Indiana Tribüne, Volume 19, Number 338, Indianapolis, Marion County, 23 August 1896 — Page 3

fKStfM--'' vg '''fftvtmXTVissnisa

Revanche l von Zlsfxaur ZZaron von Ioöerts. f& Fortsetzung). Papa Jaminet war holl sprudeln.der Laune; so hatten sie den Alten" noch nie gesehen. Er hatte Ursache dazu, des wußten sie alle, denn das Geschäft zeigte einen über alle Erwartagen günstigen Abschluß; und so war auch die Gratifikation reichlicher als sonst ausgefallen. Die Hände nach seiner Art in Waschbewegung reibend und streichelnd, machte er die Honneurs in der Runde, ließ einen jovialenKlaps uf die Schulter seines langjährigen ersten Kassirers fallen und stöberte einen seiner Jüngsten, die geschniegelt: Karikatur eines Boulevardiers, der seinen ersten Frack in Parade stellte, aus der linkischen Befangenheit auf, mit der er den Baum immer wieder aus Pflichtgefühl bewunderte, wobei .seine Blicke zwischen dem geschmückten Öriin nach Frau Viktor hinüberglitten. Ja, Frau Biktor! Heute noch wie vor einem Jahr ist sie die Fee. die alle HerZen bezaubert. Jetzt schwebt sie heran, fca5 Champagnerglas in der Hand, um mit ihnen anzustoßen, für jeden ein freundliches Wort, keine Phrase, das .fühlt man. Wie geht's bei Ihnen Zu Haus. Herr Mgard? Ist Ihr Zrleinfles wieder besser, Herr Froujcn?" Tie Jüngeren können sich bei ihrer Ansprache eines Errthens nicht erwehren. Wo ist denn Lafosse?- fragt Papa Jaminet. der seinen Arm um die Taille der Schwiegertochter legt. Gerade den hatte der Chef heute hier gewünscht. Cs ist. als erzeugte die Frage einige Verlegenheit; sie wissen alle, mit wclcher Entrüstung sich der Teutschenfrcsfer am Morgen gegen die Einladung aufgelehnt. Herr Mjard. der erste Äucöhalter. bricht das peinliche Schweigen: (h .läßt sich entschuldigen, er ist nicht wohl. Herr Jaminet." O, was fehlt ihm denn?" nist die Fee. Das klingt so gut und lieb man kann ihr doch die Wahrheit nicht sagen! Der Narr, warum dient er denn in einem Hause, das vom Preußenthum verpestet wird", wie er sich ausdrückt! Das ist nur ein flüchtiger Schatten. Ist doch selbst Armand erschienen, und er hat willig die unheimliche bengalifche Beleuchtung seines Patentofens gegen die fröhliche Lichterhelle vertauscht. Nicht am wenigsten weif; Jaminet seiner Schwiegertochter Dank dafür, daß sie den grübelnden, von seiner Idee besessenen Sonderling aus seinem Berließ zu locken vermag. Früher beherrschte dieser mit der Tyrannei sei-, im kränkelnden Laune das ganze 5zaus. nun hat er sich selbst der süßen 5errscherin ihrer aller unterjocht. Ja. er scheint gar nicht einmal eifersüchtig, daß er dieerste Nolle im Hause an. seine Schwägerin abgetreten. Nun sieh nur einmal Annand an, Papa! Das ist ja fabelhaft!" meint Aiktor herzutretend. Wahrhaftig, er schäkert sogar mit unserm Kleinen!" Und sie strahlten vor Freude darüber. die gelblich blassen Greisenzüge des Krüppels von einem freundlichen Lächeln belebt zu sehen, während er auf das entzückte Lallen des kleinen Prinzen lauschte. Ja. der Alte hat alle Ursache, bei Laune zu sein. Es ist alles gut das Haus steht gesesteter denn je. Das Gold strömt herein he!, wie Deutschland seine Milliarden herausgeben muß! Das Cxperrment 'mit dieser Ehe ist vorzüglich eingeschlagen nun sind die beiden Häuser, allen politischen Stürmen zum Trotz, für immer aneinander gekittet. Wer wagt es noch, ihm Mangel an Patriotismus vorzuwerfen, weil er sein freies Kaufmannsrecht wahrt und die Konkurrenz mit ehrlichen Mitteln schlägt? Sein Sobn nat sür's Vaterland geblutet, sein Schwiegersohn wirkt für die gute Sache der verlorenen Provinzen. Voularöde selbst verschmäht es nicht, das Haus mit der Gunst seiner Besuche zu bestrahlen Ah. da ist er!" Es acht eine Bewegung durch die Räume; man reckt die Hälse, um keine Geste, kein Wort des großen Mannes zu versäumen. Er ist das wahre Christkind!" meint einer der Beamten. Er ist einfach sublim!" fährt die Begeisterung eines andern heraus. Aber der große Mann hat heute alle Erhabenheit draußen gelassen. Sofort beim Eintritt in den vom Lichterglänz durchflutheten Saal, der vom Summen und Surren froher Menschenstimmen erfüllt ist. bezwingt auch ihn die Poesie des deutschen Festes. Ein so köstlich würziger Duft von Tannen und brennendem Wachs wallt ihm entgegen o, er will heute einmal Poet sein! Auch er möcht einmal sein Piedestal verlassen und sich als Mensch unter anre Menschen mischen! Sie finden