Indiana Tribüne, Volume 20, Number 3, Indianapolis, Marion County, 20 September 1896 — Page 6
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jlu Aord der Zndiana". Die großartigen Errungenschaften der modernen Technik haben auf keinem Gebiete des Kriegswesens ausgedehntere Anwendung gefunden, als in der Marine. Die Fortschritte der Schiffsbaukunst und der ArtillerieWissenschaften, die Neuerungen in der Fabrikation vonDampfmaschinen und in der Bearbeitung von Stahl, die Wunder der Electrotechnik und Optik finden sich in den schwimmenden Stahlforts gleichenden Schlachtschiffen verkörpert und die Kriegführung zur See ist zu einer Kunst geworden, von welcher man selbst in jenen Tagen, als der Monitor" dem Merrimac" die Herrschaft über das Meer mit Erfolg streitig machte, kaum die Anfangsgrllnde kannte. Unter den Schlachtschiffen unserer Kriegsmarine
Die Jndiana". nimmt die Jndiana" den ersten Platz ein, ein schwimmender Koloß, der den Kampf mit keinem Kriegsfahrzeug der Welt zu scheuen braucht. Die In diana" hat bei einer Länge von 350 Fuß eine größte Breite von 69 Fuß 3 Zoll und einen Tiefgang von 24 Fuß; ihr Deplacement beträgt 10,288 Tonnen. Die bloße Angabe dieser Dimensionen werden dem Laien kaum auch nur eine annähernde Vorstellung von der furchtbaren Zerstörungsgewalt, welche innerhalb der Wände des Schiffes verborgen ist. geben und darum seien hier einige eingehende Mittheilungen über den aus Stahl gebauten Leviathan gemacht. Einschließlich der Gatlingkanonen ist die Jndiana" mit 42 Geschützen armirt, welche mit einer einzigen Salve 6926 Pfund Geschosse gegen den Feind zu schleudern vermögen; hierzu sind PulVerladungen im Gesammtgewicht von 3318 Pfund erforderlich. Die Munition wird in 39 Räumen aufbewahrt und in den .Magazinen befinden sich nicht weniger als 450 Tonnen Pulver. Ihre Maschinen können 9733 Pferdekräfte entwickeln, welche eine Fahrgeschwindigkeit von 15.54 Knoten ergeben. 30 Bunkers enthalten 1850 Vorderer 13-Z o l l t h u r m. Tonnen Kohlen und zur Disposition des Chef-Jngenieurs stehen im Ganzen 86 verschiedene Dampfmaschinen. Der mächtige Rumpf wird mrttels drei Dynamos erleuchtet und 4 Lichter von je 10.000 Kerzenstärke sind vorHanden, um die See nach Verderben bringenden Torpedos absuchen zu können. Das ganze Schiff ist in 380 Compartements, von denen 272 wasserdicht sind, getheilt. Der Kern der Defensive liegt in einem Raume, der sich in einer Länge von 192 Fuß über die ganze Breite des Schiffes erstreckt und der einer gewaltigen Redoute von Stahl gleicht. Ihre horizontalen Wände sind von einem 18zölligen Panzergürtel, der sich längs der Seiten des Schiffes oberhalb und unterhalb des Wassergürtels erstreckt, gebildet und die gewaltigen Querschotten sind thatsächlich eine Fortsetzung des Seitenpanzers, da sie dieselbe Stärke haben und nach Innen ausgebaucht sind, um sich an die kreisförmigen Varbettes zu schließen; letztere erheben sich an beiden Seiten der Redoute in einer Höhe von 13 Fuß und sind aus ,i?frV,' M.V mmgi. i M i rfiSäSiiifis M ü n d u n g d e s 13-Z o l l g e schützes. Z7zölligen Panzerplatten construirt. In die oberen Enden dieser riesigen Stahlcylinder genau eingepaßt sind die 13-Zollthürme von 15-zölligem Stahl, welche, trotzdem jeder mit sei nen großen Geschützen und Lafetten übn 400 Tonnen wiegt, so vorzüglich balancirt - sind, daß sie auf ihren Rollen einem einzigen Hebeldruck folgen. Im Innern dieser Stahlcitadelle befinden sich die Theile des Schiffes, welche ihm Kraft und Leben verleihen. Die äußeren Enden des Schiffes sind nicht gepanzert, aber durch einen breiten Kupfermcmtel. der mit Wasser ausschließendem Material gefüllt ist,
