Indiana Tribüne, Volume 19, Number 359, Indianapolis, Marion County, 13 September 1896 — Page 9

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Snota-, Trwüne.

Eilaae. Aas Mnieiyte Jest. Von E. Ejchricht. Anna Jwanowna lief ZmGefchwwd schritt zum Hause des armen Scyusters Abramche Schusser; es war ein langes. .:n-:.s rw.sitVi tn tfT IllCOIigCS ClilJlUUlc vvvttvv ... schuialen Straße, und Anna Iwanow" na machte sich ein Vergnügen daraus, erst an den Dachziegeln zu zerren und ' dann erst durch die Scheiben m die Stube u gucken; sie lachte allemal lh, Helles, klingendes Lachen, wenn sie diese Stube sah, so Uein, so niedrig, so schwarz, so voll Arbeit und. Kmdern. zwischen denen Abramche auf fernem Schemel unter der Kugel saß und wacker auf die Sohlen ver rnaioocn Stiefel und Schuhe klopfte. ' Heute stand Abramche sein Sterbehemd um, in der Thür zur Kammer, wo an bei den Seiten, in kleine schwarze Päckchen gewickelt, die Gesetzesbänder festgenagelt waren. Er betete eifrig und riß an den langen Bändern auf den kleinen mnr.5f,nm HP Y.m (Prthf sin und n ri -)'- her. Anna Jwanowna lachte erst gar nicht, so verwundert war sie über den Anblick, dann aber, als sich Abramche nach ihr umsah, das Gesicht bleich und schweißtriefend, da lachte sie, daß es schallte, und rief: Mach auf. mach auf!Er öffnete nun das kleine Klappen fenster, die Kinder kletterten aus den Stuhl, zwei rechte Rangen von drei und vier Jahren; nur das kleine Abramche. das jüngste. derLiebling deö Vaters, konnte mit den dicken Beinchen nicht hinaufkommen. 23a3 soll's, was soll's?- fragte der eilige Schuster. m : .Ein paar Stiefelchen, Schusser, em paar von hellgelbem Leder so gelb wie hier die Seidenprobe zur Bluse, und bis morgen früh! Mach keineEin. wände und keine Aber, Jüdchen, es muß sein!" Aber es kann nicht sein, es ist doch keine Möglichkeit: ist schon Mittag, und ich muß ans Meer, beginnt doch Spukkoth heut'!" .Ja. Mensch, was geht mich denn dein Spukkoth an und dein Scküttelfest; schon den ganzen Tag laufen sie ans Meer wie die Unsinnigen; darüber lachen wir doch nurZVerdien' du hübsch Geld und kauf' deinen drei Mäulern da hinter dir Wein und Kuchen zu Laubhütten. Schüttle nicht den Kopf, hörst du, ich will es! Sonst geh' ich drüben zum Christen. Und ich zahle dir nicht fünf Rubel, wie sonst, sieben sollst du haben, hörst du. sieben! Und nicht Papier, sondern klingende, blanle, neugeprägte Rubel, hörst du? Ich will es dir verrathen: morgen muß ich sehr schön sein, zu unserer Kirche wird der Grundstein gelegt und morgen Abend tanzen wir!" j Schusser war ganz bleich, und über sein gutes Gesicht perlten noch immer die Schweißtropfen. Es wär' eine Sünde wider das (3t setz, wenn er's that aber sieben Ru bel! ri'üx noch nicht zwei konnte er die Auslagen bestreiten fünf Rubel Gewinn sind immer fünf Rubel. j .Warten Sie. Fräulchen, warten Sie!" Und während sie vom Fenster auS die Kinder neckte, mit ihnen spaßte und that, ail ob sie Vonbons in das Aimmer werfe, worauf die Kleinen sofort suchend auf dem Boden herumkrochen, ging Schusser durch die Kammer in die enge Küche, wo Rainche sorgfältig 'Asche um die Töpfe bedeckte, damit es heiß blieb vierundzwanzig Stunden lang. 