Indiana Tribüne, Volume 19, Number 338, Indianapolis, Marion County, 23 August 1896 — Page 2

Käusslchc Plgcnden. Während Eitelkeit. Hochmuth und Vergnügungssucht manchen Frauen das Leben zu einer Quelle immer neu sich erzeugender Unzufriedenheit und ihre Häuslichkeit nichts weniger als anziehend gestalten, bemerken wir bei anderen mit innigem Wohlgefallen die Einfachheit ihrer Erscheinung, die Bescheidenheit ihres Auftretens und die Genügsamkeit ihrer Ansprüche, Eigenschaften, die namentlich jungen Frauen einen ungeahnten Reiz derleihen und ihrer ganzen Umgebung ein gediegenes Gepräge geben. Zu einer anderen Gruppe häuslicher Tugenden gehört die Ordnungsliebe, welche den Haushalt nack jeder Richtung und in allen seinen Gliedern regiert, daß jedes seine Schuldigkeit thue und jedem sein Recht werde, nirgends die Augen durch Vernachlässigungen der Reinlichseit und Symmetrie verletzende Eindrücke empfangen, vielmehr, wohin sie sich auch wenden, wohlthuend berührt werden; ferner dieSparsamkeit. welche Großes mit Wenigem leistet, wo aber reiche Mittel vorhanden sind, doch nichts um-, sondern möglichst Vielen zu Gute kommen läßt, das Kleinste zu verwerthen, das Vorhandene richtig einzutheilen versteht; und der Fleiß, der sich immer nützlich beschäftigt, pünktlich die ihm obliegenden Pflichten erfüllt, keine Zeit verschwendet, aber immer welche übrig hat, um sie im Dienste Anderer gefällig anzuwenden. Sie gedeihen alle im Schooße der Treue, nicht nur in Bezug auf Menschen, die sich von selbst versteht, sondein, worauf es auch ankommt, in Bezug auf die Pflichten, welche auch die Treue im Kleinen fordern. Treue ist Kraft und des Weibes höchste Stärke. Wo Treue ist, da hört alle Lässigkeit und Vergessenheit auf, der Geist der Wahrheit erinnert uns an Alles. Es ist zwar nicht immer leicht, die Wahrhelt zu sagen, aber doch viel leichter, als sich aus einer Lüge herauszuwickeln, die den Lügner meist in die eigenen Netze verstrickt. Nun braucht ?nan zwar nicht, wie Thackeray richtig bemerkt, alle Wahrheit zu sagen weil es Fälle gibt, in welchen das Schweigen darüber zur Pflicht wird, aber man darf nichts, als die Wahrheit sagen.- Was Du als wahr erkennst, verkünde es ohne Zagen!" Die Wahrheit gegen Andere ist aber wenig verdienstlich, wenn sie nicht zu gleicher Zeit gegen das eigene Herz geübt wird und zu aufrichtiger Selbsterkenntniß führt. Wie schnell und.trefsend ist oft unser Urtheil über die Handlungen Anderer, ja selbst über ihreBeweggründe, und wie unklar und beschönigend über die eigenen. Wie oft hätten wir uns unter dem Gleichniß vom Splitter und Balken zu beugen, venn wir nur daran dächten, statt uns zu vermessen, hoch über Andere hinwegzusehen. Zur Wahrheit gegen Andere wie gegen sich selbst gehört Muth, nicht jener physische oder kraftbewußte, sondern der moralische, welcher es vermag, für seine Ueberzeugungen einzustehen und mit allen sittlichen Kräften dafür zu kämpfen. In den meisten Schicksalsfügungen des Weibes offen Hart sich der Muth durch die Standhastigkeit. mit welcher es auch Leiden und Unglück in Stillsein und Hoffen erträgt, und, das vorgesteckte Ziel fest im Auge behaltend, stets unbeirrt vorwärts schreitet. Es liegt in dem weiblichen Herzen ein magnetischer Zug, welcher das Vertrauen anzieht und Beruhigung, Trost und Ermuthigung dafür wiedergibt. Das ist aber nur der Fall, wenn ihm die Verschwiegenheit eigen ist, welche nicht allein wirkliche Geheimnisse zu bewahren weiß, sondern auch feinfühlend für sich selbst behält, was irgend Jemand unlieb wäre, es ausgeplaudert zu wissen. Aehnlich wie Verschwiegenheit erweckt die Zuverlässigkeit Vertrauen, wenn auch anderer Art. Es ist so schön, sich in allen Stücken fest auf Jemand verlassen, seiner Handlungsweise immer gewiß sein zu können, daß eine Frau, die unsere gerechten Erwartungen niemals täuscht, sich ganz wie der Mann cn ihr einmal gegebenes Wort hält, sich um so höherer Achtung erfreut, je weniger gerade diese Tugend ein Gerneingut ihres Geschlechts ist. Die beglückendste Eigenschaft ist und bleibt aber für alle Zeiten die Herzensgüte. Wo sie regiert, da gedeihen Frohsinn, Heiterkeit und Glück. Das Geheimniß des Glückes ist zart und nur von der Seele zu erfassen, die für sich selbst nichts sucht, nichts will, die kein ande-

res Glück kennt, als das, den Mann ihres Herzens glücklich zu machen. Einfach. Studiosus A.: .Ich könnte diesen Kerl von Schneider mit seinem ewigen Mahnen umbringen!Studiosus B.: Wozu denn umbringen? Laß ihn für Dich weiter arbciten, dann verhungert er von selbst!Die gute Hausfrau. Was! Die häßliche Marie willst Du eirathen! Die hat ja einen Kopf wie n Wasserschaff, einen Leib wie ein Butterfaß und Füße wie Vügeleisen!" Macht nichts! Das sind Anzeichen einer guten Hausfrau!" W i e m a n ' s n i m m t. (5xChemann: Da singen dieL?ute immer so trübselig Scheiden thut weh!" und ich bin doch nie fideler gewesen, als vsxc ich mich von meiner Alten hab' scheide lassen Gut ausgerüstet. Ti,nstinädchen: Warum tragen Sie denn immer zwei Taschentücher, qnadige Frau?" Dame: Das versiehst Du nicht? eines ist für gewöhnliche, daö andere für Freudenthränen!AucheineAussahrt. Emmal DeinMann kommt mir so gräm lich bor. er sollte sich mehr zerstreuen. Fährt er denn nie aus?" Aertha: Ja, aber nur aus der Haut!- .

