Indiana Tribüne, Volume 20, Number 3, Indianapolis, Marion County, 20 September 1896 — Page 3

Aovlmche! von AkcTZnde? ZZaron von Zioöerls.

(10. Fortsehung). Er ging von da an fleißig im Jamimt'schen Hause aus und ein. Man sah ihn geine und war anfangs so naiv, an seine Uncrgennützigkeit zu glauben. Ja, man war ihm sogar dankbar für seine aufopfernde ÄerMittlerrolle. Pharisäerhaft briistete er sich vor sich selbst: seht, was ein famo fcr Kerl ich bin! Ist es etwa sehr interessant, bei Tische zwischen den beiden grollenden Gatten zu sitzen und sie mit seinem Geplauder über die Schwüle ihrer eigenen Gedanken hinwegzutauschen? Doch hinter dem famosen Freund und guten Kerl lauerte schon der abgefeimte Rouö. der in solcher Schwüle seinen Weizen blühen sah. Dann nach der Entdeckung der Zeuners durch Viktor kam der offene Bruch. Das ehemalig Glück fiel in Trümmer bald ist die Stunde da. wo Boularöde sich von diesen Trümmern die weiße Fahne der Kapitulation hcrabholin wird.... Seit fenem derhangnißvollen Abend, wo Viktor seiner Frau die Drohung gegen den Preußen vor die Füße ge schleudert, hatte sich der Umgang der beiden Gattei? zu einem äußerlichen Nebeneinander gestaltet, das nicht zu sebr aus der von den Romanciers'beliebten Schablone der französischen High-Life-Ehe fiel und nicht unerträglicher und nicht verzweifelnder war. als tausend ähnliche Verhältnisse. Es war sogar zum Schein einer Versöhnung gekommen; Viktor hatte sich mit Widerstreben dazu bequemt, die Grundlosigkeit seines Verdachtes einzusehen. Aber der Haß gegen alles Deutschthum blieb. Zum mindesten hatte er sich durch einen Preußen, ja durch .seine" Preußin dort düpiren lassen und das' würde er beiden nicht derzeihen! Seme Freunde frohlockten über den unerwarteten Umschwung. Er machte kein Hehl daraus, daß er die Verquickung des Geschäftes mit dem Preußenkhum rmmer mehr als eineSchmach empfinde. Der alte Jaminet hatte genug unter seinen Ausfällen und Sticheleren zu dulden. Freilich war er, Viktor, nicht selbstständig und vom väterlichen Willen abhängig; aber er vermaß sich, nach und nach den geschäftlichen. Starrsinn des Alten, der sich auf , das Preußenthum verbissen hat!,?, mürbe zu machen. So wußke er sich außer dem Hause als einen Märtyrer aufzuspielen, und er schwor, in Zukunft, .wenn er erst- was zu sagen hätte", die Schmach, die auf dem Namen der Jaminets lastetete, glänzend zu sühnen. , Gottlob, Zeuner war ja gerettet! Der gefürchtet Schuß war mit Nichten gefallen. Gertrud konnte wieder aufathmen. Die Verabredung mit dem Landsmann wurde streng innegehalten, sie sah weder ihn, noch die MuLrer wieder, auch wurde von beiden Seiten auf jede Nachricht verzichtet. Und ihr Herz? Mit aller Energie, deren sie fähig war, gebot sie ihm Schweigen, Eises! ühle völliges Schweigen. . In der Angst der ersten Zeit, da sie immer noch die Pistole gegen den Anschuldigten im Anschlag glaubte, klarn merte sie sich an Boularödes Freundschaft. Sie hatte ihn ins Vertrauen gezogen und ihn um seinen Beistand angegangen. Er konnte zuerst ein gewisses verblüfftes Stutzen nicht unterdrücken: Was? Er soll den Deutschen in Schutz nehmen gegen einen Landsmann? Das ist doch eiwas zu stark für einen Vou Iarede! .Ich bitte Sie, Madame Gertru Sie rissen, ich bin Ihr Sklave und Sie können mit mir machen was Sie wollen aber Gleich reute ihn das Bekenntniß ist fr denn wirklich schuldig? Hat sie mit dem Preußen ihren Mann hintergangen? Dann freilich! Der Patriot bäumte in ihm auf. Und die Miene eines Richters auffetzend, der mit einer aus dem Versteck hervorbrechenden Frage, einen Verbrecher überrumpelt, seine grauen Augen in die ihren bohrend: .Sind Sie schuldig oder nicht? Ich muß das zuvor wissen!" Die Worte stockten ihm fast in der Kle wenn sie .ja!- sagte? gerade heraus .ja....An dem Schreck über diese. Möglichkeit erkannte er erst, wie sehr sein Herz, sein altes, abgetriebenes Herz, das bisher alle ernsthaften Angriffe abgeschüttelt, in ihren Fesseln schmachtete. . .Nein!- ries sie, und der Blick seiner Augen prallte an dem ihren ab wie an einem Stahl. .Nein" kurz und scharf und hiebartig, mit einer verhaltenen Wuth klang, das. als schnitte sie sich damit selbst die Möglichkeit einer zukünftigen Schuld ab. .Nun gut. dann muß man'Atttor zur Vernunft bringn!