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geschützt. Ueb:r das Ganze zieht sich ein. Schutzdeck von 3-zölligem Stahl hin. Die Jndiana" wird von unseren Marine-Officieren als das Muster
ÜJ Hebevorrichtung für Projektile. eines modernen Schlachtschiffes gepriesen, da sie bei einer großen Fahrgeschwindigkeit eine gewaltige Offen-siv-wie Defensivgewalt besitzt. Im Großen und Ganzen unterscheidet sich das Fahrzeug wenig von den Schlachtschiffen anderer Nationen, nur mit ihrer Armirung mit 8 Achtzoll-Ge-schützen, die in Thürmen an den 4 Ecken des Oberbaues placirt sind, steht sie einzig da. Die wichtigsten Neuerungen, welche den modernen Schlachtschiffen eine so gewaltige Ueberlegenheit über ältere Kriegsfahrzeuge geben, sind Errun genschaften der letzten zwei Dekaden und diese haben den Dienst an Bord von Grund aus umgestaltet. Nicht 5Ts Torpedoraum. mehr wie zur Zeit der Seeschlacht von Trafalgar steht der Capitän mit dem Sprachrohr in der Hand auf der Commandobrücke, denn die Schnell-feuer-Kanonen haben dies unmöglich gemacht. Er befindet sich in einem gepanzerten Thurm und elektrische Drähte übermitteln seine Befehle. Die Wissenschaft hat ihm wunderbare Instrumentc gegeben, welche ihm die Richtung des Steuers, die Schnelligkeit des Schiffes sowie die Entfernung vom Feinde genau mittheilen und mit einem Fingerdruck kann er alle Geschütze seiner schwimmenden Citadelle auf ein Mal abfeuern sowie die furchtbaren Torpedos in Thätigkeit setzen. Vor 50 Jahren führte ein Linienschiff eine 800 bis 1000 Köpfe starke Bemannung. die Jndiana" bedarf nur 550 Mann, denn die modernen Maschinen ermöglichen ' eine ' leichtere Handhabung der heutigen Riesengescbütze. So genügen beispielsweise 6 Mann zur Bedienung eines Dreizehnzöllers von 60 Tonnen Gewicht, während für die 15-z'ölligen Geschütze des Monitor", die nur glatte Läufe hatten, je 14 Mann erforderlich waren. Die gewaltigen konischen Projektile werden aus den Munitionskammern mittels sinnreich construirter Maschinen gehoben, deren Bewegungen mit einem Hebelruder . regulirt werden. Wie jedes andere moderne Schlachtschisf ist die Jndiana" in eine Anzahl von Stationen getheilt, die von einander vollständig getrennt sind, und zwar sind dies 6 Thürme, 6 TorpedoLancierrLhren, die Secundärbatterie, die Marsen der Gefechtsmasten, die Torpedo imRoh'r. Maschinenräume und ankere Plätze von Wichtigkeit. Tief unten in den 13-Zoll-Thürmen sind die Räume, aus denen die Geschosse und die Munition für die 13-Zoll-Geschütze emporgehoben werden. .. Hydraulische Hebevorrichtungen thun diese Titanenarbeit (zwei Projektile mit Pulverla'düng wiegen 3300 Psund) und befördern die Geschosse bis an die Mündung der Geschütze, welche ihnen durch automatischen Druck entgegengebracht werden. Das Laden sowie das Verschließen der Geschütze geschieht ebenfalls mit Maschinen und zum Abfeuern genügt ein Fingerdruck auf den Knopf einer elektrischen Leitung. Für die Achtzöller-Thürme sind besondere Hebevorrichtungen . vorhanden, ' die mittels Elektricität in Bewegung gesetzt werden, während die Munition für die Sechszöller von Hand zu Hand gereicht wird und die Patronen für die Schnellfeuer-Geschütze neben diesen in Kisten aufgestapelt sind. Die Whitehead-Torpedos,, welche' Ladungen von 94 Pfund Schießbaumwolle haben, werden mittels kleiner Karren an die Lancierröhren gebracht. Im Aftertheile des Schiffes, tief unter der Wasserlinie, befindet sich der Dampf-Steuerapparat. In Frie-denszeiten-wird derselbe mittels eines kleinen Rades vom Steuerhause, von der Commandobrücke oder vom oberen s Deck aus controlirt und im Gefechte von dem Observationsthurme. Aber alle diese Apparate können weggeschössen werden und doch bleibt das
