Indiana Tribüne, Volume 19, Number 359, Indianapolis, Marion County, 13 September 1896 — Page 6

l

G

r7T7,rrrrg:Agg'

Aicdcltt sch c cd) tseinM. Bis zum Gipfel vollendet sieht das gewaltiqe Gäude des Bürgerlichen Gesetzbuchs Deutschlands da, gekrönt mit der stolzen Kuppel der Rechtseinheit. Noch sind die Thore des großen Baus verschlossen. Mit dem 1. Januar 1900 erst sollen sie sich offnen, um dann das Wohl und Wehe der Personen und Familien im Deutschen Reich mit ihren innersten Lebens- und RechtsbezieHunden in sich aufzunehmen. Wer Heute das aroke Werk nach seiner Vollendüng betrachtet, der ahnt vielleicht Zaum, mit welche? Mühe in mehr als zwanzigjähriger Arbeit die einzelnen Steine zusammengetragen und aufeinandergefügt worden sind. Vertreter aller wichtigern Stände, politische und gemeinnützige Vereine haben nach Fertigstellung des ersten Rohbaus an dem weitern Ausbau sich zu betheiligen gesucht. Das Hauptverdienst aber gedüürt den Baumeistern, die von derRegierung und der Volksvertretung zur Vollendung des Werks ausersehen waren. . Die oberste Vertretung der Reichsregierung fiel naturgemäß dem Chef des Reichsjustizamts, Staatssecretär und Wirkl. Rath Arnold Rteberding 5u. ffür ihn wird es immer ein stolzer Gedanke sein, während seiner Amtsfuhrung das Deutsche Reich der langersehnten Rechtseinheit zugeführt zu haben. Nieberding begann die Verwaltungslaufbahn im preußischen Handelsministerium, arbeitete dann im Planck. Nieberdiug. Sohm. Rcichskanzleramt unter Delbrück und wurde am 10. Juli 1893 zum Staatssecretär des Reichsjustizamts ernannt. Was man an dem Reichsjustizsecretär neben seinen bis ins Detail eindrinaenden Kenntnissen während der VerHandlungen über das Bürgerliche Gesetzbuch am meisten bewunderte, das war der vermittelnde und versöhnende Aua. den er in geschickter Weise hervorzukehren wußte, so oft dräuende Wogen die Landung des Schiffes in 'den Hafen der Gesetzgebung zu gefähvden schienen. Ohne seiner Würde zu vergeben, wußte er dort etwas zuzulegen. hier etwas nachzugeben, bis das ruhige Niveau wiederhergestellt war. Dem Reichsjustizsecretär zur Seite stand ein großer Stah von Mitgliedern des Reichsjustizamts und andern Vundesrathbevollmächtigten. In erster Linie sind hier zwei Männer zu nennen, die durch ihr Auftreten auch in nicütiuristischen Kreisen- - allgemeine 2lufmerksamkeit erregt haben, der Geh. Iustizrath Pro. Dr. G. Planck aus -Göttingen und der Geh. Hofrath Prof. Dr. Rudolf Sohm aus Leipzig. Prof. Vlanck ist am 24. Juni 1824 geboren und ist als ordentlicher Honorarprofessor an der Universität in Göttingen thätig. Trodem ev seit Jahren des Augenlichts beraubt ist, hat er sich eine lichtvolle Klarheit des Geistes zu bewahren gewußt. An Verstand und Wissen ehrenbürtig, aber ungleichartig an Wesen und SJIcnbiö. v. Berenbcrg. Küntzel. Eharacter, erscheint der Vertreter des Königreichs Sachsen, Rudolf Sohm. Dort der ruhig abwägende Diplomat. Wzx der temperamentvolle, leidenschaftliche, von edelm Feuereifer erfüllte Geist, der, wo es eine gute Sache zu vertreten gilt, alle Künste seiner, Veredsamkcit spielen läßt, ohne den Künsten der Politik dabei ein Plätzchm zu aönncn oder persönliche Angriffe zu scheuen. Am nachdrücklichsten wirkte er Zlu Anfang der zweiten Lesung, als eZ galt, das Feuer der Begeisterung, das im Lande dem Erlöschen nahe war, mit der wuchtigen Kraft seiner Beredsamseit von der Tribüne des Parlaments aus von neuem für das Gesetzeswerk zu entfachen. Später, bei den Einzelne rathungen, trat er m:hr in den Hintergründ. , Neben, diesen beiden Männern sind vor allem noch zwei Mitglicbcrde?. Regierungscommission zu nennen, die in der Jnnenarbeit eine verdienstvolle Tätigkeit für das große Werk entfalUi haben: der Wirkt. Geh. Oöerjustizx.zih und vortragende Rath Im preus;Zsch:n Justizministerium Küntzel und der ordentliche Professor an der Univ:rsität Tübingen Dr. v. Mandry. Jtilnfcel, der zunächst stellvertretender 'forschender der 'Rcgierungscommisftsn aewesen war. übernahm nach dem am 30. April 1893 erfolgten Tod des Vorsitzenden, Staatssecretärs, im Reichsjustizamt Dr. Hanauer. zunächst interimistisch, alsdann vom 26. Octo-' bcr 1S93 ab endgültig mit 'Zustimmung des Bundesraths den' Vorsitz der Commission. Gleichzeitig war er Relerent für das' Sachenrecht. Nach Beendigung seiner anstrengend: Ar-' bei!!n ist er jetzt zum Präsidenten des Oberlandc?.':erichtS in Marienwerder ernannt worden. Küntzel ist rn Dienst der Praris groß geworden ?rnd konnte deshalb 'auch als gewiegter ' Praktiker

