Indiana Tribüne, Volume 20, Number 17, Indianapolis, Marion County, 4 October 1896 — Page 7
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Weihcstundt. Von Rudolf Goette. Laß du, mein Lieb, die Leute sagen. Was einem jeden wohlgefällt, .Und laß dein Herz an meinem schlagen; Dinn sind wir einsam auf der Welt. O. lächle wieder süß im Leide Und sei in stillem Glücke mein! Ja, dann erglühet für uns beide 2e? wundervollste Sonnenschein! Komm, lehn dem Haupt an meine Wange, halte dich, du süße Last. So laß uns träumen still und lange. Entrückt des Werktags wilder Hast. Nun ift's. aU ob seit Urzeittagen Wir selig stünden. Hälfet an Haupt. Als durfte nie die Stunde schlagen. Die köstlichsten Besitz -uns raubt. Vor unsern Blicken faUt die Hülle. O Glück, o wonniges Vertraun, Ins Herz der Liebe, in die Fülle Des, was uns eigeu ist, zu schaun? Dann schließt sich auch der Blrck ins Weite, Und ferne strahlt ?in neues Land, Und Sonnenlicht von jeder Seite, Und dc kleinste Wolke schwand. Wir gleiten hin auf klaren Wogen, rn selig Ich. ein selig Du. Von einem Schwanenpaar gezogen, Dem Saum der Ewigkeiten zu. Komm, schmiege dich an meine Wange Mit deiner Liebe blüthenschwer. Und laß uns träumen tief und lange' Auf unsres Glückes weitem Meer! AcrKarcm des Sultans. Dar - ul - Seadet, Pforte der Glückseligkeit, Harem des Herrschers aller Osmanen. welch' räthselhaft c?cheimnißvolles Wort! WelcheBiider ruft es in unserer Seele wach, Bilder voll orientalischer Pracht. Reichthums und Glanzes, voll Leidenschaft und Ueppigteit und voll heimtückischer Intriguen! . Dort, hinter diesen vergittertm ffenstern, im mysteriösen Halbd.mkil der kühlen Gemächer, in ihrer von sinnbetäubendm Wohlgerüchen durchströniien Atmosphäre gehen sie auf weichen, kostbaren, persischen Teppichen mitten unter Blumen, Juwelen, Sammet und Seide herum, in Schönheit pran'nde Odalisken, schlank wie die Cypresse, graziös wie die Gazelle, zart und leicht wie der Morgenstrahl der Früblinassonne. Dort flüstern sie dem vielqefürchteten Padischah mit ihrem rosiaen Munde glühend leidenschaftliche Liebesworte; dort liebkosen sie ihn mit ihren wie aus Alabaster gemeißelten Armen, singen mit schmachtender Stimme in Schlummer wiegende Lieder oder tanzen unter Flötenspiel und Trommelschlägen. Und der Großhzrr sitzt in seliger Verzückung da, die claftischen Bewegungen der Tänzerinnen mit den Auaen verfol.nd. Ihm, dem gestrengen Sohne des Himmels und der Erde", ist ein ganzes Jnr von wunderschönen Grazien Unterthan; sie leisten ihm unbedingten Gehorsam auf feinen leisesten Wink und lesen :hm die geheimsten Wünsche seiner Seele von den Lippen ab. Aber wehe derUnglücklieben, die trauert, wenn er fröhlich ist, oder die lächelt, wenn seine Stirn Falten zeigt! Wehe Derjenigen, die durch Nachlässigkeit nur den Schatten seines zügellosen Zornes auf sich ladet! Dann schildert unsere Einbildungskraft uns blutige Scenen der wildesten Eifersucht, der schonungslosesten Grausamkeit. Wir drinaen im Geiste in die geTzeimsten Gemächer des "roßherrlichen Palastes. Es däucht'uns. wir sehen die schwarzen, in sich verschlossenen, grausamen Eunuchen, wie sie die Ungehorsamen in Säcke vernähen und im Dunsei c:r Nacht in den Bosporus Versenken. Ein eigentbümliches Gefühl, eine Mischung von Mitleid, Vorwurf. Neugier und Entsetzen bemächtigt sich unser, in den Harem, dieses märchenhafte Reich, bmeinzudringen Doch diese Vorstellungen über das L:bcn und Treiben im Hzrem oesSultans sind zumeist nur Ausgeburten der erhitzten .Phantasie. Der geheimnißvolle Schleier, der über 'das Harc'.iZleben gebreitet ist, reiztZu solchen Ucbertreibungcn an. Diesen SchZzicr zu lüften, das Leben und Treiben des Harems so zu schildern, wie es sich fit Wirklichkeit abspielt, ist der Zweck dieses Artikels, der auf Grund mstiTaU siger Informationen geschrieben. Die Damen, welche die erste Stelle im Harem des Sultais einnehmen, sind die soaenannten Kabinen" (Kad:n fjetfct soviel wie Signora, Dame.) Sie rangiren unter einander je nach der Zeit ihrer 'Erhebung v;'f;r Züröe. So unterscheidet nv ' . ' a - j (Hau)t)oder Bujuk" 5iadm-EffendZ (der Titel E' ' . j auch weiblichen Perforier .' . 'oie zweite, die dritte'Kadin . . 3ie Mutter des erstgeborener, .'. hat den Vor rang vor all ? ' . tränt aber den Titel Sul: : ": bann, wenn ihr Sohn den ' . sät. Sie hctht donn Vali a" (Mutter des Sultans). ,, - : Zweite Stelle im ganzen N:i ., , ihren besooeren Hofstaat, tzJ.'- r j: -Her Ebren und Freiheiten :t; -n 'iüweten Souveräin iiro i'1 ; i Einfluß auf die .'.heiten des Staa- ' : ungeheure Ein- . : aus der Ei iilliste f von ihren cuiSge 'i. bekommt. gegenwärtig c".srinnen, obgleich in '-r Harem des Sulund Mädchen aller ; :n bestand. Sie s.nd politisen nj.r -tes aus. Cll: : lünfZe. die ? ! als Ann'' ' ' i dehnten ? Die Sie schließlich ; hl. früheren : e. iar? au ' "'' M'Alfrr , ' M.tktl
