, verschleierten die Zeilen. Jetzt erst, jetzt in dieser Stunde erst wußte er, wie heiß er sie geliebt. Er kam sich so erbärnilich arm und verwaist und verstoßen vor. Er konnte sich nicht denken, wie sein Lkben sich gestalten werde ohne sie all die Erinnerung an die freud- und friedlosen Tage des Konflikts schien versunken, und nur das Wchaefithl der alten
schönen Glückstage war lebendig. Unter der Qual der Verzweiflung tastete er nach einer Hoffnungsspur. Sie wird und muß denselben Jammer empslnden eine unwiderstehliche Sehn sucht gleich der seinen wird sie wieder in seine Arme führen.... Und doch hatte sie rn ihrer kurzen. resoluten Art sich selbst den Weg der Rückkehr abgeschnitten: Suche nicht nach mir zu forschen laß mich für Dich eine Gestorbene sein! Ich werde auch nicht nach meinen Eltern zurückkchren. Nochmals lebe wohl....Eine Gestorbene? Sie hat doch nicht Sie ist doch nicht ? Auf Minuten schien chm sein Hm stillzustehen. Ist sie in den Tod gegangen? Hat sie diese sicherste Art, sich nicht erforschen zu lassen, gewählt? Ein entsetzliches Bild stand vor ihm. Es war der feuchtkühle Raum der Moraue: jenseits der Glaswand sah er ihren Körper auf dem vom Wasser überrieselten Marmorbett hingestreckt, das wachsblasse Gesicht von der Herrlichen Fülle ihrer dunklen Haare umrahmt, die Arme krumpfend uver die Brust gekreuzt.... schaudernd packte er sich die Stirn, um den Spuk los zu werden. Ein Unsinn! Welch eine Entweihung ihres Andenkens! Nichts ist ihrem Wefen ferner als die Häßlichkeit eines Selbstmordes. Und es entfuhren ihm seltsam schrille Lachtöne des Unwillens über sich selber, und er bat sie wegen solcher widerlichen Trivialität umVerzeihung. . . M WM fi Nicht das! Was aber denn? m sie? Ein Dämon raunte ihm das Wort zu: Bei ihm! Bei Zeuner! Bei dnn Deutschen!" Es fu'hr rym wie em Dolchstoß ms Herz. Wieder stand ihm der Athem still. Gleich schleuderte er auch diesen Gedanken fort, und die unheimlich schrillen Lachtone entfu'hren rym adermals. Unsinn Trivialität wie das andere! Im Grunde war er ja niemalö von emem Vergehen ihrerseits überzeugt gewesen; er hatte sich damals in diese Eifersucht hineingewüthet. weil ihn der jedem Franzosen so naturgemäße Deutschenhaß dazu stachelte. weiter nichts.... Also auck das Nicht? Er zermarterte sich das Hirn mit allen Möglichkeiten, sie dort und dort zu suchen und sie sich in der und jene? Situation zu denken eine furchtbare Qual. Zuweilen stach ihn ein grauenhaftes Gelüste, sie sich dennoch auf zenem vom Wasser überriese'lten Marmorbett hinter der Glasscheibe vorzustellen als wenn ihm dies entsetzliche Bild Schutz gewährte vor jeder andern Möglichkeit.... Bei ihm! Bei Zeuner! Wo sonst? Es war nur ein Funke aber der Funke glimmte, glostete, fraß um sich, er wirkte wie ein ferner Feuerschein in weiter dunkler Nacht, der immer wieder seme Augen bannte. Fort und fort entfachten sich seine Gedanken daran; und auch andere sorgten dafür, daß der Brand nicht verlöschte. Mdn lieber, guter Bit'." sagte seine Schwester Rosa. ..was wirst Du Dir unnütze Gedanken machen ihretwegen! Sie wird wohl wissen, warum und wohin sie gegangen. Sie kommt Nicht um. Sie hat ncy ak.trmatlsirt in Paris. Sie amüsirt sich schon! Diese Deutschen mit ihren Heiligenmienen sind die Schlimmslen!" Laß mich in Ruhe! Nichts weiter! Nichts von ihr!" fuhr er