Indiana Tribüne, Volume 19, Number 359, Indianapolis, Marion County, 13 September 1896 — Page 7
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Ver Dypnotismus iu Zürich. Von Dr. Raimund Schäfer (Baden.Baden). ' In der Irrenanstalt Vurghölzll, welche unweit Zürich am Zürichberg
gelegen ist, versammeln sich ledenSamftag Nachmittag die Kliniker der höh:len Semester, um den Demonstrativnen des Direktors der Anstalt, des Professors Dr. Forel, über die Therapie der Suggestion, beizuwohnen. In dem geräumigen Musiksaal der Anstalt stehen im Halbkreis ' vor dem Auditorium etwa 20 bequeme Salonsessel und überdies noch einige Sophas umher, welche für die Patienten und Patientinnen benimmt sind. Nach dem Erscheinen Forels kommen diese herein, durch die Thür rechts die Frauen, von links die Männer. Es sind sowohl Leute von Zürich und Umgebung. als auch von auswärts; die Zahl Derer unter ihnen, die schon einmal hypnotisirt worden sind, beträgt meistens die Hälfte. Begreiflicherweise werden diese zuerst hypnotisirt. Die wunderbare Leichtigkeit, mit der dies gelingt, übt eine ungeheuer suggestive Wirkung auf die Neulinge aus. Selten ist mehr Zeit als eine Minute dazu erforderlich, bei den Meisten geuügt ein kurzes Anblicken und eine gelinde Aufforderung, um den hypnotischen Schlaf hervorzurufen. Bei den neuenPatienten braucht Forel etwa die doppelte oder dreifache Zeit und Mühe. Professor Forel ist eine große, interessante Persönlichkeit von französischem Typus. Er macht einen bedeutenden Eindruck, ist sehr lebhaft, aber ohne Affekt. Er spricht sehr schnell mit einer ungepflegten, aber natürlichen Beredtsamkeit. Nebenbei ist' er leidenschaftlicher Agitator der Abstinenz, wie fast alle Irrenärzte, und hervorragender Ameisenforscher. Vorausschicken will ich noch, das; Forel durchaus Anhänger der Suggestionstheorie der Nancy'schen Schule ist. Das Wesen dieser Theorie ist kurz folgendes: In den Funktionen, welche vom Nervensystem abhängen, wird eine beliebige Veränderung erzeugt durch Hervorrufung der Vorstellung, daß jene Veränderung im Augenblicke stattfindet, schon stattgefunden hat oder stattfinden wird. Die Hervorrufung der Vorstellung geschieht durch einfache mündliche Affirmation Suggestion. Im Gegensatze zur Charcot'schcn Theorie fallen alle äußerlichen Proceduren. wie Fixation des Blickes auf eiucn glänzenden Gegenstand, Streichen mit den Händen u. s. f. hinweg. Diese Methode erzeugt an sich keine Hypnose und wenn Jemand auf diese ungünsiige Weise hypnotisirt worden ist, so wurde er dies durch die suggerirteVorftellung, daß diese Procedur ihn einschläfern muß, nicht durch die Procedur selbst. Es ist weder der Wille des Hypnotiseurs, noch eine von ihm ausgehende magnetische Kraft im Spiele jeder verständige Mensch kann hypnotisiren , sondern lediglich dieSuggestion. Für diese ist man im Schlaf empfänglicher als im Wachen, deshalb wird zunächst der Schlaf suggrrirt. Daß wir aber jederzeit suggestibel sind, ist fraglos; jeder Befehl ist eine Suggcstion, Weinen, Lachen, Gähnen u. s. w. wirken suggestiv ansteckend. Jeoe abergläubische Gewohnheit und wieviele gibt es deren! ist eine Autosuggestion par excellent?. Die suggestive Wirkung der ärztlichen Prognose auf dasBefinden des Patienttu ist ein bekanntes Beispiel. Merkwürdig und vollständig entgegengesetzt der herrschenden Meinung ist hie Thatfache, daß normale Menschen fast ausnahmslos hypnotisirbar sind, während Hysterische die man gewöhnlich für die eigentlichen Objekte des Hypnotiseurs hält, nur sehr schwer und Geisteskranke beinahe gar nicht suggestibel sind. Dies kommt daher, daß Letztere zu diel Autosuggestionen haben, und diese sind, im Verein mit .Gemüthsaffektionen, das größte Hinderniß für die Suggestion von außen. Bei den Patienten, die zu Forel kommen, um von irgend einem Leiden, wie Schlaflosigkeit, Obstipation, irregulärer Menstruation, Kopfweh, Morphinismus, Alkoholismus, von schlechttn Gewohnheiten und Störungen aller Art getheilt zu werden, gelingt die Hypnose regelmäßig, da Jeder den besten Willen mitbringt, hypnotisirt und gesund zu werden. Da ist ein junger Mann, dem Forel die Gewohnheit an den Fingernägeln zu kauen ausredet, dort ein Mann, an Schlaflosigkeit leidcnd, dem Forel einen prachtvollen tiefen Schlaf suggerirt, eineDame, welche von ihrem Abscheu vor den Vertraulichkeiten der Ehe geheilt wird, eine alte Frau, deren Kopfweh in der Hypuose auf freundliches Zureden . verschwindet. (Natürlich wird nur eine Unempfindllchkeit ' der. betreffenden Nerven erzielt, ein organisches Leiden, einen Krebs oder dergl. kann man nicht inwegsuggeriren.) Auch Somnambulismus wird vorzüglich geheilt. Es ist scheinbar. die reine Zauberei. Zu einem Mädchen mit hartnäckiger Schlaflosigkeit sagt Forel. nachdem er sie hy'vnotisirt hat: 'Sie werden von jetzt an jeden Abend um 9 Uhr von einer unwiderstehlichen Müdigkeit übermannt werden, auf ihr Zimmer gehen, isich auskleiden, aus einem Glas Was ser. das Sie neben Ihr Bett stellen, einen kleinen Schluck nehmen und daraus sofort einschlafen. Sie schlafen jede NaÄt 'ganz tief und bis 7 Uhr. Mor-' gens. Sollten Sie einmal in der , Zwischenzeit aufwachen durch irgend ; einen Zufall, so nehmen Sie wieder ewen cbluck Wasser und schlaf fcann sofort wieder ein. Sehen Sie so wie wir es jetzt machen."' ' ; : . Forel stellt ein Glas Wasser neben sie und fordert sie auf, aus ein lkises, dreimaliges Geräusch hin zu wachen, einen Schluck zu nehmen und sofort wieder einzuschlafen.' Er knipft'HZer,' auf kaum hörbar dreimal mit: dem. Fingernagels - die Patientin .öffnet , die .