ohne Ausnahme Scladmnen, dle dem- Sultan von seiner Mutter. seinen Tanten, Schwestern u. s. w. geschenkt oder von seinen eigenen Eommissären erworben lorrden. Sie erfreuen sich Alle gleicher Rechte und Privilegien. Jede von ihnen hat ihren besonderen Haushalt, beson dere Appartements mit Kiosken. Ba dern, Parkanlagen und eine ksti:umte Anzahl Aohas- (Eunuchen) und Sklavinnen, die als Ehrend2.nen. Ber leserinnen, Zofen, Aufwarterinnen sungiren. Ihr Pantoffelgeld behagt monatlich 25.000 Piaster (ca. 51000). Alle andrren Ausgaben besorgt des Sultans Schatzminister, Wenn Sklabinnen zum Rang einer Kadin nhoben werden, so verlieren sie ihre, Namen und werden blos die Haupt-, zweite, dritte u. f. w. Kadin genannt. Da sie sich nicht in einem Ehezustande besinden, so ist. die Bezeichnung .Gemeizlin des Sultans", die ihnen oft beigelegt wird, unrichtig. Auch haben sie nicht den Titel Sultunin". der nur oe.i kaiserlichen Töchiern zukommt. Sie besitzen nicht einmal das Recht, in Gecenwart des Sultans auf 1)inDivans oder Stühlen zu sitzen, obgleich ihre Kinder sich dieses Vorrechts erfreuen. Ihr Platz ist auf den am Fußboden ausgebreiteten Kissen. Kadincn müsfen auf jedwede Verbindung mit ihren Namilien Verzicht leisten. Jeder Aer-
Zehr mit der Außenwelt durch Brief der Boten ist ihnen vollständig abgcschnitten, nicht etwa nur aus Eifersucht, fondern vor Allem in der Abficht, allen möglichen Gesuchen, Forderungen und Intriguen seitens der meistens röhrn, ungebildeten und armen Verwandten der Kadincn vorzubeugen. Keiner Frau, die nicht n irgend welcher Beziehung zum kaiscrlichen Harem der zu den verhei?aihc:cn Sultaninnen steht, ist es erlaubt, die Kadinen oder die unverehelchtenPrinzessinnen zu besuchen oder mit ihnen zu verkehren, Gemahlinnen der Botfchafter suchten oft die Erlaubniß nach, aber stets wurde ihnen eine ebenso höfliche wie entschieden abschlägige Antwort zutheil. Doch dieValide - Sultana und die verheiratheten Prinzessinnen genießen das Recht, diese oder jene ausländische hohe Dame zu empfangen. Selbst der Agfa" (Eunuch), der sonst überall im Harem freien Ein- und Ausgang hat, betritt die Gem'ächcr der Kadin nur dann, wenn er von 'hr dazu aufgefordert wird, und niemals sieht er seine schöne Gebieterin unoerfchleiert. Sieben hohe Damen führen dieAufsich! im Harem des Sultans: EbetChoda" (Großmeisterin und Oberaufseherin), Chasmadar-Usta" (SchatzMeisterin), Tschamaschir-Usta" (Äerwalterin der Kleider und Wäsche), Tschaschnigir-Usta (Aufseherin über den Tafel - Dienst), HamamdschiUsta" (Aufseherin über die Bäder), Kilardschi-Usta" (Oekonomin, und Kidib-Usta" (Hauptsekretärin). Jede von ihnen hat mehrere Untergebene, denen es obliegt, über die Beleuchtung. Reinigung, das Waschen, Kochen, SL j feebereiten etc. zu wachen. Nichts kann im Harem ohne die Sanction derChetChoda gethan werden. Sie steht in direkter Verbindung mit dem Großmarschall des Hofes und darf auch mi: den Officieren des Palastes verkehren. Zu diesen sieben hohen Hofämtern werden ausschließlich weiße Sklavinnen gewählt, die sich, während ihres ,'aicen Dienstes, durch ihre Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit ausgezeichnet haben. Die Zahl aller Frauen im kaiserlichen Harem beläuft sich auf 350. von denen etwa 150Reg:rinnen sind, welche die Gesindedienste verrichten. ?lede Kadine bat zu ihrer Verfügung dreißig Sklavinnen. Ebenso viele stehen im Dienste jeder heirathsfähiqen Sultänin. Außer den schon erwähnien Damen unterscheidet man im Harem noch folqende Classen: .Gedeklik" (nserwählte). Chassrti" (Abgesonderte), ..Schahzirde (Novizen) und Dsch.irie" (gewöhnliche Sklavinnen.) Die Gcdeklik, zwölf an der Zahl, sind, .vie schon ihr Name bedeutet, die meist Ausgezeichneten. Sie werden aus den schönsten Mädchen gewählt und functloniren als Edelfräulein im ausschließlichen Dienste des Sultans. Aus ihrer Mitte gehen die Kadinen und oie Valide - Sultana hervor. Sie haben ihre eigenen Gemächer und werden von den Schahzirde oder Dscharie bedient. Sie erhalten häufig reiche, kostbare Geschenke. Das Ziel jedes Mädchens im Harem ist. die Aufmerksamkeit tes Vadischah auf sich zu lenken, um durch sein kaiserliches Wort zu