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Schiff actionsfähig. Dieses anscheinende Wunder wird von einem kleinen Raum, der Centralstation, bewirkt, in welcher aus allen Theilen des Schiffes Sprachröhren und elekirische Leitungen einmünden, wie die Nervenstränge in dem Gehirn des Menschen. Dort ist ein Offizier stationirt, der alle Meldungen sowie Befehle entgegennimmt und sofort weiterbefördert. Fast direct oberhalb der Centralstation, dicht unter dem Gefechtsmast, befindet sich ein Stahlcylinder von 10 Zoll Dicke, dies ist der Observationsthurm und dort befindet sich der Capitän in der Schlacht. AlleVorfälle. die sich auf den einzelnen Gefechtsstationen zutragen, werden ihm durch Vermittelung der Centralstation gemeldet und letztere befördert seine Befehle weiter. Von der Genauigkeit und Schnelligkeit, mit welcher der Officier der Centralstation seinen Dienst versieht, hängt daher zum großen Theile die Sicherheit und Effektivität des Schiffes ab. Ein merkwürdiges Grab. Auf dem Kirchhofe zu Hannover befindet sich ein Grabmal mit einfacher, aus soliden Hausteinen construirter Zarge und ebensolchem schweren Deckstein, auf welchem die Worte eingehauen sind: Dies Grab soll nie geöffnet werden!- Die Menschen haben diesen letzten Wunsch eines Verstorbenen respectirt. aber merkwürdigerweise ist durch ein seltsames Naturereigniß das Grab doch geöffnet worden. Aus der Tiefe der Gruft ist ein Bäumlein emporgewachsen, hat sich gegen den mäch-
Das Grab. tigen Deckquader gestemmt und denselben nach und nach beiseite geschoben. Das Bäumlein ist jetzt ein mächtiger Baum geworden, der mit seinen Aesten und Blättern das eigenthümlicheGrabmal überrsgt, und der sich weiter entwickelnde Stamm drängt den Deckstein immer mehr auf dieSeite wie in trotz!ger Auflehnung gegen die mahnenden Worte, des dort ruhenden Menschenlindes. Jmm erGeschäftsmann. Tochter: Bater, warum hast De meine drei Freier für die ßleicheStundc zur Werbung bestellt? Vater: ftu, damit se sich gegen seitig 'Hinterdrücken de Mitgift!" Falsch verstanden. ' u tV-XiiWQ er v.w-2 wrw MMWWP II a 3 T I V jr l , h v . . 5 5 - Tl'j vi';y..u tVi ' Bummler: Brauchen Sie' bielleicht ein Modell?"'- ' ! . ' - Kunstmaler: Haben Sie schon gesessen?" " -:; : ' ; ' ' Bummler: Jawohl, drei Tage wegen Bettelns.-' ' Ein Angsthase. Ach. qutestes Freilein, die Zeche hätte ich bafcl:; aber jetzt sind Sie so gut und leihen Sie mir drei Mark, denn wenn ich mit dem keren Bordemonneeh zu Hause komme, ist der Deiwel los." Teppiche und Treppenlaufet reinigt man mitWaffer. dem man zur 5?älst: Enig. zugesetzt hat. Man taucht einen Schwamm in diese Mischung und reibt damit die Teppiche ab, alsdann mit einem trockenen Tuche nach. ' ) Reinigung von Drahtbürsten. Dieselben reinigt man am besten mit heißer Weizenkleie, die man dick in die Borsten einstreut, eine Zeit lang darin läßt und ausklopft. Diese Manipulation muß so oft wied:rholt werden, bis die Bürsten sauber sind. . -
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Aci Körners. Von L. du BoiS Reymond.
