Indiana Tribüne, Volume 20, Number 3, Indianapolis, Marion County, 20 September 1896 — Page 7
Die Brasilianerin. Plauderei ron Fulano de Cal. Brasilien ist vielleicht das sonderbarste Stückchen Erde, und wenn ein Europäer jahrelang i diesem mit allen Reizen derNatur verschwenderisch ausgestatteten Lande gelebt hat, so hat er zum mindesten gelernt, sich über nichts mehr zu wundern. Brasilien ist schon häufig genug der Veqmstand eingehender Schilderungen geworden; alljährlich erscheinen Reiende, Naturforscher.Sammler.Schriftsteller, wohl auch einfache Touristen, um die hiesigen Verhältnisse zu studiicn. Leider aber gelingt ihnen dies nur zum Theil; denn das brasilianisch Eiscnbahnnetz ist von sehr geringer Ausdehnung, und Reisen im Innern des Landes sind von außergewöhnlicher Beschwerlichkeit, so daß die Thätigkeit dieser Herren fast nur auf den Küstensirich sich beschränkt. Ueberdies kann man Land und Leute ohne genügende Kenntniß der portugiesischen Sprache nicht kennen lernen. Beobachten wir die Brasilianerin zunächst einmal, in ihrer Stellung als Frau vom Hause. Herr Julio Francisco da Silva, von seinen Freunden kurzweg Chico Silva genannt, ein Zollbeamter, hat uns bereits so oft und so liebenswürdig zu einem Besuch in seinem Hause eingeladen und uns treuherzig versichert, daß Dona Emilia, seine Gattin, sich ganz außerordentlich nach der Ehre unserer Bekanntschaft sehnt, so daß wir. so großer Liebenswürdigkeit gegenüber, nicht umhin können, der Einladung Folge zu leisten. Das Haus.- das Herr Chico Silva mit seiner Familie bewohnt, steht mit seiner schmalen Seite an der Straße. Wir öffnen die niedrige Halbthür, die nur mit einem hölzernen Riegel verschlössen ist. und treten in den sehr Ueinen Hausflur, wo wir der Landessitte gemäß laut und vernehmlich in die Hände zu klatschen und zu warten haben. Nach einigen Augenblicken erscheint die unvermeidliche, stets mehr oder minder schmierige Mulattin, die uns die Saalthür öffnet und einzutreten bittet. Da das Wartenlassen auch in Brasilien zum guten Ton gehört und wir pariencia (Geduld) bereits gründlich gelernt haben, so wundern wir uns gar nicht darüber, zehn Minuten warten zu müssen, sondern benützen die Zeit zu einer Umschau im Saale. Zunächst fällt uns der in brasilianischen Häusern übliche Mangel an Gardinen ins Auge. .Der Thür, durch die wir eingetreten, gegenüber befindet sich ein Sopha von polirtem Holze mit Rohrgeflecht, darüber ein ovaler Spiegel. r r i - n f nr y
Aiinis uno recyis uoen zroel eiyen Stühle im rechten Winkel, gleichsam eine Allee bildend, auf die Armlehnen des Sophas. Zwischen den Fenstern und Thüren des Saales stehen einige Marmortischchen, auf denen mehrere bunte Basen, eine Lampe mit zersprunuer Glocke und verschiedene Nippesgegenstände, werthlose, auf Auktionen erwordene Dinge, in geschmackloser Anordnung aufgestellt sind. Die an den Wänden hierund da noch bleibenden Lücken sind mit Stühlen ausgefüllt, da möglichst viele Stühle in ein Zimmer zu stellen bei der Brasilianerin für ein Anzeichen geläuterten Geschmacks gilt. Alle diese Möbel sind mit gehäkelten, weißen Decken und Deckchen belegt, so dah es vollkommen unmöglich ist, sich irgendwo hinzusetzen, ohne eine oder mehrere Decken in Unordnung zu bringen. Die Ueberzahl dieser Decken giebt dem Ganzen einen recht ungemüthlichen, ja frostigen Anstrich. Daß die Schaukelstühle nicht fehlen, ist in Amerika, selbstverständlich. Dagegen fehlt der Tisch, der gemüthliche Familientisch, über welchem die Hängelampe deZ Abends mit müdem Scheine zu geselligem Beisammensein einladet. Keine Brasilianerin würde in ihrem Salon' einen Tisch dulden! Dagegen bemerken wir in der einen Ecke des Saales einen hochaufgerichteten, viereckigen, ebenfalls mit wnßen Decken über und über behangenen Kasten, der zwischen sich und der Wand einen schmalen Raum freizulassen scheint. Natürlich haben wir zunächst keine Ahnung davon, was das sein mag, bis wir endlich ein Piano erkennen, das man eben in Brasilien nicht mit dem Rücken, sondern mit der Klaviatur an die Wand stellt, so daß für den Spielenden nur ein schmaler Raum frei bleibt. ' - - ' " Da öffnet sich die Thirr, die in die innern Gemächer des Hauses führt, und Herr' Chico und seine Gemahlin treten ein. Herr Chico im Vesellschaftö. anzug, Dona Emilia in glattem, dunklem Rock, in weißer, mit reichen Spitzeneinsatzen verzierterJacke,' daß Stirnhaar auf ein paar Dutzend kleine oaenwiael geouyk. Wir werden gebeten, uns auf das Sopha zu setzen; Herr und Frau vom Hause lassen sich je 'rechts und links rnis dem ersten Stuhle der Stuhlallee nieder; Felicia, die unsaubere Mulattin, 'reicht Wein und vorzügliche Geback herum. Die 'Unterhaltung dreht sich um die Politik und um die Skandalchronik, die von veY Dame des Hauses mit naivster Offenherzigkeit behandelt wird. Mariquinha. "das Töchterchen des Hauses, muß dem verstimmte: iiio einen Walzer abquälen :;;r : chen höflicherweise über r. w ' .,teten Hochgenuß unser C us und finden es an der vif, zu verabschieden. die Hausfrau ladet uns zuvor rjj zur Besichtigung der andern Räu.ne ein und sthrt uns zuvörderst Zu fccs Schlafzimmer. . Sodann in di: Veranda, die gleichzeitig als Wohnund Speisezimmer dicU; wir müsse.
