Indiana Tribüne, Volume 19, Number 359, Indianapolis, Marion County, 13 September 1896 — Page 2

Wciocrlist. In Arabien ist ein Spiel im GeKrauch, das in einer Wette besteh nichts Con dem andern anzunehmen, ohne das Wort .Diadesta" auszuspr:chen. Zuweilen dauert das Spiel verschiedene Wochen lang; beide streit gen ihren Scharfsinn an, um sich einnder zu überraschen; wer am ersten die Bedingungen vergißt, und etwas nimmt, ohne das Wort auszusprechen, hat die abgeredete Wette verloren. Der Philosoph Alebabikuki, der in diesem Lande wohnte, hatte lange der weiblichen Herrschaft gehuldigt; auf einmal nahm er sich aber ernstlich vor, klüger zu werden. Er schrieb deshalb ein Buch von d?r Weiber Ränken und Künsten zusammen, und führte es überall mit, um sich bei seder Gelegenhei! ja sofort daraus Raths erholen zu können. Eines Tages kam er an einem arabischen Lsger vorbei. Am Eingange ihres Zeltes saß eine junge, schöne, muntere Frau, die ihn freundlich grüßte und ihn gastfrei einlud, bei ihr auszuruhen. Er hatte. sich. kaum ni:-

dergelassen, lhren Wuchs, ihre Auqen. das Zelt, den Teppich und die Kissen betrachtet, als ihm für das System seiner Weisheit bange wurde. Er nahm also seine Zuflucht zu dem Buche, schlug die Augen nicht auf und las anvachtlg m demselben. Das ist ja wohl ein sehr interessankes Blieb, frug die Araberm. das Dich so hinreißt?" Allerdings gab - der Philosoph zur Antwort, es enthalt Geheim nisse " Die Du mir nicht offenbaren willst fiel vjm mt Frau tn emem von jenen Tönen in die Rede, bei welchen $lle Saiten eines Mannesherzens im Einklang zu deren pflegen Nun, es enthalt." erwiderte er, ein vollständiges Verzeichnis aller Kunst schlauer Weiber, das Dich nicht belustigen wird, denn Du wirst kaun daraus etwas neues lernen können. Die Araberin lächelte schalkhaft. Bist Du aber auch ganz sicher fragte sie, daß alle Künste darin ver zeichnet sind?" Unter Scherzung war die Unterhaliung lebhafter; der Philosoph vergaß sein Buch; er wurde zärtlich, kühn so gar und wollte ihr eben ein Küßchen geben als sie ihren Mann auf dem Felde erblickte. Wehe uns," schrie sie, wir sind beide verloren! Rette Dich! Mein Mann ermordet uns beide, um des Propheten willen, schlüpf' schnell in diesen Kasten!" Der Philosoph that schleunigst wie thm geheißen, und sie schloß ihn sorgfaltig ein. Dann ging sie ihrem Mann entgegen. ' Zur rechtenZeit kommst Du." sagte sie. Mich hat soeben - em Fremder besucht, ein weiser Mann, wie es anfangs schien, der ein ganzes Buch geschrieben hat, das von Weiberränken bandelt; aber endlich ward er äußerst kühn und wagte von Liebe mU mir zu redend . Der Araber schäumte vor Wuth, und der Philosoph, der jedes Wort wie in Dolchstich fühlte, löste sich auf im Todesschweiß. Ha, wo ist der Elende?- rief der Mann, daß er von meinen Handen sterbe!" Hier in diesem Kasten," sagte die 'Frau und reichte ihm die Schlüssel hin. Aber indem der Eifersüchtige wie toll auf denKasten losstürzte, schlug sie in helles Gelachter auf. . Ertappt, ertappt!" schrie sie, unter fortwährendem Lachen. Gleich wirst Du die Wette bezahlen! Hast Du nicht den Schlüssel genommen, ohne Dia besta" zu sagen?" Der aute Mann stand wie verstei nert da und ließ die Arme - senkrecht fallen. . Ja, Du hast gewonnen' sprach er, aber böses Weib, dieses Aergerniß hättest Du mir ersparen können! Hierauf gab er geduldig den Schlüsfel und die Wette hin. Als er wieder aus dem Zelte war, zog die Frau den halbtodten Philosophen hervor. Tief gelehrter, weiserHerr!" sprach sie spöttisch lächelnd, zieh' ruhig Deiuer Wege, aber vergiß nicht das Stucklem gefalligst in Dem Buch ein zutragen!" Königin der Nacht. Von Gräsin Waldeisu. Tiranas Ein Jahr Vlühest Du zaub'risch vtb wunderbar, Duftendes Näthsel im Blumenreich, Silbern und bleich. Nur eine Nacht Sieht deine wonnig strahleÄde Pracht, Kurz, aber voll ist dein Glück. " " " Selig Geschick! . :, Jahre voll Pein Schließen der Menschen Leben oft in. Ob ihnen Seligkeit lacht Nur eine Nacht? Wenige nur Kennen auf Erdm der Wonne-'-Spur, Werkeltags neb'liger Lauf Zehret sie auf. Einzige Nacht, Blume, verträum' sie in deiner Prvcht, Morgen schon bist du zur Ruh, Königin du! : . . . - . ' V Athme die Lust. Einmal zu herrschen, auch unbewußt,' Traumhaft zu duften, zu sein, Dann schlafe ein. ,. . . . . .. j- i - ' : '. Beim Schadchen. So, nun wissen Se wie die-Dame sein soll, die icü beiratben'will: bis wann kön.

