Indiana Tribüne, Volume 19, Number 330, Indianapolis, Marion County, 16 August 1896 — Page 3

Revanche! von Arander ZZaron von Aoöcrts. (5. Fortsetzung). Seine massive Germanenqestalt raq

t: so plump im Hintergrund der Loge WI. . 4 rr- c uvcc vle anoern yeroor. urr toiid nie ein Pariser werden, daran verzweifelte seine Frau, weder in Haltung, noch Meidung, noch Gesicht, noch Sprache! ÄaZ kann er für sein Gesicht? WaZ dafür, daß er dem Typus des Deutschen so erschreckend ähnlich sieht, wie ihn die pariser Witzblätter m gehasirger Karrikatur hinzumalen pflegm? Nicht einmal der Napoleon III. will an dem feisten Kinn kräftig genug gedeihen, um diesen Typus zu ve.-wischen. Jakob Schneider hörte nicht auf den Äeseyl; seme vorquellenden, runden, stets erstaunt aussehenden Augen stöberten im Saale umher; von Zeit zu Zeit nahm die Rechte, den kleinen Finger mit der Brillantenlast in ungeschickter Geziertheit nach auswärts gerichtet, das Opernglas zu Hilfe. Seine brennende Sorge war, ob auch die Situation gebührend beobachtet werde seht doch her: derroße Boularde, der schon einen ganzen Akt hindurch die Loge mit dem Glanz seiner Berühmtfyit überstrahlt! Rosa unterstützte ihn in dieser Kontrolle. Aber während sie vorhin mit lebhaftem Wohlgefallen das neugierige Herzrelen der Operngläser bemerkt hatte, fühlte sie sich jetzt unbehaglich unter all den Blicken und Bemerkungen. Ja. f meinte den Klatsch und di: Mißgunst tuscheln und flüstern zu hören: Wer ist die reizende Dame ne.ben Madame Schneider?" Die in Hechtgrau es ist die Preußin, tü'tn Sie." .Aber sie ist prächtig!" (Ein helles Staunen.) Wie Boularöde sich mit ihr beschäftigt!" Er ist ein Schwerenöther!" Jetzt lachen sie zusammen sie scheinen sich sehr zu amüsiren." Die arme Madame Schneider!" Was die sich auch einbildet!" Gertrud ließ ihren Enthusiasmus über Paris freie Flügel. Einem blasirten Gourmet schmeckt zur Abwechslung das einfachste Gericht so fand der verwöhnte Götze ein inniges Bergnügen an d?m backfischartigen Geplauder, und er ging behaglich darauf ein, mit ihr die Schönheiten der Weltsiadt Revue Passiren zu lassen, die Boulevards, die Ehamps-Elys6es, die Seine, Notre-Dame, Versailles, ah und den Louvre. Frau Schneider stimmte an dieser Stelle ein. Die Himmelfahrt von Murillo wunderbar! Ach und die Venus von Milo!" fuhr Gertrud fort. D, Du meinst das Museum ich meinte das Magazin!" platzte Rosa heraus. Ersteres kenne ich so gut wie gar nicht wann war ich doch zuletzt da? ... Ich weiß wirklich nicht. Es ist doch der Palast, der vis-a-vis dem Magazin liegt?" Und sie suchte in drn Mienen ihres Angebetete Beifall für den banausischen Scherz. Und auch diesmal wieTer nichts! Q!" stieß Gertrud verdutzt aus. Wir Pariser sind schreckliche Menschen," meinte Boularöde mit einem komischen Seufzer. Ich möchte wirklich einmal wieder hin unter Ihrer Führung, Madame. Ich war ebenfalls seit Jahren nicht dort." Nicht möglich!" Ganz erstaunt starrte sie zu ihm empor nicht möglich: ein Dichter, der den Kultus der Schönheit so vernachZässigt Wir haben andere Götter!" rief jerier und warf sich mit hörbarem Knattern des steifleinenen Hemdeinsatzes in die Brust. Aber das versteht sie nicht! Und diese seine Lieblingspose scheint ihr durchaus keinen Eindruck zu machen! "Xous untres Fra assais " fiel Herr Schneider ein. Seine Hauptredensart, das Dementi auf den Verdacht des Deutschthums, der ihm fort und fort begegnete. Also: Wir andern 'Fraassais' haben Wichtigeres zu thun!" Doch Niemand achtete auf dies Echo des Boulari'de'schen Ausspruchs. Gleich flatterte ein neues Geplauder zwischen dem Dichter und der Deutschen. Er ist so unterhaltend tz ist so liebenswürdig Gertrud hat es in?mer gesagt, die Franzosen sind alle nicht so schlimm, als sie sich geben. Wissen Sie, Herr Boularöde, ich hatte ernstlich gefürchtet, von Ihnen verschlungen zu werden " Ihre kleinen rundlich geformten Perlz'ähnchen lachten ihm schelmisch ins Gesicht. Gern würde ich es en ctetail versuchen, Madame " Das war zu deutlich! Sie verstand zwar nicht, aber an dem Zusammenfahren ihrer Schwägerin merkte sie. daß es etwas Gewagtes bedeutete. Rosa schlug dem Dichter mit dem Fächer auf :e:i Arm: Allons.." und ein drohenrier Blick, den er mit einer übermüthij:n Grimasse abschüttelte. Aber Rosa hat recht! sagte er sich, stutzend. Ich will langsam zu Werke ehen. Sie scheint wahrhaftig ihren Mann zu lieben sieh, wie zärtlich sie nach seiner Loge hinüberwinkt, zum Zeichen, daß sie gleich kommen wi'.d! Als sie sich erhob, sagte er: Also es bleibt dabei, Madame, wir machen eme Reise nach dem Louvre." Gertrud fand den Ausdruck überaus komisch. Wir alle zusammen " ergänzte Boularöde, um Rosa zu beschwichtigen. Ein famoses kleines Picknick imSchat. ten der Statuen, zu Füßen der alle?, schönsten Göttin."