3H-A k7 )l T 7r f h VÄ ßT k Y; fe4v ! V vv P?wl i ff ?, Jpht xfAt3 4&A?T? f Ö$N NSfiV -4rlN

f VfV 1 fer MM ir 3 V ATt' tr'kf M?

i auS jahrzehntelangen Erfahrunger schöpfen. v. Mandry ist mehr Theoretiker und. Wissenschaftler; er wurde insbesondere als hervorragender Kenner des französischen Civ'ilrechts sowie des Familienrcchts wofür er auch als Neferent bestellt war, in Anspruch genommen. Seine Laufbahn bewegte sich bisher überwiegend auf dem Boden der Doctrin. Am 31. Januar 1832 geboren, studirte er in Tübingen und Heidelbera. trat wähnd der Jahre 1856 bis

V

jrhtr - 'i 'cxY j UyJy

Lieber. Spähn. Gröber. 1861 vorübergehend in den praktischen Justizdienst, wurde alsdann im Iahre 1861 ordentlicher Professor in Tübinaen und übte von da an seine Lehrthätigkeit an dieser Universität aus. Von Parlamentariern, die bei dem Austandekommen des BüvgerlichenGesetzbuchs in besonders hervorragender Weise betheiligt waren, sind zu erwähnen von der Centrumspartei die Abgeordneten v. Buol, Spähn, Lieber, Gröber und Bachem. Daß gerade daß Centrum an dem großen Werk den lebhaftesten Antheil genommen und auch zu den Rednern das größte Contingent gestellt hatte, ist angesichts der einschneidenden Fragen, die gerade' für diese Partei auf dem Spiel standen nicht zu verwundern. Was zunächst den AbgeordnetenRudolf Frhr. Buol v. Berenberg betrifft, so hat diesen durch seine Leitung der Geschäfte es zu Stande gebracht, daß das Gesetzbuch noch in diesem Sommcr das Licht der Welt erblicken konnte. Frhr. v. Buol ist seit dem 27. März 1895 Präsident des Reichstags. Er ist am 24. Mai 1842 geboren, hat sich dem juristischen Studium gewidmet und fungirt gegenwärtig alsLandgerichtsrath in Mannheim. Der zweite Vizepräsident. desReichstags. Petev Spähn,- war Vorsitzender der Reichstagscommission zweiter Lesung und hat als solcher nicht nur sein Amt mit allseitig anerkannter Objectivität und Umsicht wahrgenommen, sondern auch die Arbeiten der ComMission fleißig fördern helfen. Spähn, aeboren am 24. Mai 1844 zu Winkel im Rbeingau, ist Mitglied des Oberlandesgerichts zu Posen. Als unermüdlicher Arbeiter und Kämpfer erscheint neben ihm der Abgeordnete Lieber, der eigentliche Führer des liberalen und demokratischen Theils des Centrums. Dr. Ernst Lieber nimmt zwar keine feste Stellung in dev juristischen Praxis ein. ist aber doch der geborene Advocat. Als in der Ebefraae der Centrumsbau ins Wanken zu kommen drohte, da wußte er geschickt rechtzeitig in die Bresche zu springen. Während die groß Oeffentlichkeit von Sorgen um das Zustandekommen des Gefetzbuchs erfüllt war, wob er binte? den Coulissen geheimniß, volle Z?äden, bis für die Regierung das .erlösende" Wort gesprochen war. Dr. Karl Bachem ist seit 1886 Rcchtsanwalt beim Oberlandcsgericht in Köln, seiner Vaterstadt. Am 22. October 1853 geboren, genießt er einen Ruf als redegewandtes Parlamentarier. Adolf Gröber, der am 11. Februar 1854 zu Riedlingen geboren ist. fungirt als Landrichter in Heilbronn. .. Auf nationalliberaler Seite sind besonders die Abgeordneten Enneccerus und v. Vennigsen hervorgetreten, jener bei der Berathung des Sachenrechts, dieser bei der des Familienrechts. Geh. Justizrath Dr. Ludwig Enneccerus, der das Amt eines ordentlichen Professors der Rechte zu Marburg bekleidet. ist am 1. April 1843 geboren. Obwohl er sich zunächst dem Studium der Mathematik gewidmet hatte und dann erst zum Rechtsstudium übergegangen war., wurde ihm bereits im Jahre 1872. also mit 29 Jahren, eine außerordentliche , Professur in Götiingen übertragen; imJahre darauf avancirte er zum ordentlichen Professor in Mar-, bürg.. Dr. Rudolf v.! Vennigsen, der Führer der nationalliberalen - Partei M. m& AV.'r . Enue:ceru5." - ' Bachem. v. Bcnnizsen. und cinö der angesehensten Mitglieder des Reichstags, ist Oberpräsiden! der Vr.vinz Hannover undWirkl. Geh. Ruth. Er ist am 10. Juli 1824 geb?ren und ha! die JustizveiwaltunaZlaufbahn in Aurich und Osnabrück durchgemacht. In den Jahren 1856 bis 1866 wa? er der Füh:r der hanncverischen Opposition, .'!s cr im Jahre 1863 LandkZdireeto? und 1888 Ob:rvräsident . der Provinz Hannover wurde. . , , 'Ion der conservativcn Partei ist in ersten Linie der meälenburgische Abeordnete v. Vuchka zu nennen. Dr. E:r? hard v. Luchka, der am 22. December 1851 zu Reustrelih geboren ist und seit '18S6 bereits als OberlandesgerichtZrath in Rostock fungirt, hat sich bei den Berathungen über daS Bürgerliche Gesehbuch nicht nur als völlendeter?e, setzkenner gezeigt,- sondern auch bewleIm daß er nicht in einseitigen Parteitendwzcn befangen ist. Sowohl bei den

