Indiana Tribüne, Volume 19, Number 352, Indianapolis, Marion County, 6 September 1896 — Page 3

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Zirmmcho! Vcn Arandcr V :rou von Ao5erls.

(8. Fortsetzung). Unweit baten hält Viktor; regungZlos, in völlw.r Bestürzung starrt er die Gruppe an. Jedes der JammerWorte, das von den Lippen seines Weibe kommt, schneidet ihm ins Herz. O, was gäbe er darum, wenn sie käme und die Schulter des einfachenBauernMädchens mit der seinen vertauschte. Sie hat es versucht. Aber als wenn die ' Thränen sich plötzlich zurückstauten, da ihr Haupt seine Brust berührte; als wennihr ein Schauer plötzlich das Herz schloss e.... Und ein ungeheures Weh krampst rhm das eigene Herz zusammen. Jetzt erst weiß er, daß der Todesengel auch Gertruds Liebe zu ihm die Augen zugedrückt. Sechzehntes Kapitel. Gertrud sah müde von ihrer Lektüre auf; und in einer müden Bewegung lies? sie die Hände mit dem geöffneten in den Schooß sinken. Sie lag auf :f.i:r Ottoinane hingestreckt; das seilfttr des Vlumenzimmers. das nech der Gartenseite ginn, stand auf, und der würzige Duft des fruhlingszungen Laubes strömte herein. Unter halbgeschlossenen Lidern irrte ihr Blick hinaus, über die kräftigen Wölbungen der Baumkronen hinweg, über die tyurmartig gereckten Häuser mit ihren unzählkgcnenstern, die jene überragten, hinauf in die Leere des aschblauen, mit Dünsten beschwerten Pariser Himmels. Um ihre Augen hauchte ein dunkler Schatten, das gab ihrem sonst so kindlich hellen Blick eine ungewohnteScharfe; aus ihren Zügen war ein Ausdruck des Kummers erstarrt, als vermöchten die Muskeln künftig nie mehr ein Lachen und Lächeln auszudrücken, wie sie das ja seit Monaten nicht mehr gethan. Ein Bienlein kam summend hereingeschwirrt und umschwärmte die blumenlosen erotischen Blattpflanzen, die die Marmorbüste de; Klytia umragten; da es nichts buntes und süßes für seinen Rüssel fand, zog es wieder ab. unö das baßartige G?summe klang nun deutlich wie ein Aerger. Einsam, unendlich einsam! So pflegte sie manchen Vormittag liegend und lesend zu verbringen. Die ..gute Hausfrau", die sie aus Deutschland heimgebracht und die sie vordem mit einem gewissen naiven Stolz hervorzukehren pflegte, war verschwunden. Es was alles einerlei, seit Viktorchen gegangen als wenn sie selbst auch nicht mehr lange zu bleiben hätte! Mit der Lektüre suchte sie sich üder das Dahinschleich:n derTagesleere hinwegzu täuschen. Wie viele von diesen französischen Romanen hatte sie nun schon verschlungen! Nichts als die zum Ekel verbrauchte Schablone des Ehe-brach-als wenn Treue und Glaube und Liebe zu den lächerlichen Marotten gehörten. Zuerst die kurzen, mehr oder weniger überschwenglichen Honigmonde; dann breitet sich der Frostthau der Glcichgiltrgkeit über das hektische zarte Glück; nun erscheint der oder die Andere" oft ist es ein stillschweigender Kontrakt, daß man nichts sehen und alles dulden will jedes geht seine Wege zuletzt ein Eklat und damit die Sensation nicht leer ausgeht, ein Schuß, ein Giftbecher oder ein temperamentvoller Dolch, der mit einem Theatereffekt die Ehekomödie schließt. Ist das nicht das Bild ihrer eigenen Ehe? O, sie hat sich akklimatisirt! Sie braucht nicht tugendhaft heuchlerisch das deutsche Näschen zu rümpfen über die französische Verderbtheit! Seit dem Tod: des Kleinen lag der schwüle Alp über dem Haufe. Mochten sie. vom Chef herab bis zu dem Geringsten unter den Angestellten, noch so sehr an Zuvorkommenheiten wetteifern, um ihr den Schmerz über den verlörenen Liebling leichter tragen zu helfen umsonst, der kleine Schatten stand immer wieder auf und klagte sie alle an. Gertrud sah ihren Gatten sich in Kummer verzehren und sogar körperlich leiden oft durchzuckte sie eine mitleidiae Regung, ihm die Hände entgegen,lstrecken. zu ibm hinzustürzen, an seine Brust zu sinken und ihn ihrer grausamen Härte w.'gen um Änzel'hunz zu bitten. Doch da stand immer wieder der ruhelose Schotten und hob das Fingerchen drohend: Verzeih ihnen nicht Niemand von ihnen sie haben mich ins Grab gebracht!" Ihr Verstand und jede billigere Erwägung mußten die Verbrecher freisprechen. Papa und Viktor waren dem ungeheuerlichen Zwang gewicnen, nur ein unseliges Verhäng.iiß ließ die Schwäche zu solcher ungeahntenSchuld anschwellen; aber ihr Herz vermochte sie nicht freizusprechen: immer und rmme? hörte es den Wimmerton des kleinen Kranken