'Mit leiser Stimme trug er ihr den Fall vor. Sie sah ihn anfänglich mit entsetzten Augen an; wie konnte es möglich sein, wider, das Gesetz zu thun! j .Und du sagst sieben Rubel? Sie hat sieben geboten?" .Sieben, sagt sie, sieben neue, klingende Rubel!" i .So geh und verlange neun, und wenn sie geben will acht, so ist es ein . grones Los, und dann muß es sein." Er war noch bleicher als sonst und wischte mit dem Sterbehemd eine wahre Fluth von seiner Stirn. j Anna JtoancKiu lachte noch immer: .Jud". fate sie. .Jud, du bist doch ein Erzschelm. Du weißt recht gut. daß ich nur deine Schuhe leiden mag. die so schmal sind und so leicht wieFedern. Du sollst neun haben; aber morgen um elf Uhr komm ich hier ansFenster und nehme die hübschen Kanarienvögel in Empfang. Sind sie nicht fertig, so gibt es gar nichts!" Und so war der Handel geschlossen. Schusser hatte eben noch Zeit, das gelbe Leder aus der Bude zu holen; schon schlössen alle Geschäfte, und unaufbörlich bew:gien sich die Schüttelnden ?on der Stadt anö Meer hin und zurück. Eine große Angst befiel Schusser; 'der alte Jsaak Levy sah ihn forschend über die gelben und :othen Lederbälge an. Wenn er nur nicht fragen möchte: 3u was jetzt noch Leder?" Aber Levy hatte es selbst eilig, war schon mit seinen Gedanken beim Feste und brachte das Geschäft rasch zum Abschluß. Wie ein Dieb mit gestohlener Beute schoß Schusser in die Werkstatt zurück. . Frau Rainche band ein weißes Tuch mit Spitzen um ihren, hübschen Kopf; sie hatte die beiden Aeltesten gewaschen und war nun bereit zum Schütteln. Sie küßte das Abramche. das noch so jung war und .keine Sünde kannte", empfahl es dem Vater und hieß der la&, ihn nicht zu stören und niemand

hinein Klassen, .denn wir. sind alle ans Meer'!"' . Schusser nahm das Schüttelbeutelchen aus. der Schrankecke bütftr sich nach'einiaen FetzenLeder, nach Garnendchen und Nägeln von Holz und Eisen, that alles ins Beutelchen und gab c3i Rainche Mn -Ausschütteln ins Meer' damn' die Sünd', die doch klebt am Geschäft das ganze Jahr, nun abgewaschen wird fürs kommende. "Gott der Geregte, wie werd' ich bestehen? Thu ich's doch nun nicht selöst!" - .Bet'-hier Veth die Frau, .Gott hat heut' so viel zu sehen und zu vergeben, denn der ganze Strand ist voll; der wird sich deiner nicht gleich entsinnen. Bedenk' doch, 's ist wie ein großes Los!" - . ' Und sie ging mit den .Kinderchen" und- dem . .Beutelche" im großen Schwärm davon. Die Frauen gingen doch immer mehr für sich und die. Männer auch wieder zusammen; so merkt es kein, daß sie ohne den Mann kommt. Sie schüttelte dann auch eifrig.' wie alle, die Kleider über der heranspringenden Fluth auseinander, schüU leite aus den Schuhen und Aermeln,wusch sich und den Kindern das Gesicht und die Hände, warf zuletzt den Inhalt des Beutelchens weit hinaus und spülte dieses selbst sorgsam von beiden Seiten aus. Alle Sorgen und Kümmernisse warf sie hinter sich: sie hatte, ja zum Leben immer noch genug gehabt, und oft kam. unerwartet wie heute, noch , ein Eztragewinn. Und so belebt hübsch war's am Meer. Es sprengte eine ganze Gesell-' schaft von. Reitern , und Reiterinnen vorüber; auch Anna Jwanowna ritt zur Linken eines schönen Ofsiciers. etwas zurück hinter den andern, denn sie unterhielten sich sehr eifrig. .Aber doch gewahrte Anna Jwanowna-die schöne Jüdin und nickte ihr zu. lachte dann ganz hell und erzählte ihrem Cadalier. wie sie heute den armen Juden mit vier Rubeln extra seinem Gesetz abgewendet hatte, und wie der Jude, der so leicht bei seiner Lebhaftigkeit in Schweiß gerieth. heute ordentlich Blut geschwitzt habe. .Sprechen Sie im Ernst, Anna Jwanowna?" .Aber. Stepan Stepanowitsch. wie sollt' ich denn nicht, er ist doch nur ein Jüd!" . :, Sein Gesicht war traurig; er sagte nichts und blickte still aufs Meer. ' .Sie sind langweilig, Stepan Siepanowitsch. Wenn es nach Ihnen gin-

