Indiana Tribüne, Volume 19, Number 352, Indianapolis, Marion County, 6 September 1896 — Page 7
Ein musikalisches Genie. Humoreske ron Eugen Leuenberg.
Der Rentier Sckneeberaer ist em großer Musikenthusiast. Ob er sich w einem Bilseschen Concerte befindet oder den Tonen eines verstimmten Leierlastens lauscht, gilt ihm eins, sobald er nur Musik hört, ist er befriedigt und Lberselig. Z:i seinem größten Leidwesen ist es ihm in seiner Jugend nicht derqonnt gewesen, stch der edlen rau Musika zu widmen; denn sein Vater, ein biederer Gerbermeister, hatte ihm bei der ersten schüchternen Andeutung oerariig seinen üppigen Haarwuchs gelichtet, daß er es vorzog, nie wieder darauf anzuspielen. Wenn er jetzt daran denkt, entringt sich ein wehmüthiger Seufzer seiner Brust, denn seinerMeinuna nach hat der alte Gerbermeister einen ungeheuren Frevel verübt: er hat ein große Talent der Welt vorenthalten! Späterhin, als er die Gerberei seines Vaters übernommen und geheiratbet hatte, machte er den Versuch, das damalige Modeinstrument, die Guitarre. zu erlernen; aber auch jetzt stellten sich ihm unüberwindliche Hindernisse in den Weg. Denn seine Frau erklärte ihm nach zwei Tagen in einer Rede, die genau eine Stunde und achtundsünfziq Minuten dauerte, daß sie, falls dieses entsetzliche Wimmern nicht ausKörte, sich sofort von ihm scheiden lassen würde. Widerstrebend mutzte er rx fügen, und das Wimmerholz wanderte in die Rumpelkammer. .etzt hat seine Frau das Zeitliche geseanet und ihm nur einen einzigen Sobn hinterlassen, den er wie seinen Augapfel hütet. Seinetwegen zieht er sich sogar bald von allen Geisten zurück, um sich der Erziehung des Lieblings ganz widmen zu können. Letzterer. der nach dem Willen der Mutter, einer Pfarrerstochter, den alttestamenrariscden Namen Snob" erhalten hat, ist ein dicker, phlegmatischer Junge von elf Iahren. Verstand besitzt er nicht allzu viel, dagegen einen mächtigen Appeiit. wodurch ersterer Mangel ja einiermaßen ausgeglichen wird. Und trotzdem bleibt sein Vater dabei. dab in dem dicken Jungen ein grofas Talent verborgen sei. Aber lassen wir ihn das lieber selbst erzählen, und zwar genau so. wie er es jedem UnGlücklichen mittheilt, dessen er habhaft werden kann. fva. mein Lieber", beginnt er stets, das ist eine wunderliche Geschichte. Sitze also nach dem Essen ganz still in mewem Zimmer, lese die Zeitung, das rzeikt. lese eigentlich nicht, sondern dusele so und denke an nichts; da höre ich im Nebenzimmer so'n Gequietsche, so'n Summen. Stehe also auf. schleiche aus den Zehen zur Thür, und was sehe ich, mein Lieber? Sitzt mein Hiöbchen mitten im Zimmer, hat meine alte Guitarre auf den Knieen liegen und IraM mit beiden Händen energisch darauf herum! Das. Genie bricht sich . instinltmäßig Bahn! Habe Thränen aeweint. sage ich Jnen. reudenthränen!" Wehe dem Aermsten aber, der es waen sollte, hiernach nicht vollständig von dem großartigen Talente Hiöböens überzeugt zu sein! Bann braust Sckneeberger auf. Sooo? Sie zweifeln an dem Talente meines Sohnes, mein Lieber? Natürlich, wenn Jemand gar kein Verständniß für Musik besitzt, dann " Hier bricht der in seinem Stolze gekränkte Vater ab. wirst dem unglückliÄen Zweifler einen verächtlichen Blick zu und läßt ihn gän,lich niedergeschmettert stehen. Acht Tage nach dieser wicht'z.m Er.t. deckung wird Hiöbchen in ein Musikmstitut gegeben, um sich zum Violinvirtuosen auZzuhlldcn. Für die Nachbarschaft beginnen jetzt Tage der großUn Trübsal. Hiöbchen übt! Am ersten Taae großes Erstaunen, am zweiten Entsetzen, am dritten Revolution. Die Hausbewohner schicken eine Deputation QN Schneeberger ab mit der dringenden Bitte, dieses fürchterliche Gequietsche doch baldigst zu beenden. Hiöbchen ouietscht weiter, täglich acht Stunden, und Schneeberger sitzt dabei und sieht selia lächelnd zu. Die Hausbewohner beschweren sich beim Wirth. Als Alle einstimmig erklären, auszuziehen, kündiät er Herrn Schneeberger die Wohtnntq. Dieser nimmt das sehr gleichcxltia auf und zieht aus. Hiöbchen ouietscht weiter. Der neue Hauswirth tull sich das auch nickt gefallen lassen und kündigt. Schneeberger lacht verächtlich und führt fortan ein Leben zwischen Ein- und Ausziehen. So vergeht ein Jahr. Hiöbchen hat bereits für ein kleines Vermögen Darmsaiten verbraucht, aber leider scbr wenig Fortschritte in seinemStudium gemacht, weil es ihm nämlich absolut an Gehör gebricht. Er selbst hat die aanzeGeschichte auch bereits gründ liÄ satt uNd wird vom Vater nur dadurch zum Neben bewogen, daß Letzterer ihm nach vollendetem Studium die schönsten .Leckerbissen verspricht, worauf Hiöbchen weiter auietscht. Als der dicke Junge nach unbeschreiblichen .Ä?übcn endlich im Stand: ist. das Lied ftreu cuch des Lebens" einigermaßen aeläufia zu fr;.;!cn. giebt Schneeberger i? der Freud: seinesHerzens ein snlcnIlZkdes Diner, wobei Hiöbchen seinBravourstück svielen muß. Wer beschreibt aber das Entsetzen de3 braven Nentiers. als nach Beendigung der Piece Zbn ein junger Mann anscheinend ganz unbefangen fragt, was denn das für ein Stück gewesen wäre, ob der Naturwalzer oder ein Trauermarsch; er habe es nicht so recht unterscheiden können. Einige Monate später veranstaltet das Musikinstitut, in welchem sich Hiöbchen zum künftigen Paganini aushxlhet in kk.n:. m.,':e I ... vwt. vj -viuui4. Schneeberger befindet sich schon ccht
Tage vorher in der größten Äfre cuna.