Ich übernehme die Führung," sagte

Gertrud lachend. Abgemacht, Madame." Sie ist recht lieb ein autes Kind. warf Rosa hin, als Gertrud fort war. Aber die erheuchelt herzlichen Worte vermochten nicht die Erregung zu verdecken, die sie über die Szene empfand. Ihr schwarzer Spltzenfacher wogte m großen undulirenden Bewegungen, si: wagte Boularde nicht anzusehen daß sie ihm auch noch den Triumph gönnte, in ihren Augen die glitzernde Wuth jier Eifersucht zu lesen! Es war gut, daß der Vorhang sich hob. In der Mitte des Aktes empfahl sich der Dichter. Ein plötzlicher Trotz stachelte ihn Teufel, er ist doch Niemand Rechenschaft schuldig! Auf einem Umweg über die Straße, wo er in dem gegenüberliegenden Eaf6 eine Erfrischung nahm, betrat er die Loge Jaminets. O, er will nur seinein alten Freund und Koblenzer Leidensgenossen guten Tag sagen. Er that dies in auffälliger Art. mit bur schikos Zärtlichkeit, klopfte Viktor auf die Schulter und umfing liebkosend dessen Taille. O. er kennt seine Leute! Selbst Viktor wird es sich zur Ehre anrechnen, von einem Boularöde so vor aller Welt ausgezeichnet zu .werden. Was sie gaffen! Wie sie die Köpfe zusammenstecken! Holla, ich bin's! Ich. der große Boularöde. der französischste aller Franzosen, schneide der Deutschen die Kour! Welch ein unaussprechlich süßes Gefühl, alles wagen zu dürfen sie alle mit solch hübschen Ueöerraschungen zu verblüffen! Das ist zu stark!" zischelte Rosa in sich hinein. Ihr Busen wogte stürmisch, wüthend schlug sie den Fächer zusammen, daß es klirrte. Und bei den süß schmeichelnden Klängen der Rossini'schenMusik schwor sie dem deutschen Gänschen" Feindschaft. ZehntesKapitel. Der alte Jaminet reichte seinem Sohn den Figaro" über das Komptoirpult: Da lies einmal dort oben das Gedicht." Wo denn, Vater?" fragte er ungeduldig er, Viktor, hat auch Zeit und Lust. Gedichte zu lesen! Aber nach kurzem Stöbern stieß er aus die Ueberschrift: An eine Preufein", mit dem Verfassernamen Dio nys Voular'de". Gierig verschlangen seine Augen die Strophen: sein Vater beobachtete gespannt die Wirkung. Viktors Wangen färbten sich, nervös knitterte das Papier in seinenHänden. Man meint fast." warf der Alte rorsichtiq hin, man meint fast, es gelte Deiner Frau." Unjmn!" Ein kurzes Aufbrausen der Eifersucht, denn die Verse athmeten die bekannte Hochgluty des Dichterpatrioten, und Viktor wußte sofort, daß sie für seine Frau bestimmt waren. Boularede hatte sich nach jenem Abend im Theater bei den jungen Jaminets einzunisten gewußt: wer vermochte der mit Liebenswürdigkeiten überzuckerten Be harrlichkeit eines so berühmten Mannes die Thür zu schließen? Gertrud liebt ihren Gatten, er Uni sie was ist da zu fürchten? Ein Phrasenheld wie Boularöde ist nicht gefährlich aber die Verse da sind doch etwas stark! Es war ein geschicktes Machwerk: indem das Gedicht Gertrud verherrlichte, ließ es zugleich den französischen Genius triumphiren, dem diese Deutsche sich im Sturm zu eigen gegeben. Wieso? Was denn? Was für ein Unglück?" rief der alte Jaminet. Der , schlaue Egoist von einem Kaufmann kalkulirte sofort: wenn Boularöde das Haus Jaminet mit seiner Gunst bestrahlt, so kann ihm furder sein Un heil von den Deutschenfressern drohen. Ich will Nicht, daß meine Frau von Andern öffentlich angesungen werde!" Wenn es eine Franzosin wäre, so würde ich sagen: Hand davon!" Aber bei Deiner Deutschen ist doch keine Gefahr! Was willst Du denn? Ihn wegen dieser Verse mit dem Degen aufspteßen?" Viktor fiel in den tändelnden Ton des Vaters ein. Und die Eitelkeit raunte ihm zu: fällt nicht ein Abglanz der Verherrlichung, die übrigens nichts Verfängliches hat, auf ihn zurück? Schone Frauen besingen t Poeten- j recht. Eine Dummheit, wenn die Besungcnen den Weihrauch ernst nehmen Gertrud thut das gewiß nicht. Soll ich der klemen Frau du Ver-1 se schicken. Viktor?- j Meinetwegen." I Es fiel Viktor schwer, den Mürrischen weiter zu spielen. Ich bring' ihr den Figaro" selbst." Gertrud flog ihrem Schwiegerpapa in gewohnter Herzlichkeit aus dem Boudoir entgegen. Er drückte mit schmunzelndem Behagen einen Kuß auf ihre Stirn, die sie ihm nach scherzhafter Uebereinkunft darzureichen verpflichtet war. Wie geht'5. wie steht's. Kleine? Eine Ueberraschung Du bist wirklich hmoZl Lässest Dich öffentlich in Ver. sen besingen! Hier " j Er reichte ihr das Blatt. Sie wußte nichts, o nein suchte, wollte durchaus nicht begreifen, was die Verse mit ihrer winzigen Persönlichkeit zu thun haben sollten. Dabei glühte ihr Ge sichtchen, dem das Häubchen aus Eröme- und Goldspitzen entzückend stand die seuchlerin! Endlich dekannte sie ganz verwundert: Man hat hat mir den Figaro" heute morgen durch die Post zugesandt; die Verse warm angestrichen ich weiß nicht, was ich damit soll " Und die Rosengluth nahm um eine Nuance zu. Was? Für mich! Mir sollen die Verse gelten?" Wem sonst? Von Deinem An beter Boularöde!"

