Indiana Tribüne, Volume 19, Number 345, Indianapolis, Marion County, 30 August 1896 — Page 2
Verletzungen der Kinder. ' Unvorsichtigkeit und Muthwillen fügen den Kindern oft durch Fallen, Stoßen.Schneiden etc. äußerliche Verletzungen zu, und es bleibt bei gerin genGraden derselben meistens den Ellern überlassen, dieselben durch Hausznittel zu heilen. Es kommen aber auch Fäll? der Art vor, welche bedenklicher sind, als das Kind selbst ahnt und für eine weitere Aufmerksamkeit oder Anzeige nicht wichtig genug hält, oder welche es den Eltern oft verheimlicht, um einer gefürchteten Strafe zu entgehen. Durch diese Verheimlichung Don äußerlichen Verletzungen sind schon schlimme Folgen aus geringfügigen Ursachen entstanden, die erst dann bemerkt wurden, wenn die Zeichen eines fortgeschrittenen Uebels nicht mehr verborgen bleiben konnten. Es ist daher nothwendig, daß der kindliche Körper immer unter Eontrole der Eltern bleibt und bei jüngextn Kindern während des An- und Auskleidens täglich untersucht wird. Einfache und geringe Hautquetschungen. durch Fall oder Stoß erzeugt, bedürfen in der Regel keiner ärztlichen Hilfe, sondern es genügt, beim frischen Falle, um Schmerz. GeschwIst und Unterlaufung zu verhindern, oder doch sehr zu mäßigen, oft erneuerte LeinWandkompressen aufzulegen, die in kaltes Wasser getaucht sind; dasselbe geschieht bei einer blutenden, gerissenen oder mit Hautverlust verbundenen Wunde, bis dieBlutung aufgehört hat, wo sie dann gehörig abgetrocknet und mit Heftpflaster bedeckt wird, womit man die Wundränder zugleich in eine: vereinigten Lage zu erhalten sucht; kleine Schnittwunden läßt man ausbluten und zieht sie dann ebenfalls mit Heftpflaster zusammen. Ist aber eine größere, klaffende Wunde entstanden, so wende man kalte Wasserumschläge, und, wenn dieBlutung nicht bald auf-
oren will. Druck auf die Wunde an, is der Arzt kommt und die Wunde regelrecht verbindet, nöthigenfalls hef iet, oder deren anderweitigeBedeutung prüft. Kopfwunden durch Fall soll man nie so gering nehmen, wie an anderenKörpertheilen, man sehe darnach, ob unter der Quetschung oder VerWundung der Haut nicht eine tiefere Verletzung stattfinde, und man beobachte aufmerksam, rb das Kind auch nicht schläfrig, oder im Gesicht blaß, oder ob es gar übel werde und Brechneigung zu erkennen gebe, das sind bedenkliche Zeichen von möglicher GeHirnerschütterung eder Schädelverletzung. Bei jeder stärkeren Kopsverletzung mache man sofort kalte Umschlüge, bis der Arzt die weitere BeHandlung in die Hand nimmt. Es ist sehr wichtig, das nach jedem erheblicheren Falle des Kindes, mag es mit oder ohne Quetschung und Wunde geschehen sein, namentlich auch bei dem sogenannten Ueberschlagen, was Wärterinnen gern verheimlichen, das Kind nackt ausgezogen und an seinem Körper untersucht werde; war es auf den Rücken gefallen, so muß die geringste Formveränderung, jedes Schmerzgesühl bei Druck oder Bewegung im Gelenke, an denWirbeln, an irgend einem Knochen, hinreichender Grund werden, das Kind vom Arzt untersuchen zu lassen. Wenn Eltern aber, wie so oft bei solchen Gelegenheiten, abwarten, daß es von selbst wieder besser werden solle, oder Einreibungen gebrauchen, die gewöhnlich nichts nützen, aber nur schaden, so sind sie schon oft Schuld geworden, daß sich früher oder später eine Krankheit bis zur Verkrüppelung des Kindes daraus entwickelt. UeberHaupt mache man es sich zur Regel, bei einem Kinde nie eine schmerzhaste Stelle, die nicht in einer offenkundigen. kleinen Hautverletzung begründet liegt, ohne Arzt abzuwarten. GntcS Mittel. Ein jung verheiratbeter woblbabenIn Bürger hat seiner Frau, auf vieles Bitten, die Erlaubniß ertheilt, ihre in einer Nachbarstadt wohnende Mutter zu besuchen, jedoch scheint es derselben so gut zu gefallen, daß sie nach vier Wochen noch nicht zurückkommt. Der Mann verfällt auf folgende Idee: Er bestellt einen Photographen und setzt sich mit der sehr hübschen Köchin unter die Veranda seines Hauses zum Kaffee. Dieses Momentbild schickt er seiner Gattin mit freundliche Gruße zu. Am anderen Tage war sie schon zu Hause. Unverschämte Foppe rei. Du, der Plauschhuber ist ganz entrüstet über Dich, daß Du ihn vorige Woche auf der Eisenbahn so barsch angeschnauzt hast!