Indiana Tribüne, Volume 19, Number 338, Indianapolis, Marion County, 23 August 1896 — Page 6

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Don Alice Freiin von Gaudy. An wundervollem Sommertag Durchzogen wir ein Alpenthal, Auf schneebedeckten Firnen lag Der Morgensonne goldnn Strahl. Viwgs Tannenwald und Mattengrün, Durchwogt von raschem Bacheslauf; Rings Licht und Farben. Duft und Blüh'n: Weit thaten sich die Herzen auf. Und jubelnd hallte unser Sang, Der Schönheit dieser Welt geweiht: Ein Psalmenlied, ein Hymnendank Dem Schöpfer der Vollkommenheit. Da schreckte uns ein Klagelaut, Der Schweigen unsrer Lust gebot: Ihr, die ihr noch die Sonne schaut, Helft lindert einer Blinden Noth!" Und angesichts der Glctscherpracht Saß. tief gebeugt durch sein Geschick, Ein junges Weib in ewiger Nacht, Heiß flehend aus erlosch'nem Blick. Scheu tastete die blasse Hand Und nährn der Wand'rer Spenden ein O, welch' ein Loos. in diesem Land Gewaltiger Schönheit blind zu sein! Wie zogen wir so still dahin Und keiner sang und keiner sprach Ein jeder hing mit trübem Sinn Des Lebens Widersprüchen nach: Hier frohe Brust, don Licht erfüllt, .Hier Schöpfungszauber groß und hehr Und dort, in Dunkel eingehüllt. Ein Herz von allem Jammer schwer. Da? Färben der Haarr. Die Anwendung von Haarfäröemitteln war schon se''t dem Alterthum Sitte. Wie spottet nicht Martial schon in seinen Epigrammen beißend darüber, und wie nach ihm alle Epzrammatiker bis hinein in unsere Tage. Aber nicht nur den Spott sollte diese Unsitte entfesseln, sondern vielmehr unser Mitleid, da die Bestandtheile der Haarfärbemittel meist giftig, also gesundheitsschädlich sind. Hier einen Fall, in welchem eine Frau, um ihr Haar dunkel zu färben, dasselbe alle vierzehn Tage mit einer Höllenstein enthaltenden Pomade eingerieben hatte. Durch den Gebrauch dieses Haarfärbemittels traten aber Athemnoth, Herzklopfen, Bauchwassersucht und Wassersucht der unteren Gliedmaßen ein. Ein Theil der Haarfärbemittel enthält aber auch Blei., das durch die Haut aufgenommen wird und sehr nachtheilig wirkt; es können Hirnaffectionen, Gedächtnißfchwäche, im günstigsten Falle aber heftiges Kopfweh und Kolik eintreten. Auch Höllenstein enthalten diese verwerflichen Mittel grögtentheils und tritt durch Anwendung derselben bei manchen Menschen schieferblaue Umsäumung der Zähne und hartnäckige Verstopfung ein. Ebenfalls sind Augenleiden die Folgen vom Färben. Selbst die sogenannten unschädlichen Haarfärbemittel sind nicht gefahrlos, und sollten alle vernünftig denkenden Menschen dieses Verschönerungsmittel" verwerfen. Zu beachten ist ferner, das; die Färbungen, wenn einmal begonnen, fortgesetzt und regelmäßig wiederholt werden müssen, weil das Haar stets nachwächst und infolge dessen gesprenkelt erscheinen und in den sonderbarsten Farben schillern wurde. Man überlegen es daher reiflichst, ehe man sich diese Last aufbürdet. umsomehr. als das Färben selbst nicht so leicht ist und der gewünschte Erfolg erst nach vieler Mühe und Uebung erreicht wird und selbst dann noch den gehegten Erwartungen