durch Haus zittern. Sie wollte nichts von Vergebung wissen; ein dämonisch:? Trotz gebot ihr, sie alle fort und fort durch Blick und Miene, durch die zum Verzweifeln stumme Beharrlichkeit ihrer Trauer, die nichts aufzuhalten vermochte, an ihre Schuld zu erinnern. Würde die Zeit nicht heilend einwiren? Sie erwies sich aber diesmal als eine erbärmliche Knrpfuscherin und sie machte die Entfremdung zur Gewohnheit. Viktor begann seinen eigenen Wi?g zu gehen und seine Junggesellengewohnheiten wieder aufzunehmen. Man sah ihn wieder in seinem Eafc auf dem Boulevard erscheinen und man konnte seine offenbare Leidensmiene beim Morgengrauen am Spieltifch seines Klubs unter den vom Kleber des Spielteufels verzerrten Ge, sichtern gzwahren. Auf diese Weise versuchte er den Schmerz über den Nie-

dergang seines häuslichen Glückes zu betäuben. Es war der Zeitpunkt, wo nach der Schablone der Andre" in die Handlung einzutreten hätte. War der Andre" nicht schon da? Bem heiligen Gott! Sie war sich keines Gedankens einer Untreue dewußt! Damals auf dem Balkon der Nue Soufflot hatte sie das Gelüste angeflogen, sich nach Pariser Art zu rachen. Nichts anderes, als ein Anfall jenes unerklärlichen Schwindels, der einen vor einem Abgrund dazu zw:ngen möchte, hinabzuspringen. Bor einem wirklichen Hinabsprinffen bewahrte sie wohl jetzt fcer kleine Schatten; er erschien ihr als eine Art Schutzgeist. Sie hatte die Zeuners seit des Kindes Tode oft besucht. Heimlich geschah

das. Jetzt noch hermlicher als in der ersten Zeit. Viktor hatte immer noch nichts von der Begegnung im Tuileriengarten erfahren und er ahnte nicht einmal die Anwesenheit seines eyema ligen Nöbenbuhlers hier in Paris; wo Margret geblieben war, darum hatte er sich nicht gekümmert. Gertrud hatte rh:n gegenüber ja kein Geheimniß daraus machen wollen, doch die örkrankuna und der Tk'o des Kindes hatten die harmlose Beicht: verhindert. O V A si t mp i . 2Ta kM 0Q r I A ... -cuuyi ucimuujic ic ucu -ociuuCii ui der Nue Soufflot nicht mehr zu enrjagen, .von war es, wo it in oen kosten Wochen ihren Schmerz rückhaltlos in heißen Thränen ausströmen ließ als wenn der unheimlich: Alp ihr im eigenen Hause solchen Trost versagte. Dort n?ar es, wo sie di: Sehnsucht nach ihrem Mütterlein weniger empfand toar ihr nicht die prächtige Frau Zeuner zur zweiten Mutter geworden? Welch schmerzlich süße Freude gewährte es ihr. mit Margret über de,? verloicnen Liebling zu plaudern, sich ge meinsam mit ihr all der hübschen kleinen Nichtigkeiten zu erinnern, die das Mutterglück ausfüllen wie er lächelte, wie er sich das geballte Fäustchen schmecken ließ, wie er so wohlig mit den Füßcken strampelte, ach, und seine drolligen lallenden Sprachversuche! Dann schien er ihr weniger unwiderdringlich verloren. Oft hatte sie Frau Zeuner und Margret abgeholt, um mit ihnen das wunderschöne, alle Besuche? des Pre-Lachaise anlockende Blumenbeet feines Grabes zu besuchen. O. er sollte in diesen Frühlingstagen, wo alles sich hier oben des Sonnenlichtes freute, doch wenigstens das Geflüster freundlicher Stimmen in seinem dun!keln Kämmerlein zu hören bekommen... Er würde ih? zuin zweitenmal geraubt, wenn sie dkese Besuche in der Nue Soufflot einstellen müßte. 2e:m Viktors Eifersucht würde sofort er:oachen und ih? den Umgang untersagen. Zudem waren jene ja Preußen! Zwar hatte sich der Nevanchegötze einstweilen mit dresem einen Opfer zufrieden gegeben, und selbst Frau Schneider fand, daß man zu gewaltfam vorgegangen sei. Aber die Majestät des Mutterschwarzes würde den Fanatismus nicht abzuhalten vermögen. So bewahrte sie also das Verbrechen dreies Geyeimnisses. Es jetzt erst verrathen, hietze zugestehen, daß man ein b'oses Gewissen gehabt. Überdies geht Viktor nicht seine Wege? Gut, so geht sie die ihren... Mit Friedrich Zeuner war sie in der ersten Zeit seltener zusamMngerommen. Es schien, als ob ihn eine zarte Rücksichtnahme sich fernhalten hieß, damit sie sich ungestörter in Gegenwart der beiden Frauen ihrem Schmerze hingeben könnte. Allmählich fand er, daß er mit nichten störte, daß im Gegentheil seine ruhige Art nicht am wenigsten zu Gertruds Aufrichtung beitrüge. Und nun stellte er sich absichtlich ein und wußte sich selbst um die Nachmittagsstunden ihres Besuches, wo dieGeschaftshast sich steigerte, freizumachen, um sie noch zu sehen. Und er macht: kein Hehl daraus, daß er ihretwegen kam. Meine liebe Frau