unser Erstaunen über die gewöhnlichsten Sachen kundgeben, um vielleicht zum zwanzigstenmale zu hören, daß alles zu unserer Verfügung stehe. Selbst den engen Hof und das von hohm Mauern umgebene kleine Gärtchen müssen wir in Augenschein nehmen ; nur zum Eintritt in die Küche wagt uns Dona Emilia nicht aufzufordern, und sie thut recht daran, denn der Schmutz ist dort unvertilgbar. Nach abermaligen Hochachtungsversicherungen werden wir nunmehr ins Freie entlassen. Wie der Haushalt, so die Hausfrau. Die Brasilianerin besitzt' alle diejenigen Eigenschaften, die sie befähigen, in der Gesellschaft eine Rolle zu spielen. Sie kleidet sich mit unverkennbarem Geschmack nach der neuesten Mode, sie versteht es meist sehr geschickt, mit geringen Mitteln eine große, Wirkung hervorzubringen, und feiner, gesellschaftlicher Schliff, die Kunst, anmuthig zu plaudern und graziös sich zu bewegen dies alles ist ihr sozusagen angeboren". Sie hat auch alle jene körperlichen Vorzüge, die im allgemeineu den Frauen der lateinischen Rasse eigen sind. Damit ist das Lob der Brasilianerin 'erschöpft. Nun zu ihren Mängeln und 5?eb-
r lern! Zunächst steht sie allem, was Ar fbeit heißt, feindselig gegenüber. Ein Haushalt ohne mehrere schwarze oder braune dienstbare Geister, die in der Regel schmutzig, faul und diebisch sind, ist ihr undenkbar. Das Frühstück bereitet die Magd; die Reinigung des Hauses besorgt die Magd; die Einkäufe auf dem Markt an Fleisch und Gemüse sind Sache des Herrn Gemahls. der sich bereits in aller Frühe mit dem Knechte auf den Weg machen muß. denn es würde der Dame des Hauses zu ewiger Schande gereichen, kaufmd auf dem Markte gesehen zu werden. Die Zubereitung des zweiten Frühstücks, das um neun Uhr. und Disponirung über die Hauptmahlzeit, die gegen vier Uhr eingenommen wird, liegt wiederum dem Küchenpersenal ob. Fragt man nun. was denn die Brasilianerin mit ihrer Zeit den Tag über anfängt, so lautet die Antwort einfach: nichts. Pardon! Sie legt sich ins Fenster, setzt sich in den Schaukelstuhl und durchlöchert die Uebersetzung eines französischen Romans, sie bäckt Doces, Süßigkeiten, die sie zu ihrem Lobe sei dies gesagt außerordentlich gut zu bereiten versteht, sie spielt einen Tanz oder ein fades Salonstück auf dem Piano und schimpft zuweilen recht derb über ihre Küchengeister, um einen Augenblick später das liebenswürdigste Lächeln um ihren kleinen Mund spielen zu lassen. Dieser Zeitvertreib wird zuweilen durch Besuche unterbrochen, die sie empfängt und zu erwidern hat. Kaffeegesellschaften im deutsch Sinne sind in Brasilien im allgemeinen unbesannt; indessen liefert auch bei den Zusammenkünften brasilianischer Damen der gute Ruf des lieben Nächsten das abwechselungsreiche Thema der Unterhaltung. Daß die Brasilianerin unter solchen Umständen nicht die Kameradin und Freundin des Gatten sein kann.die ihm im Kampf ums Dasein treu zur Seite steht, die Gefährtin, die ihm die Sorgen, von der Stirn scheucht, das wird niemand bezweifeln. Der Einfluß, den sie auf den Gatten ausübt, ist daher nur sehr gering. An den geschäftlichen Unternehmungen oder an dem Berufe ihres Mannes nimmt sie keinen Antheil, weil ihr einfach das Verständniß dafür fehlt. Ihre völlige Unkenntniß aller Erfordernisse des praktischen Lebens kennzeichnet am besten die Thatsache, daß die meisten Brasilianerinnen noch niemals Geld in der Hand gehabt haben. Was die schwarze Köchin den Tag über gebraucht, wird aus dem nächsten Kramladen, der Vttida", auf Monatsrechnung geholt, und für die Waaren, die Dona Emilia etwas aus einem andern Geschäfte nimmt, werden dem Herrn Gemahl am Schlüsse des Monats gleichfalls die Rechnungen zugesandt. Auch als Mutter ist die Brasilianerin nur sehr unvollkommen. . Vom ersten Lebenstage an ruht Wohl und Wehe des Kindes in den Händen der farbigen Dienerschaft, die Mutter hält es sür selbstverständlich, daß ihr das lästige Geschäft der Kinderaufziehung aus den Händen genommen wird. In besonders schwierigen Lagen. inKrankheitsfällm, wo es sich um das Leben des Kindes handelt, wird von ihr nicht der gesunde Menschenverstand zu Rathe gezogen, sondern sie nimmt dann zum krassesten Aberglauben ihre Zuflucht. Nicht die Mutter, sondern die Negerin ist die Erzieherin des