Indiana Tribüne, Volume 19, Number 323, Indianapolis, Marion County, 9 August 1896 — Page 7

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'jrntiffnas Zacov". , Von Willy Weber. ; Der Büchhalter Reiche! war nicht tivlx ein trockener Zahlenmensch", sondern auch ein eifriger Naturfreund. Als solcher streifte er oft in der Umge. bung der Stadt umher, wo er jeden Steg und Weg kannte. Daß ihm da hin und wieder Abenteuer zustießen, war nicht eben verwunderlich, und Herr Reiche! konnte hiervon -was erzählen", obgleich er noch keine große Reise gemacht hatte. Einer der schändlichsten Streiche aber, der ihm je gespielt worden war, war der folgende: Reiche! kehrte bei einbrechender Dämmerung von einem seiner Spaziergänge durch den Stadtpark nach Hause zurück. Er schritt gemächlich die Pappelallee entlang, als aus einem der Bäume ein vogelartiges Geschöpf heruntergeflattert kam und gerade vor den Füßen des Spaziergäncers zappelnd liegen blieb. In einem Anfalle von Mitleid hob Reichel das Thier auf: es war ein junger Rabe, der aus dem Neste gefallen war und sich beim Sturze den Flügel verrenkt hatte. Das Thierchen konnte während der Nacht nicht hilflos am Wege liegen bleiben, es wäre sicher eine Beute der Katze geworden. Reichel faltete sein Taschentuch auseinander und wickelte die Earricatur von einem Vogel sorgsättig hinein. Dann trottete er weiter und überlegte die Situation. Er war jetzt Besitzer eines jungen Raben, das war klar; also so eine Art Rabenvater. Da er Junggeselle war, war das ein ganz stilvoller Anfang! Außerdem hatte er nur die Auseinan dersetzung mit seiner alten Wirthin zu überstehen, und das würde er schon fertig kriegen. So festigte sich sein Muth mit jedem Schritt und das behagliche Gefühl überkam ihn, ein gutes Werk gethan zu haben. Nach der Ankunft in seiner Wohnung ging er zunächst daran, den derletzten Flügel des Thieres zu kuriren. Das gelang über Erwarten glücklich, und Jacob", so hatte Reichel den Raben sofort getauft, unternahm die ersten täppischen Hüpfversuche, die seinen Besitzer veranlaßten, sämmtliche freistehenden Gegenstände in die tiefsten Tiefen der Schränke zu veLsenken. Sonst verlief die Nacht ziemlich ruhig. Allerdings wurde Reichel durch ein arges Gestöhn und Geplätscher bald geweckt und kam eben noch zeitig genug, um Jacob aus dem Waschbecken vom Tode des Ertrinkens zu retten. Das beängstigte Thier stolperte hierauf in den Eimer und das Rettungswerk mußte von Neuem begonnen werden. Endlich fand Jacob in einer Sophaecke Ruhe, in welcher er sich aber derartig Ananständig betrug, daß er auf einen ölten Schlafrock ausquartirt werden mußte. Am nächsten Morgen kam der Kampf mit der Wirthin, welche mit Um schäbigen Beest" der Großmama des Satans ein Geschenk machen wollte. Mit ruhiger Würde verwies Reiche! der zürnenden Frau die lästerlichen Reden, während Jacob auf seinem Schlafrock hockte und die Wirthin tückisch anblinzelte. Schließlich kam es zu einem Friedensschluß: Jacob blieb da?Hausthier seines Beschützers und dieWirthin sorgte für angemessene Verpflegung. Nach wenig' Tagen ging mit der Vogel - Earricatur eine wesentliche Veränderung vor: die Brust wölbte sich, der unförmliche Leib trat zurück, dieBeine begännen fest und sicher aufzutreten und an Stelle der ruppigen Kiele traten echte und rechte Federchen. Als einige Wochen in's Land gegangen waren, war Jacob zu einem Prachteremplar seiner Rasse ausgewachsen. Das Gefieder war von glänzender Schwärze, es knisterte ordentlich, wenn man darüber hinstrich. Man hatte ihm die Flügel etwas gestutzt, aber das hinderte seine Bewegungsfreiheit durchaus nicht. Mit seinem Herrn verband ihn eine innige Freundschaft, auch das Verhältniß zur Wirthin hatte sich erträglich gestaltet, obgleich er dieser mit Vorliebe allerhand Possen spielte. In der Nachbarschaft kannte man Jacob auch schon, und wenn er auf der Fensterbrüstung saß und sich sonnte, wurde er ohne Unterlaß gerusen. Jacob!" tönte es von rechts und links, von oben und unten. Das ließ aber Jacob sehr kalt, er rührte sich nicht von der Stelle, und nur wenn ein sürwitziger Bengel ihm den Finger hinhielt, theilte er einen kräftigen Schnabelhieb aus. So wuchs Jacob in allen Ehren hercn und zeigte immer bessere Laune. Das Letztere konnte man von seinem Besitzer leider nicht sagen. Der schien immer grämlicher zu werden. Jeder abgerissene Knopf, jeder schlecht geplättete Kragen gab ihm Anlaß zu einer langen Predigt. Reichel schien nervös werden zu wollen, denn .es ärgerte ihn die Fliege an der Wand. Als er nun gar eines Tages über das schauderhafte Wirthshausessen" und das langweilige Kneipenlebcn" zu raisonniren begann, wußte die Wirthin, was die Glocke geschlagen hatte. Jacob." meinte sie zu dem schwarzen Gesellen. Dein Herr ist krank, er ist augenscheinlich verliebt, und das ist schlimm." Jacob nickte und ließ ein zusiimmendes Gekrächz ertönen. Inzwischen hatte Reichel schwere Sorgen. Das Junggesellenleben behagte ihm wirklich nicht mehr. Ueber die Personenfrage ezistirte bei ihm längst kein Zweifel mehr: die blonde Grete, des gegenüber wohnendenKaufmann Gebhard Töchterlein. war die Rechte. Leider aber war der Beiden Bekanntschaft nur eine seh? oberflächliche. Man grüßte sich höflich, ticUi er ein wenig, sie sehr roth u.'ve4