Iaskehtc Gaudeamus.. Eine Münchener kudcntcngeschichte. Ln Max titgenberg.

Mir war damals recht wehmüthig um das Herz, als ich München verlassen sollte! Als ich. ein Norddeutscher, dorthin kam, um mich als studiosus juris immatriculiren zu lassen, da kam ich, offen gestanden, eigentlich weniger Studirens" halber, als vielmehr deshalb, um Jsar-Athen mit seinen 5lunstschätzen und der lockenden Nahe des Hochgebirges kennen zu lernen, und wohlweislich hatte ich mir dazu ein Sommersemester ausgewählt. Und nun waren aus dem anfänglich in Aussicht genommenen Einen Semester der'n vier geworden; mit Ehren trug ich die Burschcnmütze eines Münchener Corps und gar manchesmal hatte ich an den, den Eingeweihten wohlbskannten Orten meinen blanken Schläger gegen den eines Gegners geschwungen und manche frohe Burschenfahrt an den Starnberger- oder Ammersee mitgemacht. Ich hatte die schöne Stadt an der rauschenden grünen Jsar von Herzen lieb gewonnen, treue Freunde dort gefunden und angenehme Erinncrangen hatten mir so manchen Ort geweiht. Alles' das sollte ich nun aufgeben; Corpsbrüder und Burschenband, Schläger und Fechtboden, Kneipe und Kaffeehaus sollte ich verlassen! Aber die Zeit drängte; ich stand nicht mehr fern vom Staatsexamen, und dieses konnte ich als Jurist nur auf einer heimathlichen LandesUniversität ablegen, die ich also nunmehr, der Noth gehorchend, nicht dem eigenen Trieb zu beziehen mich anschickte. Man wird iekt die stille Webmutb begreifen, mit der ich dem Abschied entgegensah. Außer mir verließen damalS nocy zwei orpsbruder das Corps als ?lnactive. und es war vorauszusehen, daß die Abschiedskneipe ziemlich lebhaft werden wurde, da außer mehreren in München sich dufhaltenden ?lnactiven auch einiae .alte Herren" daran theilnehmen wollten. Viatuxlii) wurde auch Muck nicht fehlen. Muck! Alter, auter Geselle mit dem ebrlieben, treuen Gesicht, ich reiche Dir im Geiste die Hand und iekt. wo ich Dein gedenke, steigt die alte, schöne Zeit erst recy: levyast vor mir aus. Mir ist, als hörte ich Dein dröhnendesSchmollis oder Deinen mäcktiaen Ban. mit dem Du, gleichsam de prbfirndis, das Gaudeamus" oder den Landesvater" anstimmtest: ich sehe Dich, wie Du mit Deiner breiten Hünengestalt auf meiner ersten Mensur als mein Secundant neben mir blassem Muttersöhnchen standest und mir zuflüstertest: Nur keine Angst, mein Junge, vor einem bischen Blut! Bier macht Alles wieder gut!" Und ich sehe Dich, wie Dein Gesicht strahlte, als der Unparteiische" verkündete, daß Abfuhr" auf Seiten meines Geaners wäre, und ich höre, wie Du mir zuriefst: Ein paar Blutige" hast Du, aber ein verdammter Kerl bist Du! Aus Dir kann noch was Gescheidtes werden!" Wer Muck war? Ein Student, ein Mensch mit einem Herzen, rein und treu, wie GoN, und mit einem Gemüth so kindlich und lauter, wie ich's nie wieder bei einem Manne gfunden babe. Als ich in das Korps einsprang", hatte Muck schon eine erkleckliche Zahl von Semestern hinter sich; er besaß eine gewisse Anläge zum ewigen Studenten". Beim Schlägerklang und Becherklang fühlte er sich am wohlsten. Seine Eltern, deren einziges Kind er gewesen, hatte er schon früh verloren und sie hatten ihm ein bedeutendes Vermögen hinterlassen, über das er jetzt unbeschränkt verfügen konnte. Er studirte Mediein. aber vom Collegienbesuchen hielt Freund Muck nicht viel; das überließ er uns Füchsen" und sagte sich: Wozu sollte ich da in's Colleg gehen? 's ist ja doch immer alle Semester das Gleiche! Singen wir lieber ein Gaudeamus!" Und so geschah es. daß Freund Muck ein Gaudeamus nach dem andern sang, daß ein Semester nach dem andern über sein Haupt hinzog, daß der jungen Füchse, die ihn in litteris" überholten, eine erkleckliche Zahl wurde, ohne daß der bemooste Bursche sich zu energischem Studiren entschloß. Plötzlich aber es war im letzten Semester meines Münchener Aufenthaltes war Muck inactiv geworden. Jetzt wird g,arbeitet!" hatte er lakonisch gesagt. Sämmtliche Burschen und Füchse hatten ihn starr angesehen, und wäre es nicht am frühen Morgen gewesen, als dieses erschütternde Wort ausgesprochen wurde, so würde man ohne Zweifel dem Bacchus die Schuld daran zugeschoben haben. Aber das ging so doch nickt; Muck war fast feierlich ernst und keiner der Füchse wagte daher, auck nur eine Miene zu vcrziehen. Muck ließ sich