- Was? Der Tropf?! Der soll mir noch einmal kommen mit seinen Schraubereien! Sieht, daß ich Frau und Schwiegermutter bei mir hab' und fragt mich, wo die Vergnügungsreise hingeht!" A b g e w u n k e n. Herr: Fiäulein, ich habe Ihr Herzchen gefunden und gebe es nur gegen einen entspre? chenden Finderlohn." Dam:: Iinderlohn? Zu was? Bei Ihnen ist ti ja gut aufgehoben." Herr: Ö nein! Fremdes Eigenthum muß zurückerstattti werden." ! n e s e , n e n a y t: A.: Od wohl die olympischen Götter auch na hen konnten?" B.: Gewiß! Wenn z. A. dem seligen Zeus ein Hemdenknops sehlte, nahm Frau Juno die Nadel der Kleopaira. dann den Ariadnefaden, machte einen gordischen Knoten und nähte drauf los.Das junge Deutschland. Die Schriftstellerin Federkiel schreibt ja jetzt auch realistisch." Bei emer Dame doch erklärlich, die zu den Jüngsten" gerechnet sein will." Begründet. Aeh, lieb Punnwitz, warum plötzlich Laufschritt?" .Haus von Schwiegerjauittx Passiren l
tzin verfciMs cßm. Teutsch-Amerikanische Skizze von W. vo f'- Schierbrand. Es war drückend heiß. Die schwüle Luft regte sich nicht. Am Himmel glühte es in jenem kupferfarbenen Roth, wie es einem schweren Ungewitter vorauszugehen pflegt. Selbst die Lögel des Waldes und der Wiese schwiegen, als ob sie den nahenden Sturm fürchteten. Nings umher tiefe, unheimliche Stille, und nur ab und zu das ganz ferne Rollen des Donnerö war vernehmbar, wenn sich an der düsteren Wolkenwand im Süden das Wetterleuchten zeigte. Auf den Feldein lag das Getreide im Garben am Boden, und das duftende Heu auf den Wiesen umher war schon zur Fahrt in die Scheuer gerüstet. Fernab, hinter einem manneshohen Gitter, lag das Herrenhaus von Ringheim, und im Grün des Parkes, der das weitläufige, altmodische Gebäude umgab, sah man die hellen Kleider der Kinde? und Frauen durchschimmern. Quer durch die flache Landschaft.durch die ein träges Flüßchen sich dahinschlängelte. führte ein Pfad, und auf diesem schritt ein Mann in den Bierzigern müde und langsam dahin. Sein Gesicht war gebräunt und seine Hände schwielig, aber er machte nicht den Eindruck eines Arbeiters, sondern den eines Herabgekommenen, der einst auf den Höhen des Lebens gestanden und dann herabgestiegen oder herabgefallen war. Sein Gang war schleppend und er stützte sich beim Gehen mühsam auf einen Knotenstock. Aber er war nicht nur körperlich erschöpft, sondern man sah ihm deutlich an, daß das ganze Dasein auf Erden keinen Reiz mehr für ihn habe. Er war ein tief Un glücklicher, ja mehr, ein Mensch, der die Hoffnung verloren. Er war auch sehr ärmlich gekleidet. Sein Rock war abgeschabt und bestäubt, und feine niedergetretenen Schuhe klafften; um den mageren Hals schlang sich ein rothes Halstuch. Als der Wanderer auf dem Steg angelangt war, der das Flüßchen überspannte, hielt er inne, nahm sein blaues Bündel vom Rücken und setzte sich auf den Prellstein. Dann blickte er lange in die Ferne. Sein Auge schweifte hin nach demHerrenhaus und als die schwere Abendluft ihm das fröhliche, silberne Lachen der spielenden Kinder und das muntere Kläffen eines Hündchens n's Ohr trug, da seufzte er tief auf. Ueber die durchfurchten, grambewölkten Züge, die von erloschenen Leidenschaften förmlich durchwühlt schienen, bahnten sich die Thränen leise einen Weg durch den Staub, der auf der Haut lagerte. Er wischte sich die Zähren ab mit dem Rücken der Hand und starrte dann düster in das murmelnde Wasser zu seinen Füßen. So saß er einige Zeit, unbeweglich, träumerisch, und nur ein Seufzer schwellte ab und zu seine Brust. Ein ungeschlachter Knecht in Holzschuhen und mit einem Rechen ging an ihm vorüber, der den Fremden mißtrauisch, feindselig ansah und ihn nicht grüßte. Der stille Mann merkte es nicht. Seine Gedanken waren weit, weit. Die Dämmerung schlich allmälig heran, und die Wolken thürmten sich in immer größeren Massen am Firmament auf, bleigrau, mit schwurzen Rändern. Und noch immer sann der Wanderer und sann. Seine Kindheit stieg herauf seine glückliche Kindheit, als er, ein fröhlicher, blondgelockter Knabe, dort in jenem schattigen Park spielte, sich hier auf diesen Wiesen und Feldern tummelte, im Flüßchen plätscherte und im großen, tiefen Dorfteich, der dort gleich hinter dem Park anfing und bis an die Mauern der grauen, moosbedeckten Kirche reichte, schwamm und tauchte nach Herzenslust. Ja. das waren glückliche Zeiten. damals lächelte ihm daö Glück