Indiana Tribüne, Volume 20, Number 17, Indianapolis, Marion County, 4 October 1896 — Page 3
Revanche!
von Asfjauftcr ZZaksn von ZZoöertZ. (12. Fortsetzung.) Es war der offenbare Hohn. Viktor fuhr zusammen, zögerte kurz und sandte sich dann zur Thüre, mit einer Geste und einem Blicke, die deutlich sagten: Gut, so wird man Dich zwingen!" m M6jard stand noch immer dort, endlich unterbrach er das Schweigen: Ich flehe Sie an. Herr, sich nicht ins Verderben zu stürzen. Wir andern kommen nicht um im Gegentheil aber Sie selbst, der Name, die Firma " Die Stimme wankte. Jaminets Augen zwinkerten wieder gegen die Photographie h'n, als suchten sie dort eincn Halt. Mit einer plötzlichen heftigen Bewegung der einen Hand winkte tz dem Buchhalt:r, sich zu entfernen. Möjard trat in. den Komptoirrau7n. sprachlos, wie vernichtet, und es dauerte eine gute Weile, bis er im Stande war. den Andern 'den-Bescheid ihre Eh:fs mitzutheilen. Es war die höchste Zeit, daß er das Allerheiligste verließ, sonst wäre er Zeuge gewesen, wie .in den immer schneller blinzelnden Augen des Chess Thränen schwollen und dann als grofre Tropfen in den schwarzweiß gescheckten Bart hinabrollten. O, er Ja:nmrt, wußte besser als sie. daß alles verloren, daß die alte Firma zusammenbrechen würde. Aber er wollte sich wenigstens tapfer -wehren bis zum Ende er wollte sich darin Koch nicht von der Preußin. seiner Schwiegertochter, beschämen lassen! Und durch das Geflimmer derThränen in seinen Wimpern wankte und schwankte das Abbild der Wahl'schen Fabrik dort an der Wand. Armer Wahl " hauchte er bewegt gegen das Bild. Arme Gertrü " Armes Frankreich " fügte er nach einer kurzen Stille, wie berichUgend, mit einem schweren Seufzer hinzu. Vierundzwanzigstes Kapitel. Herr Boularöde, eine Dame wünscht Sie zu sprechen," meldete der greise Klubdrener, an den Korrefpondenztisch des Lefefaales herantretend, wo der große Mann einen Gänsekiel über einen mit dem Stempel des Klubs versehenen Briefbogen gleiten ließ. Wer? Was? Eine Dame? Wo?In den verlgrauen Augen blitzten feine Glanzpunkte auf. und die ohnedies spitzig: Physiognomie verlängerte sich zu einer wie lüstern schnüffelnden Grimasse. Draußen vor dem Portal. Ein Koup6 mit einem großen Nappen kaffeebraune Livree " Ah!" Boularöde zerriß den angefangenen Brief in Stücke, schleuderte die in den Papierkorb und sprang auf. Sie war es! Gleich bei der Meldung des Dieners wußte er das. Er hatte sie erwartet. Nicht daß sie ihn aus seinem Klub berausholen würde, aber daß sie sich an ihn, an seine Freundschaft klammern würde in ihrer Noth, im Widerspruch zu dem übermüthigen Trotz, den sie an jenem Abmd gezeigt. Er war von allem unterrichtet, was in der Rue de Elöry vorging. Hier konnte nur einer helfen, und der hieß Boulardde! Er allein wäre im Stande, die gegen das Jaminet'sche Haus anschwellende Hassesfluth mit einem donnernden quos oo! zurückzukämmen. Er war die letzte Instanz, von der die Rettung des Hauses abhing. Sie kam, um ihn wegen des überaus gefährlichen Falles zu konfultiren, wie man einen großen Spezialisten in der äußersten Noth konsultirt, wenn alle anderen Kräfte versagen. Solche große Spezialisten sind aber theuer und lassen sich bezahlen. Und er war ja bereit, mit seiner Hilfe beizuspringen, ; freilich mußte euch c?r entsprechende Preis gezahlt werden.... Mit einer gewissen freudigen Hast ergriff er die kleine dunkel bekleidete Hand, die sich ihm über den Rand des Wagenschlages entg?genstreck!e. und er hat'e Mühe, den Ausdruck dieser Freud: zu unterdrücken und sein Gesicht für den Ernst der Angelegenheit zurechtzuseen. Madame Gertrü " Er lüftete ehrerbietig den Zylinder. Sie war verschleiert, weniger wohl, weil sie sich vor andern zu kompromittiren fürchtete, fönst hätte sie sich ja auch, nicht der Livree bedient, als weil sie ihm gegenüber die Schamröthe. die sie Toegen dieses Schrittes auf ihrem Antlitz - brennen fühlte, verbergen sollte.. Vielleicht gab ihr auch der Schleier ein Gefühl de? Panzerung gegen ein unheimliches Etwas. Ja, es hatte ihr UcbeQvindung genag gekostet, diesen Schritt zu thun, welche Ungeheuerlichkeit: eineDeu:sche. die einen Franzosen zum Schutz ihrer Nationalität aufbietet! Noch da zu einen Boulardde, den französischsten fcer Franzosen! Aber sie wußte, daß sie über ihn verfügen konnte, und da er eine Macht bedeutete, so wäre es eine schwer: Unterlassungssünde . gewesen, diese Macht nicht für Zwecke auSzunützen. Es war nicht ganz moralisch. die Schwäche des Feindes zum eigenen Borcheil zu verkehren, aber die äußerste Drängniß gebot. Nur Boularöde konnte helfen! . Wohin befehlen Sie zu fahren. Madame?" Es ist einerlei ich bitte Sie nur um eine Viertelstunde Gehör, Mon-sieur'DionyZ.-Jhre Stimme klang matt und klein und schieß ihren Klang eingebüßt zu daben. Er nannte dem Kaffeebraunen auf
