Indiana Tribüne, Volume 20, Number 3, Indianapolis, Marion County, 20 September 1896 — Page 2
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, Aer älteste Licöes0rief. Das Britische Museum in London besitzt eine kleine auf einen Ziegelstein geschriebene Liebesepistel an eine egypiische Prinzessin. Dieser Liebesbrief ist gewiß alt zu nennen, denn er stammt aus dem Jahre 1600 vor hristi Geburt, allein er ist nicht die älteste Epistel seiner Art. Als solcher gilt ein babylonischer Liebesbrief aus der Zeit Abrahams, der also noch um Jahrhunderte älter ist, als jene egypiische Werbung. Er stammt aus einer ganzen Sammlung von Privatbriefen und Kaufverträgen aus jener entlegenen Periode, welche in den Ruinen der babylonischen Stadt Sippas gefunden wurde und .nach den Mittheilungen des gelehrten Dominikanerpaters Scheit sich jetzt in Konstantinopel befindet. Die schlichten Worte, mit denen der Briefschreiber an seine (3t liebte oder sein Weib sich wendet, wer den nicht verfehlen, das menschliche Empfinden der Babylonier, dieses uralten Culturvolkes, uns in sehr sympathischerWeise vorzuführen. Nun der Wortlaut des Schreibens: Der Bibia sei Folgendes kund: was mich, Gimil-Marduk. anlangt, so mögen die Götter Samas (Sonne) und Marduk (der bibl. Merodach) um meines Na mens willen (das ist: aus Liebe zu mir) dich ewig leben lassen. Ich sende 'hiemit (Anfrage) um Nachricht über dein Wohlergehen; sende mir Kunde, eb es dir wohl geht. Ich befinde mich (augenblicklich) in Babel und hab: Dich nicht gesehen, weshalb ich sehr beunruhigt bin. Sende mir doch Nach richt von deinem Ergehen, auf daß ich mich freue; komme im Monat Arachsamna (Marcheschwan). Um meines Namens willen (d. i. mir zu Liebe) mögest du ewig leben." Daß die Bibia nicht etwa eine Mutter ist, sondern seine Geliebte, die der Schreiber offenbar in Babel zu finden erwartet hatte, geht aus einem andern Schreiben hervor. das ein Sohn an seinen Vater richtet, und das beginnt: Meinem Vater sei Folgendes kund u. s. tv." Denn wäre die Bibia die Mutter des Schreibers, dann hätte er, schon aus Ehrerbietung, seinen Brief nicht anders als mit Meiner Mutter Bibia begonnen. Da auch dieser zweite Brief höchst charakteristisch für das Privatleben der Babylonier jener Zeit ist und eines humoristischen Beigeschmacks nicht entbehrt, so sei auch er zum Schluß den Lesern vorgeführt: Meinem Vater sei Folgendes kund: was mich, Zimri-era anlangt, so mögen Samas und Marduk dich ewig leben lassen; es möge dir Wohlergehen. Ich sende hiemit (Anfrage) um Nachlicht über dein Wohlergehn! sende mir Äunde, ob es dir wohlgeht. Ich befinde mich hier in der Stadt DurSin. Da wo ich mich befinde, gibt es keine Nahrungsmittel für mich zum ssen. Siehe, ich siegle (d. i. lasse abstempeln) ein Drittel Sekel Silber und sende es dir; schicke für dieses Geld gute Fische und andere LebensMittel für mich zum essen". Gerade die Vergleichung dieser beiden Briefe ist psychologisch hoch interessant: hier die mehr materielle Magenfrage, die dem Sohn den Griffel in die Hand drückt und dort die zärtliche Besorgniß um Nachricht von dem Aufenthalt und Wohlergehen der Geliebten, wobei noch besonders auf das zweimal wiederholte um meines Namens willen (d. i. .aus Liebe zu mir)" aufmerksam ge-
macht sei. Beachtenswerty t auch, daß der Sohn dem Vater das Geld sür seine Auslagen gleich mitschickt. Wenn einmal in weiteren 3000 Iahren die Postkarte eines deutschen Studenten. worin er an seinen Vater um Geld schreibt, neben diesem altbabykonischen Bittbrief in ein und demselben Museum liegen wird, dann wird der Vergleich gewiß zu Gunsten deS babylonischen Bittstellers ausfallen. Die Innigkeit und Zartheit der Liebesbriefe jedoch bleibt in allen Jahrrausenden die gleiche, nur daß vielleicht das Schlichte des Ausdrucks je nach den verschiedenen Zeiten wechselt und späterhin gelegentlich durch sentimentalere Töne ersetzt wird. EmJahr. Von Maria Janitschel. Träumende Blumen, nickendes GraB, Von Käfern ein gülden Gewimmel, ' Ein Rauschen wie rieselnder Blätter Fall. And drüber der blaue Himmel. Am Bodm flimmerndes Silber verstreut. Die Sträuche in weißen Schleiern, ileixi Windhauch, kein wachender 2 gellaut, Dicht endenwollendes Feiern. 53 klopft wie mit Kinderfingern Nn's sonnenlaue EiS, Und in den nassen Zweigen Da regt sich'ö fragend leis. Um Rosen braune Falter. Ein Neigen von Ast zu Ast, Die Blüthen voller Honig. -Die Nester voll junger Last. Und wieder träumende Blumen, ' Der Käfer gülden Gewimmel, Der müden Blätter Rieseln . Und drüber der blaue Himmel. Gutes Zeichen. Herr : .Nun, hat sich die Schwerhörigkeit Jhs Herrn Papas noch immer nicht gehoben?" Fräulein: D jal Gestern hat er sich schon die Ohren zugehalten, 2xne ich gesungen habe!" Der kranke Trinker.. Arzt: .Bekommt der Kranke auch re-j ezelmößig seinen Löffel Tokaier?" Wärterin: Selbstverständlich; mit zehn Eßlöffel voll ist er schon im Vor-jchuß!"