O! Ein so häßliches Wort! Das mußt Du nicht sagen!" Ein Schatten flog über ihr Gesicht. Wärst Du es nicht. Papa, ich würde mir's ernstlich verbitten! Boularde ist stets höflich und liebenswürdig gegen mich gewesen " Nun, nun, sei nicht bös. Kleine, es ist nicht so gemeint. Kannst übrigens Niemand verwehren. Dich anzusingen. Willst Du ihn verklagen? Soll i&n Viktor vor die Klinge fordern?" Um Gottes willen. Papa!" Nun, dann wollen wir die Verse einstecken. Nicht übel nicht?" Sie rümpfte das Näschen und ruckte unwillig mit dem Kopf. Na, na, sie gefallen Dir doch, gesich' es nur! Nun wird auch der Dichter sich selber einstellen, um sich zur Entgegennahme des Dankes zu melden." Ich werde ihm dergleichen strengstens untersagen." Nun, nun, es wäre weder ein Verbrechen noch eine Gefahr, wenn Du Dir von dem großen Manne wirklich die Kour machen ließest. Das ist Pariser Sitte, ein Gatte muß sich das hierzulande gefallen lassen." Aber Papa!" Ich denke. Du liebst Viktor? Ich denke, ihr deutschen Frapen seid gegen jede Versuchung gefeit?" Aber Papa! Gleich hörst Du auf davon! Konim, gfö mir Deine Meinung ab über das neue Blumenarrangemcnt in meinem Boudoir." Willig ließ er seinen Arm in den der jungen Frau fügen und trippelte mit ihr nach dem Boudoir hin. Dort, anstatt das hübsche Arrangement mit mehr als ein paar üblichen Ausrufen abzuthun, stand er vor ihr. die Daumen nach seiner Art in den Ecken der Westentaschen, musterte sie wohlgefällig mit neckischem hm!" und hm!" machte ihr ein Kompliment wegen des reizenden Morgenkostüms auf dieGefahr hin, Deinen Zorn zu erregen, es muß heraus Boularöde hat doch recht gehabt, und wenn ich er gewesen...." Sie schnitt ihm das Wort ab. indem sie das Händchen auf seine 'wispernden Gourmetlippen legte. Lachend, durch ihre Finger, lallte er einen Vers des famosen Gedichtes, den er behalten hatte. Später hätte man die junge Frau

überraschen können, wie sie inmitten rhrer Blumenlaube sich in einem Schaukelituyl 'wieqte, die bewußte Figaro"nummer auf dem Schoß, sinnend und sinnend mit wichtig starren Augen. glühender Wange und die Lippen halb geöffnet. Bei einem zufälligen Geräusch in der Nebcnstube fuhr si: erschreckt zusammen. als wenn man sie auf einem Verbrechen ertappt hätte. Das Gedicht machte Sensation: Paris sprach davon drei Tage lang. Man fand es himmlisch, d. h. verrückt: man fand es hinreißend, d. h. man war ganz verblüfft. Niemand wagte zu tadein, ein Alp von Heuchelei lastete auf dem Götzendienst, bis Gambetta durch eines seiner, natürlich geistreichen" Worte, das sofort durch alle Zeitungen flog, den Druck , loste. Der Er-Retter von Frankreich hatte seine wuchtige Hand auf seines Jüngers Boularde Schulter fallen gelassen: Neue Art, Festungen zu nehmen, nicht wahr, mein Bester? Wir brauchen künftig nur den Dichter Voularde vor ein deutsches Jericho zu stellen und ihn singen zu lassen. Es fallt bei den ersten Strophen." Alles war entzückt ifter den Geist. Viktor bäumte sich auf, als er das las. Das ist zu arg! Hocherregt, mit emporgezogenen Schultern, die aeballten Fäuste nach unten gesenkt, stürmte er in der Diagonale des Salons auf und ab. Viktor, komm doch zu Dir! Rege Dich doch nicht so auf!" flehte Gertrud, die vor seinem Sturmschritt in einen Sessel geflüchtet war. Ein dummer. lappischer Scherz! Pardon, daß ich das von Gambetta sage!" fügte sie hinzu. Sie fühlte, daß sie eme Blasphemie beginge, wenn sie an diesen heiligsten aller Götzen tastete. Ich werde es nicht dulden!" wüthete Viktor. Ich werde sie zur Rechenschaft fordern, beide, diesen Gambetta. wie seinen Eharlatan von Nachbeter!" Viktor! Das wirst Du nicht! Mach Dich und uns nicht unglücklich! Ich bitte Dich, nimm es doch für das, was es ist!" Und sie memte etwas besonders Wirksames zu sagen, als sie hinwarf: UcönqenZ em ganz tyorichter Ver gleich. Ist man denn so gewohnt, gerade deutsche Festungen kapituliren zu schen?" Sofort erichrak sie über die Unachtfarnf Viktor stutzte in der Mitte des Raumes, horchte mit zuckendenBrauen, als wäre es