dem Bock als Ziel daS Boi und eine bestimmte Allee darin, die sich für folche Konsultationen wohl besser eignete als andere; dann öffnete er denSchlag und schwang sich ins Innere, ein Oh!" ausrufend, indem sein Zylinder anstieß. Der starkeRappe zog an, mit dem für ihn zu leichten Gefährt dadonstürmend. Aber meine liebe Madame Gertrü, was ist denn geschehen? Man sieht es Ihnen an, die Affaire hat Sie tüchtig angegriffen. Ihre Hand zitterte soeben ah. bah. Sie müssen sich's nicht zu Herzen nehmen!" Ich bin wie zerbrochen. Es ist alles verloren! Mein Vater ist ruinirt. Und wer ist schuld daran? Ich ich! Die ganze Geschichte mit der Amme ich habe diese Krisis provozirt ein Fehler über den andern ich habe Viktor nicht zu behandeln gewußt Sie werden begreifen, daß ich alle Schritte thue, um zu retten, was zu .retten ist. Berzeren Sie mir diese Freiheit!" DieWorte erzitterten unter den ausbrechenden Thränen und stockten ganzlich. Nichts selbstverständlicher, liebe Freundin. Ich habe Ihnen erst vorgestern Abend gesagt, daß Sie über mich verfügen sollen es freut mich, daß Sie mir vertrauen. Und ich werde Ihnen helfen wir werden die Sache schon wieder einrenken." Er warf sich wichtig in die Brust, mit dem Air des großen Spezialisten. Sie sind ein guter ein echter Freund ich dankeJhncn ich weiß, was es Ihnen kostet " Zweifelte sie in dieser Stunde wirklich nicht an seiner uneigennützigen Freundschaft? Er reichte ihr stumm, mit einer Miene der Rührung, die ihm nicht ganz leicht fiel, die Hand, aus der sie die ihre gleich wieder entgleiten ließ. Es ist möglich, daß man mich sieinigen wird aber einerlei, das Bewußtsein, Ihnen einen großen Dienst geleistet zu hoben...." Das war keine Lüge. Sein nächstes Ziel war sie! Und seine Leidenschaft würde auf dies Ziel losstürmen, unbekümmert um die Steinigung. Er fühlte das erregte Funkeln feiner Augen, und um sich nicht zu verrathen, wandte er diese ab, nach dem offenen Fenster hin. an dem die Häuser, die Bäume und das Menschengewimme! der Trottoirs in einem Gewirr vorübersausten. Er fährt exzellent. Ihr neuer RapPC warf er zur eigenen Ablenkung hin. Aber Sie sollen mir ja erzählen. Wir überlegen dann." Ach!" machte sie mit einer Handbewegung, welche die Hoffnungslosigkeit nur zu deutlich ausdrückte. Was ist zu erzählen? Das ganze Personal des Komptoirs ist entlassen. Herr M6jard an der Spitze; der Schwiegervater hat alle gehen heißen. Es sieht schon jetzt einem Bankerott verzwife!t ähnlich. Er droht damit, lauter Deutsche zu engagiren und mit diesen das Geschäft fortzusetzen, allen zum Trotz. Von einem Neckv'oen ist keine Rede er ist seit vorgestern wie umgewandelt. Aber gerade jem Starrsinn verdirbt alles erst recht. Es ließe sich überlegen, man müßte zusammenhalten aber er will nichts von einem Einlenken wissen. Natürlich besteht nun auch Viktor auf seinem Kopf. Wie zwei Felsen stehen sie gegeneinander. Und seine Schwester, sein Schwager hetzen ihn natürlich. Man muß den Alten zwingen! heißt es. Allerlei Vorschläge: das Geschäft soll seinen Namen ändern Schneider soll darin eintreten, und der Name des Elsässers soll als Deckmantel dienen. So würde die Krisis vorübergehen. Am liebsten möchte man meinen Schwiegervater zu einem v'ölligen Verzicht bringen. Dann wäre es um uns Wahls geschehen.... mein armer. guter Vater! ich. ich will ia nicht zählen und ich bin bereit, mich zu opfern...." Die letzten Worte verloren sich in einem ausbrechenden Schluchzen. Sie schlua den Sckleier zurück und preßte das Taschentuch gegen die Augen. Ich habe es geahnt. Ich hätte nicht nach Paris kommen sollen! Ich war dazu bestimmt. Viktor und mich und uns alle unglücklich zu machen. Französisch und Deutsch, das