A toiites lcs gloiies de la France," steht mit goldenen Lettern auf dem Verfailler Schloßmuseum, das nichts als unabsehbare Reihen glänzender Schlachtenbilder enthält. Ich weiß nicht warum, aber diese recht unzutreffende Widmung fiel mir ein, als ich das Körnermuseum zu Dresden betrat; und wirklich: dies schlichte alte Bürgerhaus verdiente vielleicht noch eher solche Inschrift; denn nicht die geringsten unserer deutschen Gloires sind es. von denen seine Räume Zeugniß ablegen. Welche Fülle von Erinnerungen dringt hier auf uns ein; welche Stusenleiter von Empfindungen wecken diese sorgsam gehegten Andenken, von den blutigen Reliquien des Heldenjünglings Theodor an bis zu so ehrwürdigen Schnurrpfeifereien wie Goethe's Visitenkarte und Schiller's Manschettenkn'öpfen. Und hier das kleine Kövner's Gartenhaus. unscheinbare Spinett mit den messingnen Rosenknospenbeschlägen und dem cöladongrünen Papierfutter im Deckel: wer sieht dem noch an, welch erlauchte Hand einst seine schwarze Klaviatur berührt hat? Mozart selbst," berichtet Gustav Parthey in seinen für Freunde herausgegebenen Jugenderinnerungen; .Mozart selbst, bei seinem kurzen Aufenthalte in Dresden, verkehrte fast täglich im Körner'schen Hause. Für die reizende und geistvolle Doris (Körners Schwägerin. Tochter desKupferstechers Stock und selbst talentvolle Malerin) stand er in hellen Flammen, und sagte ihr mit süddeutscher Lebhaftigkeit die naivsten Schmeicheleien. Gewöhnlich kam er kurz vor Tische, und setzte sich, nachdem er sich- in galanten Redensarten ergossen, an das Klavier, um zu phantasiren. Im Nebenzimmer wurde inzwischen der Tisch gedeckt, die Suppe aufgetragen, und der Bediente meldete. daß angerichtet sei. Aber wer mochte sich entfernen, wenn Mozart phantasirte! Man ließ d:e Suppe kalt werden und den Braten verbrennen, um nur immerfort den Zauberklängen zuzuhören, die der Meister, völlig in sich versunken und unempfindlich für die Außenwelt, dem Instrument entlockte. Doch wird man auch des höchsten mumalischen Genusses am Ende überdrüssig. wenn der Magen seine Förde?ungen geltend macht. Nachdem einiSchillerhäuschen. gemale die Suppe über Mozarts Spiel kalt geworden war, machte man kurzen Prozeß mit ihm. Mozart, sagte Doris, indem sie ihren schneeweißen Arm sanft auf seine Schulter legte, Mozart, wir gehen zu Tische, wollen Sie mit uns essen?. Küß die Hand, meine Gnädige, werde gleich kommen! Aber wer nicht kam. war Mozart; er spielte Ungestört fort. So hatten wir. denn oft. schloß Doris ihre Erzählung, bei unserem Essen die ausgesuchteste Mojzrt'sche Tafelmusik, und fanden ihn fcach Tische am Instrument sitzen.- ! 'Von Körner , selbst gilt wohl im schönsten Sinne das Wort: ' Wer den Besten seiner Zeit genug ge- , ! - ' than. Der hat gelebt für alle Zeiten." ' Er war's, der dem jungen kranken Schiller zur. Zeit der größten inneren und äußeren Verlassenheit aus der Ferne die rettende Freundeshand entgcgenstreckte; er. das sagt alles in einem Wort, wurde dasUrbild des Marquis Posa in Schillers Don Carlos. Ja. daß dies Trauerspiel überhaupt rollendet wurde, verdanken wir nicht zum wenigem ihm; als , sein Gast draußen auf dem Weinberg" in Loschwitz fand Schiller die Muße und Stimmung wieder, das schon fast aufgegebene W:rk auszubauen und durch zufübren. Das hochgelegene Gartenbäuschen. wo er daran zu arbeuen liebte. ' steht noch beute verändert mit emem Heuer weiß und gelben Anstrich. , den grünen Fensterladen und dem Stacket um die kleine Terrasse:. nur durchschneidet jetzt, gleich dahinter eine Straße den Süael. und statt der offenen Rebenaelande von damals umgeben es dicht schüttende Gartenbaume.