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wünschte sich guten Tag und guten Weg damit war's aber auch vorbei. Jacob hatte dieö kühle Verhältniß schon längst mit stillem Verdruß bemerkt. In philosophischer Ruhe saß er auf seiner Fensterbrüstung und blinkte hinüber zu Gebhards. Die blonde Grete saß am Fenster und stickte, der alte Herr ging im Laden ab und zu und die Lehrlinge hantirten in einer finsteren Ladenecke an einem gewaltigen Fasse herum. Der eine hatt: eine Lampe in derHand und der andere klopfte mit einem Holzhammer einen Spund in's Faß. Da schlug es gerade zwölf: Grete stand auf, öffnete das Fenster und deckte im Nebenzimmer den Tisch. Es wurde zum Mittagessen aufgetragen.Papa gerufen, der wieder den Lehrlingen klingelte. Der eine that noch einen kräftigen Schlag, der andere stellte eilfertig die Lampe auf den Boden und bald saß Alles beim Essen. Noch einmal warf Jacob einen schläfrigen Blick in den Laden. Da sah er zu seinem Staunen, daß aus dem Spund des Fasses eine klare Flüssigkeit herauslief, der unachtsame Lehrling mußte das Schließen des Spundes verabsäumt haben. Wenn ein solches Tröpfchen vom Boden emhrrfiTiM itrK Vin2 Ofmf'iTtsi T 5 s V . Y V UltW U UU4VlitU V.' reichte, leuchtete es immer hoch auf. ev c ri..i.i. t vi.r. r. , c acco ixugic oo üicci aufeeigeiuoi" llchcn Erscheinung. Er ließ ein warncndes Gekrächz ertönen. Niemand hörte es. Das unausgesetzte Aufleuchten blendete das Thier, es wurde immer unruhiger und erregter. Plötzlich war es mit einem Satz auf der Straße, über welche es schreiend und krächzend hüpfte. Nun ein rascher Anlauf. und hopp war Jacob m Gretes Zimmer. Mit furchtbarem Geschrei und machtigem Flugelschlag clarmirte er die kauende Gesellschaft und erreichte mit elegantem Sprunge die Ladenthür, als ihn Papa Gebhard greifen wollte. Kaum aber hatte dieser die Schwelle übecschritten. als er mit gellendem Angstschrei vorwärts stürzte: aus dem mächtigen Petroleumfaß schoß ein Strahl auf den Boden wurde der Spund noch etwas vorwärts gedrückt, dann erreichte der Strahl das offene Licht der Lampe und dann Papa Gebhard riß mit Blitzesschnelle die Lampe empor und drehte den Spund ab. Inzwischen waren Grete und die Lehrlinge herbeigekommen und es brach über die Letzteren ein böses Strafgericht herein. Jacob aber saß auf dem Ladentisch, gröhlte vergnügt und hupfte von einem Bein auf das andere. Er wurde spater wieder in's Eßzimmer hineincomplimentirt und als dann Grete erklärte: Buchhalter Reichel's Jacob". sprang er aus deren Schulter und zupfte sie am Ohr. Da sah er zu seinem Staunen, daß eine heißeBlutwelle Gesicht und Nacken des Mädchens mit brennendem Roth übergoß. Gegen Abend wurde Jacob wieder über die Straße transportirt. zugleich aber sur seinen Herrn em zierliches Briefchen abgegeben. Als der das gelesen hatte, that er sehr zärtlich gegen Jacob, der mit emem geradezu opulenten Nachtmahl bedacht wurde. Seitdem konnte Jacob vom Fenster aus bemerken, daß sein Herr den Herrn Gebhard sehr oft besuchte-und sich mit Grete unterhielt. Die schlechte Laune schien zudem von Herrn Reichel gewichen zu sein, er lachte und sang, daß es nur so eine Art hatte, und seine Wirthin hätte sicher kein böses Wort gehört, selbst wenn sämmtliche Knöpfe von den Beinkleidern abgerissen gewesen wären. Na ja", meinte diese beim Abstäuben einmal, ich hab's gleich gesagt. verliebt war der Herr. "Nun scheint ia die Sache in Zug zu kommen. Du wirst bald 'ne Hausfrau kriegen. Jacob." Wenige Wochen später brachte Herr Reichel in seiner Westentasche zwei Etuis mit nach Hause, die er vorsichtig öffnete und auf den Schreibtisch stellte. Als ein Sonnenstrahl in's Zimmer siel, blitzte es hell auf aus den Etuis, so daß Jacob unwillkürlich die schwarzen Augen schließen mußte. Dann aber zog es ihn mit unwiderstehlicher Gewalt auf den Schreibtisch. Er versuchte zu widerstreben, aber als ein zweiter Sonnenstrahl liebkosend über das glitzernde Gold fuhr, da war's vorbei mit seinem Widerstande. Ehe noch Jacob wußte, wie ihm geschah, saß er auf dem Tische neben denEtuis. Sein Herz schlug schneller vor Freude, als er die beiden breiten Goldreifen erblickte, so etwas Herrliches hatte er in seinem Rabenleben noch nicht gesehen. Er wetzte sich den Schnabel rechts und links, daß es ordentlich knackte, dann packte er behutsam