nicht möglich, daß er das gehört; dann herrschte er sie an: Du hast nicht nöthiz. mich zu beleidigen! Du hast nicht nöthig, mich an unsere Niederlagen zu erinnern!" Sie stürzte aus ihn zu: Verzeihung. quter. lieber Viktor! Ich wollte Dich sicher nicht beleidigen!" Es folgte eme laute Nuhrszene, die in Liebkosungen austönte. Saq, thut es Dir denn leid. Dem: arme kleine ftrau geheirathet zu haben?" klagt: sie. die zusammengelegten Hände gegen seine Brust erhoben, mit innigem Flehen ihn anbllclcnd. Zärtlich strich er das feme ikidene Wildhaar gegen die Schläfen zuriick und drückte einen Kuß auf ihre klare Stirn. Laß sie nur kommen! Ich fürchte seilten Boularöde! Du bist mein herzliebes Weib wehe dem, der Dir etwas anhaben will!" Oft beschleicht mich eine Angst, als wenn ich nach Paris gekommen wäre, um Euch und uns, Dich und mich unglücklich zu machen "

Nä'rrchen süßes, liebes Rauchen!" Die häßliche Politik, nicht wahr, Viktor!" Von Küssen unterbrochen, bestätigte er: Das Ungeheuer das Ungeheuer von einer von einer Politik!" Als Voularöde am nächsten Tage erschien, im Geheimen triumphirend über den sichern Erfolg, war er überrascht, völlige Harmlosigkeit vorzufinden. Freundliche Händedrücke, lächelnde Mienen, und das ganze Gedicht, das den Klatsch von Paris drei Tage in Athem gehalten, mit einem schäkernden Gemeinplatz abgethan! So war es in dem Vcrs'öhnungsvertrag zwischen den beiden Gatten vereinbart worden, um den Friedensstörer abzuwehren. Nicht mehr Dank für dies kostbare Opfer, das sein Dichtergenius einer Feindin seines Vaterlandes gebracht, als man etwa für ein Veilchensträußlein zu beanspruchen pflegt. Er hatte MiiV, seine Empörung zu unterdrücken. Boularöde aber war nicht der Mann des Zurückweichens; Pflegte er doch jede Ungunst, die ihn traf, zu seinem Vortheil auszubeuten; und wie er auf der Schmach seiner Gefangenschaft seinen Dichter?uhm aufgebaut, so gedachte er. aus dieser Abwehr den endlichen Erfolg um so Heller lodern zu lassen. Ah. sie verschanzt sich " sagte er sich, sie verbaut sich hinter der Koketterie. Ei. wie schnell sie Pariser Fortschritte macht! Das ist ja unerwartet günstig gibt sie damit doch ihr stärkstes Vertheidigungsmittel auf. die Naivetät ihrer Unschuld. Das einzige, was ich fürchtete. Wohlan, so will ich die deutsche Festung mit Sturm nehmen! Sie soll einmal französischen Elan kennen lernen!" Und der mehr als lächerlich, fast grauenhaft eitle Mann ging triumphirender und siegesgewisser von hinnen, als er gekommen war. Aber die deutsche Festung schien seiner Belagerungsoersuche zu spotten; er kam nicht einmal über die ersten Vorpostenstellungen hinaus, und er mußte sich allmählich überzeugen, daß nicht die Stärke und Dicke der Mauern eine Festung vor Einnahme zu schützen vermögen, sondern der gut: Geist ihrer Besatzung. Zudem zog Gertrud, als die ersten echten Waldveilchen aus den Boulevards feilgeboten wurden, mit ihrem würzigeren Duft die TreibHausbastarde aus dem Felde schland, auf's Land, wo sie ihre stillen Tage, fern von dem Geräusch und dem Rasfinement der Pariser Welt, in echt deutscher Innigkeit dem Kultus ihrer ersten Mutterhoffnung weihte. Als Aufenthalt war eine Villa bei St. Eloud gewählt worden, da die während des Kommunekrieges zerstörte Jaminet'sche Villa La Mireille" immer noch nicht wieder aus ihren Ruinen erstanden war. Es schien unbegreiflich, wie der alte Jaminet dies ehemalige Schmuckkästchen, dessen blitzend sauderes Aussehen vordem seinenStolz ausgemacht, in solchem Zustand:, mit zertrümmcrten Fenstern, angeschwärzten Mauern und zerzausten Beeten, als einen Schandfleck für die Eleganz der Umgebung dulden konnte. Wenn man ihm damit zusetzte, so wich er mit einem gewissen grimmigen Lächeln aus. Warum habt ihr es so zugerichtet, ihr andern?" Fast glaubten sie ihn bei dieser Schrulle zu durchschauen: er will die Ruine gleichsam als Pfand behalten werfen sie ihm seine Beziehung zu Deutschland vor, so trumpft er ihnen die Ruine dagegen auf. In der That brachte er jede Bemerkung, die

