Indiana Tribüne, Volume 19, Number 323, Indianapolis, Marion County, 9 August 1896 — Page 6

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shrr ana hrr 3rff drillt jmw w v w BGM v v wv 1 und den: Haunus. Es ist ein uraltes Culturland, dem die beigegebenen Skizzen entnommen sind, reich an geschichtlichen ErinneHingen, reich an Ueberbleibseln dergangener Culturperioden und reich an alten Sitten und Bräuchen, die der zähe Volksstamm der Hessen, der ehemaligen Kalten, bis in die Neuzeit herein sich treu bewahrt hat. Die Fruchtbarkeit des Bodens mag schon in vorgeschichtlicher Zeit der Grund zu Ansiedelungen gewesen sein; vielfach aufgefundene Brandgruben, Thonscherben und rohe Steinwerkzeuge bestätigen diese Annahme. Als später die Römer ihren Grenzwall bis zur Wetterau vorgeschoben hatten, wohten unter seinem Schuh dort gallische Kelten, und manche Ortsbezeichnung stammt noch von ihnen. Dem An Friedberg, Eingangzur Burg. stürm der von den Römern so gefürchteten Katten konnten sie jedoch für die Äauer nicht Stand halten, zogen Westwärts und überließen das Land dem siegreichen Germanenstamm. Die diistere 300jährige Regierungszeit der Merovinger zieht einen dichtenSchlei:c über alle geschichtlichen Vorgänge jener Gegenden, und erst im Jahre 719 trzten die Katten als Hessen von neuem hervor. Den jetzigen Mittelpunkt der Wetterau bildet die alte Reichsstadt Friedberg. Sie liegt in dem fruchtbarsten Tyeil des Gaues, der Kornkammer des Großherzogthums Hessen. Ursprunglich bestand hier eine bedeutende römische Niederlassung, wie aus der Auffrndung zahlreicher Inschriften und dem Aufdecken eines unterirdischen Mithrastempels zu schließen ist. Kurz nach der Zerstörung Jerusalems muh sich hier eine (.vhorte der damascenit , ÜVrt7 : . V "j v &sa i ) iPä.:rm m$ Li'rv UMMM sn:u ti' m m M ü n z e n b e r g. schen Legion aufgehalten haben; durch diese Asiaten wurde der persischeMithrasdienst in das ferne Germanien derpflanzt. Nach dem Verdrängen der Römer mögen königliche Vögte von dem Platz Besitz ergriffen haben, um Recht zu sprechen und das Land zu verwalten. Daraus entstand mit der Zeit die Reichsburg Friedberg, die urkundlich zuerst 1217 erwähnt wird. Unter ihrem Schutz wuchs rasch ein blühendes Gemeinwesen empor, erhielt Stadtgerechtsame und suchte sich bald von der kaiserlichen Burg unabbängig zu machen. Viele Fehden, mit Leiden aller Art im Gefolge, entspannen sich deshalb: trotzdem hielt sich die Burg bis in die neue Zeit, denn erst im Jahre 1819 wurde sie ein integrirender Bestandtheil des Grobherzog' thums. während die Stadt schon 1802 unter hessische Oberhoheit gekommen war. Mauern und Thore der Burg wm vy'jir AWm KMMÄM ü -ZS & tv J3,i2. X ura Ruine Münzenberg, ragen heute noch kühn in die Lust?; das ehemalige Burggraviat wurde großherzogliche Hausdomäne, während die Burgkanzlei den Zwecken eincs Lehrerseminars dient. Mauern und Thore der Stadt sind gefallen, nur eine zinnengekrönte Warte, der Nöthe Thurm." ist übrig geblieben Ein edles Denkmal mittelalterlicher Kunst ist die in reinen gothischen Formen erbaute Stadtkirche; aber auch die Straßenbilder zeigen noch vielfach alterthümliche Giebelhäuser. Zwei Stunden nördlich von Friedberg liegt das freundliche Städtchen Lutzbach. Ebenfalls frühere Römerstatte, kommt sein Name urkundlich schon unter Karl dem Großen vor. Eine Feuersbrunst zerstörte 1603 das alte Schloß sowie 100 Gebäude. Der Marktplatz mit seinen alterthümlichn hochragenden Giebelhäusern, dem let der schon veränderten Rathhaus, biete! heute noch ein prächtiges Bild bergan gcner Zeit. Die Kirche ist bedeutend einfacher als die Friedberger. weift jedoch dieselbe Anordnung der Querschifft auf. Zwei Wartthürme "und Reste der alten Stadtmauer mit Wehrgang sind Zeugen ihrer einstma ligen Besesiia.ung. Schon vom Markt plak aus erblicht man öNli die r.cn deö Schlosse Münzenberg, weaen