den einen Ring- Ohne große Mühe ließ sich der aus dem Etui ziehen. Er wäre über den Schreibtisch auf den Boden gerollt, wenn nicht Jacob blitzschnell zugefaßt hätte. Er hielt das blinkende Dina im Schnabel, als wieder ein Sonnenstrahl darausfie! und eine solche Lichtwelle hervorzauberte, daß Jacob die Fensterbrüstung zu erreichen suchte. Hier saß er nun und grübelte, was er mit seinem Schatze wohl anfangen sollte. Zuerst bettete er ihn hinter dem Fensterrahmen, wo die Scnnc nicht hinscheinen konnte. Dann blickte er binüber zu Gebhards. Der alte Herr saß in der Sophaecke und las cie Zeitung. Grete saß, am Tische und zog lange Fäden durch den Stickrahmen. Wenn er den Ring da drüben unterbringen könnte, war die Sache schon weniger gefährlich, da kam keincSonne hin und da brauchte er sich nicht mehr so aufzuregen. Mit einem kühnen Entschluß nahm er den Ring in den Schnabel und machte sich in bekannter Weise auf den Weg. Er schwang sich auf die Straße, wippte über denFahrdämm, nahm" die jenseitige Fensterbrüstung und hüpfte g:räus:cs aus

Grete zu. Als Jacob deren Schulter erreichte, erschrak das Mädchen derart, daß es einen leisen Schrei ausstieß. Hierüber erschrak wiederum Jacob, der den Schnabel zu dem üblichen Begrüßungsgekrächz öffnen wollte. Da entfiel ihm der Ring, der pflichtschuldigst in Gretes Schooß rollte. Neugierig griff sie darnach und sah im Innern eingravirt: G. G., 1896". Aufspringen, zu Papa eilen, ihm um den Hals fallen und seinen Mund mit Küssen bedecken, war das Werk eines Augenblickes. Der alte Herr ließ erstaunt die Zeituna fallen war denn seine Tochter toll geworden? Da zeigte sie ihm den blitzenden Reif und nun war es an Papa, sich zu wundern. Mit einer bezeichnenden Handbewegung auf Jacob klärte Grete das wundersame Ereigniß auf. Das ist ja ein Schwerenöther. ein schwarzer." lachte Papa Gebhard. der hat mir ja das ganze Eoncept verdorben. Bis zu Deinem Geburtstage solltest Du noch nichts wissen, da erst wollte Herr Reichel kommen und mit Dir reden." Jacob saß ruhig da und hatte ein ernstes Gesicht aufgesteckt. Er hatte Angst, daß es für ihn etwas absetzen werde. Da stürmte auch schon sein Herr in's Zimmer, gar aufgeregt und sehr blaß. Grete lachte laut auf. Papa Gebhard aber meinte: Ihr Schwarzer" hat es sehr eilig gehabt, er hat Alles verrathen. Hier ist der Ihnen fehlende Ring, das Uebrige müssen Sie nun selbst besorgen." Freudig schloß Reichel seine Grete in die Arme und steckte ihr Jacobs Ring an den Finger. Sonst übergibt ihn der Spitzbube zum zweiten Male an eine falsche Adresse." fügte er lachend hinzu. So hatte es Jacob zu Wege gebracht, daß die Verlobung einige Wochen früher bekannt gegeben wurde, als zuerst beabsichtigt worden war. Jacob verlebte nun mehrere Jahre bei dem jungen Ehepaar in ungetrübtem Glück. Dasselbe wurde auch nicht gestört, als Herr Reichel junior sich alle Mühe gab. die Federkiele Jacobs auf ihre Festigkeit hin zu untersuchen. Das störte Jacob nicht sehr, aber er revanchirte sich für jeden derartigen Versuch, indem er sich lebhafter wie sonst an dem Verzehren des Frühsiückes des Kindes betheiligte. Im Uebrigen war er dessen getreuer Begleiter. der von den Hunden und Katzen der Nachbarschaft gewaltig respectirt wurde. Jacob hatte einige seiner Geaner hin und wieder derart verhauen", daß sie schleunigst das Weite hatten suchen müssen. Wo er mit seinem Schnabel hinschlug, da war's zu fühlen, und an Behendigkeit kam ihm, weder Hund noch Katze gleich. Auf dem Kriegsfuße stand er eigentlicb nur mit der Köchin, welche behauptete.Jacob sei naschhafter als jede Katze. Und in der That hatte er sich mehr und mehr zum Gourmand herausgebildet. Rand er die Küchenthür offen, dann inspicirte er alle Behälter, die ihm zugänglich waren. Er kostete von dem. naschte von jenem, traf aber immer eine derartig sorgfältige Auswähl, daß er sich niemals Schaden that. Süßigkeiten, namentlich eingemachte Früchte, verzehrte er leidenschaftlich gern. Die Köchin legte diese Sachen deshalb stets unser doppelten und dreifachen Verschluß, aber trotzdem fand Jacob noch unbewachte Augenblicke genug, um seiner Leidenschaft fröhnen -zu können. Eines Tages war Jacob spurlos verschwunden alles Suchen und Locken blieb resultatlos. Da erinnerte sich die Köchin, daß sie am Vormittage eine Schüssel mit eben fertig gewordenen Apfelmus in das Gartenhaus gestellt hatte, das sorgfältig verschlossen worden war. I demselben fand man den Gesuchten: neben der halb geleerten Schüssel lag Jacob kalt starr todt! Er hatte sich durch eine zerbrochene Fensterscheibe Eingang verschafft und sich an der süßen Speise so lange delectirt. bis ihn das Verhängniß ereilte. In Reichel's guter Stube" steht heute Jacob ausgestopft in glänzend schwarzem Gefieder. Die Familie bewahrt ihm ein ehrendes Andenken.