auf dre Gemeinschaft mit Wahl stichelte, mit ssineir lakonisch hingeknurrten La Mireille!" sofort zum Sch'weigen. Natürlich freute sich Rosa Schneider des Mißerfolges, den Boular,d:s BeWerbungen bei dem deutschen Gänschen" davongetragen. Und sie selbst wußte der skandalfrohen Welt zu zeigen. wie man solche Belagerungen mit Temperament durchführen muß. Seit dem 10. Mai. dem Jahrestag des Frankfurter Friedens, wo Jakob Schneider durch Boular('des Gnaden zum Präsidenten der vereinigten Elsässer Agitationsvereine ernannt wurde, war kein Zweifel mehr über die BeZiehungen seiner Frau zu dem großen Patrioten. Wehe der. die ihr ihn zu entreißen gedächte! VonGertrud war wohl nichts mehr zu fürchten. Sie wird wohl nun viele Jahre lang ihre Gluckhennenrolle zu spielen haben das ist deutsche Art!- spottete sie mitleidig. ElfteSKapitel. Weihnacht! Es will seinen Weihnachtsbaum haben! Lange, bevor es da war, kommandirte es schon das Haus, es war selbstverständlich, daß man sich seinemBefehl nicht widersetzte. Margret, die Westevwälder Amme, die Frau Wahl, als sie zum Wochenbett ihrer Tochter nach Paris gekommen war, mitgebracht hatte, wußte ihnen den Befehl des kleinen, dreimonaklichen Kerlchens hartnäckig genug zu verdollmetschen. Jetz' paß auf. Viktorche siehst den Schnee da drauß'! Guck, icyt kommt Weihnacht! In vierzehn Dag wart, in zwölf Dag is Weihnacht." Der kleine drollige Mann machte eine Anstrengung, das runde, mit feinem schwarzen Flaum überhauchte Köpfchen aus den Spitzen des Kissens aufzurichten, und seine geballten Fäustchen fuhren mit kleinen, unbeholfenen Zickzackbeegungen hin und her. Madam'! Madam'!" rief Margret nach dem Nebenzimmer. Wenn es von Weihnacht hört, spitzt es die Ohre'!" Du bist närrisch. Margret rief es von drinnen zurück. Margret ließ sich nicht irre machm. Mit dem Zeigefinger, ihrer rauhen, ausgearbeiteten Bauernhand betupfte

sie das rosafarbene Doppelkinn des Kleinen. Gelle. Weihnacht da kömmt das Christkind bringt dem Kind e'

Bäumche? Paß auf un' guck net eso in der Welt umher mit Deine blaue Auge Viktorche. gelle. Du möchtst Bäumch-e'?" Das Kerlchen prustelte mit den feuchten Lippen und machte eine nicht mißzuverstehende SchmeckbMegung. Madam'! Madam'! Haben Sie gehört, es hat ja gesagt! Es will sein Bäumchen haben!" Mit ihrer Herrin befleißigte sich die Westerwälderin des reineren Hochdeutsch. Gertrud kam 'hzugerauscht in's Kinderzimmer. Bald darauf öffnete sich die Korridorthüre, und auch der Papa des Wunderkindes erschien; eine kleine Weile weidete er sich an dem hübschen Bild: sein Weib und die Amme, die sich von beiden Seiten über das Vettchcn beugen und auf das Kleine einreden, wie sein feines Grölen deutlich in dasLachen der beiden hereintönt, ja, es zu überbieten trachtet; soeben fuhr ein unverhoffter Mittagssonnenstrahl schräg durch das trauliche Nest. Wie hübsch das Deutscke von ihren Lippen klingt! Das ist mit Nichten die ungeschlachte barbarische Sprache freilich nur von ihren süßen Lippen. Das rauhe Idiom der Schwiegermama klingt weniger gut. Ah, Du bist es. Viktor! Komm einmal her! Margret behauptet, es wolle durchaus sein Bäumchen zu Weihnacht haben." Viktor trat näher, aind er ließ sich lachend herbei, das neueste Kunststück seines Erstlings als die ihm gerühmte außerordentliche Leistung anzuerkennen. Gut also, wenn er es so haben will machen wir ihm ein Bäumchen zu Weihnacht." Seine Augen leuchteten voll fröhlichen Vaterstolzes. Gertrud verdolmetschte ihrer Landsmännin den Beschluß.die natürlich kein Wort Französisch verstand. O, ein Bäumchen!" jauchzte Margret; über ihr feistes, urgesundes Gesicht, das durchaus nicht hübsch zu nenncn war, das sich aber in der neuen Pariser Ummodelung ihres kapotartigen. mit langen Seidenbändern umwallten Kopfputzes recht schmuck, vor allem frisch und freundlich ausnahm, fuhr ein Schein seltsamer Vegeisterung. Nur Gertrud mochte diese Freude verstehen, sie. die selbst oft Mühe hatte, die stille Wehmuth ihres eigenen Heimwöhs zu unterdrücken, besonders jetzt, seitdem ihr Mütterlein