-. Er athmete erleichtert auf und seine Augen blitzten vor Genugthuung.' .Wissen Sie." sagte er. und sein Athem stürmte erregt mit den Worten, .Wissen Sie. wenn das der Fall ge t?esen wäre, so' hätte Viktor recht gehabt mit dem Totschießen. Ich thäte es auch....Er unternahm es also, .seinen Freund- Viktor zur Vernunft zu dringen. Das gelang erst allmählich. .Na. ich meine doch, lieber Freund, wenn j.ch Ihnen rathe, sich zu beruhioen 'und den Preußen ad acta zu leSen. so brauchen Sie doch kein Bedenttn mehr zu hegen...." 'Viktor rächte sich für den Zwang, den der andri ihm auferlegte. . Wie ist tii denn mit Ihrer famosui Deutschen-.'hetz;?-stachelte er immer von. Neuem. .Nun, da müßten ja auch Sie mit

auffliegen!" wehrte sich Voularöde bissig. .Was schadet's! Gern! Hier ich bin bereit! Wir Jaminets haben unser Loos verdient. Lassen Sie doch die Dcutschen endlich springen!" Schier unheimlich klang das grimmrge Hohnlachen, das diese Worte degleitete. Boularde wandte sich mit einem wegwrfenden Achselzucken ab. Er fühlte den Vorwurf der Schuld brennen, die er durch seine zögernde Lauheit am Patriotismus beging aber "cVst plus fort que mi !'' Die Vertraulichkeit, die ein Ergebniß solcher Unterredung mit Gertrud sein mußte, behagte ihm natürlich außerordentlich: solche Chance hatte er sich kaum erträumt! Und er begann, sie energisch auszunutzen. Ehe sie sich's also versah, hatte Gertrud einen Kvurmacher, und der Skandal hatte recht, wenn er den bis über die Ohren verlieben Dichterpatrioten zu ihren Füßen girren ließ. Sie sträubte sich mit nichien dagegen. Nicht, daß sein Minnedienft ihrer Eitelkeit geschmeichelt oder in ihrem Herzen einen Widerhall gefunden hätte. Vielleicht hatte die Pariser Luft ihre deutsche Moral dennoch abgehärtet. Innerlich spottete sie ja der Gesahr und verlachte sie die Leidenschaft, die unter Boularödes tändelnder Art zu lodern schien. Aber ihre Klugheit war erwacht, und mit einer Sicherheit, über die sie selbst staunte, zählte sie die Gründe auf, die sie veranlassen könnten, seine Huldigungen nicht allein zu, dulden, sondern sogar noch zu ermuthigen. War dieser Minnedienst nicht das' Gegengift gegen Viktors Eifersucht? Lenkte er nicht den Verdacht von Zeurrer ab? Gab es einen besseren Schutz- , mantel gegen ihr bedrängtes u?d ve-' drohtes Deutschthum? Ja. vielleicht' (und zu solchen- Raffinement war ihre frühere Naivetät umgeschlagen!) vielleicht läßt sich Viktors Eifersucht in diese ganz andere Richtung verkehren? Das wäre köstlich! Vielleicht bedeutete das sogar den Anfang eines neuen häuslichen Glückes.... So kam es. das Dionys Voularfcde zur Verzweiflung seiner Freunde und der großen Gemeinde, die vor dem Revanchezötzen auf den Knieen lag, in dem Eifer seines Liebesdienstes die Pflicht gegen sein Vaterland so straf-. !ich zu vergessen schien. Und Rosa Schneider? Vah. ihre Zeit war längst vorbei er war ihrer und der Tyrannei ihres leidenschaftlichen Herzens, das stets bereit war. sich in Lavaströmen zu ergießen, längst überdrüssig geworden. Er hatte sich längst nach Freiheit gesehnt. .Kletten- kann er nicht leiden. Fort damit! Uebrigens mußte sie ja ach vorher wissen, wie weit die .Ewigkeit" eines Boularde'schen Lievesschwures reicht. Mit einem kräftigen Ruck entledigte er sich ihrer also. Vielleicht hätte sie sich schnell getrostet. Vielleicht hätte sie diesen Schlag, der ihrer Eitelkeit versetzt worden war. bald überwunden aber Gertrud ihre Nachfolgerin? Das war zu stark! Das war zu viel! Und all ihr Trachten und Denken lichöete sich von da an auf Rache. Sie hatte dem deutschen Gänschen schon einmal Rache gelobt, nun lebte der Schwur um so kräftiger auf. Nichts willkommener, nichts süßer als solche Rache! Ist dieser brennende Rachedurst ihres Herzens nicht eine Ergänzung der ungeheuren, alle Fibern des französischen Vaterlandes durchbebenden Revanchesehnsucht? Und ihr Herz wird diese Rache erleben, so gewiß Frankreich den Tag der Revanche erleben Wird... Einundzwanzigstes Kapitel. Anfangs März war der Friedensapostel Sir Rowland in Paris aufgetaucht, um die Weltstadt für seinen .ewigen Vö!kerfried?n- zu erobern. Seine früheren Beziehungen zu Viktor wie zu Gertrud öffneten. ihm natürlich den Salon Jaminets. Gertrud freut: sich innigst seiner Anwesenheit, erinnerte er sie doch an