. Er schläft nicht, ißt nicht und trinkt Nlazi. zx träumt nur noch von den Erfolgen seines Sohnes. Er sieht sich im Geiste bereits auf dem Podium steben und mit gerührter Stimme im 'jcamtn Hlobchens beim Publicum tut oen ungeheuren Applaus sich ve danken. Endlich ist der wichtige Tag da. Vor der Hausthür bleibt Schneeberger plötzlich stehen und schlägt sich vor die Stirn. Er hat etwas vergessen: 'Hiobcken hat keme Lackstiefel an! Ent setzlich! Nach Schneeberger Meinung muk leder Künstler Lackstiefel tragen; schnell also m den Schuhladen dort ge aenüber! Hiöbchen ist die Sache egal. Statt der Stiefel hatte er lieber etwas Eßbares. Aber er muß sich fügen. Der Schuhmacher sucht und kehrt den ganzen Laden um. Lackstiefel sind in Hülle und Fülle da. aber Hiöbchens Nummer fehlt. Schneeberger schwitzt. In zehn Minuten soll das Eoncert seinen Anfang nehmen. Endlich halt der Schuhmacher ein paarStiefel empor. Schneeberaer athmet auf. Die Stiefel kommen ihm zwar etwas klein vor. Der Schuhmacher streut große Mengen Talkum in das Stiefelpaar, dann muß Hiöbchen nochmals den Versuch machen. hinein zu gelangen. Er zieht aus Leibeskräften, Schneeberger zieht, der Schuhmacher zieht. Ein Ruck, dann nock einer, und der zukünftige Virtuose hat Lackstiefel an. Jetzt macht er einen Gehversu und verzieht dabei das Gesicht, als ob er auf spitzen Nadeln ginge. Schneeberaer einreist semen Sohn am Arm und zieht ihn in rasender Eile in das Institut. Das Concert hat bereits begonnen. Man weist die Beiden in ein Nebenimmer, worin die anderen angehenden Virtuosen unter Herzklopfen und Zähneklappern des Augenblicks harren. wo sie an die Reihe kommen und vom Director in den Saal berufen werden. Schneeberger nimmt Platz. Den armen Jungen drücken die Stiefel fürchterlich. Vielleicht könnte man sich derselben entledigen, wenn auch nur für einen Augenblick. Ehe er an die Reihe kommt, hat er ja beide Marterfutterale schon längst wieder an. So. auch das ist gethan. Damit aber Niemand seinen schuhelosen Zustand bemerke, stellte er schlauerweise den Violinkasten auf seine Füße und stimmt nun anscheinend höchst unbefangen sein Instrument. Da öffnet sich die Thür zum Saal, Das hagere Gesicht des Directors erscheint für einen Moment. HerrSchneeberger, schnell, wenn ich bitten darf, Ihr Solo ist dran!" ruft er und verschwindet wieder. Hiöbchen stößt den Violinkasten zur Seite und versucht schleunigst in seine Marterfutterale zu fahren. Schneeberger blickt entsetzt auf das Gebaren seines Sohnes. Er begreift, daß Vorwürfe nur dazu angethan sind, die Situation zu verschlimmern, und beeilt sich daher, seinen Sohn zu unterstützen. Vergeblich! Die Eleven es sind deren sieben wollen sich nützlich machen und eilen den Beiden zu Hilfe. Da sie nicht Alle an dem einen Stiefel anfassen können, ziehen sie an Hiöbchens Rock und Hosen, um ihren guten Willen zu beweisen. Vergeblich! Die Thür öffnet sich abermals. Herr Schneeberger!" ruft der Director und staunt die merkwürdige Gruppe an. Dann springt auch er hilfreich hinzu. Jetzt ziehen sie Alle : Hiöbchen, Schneeberger, der Director und sieben Eleven. Aber wenn so ein Stiefel eigensinnig ist, dann hilft alles nichts. Plötzlich hört man etwas reißen und bald darauf einen lauten Knall. Hiöbchen, Schneeberger. der Director und die sicdcn Eleven sitzen mit verblüfften Mienen am Boden. Ein Lackstiefel läßt sich eben so manches gefallen, aber schließlich reißt ihm doch einmal die Geduld. Der Direktor rafft sich zuerst auf. Herr Pesecke," wendet er ?ch an cinen der Eleven, bitte, kommen Sie schnell! Sie übernehmen das Solo Cchneebergers!" Dann entfernt er sich ohne das arme Hiöbchen auch nur eines Blickes zu würdigen. Herr Schneeberger senior sitzt an Boden wie eine geknickte Lilie. Seine schönsten Hoffnungen sind dahin. Wenn eine Virtuosenlaufbahn sckon mit so bösen Anzeichen beginnt, was soll da erst spater werden. Hiöbchen faßt die Sache bedeutend weniger tragisch auf. Ehrgeiz izt ibm gänzlich fremd. Er weiß eigentlich nicht einmal, was das ist. Ja, wenn es et was Eßbares gewesen wäre, batte cZ ihn