ge, hätte man nie einen ordentlichen Spaß im Leben. Da'wird man ja ganz dumm oder rabiat! Was soll ich nun thun?" " , " ; Er wendete sich zu ihr und sah sie aus traurigen Augen an. .Sie könnten mich ' verstehen lernen, dann wäre uns beiden geholfen." .Moralpredigten sind mir' gräßlich und nun noch vielleicht gar um einen Juden?" , .Nur eine Frage, Anna Jwanowna. Wenn Sie doch den. Juden so gering achten, warum lassen Sie ihn für sich arbeiten?" .Keiner arbeitet so rasch und so ge schickt wie er; doch nur darum!" .Nun, sollten Sie ihn nicht darum achten, wenn er ein besserer Arbeiter ist als die Christen?" , I bewahre; er thut's doch, um ra scher und mehr Geld zu verdienen. Und darum sind diese Juden den Christen so über. Davon verstehen Sie aber nichts,. Stepan, .weil, Sie ein Grübler sind und, wie Ihre Kameraden spottend.sagen, ein Philanthrop!" Er trieb sein Pferd ganz dicht an das ihre, beugte sich vor und sagte mit fast drohender Stimme: - Wenn ich je erfahre, wer von diesen Knaben über mich spottet, so, ist's um ihn geschehen.! Verstehen Sie mich, Anna Jwanowna?" 4 Und da er den entstellenden Schreck auf ihrem Antlitz sah, wurde er rasch wieder freundlich. Hören Sie,, kleine Anna Iwanowna", sagte er, .ich erflehe vom Himmel für Sie doch eine Strafe: ich wünsche, daß Ihr leichtsinniger. Jude Ihnen die Stiefel zu klein für Ihre kleinen Füne Mache,-und daß Ihnen diese ,?rdentlich brennen. Das wäre so ein kleiner Vorgeschmack vom höllischen Feuer für Ihre kleinen Teufelsarglisten!- - Sie lachte nun wieder und schüttelt, sich, daß das Pferdchen unter ihr in zin tanzendes Tempo verfiel. - .Ach, mein lieber Stepan Stepanomitsch", rief sie ihm' zu, .was verstehen Sie denn von Damenstiefeln! Eng cnüssen sie ja sein, so eng, daß man sechs Wochen lang die Engel nr.'Himmel singen hört; dann erst passen sie!" Die Zunge Magd bei Schussers war eine Anverwandte des Mannes und aus Mitleid ins Haus genommen worden; sie hatte ein kurzes Bein, hörte und sah schlecht, aber sie war immer freundlich und dienstfertig und liebtk ihren Verwandten, der 'sie ausBarmHerzigkeit doch so gut hielt, als ob sie seine Schwester wäre. . .Mach dem Manne auch einen guten Kaffee", hatte die Frau beim Abschied gesagt, .er muß ihn haben bei der Arveit." Es war ilfo nun ein wirkliches Fest für sie. Sie war nicht allein geblieben mit dem Kinde, sondern auch derMann war zu Hause, bei dem eö immer gute und heitere Worte gab. Und dazu noch einen guten Kaffee! .So schön muß t? im Paradiese sein!" saate Veilchelche. leise vor 'sich m. .so.jchon war eö voch noch nie!. freilich war's ibr uickt recht, dak der Äetter beut' bei der Arbeit Fafi.. denn es war dock wider das Geiek: aber sie nahm an: er muß seinenGrund haben, und so läßt sich nichts dagegen einwenden.. ., : Sie kochte also einen guten ffaffee.

