Indiana Tribüne, Volume 20, Number 17, Indianapolis, Marion County, 4 October 1896 — Page 2
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Acr Hcntreman Humoreske von George Ettiol.
Es waren einmal einmal ist nicht immer zwei Herren; der eine war von ?other Gesichtsfarbe und schauderhaft kahlköpfig; der andere bleich und skandalös struppig. Der dicke Kahl' ' am eines Moigens zu dem : . .ren Blaßgesicht, verbeugte sich zu im Innern seines Hutes, als wollte er die dort arfgeklebten Anfangsbuchstaben seines Namens in Augenschein nehmen und sprach: Mein Herr, ich habe die Ewe, Sie zu begrüßen." Mein Herr", erwiderte da Struppige, den haarigen Schmal seines Kopfes schüttelnd, ich bin, wie man so sagt, entzückt Sie zu bemerken, doch trotz der Freude, die ich empfinde, Sie in blühender Gesundheit zuffehen, muß ich Ihnen gestehen, daß Sie mich aus trner großen Verlegenheit befreien würden, wenn Sie mir den Zweck Ihres Besuches auseinandersetzen wollten." Damit schob er ihm einen Stuhl hin Der Andere setzte sich, ließ als Einleitung den Stuhl in seinen Fugen erbiben und fuhr fort: Su haben jedenfalls schon von mir gehört?" Ich gestche Zhnen mit der größten Zerknirschung, daß der Ruf Ihres Namens und Ihrer Bedeutung noch nicht bis zu mir gedrungen ist. Wenn das Gerücht in fr Minute 340 Meter wie man behauptet durchläuft, so nehme ich also an, daß Sie mindestens in China wohnen." Durchaus nicht; ich wohne in der Hue de la Paix." Hübsche Gegend, mein Herr, sehr hübsche Gegend. Und was thun Sie, wenn die Frage nicht unbescheiden ist, in der Iiue de la Paix?" .Mein Herr, ich bin Schneider, und ohne mich zu rühmen, daß ich der erste Schneider von Paris bin. wage ich doch zu behaupten, daß ich kein gewöhnlicher Schneider bin! denn ich bin auch Ihr Schneider." Mein Herr, Sie sind sehr liebenswürdig, daß Sie mich aufgesucht haden; doch wahrhaftig, augenblicklich brauche ich gar nichts!" Sie irren, mein Herr! Wenn ich Sie aufgesucht habe, so geschah es, weil ich gerade etwas brauche. Mit einem Wort, mein Herr, ich komme um Geld. . ." Mein .Herr, erwiderte der Behaarte mit liebenswürdigem Lächeln, ich bin bereit, Ihnen mein letztes Hemd zu überlassen, sobald ich es von der Wä scherin zurückerhalte, doch ich habe nicht die geringste Summe zu meiner Verfügung. Sie sehen mich entsetzt, aber ich kann Ihnen diesen Monat nichts geben." Also immer noch dieselbe Geschichte?" Der Reflex der Liebenswürdigkeit, der das Gesicht des Haarigen bis zu diesem Augenblick verklärt hatte, verschwand Plötzlich He! diesen Worten und er fragte trocken: Was für eine Geschichte?" Ich sage ganz einfach: immer dieselbe Geschichte! Ich nehme an, Sie verstehen mich?" Nein, mein Herr, 'ich verstehe Sie durchaus riicht. Vielleicht mangelt es mir an Divinationsgabe, doch ich weiß ! nicht, von welcher Geschichte Sie spiechen, und eben so wenig kenne ich die übrigen Geschichten, auf die Sie anspielen." Verzeihung, mein Herr; ich spiele nicht an!" Sie thun es doch!" versetzte der Blasse; Sie thun es doch, mein Herr; ich bin ein Gentleman, und ich gestatte nicht, daß mir eine Schneiderseele in meiner eigenen Wohnuny auf den Fuß tritt nicht einmal mit Worten. Ich sage Ihnen, es ist mir in diesem Monat nicht möglich! das ist klar und deutlich; oder genügt Ihnen das Nicht?" Er machte zu diesen Worten eine äußerst strenge Miene, kreuzte die Arme, hob sich auf den Zehen und fragte: Oder zweifeln Sie etwa an meinem Worte? Glauben Sie vielleicht, ich werde Ihnen diese elende Summe nicht bezahlen?" bin durchaus nicht unruhig", erwiderte der rothbäckige Schneider mit schwacher Stimme, ich weiß. Sie sind ein Gentleman; doch ich muß Jhnen bemerken, daß Sie mich seit bald einem Jahr umsonst hierher laufen lassen. Jedes Mal wenn ich Ihnen meine Rechnung vorzeige, antworten Sie: Es ist mir in diesem Monat rein unmöglich, Ihnen etwas zu geben. Das geht nun schon seit neun Monaten." Als die blasse, struppige PersönlichZeit diese Worte gehört, schien sie sich etwas zu beruhigen und sagte: Mein Herr, an dem Tage, an dem ich Ihnen Geld versprechen werde, werde ick, Ihnen anch welches geben, denn ich bin ein rechtschaffener correcter Mann, ein Mann von Wort. Während dieser neun Monate, sagen Sie selbst, habe ich Ihnen erklärt, ich würde Ihnen nickts geben. Infolgedessen bin ich neun Monate meinem Versprechen treu geblieben. . . Oder habe ich mein Wort auch nur ein einziges Mal gebrochen?" Nein. . ." Nun also! worüber beklagen S sich dann?". Glaubwürdig. Pächters ö rau: Coarle und August, woas macht Ihr dennt uff dem Birnbäume? Wärd Ihr glei rundergiehn. Coarle: DärUugust hoat Euch wulle Birn'n stähle.' Pächters Frau: Nu, und Du? Coarle: Ich ha' s'en gewullt ausrato! ...