heranwachsenden Geschlechts, daher ihr großes, moralisches Uebergewicht im Hause. Kein Wunder, daß man . ihr sogar die Auswahl der Schule überläßt, die die Kinder besuchen sollen. Für die geistige Ausbildung der Mädchen geschieht garnichts; die Töchterschulen befinden sich in einem tröstlosen Zustande der Verwahrlosung.nur in Rio, Bahia, Pernambuco, ' Sao Paulo und Porto Alegre bestehen gute Mädchenschulen. Die Lehrinnen, denn nur solche unterrichten an den brasilianischen, Mädchcnschulen. sind wahre Musterbilder von Unwissenheit und haben ihre Stellunge? zumeist wohl deshalb erhalten, weil man den Ehemännern oder Verwandten jener Damen für geleistete Dienste auf politischem Gebiete eine kleine Anerkennung zukommen lassen wollte. In Brasilien fungiren nämlich auch Ehefrauen als Lehrerinnen an öffentlichen Schulen, und wenn uns der Zufall in einen Schulsaal führen sollte, in dem mehrere Dutzend Mädchen vom siebenten bis zum vierzehntm Jahre dem Unterrichte einer Dame lauscben. die einen kräftia schreienden ?.nd strampelnden Bambino auf dem'
Arm hat, so 'dürfen wir uns nicht wundern:- wir sind ja in Brasilien. Der Unterricht selbst beschränkt sich auf Lesen, Schreiben, etwas Rechnen, ein wenig Grammatik und die Geographie von Brasilien. Von einer Arbeitist auch hier beim Unterricht: nicht die Rede. Nachdem die Mädchen während etlicher Jahre eine dieser Klippschulen besucht haben, genießen sie noch den dort unvermeidlichen Klavierunterricht, der, sie höchstens befähigt, im häuslichen Kreise zum Tanze aufzuspielen. Außerdem lernen ' sie allenfalls Kuchen backen, sticken und wenn es hoch kommt, künstliche Blumen aus Fischschuppen herstellen. Aus der Schule entlassen, verwandeln sie sich sofort in Damen, für welche geistige Interessen irgendwelcher Art nicht vorhanden sind. Sie Pflegen weder eine Kunst, noch besch'äftigen sie sich mit Literatur und Sprachen; für den Gedanken, daß es das Vorrecht edler Frauen fei. mit mildthätiger Hand die Schmerzen des nothleidenden Theils der Menschheit zu lindern, fehlt ihnen jedes Verständniß. Ihr einziger Gedanke ist recht bald unter die Haube zu kommen. Das sind die Durckscknittsbrasilianerinnen von heule, wenn auch ab und zu, besonders in den Südstaaten der Republik, eine Besserung infolge deutschen Einflusses zu verspüren ist. so bleibt doch noch ungeheuer viel zu thun, damit die Brasilianerin ihre Pflichten begreifen und erfüllen lernt. Das Gluck.
Das ist im Leben häßlich eingerichtet, daß bei den Rosen gleich die Dornen stehen!" So klagen die Menschen. Ob sie es wohl einmal dankbar anerkennen, daß :m Leben neben Dornen" auch Rosen" stehen? Sie verlangen nicht nur Glück, sondern beanspruchen auch, daß dasselbe ein ungetrübtes sei und wissen doch, daß Schmerz und Freude in einer Schale liegen und ihre Mischung seit JahrHunderten der Menschen Loos ist. Ein Jeder betrachtet sich als den vom Schicksal Zurückgesetzten. Jeder zieht thörichte Parallelen mit den nach seinerAnsichtGlücklichen, vergißt es aber, sich und sein Dasein zu vergleichen mit jenen, auf denen das Unglück mit schwerer Hand lastet, und vor denen er doch keinerlei Anspruch auf Bevorzugung hat. Stets heißt es: Nur noch das Eine!" Wir bestehen hartnäckig auf das Eine, das wir kurzsichtig für unser Glück halten, und übersehen dabei alles Andere, was uns das Leben an Freude und Genuß gewährt. Es gibt eben Menschen, die um eines einzigen, winzigen Dinges willen alles Andere übersehen, was an Schönheit, frohem Genuß, an Freude und Glück das Leben ihnen bietet, und glauben, wenn sie den Weg zurückgelegt, zu der Klage berechtigt zu sein, daß er blumenleer, ohne Glück und Genuß gewesen. Etwas haben wollen, was wir nicht besitzen können, etwas sein wollen, was wir nicht sind, ist die Wurzel alles Uebels.- Unser beständiger Anspruch an Glück wird vielfach unser Berhängniß. Gewiß, nicht an allen Orten sprossen alle Freuden, nicht an allen Orten alle Blumen auf!aber, glücklich, wenn Du immer pflücktest jede Blume.- pflücktest jede Freude, wie der Ort sie bot.