rhn cllle bezaubernd liebenswürdig. Nichts von seiner Unnahbarkeit, seiner selbstvergötternden Eiie'.keitZ.Das Monlxle kommt heute nicht in stimm Recht, und die Silberhü? an seinem Handgelen! hat daS afsektirte Klirren verlernt. Er findet alles entzückend; er äußert das bedeutende 2Buri, das morgen gewiß schon einer Zeitung verrathen sein wird: Was für entsetzliche Prosamenschen wir doch sind, daß wir nichts andres mit solchen Tagen anzufangen wissen, als unsere Beine unter einen gedeckten Tisch zu stecken! Allez, es ist die Poesie, die uns fehlt!" "Nons antros Fraassais..." fällt sofort Herr Schneider mit seiner fürchterlichen Phrase ein. Wir andern Franzosen haben Wichtigeres zu thun, als Pöesie'SU Smpeln

SBU

Boulard? nimmt ihm sofnt das Wort vom Mund: Mein lieber Präsident" (mit einem bedeutsamen Blick auf Rosa). ..mein lieber ich dächte, Sie hätten drunten in Ihrer Schwabenheimath doch auch Christbäume angezündet? Ein feiner Hieb für den Elsässer. der seine traute Heimathsitte mit einem unechten Pariserthum übertünchen mochte. Rosa zuckt unmerklich zusammen. Das alles, Voularödes Entzücken, sein Wort über die materiellen Pariser und zuletzt der Hieb auf das Schwabenlhum ihres Mannes soll nichts andres als eine Huldigung für Gertrud bedeuten. Sieh, wie er sie mit seinen Blicken verschlingt das sind ja wahre Purzelbäume der Liebenslvürdigkeit, die er da vor der Preußin ausführt! Gertrud war dem berühmten Gaste mit ihrem Kinde auf dem Arm, das sie gerade der Amme abgenommen hatte, entgegengetreten. Und während der Kleine, den die Müdigkeit nach all der Aufregung übermannte, sein leise wackelndes Köpfchen gegen ihren Hals lehnte, reichte sie dem Ankömmlina die Rechte hin. ein glückseliges Lächeln um die. halbgeöffneten Lippen. Hinter thr ragte der Baum empor, und der Glanz der Lichter und das Geglitzer des Zzflit!tergoldes wob um ihr liebliches Köpfchen einen goldigen Glorienschein. Fast wäre er in einen Ruf der Bewunderung ausgebrochen. Wer hat dergleichen doch gemalt? gerade solch eine Madonna in solcher Haltung das Kind mit großen Erlöseraugen, ein Händchen ausstreckend, gegen den vollen Hals der Mutter gelehnt ich glaube, ein deutscher Maler Namens Holbin... Wahrhaftig, wenn Boularöde heute an die Händel da draußen dachte, an seine eigene Pose, an die Charlatanerie des Patriotismus und das Kriegszebeul de? Revanche, so kam ihm das alles sehr häßlich vor. " s K a p i t e !. Gertrud irutzte und richtete sich aus dem Kissen empor: Was ist ihm denn?" rief sie. Neben dem breiten Himmelbett stand die Amme, den Kleinen auf dem Arm, um ihn wie üblich dem Elternpaar zum Morgengruß darzubieten. Heute :edoch hing sein Köpfchen wie das eines welken Bäumleins matt zur Seite. urd die sonst so hellenAcuglein blickten trüb und theilnabmlos. Um Gottes Willen, es ist doch nicht krank?" Es hat heut Nach! nicht gut geschlafen, Madam'." meldete die Zimmt. Das kam so gedrückt heraus. Und Tu, was fehlt Dir denn, Margret?" nichts, nichts!" Margret versuchte zu lächeln, aber ihreMundwinkel verzogen sich abwärts. Sie hat geweint!" ritf Viktor von seinem Lager aus. Und in seinem radeörechenden Deutsck: 'aben Sie gewein'?" Nichts, nichts. Monsieur gelle Viktorche. Du sollst nit darunter leide, weil sie schlecht gegen Deine Margret sein...." Wer? Was? Wer hat Dir was gethan?" Niemand nichts Madame.. Die Amme wandte sich und ging zur Thüre hinaus, das welke Köpfchen des Kleinen in die Höhe richtend und es in zärtlicher Sorgfalt gegen ihre Wange drückend. Es ist etwas geschehen! Man hat de? Amme etwas gethan, sie hat geweint und sich erregt, davon ist der Kleine krank. Im vollen Alarm sprang Gertrud auf, mn sich eiligst anzuziehen. Was kann es sein? Q, sehr einfach Margret ist trotzig und empfindlich und man ist eifersüchtig auf sie, wie man gewöhnlich auf Ammen eisersüchtig ist. weil sie eine bevorzugte Stellung einnehmen, besser wohnen und kräftiger speisen und aus Rücksicht für den Säugling vorsichtig behandlet werden. Es waren schon öfter kleine Reibereien zwischen ihr und dem weibliehen Theil des Personals vorgekommen. j Man hat mehr Sorge mit dieser Ammengesellschast, als mit den Herren Kindern selbst," sagte Viktor Lrgerlich. Ein so schöner Festmorgen , wir wollen uns den doch nicht verkümmern lassen!" Ueber Nacht war Schnee gefallen, das Geräusch von der Straße hallte nur dumpf herauf, ferne Glockenklänge , zitterten mit