Jaminet " Derselbe warme, aus innigem Mitgesühl stammende Ton seiner Mutter. Er streckte ihr schon von Weitem die Hand entgegen, ti:U die ibre während der Begrüßung fest, ihr Antlitz in Doktorart prüfend, und sich freuend, oaß sie weniger angegriffen aussähe, als das letzte Mal. Er war außer Athenr und das männlich schöne, von d?m Prachtstück des seidenweichen Vollbartes gezierte Gesicht glühte vor Eile und Erregung. Ich bin so geeilt, ich fürchtete. Sie nicht mehr zu treffen..." Sie entzog ihm mit einem leisen, dankenden Druck ihre Hand. Sie meinte den weitoffenen Blick seiner stahlblauen Augen ausweichen zu müssen doch deren Ausdruck war ein ganz anderer als damals, wo all das Schnen der stummen Lieb': sich in seinem Blicke zusammenfaßte. O sie durfte jetzt lühnlich bis auf den Grund seinerSeele schauen; er hatte alles egoistische Begchr:n darin zum Schwngw erbracht, er hatt: in seiner energiscyen Art gewaltig an seiner Läuterung gearbeitet, und es war das reine, von allen selbstischen Schlacken befreite Gold der Freundschaft, das er ihr darbot. Und sie hielt seinen Augen Stand mit den ihren.... wachte nicht der kleine Schatten neben ihr? Guten Tag. Mutter wir haben uns lancre nicht gesehen?" Friedrichs hohe Gestalt mußte sich herabbeugen, um das Drereckchen zu küssen, das die bauschten Silverwellen auf der Stirn seiner Mutter freiließen. Sie gab rhm einen schelmischen, halbverwunderten Schlag auf die Wange. Erst vor kurze? Zeit, nach dem Dejeuner, hatt: er das Haus verlassen, und nun war er schon wieder da? Ich habe Frau Jaminet das letzte Mal ganz versäumt." sagte er zur Erklärung, wenn eine solch: überhaupt nöthig war. Oder soll ich wieder gchen? Gleich auf der Stelle!"

Die beiden Damen protcstirten. So wußte' sofort mit seinem Kommen den intim anheimelnden Ton e:nzuführen. Gertrud schob den Ausbruch immer länger hinaus, so wohlig geborgen

fühlte sie sich hier. Und wenn dann die im Abendroth erglühende Kuppel des Pantheons sie zum Abschied mahnte, so fühlte sie sich seltsam erquickt und gestärkt. Sie hatte einige Stunden in sicherem Port verbracht nun hatte sie wieder Muth gewonnen, in da von Leidenschaften zerwühlte Pariser Meer das tief unter ihnen grollte, zurückzukehren. Doch auf dem Heimwege vermochte sie sich nichter Vergleiche zu erwehren. Dort oben der Sonnenschein, der die niedlichen Vogelkäfige der Zeunns so innig durchdrang, daß man selbst an trüben Tagen seine Nachwirkungen zu spüren wähnte und sie schauerte vor den großen, dämmrigen. frostigen Prunkräumen ihrer eigenen Wohnung, die jetzt seitMonaten von jedem freundlichem Glücksstrahl gemieden wurden. Dort oben hatte sie aus wcitgeöffnetem Herzen all ihr Fühlen und Denken ausströmen lassen, den großen Kumier, der xnnmx in ihr wach war, und den kleinen Schmettnlingskummer des Tages; sie hatte sich dort wie zur Familie gehörig gefühlt: Frau Zeuner ihre Mutter, Friedrich Zeuner ihr Vruder. Und sie gedachte dagegen der Dinerunde, die sie erwartete, wo das Ticken der kosldaren Sövresuhr so aufdringlich in das mühselig sickernde und über die oberflächlichsten Jntcressen eisig hinabgleitende Zwiegespräch der beiden Gatten hinein-tönte. Neulich, nach einem solchen Besuch, war ihr bei Tische eine Frage auf deutsch entschlüpft. Verdutzt schaute Viktor von seinem Teller auf. was der fremde Laut hier zu bedeuten hätte. Sie iwar wie über einem Verbrechen erröthet. Nun begann eine Sehnsucht nach dem suen Klang rhrer Mutiersprach: sie oft zu erfassen. Ja dort in der Nue Soufflot ist ihre Humath hier ist die Fremde! Der dumpfe Groll in ihrem Herzen raunte ihr immer hämischer zu: Viktor ist der Typus des FranzosuithuruS. Zeune-? ist der Typus des Deutschthums. Dort v?el Blendung, viel Ehaclatancrke, viel Flackerfeuer der Gefühle, ein tlamehaftes Virtuosenthum in Haß und Liebe, und hier? Nein, nein, sie wollte nichts von solchem Vergleiche wissen! Ihre Abneigung gegen das Fronzosenthum, die im Geheimen ihres Herzens zu gahren begann, hieß sie ungerecht urtheilen gegen die Person F;w Wahl hatte ihren Besuch gleich nach dem Todesfall angekündigt, doch ihre Tochter hatte ihr von der Neise a!