nicht immer ganz entspricht. Und weshalb auch färben? Wie gut kleidet immer, ohne Ausnahme, graues Haar, je heller. desto schöner. Wie gut sieht z. B. eine Dame mit grauen, nett frisirtcn Haaren, frischem Teint und dunklen, lebhaften Augen aus. Aber uch Damen mit blauen und grauen Augen, sowie Matronen kleidet ihr graues Haar viel besser, als gefärbtes. Dasselbe gilt bei den Herren! Möcbte doch Jeder, der die Seinen wirklich liebt, dieselben von der Gefährlichkeit ihres Thuns überzeugen. Die Ncdc der Ermordeten. Gelegentlich der Ankündigung der Wiederaufführung des Dramas Antony" von Alexandre Dumas Vater im Tli&iiiv de la I&piibliquc zu Paris wird an folgende amüsante Anekdote erinnert: Gegen 1833 hatte ein Schauspieler des Palais Noyal-Thea-ters für seine Venefizvorstellung den berühmten Schauspieler Bocage und seine nicht minder berühmte Eollegin Frl. Doral für dieAufführung des letzienActes von Antont" gewonnen. Bei der bekannten Scene, in der Antony AdMe d'Hervey todte!, senkte sich der Vorhang so schnell, daß Bocage-An-tony die zum geflügelten Wort gewordenc Phras?: Sie widerstand mir, ich habe sie getödtet," icht in den Saal schleudern konnte. Da Bocage trotz aller Vorstellungen sich nicht dazu bewegen ließ, die Scene nach WiedererHebung des Vorhanges zu vervollständigen, so trat Frl. Doral (Adle d'Hervey) kurz entschlossen vor und rief unter schallendem Gelächter des Publikums: Ich widerstand ihm und er hat mich ermordet.-

Aus dem Regen in die Traufe. Pfarrer: Na, wie geht'Z denn Eurem Mann? Bäuerin: Sehr schlecht. Hochwürden, er hat's Trinken skin lassen. Pfarrer: Nun. das ist ja gut. Das Trinken hätt' er schon lange aufgeben sollen. Bäuerin: Schon rrcht. Hochwürden; er hat aber's Saufci ergfanon! .

Aic cgyptische Annce. Angesichts der in Egypten im Gange befindlichen Operationen gegen die Derwische dürften einige Mittheilungen über die cgyptische Armee von allgemeinen Interesse sein. Die Neubildung des Heeres erfolgte im Jahre 1883 und damals wurden zunächst nur 2 Brigaden, jede zu 4 Bataillonen. No. 1 bis 8. zu 4 Compagnien und 1 Depotbataillon aufgestellt, von denen die 1. Brigade einen englischen Officier als Commandeur, außerdem jedes ihrer Bataillone 3 solche Offieiere zugetheilt erhielt, wogegen die 2. Brigade von einem egyptischen Pascha formirt und ausschließlich mit egyptischen Officieren besetzt wurde. Daneben wurde 1 Cavallerie- und 1 Artillerieregiment, zunächst zu 2 Schwadronen, bezw. 4 Batterien aufgestellt, später auf 8 Schwadronen, bezw. 7 Batterien (1 reitende. 2 Ge-birgs-und 4 Garnisonsbatterien)

Officiere u. Sergeant der egypt. Armee. vermehrt, deren Regiments-, Schwa-drons-und Batterie-Commandeure Engländer waren. Gleiche Verhältnisse bestanden bei dem dem Cavalle-rie-Regiment attachirten Kameelcorps, dem später ebenfalls noch ein zweites und drittes gleiches Corps zu 4 egyptischen und 2 sudanesischen Compagnien hinzugefügt wurde. An Mannschaften zählte jedes Bataillon beider Brigaden 668, das Cavallerie-Regi-ment 773. jedes Kameelcorps 152. die reitende 137. die mit Kameelen