Verkommen. Teöisch.amerl!a:,'.sche Erzählunz von W. v. Schierbraud.
So, da wären wir," brummte der alte Baron Malten, indem ec sich der Zudringlichkeit einer Schaar von Gepäckträgern zu erwehren suchte, die ihn und seine zwei Begleiter bei der Landung in Hoboken überfallen hatten. Aber heiß ist's hier. Kinder. Donnerwetter, das glüht ja hier förmlich Währenddessen beschäftigte sich sein Schwiegersohn, Bernd von Drigalski, mit derErledigung derGepäckfrage, indem er sein bischen Englisch mit Todesverachtung radebrechte.trotzdem ihm der Bote der Ezpreß-Compagnie ein über das andere Mal versicherte, daß er sehr gut Deutsch verstehe. Die junge Frau stand passiv dabei ihr wurde von dem Läuten, dem schrillen Pfeifen der Dampfer und dem Rasseln der Gepäckwagen auf dem harten Holzboden des Landungsschuppens ganz wirr zu Muthe. Sie wollten alle Drei noch denselben Abend weiter sahren nach dem Westen. Endlich war Alles geordnet, und nur mit je einer Handtasche beschwert nahmen die Drei ein Cab. das sie nach New Fort fahren sollte um dort etwas der Sehenswürdigkeiten der Stadt in Augenschein zu nehmen. Das war ein theures Vergnügen, wie sich die Drei bald überzeugten, und dabei bot dem verwöhnten Auge der Europäer das Stßengewirr New Forks nur wenig, daß sie reizte. In einem Restaurant an Broadway hielten sie nnd nahmen einen kleinen Imbiß ein, und dann ging's nach dem Central Depot an der 42. Straße, wo sie gerade noch fünf Minuten vor Abfahrt des ExPreßzuges eintrafen. Auch die lange Fahrt nach Chicago bot den Reisenden nichts Besonderes. Es herrschte eine drückende Hitze im Zug. und trotz der sausenden Schnelligkeit, mit der sie die Luft durchschnitten, strömte es herein wie aus einem Backofen. Die schöne Scenerie im westlichen New Fork, am Niagara und in Canada passirten sie wahrend der Nacht, als sie vergeblich sich mühten. Schlaf zu finden da drinnen in der dumpfen Luft des Pullman-Wagens, und am Morgen schon hatte die Landschaft den Character der flachen, uninteressanten Prairie angenommen, und so blieb's auch bis zur Ankunft in der brausenden Metropole des Westens. Hier quartierten sie sich in einemHotel zweiten Ranges ein, und dann machte sich der alte Baron auf die Beine, um seine Empfehlungsbriefe abzugeben. Diese drei Neueingewanderten, das sah man auf den ersten Blick, gehörten nicht zu dem Gros derEmigranten, die die alte Welt jährlich an den Gestaden der neuen Welt absetzt. Daß sie aber drüben Schiffbruch gelitten hatten, das war ebenfalls nicht zu verkennen. Ihre Geschichte bot trotzdem eigentlich nichts Ungewöhnliches. Der alte Baron Malten war Rittergutsbesitzer gewesen. Eine Reihe von Jahren hindurch hatte er sich famos amüsirt. Das fiel noch in die Kinderzeit Jsolde'I. seiner Tochter, die sich auf den Papa erinnerte, wie er, stramm und mit gewichstem Schnurrbart. wie es einem ehemaligen Cavallerieossicier zukommt, bei den Wettrennen in Stralsund. Stettin und Dobberan unter den kühnsten Habitus der Rennplätze einer der Ersten war, wie er nach gelungener Wette einen Korb Veuve Cliquot nach dem andren den Freunden und Nachbarn credenzte. und wie er bei den Wettrennen besonders stolz auf die Farben seiner Jockeys die Maltens trugen stets weiß-und-blau, ihre Wappenfärben gewesen. Ja, es war eine lustige, tolle, schöne Zeit gewesen, damals, als sich aus dem mageren, kleinen Mädchen, der goldblonden Isolde, allmälig ein elegantes Fräulein entwickelte. Dann kam der plötzliche Tod ihrer Mutter, der alten Baronin, und bei Ordnung deö Nachlasses stellte sich's heraus, daß die Mitgift der Verstorbenen, aus welcher einst Jsoldens Morgengabe bestehen sollte, bis auf den letzten Heller verjubelt worden war. Es kam damals zu einer heftigen, stürmischen Scene zwischen dem alten Baron und Herrn von Below, dem Bruder der Verstorbenen, die damit endete, daß Letzterer sich feierlich lossagte von seinem Schwager. Dann war's schnell bergab gegangen mit der Familie, und ein knappes Jahr später mußten Vater und Tochter das schöne Rittergut verlassen und nach . der Großstadt, nach Berlin, ziehen. Aber selbst dorthin folgte dem alten Baron der Fluch seiner Thaten,, denn nur mit äußerster Mühe, mit dem Opfer mehrerer Tausende, die von den vornehmen Sippen dem Wucherer als Schweigegeld gezahlt werden mußten, gelang es, den alten Baron der öffentlichen