nun einige Tage lang auf der Kneipe nicht sehen. Aber schon nach etwa einer Woche kam cr wieder, regelmäßig wie früher, fast noch regelmäßiger. Man muß sich nach der Arbeit doch eine Erholung aönnen!" saate er da- ! bei. Wenn Ihr Füchse so aearbeitet bättet, wie ich. so würdet Ihr auch : Durst baben und Euch nach ordentlic?er esellsckast sehnen !" Die Füchse aber pfleaten liorri bilt dictn! bei solchen inbalts. schweren Worten des bemoosten Hauptes verständnißinnig sich zuzulächeln : denn sie wollten beobachtet haben, daß Mucks Arbeiten dann bestand, daß er sich aus der Staatsbibliothek einige medicinische Werke entlieh. ioüfbevofl und mit feierlichem Schritte, die Allcher unter dem Arm, einige Male die Lttdwiastraße vom Obeonsplatz bis zum Siegesthor auf und ab ging und tenn bei sich daheim die Bücher auf-

geklappt auf seinen Schreibtisch legk, ohne ihr behagliches Stillleben etwa durch eine frevelhafte Neugier nach ihrem gelehrten Inhalt zu stören. So also munkelten die Füchse untereinander, Und es gab ich muß es leider gestehen auch mehrere bier--hpniZG "3l Ziq 'uajinß Ztzziatz, ten vollständig Glauben schenkten, weil sich das Gegentheil davon nicht mit ausreichender Sicherheit feststellen ließ; das einzige bestimmte, entgegensiehende Zeugniß, dasjenige Mucks, wurde, besonders von den Juristen, als im höchsten Grade anfechtbar hingestellt. Jedenfalls lag, selbst für die gläubigsten Naturen, über Freund Mucks Arbeiten" ein geheimnißvoller Schleier, den selbst seine wort- und tugendreiche Hauswirthin uns gegenüber nicht zu lüften vermochte. Viel zu Hause", pflegte sie zu sagen. ist der Herr Doctor nicht" alle Studenten werden von ihren Wirthinnen Herr Doctor" titulirt aber Morgens trinkt er immer Kaffee zu Hause!" Diese Gewißheit berubuzte uns außerordentlich, wenn unL etwa der bange Gedanke beikommen wollte, daß Freund Muck sich bei seinem Arbeiten" überanstrengen und Schaden thun könnte. Im Uebrigen wußten wir ziemlich genau, wo er sich tagsüber aufhielt: auf dem Fechtboden und auf der Kneipe, und wo zwei oder drei aus unserer Verbindung sich zu fröhlichem Thun zusammenthaten, da konnte man auch mit zweifelloser Sicherheit den guten Muck mitten unter ihnen, und nicht als den letzten, antreffen. Aus's Tiefste mußte es natürlich sein couleurtreues Gemüth betrüben, als er erfuhr, daß am Schlüsse des Semesters nicht weniger als drei Burschen ausscheiden wollten. Kinder", meinte er und wiegte bedächtig sein würdiges Haupt, wenn das Corps so viele Verluste hat. werde ich doch wohl wieder activ werden müssen, bis der junge Nachwuchs sich herausgemausert hat!" Und in der That trug er sich mit diesem Gedanken umsomebr, je näher der Schluß des Semesters heranrückte, und gewissermaßen, um uns zu zeigen, mit welcher Würde und Resignation er sich in das ihm unvermeidlich Scheiriende zu fügen wissen werde, begann er bereits jetzt, seine berühmten Gänge zur Königlichen Bibliothek auf ein äußerstes Minimum einzuschränken und wenig? Bücher, als vordem, bedeckten seinen Schreibtisch. Am Vormittaae des Tages, an dem die große Abschiedskneipe stattfinden sollte, begegnete ich Muck in der Ludwigstraße, aber ohne Bücher! 'n Morgen. Muck! Wohin willst Du denn?" Ich? Hm! Bischen bummeln, dann Frühschoppen machen!" Bist Du in der Bibliothek gewesen?" Er sah mich mit einem Blicke an, als zweifle er an meinem Verstände. Willst Du Dich über mich lustig machen?" fragte er mit unsagbarer Verachtung im Ton. Wer wird denn jetzt am Semesterschluß noch Bücher aus der Bibliothek holen!" Na, ich dachte nur " Unsinn! Was Ihr junges Volk Euch im sogenannten Denken leistet, das übersteigt alle Begriffe! Das Denken, mein Junge, . muß man in sehr homöopathischen Dosen gebrauchen, sonst wird's schädlich! Das sage ich Dir und darum darfst Du es ohne Weiteres glauben!" Schon gut, mein lieber Muck! Du bist im Uebrigen ein trefflicher Kerl!" t Das will ich meinen! Nie sahen die Gassen, über denen das Münchner Kindl thront, einen Würdigeren! Und ich werde dafür sorgen, daß sie dieses Glückes für's Erste auch nicht beraubt werden sollen!" Eben wollte ich mit einer launigen Bemerkung entgegnen, als ein gellender markerschütternder Schrei an un sere Ohren drang. Wir sahen nach der Richtung hin, woher er erklungen war. Ein schweres Unglück war geschehen. Ein