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Das eigentliche Körner'sche Land-
Haus, mit beiden nach den Geschwistern Theodor und Emma benannten Weimuthskiefern.liegt jetzt davon getrennt, unten an der Elbe in der eigentlichen Theo. Körners Spinett. Thalsohle, freundlich von buntem Blumenflor umgeben. Auch hier ist offenbar wenig verändert seit Schil ler's Zeiten: die weiße Holztreppe, der altvaterisch stattliche Hausrath sind .i-r.it. c . , , v oiqciocn geoneoen, uno pieiaivoue Ueberlieferung bezeichnet noch das Zimmer, wo er gewohnt hat. Nur die Waschküche, deren prosaische Geräusche seine Dichterphantasie damals so kläglich von König Philipps Hofe zur kalten Wirklichkeit, zum nassenStrumpf, Geworfen in die Welle zurückrissen, ist jetzt weiter ab vom Hause verlegt; vielleicht zum Besten irgend eines Genies der Zukunft; wer rann es wissen 5 Acrieliesörics. Endlich war auf das Wechsel"- und schuldenreiche Leben desBarons Guido vonDonnenberg ein freundlicher Lichtstrahl gefallen. Die schöne Katinka, eine noch sehr jugendliche Wittwe, schien nicht abgeneigt, ihren Wittwenschleier ab- und einen neuen Brautschleier dafür anzulegen, und derjenige, der das Glück haben sollte, sie wieder als Braut zum Altar zu führen, das konnte nur er sein! Guido von Donnenberg hatte sonst vor der Ehe einen gewaltigen Respect. Aber in diesem Falle lag die Sache anders. Katinka war nicht durch sich selbst begehrenswerth, sondern auch durch das stolze Vermögen, das ihr ersier Gatte, der alte durch Lederhandel emporgekommene Rentier ihr hinterlassen hatte. Den Begriff Vermögen aber kannte Guido aus eigener Erfahrung bis jetzt noch nicht. Im negativen Sinne war er ihm schon bedeutend geläufiger. Das heißt, in unser geliebtes Deutsch übertragen: Guido hatteSchulden und zwar kräftige! : ' Und diese Schulden drückten. Diejenigen beim Schneider. Schuster und seiner Logiswirthin drückten doppelt, denn sie machten sich täglich geltend; in sanften, höflichen, groben und unpassenden Mahnungen. Katinka's Hand aber war allein im Stande, die kläffende Meute der Gläubiger zu schweifwedelnden Schooßhündchen zu machen.' . Freilich, von diesen Schulden durfte Katinka nichts wissen. Seine zarten Liebeshuldigungen hätten sonst einen allzu unreellen Hintergrund erhalten und die ihm sichere Erhorung vielleicht in das Gegentheil verkehrt. Eben gerade hatte ein Bote ein prachtvolles Rosenbouquet für Guido gebracht. Er hatte nach langer Mühe noch einen Blumenhändler gefunden, der ihm ein solches creditirte. Ein Brieslein, von seiner Hand geschrieben. das eme herzige Liebeserklärung enthielt, lag auch schon für das Bouquet bereit. Während n noch freudestrahlenden AlickeS Dasselbe betrachtete, sollte es doch am heutigen Mittage der jungen' Wittwe mit dem zarten Brieslein durch. seine eigene Hand überreicht ' werden,' ..trat mit strenger Miene seine' Logiswirthm herrm und meinte spitz: eyi!