Indiana Tribüne, Volume 19, Number 323, Indianapolis, Marion County, 9 August 1896 — Page 3
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Revanche! von UVjan&cr AZaron VAN ZZsSertt (4. Fortsetzung). Als Viktor um zwei Uhr in der Nacht nach Hause kehrte, schimmerte ihm von dem dunkeln Teppich seines Tisches ein Papier entgegen. Beim fahlen Mondlicht, das durch das geöffnete Fenster lugte, unterschied er den gedruckten Kopf eines Telegramms. Vermuthlich hatte es Papa dort hingelegt. Wie versteinert stierte er es an sein Herz hämmerte hörbar. Als wenn das Schriftstück da über Leben und Tod zu entscheiden hätte! Jetzt erst zuckte die volle Offenbarung durch seine Seele, wie grenzenlos er Gertrud liebte. Seine Hand zitterte heftig und er hatte Mühe, das Streichholz zu entzünden. Das Telegramm lautete in der zwischen den beiden Vätern vereinbarten
Geschäftsmäßigkeit: Einverstanden. Abgemacht. Der Interessent wird zur persönlichen Er ledigung des Geschäfts erwartet. Gruß Wahl." In gewalngem Freudenfchreck zerknitterte er das Papier in der Hand und preßte es gegen die Brust. Er war außer sich vor Freude. Was soll man nur thun, um sich Luft zu ma chen? An Schlaf war nicht zu denken wie trivial! Hinaus auf die Boulevards und unter Freunden Champagner strömen lassen? Das kam ihm so entweibend vor! Und ist sie nicht eine Preußin? So stürmte er also bis zum MolHengrauen in seinen Räumen auf und nieder; ihr Bild schwebte beständig vor ihm her und unzähligemal stammelte:: seine Lippen ihren süßen Namen. Drunten im Garten durch das Buschwerk flimmerte der Schein eines röthlichen Lichtes: sein Bruder Armand, der jetzt noch in seinem Laboratorium wachte und arbeitete. Es war wie das hämische Schielen eines Spionenauges, die Revanche, die auf der Lauer sitzt, um den Verrath zu bestätigen, der an Frankreich begangen wird. Doch Viktor ist zu trunken, zu betäubt vor Seligkeit, um das schielende Auge zu deuten! Am Abend desselben Tages saß er in dem Kölner Kourierzug, der ihn in die Arme seiner Braut fuhren sollte. Wie unsäglich langsam diese Kourierzüge schleichen! Wieder kein Schlaf nur das Wogen und Pochen der Gesanken, die dem Zuge vorausfliegen, öie ungeduldig cn der Klingel eines gcwinen Hauses reißen, die eine Treppe emporstürmen und mit einem lallenden Freudenschrei die Geliebte an die Brust schließen. In seinem verzweifelnden SchneckenPhlegma schlich der Zug dahin, durch Frankreich, durch Belgien, nach Deutschland hinein, Grenze äufGrenz: überschreitend. Ah, für Viktor gab es jetzt keine Grenze mehr, keinen Völkerhaß. keinen Frieden von Frankfurt, der nach Rache schreit! Weit dahinten blieb die Erinnerung an die Greuel des Krieges, an Niederlagen. Demüthrgungen und Gefangenschaft. Es gab weder Deutschland, noch Frankreich es gab nur ein Land, ein Vaterland für sie beide, Gertrud und Viktor allem sonnig, unübersehbar in seinem Glanz breitete eZ sich vor ihnen es war das Glück. Achtes Kapitel. Die Komptoirthüre öffnet sich. Sie ist es man hat sie längst erwartet. Die Federn halten inne. die Köpfe der Buchhalter merken auf. Als ob der Athem des Geschäftes, der den Tag über so gehastet, plötzlich stillstehe bei ihrem Erscheinen. Der Chef des Hauses Jaminet sollte den Besuch, den seine Schwiegertochter Gertrud tagtäglich, in der Abendstunde vor dem Diner, den Komptoirräumen abzustatten pfelgt, um ihren Gatten zu begrüßen, fürder nicht gestatten es wäre zum Vortheil des Geschäftes. Mit einem eleganten Rascheln und Rauschen schwebt ihre schlanke Gestalt über den Kokosläufer. Den Jüngeren fährt das vibrirend durch die Glieder, als müßten sie sich auflehnen gegen die .nüchterne Alltäglichkeit, die sie an's Pult schmiedet. Ein erquickender Hauch der Winterfrische weht daher und ein vornehmer Blumcnduft verbreitet sich. Durch den Duft aufgescheucht, flattern die Gedanken von den Pulten in die Weite eine Avenue öffnet sich, belebt von funkelnden Karossen, die im rothgoldenen Schein der Abendsonne vom Bois zurückkehren. Rechts und links, gleich der geschenkespendenden Fee im Märchen, theilt Gertrud ihre lächelnden Grüß: aus. Es ist fast eine Eifersucht, wer von den Buchhaltern den freundlichsten Gruß erhält. Nun verschwindet sie hinter der mit Milchglas versehenen -Thür, die in's Allerheiligste führt. And ich noch von dorther wirkt der Lauber. Man hört den Klang ihrer Stimme: ' Tag Papa! 