wieder abgereist war und die Weihnacht herannahte. Bei Margret brach dieses Heimweh um so stärker hervor, als sie sich, der Sprache ihrer Umgebung unmächtig, aus ihrem stillen Bergdorf in den betäubenden Lärm der Großstadt versetzt, mitten unter Glücklichen vom Jammer des Looses verfolgt, das kern Ssidenjupon und kein Flitterwerk zu verdecken vermochte, doppelt einsam fühlte. Gertrud hatte sie zuweilen überrascht, wie sie, im Bette liegend, beim müden Schein der Nachtlampe die ungeschickten Schriftzüge studirte, die mit wahren Hieroglyphen von Adressen versehen, für sie anlangten; Briefe von j ihrer Mutter, die unter der Schande j t'ti m.f. i ri ? ? 2 un, riese aus oer arnion uiiq, wo ihr Verführer seine drei Jahre addiente freilich ist er brav und ehrlich, aber drei Jahre ist eine lange Zeit und die Schande verschließt ihr bis zur Heirath die Heimkehr . . . Frau Wahl hatte es sich in ihrer mütterlichen Sorge nicht nehmen lassen. selbst die Amme zu besorgen. Von einer Französin wollte sie nichts wissen nur eine Deutsche, und von diesen nur eine Westerwälderin vermag ihrem zukünftigen Enkelchen die ibm zukommende Nahrung zu spenden! Mama, es sind Deutsche übergenug in Paris." hatte Gertrud abgewehrt. Umsonst da war sie auch schon selbst mit dem kräftigen, ärztlich approbirten Exemplar der echtesten Westerwälderin. Margret empfand gleich bei ihrem Eintritt die kühle, fast feindliche Lust, die ihr entgegenwehte. Der Hausarzt derJaminets. der nicht ganz mit seinem deutschen Kollegen in Beziehung aus die Konstitution der Amme einverstanden schien; die Dienerschaft des Hauses, die sich mit ihr nicht verständigen konnte und Schabernack mit ihr zu treiben begann; ja, das offenbar wegwerfende Wesen von Frau Schneider was hatte sie der gethan? Von ihre:n ersten Ausgang rrar sie weinend zurückgekehrt ihr Kostüm, das freilich mit den unverdeckten, zudem mehr stämmigen als schönen Wsdi den Spott der Straße herausforderte, war hier in Paris unmöglich. Ammenlaune ist Befehl. Sofort ward ihr Anzug in Pariser Ehic umgesetzt, aber sie freute sich nicht der Eleganz, es war ihr, als hätte sie sich damit die Heimath vom Leibe gerissen; und in dem peinigenden Gefühl, eine Art Verrath begangen zu haben, trug sie wenigstens das Kostüm im Kinderzimmer. Das erlchen dort ist doch noch kein so wüthie? Franzos, daß es die Tracht nicht leiden könnte! Sie hatte daheim schon von dem Prcußenhaß gehört, die Briefe ihres Zukünftigen aus Jülich spielten jedesmal daraus an mit dem Resram: an Dir nichts gefallen!" O. sie wird sich nichts gefallen lassen! Läßt sich denn ihre liebe, schöne an'ädige Frau von irgend einem was gefallen? Im Gegentheil wird sie nicht von diesen Franzosen auf den Händen getragen? Sie braucht nur zu verlangen, so kauft man ihr die Kathedrale von Notre-Dame! Deutsche Weihnacht! Es war. als crbreitebe sich von dem Tannenbaum, sogar als er noch seines Schmuckes harrte, eine weihevolle Stimmung über das ganze Haus. Und die Neugier machte nach echter Pariser Art aus

'dem einfachen Lichterbau eine SehensWürdigkeit; die Nachbarschaft reckte sich die Hälse aus, um an dem geheim- . nißvollen Geglitzer, das durch die Stäbe der Jalousieen drang, ihr Theil an dem seltenen Feste zu erhäschen. Frau Schneider interessirte sich ungemein für den Weihnachtsbaum; als Patronesse des Elsässer Mägdevereins gedachte sie ebenfalls einen Riesendaum zu richten, eine Gelegenheit, den Patriotismus in Liedern und heißblütigen Reden spielen zu lassen. Am Vorabend überraschte sie also Gertrud, als diese auf inem Stuhle stand und UNter Margrets Hilfeleistung. den Baum mit den Flitterdingen behing; der Kleine gab von seinem Bettchen aus, das man neben den Bamn gestellt, seine Meinung lallend und mit den Fäustchen fuchtelnd dazu. Verzeih, daß ich hier oben bleibe, Rosa," rief die junge Mutter von dem Stuhl hernieder. O bitte, bitte, ich wollte nur einmal sehen....." Bitte hinaus! Du sollst eben nicht zusehen! Ihr sollt Alle überrascht werden!" Ach sei doch nicht es ist ja nicht für mich, nur für meine Elsässer. Wollte Dich nur fragen, wo Du die Lichtmannschetten her hast ich habe alle Magazine absuchen lassen." Aus Köln Mama yat sie geschickt." Ah, man muß also Konnextonen haben." Mit einer ironischen Pointe: Ich habe leider keine solche nach dahin!" das Wort besonders scharf betont. 