Schande und dem Strafrichter zu entreißen. Denn leider hatte es sich herausgestellt, daß derselbe in seiner Verblendung sich, um Gelder für den Spieltisch flüssig zu machen, der Fälschung schuldig gemacht hatte. Es war ein völliger Bankerott bs! ihm finanziell und moralisch. '.'in Wunder nur, daß Isolde in diesem Sumpf, in dieser verpesteten Atmosphäre, die sie seit Kindesbeinen an geathmet, sich so rein, so schön, so unberührt von allem Gemeinen und Schlechten hatte entwickeln können. Und sonderbar! das Mädchen liebte und vergötterte ihren alten Vater, an dessen Vergehen sie nicht glaubte, trotz alledem. Und als sie Bernd von Drigalski, den flotten Gardelieutenant, kennen und lieben lernte, da war es stets ihre größte Sorge, ob Papa auch wohl einwilligen werde zu ihrer geplanten Verbindung. Der alte Baron aber nahm Bnno unter seine Fittige,
und daß sei Lehren, und seine Beispiele die üblichen Früchte trugen, das ging am besten daraus hervor, daß Bernd ein Jahr später vor den Szielschulden und den Wucherern capituli ren und seinen Abschied und einen schlichten Abschied" nehmen mußte. Ja. das ..Jeu", daö Jeu". Und nun waren die Zwei, Isolde und Bernd, doch ein Paar geworden. Der Onkel Below hatte allerdings offerirt. als letztes Opfer, was er für die Familie bringen wollte. Isolde zu sich zu nehmen und für eine standesgemäße" Hrnath zu sorgen. Aber sowohl Isolde wie der alte Baron hatten dies Anerbieten ohne lange Ueberleyung ausgeschlagen. Und 14 Tage später war die Hochzeit gewesen. Es war eigentlich eine merkwürdige Ehe, diese zwischen Isolde und Bernd von Drigalski. aber wahr blieb's doch, daß sich die Beiden innig liebten und vorzogen, gemeinsam die Armuth kennen zu lernen. Natürlich aber ging's nicht mit ihnen in Berlin keine Beschäftigung, die nur halbwegs die Drei, und wenn sie chre Gewohnheiten vergaßen und sich sehr einschränkten, ernährt hätte. Und so wurde denn eines Tages, etwa 8 Wochen nach der Hochzeit, gemeinsam der Beschluß gefaßt, auszuwandern nach 'Amerika, dorthin wo's fchon Manchen geglückt ist", wie der jüngere Mann sagte. - . . Merkwürdig, diese Idee der oberen Zehntausend ' in Europa, diese unausrottbare Idee, Amerika als eine Art Besserungsanstalt, als einen Zufluchtshafen anzusehen, wo die Sproßlinge des Adels und anderer bevorzugter Gesellschaftsklassen, nachdem sie ihr Geld, ihren guten Namen, ihr Mark und ihre Energie eingebüßt, wieder zu etwas kommen können. Merkwürdig ist diese Idee, denn die tausendfache Erfahrung hat sie widerlegt. Niemand ist so nutzlos in Amerika, hat so wenig Aussicht, weiter in die Höhe zu kommen, wie gerade die rwähnte Sorte von Menschen. Das junge, rauhe Land und Volk auf dem westlichen Continent braucht ganze Männer, die noch ein volles Maß5craft und Energie einsetzen können im Kampfe des Lebens, nicht Schwächlinge, die ihr Bestes schon drüben in Europa gelassen haben. Solche Gedanken mußten Wohl Bernd von Drigalski imKopfe herumgehen, als er am 4. Tage nach ihrer Ankunft in Chicago muthlos allein im Zimmer des Hotels saß und über sein Loos und das der andern Beiden nachdachte. Denn bis dahin waren alle ihre vereinten Anstrengungen gescheitert. Die Briefe, die dem alten Baron für einige ehemalige Berliner, die in Chicago zu Wohlstand und Ansehen gelangt wareil, übergeben worden waren, hatten vermuthlich nicht den geringsten Erfolg erzielt. Was er eigentlich erwartete, welche Art von Beschäftigung er für sich, der kein Wort Englisch sprach und nie im Leden eine nützliche Thätigkeit getrieben hatte, in Anspruch genommen hätte, das wußte er wohl selbst nicht. Je-' denfalls hätte es etwas sein müssen, das gentil". gutbezahlt und nicht anstrengend gewesen wäre, und solche Posten schienen für den alten Herrn Baron in Chicago nicht vorhanden zu sein. Er gab seiner Verwunderung darüber seiner Tochter und Schwiegersohn gegenüber rückhaltlosen Ausdruck, und diese entrüsteten sich auch nicht wenig über die Hartherzigkeit der Leute in Amerika. So setzte denn der alte Baron seine Versuche, Arbeit zu sinden, dem Scheine nach wenigstens, fort, wobei ihn sein würdevolles Wefen, seine Portwein-Gesichts färbe und seine sorgfältige Toilette doch mehrmals noch gute Dienste leisteten, denn es gelang ihn aber immer nur auf einige Tage eine Anstellung in Bureaus zu zu erhalten, das eine Mal sogar in einer