vielleicht mehr intercssirt. Ihn durchzuckt nur die freudigeAhnung, daß er sich jetzt nicht mehr rr.i den Stiefeln abzuquälen brauche. Er lächelt deshalb vergnügt. Schneeberger bemerkt das unglücklich:rwcil?. Seine Verzweiflung verwandelt sich' inWuth. Er möchte weinen, und sein Sohn lacht! Was dann aeschieht, will ich diskret überqcben. Ick Zann nur verrathen, daß inan aus dem Zimmer ein sülcht:rliches Jammergeheul vernimmt, und bald darauf Hiöbchen seyr geZnickt und mit sehr rothen Wangen, die Reste seiner Violine unter dem Arme, nach Hause schleicht. . Em Jahr später. Begeben wir vns nach der Wohnung des Herrn Schneeberaer! Seltsame Töne - dringen daraus bcrvor. Hiöbchen übt: aber diesmal nicht auf der Violine, sondern aus einer Klarinette. Und Schneeberger sitzt dabei und sieht selig lächelnd zu. Skit jenem Unglückstage ist der Rentier ci: einmal zu der Ansicht gelangt, daß jein Sohn mehr Talent für Blaseinstru. mente besitze. Deshalb muß Hiöbchen '
jetzt die Klarmette maltratiren. Schneeberger hat, nachdem sein erster
Zorn verraucht war, bald einaeuyen, daß er selbst an dem Fiasko die groß te Schuld trug. Hätte er nicht so hart nackig auf den Lackstiefeln bestznden. dann Ware vielleicht alles gut zewor den. Er sucht deshalb sein Unrecht an Hiöbchen wieder gut zu machen, indem er ihn fast zu Tode futtert. Eines Tages kommt Letzterer etwas niedergeschlagen nach Hause. Auf sein ängstliches Befragen erfahrt Schnee berger, daß in vierzehn Tagen wieder um eine öffentliche Prüfung stattfinde. Hiöbchen soll eme Piece auf der Sila rinette spielen, und der Director selbst will dazu die Klavierbegleitung übernehmen. Schneeberger bekommt bei dieser Nachricht heftiges Herzklopfen. Wenn nur diesmal alles gut ablaufen mocote! Hiöbchen verspricht ihm das feierlichst. Dann schenkt der Rentier ihm einen Thaler, stellt ihm noch emen zweiten in Aussicht, wenn er sich brav verhalte, und zieht sich dann endlich etwas beruhigter an. Um zwölf Uhr soll die Prüfung stattfinden. Eine, halbe Stunde vor her treten Schneeberger Vater und Sohn aus ihrer Behausung. Beide haben sich natürlich wieder in Gala geworfen. und der Rentier blickt mit Befriedigung auf die neuen Lackstiefel seines Sobnes. die diesem für den heutigen Taa ertra angefertigt sind und vortresslch passen. Doch trotzdem will eine gewisseBeklemmung nickt von ihm weichen. Er hat so eine eigenthümliche Ahnung, als ob ihm wieder etwas schief gehen werde. Ach!" macht er deshalb seufzend. Aeh!" macht Hiöbchen unmittelbar darauf ebenso. Schneeberger sieht seinen Sohn verwundert an. Bist Du auch ängstlich. Hiöbchen?fragt er theilnehmend. Nein, Vater." Du hast doch aber geseufzt?Ja, Vater." Warum hast Du denn nun geseufzt, wenn Du nicht ängstlich bist?" forscht Schneeberger weiter. Mir ist so schlecht!" stöhnt Hiöbchen. Schlecht? Wovon?" fragt der Rentier dringender. Von den Bonbons!" stößt Hiöbchen weinerlich hervor. Von welchen Bonbons? Na. von den Bonbons, die ich mir für den Thaler gekauft habe, welchen Du mir heute Morgen geschenkt hast," jammert der dicke Junge. Schneeberger prallt em paarSchntte zurück. Du hast für emen ganzen Thaler Bonbons aufgegessen?" fragt er erschrocken. Hiöbchen nickt. Schneeberger schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Junge, schreit er verzweifelt, wenn Du mich heute wieder blamirst, dann sollst Du emmal etwas erleben!" Hiöbchen winkt ihm beruhigend mit der Hand. Blasen werde ich schon." sagt er mürrisch, deswegen brauchst Du keine Angst zu haben." Na gut, versetzt der Rentier ruhlger, ich verlasse mich darauf, daß Du mir heute Ehre machen wirst. Sei ein Mann und nimm Dich zusammen! Das bischen Uebelkeit wird bald vergehen." Eine Viertelstunde, spater sehen wir Schneeberger im Concertsaal sitzen. Er bat seinen Sohn in das bekannte Zim mer zu den übrigen Eleven geschickt und ihm anempfohlen, eine Flasche Soda zu trinken. Nach einer halben Stunde öffnet sich die Thür, und der Direktor erscheint; ihm folgt, etwas bleich, Hiobeben mit seiner Klarinette. . Schneeberaen versagt der Aihcm. Er bemerkt, daft sein Sohn