' 1 ' . töx? $ :. ., ,.. ., ' "trfiCJlT iÄ''' ff. iriV - A . . .' hM'iffy- k$ ÄJX 6äm&--:: -vfS3 SÄA-zMA - vte.- i,ryK-- , . SJ-H- , . . qJ 'Xk .

f- - y

i raMiifwMMmffe-'

Berathungen über das Vereinsrecht als auch bei der Stellung zu der von der cultativen Civilehe wußte er der liberalen Mehrheit des Hauses in bemerkenswerther Weise entgegenzukommen. Dieselbe Auffassung hat auch ein Abceordneter der freiconservatioen Partei bekundet, der Geh. Commerzienratb und Major a. D. Karl Ferdinand Frhr. v. Stumm - Halberg, der Hevrscher von Neunkirchen, König Stumm" genannt. Frhr. v. Stumm batte sich mit großer Wärme des weiblichen Theils der Bevölkerung angenommen. Es war zum ersten Mal, daß in der Volksvertretung dev energische Versuch gemacht wurde, der rechtlichen Unselbständigkeit der Frau ein Ende zu machen und sie in ihrem güterrechtlicbenVerhältniß ebenbürtig demMann zur Seite zu stellen. Die Vertretung der fisinniger?ercinigung fiel dem AbgeordnetenSchröder zu. Hugo Schröder, der am 16. April 1829 zu Jnsterburg geboren wurde, im Jahre 1854 als Gerichtsasv. Stumm. v. Fuchka. Schröder. sessor in den Justizdienst eintrat. 1862 al-dann wegen seiner Abstimmung geen die Mehrkosten der Militärorganisation zur Verfügung gestellt wurde. bekleidet seit dem Jahre 1877 das Amt eines Kammergericht-rathS in Verlin. Sein Name ist in der Literatur des ehelichen Güterrechts wohlbekannt, und so legte ev auch bei der Berathung des Gesetzbuchs den Schwerpunkt seiner Thätigkeit in eine vernünftige und gereckte Ausgestaltung des Familienrechts und vor allen des Güterrcchts. Schloß Aaröurg. Wer über Basel in die Schweiz eintritt, pflegt höchstens dieser alten Stadt einen Tag zu widmen und dann ohne weiteren Aufenthalt bis Luzern oder Bnn mit der Eisenbahn weiter, zureisen. Das Bessere ist eben auch hier des Guten Feind; man verlangt nach den erhabenen Schönheiten des Hochgebirgs, und beachtet nicht, was etwa Sehensmürdige und Jnteressantes am Wege liegen möchte. Und dessen ist gar nicht so wenig, besonders für den. der geschichtliche Denkstätten liebt. Gleich hinter Basel die erste Station Liestal, ein altes, ehemals befestigtes Städtchen, hat eine Erinnerung an die Schlacht bei Nancyz.die von den Eidgenossen erbeutete Trinkschale Karl's des Kühnen, vcn Burgund; auf dem Kirchhofe steht das Denkmal des dort verstorbenen Dichters Herwegh. Weiterhin erreicht man über Ölten, einen der wohlhabendsten Orte des Kantons Solothurn, die alte Stadt Aarburg in sehr malerischer Lage.. Besonders fallt in's Auge das auf schroffem Fels über der Aare sich erhebende Schloß gleichen Namens. Es wurde 1660 von der' toS?" Wi TT"""' J W WKW K s-iim j WUM BWMKM V fsssz WüskFäK y&.??K AM 5 W BÄ' ß&M Zr. -ajr ' -i AJ o.srr?-? i-' Ansicht des Schlosses. , Vcrner Regierung als bombensichere Festung angelegt, und bis 1793, so lange der Aargau noch zu Bern gehörte. war es Wohnung . eines Beiner Landvogts. Mit der Gründung der 'Helvetisch-n Republik" von Napoleons Gnaden wurde es Staatsgefängniß, in dem de? Franzosenkaiscr die ihm mißliebigen Schweizer Patrioten gefangen hielt. Später machte man es zur Cantonal-Zucht- und Gefangenanstalt, und jetzt dient es zu Wohn- ,und Arbeitsräumen. Der Anblick des Schlosscs ist sehr malerisch. Dahinter sieht man einen reizenden ' Aussichtspunkt, das Sälischlößli". emporragen, die restaurirte Ruine Wartburg mi!Wir!h. schaft. deren Rittersaal die Baske? Künstler mit Fresken geschmückt haben. ' rorT2 ffnf'fAritfc (Atffr V , i..4.p. Nicht wahr,' Papa. , zu meinem Gej burtswge schenkst Du mir einen Ziegenbock?" . Ja, Maxl, aber nur. wenn Du mir versprichst, bis dabin ! jeden Tag von früh bis Abends ganz ' artig zu lein! (Nach längerem Ueberlegen): Papa, sazenl' mir l:eocr keinen Ziegcnbock!Schlau. Frnnd: J3z$ machen Sie X:rn da mit dem Lild??" Maler: Tyi) iv.bz e5 mit einet Speck-s'5.-var!e cb; Frey Golbhcim tor.ir.tr ; närnich nacr mit tb?m lUVri. ' Vi i't r i;S f. ' . i lQi Z 3 Ut, UitiJ -o.iv an dem Gemälde leckt, so denkt ne, es gefällt ihm, und kauft es." Melarnorph'ose. Ist das nicht das naiv?.' lieblich: Gretchen von unserm MaZkenball damals? Die hat woll den Faust, der ihr so, den Hof. ,m?.chie. genommen " ,Ja wohl. ZUi W ist sie .Faust" ld Gretchen in eine? PersO ' ' ":

ySjOv ( Jk B Lh j itte" w&js J&fü; . ' (JkW- i&Srr "ij v ixi!iF'

Ä

, '