das entschwundene Glück ihrer Mädchentage, und konnte sie sich doch mit ihm über die liebe Heimath unterhalten. Das war ein Grund mehr für Viktor, sich über den sonderbaren Kauz lustig zu machen. .Er ist verrückter denn je. Dein Sir Rowland!" sagte er lachcnd. mit verstecktem Hohn, nach des Engländers ersten Besuch. .Er ist ebensowenig mein Rowland, als er Deiner ist," erwiderte Gertrud verhalten. .Er ist doch ein Engländer. Was er anstrebt, ist doch gut er ist ein Idealist und steht seine Zeit wie seine Mitmenschen durch . eine Rosabrille er ist. glücklicher daran als wir." - Ich setze mir liebn, dre grüne, die Hoffnungsbrill? auf. -i meinte er anzüglich. .Wir Franzosen haben nur eme Pflicht, uns nicht von der Hoffnung abbringen zu lassen...- . - ' Dergleichen Redensarten, die den verstecktenPreußen?ab athmeten, achtet: sie kaum noch.so sehr hatte sie sich daran gewöhnt. Die Revanche-Jdee war Viktor so in, Fleisch und Blut übergegangen, daß sie bei der harmlosesten Veranlassung aus seinen Worten zu knistern begann. Gertrud hatte sich vorgenommen, ihre Ruhe dabei zu bewahren. Die Revanche ist die große Mooefiankheit der Franzosen, und Viktor ist besonders schwer davon ergriffen. Sir Rowland plante eine Reih: von Vortragen in den verschiedenen Stadt-' theilen von Paris,, rund erv versprach sich Wundcrwirkungen davon. Er versicherte, obgleich schon wieder im Orient ein neuer V'ölkerbrand wetterleuchtete. daß die Menschheit in Zukunft von der Kriegsgeißl verschont bleiben werde. Aber noch war es nicht Z.'it, die

Hände in den Schooß zu legen; so war er all die Jahre durch unermüdlich umhergereist, predigend und agitirend, unbekümmert darum, daß sein Verm?gen an der Gluthhitze seiner Manie immer mehr zusammenschmolz. Das Prädikat der Verrücktheit, das ihm Viktor ausgestellt, erhielt dadurch allerdings eine drastische Bestätigung, daß er ernstlich mit Armand in UnterHandlung getreten war. um ihm seincn Sprengstoff abzukaufen. Das Kriegsministerium, dem Armand sein .Tanatoid" zur Prüfung eingereicht, hatte es mit einem höflichen Achselzucken zurückgegeben; das Tanatoid zeichnete sich in seiner Wirksamkeit durchaus nicht vor anderen ähnlichen Erfindüngen wie Roborit, Kainit. Lithofracteur, Hellhoffit aus. 'Also mit dein Wegblasen preußischer Heere und Festungen war es für diesmal noch nichts. Armand fühlte sich schwer enttäuscht. Aber ein eingefleischter Erfinder läßt sich so leicht nicht einschüchtern. Er wird also das Tanatoid zu verbessern trachten dem massenmörderischen Sprengstoff muß dennoch die Zukunft verbleiben! Kaum, daß Sir Rowland von der Erfindung gehört, als er auch sofort mit einer Offerte an Armand herantrat, um ihm den Stoff abzukaufen und diesen somit unschädlich zu machen. Lag es nicht im Interesse der großen Friedensidee, die Welt von solcher Brutalität zu befreien. , Armand ging anfangs auf das An-' gebot ein; Viktor stachelte ihn dcZ Gaudiums halber. Und so hatte Sir Romland in bekannter Zähigkeit, die nöthigenfalls eine Mauer einzurenn.'n de-, reit war, die gebotenen Summen im-' mer höher gesteigert. Man war jetzt, auf fünfundvierzigtausendFranken ae-' kommen. Die Andern, die diesem löstlichen Scherz zuschauten, setzten dem' Adepten zu, er solle doch nicht dumm sein und das Geld ausschlagen hätv te er es nicht durch Scharssinn und Ausdauer verdient? Da stkeßen sie aber auf die nicht minder rabiate Manie des Erfinders: .Hoho, ich soll den kostbaren Stoff für ein Almosen verschleudern? DasTanatoid ist Millionen werth es wird einfach den nächsten Krieg zurEntsch:idung bringen !" Man konnte im Zweifel sein, wer der Verrücktere von den Beiden wäre. Sir Rowlands erste .Konferenz" fand im Saal Vanclouver statt. Es war selbstverständlich, daß sich die Spaß- und Skandalmacher von Paris und die Gamins der Presse hie? ein Rendez-vous gäben. Beim heutigen Diner der jungen Jaminets. an dem einzelne Herren, darunter Boularde. theilnahmen. versprach man sich vtn diesen .Folies-Rowland" einen ungeHeuren Jux.