Mein Licdcrhort. Van Ernst Scherenberg. Des Jugendsanges Blüthe Wohl ist sie längst verdorrt; Versenkt tief im Gemüthe Träumt stumm mein Liederhork. ' Des Mannes Tagespflichten, Sie lasten selsenschwe? ; Den Schatz empor zu lichten. Find' ich den Spruch nicht mehr. Nur manchmal Nachts, da grüßt mich Ein Klang aus tiefem Grund, Und wie vor Zeiten küßt mich Die Muse auf den Mund. Dann weicht der Bann der Sorgen: Auf jauckzt mein Liederhort! Doch flammt im Ost der Morgen, Verweht das Zauberwort. Zerstörtes Traumbild. Richter: Was hat Sie veranlaßt. Ihren Schlafgenossen so zu prügeln?" Angeklagter: Ja, sehen Sie, Herr Richter, mir hat von einer gebraten:n Gans geträumt. Ich will g'rade den ersten Bissen in den Mund stecken, dreht sich der Kerl um und weckt mich auf! Ueber diese Gemeinheit bin ich so wüthend geworden, daß ich ihn ordinglich durchgehaut hab'!" ' Erklärung. Sie. Kellnti, warum ist denn die Wurst so klein?" Entschuldigen Sie die ist jedenfalls zu früh zugebunden wor- , i i i I . . ; j i

Sattel rnd Lasso in ZNcTico.

Von Tr. E. Below Berittene Geistliche und berittene Richter, berittene Aerzte und auch sogar Lerittene Hebammen' berittene AImosensammler und Bettler nur nicht berittene Schreiber-und Schnei-der-Seelen trifft man überall in Mexico, besonders auf den gebirgigen Hochländern, abev auch im flachen und Tieflande. In den Silberminenstädten und deren Umgegend reitet Alles, auch die Frauen. Lebenden Bildern, wie Maria mit dem Kinde auf dem Esel in Egypten. begegnet man dort überall auf den gebirgigen Landstraßen. wie zwischen den Kaffee-, Zucker-, Eacao- und Vanille-Pflanzungcn in den ebenen Tiefländern der Tierra caliente (heißer Strich) und in den Silberminen-Städten. Ich wüßte kein Land dev Welt, wo so viel geritten wird, wie in Ungarn und Mexico. Beide Länder gleichen sich sehr im Reiten wie im Fahren, im Essen wie im Trinken, in der Küche wie in der Kirche, im Singen wie im Lieben; in dem Freier, der nicht reiten kann, sieht die Frau dort keinen rechten Mann. Wer bloß Ritter von dev Feder und der Elle ist. zählt nicht mit, er muß Ritter mit Flinte, Sporn und Lasso sein, dann gilt er. Hat die Sache in Ungarn zuweilen einen etwas hunnischen Beigeschmack, so hat sie in Merico einen arabischen, von den den Spaniern beigemengten maurischen Elementen her, die durch Eortez und seine Nachfolger als gut spanisch in die eroberte neue Welt mit Kreuz und Sattel übertragen wurden; denn diese beiden Sachen waren dem alten, in einer eigenthümlichen Naturreligion von ihren weis?n Priestern erzogenen Culturvolk der Azteken noch neu. Sie betrachteten die ersten berittenen Spanier, die ihnen das ckristlicbeKreu' und den spanischen Sattel in's Land brachten, als Barbaren und Centaurcn und flohen vor ihren Pferden, die sie noch nie gesehen und ließen sich taufen, wie die Sacksen unter Karl dem Großen. Die Liebe für Musik und Reiten. wie sie in der berllbmtesten aller ungarischen Rhapsodien von Liszt ausgedrückt ist. läßt sich auch im Lande Mexico finden. Arabisch ist am mericaniscben Sattel der große breite, tellerförmige Satlellnops, aus dem beim langen Steppenritt die müden Hände mit den geln ruhen können, auf dem der Reiter zur motl) sein einfaches Mahl verzehren. auch eine Notiz schreiben kann, und auch die Sattellehne gemahnt an die hohe Stuhllehne des Arabers, von der der mexicanische Sattel r.och ein kurzes Ansatzstuck zeigt. Die Bauart des mericaniscken Sattels ist die unseres Bocksattels der tticylen avallene.welche das Rückgrat des Thieres völlia frei läkt. Hin Zwei Finger breiter Spalt bleibt in der ange von zwei Handbreiten auf dem Rücken offen, so daß man bequem durchfassen kann, um sick m überzeu gen, daß der Sattel nicht drückt. Man lann m die armlichsten Stuben kommen. einen Sattel und ein 5,eittenkilk findet man immer, wenn es auch weder Bett noch Herd m unserem Sinne dort gibt. Das Bett ist beim Volk eine Strohmatte, die aukaenommen und zusammengerollt wird.