auf wie mit einem Stöhnen. Ich dulde nicht, daß man sie verunglimpft! Frau Rosa ließ ein ironisches Lächeln um ihre von zartem Flaum dejchatketen Mundwinkel wettern, und ihre prächtigen Schultern zuckten mitleidig unter der straff gespannten Seide. Wir werden ja sehen!" warf sie hin. Und sie beschloß, nicht abzustehen und mcht zu rasten, bis sie ihrem Bruder den Beweis für ihre Behauptunq geliefert hätte. Wenn es auch nur der Schein eines Beweises wäre man konnte nicht wissen, wie damit ihr, trotz der Entfernung Gertruds aus dem Hause immer noch unersättllches Rachegefuhl befriedigt wurde. ,Mem lieber Schwager, allons. Kopf hoch!" rief Jakob Schneider immer wieder nach dem Pult hinüber. wo Viktor hingekauert saß, das Haupt in die eine aufgestützte Hand gedrückt, die Blicke niederwärts auf irgend eine Korrespondenz gerichtet, nur das äu ßerliche Bild der Arbeit, während die Gedanken weitab irrten immer auf der Suche nach ihr. .Die Sache ist wahrhaftig Nicht werth, sich unterkriegen zu lassen! Um eine Deutsche geh. ich bitte Dich!" Und des Elsassers wulstige Lippen schwollen vor unsagbarer Verachtung. Viktor hob langsam den Hop, wie aus einem schwülen Traum erwachend. Er war offenbar alter geworden in diesen Tagen, sein Antlitz zeigte die scharfen Faltenrisse des Kummers, der ihm im Herzen wühlte, ja. um die,Sch!äfen schimmerte das Haar ins Graue. Seine tiefliegenden Augen richteten sich mühe nach dem andern Pult. Er fuhr leicht zusammen und seine Stirn runzelte sich. Der Anblick des plumpen Bierbrauergesichtes schien - ihn zu überraschen und reizte seinen Unwillen. An demselben Pult hatte vordem der Vater gesessen, und der Vater hatte Gertrud so herzlich verehrt von
dort waren nur Worte deö innigen Wohlwollens, ja, der rückhaltlosen
Bewunderung m betreff Gertruds ge kommen was wollte jetzt das siäfe liche Gekrächze? "Xous autrcs Fra assais ha ben keine Zeit, um uns von solchen preußischen Bagatellen unterkriegen zu lassen!" Die fürchterliche Phrase! Wie wider lich kam ihm der Mann vor. Er verachtet seine Muttersprache, während doch ieder Papagei mehr Zungentalent' zum Franzozlschen hat als er! Ah, noüs autres Fra assais!" äffte Viktor nach. Weißt Du was, laß mich in Ruhe! fugte er zornig erglu bend hmzu. Mit einer grandiosen Bewegung der schwerbermgten Hand rief der Elsas,ser: "rar-ti6! So muß man Dir Beweise bringen, damit Du vernünftig wirst!" . Es war ihm wichtig, daß jede Mög lichkeit einer Versöhnung Viktors mit Gertrud abgeschnitten ,. würde. Kehrte Gertrud zurück, so war es um seinen Platz hier am Pulte geschehen. Das fühlte er, und so mußte diesem sentlmentalen Schwächling von emem Vlk tor, der ja gar nicht wieder zu erkennen war, jeder Gedanke an die Entflohene vergällt werden. Und er war mit seiner Frau, was selten vorkam, völlig ems, daß ein Beweis gegen Gertrud unrer allen Umständen herbeigeschafft' werden mußte. So sehr sich Viktor gegen solche Ansprelunaen und offenen Verdachngun gen wehrte, sie blieben dennoch haften und schürten den Brand des Verdach tes. . Bei ihm! Bei Zeuner! Wo sonst?" Seine Aufregung wuchs, er vermochte seine Gedanken Nicht mehr von dem Verdacht loszureißen es war wie ein wüthendes Fieber, das in ihm zehrte. Gerade die völlige Ungewißheit, in der er tappte, vermehrte noch die Qual. Fast wünschte er, daß sie kamen und ihm den