großen Lebensversiche-rungs-Gesellschaft. Aber dann kam er regelmäßig wenige Tage später nach Hause, setzte sich schnaufend und pustend hin und schimpfte über die Filzigkeit der Amerikaner, womit er nämlich regelmäßig meinte, daß ihm entweder ein größerer Vorschuß verweigert oder ein Pump mißlungen war. Eines Tages kam er gar mchi nach dem Hotel zurück. Er hatte einen Anfall von Schlagfluß auf offener Straße gehabt und war auf dem Transport in's Hospital verschieden. Seine sterbliche Hülle wurde erst 48 Stunden später von Bernd und Isolde in der Morgue identificirt. Dieses traurige Ereigniß machte auf beide, vor Allem aber auf die Tochter, einen viel tieferen und nachhaltigeren Eindruck, als man hätte annehmen follen. Isolde trauerte um den Vater mit so rührender, pietätvoller Liebe, als ob er ein wahres Muster von Tugenden gewesen Ware, und auch Bernd ging die Sache sehr nahe, denn der Alte, der bei all seinen Fehlern ein äußerst liebenswürdiger und aufheiternder Gesellschafter gewefen war. fehlte ihm auf Schritt und Tritt. Einer jener Fäden, die im Herzen die Verbindung mit der Heimath und der Vergangenheit vermitteln, war jekt zerrissen und der Schmerz darüber vibrirte in seiner Seele. Mittlerweile ging's bergab mit der kleinen Summe ihre Letzten die sie noch mit nach Chicago gebracht batten. Das Begräbniß des alten Barons hatte den größten Tbeil derselben verschlungen, und obwohl auch das junae Paar jetzt nur eine möblirte Stube auf der billigeren Westseite qemiethet hatte und sich in ibren Mahlzeiten an das Woblfeilste hielt, schrumpfte doch das kleine Capital täglich zusehends zusammen, und noch immer hatte sich keine Beschäftigung gefunden. Aber eines Abends kehrte Isolde zurück von der Stadt mit strahlendem Gesicht. Sie hatte eine Anstellung, gefunden. Zwar sträubte.
sich ihr Stolz dagegen, ihre persönlichen Reize auf diese Weise zur Schau zu tragen denn sie war als Modell" in einem großen Schnittwaarengeschäfte der State Str. enagirt aber das Salär genügte zur Noth, um und ihren Mann zu ernähren. Und eine Woche später hatte auch der eine Stelle gefunden, als Ucbersetzer in einer gcoßen Verlagsbuchhandlung, wo ihm seine Kenn:nisse des Französischen und Deutschen sehr zu statten kam. So schien dtnn, wenn sie sich nicht noch so verlassen und unglücklich gefühlt hätten infolge des Todes des alten Barons, ihrSchicksal sich freundlicher zu gestalten. Leider blieb es nicht lange so. Die schöne, junge Frau,, deren üppige Gliederfülle und ungewöhnliche Pracht des goldenen Haarwuchses sie vom ersten Tag an im Geschäfte den Nachstellungen Vieler ausgesetzt hatte, konnte es auf die Dauer nicht mit ttjrem Gefühl von weiblicher Würde vereinbaren, ihre Stellung auszufüllen und, nachdem sie eines Abends schnöde beleidigt worden war, kehrte sie nicht mehr nach dem Geschäftspalast zurück. Dann kam eine Zeit, wo sie sich ganz zurückziehen mußte, und als nach schwerer Leidcnszeit ihr ein Knabe geboren war, da kehrte am sel ben Abend Bernd, ihr Gatte, zurück mit der Kunde, daß keine Arbeit mehr für ihn vorhanden sei. Wochen vergingen. Die junge F?au lag immer noch schwach und krank daheim, nnd Bernd hatte sich vergebens bemüht, eine neue Stellung zu finden. Es war gerade eine böse Zeit, eine Geschaftsstockung eingetreten, und überall, wohin er sich wandte, antwortete man auf seine Anfrage um Beschäftigung, die er in fchwerfälligem, holprigem Englisch vorbrachte, mit Achselzucken. Eins nach dem andern wanderte in dieser Zeit nach dem Pfandladen, alle die hübschen Kleider und Schmucksachen der jungen Frau, damit nur Brod und Fleisch in's Haus komme und die Miethe für das Zimmer gedeckt werde. Und so, unter folch' entmuthigenden Umstanden, sank die Gesundheit des jungen Weibes mehr und mehr, und eines Abends, mit dem Kinde an der kalten Brust, schlummerte sie ein auf ewig. Am nächsten Morgen, als die Zimmervermietherin, eine gutmüthige Jrländerin. die Stube betreten wollte, fand sie diese verschlossen von innen. Auf ihr Klopfen keine Antwort. Schließlich mußte der Schlosser geholt werden, der die Thür fprengte. Am Kopfende des Bettes, erstickt von Kohlengas, lag Bernd von Drigalski. Aber auf seinen Zügen glänzte noch ein Lächeln der Zufriedenheit, und seine Augen waren der jungm Frau zugekehrt', die dort in ihren weißen Kissen so friedlich träumte.