einer Gedeklik erKoben zu werden. Die jeder Ka)m und den unverheiraiheten Sultaninnm zugetheilten oberen Sklavinnen (Usta) bilden eine )da" (eigentlich Zimmer): sie sind die Kammerfräulein, identisch mit Odalik", von den Europäern Odaliske" genannt .... Beabsichtigt der Sultan, desNachls den geheimnißvollen Boden des Dar-ul-Seadet zu betreten die vwfetilc:le erlaubt ihm nicht, dieses bei Tage zu thun, so theilt er dies dem dienjt:huenden Agha mit, ihm den Namen der Ka din nennend, die er mit seinem Besuch beehren will. Der Agha benachri,.1i!igt davon die Chet - Choda, welche ihrerseits der ersten Dame der Kadin Mit theilung macht. Zur bestimmtmStunde, gewöhnlich nach dem fünften ('ebet (jatzi Namazi) begibt sich der Sultan in Begleitung des schwarzen Agda '.ur Thür, die den Harem vo'.n .Mobain" oder Selamlik" (Abtheililnq für.H:rren) trennt. Hier wird oer Padischah von der Kadin empfangen und in die inneren Gemächer ihrer 2l!obnunz geführt. Dabei trägt man Sorge, daß cU it Ein- und Ausgänqe der Galerien verschlossen bleiben. Wenn der Sulto.? eine oder mehrere hohe D:men in seinen eigenen Gemächern im Harem cmpfängt, so wird er oon den Gedetlik oder der Oda der anwesenden Kadinen und Sultaninnen bedient. Manchmal wünscht der Padischzü all: Damen bei
ganzen Harems bei sicb versammelt zu sehen. Bei dieser feierlichen Gelegen heit spielt ein aus sähigeren Sklao'n nen bestehendes Orchester. Im Harem ezistirt auch ein Ballet - Korps, ebenfalls aus Sklavinnen. Wie schon bemerkt, wird dii HaremsEtikette strengstens beobachtet. Sie bildet eine unüberstelgliche Barrler: gegen Ausschreitungen. Und wenn religiöse und moralische Skrupel inVerbindung mit den Hof Ordnungen den Willen des ottomanischen .Herrschers zu bändigen nicht im Stande wären, s? hätten es die wachsamen Augen der strengen Chet - Chova uno die Eifersucht der Kadinen gethan. Jede Bewegung, Zeder Blick des Si.nanZ wird controllirt. Alles Ist ein tür allemal nach gewissen Regeln und irzditionellen Vorschriften cinge:ichi-.i. JederTame wird die ihr gebührende Aufmerksamleit und Ehrenbezeua'.zn gezollt. Beim Vertheilen der Geschenke beobachtet man die größte Unparte.lichkelt, um allen möglichen Auseinandersetzungen mit den eifersüchtigen Kadinen vorzubeugen. Der Sultan Hai selten Gelegenheit , mit dieser oder ener Dame unter vier Augen zu bleiben. Geschieht es dennoch, so kann er sicher sein, daß er beobachtet wird. Ueöer das Betragen der Frauen im Harem wird streng: bei Tag und Nacht gewacht, Ihre Schlafgemächer stehen unter oerAnssicht einer Usta. der es obliegt, für Ruhe undOrdnung Sorge zu tragen. Eine Lampe, die sich in einer Glasnisch: in d?rWand
befindet, beleuchtet zugleich das Innere des Zimmers, sowie den äußeren Corridor. wo des Nachts ein Agha d!:Wache hält. Eine große Rolle i:n Harcm desSulians spielt der sogenannte Kizfcr Aghassi" der Ober Eunuche. Er ist eine Gewalt habende Persönlichkeit und übt oft bedeutenden Einfluß auf die politischen Angelegenheiten d Landes aus. Er ist die peilona gratissima des Sultans. Häufig aber wird er durch seine Intriguen dem Letzteren gefährlich. Die jährlichen Ausgaben deöSultans für den Haushalt des Harems lclaufen sich vorläufig aus 2.X).000 Beutel. d. h. 12.i Millionen Viaster. Doch kann man in dieser Beziehung nichts Sicheres feststellen. BieleZ hängt da von den Launen des Padischah ad, dessen Wille oft nur du:ch die ttnmöglichkeit, Geld oder Credit zu bekommen, gebeugt wird. Guter Rath. Es geschieht nicht selten, daß alleinstehende Damen eine Seereise unter der alleinigen Obhut des Schiffscapitäns machen, und wenn sich unter den Passagieren ein Liebeshandel entspinnt, so ist der Capitän gewöhnlich der Vertraute des einen oder auch bei der Theile. So war auch dem Capitän Wilke, von welchem wir hier sprechen, eine sehr liebenswürdige Dame andertraut worden, und der Zufall wollte, daß aus der Zahl ihrer Mitpassagiere drei junge Männer sich sterblich in sie verliebten. Alle drei erschienen ihr gleich annehmbar und sie wußte nicht, welchen davon sie ermuthigen sollte. In ihrer Verlegenheit fragte sie den Capitän um Rath. Kommen Sie den ersten Tag. wo Wind und Wasser vollkommen ruhig sind, auf's Deck," sagte er; die Herren werden, wie sich von selbst versteht, in Ihrer Nähe sein. Ich werde vorher in aller Stille ein Boot aussetzen lassen; Sie springen plötzlich über Bord und sehen, welcher von den Herren Ihnen nachspringt. Ich werde dafür sorgen, daß Sie nicht zu Schaden kommen." Es dauerte nicht lange, so trat Windstille ein; die