Stisse Wasser. Humoreske v, Max Kirschscld.
Sieh doch. Mutter, da unten fährt Else Strombera mit ihrem Bräutigam vorüber." Die verwittwete Frau Majorm Klettke. an welche diese Worte gerichtet waren, murmelte zur Erwiderung einige unverständliche Worte, nicht weil die Bemerkung ihrer Tochter sie kalt gelassen hatte, sondern weil dieselbeOel ins Feuer goß. Sie hatte ihre Tochter, welche über eine Stickerei gebeugt saß. längere Zeit beobachtet und sich die Frage vorgelegt, warum dieses Herrliche braune Haar, dieser zarte, rosig angehauchte Teint, diese dunkelblauen Augen hier oben im vierten Stock im' beachtet bleiben mußten, während andere. durchaus unansehnliche Mädchen die schönsten Partien machten. Und diese reizende Figurl" brummte sie vor sich hin, als Erna sich jetzt erhob. Was sagtest Du. Mutter?" Ich sage, daß Du ebmso gut wie Elfe Stromberg verlobt sein könntest, wenn Du nicht den Männern gegenüber wie ein Holzblock wärst." Elfe Stromberg hat ein großes Vermögen, ich dagegen " Ach was, man muß es nur verstehen. Jetzt bist Du bereits einundzwanzig Jahre alt, alle unsere Be kannten wünschen, daß Du einen guten Mann kriegm möchtest " Aber ich kann doch nicht auf allgemeines Verlangen heirathen." Und alle würden Dir dazu verhelfen, wenn Du nicht so kalt wärst. Der Assessor machte Dir auch den Hof, und nun geht er hin und verlobt sich mit Elfe Stromberg." Es bleiben ja noch genug Männer übrig." Wenn Du wenigstens deutlich erklären möchtest: Ich will gar nicht heirathen, dann wüßte man doch, woran man wäre." Ich habe nichts gegen eine Heirath." , Dann thu' auch etwas dazu. Warum gehst Du immer gekleidet wie Aschenbrödel? Vielleicht glaubst Du. wenn Du so ärmlich angezogen gehst, wird Dich einer aus Mitleid nehmen?" Nicht doch, liebe Mutter," lächelte Erna. Ich glaub nur, wenn ich mich kostspieliger kleidete, müßten wir unser kleines Capital angreifen, und das wirst Du doch selbst nicht wollen." Die Mazorin schwieg und versank in tiefes Nachdenken. Plötzlich sprang sie auf und rief mit der ihr eigenen Lebhaftigkeit: Ja, wir werden das Capital angreifen, und nicht nur angreifen nein, ich setze das ganze Geld auf eine Karte" Mutter, Du willst doch nicht nach Monaco fahren?" Nicht nach Monaco, aber nach Zraend einem fasbionablen Badeort. 5tä will nicht hier unterm Dach mit Dir versauern. Du weißt, Erna, wenn ich einmal elnen Beschluß gefaßt habe, bleibt es dabei. Wir lassen uns schöne Toiletten machen und reisen ab." Du wagst, Mutter, unser Capital Die paar tausend Mark werden den Kohl nicht fett machen, und wir sind doch b:s letzt ohne das Geld ausaekom men. Nein. nein, keine Widerrede, es wäre Sünde und Schande zu warten. dis Du eme alte Jungfer bist, und das l T.. i V t r- . - ' . V ' iuuii lvclven, ocnn ver eine jpei rathscandidat. der alliäbrlick in un serm kleinen Neste auftaucht, hat hier zuviel Auswahl. Der geht Dir stets mit Sicherheit flöten." Ein allzu energischer Widerstand lag nicht im Charakter der stillenErna, und so fügte sie sich schweizend in die Anordnungen der Mutter. Die Toileiten wurden angefertigt, die Koffer wuroen gepackt, und zu Beginn der Bade - Saison stand Frau Maiorin Klettke nebst Tochter in derKur'.iste von uyivrunn. Diese Kurliste in der Sand wltend saß die lebhafte kleine Dame, wclcbe in den ersten Vierzigern stand, aber nccb viel jünger aussah, in ein:m Zimmer ves Hotel Weber", wahrend taun mit den Koffern beschäftigt war. ' Herr von Meyer nebst Gemahlin Zkommerzlenraty Mooshenn nebst Ge mablin und drei Töchtern Mül Irr, verwittweteKanzleiräthin mit zwei Töchtern o, diese gräßliche Concurrenz! Hartmann, Rittergutsbe sitzer unoRlttmeister z. D. Hm! hm Der scheint keine Frau, auch keineTöch ter bei sich zu haben Rittergutsbe sttzer und Rittmeister. Also soau sagen doppelt amtiert und wobnt auch im Hotel Weber" was meinst Du. vörna, mochtest Du den haben?" Wenn ich bitten dürfte", sagte das junge Mädchen ironisch lächelnd. Nein, ich meine natürlich, falls er zu gaben ist. aber das werden wir ball hören."" ' Ich mochte Dir doch rathen, für aue ffalle noch einige Herren zur Re serve aus der Kurliste herauSzusu