paßt nicht zusammen!" .Ich hätte Ihnen recht von Herzen gewünscht, daß Sie sich glücklich hier bei uns gefühlt hätten " sagte er. in ihren Ton einstimmend. Ach, und Sie verdienen das Glück Sie sind zum Glück geboren! Man möchte zornig werden, daß alles so gekommen!" Sein ganzes Wesen schien in plötzlicher Begeisterung aufzuflammen. Sie sind so schön! So anbetungswürdig! Ja, man möchte alles niederschlagen, was Ihrem Glück im Wege steht! Sie sollen und müssen glücklich werden!" Ihr Schluchzen stockte. Als sie das Tuch von den Augen sinken ließ, fuhr sie zusammen vor der Gluth feines Blickes, die der andern.' so plötzlich cntfachten Gluth seiner Worte entsprach. Er stutzte selbst vor der eigenen Unvorsichtigkeit. Also wir wollen die Sache in die Hand nehmen." sagte er, die ocrräthetische Begeisterung des Tones dämpsend. Ich werde kommen und mit . ihnen allen reden. Ich bin Ihnen dankbar. daß Sie mir solchen Einfluß zu. trauen. Und ich vermag viel, das wissen Sie! Es liegt an mir. die Leute in der Presse zu beschwichtigen und die ganze unerquickliche Affaire todt zu machen. Ich brauche nur die Hand zu rühren, so wird man sich ducken. Sie sollen sehen, Sie werden sich nicht in mir getäuscht haben. Wenn ich wollte, was ich könnte...." Er warf sich abermals mit dem Prusten eines Truthahns in di: Brust, so
! wenig solcher Anfall von Selbstver-
g'ötterung in die Situation paßte. Aber er war dem gegenüber ohnmächtig; er mußte es über sich ergehen las sen wie ein Fieberschütteln. Wenn ich nur wollte!" rief er exaltirt, die Faust auf die Brust schlagend. Ich hätte die Geschicke Frankreichs in der Hand wenn ich nur wollte! Gambetta ist passö er ist eine arge Enttäuschung, und es muß einer kommen " Es war fast unheimlich unwillkürlich dachte sie an ihren Onkel, den Jrrenbausdirektor. und die grauenhaften Fälle des Größenwahns, die er behandelt. Und dieser Großthuer soll uns zu ztikn bestimmt sein? Wie war sie nur dazu gekommen, ihre letzte Hofsnung an ihn zu klammern? Mit einem kräftigen Zusammenfahren warf er gleichsam den GrößenWahn ab. der ihn zu so ungelegener Zeit überrumpelt hatte. Ah, wir wollen aber überlegen, Madame Gertrü " Ich fürchte, alles Ueberlegen nützt nichts," erwiderte sie scharf. Es war wie ein Aufraffen in ihr. Ich vergesse immer wieder, daß wir hier in Frankreich sind " murmelte sie mit bitterer Betonung. Es wird wohl bei meinem En! fchluß bleiben." Sie richtete sich aus ihrer anlehnenden Stellung straff empor. Es ist das Beste ich werde fliehen!" .Oh!" Ich habe längst daran gedacht. Wenn die Preußin das Haus verlassen hat. so ist ihm d,r böseste Makel ge-nommen.-Abcr ich fürchte, das Mittel kommt viel zu spät. Es hätte vor einem halben Jahre angewendet werden müssen. Ich häü. längst gehen sollen. Uebrigens (und sie schloß dabei die Augen, und eine Blässe rieselte über ihr Antlitz) übrigens mag diese Krisis sich lösen, wie sie will, meines Bleibens wird doch nicht sein. Ich bringe den Jaminets kein Glück, Niemand von Ihnen fort also! Ich werde gehcn!" Oh!" stieß er abermals aus und starrte sie verblüfft an. Sie hatte sich wieder zurückgeworfen und ihr blasses Haupt lehnte gegen die dunkle Seidenpolstening, immer noch mit geschlossenen Lidern. Es thut mir leid, daß ich Sie belästigt habe aber ich sehe jetzt ein es ist das beste ich gehe " haucht: sie tonlos in die Pause. Das war etwas so völlig Neues. Unerwartetes, daß er sich nicht sofort darein fand. Dann aber stürzte sich sein Egoismus mit aller Gier auf die neue Chance. Sie will fliehen ihren Gatten, ihr Haus im Stich lassen und und Dieses Wörtlein und" erzeugte in ihm die verwegene Fata Morgana einer gemeinsamen Flucht. Stets und überall deutete er die Umstände zu feinen Gunsten. War das nicht die deutlichste Aufforderung? Deshalb war sie doch erschienen! Wieder überfiel ihn das Fieberschütteln des Größenwahns: ist er denn blind gewesen? Er hätte ja nur die Hand auszustrecken brauchen sie war ja längst zur Flucht bereit. Sie ist mein sie wird mein sein! Ich wußte, daß mir dieser Erfolg reif in den Schoß fallen würde! Die gemeinsame Flucht schon sah er sich mit ihr in ein diskretes Eiscnbahnkoup des Südzuges geschmiegt schon wandelte er mit ihr zwischen den Veilchenbeeten Nizzas schon durchschauerte