und die Sonne strahlte hell und heiter. Wie genau er sich erinnern konnte auf Alles was wohl aus jenem langen, dürren Canbidaten wie hieß er nur noch gleich? Leberecht, ja richtig, Leberecht Fuchs aus Sachsen geworden war, der ihm und seinen jüngeren Bruder. Felix, damals im Schweiße seines hagerenAngesichts die Anfangsgründe das Latein und Griechischen beibrachte? War er verkommen wie er selbst? ... Und die Stirn des Traumenden umwölkte sich wieder. Sein jüngerer Bruder Feliz hieß er. der Glückliche. Ob er wohl glücklich geworden war? Welche Thorheit es eigentlich war, damals als er, der Aeltere, dem jüngeren Felix die Bahn frei ließ, sich seines Erbtheils, des prächtigen Majoratguts, begab und nackImerika auswanderte, nur weil ihn ein Mädchen verschmäht hatte! Welche Thorheit! Und doch, wer weiß! Manche Menschen haben nun einmal kein Talent zum Glücklichsein, und er selbst war wohl-ein solcher Mensch einer mit dem Cainszeichen des zum Unglück Geborenen auf der Stirn. Ja. so war's, und wenn er in Deutschland geblieben und Majoratsherr auf Ringheim geworden wäre, so wäre sein, Leben gerade so unglücklich geworden, nur äußerlich wären die Umstände andere gewesen. Das war der ganze Unterschied. Aber ach, diese langen, trüben, bitteren Jahre da drüben in Amerika ! Sie kamen ihm vor, da er jetzt darauf zurückblickte, wie eine ungeheure Sandwüste, mit kaum einigen winzigen Oasen in der ganzen Fläche. Niemand sollte von ihm hören, so wollte es sein eiserner Stolz, und Niemand hatte von ihm gehört in diesen langen 25 Jahren. Allein, ohne Hilfe, hatte er sein schweres, sein kummervolles Lo?s getragen, und kein Freund, kein lic-
bendeö Wt'xh hatte ih7.i die Bürde erleichtert. Wie verfehlt ?o'ch sein ganzes Leben war! - Nur Nieten hatte er gezogen. Und doch war auch er einst ein fröhlicher, lachender Knabe gewesen. dem die Worte Sorge und Un glück unbekannte und ungeahnte SB griffe waren. Aber in Amerika, wo die Lust rauher weht und wo sür grübelnde Sentimentalität kein Raum ist, da waren ihm. die letztenJllusionen geschwunden. Er entsann sich deutlich des Gefühls völliger Vereinsamung und der Herabwürdigung, als er in den Kohlen minen des westlichen Pennsylvanien, nachdem er vergeblich in den großen Städten der atlantischen Küste seinen Unterhalt zu verdienen versucht hatte, gearbeitet hatte wie ein 3c'egers!lave, er, der Jüngling aus vsrnehmemHause. Arbeit schändet nicht, hatte man ihm gesagt in Amerika. Nein, gewist nicht, das thut sie auch nicht, die Arbeit nicht. Aber die Gemeinschaft mit diesen rohen, harten, thierischen Gesellen aus allen Winkeln der Erde. Slovaken, Walliser, Polen, Jrländern, nur wenigen Söhnen seines eigenen Heimathslandes das entwürdigt und' bringt den Menschen herab auf ein Niveau, wo man die Gebote der Sittlichkeit und des Anstanes wohl oder übel schließlich vergißt. Und viel besser war es ihm auch später nicht ergangen, wiewohl er sich den Wind aus allen Theilen des unermeßlichen Landes hatte um die Nase wehen lassen in den Prairiestaaten des Nordens. Ueberall war's ihm nicht geglückt. Wie sollte es auch! Nützliches, für Amerika Nützliches, hatte er nicht gelernt in der Jugend, und selbst seine Kenntnisse vom väterlichen fyuit her fruchteten hier nichts Boden, Bewohner. Verhältnisse. Bearbeitung waren grundverschiedene. Tagelöhner. Bergmann, Farmknccht das war so der Kreis gewesen, in dem sich die 25 Jahre seines Aufenthalts in der mächtigen Republik jenseits des Meeres bewegt hatten. Mühevolles Leben, karges Leben. Und dazu, sein verhängnißvoller Trotz, der ihm die Rückkehr nach der Heimath verbot! Wohl hörte er durch einen Dritten einmal zufällig in San Francisco vom Tode seines Vaters und daß es jetzt nur von ihm selbst abhänge, zurückzukehren, den Bruder aus dem Hause zu drängen und Besitz zu ergreifen von dem blühenden Erbe. Aber nein er wollte so nicht wiederkehren, mit dem Bewußtsein, nichts vollbrao?!, nichts geleistet zu haben, der schmählich Geschlagene zu sein. Da zog er'ö vor, als ein Verschollener im Gedächtniß derjenigen weiter zu leben, die ihn nur als hochfahrenden, eigenwilligen Knaben und Jüngling gekannt. Lieber verschollen. Und nun war er doch hier, zurück in der Heimath ein Bettler, ein Lump. Schwer rang sich der Athem aus seiner Brust. Wat deiht ju he?" Eine rauHe Stimme