sehr niedergeschlagen aussieht, und um ihmMuth zu machen, beginnt er unwillkürlich zu applaudlren. JS!" macht das Publikum ärgerlich. Scbneeberaer fäbrt erschrocken zusammen. Er sieht ein, daß er eine arosie Dummheit begangen bat. HiLbchm wird immer blasser. Der Direktor laßt nun am Klavier das Vorsviel ertönen, und Qiöbcken. iefct krei deweiß geworden, steckt den Schnabel der Klarmclte m den Mund. Es scheint ihm sehr schlecht zu Muth zu sein. Sckneeberaer bemerkt das alles mit wachsender Unruhe und erdebt sirt vor Aufregung, um seinen Sohn besser beobachten zu können. Setzen! tont eme Stimme hmter ibm. Der Rentier achtet nickt darauf. Da verspürt er plötzlich einen starken Ruck und füblt sich mit Vebemenz auf seinen Stuhl herabgezogen. Seine Nach darin hat ihm diesen Liebesdienst geleinet. riefet blickt der Direktor 5)iöbchen mahnend an. Dieser versteht den Wink und fängt an zu blasen. Ein vaar akte nebt 91ns nmal wird der dicke Junge unruhig. Er wird abwecvieind roth und diafe. tocm aar sträubt firf und us seinem ?knstru- , i , - '., mente erklingen jetzt Töne, so ängstlich. r V . rv 10 gequeljchl, van oas uvttlllm schaudernd zusammenfährt. Jetzt vernimmt man einen überlauten Ton. der Wie das Aufschreien einer geängstigten eele klingt, dann folgt nocy einer, der einem ersterbenden Seufzer gleicht, und nun fliegt die Klarinette zur Erde. und 5iobcken ftüni. beide Hände dor den Magen gepreßt, wie von Fu rien gepackt, aus dem Saale. Der Direktor sieht erst erstaunt auf seinen Zögling, dann stürzt er wüthend hinterdrein. Schneeberger weiß nicht wie ihm geschieht. Er glaubt Anfangs, er räumte.'dann umfängt ihn eine wohl-1
it)'dtct Ohnmacht! " Am anderen Tage steht eine Drosch
ke vor Schneebergers Wohnung, auf welche zwei große Koffer aufgeladen werden. Etwas spater treten Schneeberger Senior und Junior, beide sehr vergnügt aussehend, aus dem Hause und setzen sich m die Droschke. Da tritt ein Bekannter zu ihnen. Nun. Herr Schneeberger." meint er pfiffig lächelnd. Sie wollen wohl eine kleine Erholungsreise antreten? Na. die ist Ihnen auch zu gönnen nach der gestrigen Affäre. Ja. mit Gewalt laßt sich so etwas nicht erzwingen. Em musikalisches Genie ist eben nicht Jedermann! Schneeberger sieht den Sprecher halb hohnisch, ballb mitleidig an. Hm," sagt er dann, da haben Sie Recht, mein Lieber, ein musikalisches Genie ist nicht Jedermann, aber mein Sohn ist eins! Jetzt weiß ich nämlich erst, woran ich mit ihm bin. Als ich ihn nach der gestrigen Affäre tüchtig durchprügelte, und er so laut und mächtig schrie, da wurde mir plötzlich sem eigentlicher Beruf klar: mem Sohn wird Sänger! Wir re: sen jedt zu seiner Ausbildung nach Italien! Adieu, mein Lieber! Kutscher, fahr zu!" Merkwürdige Bitten. In der Gegend von Aale wird seit uralten Zeiten der Braut amHochzeitsmorgen einTeller voll Sauerkraut vorgesetzt. Sie ißt davon und denkt daran. daß der Ehestand auch sauer, ein Wehestand für sie werden kann. Was sie übrig läßt, das muß der Bräutigam verzehren. Tiefgründige Gemüther können bei dieser eigenartigen, aber doch sinnreichen Sitte allerdings zu guten und nachwirkenden Entschließungen gelangen. Für solche Eheleute nun, bei denen das Sauerkraut am Hochzeitsmorgen nicht die erhoffte Wirkung that, hatte man in Schwaben in kräftiges Mittel erdacht und Zwar in der Sitte: Der Datte kommt!", welche sehr geeignet war. kriegerische Eheleute friidlich zu stimmen. Diese Sitte bestand zu Rottweil. Die verheiratheten Männer wählten nämlich jedes Jahr insgeheim drei unbescholtene Männer, davon der eine der Datte" hieß. Dieses Kleeblatt hatte für das laufende Jahr die Ehen des Ortes zu überwachen und bei Streitigkeiten, Treubruch u. s. w. einzuschreiten. In dunkler Nacht erschien der Datte vor dem Schlafkammerfenster des kriegführenden Ehepaars, er klopfte gegen das Fenster und rief, wenn man innen munter geworden war: Der Datte kommt!" Hierauf entfernte er sich schweigend. Kehrte nach dieser Warnung der Friede ein. so war es gut. Wurde dagegen der Ehekrieg fortgesetzt, so erschien der Datte nochmals und warnte zum