ttn Se se also liefern!, . . . .. . : . r- - -

ßin Kochsiapler. Lon Polizcileuteaant Th. Gantert (Berlin). Vor einem der fashionablen Hotcls der deutschen Reichshauptstadt ' fuhr die telegraphisch bestellte Equipage des Hotels vor, deren Ankunft, da die Gummiräder keinerlei Geräusch verursachten und das Klappern der Hufe der muthigen Rosse auf dem Asphalt der Straße kaum zu vernehmen war, erst im letzten Augenblicke von dem im Vestibül des Hotels schweigend auf und ab gehenden Gehilfen des Portiers. einem in flottes Jockeycostüm gesteckten, zierlich gewachsenen Groom, bemerkt wurde. Sofort tönte die elekirische Klingel nach der Portierloge und der Inhaber-derselben hatte gerade noch Zeit, den Ankömmlingen, denen der Groom gewandt den Schlag geöffnet, unter Lüften der goldbetreßten Mütze die übliche Reverenz machen zu können. Drei Zimmer mit Salon, vorn, im ersten Stock." raunte der vom Kutscherbock gesprungene und den Herrschaften beim Aussteigen behilfliche alte, weißköpfige Diener dem Portier zu, während der Groom und

ein herbeigeeilter Hoteldiener das nicht allzu umfangreiche, aber gewichtige Gepäck der distinguirten Ankömmlinge nach der Portierloge schassten. . Die Dame, eine in ein grau-gelbli-ches Reisecostüm von roher Seide gekleidete, tief brünette, zarte Erscheinung, stützte sich leicht auf den Arm ihres mit liebreicher Sorgfalt um sie bemühten Begleiters, welcher mit freundlich herablassender Kopfbewegung dem voranschreitenden Portier in's Vestibül, und dann einem dort dienstbeflissen harrenden Kellner die elegante, teppichbelegte Marmortreppe hinauf in die ihm angewiesenen Gemächer, deren Flügelthüren sich wie mit einem Zauberschlage öffneten, folgte. Graf Cz .... i mit Gemahlin und Kamiyerdiener aus Warschau," notirte der Portier eine halbe Stunde später nach Angabe des Kammerdieners in den großen, auf seinem Stehpult aufgeschlagenen liegenden Folianten des Hotels. Etwa drei Wochen nach dem soeben geschilderten, ziemlich alltäglichen Vorfall ließ sich in später Abendstunde der Portier des X-Hotels bei mir anmelden. Das Gesicht des mir seit Langem persönlich bekannten alttn Herrn war um einen Schatten bleicher, als es sonst in meinem Gedächtniß stand, und er erzählte mir, nachdem ich ihn genöthigt, Platz zu nehmen, unter mancherlei Unterbrechungen, die ich des genaueren Verständnisses wegen dazwischen werfen mußte, im Hinblick auf das von mir Vorangefchickte etwa Folgendes: : Er, der Portier, habe durch den vornehmen, aber im Laufe der Zeit geschwätzig gewordenen Kammerdiener einen ziemlich genauen Einblick in die Vermögens- und sonstigen Verhältnisse des Grafen Gz .... i thun können. Dieser habe vor etwa Iahresfrist eine Russin geheirathet und sei aus diesem Grunde mit seiner ganzen Familie, welche der höchsten polnischen Aristokratie angehöre, zerfallen; doch dies mache nichts aus, da er von seiner Mutter ein fürstliches Vermögen ererbt habe. Er liebe seine junge Gemahlin leidenschaftlich und könne ihr keinen Wunsch versagen. So war der Portier in der Lage gewesen, von den vielen glänzenden Geschenken Kenntniß zu nehmen, mit denen der Graf seine Gattin überschüttete. Er hatte das kostbare Geschmeide bewundern dürfen, das nach genauester Angabe des Grafen von einem der bedeutendsten Juweliere Berlins angefertigt worden war, und er , hatte das vergnügte Schmunzeln sehr wohl bemerkt, mit welchem der Sohn und Prokurist des Geschäftsinhabers nach ; Abliefern des Sckmuckes und erhaltener barer Zahlung das Hotel wieder verließ. Und noch mehr, er kannte auch genau die ungeheure Summe,. die der Graf dafür bezahlt. Das junge Ehepaar habe täglich die Hotelequipage zu näheren und weiteren Ausflügen in die Umgebung Berlins benützt, habe die Oper bei Kroll besucht, und sei wiederholt in Potsdam, einmal sogar, nach Angabe des zurückgebliebenen Kammerdieners, unter Benutzung des Blitzzuges auf mehrere Tage in Köln gewesen. Die Hotelrechnunn habe der Kammerdiener alle drei Tage eingefordert und den Betrag unter Hmzufügung eines reichcn Trinkgeldes umgehend beglichen. Kein Wunder, daß die Verbeugungen immer tiefer wurden, mit denen der Portier und das Hotelpersonal nicht allein, sondern auch der Leiter des Htztels den reichen Mann begrüßten. Vor acht Tagen nun hatte der Portier zum ersten Male eine Wolke auf der sonst so heiteren Stirn des gräflichen Gastes 'bemerkt, und der Kammerdiener hatte wiederholt in auffallender Eile, so daß er kaum einen Gruß naa) der befreundeten Portierloge zu richten ' vermochte, das Hotel verlassen. Sogar der Graf hatte, waS vordem 'noch nie aetben. in nervöser Hast bei -dem Portier nach eingegangenen Briefen bei seinerRLcklehr aus der Stadt Nachfrage gchalten. Am folgenden Morgen löste sich für den Portier das Räthsel theilweise.' denn der Kammerdiener sckrieb in snner Loge em Telegramm an den in Kowno wohnenden Guterdirector seines Herrn, die kategorische Aufsorderunq enthaltend, sofort nach Berlin zu kommen. Ein .zweites ' Telegramm ging nach Warschau an den Bankier des Grafen ab mit der Anweisung, umgehend eine hohe Summe Geldes nach hier anzuweism. Beide Telegramm: wurden, da der Kammerdie-