KU6üöSSL5?SS2LZTLS

Swttgart's Attsstessung. Von den mancherlei Ausstellungen, die während dieses SommerS in verschiedenen Theilen Deutschlands zum Besuch einladen, ist eine der sehenswerthesten und interessantesten die im Eharacter einer Landesausstellung gehaltene, ausschließlich der Elektrotechnik und dem Kunstgewerbe gewidmete Ausstellung in Stuttgart. Ihre Bedeutung dürfte vor allem in ihrer Beschränkung liegen.' Stuttgart war im Jahre 1881 der Schauplatz einer ungemein erfolgreichen allgemeinen gewerblichen Landesausstellung, und es sind seither gewiß auf den verschiedenen geMerklichen Gebieten allenthalben im Lande Fortschritte zu verzeichnen, doch muß es sich entschieden fragen, ob dieselben derartig sind, daß es geboten erscheint, sie jetzt schon wieder dem Beschauer in dem Rahmen eines großen Gesammtbildes vorzuführen. Andererseits haben die verschiedenen inzwischen veranstalteten Speciälausstellungen dargethan, wie ersprießlich es ist, in nicht allzu lange bemessenen Zwischenräumen den Augenschein dafür sprechen zu lassen, wie sehr es sich auf diesem oder jenem Einzelgebiete geregt hat. Daß Elektrotechnik und Elekrricitätshaus. Kunstgewerbe derartige Gebiete sind, steht außer Frage: für Stuttgart lagen aber noch besondere Gründe vor, gerade sie auszuwählen und mit einander zu verbinden: die Fertigstellung des großen städtischen ElektricitätsWerkes und die Eröffnung des'prächtigen neuen Gewerbemuseums. Dazu bietet Stuttgart in seinen örtlichen Berhältnissenfür die Veranstaltung von Ausstellungen kleineren Umfanges besondere Vortheile dar; es besitzt in seiner geräumigen Gewerbe Halle ein stehendes Ausstellungslokal, wie es in Deutschland nur wenige Siädte auszuweisen haben, und in seiww . TrraäÄWMjaÄiWSTrv EingangzumGewerbedorf. nein Stadtgarten eine gärtnerische Anlage, die, an sich schon eine SehensWürdigkeit, ohne Ueberwindung allzu großer Schwierigkeiten mit dieser ständigen Ausstellungshalle in unmittelbare Verbindung gesetzt werden kann. Ein anstoßender öffentlicher Platz gewährt Raum für Baulichkeiten, während sich in unmittelbarer Nähe der Prachtbau des neuenGewerbemuseums erhebt, mit Sälen und Hallen zur Untcrbringung von Ausstellungszegenständen, wie sie sich praktischer und vornehmer kaum denken lassen. Die Stuttgarter Ausstellung verräth sofort bei ihrem Betreten das Gepräge einer besonderen Eigenart: die Gelegenheitsbauten sonst das untrügliche Ausstellungsmerkmal beschränken sich auf eine außergewöhnlich kleine Zahl und haben dadurch überall, wo sie auftreten, eine Ausführung in besonders künstlerischer Gestalt mit engem Anschlüsse an ihre landschaftliche Umgebung gestattet. Der Haupteingang, der durch den Stadtgarten führt, bringt den Besucher sofort in eine fertige Anlage von geradezu malerischer Schönheit, mit prachtvollen Platz imGewerbedorf. alten Baumgruppen, reizenden Blumenparterres. ausgedehnten Wasserbeckcn und weiten Rasenflächen. Eine Anzahl von Ausstellungsgegenständen hat hier in der Awanglosesten Weise Unterkunft gefunden, wie sich hier denn aucb das Schuckert'sche Eleltricitätshaus erhebt, ein originelles Bauwerk in b?haglich:n Renaisianceform?n, mit schlanken Thürmchen, an der ewen Seit: an ein altes, balbvcifalle7.es -5':i'.hl?7:bä:'.dL anzUernt. 'Zwi-sch'-' d?m Stadarien. zum Theil unmittelbar in die,cn'üöergreiscnd, uwb der Gewerbehalle dehnt sich ein ganz eigenartiger Eomplex von Ausfiel lungsbauten aus. das Gewerbedorf-, eine Reihe von Hallen und Einzelräumcn. in welchen der Stuttgarter Gel.'erbeverein eine (5olleetivauzstellu?g veranstaltet, zumeist einzelne Sewerve :n vollem Betriebe zeigend. Als ein Ausstellug5eg:::p.-.d für sich darf

L 4 M IIIÄmSt MM -J4erf 1 c&Sor 3 ' ü&ü i XVv5k' r--Sr 5 V Y A vVR:- i, 3yys3. '.Ai. j -- 3'il"iy.-iTtiTi i im. urirjgij

Wij.-

KäfeWra

' ytt--MWWM TssM pr?F rifsnri v1

lä w üJj ri&i&i Ifi'A'Zzx-! 5s ü? !f (rtrVtrTiL C w WWKÄlzI fr ß WK WMW MW 'S2S'PJ MGW' WimMMMMg --H'.rnM Uy-