kleiner Junge von sieben bis acht Jahren hate sich an zwei Pferde eines auf der Straße haltenden Wagens herangewagt, von denen das eine Thier plötzlich ausschlug und den Kleinen so unglücklich traf, daß er blutend und ohnmächtig zu Boden stürzte. Man trug den Schwerverletzten in ein nahestehendes Haus ; händeringend kniete ein blasses, abgezehrtes Weib neben dem Kinde: seine Mutter. Wir traten hinzu. Der arme Kleine blutete furchtbar aus seiner klaffenden Kopfwunde. Es ist schon zu einem in der Nähe wohnenden Arzt geschickt worden", sagte uns ein Gendarm, aber die Herren sind ja in diesen Stunden fast alle auf Praxis unterwegs; und bis man das Kind in die Klinik transportirt, verblutet es sich unterwegs, wenn ihm nicht sofort ein Nothverband angelegt werden kann!" Der Mann hatc offenbar recht. Hier mußte, wenn nicht das Schlimmsie eintreten sollte, sofort die Blutung gestillt werden. Wenn man nur eine kundige Hand in der Nähe gehabt hätte ! Sag' mal. Muck, kannst Du das nickt?" fragte ich. Er sah mich fast erschrocken an. Ich?! Ja eigentlich sollte ich's können aber ich kann's nicht!" Und dabei machte cr ein so trauriges Gesicht, wie ich's nca? nie bei ihm bemerk: hatte. Minute auf Minute ver rann, stumm standen die Anwesenden neben der schluck zenden und händcringenden Mutter. Arme Frau, sagte der Gendarm, es ist ihr einziges Kind!Wo wohnt sie denn?" fragte Muck. Der Gendarm nannte die Adresse. Endlich, endlich kam ein Arzt! Er war sehr ernst, als er das Kind sah, legte einen Verband an und gab dann Befehl, den Knaben in die Klinik zu schaffen.

Ich war etwas überrascht, als gegen Abend Freund Muck in meiner Judeerschien. Weißt Du was", sagte er zu mir, wir wollen in die Klinik gehen und sehen, was der Junge macht! Er thut mir furchtbar leid! Und dann kannst Du 'mal ein Goldstück in Deiner Tasche losmachen ich hab's auch gethan; es soll für dis Mutter sein, sie wird's brauchen können, glaub' ich!" Du bist ein Prachtmensch, Muck!" entgegnete ich. ihm freudig beistimmend. Er antwortete nicht gleich; sinnend sah er vor sich nieder. Erst nach einigen Augenblicken nahm er das Wort : Es ist doch wirklich eine verteufelte Geschichte, wenn man bei so etwas dabei stehen muß und nicht helfen kann! Man kommt sich verflucht überflüssig in der Welt vor!" Lieber Muck", sagte ich, Dich hat, wie es scheint, der Vorfall von heute Morgen sehr nachdenklich gestimmt!" Nun ja", gab er zur Antwort, ich werd's nie vergessen, wie das arme kleine Würmchen so blutend dalag und die Mutter um ihren Liebling weinte und jammerte! Wahrhaftig," setzte er tief aufathmend hinzu, so ein alter Student glaubt gar nicht, wie furchtbar ernst das Leben ist! Aber nun thu' mir den Gefallen und beeile Dich ein wenig Du bist heute von einer Langsamkeit, als gälte es, saures Bier auszutrinken!" Ich müß mich aber doch etwas abbürsten " Ach was! Bei Nacht sehn alle Katzen grau aus, und draußen ist ein Hundewetter, daß sich kein Mensch darum kümmert, ob Du abgebürstet bist oder nicht!" Muck hatte recht. - Als wir auf die Straße traten, pfiff uns ein schneidend kalter Märzwind entgegen und trieb uns Schnee und Regen in das Gesicht. So schnell wir auch vorwärts schritten, es fröstelte uns doch, und wir waren froh, als wir in dem angenehm durchwärmten Corridor der Klinik angekommen waren. Ein Herr trat uns entgegen. Unsere bunten Mützen verriethen uns ihm als Studenten und er vermuthete wohl in uns Beiden Mediciner. Wünschen Sie den Professor 3. zu sprechen?" fragte er. Nein", entgegnete Muck, wir suchen hier einen Patienten, über dessen Befinden wir gern Näheres wissen möchten!" Darf ich fragen, wen Sie meinen?" Gewiß!" meinte Muck. Es ist der Junge, der heute Vormittag in der Ludwigstraße von einem Pferde geschlagen worden ist!" Oh, der arme kleine Kerl! Da kann ich Ihnen die genaueste Auskunft geben freilich kein gute: er liegt bereits im Todeskamp'fe! Der Blutverlust war für das arme, schlechtgenährte Bürschchen zu stark er ist nicht zu retten! Wäre bei dem Unfall gleich kündige Hilfe zur Stelle gewesen, so wäre der Junge zweifellos gerettet worden! Jeder junge Mediciner in den ersten Semestern pflegt so etwas zu können, und es muß ein eigener Unsiern über dem Verletzten geschwebt haben, daß gerade zur kritischen Stunde kein Einziger in der Nähe war. So ist