ihn die Seligkeit ihres Besitzes schon zerflatterte vor der Macht solchen Sonnenglanzes das häßliche politische Gewölk und weit dahinten, tief unter demGötterbewußtsein solcher Seligkeit, versank Paris mit seinen banalen Freuden, seinen billigen Triumphen, mit seinen Intriguen, seinem Gassenbubenlärm und dem Jndianergeheul der Revanche.... Doch seine Phantasie raste zu unaestüm! So weit war es noch nicht! Sie ist doch eine Deutsche. (Der einzigeMakel. der ihr anhaftet!) Und das erfordert einige Weitläufigkeiten. Vorsicht also! Fliehen?" sagte er mit der äußersten Anstrengung, kühl zu bleiben, während seine Pulse flogen. Wir tooU len diesen Fall in Betracht ziehen. Es wäre das beste, das einzige ich hätte Ihnen das nicht vorzuschlagen gewagt aber da Sie selbst.... Ich will Jynen offen und ehrlich gestehen, daß mein Dazwischentreten die Krisis nur hinausschiebt, sie aber nicht heilt. Sie ist in der That unheilbar. Das scheinen Sie selbst einzusehen." Was für ein unausstehlicher Chaclatan ist er denn? Vorhin noch brauchte er blos die Hand auszustrecken, damit ganz Frankreich sich duckte, und nun zwischen ihren Brauen wetterte es. Sie smd nicht glücklich tote sind nicht an Ihrem Platze." Was wollen Sie denn?" fuhr sie auf. Das Glück ist mir doch nicht die Hauptsache. Was ist das Glück?" Und sie stieß ein paar mitleidige Lachtöne aus. Reden wir doch nicht davon. es ist ganz nebensächlich! Ich verlang: nur nicht, um eines Hirngespinstes willen zu Grunde zu gehen. Mit meine? Entfernung ist dennoch etwas gethan. Man beruhigt sich vielleicht und besinn: sich. Deshalb gehe ich." Er hörte nichts, n sah nichts, das Fieberschütteln verstörte ihm dieSinne. Ich will aber, daß Sie glücklich werden!" rief er. Es ist Ihr Recht, und ich bestehe darauf. Ich werde Ihr Glück erzwingen!" Die Worte gingen ihm durch. Es war kein Halt gegen den Sturm, der ihn sortwirbelte. Mit wachsenden Augen des Staunens und des Schrecks starrte sie ihn an. Und ihre ganze Gestalt erzitterte unter dem Geloder seineö Blickes. Fliehen ja fliehen wir werden fliehen gleich heute noch "
Wir ?" stieß sie entsetzt aus. . Erschrecken Sie nicht, Gertrü! Ich werde bei Ihnen sein! Ich werde Sie vor einer Welt beschützen! Ich folge Ihnen, wohin Sie wollen Sie wissen, ich bin bereit, Ihnen alles zu opfern meine Zukunft, mein Leben. jeden Athemzug ich bete Sie an! Ich bete Sie an ich ich ich" Nur noch ein halbersticktes Stammeln der Leidenschaft. Er ergriff ihre Hand mit seinen beiden. Sie schrie aus. so heftig war der klammernde Zwang dieser Hände. Gertrü Geliebte!" Er ist wahnsinnig! durchzuckte es sie. Nur wenige Sekunden des stieren Schrecks, dann tastete sie nach dem Gummiball der Signalleitung, preßte und riß so heftig daran, daß der Schlauch zersprengt wurde. Hilfe Hilfe " Doch nur das entsetzte Beben ihrer Lippen kein Laut. Der Wagen hielt. Gertrü Madame Gertrü!" stieß er aus. plötzlich ernüchtert. Lassen Sie mich! Sosort lassen Sie mich oder ich rufe um Hilfe!" zischelte sie. ihre Hand aus den Klammern der seinen befreiend. Dann sah er sprach- und regungslos zu, wie sie auf den Knopf des Wagenschlages drückte, diesen aufdrängte, hinaussprang und davonstürmte, ihr ganzes Wesen von Schreck und Angst durchschüttert. Gleich zog der starke Rappe wieder an und fort flog das Gefährt die vom Sonnenschein überfluthete Avenue der Kaiserin entlang. Eine Weile ließ er eS geschehen, seine Gedanken schienen still zu stehen. Dann entfuhr ihm eine lautgellende Lache, die das Rollen der Räder übertönte und die Spaziergänger auf dem von Blumenguirlanden besäumten Trottoir nach dem seltsamen Insassen deS stürmenden Gefährtes umsehen hieß. Er hatte einen sehr starken Sinn für das Komische, der ihm auch in den 'heikelsten Situationen plötzlich durchbrach. Und dies war wahrhaftig das Komischste, was ihm je passirt war! Noch lachend rief er dem Kutfcher ein Halt zu. Erst als er ausgestiegen und festen Boden erreicht hatte, befiel ihn der Ärimm über das Fiasko. Gertrud stürmte davon, von ungeheurer Angst gejagt. Ein Gefühl unsäglicher Schutzlostgkeit durchbebte sie. Nun ist alles verloren! Zu Fuß legte sie den Weg über die Elysäifchen Felder zurück und bestieg auf dem Konkordienplatz erst einen Fiaker. Wohin?" Ach so! Sie mußte