ö?e?athen. so sehr ihr Herz nach solch?m Trost lechzte. Gertrud schämte sich, ihr braves Mutterle:n als Zeugin ihres verblassenden Glückes zuzulassen; nur den bitteren Stoßseufzer: Man sieht die Preußen nicht gern hier im Haus!" Sie wollte lieber selbst nach Mülbeim kommen. Anfang Juni entschloß sie sich auch, zu reisen. Als sie ihrem Manne die Absicht kund gab und das Datum der Abreise vorschlug, sah sie einen Strahl freudiger Ueberraschung über lern Antlitz gleiten. Und er nickte schnell zustimmend, als wenn die Nachricht ihm wirklich hoch willkommen wäre. Sie stutzte nur ganz kurz gleich deutete sie richtig: er hofft, er wünscht, er weiß, daß die Entfernung das alte Glück wieder aufkeimen lassen werde! Warum sie dieses altbewährte, fast verbrauchte Mittel nicht schon langst angowandt? Sie hätte längst reisen sollen die Dinge durften nicht so weit kommen! Und auch über ihr Antlitz fuhr ein heller Schein, ja sie brachte es sogar zu einein Scherz: Du freust Dich wohl, daß Du mich loswirst?" Wie ein Wunder starrte er das lächelnde Grübchm an. das auf ihrer linken Wange sichtbar wurde, zum erstenmal wieder stit Monaten. Komm, wir sind thöricht wir sind dumme, thörichte Kinder." sagte er. und mit sanftem Zwang zog er die Widerstrebende an sich. Seine' Stimme bebte wie durch Thränen. Ach Viktor Viktor " Schluchzend schmieate sie ihr Köpfchen an seine Brust. Doch erst die Wiederi'ehr von der Neise würde die radikale Heilung bringen mit emrr flüchtigen, wenn noch so thränenreichen Nührszene ist es jetzt nicht gethan! S:: setzten beide alle Hoffnung au? diese Wiederkehr. Es war fast widersinnig anzusehen, wie sehr sie nach der Abreise drängten, wie sie diese nicht erwarten konnten bloß damit diese Wiederkehr nicht noch viel länger hinausgeschoben würde! ? Sechs Wochen dauerte die Abwesenheit. Viktor holte seine Frau Am BahnHofe ab; er 'war eine halbe Stund: zu früh erschienen, erregt von gewaltiger Ungeduld stürmte er auf dem Pflaster vor der Ankunftshalle auf und nieder, und diese halbe Stunde deuchte ihm noch länaer als die Ewigkeit der sechs Wochen. Endlich gellte das Pfeifen der Lokomotive er erschrak und fein Herz hämmerte zuni Zerspringen hing nicht von der ersten Umarmung, von dem ersten Beacanen ihrer Blicke das Heil ihrer Zukunft ab? Endlich sah er aus der Meng: ih: 5!öpfchen nicken und winken. Wie süß sie aussieht! Wie reizend sie ist! Ah und sie lacht wieder! Gottlob, nun ist alles gut! Seine Ungeduld hätte am liebsten das Gitter durchbrochen, um sie aus der Menge herauszuholen, sie mit einem Jauchzen in seinen Armen cmporzucben und vor allen Leuten über den Platz hinweg in den Wagen zu tra.VN. Auch Papa Jaminet fand, dajj al

les gut fei; nun dürfte man doch wie der frei aufblicken! Der Alp schien von dem Qause ae

nommen. seitdem man seine Herrin wreder lächeln sah. Bis in das Laboratorium hinein, wo der personifizirte Preußenhaß sein Wundertränklein braute, erstreckte sich die frohe Stimmung. Denn selbst Armand zeigte bei der Vezrüßun der Schwägerin eine Herzlichkeit, über die alle staunten. Nun. was macht Dein Elirir?" fragte Gertrud mit schelmischem Uebermuth. Ist es wahr, daß Du es beim Kriegsministerium eingereicht? Wir lasen sogar die Notiz in der Zei-tung.-Annands Augen blitzten und er machte sich daran und pries ihr die wundervollen Borzüge seines Sprengmittels, das fortan jeden Festungsdau überflüssig machen würde, mit solchem Enthusiasmus, und sie wußte so hübsch zuzuhören und sich über den Erfolg der Erfindung zu freuen, als wäre diese irgend ein deliziöses neues Zuckerwerk, das alle Leckermäuler entzücken müßte. Q, was kostet es denn, wenn wir es Dir abkaufen, Armand?- scherzte sie. Lachend verwahrte sich der Adept. Doch der Schatten des kleinen Todten hatte noch nicht endgiltig seine Einwilligung zu dem neuen Frieden gegeden. Gertrud machte sich am Morgen zu einem Ausgang bereit. Wo willst Du hin. süßes Herz?" fragte Viktor. Zuerst wollte sie einen gleichgiltigm Gang vorschützen. Gleich stutzte sie. Erst recht muß er mit! Vlktorchen soll des neuen Friedens Zeuge sein! Sollten sie ihm nun ausweichen mit ihrer Versöhnung? Komm, mache Dich fertig Du begleitest mich, Viktor!" Als er mit ihr an den Wagen trat, fand er den Rücksitz mit kostbaren Blumen überdeckt; es bedürfte nicht erst der Weisung, die sie dem Diener gab, um ihm zu sagen, daß es nach dem Kirchhof ginge. Sie saßen im Wagen, der Blumenfülle gegenüber, und er hielt stumm ihre Hand umschlössen. Ein geheimes Unbehagen bedrückte ihn während der Fahrt. Nicht, daß er Äen gemeinsamen Besuch scheute, und ein Aufwachen des unheimlichen Grolles dort am Grabe fürchtete. Etwas