Heuseksfontein. TranSvaal'Gcschichte von Knut Fleming. Eine Vor 25 Jahren stand draußen vor der Kapstadt ein Wirthshaus, in dem Buren und englische Squatters, die vom Innern zum Markttage zogen, sich die ersten städtischen Genüsse leisteten. Jeder ließ dort seinen Zoll zurück, aber keiner lobte den Schnaps, wenn er das Haus verließ, hatte auch keinen Grund dazu. Trotzdem widerstand weder Afrikaner noch Brite der Versuchung, wenn er zum ersten Male wieder die Stadt erblickte. . Dort, wo das morsche Blockhaus stand, erhebt sich heute ein stolzer Palast mit Park. Lawn-Tennis-Plätzen und prächtigen Ställen, der Sitz des Mynheer Jan van Dyk. Er hat sich noch nicht recht an daö fürstliche Leben gewöhnt; das wird sich aber fchon geben Zeit hat er, nach menschlichem Ermessen, zum - Angewöhnen, denn er ist erst 30 Jahre alt. Aber oft genug faßt er stch an die Stirn und fragt sich, wie das Alles möglich sei. Ich glaube, er würde noch mehr erstaunen, wenn er wüßte, wie eng der Grund und Boden mit seinem Geschick verknüpft ist. Und das verhält sich folgendermaßen: ES war also vor 25 Jahren, da ritt ein Wanderer auf jenes Wirthshaus zu. Mynheer van Leyden. der gastliche Wirth, trat vor der Thür und wollte ihn mit jovialem Gruß zum Trunke bitten, da schwankte der Fremde im Sattel und fiel in die Arme des Wirthes. Cacpar van Leyden war durch und durch ein Schuft, der dem Fremden den letzten Cent abgenommen hätte, aber die Gastfreundschaft hielt er auch dann in Ehren, wmn nicht viel dabei herausschaute, kan: auch dabei nicht zu kurz, denn er galt als guter Kerl sogar bei Denen, die seinen Whisky verwünschten. Der Fremde sah allerdings nicht sehr gewinnverheißend aus; abgerissen und halbverhungert lag er auf dem Bette, unverständliche Worte im Fieberwahne murmelnd. Seine Effekten hatte Caspar bald abgeschätzt: für den Gaul gab kein Vur einen Nickel, und sonst war nichts da. ausgenommen eine schäbige Ledertasche mit Steinen. - Nach drei Tagen starb der Fremde und wurde im Kirchhof der Namenlosen begraben. Jahre lang noch harrten fern in Eurora die Lieben eines jnngen deutschen Gelehrten auf dessen Rückkehr aus Südafrika, wohin er auf eine geologische Expedition gezogen war. Casper betrachtete den Vorfall als ein schlechtes Geschäft und nahm sich vor, den Nächsten um so gründlicher zu rupfen. Den Gaul verkaufte er darum um theueres Geld an einen Zungen Engländer, der von Pferden ,:ichis v:rstand. Die Led:r'asche wollte er eben wegwerfen, als er ein Knistern darin verspürte. Bei näherem Nachsehen fanden sich in einer versteckten
Tasche Karten, die der alte Fuchs von seiner californische.n Goldgräberzeit he? als geologische erkannte. Jetzt wurde er doch aufmerksamer und untersuchte die Steine genauer, wusch Koth und Staab von ihnen ab und hielt sie an's Licht. Und fca erbebte der starke Mann, daß er sich an die Wand lehnen mußte, um nicht zu fallen; kalter Schweiß trat ihm auf die Stirn, und die Augen, schier aus ihren Höhlen springend, hefteten sich starr auf den Stein, den d beiden Hände krampfhaft faßten. Einen Moment dauerte der Anfall, dann heulte der Wirth vor Freude auf und küßte den Stein und die Tasche und die Karten mit heißer Inbrunst. Es war schwer goldhaltiges Gestein! Keiner wußte, weshalb Casper van Leyden binnen Wochenfeist Haus und Hof um einen Schleuderpreis hingegeben hatte und spurlos verschwunden war. In Ermangelung weiterer Kunde nahm man an, er habe neuerdings Grund, der Justiz auszuweichen; so ganz absonderlich war das nicht, denn man hatte schon längst sich Merkwürdiges über sein Vorleben in Californien
zugeflüstert. Aber man war diesmal ,m Irrthum. Zwei Monate später traf ein neuer Ansiedler im Witwatersrand ein, der sich Piet Falk nannte aber dem verschwundenen Caspar van Leyden zum Verwechseln ähnlich sah nun, wir haben ja keine Gebelmmsse. Piet und i Caspar waren dieselben. Damals weideten Rinder, wo heute Theater und Banken stehen und elektrische Straßenbahnen laufen. So blieb denn Caspar oder Piet um so mehr unbeachtet, als er sich die schlechteste Farm aussuchte, die weit und breit m Rand" zu fin den war- Teufelsfonteia hieß feine Besitzung, so genannt, weil dort der Böse nichts gedeihen ließ. Piet hatte Mühe, einige Kaffern anzuwerben, um ihm die Wirthschaft zu besorgen, denn der Ort war verrufen. Seme