bTmriT: "tfass

die künstlerische Ausgestaltung des offenen Raumes gelten, um welche die einzelnen Hallen sich gruppiren: er versetzt uns Jahrhunderte zurück auf den öffentlichen Platz einer schwäbischen Ortschaft. Hier finden wir das alterthümliche Thor, den ebenso alterthllmlichen Ziehbrunnen, urv'ätcrliche Verkaufsstände, den Aufstieg zu einer hochgelegenen Schenke und in getreuer Nachbildung das Marbacher SchillerHaus, das in seinem Innern eine sehr sehenswerthe Sammlung von Schillerreliquien birgt. SchttabischeWeinstube. Aus dem Gcwerbedorf gelangen wir unmittelbar in die Gewerbehalle und damit in den der elektrischen Ausstellung vorbchaltenen Raum. Derselbe steht durch einen besonderen Zwischenbau mit der Maschinenhalle und dem an diese angeschlossenen Kesselhause in Verbindung. Auf etwa siebentausend Quadratmeter haben gegen vierhundert Aussteller ihre Erzeugnisse ausgestellt, und nach allem, was hier zur Schau geboten wird, kann sich der Besuche? der Ueberzeugung nicht verschließen, daß die Elektrotechnik in Württemberg einen Stand erreicht hat. der sie mindestens zum Wettbewerb mit dem entsprechenden Industriezweige jedes anderen Landes befähigt, und es gilt das gleichmäßig für den Maschinen- und Motorenbau toie für die Thätigkeit auf dem Gebiete des Kleingewerbes und der Feinmechanik. Nur selten begegnet man Werken, die sich unter dem Stande des guten Durchschnitts halten, während vielfach dieses Maß überschritten wird. Hinsichtlich des Kunstgewerbes ist der Stand ein nicht minder erfreulicher. Das hervorragendste Zeugniß hierfür dürfte vor Allem das herrliche Bauwerk liefern, in dem die Gegenstände dieses Ausstellungsgebietes Unterkunft gefunden haben, das neue Gewcrbemuseum, zweifellos der beachtenswcrtheste Gegenstand, welchen die diesjährige Ausstellung aufzuweisen hat. In einem Lande, das der Förderung seines Gewerbesleißes einen derartigen Palast zur Verfügung zu stellen vermag, kann es um die Gewerbethätigkeit und namentlich die künstlerische Seite desselben nicht schlecht bestellt sein. Das württembergische Kunstgewerbe hat denn auch schon seit Jahrzehnten eine Richtung eingeschlagen, die vielfach als ein vorbildliche hat gelten können und ihm geradezu eine führende' Rolle zugewiesen hat. Es sei hier nur an die Kunsttischler und Möbelfabrication erinnert, an die verschiedenen Arten der Metalltechnik und wenn auch an letzter. Stelle, so doch nicht zuletzt an das polygraphische Kunstgewerbe. Wenn Stuttgart als der bedeutendste und einflußreichste Verlagsplatz Süddeutschland und einer der, allerersten Plätze für die Herstellung und den Vertrieb illusirirter Werke gelten darf, so finden wir dafür den entsprechenden Ausdruck in dem, was die Ausstellung uns von diesem Theile der Gewerbethätigkeit aufzuweisen hat. Fassen wir den Gesammteindruck der Ausstellung zusamGewerbemnseum. men, so vermögen wir nur zu sagen, daß sie die beiden Zwerge des Jndustrielebens. die sie in ihren Erzeugnissen vor Augen führen soll, in einem normal-gesunden Zustande zeigt; überall offenbaren sich uns die Spuren von Kraft und Leben, nirgendwo ist ein Verkümmern zu gewahren, während allenthalben die Ansätze zu lebcnskräftige? Weiterbildung hervortreten. Dementsprechend stellt sich uns auch das äußere Gewand des UnternehmenZ dar. Zeigt sich nirgendwo ein sonderlicher Luxus, so tritt doch überall einfache Gediegenheit entgegen. Dabei ist das gan?e Werk bestimmt, klar und übersichtlich angelegt und wird in gutem, regelmäßigem Betriebe gehalten. Jmmergroßart.ig. Anklagte: Bankier (in den GeriÄtssaal fl tretend): Gerlcht-!dzener. führen Sie mich nach dem Anklage - Fauteuil!W u r st w i d e r W u ? st. Gatte: Ich begreife nicht, wie man solch: lächerlich großen Aermel tragen kann, wenn man nichts hat, sie zu füllen Gattin: Na. hast Du viellczt etwas, um Deinen Cylinder zu sollen?" . DaS kleinere Uebel. Gttc: Das Kind mach! mich mit seinem Schreien noch ganz' . nervös. Cvaitin: Na. warte noch einen Augen bück, ich finge es gleich in den Schlaf! Gatte: Na, dann laß es nur noch lieber schreien! - V o 3 h a f : Dichter: .Glauben Sie.daß mein bürgerliches Trauerspiel -MaximUö Pinkus" wiederholt wird?" Erster Held: .Gewiß! Unsere Direction hegt die löbliche Absicht, daß Stück so ?ft anzusetzen bis 'Jemand hZnew-Aeht."