Augen, greift nach dem Glas, nimmt einen Schluck Wasser und behält gerade noch Zeit, das Glas wiederhinzusetzen, ehe sie von Neuem einschläft. Nach der Hypnose weiß sie nichts mehr von Alledem. Hypnotisirt man sie wieder und fragt sie danach, so weiß sie
Alles, was sie zu thun hat. Es handelt sich also um ein unbewußtes (unterbewußtes) latentes Wissen, um ein materiell deponirtes ErZnnerungsbild, das rechtzeitig auszelöst wird. Im hypnotischen Schlaf folgen die motorischen, wie sensiblen Nerven jeder Suggestion. Der Arm des Schlafenden bleibt steif, wenn man ihm sagt, er könne ihn nicht mehr bewegen; umgekehrt kann man suggeriren, daß sich beide Arme fortwährend btwegen. z. B. automatisch umeinander drehen, und daß jede Anstrengung still zu bleiben, d Drehbewegung steigert. Dieses Experiment wird von Forel sehr häufig gemacht. Eine beliebige Empfindung kann erzeugt werden: Eine Mücke sitzt an ihrem linken Auge, sie sticht Sofort verzieht der Betreffende das Gesicht und reibt sich an der bezeichnetenStell;. Blindheit, Taubheit, Hallucinationen, Doppelsehen, Farbenblindheit. Schmerzlosigkeit u. s. w'. können mit Leichtigkeit suggerirt werden. Wunderbar ist die Erscheinung einer negativen Hallucination. Man sagt dem Hypnotisirten, ein bestimmter Gegenstand, oder eine bestimmte Person sei Luft für ihn. Er könne von derselben nichts mehr hören, sehen oder fühlen. Hierauf ignorirt der Hypnotisirte das gegebene Objekt thatsächlich mit sämmtlichen Sinnen er stolpert posthypnotisch über den Stuhl, den man ihm hinwegsuggerlrt hat. Im hohen Grade interessant und bedeutungsvoll ist die starke Beeinflußbarkeit des Willens, des Denkens und des Bewußtseins. Man kann einen beliebigen Gedanken derart eingeben, daß der Betreffende glaubt, ganz aus freiem Willen gehandelt, oder gedacht zu haben. Forel berichtet in feinem Buch Der Hypnotismus" über verschiedene, sehr merkwürdige, derartige Fälle. Einen tüchtigen, jungen Eandidaten juris, der die Theorie der Suggestion gut kannte, konnte er in tiefe Hypnose mit totaler Amnestie versttzen. Er suggerirte ihm einmal, :r würde nach dem Erwachen sich zum anwesenden Eollegen D. wenden und ihn nach seinem Namen und seiner Heimath, sowie ob er sich schon mit Hypnotisirung befaßt habe, fragen. So geschah es auch. Auf die spatere Frage, ob er aus eigenem Antrieb, aus freiem Willen die Interpellation an D. gerichtet habe, bejahte der Eandidat verwundert. Die Illusion des freienWillens wird durch solche hypnotische Experimente vortrefflich beleuchtet. Wir können thun, was wir wollen, aber Nicht woll e n, was wir wollen. Der subjektive frei erscheinende Wille ist etwas obiektiv Bedingtes. Die Thätigkeit der Großhirnrinde ist während der Hypnose dissociirt, die logische Jdeenassociation ist gewissermaßen ausgeschaltet und man befindet sich m einem traumahnllchen Zustans. Das Gehirn des Hypnotisirten ist vollstandig das Instrument des Suggerirenden geworden, welcher willkürlich Lust und Schmerz, dicSkala sammtllcher Empfindungen in ihm erzeugen kann. Wie im natürlichen Traum werden die widersprechendstenVorstellungen nebeneinander geduldet. Ebenso wie man im Traum feige, gemein,' voll moral insanity sein kann der beste Mensch kann im Traumleben stehlen, morden u. s. w., ohne eine Spur von Reue zu empfinden ebenso geht der Hypnotisirte auf jede Suggestion, sei sie noch