- .at.:. mii ' c. : 'uuc lujiuuic -oiuuicu qaoen occ .Baron Geld über, aber für mich arme Wittwe . . Bald, meine Liebe beeilte sich Guido zu betheuern gar bald werde ich funkelnden Mammon besitzen und dann ," ' Ach. das sagen Sie ja immer! Aber jetzt kann ich nicht länger warten ich will mein Geld!" Die unerquickliche Situation hatte wohl noch länger angedauert, hätte nicht ein Schellen an der Corridorthür die Wirthin abgerufen. Guido nahm schnell Hut und Handschuhe und eilte hinaus. Wenn heute Katinka ihn erhörte, so waren alle Mahnereien vorüber. Bis zur Hochzeit mit der rei-ch-n Wittwe-Ivarteten sie alle gewiß gern! Aber seine Wirthm. Frau Miesebein, war heute ganz und gar aufgeregt. Guido's Mietschuld war auf eine beängstigende Höhe angewachsen und sie wollte ihm das einmal ernstlich, d. h. brieflich unter". die Ras: reiben.
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Mündliche Mahnungen früheren Ttx dem Baron .ja doch nichts mehr. Sie benutzte Guido's Ausgang, um ihre Epistel an ihn gleich fertig zu stellen. Daß sie sich dazu ihres Miethers Briefbogen und Couverts bediente, war selbstverständlich. Und Frau Miesebein war schlau. Sie wählte aus dem Vorrath ein zartrosa Couvert. in das sie ihre Mahnung barg. Und um mit ihrer ungelenken Hand nicht gleich die Schreiberin zu verrathen, ließ sie den Brief ohne Aufschrift und legte ihn nur recht auffällig auf Guido's Schreibtisch. Nein," verbesserte sie sich, da liest er ihn nicht. Ich werde den Brief in das Bouquet stecken, da ist's sicher, daß er ihn liest!"
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Und wie sie dachte, so that sie. Um die Mittagsstunde kehrte Guido heim, um das Bouquet zu holen und seinen Weg zu Katinka anzutreten. Das Herz schlug ihm vor Erwartung. Die nächste Stunde entschied Alles. Er nahm das Bouquet und sah darin das rothleuchtende Couvert. Wie man vergeßlich wird, wenn man sich mit einem Gedanken herumträgt." dachte er. Ich war der Meinung. ich hätte den Brief, welcher der göttlichen Katinka mein Herz enthüllt, noch in der Brusttasche, und doch habe ich ihn schon in das Bouquet gesteckt. Na, um so besser. Vorwärts auf in den Kampf, Torero!" Mit einem holden Lächeln auf dem hübschen Gesichte trat ihm eine halbe Stunde später Frau Katinka entgegen. erröthend die kostbaren Blumen nehmend, die Guido von Donnenberg ihr mit einigen verwirrt gestammelten Worten übergab. Ah!" rief die junge Wittwe plötzlich. Was ist denn das zwischen den Blüthen ein Brief? An mich?" An die Königin meines Herzens!" erwiderte Guido mit pochendem Herzen. das geradezu Generalmarsch schlug, als die Reizende nun den Brief aus ihrer rosigen Umhüllung nahm und ihn eröffnete. ' Nun wird sie errathen, verschämr werden, zärtlich seufzen, dachte Guido und bereitete sich schon vor, auf dieKniee zu fallen und die geschriebene Liebeserklärung durch eine mündlichezu vervollständigen, da Himmel! Was war das?' Vor die Füße flog ihm das theure Bouquet, und ein Brief flatterte hinterdrein und mit einem zornigen: Es ist empörend! Mir aus den Augen Herr Ba ron! Für immer!" rauschte Frau Katinka aus dem Salon. Verdutzt, fassungslos, einer Bildsäule gleich, stand Guido da. Endlich gewann er fo viel von feiner Fassung zurück, um BouqNet und Brief aufzuheben. Und als er das gethan, da. ward's urplötzlich Licht in ihm: Das war ja nicht