- Man wollte gleich nach aufgehobener Tafel hin. denn der Andrang zu dem -ohnehin beschränkten Saal würde groß werden. Es sei sch-l-de. daß Madame Gertrü. . nicht mit könne!. Gertrud hl5 runzelnd die Brauen: ".Welch'., ein-.grausames Vergnügen, meine-Herren, einen alten Mann sich vor versammeltem Publikum lächerlich machen zu sehen' andwortete sie. halb zerstreut, indem ihre blüthenweiß:n Finger eifrig damit beschäftigt waren, eine Orange kunstgerecht zu zerlegen. .Mit Nichten, mit Nichten. Madame, wir wollen uns gern belehren lassen ich mache grundsätzlich jede Konferenz mit, religiöse, politische, soziale" fiel einer der Gäste ein. .En-toui-cas" genannt, weil er überall dab:i war uttd das Geheimniß verstand, sich an einem Abend zu verzehnfachen, ein Dreißiger, hager, zäh, mit stetig wechselndem Augenausdruck und zickzackartigen Bewegungen. .Ich bin auch sür den Völkerfrieden warum nicht?" sagte Viktor. Und einen Blickespfeil nach seiner Frau hinschnellend: aber nachdem, wohlverstanden!" Alle bei Tisch wußten sofort, daß er .nach der Revanche" meinte. .Selbstverständlich " murmelte der alte Jaminet kleinlaut. Das kam wie ein Seufzer heraus; er schien den ganzen Abend über schon so gedrückt. Und Boularöde? Was meinte er von der Sache? Ach. er hatte keine Zeit! Er bewunderte eben das graziöse Fingerspiel der angebeteten schönen Frau. .Ich meine, man könnte sich die Salbaderei schenken," warf er zerstreut hin. Es lag ihm gar nichts daran, d'e Aussicht auf eine bedeutungsvoll: Plauderstunde an Kamin mit ihr et gen die quetschend: Marter eines dum pfen Saales zu vertauschen. .Gibt es eine Gelegenbeit für Sie, mein lieber Poet, sich um die gute Sache verdient zu. machen, so ist eZ diese!", sagte . Vikior,-äraerlich über Boularödes fortgesetzte Lauheit. .Sie sollten dem Eharlatan gehörig eins auf die Finger klopfen! Eine Unver schämtheit, uns hier vom Frieden vorzuHeulen!". . .Viktor!" flammte Gertrud auf. und das Obstmesser klirrte auf den Teller. .Haben Sie keine Furcht, Madzme," beruhigte sie Boularöde mit seinem süßesten Lächeln. Und ein innig dankbarer Blick au? ihren Augen belohnte ihn für dies Versprechen. .Allons, der Friede, meine Herr schafken!" rief .Entout-cas" liebenswürdig, mit einer gezackten Gest: daZ Glas erhebend. Man stieß lachen) darauf an.' .Nachdem!" betonte Viktor mit Knabentrotz. .Der Friede der Friede stammelte der alte Jaminet, wie er leichtert durch das Wort. Und er leerte den Inhalt des Glases mit einer Art feierlicher, abergläubischer Andacht, als müßte sich dadurch 'der Frizde, ach der Friede, der den fern:

ren Bestand seines Hauses bedeutete, beschwören lassen.' In einem Wirbel von übermüthigen. Scherzen machten sich die Herren nach den .Folies-Nowland auf. Gertrud hatte sich darauf gefreut, diesen Abend allein mit sich und ihren Gedanken am Kamin ihres Boudoirs zu verbringen. Kein Theater, kein Ball, keine Gesellschaft frei von Phrasen, Heuchelei, Lüge. Thorheit, Intrigue'. Neid und Leidenschaft. Sie hatte sich oft der Feigheit angeklagt, daß sie gerade diesen Winter über so nach dem Eitelkeitsmarkt gedrängt, um Herz und Sinne zu betäuben und den schier sträfliöep Glückesdurst, der sie zuweilen anwandeln wollte, zum Schweigen zu bringen. Wohlig zurückgelehnt in den Sessel, die Fußspitzen auf das Kamingitter stützend, saß sie schon über eine Stunde; mechanisch wandte ihre Hand die Seiten einer Revue, und ihre Blicke flatterten zerstreut zwischen den Zeilen; zuweilen sank das Buch herab und die sinnend-großen Augen waren aus das wechselnde Gluthleben des Kaminfeuers gerichtet. Jetzt glimmte und gloste es ohne offene Flamme, man sah ihm die Energie an, mit der es das Auflammen verhielt; jetzt schlug es hell auf, prasselnd, wie in Empörung über den heuchlerischen Zwang.! Und in Gertruds Antlitz schien das lebhaste Lichterspiel die Täuschung eines trotzig revoltirenden Lächelns zu entzünden. Plötzlich kam ein dumpser Schritt öber die Teppiche der Zimmerflucht. Der Diener? Oder die Zofe? Nein, der Schritt hatte etwas Stolperndes. Ihr Schwiegervater trat unter der Portiere hervor und nickte , mit einem Lächeln, dessen Traurigkeit ihr sofort, in's Herz schnitt. .Darf ich auf ein Viertelstllndchen hier bei Dir unterkriechen?" Es klang fast kläglich, wie die Stimme eines Obdachlosen, der um ein warmes Plätzchen bittet. .'n Tag Papa! Wie kommst Du denn?..... Aber gern, recht gern! Du weißt. Du bist stets willkommen." Und sie reichte ihm die eine Hand, während die Geste der andern ihn schon zum Sitzen einlud. .Komm, es ist wohl kalt draußen Du scheinst zu frösteln?" Er