feierlichemSummen durch die Stille. Es ist aber krank. Viktor. Wenn man Margret ärgert, so schadet das ihm! Ich werde es nicht dulden!" , Noch vor dem Frühstück hatte sie die ! Amme zum Geständniß gebracht. Eine Litanei von Klagen und Anklagen; man will ihr nem ersten Tag nicht wohl aber sie hat t bis heut immer noch hinuntergeschluckt jetzt ist's zu arg! Zuerst hat man über sie gelacht, ihres Kostüms wegen, und weil sie zu ungeschickt war, um sich ein paar sranzösische Brocken anzueignen. Man ist neidisch auf sie. die Zofe und das Stubenmädchen gönnen ihr nicht den Bissen im Munde. Weil Madame lieb und gut gegen sie ist! Das wäre noch zu ertragen. A&r die Zudringlichkeiten des Dieners, des Kutschers selbst das Milchgesicht von einem Grooni glaubt sich etwas gegen sie herausnehmen zu können. Und Margret brach in Thränen aus. Still, sei rubig. Margret, weine nicht denk an den KKiieen," fiel Gertrud in dem Egoismus ihrer Muttersorge ein. Ich hab' immer an ihn gedacht und hab' mir vieles gefallen lassen um seinetmegen ich möcht nit gern von ihm vd Ihnen fort. Madcrm', aber.... Davon ist keine Rede!" fuhr Gertrud auf. Was denn aber?" Franois hat mir gedroht, daß er

mich aus dem Haus brächte, wenn ich wenn Ich nicht- " Mit bäuerlicher Offenheit schilderte

f:: di? Anarisfe. denen sie von dem Diener ausgesetzt gewesen, dc? :st er bei ihr an die Rechte gekommen! Sie hat ihre Lehre ja doch empfangen. Und da sie ihn gründlich hat abfallen lassen, da droht er, sie aus dem Haus zu bringen. Schon hat er aus Rache Alles gegen sie aufgewiegelt; keines würdigte sie gestern Abend eines Blickes. Kaum, daß man ihr an der genieinsamen Festtafel der Dienstboten ein Plätzchen gönnte, und man enthielt ihr das Süße vor, weil man weiß, wie gern sie es ißt. Das alles erträgt sie noch (des Viktorchens wegen!" fügte sie schlau hinzu) aber der offene Schimpf! und sie haben offen über ihren Kopf hinweg aus die Preußen geschimpft. O sie hat das wohl verstanden ganz so dumm ist sie doch nicht! Und das braucht sie sich nicht gefallen zu lassen.... Madame ist doch auch eine Preußin!" Gertrud war in voller Empörung. Solche Wirthschaft in ihrem Hause! Wart nur, Margret, ich schaff' Dir Ruhe!" Sie setzte sich an den Frühstückstisch, wo Viktor in seine Zeitung vertieft war. verstimmt über die Störung des festtäglichen Friedens. Nach einer Pause, während der er ihr erregtes Gesicht prüfte, sagte sie mit einer Bestimmtheit, die er noch nicht an ihr gekannt: Dieser Franois, dieser unverschämte Mensch wird das Haus verlassen!" Oho!" fuhr Viktor verwundert auf. Was soll denn das?" Sie erzählte ihm von den Zudrinalichkeiten des Dieners, von seinen Drohungen und so weiter. Viktor lackte, und das haßlicheWort entschlüpfte ihm: Sie ist eben eine Amme, da darf sie sich nicht wundern " So? So also? " Eine Purpurgluth schoß über ihre Wangen. Ich dulde aber nicht, daß man ihre Ehre antastet! Außerdem hat man sie beichimpst. weil sie eine Preußin ist " Viktor zuckte mit emem mitleidigen Lächeln die Schulter: So hätte sie Nicht nach Paris kommen sollen, wenn sie sich dem nicht ausietzen wollte, sagte er, aber nicht ihr offen in's Geficht, das wagte er nicht, sondern in das Zeitungsblatt hinein, das er mit raschelndem Griff wieder vom Tnche aufnahm. Also so steht's!" Wie in einem Vlitzeslohen sah sie das Schicksal ihrer eigenen Zukunft: es wird eine Zeit kommen, wo sie selbst nirgends, bei Niemand einen Schutz findet, weil sie eine Preußin ist! Sre schnellte empor, und die 5Inochel auf den Tisch gestemmt, zu Seiten des Gedecks, das noch unberührt war, blitzte sie ihn mit zornigen Augen an: Viktor! Auch ich bin eine Preußin! Du willst damit sagen, daß auch ich deswegen alles erdulden muß oder ich hatte nicht sollen nach Paris lommen. wie?" So ist es nicht gemeint so ist es nicht gemeint. rede Dich doch nicht so in Eifer!" beruhigte er. Das Wort, das ihm vorhin entsahren, war freilich etwas stark der Franzose war ihm mit der Zunge durchgegangen. Du das ist aanz was andres! Komm her, wir wollen uns den Tag nicht verderben!" In sichtbarer Beschämung reichte er ihr die Hand über den Tisch. Sre sah das nicht, wollte es nicht sehcn. Laß eiligst zum Arzt schicken. Ich glaube, de? Kleine fiebert." Gleich soll Franois..... Nicht der! Ich will keinen Dienst von dem Unverschämten! Wenn Du nicht weißt, was Du zu thun hast, Viktor " Und ein Thränenstrom. Dergleichen Effekte