drang an das Ohr des Wanderers. Vor ihm stand der Oberinspector des Majoratguts seines Gutes, wenn er wollte und blickte ihn forschend, durchdringend an. Der stämmioe, hünenhafte Mann schwipste mit derPeitsche in der Lust, um die Antwort zu.beschleunigen. Das Plattdeutsch kam dem Wänderer etwas schwer an. aber er antwortete doch in derselben Mundart wie der Fragende, und das besänftigte den Letzteren. Ja, er ließ sich sogar herbei, etwas zu erzählen über die gestrenge Herrschaft". Ja, sagte er, der gnädige Herr und die gnädige Frau führten eine sehr glückliche Ehe. und die sechs Kinder seien alle gesund, bildhübsch und wächsen heran zur Freude ihrer Eltern. Das Gut gedeihe prächtig. Nächste Johanni sollten noch 90 Morgen vom Gehöft des ollen Snut", der sich im Bramwinzu Tode gesoffen, hinzukommen, und die Ernte Heuer falle ungewöhnlich günstig aus. Ob da nicht ein älterer Bruder da sei, der eiaentlich das Gut hätte erben sollen? Verdutzt schaute der Mann den Wanderer an. Allerdings, meinte er, sei ein älterer Bruder dagewesen, der sei aber schon seit vielen Jahren todt das habe einst in der Zeitung gestanden. Uebrigens, fügte der Mann hinzu, sei das besser so wie es sei, denn der jetzige Herr lebe sehr glücklich mit seiner Frau.und letztere sei bannig gaud" zu den Armen und dem Gesinde. Der ältere Bruder, Detlev babe er ja wohl geheißen, habe sein Glück selbst thöricht mit Füßen getreten und sei in die weite Welt hinaus. ein Heimathloser, bloß weil seine Base, die schöneGesina. zufälligerweise den jüngeren Bruder lieber habe heiratben wollen als den älteren, was doch für einen vernünftigen .Menschen kein Grund zum Auswandern sei. Und so plauderte er nocö ein wenig mehr in seinem harten Platt, bis ein mächtiger. zackiger Blitzstrahl in der Nähe umherfuhr, dieScene ringsumher momentan erleuchtend, und dann prasselte der Neaen in Strömen herab. Der große Inspektor bot dem Wanderer ein Obdach für die Nacht an, wenn er sich, wie er annehme, utwiscn" könne, aber das Anerbieten wurde abgeschlagen, und mit großen Schritten entfernte sich der Mann. Der Wanderer setzte sich nieder aus den Prellstein und blickte in's rauschenke Flüßchen hinab, das Zusehens anschwoll bei dem Regenguß. Der Sturm heulte und psiff und die Blitze zuckten am Himmel wie feurige Schlangen. Aber noch immer saß der Wanderer da unbeweglich. ES war beinahe völlige Dunkelheit eingetreten. Nutzlos! Ein nutzloses Leben!" murmelte er vor sich hin.
Da stieß ihn ein Fuß, und aufblkckend sah er einen schlanken, hoh:n Mann vor sich. Kerzcngrade erhob sich da der Panbtrtx und blickte dem Andern in' Au ge. Er sah ein Antlitz vor sich, in dem Güte. Pflichttreue. Energie in schöner Harmonie sich ausprägte. Es war sein Bruder Felix, der Glückliche. Aber nur der Eine erkannte den Anderen. Die Züge des Aeltestn waren von Nsth. Wetter, Gram und bitterer Neue so von ihrem Original abgeändert worden, daß sie nicht wieder zu erkennen waren. Und so standen die Beiden einen Augenblick und maßen sich. Dann sagte der Aeltere mit dumpfer, wankender Stimme: Ich habe Nachricht von Ihrem Bruder!" Von meinem Bruder?" Und die Züge verfärbten sich. Ich glaubte, er sei längst aestorben da drüben in Amerika. War ich falsch berichtet ?" Nein, Ihr Bruder i st todt", sagte der Wanderer. Er starb wie er gelebt unglücklich." Armer Bruder! Armer Detlev!" murmelte der Jüngers und man sah ihm an.daß er aufrichtig trauerte. Es war sein Verhängniß." Er trug mir auf, Sie aufzusuchen und seine letzten Grüße zu überbringen." Der Jüngere drückte dem Boten bewegt die Hand. Dann frug er: Und kann ichJhnen selbst irgendwie nützen? Sie wan ein Freund meine.? armen Bruders, nicht wahr? Bedürfen Sie Beistand, er soll Ihnen gern und reichlich gewährt sein." Dem Aelteren durchlief ein Schütteln den Körper, aber er sagte dumpf: Nein, danke, ich bedarf nichts mehr." Und er wandte sich und ging schnell über den Steg, mitten durch ttc breite Wiese, nach der Kirche zu, wie Jemand, der genau den Weg kennt. Der Regen rauschte. Die Gewi!terwolken lagen schwer über dem ganzen Horizont und derBlitz fuhr hernieder.von polterndem.schwerenDonnerbegleitet. Die Dorsstraße war Im. Der Fremde bog um die Kirche ud lief auf den Teich zu. Am nächsten Morgen fand man da rin seine Leiche. Er hatte endlich Ruhe und Vergessen gefunden.