wehrte mit einer kurz schiebenden Handbewegung ab und ein Seuszer entfuhr ihm. Besorgt forschte sie in seinem Antlitz, das so seltsam verstör: schien. .Belästige ich Dich nicht? Was machst Du denn. Gertrü?" Wieder versuchte er zu lächeln ah, das Lächeln, macht ihm schon längst solche Mühe! Er hätte sich längst aussprcchen sollen! Und deshalb ist er gekommen. .Schon zurück? Bist Du denn nicht dort gewesen?" fragte sie. statt der Antwort. .Es war lvohl nicht hübfch, Papa? Ich dachte es mir. Mir thäte so etwas im Herzen weh." ' Er schlug mit der schlaffen Hand ein paarmal durch die Luft, wie man die Erinnerung an etwas , Unangenehmes abzuweisen pflegt. .Du hast recht. Gertrü auch mir hat es weh gethan. Er ist ein braver alter Biedermann aber er hätte fortbleiben sollen! Er. leistet niemand einen Dienst. Friede (der heisere Tön eines Lachens, ohne die Miene dazu) Friede- man muß uns Franzosen nur so einen rothen Lappen hinhalten, damit wir vor Wuth ausbrechen wie die Stiere." ' ' .Wieso? Hat man ihn ausgelacht?" .Wenn nur bloß das! Sie sind im stände, diesen Friedensapostel todtzuschlagen " .Herrgott!" schrie sie auf. - .Nun, es wird nicht gleich zum Aergsten kommen! Du brauchst .das nicht wörtlich zu nehmen. Ich meine moralisch wie sie uns andern, die wir mit Preußen nun einmal zu thun haben, ebenfalls todtschlazen werden'. Das wird bald genug geschehen...." ! Sein breiter Brustkasten dehnte sich mit einem schwülen Seufzer. Ein Kummer bedrückte ihn seit Monaten und untergrub sogar seine Gesundheit. Sein Nacken schien sich wie unter einer unsichtbaren Last zu krUmimen und sein Schritt hatte die frühere elastische Festigkeit eingebüßt. Er war der alte längst nicht mehr, und der joviale Ausdruck 'seiner Mienen war einem gepreßten Wesen' gewichene Er litt schmerer unter ' dem Zerwürfniß der beiden Gatten, als 'man der ron Egoismus durchsetzten Natur des eingefleischten Kaufmanns zuzetraui hätte. War dies Zerwürfniß nicht ein verhangnißvolles Symptom das den Zusammensturz des ' ganzen 'Hauses vorherkundete? Hatte nicht der unselig: Rassenhaß den Friedensbruch verscbul'det? Ja er fühlte schon daS ferne Rollen des' Sturmes,' der 'hereinbrechen wird um' an ' den Grundfesten der Firma zu rütteln -und' diese -selbst in den Bankerott hinabzureißen. Noch standen die Verträge mit Wahl, aufrecht aber von allen Seiten prallt: der Rassenhaß dagegen an. Sein Sohn Viktor .war wüthender als 'irgend' etri andrer von ' der ' .ungeheuerlichen Revanchekrankheit ergriffen. Jetzt vermaß er sich schon, offen die Lösung der BeZiehungen mit Wahl zu fordern d unselig Verblendete! Bisher glaubte Jaminet noch, auf Herkommen und Verträgen fußend und des allgemeinen Anschens sicher, mit Erfolg gegen den Wahnwitz ankampfen zu können. Der Sturm würde sich custoöen und die gefährdeten Fundamente würden sich als standhaft erproben. Aber heute Abend, dort im Saal Vaucouleur. war ihm plötzlich die Gewißheit aufgeleuchtet, daß das wuthMisere Kreischen des Deliriums die Stimmen der Vernunft zu überschreien im Legriff s. '

.Um Gottes willen was ist? Was redest Du für schrecklicke Worte, 'Papat! Was ist geschehen?" ' ,' Ich wiederhole Dir Du mußt das Todtschlagen nicht wörtlich neh-' men, Gertrü. Es wurde kein Knüttel gegen sein ehrwürdiges Haupt erhoben." .Hat man ihn nicht reden lassen?" .O gewiß. Ich habe ihm eine halbe Stunde lang zugehört, und dann ging ich. Ich hatte genug." .Wieso? Er ist ein wenig Phantast, aber voll Herzensgüte. Er verdient nicht, daß man ihn schlecht behandelt." .Er hat ein zähes Fell und scheint gegen -Spott und Hohn abgehärtet, nach Prophetenart. Zuletzt erst ah. was soll ich Dir erzählen? Es war nicht sehr bübsch durchaus nicht hübsch " Plötzlich fuhr er aus diesem Murmein auf und schlug mit den flachen Händen auf die Stuhllehnen: .Denk Dir, Gertrü " rief er mit bitterer: Grimm .Denk Dir. äber der Rednerestrade prangte die Devise: I!dert6 6aUt6 sratemit. Wir Franzosen fühlen nicht, welche Blasphemie wir fort und fort gegen die heiligen Worte buchen!" .Ihr habt keinen Anspruch mehr auf Eure angestammte Höflichkeit' nimm mir das nicht übel, Papa. Alles möget Ihr sein, aber liebenswürdig nein!" Es fuhr ihr wi: ein lang verhaltener