zugesagten Beweis bracht ten. Was dann? Mit allen Fiebern bäumte er sich auf bei dieser Frage. Was dann? Ja. was dann? Es war nur eme Stelle. die Antwort darauf gab. Eine gewisse Stelle in einem gewissen türkischen Boudoir, wo em gewisses Dmg von einer PlZtole funkelte.... Siebenundzwanzigstes Kapitel. Er bohrte sich immer zäher in den Verdacht, es gab für ihn keine Rettung mehr davor, iblS in die schreckhaft ten Träume eines fiebernden Schlafes hinein. Alles erinnerte ihn daran und stachelte ihn. Die Gegenwart seines Schwagers, jede Miene desselben, die mitleidig zudringlich: Sorge seiner Schwester, die ganze Luft hier im Hause, gerade weil dessen neue Qrdnunz ein Protest gegen, das Preußenthum war, dem Gertrud angehörte. Er suchte sich zu zerstreuen, aber dcks Preußenthum und damit der Gedanke an Zeuner lauerten überall auf ihn. Griff er im Kaf6, oder auf der Straße oder daheim nach emem Zeitungsölatte, so sprang ihm aus den Zeilen dies Preußenthum entgegen. Schlenderte er in dem wachsenden Gefühl der Helmathlosigkeit an den Läden vorüber, so mußte er alle Augenblicke vor emer Karrikatur swtzen, die darauf zielte. In den Folies- Bergöres. in denChantants der Elysalschen Felder, wo er Zerstreuung und Ablenkung von dem gespenstischen Bann suchte überall ein Stich, ein Hieb, ein Ausfall auf das Preußenthum. Ganz Paris war voll davon. Früher hatte er das nie so wahrgenommen. All das schien ihm zu gelten. Der gellende Ruf der ZeltungSjungen, der irgend ein Reklametelegramm mit dem Namen Bismarcks feilbot, flog ihm wie ein Hohn nach. Paris wies mit Fingern auf ihn: Seht, das ist der, französische Patriot, der sich von einem Preußen zum Hahn rei machen läßt!" Wohlan, wo ist sie? Man gebe mir den Beweis, und ich werde als der Rächer meiner beleidigten französischen Ehre einzutreten wissen! Künstlich reizte und stachelte er den eigenen Preußen haß. und er meinte und belog sich, daß er nichts sehnlicher wünschte, als in seiner Rache zu wühlen. Ach, und im Grunde seines gemarterten Herzens zitterte ein sehnsuchtskrankes Gelüste, sie wiederkehren zu sehen nichts als das! Er würde sie mit klammernden Armen umfangen, er würde die größte Eile haben, sie und sich selbst und ihre Liebe weit hinweg zu retten aus diesem Höllenpfuhl des Hasses So mächtig wirkte dennoch die Erinnerung an den entschwundenen Frühling ihrer Lieve. Eines Spätabends verließ er ein Kaf6 auf dem Boulevard Montmartre. Das Trottoir war in de? weichenFrühlingsstrmmung noch mit schlendernden Spaziergängern belebt: Scherzworte und muthwillige Lachtöne und fröhliches Geplauder. Er fühlte sich einsamer denn je, ausgeschlossen und verbannt von jeder harmlosen Lebenslust ohne Heimath. Nur ein Gefährte, der ihn nie verließ der unselige, wuthdurchtränkte Verdacht. Plötzlich stutzte er, es durchzuckte ihn heiß. Dort vor ihm stier weiteten sich seine Augen und' er meinte zu wanken, so heftig packte es ihn. Dort vor ihm. zwanzig Schritte etwa von ihm entfernt, schlenderte ein Paar, er groß und stattlich und elegant, sie schlank und fein gebaut, mit üppigem dunklen Haar, das unter dem KapoteHütchen hervorquoll ein Kostüm in zarter Pfirsichfarbr, daS sie im vorigen Frühjahr getragen und eine gewisse kleine unbeschreibbare Bewegung des Kopfes, wenn sie sich ihrem Begleiter zuwandte.... - ' .' Teufel deS Teufels! Sie und er!