jetzt keine Rettung mehr!" Ich sah, wie Muck zusammenzuckte, und eine tiefe Rübrung über sein braunes und narbenbedccktes Gesicht huschte. Er trat an den Assistenzarzt ein solcher war der Herr, der uns Bescheid gegeben heran und sagte mit bewegter Stimme: Sie irren, Herr Doctor, wenn Sie glauben, daß kein Mediciner an der Unglllcksstätte zugegen gewesen wäre ! Es war doch Einer da aber ein Faullenzer, ein Bummler, der nichts gelernt hat, als Kneiplieder zu singen und auf die Mensur zu gehen, der aber aus diesem Vorfall sich eine Lehre für's ganze Leben genommen hat!" In diesemÄugenblick trat aus einem der Krankenzimmer eine Frau, weinend und schluchzend, heraus. Wir erkannten sofort die Mutter des verunglückten Knaben wieder. Dem Umsinken nahe, kam sie auf den Assistenzarzt zu. Er ist todt!" stöhnte sie. Der Arzt führte sie zu einem Stuhle, in dem sie zusammenbrach. Muck nahm seine Börse, in der ich mehrere Goldstücke blitzen sah, und schob sie der Bewußtlosen in die Tasche. Ich kann ihr den Jungen nicht ersetzen", sagte er leise. Aber ich will ihr helfen, die Sorgen zu tragen das. meine ich, bin ich ihr schuldig!" Er wandte sich an mich. Komm'", sprach er. Laß uns gehen! Ich ertrage den Anblick der Frau nicht mehr! Sie mahnt mich an an meine Vergangenheit ! Ich aber ich will die Zukunft sehen!" Und festen Schrittes, erhobenen Hauptes schritt er an meiner Seite aus der Klinik. Lange sprachen wir kein Wort. Plötzlich blieb freund Muck stehen; eine ernste Entschlossenheit lag auf seinen Zügen. Du seierst heute Deinen Abschied." sagte er. Es wird Zeit, daß wir in die Kneipe gehen! Ich aebe mit. obwohl mich beute das Schicksal aus einem sangesfroben Träumer zu einem entschlossenen Mann umgeschmiedet k?at. Wahrhaftig, ich hätte nie gedacht, dan tö so ernst werden könntewie ich ieM bin! Und renn'S nicht gerade Deinen Abschied gälte, so ginge ich nicht ur Kneipe! Co aber ma's drum sein zum letzten Male sollen die alten Lieder erklingen und soll der Scblaaer bliben. und drum komm'. mein Junge, zum letzten Gaudeamus!Er hat Wort gehalten. Heute ist Freund Muck ein gesuchter und geschätzte? Arzt, ein geschickter Chirurg. dessen sichere Hand schon Manchen dem Tode entriß: aus dem Studenten" wurde ein Mann im schönsten Sinne des Wortes.

Grüß Dich Gott, alter, treuer Geselle, und grüß Dich Gott, alte vielliebe Stadt an der grünen Jsar, die Du uns Männer werden sahst! Schlanke Lcne. Von Georg Gcrtz. '

Lene Nissen und Christian Claussen waren Nachbarslinder; drunten am ffischerthor wohnten ihre Eltern. Sie hatten zusammen gespielt und Kinderfreundschaft geschlossen, denn Christian hatte sich immer des kleinen Mädchens ritterlich angenommen. Als sie dann confirmirt warn, hatten sich ihre Wege getrennt. Lene war in Dienst gegangen" und Christian zur See. Nach einigen Jahren erst sahen sie sich wieder. die Kinderfreundschaft war noch nicht vergessen und aus der Freundschaft wurde Liebe. Zu verwundern wars freilich nicht, denn am ganzen Fischerthor gab es kein schmuckeres Mädel als Nissens Lene. und Christian Claussen war der gewandteste Bursch rund herum an de Waterkant." Lenes Eltern hatten gegen die Heirath mit Nachbars Christian nichts einzuwend.. doch hatte es mit der Hochzeit gute Wege, denn zuvor woll' Christian sein Steueiannnsexamm machen und Lie wac doch auch noch gar zu jung. Nach ein paar frohen Wochen mußten die Liebenden sich aberxnals trennen. Christian ging wieder zur See, um voll befahrener Matrose zu werden und Lene in Dienst. Wieder vergingen einige Iah in schnellem Fluge. Christian hatte seine Fahrzeit erreicht und wollte zumHerbst auf die Steuermannsschule gehen. Vorher kam cr aber noch für einige Wochen nach Hause und da Lene seit einig Zeit ebenfalls bei den Eltern weilte, so gab es fröhliche, selige Stu?den für die jungen Leute. Ach, viel zu schnell flohen sie dahin und bald hieß es wieder scheiden. Christian bezog die Steuermannsschule in F. und mußte alle Kräfte anspannen, wenn er in der vorgeschriebenen Zeit das gesteckte Ziel erreichen wollte. Trotzdem fehlte es auch anZerstrcuungen nicht. Dem jungen Steuermannsschüler erschlossen sich zum ersten Male wohlhabendere Familienkreise, denn manche Mutter sah den angehenden Capitän als gute Prise füv eine ihrer Töchter an. So kam Christian such in dasHauz des