BretterHütte wurde selbst von den Buren gemieden. War ihm übrigens ganz recht. In einer abgelegenen Bergschlucht trieb er sich mit Pickel und Spaten umher. Er hatte den Stollen gefunden. den der Fremde mit dem letzten Reste semer Lebenskrast gegraben, um dann einsam zu sterben, wie er den Lohn der Arbeit und Kühnheit einzuheimsen ae dachte. Piet verfolgte den Erzgang über den ganzen Bergrucken und wußte bald, daß er in der Tiefe sich reicher und reicher fortsetzte, wo er von der Oberfläche zurücktrat. Unermeßliche Reichthümer that sich vor seinem Auge auf. und wer weiß, was aus dem alten Abenteurer noch geworden wäre, wenn nicht eines Tages eine Pulvermme im Stollen sich vorzeitig entladen hätte. An die zwei Tonnen Gestein, fielen auf Piet herab und brachten seine Expedition zu bündigem Abschluß. Seine Gesinde verlief sich, als er nicht mehr zurückkehrte, und im ganzen Rande hieß es, der Teufel habe ihn geholt. Teufelsfontein wurde von Niemandem mehr betreten, und so rauschten zwei Jahrzehnte dahin, bis es einen Käufer fand. Johannesburg wurde aus einem Dorfe zur Stadt, die, wie von der Hand eines Zauberes gebaut, mit Blitzesschnelle wuchs. Gold war gefunden worden, und mächtige Pochwerke hatten die friedlichen Heerden verscheucht. An der Stelle von Blockhütten erhoben sich Paläste mit corinthischen Säulen, und wo insamer Gencver ein kostbares Labsal geWesen, floß nun der französische Sekt in Spiegelsälen. Schaarenweise strömten sie ein in das neue Goldland, unerhörte Reichthümer zu finden; die ganze Welt hatte ihr Auge auf den kleinen Fleck geheftet. In Teufelsfon'tein war noch nichts von dem neuen Treiben zu merken, und Jan von Dyk, der junge Bur, rauchte im Frieden seine Pfeife. Ihm war nicht eingefallen, sich an der Jagd nach Gold zu betheiligen nun, weil es ihm eben nicht eingefallen war. So trieb er seineRinder aus und jagte ohne Sorgen und ohne zu wissen, daß er Nerven hatte, während dreißig englische Meilen von seiner Hütte entfernt die Telegraphen Tag und Nacht hindurch arbeiteten. Da kam eines Abends jener Sturm über den Rand", den man so bald nichtvergessen wird Jan van Dyk gewiß nicht. Er war auf der Jagd gewesen und kam durch eine .Bergschlucht hinunter, die er selten betreten hatte, nicht weil er den Teufel fürchtete, der nach der Aussage jedes braven Buren dort hauste, sondern weil die Schlicht von seinen Wegen ablag. Da schlug ihm der Sturmwind in's Gelicht, heiße, dicke Regentropfen peitschten ihn, und mit gräßlichem Schmcttern fuhren die Blitze herab. Jan suchte unter einer Akazie Schutz, aber das half nichts, und fo kroch er an die Wand der Schlucht hinan, in derHoffnung, sich unter einem Felsblock bergen zu können. Wie es das Geschick wollte, stieß er auf einen klaffenden Gang, der sich in die Bergwand hineinzog,und hier hinein kroch er, um, vom Sturme geschützt, des Tobens Ende abzuwarten. Wenige Minuten nur hatte er da gesessen, als mit lautem Donnergeroll wieder ein Blitz die Umgebung blaßblau'erleuchtete. Jetzt traf ein Anblick sein Auge, der ihm einen lauten Schrei auspreßte. Hart neben ihm. so daß er ihn mit der Hand berühren konnte, lag ein menschlicher Schädel und grinste ihn beim erneuten BliZesleuchten an. Jan hatte seinen eigenen Schrei gehört und stutzte, um dann in ein lautes Gelächter zuszubrechen. Er fürchtete, wie gesagt, ven Teufel nicht und hatte schon manchen Todten gesehen. Immerhin wurde er wieder etwas nachdenklich, als er sich überlegte, wie lvohl 'der Mann in dem seltsamen
Gange zu Tode gekommen. Als sich (
der Sturm verzogen hatte, bedeckte er pietätvoll den Schädel mit dem Geröll,, das umherlag.und steckte, wie zum An; denken, einen Stein in die Tasche. Er dachte sich nichts Bestimmtes dabei und hat sich in späteren Jahren vergeblich gefragt, wozu er eigentlich den kleinen Block mitnahm. Er hatte wohl etwas wie ein Gefühl, daß er dem Todten einen Grabstein widme. Als er seine Hütte betrat, fand er einen Fremden, der vor dem Unwetter hineingeflüchtet war. Der Mann war für Wind undWetter ausgerüstet, aber europäisch gekleidet, und trug einen Stahlpickel und gelehrt aussehende" Jnstrumententaschcn. Jan lud ihn ein, mit ihm das kräftig einfache Abendessen einzunehmen. Außer der Thatsache, daß er Engländer sei, verrieth der Fremde nichts über seine Ziele und Zwecke, so daß man in