und Maulthieren ausgestatteten Gebirgsbatterien je 113, jede Garnisonbatterie 166 Mann. Das Cavallerie-Regiment war zunächst als Dragoner-Regiment errichtet. aus taktischen Rücksichten aber später in ein Regiment Lancers. dessen erstes Glied Bambuslanzen, dessen zweites Carabiner führt, umgewandelt worden. Das Kameelcorps war wie die berittene Infanterie bewaffnet und ausgerüstet, aus ausgesucht guten Reguläre Cavallerie. Leuten formirt und mit Dromedaren, besonders leicht gezüchteten Kameelen, von außerordentlicher Leistungsfähigkeit. beritten gemacht. Letztere befähigt sie. trotz Belastung durch den Reiter mit Waffen und Munition, einen mehrtägigen Bedarf an Wasser und Proviant mitzuführen und in bequemem Trabe, den das Dromedar 4 bis 5 Tage lang täglich 8 Stunden fortzusetzen vermag, in jeder Stunde ca. 10 englische Meilen zurückzulegen. Zum Gefecht sitzen die Reiter ab, und von je 4 Mann nehmen 3 den Kampf auf. während der vierte die Kamcele in Deckung führt. Im Anschluß an diese Neuorganisation wurde das englische Reglement, in's Arabische übersetzt, eingeführt, zugleich, um einen angemessenen Officierersatz sicherzustellen, in Cairo eine Militärschule für etwa 100 Cadetten errichtet, von denen alljährlich 50 nach zweijährigem Cursus in die Armee übertreten. F e l d a r t i l l e r i e. Mit dem Verluste des Sudan hatte die cgyptische Regierung auch das Erlatzgebiet für ihr bestes Soldatenmaterial eingebüßt, wo sich die Armee schon seit Jahrzehnten unter den Stämmen der Dinka und Scbilluk mit Vorliebe recrutirt hatte, denn die sttt Jahrtausenden unter fortwährendem Druck lebenden Bewohner der unteren Nilländer, die Fellah, sind durchaus nicht kriegerisch veranlagt. Obgleich, kräftig, intelligent, nüchtern

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und gehorsam, auch leidliche Schützen,

fehlt es ihnen doch an persönlichem Muth und Initiative, während daö Waffenhandwcrk mehr oder weniger Gebirgsartillerie. der Lebensberuf des Sudanesen ist. Nach verschiedenen Mißerfolgen entschloß man sich deshalb zur Errichtung von Sudanesenbataillonen, eine Maßregel, die sich durchaus bewährt hat. Allerdings sind die eingestellten Mannschaften meist Deserteure aus den Reihen der Feinde am oberen Ni! und wiederum den Stämmen der Schilluk. Dinka und Makraka angehörig. Sie sind alle im Gebrauch der Feuerwaffc geübt, meist von tiefschwarzer Hautfarbe und, da sie aus feuchtem Tropenlande stammen, für die Kriegführung im Sudan auch körperlich weit besser geeignet, als der an das regenlose Klima des- Nil-Deltas gewöhnte Fellah. Meist sind sie verbeirathet, und im Gegensatz zu den Fellahs gehören ihre Frauen mit den Kindern zur Truppe, mit der sie selbst in's Feld ziehen. Es wurden zunächst 4 solcher Su-danesen-Bataillone. No. 9 bis 12. mit erst 6, später 8 Compagnien und. neben den eingeborenen. 