- Stehe aus, nimm Dem Bett und wandle", das versteht man erst in jener sebr an primitive, palästinische Verhältnisse gemaynenoen msachheit. Als Schmuckstück prangt der Va-auero-Sattel mit den zum Xütmns schütz herabhängenden Flankenlappen uus Liegen- ooer eopardensell aus einem Holzgestell mit Zaum, Gebiß und Lasso, und dies nebst dem bfil berten Sombrero und dem HeiligenUllJ, ..i.f." , . ? . uuuh uiivenamvcyen an oerWand ist die m&cti de rsistnnro. hn? Schmuckstück, der Stolz der dunklen, " f i , .. . . xuijicn ylltte, der ärmlichen, bedürfnißlofen und deshalb glücklichen und zufriedenen Indios, der Nackkommen der Azteken, dieser Mischrasse von fs-sftnlrt- i r -r ifuiiuy-uiuuiiu;cm uno inoianlillzem Blute. Die reiche Phantasie des mezicanischen Handwerkers, die oft den Künstler durchblicken läßt, hat aus diesem Sattel, der bei den Aermeren ein recht unscheinbares braunes Hausrathsstück bildet, die wunderbarsten und geschmackvollsten Gebilde zu schaffen gewußt: feo zeigt die Eiselirung des Sattelknopfes, meist versilbert, nicht nur tellerartige Verzierungen. Oft ,ieul er emen owenkops xn Relief vor oft einen Adler, der die Sckilanae töd: tet. das Sinnbild der mericaniscben sV- rf- m m - - 1 ' neouoiii: aus emer von Nopal be wachsenen Felseninsel bat sick der Ad ler. der den wandernden Tolteken als Führer zu ihrer neuen Seimatb diente der Sage nach, niederaelassen. wa er die lauernde Schlange der Tyrannei ernzurgie. wtt an die Wanderungen der voraztekischen Zeit gemahnende Sage gibt das Bild, das als mericanisches Wappen die Sattelknöpfe und oie orvegos (Manteldecken der In dios) ziert. Ganz anders, als das in Europ, gebräuchliche, ist das mericaniscke Ge biß: es ist ein Kandarenaebiß. wo statt der Stanaen ein Rina'mit einigen daranhängenden Metalldrückern dem Pferd über die Zunge geschoben wird. Je mehr der platt auf der Zunae licaende kupferne rauhe Metall ring durch den Zügelzug herabgednic? wird, um so mehr drücken sich die da ran hängenden kleinen Drücker in. da! 5!unaenfleisckz. wäbrend der Rina ae 9 J 1 r kJ KS gen Zunge und Unterkiefer drückt und so dem Pferde den Kopf hinabzwingt und es schließlich stillzustehen nöthigt. Dies complicirte. G:biß wiegt nicht

o schwer, wie unsere Kandarenstan-

gen. Das Pferd spielt mehr mit der Zunge daran und speichelt und chaumt leichter. Die Mezicaner glauben das Thier dadurch aufmerksamer und munterer zu halten. Doch so seh, es auch durcy solch em chicanöses Gebiß gepeinigt wird, dies übt lange Nicht den Zwang aus, wie der leicht um den Hals gehängte Lasso: ein kleiner Ruck an dieser Leine, die nicht stärker ist, als unsere gewöhnliche Wascheleme. und das Pfero neoi im schnellsten Carriere, so daß es mit den vorgestreckten Vieren eine ganzeStrecke vorwärts schurrt und Pferd und Reier von emer Staubwolke umgeben sind. Diese Wirkung des Lasso ist die Folge der schlimmsten und grausamsten Jugenderinnerung des Thieres n rrr CTT ! W ! oeim erittn Einsangen m oer lumomu, die für das ganze Leben vorhält. Als das Thier auf der Steppe von den Knechten des Hazendado zum ersten Mal mit demLasso eingefangen wurde, um sein Brandmal aufgedrückt zu bekommen, schauderte es bei dieser ersten Begegnung mit dem übttkegenen Menschen zusammen: manches Thier bricht dabei einen Halswirbel, wenn der Zug des um den Sattelknops des Reiters geschlungenen Lassos zu brüsk erfolgt. Doch das kommt selten vor. Die meisten laufen, nachdem sie geknebelt, niedergeworfen und gebrandmarkt worden sind, munter davon, stehen aber wie angewurzelt, sowie sie zum zweiten Mal Bekanntschaft mit dem Lasso machen. So wie in Mexico habe ich nirgends ein Reitpferd im vollen Jagen pariren sehen. Es geschieht Nicht nur mit