iguerst, nach dem '"allerersten Schreck
wollte er rhnen nach, sich auf sie losstürzen. Nach ein paar Schritten hielt er wieder es flirrte rhm so vor den Augen er konnte sich geirrt haben! Das Bild dieses Paares in solcher St ruatlon hatte sich seine selbstaualm sche Phantasie so oft vorgegaukelt, und er hatte sich mit einer gewissen Scheu durch das Gewühl der Straße bewegt, damit ihm das Bild nicht etwa leibhaft entgegenträte. Und da war eö! Er faßte sich nach den Augen, um den flirrenden Schleier hlnwegzuwlschen. Sie hielt sich Mit lhrer Gestalt dicht angeschmiegt an die des Begleiters, mit süßer, zartllwer Lust an seinem Arme 'hangend jetzt hob sie den Kopf zu dem semen empor Teufel des Teufels! Mit einigen Sätzen, wie em Rauothier zustürzend, war er hinter ihnen her. Er hatte keine Waffe bei sich o, er hatte sein Vermögen darum gege. ben, wenn er den Revolver hier in seiner Tasche gefühlt hätte, in der er verzweifelt tastete, als wäre das MordWerkzeug durch ein Wunder dennoch dort bineinacrathen. Nichts als das elegante gertenartige Stöckchen ah. aber seine Fäuste, seine Fäuste zum Nlederschlcraen, zum Erschlagen, zum -Zerreißen! Zu .was Allem sind doch solche Fäuste gut? Da drang das Lachen der Dame an sein Ohr. Er prallte zurück. Es war dennoch nicht rar Lachen, es klang tic fer als das ihre und erinnerte durchaus nicht an jenes, das in alten Zeiten ihm den Begriff des Sonnenscheines herzu zaubern vermocht hatte. Doch drei Satze, dann war er dicht neben den beiden. Sie sprachen deutsch, das horte er deutlich rm Zusprmgm. Und die Blicke seiner Augen saßen ihnen wie Raubthiergrifse im Gesicht. Sie wichen erschreckt zur Sei!e, und der Dame entfuhr ein Schrei. Sie war es nicht! Em Röcheln des Zornes entfuhr ihm. Als wenn ihm eine erhoffte Beute entwischt wäre.... Und er wandte sich, blieb nach ein paar torkelnden Schritten abermals stehen, starrte zurück konnte er sich getäuscht haben? Und sie war es dennoch? Nein! Nein! Er fieberte und sah Eingebildetes vielleicht auch die Wirkung des Aönnthes, den er im Kaf6 zu sich genommen? Teufel des Teufels! Aber sie sprechen deutsch sie sind also em Therl von rhnen! Sle sprechen deutsch und es schutteile ihm in den Fäusten: ist das nicht Grund genug, umzukehren und sie ohne Umstände zu Boden zu schlagen? As er sich abermals umwandte, waren sie verschwunden. Und em ungeheu rer Grrmm erfaßte ihn gegen diese Unbekannten. Als wenn ihm wirklich die ihm zustehende Beute entwischt wa re. Aber em andermal sollte sie rbm Nicht wreder entwischen.... Beim Morgengrauen, als er nach a ner Irrfahrt durch eine Reihe von nächtlichen Lokalen nach Hause gekehrt war, begab er sich in das türkische Boudoir und nahm den Revolver von dem goldgestickten Gebetstepplch. Ans Fenster tretend, pruste er den Mechanismus bei dem fahlen Dämmerlicht der Revolver war nicht geladen. Und er, besann sich, ob sich nicht unter seinem Jagdgeräthe dazu passende Patronen befänden. Nein. Er war noch immer so aufgeregt. daß ihn eine Wuth anfiel und er schon das Ding erhoben hatte, um es in die Ecke zu schleudern. Er wurde die Wasfe ja doch nicht auf der Stelle benutzen können ,st er denn wahnsinnig? Es war ja morgen noch Zeit genug, die Patronen zu besorgen. Dennoch nahm er den Revolver mit m sein Schlafzimmer und legte ihn dort auf das Tischchen neben dem Bett. Mehrere Tage hindurch, a bis tief in die Nächte hinein, strich er dann durch die Straßen von Paris, den ge ladenen Revolver m der rechten Seitentasche seines Jackets, suchend und suchend nach feinen Opfern. Oft genug fuhr seine Hand in die Tasche es ge nügte schon, daß ein deutsches Wort an sein Ohr schlug, um ihn diese Bewegung ausführen zulassen. Vergeblich! So hätte er iahrelang suchen können! Zuletzt stand er von dieser planlosen Hetze ab. Auch körperlich völlig erschöpft und wie ausgerieben, setzte er sich wieder an sein Pult und suchte Betäubung in. dem mechanischen Einerlei der Arbeit. Er machte sich Luft und erwähnte des Begegnisses und seiner Täuschung gegen Schneider. Verdammt, daß ich das Dmg da nicht bei mir hatte!" rief er. indem er den Revolver aus der Tasche zog und ihn hart aufkllrrend auf das Holz des Pultes legte. Jch wärc im Stande gewesen, loszuschießen! Und seme Augen funkelten wie die eines Wahnsinnigen. Schneider stutzte nur aanz kurz dann meinte er, den breiten Mund mit einem zynischen Lächeln verziehend, daß die schlechtstehenden Zähne fichtbar wurden: Du hättest recht daran gethan! Wenn Du sie triffst, sv ist es selbstverständlich, daß Du sie niederknallst.... Es geschieht Dir nichts, die Deutschen sind vozelfrei. ES ist Dem Recht! Wenn mich Jemand mit Rosa hmtergmge Er machte em: Schuttelgcoarde mit der Hand, als wollte er bedeuten, daß keme Kanone mächtig qenug wäre, um seiner Rache den gehörigen Ausdruck zu geben. Eme Stunde daraus kam scosa ms Komptoir gestürzt, sprühend und glühend und ganz aufgelöst von Haß und Erregung. Athemlos. nach Luft schnappend. sank sie in einen Sessel neben der Thüre. .Ah. mein Gott mem Gott!" .Was ist denn? Was hetzest Du so unsinnig?" herrschte ihr Gatte sie an..