- Dieser Vers predigt Zufriedenheit undDankbarkeit. Es gibt kein Leben, das nicht auch Lichtseiten hätte, wie schwer das Leid auch oft drückt. In jedes Leben, und sei es noch so trübe, fällt doch zuweilen ein Sonnenstrahl. Auch den widrigsten Verhältnissen im Leben' eine freundliche Seite abzugewinnen, sich zu versöhnen mit seinem Geschick, es in Zufriedenheit und Dankbarkeit tragen, was uns hier auf Erden be-. schieden, das ist etwas Großes und Schönes. Das Leben ist ein Spiegel: wie man hineinschaut, so erscheint es uns, finster oder lächelnd. Unsere Herzensstimmung ist es, welche uns das Leben leicht oder schwer, glücklich oder unglücklich erscheinen läßt. Es ist sehr bedenklich, wenn wir denMangel an Glück immer den Verhältnissen zuschreiben. , Mit unseren beständig rcgenAnspruchen an dasGlück, mit unserem Jagen und Hasten danach, bringen wir uns selbst, um den Genuß dessen, was wir davon besitzen. Es jammern so Vlele, daß ihnen das sieben1 nur Trübes und Schweres brächte, sie verstehen nicht, auch die Lichtpunkte herauszufinden, sie sehen nicht den Sonnenschein, der durch den von trüben Wolken bedeckten Himmel fällt. Das Herz bleibt dabei leer und unbefriedigt. Nur treue Pflichterfüllung und das feste Vertrauen, daß Glück, und Freude.Leid und Unglück von dem' kommt, der über Blühen und Welken, über Kommen und Gehen bestimmt,, gibt uns Zufriedenheit. Fragen wir uns ernstlich, was vom Leben noch bliebe, wenn das Glück, welches wir besitzen, uns genommen würde, wir würden finden, daß wir reich gesegnet sind vom Glück und uns zufrieden und still mit dem Maße desselben begnügen. Sei mit dem 'zufrieden, was Dir beschieden, entbehre gern, wasDu nicht hast; ein jeder Mensch hat seinen Frieden , ein jeder Mensch auch sekne Last!" Aha! Gib mir doch einen Rath; meine Eltern wollen unbedingt haben, ich soll den Assessor Süßmilch heirathen!" Dummes Ding, da würde ich mich gar nicht besinnen " Gewiß nicht, wie fange ich es aber an, daß ich den kriege?" Bettlers Vorwurf. Richter: Geben Sie zu, daß Sie gebettelt haben?" Strolch: - Et is wahrhaftig 'ne Bettelei, det man um den Bettel, den man jekrieat hat. nun 5och ween Bettelns ranjekriegt wird." '
Gnke! Clavcl!'5 Cov.
Nach dem Englischen von Lloyd Williams. Es war vor einem oder zwei Jahren, an einem Novembermorgen. Ich wollte eben mein Bureau öffnen, als ich an der Außenthür einen jungen Mann bemerkte, der auf mich wartete. Mr. Somers," begann er hastig, können Sie mir Ihre Dienste für den heutigen Tag widmen?" Ist die Sache sehr eilig?" versetzte ich. Sagen Sie mir, um was er sich handelt!" Mein Name ist Kincaid," sagte er schnell. Ich möchte, daß Sie gleich mit mir kommen. Wir können noch einen Zug benutzen, der um 9 Uhr 50 Minuten abgeht; in einer Stunde sind wir am Ziel. Unterwegs werde ich Ihnen alles erzählen." Gut," versetzte ich. holen Sie eine Droschke, ich komme Ihnen sofort nach." Schnell verschloß ich mein Bureau, nahm meinen Koffer, den ich für folche Fälle stets gepackt bereit hielt, und saß zehn Minuten später in einem Eisenbahnwagen auf dem Wege nach Basingstoke. Wir hatten ein Coup6 für uns allein allein und nun erzählte mir der junge Mann seine Geschichte. Mein Onkel. Clavell Kincaid. ist gestern Abend unter seltsamen Umständen, die mir verdächtig vorkommen, ganz plötzlich gestorben.: Wir hatten eine Art Familiendiner, und bei demselben sollten einige Erbschaftsangeleaenheiten besprochen werden." Es waren nur Verwandte zugegen?" .Jawohl !" Hatte Jemand an den Tod Ihres Onkels Interesse?" In erster Reihe mein Vetter Harry. denn mein Onkel war in einer LebensVersicherung mit zwölftausend Pfund Sterling eingekauft. Das Diner war zu Ende, wir unterhielten uns und rauchten dabei. Onkel Clavell unterhielt sich mit. meinem Vater; dann agte er plötzlich: Mein Lieber, lch ühle mich so schläfrig, ich weiß wirkich nicht ", darauf fiel er plötzlich zur Erde. Sein Kopf sank nach vorn über und wir glaubten, er wäre ohnmächtig geworden, doch er war todt. Das alles ging mit Blitzesschnelle vor sich." Und Sie vermuthen, daß Ihr Better Ihren Onkel getödtet hat?" .Ja!" Aus welchem Grunde?" Das weiß ich nicht recht. aberHarry war immer das schwarze Schaf der Familie und hat schon viele schlechte Streiche auf dem Gewissen." War Ihr Onkel bei guter Gesundheit?" Kerngesund!Trank er in jenem Moment etwas?" Nein, er rauchte eine Cigarre und unterhielt sich!" - Befand sich Ihr Vater in seiner Nähe?" Nein, er sprach mit mir, und