so lächerlich, 'semen sonstigen Neigungen zuwiderlaufend, noch so unsinnig, unmöglich oder verbrecherisch, bereitwillig ein. Der Suggestion eröffnet sich hier eine ungeheure Perspective. Ethische Defecte können durch eine pädagogische Suggestion entfernt werden, willensschwache Personen werden in ihrer Widerstandskraft gestärkt. Obenan jedoch stehen die offenkundigen Heilerfolge. Aber auch noch zu anderen, praktischen Zwecken ist die Suggestion verwendbar. Schon seit vielen Jahren hypnotisirt Forel seine Wärter und Wärterinnen. Er suggerit ihnen tiefen, ruhigen Nachtschlaf, so lange der. tobende Schutzbefohlene nur seinen gewohnten, ungefährlichen Lärm macht, jedoch sofortiges Erwachen bei dem geringsten gefährlichen, oder selbstmörderischen Benehmen desselben. Dies ist ein bewährtes Mittel gegen die Uebermüdung des Dienstpersonals, das sich in Burgbölzli schon völlig eingebürgert hat. An einem undefinirbaren, verdächtigen Etwas, einem abnormen Geräusch, merken die schlafenden Wärter die Gefahr und erwachen. Aber wo viel Licht ist, ist auchviel Schatten, der Hypnotismus hat bereits eine strafrechtliche Bedeutung erhalten. Ungeschickte und mißbrauchende Hypnotiseure werden auch dazu beitragen, daß er dieselbe. behält. .Weit gefäbrlicher ist indeß die Wachsuggestion, für welche. suggestible Personen .sehr 'zuanglich sind und welche in leichterem Maße tagtäglich von aller Welt auZg? übt und empfangen wird. Man denke an die großen Hypnotiseurs der Weltgeschichte, an die zahllosen Religion?stifter, an Napoleon I.. an die moderren und historischen Heerdenführer und Heerdenverführer. Außerordentlich empfindlich für Wachsuggcstionen sind die Kinder, die .intuitive Glaubensfähigkeit' ist bei ihnen am stärksten, d. d. durch kein so lebhaftes Spiel der Motive., durch weniger Bedenken und Gegenvorstellungen geschwächt und verzögert, als bei den Erwachsenen. Wir müssen bei jedem Thun und Denken' stets mehr oder weniger an die Richtigkeit dieses Thuns und Denkens klauben.- Dies, gewisse Gefühl der . , i. ... . , '
Richtigkeit, dieser Glaube ist aber jeweils durch die Organisation der Gehlrnfunktionen bedingt auf.' diese wirkt direct die Suggestion und diese liegen unterhalb der Schwelle unseres Bewußtseins. Die Sitzungen in Burghölzli dauern 12 Stunden. Nachdem jedem Kranken seine Suggestion im Einzelnen gegeben worden und sämmtliche Patienten schlafen, bietet der Saal einen eigenthümlichen Anblick. De Gesichtsausdruck der Hypnotisirten ist friedlich und ruhig. Ist Jemand im Schlaf unruhig oder aufgeregt, so genllgen einige beruhigende Worte, um einen glücklichen Gesichtsausdruck und tiefen Schlaf hervorzuzaubern. Nach Ablauf der angegebenen Zeit weckt Forel die Patienten durch ein beliebiges Geräusch gemeinschaftlich. Er fagt z. B.: ..Wenn ich jetzt dreimal auf den Tisch geUopft habe, werden Sie Alle wach!" Während vorher die Schlasenden bei dem größten Spektakel rubig blieben, erwachen sie nunmehr sofeit, Klicken sich verwundert um und rciben sich die Augen. , , , Mademoiselle ZZede. Skizze auZ dem Artisteulcben.
Das kleine Ehantant in der Rue de Mer war allabendlich iiberfüllt. Die lustige Welt von Antwerpen hatte die blonde Lizon zu ihrer Königin gewählt und wenn sie im Kinderkleidchen und mit den coquettesten Unschuldsmiene vor der Rampe erschien, wollten die frenetischen Zurufe und das Beifallsklatschen kein Ende nehmen. Lizon war die Zugkraft des Variete in der Rue de Mev und ein umworbenes Persönchen. Was nützte dies aber! Der AntU poden-Künstler" Meridon, welcher in Ringen am Plafond kopfabwärts ging und durch die Waghalsigkeit feiner Produktionen den Zuschauern Grauen einflößte, dieser heißblütige Provencale peinigte Lizon mit seiner Liebe. Sie war mit ihm gekommen und konnte sich von ihm nicht losreißen, durfte nicht einmal Einladungen zum Büffet annehmen, sonst schlug sie derUnmensch. Alle wußten das' und dennoch hofirte man Mademoiselle Bebe", um den eifersüchtigen Meridon erst recht zu ärgern. Am tiefsten haßte Doctor Lorrin den Geliebten der Mademoiselle Bebe. Man nannte Lorrin Doctor". aber er war nur Provisor in der Pharmacie des Herrn Sadet. Lorrin litt nicht nur an Armuth, ondern es schmerzte ihn auch tief, daß eine kleine Gestalt und die Pockennarien in seinem eckigen