junge Dame befolgte den Rath des Capitäns, und zwei ihrer Anbeter sprangen ihr augenblicklich nach. Natürlich wurden alle drei Personen mittels des bereit gehaltenen Bootes sofort wieder aufgefischt, aber nun wußte die junge Dame wieder nicht, welchen von den beiden jungen Männern, die ihr Leben für sie in die Schanze geschlagen, sie wählen sollte, und sie zog deshalb abermals den Capitän zu Rathe. Nehmen Sie den Dritten, welcher Ihnen nicht nachsprang." sagte der Capitän. Dieser ist der Vernünftigste und wird daher auch der beste Ehemann sein." Die junge Dame folgte dem Rathe des Capitäns und hatte nie Ursache, es zu bereuen. V o r G e r i ch t. Richter: Sie haben sich also heute wegen schwerer Minbandlung Ihres Schwiegersohnes zu verantworten! Was haben Sie nun zu Ihrer Vertheidigung vorzubringen? Schwiegermutter: Es ist unwahr, daß ich ihn mittels gefährlichen Werkzeuges mißhandelte, Herr Richter! Ich habe ihn lediglich mit meinen Handen gepackt und Richter (unterbrechend): So, dann ist es schon gut! Da muß ich Ihnen nur bemerken, daß Hände von Schwiegermütterr stets als gefährliches Werkzeug zu erachten sind! Auswanderung. Kathi: Aber gehens, Herr Baron! wenn sich die gnädige Frau nur a Bisserl umschaut, bin i um'n Dienst. Lassen's mi aus mit Ihren Busserln oder i schrei. Baron: Hast ja sonst nit geschrie'n, Kathi! Kathi: Sonst war's a was anders; aber heut hab i gehört, wie's zur gnädigen Frau gesagt hab'n: O Stanzerl," Haben's gesagt, Du bist meine Welt!" Was bin i denn da? Baron: Weißt nicht, daß es zweiWelten giebt, eine alte und eine neue? Meine Frau ist die alte Welt, Du die neue und ich ich bin Auswanderer! Rache i st s ü ß. Hausierer( der von einem Herrn, der selbst einmal Hausierer war, hinausgeworfen wird): Schämen Sie sich. Sie waren doch selbst einmal Hausierer!" Wie heißt schämen! Ich freu' mich, daß ich mich einmal revanchieren kann!" H ö ch st e Potenz. Dame: Finden Sie dasBild ähnli ' Herr: Q. zum Schreien ähnlich!
Ein neuer Oenor.
Bon D. Steiner. Heuer verbringe ich meine sommerlichen Urlaubswochen in Tegernsee. Der Nachmittag ist heiß, und erst alö die Sonne sich den Bergspitzen nähert, trete ich aus dem Hause, um meinen abendlichen Spaziergang zu machen. Ich wandere über das - freundliche Egern am See Ende hinaus, gegendas Dorf Kreuth. Man kommt dabei durch das kleine Rottach. von dessen Wasserällen in Tegernsee viel gesprochen wird. Das Dorf selbst unterscheidet sich durch nichts von den klei nen oberbayerischcn Gemeinden; an der Fahrstraße liegen verstreut die Bauernhäuser, und d Rinder plattgestirnte Schaaren", die von der Weide heimkommen, nehmen die staubreiche Chaussee in ihrer ganzen Breite in Anspruch, so daß der fürbaß manBernde Fremdling sich bescheiden an -eine Hecke drücken muß. Während ich Wieder einmal den vorüberziehenden 'glücklichen Wiederkäuern den Weg freigab, hörte ich es war in der Nähe eines Bauernhauses Gesang, harmonischen, wohltönenden Männersologesang. Ich horchte mit wachsendem Wohlgefallen dem Klänge einer wunderbaren Singstimme, die, ungeschult und in genialer Zwangslostgke'. von der hellen Tenorlaae zum Bariton hinübersprinaend, sich selber an einem munteren Schnadahüpfl zu vergnügen schien: Wann i aufsteh' um Fünfe, Da bild' i mir ein, , Der Teufel, jetzt muß do' Bald Feierabend sein." Und nach einer kleinen Weile hub der unsichtbare Sänger wieder an: Was thust denn so schaug'n, Und was stehst denn so da! I moan bald. Du bettelst mir No ane a!" Ohne einen besonderen Uebergang sang er dann etwas leiser, als wäre er nebenher mit etwas beschästigt. die Weise des bekannten: O, du himmelblauer See " für sich hin, und die melancholische Klage, die bei aller Betrübniß doch so hell und so fröhlich klingt, ging mir zu Herzen. Plötzlich brach er ab, ich hörte lebhaft sprechen, es war mit dem Gesang zu Ende. Das ist ein Gesangphänomen, sagte ich mir, die Bauernhütte, vor der Du stehst, verbirgt einen ländlichen Winkelmann oder Reichmann. Ist denn kein Iahn da? Der Mann muß entdeckt", er muß an's Tageslicht gezogen werden. Die Wiener Oper besitzt heutzutage eine große Anzahl von leuchtenden Größen, die einst im Begriffe standen, ihren Beruf zu verfehlen, es gibt Officiere, die freiwillig ihren Degen hingegeben haben, Kaufleute, die von ihrem prosaischen Schreibebock herabgehüpft sind. Fiakerkutscher, die sich von der Höhe ihres Bockes herabgeschwungen haben, um dem in ihrer Kehle schlummernden hohen C vor den Zeitgenossen Geltung zu verschaffen ein Tenorist aus der rustikalenSphäre, das