zweiten Male: Der Datte kommt!" Kehrten sich die Gewarnten an diese zweite Ankündigung auch nicht, so erschien das Ehewächter - Kleeblatt zur Nachtzeit vermummt, sie drangen in's Haus, der Datte mit dem spanischen Rohr m der Hand: er prügelte den schuldigen Ehetheil, oder waren Beide schuldig, auch Beide weidle" durch. Hierauf entfernten sich die Rächer schweigend, wie sie gekommen waren; aber ein freundlicherer Gast hielt danach meist im Hause seinen Einzug, der Ehefriede, und es soll nicht nöthig gewesen sein. daß der Datte seme Cur hatte wiederholen müssen. Ein Mal waltete er aber seines Amtes so wuchtig, daß sich die Behörde einmischte und dieser EheNtte ein jähes Ende bereitete. Wohltun trägt Zinsen. Der Bankier Lafosse in Paris, ein sehr reicher Mann, hatte einmal den Maler Delacroi? bei sich zu Tische und sah plöjlich, daß ihn der Künstler aus sonderbare Weise betrachtete. Er fragte nach der Ursache, und der Maler gestand, daß er zu einer Figur auf einem neuen Gemälde das Modell eines Bettlers suche und bis jetzt in ganz Paris keinen geeigneteren Kopf als den des Millionärs entdeckt habe. Lafosse erklärte sich lachend bereit, Modell zu sitzen, und erschien schon am nächsten Tage im Atelier des Künstlers, woselbst er sich auch ohne Sträuben entsprechend costümiren ließ. Während der Maler arbeitete, trat einer seiner Bekannten, ebenfalls ein junger Künstler, in das Atelier, begann ein Gespräch und drückte beim Abschiede dem Bettler" ein Zweifrancsstück in die Hand. Lafosse steckte auch das Almosen ein, ohne ein Wort zu sagen, fragte aber, als sich der junge Mann wieder entfernt hatte, Delacroix nach seinem Namen und seiner Wohnung. Nach einigen Wochen empfing der menschenfreundliche Künstler plötzlich aus dem Comptoir des Bankiers einen Brief des Inhalts, daß sich der alte Satz: Wohlthun trägt Zinsen, auch bei ihm bewahrheite, da das zur Zeit im Atelier Delacroiz' einem Bettler geschenkte Almosen inzwischen an Zinsen die Summe von 20.000 Francs ergeben babe. welche der junge Mann an der Kasse erheben möge. Schlau. Professor ldas Dienstzeugniß schreibend): Als Entlassungsgrund muß ich leider schreiben: Große Unsauberkeit!- Dienstmädchen: Könnten Sie nicht vielleicht einen lateinischen Ausdruck dafür gebrauchen. Her? Professor?" Andeutung. Wie alt sind Sie. Zeugin!" Zwanzig Jahre." Ledig?" Ja. mit eine: sehr bübschcn Mitgift!" Zweideutig. Schulze : Nun merkt auf. Ihr Leute, wenn ich morgen hier eintrete, wird ein Tusch geblasen, denn mit meinem Eintritt beginnt die Viehausstellung."
ßil! Araucnregcnde. Nach dem Russischen von M. Vcßmertny.
Der allmächtige indische Gott Mahadewa hatte die Welt geschaffen und gelobte feierlich, nichts mehr für die Menschen zu thun. Er zogsich in den siebenten Himmel zurück, schlief un und sah im Traume ein schreckliches Unwetter, das heraufzuziehen drohte. Er erwachte und sah den erregten Brahma vor sich stehen. Was ist denn geschehen?" fragte Mahadewa, die Augenbrauen erhebend. Und welch' ein Geräusch hör' ich? Hat ein Orkan sich losgerissen? Sind die Meeresfluthen ausgetreten?" Nein. Gott des Himmels und der Erde! Das Geräusch, welches Du vernimmst, kommt vom Gähnen der Menschen; sie gähnen, die Armen, vor Langweile!" Wie, vor Langweile?" fragte lächelnd MülKidew und fuhr fort: Langweile kommt vom Müßiggang. Müßiggang ist Freiheit! Ich gab ihnen zu viel Freiheit! Gut, ich will sie in Sklave", verwandeln! Sie sollen vergessen, was Freiheit heißt! Sie sollen Plackereien im Ueberfluß haben, daß .hnen das Gähnen vergehe. Sie werden nicht mehr allein sein!" Mahadewa erinnerte sich der GeWitterwolken, die er im Traume gesehen, und schuf die Frau! Eine Hindu. Sie wurde bei Sonnenuntergang geboren, gerade, als die Sonne die ganze Welt in ihre goldenenStrahlen tauchte und auch den Körper des Hindumädchens goldig färbte. Die Neugeborene sah in die aufblühende Lotosblume hinein und ihre Augen wurden davon entzückend schön. Das heiße Kind des glühenden Südens betet nur den Gott der Leidenschaften an und dient nur ibm allein. Ks ist bescheiden, furchtsam wie die