chen." . Nein, mein Kind, das verstehst Da mazl. Vem Bater sagte immer, beim Angriff muß man seine ganze Stärke zm einen Punkt concentriren. Mir Hilfe des Wirthes fammelte sie folgende Personalien des Rittmeisters: , Wittwer. Vater zweier Kinder Im Alter von acht und zehn Jahren, die lieg aus dem Gute unter Aussicht emer Gouvernante befinden. Alter desRitt meisters: Achtundvierzig. Character Wenn ihn seine Krankheit, em Leber leiden, plagt, mürrisch, sonst höflich, aber zur Einsamkeit geneigt.. Hat du Erlaubniß, den Brunnen zu benutzen, ehe er dem Publicum geöffnet wird. Ist Punk! neun Uhr früh am Bprn. nen. Dann o'dt Bad und ärztliche Consultation. Nach der Table ü'kot einsamer Svazieraana im Walde uni ' Zcitungslescn. Dann aus seinem Zim
mer, wo er die Berichte seines Derwekrers prüft und Briefe schreibt. Abends m "w . 1 ? I ? i
egeimayig .aroapariu mii auaeaHerren." . Ein dem Ooerkeuner gespendetes reichliches Trinkgeld bewirkte, daß der Rittmeister bei der Table d'liote Nackbar der Maiorm wurde. Es war tm aroner. scklankcrMann mit sckwarzem, graumelirtem Haar und Sckmurr dart, gelbllqem westcyt und scharfblickenden, dunklen. Augen. Ueberrascht, die unbekannte Dame als Tischnachbarm zu finden, stellte er sich ihr vor: Men Name ist H a a m. .Ab. babe ick reckt verstanden?" fraate die Maiorin mit ihrem freundliebsten Lächeln. Sie heißen wirklich Hartmann?" .Donnerwetter, die mun eine Obren haben." dachte der Rittmeister, die versteht etwas, was man gar nicht aussprlcht. Allerdinas, Hartmann, meineGnadige." .Und naturlich eotmallaer Cavalle?ist man sieht es Ihnen sofort an verzeihen Sie. es ist ja sonderbar von mir ich bin Ihnen ia fremd, aber im Bataillon meines seligen Mannes, des Majors Klettke, stand ein Lieutenant Hartmann im 235. Reaiment " ?la. ia. stimmt, war ein Vetter von mir ist jetzt Hauptmann im selben Regiment. Wie sich das herrlich trifft, Herr Nittmeister " Die hat den Satan im Leib", dachte der Angeredete, jetzt hat sie mir trotz des Civils angesehen, daß ich Rittmeister bin". Ihr Herr Vetter war ein reizender Mensch." fuhr die Maiorin fort. ?kck muh wohl sagen, er war mir der sym-! pathischste unter den Ofslaeren. An unseren musikalischen Abenden 'war er der Eifrigste." Da muß er sich fehr geändert haben. Soviel ich weiß, war ihm alleMusik zuwider, mit Ausnahme derjenigen, welche die Parade - Marsch Pfeifer der Compagnie machten." Vielleicht irre ich mich auch es ist so lange her aber wie gesagt, ich interessire mich noch immer für ihn." Der Nittmeister murmelte etwas ror sich hin, und bis mm Schluß derMhlzeit war ihm nicht mehr als ein Ja ode? Nein zu entlocken. Nichtsdestoweniger war die Majorin mit diesem Anfang zufrieden. Rom ist nicht an einem Tage gebaut worden, sagte sie sich, freilich mußte sie ihre-' Angriffe" auf die Zeit der Table d'hote beschränken, bei welcher sie gewöhnlich neben dem Rittmeister oder ihm gegenüber saß. Einmal machte sie das E?periment. ihre Tochter neben ibn zu vlairen. aber ohne Erfolg, denn Beide sprachen nicht em einziges Wort Miteinander. Du wirst mich um den Lohn meiner Bemühungen bringen," jammerte sie. als sie mit Erna allein war. Du bist gegen den Rittmeister so kühl, wie cegen alle anderen Männern, und "er könnte doch Dein Vater sein." Das Letztere will ich nicht beste, ten." Aha, er ist Dir wohl zu alt?" Nein, Mutter, so unbescheiden bin ich nicht. Ich weiß, daß ich keine Ansprüche machen darf.Vielleicht willstDu nicht gernStief. mutter sein?Ich weiß nicht, Mutter, ich habe allerdings noch keine Uebung darin, aber H Was nicht ist. kann werden, das meine ich auch. Wir müssen jetzt zur entschiedeneren Offensive übergeh'n." Ach. liebste MutterStille, keine Insubordination! Ich bin der Generalstob, und Du bast einfach meine Ordre auszuführen. Morgen früh werden wir. um neun Uhr unfere Toilette beendigt haben." , Mir recht, wenn Du " Ich weiß, was Du fagen willst. Ich werde meine Neigung zur Lcmgschläferei überwinden." Als der Rittmeister am andernMor gen vom Brunnen kam, trat ihm die Majorin entgegen, während Erna cine Strecke zurückgeblieben war. Ach, mein lieber Herr Rittmeister, wie freue ich mich, daß ich Sie zufäl lig treffe." Der Rittmeister schnitt eine Grimasse und freute sich durchaus nicht. Der Brunnen, der zu seiner Kur nothwendig war, hatte immer eine fatale Augenblickswirkung für ihn. Er verurfachte ihm Schmerzen, die nur dadurch gelindert wurden, daß er heimeilte und sich aufs Sopha lege. Womit kann ich Ihnen dienm, meine Gnädigste?" ! Mir ist gestern eingefallen aber 10 komm' doch hierher, Erna, der Herr Rittmeister wird Dich nicht beißen. 