4 englischen Officieren und 759 Mann errichtet. Nachträglich trat dann noch ein 13. Bataillon als Polizei- oder ReserveBataillon und zuletzt noch ein 14. als Depot-Vataillon hinzu. -c i VeritteneJnfanterie. Nur ein kleiner Theil der egypti fchen Armee steht in Unter-Egypten, bei Cairo. der bei weitem größte Theil in Suakin am Rothen Meer, darunter die meisten Sudanesen-Bataillone, an der Hochstraße von Egypten nach dem Sudan, am Nil. Suakin ist derAusgangspunkt der besten und kürzesten Heeresstraße von der Küste nach der Hauptstadt des Sudan, früher Chartum, jetzt Omdurman. Im Frühling des Jahres 1896 vsrfügte die egyptische Regierung über 9 egyptische Bataillone, 6 Sudanesen-Bataillone. 1 Cavallerie-Regiment. 7 Batterien und 3 Kameelcorps mit 4 Marimgeschützen, zusammen 13.440 Mann. Außerdem standen zur Verfügung 5 Compagnien Kameeltrain und 1400 Sudanesenfrauen, die zugleich als Lastträger dienen, Löhnung und Verpflegung erhalten. Hierzu traten, sobald man sich für die Expedition gegen die Derwische entschieden hatte, durch Neuformation noch 2 egyptische Reservebataillone (aus Polizeitruppen formirt) und ein Eisenbahnbataillon unter Zutheilung von englischen Officieren, bezw. englischen Ingenieuren. Sudan - Infanterie. Diese egyptische Streitmacht ist durch die in Cairo, Alerandria und Assuc?n in Egypten verstärkt worden; es waren dies je 1 Bataillon der Regiinenter The Prince of Wales. North Staffordshire No. t4 und The Gloucestershire.No. 28 mit 2 Bataillonen Connaught Rangers No. 88 sowie 2 Bataillone von nicht namentlich bekannten Regimentern, ferner 1 Compagnie Mounted Jnfantery mit der zugehörigen Revolvergeschütz - Abtheilung, das Husarenregiment No. 19, 1 fahrende Batterie und je 1 Compagnie Garnisonartillerie, Pioniere und Verwaltungstruppen. Auch aus Indien wurden bedeutende Verstärkungen herangezogen, da die an das h-iße Klima gewohnten Jndier besser für einen Feldzug im Sudan geeignet sind, als die Europäer. Entschuldigung. Wenn so ein Temperenzler meint. Der Alcohol sei unser größter Feind, Dann denk' ich, in der Bibel steht geschrieben: Du sollst auch Deine Feinde lieben!

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Iic Landcs-Ausstcsslmg

ltt Vürllöcrg. Die Sehenswürdigkeiten der guten, alten Stadt Nürnberg sind in diesem Jahre um eine vorübergehende bereichert worden, die bayerische Landes-Industrie.-Gewerbe- und Kunstausstellung. die sich eines regen Besuches erfreut und diesen auch verdient. Mag uns der Leser auf einen kurzen Gang durch die Ausstellung folgen. Schon die Eingänge machen einen freundlichen Eindruck; die weißen Portale heben sich prächtig von dem dunkelgrünen Hintergrund ab, den der städtische Hauptpark bildet. Diesen Park durchschreiten wir zuerst auf schattigen, von hundertjährigen Kastanienund Lindenbäumen eingesäumten Wegen. Hier und dort taucht zwischen den Bäumen eine anscheinend aus zierlichem Gitterwerk gebildete ! Jndustriegebäude. Kuppel vor unseren Augen auf. Schließlich gelangen wir in eine Statuenallee; wir befinden uns dem Jndustriegebäude gegenüber. Der erste Blick fällt über eine lustig sprudelnde Fontäne und sorgfältig gepflegte, geschmackvolle Anlagen hinweg auf das monumentale Eingangsportal. das von einem luftigen Thurm und einer durchbrochenen Kuppel gekrönt