haben die Deutschen mit den Französinnen gemein, es wirkt hier wie dort. Nun ja, nun ja, beruhige Dich ich werde nachher mit Franois reden! Franois!" Mons reur!" kam die Antwort des Dieners gedämpft durch drei Zimmer zurück. Gemessenen Schrittes und lautlos nahte er sich und blieb mit einem abermaligen, diesmal singenden Monsieur" drei Schritt vor dem Sessel halten, auf dem Viktor nonchalant zurückgeworfen saß. das eine Bein wagerecht über das andere gelegt. Er war ein stattlicher Mensch, hübsch gewachsen, mit Prachtwaden, auf die er nicht wenig stolz war, und einem eleganten Gesicht, das bis auf die kurzen englischen Bartstreifen unter den OYren. glänzend glati rasirt war. Seme ganze Haltung drückte strotzendes Selbstbewußtsein aus: ich weiß, was ich werth bin! Sie haben Schäkereien gemacht. Franois " Monsieur ?" Ein fragender Sington und ein geschmeidiges Lächeln. Ich kann Ihnen nicht verdenken, daß Sie den Don Juan spielen bitte aber, daß Sie das Haus rein halten!" Völlige Ueberraschung. die gleich in einen schmunzelnden Ausdruck der Eitclkeit umschlug. Man beschwert sich, daß man nicht in Ruhe gelassen wird." Viktor schämte sich selbst fast der übergroßen Vorsicht. Er ist aber doch ein Franzose, und er soll zu Gunsten einer Deutschen gegen den Landsmann einschreiten. Er gedachte die Sache scherzend zu erledigen. Daß er. Franois. nicht wüßte! Na. die Amme!" fuhr Viktor heraus, uneeduldig die Asche der Zigarre an dem" Rande der geschnitzten Muschel abknipsend: Wenn es absolut eine Amme sein muß. daß es nicht gerade die meines Sohnes ist." .Eine Dummheit" warf Franois

bin. es kam fast zweideutia Mraus:

aalt es ibm Wst, oder denen, die ihm die Bagaleue vorwarfen? Sie beschwert sich, daß Sie sre ht frfyWf I u. Ich habe sie höchstens Preußin ge nannt, Moniieur ist fit das nicht? Schlimm genug, daß sie das als einen Schimpfnamen auftas'.t! Das war der versteckte Hohn, und diese? Hohn zrelte aus Viktor selbst, den Gatten einer Pieukin. Heiß durchzuckte es ihn, aber er fand rein Wort der Erwiderung, er hatte keines. Er senkte die Blicke, mußte sie senken vor dem aalglatten Hobnläckeln seines eig:nen Dieners. Zum erstenmal sah er rn den Abgrund, der rhn von einem löstm trennte. Gleich schämte er sich der unerhörten schwache, warf das Bern herab, wo für er das andere emporhob, und nahm einen herrischen Ton an: Ich wünsche, daß in meinem Hause Frieden ist! Ersuche (sie also, sich aller dergleichen Störungen zu enthalten!" Und ein Nicken, das den Diener verabschiedetc. Ein Nicken, ohne den Muth, die Augen zu heben; er wunte, da um die dünnen Diplomatenlippen des Dieners ein ironisches Lächeln zitterte, und er fürchtete sich davor. Als Franois fort war, sprang er auf noni d'un I)iou! 5it man denn nicht mehr Herr in seinem Hause? Ein Diener, der semenGebietcr zwingt, die Augen niederzuhalten... Wüthend beschloß er, den unheimlichen Kerl bei der nächsten Gelegenheit aus dem Tempel zu jagen. Gleich am Nachmittag fand sich die Gelegenheit. Zufällig erfuhr Viktor. datz der Diener am heutigen Mittagessen der Dienstboten nicht tbeilaenom men. Warum denn nicht? Weil er nicht mit einer Preußin zusammen an einem Tische sitzen wolle, hieß es. Fran?ois!" Monueur!" Sie haben mich heute Moraen nicht verstanden ich will Ruhe haben! Sie wissen, daß noch Jemand anders im Hause eine Preußin ist ich will Ih rem Patriotismus ersparen, eme solche zu bedienen Sie sind hiermit entlassen! Die Diplomatenlippen murmelten etwas. Sofort verlassen Sie daS Haus! Sofort! 5Iein Wort mehr!". Viktor war außer sich vor Erregung. Der Diener wandte sich mit einem triumvhirenden Grinsen und schritt erhobenen Kopfes hinaus. An der Thüre warf er zischelnd hm: Lassen Sie meinetwegen das Haus von dt.m Preußenthum aufzehren " Viktor stürzte auf den Frechen los; er war seiner selbst und seiner Fäuste nicht mehr Herr. Um Gottes willen. Viktor...." Gertrud war auf das Donnern ihres Gatten aus dem Voudoir herbeigeeilt und stand, mit den Händen wehrend, vor dnn Wüthenden. Nun umschlang sie ihn flehend mit den Armen und ber'ubigte ihn: Du armer, lieber Mann! Wie Du Dich aufregst meinetwgen!" klagte sie, ihre Wange gegen die seine schmiegend. Deinetwegen?" Nun ja. Margret ist genannt aber ich fühle, ich weiß nun, es gilt mir..." Was Du für Unsinn redest!" fuhr er sie erschreckt an. erschreckt von der Wahrheit ihrer Worte. Dreizehntes Kapitel. . Linde Februarsonne