30? Herr Better, der Lieutenant Hartmann Erna stieß ihre Mutter heimlich an, um sie auf den Rittmeister aufmerksam zu machen, der m größter Unruhe sich bald auf die eine, bald auf die andere Seite boa. Die Maiorin blinkte ibrer Tochter zu, als wollte sie sagen: Ich habe es auch schon gemerkt, es ist das erste Zeichen einer aufkeimenden Nei gung." Was geht mich mein Vetter an," saate der Rittmeister unwillia. ! Aber, Herr Rittmeister,' wie böse Sie ausseyen: Nun habe ich ganz vergessen, was ich fragen wollte und es war doch so wichtia " Vielleicht entsinnen Sie sich bis zur nlle u not, gnädige Frau. Eine Verbeugung, und er war verschwunden. Aber, Mutter." rief Erna, wie konntest Du ihn nur so quälen! Sahst Du nicht, daß er grün und blau im Gesicht wurde?" Mein Kind, die Veränderung der Gesichtsfarbe ist das sicherste Merkmal. daß der Gegenstand unserer Liebe in I ver viat)t lp." .
Offenbar glaubte aber die Majorin
selbst nicht recht an diese Auslegung. denn als sich der Rittmeister an der Table d'liote fortan noch reservirter verhielt, stellte sie die indirekten Angriffe" fast gänzlich ein. Die indirekten" Angriffe nannte sie dleienigm, welche sie selbst zu Gunsten ihrerTochter unternahm. Nunmehr lag es in ihrem Plan. Erna selbst zur Offensive anzustacheln. Bedenke, liebes Kind, daß wir unser ganzes Capital eingesetzt haben. So demüthigend auch die scheinbare . hörst Du, unsere scheinbare Erfolzlosigkeit ist, einen Rückzug will ich nicht eher antreten, als bis ich mir sagen muß: Wir sind endgültig besiegt, geschlagen." Aber, beste Mutter, .ich begreife nicht, warum Du Dich auf den Rittmeister caprizirst." Ach. mein Kind, ich habe inzwischen Umschau gehalten. Junge Leute giebt es hier nicht viele, und die wenigen sind entweder zu krank und haben gewöhnlich auch kein Vermögen, das sie schlimmsten Falls ihrer Wittwe hinterlassen können oder sie sind schon versagt und von der Concurrenz in Beschlag genommen." Wie kaufmännisch Du Dich ausdrückst. Mutter!" Meine liebe Erna, ich habe meine heldenhafte Seite, um das Andenken Deines Vaters zu ehren, und ich habe meine kommerzielle Seite, die vom mütterlichen Standpunkte gerechtfertigt ist. Aber was ich sagen wollte. Du wirst von jetzt an, während ich mein Nachmittagsschläfchen halte, im Walde spazieren gehen." Ja. liebe Mutter." Du gehst dieselben Wege, wie der Rittmeister, mit träumerischem Ausdruck in Deinen Zügen, in der Hand ein Buch haltend, mit Goldschnitt, in rothem Einband am besten irgend ein philosophisches Buch die Herren lieben es, wenn wir Bücher lesen, die wir nicht verstehen." Ja, liebe Mutter." Nun, da stehst Du wieder, als ob Du nicht bis drei zählen kannst Du bist doch wirklich schon in einem Alter, in welchem derartige Instruktionen überflüssig sein sollten ich überlasse Dir Alles Weitere und warte täglich Deinen Rapport." Im Laufe der nächsten vierzehn Tage wurde dieser Rapport" immer günfiiger, und als am Ende dieser Zeit die Majorin fragte: Glaubst Du nun wirklich, daß er daß er Dich liebt?" erwiderte Erna nur schwach erröthend, aber mit leuchtenden Augen: Ja, liebe Mutter." Dann wunderts mich aber, daß er bei der Tuble d'hote grießgrä'miger ist, als je zuvor. Aber jedenfalls feindet er in mir schon die zukünftige Schwiegermutter an. Immerhin kannst Du ihm einen Wink mit dem Zaunpfahl, des Anhaltms wegen, geben." Aber dazu schien der Rittmeister nicht die geringste Lust zu haben. Da faßte die heldenhafte Mutter den Eutschluß, einmal, ohne ihre Tochter vorher davon zu benachrichtigen, ihren Nachmittagsschlaf zu opfern und das sonderbare Liebespaar zu überra schen. Sie kannte Ernas Lieblingspläb.'sien im Walde und lenkte dahin