n?B orocntttcy 'lldcrdrauZen aus der braunen Kanne und klärte mit einem Schuß kalten Wassers 7 ließ 5 wieder ziehen und nahm die Kanne vomFeuer; sie schobt das Handwerkzeug beiseite und setzte die Kanne neben. Schusser auf den Tisch: .Werd' holen rasch das Geschirr!" , Der heiße Duft zog um Schusser's Nase, und er sah ordentlich liebkosend von seinem Platz unterm Fenster nach der Kanne hin; und da sah er, wie ge-rade-Abramche unterm Tisch hervor kroch, angelorkt, wie er, vom Kaff?eduft, und wie es mit kindisch tastenden Fingern zu der Kanne in die Höhe zu kommen versuchte, an der Drahtumflechtung des morschen Geschirrs hängen blieb und plötzlich sammt derKanne von der Bildflächc verschwld. Ein herzzerreißender Schrei gellte durch das Zimmer, und ein angstvolles Wimmern folgte. Sie entkleideten das jammernde Kind, selbst laut weinend mehr todt als lebendig. Fetzen von Haut und Fleisch hingen an der weißen Schulter und den runden Aermchen; die siedend heiße Fluth war am Köpfchen heruntergestürzt, über das rechte Auge, in den offenen kleinen Mund und über die ganze Körperseite. Als es ganz entkleidet und auf ein Tuch gelegt wurde, stöhnte das Abramche nur noch leise, und ehe, das davon geeilte Veilchelche mit dem Arzt zurückkam, war die kleine Seele angstvoll aus dem gemarterten Körper entflohen. Es war wohl gerade um die Zeit, da Rainche frohherzig die Geschäftssünden ins Meer warf. Deutlich sah Schusser sein Weib am heiligenden Wasser stehen und seine beiden entsühnten Kinder. Er lehnte an der Wand wie ein Sterbender und keuchte vor sich hin: .Gott lässet sich nicht spotten!" l Und so lehnte er noch immer an der Wand, bleich und von perlendem Schweiß bedeckt, als längst Rainche und die -Kinder zurückgekehrt waren und das Jammern und Schreien sich bereits wieder gelegt hatte. Klein Abramche lag noch immer in derWerkstatt, wo es nun ganz still war. . 'Was nun? Sollte er die bestellten Schuhe fertigstellen oder nicht? Sein Weib hatte ihm schlecht gerathen. Was wissen auch Weiber vom Ernst des Glaubens ode? vom Ernst des Geschäfts! Weiber sind doch nur Weiber! Er hatte seineStrafe nun hin; sie kam von Gott, das mußte er wohl begreifen.. Wie nun? Arbeiten zurFei erzeit war eine, schwere Sünd', da kam die' Strafe sogleich, und er wußte Bescheid. Nun war erst recht seineStrafe. weiter zu arbeiten, denn er hatte ja sein Wort gegeben! ' Und so nähte er. steppte auf derMäschine und klopfte sein Tick - Tack unter der Kuge! die ganze lange Nacht hindurch und den folgenden Morgen. Es schlug schon elf vom hohen Thurm, als er die letzten Stiche machte und die schönen gelber Bänder einschnürte. ' Und da ward es plötzlich dunkel vor seinem Fenster, und als er aufblickte, sah'er 'gerade in Anna Jwanowna's reizendes lachendes Angesicht. -Schwerfällig erhob sich der Jude. Gram. Angst und Seelenqual dieser einen furchtbaren Nacht hatten sein sonst so sorglos heiteres Gesicht verändert;. seine Lippen waren fest geschlossen, als er die Klappe des Fensterchens öffnete und die Schuhe hinaufreichte. .Schusser, Jüdchen, wie siehst du denn aus! Da sind deine neun Rubel für die verlorene Nacht doch auch ein schönes Geld, wie?" i.Ein Sündengeld!" sagte er mit heiserer Stimme, .ein schrecklichesGeld ein Sterbegeld!" Sie zwängte den hübschen Kopf zu ihm hinein; sie war nun doch erschrocken, denn sie fühlte, daß etwas besonderes geschehen war. .Sag's doch, sag's doch, was ist mit dir?" Mit ein paar abgebrochenen, heisern Worten sagte er