doch ein Ziel angeben. Mechanisch entfuhr ihr Straßenname und Nummer. Erst unterwegs besann sie sich darauf, was sie angegeben. Wie gespensterhaft, wie häßlich verzerrt alles aussieht! Wie fahl der Sonncnfchein welch ein widerliches Grinsen entstellt all die Gesichter, auch die der elegant daherrauschenden Damen. wie schmutziq. wie hohl, wie nichtig das alles istfWie sie daherhasten. rennen, jagen, von Leidenschaften gepeitfcht durcheinander wimmeln welch ein ohrenbetäubender Lärm! welch ein sinnloses Chaos! Ein Schauder erfaßte sie: Sie sind alle wahnsinnig! Ganz Paris ist ein Tollhaus.... Fünfundzwanzig st es Kapitel.' Der Kutscher lenkte in die Rue de Clöry ein und hielt vor dem Jaminet'schen Hause. Gertruds eigenartig fragender Blick glitt die Fensterfront entlang, sie stutzte kurz, als wenn sie den Kutscher bedeuten wollte, wieder umzulenkeN. Das hier ist ja nicht ihr Zuhause! Wo denn? Eine kurze Erinnerung aus der Vergangenheit flog vorüber: es war der Tag. da sie beide als junges Paar, nach dem rastlosen Flug der Hochzeitsreise, hier vor dem Portal angelangt waren; mit festlich flackernden Flammen hatten die beiden sechsarmizen Kandelaber neben dem Thorweg sie vewillkommt; alle Fenster schimmerten hell zum freudigen Gruß, und die Gesichter gaben dieser Helle nichts nach; auf Viktors Arm gestützt war sie die mit schwellendem Teppich belegte und mit Blumen geschmückt Treppe hinangestiegen, von den neugierigen und jedenfalls durch di: Lieblichkeit und den herzgz.-vinnenden Sonnenschein ihrer Erscheinung entzückten Dienerschaft begleitet. Bitte. Herr Mongenast, wollen Sie den Kutscher bezahlen!" Es fiel dem Manne nicht einmal auf. daß sie in einem Fiaker zurückkehrte, nachdem sie mit eigenem Wagen ausgefahren war. Wissen Madame schon, Herr Armand...." Was ist denn?" Herr Armand liegt im Sterben. Ein Blutsturz " Herrgott!" Seltsam, trotzdem bei Armand der Fanatismus am drastischsten zum Ausdruck kam, war ihre Sympathie ihm immer zugewandt geblieben. Sie hatte über sein Tanatoid" gelacht und sie war die einzige, die ihn bis zuletzt wegen seiner Manie necken durfte. Es bestand zwischen ihnen ein fast herzliches Verhältniß, und es war komisch zu sehen, wie er sich vergeblich gegen di:sen Bann der Preußin wehrte. Allmählich hatte er sich die mütterliche Bevormundung, die sie über ihn auszuüben sich verpflichtet fühlte, gefallen lassen. Trotz der sprühenden Aeußerung feines Hasses hielt sie diesen für harmlos. Er ist nervös und kränklich, man muß ihm solche Zerstreuung erlauben wie man kranken Kindern
Gegenstände als Spielzeug überläßt, die als solche nicht dazu bestimmt sind. Armand im Sterben? Wie sie erschrak! Gleich verschwand jede andre Regung vor dieser Nachricht. Wie ist das gekommen? Herr Armand hätte noch eine Unterredung mit dem alten Herrn gehabt, berichtete der Portier, es, wäre dabei etwas lebhaft zugegangen. Ersterer hätte sich nach seinem Laboratorium begeben, und dort fand ihn der Gebilfe in seinem Blute. Die Aerzte schüttetten die Köpfe, es wäre wohl alles vorbei. Sofort eilte sie durch den Garten nach dem Laboratorium. Armand dewohnte neben dem Arbeitssaal einen kleineren Raum, der seines ursprünglichen Charakters als Wohn- und Schlafzimmer fast entäußert schien, denn er war, wie das Laboratorium selbst, mit Instrumenten, Gläsern und phantastischen Gefäßen in alle Winkel hinein angefüllt, ja bis auf, das Sofa und die Stühle. Auf dem von scharfen Säuren zerfressenen Teppich des Tisches machte sich der hohe und weit ausholende Aufbau eines umständlichen Apparates von Destillirkolben, Reagensgläsern und geschwungenem Röhrenwerk breit, irgend ein Experiment, das eben im Gang war. Und dieser Apparat schien sich als Herr in der Wohnung zu fühlen; völlig unbedeutend verschwand dahinter das einfache eiserne Bett mit dem zusammengesunkenen Körper des Todkranken. Sie fand Viktor anwesend, der sie mit bestürzter Miene ins Laboratorium wies, wo er sie im Flüsterton über das Unglück unterrichtete. ' Ah. dieses Unglück war doch ein neutraler Boden und man konnte aus Minuten. jaStunden all das andere darüber vergessen! Es schien ihm sogar den Muth zu verleihen, ihr. seinem Weibe, wieder in die Augen zu sehen. Also es hatte eine stürmische Unterredung zwischen