dem Kandarenzllgel. sondern mit dev um den Hals desThieres gehängten Lassoschlinge, mit diesem Zuge jedenfalls immer am sichersten. Diese Schlinge liegt zugleich u.n den Kopf des Pferdes als Halfter. Die Rancheros, beHäupten, daß sie n V dem bloßen Halfter, ohne Gebiß, das Pferd ebenso in der Gewalt haben, wie mit Gebiß. Sieht man diese ländlichen Reitergestalten mit weit abstehenden, flügelartig sich bewegenden Ellenbogen daherfliegen, so muß man den Mangel an Grazie und Eleganz bedauern. Sie reiten eben wie die wilden Indianer, bücken sich dabei zur Erde, heben den m den Sand geworfenen Hut vom Boden auf, machen diese und ähnliche Kunststücke wie das Stierwerfen" auch auf bloßem Pferde; das ist gewöhnlich .der Schluß-Act auf den Wettrennfesten, die auch das deutsche Casino auf semem Rennplatz vor der Hauptstadt Mexico gibt. Das Stierwerfen krönt die meisten größeren Wettrennen als ländliche Volksbelustigung. Dem aus dem Pferch getriebenen wilden Stier jagt eine Schaar Benttener nach. Man sucht den Schweif des Stieres zu erfassen, zwischen rechtem Knie und Sattel durchzuziehen und, den Schweif nicht locker lassend, damit voranzustürmen, den Stier zu überholen und ihn so kopfüber stürzen zu lassen. Dann wird er gebunden, er bekommt einen Gurt um den Bauch und wenn er wieder aufsteht, sitzt ein Reiter auf ihm. der alle Versuche, ihn abzuwerfen, vereitelt, bis man das ganz blöde gewordene Thier freiläßt, worauf es dann, meist recht mattherzig.ohne Angriffe zu machen, in seinen Pferch zurücktrollt. Dieses beliebte Spiel ist freilich Sache des geborenen Hazendado. Ein Fremder lernt es selten. So stolz die Mexicanev auch auf ihr Reiten sind, so machte es doch einen sehr großen Eindruck auf sie. als in Matamoras ein preußischer Husarenofficier ihnen die ersten Begriffe von elegantem europäischem Herrenrelten beibrachte. Sie, die sich über die Plumpheit des nordamerikanischen Cowboys immev amusirt hatten, die den rechnenden Aankee mit Recht als schlechten Reiter bespötteln. alsSastre, Ellenreiter, sie sahen erst, als der abcommandirte preußische Husarenlieutenant in Paradeuniform an ihnen vorbeiritt, was elegantes, leichtes, schönheits- und sicherheitsgemäßes Reiten ist. Aber trotz ihrer Bewunderung dafür, sie blieben bei ihrer Gewohnheit, Ellenbogen und Körper hin und her zu werfen. Wenn man alZ die Hauptregel beim Reiten die betrachtet, mit den Bewegungen des Thieres einen zusammen gehörigen Körper zu bilden, so daß der Eine dem Anderen seme Bewegun gen nicht erschwert, sondern eher erleichtern hilft, so kann es fraglich sein, ob bei dem höchst beweglichen Naturell des dortigen Pferdchens dev Mexicaner nicht aus richtigem Instinkt han delt. Der hervortretende - Characterzug beim mezicanischen Pferd ist weniger die edle Grazie, als die leichte Leben digkeit und Ausdauer. Die Fliegebewegungen der Ellenbogen des mexicanischen Reiters unterstützen vielleicht diese Eigenschaft besser, als die Würde und Grazie in der Haltung des vorschriftsmäßigen deutschen Reiters. Das mexicanische Pferd ist das ausdauerndste, willigste, bedürfnißloseste Reitthier der Welt. Auch wo es recht küble .Norder", kalte Tage aibt. wie auf den Hochplateaus, wo man sich tn semen Jorongo hüllt, .stehen die Pferde mcist im Freien, höchstens unter einem Schutzdach, im Corral, wo Tränken und Krippen sich an der Umfriedigungsmauer entlang ziehen. In den Hauptstädten freilich fängt man nach und nach an, Alles nach europäischem Stil einzurichten und unser 5zofstallmeister des deutschen Hauses" oder deutschen Casinos" in der Hauptstadt, der die Wettrennpferde unter seiner Obhut hatte, verfügte über schöne Pferdeställe. Doch wachsen die meisten Pferde ohne diesen europäischen Luxus dort auf. Nur ..die von den Aankees

Zmportirten hochbeinigen Gäule, die sehr empfindlich sind, brauchen Ställe.