'n Tag Viktor!" Ein fröhliches Geptoud zwitschert durcheinander. Widerstrebend setzen die Federn wieder zur Arbeit an, 'doch lauschen sie immer noch nach dem Äabinet hinüber. Allerlei Bemerkungen schwirren im lujterton von Pult zu Pult: Sie wird alle Tage schöner." Wie sie sich kleidet welcherChic!Die Kapote von blauem Sammet ?nit den duftigen Federn stand ihr entzückend." Sie hat freilich die Erscheinung 'dazu." Papa Jaminet ist narzisch mit ihr sie könnte verlangen, was sie sollte." Jetzt wirbelt ihr lerchenfroheL j
chen da drinnen auf als wenn man
in dem rasflnirten Paris solches Lachen nie zu hören bekäme! Die sonore Stimme Herrn Viktors und der biedere Baß des Chefs gesellen sich dazu. Wer vermag zu arbeiten bei solcher Musik? Wie glücklich sie sind!" Und schon drei Monate verheirathet! Ein Wunder...." Freilich haben sie ein Jahr warien müssen." Wäre auch recht erbaulich gewesen, wenn sie mit der Feder, die den Frankfurter Frieden unterzeichnet hat, zugleich ihren Kontrakt ausgefertigt hätten." Diese hämische Bemerkung kam von einem Pult, auf das ein kugelrunder Graukopf mit borstigen Haaren tief herabgcsenkt war, vom gelben Gaslicht Übergossen. Hnr Lafosse, der zweite Buchhalter, pflegte von dem Erscheinen der jungen Frau, wodurch das Komp toir so in Alarm versetzt wurde, niemals Notiz zu nehmen. Er war Junggeselle und haßte die Frauen, diese um so mehr, als sie eine Preußm war. Gleich warfen sich Stimmen dagegen auf. Die Schönheit ist international, Herr Lafosse!" Frauen bleiben aus der Politik, mein' ich." Kein Mensch würde glauben, daß sie eine Preußin ist." Echt wie eine Pariserin pur sann!" Oh! Hoho!" brummte der ga'lige Herr Lafosse, ohne aufzublicken, und seine Augen vcrschwanden ganzlich unter dem nervösen Blinzeln der faltigen Lider. Man stelle nur einen Vergleich an Madame Schneider (das ehrlich: Deutsche Schneider, das mit französischer Betonung kokettirte), Madame Schneider und diese ihre Schwägerin! Wenn der nicht zu Gunsten der Preußin ausfällt...." Madame Schneider ist ganz was anderes. Grandios, imposant, voll Intriguen und voll Eifersucht. Sie zerknackt Euch ein Männerherz wie eine Walnuß wehe der Rivalin, die sie unter die Tatze kriegt!" Das Herz Boulardes wird sich wohl nicht so leicht zerbrechen lassen. Er hält sie wohl nur zum Besten..." Pscht!" Die Glasthür geht auf Adieu. Viktor! Adieu. Papa!" Vater und Sohn begleiten den gemeinsamen Liebling bis in den Saal hinein. Und die sonst so mürrische Flüsterstille wird durch neckischeScherzWorte belebt; eine behaglich warme Stimmung breitet sich über den Saal. Ja. sie ist eine Zauberin! An den Pulten staunt man immer noch, roie sehr die Fremde das alte Haus um und um wandeln konnte, Moder, Vorurtheile und böse Launen daraus vecscheuchend. Die zwölfenstrige erste Etage, die seit dem ode der Frau Jaminet über zehn Jahre lang mit herabgelassenen Jalousien getrauert, während der Ehef und seine Söhne sich mit den Parterreräumen links vom Thorwege, dem Komptoir gegenüber, begnügten, 'war für das junge Paar mit einem für die Sparsamkeit des alten Herrn erstaunlichen Aufwand neu hergerichtet worden. Auch das Aeußere des alterthümlichen Hauses verkündete die neue Äera, es zeigte statt der schwärzlichen Quadersteine eine lichte und freundliche Farbe, die künstlich geschmiedeten Rokokobalkons gleißten in neuer Vergoldung, prunkvolle Kandelaber standen zu Seiten des Thores bereit, um die Gäste zu kommenden Festen mit frohem Lichterglanz zu bewillkommnen. Equipagen hielten vor dem Thorweg, und über den Plüschteppich der breiten flachstufrgen Treppe rauschten elegante Damen empor; überall Erwachen, frischkeimendes Le ben, Freude an dem langentbehrten Sonnenschein. Diese Wahls brachten dem Hause Jaminets unter allen UmständenGlück. In der That hatten die neuen Mülheimer Spezialitiäten einen über alle Erwartung gehenden