Gazelle die Sterne schauen Abends auf das Mädchen und entbrennen vor Freude über seinen Anblick. So!" sagte Mahadewa, da habt Ihr nun eine Freundin. Aus dem Liebescultus werdet Ihr einen Göttercultus machen!" Und der Gott flog nach dem anderen Lande, wo die Sonne ihre sengenden Strahlen verbreitet und kein Mensch und kein Thier mehr athmen kann. Hier," sagte er, wurde mem kleines Smdumädcben verbrennen ich muß doch noch eine Frau schaffes, die die Sonne nicht verbrennen kann." Er schuf die Neaerin und kräuselte ihr gleich bei der Geburt das Saar. Dann wendete er sich nach dem Noroen. Ah die Engländer!" rief Mabadewa aus. Ich sehe Euch zwar nur wie durch emen Nebel mit Eurem rothen Haar. Ich liebe Euch nicht, denn Ihr bearbeitet mein schönes Indien und macht aus meinen guten Hindus Sklaven. Ihr verdient, daß ich Euch mit der Erschaffung der Engländerin strafe! Ihr liebet die Pferde so mögen die Zähne der Engländerin Euch an's Pferd erinnern, Ihr liebet das Meer ihre Umarmung möge Ei'ck an die kalten Meereswogen erinnern." So entstand die bellblonde Engländerin, ohne Leidenschaft im Herzen. ohne Karmin auf den blassen Mangen. Und Mahadewa entfloh dem unwirthlichen Norden, um seine unsterbIlche Seele über dem aebenedeüen Su den schweben zu lassen. Er hatte JtaIren mit Marmorpalasten. Bettlern. Ruinen, Flöhen und Armuth gesegnet. tt Armen baden a selbst nichts zu essen, womit sollen sie ihre Frauen ernähren?" fragte Mahadewa. Ich muß ihnen solche Frauen verschaffen, die sich selbst ernähren können!" Uno er stattete die Italienerinnen mit herrlichen Stimmen aus und mit der Gabe, gut zu tanzen. Im Nu war der uidtse Gott wieder unterwegs und, eine große Stadt fern im Nordosten erblickend, sraate er: Was wobnen denn hier für Leute?" Das ist die Stadt Moskau!" und zur näheren Erklärung fügte Brahma noch ymzu: Hier wohnen Kiufleute; sie wollen immer mehr und mehr haben. und Habsucht ist ihr Merkmal!" Gut," lachte Mahadewa. sie sollen die dicksten Frauen der Welt haben!" Und wie die Moskauerin geschaffen war, blieb selbst den Kaufleuten nichts mehr zu wünschen udrig. Die paßt uns gerade!" sagten sie n f V 0U lUVUl. Dem beflügelten Gott wurde der Anblick der habgierigen Männer und der dicken Frauen zum Ueberdruß und er entfernte sich nach einem weit abliegenden, gerauschvollen Lande. Äu Demen 5?umn iteat Frank reich!" sagte Brahma, das geräuschvolle, stets unbefriedigte, immer nach vorwärts und nach rückwärts strebende Frankreich, und das ist sein Herz. Paris!Schon!" erwiderte Mabadewa. beabsichtigte, sich über die Leute lustig zu machen, und schuf die Pariserin! Ihren Rechten nach soll sie Nepublilauerm, aber in wem Herzen Despo tin sein! Sie maa die Widersvruchlofeste und grenzenloseste Ergebenheit fordern! Sie mag Revolutionen auf Revolutionen im häuslichen Leben hervorbrmaen und laß sie schon wie Frankreich, veränderlich wie seine Geseichte, glänzend und leichtsinnig wie Paris sein! Möge sie ihre Freunde so oft wechseln, wie das Parlament seine Minister, und ihres Mannes Budget so schwer belasten, w:e das Heer ihr Vaterland belastet. Und dir Mode.der sie sich leidenschaftlich zuneigen Wird, soll wandelbar wie das Bcwaffnungssystem sem. Täglich soll sie eiwas Neues und Zerstörendes bringen,
aber ihr HauS erheitern, wie Frank, reich die ganze Welt erheitert." . Dein Wille geschehe!" sagte Vrah. ma. Und aus Wolken von Spitzen und Seide tauchte die Pariserin auf. Aber diesem Lande fehlen doch keine Frauen!" sagte Mahadewa. schon im Nachbarlande stehend; in einem Lande, wo die Männer so gerne beim Bkrkrug sitzen, muß man sich dieFrage vorlegen: was wird ihnen wohl lieber sein, die Frau oder eine neue Biersorte?" Schaffe ihnen lieber die Frau, großer Gott, denn sollten sie keine haben, so werden sie sich vom Nachbarn mit Krieg und Sieg eine holen!" befürwortete Brahma. Nun, ich bin bereit! Aber ganz eigenartig muß die Frau dieses philosophischen Vlkes sein! Damit sie den ganzen Tag allein zuHause sitzen kann, muß sie ruhig und phlegmatisch sein, blond wie das Pilsener Bier, mit einem Anflug von Röthe in