In der Silberminenstadt Guanajuato standen meine drei Reitpferdr, als ich die eme Wohnung m der Calle de la Tenaza inne hatte, wo nur ein grob gepflasterter Hof und keine Stallung war. vor ein paar Reisekisten, die als Krippen dienten, Winter und Sommer, ohne Raufen, ohne reguläre Streu, bloß Mist- und Strohreste wurden für die Nacht auf das SteinPflaster gebreitet. Sie bekamen Mais zu fressen, zur Abwechselung dann und wann Hafer, nebenbei Maisblllthen und Klee, selten Grasheu und waren blank und munter Tag aus Tag ein, während einer jener hochbeinigen, starkknochigen amenkamscken Gaule, für den extra cm Stall gemiethet werden mußte, alle Augenblicke' trotz aller Pflege etwas hatte" und nach kurzer Zeit draufgwg. . . .. Die Pferde sind dort gewohnt, die treppenartig gebauten Gäßchen der Gebirgsstädte auf und ab zu gehen und die schlimmsten Saumpfade zu erklimmen. Wer ohne Reitburschen allein reitet und statt eines Steigbügeltrunkes lieber absteigt und in die Kantine hineinaebt und ein Weilchen im Schatten sitzen will, läßt das Pferd draußen auf dem Fahrdamm stehen und mmmt das Lassoende, über das die Passanten des Bürgersteiges ruhig hinwrgschreiten, mit sich in die Kantine hinein. Erschrickt draußen etwa das Pferd, oder will es fort, so genügt ein einfacher Ruck, der es an seine erste Bekanntschaft mit dem Lasso erinnert, und es steht still wie ein erschrockenes bestraf, tes Schulkind. In ähnlicher Situation mit dem Lasso am Arme machte ich auch größere und kleinere Operationen in ärm-lichen-Bauernhütten, wenn ein paar unerwarlet spritzende Arterien es nöthig machten, daß ich mir meinen Mozo (Reitknecht), der vor der Thüre die Pferde hielt, von draußen zu Hilfe herein rief, was mehrere Male vorkam. So komisch es klingt: mit der Pferdeleine am Arm wurde zuweilen operirt. wenn es an Assistenz fehlte, mußte man sich eben so zu helfen suchen. Mit weniger vernünftigen als den mezicanischen Pferden und Mozos wäre es oft unmöglich gewesen zu opemen. Alle Sonntage und Donnerstage Nachmittags spielt auf dem großen Corso der Hauptstadt, wo die elegante Welt in bester Toilette in Kutschen und zu Pferde sich sehen läßt, die Militärmusik bei der Statue des Columbus oder eine Strecke weiter bei dev Statue des letzten Aztekenfürsten Guantemozin. Dieser weite, prächtige Boulevard, mit Eucalyptus und Pappelbäumen eingefaßt, führt m gerader Linie von der Hauptstadt zum alten Kaiserschlosse des Montezuma und des Kaisers Maximilian. Chapultepec, mit den Riesenbäumen, den Ahuehuetes, von denen man in Berlin im Botanischen Garten ein paar zwerghafte Exemplare mit ihrem feinen Laube (Taiodiura mexicanum) bewundern kann. Die Schneeberge, die vom Abendsonnengold angestrahlten Vulcane Popocatepetl und dicht dabei die unter dem Schneeleichentuch schlafendeFrau" Jxtaccihuatl" senden angenehme Kühle in das hochgelegene Thal von Anahuac herab, so daß dort eine steteFrühlingstemperatur herrscht. Frühlingstoiletten sind dort das ganze Jahr an der Tagesordnung und Alles prangt darum im Schmuck lebhafter, Heller Frühjahrsstoffe, die Damen in leichten, duftigen, ballstaatähnlichen hellfarbigen Costümen. die Herren, die auf prächtigen Mustangs grüßend vorbeidefiliren, in ihren Charro-An-zügen, kurzen, reich mit Silberknöpfen und Quasten und Schnüren verbrämten Reit-Jackets, chocoladefarbenen oder auch schwarzen, silberbeknöpften Reithosen, silbernen Pfundsporen, die aus den ledernen pantoffelartigen großen Steigbügeln herabhängen. Sattel und Gebiß strotzen von Silber, und das schäumende Roß scheint sich seiner imponirenden silberglitzernden Last, die es spielend trägt, bewußt, so freudig und stolz schüttelt es seine Seidenmähne, wenn es an den Musikpavillons und an den schönen EquipagenReihen entlang tänzelt. Trotz aller modernen Jockey-Co-stüme bildet bei den Wettrennen doch immer diese Staffage landesüblicher Reitercostüme den Abschluß. Diese Dandys, die gut den Lasso zu handhaben wissen, bilden einen schönen Contvast zu den windigen Jockeygestalten, die in bunten Atlasblusen an Einem vorbeigeschossm sind. Im CharroCostllm reiten sie an den Logen der Damen vorbei, denen sie den Hof machen. im silberbetreßten, fast mühlsteinbreitem Sombrero halten t vor den Balcons Derer, von denen sie ein Fächerzeichen, einen Taschentuchwink, ein Blumensprachenwort erHaschen wollen; der Zeichen, mit denen die Reiter darauf zu antworten wissen. auch ohne ihr:: Braut schreiben zu dürfen, sind viele, auch die Art, wie der Hut aeschwenkt. wie am Sattelknöpf derToledo-Säbel getragen wird, bedeutet für die Dame, die die Winke versteht, eine Sprache. Der mexicanische Freier hat keine Brautstandszeit. Statt ihrer muß er sich oft Jahr und Tag vom Pferde aus durch Winke nach demBalcon mit seiner Braut ver-' standigen. Ten Qzo (Bar) machen nennt man dies. Ein anderes Bild envollt sich, wenn wir uns auf, den Marktplatz einer der Silberminen-Städte in den Anden be geben. Vom Lande herein geritten kommen die braunen Gestalten der Ranchevos im fliegenden Galopp, am .Sattel .. - i rm fit.f.i: hangen auner oer cacyeie uaociaitt