Aic Wcksamc Schwiegcrmittler. Von Hermann Heinrich. Der junge Arzt Dr. Parlow gehörte nicht zu denjenigen Menschen, die von der Natur die beneidenswerthe Fähigkeit erhalten haben, sich zur Geltung zu bringen. Fast ein halbe Jahr schon saß er in der Kreisstadt Holstendorf in der Mark und noch immer war seine ärztliche Praxis gleich Null. Zu stolz, um die Gunst des Publikums zu werben, übte er in allen Dingen eine vornehme Zurückhaltung. die aber von der Holstendorfer Gesellschaft als Bescheidenheit, wenn nicht gar als Schüchternheit aufgefaßt wurde, und beide Eigenschaften sind schlechte Empfehlungen für einen jungen Anfänger. Da er außerdem die Unvorsichtigkeit begangen hatte, sich zu verheirathen. ehe er das Pflaster von Holstendorf betrat, so wurde ihm naturgemäß auch das Interesse dersagt, das fürsorgliche Mütter an jungen Leuten zu nehmen pflegen. Er hatte so gar nichts Jmponirendes in seinem Wesen. Sein bescheidenes Auftreten, sein blutjunges, bescheidenes Frauchen, sein bescheidener Haushalt, ja selbst sein bescheidener Name, das alles wurde nach und nach Gegenstand eines gewissen Mitleids. In Holstendorf waren diePumpschulzens und die Schottmüllers die tonangebenden Familien und bei diesen war es ausgemacht, daß Dr. Parlow ein herzlich unbedeutender Mensch" und seineFrau ein ganzes großes Gänschen" sei, wenn man sie schließlich auch als ein recht niedlichesPaar" gelten ließ. Dr. Parlow sah ein, daß seine Existenz in Holstendorf in Frage stand, denn nichts ist für einen jungen Anfänger verhängnißvoller, als über denAnfang nicht hinauszukommen und ewig ein junger Anfänger zu bleiben. So geht es nicht länger," sagte er eines Tages nachdenklich zu seiner Frau. Entweder muß ich mich mit einem entscheidenden Schlag zur Geltung bringen, oder ich muß dieses Nest verlassen." Möchtest Du nicht noch einmal dem Fabrikanten Schottmüller einen Besuch machen?" fragte Elisabeth besorgt. Der genannte Schottmüller war ein reicher Wittwer, der es nach glücklicher Versorgung seiner Töchter liebte, alten und jungen Damen gegenüber den liebenswürdigenSchwereNöther zu spielen und als der Vorsitzende der Ressource, der vornehmsten es-nschaftlichen Vereinigung Holstendorfs, einen maßgebenden Einfluß! ausuvte. j Wilhelm schüttelte entschieden den Kopf. Mit Complimenten erreicht man von diesen Leuten gar nichts. Wenn man ihnen nicht imponiren kann " Ich wünschte ihm eine schwere Krankheit, die kein Arzt heilen kann." rief Elisabeth. Aber Kind!" Und die Du dayn natürlich heilen müßtest. Dann warst Du auf einmal durch." Wilhelm lächelte trübe. Das hast Du wohl einmal in einem Roman gelesen. In der Wirklichkeit geht es anders zu. Ich sage Dir. Schottmüller würde eher sterben, als daß ihm der Gedanke käme, mich an sein Krankenbett rufen zu lassen." . kllsadtty versank, in düsteres
Schweigen. 759 we?J leinen Nach," sagte sie endlich. Aber ich möchte an Mama schreiben. Bis jetzt haben wir ihr unsern traurigen Zustand verschwiegen. Aber was hilft's! Einmal muß sie es ja doch erfahren." Sie ist eine kluge Frcu." bestätigte Wilhelm. Elisabeth schrieb und die umgehend eintreffende Antwort lautete: Ich komme!" Un Frau Bornemann kam. Sie war eine schöne, imposante Erscheinung. Zur Höhe ihrer Gestalt stand die Fülle ihrer Glieder in schönemVerhältniß. Die großen Augen hatten einen eigenthümlichen Glanz und daS leicht ergraute Haar hatte trotz der fünfzig Jahre an Fülle nichts verloren. Vornehmheit und Güte schienen von ihr auszustrahlen. Ihr lebhaftes Mienenspiel zeigte bald den Ausdruck liebenswürdiger Verbindlichkeit, bald jenen beherrschenden Blick, den nur geistige Ueberlegenheit zu geben vermag. Donnerwetter!" sagten die Nachbarn. die sie zufällig gesehen hatten, eine solche Schwiegermutter hätten wir dem Doktor garnicht zugetraut." Bei ihrem Anblick schöpften die jungen Leute neuen Muth. Man brauchte sie nur zu sehen und ihre Stimme zu hören und unter dem Blick ihrer Augen zu stehen, um die Gewißheit einer fröhlichenZukunft zu empfangen. Sie ließ sich von ihren Kindern eine eingehende Schilderung der städtischen Verhältnisse geben und hatte sodann bald ihren Feldzugsplan gemacht. Schottmüller wohnte in einer reizenden, reich ausgestatteten Villa, die sich außerhalb der Stadt unmittelbar neben der Fabrik in einem kleinen entzückenden Garten befand. Er war gerade dabei, den Springbrunnen in Thätigkeit zu setzen, als ein Wagen vorfuhr, dem der Doktor nebst Frau und Schwiegermutter entstieg. Schnell löste