wird. Hier ist eine reizende Farbenzusammmstellung bemerkbar. Da Portal und der Thurm sind, wie alle anderen Bauten, weiß gehalten, nur bei ersterem kam etwas Gold für Inschriften, Wappen, und Medaillons zur VerWendung, die Farbe des Gitterwerks der Kuppel ist golden und mattgrün. Ueberlebcnsgroße allegorische GrupFMW? CTrV5SV?. K u n st h a l l e. pen. von hervorragenden Künstlern modellirt, zieren das Portal. Nachdem wir es durchschritten haben, gelangen wir in eine etwa 24 Meter breite und 150 Meier lange WandelHalle, deren Inhalt aus einigen Obclisken. einer Fontäne, grünem Gesträuch. Blumen, Rasengärtchen und Bänken besteht. Links und rechts von diesem Wandelgang zweigen die Hallen ab, die den acht Kreisen des Königsreiches zur j -imeäm lMWWM fc' Nürnberger B i e r h a l l e. Ausstellung der Producte ihrer Jndusirieen und des Bodens eingeräumt sind. Die Haupteingänge zu den einzelnen Kreisabtheilungen sind künstlerisch ausgeführte Portale; bei verfchiedencn derselben gelangte die Haupteigenart des zugehörigen Kreises symbolisch zur Darstellung. Die territoriale Eintheilung, an Stelle der gruppenweisen, hat ohne Zweifel einen verstärkten Wettbewerb zwischen den einzelnen Kreisen und eine reichere Beschickung der Ausstellung zur Folge gehabt, da der kleinere Gewerbetreibende nicht zu fürchten brauchte, von der Masse der größeren Concurrenten erdrückt zu werden. Die Facade des Hauptgebäudes bilden, Säulengalerien, die sich zu beiden Seiten der Portals hinziehen und an den Flügeln vorbiegen; gekuppelte Pylonen schließen sie ab. Die FortMünchenerBierhallc. sctzung des rechten Flügels führt uns zum Gebäude der staatlichen Ansta!ten. des Unterrichts und Verkeb:. Parallel zu diesem Bau liegt die Maschinenhalle. Die reichhaltigen Col lectionen auf allen Industriegebieten legen ein glänzendes Zeugniß von der Leistungsfähigkeit und Kunstfertigkeit des Bayernlandes ab. Die Gebäude sind aus Holz aufae- : führt mit Stuck beileidet und mit pla- ! stischem Schmuck versehen. Bei letz-

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terem zeigt sich ein wohlthuender Einfiuß der modernen Richtung. . Der Stil ist eine glückliche Modification

m kW? r? . xSQÄ, MssPÄ K fäm , 5WU Ä-irZ-i zzx &Si CulmbacherVl erhalle, des Barocks. Das Ganze macht einen ruhigen, harmonischen Eindruck, was wohl auch dem Umstand zuzuschreiben ist, daß die Entwürfe von einem einzizigen geschickten Künstler, dem Director des Bayerischen Gewerbemuseums v. Kramer in Nürnberg, herrühren. Abseits von diesem GebäudecomPler müssen wir im Park noch zwei ofsicielle Bauten, die Kunsthalle und das Armeemuseum, welch' letzteres eine wohlgeordnete Sammlung von Was-fcr.