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keiner beiden Bergfriede auch WVolks- , m l cm 1 1 mtttS K-3 tttnMto nr FlHnYiit 1414 tW VUW IVM J genannt. Nach einstündigem Marsch Langenhain, Abendmahlstracht. gelangt man in das ungemein malen sche Städtchen gleichen Namens, am Fuße des Burgbergs gelegen. Die Ruine der Burg ist eine der schönsten und bedeutendsten von ganzOberhessen Ihre Psalz. sowie die anstoßende Kemenate sind in romanischem Stil erbaut, während die über dem Thorbo gen befindliche Kapelle und die gegenüberliegende sog. Münze frühgothischen Ursprungs sind. Cuno von Arnsburg aus dem Geschlecht von Hagen oder Hain in der Dreieich, dessen Nachkommen sich dann Münzenberger nannten, erbaute wahrscheinlich die Burg in der Mitte des 12. Jahrhun derts. Langgöns, Abendmahlstracht. Die Bewohner der Wetterau und des angrenzenden Taunus zeigen sich als ein kräftiger, derber Menschenschlag. Sie hängen fest a n liebgewordenen Alten, und daher kommt es. daß sich die alten Volkstrachten in den kleinen Landstädtchen und den Dörfern allen Modethorheiten zum Trotz, vielfach in ihrer ursprünglichen Gestalt bewahrt haben, wenigstens bei Frauen und Mädchen. Freilich giebt es auch abgelegene Orte, in denen das Weibliche Geschlecht sich schon durchweg städtisch kleidet, und es ist nur noch eine Frage der Zeit, daß der lange Langenhainer Tracht. Rock den kurzen vollständig verdrängt. In Münsterberg z. B. tragen sich nur noch einige alte Frauen wetterauisch. Die Tracht wechselt, gleich dem Dialekt, fast von Dorf zu Dorf, weist jedoch überall gewisse Uebereinstimmungen auf. Immer besteht der Anzug in einer Haube, dem Mieder, dem Busentuch, dem Mutzen (Jacke), vielfach gefälteten kurzen Röcken (Stumpfröcke). gefälteter Schürze, verschiedenen Zierbändern, Zwickelstrümpfen und ausgeschnittenen Schuhen. Bei Kindern und Mädchen sind die Farben oft recht bunt, bei älteren Frauen meist dunkel oder fast schwarz. Die Haube unterliegt dem größten Wechsel; sie ist theils niedrig, wie in Langenhain. Langgöns. Grüningen und Münzenberg. theils höher, wie in Cleeberg und bei älteren Frauen in Langgöns. Die Farbe der gewöhnlichen Haube ist schwarz, jedoch tritt hier und da Weiß GrüningerTracht. zum Ausschmuck mit auf, am meisten in Grüningen in der Wetterau und Langenhain im Taunus. Getragen wird sie theils auf dem Lorder-, theils auf dem Hinterkopf und bedingt dadurch die Anordnung des Haares. Während im ersteren Falle die stets kronenartig gelegten reichen Flechten vollständig bedeckt sind, wird das Haar in letzterem Falle nur lose untergeschoben. so daß es noch im Nacken sichtbar ist. Di: hohe steife Haube der Tau

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nusbewohner von Cleeberg. machk :n Langgöns bei jüngeren Mädchen schon einer gefälligeren niedrigen Form Platz. Die hohe Haube nennt man Moratz, die niedrige Bandhaube, beide werden stets unter dem Kinn zu breiten Schleifen gebunden. Ganz eigenartig ist die Kopfbedeckung, die zum Abendmahlsgang, sowie bei Traueranlässen getragen wird. Auch sie wechselt in ihren Formen; man nennt sie Striefelhaube oder Zieh- (sprich Zäih-) Haube. Aus weißem Tüll geformt und theils mit weißen Stickerelen versehen, ähnelt sie manchmal dem Hut. Das kreuzweise gebundene Busentuch macht beim Abendmahlsgang noch einem reichgestickten, theils bunt, theils schwarz und weißen