Schottmüller den Hahn aus, daß der Brunnen hoch emporsprudelte und den marmormen Engel in der Mitte in ein zartes Netz von Wasserstrahlen hüllte; dann ging er artig dem Besuch entgegen. Die Vorstellung erfolgte. Mit Kennerblick ließ Schottmüller sein Auge über Frau Bornemann gleiten, die in dem kostbaren Seidenkleide mit der Diamantbrosche am vollen und doch zierlichenHalse vornehm wie eine Fürstin aussah. Dann reichte er ihr mit einer tiefen Verbeugung den Arm und führte sie in den Salon der Villa. Zu ihnen gesellte sich Fräulein Plumpschulze, eine ältere Verwandte Schottmüllers, die seit dem Tode der Hausfrau dem Hauswesen vorstand und in steter Eifersucht dieSchritte des HausHerrn bewachte. In ihrer unscheinbaren Nähe erschien Frau Bomemann doppelt bedeutend. ' Sie wollen gewiß sehen. FrauBornemann, wie es dem jungen Paare geht," so begann Herr Schottmüller die Un:rhaltung. ' Dieses weniger, Herr Schottmüller," entgegnete Frau Bornemann mit einem scherzhaften Anfluge. Ich wollte mir den Ausreißer nur zurückholen. Ja, denken Sie! Er hat es ja gar nicht öthig, zu practiziren. Er sollte die Universitätscarriere einschlagen. Kein Opfer wäre mir für dieses Ziel zu groß und Professor v. Schleiderer, der berühmte Physiologe, dessen Assistenzarzt er lange Zeit war, hat ihm das günstigste Prognostikon gestellt. Er aber besteht darauf, erst als praktischer Arzt seine Tüchtigkeit zu erproben." Herr Schottmüller betrachtete den jungen Arzt mit verwunderten Blicken. Wie, Herr Doktor? Sie haben eine solche Vergangenheit und dies erfährt man jetzt erst?" Er legt auf solche Nebensächlichleiten keinenWerth," entgegnete schnell die Mutter. Ja, sehen Sie, es hat eine kleine Verstimmung zwischen uns gegeben. So oft ich ihn auch zurückrief, er wollte Holstendorf nicht verlassen. Freilich gestehe ich offen, nachdem ich diese reizende Stadt kennen gelernt habe, kann ich seine Hartköpfigkeit verstehen, wenn auch noch nicht verzeihen." Ihr verbindlichstes Lächeln beglcitcte diese Worte. Schottmüller fühlte sich in seinem Lokalpatriotismus tief geschmeichelt. Bleiben Sie längere Zeit bei uns, verehrte Frau, und Sie werden es ihm hoffentlich auch noch verzeihen." Frau Bornemann verneigte sich dankend. Die Liebenswürdigkeit der Bewohner ist gewiß nicht daran schuld, wenn ich einer so freundlichen Einladung nicht nachkommen kann. Ich bin sozusagen auf der Durchreise. Schon in der nächsten Woche muß ich in Hohenwaldau sein." Ach das reizende Hohenwaldau!" rief Schottmüller entzückt. Und Sie haben Verwandte dort?" DcrRittergutsbesitzer ist mein Vetter." Ach! Baron Senden, wenn ich nicht irre?" Derselbe. Es ist aber nicht blos die äußere Verwandtschaft, noch viel mehr ist es die innere Harmonie der Seelen, was uns zueinander zieht. Und dann liebt es mein Vetter, auch in wirthschaftlichcn Dingen den Rath so einer alten 'Gutsbesitzersfrau, wie ich -bin, zu hören. Sie sehen. Her? Schottmüller. ich bin unersetzlich," fügte sie schalkhaft hinzu. Schottmüller war elektrisirt. Sie wollen also wirklich bald wieder fort, gnädige Frau? Auch dann, wenn ich Ihnen sage, daß die Ressource in der nächsten Woche ihr großes Herbstfest hat und daß Sie uns allen ein sehr lieber Gast sein würden?" Frau Bornemann bedauerte aufrichtig, abr sie konnte die einmal feststehenden Reisedispositionen nicht ändern. Noch längere Zeit wurde die
Unterhaltung in der angeregtesien Weise fortgeführt, und als sich dann der Besuch verabschiedete, ließ es sich Herr Schottmüller nicht nehmen, die Dame zum Wagen zu geleiten. Auf Wiedersehen, meine gnädigste Frau," sagte er, indem er verbindlich ihre Hand an seine Lippen führte. Erhaben und gütig wie eine Göttin grüßte sie noch einmal zum Wagenfenster hinaus und mit einer Auffrischung im Herzen, wie er sie selten empfunden hatte, ging er in seine Villa zurück. Das gab ein Aufsehen in Holstendorf! Fast mit der Schnelligkeit eines elektrischen Funkens machte das, was Schottmüller erfahren hatte, die Runde durch die ganze Stadt. Dr. Parlow. Assistenzarzt des berühmten Physiologen Professor v. Schleiderer, Universitätscarriere, kein Opfer wäre ihr zu groß gewesen, das Geld dazu mußte also da sein, Vetter Rittergutsbesitzer Baron Senden, alte Gutsbesitzersfrau! So hatten sich also die Plumpschulzens und die Schottmüllers schwer geirrt. Dr. Parlow war gar kein so unbedeutender Mensch. Jetzt entsann man sich auch, daß sein Name mit demjenigen des berühmten Physiologen gelegentlich der Operation beim Fürsien Rodanski