-und Uniformsiücken enthält, besuchen. Von ersterem Gebäude lassen die umgebenden Bäume kaum mehr als die hohe Kuppel und das stilvolle Atrium sehen. Das Armeemuseum ist zwar von bescheidenem Umfang, zeichnet sich aber durch reizende Architektur aus. Die sfficiellen Ausstellungsgebäude bedecken eine Fläche von 44,000 Quadratmeter. Und nun zu den leiblichen Genüssen! Für diese sorgt eine hinreichende Anzahl von Kosthallen, Restaurants. Caf6s und Conditoreien. schmucke und zum Theil sehr ausgedehnte Bauten. die, von Gruppen mächtiger Bäume eingeschlossen, im Park verstreut liegen. Daß in Bayern in erster Linie für den Biertrinker gesorgt wird, ist ?, 7Jji &- -uv' V jTT SSWM W e i n h a u s. selbstverständlich. Die Bierhallen sind deshalb nicht nur schmuck, sondern auch recht geräumig; sie vermögen Tausende von Durstigen zu fassen. Das originellste Gebäude dieser Art ist aber ohne Zweifel das Wirthshaus, das einen von der Zeit arg mitgenommenen Rittersitz, der aus einem Kloster hervorgegangen zu sein scheint, vorstellt. Die ganze Ausstellung trägt einen vornehmen Charakter, und zwei größerePrivatunternehmen, eine künstliche Eisbahn und ein trefflich gemaltes Panorama der Schlacht von Bazeilles, die sich in ihrem Gebiet befinden, thun ihm durchaus keinen Abbruch. Eine Nicscnschildkötc. Der Pflanzer Antelme auf der Insel Mauritius befindet sich in dem Besitze einer gigantischen Schildkröte, welche aller Wahrscheinlichkeit nach das größte Thier dieser Reptilienart ist. Das Thier ist auf den Egmont-Jn-sein, welche nordöstlich von Madagaskar im Indischen Ocean liegen, gefangen worden. Einem Berichte, welchen Prof. A. Milne-Edwards der Pariser Academie der Wissenschaften erstattet hat, entnehmen wir, daß das Rückenschild der Schildkröte, welche ein Gewicht von 623 Pfund hat. in der Länge nicht weniger als 5.35 Fuß mißt. Unfere Illustrationen ermöglichen es dem Leser, sich eme deutliche Vorstellung von dem gigantischen Thiere zu machen. Figur ?. veranschaulicht die Schildkröte im Profil, während die zweite Abbildung das Thier darstellt, wie es von 4 Männern gehalten wird. Unbewußte Kritik. Tochter (im Concert): Wie aerallt es Dir d:nn. lieber Vater?" Vater (der eingenickt, -nifwachtnd): 2te:a blos der Larm nicht Ware!" Schrecklicher Gedanke. 1. Gigerl: Ach, Kamerad, bist heut' furchtbar verstimmt! Warum?" 2. Gigerl: Häßlichen Traum gehabt! Träumte, habe unmodernen Hemdkrag?n getragen!" O w e h ! Arzt: Jhrcm Manne. gnädige Frau, fehlt nichts als Ruhe. : Ich werde übrigens etwas verschrei- k ben " Frau: Wann muß er es einnehmen?" Arzt: Ja, nicht für ihn. sondern für Sie, gnädige Frau." Schnellgetröstet. Sie: Ich will aufrichtig gegen Dich sein. ' In meinem Herzen ist eine Veränderung vorgegangen, ich kann Dir nur eine treue Schwester sein." Er: Eine treue Schwester? Gut, dann leihe mir zehn Gulden, liebe Schwester

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Der Flug nach dim Pöl.

Mit der größten Spannung sieht man in den Kreisen der Gelehrten wie Forscher und des großen Publikums dem Ausgange deS tollkühnen Unternehmens des Schweden Andr6e entge gen, welcher bekanntlich im Ballon den Nordpol erreichen zu können glaubt. Der Flug soll von der AmsterdamInsel unternommen werden, einem kleinen an der nordwestlichsten Ecke von Spitzbergen belegenen Eiland. Sobald der Ballon dem erwarteten günstigen Südwind frei fliegend überantwortet ist, wird er, wenn alle Berechnungen Andröe's zutreffend sind, sich