ner durch ein Glockenzeichen zu seinem Herrn gerufen worden war, durch den

Portier persönlich nach dem' im. Hotel befindlichen Telegraphenamte besor dert; natürlich hatte er Einsicht ge nommen und. konnte sich nun die Un ruhe des Grafen, sowie hie Eilfertig keit seines neuen Freundes, des Kam mcrdieners, sehr wohl erklären. Und wieder am anderen Morgen war. ein Telegramm an den Grafen angelangt, und zehn Minuten später kam der Kammerdiener mit hochrothem Gesicht, das angekommene Tele gramm geöffnet in der Hand haltend, nach der Portierloge gestürzt mit der in fliegender Hast hervorgesprudelten Anweisung, sofort die Rechnung auszuziehen, da sein Herr und er um drei Uhr , Nachmittags abreisen müßten. Die Gräfin bliebe m Berlin zurück: das Warschauer Bankhaus habe die verlangte Summe, einem früheren Befehle des Grafen nachkommend, vor drei Tagen bereits dem bekannten Güterdirector persönlich ausgehändigt und dieser sei, angeblich, sofort nach Berlin weitergereist; da er noch nicht eingetroffen, so sei die Sache nicht in Ordnung, und er. der Kammerdiener, habe dem aalglatten Franzosen niemals so rechtes Vertrauen entgegenbringen können. Bei dieser Erzählung war der vor Erregung zitternden Hanö des alten, treuen Dieners' die ominöse Depesche entfallen und dem sich nach ihr bückenden Portier waren sofort die Worte vierzrqtaufend Ru bel ausgezahlt" in die Augen gefallen so daß er die furchtbare Erschütterung seines Gegenübers sehr wohl zu begreifen .vermochte. Plötzlich ertönte aus dem Salon des Grafen die elek irische Klingel und der Kammerdiener enteilte, um nach wenigen Minuten den Portier zu seinem Herrn zu'entuieicn. Der Graf stand hochaufqerichtet. aber leichenblaß in seinem Zimmer, die rechte Hand geballt auf dem Schreibtisch gestützt, während aus dem halbgeossneten Salon' unterdrücktes Schluchzen hereindrang. Ich bin bestohlen worden und ein großer Theil meines Vermögens vermuthlich steht auf dem Spiele so ungefähr sprudelte der Graf mit sonorer Stimme, aber mit dem singendenTon fall des Sarmaten hervor; ich muß sofort nach dem Polizeipräsidium und der russischen Botschaft; vermögen sie mir auf diesen Schmuck" hierbei lä chelte er bitter und seme weiße Stirn färbte sich dunkelroth den. ich vor wenigen Tagen erst gekauft und nach dieser qulttlrten Rechnung bezahlt ha be (der Portier erkannte den Schmuck sofort wieder), binnen zwei Stunden zwanzigtausend Mark, sei es von dem Juweller, bei dem er gekauft ist - Sie sehen, er hat mehr als das Doppelte gekostet oder von einem Bankier oder sonst woher zu besorgen? Ich gebe zehn tausend Mark Provision, wenn's sein muß. bei meiner Ehre, aber ich muß den Schuft haben und sollte es mein halbes Vermögen kosten; in drei Tagm bin ich wieder hier!" Der Portier (ich muß für denjenigen Theil der Leser, denen die BerlinerVerhältnisse fremd sind, erläuternd bemerken, daß die Portiers der großen Hotels, von denen natürlich ver langt wird, daß sie fast alle europäi fchen Sprachen geläufig sprechen, an Trinkgeldern und so welter etwa cm Einkommen von der Höhe eines Ministergehaltes beziehen und meistens der Hotelverwaltung eine bestimmte Pacht zahlen müssen) überlegte nur emen Augenblick; den Schmuck und seinen Werth kannte er ja, also war die Sache ganz sicher und zehntausend Mark leicht verdient, dann versprach er, das ihn ehrende Vertrauen zu rechtfertigen, das Geld würde binnen einer Stunde in dem Besitz des Herrn Grafen sein. Dann ging er und holte von seinem Bankier die verlangte Summe, einen Theil seiner Ersparnisse, und händigte sie dem Grafen ein. Das kostbare, in der Sonne funkelnde, bei jeder Berührung tausend sarbenprächtige Blitze sprühende Pfand schloß er in der diebessichern Kassette, die in seiner Loge sich befand, ein. Der Graf hatte, fast ohne ein Wort des Dankes zu verlieren, das erhaltene Geld flüchtig durchgezählt und es nachlässig in feine Brusttasche gstckt; dann befahl er die Hotelequipage, bestieg dieselbe mit seiner Gemahlin, um dieselbe auf die Dauer feiner Abtvesenheit unter den Schutz des russischen Botschafters zu stellen, fuhr bei dem Polizeipräsidium vor und reiste dann mit dem Kammerdiener, nachdem letzterer die Hotelrechnung beglichen, nur mit emem klemem Handkoffer verseUn, ah, nock zuletzt den Befehl an den sich lief verbeugenden Portier gelangen lassend, ihm seine Zimmer frei zu halten. '' : Der Graf müßte bereits ' seit, drei Tagen wieder hier sein," so . fuhr der alte Herr, dem bei seiner langen ErZahlung der Athem ein wenig ausge-' gangen war, etwas ttolcnl fort, und da habe ich miü denn vorhin -bei dem Portier der russischen Botschaft nach der Frau Gräfin erkundigt der Mann wunte aber nichts von einer junaenGräfin ... Hätten Sie nicht vielleicht die Freundlichkeit, morgen früh, natürlich diskret, denn der Graf könnte es übel nehmen, bei dem Herrn Botschaftssecretär vorsichtig Nachfrage zu halten?" Sie wissen genau, daß es derselbe Schmückest, den der Juwelier Ihnen damals gezeigt, ehe er ihn zum Grafen brachte? fragte ich, von einer unbestimmten Besorgniß erfüllt. Naturllch ist's derselbe.- stieß '-der alte Herr heraus, aber ich bitte Sk, wenn 53 Ihnen keine Muhe macht, kommen Sie mit mir und. sehen Sie sich daö Geschmeide an.- ' . . Etwa "eine" halbe Stunde später