CleebergerTracht. Schultertuch Platz, das im Trauerfalle durch ein völlig weißes ersetzt wird. Die ..Stumpfröcke" werden stets in großer Anzahl getragen und bauschen die Hüften unförmlich auf; manchmal hat ein Mädchen 12 bis 14 Stück übereinander angezogen, die dann bei jedem Schritt und Tritt hin und herschwenken. Durch das Freilassen des ganzen Unterschenkels bewahren sich aber die dortigen Mädchen und Frauen eine Grazie der Bewegungen, die meist durch einen kleinen zierlichen Fuß gehoben wird, um den sie manche schleppenbeschwerte Dame beneiden könnte. Das wollene Garn zu den Kleidungsstücken spinnen die Frauen immer noch selbst. Schloß Laucnstcin. Unter den an landschaftlichenSchönheiten reichen Thälern der sächsischen Schweiz ist das Müglitzthal eines der lieblichsten und nicht nur seine Naturschönheiten, sondern auch die malerischen alten Burgen und Schlösser, die es aufweist, sind bemerkenswerth. Unfer Bild stellt das alte Schloß Lauenstein (Löwenstein) dar, das sich auf hohem Bergesabhang über denMüglitz erAnsicht des Schlosses. hebt, die hier als kleiner, schmaler Forellenbach dahinplätschert. Lauenstein ist als Grenzburg sehr alt; 1517 kam es in den Besitz der Familie v. Bünau, bei der es 300 Jahre lang blieb; jetzt gehört es den Grafen v. HohenthalPüchau. Die alten Gebäude dienen jetzt größtentheils als Amtsgericht, doch sind noch einige herrschaftliche Prunkgemächer vorhanden. Der südwestliche Theil ist Ruine, und durch die leeren Fensteröffnungen der alten Mauern hat man einen schönen Ausblick auf das Thal. Das Städtchen Lauenstein schließt sich im Nordosten unmittelbar an das Schloß an. EinmodernerBettler. & .Ich bitt' um ein Almosen !' Wer sich nicht um die Welt kümmert. um den kümmert sich die Welt am meisten. Bezeichnung. Kolossal reich diese kleine Bankierstochter, aber bei ihrer schwierigen, räthselhaften Natur schwer zu erobern." Ja, das wahre Preisräthsel!" Geistreiche Folgerung. Major der Bllrgergarde (zum Hauptmann):Jetzt hat die Stadt eine Kanone ang'schafft, bei der mer's halbe Pulver versparn!" Hauptmann: Aber da hätt'ns doch können zwei anschaffen, da hätt' mer sich's ganze Pulver verspart!" Frech. Gutsbesitzer (zum Strolch, der einen verbotenen Weg betritt): Wie können Sie hierher gehen; dieser Weg ist doch verboten?" Strolch: Wat kümmert Ihnen bat? Sind Sie vielleicht der Besitzer?" Gutsherr: Jawohl, das bin ich!" Strolch: Dat kann Jeder sagen, wollmSie sich jesälligst mal lezitliiren?-

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Sm Jlanbc bet Sonne. Persien, einst einCulturland und die Gcburtsstätte welterschütternder Er. eignisse, das Land, dem Welteroberer entsprossen sind und das nebenher auch als Urheimath westasiatischer Cultur anzusehen ist, zählt heute zu den arme-