etwa in der auf unserer Kartensklzze durch einen kleinen Ballon und eine Strichlinie nebst Pfeil angedeuteten Richtung bewegen, hierbei etwa dem 20. Meridian östlicher Länge in Nordrichtung folgend. Er strebt zwar höheren Breiten zu, als je von Menschen erreicht sind, aber doch ist schon Parry 1827 fast auf diesem selben Meridian bis zu 82 Grad 45 Min. Nordbreite, also auf 7 Grad 30 Min. an den Pol herangedrungen. Hie? geboten ihm die Eismassen Halt. Von diesen hat der frei fliegende Ballon zwar nichts zu fürchten, so lange seine Tragkraft intakt, dafür aber ist er in um so höherem Grade unberechenbaren und unsichtbaren Gefahren dem eisigen Luftmeere ausgesetzt. Wohin er hier verschlagen wird, ob er den Pol in kühnem Segeln überfliegt und in gerader Linie der Vehringstraße zusteuert, ob er östlich nach den Neusibirischen Inseln oder der Nordküste Asiens bezw. nach Franz Josefsland, oder ob er westlich nach Grönland verschlagen wird, ohne den Pol zu erreichen, vielleicht auch, nachdem er ihn glücklich überflogen, Niemand kann dies voraussehen. Auf alle Fährlichleiten, Landen in der unbewohnten Polarregion auf Eis oder festem Erdboden, ja selbst Herunterkommen auf offener Mceresfläche, glauben die kühnen Reifenden in genügender und zweckentsprechender Weise vorbereitet zu sein. Das Luftbicycle. Seitdem Daidalos und Ikaros ihre sagenhafte Flucht aus dem Labyrinth zu Kreta vermittelst Flügel, die Ersterer mit Wachs zusammengefügt hatte, bewerkstelligten, hat es Nicht an Ver suchen gefehlt, das Problem der Luftschifffahrt zu lösen. Die Zahl der auf diesem Gebiete gemachten Erfindungen ist Legion, allein alle leiden an dem Fehler, daß sie sich auf dem Papier fehr schon ausnehmen, in der Praxis aber nicht bewähren. Neuerdings ist sogar der Mechanismus desFahrTades für einen Segler der Lüfte in Anwendung gebracht worden und zwar von I. C. Ryder in Richmond Hill, L. I., und zwar hat derselbe mit seiner eigenartigen Flugmaschine, welche unsere Ryder's Flugmaschine. Illustration veranschaulicht, bereits angeblich gelungene Versuche ausgeführt. Dieselbe besteht aus einem conischen Ballon von Seide, der bei einer Länge von 65 Fuß einen Umfang von 6 Fuß hat, und im Jnnerir mit Vambus abgesteift ist. An demselben ist ein Rahmen von Stahlstäben mit einer Achse angebracht, auf welcher sich zwei mäßige schauselähnliche, Flügel von Aluminium bewegen. Letztere werden von einem Möchanismus, der demjenigen eines Fahrrades ahnest, in Bewegung gesetzt und zwar von einem Sitze aus. der an Tauen unter dem Vallon hängt; der Aufstieg findet statt, nachdem letzterer mit Gas gefüllt ist. Daß diese Flugmaschine kaum mehr als eine Spielerei ist. liegt auf der Hand. u e ö e r f l ü s s i g e r Rath. Arzt: Ich rath Ihnen, es mit einer Luftkur zu versuchen. Patient (Schauspicler ohne Engagement): Aber ich habe ja schon seit vier Wochen von der Luft gelebt! Bedenkliches Leiden. Wie geht es Ihnen? Danke, mit dem Appetit geht es ja gut, aber immer Durst, Durst, und des Nachts kein Auge offen. Ekel vor der Arbeit und Reißen in meinen Kleid:, n.