wäre neu und pikant das wäre ein Wunder! Meine Eitelkeit ergötzte sich an dem Gedanken, daß ein leiser Schimmer seines Ruhmes dereinst auch auf mein Haupt fallen werde, ich sah mich im Geiste mit ihm vor unserem Intendanten stehen, ihm mit gerechtem Stolze meinen kostbaren Fund übergebend. Mit diesen Gedanken beschäftigt, gericth ich nach wenigen Schritten an die Schmalseite des Bauernhauses; eine Frauensperson in den mittleren Iahren saß davor und schnitt Gemüse zurecht; die irdene Schüssel in ihrem Schooße war bis zum Rande gefüllt, und auf der Bank lag nur noch ein Häufchen Vohnenschotten, die ein etwa fünfjähriges, barfüßiges Bübchen spielend durch die Finger gleiten ließ. Ich nahm die Gelegenheit wahr, mich den Leuten unauffällig zu näHern, und da mein zukünftiger Schützling gerade wieder, in die alte Melodie verfallend, einen Vierzeiligen: Js Manche scho' alt Und bleibt schön bis zum Sterb'n. D'rum hoaßt's: Schöne Glasl Dö geb'n schöne Scherb'n!" nach der alten Melodie mit seiner hellen, kräftigen Stimme gesungen hatte, war die Anknüpfung eine ungesuchte. Grüß Gott!" sagte ich, auf die Bäuerin zutretend. Grüß Gott!" gab sie zurück, sich vielleicht dem Fremdling zu Ehren mit der äußeren Handfläche über die Nase fahrend und hierauf die Hand an ihrem Rocke aus mattblauem, verwaschenem Barchent reibend. A schöner G'sang!" begann ich. I moan's a!" erwiderte die Frau, das rostige, stumpfe Messer an die letzten Schotten setzend, die ihr das Bübchen hinreichte. W is denn dös, der do singt?" .Wer soll's denn sein, der Martel..Wer is denn der Martel?" .Mei Bruader! A ja. singen kann er; der Pfarrer hat schon all'weil g'sagt, daß ste's in München a net schöner können!" .Da hat er a recht, der Pfarrer aber schad' ls, daß er mit der schön' Stimm' nix anfangt." .Was soll er denn anfanaen. ssnat fa eh den ganzen Tag." erwiderte die Frau. Ich wagte es nicht, gleich meinen Ylan auszukramen, es hieß, vorsichtig sein, und vielleicht hing es gerade von ibrem Entschlüsse ab. die Verwirk!!cyung meiner Absichten zu fördern. Bauern sind Mißtrauisch, häufig nicht oyne inrno. Es trat eine kleine Pause ein, dann TT.i- fr rm . . . ' . . ' sayie ica nculy und antwortete: I moan halt, wer a scheene Stimm' hat, der kann sie hör'n lassen: na. und was glaubt's denn, was er da damit für a Geld verdienen könnt'?"
Die Bäuerin stellte die Schüssel mit dem Grünzeug auf die Bank und wehrte den kleinen Buben, der eine Heuschrecke gefangen hatte und sich neckend nahte, mit einem zürnenden: .Geh' weiter, dummer Bua!" und einer . entsprechenden Handbewegung. Dann kehrte sie zu unserem Gespräche zurück. Geld verdien, o mei! Was hat er scho' im Wirthshaus g'sungen, aber was kummt denn da z'samm'! A Pfeifen hab'n s' ihm g'stift' zu sein' Namenstag und a Maßkrügel mit ein' g'mal'nen Deckel : .Im Wirthshaus soll er a net singen i moan ganz wo anders im Theater setzte ich, meine Schüchternheit bekämpfend, hinzu. Dies war das entscheidende Wort, und es kam darauf an, wie es aufgenommen wurde. Ich forschte in ihrer Miene. Martel's Schwester sah mich ungläubig an, sie 'begriff offenbar noch nicht recht, roie das gemeint sei: aber ich war ermuthigt und fuhr fort: .Er müßt' halt no' tüchtig lerna, aber d' Hauptsach' iö d' Stimm' die scheene Stimm'! De is viel werth und es is a reine Sünd', daß er's net eusbild't." ; Die Bäuerin hatte inzwischen offendar insgeheim die Rentabilität des Handels verfolgt, denn sie begann: .Es wär' scho' recht, wenn er mehr verdienen thät', dö Steuern san so hoch und man b'halt' nix übrig. Es is nur die Frag', ob er mit will; er is halt so viel eing'wöhnt und g'acht in Rottach." Ich bemühte mich, der Frau einen Begriff von den Vortheilen des Taufches beizubringen. Als ich die Werthfchätzung. die begabte Sänger in der Opernwelt finden, in den Ziffern der üblichen Gagen ausdrückte, sah sie mich an wie einen Märchenerzähler. Aber so unglaublich ihr meine Mittheilungen auch erscheinen mochten, so waren dieselben doch geeignet, für meine ProPosition zu sprechen. Ja. ja, ja," sagte sie mit nachdenklichem Ernst, .i moan. sein' Glück wird er do' net aus'n Weg geh'n woll'n, gelt? Und wann aus ein' Menschen was werd'n kann, wär's do' a reine Sünd', wann er nit Ja und Amen sagen thät. Dös Beste is: Oes redt's mit ihm selber " Sie erhob sich und trat in die Thür, an deren Pfosten sie sich beiderseits stützte, und den Körper etwas vorneigend, rief sie zweimal: Martel!" Ich blickte ihr über die Schulter, aber es war finster im Innern, man sah nichts