ihreSchritte. Vorsichtig blickte sie durch eine von halbwüchsigen Tannenbäumen gebildete Wand und wäre vor Ueberraschung fast in die Erde gesunken. Erna saß auf einer Bank und hatte ihreHznd einem jungen Manne überlassen, der dieselbe wiederholt küßte. Mit einem Schrei fuhr Erna cmpor, als die Mutter plötzlich vor ihr stand. Mein Herr Badearzt," wandte sich die Mutter an den jungen Mann, der nicht einmal verlegen zu werden schien, Ihre Consultationen scheinen seltsamer Natur zu sein." , Liebe Mutter," nahm Erna statt seiner das Wort, es handelt sich um keine Consultation, sondern um eine Verlobung." Ja, gnädige Frau, ich bitte um die Hand Ihrer Tochter." Aber so schnell, gleich bei der ersten Begegnung" Nicht doch. Mutter! Beinahe so lange wir hier sind, traf ich jeden Nachmittag mit Kurt im Walde zusammen." Jeden Nachmittag? Mit Kurt? Mir wird schwindlig. Kind, dann bist Du ja vollständig compromittirt ich fürchte ich werde ohnmächtig. crr Doctor. wieviel Gehalt haben Sie?" Der Arzt nannte eine anständige Summe. Dann gebe ich Euch meinen Segen aber daö hat mich sehr angegriffen, ich muß mich erholen gehen." , Sie wandelte langsam den WaldPfad hinunter und ließ sich auf, ine entfernte Bank nieder.. . ' . . Statt des doppelt Geritterten nur ein einfacher Arzt", dachte sie , bei sich, aber afür auch, jung, und ohne Kinder. Ich glaube immerhin, ich kann zufrieden sein."- ''".,''' Störe ich, gnädige Frau?" ' Ach Sie sind es. Herr Rittmeister, ich. dachte eben an Sie ' aber machen Sie mir kein bärbeißiges Gesicht mehr 7 ich' verspreche Ihnen, Sie fortan ganz in Ruhe zu lassen." Und ich wollte Sie eben um . das Gegentheil bitten, gnädige Frau." lachte der Rittmeister. Sie sind die einzige Dame, die sich durch meine abstoßenden Gewohnheiten niemals abhalten ließ, mir gegenüber freundlich zu sein gnädige Frau, wollen Sie die Mutter meiner Kinder werden?" Herr Rittmeister, das kommt zu plötzlich daö muß ich mir erst überlegen." Innerlich aber jubelte sie: Gesiegt habe ich und natürlich glänzend:?, als ich beabsichtigte. Das wird cine prächtige Doppelhochzeit eeben."
Icr Hraumkünstker.
Eme Sondcraestalt aus dem Volle Peter Nosegger. von, Eines Sonntags Nachmittags saß' ich in jenem Bauernwirthshause und war arg verdrossen. Dev Wein war. sauer, die Stube rußig, das Fenster voller Fliegenpunkte und draußen war trostloser Salzburgerregen. Anstatt auf der so schön ausgedachten BergPartie die unzähligen Gipfel, Gletscher undSeeen imSonnenglanz zu schauen, sah ich im düsteren Zimmer mir gegenüber einen brummigen Wirth und hinten auf der Ofenbank einen schläfrigen Greis. Der Wirth war wohl brummig,weil ihm zehn lustig trinkende und kartelnde Bauern lieber gewesen wären, wie ein magerer Tourist, der seit zwei Stunden bei einem einzigen Achtel Wein saß und immer zum Fenster hinausguckte, als ob der Regen im Schockgraben weiß Gott was für ein Weltwunder wäre. Grundsätzlich frage ich keinen Alpenwirth bei Regenwetter, ob er nicht glaube, daß es bald fchon werden würde. So ein Schlingel zwinkert gen Himmel, überlegt eine Weile und sagt endlich: Es kann schön werden, aber es kann auch noch eine Zeit wild bleiben." Ich hatte also nur einige ganz gleichgültige Worte gesagt, die der Wirth ebenso gleichgültig beantwortet. Meine Zeche hatte ich schon bezahlt, daher begriff ich nicht recht, warum er immer noch bei mir am Tische sitzen blieb. Dabei sah mein Wirth fo grämig drein, daß ich die Pflicht fühlte, ihn zu unterhalten. Wer ist der Alte dort beim Ofen?" fragte ich. Ist der Kohlenrablev." Kohlenrabler, waS ist das?" Der vom Kohlenschoppen die Kohlen m die Schmiede tragt, unten beim Hammerwerk." Was macht er denn jetzt?" fragte ich weiter. Denn der Mann am Ofen that an einer schwarzen Wurst herum und rieb an etwas Glänzendem, das daran war. Sein Spektivel (Perspektiv) putzt er belehrte der Wirth und setzte, auf einmal ganz überraschend gesprächig, bei: Ja, ja. der Augustel ist ein gar großer Herr." Wer? Der Alte dort? Der Kohlenrabler?" Dev Kohlenrabler. Gehen's nur hin, reden's mit ihm." Ich trat zum Ofen hin und der Wirth, als er mich vom Halse hatte, siffelte sachte zur Thür