seine Handschrift o Schicksal! die Hand, die seine monatlichen Mieths- und Auslagsrechnungen schrieb und auf dem Blatte stand: Sehr Georrer Her Baron! Zndem weil sie meinten das sie- gern mit Damsns umgingen mechte. ich Ihnen bitten auch an mir zu denken, das heißt, endlich nun mal ihre große Mietsschuld und meine Auslagen für ihnen sehr geörter Her Van. zu bezahlen. Hoch achtungsvoll ihr? sehr geörte " Er las nicht weitere Er, nahm Hut, Bouquet und Brief and ging. Frau Katinka ist heute noch zorneirtbrannt, Guido aber gänzlich durchgebrannt, seinen Glaubigern nämlich! Die weiß es schon. Lehrer: Wie heißt das schöbe Band, welches die Frau an den Mana bindet? Schülerin: Ein schöneZ Armband! Selbstverständlich Was hat Ihr Fräulein Tochtcr doh für ein silbernes Lachen, Herr Commenienrath!" Was soll se nich haben 'n silbernes Lachen, wo se triezt mit 500,000 Mark!" Klug. Herr Silberstein. Sie sind ja auch, wie ich höre, in dem neuen Actienhotel so geprellt worden?" Ja das ist wahr." Und haben Sie da nichts gethan?" Doch, doch, ich habe ein paar Actien genommen." Das Einfachste. Haupt mann: Waö thut der brave Soldat, wenn der Feind in großer Uebermacht herannaht?- 'Soldat: Er denkt sich, hol' Euch Alle miteinander der. Teu sei !
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An: Graöe. Von E. H. Tietz. '
Ein .tosendes. Brausen zieht über den Dü.ienwall, ächzend beugen sich die knorrigen Weidenbäume, die einsam da und dort umherstehen, seiner Gewalt. Zu Regen gewordene Nebel Massen peitscht es im wirren Durcheinander um die Dünenkämme. Der Sturm war der Freund des Todten, den sie da hinausgetragen haben zu der alten Gräberstätte. Jetzt ist es zugedeckt das kühle Bett des sturmgeprüften Mannes. Die Freunde gehen, nachdem sie das Kreuz, das sie schon dem Leichenzuge vorangetragen, ihm auf das Grab gesetzt haben, von der Stätte weg. nur ein weißhaariges Weib steht noch dabei und nicht weit von ihm an die Fichte gelehnt ein junger, kräftiger Bursche; sein Auge auf die wildbrausende See gerichtet. Nun wendet der Bursche den Kopf; er ist sich klar: Großmutter!" sagt er auch zu der alten Frau und faßte sie fest unter den Arm, kommt, ich muß hinaus." Die Alte fährt erschrocken herum: Christel, um Gott, Christel, geh' nicht!" fleht sie in namenloser Angst, die braunen, vertrockneten Hände derzweifelt zu dem Burschen erhebend. Christel, geh' nicht, geh' nicht. Denk an den da unten, er war mein letzter Junge, mein letztes Kind!" Der Bursche hat keine Antwort auf der Großmutter Bitten, nur nachdrücklich schüttelt er den Kopf und wendet sich fort. Die flehenden Hände der Alten sinken herab: Ach sie kennt ihn ja so genau diesen starren, eisernen Sinn. Gerade so hatte ihr Aeltester, der Bruder des jetzt Begrabenen, sich von ihr abgewandt, als sie ihn vor Jahren gebeten, nicht mehr zur See zu gehen, sondern bei ihr zu bleiben. Er hatte die große Fahrt nach China angetreten, das Schiff war gescheitert, und nie wieder hatte sie etwas von ihrem Lieblingskinde gehört. Der zweite Sohn, Christran Peter, war Lotse und vor einigen Tagen ebenfalls ein Opfer seines Berufes geworden: die Wellen