Gesichte nicht gerade dazu beitragen konnten, ihm die Gunst Lizon's zu erringen. Lorrin liebte das Bebe aber mit an Wahnsinn grenzender Leidenschaft. All abendlich saß der unheimliche Mensch mit den lodernden Blicken im Parterre und starrte zu Lizon hinauf. Einmal hatte Lizon ein Unwohlsein verspürt und einenArzt gebraucht. Da war Lorrin in die Garderobe gerannt. Seither kannte ihn Mademoiselle Bebe. . Meridon hat gestern Nachts das Bebe halb todt geprügelt, weil sie mit Monsieur Orfan zu freundlich gewesen sein soll!" Diese Worte tönten beim Büffet in Lorrin's Ohr. Er folgte feinem momentanen Impuls, und lief auf die Bühne, er mußte Lizon sehen. Lorrin langte athemlos bei ber Loge der Sängerin an und pochte. Er durfte eintreten. Lizon war fchon costümirt. Ermattet ruhte sie auf einem Sopha; sie nickte traurig einen Gruß, Lorrin stürzte zu ihr hin und küßte ihre Hand. Doctor! sprach sie leise, ich sterbet Wie viel besser wäre es, wenn der Elende Lorrin konnte nicht vollenden; der Blick deZ Bebe traf ihn mit einer Flammengluth, daß er die Besinnung verlor. Lizon flüsterte : Doctor ich könnte Denjenigen lieben, der mich von Meridon befreit. . . Oder nein, es ist besser, wenn ich sterbe! Geben Sie mir Gift, Herr Lorrin! Ich muß ein Ende machen!" Lorrin hielt ihre, Taille umspannt und das Bebe küßte ihn. , Ein hundertstimmiger Schrei des Entsetzens. Am nächsten Tage war's. Meridon lag todt auf dem Parquet. Munte? und gewandt hatte er die Höhe erstiegen und seine Arbeit unterm Plafond begonnen, als er plötzlich in seit same Zuckungen verfiel und abstürzte. Man stand unter dem Banne des Schreckens, nur ein Gesicht lächelte. Niemand bemerkte dies. Es war das Gesicht Lorrin's. des Provisors in der Pharmacie des Herrn Sadet .' Das Bebe wand sich in Krämpfen. nachdem sie von dem Unglücke benachrichtigt worden war. Ihre Nummer sang sie aber doch, um die Direction nicht zu schädigen. Lorrin und Lizon sprachen mit einander erst einige Tage nach dem Leichenbeg'ängnisse Meridon's. Das Bebe behandelte Lorrin ganz gleichgültig. Als Lorrin ihr seine Liebe gestehen wollte, sagte sie ruhig zu ihm: Ich darf mich jetzt nicht binden.Und am Abend kicherte sie mit Herrn Orfan und in der Nacht saß sie mit diesem reichen, Kaufmann im Cafe und trank Champagner. Lorrin glich einem Verrückten, als er sie gewahrte. Er wollte losstürzen, doch das Bebe fand Gelegenheit, ihm zuzuflüstern : Ich halte Orfan zum Narren sei kein Dummkopf, Lorrin! Wir. sind arm und " Sie beschwichtigte ihn. Kurz darauf gab es in Antwerpen wieder eine Sensation: Madame Orfan hatte sich vergiftet. Natürlich aus Gram über die schlechten Gewohnheiten ihres Gatten. Es war nur zu begreiflich ! Aber dem Doctor" Lorrin leuchtete es. nicht einebenn er stürmte
in Lizon's Boudoir und keuchte: Was soll das?. . . Ihn sollte es treffen und sie starb?!" ' Das Bebe lächelte wie ein Engel und sprach sanft: Ich werde Madame Orfan werden. Der gute Orfan ist in meiner Macht." ..Und ich ?!" schrie der gereizte Lorrin. Lizon zuckte mit den schön gerundeten Schultern. Sie werden sich doch nicht vor den Assisenhof bringen?" Der Provisor stürzte fort. Sie war Madame Orfan geworden. Das Geld flog zum Fenster hinaus. Es kam ein trübe? Tag : Das alte Kaufmannshaus mußte sich fallit erklären. Gebrochen saß Aristide Orfan te einem Fauteml, seine blonde, kindlich aussehende Frau ihm gegenüber. Lizon, was wird nun geschehen?" zitterte es von seinen Lippen. Die junge Frau antwortete kühl : Du wirst der Lächerlichkeit anheimfallen Ich konnte einen Mann, für den man nur ein verächtliches Lächeln hat, nicht mehr lieben. . ." Er rief: Ich danke Dir für Deine Aufrichtigkeit!" Eine Stunde später hatte sich Orfan erschossen. Ich bin arm!" sagte das Bebe zu Lorrin, welcher plötzlich wieder aufgetaucht war. Verschaffe mir Geld.