A A d S ß M P 3 r'i U 'M n 5 1 rl'J '.iMlllS

;sitfu I ' TTAAirrrtmnma

Vicrsiphoa. Außerordentlich schnelle Verbrekhing findet jetzt in fast allen größeren Städten Nord- und Mitteldeutschlands ein neues, sinnreich construirtes Biertransportgefäß, der .Biersiphon-, der mit der Annehmlichkeit des bequemen Ausschanks den andern Vorzug verbindet, daß das Bier darin, im Gegensatz zu dem gewöhnlichen Flaschenbier, denselben frischen und vollen Geschmack behält, wie das eben vom Faß abgezapfte. Bedenkt man die Unbequemlichkeiten, die der Bezug des Biers in Flaschen überhaupt mit sich bringt, und anderseits die Umstände, die das meist ungewohnte Anstechen eines Fasses macht, so läßt sich die r.ngemein schnelle Verbreitung des neuen Biergefäßes allerdings sehr wohl begreifen. Der Viersiphon ist ein gcnau 5 Liter haltendes starkes Glasgefäß, das durch einen ufgeschraubten MeDer Siphon. talldeckel mit Gummidichtung luftdicht verschlossen ist. Vom Deckel reichen abwärts in den Krug ew KohlensäureCylinder mit Reducirventil, aus Um immer nur so viel Kohlensäure auf daS Bier strömen kann, als dem Krug Bier entnommen wird, und ein Temperircylinder, durch den das in den ZapfHahn endigende Heberohr geführt ist. Außerdem ist der Deckel mit einem Si cherheitsventil ausgestattet, das, selbst wenn einmal das Reducirventil nicht gehörig functioniren, d. h. zu hohen Kohlensäurcdruck auf das Bier lassen sollte, jede Gefahr im Gebrauch des Siphons völlig beseitigt. Alle äußern Metalltheile sind vernickelt, die innern mit dem Bier in Berührung kcnunenden aber verzinnt. Mittels des Henkels ist der Siphon leicht und bequem zu bandhaben. Der vollkommen sich'.r-Ab-schluß gegen die atmosphärische Luft und der ständige, genau regulirte Kch lensäuredruck halten das Bier, wie bereits erwähnt, dauernd frisch, sodatz es selbst dann noch, ohne an Geschmack u. s. w. zu verlieren, mehrere Tage stehen kann, wenn der Siphon schon angezapft ist. Durch den Temperircylinder vermag man mittels wenigerStück. chen Eis (oder im Winter durch warmes Wasser) die gewünschte Tenrperatur des Biers zu erzielen. Bescheiden. : .Ich kann das Protzen mit Bildung mt aussteh'n! Mit mir kann Einer a' Jahr lang verkehr'n und er wird nix von. Bildung an mir bemerken!" KK 3&3Kinderwagen fin de siclc. EinnaivesGemüth. , Bitte, ist de? Platz frei?" ; Nein, bedauere! Es kann eZ soll es wird noch ein Herr kommen!" - - . Nichts besonderes. A.: Da, sehen Sie mal den reichen Meyer! , Barfuß ist der nach Berlin ' gekommen und fährt heute vierspännig!" B.: .Na. ich bin sogar bar, ' fuß auf die Welt gekommen und kann auch schon. Droschke fahren!-

s?Ä? m 'W W, m VM vtfm V ItI XM l AM

'ÄII I P!i4 Z; W a Mg $ S Ji M r& fr $?Y'zS U IUi,1:jV PiP l

&J-r 'VJl WöWMn s FWM MOWU?M MSMMMl

spjx: n-tfhni.

A Wl i AV'ÄÄjSl feVc äSM' IMiAw)! 2LM jf j QC7ic Aä&s.. 4 r?-i4 i?7rr-. VU wpl! Qi X l! ' n4 )wmj "F

Zlnscre Kemzelmättttchett. Von Frieda v. LronoZf.