Armand und Papa stattgefunden, es war zu einer heftigen Szene gekommen, und die Erregung war wohl die Veranlassung zu dem Blutsturz gewesen. Das aber verheimlichte er ihr, was sie erst später und zum Theil durch Papa selbst erfuhr, daß man Armand als letzte und wirksamste Reserve gegen den Starrsinn Jaminets ins Treffen geführt hatte. Mas ihnen allen nicht gelang, den alten Kaufmann zum Zerreißen seiner Verpflichtungen gegen das deutsche Haus zu überreden, das sollte Armand vollbringen, der von je eine Tyrannei über seinen Vater ausgeübt hatte und durch dessen Gebrechlichkit selbst die bitterste Schärfe der haßerfüllten Rede entschuldigt wurde. Und Armand mußte sich wohl des Auftrags mit rückhaltlosem Eifer entledigt haben. Zuletzt, da der Alte immer noch nicht weich wurde, erhielt er von seinem Sohne ein Wort ins Gesicht geschleudert, das wohl den Inbegriff aller Entsetzlichkeit bedeuten mußte. Preuße!" weiter nichts. Aber das Wort fuhr wie ein Peitschenhieb über das Antlitz des Kaufmanns. Das von seinem Jüngsten seinem Liebling! von ihm, dessen Launen und Seltsamkeiten er sich allezeit unterjocht, dem er keine Litte und kein Blinzeln eines Wunsches unerfüllt gelassen hatte! Er meinte sich verhört zu haben flatterte doch das Wort überall in der Luft umher, bereit, sich als Brandmal des Verraths an einen zu hängen. Nochmals: Preuße!" scharf hinschnellend von den dünnen Lippen des Krüppels, dazu die wüthendstenStichflammen der winzigen Augenpupillen, jene Stichflammen, die man zischeln zu hören wähnte. Aufprasselnd vom gewaltigen Zorn war der Alte emporgefahren. Was? Das mir..." brüllte er. völlig entstellt von dem hochrothen Brand, der sein Gesicht übergoß. Und er hatte den Beleidiger beim Arm gepackt und ihn zur aufgerissenen Thür hinaus verwiesen. Eine Viertelstunde darauf fand man Armand im Laboratorium in seinem Blute zusammengestürzt, da er eben im Begriff gewesen, sich im Dienste seines Tanatoid" an die Arbeit zu machen. Die schleunigst herbeigerufenen Aerzte gaben keine Hoffnung. Der Alte schien gänzlich gebrochen: zuerst der Peitschenhieb des Wortes, das ihm noch über der Stirn brannte, dann das verhängnißvolle Unglück es war zu viel! Gertrud war wie erstarrt vorStaunen, als ihr später der Austritt vom alten Jaminet geschildert wurde. Und daran ermaß sie. erst di: dämonische Gewalt des Fanatismus: der Name ihrer Nation, der bloße Name, dchen Hauch allein schon den. der ihn aussprach, zu tödten vermochte. War sie selbst nicht damit geächtet? Es bedürfte nicht mehr eines Entschlusses das Wort wies ihr ohnedies die Thüre! Und wenn noch eine Spur des Schwankens in ihr war. so verflog es vor dem Hasseston, der alle Poren des Hauses durchdrang. Wohlan! Aber noch galt es auszuharren, bis der Kranke von -seinen Leiden erlöst wäre. Bedürfte er nicht ihrer Pflege? 5)atte sie ihm nickt bei ihrem Eintritt insHaus Muttersorge und Mutterliebe gelobt? Ihm persönlich sollte nichts entgolten werden, er war ja ein schwaches und zerbrechliches Gefäß. . das durch die' Revanchekrankheit leichter zerfressen und zerstört wurde. .Man mußte Mitleid mit ihm haben auch jetzt, nach allem, waS geschehen war. Und sie blieb. Bis der Tod. der mit seinen dunklen Fittichen bereits Armands Lager umschattete, ihr die Erlaubniß zum Gehen ertheilt hatte. Man war erstaunt, mit welcher Aufopferung sie den Kranken pflegte; sie hatte
die barmherzige Schwesier, die man aufgeboten, bald wieder entlassen und theilte sich mit dem Gehilfen in die nlühevolle Wartung. Sie verließ den Pavillon nicht mehr, mit keinemSchritt sah man sie die vordere Wohnung betreten. Mit einem stummen Kopswiegen wies sie Viktors und des Schwieaervaters Bitten und Beschwörungen ab: ihr Platz ist hier! und wo sie nachher ihren Platz wählen wird, das wird man sehen..'