Ich hab' sie ich hab' sie!" keuchke
sie mit schrillen thierischen Tönen, und ihre Hände .umpreßten die massige Brust, als müßte sie zerspringen. Was? Wen? Wen hast Du?"Sacr6 bleu!" fluchte sie. Wen denn? Fragt der Mann noch wen?" Sie prustete entrüstet auf über die dumme Frage. Hatten die Beiden denn geschlafen? Und sie selbst hatte Tag und Nacht nicht geruht, hatte ihre Spione gestellt, es war Geld genug darauf gegangen endlich hatte sie ihren Zweck erreicht! Und da fragt man noch wen?" Es war ihr einziger Ge danke gewesen vierzehn Tage lang! Immer noch prustend und keuchend und immer noch häßlicher verzerrt von der Hast und Wuth, entledigte sie sich der kostbaren Nachricht. Allons, Vik'. ich hab' sie beide! Beide, sag' ich Dir!" Ihre grauen Augen schössen fanati sche Freudenblitze: tausend Fältchen. die früher nie dagewesen oder von der rasfmlrtesten Toilettenkunst verherm licht worden waren, zuckten und zitterten über ihr hochrothes, fast ins Bläulich echauffirtes Gesicht. Beide hab' ich sie! Wir werden sie fassen! Wir werden uns rächen! Ah! Mein Gott o mein Gott!" und sie umkrampfte abermals ihre Brust. Es war zu viel! Die Freude raubte ihr den Athem. Die Freude wird sie noch todten! Aber warum sagt denn keiner von den Beiden ein Wort? Viktor ist ja wie zerschlagen von der Nachricht statt daß er auffprmgt und sie um armt vor gewaltiger Freude Tölpel entfuhr es rhren beben den Lippen. Wo denn?- stieß Viktor endlich kaum hörbar aus. Sie nannte em gewisses kleines Ho tel gegenüber der Madeleine, wo sie Gertruds Aufenthalt cmsspiomrt hat te. Sie hatte die detaillirtesten Nach richten über ihren Verkehr. Ein kleiner. breiter, über und über grauer Herr eine alte Dame mrt glanzend weißem Saar Mararet und er er! -er! Nicht möglich!- preßte Viktor athemlos stammelnd hervor, und seine Augen quollen aus ihren Hohlen. Ich hoffe. Du weißt, was Du zu thun hast. Brüderchen " sagte sie mit einer unheimlichen Ruhe und mit emem unhermlichen Grmsen. Plötzlich ward sie des Revolvers dort auf dem Pulte gewahr. Sie schoß em por, ein schrill jauchzender Ton entfuhr ihr; aus ihren Augen lohte es wild. Aha! Bravo! Bravo! Bravo!" rief sie, mit einem fanatischen Lachen aus die Waffe weisend. Entsetzt starrte sie Viktor an. Wenn Du nicht weißt, was Du zu thun hast, mein Lieber so werde ich " Sie streckte rhre fleischige Hand nach dem Revolver aus. Da erst erwachte Viktor aus seiner Lähmung; er stürzte auf und entwand ihr die Waffe. Achtundzwanzigstes Kapitel. Der eleaant aeschnieaelte und blikend vetrekte Portler des von Roia bezeichneten Hotels gab auf Viktors Befragen nach Madame Jammet em vornehmes Achselzucken zur Antwort: eine solche Dame- existire im Hotel Nicht. So Katte Rosa aeflunkert? Er begriff nicht sofort, daß Gertrud jedenfalls, um sich desto sicherer zu verbergen, einen falschen Namen angegeben haben mußte. Eine deutsche Dame - sagte Vik tor zögernd. Ach die!" antwortete der Portier, und mit einer aewissen verächtlichen Verkleinerung der Augen prüfte er Viktors Ausseben doch. mcht etwa auch ein Deutscher? Es schien nicht. Aber er hat Gemeinschaft mit Deutschen! Abgereist!" warf er, sich umwen dend, über die Schulter hin. O, nicht möglich! -Mit einem alten, kleinen, grauen Individuum ebenfalls ein Deut scher. Es war eme ganze Versammlung dieser Rasse " Wir Kaben sonst durchaus nicht diese Spezialität!