Lorrm und ich will Dich lieben! Nach einer stürmischen Umarmung rannte Lorrin fort. Lizon richtete ein Schreiben an den Apotheker Sadet, in welchem sie dem- guten Manne mittheilte, daß sein verrückter Provisor" ihr stets eine größere Summe Geldes anbiete. Sadet lauerte seinem Provisor auf und ertappte denselben bei einemDiebstahl in der Höhe von einigen tausend Francs. Lorrin wurde verhaftet, und da er sich wie ein Tobsüchtiger benahm und allerlei, ungereimtes Zeug über Mademoiselle Bebe von Liebe, vom Vergiften etc. fchrie. brachte man ihn, dessen Geist wirklich umnachtet war, in ein Irrenhaus. An . demselben Tage verkündigten Riesenplakate das Auftreten der beliebten Mademoiselle Bebe. Man stürmte das Variete-Theater und empfing die Wiedergewonnene mit grotzemJubel. Sie sah aus und sang wie ein liebliches Kindchen und Unschuld lag in ihrem Blick. Ein seltsames Buch. ' In dem herzoglichen Museum zu Braunschweig befand oder besindet sich wahrscheinlich noch ein ebenso merkwürdigeS wie werthvolles Buch, welches man mit gutem Recht das erste deutsche Modejournal nennen könnte. Im Jahre 1520 nämlich kam ein Augs. durger Patrizier, der Kaufmann Matthäus Schwarz, auf die Idee, um sich und Anderen den Wechsel der Mode recht deutlich vor Augen zu führen, sich in den verschiedenen Anzügen, die er im Verlaufe der Jahre trug, in einem besonders dazu angelegten Buche abmalen zu lassen. (5r war damals 23 Jahre alt. reconstruirte aber die Kleider, welche er bis dahin getragen, aus der Erinnerung und mit Hilfe seines Vaters, sowie eine? alten Tagebuches, und führte darnach sein Klaiderbuechlin", wie er eS nannte, getreulich weiter bis zu seinem 63. Jahre. Dasselbe enthält im Ganzen 103 Abbildungen von ihm, jedesmal in einem anderen Costüme, indem er in manchen Jahren nicht weniger als sechs Anzüge auftrug. Sein Sohn Konrad Schwarz setzte das Buch weiter fort. Vater wie Sohn versäumten außerdem nicht, auch einen Text zu den Illustrationen zu liefern. So schreibt ber jüngere Schwarz im Anfange des zweiten Theiles in seiner naiven Weife, was in mancher Hinsicht auch heute noch beherzigenswerth erscheint: Sprich, daß wir Theutschcn mit Klaidung je und alwögen nie anders gewest sind als wie die Assen. Was wir gesehen, haben wir müssen nachmachen auff vierlerlai .Nationen artt, zur Zeiten auch dieselben pastartiert, also daß wir uns alzeit selzsam zeregiert haben." Er selbst nimmt sich von dieser getadelten Nachahmungs sucht indeß keineswegs aus, sondern gesteht im Gegentheil sehr offen: Mir kann sunst kainer kam zu abentheuerische Form ainö KlaidS auffbringen; denn je selzsamer Klaidung ann Schnitt, ann Hosen, ann WammS und Schuech ainer aussbringt, je lieber ich's trag." . Moppcrl's Plage. Von E. Tchroder.Römer. ! I' bin halt a' Mopperl, A' recht trauri' g'stellt's; Denn i' bin ja koa echt's: An der Nasen da fehlt's! . , . Erst heißens' mi' Mopperl"! Herzel" und Ami"! Jetzt schimpfen s' mi' Köter!" Und ruppiges Vieh!" Erst hab'n s' mi'' derhätschelt Gar sorgli' im Haus; Jetzt krieg' i' an' Wuppdi Und bum's flieg' i' 'naus! Zur Ausstellung haben s' mi' Halt g'schickt wegen der Ehr'; -Aber die dort hab'n erklärt. - Daß koa' Echter" i' wär'! , , ; . I - . Seitdem wert i' g'schupst, . - So bald her und bald hin! Was kann denn i' dafür, ' Daß i' koa' Mopsel net bin?!' veiratSmotlv. Noch solcher Mahnbrief und ich h Lcathe ; -Ein' zerstreuter Gau ner.- Spitzbube (nachdem er eingebrochen, sich im armseligen Raumk umsehend): Sakra, da bin i.gar in Gedanken . in's Armenhaus eing'stiefltti!" . , .
Aus der Yrautschau. Auf die Brautschau wollen wir uns heute einmal begeben, d. h. wir wollen Umschau hilten. welche Silten und Eebräuche bei verschiedenen Völkern hinsichtlich des Brautstandes herrschen. Dabei wird es gestattet, vielleicht auch erwünscht sein, hin und wieder einen Blick darauf zu werfen, in welcher Weise die Hochzeitsfeierlichkeiten be gangen werden. Was in dieser Hinsicht bei uns daheim Sitte ist, brauchen wir nicht zu erörtern, doch ist es nicht gleichgiltig, wie diese Dinge bei unsern Vorfahren gehandhabt wurden, denn es ergiebt sich daraus der Schlüssel für manche unserer Gewohnheiten und Bräuche, deren Bedeutung und Uvsprung sonst dunkel sein würden. Bei unseren Vorfahren, den alten Deutschen, ging es mit den Lerlobungsangelegenheiten und was damit in Zusammenhang steht, viel strenger zu als heutzutage, obwohl es damals gar nicht so nothwendig gewesen wäre. Das blind darauflos Verloben und Heirathen, wie es jetzt leider fo oft vorkommt, gab es damals nicht. Unter allen Umständen hing die Verlobung von dev Einwilligung der Väter ab, zum Theil bestand sogar das Einwilligungsrecht des Stammesober Hauptes. Die der Verlobung vorausgehende Werbung wurde nicht vom Verehrer vorgebracht, sondern durch einen Fürspreche? vermittelt, eine