Musaffer-Eddin. ren Ländern der Welt. Die heutigen Verser haben, nach mancherlei Versuchen. nicht den Beweis erbracht, daß sie für die Civilisation zu gewinnen wären. Alle bisherigen Culturanläufe in Persien haben sich als zwecklose Spie lereien oder als schlecht verstandene Volks- und Reichsbedllrfnisse erwiesen. Wenn es zu des Schahs persönlichein Vergnügen die eine oder andere europäische Einrichtung zu einem leidlichen Provljormm brachte, hat die großes n?rtff? heS. Nnlk?s mi3 fnlrfipn ?lnläu I fen nicht den geringsten Nutzen gezogcn. Die herrschende Dynastie gehört dem Turkmenenstamme der Kadscharen" an, ist also nicht national - persischer (iranischer) Herkunft. Der Grundzug des turkmenischen Volkes, das wilde, unstäie. an Nomadengewohnheiten mahnende Leben hat sich zum Theil nmm m yniB fcri-r r.-" r WSM I . tssaissr s tdS "" , i rtMZP-" - - j . 'jeLi4:--. ri-3-H a u s (neuer Stil.) auch auf die persische Residenz. Teheran. übertragen. Dieselbe liegt in 1161 Meter 5öhe auf einer 150 Kilometer langen, 70 Kilometer breiten Hochebcne. die früher Steppe, durch Anlage von Bewässerungscanälen in eine blühende Landschaft verwandelt worden ist. hat einen Umfang von 30 5Nlometer und 200.000 Einwohner. Den Mittelpunkt der Stadt bild.-n die Vazare; die Straßen sind jetzt fürWiigenverkehr eingerichtet und mit Gas versehen. Die Armen wohnen in schmutztgen Gassen und Lehmhütten, zahlreich jedoch sind die Bauten der Großen und Würdenträger, die sich durch schöne innere Decorirung, prachtvolle Gärten, Bassins und Ventilationsthürme auszeichnen. Vor allem ragt die Königsbürg hervor, welche von einer starken Mauer eingeschlossen ist und gewissermaßen die Citadelle von Teheran bildet. Diese Residenz ist ein Conglomerat Haus (alter Stil.) von großen Hallen und Gemächern, welche unter sich durch unregelmäßige Trakte verbunden sind. Das bemerkenswertheste Gebäude ist der Thronsaalpalast, in welchem sich der berühmtePfauenthron", ein persisches Kunstwerk aus dem vorigen Jahrhundert, befindet. In einem andern Theile des Saales steht, unter einer Glasglocke, ein goldener, auf einem goldenen Gestelle ruhender Globus, dessen topographische Details mit Diamanten dargestellt sind. Aequator und Wendekreise sind Diamantreifen. Von einer kartoFrauderMittelklasse. zravbischen Orientirung ist selbsiverständlich keine Rede; alles ist ro.Edelsteinen überwuchert. Infolge der dreimaligen Europareise des verstorbenen Schah sind manche Gemächer des Palastes, vornehmlich der sogenannte Grüne Saal", zu wahren Raritätencabinetten geworden. Geschenke aller Art und Ankäufe füllen diese Räume. Außerdem befinden sich in diesem Palaste die Schatzkammer, eine Biblio-

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ihek. eine Vildergallerie und so w7r. Fließende Wasser beleben die Anlagen und gestalten sie zu einer erquickenden Oase inmitten der trostlosen Sandöde. Teheran hat außer den Koranschulen ein Collegium, in welchem europäische und persische Professoren lehren und die Schüler nebst voller Verpflegung auch Stipendien vom Schah erhalten. Wenn die alten Perser den Ruhm hatten, ausnehmend wahrheitsliebend zu sein, so lügt dafür der heutige Perser wie er selber sagt so lang, als seine Zunge geht". Er betheuert jedes Wort durch einen Eid; auf derUnWahrheit ertappt, bekennt er ohne Scheu und fagt: Ich aß Koth." Auch sonst wissen Reisende von den heutigen Persern wenig Schmeichelhaftes zu berichten. Zwar üben sie die Tugend der Höflichkeit, denn diese ist eine Münze, die nicht den, der sie empfängt, reich macht, wohl aber den, der sie ausgibt. Von allen Sitten hat sich vornehmlich die kriechende Unterwürfigkeit gegen Höhergestcllte und seitens der MachtHaber eine ausgesuchte Grausamkeit erhalten. Von Character ist keine Rede.