alles, dann trat er weg vom Fenster, schlug das Tuch von dem Leichnam des Kindes zurück und wies auf den verstümmelten Körper: .Und weil's mein Liebstes war aus der Welt, mein kleines welßes Abramche. da hat's mir Gott zur Strafe genommen. und fy hab' die Strafe zu End' gebracht. Die Schuh' haben mich blutigen . Schweiß gekostet !" . Wie ein gejagtes Reh entfloh Anna Jwanowna, die schrecklichen gelben Schuhe im Arm, und ganz gedankenlos vor Entsetzen gelangte sie ins Haus und auf ihr Zimmer. Sie warf sich 'aufs Gofa und brach in Thränen aus. -"Geh' zum Papa",, sagte sie zum Denschik. .ich habe sehr starke Kopfschmerzen und kann nicht mitgehen zur Grundsteinlegung es ist nicht möglich ich kann nicht!" ' Die alte Excellenz ließ sich soeben mit allen Bändern und Orden behängen. drei DenfchikS sprangen mit den

Oberkleidern um .ihn her. pustend und bürstend, denn die große Gala war keine Kleinigkeit. .Mein Gott, sie wird doch nicht sterben?. Lauft zum Doctor, aber rasch, rasch! Wenn die nicht mitgeht, dann ist es ihr in der That unmöglich. Sie kann nicht? Mein Gott, sie kann nicht? DaS ist stark!" : Unv die Thür zum Vorzimmer öss nend. rief er seinem Adjutanten zu: .Stepan Stepanowitsch. ich bitte, bleiben Sie hier zurück und berichten Sie mir. was der. Arzt gesagt hat. Anna, meine Tochter Annuschka ist krank!" . Stepan .Stepanowitsch verbeugte sich: .Zu Befehl. , Er dachte bei sich: Wie schade, wie schade! Sie ist doch auch nur leichtsinnig und oberflächlich wie die Weiber alle. Und launenhaft scheint sie obenpxtxn zu sem, denn ich sah sie vorhin auf der Straße, undihr Gesicht blüh, te wie ewt Rose! , Schade.' Schade! Welche Teufelei rnaa jetzt wieder in

be-?e-worden. . v Nun war der General fort zumGottesdienst. und der Arzt fuhr vor. Er hatte ein kurzesZwiegespräch mit Anna Jwanowna, die still in ihrem Kissen lag und weinte. Er dachte bei sich: Wieder einmal eine Weiberlaune, weiter nichts! verschrieb ihr ein nieverschlagendes Pulver und kalte Compressen um die Stirn. Sein Bescheid an den Adjutanten lautete: ' Die Nerven des gnädigen Fräuleins sind stark afficirt. sie bedarf der größten Ruhe, doch hoffe ich, daß in einigen Stunden Besserung eingetreten sein werde; ich werde kommen und nachsehen." .Na. aber so was!" sagte nach dem Bericht die alte Excellenz, .seit wann hat die denn Nerven? Wie kann die der größten Ruhe bedürfen? Beim Frühkaffee hat sie Kasatschock getanzt wie ein Kerl! Na. da soll doch dasWetter dreinschlagen!" Und er lachte hinter dem Mützenschild. ' Der junge Ofsicier lachte gar nicht mit; ihm war sein Herz bange um seine erste, schöne, heiße .Liebe. - Anna Jwanowna weinte noch im mer. sie weinte, bis sie einschlief, und sie schlief bis in den späten Nachmittag, bemerkte weder den Arzt, der auf Ze hen hereingeschlichen kam, noch die alte Excellenz, deren kräftiger Schritt nur mäßig durch die Teppiche gedämpft wurde. Ihre gesunde Natur schlief sich zurecht,' und ihr gesundes Herz fand im stillen Nachdenken, das dem. langen Schlaf folgte, seinen frischen.' lebensvollen Pulsschlag wieder. Es war etwas in ihr überwunden, das der Jugend fast immer, anhängt, und das schale, verkümmerte Seelen mit sich schleppen wie ein Gift, an dem sie im hohen Alter' langsam ersticken: Rücksichtslosigkeit und Selbstliebe. ' Annuschka ließ ihrem Väterchen sagen. sie sei nun wieder ganz wohl, und zum Balle, würde sie mitgehen. . Sie trug aber weder die gelbe Bluse noch die Canarienvögelchen an denFußen: sie war ein