hatten ihn an den Strand gespült. Noch einmal hob sie flehend die Hände: Christel bleib, bleib! Geh' nur heut nicht! Sieh, die See ging g'rad so hoch, als er ging und " Schluchzen erstickte der Alten Stimme und das tosende Brausen der brandenden See hatte fast all' ihre Worte verschlungen. Dumpf dröhnte ein Schuß durch das Sturmgtcheul. Auf dem Gottesacker war kein Mensch mehr zu sehen, alle waren sie an die See geeilt. Christel schüttelte den Kopf, Wieder dröhnte ein Schuß. Der Bursche wendete entschlossen um: Großmutter, ich geh', ich muß gehen!" : Am Strande standen die Fischer in ihren Oeljacken, das Rettungsboot war klar gemacht, nur die Bemannung fehlte. Es war ein Zagen, ein Abwägen, keiner traute sich dem. anderen seine Gedanken mitzutheilen, nur verstöhlen schaute man zum Friedhof und zur Dorfstraße hinauf; endlich ging ein Gemurmel der Erleichterung durch die Reihen: Christian"trat unter sie: Wer geht mit?" fragte er einfach und stieg ins Boot.. Sekundenlanges Schweigen. - Danrr traten n?ch zwei vor und in wenigen Minuten tanzte das leichte Boot auf den Wellen. . Eine halbe Stunde der. Angst, der heißen Sorge verging; wie eine Nußschale schleuderten die aufbäumenden Wogen das kleine. Fahrzeug hin und her. Endlich ein Schrei'., ein Rufen, Fragen. Dös Boot hatte glücklich das fremde Schiff erreicht. Kaum zehn Minuten und voll besetzt stieß es vom Bord desselben wieder in die See hinaus. Ein schweres Ringen und Kämpfen mit dem vrnn Strande mächtig zurückprallenden , gewaltigen Wassermassen- endlich endlich war die Brandung überwunden, der. Strand erreicht. Fünf Menschen Ware:? gerettet, vierjunge kräftige Burscheir und ein alter.Mann. der. Führer des gestrandeten: Scbiffes. Er war. wie es schien, noch bewußtlos,, genau wie sie ihn dort vom Deck; des fremden- Schiffes auf gehoben. Der vom Sturm gebrochene Mastbaum hatte ihw un, Falle mit niedergeworfen. . . , ' , . Wunden, waren .nicht zu. sehenso hoffte man, ihn balÄ wieder zu sich zu bringen.. . Christian half tragen und d. Großmutter, glücklich ihiren allerletzten wieder gesund bei sich zu. haben.eilte, so schnell sie ihre alten Füße cragen .wollten, den,. Mahnern nach, nm ihnen- zn . helfen. den .BeroutÄsen wieder in's Leben zurück 'zu fen. -, Man hatte ihn nÄderge- ' (n l . rri. !C i.in iecji Die viiic lvcyic iyni tv vorn Hals genommenen Brusttuch die Harr. aus .dem' Gesicht: Jung! mtln 'lina!? kreischte sie lsZ. -Der Fremde schlug die 'Augen auf. . Mutter, seit zuh tu eci la w Hüs?" ein glückliches Lächeln umspielte die wetterharten Züge fcs. Mannes, dann senkte er den Kopf irr der MuttcrSchoöß und heiße Thränen entflossen den Augen der Alten. Sie hatte den Aeltesten. ihren LieblingZsöhn wieder aber nur. um ihm die Augen für immer schließen zu sehen. Jetzt hatte sie noch einen, den sie mit einsenken konnte unter dem Fichten bäum auf der Düne.
Böse Kritik. (In der ' Kunstausstellung.) Sie: Aber warum ' .' hängt man denn solch' ein Bild auf? Er: Wahrscheinlich, weil man den j Maler nicht erwischen konnte." , N i ch t ü h e r den Thoren, macht man sich heutzutage lustig,. sondern über den Weisen. , -