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A.: Das Ohrenleiden meiner Frau hat sich gehoben; sie versteht nun wie der Alles ganz gut!" V.: O. dil meinige versteht sogar Alles besser!" Amerikanisch. Mr. Brown war Zahnarzt und seine Specialität das Einsetzen künstlicher Zähne. Er bewohnte in Newark ein kleines Haus und arbeitete jahraus jahrein fleißig und unverdrossm ohne es jedoch viel weiter bringen zu können, als für sich und seine Familie den Lebensunterhalt zu erwerben, denn nicht jeder Zahnarzt hat Glück und so machte ihm die Zukunft mehr und mehr Sorge. Da schien ihm aber unerwartet das Glück lächeln zu wollen. Neben seinem Hause war das Anwesen eines altenSonderlings, der eine schöne Villa in einem großen Garten bewohnte. Derselbe war mit Brown befreundet und als ihn ein Fieber dahin raffte, war jener sehr überrascht, als er sich bei der Testamentseröffnung als Erben des schönen Anwesens unter einer Bedingung eingesetzt sah. Diese Bedingung aber lautete: Ich bin Menschenfreund und möchte denArmen auch eine Wohlthat erweisen: Ich vermache daher mein Besitzthum dem Zahnarzt Brown. wenn er sich verpflichtet, drei Jahre lang den Armen unentgeltlich Zähne einzusetzen. Er hat zu diesem Zweck ein großes Schild oder eine Tafel an der Eingangsthüre anzubringen. worauf deutlich sichtbar steht: Hier werden unentgeltlich Zähne eingesetzt. Mit Freuden ging Brown auf die Bedingung ein. aber schon beim Nach hausegehen kamen ihm ernste Bedenken. Die Klausel war doch recht fatal, denn arme Leute verderben, wie man fegt; die Praxis. Und wenn piele Arme kamen. konnte er sich nebenbei nur wenig oder kein Baargeld verdienen. Ja er mußte schließlich jeden Strolch bedienen, dem es einfiel, die Sache, die ja nichts kostete, einmal zu Probiren. Schon dachte er daran, ob es nicht besser sei, den ganzen Handel rückgängig zu machen, da fiel ihm ein, er könne noch vorher mit seinem Freunde Smith reden, der war ein ganz durchtriebener Kopf, der ihm am besten rathen konnte, ob er das Erbe antreten solle oder nicht. Der Freund hörte ihn ch ruhig an, bedachte sich eine Weile und sagte dann: Das schöne Anwesen nimmst Du unter allen Umständen an. wegen der Clausel wird sich schon Rath schassen, dcnnDu kannst natürlich nicht 3 Jahre lang umsonst arbeiten. Mein Rath ist der: Behalte zunächst Dein altes Atelier bei, in welchem Du nur gegen Bezahlung arbeitest, das neue AnWesen beziehst Du mit Deiner Familie und bewohnst es als Privateigenthum, es ist vollständig eingefriedet und die Tafel mit der verlangten Aufschrift mußt Du jedem sichtbar am Gartenthor anbringen. . Sollte daraufhin jemand kommen, um sich Zähne einsetzen zu lassen, was ich aber nicht glaube, dann läßt Du Dich rufen und thust ihm den Willen. Die Tafel werde ich Dir besorgen, auf Wiedersehen, entschuldige mich, ich habe jetzt nothwendig. zu thun." Kopsschüttelnd empfahl sich Brown, die Sache war ihm nichts weniger als klar, allein er vertraute seinem klugen Freund: und als er nach einigen Tagen die Tafel, welche die Form, einer War nungstafel hatte, erhielt, mußte er laut auflachen. Er befolgte nun den Rath und als drei Jahre um waren, nahm er die Tafel ab und konnte nun das schöne Anwesen sein eigen nennen. Er war während derZeit weder von Landstreichern noch sonst von Armen belastigt worden, denn niemand hatte Lust sich darauf hin Zähne einsetzen zu las sen. Wie die Tafel am Garteneingang. ausgesehen hat: ; '-5 :M?5HW. HieruiLröen unentLcl lieh LäliNe eZnczeSsbzt! I a freilich. Lieutenant (der eine von Damen stark besuchte Soiree betritt): Donnerwetter! Heut' heißt's, 's Herz hübsch eintheilen!" Galant. Junge Dame: Und dann habe ich auf meiner Reise im Süden auch ein Erdbeben erlebt." Cavalier: Natürlich, wo Gnädigste sich zeigen, ist eben Alles aus Rand und Band." Das Problem der Flug. Maschine. Herr Wirth, ich hoffe bald das Problem der Flugmaschine gelöst zu haben, und dann werde ich Ihnen Alles doppelt bezahlen." Auf das wart' i nit, da zeig' i Ihnen srü her, wie man fliegt." . ;