I ges Messer) ein paar Hühner und Z:egen, noch lebendig, die er zu Markte bringt. Oft hat er noch bei sich auf dem Sattel sein junges Weib; sie eilen zu Markt, halten aber im eiligen Galopp still und verbeugen sich tief vor dem Padre. der vorbeigeritten kommt, vor dem die Fußgänger niederknieen, ihn um seinen Segen bittend. Diese meist wohlbeleibten Prälatengestalten im dunklen Gewände des Geistlichen gehören zu jedem tropischen Städtebilde der Andenkette. Vorbei eilt flüchtigen Trabes ein Arzt, ihm folgt auf mexikanischem Sattel sein Reitknecht, während er selbst für Stadtbesuche den englischen Pritsch-Sattel vom Europäer adoptirt hat. nur für

längere Ritte auf's Land reitet auch der Arzt auf mexicanische Art. Dort an den hohen Bogen der gemauerten Markthalle im Gewühl der Fußganger müssen die Reiter ihre Gangart verlangsamen, denn vor dem vorbei--citenden Geistlichen krneen und liegen o viel Menschen am Boden, daß man aum vorüber kann. Hier ist der Eemüsemarkt vor der Kathedrale, bei dem grünen Platz m:t dem platschernden Brunnen und den Stembänken, wo allabendlich die Militärkapelle pielt. Jetzt am Morgen hört man die Rufe der Käufer und Verkäufer durcheinander tönen, und an der Ecke vor dem Regierungsgebäude drängt ich das-Fußvolk vor den Tischchen des Schreibers, der ihnen auf offener Straße ihre Bittgesuche und Liebesbriefe, ihre Proceßsachen und sonstigen christlichen Angelegenheiten nach morgenländischer Art stilisirt und zu Paplev bringt. Glücklich, wer den nicht braucht," denkt der schmucke Hazendado. welcher im sammtdurchwirkten dunkelblauen Jorongo, mit silberner Lowenknopf-Schnalle um den Hals befestigt, stolz an dieser Schreiberseele vorbeireitet und sich wie ein Konig dieem Gewühl gegenüber vorkommt, das da feilscht und kniet und schreibt und dictirt. Auch der Hazendado bekreuzigt sich. wenn er an der geöffneten Pforte der Kathedrale vorbeireitet, auch er macht dem vorbeireitenden Priester seme Reverenz, wie es sich gehört, aber er macht, daß er schnell aus diesem Gewlmmel herauskommt, um ber einem Trunke Mescal oder Colonche das Wichtige wegen des nächsten Hahnenampfes oder Stiergefechts mit semen Freunden und Gevattern zu verabre den. Dies und die Maispretse allem lnteressiren ihn m Wirklichkeit nur an dem Stadtleben; er athmet wieder frei auf, wenn er dieses Straßenpflaster. wo es nur Herren und Knechte" gibt. hmter sich hat. und wenn er sem Roß wieder, frei tummeln kann, dort, wo die chocoladefarbenen Berge und Hochebenen hmter der dunkelblauen Horizontlinie seinen heimathlichen Rancho, seme Hazienda, sem Heim verdecken. Dort ist er wieder ganz der freie Mann, der nie auf die Dauer das Joch der Fremden duldet und sich, wie es m femem Liede heißt, mit des Landmanns Bluse statt mit demSöldnerbanner seine Grenze reinfegt." Nicht vergessen darf ich zum Schluß dieser mexikanischen Rhapsodie über Lasso und Sattel die HallelujahPferde". So werden, namentlich von den Spaniern, die unglücklichen Gäule genannt, die todtmüd, nachdem sie schon so abgemattet sind, daß sie kaum mehr dieser irdischen Welt angehören, des Sonntags Nachmittags als ausrangirte Gäule in die StierqefechtsArena gebracht werden. Es ist em scheußlicher Brauch vom ästhetischen und menschlichen Gesichtspunkte, wenn sich auch manches Malerische und Ritterliche in jener Arena finden läßt, daß man den Rossen, die jahrelang treu gedient haben, solch' ein Ende bereitet. In Spanien werden sie. besonders in den Küstenstädten, wo es Stiergesechte gibt, kurz vor dem Stiergefccht im Dünensande matt und müde geritten, um dem Ansturm des wüthenden Stieres keinen festen WZderstand mehr bieten zu können. Dann rennt der ihnen seine Hörner in den Leib trotz der zolldicken Lederklappe. die als Brustlatz den armen Pferden zum Schutz umgehängt ist. Sie haben eine Lederbinde um die Augen und werden vom Reiter, dem Picador, dem Stier entgegengetrieben. Dann verblutet sich :m besten Falle das Hallelujah'Pferd, oft, nachdem es auf den heraushängenden eigenen Eingeweiden herumgetrampelt ist. Uebngens ist diese grausame Gepflogenheit eine Erbschaft derSpanier, ein Sviel. das der Mexikaner sich allerdings ruhig mit ansieht, wenn die von Spanien verschriebenen Matadore solche Scenen ausführen, dessen Roh beit er aber zu vermeiden sucht bei seinen Toros asficionados, Liebhaberoder Dilettanten-Stlerspiklen. wo vie Hazendados ihre besten Pferde als Pikadores selbst reiten und sich wohl hüten, daß die Püffe, die die Thiere bekommen, zu arg werden. Der Hazendado ' liebt und schont seine Pserde. Er ist zu sehr Reitersmann von Geburt, als daß er großes Gefallen an jener spanischen Grausamkeit gegen Thiere finden könnte. Auch bei den Stiergefechten der Studenten der Medicin, die der Generalarzt und Professor der Medicin Montes de Oca dem Hauptstadt-Pub-likum vorführte, waltete jener Anstand und jene Noblesse, die derartige Greuclscenen geschickt zu vermeiden wußte . F l i t t e r t a g e. Denke nur. Frida, jetzt sind wir' schon einen ganzen Tag verheirathet.- Ach Gott, wie doch die Zeit vergeht!"" Vision. Lieutenant (in den Ballsaal tretend): Alle traurig, alle, müssen schon wissen, daß ich mich ge jleni verlobt habe!"