wir saßen einige Meter von meinem Onkel entfernt!" Sie müssen mich entschuldigen, Mr. Kincaid, aber ich fürchte, wir erleben einen Mißerfolg. Resümiren wir noch einmal: es liegt im Interesse Ihres Vetters, daß Ihr Onkel stirbt. Ihr Vetter ist ein mauvais sujet. Ihr Onkel stirbt plötzlich, und daraus schließen Sie, daß er ermordet worden ist; doch dieser Schluß überzeugt mich nicht. . Aber ich bin fest davon überzeugt," versetzte er. - Hat ein Doctor Mr. Kincaid gesthen?" Was sagte er?" . Der Doctor wollte sich nicht aussprechen, bevor er die Leiche nicht näher untersucht. Er hält es für Gehirnschlag und hat sich sonst nicht weiter darüber erklärt !" Der Fall ist jedenfalls seltsam.- erklärte ich, und recht traurig. Doch aufrichtig gesagt, glaube ich. daß ihr Onkel eines ganz natürlichen Todes gestorben ist. Sie sind von Vorurtheilen befangen, und ich nicht!" Wir erreichten Basingstoke wenige Minuten nach zehn, und der junge Mann ging zunächst zu seinem Vater, um ihn von dem bisherigen Verlauf seiner Bemühungen zu unterrichten. Dann holten mich Beide aus dem Vorzimmer, wo ich mich bisher aufgehalten hatte, ab, und wir gingen nach dem Speisesaal, wo sich der Todesfall ereignet hatte. Sie müssen mich recht verstehen, Mr.. Somers." sagte der Aeltere, daß ich keineswegs geneigt bin, mich der Ansicht meines Sohneö anzuschließen, daß mein Btuder ermordet worden ist. Sein Tod trat sehr plötzlich ein, und mein Neffe Harry ist, das muß ich zu meinem Bedauern gestehen, ein manvais sujet; dennoch möchte ich ihn einer solchen That nicht für fähig halten." Das ist die Cigarre, die er rauchte," sagte der junge Mann plötzlich; ich nahm sie aus seiner Hand und legte sie auf den Kamin. Glauben Sie, daß ein Mann von einer Cigarre vergiftet werden könnte? Denn es fällt mir jetzt ein, daß mein Onkel sie aus der Cigarrentasche meines Vetters nahm." Ich glaube nicht, daß eine Cigarre einen Mann auf der Stelle tödten könnte." versetzte ich. Sie kann ihn wohl krank machen oder auch einschläfern, aber tödten wohl kaum." Außerdem." sagte der Aeltere .von beiden, rauchten mehrere von uns Cigarren auö Harris Tasche. Mein Aruder." fubr er fort, reichte selber Cigarren herum, doch mem Nesse zog seine eigene Tasche hervor und reichte sie den ihm am nächsten Stehenden. Mein Bruder war ein Kenner, und l er wußte, daß Harry stets etwas besonders Gutes rauchte, so rief er ihm vom andern Ende desZimmers zu: Harry, ich werde eine don Deinen Cigarren rauchen !-
Ja. und erinnere Dich auch, vatz Harry eine Cigarre aus seiner Tasche nahm, auf ihn zuging und fagte: Onkel. versuche die doch 'mal." Ich wußte nicht, was ich sagen sollte, doch steckte ich die halbgerauchte Cigarre zur weiteren Prüfung in meine Tasche. Können Sie es wohl so einrichten, daß ich Ihren Vetter sprechen kann?" . Kaum hatte ich diese Worte gesprochen, als die fraglichePerson in's Zimmer trat. Er war ein elegant gekleideter, junger Mann von 25 Jahren mit scharfen, aber verlebten Gesichtszügen. Ich wurde ihm . vorgestellt, und wir fingen an, uns von dem Todesfall zu unterhalten. Ich beobachtetc ihn ganz genau. Er sprach mit der größten Ruhe und sagte schließlich in nachlässigem Tone: 1 - Ich vermuthe. Sie haben von Geschäften zu sprechen, und daher werde ich Sie verlassen. Ich hasse jedes Geschäft!" setzte er, sich zu mir wendend, hinzu. Guten Morgen!" Was sollen wir jetzt thun, Mr. Somers?" fragte der jüngere der beiden Männer. Ich werde jetzt zur Stadt gehen und diese Cigarre von einem Sachverständigen untersuchen lassen. Heute Abend bin ich zurück, und Sie können mir dann erzählen, was der Doctor bei der Section gesagt bat." Mein Besuch war nicht besonders erfolgreich. Der Sachverständige erklärte, daß die halb aufgerauchte Cigarre eine der feinsten Havanas war, doch bei der genauen Unterfuchung meinte er, er hätte sich geirrt, und e wäre nur eine allerdings sehr geschickte Nachahmung. Nun kam es darauf an, festzustellen, ob sie irgendwie präparirt war. Ich ging zu diesem Zweck zu einem bekannten Chemiker und fragte ihn nach seiner Meinung. , . Es ist wohl möglich," versetzte er, daß man eine Cigarre so herstellen kann, daß eine Person), die sie raucht, todt zur Erde fallen kann. Ich werde sie sorgfältig untersuchen, und