Sitte, die sich in einigen Theilen Deutschlands, besonders im Nordwesten, beim Bauernstände bis heute erhalten hat. Der Fürsprecher war in der Regel der Vater oder ein naher Verwandter, im Nothfalle ein Freund. Nach erhaltenem Jawort wurde über Malschatz und Mitgift verhandelt, beziehungshungsweise solche vereinbart. Unter Malschatz verstand man ursprünglich den Kaufpreis für die Braut, später die freiwilligen Geschenke des Bräutigams. während Mitgift in alter Zeit schon bedeutete, was man heute darunter versteht. Beide. Malschatz und Mitgift, waren aber für die künftige Ehe unerläßlich, eine ohne solche Vereinbarung abgeschlossene Ehe hätte keine rechtliche Giltigkeit gehabt. Die Verlobungsfeierlichkeit wurde durch den Vormund oder den Vertreter der Braut geleitet, und der abgeschlossene Vertrag durch Gelöbniß und Handschlag bekräftigt. Dies geschah, indem das Paar in den von den Zeugen gebildeten Kreis (den Ring) trat. Fingerringe als Verlobungszeichen gab es bei den alten Deutschen nicht. Die Dauer des Brautstandes war gesetzlich bestimmt. Bei längerer Dauev als zwei Jahre wurde dem Bräutigam die Leistung eines Bußgeldes auferlegt; trat er überhaupt von der Verlobung zurück, so mußte er eine größere Summe als Reugeld entrichten. Außer dem Vrautkauf kommt bei den Germanen in alter Zeit auch der Brautraub, und bis in das Mittelalter hinein der Brautkampf vor. Der Vrautraub ist im hohen Alterthum ein bei den meisten Völkern vorkommender Brauch.der heutzutage noch bei den wil
den und uncivilisirten Völkern gefunden wird, während sich bei andern nur i noch Anklänge davon erhalten haben, ! Wie bei den Kirgisen und bei den Esklmos. Daß bei einem Reitervolk, wie die Kirgisen, auch die jungen Damen" ohne Ausnahme des Reitens ebenso kundig sind, wie die Herren", ist so selbstverständlich, als wenn es sich um Essen. Trinken oder Schlafen handelte. Hat ein junger Kirgise feine Bewerbung angebracht, so muß er auch schon den Fuß im Bügel haben, denn wie der Blitz sitzt seine Angebetete im Sattel, in der Rechten einen Kantschu mit langer Schnur aus geflochtenen Riemen, der aber keineswegs dazu bestimmt ist. den Renner anzutreiben, denn dieser greift ohnehin schon aus, daß Kies und Funken stieben. Er dient vielmehr dazu, den alsbald hinter ihv Hersausenden Freier durch derbe Hiebe abzuwehren und von . sich abzuhalten. Schleier und Obergewand der kühnen Reiterin wirbeln in den Lüften, der Kantschu knallt und pfeift, dazwischen das Schnauben der zu äußerster Anstrengung angestachelten Rosse. Jetzt handelt es sich für den Bewerber darum, sich des Mädchens zu bemächtigen. Gelingt es ihm nicht, läßt er das Mädchen entschlüpfen, so ist dies nicht nur eine Abweisung für ihn. sondern auch die Veranlassung, von seinen Altersgenossen auf lange Zeit in. der unbarmherzigsten Weise gehänselt zu werden, während die Schöne nach diesem Siege der Gegenstand verdoppelter Bewerbungen ist. ' Auch auf der Halbinsel Malakka findet sich noch ein Nachklang vom Brautraub. Dort spielt sick die Scene auf dem Wasser ab. Es ist nämlich Brauch, daß die umworbene Jndierin mit einem Boot vor dem Bewerber auf den Fluß, den See oder das Meer hinausrudert, und es handelt sich für diesen darum, die Ausreißerin in, emer gewissen Zeit einzuholen und zu kapern. Nur im Fall des Gelingens kann er darauf rechnen, erhört zu werden. Beim Brautkampf trat die Jungfrau gegen ihren Bewerber als Wettläuferin, Stein- oder Speerwcrferin auf, und die Fälle waren durchaus nicht selten, daß sie Siegerin blieb. Freilich, solche Schnellläuferinnen wie die Atalante, die ihre sämmtlichen BeWerber, hinter 'sich ließ, oder solche Speerwerferinnen wie die Brunhild, die sogar einem Recken wie König Günther den Sieg' sauer machte, mögen Seltenheiten gewesen sein,. denn sonst hätten sich nur Körbe" für die Bewerber ergeben. , : Eine Art Brautlauf kam übrigens bis in die neueste Zeit in der Mark Brandenburä vor.. mdem am Ende des
ersten Hochzeitstages der junge Mann mit der jungen Frau einen Wettlauf anstellen mußte. In Bayern wird nach . der in der Kirche erfolgten Trauung ein sogenannter Brautlauf von den Gästen nach dem Wirthshaus, wo die Hochzeit gefeiert wird, veranstaltet. In Westfalen besteht auf dem Lande und in den kleineren Städten ein Brauch, den man ein Mittelding von Brautraub und Brautkampf oder Brautlauf nennen kann. Am Abend des Hochzeitstages wird nämlich die Braut dem Bräutigam von den Gästen auf dem Tanzsaal entrissen, und dieser muß sie nun wiederzuerlangen suchen. Dabei entsteht ein Getreibe. das oft ins Tollste ausartet, und gewöhnlich stundenlang dauert. Da die Gäste gegen den Bräutigam alle zusammenhalten, wird es ihnen nicht schwer, die Braut, sobald er glaubt, sie erhäscht zu haben, wieder aus seinem Bereich zu bringen, wobei ihm statt dieser ein anderes Mädchen, oder ein