in den Zeitungen genannt war. Der Schwede! Sich so zu verstellen. Und seine Vorliebe für Holstendorf war doch eigentlich rührend, wie seine Beharrlichkeit selbst einer solchen Schwiegermutter gegenüber auf edle Männlichkeit deutete. Wer noch etwa zweifelte, und Zweifler gab es ja überall, besonders bei den Damen der wurde vollständig überzeugt, als Frau Bornemann in den nächsten Tagen noch weitere Besuche machte und mit ihrer Liebenswürdigkeit und geistigen Ueberlegenheit die Plumpschulzens und Schottmüllers umstrickte. Der erste Eindruck, den Frau Bornemann gemacht hatte, vertiefte sich mehr und mehr, und bald stand es wie ein Axiom fest, daß die Gesellschaft von Holstendorf dem Dr. Parlow und seiner Frau nicht länger die ihnen zukommende Berücksichtigung versagen dürfe. Eines Tages fuhr Schottmüllers Equipage bei Parlows vor. Der Fabrikant, zwei reizende Rosenbouquets in der Hand, stieg die Treppe hinauf und wurde oben aufs Liebenswürdigsie empfangen. Es dauerte etwas lange, ehe er wieder herabkam; er hatte in dem geistreichen Gespräch mit Frau Bornemann die gesellschaftsmäßige Besuchszeit ganz vergessen, aber er erschien nun auch mit der hocherfreulichen Zusage, daß die Dame der Ressource zu Liebe ihren Besuch beim Baron Senden aufschieben und an dem großen Herbstfest theilnehmen wolle. Dieses Fest bildete einen hervorragenden Markstein in der Localgeschichte Holstendorfs. Der wundervolle Herbswachmittag hatte die Gesellschaft zunächst in dem prächtigen Garten des Parkhotels vereinigt. Damen und Herren sahen mit Spannung dem Erscheinen der Familie Parlow entgegen, die nach Art großer Herrschasten etwas auf sich warten ließ. Als sie am Eingange sichtbar wurden, ging ihnen Schottmüller schnell entgegen und führte sie zum Vorstandstisch, während sich die Augen im weiten Umkreis mit Gläsern bewaffneten. Man hatte sich nach dem Rufe Frau Bornemanns viel von ihr versprochen, aber alle ErWartungen wurden übertroffen. Sie erschien in einem dunkelblauen Sammetkleide mit Schleppe, das ihrer imposanten Gestalt vorzüglich stand. Jeden Schmuck hatte sie vermieden, aber die Knöpfe an dem einfachen und so schönen Kleide waren Diamanten. Einige Zeit stutzte die Gesellschaft; dann aber, als sie an der Echtheit der blitzenden Steine nicht mehr zweifeln konnte, ging ein Rauschen der Verwunderung durch den Garten. Die verstand es! Die hatte Geschmack und
ihr Vermögen mußte unermeßlich sein. Wie reich und doch rote einfach! Alle die schönen, mühsamen Damentoiletten umher wurden durch dasSammetkleid mit den Diamantknöpfen in den Schatten gestellt. Bei Anbruch der Dunkelheit ging es hinauf in den hellerleuchteten Saal. Schottmüller führte mit Frau Bornemann die Polonaise a. Es war ein stattliches Paar, beide groß und schön, beide voll Grazie in den Bewegungen, voll Liebenswürdigkeit und Güte, beide Kinder des Reichthums und des Glücks. Freilich, mit Frau Bornemann kennte es auch Herr Schottmüller nicht ganz aufnehmen, sie überstrahlte auch ihn. Aber das that seiner Bedeutung keinen Eintrag, ihr Triumph war sein Triumph. Während Frau Bornemann unter den Damen die Königin spielte, wurden der junge Doktor und seine Frau in jeder Weise ausgezeichnet. D Ausreißer!" Dieses Wort der Schwiegermutter war förmlich zum Ehrentitel für ihn geworden. Bei der Tafel mußte er seiner Umgebung von seinem Verkehr mit dem berührn ten Physiologen Professor v. Schleiderer erzählen und er that es mit Geist und Witz, so daß sich die Spannung, die seine Mittheilungen erregten, oft in Helles , Gelächter auslöste. Als die Champagncrpfropfen knallten, kam plötzlich Schottmüller in höchster Begeisterung auf den jungen Doktor zu, schloß ihn in seine Arme und flüsterte: Sie haben eine göttliche Schwiegermutier!" Justizrath Reichelt aber der den Präsidenten der Ressource schon längst mit scharfem Auge beobachtet hatte, bemerkte mit gewohntem Scharfsinn: Morgen gibt es entweder eine Verlobung oder es gibt ein Unglück." Am nächsten Tage, als noch ganz Holstendorf voll war von den EreigNissen des Herbstftes. fuhr wieder die Equipage SchottQiüllers cn Hause