den Mangen, als ob ein Tropfen von Münchner Bier hinzugekommen wäre. Zur Verhütung der Langweile will ich sie mit der Fähigkeit, zu dulden, ausrüsten." Ihr stetes Alleinsein könnte doch gefährlich werden " Dafür soll sie die Tugend als Schutz haben." In göttlicher Verschwendung überschüttete der Allgewaltige die deutsche Frau mit Sentimentalität und Tuge.nd. Ermüdet von der schweren Arbeit, lechzte er nach einem Trank und löschte den Durst mit dem Nectar der ungarischen Weinberge. Der Wein ist eines Gottes würdig, er erweckt Wünsche! So will ich diesem Volke eine Frau mit flammenden Augen und heißem Herzsn schenken. Ihr dunkles Gesicht soll die Farbe dieses Weines haben; schön und mit kochendem Blut, soll sie wie die reife Traube begehrenswerth und ihr Kuß berauschend wie dieser Wein sein!" Ganz benommen von dem feurigen Tokayer, schuf Mahadewa die Ungarin. Ein heiteres Land des Tanzes und der Witze!" rief lachend Mahadewa aus. nach Norden deutend. Der alte, von den Urvätern stammende Meth begeistert, die Polen zu Nitterthaten und Poeste. Wollen wir ihnen eine Gefährtin geben? Munter muß sie sein, mit kleinen ??üßen. die imTanzen nicht ermüden, und gefährlich durch ihre Grazie und Koketterie. Ihre Händchen seien klein, nur gerade groß genug zum Liebkosen, ihre Zähne weiß wie die Perlen, daß man mit Vergnügen auf ihr Lachen warte, und ihre Augen und Bewegungen feurig und berückend." Kaum hatte er es gesagt, da stand auch schon eine anmuthice Polin da. Von Weitem sah Mahadewa die blauen Wogen der Donau schimmern. Hier wohnt das Volk, das alles Billige liebt!" sagte er. Für einen Gulden will es viel und gut haben. Wir wollen ihm eine Freundin geben, mit der er zufrieden sein kann. Sie sei munter wie die blaue Donau, aber voll
wie ein Seidel Bier!" Und mit der Wienerin entstanden zugleich die Wiener Stühle, deren gebogene Buchenstämme stark geni?z sind, UM die Wucht der dicken und heiteren Wienerinnen zu halten. Mahadewa deutete nach dem Süden. Dem Lande, wo der Gesang und der Kampf beliebt sind," sagte er, wollen wir eine Frau schenken, die durch ihren Tanz den Männern die Köpse heiß macht, daß sie aneinander gerathen, sich m i H( f'ls L . .. n " . raufen unv icyileniicy oer scyonen eme Serenade darbringen. Mehr brauchen sie nicht, es sei denn, daß die Frau ihnen Eigaretten zu drehen noch ver--stehe!" Die Spanierin mit Rosen im Haar blickte aus dem Spitzenschleier heraus. Mahadewa blickte nach der träumerischen Türkei. Sier hakn die Häuser kleine Fmster und eine geheimnisvolle Stille durchzieht alle Räume. In den mysteriösen Dunst des Harems trete die leidenschaftliche und träge Odaliske! Nie wird sie das Haus verlassen, aber von ihrem Diwan aus soll sie Flammen nach allen Richtungen des Landes senden! Nun, wir sind fertig!" lächelte vergnügt Mahadewa. Mächtiger Herr und Gott Du hast nur eine Hauptstadt des größten europäischen Reiches bedacht, die andere aber, die eigentliche Culturtragerm des Zarenreiches, das lebensfrohe Petersbürg, schmachtet noch nach dem Besitze einer Frau," wagte Brahma einzuwenden. Und was für Leute bewohnen diese schöne Stadt?" Leute der verschiedensten Nationen!" wa? die Antwort. Ich bin des Schaffens schon müde, darum wollen wir von den Eigenschaften aller Frauen der verschiedenen Nationen etwas für die Petersburgerm nehmen! Es macht mir wirklich Spaß, zu sehen, was für ein Geschöpf das werden wird!" Die Petersburgerin aber wurde graziös wie die Polin, etwas üppig wie die Wienerin, etwas sentimental wie die Deutsche, mit Augen so verheißungsvoll wie die Ungarin und leichtsinnig und wandelbar wurde sie wie die Pariserin. ' Zufrieden nickte Mabadewa ihr zu und verschwand in den Wolken E i n B e t t l e r fin llc riffle. Bettler: Ich bitte um eine kleine Unterstutzung. Herr: Wozu soll aber der Röntgen-Apparat hier?" Bettler: Damit ich mich überzeuge, ob's wahr ist, wenn Jemand sagk, er hat kein Kleines bei sich." Malice. Geck: Neulich vor versammeltem Publicum durch Gedankenlesr meine Jden erratoe.: lossen." Sie hatten den Mann vorder bestochen?"
Aas Wuttcrsöyncrr.