als die letzten Stufen einer steilen, verfallenen Holztreppe, die von dem oberen Wohnraum des Bauernhauses herabführte. Unterdessen beschäftigten mich die Fragen: Wie wird er aussehen? Wird sich das Naturkind .in einen heldenhaften Lohengrin, einen ritterlichen Raoul, einen verführerischenTroubadour verwandeln lassen? Wie werde ich ihn überreden, diese beschränkten Verhältnisse zu verlassen? Wird es mir gelingen, ihm die Begriffe .Erfolg", .Triumphe", zu erklären? Ich glaube wahrhaftig, ich fühlte dabei Herzklopfen. Mit einer seltsamen Erregung sah ich dieser ersten Begegnung entgegen. Ich trat seitwärts. Es wurden auf der Treppe Tritte hörbar, die Bäuerin nickte und verließ die Thür, um ihre Schüssel mit dem grünen Gemüse von der Bank zu entfernen, auf der nach ihrer unausgesprochenen Meinung die erste Unterredung zwischen uns Männern stattfinden sollte. Die schlürfenden Tritte näherten sich und ein kleines Bäuerlein. hoch in den Fünfziger Jahren, mit ergrautem Haupt- und Barthaar trat aus der Thür. Die Frau kreuzte ihre braunen Arme über dem Mieder und. sagte: Martel. es is a Herr da, der moant, weil' st schon so a scheene Stimm' hast, Du sollst Theater spiel'n, müaßtest halt aber auf München, weil'st erst ausbild't werd'n sollst. Geh', setz' Di' nieder, wann D'r's Steh'n schwer Wird - Der Alte ließ sich auf der Bank nieder, ohne mich bemerkt zu haben, und lehnte sich dcchei behaglich zurück. Die Schwester wiederholte ihre Mittheilung noch eindringlicher, er aber erwiderte mit einem Lächeln, in welchem eine Spur von Künstlerhumor aufleuchtete: Geh' weiter, Du Narrische!" Dann zog er den Knaben an sich und strich mit der Hand nachdenklich, aber mit einem zufriedenen Lächeln über das zerzauste Haupt seines Neffen, und indem er mit der Hand über die Bank wischte, lud er mich ein, mich niederzusetzen. Wir sprachen nicht mehr vom Theater, mein Entdecker - Ehrgeiz war bezähmt und überwältigt. Wir saßen lange nebeneinander und plauderten von den einfach', nichtigen Dingen, die das Leben dieser Naturmenschen ausfüllen. Er war zufrieden. Als die Sonne untergegangen war, trat ich auf die Chaussee. .Grüß' Gott. Martel!" Er winkte und lachte. Wer weiß, ob der Mann so glücklich geworden wäre, wenn er rechtzeitig .entdeckt" worden wäre. Der Mecrschäu'm'Watzmann. Erlebnisse de? BaronS v. Münchhausen.
Man wird sich wundern, daß ich so lange nichts habe von mir hören lassen. Eine langwierige Krankheit hinderte mich. Reisen zu unternehmen und Abenteuer aufzusuchen. Nachdem ich soweit genesen war, daß ich wieder ins Freie konnte, rieth mir mein Arzt, der berühmte Doctor Eisenbart, ein Seebad aufzusuchen, denn ich war infolge der schweren Krankheit und Mangels an frischer Luft und regelmäßiger Bewegung so blutarm geworden, vas ich bleich wie derTod aus-
sah. Ich entschloß mich daher, an die Küste des Rothen Meeres zu gehen, um durch fleißiges Baden und reichliches Trinken von der farbigen Wasserfluth Beseitigung meines Leidens zu bewirken. Glücklich gelangte ich über Triest. durch das Mittelländische Meer und den Suezcanal an der Ostküste AeMtens an. Ueber meine Reiseabenteuer, deren ich begreiflicher Weise nicht wemge zu bestehen hatte, berichte ich ein andermal. Heute will ich nur eines Erlebnisses gedenken, das, im Zusammenhange mit andern, 'mir stets merkwürdig sein wird. ' Als ich nämlich eines Tages an dem Strande des Rothen Meeres lustwandelte, beobachtete ich, wie das Wasser von dem scharfen Ostwinde bewegt und von einem Felsen zu meinen Füßen in leichtemWellenschlag zu rothemSchaum geschlagen wurde. Sofort stieg ich hinab und schöpfte mit meinem Trmkbecher die lockere Masse. In meiner Wohnung angelangt, fetzte ich das Gefäß hin, ohne weiter an den Inhalt desselben zu denken. Als ich jedoch am anderen Tage wieder nach meinem Becher griff, bemerkte ich eine eigenthümliche feste Masse darin. Der Schaum des Rothen Meeres hatte sich nämlich verdichtet. und den schönsten rothen Meerschäum gebildet. Da dieser nun, wie mir Kenner versicherten, ein außerordentlich schönes Stück war, reiste ich sofort nach Kairo, um mir von einem bewährten Künstler eine Tabakspfeife daraus schneiden zu lassen. Ich beauftragte jenen, den Kopf des größten Mannes von Europa daraus herzustellen, und wenige Wochen später brachte er mir denn auch das Kunstwerk. Ich erwartete dieNachbilduna irgend eines großen Eroberer, Diplomaten, Künstlers oder Erfinderö und erstaunte nicht wenig, den Kopf des im wahren Sinne desWorts größten Mannes von Europa, deZ Watzmannes, vor