.. Sie ging ganz und gar in ihrem Samariterdienst auf; alles andere schien für sie völlig verschwunden zu sein. Ihre hoheiwolle Art, das starre Schweigen ihrer Lippen, ihrer Augen, ihrer ganzen Erscheinung, erfüllte alle, die mit ihr in Berührung kamen, mit einer Art weihevollen Schauers als wenn sie selbst die Verkörperung einer engelgleichen Macht bedeutete. Jede triviale Annäherung stockte in ihrer Nähe. Sie schien der Welt und den erbärmlichen Weltsorgen wie entrückt. Viktor schien dieser Sonderart gegenüber seinen Halt zu verlieren. Was bedeutet das? Mit wachsender Verwunderung beobachtete er sie. Es ist etwas Entscheidendes mit ihr vorgegangen! Und sein Herz erbebte in der Vorahnung eines Verhängnisses. Er weiß, das alles, was geschehen, ist sehr klein und häß!ich und verächtlich gewesen. Aber dennoch würde sie verzeihen sie würde sich ihrer Liebe, ihres Glückes erinnern sie würde die Opferschale seiner Reue, die er ihr darzubieten bereit war, mit dein Himmels lächeln der Duldung entgegennehmen. Sie würde die traurigen Umstände be greifen lernen, und sie würde sich dem Zwang zu beugen wissen, wie auch er und sie alle sich gebeugt. Ah. wie lechzte er nach einer offenen, rückhaltlosen Zwiesprache mit ihr! Dann würde alles noch gut werden.... Aber nichts als das starre Schwergen ihrer Lippen, ihrer Augen, ihrer ganzen Erscheinung. Und wahrhastig, er begann auf den Kranken dort eifersüchtig zu werden, der allein die Barmherzigkeit ihres Lächelns und die trostspendende Milde ihres Blickes genießen durfte. Ah. war er. Viktor, denn nicht noch kränker? Bedürfte er nicht noch mehr als der bloß körperlich Todwunde ihres Trostes, ihrerPflege und ihrerVerzeihung? Vier 'Tage noch schwebte Armand am Todesrande. Er war zumeist ohne Bewußtsein, und seine Fieberphantasien beschäftigten sich mit seiner Erfin dung und dem Haß, dessen explosiver Ausdruck sie fein sollte. Beim ersten Aufdämmern eines lichten Augenblickes schien er erstaunt, sich gerade unter Gertruds Pflege zu finden. Wie paßte die liebliche Engelsgestalt in die von dämonischen Leidenschaften durchloderte Hölle seiner Fieberphantasien? Seine feuchte heiße Hand klammerte sich in flehendem Kampf an ihre Hand: daß ihr Engelszauber sie von solchen Qualen erretten möchte. Und siehe da, bald begann sich das wilde Chaos seines Paroxismus zu sänftigen und sein Schlaf schien von freundlicheren Gestalten belebt. Er fühlte sich so wohlig geborgen unter ihren Händen, und die Erinnerung an fein Mütterlein tauchte aus .dem Dämmern der fernversunkenen Kindheit herauf. Einmal nahm er ihre Hand und führte sie mühsam an seine Lippen. Eine Bitte hauchte in den inbrünstigen Kuß dieser Lippen hinein etwas wie ein Stammeln, daß sie ihm verzeihen möchte Dann ergriff ihn wieder die Erfindermanie und er gab von feinem Lager aus dem Gehilfen allerlei AnOrdnungen, dies oder das Experiment betreffend. Stundenlang konnte er den Apparat aus dem Tische betrachten, wie in dem Kolben dieBlasen sich lösten und die chemische Gährung sich entwickelte; stundenlang horchte er auf den Taktschlag, den ein gewisses Tröpfeln der Flüssigkeit in dem Apparat hervorrief, und ein beschleunigtes oder verlangsamtes Tempo dieses Tropfenfalles regte ihn auf. Nicht wahr, Gertrü. ich darf nicht sterben, bis es bis es " Seine schwach Hingeächz ten Worte erstickten in einem Hustenanfall. Beruhige Dich. Armand! Louis (der Gehilfe) behauptet ja. auf dem richtigen Wege zu sein." Ist er? Man rufe ihn! ich will ihn sprechen! mir ist eine Idee gekommen " .Du wirst Dich jetzt in Dein Kissen ducken und hübsch schlafen sonst werde ich ernstlich böse!" Und willig, weil das Mütterlein es so haben wollte, ließ er sich den Kopf ins Kissen ducken und entschlummerte, ein glückselig wehmüthiges Lächeln um die Mundwinkel. Nicht wahr, das Mütterlein wird unterdeß dafür sorgen, daß sein Tanatoid" Fortschritte macht? Als handelte es sich um irgend ein schwieriges Gericht, dessen Zubereitung sie überwachen , sollte. So achtete 1 sie mit Sorgfalt, daß das Feuer auf dem Patentofen in Athem blieb, damit, wenn er erwachte, der rothe Schein des Herdes feine suchenden Augen träfe. Das schien ihn zu stärken, ja aus dem Anblick des Scheines schien er immer wieder neue Kraft zum Leben zu geinnen. Bis auch dies seltsame Stärkungsmittel versagte und die Stunde kam, wo der arme Adept von der Angst um das Gedeihen seiner Erfindung für immer ibefreit fein sollte. Am Morgen deS fünften Tages, als das Frühroth sich mit dem verblassenden Schein des Herdfeuers mischte, hauchte er den letz, ten schwachen Rest seines in Haß und Fanatismus verkümmerten Lebens in den Armen seines Schutzengels aus. Wohlan, nun hat sie ja Erlaubniß zu gehen! (Fortsetzung folgt.)