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Militärpatrouille in Teheran. Immerhin muß zugestanden roerden, daß die Perser unter allen moslimischen Völkern sich in besonderem Grade durch Intelligenz, Auffassungsgabe. Vildungstrieb (wenngleich zumeist nur oberflächlichen), gesellschaftliche und religiöse Toleranz, Höflichkeit und Entgegenkommen auszeichnen. Die Perser sind so ziemlich das einzige moslimische Element, welches sich auch in den großen Culturcentren Europas eingenistet hat. Persische Händler, Commissionäre, Agenten findet man in London. Paris. Berlin. Wien. St. Petersburg und anderwärts. In Bezug auf Unternehmungsgeist, Geschäftsroutine und auf kaufmännische FinDerwisch von I s f a h a n. digkeit steht der Perser auf einer Stufe mit dem Juden. Griechen und Armenier. Auch ist der Familiensinn unier den Persern außergewöhnlich entwickelt. Zustände, wie man sie in türkischen Harems vorfindet, in denen die Knaben zu Widersetzlichkeiten md groben Unarten gegen die Mutter seitens des Vaters geradezu aufgehetzt werden, sind den persischen Harems (Enderuns) völlig fremd. Man ".ehrt die Kinder Achtung und Gehorsam, und die Früchte solcher Erziehung sind die, daß jene, einmal erwachsen und zu Würden und Vermögen gelangt, ihrer Eltern niemals vergessen. Ihre Frauen behandeln die Perser im allgemeinen ziemlich gut, so weit dies bei den unerquicklichen mohammedänischen Ehegesetzen überhaupt möglich ist. Die Ehe ist nämlich eine zweifache,' das heißt sie wird entweder ruf die Dauer geschlossen ode: für tint bestimmte, vertragsmäßige Zeit, deren Dauer sich von einer Stunde bis neunundneunzig Jahren" beläuft. Die erste Gattung von Ehen nennt man Aegdi". die zweite ..Sighi". Mebr als ein Aegdi darf der Perser sich nicht antrauen lassen; das Gesetz wird aber dadurch umgangen, daß eine Sighi an Stelle einer durch (gesetzliche) Scheidung verstoßenen Aegdi treten kann, während letztere wieder als Sighi in Gnaden aufgenommen werden kenn. Daß bei solchen Zuständen von einer ehelichen Moral keine Rede sein kann, ist selbstverständlich. E i n S e i t e n st ü ck. Erste: Schusterjunae: Du, Lude, kennst Du Goethe's Faust?" Zweiter Schusterjunge: Nee, Goethe seine grade nicht, aber meinem Meester seine kenn' ich." Treu besorgt. Bergführer: I moan halt, Sie sollten mir den Führerlohn vorauszahl'n." Tourist: Wieso denn. Sie fürchten wohl darum zu kommen, für den Fall, daß ich abstürzen sollte?" Bergführer: Ra scll nöt. abaSie thaten Jhne halt lcichter mit'n steig'n, wann's nit a soviel im Sack hätten." Zarter Wink. In einem Restaurant bestellt ein Gast eine Flasche Wein. Derselbe ist aber schlecht und dünn; der Gast beschließ! daher, dem'Wirth eine Lehre zu ertheilen. Er läßt sich ein Glas Wasser bringen, kostet davon und gießt dann sehr langsam und ausfällig etwas Wein in das Wasser. Was machen Sie da?" fragte der neugierige Wirth. Ihr Wasser ist mir zu stark!" erwidert ruh'g der Gast.