Trivialeres: das Grab war von ihm während der ganzen Dauer ihrer Abwesenheit nicht besuch! worden. Es wäre ihm schwer geworden, die Ver'säumniß zu erklären, er selbst klagte sich der erbärmlichen Nachlässigkeit an. War es nicht die Furcht, die lächerlich: Gespensterfurcht, die dem Schatten auswich? War es nicht ein seltsamer geheimer Groll gegen diesen Schatten, der den Unfrieden so verhängnißöoll hatte anwachsen lassen? Nun würden sie natürlich das Grab in trauriger Unordnung vorfinden, besonders nach diesen heißen Julitagen... Doch siehe da. der kleine Hügel prangte im herrlichsten Blumenschmuck, die nächste Umg-bung war sauber geharkt, zu Häupten des Hügels stand ein Korb voll kostbarer gelber Nosen; ein frischer Odem hauchte ihnen entgegen. Es war wie eine erquickende Oase inmitten der, vom Sonnenbrand ermatteten und )?erkümmertenAegetation der andern Gräber. Sie würden Mühe haben, die mitgebrachten Blumen unterzubringen. Ein gemeinsames Ah!" der Ueberraschung entfuhr ihren Lippen. Wunder schön!" rief sie. Prächtig " brachte er hervor, und das Wort schien ihn fast zu ersticken. In ihren Augen zitterten Thränen und rannen die Wangen herab, rannen über die Grübchen ihres Lächelns in freudiger Rührung reichte si: ihm die 5and: Wie danke ich Dir. Viktor!" . Fast hätte er den Dank angenommen, ja er ließ es geschehen, daß ihre Hand sich an die seine klammerte. Wie erbärmlich eine Lüge hier an Biktorchens Grabe! Es war eine kurze Vision er sah das wachsblasse Köpfchen auf dem spitzenumrahmten Kissen liegen, sah es langsam die geschlossenen Lider heben nein, nein!" sagte der Blick nein, nein!" wiegte das Köpfchen. Ich weiß wirklich nicht " stammeltc er hilflos, ich hatte wohl einen Auftrag gegeben " Da kam auch schon der Gärtner, der auf der Lauer nach dem unausbleiölichen Trinkgeld gestanden, mit widerlich schmunzelnder Freundlichkeit binter einem benachbarten Denkmal her-vorgeschlich-en. In seiner Verwirrung griff Viktor in die Tasche, nahm das Portemonnaie hervor und hielt dem Mann ein Geldstück hin. Nichts weiter, als daß er ihn belobte, weil er seineSache gut gemacht. Aber derMann spekulirte nach mehr; vielleicht gab es noch ein zweites Trinkaeld einzuheimsen Madame wird sich sicherlich bei dcnSpendern deZ Herr-!ich-:n Schmuckes bedanken wollen, und diese werden den Dank klingend an ihn weitergeben. Ist es nicht sein Verdienst, daß sich die Blumen bis in diese heiße Stunde so frisch erhalten? Si: wissen. Madame, die schöne alte Dame und der oroß: Herr..." degann, er die Mütze in der Hand drehend und die vom Tc?öaksrauch geschwärzten Zahnstümpfe weisend, sie sind heute Morgen um sechs bereits dagewesen, wir hatten ein: gute Stunde :u schaffen, weil Madame doch von der Neise zurückkämen...." Ah di: Zeuners!- entfuhr es ihr. Also nicht Viktor hat den Schmuck besorgt? Sie fühlte im 5)erzen einen schmcrzbaften Stich. Das Wort war ihr entfahren; Viktor zuckte zusammen: Wieso die Zeuners? Sind die in Paris?" , Gewiß sind die in Paris - Sett'wanrc?" j

Seit lange ich weiß nicht " - Und sie wußten um Deine Ankunft?" Keine Lüge fetzt! Keine Ausflucht! Nicht in Viktorchens Gegenwart! Es ist heraus wohlan! Sie ist sich keiner Schuld bewußt! Sie strahlte ihm mit offenen Augen tapfer in3 Antlitz; das war fahlblaß. Ich hatte der alten Dame geschrieden." Ein paar fliegende Herzschläge lang stierte er sie an wie entsetzt. Und Du hast Du hast sie gesehen V keuchte er außer sich. Gewiß, sie sind doch meine Landsleute." Hinter meinem Rücken? Ohne mir ein Wort davon zu sagen?" Du brauchst Dich nicht aufzuregen es gibt nichts Harmloseres " Hinter meinem Rücken heimlich " knirschte er. und seine Fauste ballten sich unwillkürlich. Scht!" machte sie. auf das Grab deutend, das die Entweihung solcher Worte nicht verdiente. Ich erzähle Dir Alles nachher." Schweigend, mit ungestümen, mechanischen, wie bewußtlosen Griffen pflanzten sie die mitgeürachtenBlumenstocke in das Prachrbeet, dessen Harmonie zerstörend. Schweigend harrten sie dann eine Weile, mit verlorenen Augen hinabstarrend. Ihre Lippen bebten, aber es war kein Gebet. Das Viktorchen hatte seine Einwilligung zu der Versöhnung also nicht gegeben. Schweigend, mit einem eisigen Schweigen, das sie wie eine Lähmung zwang, schritten sie nebeneinander den Hauptweg hinab. In der Sonnengluth schimmerten und leuchteten die Grabmäler. Eine unheimliche, unerträgliche Stille nur