hinaus. Na, wie geht's, wie geht's, Alter?" redete ich den Greis an. Diefer rückte seinen stoppelbartigen Kinnbacken zurecht, wetzte mit der Zunge die Lippen, wobei ich nicht einen einzigen Zahn sah, blinzelte mit den kleinen Rundäuglein und sagte mit einer zarten, fast piepsenden Stimme: Ist die Frage dem Auswendigen vermemt. odev dem Emwendlgen? Weil ich auf diese Antwort hin ver blüsft war. so rückt der Alte ein wenig welter m den Winkel hmem, als ob er mir an seiner Seite Platz machen wollte. und fuhr fort: Das ist halt nit so einfach, mein Mensch. Dem Kohlenrabler ist sie vermeint? Du. hör' einmal, der Kohlenrabler ist ein armer Schrägen, der geht den ganzen lieben Tag zwischen dem Schoppen und der Schmiede hin und her mit seinem Korb und tragt Kohlen, ohlschwarze Kohlen. Auf dem sein Gesicht kannst mit dem Finger weiße Stricheln machen, so schwarz ist es. Das'ist ein langweiliger Notier, der Auswendige. den mag ich selber nit und bin allemal froh, wenn ich ihn auf den Abend ins Stroh werfen kann. Nachher wird der Andere munter, der Einwendige. Du d e r !" Bei dem letzten Worte hob er seine Stimme zum Tone höchsten Respektes vor dem Einwendigen". Ich saß bei solchenWorten ganz rathlos da. so lugte er mich schmunzelnd an. hub von der Bank sein Fernrohr auf und sagte: Was ist das? Das ist ein Spektivel. Schauest jetzt durch, so siehst gar nichts. Alles kohlschwarz. Ziehen wir's bcm emmal auseman der. Er that's, so daß das Rohr nun zwei Langen gab. Guckst letzt durch. siehst auch nicht viel. Ziehen wir's halt noch einmal auseinander." Er zog das dritte inwendige Rohr hervor, das Instrument war jetzt so lang, wie eme Elle. Nu guck emmal durch! Ich hielt daö Rohr gen das Fen fier, lugte hinein, sah aber nichts, als eme graueScheibe mit wogendem Perl mutterschimmer. Das Glas war durchaus schadhaft. Siehst du's jetzt?" fragte der Alte. Ich sehe nichts.Aber schau!" rief er und nahm mir daö Rohr aus der Hand, man sieht ja eine schöne, lichte Weltkugel. Und das, mem Mensch, ist auch em Gleiches Der alte Kohlenrabler ist auch so ein Spektivel mit drei Röhren. Wenn ich auf den Abend das Gewand auszieh', da ziehe ich halt das erste Rohr herab. Wenn der müde Mensch leib nachher einschlaft.da ist das zweite Rohr weg, und das dritte Rohr, mem Mensch, das ist nachher der Andere, der Einwendige mit der schönen lichten Weltkugel. Das ist der Äugn fiel, der alleweil noch hundsjung ist und kreuzlustig und gar nit ein bi'ssel rußig. Und em hoher Herr! Ja, da müßt' ich wohl aufs Hausdach hinaufsteigen, daß ich kunnt zeigen, was der für ein hoher Herr ist. Solltest du mit dem Augustel reden wollen, so sag' gutwillig: Euer Majestät!" Ganz und gar verrückt! dachte ich. Habe aber ' meine Meinung ein wenig ändern müssen. Denn es kam heraus, daß ich die Ehre hatte, mit einem Philosophen zu sprechen, mit einem Dichter und Künstler, kurz, mit einem großen, gottbegnadeten Narren.. .Sem thut'S halt so," sagte der ge-
sprächige Alte. Auf den Adend, wenn ( der Kohlenrabler einfchlaft, wacht der ' Augustel auf. Und stehen sie schon alle
um sein seidenes Bett herum die Hosenanleger und Stiefelanzieher. die Salbenraulem und Haarkrauslerinnen und Bartstutzerinnen und Nagelschneidermnen und die Mantelumhänger. Und nachher bringen' mir sieben Diener das Frühstück, auf güldenen Schusseln Sauerkraut ml Speck, aber es ist jetzt keine Zeit zum Essen. Zwölf Knaben mit silbernen Trompeten geleiten mich in den Thronsaal, setze ich mich auf den güldenenStuhl. rücke mir die Kronhaube zurecht und hebe an zu regieren. Das ist ganz leicht, mein Mensch, die fürnehmen Leut' laß ich im Winkel stehen und die armen Leut' kriegen Dukaten und Sauerkraut mit Speck. Und wenn sich gar wo ein Kohlenrabler zeigt, so -winke ich ihn ganz zu mir heran und thue ihm was Gutes. Denn mir selber ist es von einer argenZauberin angethan worden, daß ich alle liebe Nacht träumen muß, ich wär' ein armer Kohlenrabler. Da wartet Eins nachher freilich zwicknotig, bis man munter wird. Alsdann nachher zu Mittag gehe ich zu meiner, Familie, meine junge Frau, drei herzliebe Kinder warten fchon auf mich bei der großen