ahnendes Frühlingswchen; Erocus und Schneeglöckchen recken die Köpfchm aus der seuchtbraunen Erde, und die Vorsicht!gen Wärterinnen lüften die Schleier von den zarten Gesichtchcn der Pariser Säuglinge. Noch ragen am Tunenengarten die Bäume starr und Winterschwarz in das duftige Milchblau des Himmels, doch in den Beeten, welche die Ruinen des eingeäscherten Kaiserschlosses umsäumen, zieht ein feiner grüner Sammthauch über das niedere Buschwerk. Selbst diese Ruinen freuen sich der sonnigen Verklärung, sie wissen heute nichts von Haß und fanatischem Wahnsinn zu erzählen; die Goldspuren der zertrümmerten Stuccatur in dem ehemaligen Thronsaal scheinen in fröhlichem Schimmer zu wetteifern mit dem vorwitzigen Grün, das dem Schutt der Fenstersimse entsproßt. Und ein Wetteifer ist 3 zwischen dem übermüthigen Sperlingsgezwitscher und dem jauchzenden, jubelnden Spiellärm derKinder. Springbrunnen rauschen hier imGarten, wie ferne vom Konkordienplatz her; dazu das gellende Rufen der Orangenverkäufer und der Zeitungsjungen. Wahrlich, gegen solche 5konkurrenz vermag die zwischen den starken Baumstämmen wie in emem Saale hallende Musik der republikanischen Garde nicht aufkommen. Ueberall Kinder sich tummelnd und über den klirrenden Kies zwisch.-n den Beeten fliegend, gravitätisck) paradirend an der Hand von geputzten Mamas. in reizenden, von Spitzen und Stickereien überladenen Miniaturkutschen von damenmäßigen Bonnen und koketten Kindermädchen gefahren, in kostbaren Stcchkissen auf den Armen strotzender Ammen thronend. Hier hat Margret keine Sch:u. mit ihrem Kostüm Aufsehen zu erregen; cs ftt ein Karneval v?n allerlei Kostümen: Russinnen in hellbunten Radmäntctn. braune Provenalinnen mit dem kleid samen seidenen Kopstuch, ernste, stäinmige Bretagnerinnen. prächtige' römi sche Gebirgstrachten. und vor Allem d'e Aandschleifen der Elsässerinnen eZ ist so patriotisch, die Amme seines Kindes auf Elsässrsch stolziren zu lassen, ein wandelnder Protest gegen den Länderraub. Frau Jaminet hat mit der Amme und dem Kleinen auf zwei Stühlen unweit der Musik Platz genommen, und sie ist eben im Begriff,' nit ihren

schlanken Fingern tix2 mühsam die Sous für die Stuhlpächterin auZ der

Enge der gestickten Börse zu zwangen, während der Kleine mit begehrlichen Händchen nach dem blitzenden Schein der großen Tuba ausgreift, die dort der Cardin handhabt da schlagen deutsche Laute cm ihr Ohr. Es ist nichts Seltenes, deutschen Lauten auf den Pariser Straßen zu oegegnen, doch machen sie m jedesmal das Herz klopfen. Auch Margret wendet sich zur Seite: Ah, Deutsche Madam'!" Ein freudiger Schew flieat e r. r i rrt v , 13 uoer oas orelie wtiqt ocr Lauerm, als ahnte sie, was gerade diese Deulschen ihr und der lieben gnädizenFrau zu oeoeuien fallen. Es ist ein Herr mit hellbraunem Vollbart, elegant, in Zylinder und langem schwarzen Gehrock, leicht hinkend. das fällt seiner großen breitschultrigen eilall wegen etwas aus. auch hindert es ihn. die zierliche, bedeutend kleinere alte Dame, die an seinem Arm hängt, so sicher angeschmiegt zu führen, als es seine zärtliche Sorge möchte. Das gibt seinem ganzen Wesen etwas Unbeholfenes. Herr Zeuner und seine Mutter! i r i i r i m ., . cilluo rounic. oan velde im lanae in Paris weilten. Oerr Neuner batte wiicuuuc uc uno oen Hammers gegenüber sein Inkognito bewahren wollen; auch an die Mülheimer hatte er selten geschrieben, er entschuldigte sich, daß er Gertrud nicht aufaesucht, und qab C - ! C c c n, zweierlei Gründe dafür an: zuerst galt es für ihn, sich von Neuem zu etabliren und die durch den Krieg verlorene Position hier in Paris wieder zu befestigen, ehe er überhaupt präsentabel wäre. Dann scheute er, seine Bekanntschaft fc.I C V i - r c irci oen amin-eis auszuorangen er 1TL -! (Tv Ifjf ... c . -, in tm xjniiityer, uno oas ionnic Gertrud schaden, eine Rücksicht, die der alte Wahl peinlich übertrieben fand, und über die er lachen mußte. Es war noch ein dritter Grund, den er rm Tiefsten seiner Brust fast vor sich selbst versteckte, den aber Gertrud unter den andern Scheingründen als den einzigen triftigen erkannte. Er mied sie, nicht weil er sich noch nicht präsentabel ae nug glaubte, nicht weil er ihr mit seiner Nationalität zu schaden fürchtete, sondern weil Ah, sie wagte nicht, dies weil" zu erläutern. Noch lebte der Blick seiner schönen, innig blauen Augen, mit dem er beim Abschied aus ihrem ElternHause eine