'n Tag, Viktor!" Sie nickte, ohne näher an das Bettchen heranzutreten, mit großartiger Freundlichkeit, wobei die Marabu auf ihrem Hute wundervoll zoallte, nach ihrem Neffen hin, kurz, ganz kurz, als wäre es ein widerwilliges Almosen. Sie liebt die Kinder nicht, will auch keine haben das allein machte Mar gret die hochmüthige Französin schon verhaßt. Gertrud, der jedes Haßgefühl fern lag, bedauerte sie innig: Die Aermste, welches Glück sie entbehrt!" Ihr werdet morgen recht pünktlich erscheinen, Schwägerin. Punkt fünf Uhr ist Vescheerung. Es kommt Alles, die ganze Familie. Auch Herr Boularede wird da sein." .Oh!" Gleich verbesserte Frau Schneider die schnelle Verwunderung dieses Vokals, der ihr entschlüpft war: Sehr angenehm! Er ist wenigstens rmmer amüsant." Unter der Phrase aber vibrirte die Frage in der Form eines Fluches, die ihrem brüsken Wesen nicht ganz fremd war: zum T was hat er denn hier am Weihnachtsabend zu suchen? Ich bin doch eben noch drei Stunden mit ihm zusammen gewesen, und er hat nichts von der Einladung gesagt! Was soll das Schweigen heißen?" Ihre Eifersucht war stets wach. Sie hatte Gertrud das Gedicht immer noch nicht verziehen, und sie wird es nie verzeihen es schreit nach Rache! Es hatte ihr wohl angestanden, die Großmüthige zu spielen, nun, da Boularöde m ihrem Bann lag und ganz Paris sie

um den Besitz dieses kostbaren Mornes beneidete. Aber er ist ein Durchgänger und er weiß, daß ihm Alles geduldet wird. Die Preußin hat schon einmal Eindruck auf ihn gemacht wer weiß? Sie beschloß, scharf aufzumerken. Viktor traf den Dichter im Klub." erläuterte Gertrud, und er lud ihn ein." Er wird natürlich Gelegenheit nehmen. ein Gedicht zu verfassen die preußische Weihnacht" so etwas!" höhnte Rosa. Deutsche " fiel Gertrud ein, deutsche. Wir Preußen sind nicht so anspruchsvoll, unser Christfest für uns allein haben zu wollen." Der offenbare Hohn hatte Gertrud bestürzt. Es ist zum Verzweifeln kann denn die Politik nicht einmal zur Weihnacht ruhen? Aber Vorsicht es soll wahrhaftig niemand gereizt werden. Wir wollen Frieden halten! Und sie reckte sich auf den Fußspitzen in die Höhe, um einen Flitterstern hoch oben am Wipfel zu befestigen. Wie geht's Deinem Mann, Rosa?" O. gut nicht schlecht." Diese Preußen haben ein dickes Fell. Man kann ihnen alles bieten! Margret merkte an den Mienen, daß etwas nicht geheuer war. Wenn jemand von beiden den Störenfried macht, so ist es die Französin. Wahrhastig, es zuckte ihr in den Fäusten: wer wagt es. sich an meiner lieben, schönen gnädigen Frau nur mit einem Blick zu vergreifen? Sie mußte ihrem Unmuth Luft macken. beugte sich über das Bettchen und schüttelte den Kle!nen mit einer derbm Liebkosung: Gelle. Du wirst mir doch kein so französischer Äff'?" Was soll das?!" rief Gertrud erschreckt.' Was fällt Dir ein?" . Ich meint', die Madam' da versteht kein Deutsch " sagte Margret. dumm lächelnd, aber ein nicht mißzuserstehender Hassesblick schoß nach Frau Schneider hinüber. Die hübsche Anordnung des Festes überraschte alle. Das war Gertruds Verdienst. Sie bestand darauf, daß auch die Angestellten der Firma, die Dienerschaft, das ganze Haus an der Bescherung theilnähmen. So waren an den Wänden des großen Salons, in dessen Mitte der Baum prangte, die Tische gereiht, darauf die Teller mit Aackwerk und kleinen sinnigen Gaben nach deutscher Art, und in einem Kouvert mit Namen die üblicheWeihnachtsgratifikation. Wie viel hübscher, ihnen diese vom Christkindchen selbst beim Schein fröhlich knisternder Kerzen bescheren zu lassen, nstatt. daß sie wie sonst vor dem Kassenschalter Queue bildeten, die prosaische Quittung in der Hand. (Forts, folgt.)

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Kür die Küche.