wir werden sehen, ob wir etwas finden." Wir schnitten sie. entzwei und de? Chemiker analysirte auf's Sorgfältigste, ohne jedoch eine Spur von Gift zu entdecken. Ich kehrte um halb sieben Uhr nach Basingstoke zurück und kam gerade eine halbe Stunde vor dem Diner. Schnell theilte ich den beiden Kincaid's das Ergebniß meiner Reise mit, und es fand dann eine Besprechung mit dem Arzte statt, welcher ebenfalls zum Essen bleiben sollte. Der Doctor erklärte. Mr. Clavell wäre am Gehirnschlage gestocben. ohne daß aber eine directe Ursache vorgelegen hätte. Eine weitere Unterhaltung war nicht möglich, da man sich zum Diner umkleiden mußte, und als wir zu diesem Zwecke in die Vorhalle traten, begegneten wir Harry. Harry, ich gehe mit dem Doctor in bei Speisesaal; Du hast wohl nichts dagegen, wenn Mr. Somers sich in Deinem Zimmer die Hände wäscht?bemerkte der jüngere Kincaid. Durchaus nicht," lautete die Antwort. Das war gerade, was ich wünschte. Schnell ging ich in das Zimmer, fand aber zu meiner Enttäuschung, daß Alles in demselben verschlissen war. Plötzlich fiel mein Auge auf sein Jacket. das hinter der Thür hing. Ich erinnerte mich, daß Mr. Harry dem Onkel seine Cigarrentasche hingereicht hatte, und mir kam der Gedanke, die Tasche möchte in dem Rock stecken.' Ein Griff überzeugte mich, daß ich Recht hatte, und in demselben Augenblick hielt ich ein elegantes silbernes CU garrenetui mit sieben Cigarren in der Hand. Ich nahm sie heraus und betrachtete sie. -Soweit ich, entdecken konnte, waren sie der, die ich nach der Stadt mitgenommen hatte, vollständig ähnlich. Plötzlich legte sich eine Hand auf die Thürklinke, und eine Stimme sprach: Gestatten Sie. daß ich hereinkomme? Ich möchte mein Jacket wechseln." Trotzdem er ziemlich gelassen sprach, glaubte ich doch eine gewisse Angst in seiner Stimme zu entdecken. . , Kommen Sie nur herein," sprach ich. steckte schnell die Cigarren in dir Tasche und sagte: Sie wollen sich doch nicht umkleiden?" ' Nein, aber das Jacket da hinter der Thür ist mir bequemer." Ich wusch mir die Hände und stand dem Spiegel gegenüber, so daß ich ihn beobachten konnte. Dabei bemerkte ich. daß er sofort die Cigarrentasche öffnete und die einzelnen Stücke zu zählen schien. Die Sache interessirte mich, und ich beschloß, Mr. Harry und seine Cigarren genauer zu beobachten. Beim Diner ging es, ziemlich schweigsam zu. Sobald das Dessert abgetragen war, fingen wir an zu rauchen, und ich faßte Mr. Harry in's Auge.' Nach kurzer Zeit kam das Etui zum Vorschein, und Mr. Harry reichte eö seinem Nachbar, der indessen ablehnte, da er eine Cigarette rauchte. Ein leises satirisches Lächeln umspielt Harry's Gesicht; er wählte eine für sich selbst und zündete sie an. Die UnterHaltung war inzwischen etwas lebhafter worden. Vlöklich stieß Harry einen lauten Schrei aus, fiel auf die Kni. und rief: Um GotteswiLen. ich bin . . . Hilfe! Brandy !" Bevor sich noch Jemand erheben konnte, warf er seine Cigarrenetui aus. der Tasche und raste durch das Zimmer. Beim Kamin brach er zusammen. während die gräßlichste Todesengst seine Züge verzerrte. Wir sprangen ihm zu Hilfe, doch es war zu spät,' er war bereits todt. Derselbe Gedanke durchfuhr alle Anwesenden, daß er in derselben Weise gestorben war. wie am vorigen Abend sein Onkel. Ich hob das Cigarrenetui auf, das
an der Erde liegengeblieben war, und nahm drn Inhalt vor den Augen der Anwesenden heraus. Ich bemerkte, daß eine von den sechs Cigarren etwa einen Centimeter kürzer war, als die übrigen. Ich schnitt sie entzwei und in der Mitte befand sich eine kleine blaue Substanz etwa von der Größe einer Erbse. Wir zerlegten auch die andern, es waren gewöhnliche Cigarren. Wie der Vorfall sich zugetragen hatte, war leicht zu errathen. Als ich die Cigarren' wieder in das Etui zurückgesteckt hatte, mußte ich sie' wohl aus der Reihe gebracht haben, und der Schurke hatte unvorsichtiger Weise eine geraucht, die er zu einem andern Verbrechen bestimmt. Ich nahm die bläuliche Substanz an mich, brachte sie zu dem Chemiker, den ich am Morgen, aufgesucht hatte und erhielt nach einigen Tagen Mittheilung von , ihm. Die blaue Substanz war Gift. Der Voyncnsack. Wou Ralph Graham Tober