standen wir beide mitten in der Nacht vor der geöffneteil Wandkassette; ich hielt das glitzernde, funkelnde Geschmcide ein Diadem wie für eine Fürstin und eine feingeglicderte Halskette mit Brillanten, beides in einem mit rothem Sammet ausgeschlagenen Etui, dieses aber ohne Firma, was mir sofort auffiel, liegend in der Hand, immer wieder einen Blick auf die Rechnung werfend, auf welcher klar und deutlich über die Zahlung für den Schmuck, zweiundvierzigtausend Mark, quittirt war. Die Quittung scheint die richtige zu sein, aber der Schmuck?" murmelte ich in mich hinein, da mir, wie gesagt, das Fehleu der Firma in dem Etui auffiel. , Es ist derselbe, den der Juwelier gebracht, ich kann mich nicht irren." warf der Portier, nun doch etwas zaghast geworden, ein, und ich verabredete schließlich m ihm, da bei dem ferneren Anschauen des Pfandes doch nichts herauskam, daß wir uns am folgenden Morgen bei dem Juwelier selbst, der Portier mit dem Schmucke, einfinden wollten. Bei meiner'RLckkehr nach dem Bureau ließ ich sofort an die Polizeistationen sämmtlicher Bahnhöfe telegraphiren mit der Anfrage, ob und wohin vor sechs Tagen Nachmittags zwei Herren mit dem mir vom Portier augegebenen Signalement gefahren seien. In aller Frühe kam die Depesche, daß ein Herr, auf den das Signalement des Grafen ziemlich genau paßte, an jenem Tage nach Köln abgereist sei; von dem Kammerdiener war keine Rede, und dies war auffallend. Um halb sieben Uhr war ich bei dem Juwelier, den ich in seinem Privaicomptoir beim Kaffee traf. Bei meinem ersten vorsichtigen Fragen nach dem Grafen Cz .... i und dem Schmuck meinte der alte Herr schmunzelnd: Ja, mit dem ist es mir eigenthümlich gegangen; der Herr Graf hatte nach eigener, sehr sorgsam ausgeführten Zeichnung einen ziemlich kostbaren Schmuck für seine Gemahlin bestellt und denselben, nachdem mein Sohn ihn persönlich Lberbracht. ohne irgend eine Einwendung zu machen, bezahlt. Obgleich es natürlich selbstverständlich war, daß der Graf bezahlte, fo hatte meinem Sohn doch die wirklich vornehme Nonchalance, mit der er die doch immerhin ziemlich bedeutende Summe - aufzählte, einigermaßen imponirt. Ein paar Tage darauf kam der Graf wieder und erklärte, daß der Schmuck plötzlich seiner Gemahlin nicht gefiele, ich müsse ihn wieder nehmen; er übergab mir aber eine andere Zeichnung, nach welcher ein neuer Schmuck jetzt in Arbeit ist. Die Steine hat der Graf selbst ausgesucht, sie sind noch größer und der Preis des Diadems allein wird sich auf vierzigtausend Mark, der des Colliers auf fünfzehntausend Mark stellen.. Da der Graf ohne jedes Besinnen auf mein Anerbieten, ihm die gezahlte Summe nach Abzug von drei Prozent zurückzahlen zu wollen, einging, so nahm ich, im Hinblick auf das neue : bedeutende Object, keinen Anstand, das Geld zu zahlen, um so weniger, als ich binnen zwei Tagen mllhelos metzr als zwölfhundert Mark verdienen und für den neuen Auftrag natürlich Vorausbezahlung nicht fordern konnte." In diesem Augenblicke trat, dem anmeldenden jungen Mann auf dem Fuße folgend, der Portier herein, das Etui mit dem Schmuck in der Hand haltend. Ich nahnz.es ihm aus der Hand und reifte es geöffnet dem Juwelier. Der alle Herr stutzte und pfiff, abwechselnd mich und den armen Portier ansehend, leise durch die Zähne; dann nahm er. das Diadem heraus, ging, nach dem Fenster, ließ sich eine Lupe reichen und sagte ruhig und bestimmt: Es ist eine ganz genaueNachahmung" (der Portier sank vernichtet in einen Sessel), die Fassung ist echt, aber die Steine sind falsch!" Damit entnahm der Juwelier seinem Tresor das treue Ebenbild des falschen