der Klang ihrer Schritte in dem leicht rasselnden Kies. Und diese Schritte beeilten sich, dem entsetzlichen Schweigen zu entfliehen. Schweigend saßen si dann im Wagen; immer noch dauerte die Lähmung an; wie durch einen Schleier sahen sie, die Läden, die Menschen und die Fubrwerke an ihren stummen, rathlosen Blicken vorübergleiten, als waren es Marionetten. Plötzlich fuhr von seinen Lippen ein Wort zischelnd, drohend, höhnend, brutal: Preußenbande!" hallte es deutlich durch das Straßengetöse. Wie mit einem jähen Axthieb zertrennte das Wort ihre Liebe und ihr Leben. Siebzehntes Kapitel. Welch ein Abgrund von Schmach, sich von einem Preußen zum Hahnrei machen zu lassen! Gertrud versuchte es, ihm Grund und Umstände rhrer Besuche bei den Zeuners zu erläutern. Es geschah in einer so würdigen, fast hoheitvollen Art. sie wußte so sehr dabei das Viöriren ihrer Erregung zu bemustern, sie hielt dabei so tapfer den brennenden Blick seiner Augen aus, daß cr sich sagen mußte: entweder ist sie eine vollendete Heuchlerin, oder meine Anklage ist eine Uebertreibung. Aber er wollte sich nicht geirrt haben! Er wollte nicht von der Grundlosigkeit seiner Anklage überführt werden! Er wollte ungerecht und grausam sein! Er lechzte nach einer Gewaltthat weil jener ein Preuße ist! Plötzlich lebte die längsrvergessene Schmach seiner Gefangenschaft wieder auf, und er gedachte des Tages, da er sich winselnd wie ein Thierauf dem Boden seines Zeltes gewälzt, ob des Falles von Metz. War seine Liebe nicht damals in der heißen Eifersucht aufgeblüht? Nun sollte dieselbe Eifersucht auch seinen Haß zum Sieden bringen! Nichts von Vernunft und Erwägung! Er hatte lange genug die Augen zugedrückt über dr: Preußenwirrhschaft im Hause! Wohlan, nun sollen sie den Franzosen kennen lernen! Gibt sie nicht selbst zu. daß sie den Preußen monatelang hinter Viktors Nucken getroffen? O, der nationale Instinkt des Ehebruchs steckt ihm zu sehr im Blut, als daß er eine Harmlosigkeit gelten ließe. Wenn ich ihn nur aus dem geringsten Beweis ertappe beim heiligen Gott, so schieß' ich ihn nieder wie einen Hund!" Mit einer unheimlichen Ruh: ließ er die Worte in die Paus: hineintonen, mit der ihre Auseinandersetzungen spät am Abend g:endet hatten; es klang wie die Urtheilsverkündigung eines Richters. Doch durch den erregten Qualm seiner Zigarette, den der Schein der Lampe röthlich färbte wi: den Dampf einer Feuersorunst, schossen die scharfen Stichflammen seiner Augen nach ihr hinüber., di: fanatischen Stichflammen seines BrudersArmanv, die man zischeln zu hören wähnte. , Und er erhob sich, weidete sich einige Sekunden lang, mit einem zuckenden Grinsen um die Mundwinkel, an dem starren Schreck, der sie mit seinen Worten überfallen, und an dem hilflosen Versuch ihrer Lippen, etwas dagegen zu stammeln. Tu darfst ihn nicht verdächtigen cr ist unschuldig!" wollte sie verzweifelt rufen, das, was sie ihm schon zehnmal betheuert hatte. Sie wußte nicht einmal. ob der Ruf wirklich geschehen wie gelähmt vom Entsetzen stierte sie iöm nach, als er langsam, absichtlich festen Trittes, mit ein?m gewissen dandyhasten Wiegen des Oberkörpers, das ihm eigen rcar, umwallt von dem aufpuffenden Qualm der Zigarette, ein paarmal durch die Flucht der dammerig beleuchteten Räume schritt und dann hinter einer Thür verschwand. Da stürzte sie aus, schlug di: Hände gegen des Antlitz und ein schrill:? Hilfeschrei g:Ute von ihren Lippen durch di: Stille. Sie hatte kürzlich der Ausführung eines Dumas'schen Sensaticnsstückes

in der Porte-St.-Martin beigswohnr Wo ein betrogener Gatte als Rächer seiner Ehre erscheint und denEhebrecher auf offener Bühne über den Haufen schießt. Während sie die Hände mit den Bal. len in die Augen gepreßt hielt, sah sie die Szene deutlich dort stehen, vom grellen Bühnenlicht übergössen. In der Mittelthür ist plötzlich der Rächer erschienen, den Zylinder auf dem Kopf; in seiner wagerecht ausgestreckten Rechten funkelt etwas, unddie unheimliche kleine schwarze Oeffnung dieses funkelnden Dinges ist auf den Schuldigen hingewandt, der wehrlos, aufgerichtet mit dem ganzen frechen Trotz, mit dem er das Glück des Hauses zertrümmerte. Jenem gegenüber steht. Das ehrvergessene Weib hat die nackten weißen Arme mit dem glitzernden Geschmeide schildartig abwehrend gegen die drvhende Waffe ausgereckt. Der ganze Zuschauerraum zittert vor Erregung, die Damen blinzeln