i Wenn das Märchen vom Schlarasfenlad kleinen Leckermäulchen besonders anziehend dünkt, so die Wundermär von den hilfreichen HeinzelMännchen. Denen, die gern mühelos durch's Leben pilgern möchten; und vielleicht sind es nicht einmal diese allein, die nach der guten, alten Zeit seufzen, in der hin und wieder dienstwillige Geister eine Rolle spielten. Im Allgemeinen weiß man sich heutzutage ja wohl selbst zu helfen; es giebt aber auch Pechtage, an denen man sich recht gern hinter solch geschickte, kleine Wichtlein versteckte, eö giebt Arbeiten. Pflichten. Pläne, die. je näher sie rücken, desto unheimlicher und unbequemer werden, und die man darum bereitwillig den märchenhaften Hausgeistchen aufbürden möchte. Schon das Frühaufstehen an kalten Wintertagen, wenn der Morgen grau , und neblig heraufdämmert und alle Räume erst schmuck und sauber gemacht, die Zimmer erwärm! werden müssen, ist solch ein Prüfein. - Wie nett, wenn nun solch flinkes HeinzelMännchen all' Das schon besorgt hätte, wenn es de? überlasteten Hausfrau auch einmal den duftenden Morgentrank an's Bett bringen und sie nöthigen wollte, doch ja nicht eher aufzustehen, als bis Alles hübsch geordnet, warm und behaglich ist. wenn es die Küchen- und Heizvorräthe herbeischaffte und Mes so bequem zurichtete, daß das Weiterarbeiten keine Beschwerden mehr bietet. Oder wenn die geschickten Gesellen sich nächtlicherweile über die hilfsbedürftigen' Kindergarderobe, die Flickwäsche, längst begonnene und immer wieder beiseite gelegte Arbeiten erbarmten und bis zum Morgen die ganze Last bewältigten, die oft selbst der erfahrensten Hausfrau heimliche Sorge bereitet! Aber nein, nein; die Zeit der Wunder ist vorüber, selbst muß sich mühen, wer ein Werk vollendet sehen will, ja, noch viel härter mühen als dazumal, wo der ganze Lebenszuschnitt ein soviel einfacherer, beschränkterer gewesen. Was ist da Alles schon allein in der Küche vom ersten Frühstück, bis znr letzten abendlichen Erquickung ju besorgen, besonders wenn liebe Gäste den gewohnten Kreis noch vergrößern; was Alles zu bestellen w der Nähund Bügelstube, im Wasch- und Vorrathsraum, in Keller und Kammern, Hof und Garten unter dem Zeichen dieser oder jener Jahreszeit, die der Hausfrau immer noch .besondereLast" ausbürdet, und besinnt man sich, so ist's erst noch der gewöhnliche Tageslaus,, den zu jeder Stunde etwas Unvorhsrgesehenes aus dem Geleise drangen kann. Kommt nun dies heimlich gefürchtete Ungcvöhnliche richtig dazu, oder geht einmal mit eigensinniger Bchcrnlichleit alles quer, was Wun:der, wenn man da sehnsüchtig der gepriesenen, alten Zeit gedenkt, und der Ansicht zuneigt, von