Es war Sonnenaufgangszeit. Die gelbe Ebene dehnte sich gleich einer goldigen See von den weißen Lehmwänden der Hacienda bis hin zu dem äußersten Rande des Horizontes, an welchem die ersten gluthrothen Strahlen der Sonne aufstiegen. Die schwere Thür des Hauses kreischte, als sie sich langsam in ihren Angeln bewegte, und eine Anzahl wettergebräunter Männer trat aus ihr heraus. Sie stellten sich rechts und links vom Eingang auf. Jeder dieser Männer war schwer bewaffnet. Im Gürtel steckten breitklingige Dolche, schwere doppelläufige Pistolen, und Jeder trug überdies noch einen Karabiner. Jetzt trat noch eine Gestalt hinzu. Offenbar ein Anführer der Truppe, denn sein weiter Sombrero trug eine dreifache silberne Schnur und sein Rock an den Aermeln breite, verschnörkelte silberne Litzen. Antonio!" sagte er. Capitän!" war die Antwort. Es ist ein herrlicher Sonntag", sagte der Capitän. Ein Tag. wie geschaffen, um glücklich zu sterben. Geh', Antonio, bringe mir die Spanier her. Wieder salutirte Antonio, die Hand am Sombrero, dann drehte er sich auf seinen Hacken um und verschwand in dem Hause. Einige Augenblicke vergingen und der Capitän drehte sich eine neue Cigarrette. Dann plötzlich wurde es im Hause laut; Schritte wie von einem Trupp Menschen wurden gehört ; und eine Schaar von mit Blut bespritzten und zum Theil auch vermummtenMännern mit auf dem Rücken gefesselten Händen trat heraus. Buenas dias, Senores", begrüßte der Capitän die Gefangenen. Heute ist Sonntag und die Rationen klein. Zu klein, um unter so viel Leute vertheilt zu werden. Wir sind unserer zu viele. Darum hab' ich Euch eine Ueberraschung zugedacht." Die Gefangenen sahen einander an. Eine flüchtige Hoffnung war in ihnen erwacht. War es denn möglich? ließ man sie frei? Bindet den Gefangenen die Hände los", befahl der Capitän. Also doch! doch! Gab man ihnen wirklich die Freiheit. - Aber nein. . Ein seltsames Lächeln umschwebt die Lippen des Capitäns. Da. dieses Säckchen habe ich Euch zum Geschenk gebracht", sagte er und hebt ein leinenes Sackchen hoch. Also doch!" flüstert ein alter Gefangener einem jungen Manne zu, der fragenden Blickes neben ihm steht. Das Bohnensäckchen siehst Du? daö Säckchen!" O Gott", stöhnt der Andere, ist es denn möglich? Ist's möglich?!" Da", sagte der Capitän. Weiße Bohnen und schwarze. Kommt her und zieht.?. , Um Gotteswillen", flüsterte Pablo zum Alten, wenn ich eine schwarze ziehe, schwört mir. daß Ihr für mein Weib, für' mein Kind sorgen wollt." Ich schwör" es." . Und der Erste tritt zu dem Capitän hin und zieht. Die Bohne ist weiß. Und der Zweite. . . der Zweite zieht schwarz, das ist der Tod. Ja, er weiß es. Und mit einem heiseren Schrei stürzt er mit einem Sprung sich auf einen der bewaffneten Männer, im selben Augenblick aber fällt er, von einem Kolbenschlage getroffen, zu Boden. Der Capitän lacht, dann giebt n Antno einen Wink und er. tritt hin und zerschmettert dem Liegenden mit einem Schusse den Schädel. Das wirkt. Keiner wird mehr das Unsinnige wagen. Und der eine zieht weiß, und zwei oder drei oder vier ziehen schwarz. -Nun tritt auch Pablo hinan. Todtenbleich ist er, aschfarben, wie er zieht. Langsam' senkt er die Hand in den Sack, langsam öffnet er sie. Dann lacht er schrill auf; er , hat eine schwarze Bohne gezogen. Nun ist die Reihe am Alten. Darf ich, wenn's weiß ist. mit Jem'andem tauschen?" Wie Du willst." Und der Alte wühlt lange und bedächtig. Dann zieht er dieHand aus dem Sacke. Da", sagt er und tritt auf Pablo zu, geh' da hinüber und lasse mich hier", und er läßt eine weiße Bohne aus der Hand gleiten. Nein, nein!" ruft Pablo da. Der Andere aber schiebt ihn sanst zu den Anderen hinüber, zu Denen, die nicht dem Tode verfallen. ' ' -' babe kein Weib und kein Kittd.
I so wie Du. Ich habe die heilige Jungfrau gebeten, mir für Dich die weiße Bohne zu schenken, und dann ich habe ja auch genug schon gelebt." Pablo drückt dem Alten die Hand, dann taumelt er wie ein Trunkener zu den Anderen hinübcr. Dort steht er und schlägt di: Händ? vor das Gesicht in Verzweiflung. Und er sieht nicht, was um ihn geschieht. er hört nur plötzlich das Krachen von Schüssen. Nicht! nicht!" schreit' er auf und stürzt .sich nach vorne. Der Capitän aber dreht sich lachend die Cigarrette. Dummkopf", sagt er, sei froh, daß Du lebst."