Herrentafel. Ich habe einen wahren Heißhunger, aber allemal, wenn ich die Gabel mit Sauerkraut und Speckgrameln zum Munde will führen, finde ich die Gabel nicht, oder muß kleine Kinder auf dem Arm halten, oder es ist die unrechte Schüssel und das ist ja mem einziges Elend, daß ich im Königsschloß lvt und ewig nit dazukommen kann zum Sauerkraut. Dieweilen wird's kalt, es wird frifches gekocht rknd wie sieben Köche den Kessel, in dem der Speck brodelt, zur Tafel schleppen, ist's aus, ich lieg' auf dem Stroh und bin wieder der Kohlenrabler. Altes Kind Gottes!" rief ich nun aus, Sauerkraut mit Speck! Dazu muß sich der Mensch ja Nicht gleich in ein Köniasschloß hineinträumen. Das wird wohl auch für den Kohlenrabler noch zu erlangen sein. Blickte mich der Alte schweigend eine Weile an und sagte endlich: Meinst du?" Wenn ich . nicht irre, hat es gar in diesem Haus,' in dem wir sitzen, Sauerkraut mit Speck gegeben, heut zu Mittag." Hat's auch gegeben!" rief er lebhaft aus, was hilft mir das! wenn ich's nimmer beißen kann. Und seine Majestät, der Augustel kunnt's beißen. der hat noch junge Zähne, schau, mein Mensch, und der Augustel kann's nit derwarten und kann's nit derwarten!" Gar geschmackig wußte er mir viele Einzelnheiten seines nächtlichen KLnigthums zu schildern. Eine Nacht wie die andere träumte er davon und beim Einschlafen wußte er es so anzustellen, daß keine andereTraumvorftellung ansetzen konnte, daß sein Königsleben da einfetzte, wo es des Morgens zuvor unterbrochen worden war. Einmal geschah es, daß er vomSchloßfenster aus hinabstürzte in den Graben. Während des Fallens dachte er sich schnell: Nur jetzt geschwind aufwachen, sonst fällst dich todt und kannst morgen nicht mehr König sein. Ein anderes Mal war ein junger Ritter vorhanden und wollte seine Frau verführen. Wenn die Frau einverstanden ist dachte er, fo kann da einmal ein König auch nichts machen, das Beste ist, geschwind munter werden und gleich wieder einen Tag Kohlen tragen, kohlschwarze Kohlen, morgl ist der falsche Ritter sicherlich verschwunden und ich habe meine treue Gemahlin. Noch hübscher war's, als er einst einen goldenenApfel verschluckt hatte, wahrscheinlich den Reichsapfel, daß er infolgedessen ersticken follte und er sich geschwind in die Zunge biß, um noch rechtzeitig aufzuwachen. So verstand er es. ein wahrerTraumkünstler, seine Träume zu leiten und zu wenden, daß er König war und blieb; aber so weit, bis zum Sauerkraut und Speck, so weit brachte er es nicht. Da sieht man, daß der Mensch nicht einmal im Traume alles haben kann, was sein Herz verlangt. Alfo hatte dev alteKohlenrabler mir seinen inneren Menschen gezeigt und denselben verglichen mit dem innersten Rohre seines Spektivels", in welchem die lichte Weltkugel" war. Der Regen hatte aufgehört, die Nebel stiegen, die Berggipfel wurden klar, und ich machte mich auf die Wanderfchaft. Allerlei Herrliches hatte ich noch gesehen an jenem Abende, und doch that's mir leid, nicht beim alten Kohlenrabler sitzen geblieben, nicht tieser in das Königsthum seines Augupels gedrungen zu sein. Vielleicht war auch nicht weitev dahinter. Der Alte hätte mich aber darum besonders angemuthet,' weilich schon bei mir 'selber mehrmals auf denGedanken gekommen bin. ob es nicht am Ende eine Art Traumkunst giebt, die man ausnutzen konnte. So habe ich an mir schon mehrmals die Erfahrung gemacht, daß man einen unangenehmen Traum beeinflussen und wenden kann. Ich habe einen fehr leisen Schlaf, trotzdem aber lebhafte Träume. Und mitten im Trium tzkbe ich manchmal das Bewußtsein, daß es doch nur ein Traum ist. dem man zur Noth entfliehen kann, wenn es zu bunt wird. Schon vor dem Einschlummern kann man durch Vorstellungen einen bestimmten Traum vorbereiten. . Während des Traumes kommt es auch auf die Bereitwilligkeit an, mit welcher man in demselben verharrt. Ich erfreue mich zumeist sehr freundlicher Träume, so daß mir ein plötzliches Erwachen oft leid thut. Dann mache ich Licht, sehe nach der Uhr, mache wieder Nacht, lege mich aufs andere Ohr und versuche den Traum dort wieder anzuknüpfen, ws . er abgerissen word,n. Oft
aelinat's Vor kurzem s 's !?