Schiffsrheders Niels Jessen, und er fand sich angeheimelt von dem Zauber des Familienlebens, das er in dieser Weise noch nicht kennen gelernt und während der Seefahrtszeit überhaupt ganz entbehrt hatte. Der strebsame junge Mann, der ebenso verständig mit dem Hausherrn über Handelsund Schifffahrtsverhältnisse zu sprechen wußte, wie er die Frau des Hauses und die beiden erwachsenvl Töchter durch Schilderungen seiner weitenReisen zu unterhalten verstand, war bald ein gern gesehener Gast in der Fami lie und brachte manchen Abend in derselben zu. Wie gemüthlich saß es sich um den runden 'Theetisch, wie anmuthig wußte Hilda, die jüngste der Töchter, den Theepunsch zu kredenzen! Nie hatte ihm Theepunsch, dies Nationalgetränk der Nordschleswiger, köstlicher gemundet. Unwillkürlich verglich er Hilda mit seinev Lene und dieser Vergleich fiel stets zu Gunsten der ersteren aus. Die umfassendere Bildung, die feineren Manieren und das anmuthigere Wesen Hilda's stachen gar sehr ab gegen das einfache Benehmen des Mädchens aus dem Volke. So kam es, daß Lene's Bild in seinem Herzen erblaßte, und Hilda'sVild an dessen Stelle trat. Erst schattenhaft, unbestimmt, dann immer deutlicher und zuletzt strahlte es in voller Klarheit. Auch Hilda hatte den jungen Seemann lieb gewonnen, ahnte sie doch nicht, daß sein Herz schon einer andern gehört hatte. Christian hatte zwav noch nicht officiell um ihre Hand angehalten, aber aus einzelnen Andeutungen derMutter konnte er entnehmen, daß er als Schwiegersohn willkommen sei. Auch hatte er sein Verhältniß zu Lene noch nicht qelöst. denn 'ihm fehlte derMuth. es plötzlich abzubrechen und ihr mit dürren Worten den Abschied zu geben. Er wollte es allmählig einschlafen lassen. So schrieb er denn seltener, die Briefe wurden kälter und zuletzt hörten sie ganz auf. Das arme Mädchen härmte sich und ahnte, daß es mit Christians Liebe aus sei. Aber ihr treues Herz wollte daran nicht glauben. Das Jahr verging. Christian bestand die Prüfung mit rühmlicherAusZeichnung. Mit seinem Steuermannspatent für große Fahvt- trat er oanr: wohlgemuth vor Niels Jessen. um Hildas Hand von ihm zu erbitten, freudig erhielt er das Jawort und als Mitgift eine neue, noch im Bau begriffene Vark, auf der er zunächst als Steuermann fahren und die er später als Capital führen sollte. Christians Glück schien gemacht. Nach wenigen Wochen schon sand die Hochzeit statt. Lene hatte von Christians Verlobung mit der Rhederstochter gcbört, allein auch jetzt ließ sie die Hosfnu7.J noch nicht völlig sinken. Sie beschloß selbst nach F. zu reisen, um aus Christians eigenem Munde ihr Schicksal ZU vernehmen. Trotz des Abmahnens der Mutter machte sie sich eines Tages auf den Weg nach F. Als sie bier an der Marienkirche vorbeikam, waren viele Menschen um das Portal versammelt. Es fand eine Trauung statt, und auch Lene trat hinzu, gerade, oH der Brautwagen vorfuhr. In schwerem,

weißen Atlaskleide, den blübcnden Myrthenkranz und weißen Schleier im blonden Haar, entstieg die glückliche Braut demselben. Aller Blicke richteten sich auf die liebliche Erscheinung. Auch Lene hatte sie betrachtet und wandte nun ihv Auge dem Bräutizam zu. Aber kaum hatte sie ihn angesehen, als alles Blut ihr zum Herzen zurückströmte. Wars Wirklichkeit, oder äsfie sie ein Traum? Ja. es :oar wirtlich Christian, der an der Seite dcr ludlichen Braut einherschritt. Glückstrahlend schaute er sich ringsum. als er die Stufen zum Portal emporstieg. Da traf sein Blick Lene und als habe er ein Gespenst geschaut, so fuhr rr zusammen. Nur einen Augenblick hatte er das todtblasse Gesicht Lenes gesehen, nur eine Secunde hatten sich ihre Blicke begegnet, aber diesen unsäglich traurigen, vorwurfsöillen Blick würde er sein Leben lang nicht mehv vergessen können, das fühlte er. Die Trauung bcgann, aber Christian hörte nichts von den Worten des Geistlichen und Hild mußte ihn erst anstoßen, damit er auf die Frage desselben antwortete. Sein verändertes Wesen fiel allgemein auf. aber er schützte plötzliches Unwohlsein vor. das wieder vorübergehen werde. Späte? war er auch wieder heiter, 20er seine Fröhlichkeit hatte etwas erzwungenes. Immer wieder tauchte das blasse Gesicht Lenes vor ihm auf. Und Lene? Als die Menge sich verlaufen hatte, wankte auch sie fort. Ihr war, so wüst im Kopfe, so leer und