, Schmuckes, dessen Glanz nun allerdmgs vor der Pracht und Herrlichkeit der echten Edelsteine verblich! Es war kein Zweifel, der angebliche Graf war ein Hochstapler und der Schmuck mit den falschen Steinen eigens zum Zweck des raffinirt ausgeführten Betruges hergestellt! Um noch ein .übriges zu thun, warf ich mich in eine Droschke und fuhr nach der.russischen Botschaft: natürlich war ein Graf und eine Gräfin Cz . . . . i dort nicht bekannt; vor einigen Tagen aber hatte ein junges Mädchen, auf welches die Beschreibung , der ' Pseudografm paßte, sich dort eingefunden und hatte sich nach einem aus der Botschaft unbekannten russischen Professor, der angeblich in Berlin Dolmetscher sein sollte, erkundigt. Sie war des Russischen vollkommen mächtig gewesen das einzig Wahre an der ganzen russischpolnischen Grafengeschichte, denn auch der schwatzhafte Kammerdieenr , war selbstverständlich ein in das Ganze mit verflochtener Betrüger, der sich seiner Aufgabe, den Portier sicher zu machen, mit ebenso viel Glück wie Geschick entledigt hatte! Der Portier war. wie geistesabwesend; er , vermochte noch immer nicht zu fassen, daß der Schmuck falsch sein solle, und da er mir , aufrichtig l-id that, ging ich mit ihm, hauptsächlich um ihn seiner völligenLethargie zuentreißen, noch zu einem anderen Juwelier Unter den Linden der natürlich dasselbe Urtheil fällte.' die Fassung war echt, die Steine Rheinkiesel, vorzuglich geschliffen und höchst sauder gefaßt. Dann nahm ich den völlig Gebrochenen mit nach, meinem Bureau, um ihn zuProtokoll zu vernehmen und die Angelegenheit überhaupt in die rich- , lige zayn zu teilen. , Ewe Verfolgung der Betrüger war

da sie fast eine ganzeWoche Vorsprung hatten, von vornherein ziemlich aussichtslos. Eine Spur des angeblichen Grafen wurde in Mainz gefundeü; sie wies nach Strasburg, dort aber ging sie verloren. Der .Kammerdiener" und die Frau Gräfin" hatten es verstanden, sich völlig unsichtbar zu'machen. Selbstredend wurde ' das Signalement der sauberen Gesellschaft an sämmtliche Polizeibehörden der größe--ren Städte des Continents sowie nach England abgegeben, aber es schien, als ob die abgefeimten Betrüger von -der Erde verschlungen seien. Der betrogene Portier hat seinen Verlust obwohl er noch immer ein sehr wohlhabender Mann ist nicht verschmerzen können; er kränkelt und hat seinen Vosten niedergelegt, Hauptsächlich aus Scham und Groll, daß' ihm. dem gewiegtesten Portier der Kaiserstadt, Derartiges hatte begegnen können. - . . . Zmogcn. Novclette aus dem amerikanischen Leben von W. v. Cchiebrrand.