dem ganzen Heer dienstwilliger Geister babs eigentlich nur ein einziger unverdrossen cmögeharrr, der Kobold des Zufalls nam lich, der bcshast kichernd in d:r Ecke steht,, allzeit bereit, sich auf seine wehr losen Opfer zu stürzen. Und warum? weil ein fürwitzig Weiblein für gut befanden, dem wunderthätigen Wirken des kleinen Volkes- nachzuspüren und . . . Aber horch nur, jetzt kichern sie alle zumal, nicht zmr der eine in seine? dunklen Ecke; denn heut noch regt sich die ganze Sch?ar, aber nicht bloß nächtlicherweile, sondern unablässig von früh bis spA. nicht mehr unier dem Begriffe einer märchcnhaften Körperschaft, sondern mit klangvollen, sinnreichen Sondernamen bezeichnet, daß wir allzeit just den Geseilen herbeirufen können, dessen, wir aerade bedürfen. Ja wie heißen sie denn eigentlich und was richten sie sus, diese Wundermännlein? Alles. waZ. wir überhaupt im Pslichtenkreise. eines ' Tages unternehmen, was der eine mühselig aber gewrssenhast, der andere scheinbar mühelos und im, Fluge, ein dritter von nimmcrversiegende? Schaffensfreude oder in zähe? ausdauernder Beharrlichkeit' vollbringt, sei es nun das Werk einer Mchtigm Stunde oder eines ganzen mühereichen Lebens, denn .Regen bringt Segen", lautet ihr Wahlspruch, und Geduld, Pünktlichkit, Ausdai:. Treue. Zuversicht, Unkrnehmungswft. Erfindungskraft, Gewandtheit. Frohsinn. Fleiß. Beharrlichkeit und Umsicht hei-' ßen die dienstfertigen Gesellen, die keinen im Stiche lassen, der ihnen vertraut. Vielleicht arch sind zwei oder drei ans der Sippe nicht ganz ohne Schuld an der . vermehrten Arbeitslast unserer Zeit, denn gerade Unternehmungslust uad Erfindungskraft mögen die , wachsende Gewandtheit zu allerlei frühe? unbekannten Thaten verleiten. Lebensbedürfnisse oder Luxusarbeiten gezeitigt haben, die in Urvätertaqen noch ahnungslos schlummerten. Wir zürnen ihnen aber darum nicht; je ausgedehnter da2 Gebiet häuslicher Thätigkeit.' weidlihinauszugrcifen vermögen mit unsre? Kraft, da die Schranken gefallm sind, die das Wirken der Frau einst so eng begrenzten! ' So brauchen wir der treulosen.-al-ten Zeit ja eigentlich gar nicht zu grol, len, denn das Schlaraffenleben des Märchens begehren wir nicht, und die 'wohlgewappneten Kämpen, die unS zur Seite stehen, sind ja wohl dieselben treuen Heinzelmännchen, die unsre , , Vorfahren . schon berathen , hahen und 1 jedem i unverbrüchlich anhangen. ' lang, .ihrer bedarf.' " ' ; . "D e r Feigling kennt' nur ' ' den Mutb,der Verzweiflung.

chen Wissens und Könnens, v-euo errnuthigcnder. beglückender sür uns ; ja wohl. Regen bringt Segen; jeti erst sviiren wir's so recht, da wir weit

rz