mir zu sehen. Auf diese Art meinen Austrag ausgerichtet zu finden, hatte ich nicht erwartet. Doch war das Kunstwerk so vorzüglich gelungen, daß die Nachbildung kaum von der Wirklichkeit zu unterscheiden war. Wenn der Rauch aus der Pfeife stieg und um den schönen Meerschaumkopf wirbelte, so glich dies aufs Haar den Wolkenmassen, welche von Zeit zu Zeit das Haupt des wirklichen Watzmann umwehen. Von dieser Zeit an war die Watzmannpfeife mein theuerstes Eigenthum. das ich mit Augm und Händen sorgfältig hütete. Doch das Unglück kommt oft, ehe wir uns dessen versehen. Eines Tages pochte mein Diener meinen Rock aus, in dessen Tasche ich unglücklicherweise meinen MeerschaumWatzmann hatte stecken lassen. Was Wunder, daß er durch diesen ungünstigen Umstand der Mörder meines kostbaren Kleinods wurde. Durch einen wuchtigen Schlag hieb er unabsichtlich diesem die Nase und das eine Ohr ab und verletzte ihn auch am rechten Fuße. Ich war außer mir. Tobend und donnerwetternd, wuthkocbend und zornglühend stürmte ich im Zimmer umher. Aus meinen Augen schössen Blitze auf den unachtsamen Diener, und Schimpfreden und Vorwürfe regnete es in Masse auf ihn nieder. Als sich das Unwetter einigermaßen geleat hatte, trat ich ansFenster, in desfenNähe ein Thermometer hing und ich war nicht wenig erstaunt, die Ouccksilbersäule auf 100 Grad Celsius, also auf dem Siedepunkte stehend zu sinden, während doch einer oberflächlichen Schätzung durch das Gefühl nach kaum 30 Grad Wärme sein konnten. Kopsschüttelnd blickte ich nach dem Stande des Quecksilbers im Varometer. Mein Staunen wuchs, als ich beobachtete, daß dasselbe auf Sturm" und Viel Regen" gesunken war, während es doch wenige Minuten zuvor noch auf Sehr trocken" gestanden hatte und draußen das herrlichste Wetter herrschte. Eine Weile sann ich über die Ursache der eigenthümlichen Erscheinung nach. Da kam mir plötzlich ein Gedanke, der mich auf den rechten Weg leitete. Durch die entstandene Hitze, infolge der Zornesgluth und des Wuthkochens von vorher, war das Quecksilber im Thermometer bis auf den Siedepunkt gestiegen, während mein Umherstürmen im Zimmer und das Loswettern gegen meinen unvorsichtigen Diener den schlechten Barometerstand verursacht hatte. , Noch ganz verwundert über die eben gemachte Beobachtung, griff ich nach einer Weile nach dem Wasserglase, wel-
chcs auf dem Tischchen unter dem Ba- , 1. R.h!. 1 V. . romeier irano. yaiig rranr ica es leer, um mein siedendheißes Blut einigermaßen abzukühlen. Bei dieser Gelegenheit bemerkte ich, daß die Barometcrröhre, welche wenige Minuten vorher noch unversehrt gewesen, an erntt Stelle zersprungen und das Quecksilber herausgelaufen war. Da nun seit den letztverganqenen fünf Minuten niemand in die Nähe des Wetterzeigers gekommen war. so war mir dies ein neues Räthsel. Doch kam ich auch hier sebr bald auf die richt! Lösung. Ein Zornesblitz meiner Augen war unzweifelhaft von dem lebenden Wetterableiter, meinem Diener, abgesprungen und hatte jenes unliebsame Vorkommniß verschuldet. das mich mein schönes Barometer kostete. Die nächste Frage, welche ich mir stellte, war nun die. wohin das heraus gelaufene Quecksilber gekommen sei. Nirgends fand ich es. ; . In Gedanken darüber versunken, stellte ich mich ans Fenster, blickte durch die Scheiben und pfiff mein Leiblied: Fünfmalhunderttausend Teufel". - Plötzlich hielt ich inne unv ricyleie mei- ! ne Auaen nack dem Fensteralase, denn auf diesem eralänzten in bellem Sil-
berscheine fünf Nötenlinun und auf, zwischen, über und unier diesen die Notenköpfe und Pausen meines Leit liedes. Neugierig, was weiter werden wür de. blies ich. diesmal aber ohne Meto die, auf die Nachbarscheibe, die sich nach kurzer Zeit mit einer silberglänzenden Masse überzog und dadurch die schönste Spiegelscheibe bildete. Und welches war der Grund dieser räthselhaften Erscheinung? Das Quecksilber aus dem zerborstenen Barometer war in mein Wasserglas ge flössen, aus welchem es beim Trinken in meinen Körper und von hier durch das Pfeifen und Blasen an die Fenster scheiben gekommen war. " Froh darüber, daß ich auf dieseWeise einer gefährlichen Quecksilbervergiftung entgangen war. schnitt ich die beiden Gläser aus der Fenstereinfas sung und ließ sie beim nächsten Glaser einrahmen. Während ich die Scheibe mit meinem Leibliede zur Erinnerung an jenes merkwürdige Vorkommniß aufbewahre. dient mir die andere seit dieser Zeii als Spiegel, worüber ich mich umsomehr freue, als die Spiegel in Egypten äußerst selten sind und mit Gold aufgewogen werden.