Junge gefüllte Gans. Die Leber und der Magen der Gans wer den nebst einer Zwiebel und etwas Petersilie recht fein gehackt, mit vier gekochten und gedrückten Kartoffeln, einem Viertel "Pfund magerem, rohem Schinken und 3z Unzen würflig ßeschnittenem Speck vermengt. Alles fünf bis zehn Minuten mit einem Eßlöffel voll Butter geschwitzt, dem nöthigen Salz, etwas Muskatnuß und zwei Eiern verrührt. Mit diese Farce füllt man die Gans, näht sie zu und brat. sie in reichlicher Butter und unter flei ßigem Begießen. Zum Garwerden be, darf der Braten ungefähr eine Stunde. GebeizteTauben. Dazu lassen sich am besten alte Tauben verwen den, welche man, wenn sie gut herge richtet sind, in je 4 Theile theilt und dieselben mit allerlei Wurzelwerk, Lorbeerblatt, Citronenschale, Salz, Nelken und so weiter einige Tage in Essig legt. Zur weitern Zubereitung läßt man in einem Tiegel Schmalz heiß weiden, gibt die Tauben nebst allen Zuthaten hinein und füllt LSchöpflöffel Beize und ebenso viel Wasser auf. Nun läßt man alles 1 bis 1 Stunde langsam kochen, macht unterdessen ein braunes Einbrenn, rührt es glatt mit der Brühe und treibt die Sauce durch ein Haarsieb. Hierauf würzt ian sie nach Geschmack, legt die Tauben hinein, läßt alles nochmals aufkochen und richtet zusammen an. Man gibt geschnittene Nudeln oder neue Kartoffeln dazu. Klößeaus rohenKartoff e l n. 2 Quart schöne mehlreicheKartoffeln werden Tages vorher, ehe man die Klöße bereiten will, roh geschält und in ein Gefäß mit kaltem Wasser gerieben. Sobald sich die Masse gesetzt hat. wird das Wasser behutsam abgegössen, wieder frisches darauf gegossen und dieses Verfahren 3 bis 4 Mal wiederholt. Will man die Klöße nun bereiten, so preßt man zuvor durch ein leinenes Tuch, nachdem man das Wasser zum letzten Male abgegossen hat, alles Wässerige aus den Kartoffeln, schüttet diese in eine Schüssel, überbrüht sie mit 1 bis 2 Pint kochender Milch, rührt ein Viertel Pfund zerlassene Butter nebst etwas zerlassenen! Speck und geröstete Semmelstückchen und 2 ganze Eier und 2 Dotter dazu, salzt die Masse, die sich locker, ja nicht zu derb anfühlen muß, formt runde Klöße daraus und läßt sie in wallendem Salzwasser gute 45 Minuten sieden. Ilranzösische Cannelons. Von vier Löffeln Mehl, vier ganzen Eiern, vier Eigelb, knapp ein Pint süßer Sahne, etwas Salz und Muskatnuß bereitet man einen glatten Teig, von dem man ganz dünne, gleichmäßig große Eierkuchen bäckt, welche man nebeneinander auf ein reines Tuch legt. Man dämpft indes zwei junge Hühner in Butter und heller Kalbfleischbrühe gar, ohne daß sie Farbe annehmen dür sen, läßt sie erkalten, löst nun das Vrustfleisch völlig ab und schneidet es in kleinste Filets. Das übrige derHühner zerstößt man. kocht es in Bouillon aus, preßt die Brühe durch, verkocht sie mit weißer Rahmbichamel zu guter Sämigkeit und preßt die Sauce über das zerschnittene Fleisch. Nach dem Erkalten werden die Eierkuchen in etwa 3z Zoll lange Streifen geschnitten, mit Ei bestrichen und mit einem halbenEßlöffel des Hühnerfleisches bedeckt. Man wickelt sie auf. drückt beide Enden zusammen, panirt sie in Ei und geriebe ner Semmel, bäckt sie kurz vor denr Anrichten in Schmalz und richtet sie mit ausgebackener Petersilie an. Aprikosen mitReis. Etwa fünfundzwanzig bis dreißig tadellose, reife Aprikosen schält man, schneidet sie durch und kocht sie in Zuckersirup, in welchem man eine halbe Stange Vanille ausziehen ließ, nicht zu weich, wo rauf man sie zum Abtropfen auf ein Sieb legt. Der Saft wird mit sechZ rohen, durchgestrichenen Aprikosen vermischt und ziemlich kurz eingekocht, worauf man einige geschälte, in feine Streifen geschnittene Aprikosenkerne und die gedünsteten Aprikosen selbst hinzufügt und alles im Wasserbade heiß hält. 7 Unzen bester, blanchirter Reis wird indeß in Sahne weich gekocht, mit wenig Butter, dem nöthigen. Zucker, etwas feingestoßener Vanille und vier Eigelb vermischt, in eine vor gerichtete einfache Cylinderform gefüllt und im Ofen goldbraun gebacken Der Reis wird auf eine passendeSchüssel gestürzt, in die leere Mitte füllt man die Aprikosen, die man mit, geriebenere bitteren Makronen bestreut. Man maskirr dann den, Rand mit Aprikosen Marmelade und bestreut ihn zuletzt mit gewiegten Pistazien. Noch reicher garnirt man ihn durch kleine Birnen oder Kugeln aus dem zurückgebliebeH . nen Reis, die man in Schmalz aus bäckt, mit Zucker bepudert .und mit glühender Schaufel glacirt. Diese Kü gelchen vertheilt man abwechselnd mit abaetropften Kirschen auf dem mit Pistazien bestreuten Reisrand. C i t r o n e n t o r t e. Man belegt den Boden eines Kuchenblechs messerrückendick mit einem guten Blätterteig und schneidet sich gleich Streifen mit dem Vackrädchen zu einem Gitter her aus. Nun bereitet man eine feine Mas se und nimmt folgendes: ein halbe! Pfund Zucker, an dem zwei Citronen abgerieben wurden, rührt man mit 8 Eigelb eine halbe Stunde, hernach, mengt man iz Unzen Mehl, den Saft der beiden Citronen und den Schnee der 8 Eiweiß darunter. Nachdem diese Masse auf den Blätterteig gefüllt ist. belegt man dieselbe mit einem Gitter und drückt in jede Abtheilung des Git ters noch etwas Citronensast. Noch hübscher sieht die Torte aus, wenn man das Gitter mit einem Gelbei anstreicht.