Spur der Hoffnung m ihren Augen zu erspähen schien, ihr in der Erinnerung. Noch sühlte sie die versteckte Wehmuth der Entsagung zittern unter den mannlich herzlichen Worten, mit denen er ihre Verlobung schriftlich begrüßt hatte. Er hatte eine Wunde zu verbergen, das wußte sie; die Zeit, die Arbeit würde sie heilen sie wußte auch, er fürchtete den Zufall, der diese Wunde von Neuem aufreißen mußte. Daher ihr Herzklopfen beim Klang deutscher Laute in den Straßen von Paris. War sie sich einer Schuld bewußt? Der Egoismus des Glücke erzwang ihr em kräftiges Nem! Sie wurde rhm, wenn der Zufall ihn in rhren Weg führte, mit voller Unbesangenheit in die Augen blicken Und da war er! Doch der Klang seiner Stimme erweckte ihr mehr als Herzklopfen der Athem stockte in ihrer Brust, eine Blutwelle schoß ihr zu Kopf. Was ist das? Ah. nur die Freude des unverhofften Wiedersehens, nur der Zauber der Hermatherinnerungen, der sie so unverhofft überrumpelt! Da hatte Frau Zmner sie auch schon erkannt; sie stutzt, ruckt an dem Arm ihres Sohnes, und ein freudiges Erstaunen belebt das zartrosa Gesichtchen, das von den kräftigen Wellen de silberschimmernden Haares so anmuthig umrahmt wird. Fraulem ah Frau Jaminet! ruft sie. Zögernd lüftet er den Zylinder. Das Gewimmel der Kinder rings um die Stühle macht die Annäherung nicht ganz leicht. Gertrud hat sich eryoben, nun schütteln sie sich herzlich die Hände. Welch ein wundervoller Zufall! Welch eme Freude, sich hier wieoerzusehen! Es ist so lange her! Fragen und Antworten und Ausrufe überstürzen sich. Nein, ich hatte Sie kaum erkannt. liebe Gertrud " sagt Frau Zeuner, die immer noch Gertruds Hand in der ihren hält und sich mit innigem Entzücken an der blühenden Erscheinung der jungen Frau weidet. Es freut mich, Sre wieder wohlauf zu sehen, Herr Lieutenant " Pich! macht er komisch vorzichtlg. Der Lieutenant paßt nicht hierher! Daß man mich noch als Spion verhaftet " Alle drei lachen. Wir hatten immer gehosft, Ihnen einmal zu begegnen " fällt Frau Zeuner ein dies eine klei ne Heuchelei, denn sie kannte die Gründe ihres Sohms, auch der dritte war ihr nicht veroorgen geblieben. Ich hatte von Papa gehört, daß Sie hier wohnen." erwiderte Gertrud, und ich meinte, Sie jeden Augenblick einmal zu treffen " Eme kurze Verlegenheit. Es ist gut. daß die Musik so laut schmettert. Q, da ist ja da ist ja was? das ist doch nicht etwa Ihr Kleiner?- ruft die alt Dame, auf Margret mit demPrmzen deutend. Gertrud lächelt gluckielrg. Margret trist näher, strahlend vor Stolz, ihren Wnderknaben zeigen zu dürfen. Gelle, das ist mem Verdienlt! scheinen ih hellen Augen zu prahlen. Den D&ttschen, denen zeigt sie ihn gern Franzosen brauchen ihn nicht zu begaffen! Die nächsten fünf Minuten gehören dem Prinzen, der sich mit behäbigem Doppelkinn und mit einem felbstzufrredenen Sprudelmundchen bewun dern und beschreiben und analysiren und betasten läßt. Nun wandelt man dleAllee nach Dem

Konkordienplatz dahin. plauderndTrn Erinnenlng'n schwelgend. Margret schreitet hinter ihnen, lauschend kein

Wort darf ihr entgchcn. Es ist vom Rhein die Rede, ach, von der süßen Heimath! Sie können sich nicht tatt t t V . . C i - plauoern uoer oies yema, und Margret kann sich nicht satt lauschen an solchen Klängen. Paris mit seiner Pracht scheint in Grau zu verblassen vor solchem Zauber. Wie schade, daß sie nun schon am Elngangsthor angekommen sind. Frau Gertrud winkt in den Wagenpark hinein, der dort amGitter aufgestellt ist; eine Peitsche hebt sich zur Antwort. Wir müssen nach Haus wir ha ben einen weiten Weg allzuviel Luft ist ihm nicht gut " erläutert die vorsichtige Mutter. Margret nimmt es fast als eine Jeleidlgung aus, daß es- dre Luft und die Sonne nicht vertragen sollte. Doch r "... oa oan scyon vie auipage mit dcir ungeduldig stampfenden Pferden; behütsam wird dieAmme unter dem schützenden Aufschlag des Rücksitzes verpackt. Herzliche Händedrücke auf Wrederskh'n! Auf Wiedersch'n!" und die Pferde ziehen an. Di? liebe, schöne gnadige Frau sitzt ausrecht, die Beguemlichkeit des Polsters verschmähend. Sie ist so seltsam still, nur die Augen huscheu lebhaft zerstreut umher, während der Wagen über die Boukcvards dahinrollt. Jlne Wangen blühen stark das ist nicht die Wirkung der Luft allein aus den halbgeöffneten Lippen fluthet ein erregter Athem. Kein Wunder! denkt Margret sie hat Landsleute getroffen! Eine so hübsche alte Dame, Madam' Gertrud