Zorn heraus, und rhre Augen funkelten erregt. Wieder sank sein Kopf herab und starrten die Augen unter dem Grau der halbgeschlossenen Wimpern ins Feuer ''libertd ?RalU fratcrnitd" auch diese Worte wiederholte er dumpf murmelnd, jedes mit einem Nicken' bekräftigend. Wehmüthig zitternde Fältchen schnitten über seine Mundwwkel. Zweiundzwanzigstes Kapitel. Ja, es war nicht sehr hübsch gewesen. Ein länglicher Saal mit niederer Decke, deren magere Stukkatur im Empirestil schwärzlich verstaubt und mit leise wehenden staubbeschwerten Spinnwebsäden gleich Fransen behangen ist. Die Wände grau und kahl, bis zur Kopfhöhe der stehenden Zuschauer fettig braun, wie mit glänzender Oelfarbe gestrichen. Nur die Hälfte der Gasflammen des Kronleuchters ist angezündet, und das gelbliche Licht dieser Flammen zuckt im regelmäßigen Takt, als wäre ihm der Athem zu kurz in der schweren, verdorbenen Luft des überfüllten Saales. Alle Bänke sind dicht besetzt, im Mittelgang steht eine festgekeilte Menge gleich einer Mauer; darüber ragen die unförmlichen Zweimaster einiger Gendarmen. Lauter fröhlich grinsende Gesichter; eine Art Gassenjungenlächeln scheint allen gemeinsam: denn man will sich unker allen Umständen amüsiren! Selbst die Gendarmen haben ihre pedantische Amtsmaske gegen dres Grienen des Juxes vertauscht. Zuerst ein wüster, wühlender Larm. der mit lachenden Flüchen begleitete Kampf um die Plätze; das Wiehern eines überaus dankbaren Publikums Lber das Bonmot eines Spaßvogels; die Unaeduld, die sich mit kräftrgen Rufen Luft schafft. Auch die Gasflammen wollen das ihrige zu dem Skandal beitragen und sie zischeln übermüthig dazu. Noch immer ist die Estrade leer. Und der Gegensatz der großen leeren Holzfläche, auf der das einsame, mit einem verschossenen grünen Tuchfetzen belegte Tischlein mit seinen zwei Lichtern und dem üblichen Glas Wasser steht, gegen die quetschende Ueberfülle des Zuschauerraumes. scheint die Ungeduld noch zu reizen. Jetzt beginn? man hinten in der Ecke mit den Füßen zu trommeln, und sofort pflanzt sich das Signal über den ganzen Saal fort, ein ohrenbetäubendes Stapfen und Stampfen und Dröhnen der Fußboden erzittert, die Wände scheinen zu wanken und die Scheiben des Oberlichtes klirren. Endlich! Da ist er! . Ein ungeheures .A ah!" empfängt den Apostel, wie er in seiner vorwärtsschiebenden Art angeschlürft kommj, im viel zu weiten, schlotternden Frack, dessen Taschen wieder wie gewöhnlich mit Schriftstücken .und Broschüren vollgestopft, sind, ein naiv kindliches Lächeln über der werben, unordentlichen. weißen Halsbinde.. Die-linkisch: Verbeugung der .langen Gestalt im Verein, mit diesem kindlichen Lächeln entfesseln einen höhnenden Bravlxstürm. ., . , ".''' ; : 't' .Pscht! Ruhe! Laßt ihn doch reden'.s Endlich schwillt der Tumult ab und die Worte, die die hölzernen, rechrwinkeligen Gesten des Redners begleiten, werden hörbar. Eine Stille, die fast unheimlich wirkt nach dem Lärm. Mit grinsend gespannten Mienen horch! atles 'nach ihm hin. und eine Weile deherrscht das nicht inkorrekte Franzäsisch des Engländers, das nur durch die berüchtigten '.lationalen Au-Töne etwas entstellt wird, die Aufmerksamkeit. Wunderschöne Perioden, denen man die Studiertheit des Schreibtisches anmerkt, mit einer gewissen ein töniaen Salbung ' vorgetragen. ES scheint kein: Abwechselung zu kommen hier und da reg! sich die Ungeduld ,Tel?mach' ruft einer. Das ist's! Langweilig wie das erzklassische Buch, mit dem man auf der Schule das Stilgefühl der Jugend glättet. Das sieht nicht nach einem Amüsement aus und deshalb ist man doch da! -' .Was wollen Sie denn da oben?" ,' .Wir sind hier nicht in der Kirche!" , .Einen Witz -holla, einen Witz!-

.Reden lassen!" hallt es in die von allen .Seiten keck aufschnellenden Stim-