Als. der Blitzzug sich in Bewegung setzte und aus dem Jersey Cityer Bahnhof längsam' herausrollte, warf ich meiner jungen Frau, indem ich mich weit aus dem Fenster beugte, die letzten feurigen Kußhände zu und beobachtete sie und Max Bruhns, ihren Bruder, wie sie mir grüßend zuwinkten. Dann fing der Zug an, sein richtiges Tempo einzuschlagen, und die Häuserreihen flogen an meinem Auge vorüber, wie Schatten. Noch einen Moment, und wir waren im flächen Land, wo' nichts von Interesse mehr zu sehen war auf längere Zeit. Ich befand mich auf der Fahrt nach Washington, wo ich meine vierzehntägigen Ferien verleben wollte, die mir die Bank gnädigst gewährt hatte zur Erholung, nachdem ich mehrere Monate lang mich ungewöhnlich angestrengt hatte in ihrem Dienste. Ja, es war eine böse Zeit gewesen.. Bei der gründlichen Jahresrevision' der Bücher und Geldschränke mit ihren Depositen war man neulich auf rin Deficit gestoßen. Kein gewöhnliches Es handelte sich um eine fehlende' .Summe von ca. $20,000. , Diese war, in Papieren, einem Conto entnommen, das seit ca. 8 Monaten erst in der Bank geführt wurde und einem jun'gen. lebenslustigen Manne gehörte, dessen Vater vor Kurzem gestorben war und ihm., eine tühle Million" hinterlassen hatte. Alles in sicheren, zinstragenden Papieren. Das Merkwürdige bei dem Diebstahl war, daß er nicht größer war. Der Dieb hätte gerade so gut die ganze Million steh- , len können. Anstatt dessen war nur eine kleine Gruppe von Papieren entwendet worden, die alljährlich am 1. Juli ihre Coupons abgetrennt erhalten, Papiere noch dazu, die. zu den minder bevorzugten gehörten. Woher diese ungewöhnliche Bescheidenheit dtt Diebes? Und wie war er an die Werthpapiere gelangt? Sie lagen wohl verwahrt in einem der diebessicheren Fächer des Depositen - Geldspindes und die Combination, die zur Oeffnung nöthig war, kannten nur einige fecks der Angestellten in der Bank. Zu diesen zählte ich selbst, der ich öilfscassierer war, und mein directer vorgesetzter und Schwager, Max Bruhns., Weder auf ihn noch auf mich hatte sich, foweit mir bewußt, der Verdacht gelenkt. Bei meinem Schwager wunöerte mich das nicht: Er 'war feit feinem 17. Jahre ununterbrochen im Dienste der Phönix Bank gewesen, und in der ganzen Stadt New Nork war Niemand, der im Rufe größerer , Rechtlichkeit und Brauchbarkeit stand. '. Ein unverbesserlicher Hagestolz und. von allenLastern völlig frei, schien sein .ganzes Glück seit fahren darin zu be- ; stehen, seine um Vieles jüngereSchwe-' -ster zu erziehen und seinen Pflichten ils erster Cassierer mit drakonischem Eifer und Strenge nachzukommen. , Auch war er kränklich und schweigsam, ; selten nur lächelte er. Die Entdeckung des Diebstahls war 'vorläufig geheim gehalten worden, da . sich die Directoren der Bank mehr da- . von versprachen, ihre Nachforschungen unter der Hand, ganz im Stillen, an'zustellen, als die Sache an die große s Glocke zu hängen. . Mein Schwager und ich hatten, namentlich in . diesem t Sinne gearbeitet, und sechs Wochen . lang hatten wir Beide des Nachts, um den Verdacht des oder der Schuldigen nicht zu wecken, die Bücher und Con- . tos. der Angestellten systematisch prüifen müssen, auf die sich mehr oder we,niaer die Schatten des Argwohns gel senkt hatten. Endlich, vorgestern, waren unsere Untersuchungen zu Ende .'ohne mehr als flüchtige Verdachtsmomente ergeben zu haben übrigens 'und zur Belohnung unserer angestrengten Extrathätigkeit war . uns 'ein Urlaub bewilligt worden. , Ich, wie gesagt, ging nach Washington, wo ich. .im Hause eines reichen Freundes die Annehmlichkeiten des regen gesell'schaftlichen Lebens der Vundeshaupt.stadt genießen sollte, währendMax mit meinerFrau nach den pennsylvanischen Bergen gehen wollte,' wo ihm die. reine Lust die Lungen und die angegriffenen Nerven' starken sollte. ' Max, der arme Max) sagte ich bei mir. als ich an seine frühzeitig ergrauten Haare und an sein ganzes freudeloses Dasein,, nur der .anstrengenden .Arbeit und der schweren Verantwortlichkeit geweiht, dachte. . , ! - ' - . . ' , Als ich, von meinem Sinnen er'müdet, mich umwandte und mich im Salonwagen zurechtsetzte, da gewahrte ich neben mir auf dem benachbarten Fauteuil eine reizende., junge Dame, . die,

mich augenscheinlich mit ungewöhnlichem Interesse betrachtete. Sie trug Trauer, und ich muß gestehen' die. schwarze Gewandung stand ihr aus-' nehmend gut. Unter dem Crepphute machten ihre zarte weiße Haut und die dicken goldblonden Flechten einen doppelt schonen Effect. Als ,sie merkte, daß meine Blicke auf ihr mit Bewunderung ruhten, erröthete sie leicht, aber, wie, es mir schien, nicht aus Unwillen. In der That gerieth ich bald mit ihr ' in ein Gespräch. Zuerst über, gleichgiltige Dinge über die Scenerie, über das Reisen im Allgemeinen und auf dieser Strecke im Besonderen. Aus ihren Worten, die vou feiner Beybachtungsgabe zeugten, entnahm ich, daß sie viel gereist sein mußte. Ab und zu zuckte ein Scherzwort auf ihren Lippen oder sie machte eine humorvolle oder farkastische Bemerkung. Dannaber umflorten sich wieder ihre schönen braunen Augen und um die Lippen trat ein leidender, trauernder Zug. Sie erregte meine Neugier, mein Interesse in hohem Grade. Sebsiverständlich nur ganz platonisch. Aber ich konnte doch nicht umhin, im Stillen sie mit meiner eigenen Frau zu vergleichen, Maxens Schwester, die etwas zur Melancholie neigte und die durchaus keine Talente sür die Conversation zeigte wenigstens bis jetzt nicht. Im Verlauf der nächsten' zwei Stunden machte meine Bekanntschaft mit der schönen jungen Wittwe denn das war sie, wie sie mir gestanden schnelle Fortschritte. Sie verleitete mich sogar zu Jndiscretionen bezüglich meiner Familie, meinerFrau, Max und meinem Leben im Allgemeinen,, aber sie that dies auf so natürliche, zartfühlende Weise, daß ich ihr nicht zürnen konnte, um so weniger, als sie Vertrauen mit Vertrauen belohnte und mir Manches aus ihrem eigenen Leben erzählte. Ich erstaunte indeß, als ich zufällig den Namen meines Freundes in Washington hörte oder vielmehr von dessen Frau zu dem sie ebenfalls eingeladen war und wo sie einen Theil des Herbstes verbringen wollte. Und doch war die Sache ganz einfach. Mein Freund in Washington, Mr. Sewall, war eigentlich weniger mein Freund, als der Freund des Mr. Blytbe, unseres zweiten Vice-Präsidenten in der Bank, der mich vor zwei Jahren in New Aork kennen gelernt hatte und dem ich nun meine gastfreie Einladung verdankte. Jmogen Lascelles dagegen denn so hieß meine neue Bekannte war eine alte Freundin der Mrs. Sewall, und daher war ihr Besuch eigentlich eher zu erklären, als der meinige. Gleichviel, diese neue Entdeckung, daß wir Gäste unter demselben Dache sein würden, gab ein weiteres Moment ab, weshalb wir Beide, die schöne Wittwe und ich, in dieser kurzen Fahrzeit besser mit einander bekannt wurden, als man es gewöhnlich in Wochen und Monaten wird. Und, wie gesagt, ich fand sie reizend, diese junge Wittwe, und gab mich dem Zauber ihrer anregenden und .geistvollen Unterhaltung ganz willig hin. In Washington angelangt, nahmen wir ein Cab "zusammen und fuhren