angstvoll, viele verhüllen sich das Antlitz, um sich der Qual der Spannung zu entziehen, während die heftigen Reden dort aus der Bühne immer noch aufeinander prallen und immer noch die erhobene Waffe das letzte Wort nicht sagen will. Endlich! Noth zuckt ein Schein durch das weiße Bühnenlicht, und der Schuldige bricht getroffen zusammen, malerisch hingewälzt. Als wenn sie unfähig wäre, sich dieser Vision zu erwehren! Zuletzt riß sie mit Gewalt die Hände von den Augen nein, nein, er, der Andere" ist ja nicht schuldig! Sie ist ja keine Verbrecherin! Was soll das Bild? Aber er" der andere er", ist sehr wohl im Stande, seine Drohung auszuführen! Die Eifersucht, aufs Aeußerste gereizt durch den Rassenhaß, wird sich nicht besinnen, den Schuß abzufcuern.... Heiß überriefelte es si: vielleicht ist er schon auf dem Weg, um das Urtheil zu vollstrecken? Ah, er muß und er will doch erft seinen Beweis ertappen er ist doch kein Wahnsinniger! Es bedarf doch erst einer Szene, wie jene dort auf dem Theater oder würde seine Wuth sich schon mit einem weniger deutlichen Beweis zufrieden geben? Welch widersinnige Furcht! Man muß Zeuner warnen sie will ihm schreiben gleich! daß er auf der .Hut sein soll, daß die Eifersucht ihn velauert daß sie sich nicht wiederseyen dürfen, und alle Versuche irgend einer Verbindung zu vermeiden seien.... Sie ließ sich an dem reizeüden, mit allerlei Nippes überladenen Spielzeug eines Sckireibtisches nieder; vor ihr lag die Mappe mit den Briefpapieren aufgewühlt, und sie stützte die Arme darauf, vergrub die Augen abermals in beide Hände. Ein Abschied ... sie soll die liebe prächtige alte Dame, ihre zweite Mutter, nicht mehr sehen? Sie soll des Trostes entbehren, sich mit ihrer braven Margret über Viktorchen zu unterhalten? Sie soll den Sonnenschein dort oben in den Vogelkäfigen missen? Sie soll damit völlig von demGebrauch der Muttersprache ausgeschlossen sein? Sie soll Zeuners sympathischeStimmc nicht mehr hören.... nein, nein seinetwegen fürchtet sie den Abschied doch nicht? Sie fühlte, wie ir unter den Händen eine Gluth bis in die Stirne schoß. Nicht seinetwegen... Als wenn plötzlich ein grelles Licht auf eine gewisse verborgene, vergessene Stelle ihres Herzens gefallen wäre und diese taghell beleuchtete. Sie schauerte vor dieser plötzlichen Helle. Nicht sei-netwegen!-stammelte s geheim in ihr; es klang matt und schwach und wehrlos. Sie stöhnte laut auf. Jetzt rückt: sie einen Bogen zurecht, um zu schreiben. Wem? Der alten Dame? Das hieße sie in Furcht setzen. Nein, ihr nicht also ihm! Sie stutzte. Das wäre gefährlich. Das hieße ein Dokument anfertigen, das ein Einverständniß zwischen ihm und ihr bewiese, und der Zufall übt solch treffliche Polizei! Also nichts Schriftliches aus Vorsicht. Also ist es besser, ihn noch einmal zu treffen Sie beschloß also, ihn aufzusuchen in aller Vorsicht ixnt ihn zu warnen. Sie schlug die Mappe wieder zu und wollte sich erheben. Doch sank sie auf den Swhl zurück. Ihr Herz pocht: so gewaltig und sie krumpfte beide Hände gegen die Brust, um das Hämmern aufzuhalten. Was ist das? Als wenn sich in all die Angst dieser Stunde ein Jubel drängte! Sie soll ihn wiedersehen, nach so langer Zeit.... war es das, was das Hämmern 'bedeutete? Ein so unselig süßes Gefühl durchrieselte sie: sich mit ihm vereint zu wissen, gegen die Gefahr! Wie ein Mantel, der sie beide gemeinsam umhüllte, uNd mit einer Art wollüstigen Behagens schmiegte sie sich in die Falten dieses Mantels. Vergebens, sich gegen die Versuchung zu wahren mein Gott, o mein Gott, was ist das.... In völliger Wirrniß suchte sie ihr Lager auf, doch das Woaen und Wuh len' ihrer Gedanken ließ sie nicht zu einem festen -Schlafe kommen. Immer wieder schreckte sie aus dem nervösen Halbschlummer empor. Fiel nicht ein Schuß? Sie meinte ihn deutlich durch das nächtliche Schweigen hallen zu hören. Angstvoll bebend horchte sie. Alles still. Nur das Ticken der Uhren aus den verschiedenen Räumen, und da die einzelnen Taktschläg: sich kreuzten, so gab es ein wildes, hastendes Durcheinander von Tönen es war. als hörte sie das Ticken ihrer eigenen Gedanken. Das Bett neben ihr war noch unberührt; m der fahlen Monddämmerunz, die durch die Vorhänge drang, schimmeroe das Linnen. 40. sie war ja vor ihrer Reise schon daran gewöhnt gewesen, Viktor einen guten Theil der Nacht außer Hause zu wissen. Aber heut?..- . (Fortsetzung folgt.)