Bursche, auch wohl scherzweise irgend ein Haushaltungsgegenstand (Kehrbesen, KochKffel. Korb) zugeschoben wird, worauf sich kann ein allgemeines Gelächter erhebt, das den Bräutigam zu erneuten Anstrengungen anstachelt. Gelingt es ihm bis zum Schluß der Festlichkeit nicht, die Braut zu erhaschen.so bekommt er sie vor dem nächsten Morgen nicht wieder zu sehen. Zu den Brautabzeichen gehören auch besondere Hüte, die sich aber mehr durch ihre Form und Größe, als durch ihr Kostbarkeit auszeichnen, obwohl es auch Ausnahmen giebt. Die Wenbinnen in der Lausitz tragen die Borta, die Altenburger Bäuerinnen den Hormt in Gestalt eines Cylinderhutes, mit nach oben gekehrter Krempe? in andern Gegenden und Ländern sind Federhüte, in wieder andern hochragende Spitzmützchm üblich, von denen Schleier herabwallen. Einen ganz pompösen Anblick bietet die norwegische Braut mit der reichen, herrlich geformten Brautkrone auf dem aufgelösten blonden Lockenhaar, dem kostbaren Halsschmuck und dem feinen Spitzentuch um die Schultern. Vortheilhaft nimmt sich auch die Brcmt von der Insel Java aus. Sie trägt ein Diadem aus Metallblech, mit dem mehrere nach hinten auslaufende Gebilde aus Federfchmuck, sowie vier lockenartige Gehänge aus Metalldraht verbunden sind. Um den Hals hängt eine dreifache Kette, deren Werth nach den jedesmaligen Vermögensverhältnissen verschieden ist. Die Arme sind mit dreiten Metallringen geschmückt. Weit einfacher, aber in hohem Grade geschmackvoll, ist das Aeußere der japanischen Braut mit dem durch Spangen befestigten Blumenschmuck in dem dunsein Haar und dem faltenreichen Gewand, dessen Stoff von feinstem Gewebe, aber von ganz einfachem Muster ist. Ganz einfach sind auch die Hochzeitsfeierlichkeiten in diefem Lande. Die Brautleute werden von ihren Berwandten frühmorgens abgeholt, auf zwei, mit je vier Ochsen bespannte Wagen gesetzt und auf eine außerhalb des Wohnorts gelegene Anhöhe gefahren, wo in einem kostbaren Zelte das Standbild des Ehegottes aufgestellt ist. Das Bild hat einen Hundskopf, zur symbolischen Hindeutung darauf, daß Anhänglichkeit und Wachtsamkeit die wichtigsten Eigenschaften im Ehestände seien. Vor dem Standbilde werden sie auch eingesegnet. Bei den Chinesen ist der gewöhnliche Verlauf der, daß die Eltern sich über die Verlobung ihrer Kinder vereinbaren, oft schon in deren früher Iugend. Die Verlobung wird in jeder der beiden Familien besonders gefeiert. Braut und Bräutigam bekommen einander in der Regel nicht eher zu sehen als am Hochzeitstage. Bei der Auswähl eines Bräutigams für seine Tochter nimmt der Vater in erster Linie Rücksicht auf Rang Mid Vermögen, wobei er aber einem Mandarinen (Würdenträger. Gelehrten) stets den Vorzug vor einem etwa durch Reichthum sich auszeichnenden Kaufmann giebt. Die Braut wird am Hochzeitsmorgen verfchleiert und in einer . verschlossenen Sänfte, mit großem Gefolge und Musik nach dem Hause des Bräutigams gebracht. Bei der Ankunft dort wird die Hausthüre in auffälliger Weife, wie abweisend, zugeschlagen und erst nach wiederholter Aufforderung, und nachdem die Musikanten einige Stücke haben hören lassen, wieder geöffnet. Nun wird die Sänfte vor der Thür niedergesetzt. Der ' Bräutigam erscheint mit einem Bogen und schießt drei stumpfe Pfeile gegen die Sänfte ab, um sinnbildlich das bevorstehende oder herandrohende Unheil zu nichte zu machen. Nun entsteigt die Braut der Sänfte. , der Bräutigam nimmt ihr die Verschleierung ab und führt sie in die Wohnung, wo beide sich an einem mit rothem Tuch gedeckten Tisch niedcrlassen und aus zwei mit einem rothen Bändchen verbundenen Gläsern Brüderschaft trinken. Hierauf folgt ein Mahl, an welchem alle Zeugen theilnehmen. Braut und Bräutigam treten dann vor. den Hausgötzcn, wo er-, stere ein mit einem rothen Band zufammengeknüpftes Bündel Stäbchen niederlegt, zum Zeichen, daß sie nun die Verwaltung des Hauswesens übernimmt. Hierauf begeben sie sich in den Hof und bringen dem Himmel ihren Dank dar, indem sie niederknieen und mit der Stirn die Erde berühren. Während dieser Ceremonien, und überhaupt den ganzen Tag. läßt die mitgebrachte Musikkapelle auf chinesifche Weise, d.h. mit großem Lärm, ihre Weise erschall:. Eine sehr ttremoniöse, zum Theil aber recht drollige Brautschau erwartet uns bei den in letzter Zeit so oft genannten Boeren in Südafrika. Die Boeren sind bekanntlich holländischer j Abstammung und haben die steife ; Förmlichkeit, an welcher die Hollander -