Ermangelung anderer Beziehungspunkte auf das Wetter zurückkam. Jan erzählte sein Abenteuer und zeigte den Stein. Der Fremde horchte beim ersten Worte auf und verschlang die Erzählung Jans. Als dieser sich auf kurze Zeit entfernte und wieder hereintrat, fah er, wie der Fremde mit zitternder Hand den Stein unter einem Vergrößerungsglas betrachtete, um dann mit dem Messer daran zu schaben. Wenn Jan den alten Caspar vor einem Vierteljahrhundert gesehen hätte, wie er die Erzmuster des armen Todten untersuchte, so hätte ihm die verzweifelte jlehnlichkeit zwischen dem Gebühren der Beiden ausfallen müssen. Das Goldfieber ist überall gleich. Aber Jan dachte blos: Wieder Einer, der an den Teufel glaubt!" Mitten in der Nacht erweckte ihn der Hufschlag eines Pferdes. Jan sprang auf der Fremde war verschwunden und mit ihm der Stein. Der Hall verklang allmälig, und zwar, wie Jan gewahr wurde, in der Richtung auf die verschwundene Schlucht zu. Er schüttelte den Kopf und wollte sich wieder hinlegen, nachdem er gesehen, daß sonst Alles Ordnung sei, als sein Blick auf ein Büchlein fiel, das der Fremde in der Eile hatte fallen lassen. Jan hob es auf und fuchte den Titel zu entziffern; es war ein englisches Taschenbuch für Goldprobirer. Der junge Vur konnte kein Englisch lesen, aber das Wort Gold" verstand er gut genug und wie Schuppen fiel es ihm von den Augen. In einem Moment hatte er Jahre an Fmanzweisheit gewonnen. die Bedeutung des Stollen, und das Interesse des Engländers an der Teufelsschlucht blitzartig durchschaut. Er verweilte Nicht lange dabei, sich einen Esel zu nennen, weil ihm nicht früher Erleuchtung gekommen, sondern sattelte den Gaul und ritt fo rasch nach Johannesburg, als die Finsterniß erlaubte, um seine Entdeckung amtlich eintragen und dasFinderrecht sich wahren zu lassen. Als der Engländer 24 Stunden später auf dem Bergamte erschien, mit einem vorläufigen Plane bewaffnet, fand er sich überholt und die Bergrechte von Jan van Dyk gewahrt. Dies ist die Geschichte der Entdeckung der großen Teufelsfonteinmine, der drittgrößten des Randes, wie jeder Börsenmann weiß. Jan war klüger als Andere und zog vor, ein glänzenzendes Angebot abzuwarten, statt für wenig Baargeld seine Claims zu verschleudern. Lange hatte er nicht zu warten. Er zog nach der Kapstadt, wo er das Grundstück kaufte, auf dem der Inhaber des geheimnißvollen Schädels gehaust hatte. Das ist ein merkwürdiger Zufall, aber Jan weiß Nichts davon und braucht sich darum auch nicht den Kopf darüber zu zerbrechen. TheorieundPraxis. Hausfrau: Ich war gestern Abend im Theater; es war ein schrecklich trauriges Stück; es handelte sich um einen Mann, der keine Arbeit bekam und dessen Familie vor Hunger starb; ich konnte die Thränen nicht zurückhalten! Dienstmädchen (in's Zimmer tretend): Madame, draußen ist eine arme Frau, die gern eine kleine Gabe haben möchte; sie sagt, ihre Kinder hätten seit zwei Tagen nichts gegessen! Hausfrau: Sagen Sie ihr, sie foll machen, daß sie fortkommt; wir geben Bettlern nie was! Ja, wie gesagt, meine Damen, es war ein sehr trauriges Stück; mein Mann sagte, ich sollte mir so etwas garnicht ansehen, ich hätte ein viel zu empfindsames Herz. Naiv. Gräfin (die ihren Diener. so oft sie ihm einen Befehl ertheilt, auf dem Stuhle nickend findet, entrüstet): Ich kann gar nicht begreifen. Johann, daß Sie fortwährend schlafen können?! Johann: Dös is aber doch leicht zu begreifen. Da fetzt ma' sich einfach hin, denkt an nix. macht d' Augen zu und eing'schlafen is ma'! Schön gesagt. A.: Wohin werden Sie reisen?" B.: Ich weiß noch nicht! Meine Frau kapricirt sich auf Kapri. meine Tochter piesackt mich mit Pisa und ich brenne auf'n Brenner!" Schlechtes Renommee. Erster Gauner: Du Karl wct meenste zu dem Rechtsanwalt Müsser?" Zweiter Gauner: Mit dem is nischt .... der hat mich schon 'mal zu drei Jahren Zuchthaus vertheidigt!" DurchdicFolter. Bankier (zu seiner Frau): Du, heut' lassen wir unsere Laura für ihren Bräutigam etwas kochen, und wenn er kommt, muß sie ihm auch etwas singen; bleibt er ihr dann treu, so liebt er sie wirklich!" Pflastertreter. Wer ist doch nur der auffallend gekleidete Mensch da drüben, den mw zu jeder Tageszeit hier bummeln sieht?" Was den kennst Du nicht?! Das ist em Millionärssohn einer unserer bedeutendsten Trottoiristcn!"
Wer der Iran.