nickt mit dem flüchtigsten Versuch eines Lächelns. Ein schöner Herr! wie ihm das Viktorchen gefiel! Er ist lieb mit Kindern." Gertrud nickt abermals. Nach einer Pause: Werden sie zu uns kommen? Ich möcht', daß sie kämen. Gertrud hat nicht übel Lust, sich solcbe naive Vertraulichkeit zu verbitten. Doch zuckt sie nur die Schultern. Margret läßt aber nicht nach, die Landsleut' haben es ihr angethan. Weil sie doch sagten: AufWiederseh'n! Und Madam' sagt' es auch...." Die schrecklichen Dienstboten, die man verwöhnt und verhätschelt hat! Das sagt man oft weicht Ger trud mit einer ungeduldigen Bewegung aus, und Margret entgeht nicht der seine bittere Zug, der die Lippen der lieben qnädiaen Frau umzittert. Halt! Lassen Sie halten. Charles!" ruft Gtttrud plötzlich nach dem Kutscher hinauf. Sie hat dort in dem Tapisserieladen zu thun. Ich bin gleich wieder da, Margret. Hat er auch nicht kalt?" Während Margret auf die Herrin wartet, umflattern allerlei Gedanken ihren Kopf. Also die Landsleut' werden uns nicht besuchen sie wissen, sie sind in der Rue de Cl6ry nicht willkommen; es ist dort an zwei Deutschen genug. O, sie ist nicht so einfältig, trotz dem Westerwald. Also dazumal, zu Weihnacht, da haben sie zwei Deutsche die Partie gewonnen ahti sie fühlt, der Sieg kommt ihnen jetzt theuer zu stehen. Es geht eme andre Luft durchs 5aus seither. Was sie anbelangt, sie läßt man in Ruhe. Freilich merkt sie oft genug den Spott, der aus der üdertriebenen Zuvorkommenheit derDienstboten schaut. Ihre Sprache hat sie früher schon isolirt, jetzt kommt sie immer seltener mit den andern zusammen. weil die Herrschaft einen zweiten Eklat fürchtet. O. sie begehrt auch nichts, als ihr Viktorchen zu nähren und zu pflegen! Aber die feindliche Stimmung ist nach der lieben, schönen gnädigen Frau umgeschlagen. Aus allerlei Zeichen merkt sie's. Die Gesichter erhellen sich nicht mehr bei rhrem Erscheinen, man erwidert ihren Gruß nur gezwun gen. Weil sie die Margret in Schutz genommen! Man wittert ein Komplot von Deutschen im Haus. Es brütet ein Unhf'tL Der ifvrr ist Zwar tavser und brav weh dem. der seme Gertrud : - 1 - u r - - antastet! Sie scheinen sich inniger denn je zu !i:ben als wenn etwas käme, . das sie ausernander risse! Heut' kon-; nen sie noch, wie sie wollen morgen schon nicht mehr. Es geht eme Krankheit unter den Franzosen um, die heißt Revanche der widersteht Keiner, sie selbst ist jederzeit bereit, ihr Bündel zu schnüren was soll dann aber aus der lieben, schönen gnädigen. Frau wer den? Welch trübe Gedanken hier auf dem sonnenbeglänzten Boulevard, in der vollen Brandung des rauschenden Pariser Lebens! Sie hat zu viel Zeit zum Nachdenken das ist für so ein einfältig Ding nicht gut! Gelle. Viktorche - Gedanke sin' nit geiund! Es war selbstverständlich, daß Gertrud ihrem Manne von dieser Zusammen'kunft erzählen wollte. Viktor ist zwar eifersüchtig damals in Mülheim wußte er seine von der Leidenschaft gestachelt Abneigung gegen Zeuner nur schwer zu verbergen. Nun ist er ja doch Sieger geblieben eine Thorheit, wenn er so trivial fein wollte! Sie wurde rhn tuchtrg auslachen. Viktor erschien verspätet zur Tischzeit; er vergaß ganz die hübsche Gewohnheit, seiner Frau den Arm zu reichen. um sie zur Tafel zu geleiten, stürmte vielmehr auf's Speisezimmer los, in großer Erregung. Was ist Dir denn, Viktor?" Ein unsinniger Schreck befiel sie: sollte man sie mit Zeuners gesehen ha ben, und da wäre schön dre Eifersucht? Eine Unannehmlichkeit nichts, etwas Geschäftliches laß mich!' Ich nehme keinen Bissen zu mir bis Du mir aesagt. was ts ist. Viktor!(Fortsetzung folgt)

Jur die Küche. Braun e 5us-Supve. Man

bedeckt den Blden einer Kasserolle mit schnitten von Rindertalg, Mohrrüben und Zwiebeln, legt alle vorhandenen klein geschnittenen Fleischabfälle, ebenso zerhackte Bratenknochen, einiae Schinkenscheiben die aber nicht nach Rauch schmecken dürfen hinzu, und gießt eine Kelle Wasser auf. Auf ge lindes Feuer gesetzt, hat man. ohne umzurühren, darauf zu achten, daß die unteren Bestandtheile, das 5?ett. die Zwiebeln und Mohrrüben sich leicht oraunen, oyne anzubrennen, was große Aufmerksamkeit erfordert und nur durch gelegentliches Zugießen von etwas Wasser vermieden werden kann. Ist dies geschehen, so füllt man soviel Wasser auf, als man Suppe braucht, fügt kleingeschnittenen Sellerie, Peter silienwurzel, Porree, Pfeffer und GeWürzkörner, sowie