gemeinschaftlich nach dem Hause des Mr. Sewall. der uns Beide herzlich aufnahm, obgleich mir ein gewisser Blick des Einverständnisses, den er mit Mrs. Lascelles zu wechseln schien, mo'mentan aufgefallen war. Indessen, das war wohl eine Tauschung meinerseits. . . Das gute Einvernehmen mit der schonen Wittwe dauerte auch rn Wash ington an. Wir waren fast unzertrennliche Begleiter ich gestehe es zu memerSchande, sogar m emem Grade, der die Eifersucht meiner Frau, wenn sie zugegen gewesen wäre, vernähe ge rechtfertigt hätte. Aber das Ganze, so sagte ich mir, war doch nur eine unschuldige, Flirtation", die mit meinem abgelaufenen Urlaub auch ihrEnde erreichen wurde. . Eines Abends war ich indeß, da" Mrs. Lascelles etwas über Kopfweh klagte, allein mit Mr. Sewall in's Theater gegangen. Es war aber so heiß daselbst, daß ich mich nach dem ersten Act bei meinem Begleiter entschuldigte und nach Hause zurückkehrte. Ich trat in mein Zimmer, fuhr aber erschrocken zurück, als ich in dem selben die schone Wittwe bemerkte. Sie kniete vor meinem Koffer, den ich, wie ich mich bestimmt erinnerte, verschlössen gelassen' hatte. Jetzt war er geöffnet, und sein Inhalt lag, auf dem Fußboden verstreut, um sie herum. Die reizendeWittwe wühlte unter meinen Papieren, die in einem kleinen Fache des Koffers lagen, mit solcher Aufmerksamkeit und Eifer, daß sie meinen Eintritt überhört hatte. Ich hustete verlegen. Da fuhr, sie erschrecken empor, wurde purporroth. stieß einen Schrei aus und war entflohen, ehe ich sie noch festhalten konnte. Aber im Gehen war ihr ein Blatt Papier eiitfallen. das ich nun aufhob und las. Es war eine Depesche, von einer bekannten Detectiv - Agentur in New Fork an sie gerichtet und enthielt nur die Worte: ' Koffer des Objects baldmöglichst durchsuchen. Eile nöthig." ; Das war's also. Ich war das Object" und sie war eine Angestellte der Detectiv - Agentur, ein weiblicher GeHeimpolizist. Oh, meine Illusionen! Das erklärte die ganze Sache, wie ich jetzt ruhig nachdachte. Die Bank hatte mich also auch im Verdacht. - Während ich noch' bestürzt und beschämt dastand, hörte ich ein Klopfen an meiner Thür. ,Ein Telegraphenböte. Die Depesche war von Max und bat mich, zu ihm zu eilen an sein Sterbebett. Unterzeichnet war sie von meiner Frau. Betrübt packte ich meine, Sachen, schrieb einige Zeilen an Mr.-,

! Sewall und fuhr nach dem Bahnhöfe, den ersten Zug nach Pittsburg be- ' m.'IL.mW orr : X. " je ri an