todt im Herzen. Sie konnte kaum denken, so wirr gingen ihre Gedanken durcheinander. Nur fort wollte sie. fort von hier, wo sie ihr Glück zu Grabe getragen hatte. Wie sie nach Hause gekommen, wußte sie nicht; ihre Mutter erschrak über das veränderte Aussehen und suchte sie zu trösten, so gut ji? es vermochte. Doch es war vergebens. Lene war wie gestorben. Sie weinte und klagte nicht, aber diese Stille, diese eisige Ruhe war beängstigend. Mechanisch verrichtete sie ihre Arbeit, aber oft hielt sie inne und starrte verständnißlos ins Weite. Dann schrak sie plötzlich, zusammen, griff mit der Hand an den Kopf, als ob dieser sie schmerzte u-nd fuhr wieder in dcv Arbeit fort. Nach einigen Wochen kam Christian nach K. um die neue Bark, die ihm sein Schwiegervater geschenkt hatte, nach abzuholen. . Lene hatte davon gehört. Eme sieberhafte Aufregung bemächtigte sich ihrer und riß sie aus ihrer Theilnahmlosigkeit heraus. Sie wollte Christian noch einmal sehen, zum letzten Mal. Vergeblich suchte ihre Mutter sie davon abzuhalten. Lene ging hinab an den Hafen, wo der Hainan" am Vollwerk vertaut lag. Es war ein sonniger Frühlingstag; eine frische Brise wehte aus West, die losen Segel flatterten lustig von den Naaen und geschäftig eilten die Matrosen an Deck auf und ab, um die letzten Vorbereitungen zur Abreise zu treffen. Jetzt kam auch Christian die Cajütstreppe herauf, begab sich auf die Commandobvücke und bald erscholl der Befehl zur Abfahrt. Die Segel wurden angebraßt, die letzten Taue, wekhe das Schiff noch ans Land fesselten, wurden losgeworfen und langsam setzte sich der Hainan" in Bewegung. Noch einmal schaute Christian nach dem Ufer zurück um die Abschiedsarüße seiner Bekannten, die zahlreich daselbst versammelt waren, zu erwidern. .Da traf sein Auge auch Lene, welche etwas abseits, bleich und starr wie eine Bildsäule, stand. Er schrak zusammen bei ihrem Anblick, ein Zittern durchlief seinen Körper und krampfhaft umklammerten seineHände das Geländer der Commandobrücke. Aber nur einen Augenblick dauerte diese Schwäche, dann ermannte er sich und gab Befehl, auch die Oberbramsegel zu setzen. Aber sein Commandowort übertönte ein gellender Schrei, und als er sich umwandte, sah er wie Lene sich in den Hafen stürzte. Den Booten in der Nähe gelang es zwar, sie zu retten, allein ihr Verstand war von Stund an umnachtet. Seeleute sind abergläubisch; auch Christian war davon nicht frei. Es war überzeugt, daß dies Vorkommniß ihm ein Unglück bedeute, daß er bald mit seinem Schiffe untergehen werde. Allein Jahre vergingen, ohne daß seine Befürchtung eintraf. Doch glücklich war er nicht. Sein Gewissen ließ ihm keine Ruhe; selbst in der eigenen Familie konnte er nicht froh werden. Er wurde ein menschenscheuer, finsterer Mann, ein harter, strenger Capitän. Nie war ihm wohler, als wenn er auf dem Meere war, und der Sturm orkanartig toste. Er war verwegen wie kein Anderer. Was lag ihm am Leben! Man nannte ihn nur den wilden Capitän". Der Tod schien ihn zu fliehen. Er fuhr mit beispiellosem Glück und häufte Gold auf Gold. Aber was nutzte ihm der Reichthum, er konnte sich damit den Frieden und die Ruhe des GeWissens nicht erkaufen! Rastlos, ruhelos durchfuhr er die Meere, den Tod ersehnend. Endlich fand er ihn. In einem Sturm scheiterte sein Schiff in dev Todtenbucht bei Skagen und in der tosenden Brandung ging er unter. Die arme Lene aber hat noch keine Ruhe gefunden. Die Rosen der Wangen sind längst verblüht, von der früheren Schvnl,eit ist keine Spur mehr übrig, d Körper ist gebrochen. Aber, eins ist iqr aus der Jugendzeit gebtteben, ihr Beiname schlanke Lene"; NUH daß er allmählich zum Spottnamen für Ue arme Irre geworden ist. Schon manches Jahrzehnt wandert sie alltäglich zum Hafen hinab, um ihren ChDistian zu erwarten, und bietet durch ihr sonderbares Benehmen den