men hinein. Der Friede... hört, er ist endlich da ran! Jetzt beginnt's! Er hat von sei rrem rieoen angefangen: Jetzt lamrs lustia werden. Der ewiae Aölkerfriede giebt es etwas Köstlicheres als diet narretyel? . Wieder verliert er fidb in einen Phrasenschwulst, der die edenhasten Segnungen' des künftigen Jdealzustandes beschreibt. Noch läßt man ihn gewahren, noch erduldet man das Nleseln seiner eintönigen Perioden. Einfallende Scberze werden noü mänia belacht, aber das Grienen und Grinsen ist längst zur Explosion reif. Selbst die Büste der Freihzitsgöttin, die sich über vnn tfopr der elsrrg gestltullrenden Gestalt erhebt, scheint eine ironische Grimasse zu schneiden unter ihrer Jakobinermütze. Plötzlich schallt der laute Ruf durch den Saal: .Bismarck!" Es ist wie ein Funke, an dem sich der verhaltene Skandal entfacht. Das Grienen und Grinsen verzerrt sich in aufgeregte Hassesmienen, so ausstachelnd wirkt der Name. .Ein Spion! Ein Agent Bismarcks! Ein Preuße! Hinaus mit ihm! Herunter!" Die wüthenden Drohrufe mehren sich. Das ist's! Daß sie sich alle von solcher Friedensschalmei bethören ließen! Niemand anders als Bismarck ist im Spiel! .Man-will uns provoziren! Herunter mit dem Spion!" Die Aufregung wächst Trommeln mit den Füßen ironisches Händeklatschen schrille Pfiffe heulende Töne jetzt fliegen scharfgellende Verwünschungen geballte Fäuste werden nach der Estrade geschwungen .Hinaus! Hinaus! Hinaus!" Inmitten dieses ungeheuren Lärms, der ihm entgegenbrandet, hält immer noch der Apostel und seine langen Arme fahren unentwegt fort, die Worte seiner Lippen zu begleiden, die spurlos von dem Lärm verschlungen werden. Mit nervöser Bewegung greifen die gekrümmten Finger jetzt öfter, gleich einem Kamm durch die moosartigen Büschel seines Backenbartes, und seine dunklen Augen glühen lebhafter unter den leise wetternden Brauen. O. er ist solche Szenen gewöhnt! Er weiß, daß seine Idee sich erst durch feindliche Verhaue von Vorurtheilen Bahn brechen muß. Auch er ist bereit, sich als Märtyrer für sein Ideal in Stücke hauen zu lassen.... Einmal reckt er sich auf, als wolle er sagen: .Hier bin ich! Kommt und schlagt mich doch todt!" - Doch nun ist's genug des Heulen's und Drohens! Und wenn der Bis-marck-Agent nicht gutwillig geht.... - Plötzlich springt Jemand mit einem Satz aus die Estrade neben das Tischchen eine feiste Gestalt mit einem borstig behaarten Graukopf und fanatisch flackernden Augen. Ein Hurra und Bravo begrüßt ihn. .Wer ist's?" . .Nun, Lafosse Sie kennen doch Lafosse " .Ah, der!" Gewiß kennt man ihn. Derselbe, der das Preußennest verlassen und sich seitdem auf den patriotischen Märtyrer ausspielt. Ein schlauer Macher, der aus den Umständen Kapital zu schlagen weiß. Lafosse. beginnt zu reden, als wäre der Andere gar nicht da; jetzt übertont die knarrende Stimme des ehemaligen Buchhalters das Chaos. Und fast komisch ist's zu sehen, wie es den Anschein hat, als machte der Engländer neben ihm, der sich auch durch diese unerhörte Herausforderung noch nicht aus dem Text hat bringen lassen, die begleitenden Gesten zu dem Geknarr. f WaZ, will der verrückl'e Kerl denn immer noch nicht weichen? Das ist zu arg! welche Unverschämtheit! Allgemeines Erheben: .Hinaus! Hinaus! Hinaus!" brüllend, johlend, kreischend, fluchend, in allen Tönen. Wieder zittert de? Fußboden, wieder scheinen die Wände zu wanken. Und das schnellere Zucken der GaS flammen gibt der Szene ein noch wilder erregtes Ansehen. -, Der alte Jaminet war erbleicht, als er Lafosse dort auf derEstrade blickt. Was kann der wollen? Es ist selbstve;ständlich, daß der Buchhalter die Gelegenheit ergreift, und sich endlich für die. ihm geschehene. Ausweisung rächj. Wenn erst der Lärm sich gelegt hat, wird er das lang .verhaltene. Gift gegen. daS Haus Jaminet ausspeien. Schon reckt sich sein Arm mit dem Zeigefinger . er weist auf Jemand in Saal.-Ihm ilt das Weisen, ihm, Jaminet -; i . Jetzt glaubt er deutlich seinenNamen zu hören, der ihm mit einem Zischton enkgegenfliegt. Vor seinen Blicken schwankt es er meint alle Köpse sich wenden und alle die von der Wuth verzerrten Gesichter ilach ihm hingrinsen zu sehen. Unker seinen Füßen bewegt sich wirklich der Boden .Hinaus! Hinaus!" Gilt das Wuthgeschrei nicht ihm?' . l Wie unter den Geißelhieben dieses .Hinaus!" machte er sich davon. Tapferkeit war nie seine Sache gewesen. Er wußte nun, wie es um ihn und die Existenz seines Hauses stand; wie vernichtet schlich er über die Straße nach seinem Heim. Der Portier, die Dienerschaft empfingen ihn, so meinte er.' mit verächtlich-mitleidigen Blicken. Die wußken schon! Ah, es war ja 'nur eine Täuschung gewesen! Aber Lafosse, die racheschnaubende Erscheinung dort in dem zuckenden Licht, war kein Erzeugniß seiner Erregung. Die Rache kommt wenn nicht heuk-e, so morgen: das .Hinaus!" hängt in der Luft. Fort und fort gellt es ihm in den Ohren. , - (Fortsetzung folgt.)