Von H. Quaöt. Wohl in keiner anderen Sprache ha: es seit den ältesten Zci;e;r so viele sinnige und ehrende V:zeichnungen für das weibliche Gejchlcch: gegeben, wie in der deutschen. In den frühesten Denkmälern unscrer Sprache finden wir noch keinen Ausdruck, der an die später; Bezeichnung Frau" erinnert. Für die weiblichen Wesen im allgemeinen fmden wir in den ältesten Werken, die bis in das vierte Jahrhundert hinaufreichen, nur das Wort quino" vor. welches sich noch bis auf die heutige Zeit bei den Engländern, Dänen und?kandinaviern, nur mit einer geringen Veränderung der Laute, erhalten hat. Das englische Wort Qurcn" Königin" ist sicherlich kein anderes, als jenes altdeutsche quino," Erst um das achte Jahrhundert tau- -chen bei den hochdeutschen Stämmen die Worte wib" und frowa" auf. Letzteres wurde nur im edlen Sinne gebraucht und bedeutete Gebieterin. Bald erlangte das Wort frcwa eine immer weitere Verbreitung und wurde auch von den Niedersachsen angenommen. Diese veränderten mit der Zeit die Form frowa in frua und gebrauchten das Wort hauptsächlich als BeZeichnung der Jungfrau Maria, die sie unsera fru," unfere liebe Frau, nannten. Von den Niedersachsen ging das Wort fru in das Holländische über, wo es noch heute das höchste Anschen genießt, und sogar als Titel und Anrede in min fru" ganz gleich bedeutend dem französischen Madame" gebraucht wird. Aus dem Worte fru wurde dann später heimfrawa" gebildet, woraus mit der Zeit husfrawa" geworden ist. Etwas jünger ist die Bildung derWorte jungfru" und fröwlin"(Fraulein); diese Bezeichnungen wurden nur dcn TLcktern aus adligen Häusern txZzelegt. Für Jungfrau im heutigen Sinne gebrauchte man magad" d. h. die Erstarkte, woraus Mädchen, Maid u-d das heute nur ein dienendes Verhältniß bezeichnende Wort Magd entstanden sind. In der poesiereichen Zeit des Mittelalters als Ritterthum und Minnegesang blühten, und dr FrauenH;nst zu einem wahren Frauencultus erhoben wurde, ward die Bezeichnung Frau", welche man vordem nur den höheren Ständen beigelegt, auch auf die niederen Ständen Übertrag. Aber auch das Wort Weib" gelangte amals zu größerer Geltung und fast zu derselben Bedeutung wie Frau, sodaß sogar ein Streit unter den Dichtern darüber entstand, welchem von beiden Wörtern der Vorzug zu geben, welches der Ehre und Würde des weiblichen Geschlechts am angemessensten sei. Ekst eine sehr viel spätere Zeit hat den Ausdruck Weib auf jene niedere Stufe gestellt, wo wir es heute zu finden gewohnt sind, trotzdem aber nicht bewirken können, daß es aus derSpra, che der Poesie und des Herzens verbannt wurde. Auch die Bezeichnungen Hausehre oder Hauszier" und Frauenzimmer" sind t deutsche Worte. Die beiden ersten, neben welchen im sechszehnten Jahrhundert auch eine Zeit lang das lateinische Wort Dornina" d. h. Herrin. Gebieterin, zur Bezeichnung de? Hausfrau gebraucht wurde, sind bereits im siebzehnten Jahrhundert aus der Umgangssprache wieder verschwunden. aber sie liefern uns doch einenBeweis, in wie hohem Ansehen bei unseren Altvordern die Gattin und Mutter standen, daß sie sogar in derAnrede als des Dauses Ehre und Zier bezeichnet wurde. Das Wort Frauenzimmer" erscheint zuerst im fünfzehnten Jahrhundert, jedoch anfänglich nur als ein neuerer Ausdruck für Kemnate," d. h. als Bezeichnung der in Ritterschlösscrn ausschließlich den Frauen bestimmten Zimmer. Erst viel später wurde dieser Ausdruck für Personen weiblichen Geslechts überbaupt aebräuchlich. Das ' Wort bezeichnet mithin Bestimmung der Frau für das Haus und ist also , vollkommen ehrenhaft; dennoch, und obwohl selbst unsere großen Geister, wie Göthe und Lessing. sich semer noch oft bedient haben, ist es in Mißkredit gekommen und darf heute nur noch in wenigen Geaenden unseres deutschen Vaterlandes, ohne Anstoß und Aerge: . zu erregen, gebraucht werden. In dcn Zeiten des dreißiqjähriaen Krieges, als viele fremde Kriegsvölker Deutschland überfluthcten. tauchte zum ersten Male das Wort Dame" auf. aber es wurde anfänglich nur im verächtlichen Sinne gebraucht. Der Einfluß des französischen , Hofes unter . Ludwig des Vierzehnten, durch den die franZösische Sprache und die französischen Sitten bei allen übrigen Staaten Europas schnell Eingang fanden. -verschaffte auch dcn französischen Ve-' Zeichnungen eine überwiegende Herrschaft. Die Frauenzimmer mußten, de? Damen, die Frau der Madame, Fräulein und Jungfrau der Mademoiselle ' und Demois-ll: w::ch:n. Die vornchme. re Gesellschaft lcate aber bald : r : diese fremden Wörter ab. und ' , - ,, ten Bezeichnungen s?rau ud n . traten wieder in ihre früber U y ein. So ist denn nur noch dc . tt' Dame" übrig geblieben und r . gehegt als Collectlvname. ol :s ein eigentliches Bürgerrecht i ; h.land nie erlangt hat. und s . 'rbannt war aus der Sprachs ,' ',,er Dichter, wie von der Kanzel , .uä : dem Gerichtsstil. . Können wir auch dem : " gerichteten Wort Frauenzin : ' richi wieder Eingang verschaffen oas Wort Frau" doch keineswe - ursprüngliche Bedeutung nv.': sondern kann sehr gut im allge : :y '. t 3 in ne für Verheirathete und ' ' ;r :ira tltiz argewenkt werden.