Straßenjungen einen willkommNle llnlaß zur Neckerei. Doch unbekümmert um das schlanke Lene, schlanke Lene!" das sie ihr nachrufen, setzt sie ihrenWeg .fort. Nur wenn einer der ausgelassenen Schlingel dicht an sie heranläuft und am Kleide zupft, wendet sie sich hastig um. droht den Jungen und schür sie, was freilich nur zur Folge hat. daß die ganze Rotte in ein johlendes Gelachter ausbricht und desto lauter ihr schlanke Lene, schlanke Lene!" erschallen läßt. Ihr Ziel ist immer dasselbe: der Hasen. früh morgens, wie Nachmittags und Abends. Dort, wo die Bootführer ihr Standquartier haben, wo der Blick frei übev die Föhrde schweift, bis hinaus in die offene See, bleibt sie siehen und schaut erwartungsvoll auf die grünblaue Fluth, deren glitzernde Wellen von Schiffen und Booten durchfurcht werden. Wenn ihr scharfes Auge dann am fernen Horizont ein Segel gewahrt, das dem Hafen zusteuert, wendet sie sich jedesmal mit der Frage an einen der herumstehenden Bootsführer: Js dat nich die Bark Hainan". mit "et min Chrischan torügg summt!" Und wenn sie darauf die Antwort erhält: Ne Lene, dat is en anner Schipp", dann wendet sie sich enttäuscht um und geht still ihres Wegs, um nach einigen Stunden wiederzukommen und zu fragen: Hebbt se nich hört, ob Crischan Claussen hüt torügg kamen is? Ja, ja. he mutt seker kamen." Doch wieder erhält sie nur eine verneinende Antwort und wieder wendet sie sich enttäuscht ab und geht, leise vor sich hinmurmelnd, nach Hause. Hinter ihr her aber schallt der Ruf der Stra ßenjungen: Schlanke Lene, schlanke Lene!" Trci Noscn. Von Hermann Abnoa. Ich schied von dir und zog durchsLand

Drei lange, lange Wochen, Da hast drei Röslein du gesandt. Die du für mich gebrochen. Das eine roth wie Feuer glüht. Das zweite gelb wie Mondlicht blüht Und weiß wie Schnee das dritte. Ein böser Kobold hat zu mir Heimtückisch da gesprochen: Den Sinn der Röslein deut' ich dir: . Drei Röslein sind drei Wochen. Von heißer Gluth die erste brennt, Gleichgiltig sich die zweite nennt. Und kalt und stumm die dritte. . Da hab' die schlimme Kreatur Ich fortgejagt mit Schelten: Das weiße Röslein kann doch nur Als erste Woche gelten. Die erste Woche still vermißt. Voll Ungeduld die zweite ist. Vor Sehnsucht glüht die dritte. Y, Nun sag mir schnell, mein Herzenskind' Ob ich nicht recht gesprochen. Und gib drei Küsse mir geschwind Für die drei bösen Wochen! , Die zahl' ich flink dir dann zurück. Doch ob's genug mit dreien Stuc5 Was kümmert's einen Dritten? NeuerVeruf. Gasi (zum Vett ler): Sie sollten, dachte ich, doch etwas arbeiten, statt betteln! So eiu kräftiger Mensch schämen Sie sich!" Bettler: Ich arbeite schon, meine Herren, nur ist mein Jeschäft zur Zeit noch etwas problematisch; Zukunft hat's wohl aber et jeht noch nich recht!" Gast: Nun. was sind Sie denn eigentlich, wenn man fragen darf?" Bettler: Ick bin Bremser bei einer Luftballon-Jesellschaft!" Rückerinnerung. Bauer: Also, wie war die Schlacht, die Du mitgemacht hast?" Beurlaubter : Fürchterlich! Unsere Compagnie war in einem Dickicht im Hinterhalt. Alle fünf Minuten hat unser Hauptmann g'sagt: Kinder jetzt kommt an uns die Reih'!" und da haben wir immer einen Zug aus der Schnapsflasche gethan und uns zum Tode vorbereitet. DaS hat gedauert von Früh bis Abends. Dann ist auf einmal ein Adjutant daher gekommen und hat g'sagt, daß wir's gewonnen haben!" Schlimmer E m p fan g. In eine einsame Farm in Californien brach des Nachts ein Bär ein. Die allein ' zu Hause befindliche Frau glaubte, es sei ihr Mann, der betrunken nach Hause komme, und empfing ihn, ohne vorerst Licht zu machen, nach Gebühr. Der Bär soll noch in derselben Nacht elf Meilen gelaufen, und durch mehrere Wochen, wegen seines gräßlichen Aussehens, von seinen Genossen gemieden worden sein. Für alle Fälle. Gast: . . . Sie sehen ja, ich habe alles eingekauft, was ich brauche!" Hausirer: E' feines Rasirmesser!" Gast: Ich rasire mich nie selbst!" Hausirer: Nu, vielleicht brauchen Se's, wenn Se emol e' Selbstmördche versuchen wollen!" JmAmtseifer. A.: Herr Registrator, ich möchte um den Akt Hundswuth in Oberhausen" gebeten haben." Registrator: Hundswuth, die hat, mein College Stockheider, nächste Thüre links: ich habe blos die Maul- und Klauenseuche und die Ninderpest." Höchster Grad. Woher haben Sie denn die Neuigkeit?" De? Herr Notar hat sie mir erzählt Was, der Herr Notar? Ich sage Jh. nen, der Mensch lüo,t. daß man nicht einmal das Gegentheil von dem glau ben kann, was er sagt!" Aus dem Gerichtssaal. Präsident (zumAngeklagten): In der That, Sie haben an Grausamkeit und Rohheit alles Dagewesene übertrfferr selbst einen Thomas, einen Troppmann " Angeklagter (mit Be scheitelt): " Oh. Herr Präsident! Sie vollen mir schmeicheln!" ' ;

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