Traum aus Dämmerungen U.: eme Gestalt langsam aus mich va-:-? men, sie war mit einem weißen .v.X, verhüllt und grauenhaft anzus.'-n. Und da fiel es mir ein: Denke daß es ein böser Geist ist, sonst is:'auf der Stelle einer, denke, daß es dem heiterer Sohn ist, der dich necken will. In demselben Augenblick warf die Gestalt das Tuch ab und mem lsoyn lachte mich an. Und so. mein' ich. uegt es theuweise m unserer Macht, Träume nach Belieben zu gestalten. Unser Wille, wenn es ein starker ist, hat auch noch im Schlafe einige Macht. Es giebtTraumgruppen. So wie bei dem alten Kohlenrabler neben dem Königthum das Sauerkraut mit 6peck stand, fo giebt es in meinen Träumen selten ein Gewitter, in welchem neben dem Wege nicht ein weißgekleidetes Knäblein steht, das ein schwarzesPriesierbarett auf dem Kopfe trägt. Zu den wenigen meiner beklemmenden Träume zählt jener, in welchem die Scheunen meines Geburtshauses brennen. Die Flammen gebärden sich nicht gerade heftig, greifen aber immer näher heran gegen das Wohnhaus. Und nun kommt mir der wohl aus Erfahrung früherer Träume geschöpfte Gedanke: Wache rasch auf, fönst brennt auch das Wohnhaus nieder! Und ich werde wach. Dann trachte ich wieder einzuschlummern, den Traum weiter zu spinnen und so, in dem Bewußtsein zu träumen, eine stattliche Feuersbrunst zu beobachten. Auch ezistiren in meiner Traumwelt drei rothe Katzen, die immer am Brette nagen, auf dem ich stehe. Dieses Nagen thut mir sehv wohl, ich fühle es wie ein Streicheln an meinem Haar. Nun weiß ich aber während dieses Gefühls, daß, wenn das Brett durchgenagt ist, ich in eine unendliche Tiefe stürze. Daher trachte ich beizeiten, sobald die rothen Katzen auftauchen, sie mit einemSchrei zu verjagen. Dadurch erwache ich. der Schrei gellt aber noch lange unheimlich in mir nach und ich darf eine Weile nicht einschlummern, sonst sind die Katzen aus dev Stelle wieder da. Es giebt Traumepochen. Ich hatte eine Reihe von Jahren, in denen mir der Traum immer nur meine damals lange schon vergangene Handwerkerzeit vorführte, dann kamen Jahre, in welchen ich jede Nacht die verdammte Schulprüfung ablegen sollte, trotzdem, ich mir bewußt war rein gav nichts zu können. Solche Schulprüfungen sinddie schlimmsten Feinde eines ruhigen Schlafes Heute träume ich häufig, am Vorlesetisch zu sitzen, das Publikum auf mich warten zu sehen und im n. WAHtrnZ hfiZ rtrfitfftt Hjuuj tivg uuui vfc p Stücklein nicht zu finden. Das ist eine Qual, so sehr ich mir auch sage: Mache dir nichts draus, lasse dasPublikum warten und schlafe, denn es ist doch nur ein Traum! Das Ding istschwer von dev Seele zu schütteln. ELsoll mir aber auch noch gelingen, man muß sich nur üben in der Kunst,' der Träume Herr zu werden. Mein alter Kohlenrabler ist - beim Tage Kohlenrabler und bei der Nacht König. Schon seit Jahren, wie er mir vertraut hat. Er soll sich In sein Königthum so sehr hineingelebt haben, daß er den Kohlenrabler für dieTraumgestalt hält. Und er hat Recht. Wissen wir anderen es denn besser? Traum dies, Traum daZ, Traum hier, Traum dort. Glückselig der, welcherentweder so oder so zu seinem Sauerkraut mit Speck kommt. Unerwartete Wenduug. ' Es war Friedrich dem Großen petSunangenehm, wenn bekannt wurde, was er nicht öffentlich besprochen wissen wollte. Im Jahre 1756, kurz vor dem Ausbruch des Krieges, bat ihn ein Feldwebel von der Leibgarde um die Erlaubniß, nach seiner Heimath reiseu zu dürfen. Es ist jetzt nicht Zeit, auf Urlaub zu gehen sagte der König, wir werden bald marschiren." Gleich darauf hörte er. daß seine Leibpagen sich im Vorzimmer heftig stritten, und der Thür nähertretend, hält er sein Ohr an dieselbe und horcht. Nun, und wohin wird denn dn Alte marschiren?" fragte einer der Pagen. Ganz gewiß nach Schlesien," antwartete der andere. Ei bewahre! Ich weiß es besser ; er schickt uns gewiß in das langweilige Sachsen," entgegnete der erstere. Plötzlich wurde die Thür geöffnet: und Friedrich der Große sagte: Nein, Wir gehen zunächst nach dem langweiligeren Spandau." ntrlftA srfcMI YtT O'ontst dtt. VtilV VtitllU Vnfc v - "O Pagen auf drei Wochen in Arrest nach der Festung Spandau. . Gute Ausrede. Freund' (zum Autor eines Trauerspiels): Wie hat das Publikum Dein neuestes Trauerspiel aufgenommen? Wurde recht viel applaudirt?" Autor: Das Publikum ?'.'ite vor Schluchzen nicht ap ud:l'- ." W i d e r l c g i. Ach. dieFrauen sind doch unberr.: , !-bar!" Na, hören Sie, die mc!7.!e berechnet mir ihr Schneider ganz genciu!" Boshaft. 3a& werden Sie denn unserem Vorstd zun Geburts jage schenken?" ,.Ei::e Cigarrenspitze!" - Aber seire.r txlciv.i ihm ja gar nicht, zu ru:n! Eben deshalb!" l5n,kf-Kl?ns!ertZ - T I - "7 Glauben Sie. daß ich bi?r im ?c abnehmen werde?" Gewiss x. vorigen Jahre hat eine Damc r. G't um 10 Kilo und 2 TLch:? alenommen!" So mancher nennt stö in Uz Liebe stiller Verehrer" und Zst..nn in der Eh: der ärgste Schreier.