Jür die Küche. Suppe a la reine Margot Von zwei guten Suppenhühnern kocht man nur mit einigen Petersilienwurzeln gewürzte Geflügelbouillon, die man gut entfettet und dann durchseiht. Zur selben Zeit hat man zwei junge Hähnchen saftig gebraten, erkalten gelassen und dann das Brustfleisch abgelöst und feingestoßen und alles übrige Fleisch nebst dem Gerippe zerhackt. Ueber die zerhackten Fleischtheile gießt man etwa zwei Unzen der Geflügelbouillon und kocht sie damit langsam eine Stunde. Dann gießt man die Brühe durch, röstet zwei Unzen Mehl in zwei Unzen Butter blaßgelb, verkocht dies langsam mit der durchseihten Hähnchenbrühe, thut das gestoßene Geflügelfleisch dazu und gießt endlich alles in die Hühnerbouillon, in der man es unter beständigem Rühren bis vor's Kochen bringt. Acht Kartoffeln röstet man in der Asche, schält sie, drückt sie fein und thut sie nun ebenfalls an die Suppe, welche man jetzt mit einem Pint süßer Sahne verbindet und mit vier Eigelb abquirlt. Man würzt die Suppe zu letzt noch nach Belieben mit etwas Eayenne oder Muskatnuß. Sie darf nicht stehen, weil sie sonst sowohl an Wohlgeschmack wie an Ansehen einbüßt. Gemüsetimbale in Schneck e n f o r m. Aus einem Pint Mehl, drei Eidottern, zehn Unzen Butter, einer halben Tasse kaltem Wasser und etwas Salz arbeitet man rasch einen elastischen Teig von der Beschaffenheit eines Mürbeteigs, den man einige Zeit an einen kühlen Ort stellt. Währcnd dieser Zeit bereitet man ein Blumenkohlgemllse. Man zertheilt zwei große, tadellose Köpfe Blumenkohl in fünf bis sechs kleinere Blumen und kocht sie in Salzwassn weich, doch dürfen sie nicht im geringsten zerfallen. Man läßt sie abtropfen und bereitet aus einem Pint süßer Sahne, drei und einer halben Unze Buttcc und sieben Unzen geriebenem Parmesankäse eine Sauce, die man mit drei Eigelb abquirlt und dann über den Blumenkohl gießt. Man stellt den Blumenkohl in einer Schüssel zum Erkalten in Masser und holt nun den Teig herbei, aus dem man bleifederdicke, möglichst lange Röllchen formt. Eine Timbaleform streicht man mit Butter aus und belegt sie von der Mitte deS Bodens beginnend, schneckenförmig ganz dicht mit Teichröllchen. Ein Zwischenraum darf nicht zu sehen sein, da sonst das ganze Gericht verdorben wird. Ist die Form völlig ausgefüttert, so füllt man den Kohl hinein, rollt einen Teigdeckel aus. durchsticht ihn mit der Gabel wiederholt, legt ihn auf das Gemüse, bestreicht die Oberfläche mit zerquirltem Ei und bäckt die ausgezeichnete Gemüseschüssel im Ofen eine Stunde. Man stürzt sie und giebt in Scheiben geschnittene Zunge, welche man mit ihrem Gelee belegt hat, daneben. Im Winter füllt man solche Timbale mit Sauerkraut und giebt gebackene Gänseleber dazu, im Frühsommer nimmt man zur Füllung Spargel oder ein ganz junges Erbsengemüse. Gefüllte Hammelschulter. Ein abgeschlachtetes Hammelblatt (Schulter) marinirt man drei Stunden in Weinessig, Eitronensast, seinen Kräutern und Gewürz, bereitet von den Abfällen des Fleisches, Hammelnieren, etwas gekochter Zunge, Kräutern, Gewürz und feingewiegten

Pilzen ein Hachee, bestreicht hiermit das Blatt, dessen Knochen man auslöste, rollt es zusammen, wickelt es in ein Kalbsnetz und brät es in Butter, nach und nach ein wenig Wasser untergießend. Mit dem Fond angerichtet, fügt man diesem ein Glas Rothwein, einen halben Theelöffel voll Fleischeztract und einen bis zwer Eßlöffel voll feinen Estragonessig bei. Die Beiläge desFleischstückes bilden gedämpfte Kartoffeln und Salzgurken. Spießn" (schwerzerlsch.) Eine frische, ausgewässerte und abaehäutete Kalbsleber wird in fingerdicke, ca. Zwei Zoll lange Stücke geschnitten, jedes Stück mit Pfeffer und Salz bestreut und mit einem gewaschenen Salbeiblatt umwickelt, worauf man je vier bis fünf Stück an kleine hölzerne Spießchen steckt und in heißer Butter hellbraun backt. Paßt besonders gut zu Bohnen. A a l r o u l a d e. Die Haut des Aales wird nicht heruntergestreift, sondern mit Sand gescheuert und dann mit Salz abgerieben. Sodann wird er gewaschen und die Flossen entfernt, am Rücken aufgeschnitten, der Grat herausgenommen und glatt hingelegt wie ein Band. Nun wird er zuerst mit gehacktem Weiß von hartgekochten Eiern, dann mit dem gehackten Gelben und darüber mit fein gehackter Petersilie bestreut. Dann rollt man ihn zusammen, umwickelt ihn mit Faden, kocht ihn in Essig, weißem Wein und etwas Gewürz einige Minuten lang und preßt ihn zwischen zwei Brettchen, welche man etwas beschwert. Ist er erkaltet, so wird er in feine Scheiben geschnitten und mit Essig oder Eitroneusaft, Oel. Senf und Zucker zusammen abgerührt, servirt. Sollte der Aal sehr groß sein, so daß die Rolle zu dick würde, müßte man ihn der Quere nach einmal durchschneiden. Tomaten. Auf ein noch wenig bekanntes Recept dürften Tomaten auf folgende Art bereitet fein. Man schneide die Frucht quer durch, entferne den weichen Inhalt (welcher zur Suppe oder Sauce verwendet werden kann), fülle eine dicke Mayonnaise in die Oeffnung. schiebe einige Hummerstückchen hinein und lege die Tomaten auf eine mit Kopfsalat und Hummer scheeren garnirte Schüssel. Einzeln kann man dieselben auch recht hübsch mit Salatblättchen verziert auf kleine Teller zur Tafel geben. Oder man füllt sie mit grünen Erbsen und schmückt mit Petersilie