Eigenthümlicher irchenschmutk. In der neuen Garnisonkirche zuHan nover ist ein eigenthümlicher Schmuck zur Anwendung gekommen. An den Säulencapitälen in der Kirche und dem Tympanum des südwestlichen Portals sind die Mitglieder der Baus commission u. s. w. porträt'ähnlich dargestellt! In dem genannten Tym panum ist der Kampf der Jsraeliten gegen die Amalekiter abgebildet nach 2. Moses 17. 11: Dieweil Moses seine Hände emporhielt, siegte Israels Der links haltende Feldherr trägt dft Züge des Kaisers Wilhelm. denReichs., kanzler Grafen Caprivi erkennt man in dem den rechten Arm des beiendeR Moses stützenden Krieger, und alö Hohepriester (!) ist der Militär-Ober Pfarrer Dr. Rocholl in diesem Bildi dargestellt. In den Capitalen an ber Säulen der Orgelempore sind die viel Facutäten: Theologie. Philosophie, Medicin und Jurisprudenz zur Dar, stellung gelangt; den betreffenden Fi guren Snd die Züge des Oberprästden, ten Dr. von Bennigsm, dem der Bau meister Hehl das Modell der Kirch, überreicht, ferner der Herren. Geheime, Baurath Schuster. Geh. Bauratk Buse und Regierungsrath Hamann aufgeprägt. An , der anderen Säuli erblickt man die vier Menschenalter: Kindheit, Jugend. Mannesalter unl Greisenalter ; die Figur zeigt die Züg, des Bildhauers Professors Dopmeyer, die folgenden die des Baumeisters Heh'. und zweier seiner Kinder. v Vielseitige Befugnisse. Ueber die mannigfachen Befugnisse dcö chinesischen CultusministeriumS weiß ein russischer Reisender Folgendes zu erzählen: Das Cultusministerium zählt zu seinem Ressort" alle Acade mien und Schulen, alle religiösen Feierlichkeiten, alle astrologischen Prophezeiungen und Auszeichnungen. Die Hof- und Gesellschaftsetikette. das Abhalten von Gastmählern, die Gewährung von Wohlthaten, die Entfaltung des Reichthums gehört gleichfalls hier her, ist an bestimmte Regeln gebunden und strenger Aufsicht unterworfen, denn in China hat die Etikette ihren besonderen Cultus, der in vier Klassen getheilt ist: die mrlitärischen Gebräuche, die Gebräuche der Gastfreundschaft, die Gebräuche glücklicher und Unglück licher Vorbedeutungen. In dasselbe Ministerium gehört die Bestimmung von Stoff und Schnitt der Kleidung für verschiedene Gesellschaftsklassen, von Größe und Farbe der Zierrathe, von Wagen und Gefolge der Vornehmen, sowie die Festsetzung der Anzahl von Verbeugungen und des Grades der Aufmerksamkeit, die man stch gegenseitig schuldig ist. Cinem besonderen Collegium desselben Ministeriums ist die Aussicht übertragen über die Bräuche bei Verehrung der Götter, der Geister der abgeschiedenen Monarchen, der Weisen und hohen Würdenträger des Staats und o du aufgeklärtes 19. Jahrhundert auch über die Ceremonie zur Crrettung der Sonne und des Mondes, wenn diese verfinstert werden-'. Die Einzelheiten der ver schicdenen Ritualpflichten des Cultus Ministeriums sind, beiläufig bemerkt, in vierzehn Bänden niederAclegt und kein anderes Buch wird so oft zur Hand genommen und benutzt, wie die . ses Buch vom Ritus. Für eine ungerechte Ueberbürdung des armen chinesi schen CultuSministcriums mutz man es fast halten, dast ihm neben diesen weit liegenden Oblicgcnheittn auch noch zu gemuthet wird, die sehr unmusikalischen Chinesen mit Gewalt musikalisch zu machen. Tiefe undankbare Arbeit wird von den Herren des MusikcollegiumS besorgt, welche lern- und lärm lustigen Schülern die Grundsätze der Harmonien und Melodien erklärcn, ihnen Stücke componiren und einpau ten müssen. Nebenbei haben sie alle für öffentliche Ausführungen erforderlichen Musikinstrumente zu beschasfen und als oft sehr unfreiwillige Schüler Terpsichorcs den Tänzerinnen alle Uebungen vorzumachen! Auf der Triest er Reichsstraße bei Laibach, und zwar auf einer ziemlich steil abfallenden Strecke, sticßen zwei Laibacker Bicyclisten mit solcher Vehemenz aneinander, daß der eine Bicyclist, Baumeister Kogovsek, auf der Stelle todt liegen blieb, während der andere, Zahlmarqueur Primozic. schwere Verletzungen erlitt. Baumeister Kogovsek, ein 60jähriger Mann, war so unglücklich gestürzt, daß er sich einen absolut tödtlichen Schädelbruch Z'.:oz. j