Kür die Küche. Pflaumensuppe. Ein PfunS ausgesteinte Pflaumen kocht man mit? reichlich einem Quart Wasser, etwa Zimmt, Citronenschale und zwei irr Scheiben geschnittenen Milchbrötchen weich.streicht die Suppe alsdann durch ein Sieb, vermischt sie mit Zucker ünv nach Belieben mit etwas Wein, läßt sie einmal aufkochen und richtet sie über geröstete Semmel oder Zwieback an. Gehackter Weißkohl mit Sahne. Die von den Rippen befreiten Kohlblätter werden gewaschen, blanchirt, gut ausgedrückt und grob kornig gehackt, mit einer feingehacktere und in Butter weißgeschwitzten Zwiebel, Fleischbrühe und ein wenig Salz auf gelindes Feuer gesetzt, gut zugedeckt und unter öfterem Umrühren langsam weich und kurz eingeschmort. Dann kocht man von Sahne mit etwas Weißmehl eine dickseimige Sauce, vermischt diese mit dem Kohl und fügt ein wenig Zucker, Muscatnuß und Pfeffer hinzu; nun läßt man den Kohl noch ein Weilchen ganz sacht schmoren. Nach Belieben und Geschmack kann man den Zucker auch weglassen. Als Beilage gibt , man Cotelettes oder Saucischen. Pichelsteiner Fleisch. Man nimmt hierzu ein Stück Rindslende, hackt dasselbe sauber ab und schneidet es in nicht zu kleine Würfel. Kartoffeln werden geschält und in dünne Scheiben zerschnitten, einige Zwiebel schnben mit Butter weich, doch nicht gelb geschmort. Man bestreicht den Boden einer Form, mit gut schließendem Deckel, fett mit Butter, legt eine Schicht Kartoffeln hinein., darüber eine Lage Fleisch und einige 'Zwiebelscheiben und fährt abwechselnd so fort, bis die Form beinahe gefüllt ist, bestreut auch jede Lage mit dem nöthigen Salz und legt ein Stück Butter darauf, auch kann man etwas zerstoßenen weißen Pfeffer oder zerpflücktes Lorbeerblatt hinzugeben. Schließlich gießt man etwas dicke Sahne über das Ganze, schließt die Form fest zu, stellt sie in siedendes Wasser und läßt es zwei Stunden ununterbrochen kochen. Sollte die Suppe, welche sich in der Form selbst gebildet hat, zu dünn sein, so füllt man sie ab, kocht sie schnell mit ein wenig in Wasser klar gequirltem Mehl sämig ein und gießt sie wieder auf die .Speise. Auch aus Rindfleisch.

mageremSchweine- und jungem Ham melfleisch kann man Pichelsteiner Fleisch bereiten. Man nimmt von jeder Fleischart zu gleichen Theilen. Miridon vou Kartoffeln mit Schweinefleisch. Au5 einem Pfund Schweinefleisch von der Keule schneidet man fingerdicke, thalergroße Scheiben, welche man klopft undi mit Salz und Pfeffer bestreut. Mi! etwas Zwiebel und Gewürz dämpft man nun die Stückchen in gutem Fett gelbbräunlich und weich. Sodann but tert man eine Form und gibt schichtenweise das Fleisch mit geriebenen Kartoffeln hinein, gießt während des Einlegens einige Löffel guter Bratensauce darüber und zuletzt eine Tasse kräftiger Fleischbrühe. In heißem Ofen schön gelb gebacken, stürzt man die Speise auf eine erwärmte Schüssel und gibt eine Sardellen- oder Kapern sauce dazu. Bayrische Kartoffeltorte. Ein Viertel Pfund Mandeln werden abgewaschen und nachdem sie mit einem sauberen Tuche trocken gerieben sind, mit der Schale gröblich gestoßen oder gewiegt. , Sodann schlägt man zwei ganze Eier mit einem Viertel Pfund gesiebtem Zucker schaumig, gibt die gestoßenen Mandeln, eine Messerspitze fein gestoßene Nelken, einen Theelöffel Zimmet, die fein gehackte Schale einer Citrone und nach Velie ben etwas geriebene Muscatnuß und! zuletzt ein Pfund gekochte. , geriebene Kartoffeln dazu. Nun verarbeitet man alles zu einem Teig, rollt mit Hilfe von wenigem Mehl eine runde Teigplatte in der Stärke eines Federkiels aus und belegt mit dieser eine ge butterte Tortenform. Um den Rand ' legt man eine fingerdicke Teigrolle, nachdem man denselben vorher mit Gelbei besirichen hat, damit derselbe gut hält. Nun füllt man den Raum der Torte mit einer feinen Marmelade oder eingelegten Himbeeren, Johannisbeeren und so weiter und macht vom. übrigen Teig ein hübsches Gitter darüber. Auch dieses bestreicht man mit Gelbei und backt die Torte in gut geheiztem Ofen. Sobald sie gar ist. Wird sie mit gesiebtem Zucker bestreut. Rothe, Grütze. Man vermische ein halbes Quart ausgepreßten Him beersaft mit einem Viertel Vkund) Zucker und, .soviel Wasser, daß alles zusammen em Quart Flüssigkeit ausmacht. Diese bringe man zum Kochen und gebe dann eine Tasse Gries hinein und rLhre es.bis.es gar gekocht ist. Dann füllt man es in eine mit Wasser ausgespülte Form, lasse, es erkalten, stürze es und gebe süßen Rahm dazu. Chocolade - Creme mit Wein. Man kocht ein Quart Rothwein mit einem halben Pfund Chocolade und 7 Unzen Zucker. Dann mischt man eine Unze aufgelöste Hau senblase. weiße oder rothe, hinzu, und verrührt alles sehr fein; besser noch, man streicht die Masse durch ein Haar sieb. Sodann mengt man den Schnee von vier Eiweiß darunter, füllt die Creme in eine hübsche Form und stellt sie auf Eis. , , EinestrengeMntte?. Kartchen: Papa, darf ich nicht einmal an Deinem Käse riechen?- Vater : Gern, mein Kind." Mutter: .Aber! Mann, wie kannst. Du das Kind nur so maßlos ver'ziehm!Wink. Herr: Ihre Frau Ma. ma stottert?' Fräulein: Aller! dings aber ja- kann sie fließend! t sagen.-