bischen bleicher als sonst, aber so schön wie nie zuvor. Die alte Excellenz zupfte an des Lieblings goldenen Locken und . sah ganz verklärt aus von väterlichem Stolz. .Väterchen", sagte sie, .ehe wir in den Saal treten, schicke mir auf einen Augenblick Stepan Stedanowitsch inS Eßzimmer; ich habe mich gar nicht um die Blumentouren im Cotillon kümmern können; ich thue das so gern, wie du weißt." ' - Sie trat in's Eßzimmer, und gleich nach ihr folgte der Adjutant. - Setzen Sie sich, Stepan Stepanowitsch, und hören Sie mir zu." - In diesem Augenblick : sah er die kleinen weißen Atlasfüße und sagte: .Also, sie waren doch wohl gar zu klein? Und so bleibt Ihnen die'Strafe erspart. Oder waren sie zu groß?" .Nein, nein; bleiben Sie ernsthaft und hören Sie mich an! Ihr Wunsch ist schrecklich, schrecklich en Erfüllung gegangen, und die gelben Schuhe, die ich doch gar nicht an den Füßen habe, brennen mich wie das Fegefeuer, und meine Seele ist belastet, daß ich es nicht ertrage!" Und sie erzählte ihm alles, das ganze. schauerliche Gottesgericht; sie ersparte nicht sich noch ihm die Schilderung von der Verzweiflung des armen Juden und schließlich von dem grausen Anblick der so schrecklich entstellten kleinen Leiche. Sie zitterte in ihrer großen Herzensangst, und zuweilen flössen die Thränen aus ihren großen, noch immer im Entsetzen weitgeöffneten Augen. .Ich war leichtsinnig", sagte sie, .und ich wurde schlecht. Es ist etwas geschehen, das ich niemals wieder gut machen kann, und ich bin betheiligt an der schweren Schuld dieses Juden und war der Anlaß, daß ein armes, un schuldiges Kind hat zum Opfer fallen müssen, auf daß ihm und mir dieAugen geöffnet werden. Und ich will Ihnen sagcn, Ihnen allein, was ich nun thun werde: Ich will in ein Kloster gehen. Gott und die Heiligen sollen meine Reue und Buße sehen; ein ganzes, langes Leben will ich mir vom Herrn erbitten, denn k nge. lange sollen diese gelben Schuhe an meinen Füßen brennen, die so viel Elend beraufbeschworen haben!" .Anna Jwanowna, sagte jetzt der Zunge Officier, .Sie haben gesprochen, und nun will auch ich sprechen. In Jhrer aufgewühltenSeele hat derSchmerz in diesen Stunden gerechterweise die Oberhand. Durch diesen Schmerz Anna Jwanowna, sind Sie eine Erweckte' geworden. Ihr Herz hat bisher nicht die Stimme Ihrer früh verstorbenen Mutter vernehmen können; kein Unglück hat Ihre rosenbestreuten Nkade gekreuzt; Sie haben im-Schein gelebt und vas 'zejen niemals gesunden, weil Sie es nicht zu suchen brauchten. Nun ist es da und hat. überwältigend Ihr Herz erfaßt! Nur wer eine Sünde be-. gangen hat und begreift ihre' Schreckniß.' nur der kann Buße thun und sich zum Staube erniedrigt fühlen. Der Herr 'ruft die Mühseligen und Veladenen.' Anna Jwanowna, dich hatGott an i sein -Herz gezogen., denn ohne ihn hättest du heute in deinen gelbenSchuhen getanzt und des Juden und seines Kindes vergessen. Komm,' komm, sieh, ich. will dich liefen und auf diesenÄän-' den tragen ein ganzes, langes. Leben hindurch! Der Himmel hat Gnade an dir aetban lab mick knZ,n nr hlr denn wer ist ohne Sü.ide und Schuld? Laß mich Vergebung von deinen Füßen küssen du bis tausendmal 5esser als ich, der ich in Hochmuth mich von dir. wenden wollte. Kannst du mir vergebrn?- ' : Und so war das entweihte Spukkot) de?. armen Juden. den beiden' Christen zur Erlösung geworden.' '' . .

ihr vorgehen! Vielleicht sind die rühmten Stiefel doch nicht fertig

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