Für die Mche. Orleanssuppe. Am Tage vorher kocht man aus allerlei Fleischabfüllen, frischen Knochen und einigen Schinkenstückchen mit 5 Quart Wasser, Salz und Suppenwurzeln eine leichte Fleischbrühe, die man passirt und erkalten läßt. Mit dieser Bouillon überfüllt man am nächsten Tage zwei vorgerichtete Suppenhühner, schäumt gut, thut das Gerippe eines dritten Huhnes, von dem vorher das Brustsleisch gelöst wurde, nebst etwas Kerbel hinzu und kocht die Suppe langsam mehrere Stunden. Das abgelöste Hühnerfleisch wird feingewiegt, mit vier Löffeln zerlassen Butter, einer Panade von zwei Semmeln, einigen Eigelb, Salz uni wenig Pfeffer vermischt, eine lockere Farce daraus bereitet und mit zwei Theelöffeln kleine Quenelles davon geformt, die man in etwas abgeschöpfte? Fleischbrühe garkocht und im Wasserbade heiß stellt. Darauf brüht man ein halbes Pfund Reis ab. gibt zwei geschälte, in Scheiben geschnittene Semmeln und drei Viertel Quart Hühnerbrühe darauf und kocht ihn weich, worauf man ihn durch ein Sieb streicht und zu der inzwischen durchgeseihten Bouillon giebt, die dünnseimig werden muß und mit dem Reis noch dreißig Minuten ganz langsam kocht. Das Brustfleisch der beiden gekochten Hühner wird mit süßer. Sahne gestoßen, durchgestrichen, mit sechs Eigelb, die mit einem Achtel Quart süßer Sahne glatt gequirlt wurden, vermischt, eine Unze ganz frische, schaumig gerührte Butter dazu gethan und mit dieser Masse im Augenblick des Anrichtens die Suppe legirt. Man richtet die außerordentlich wohlschmeckende Suppe über den kleinen, rothen Quenelles an und streut zuletzt etwas blätterig gepflückten und blanchirten Kerbel hinein. Kalbsmilch a Ia Villeroi Etwa drei bis vier große Kalbsmilchner läßt man in lauem Wasser ausziehen, daß sie völlig weiß werden, brüht sie ab und kocht sie in fetter Bouillon mit wenig Gewürz in etwa dreißig Minuten gar, um sie darauf erkalten zu lassen. Sie werden nun in dicke Stücke geschnitten. Eine weiße Mehlschwitze verkocht man mit der entfetteten und durchgeseihten Kalbsmilchbrühe, thut eine halbe Flasche Rheinwein, vier gehackte, gedünstete Champignons und einen Löffel Citronensaft dazu, kocht die Sauce sehr dick ein, streicht sie dann durch und zieht sie mit fünf Eigelb und wenig süßer Sahne ab. Die Kalbsmilchstücke werden nun in die Sauce getaucht, aus eineSchüssek gelegt, die übrige Sauce darüber gestrichen, daß sie völlig eingehüllt sind, worauf man sie in Semmel, dann in Ei, darauf nochmals in Semmel panicrt, in heißem Fett ausbäckt und mit gebackener Petersilie garnirt. Lammviertelala Salvandy. Man nimmt die Keule mit dem Nie renstück bis zu den Rippen, parirt das Bein um den Knochen, entfernt etwa überflüssiges Fett, klopft das Fleisch etwas und brät es im Ofen in einer guten Stunde in Butter unter fleißigem Begießen gar. Indeß bereitet man aus Savoyerkohl kleine farcirte Kohlrollen, kocht Bauchspeck, der schon früher angefetzt werden muß, weich, bohrt Karotten rund aus, kocht sie in Fleischbrühe und glacirt sie mit Butter und garnirt das tranchirte Lammviertel mit den Gemüsen und dem in kleine Scheibchen geschnittenen Bauchspeck. DenBratensaft verdickt man mit brauner Mehlschwitze, gibt eine große Mefserspitze Fleischeztract, ein Glas Madeira und einige zerschnittene Champignons daran und servirt diese Sauce nebenher. JtalienischeStörschei ben. Das Mittelstück eines Störs wird von der dicken Bauchhaut und den hornartigen Schildern befreit, gehäutet und mit Speckscheiben umwickelt und in halb Bouillon, halb leichtem Weißwein mit Petersilie, einem Lorbeerblatt und einigen Pfefferkörnern gekocht, bis er weich ist. worauf man den Speck ent fernt und das Fischstück bis zum Erkalten leicht preßt. Ist der Fisch kalt, so zerschneidet man das abgelöste Fleisch in Scheiben, ordnet sie dicht neben einander auf dem Fischgerippe, kocht nun die Fischbrühe mit brauner Mehlschwitze sämig, streicht die Sauce durch, gießt sie auf den Stör, den man in eine passende Bratpfanne gelegt hat, und glacirt ihn im Ofen mit der Sauce. Man garnirt den Fisch beim Anrichten mit blanchirten Oliven, kleinen, glacirten Zwiebeln, und gibt den nicht zum Glaciren nöthigen Rest der Sauce, d?r mit gewiegten Champignons und blanchirten, fernen Kräutern vermischt wird, nebenher. P u d d i n g a Ia !rot. Aus zehn Eidottern, einem Pint süßer Sahne, 7 Un,en Zucker und einer' halben Stange Vanille rührt man auf schwachem Feuer eine Creme, die man mit einer Unze geklärter, weißer Gelatine vermischt und nun durch ein Haartuch passirt. 3 Unzen Makronen und ebensovielBiskuitscheiben weickt man einige Minuten in Maraschino.stellt nun eine glatte Cylinderform in Eis. gibt einige Löffel Creme hinein, legt von dem eingeweichten Backwerk, sowie von gut abaetrovften, eingemachten, verschiedene Früchten darauf, läßt dies stocken, süch Creme nach, dann wieder Backwerk un. Früchte und wiederholt dies, bis dk Form gefüllt ist. Man läßt den Pud, ding zwei Stunden in Eis. stürzt ihn dann, füllt die Mitte mit steifen, Nahmschnee, der mit Vanillezucker ge würzt wurde, und garnirt um de Pudding einen Kranz eingemachtes Früchte. Ein höflicher Stalle k n e ch t. Nun, wie qeht es de Pferden. Johann?" Danke, gaVi Lnd Zhnzn, Herr Bc7.?" '