- fügte der Portier, aus seinen schmalen Schultern aufreckend hinzu, um die Ehre des Hotels zu retten. Und abgereist?- stieß Viktor aus. Dem Goldbetrenten kam der Gedanke, daß der Herr, dessen aufgeregtes Mesen rbm nickt ntaina. in aewisser seindlicker Miickt sich nach dem Preußenpack erkundigte, und daß er selbst sich ein patriotisches Verdienst erwürbe, wenn er ihm schnell auf die Spur verhälfe. .Soeben, vor einer Viertelstunde höchstens, mein Herr. Nach dem Ostbahnhof. Sie könnten sie noch einho-len.-Er xoa semen schweren Reinontoir und ließ den Deckel springen. Sie kommen noch zum Zug zureqt, wenn Sie zufahren, mein Herr." Viktor starrte den Mann noch wülenlos an. Dieier toa eine kleine Pfei fe aus einem besonderen Täschchen seiner Uniform und ließ einen hohen Pfiff über den Platz gellen, der lau von den Säulen des Madeleinetempels widerhallte. Wie hergezaubert sausten von zwei Seiten Fiaker heran. .Es aenüat einer!- schrie der Vor tier. So, mein Herr!- und er öffnete den Wagenschlag. Viktor stieg em. mrz der fast unheimlichen Willenlosigleir 'eines geistig Gestörten. . Nach dem Ostdahnhof schnell' i ". 1 1 v v v. cf.:.i otjaqi jener nruiyeno, ocnn oas ji.iun geld hatte der seltsame Gast vergessen. (Fortstjung folgt.)
Kür die Küche. Rumford - Suppe. Zerhackte Vraten- aber auch frische Knochen setzt man mit Wasser, Wurzelwerk und einem Stück Speck oder Schweine fleisch auf's Feuer.läßt die Suppe so lange kochen, bis das Fleisch gar ist und giebt ste durch ein 'Sieb. Unterdeß hat man (auf ein Quart Wasser) eine Unze Graupen weich und seimig gekocht, ferner ein bis zwei Hände voll Erbsen gekocht und durch einen Durchschlag gegeben, sowie auch geschälte und in Stücke geschnittene Kartoffeln halb gar gekocht. Das alles thut man in die Suppe, läßt sie noch eine Weile kochen, giebt etwas Petersilie und die in Stücke geschnittenen Wurzeln hinein. und richtet sie über dem in Würfel geschnittenen Fleisch und gerösteten Semmelscheiben an. GedämpfteEnte. Eine sauder geputzte und gut gewaschene Ente dämpft man in einer zugedeckten Kas serolle mit wenig Wasser, einem Theelöffel Fleischextract, einem Glase Weißwein, einem Lorbeerblatt, einigen Gewürznelken, Salz, einem Bündchen Petersilie, Thymian und Basilicum langsam weich. Inzwischen röstet man in einem anderen Geschirr fünf in feine Scheiben geschnittene Zwiebeln in Butter hellbraun, überstreut sie mit etwas Mehl und vermischt sie. während die Ente auf einer Schüssel angerichtet worden ist, mit der Brühe. Entfettet, wird letztere, mit Citronensaft geschärft, mit den Zwiebeln über das Geflügel gegossen. Geschmorte Rinderbrust. Drei bis vier Pfund altgeschlachtete Rinderbrust legt man in einen ausreichend großen Topf mit siedendem Wasser, in den man zuvor schon grob lich geschnittenes Wurzelwerk, zwei kleine Zwiebeln und ein Kräuterbündeichen 15 Minuten kochen ließ. Gut zugedeckt, läßt man das Fleisch unter Hinzufügung des nothwendigen Salzes 1 Stunden langsam sieden, nimmt es dann heraus, legt es in eine Kasserolle, begießt es mit zerlassener Butter, bräunt es von allen Seiten, giebt ein Glas Rothwein hinzu und dämpft es langsam vollends weich. Durchgeseiht und entfettet, wird der Fond mit etwas Schwitzmehl seimig gemacht und mit gut vorbereiteten Morcheln, Champignons, nach Belieben auch mit Trüffeln verkocht, dann