Ein Bild eus dem Leben. Warum der Willi just im Hause und in Bekanntenkreisen als Muttersöhnerl" bezeichnet wurde, weiß ich nicht; der Vater war in den Jungen mindestens ebenso verliebt, als es die Frau Mama gewesen ist. Der Vater, ein biederer Tischlermci ster und angesehener Hausherr auf dem Grund, wollte aus seinem Jüngsten einen Advocaten machen. Um daS Ziel zu erreichen, muß man aber studiren. und dazu verspürte der Willi nicht die geringste Lust. Der leichtsinnige Schlingel bekam schon in der ersten Gymnasialklasse eine schlechte Note im Lateinischen rntt wurde zur Nachprüfung verdonnert. Ich hatte einen Ferientag dazu zu verwenden, um mit meinem Brüderchen fleißig zu decliniren und zu clmjugiren. Der Liebe Mühe blieb vergeblich, der Willi fiel durch und ich bekam dafür die bittersten Vo-rwllrfe. weil ich die Sachen nicht gründlich genug mit ihm durchgemacht hatte. Im Familienrathe meinte der Vater. der Bub' darf sich sein' schwachen Kopf nicht weiter anstrengen, er soll a Handwerk lernen zum Vergnügen; denn als Hausherrnsohn hat er's Gott sei Dank net nothwendig, selber zur beiten." Die Mutter hielt es für das Gescheidteste. daß sich der Willi von den ausgestandenen Strapazen erhole und vorläufig gar Nichts thue. Dabei blieb es schließlich und das Bürscherl übte sich im Nichtsthun. Einen Zeitvertreib mußte sich der Junge wohl gönnen und der bestand darin, die Leute zu chicaniren. An einem Nachmittag war großer Kaffeeklatsch. Die Mutter hatte ihre ganze weibliche Bekanntschaft zum Kaffee geladen und der Vater mußte vorher den feinsten Mocca auftreiben. Die Frau von Habermayer, die vierstöckige Hausbesitzerin vom Grund, galt als besondere Kennerin dieses edlen Getränkes und gleichzeitig als gefürchtete Kritiker!. Die Köchin war darum in begreiflicher Aufregung, als sie ihrer verantwortungsvollen Aufgäbe gerecht zu werden suchte. Der Gugelhupf mußte ja dermalen auch ganz außerordentlich schmackhaft gebacken werden. Und bei dieser Beschäftigung machte sich Willi fortwährend in der Küche zu schaffen, zum Aerger der armen Resi. Die Gesellschaft saß an der Tasel. der Kaffee duftete in den Schalen und die Mutter schnitt den Gugelhupf auf, der so appetitlich aussah, daß die Habermayer ihrer Bewunderung Ausdruck geben mußte. Sie verkostete ein Stückchen und schob dasGebäck auf die Seite, dann schlürfte sie den Kaffee und ihr Gesicht verlängerte sich, als wäre es von Kautschuk, und schob sich gleich wieder zusammen, während der Mund ein spöttisches Lächeln verrieth. Die Ursache kam bald zu Tage: der Gugelhupf brannte wie Feuer auf der Zunge, weil Willi heimlich Paprika in den Teig gestreut hatte.und der Kaffee war gesalzen. Wäre ein Anderer als Willi der Missethäter gewesen, hätte er schon büßen müssen; doch dem Muttersöhnerl wurde die ganze Geschichte als gelungener Spaß angerechnet und Vater und Mutter lachten herzlich über den gelungenen Einfall des aufgeweckten" Burschen. Ich war herzlich froh, als ich nach Beendigung meiner Studien eme Stelle :n cmer Advokaturskanzler erhielt und das Elternhaus verlassen konnte. Die Scheerereien und das herrische Wesen meines verwöhnten Brüderchens waren mir unerträglich geworden. Die größte Sorge der Eltern bestand fernerhin darin, für ihren Willi eine passende Frau zu finden. Sie sollte sanst und nachgiebig und dabei wirthschaftlich sein, damit das Geld, das der zukünftige FaMllieNdZter nicht zu verdienen und darum auch nicht zusammenzuhalten verstand.nicht unnütz vergeudet werde. Die hübsche Toni, die Tochter des vermögenden Seidenwaaren-Fabrikanten in unserer Nachbarschaft, war dafür ausersehen, die Ehegsponsin des Muttersöhnerls zu werden, und die Hochzeit kam auch in Wahrheit bald zu Stande. Die Neuvermählten bezogen das Haus meiner Eltern und schienen recht friedlich zusammen zu leben. Ich bedauerte nur aufrichtig die arme junge Frau, die mit ihrer sanften Taubennatur nach meinem Dafürhalten die Launen ihres verhätschelten Gatten zu ertragen hatte. Die Flitterwochen waren längst verflogen, als ich dem jungen Paare einen Besuch abstattete. Ich traf den Ehemann m der Küche an. Er trug eme breite Schürze und war emsig mit Kartoffelschälen beschäftigt, während die Frau in den Zimmern Herumhantirte, wobei ihr die Dienstmagd secundirte. Willi." rief ich erstaunt. Du bist Koch geworden?" Sichtlich verlegen meinte er : Weißt Du. die arme Toni kann nicht überall zugleich sein, und da helfe ich ihr aus, so gut's eben geht. Bitte Dich, sage Nichts vor ihr. sonst gibt's einen Verdruß." Ich freute mich herzlich darüber, daß der eigenwillige, verzärtelte Vursche endlich seine Meisterin gefunden hat. und konnte die Bemerkung nicht unterdrücken: Vor dem niedlichen Pantöffclchen duckt sich das bezähmte Muttersöhnerl." Prompte Antwort. Sie: Du kannst Dich mit Demen Ansicht begraben lassen." f?r: Da? werde ich auch, aber später!" Hieb. Frau: ONar. ich vt Dich, ich brauche cm Hauskleid." Mann: Wozu? Du bist doch nie ju Hause!"