ein Lorbeerblatt und Salz hinzu, laßt die Masse sehr langsam kochen, nimmt das Fett ab, seiht die Suppe durch und richtet sie sehr heiß mit kleinen Klößchen an. Gebratener Käse. Recht irocken ausgepreßter Weichkäse (Quark) wird ungesalzen in einem tiefen Teller oder in einer Schüssel zum Mauken hingestellt und der Fliegen wegen gut zugedeckt. Am besten läßt man den Käse dann in der Küche stehen, weil er rm Warmen schneller schmierig wird. Ist er vollständig gemaukt. gar nicht mehr roh und weiß, dann zerläßt man em Stuck Butter m einer Kasserolle, thut Kummelkorner dazu, salzt dann den Käse, läßt ihn gut durchbraten und gießt ihn dann aies. Man schneide den Kase mcht m Scheiben, denn er trocknet so zu schnell aus, sondern gieße ihn in eine kleine, recht tiefe Schüssel und stülpe dann zu Tisch die Käseglocke darauf. Kalbsröllchen. VomKalbsschlegel werden singerdicke, längliche Stückchen abgeschnitten, ein wenig ge klopft und mit Salz eingerieben. Nun macht man eine Fülle, indem man Kalbfleisch, Petersilie, Schalotten fein verhackt, mit Pfeffer und Salz würzt, ein Ei ein wenig geriebenes Schwarz brot und ein halbes Glas Wein darunter mischt. Mit dieser Fülle belegt man nußgroß die Schnitten, rollt jede zusammen und bindet sie mit Faden gut zu. Sie werden in einer Pfanne mit heißer Butter schön lichtbraun gebraten, der Rückstand mit Fleischbrühe aufgelöst und ein kurzes Soßchen gekocht, das über die Kalbsröllchen ge schüttet wird. Hierzu paßt Kartoffel mus. Heidelbeerpfannkuchen. Man macht einen guten Pfannkuchenteig, indem in einem Pint Milch 6 Eier zerquirlt werden, die man mit etwas Salz und dem nöthigen Mehl zu einem dicklichen Teig schlägt. Von diesem gießt man eine Hälfte m die mit Butterschmalz erhitzte Pfanne und backt den Kuchen unter LfteremHineinstechen, bis er einige Festigkeit erlangt hat. Sodann schüttet man ein Pint gelesene, gewaschene und sehr gut abge tropfte Heidelbeeren, die man reichlich mit Zucker und Zimmet vermischt hat. darauf, bedeckt dieselben mit der andern Hälfte des Teiges und läßt den Pfannkuchen auf beiden Seiten gelb backen. Vor dem Serviren bestreut man ihn noch mit Zucker und Zimmet. Sardellensalat Gew'äs serte Sardellen werden ausgegrä tet und in kleine Streifen geschnitten. dazu. kleingeschnittenePfeffergurken in Essig eingelegte Champignons.Kapem und kleine Mixedpickles. gemischt daS ganze, mit Oel und Essig angemacht und auf einer Schüssel angerichtet. Die Oberfläche wird mit, zusammenge rollten Sardellenhälften,. Kapern, in Essia eingelegten Kirschen, ausgezack ten Citronenscheiben, Scheibchen von geräucherter Zunge oder Cervelatwurst belegt. S ch i ch t k u ch e n.. Hierzu gebort ein Pfund geschmolzene Butter, ein Pfund Zucker, 20 ganze Eier, 1 Pfd. Mehl, etwas Zimmet, Kardamom, abgeriebene Citronenschale, ein Spitz gläschen Rum und eine Tasse süße Sahne. Die Butter rühre man zu Sahne, thue thcelöffelweise das Mehl nach und nach hinzu, dann die Eier, Zucker. Gewürze und Sahne, und zu letzt den Rum. Diese Masse rühre man eineStunde nach einerSeite. Nun schneide man nach einer runden Forin einenBoden vonPapier.lege ihn hinein, streiche die Form gehörig mit Butter aus, nehme einen großen hölzernen Löffel, voll Teig und bestreiche das Pa pier einen dünnen Messerrücken dick. Man stellt nun die Form unter den Deckel einer Tortenpfanne, mache oben ein mäßiges Kohlenfcuer und backe die Scheibe schön gelbbraun, dann nehme man wieder Teig, streiche ihn wie den vorigen einen Messerrücken dick auf diese,, backe sie wie die erste und fahre so fort bis die- Masse kerbacken ist; nur mu man darauf sehen, daß die Schei ben gleichmäßig gelbbraun gebacken werden. Ist der Kuchen fertig, so löse man ihn mit einem Messer behüt sam von den Seiten, stürze die Form auf eine Schüssel um und bestreiche ihn dick mit Zuckerguß. Den Kuchen lasse man erst ganz erkalten, bevor man ihn anschneidet. Armeritt er auflau f. Man brate Weißbrotscheiben in Butter braun. Getrocknete Pflaumen werden schmackhaft gekocht und gesüßt, dann ausgesteint und schichtweise mit den Semmelscheiben in eine Auflaufform' gelegt, die mit Butter ausgestrichen ist. Der eingekochtePflaumensaft wird ab geschmeckt, mit etwa 3 Eiern, Vanille und Sahne tüchtig geschlagen und tocmn über Brot und Pflaumen gegos sen. Schließlich muß der Auflauf eine Stunde bei Mittelhitze backen. Frische Zwetschen sind den getetoelea noch vorzugeben.