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Im Jahre 1859 sind in unsere Lande die ersten Versuche gemacht worden, das hier, wie in der alten Welt, längst bekannte Erdöl für geMerkliche Zwecke auszunutzen. E. L. Drake gilt als der Erste, der in dieser Richtung Erfolge erzielte. Er legte zu diesem Zwecke einen Brunnen an, dessen Ertragsfähigkeit sich sofort so steigert.e, daß Drake bald nach einer neuen Verwendung des massenhaft hervorWMUV '& i-fffcW Drake's D e r r i ck. strömenden Erdöls suchte. Er fand diese auf dem Gebiete der Beleuchtung; brauchbare Lampenconstructionen wurden schnell erfunden, das pennsylvanische Oelfieber begann. Unser erstesBild zeigt den ersten, von Drake erbauten Bohrtchurm dcrrk'k", der eine Höhe von nur 34 Fuß hatte, und das zweite einen neueren, dessen Gerüst eine 5)'öhc von 82 Fuß besitzt. Das Bohren ist eine mühsame Arbeit und es dauert Monate, bisweilen über ein Jahr, bis endlich die ölsührende Schicht erreicht ist. Mit der Erbohrung der Oelschicht ist indessen der Besitzer des Brunnens noch keineswegs in den Stand gesetzt, die Früchte seiner Arbeit zu ernten. Nur-sehr selten gibt in' den pennsylva Nischen Oelfeldern ein Brunnen das in ihm enthaltene Oel gutwillig her. Der Grund dafür liegt in der Art und Weise, in welcher das Oel vorkommt. Dasselbe ist in ganz feinen Tröpfchen in dem ölführenden Gestein eingeschlossen. Will man das Oel gewinnen, so Moderner Bohrthurm. muß man zunächst das Gestein zermalmen. Dies geschieht durch das sogenannte Schießen der Brunnen. Große Mengen bis zu 450 Pfund reines Nitroglycerin werden in den Brunnen hinabgelassen und alsdann zur Explosion gebracht. Der furchtbare Explosivstoff wird in langen Blechhülsen, sogenannten Torpedos an einem Stahlkabel in das Bohrloch hin ablassen. Die Torpedos sind oben mit einem Zünder versehen, welcher durch Hinabwerfen eines gußeisernen Bolzens abgefeuert wird. Ungeheuer ist die Verwüstung, welche die nun fol gende Explosion tief unten im Schoße der Erde anrichtet. Die Explosionsgase strömen pfeifend aus dem Bohrloche und nach etwa fünf bis sechs Minuten folgt ihnen das Erdöl. Wie eine gewaltige goldgelbe Blume steigt es empor, höher und immer höher, es durchbricht den Derrick und steigt noch hoch über diesen als riesenhafte Fontäne. Meist gibt der Brunnen aber nur kurze Zeit sein Oel freiwillig h, und es muß bald mit Pumpenanlagen begonnen werden. Hört dann endlich ein Brunnen ganz auf. Oel zu liefern, so versucht man es mit neuem Schießen"? fruchtet aber auch dies nichts, dann bricht man den Derrick mit all seinem Zubehör an Maschinen. Gestenge etc. ab. um ihn an einer anderen Stelle wieder aufzubauen. Ein practischer Politiker. jp 'g-m-ju. o. , ''3 , i A wmUil 7SOAT Frau: Du rühmst Dich immer, Deine liberalen Grundsätze nie verleugnet zu haben. Jetzt stelle ich die Probe: Im bedarf eines neuen Hutes nun zeige Deine Liberalität! Mann: Höre, liebes Kind, in dieser Hinsicht bin ich conservativ betreffs Deines Hutes sage ich: Lassen wir es beim alten! - Jn's Stammbuch. Die Wahrheit ist ganz simpel: Auch Dumme sangen Gimpel. Allerdings. Baronin Sil berstein (neugeadelt): Gott, Samutl, wenn wir doch erlebten 's neue Jahr hundert!" Warum?" Baronin Sil berstein: Weil dann wir könnten sa gen, unser Adel stammt aus dem vori gen Jahrhundert!"

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A!e Sand. Obgleich die 'Hand nicht den beleb ten, beweglichen Ausdruck des GesichtZ hat, pflegt man sie doch als einen ausgezeichneten Gradmesser für die Bildung und den Charakter einer Personlichkeit zu betrachten. Man braucht kein Maler und kein Bildhauer zu sein, um die Schönheit einer vollendet geformten Hand mit Verständniß zu bewundern, und kein Poet, um zu wissen, daß die Hände eine ebenso beredte Sprache sprechen als Augen und Lippen, und eine keineswegs untergeordnete Rolle in derGeschichte des menschlichen Herzens spielen. Die Hand hat wie das Antlitz, ihre Physiognomie, ihren Charakter, und gewährt uns oft einen tiefen Einblick in das Wesen ihres