festhalten, treu bewahrt, dabei aber die gesellschaftliche Gemüthlichkeit, zu der fch jene erheben können, gänzlich eingebüßt, so daß oft ein puritanischer, und häufiger noch äußerst prosaischer Zug ihnen zu eigen geworden ist. Gesellige Zusammmkünfte Bälle, gcmcinschaftlicbe Ausflüge und Familienfeste sin's bei den Boeren gänzlich unbekannt, so daß die jungen Leute sich nur gelegentlich zu sehen bekommen. Unter solchen Umständen ist es sozusagen eine Wohlthat, daß die Verlobungen auf chinesische Art zwischen den Eltern vereinbart werden. Der Bräutigam hat nur zur bestimmten Zeit die erforderlichen Förmlichkeiten zu erfüllen. Natürlich muß er seine ihm Erkorene aufsuchen. Dies geschieht zu Pferde in möglichst prunkvollerAusstattung. Seine Ankunft dringt abernichtdie mindeste Aufregung hervor, weder bei den Eltern, noch bei der Tochter. Alle beharren in dem unerschütterlichenPhlegma, in welchem das tägliche Leben de? Boeren verfließt. Aber auch der junge Mann hat die phlegmatische Ruhe zur Schau zu tragen, wenn er sich nicht etwas vergeben will. Gege Abend lassen die Familienglieder bt beiden jungen Leute allein, damit dcm BeWerber Gelegenheit gegeben ist, sich mit dem Mädchen zu verständigen. DieS geht in folgender Weise vor sich. Zunächst zupft er sie am Rocke und fragt schüchtern, ob er den Abend bei ihr verbringen dürfe. Sie nickt steif wie eine Puppe. Nun sitzen sie einander gegenüber und verharren so ungefähr eine halbe Stunde, bis endlich der Freier mit der entscheidenden Frage herausrückt, welche da lautet: Wollen wir unsere Schafe zusammen weiden lafsen?" Da der Freier seines Jawortes in der Regel schon gewiß ist. so handelt es sich hierbei um eine bloße Förmlichkeit. Hinsichtlich der bräutlichen Ausstattung werden gewöhnlich nicht viel Umstände gemacht. In vielen Fällen sieht man sogar von der Beschaffung des Brautstaates ab. Dafür bestehen im Lande der Boeren besondere Leihhäuser! Weiter kann man die Prosa des Lebens allndings kaum treiben. Am besten hat e5 der Bräutigam im Sudan. Er braucht seine Braut weder zu Roß einzufangen, noch auf dev Gondel einzuholen, noch auch auf den Armen in sein Haus zu tragen, Sie Wird ihm wohlverpackt in einer großen bienenkorbförmigen Schachtel von di Gästen vors Haus gefahren und dort abgeladen, worauf die Hochzeitsfeierlichkeiten mit dev Besitznahme ihres zukünftigen Heims ihren Anfang nehmen. Die Speckseite sür ehelichen Frieden. In dem alten kleinen englischen Landstädtchen Dunmow besteht eine schöne Sitte. Jährlich, am ersten Tage des August, wird denjenigen Ehepaaren, die von sich sagen können, daß sie ein ganzes Jahr in vollem Frieden gelebt haben, ohne daß ein Wort des Haders gefallen ist, eine Speckseite als Belohnung gegeben. Die Bewerber um den Preis haben sich einem strengen Kreuzverhör vor einer aus Junggesellen und Jungfern bestehenden Jury zu unterwerfen. Die Sitte ist uralt. Im Jahre 1229 ritt Robert Fitzwalter, ein Baron v. Essex und ein Sohn des berühmten Fitzwalter, der der Führer der Barone war, die denKLnig Johann ohne Land zwangen, die Magna Charta in Runnymede zu unterzeichnen, nach Dunmow. Dort verliebte sich Robert in ein Mädchen und heirathete es. Im folgenden Jahre, gerade an seinem Hochzeitstage, erkrankte er und starb am nächsten Tage. Auf seinem Todtenbette sah er eine Speckseite an der Wand hängen. Er ließ den Prior von Dunmow kommen und erklärte ihm, daß der Segen der Fitzwalters auf dem Ort ruhen sollte, wenn jedes Jahr denjenigen eine Speckseite geschickt werden würde, die beweisen könnten, daß sie ein eben so glückliches eheliches Leben geführt hätten, wie er selber. Die schöne Sitte erhielt sich von 1230 bis zur Aufhebung der Kloster durch Heinrich VIII. Wiederbelebt wurde sie zwischen 1740 und 175j.. In ihrer gegenwärtigen Form hat sie Harrison Ainsworth eingeführt. Diefes Jahr erhielten drei Paare die Speckseite. Nachdem die Jury ihren Spruck abaegebcn hatte, wurden die drei alücklichenPaare auf Sesseln durch den Ört nach einem Felde getragen, wo sie den üblichen Eid abzulegen hatten., daß sie fortfahren wollten, ein musterhaftes ehelicbes Leben zu führen. Darauf erhielten sie ihre Speckseite. Offenherzig. Aber Lisette, warum weinen Sie so?" , Ach, gnädige Frau, mein Schatz ist mir untreu geworden!" Nun. trösten Sie sich doch nur, er . . ." Ach. das ist's ja nicht, gnädige Frau, aber es ist halt gar so schwer, sich- an einen Andcr'n zu gewöhnen!" " Mitleid. Dienstmädchen : Gnä' Frau, ich muß Ihnen den Dienst kündigen! Frau: Ja. warum denn?" . Dienstmädchen: Der gnä' Herr dauert mich so!" Frau : Wie so? Dienstmädchen: Er hat gesagt, wenn er mich zuvor gekannt hätt', dann hätt er mich g'heirath'!" Aus der Volksschule. Lehrer : , ...Fängt ein Satz mit Wenn" an, so muß ein Nachsatz solgen... Wer weiß ein Beispiel?", Der kleine Strcmperl: Wenzel heißt unser Lehrbub, Leberknödel sind seine Leibspeis'!" ; Infant terrible. Assessor: Nun Elschen, hast Du mich auch recht lieb?" Elschen: O ja; aber Mama sagte, Sie wären sür Schwester Klara bestimmt." Naheliegend. Ich sage Ihnen, die alte Jungfer hat Geld wie Heu!" Na, dann wird schon, 'ne Hevrath' zu Stande fomw!
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i.i t s