uutfcuu. uir iuj am nacqjicst x'iurgcr. am Lager des Sterbenden stand, erzählte er mir in leisem Flüstertone die Geschichte seines Verbrechens. Ich wurde tief davon erschüttert. Dieser ehrliche, treue Mensch, dieser Mann, der sein ganzes Leben lang nur der Pflicht gelebt hatte, wußte schon seit drei Jahren, daß er ein Todescandidat sei. Der Arzt hatte ihm gesagt, daß er zu jeder Stunde sterben könne. Er habe ein H?rzleiden. das unbedingt tödtlich verlaufen müsse, aber das er vielleicht noch auf Jahre hinausschieben könne, vielleicht auf 1015 Jahre wenn er sich von seinen Verufspflichten zurückziehen wolle und irgendwo, mö5lichst in einem milden Klima, ruhig und ohne Aufregung leben könne. Die geringste Aufregung könne für ihn den Tod bedeuten. ' Und' da trat die Versuchung an ihn heran, als er einst das große Vcrmögen des jungen Verschwenders beim Revidiren des betreffenden Geldschrankes liegen sah. Fast ohne Besinnung, ohne sich darüber klar zu sein was er that, beging er den Diebstahl. Diese $20,000, so sagte er sich in dieser Stunde der Verblendung, sollten seine letzten Tage versüßen, ihm das Sterben leichter machen. Und im Taumel ging er nach Hause und legte sich schlafen. Aber der Schlaf floh ihn. Ruhelos wälzte er sich auf seinem Lager. Das Gewissen, das einen Moment schwach und schweigsam gewesen war, regte sich wieder bei ihm, und sein ganzes Leben zog an seinem geistigen Auge vorüber. Sollte er Schande bringen auf das Haupt de? Schwester, auf seinen Schwager, auf das eigene Haupt? So erhob er sich denn am Morgen von seinem Pfühl und ging nach der Bank mit dem festen Vorsatz, das Gestohlene wieder hinzulegen auf den alten Platz. Vergebens! Ein Zufall hatte gewollt, daß am fel ben Morgen zu ungewöhnlich früher Stunde die Jahresrevision ihren Anfang genommen hatte. Der Diebstahl war entdeckt und die Sühne war nicht möglich, wenn die Schande und Strafe ihr nicht auf dem Fuße folgen sollte. Und so. von Gewissensbissen gequält, hatte Max Bruhns seitdem Tag für. Tag gelebt, zitternd vor dem drohenden Tode wie vor Entdeckung. Und nun war wirklich der Tod gekommen, plötzlich, und vor der Thür stand er, unerbittlich. ' Als Max seine Erzählung beendet hatte, sank er erschöpft in seine Kissen zurück. Dann deutete er auf einen Schrank. Aus demselben mußte ich eine Mappe bringen. Dieser entnahm er ein dünnes Packet und übergab es mir. Zwei Stunden später hatte er ausgelitten. Meiner Frau Habe ich niemals erzählt, wie die Sache zusammenhing. Wozu auch? Aber ich entsinne mich, mit welchem Ausdruck der Verwunderung Mr. Blythe mich ansah, als ich ihm die $20,000 einhändigt: und ihm das Geständniß meines verstorbenen Schwagers wiederholte. Ich bin meines Schwagers Nachfolger geworden in der Bank, und Niemand hält mich verantwortlich für die Thatsache, daß dieser einst, in einer schwachen Stunde, eine unredliche Thai beging. Begreiflich. .Wie geht'S Ihrer Frau?" Ich weiß es nicht, denn ich habe sie sei! zehn Jahren nicht mehr gesehen." SindSie geschieden?" Das nicht. , Aber ich bin Nachtwächter. sie ist Tagelöhnerin. Ich bin allnächtlich fort, sie tagsüber, und so haben wir uns nicht wiedergesehen, seit wir vom' Standesamte zurückkamen." Verblümt. Unterofficier (einen Recrutcn zum dritten Male fortschickend, für ihn in der Eantine Schinken zu holen): Sehen Sie mal, Huber, wenn Sie sich nun einenSchinken von Hause kommen ließen, dann hätten Sie die ganze Lauferei ge spart!Euphemismus. A.: Ja, mein lieber Freund, wie Du aussiehst! Dein ganzes Gesteht ist ja voll von blauen Flecken!" A.: , Ach, ich habe mich nur ein wenig an rieiner Frau ge-stoßen!"-Dasselbe. A.: Hören Sie 'mal, haben Sie gesagt, ich wäre ein Lügner?" B.: O nein; ich habe nur behauptet. Sie hätten ihren Beruf verfehlt; Sie hätten Diplomat werden fallen." ' Reciprok. A.: Ich hal? kein Glück bei den Mädchen mich lachen sie alle aus. weil ich so schüchtern bm!"; B.: .Na, warum sind Sie.'denn .so schüchtern?" A.: Weil mich alle Mädchen auslach??.:" Ach so. Schriftsteller: Diese Autogravhensammler sind wirklich .schrecklich, sie machen mich ordentlich krank. Gattin: Aber Karl, was willst Du denn; seit drei Monaten hat Dich doch kein Mensch um Dein Autogramm gebeten. Schriftsteller: Das ist es ja eben, das regt mich ja gerade so auf! Ein Opfer der Bild u n g . Um Himmelswillen. wo bat man Sie denn so zugerichtet? Sie sind wohl von Strolchen überfallen worden?" Ach nee, ick war man blos in eene Versammlung, wo 'ne neue Partei gebildet wurde!" ' ElneenergischeMuse-. Also. Sie dichten ums tägliche Brot und Ihre Frau ist es. die Sie zu allen Gedichten begeistert?" Ja, dichte ich nicht, dann krieg ich Prü gel!" '- Trost. Sie: O. Emmanuel. Du bist der Nagel zu meinem Sarge! Er: Keine Angst, Ricke, Den wirst Du ja gleich wieder berauö baben : denn Du bisteine Zangel"