Besitzers. Wer kennt sie nicht, die brillantenaesckmückte kokette Hand, deren graciöses Spiel mit dem Fächer oder einer vollerblühten Rose uns so viel sagt! Jene durchgeistigte, nervöse, unter deren beweglichen, überschlanken Fingern phantastische Tonm'ärchen aufblühen, und welche, wenn sie dann müde, gleich weißen Tauben, auf den Tasten ausruhen, demjenigen, der es lesen kann, gleichfalls recht inhaltrciche Geschichten erzählen, melancholische Geschichten, um die sich bunte Tonguirlanden ranken. Die kleine, weiße Hand", der wir in Heines Liedern so oft begegnen, ist wieder eine andereSpecies warmblütig, lebensvoll und jene rosigen, spitzfingerigen Grübchenhände, welche jung wie der Frühling und frisch wie Blumenblätter sind, weder klassisch, noch blaublutig, aber so recht geschaffen zum Liebhaben", lieber Leser, die kennst Du auch. Ein Ausruhen für Auge und Geist gewährt der Anblick der frommen", dieser nicht kleinen, aber vollendet geformten, vollen, weißen Hände, welche ganz Harmonie und Ruhe sind und von den Malern für ihre Madonnen gesucht werden. Es ist wohl Niemand, der nicht aus eigener Erfahrung und Beobachtung ein Capitel zu diesem Thema beizusteuern vermöchte. Darin aber stimmen wir gewiß alle überein. daß eine Hand nicht schön zu sein braucht, um zu beglücken; daß wir jene Hände, deren Mission es ist. himmlische Rosen in's irdische Leben zu flechten," diejenigen der Mutter, der treuen, sorgenden Hausfrau, gerade deshalb vor allen anderen lieben und verehren, weil ihre Schönheit über dem Schaffen ohne Ende" verloren ging, weil sie die Wahrzeichen eines thätigen, Pflichttreuen Lebens tragen. Dank und Ehre ihnen! Sommernacht. Von Stöbert Newickc. Der laute Tag ist fortgezogen. Es kommt die stille Nacht herauf, Und an dem weiten Himmelsbogen Da gehen tausend Sterne auf; Und wo sich Erd' und Himmel einen In einem lichten Nebelband,Beginnt der helle Mond zu scheinen Mit. mildem Glanz ins dunkle Land. Da gcht durch alle Welt ein riifcn Und schwindet hin von Land zu Land; Das ist ein leises Liebesküssen, Das Herz dem Herzen zugesandt. Das im Gebete aufwärts steiget. Wie gute Engel, leicht beschwingt. Das sich zum fernen Liebsten neiget Und süße Schlummerlieder singt. Und wie es durch die Lande dringet. Da möchte Alles Bote sein; Ein Vogel es dem andern singet. Und alle Bäume rauschen drein; Und durch den Himmel, geht ein Wmken,. Und auf der Erde nah' und fern. Die Ströme heben an zu blinken. Und Stern verkündet es dem Stern. O Nacht, wo solche. Geister wallen Im Monden schein, auf lauer Luft! O Nacht, wo solche Stimmen schallen Durch laute: reinen. Blüthenduft! , O Sommernacht, so reich an Frieden. So reich an stiller Himmelsruh': Wie weit zwei 5zerzen auch geschieden, Du führest sie einander zul Hoftascl vor 300 Jahrc In den Kammer-Rechnungen des sächsischen Hofes zu Dresden aus dem 16. Jahrhundert findet sich auch eine Küchenordnung, welche interessante Mittheilungen über die tagliche Spei sung an demselben gibt. So speisten an der Hoftafel Se. kurfürstliche Ena den und deroselben'' vielgeliebte Gemahlin, He?rlein und Fräulein.- Dann kam die Marschallstafel für den Hof. marschall. den Hausmarschall. den Kämmerling und Andere.12 Personen. darunter auch der Hauptmann der Guardi und Thürknecht, welches Amt seit dem Kurfürsten Moritz bis 1569 Kasper Zipser, ein wohlversuchter Kriegsmann, versah, sich befand. Die' dritte Tafel war der Frauenzimmertisch für die Hofmeisterinnen, echt Schmuckjungfrauen", des Hausmarschalls Weib und Kinder und Andere. Die Truchsesse. welche das Essen auf die kurfürstliche Tafel aufzutragen hatten, speisten, sobald letztere beendet war, an einem besonderen Mische. WaS von der Tafel üb, blieb, erhielt die Armuth. Angerichtet wurde Morgens 10 Uhr und Abends 5 Uhr. Die Küche wurde gleich nach der Truchsesse Essen zugesperrt, der Keller aber erst, wenn Se. kurfürstliche Gnaden zu Bett gegangen war. Wir. Herr: Fritzchen, hast Du noch ein Brüderchen oder Schutt fierchm? Fritzchen:' Nein, ich bin alle Kinder, die wir haben!