deS Doktors vor und wieder stieg Schottmüller mit ZweiRosenbouquettS die Treppe hinauf. Die Aufregung in der Einwohnerschaft war groß un noch größer die Bestürzung bei den Plumpschulzens und den Schottmüllers. Und als der Präsident der Ressource gar am Nachmittag Frau Bornemann und das junge Paar zu keiner Spazierfahrt abholte, da wurde die Verlobung zur Gewißheit. Die Familien Plumpschulze und Schottmüller kamen schnell zu einem Familienrath zusammen und am nächstenMorgen schon erschien Fräulein Plump schulze, die Wirthschaften der Fabrikanten, als Deputirte der genannten Familien bei Frau Bornemann, um die Dame zu warnen und sie auf dil zahlreichen Mängel des reichen Wittwers aufmerksam zu machen. Nach einer halben Stunde verließ sie das Haus des Doktors mit sehr zufriedenem Gesicht, und kaum war sie verfchwunden, als auch schon der Wagen Schottmüllers vorfuhr. Frau Bornemann ging ihm mit strahlendem Gesicht entgegen. Denken Sie, lieber Freund," sagte sie voll Laune und Schalkhaftigkeit, welche Absicht die böse Welt uns beiden nachsagt! Wir wollen uns verloben. Sie kann sich ein rein freundschaftliches Verhältniß nicht denken und ignorirt dabei ganz, daß sich eine verheirathete Frau doch nicht mehr verloben darf." Verheirathete Frau?" rief Schottmüller erschrocken. Man hat Sie allgemein für eine Wittwe gehalten." Frau Bornemann lachte und dieses Lachen klang so silberhell und einschmeichelnd, daß dem Fabrikanten wieder warm ums Herz wurde und sein Gesicht den Ausdruck ruhiger Heiterkeit annahm. Zuletzt stimmte er in das heitereGelächter ein und in diesem Lachduett wurde ein Freundschaftsbund besiegelt, der fürs Leben dauerte und in der Folge auch dem jungen Doktor zu Gute kam. Die Reisekosser standen bereit; der Wagen, welcher Frau Bornemann nach dem Bahnhof bringen sollte, hielt auf der Straße Da erschien ein eiliger Bote. Der Herr Doktor möchte so gut sein und schnell zum Herrn Bürgermeister kommen das Kind sei bedenklich erkrankt. Hurrah. der erste Patient!" rief Wilhelm. Er umarmte seine Schwiegermutter und eilte hinweg. Frau Bornemann saß bereits im Wagen zweiter Klasse, als Hr. Schottmüller in seiner Equipage heranjagte. Mit einem Bouquet, schöner als die früheren, eilte er zum Wagen und überreichte es dem theuren Gast" mit einer graziösen Verbeugung. Sie reichte ihm die Hand, die er galant an seine Lippen drückte. Das zahlreich versammelte Publikum sah dem Schauspiele mit Behagen zu und als Fran Bornemann aus dem abgehenden Zuge ihr Taschentuch wehen ließ, da wurden auf dem Bahnsteige alle Taschentücher flott, die sich noch halbwegs sehen lassen konnten, und das Winken und Grüßen wollte kein Ende, nehmen. Die Einwohnerschaft Holstendorfs denkt gern an jenes Herbstfest in der Ressource zurück und mit Stolz weist sie bei Gelegenheit darauf hin, daß der berühmte Professor Dr.Parlow in der Hauptstadt, der Nachfolger Schleiderers. feine Laufbahn in Holstendorf begonnen und zu den gesuchtestenAerz-. ten der Stadt gehört habe.
Splitter. ; Wem die Natur als Tugend gab Bescheidenheit, der leg' sie ab, Weil sie die unbescheiden? Welt Für weitev nichts als Dummheithält. AucheinGrund. Lieber Freund, ich mußDir sagen, DeineEousine ist ein entzückendes Mädchen! Die möchte ich zur Frau haben!" Um Gottes willen nicht!"" Warum denn nicht?" Sie kann nichtElavier spielen."" Nun. ist das denn ein Unglück?" Erlaube, lieber freund, sie kann nicht Elavier spielen, spielt aber doch."" ' Ein Dickschädel. Wo rennst denn hin, Michel?" Zum Thierarzt der Schimmel hat ausg'baut und hat den Großknecht an den Kopf getroffen!"" Und da gehst Du zum Thierarzt?" Freilich denn der Schimmel ist lahm!" Hartgesotten. Richter: Sie geben also zu, Ihren Wohlthäter bestohlen zu haben. Schämen Sie sich nicht, einen Mann, der sich so warm Ihrer angenommen, der Angeklagter: I bitt'. Herr Richter, werden'ö net sentimentalisch! Mißverstanden. Herr (aif einer Soiree zu einer Dame): Mein Freund Müller ist erst vor Kurzem von einer dreijährigen Forschungsreise auS dem dunklen Erdtheile zurückgekehrt." Dame: Wie bedauere ich doch Jbren Freund, daß er hat müssen entbehren so lange das Licht der Sonne." Moderne Liebeöqua len. Also Dich foltert schrecklich die Ungewißheit, ob Du glücklich oder unglücklich liebst? Allerdings . . . es 'ist ja absolut nichts über ihre Mit gift zu erfahren! Das furchtbare E ii 0. Warum fiel denn vorhin de? Äeaetarianer Rübling, unser Reisezenosse in Ohnmacht?" S' ha Jemand bei der Echowand Hanswurst" oerufen und da tönte es vierz-hnmal Äurst" zurück!" H a r t n a ck i g. Advocat: Es thut mir leid, daß Sie auch diesenProceß verlieren mußten." Bauer: Na mit der Zeit, denk' i halt, werden wiv do no einen gewinnen." ' Oho! Erste Köchin: Warum hast Du denn Deinen 'renad'er abgeschasst und jetzt einen Dragoner?" Zweite Köchin: Ach. weißt D. dtfe: Leibgericht gelang mir i! '-' j -