zu dem in Scheiben zerlegten Fleischstück gegeben. JungeHuhner alsSchnepfen. Man fpickt junge HLkmer. dünstet sie auf Wurzeln, einigen Tannennadeln und Wacholderbeeren und begießt sie fleißig mit Limonensaft und Rahm. Eigens dünstet man die grob gehackten Lebern, Maaen und eine ausgestreifte Kalbsmilz mit Pfeffer, gehackten Sardellen, grüner Petersilie und wenig Rahm. Man streicht die Fülle auf gebrühte Semmelschnitten als Garnirung. sowie gedünstete Schwämme und Reis. Savour-Eier. Einige Scheiben beliebiger Fleischreste werden fein gehackt und mit Salz, gestoßenem Pfeffer und fein gehackter Petersilie kraftig abgeschmeckt und mit einigen Löffeln Bouillon vermischt. Nach Belieben kann man auch etwas Citronen- , fast darunter träufeln. Dann bestreicht man einen Teller, der OfenHitze vertragen kann, dick mit Butter, vertheilt das Fleisch gleichmäßig darauf, schlägt recht behutsam einige Eier wie Setzeier darauf und bestreut dieselben mit etwas Salz. Der Teller wird auf einer Kasserolle mit kochendem Wasser in einem mäßig warmen Ofen gestellt und zugedeckt. Wenn das Eiweiß fest geworden ist, schiebt man den Teller auf eine heiße Schüssel und garnirt dieselbe mit gerösteten Semmelscheiben. Wiener P öle - mU. Zehn Stück große Zwiebeln schält man. schneidet sie in Scheiben und läßt sie in etwas Butter anschmoren, aber nicht braunen. Ein Pfund derbes Kalbfleisch in Würfel geschnitten fügt man dann hmzu. streut das nothige Salz darüber und läßt es eine halbe Stunde schmoren. In der Regel giebt das Fleisch mit der Butter und den Zwiebeln zusammen hinreichend Saft, sodaß kein Wasser mehr hinzugegossen zu werden braucht.Alsdann macht man die Sauce Mit em wenig ausgelostem Mehl sämig und giebt eine Messer- t spitze gestoßenen Pfeffer hinzu. Hierzu Salzkartoffeln. Windbeutel. Ein halbes Pfund Butter mit einem Pmt Wasser und etwas Salz wird kochend gemacht und dann ein halbes Pfund unt Mehl unter beständigem Rühren eingemengt, bis der Brei sich von der Pfanne löst und schön steif ist. Äun werden nach und nch 8 Eier hinnngeschlagen, die feingehackte Schale einer halben Citrone darauf gestreut und die Schüssel einige Stunden beifeite gestellt. Mit einem silbernen Eßlöffel legt man sodann kleine Klöße auf ein mit Mehl bestäubtes Backblech und backt dieselben m einer Viertelstunde in mittelheißem Ofen, goldbraun und bis sie hoch geworden. Sehr hübsch und feiner sind die Windbeutel, wenn man sie zuletzt mit einem Guß aus gesiebtem Zucker, Citronenfast und Rosenwasser bestreicht. Passen gut zu aekochtan Obst. - - Zimm'tsterne. Ein Pfund Zucker, ein Pfund geriebene Mandeln, 7 Eiweiß, zu Schnee geschlagen, und etwas Zimmt enge man leicht durch einander, rolle die Masse mit Zucker und Mehl messerrückendick aus und hebe mit der Stechform Sterne daraus. . Nach dem Backen gebe man folgenden Guß darauf: . Ein Viertel Pfund Zucker, etwas Zimmt und den Schnee von einem Eiweiß. Auch die Gewitter der Seele, di: Leidenschaften, können reinigen, und befruchten.