Die lettische Lurlcisage. Als Beweis für die Nichtigkeit der Auffassung von einem gemeinsamen Völkergcdanken, der durch Recht, Sage und Kriegskunst geht, mag die nach folgende Sage der Letten gelten. Sie hat eine frappante Ähnlichkeit mit dem deutschen Lurleimärchen, aber trohdem die Sagen wandern, ist nicht anzunch men. daß die deutsche Lurlei zu den Letten gekommen sei. denn die Ersah, rung lehrt, daß wandernde Sagen fast kein? Leränderung, Umdichtung erleiden. Sie pflanzen sich von Mund zu Mund in der . ursprünglichen, Form fort, höchstens unbedeutend verfärbt durch das jeweilige Localcolorit. Wenn rs'e in der lettischen Sage statt eines Weibes ein Mann vorkommt, so ist daZ eine Sonderbildung des gemeinsamen Völkergedankens. Die Saae lautet: In alten Zeiten stand inmitten der Düna ein großer Stein, auf dem ein Teufel Tag und Nacht saß und seine Haare mit einem goldenen Kamm kämmte. Während er so dasaß, er dachte er mancherlei Uebelthaten, denn, sobald ein Boot vorüberfuhr, rtrüm merte er es vollständig; sobald ein FisKer in seiner Nähe fing, trieb er mit ihm seinen Muthwillen oder tödtcte ihn. Einst nahm sich der Gott Perun vor, den Teufel für folche Uebelthaten zu strafen, doch konnte er ihm nicht bei kommen, denn sobald Perun sich in einer Wetterwolke nahte, verschwand der Teufel im Wasser und kam nicht wieder an die Oberfläche desselben, so lange Perun da war. Darüber er zürnte der Gott sehr, kam zu einem einsachen Mann, einem Fischer, und sprach zu ihm: Nimm mich in Dein Boot auf und rudere mich zum Teufel stein; doch erschrick nicht, wenn ich Blitz zu schleudern beginnen werde, denn.Di? werde ich kein Leid anthun, doch dem Teufel wird es übel ergehen." Nach dem der Gott so gesprochen hatte, ruderte der Fischer langsam, ganz lang sam zum Teufelstein. Der Teufel kämmte gerade fein Haar, und der goldene Kamm glitzerte in den Sonnenstrahlen. Pltyhch bemerkte der Teufel den Bootsmann, leate dcn Kamm bei Seite auf den Stein md fing den Fischer mit bösen Blicken zu betrachten an. Da erhob sich Gott Pcrun inmitten des Bootes und schleuderte auf die Brust des Teufels Blitze, glühende Blitze. Der Teufel sperrte zwar seinen Mund auf, um' den Gott mit seinem giftigen Athem zu betäuben, doch umsonst er mußte sterben. Perun verschwand und zeigte sich nicht mehr dem Fischer, der den goldenen Kamm des Teufels zu sich nahm, ein reicher Mann wurde, ob seines Muthes sehr gerühmt von den Anwohnern der Düna, denn diese waren nun befreit von der Hinterlist des Teufels. Der gehorsame Jean. Baron v. N. hat zwei Herren zu Tische geladen. Als der Diener mit einer Schüssel erscheint, fragt er : Was ist das?" Das ist Huhn, Herr Baron!" Du mußt noch viel lernen belehrt der Baron seinen Diener nach dem Weggang der Gäste. Warum sagtest Du: Das ist Huhn?" Du hast mir damit wenig Ehre gemacht. Gewöhne Dich daran, in solchem Falle künftig den Plural zu gebrauchen; es klingt doch viel wohlhabender, wenn Du sagst: Das sind Hühner!" Als der Baron wieder . einige Freunde bewirthet, richtet er an den mit einer Schüssel hereintretenden Diener dieselbe Frage: Was ist das?" Mit schlauem Augenblinzeln nach den Gästen hin erwidert der gewikiqe Jean: Das sind Rinder, Herr Baron !" Zur Geschichte des Schachspiels. Das Schachspiel wird in Indien zuerst erwähnt in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts nach Chr. don dem Kasmirer Ratnakara, und zwar nennt derselbe speciell die Figuren: Fußsoldat, Pferd. Wagen und Elephant. In der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts oder gegen Anfang des 10. erwähnt Rudrata, ebenfalls an Kasmirer. das Schach cattiniDga. (fr erwähnt dieselben Figuren, wie Ratnakara. Das Schach mutz damals schon ganz allgemein bekannt gewesen sein, weil es'zu Berskunststückchen. benutzt wurde, und zwar zu dem Rösselsprung, dem Wa-gen-und Clephantenzug. Das Schach war dasselbe Zwei-Schach, das Alberuni 1030 nach Chr. beschreibt: das Pferd zog, wie unser Springer, der Wagen wie unser Thurm, und dcr Elephant wahrscheinlich wie unser König, nur daß er in gerader Richtung weder seitwärts noch rückwärts, sondern nur vorwürts gehen durfte. Im 11. Jahrhundert war dieses Zwei-Schach im ganzen westlichen und nordwestlichen Indien bekannt. Im Sommer. Wer 'ne Frau sein eigen heißt, W'.rd sich's öfter sagen müssen: Meine Frau ist abgereist Und ich selbst, bin abgerissen l