Erfolg. Herr Jaminet hatte nicht umsonst gedroht, daß er einen Theil der Milliarden schon wieder aus Preußen herausziehen wollte. Aber es mußte erst Gertrud erscheinen, um das Gold, das aus Deutschland hereinströmte, mit frohem Glanz zu verklären. Herr Mongenast, ist Herr Armand" noch in seinem Laboratorium?" Das breite Gesicht des in Fett und Behäbigkeit versinkenden Portiers grinste freundlich, aber es war kein heuchlerisches Dienstlächeln. Zu dienen, Madame! Sie finden ihn dort!" brachte er mit dem Blasebalggetöse seiner asthmatischen Lunge hervor, während er das schwarzsetd:ne Käppchen über dem Kopf gelüftet hielt. Joseph, geh doch und öffne Madame die Thüre," sagte eine knarrende Frauenstimme von dem mit brodelnden Töpfen besetzten Eisenöfchen der Portierloge her. Gleich!" Mühsam wand sich der unbeholfene Körper in die Höhe. . Lassen Sie nur, Herr Mongenast, bleiben Sie, bitte!" Gertrud nickte dem alten Manne lächelnd zu und eilte nach der Thüre, die seitwärts des hinteren Thores zum Garten führte. Sie ist über alle Maßen charmant!" knarrte die Stimme am Ofen. Und zu behaupten, daß sie eine Preußin sei ich glaub's nicht!" keuchte der Blasebalg. Frau Viktor durchschritt den Garten nach dem hohen Atelierfenster von Armands Laboratorium, das mit einem grellweißen, unheimlich vibrirenden Schein scharf strahlend das welke Laub der Büsche und Bäume durchdrang und den festgefrorenen Kies des Weges erglitzern ließ. Längst schon war Armand ihr Be-
such zugedacht, doch hätte sie lange warten können, Ibis der Querkopf sie dazu eingeladen; kein Falschmünzer konnte die verbrecherische Stätte seines Wirkens sorgsamer vor fremden Augen hüten. Sie fühlte die stumme Feindseligkeit, die hinter ihres Schwagers erzwungener Höflichkeit lauerte. Mehr als den Kummer über diese Abneigung, die der Preußin galt, empfand sie das Mitleid über das weltscheue, jeder frohen Stunde abgewandte Wesen des Krüppels. Sie verzweifelte nicht, ihn zu bekehren nicht für sich, nein zu seinem eigenen Vortheil. Offenbar war ihm die mit scharfen Dünsten durchsetzte Luft des Laboratoriums nicht zuträglich. Er sah schlecht aus und hüstelte bedenklich. Ei. vertritt sie ihm denn nicht die Stelle der Mama? Hat sie nicht für seine Gesundheit zu sorgen? selbst wider seinen Willen? So entschloß sie sich also, den Adepten einmal selbst auszusuchen, auf die Gefahr hin, ein abweisendes Wort zu hören. Ihr Klopfen an der Thüre des Laboratoriums wurde nicht gehört. Drinnen fauchte ein wüthendes Feuer und unter dieser Wuth schien die Thüre, ja das ganze Gebäude zu erzittern. Behutsam öffnete sre fast wäre sie zurückgeprallt vor der Lichtgluth, die ihr enrgeqenschlug. .Wer ist da?" rief eine hohle Stimme. Ist Herr Armand zu sprechen?" Ihre Augen blinzelten noch halb geblendet. Vor ihr stand Jemand, der eine schwarze metallene Maske mit gtvßen graublauen Brillengläsern, die Mundösfnung durch einen komplizirten Respirator geschützt, vor dem Gesichte trug. Ah. Madam: Viktor!" sagte die-. selbe hohle St'rmme unter der Maske. Aengstlich vrrwirrt starrte sie die phantastische Erscheinung an. Da begriff Armand erst, und mit einem schnellen Griff nahm er das Ungeheuer von einer Maske herunter. Ach so.ich habe nicht daran gedacht!" rief er mit ein paar heiseren Lachtönen. Die Maske kleidet mich wohl nicht? Nun, Du meinst, es sei noch Zeit zum Karneval, Schwägerin?" Das Bischen billigsten Scherzes bedeutete für Armand schon eine Erstaunlichkeit. Gleich gewarm sie Vertrauen. Ich wollte Dir meinen Besuch abstatten, Armand. Ich hätte schon längst kommen sollen. Freilich hättest Du mich wohl einladen können! Puh, wie das Feuer blendet!" Sie hielt die schmale, behandschuhte
Rechte vor die Augen. Holla stopp!" rief der Adept. Die mächtige dunkle Silhouette eines Mannes mit nackten Armen hantirte vor der Glurh. Diese verblaßte sogleich zu einem rothen bengalischen Licht. das den Raum und die Gegenstände erst rechl phantastisch erscheinen lich. Sie senkte die Hand. Eine kurze Weile blickte Armand sie wie verblüfft an. Das rothe Licht llberfluthete ihre Gestalt und brachte die feine Plastik ihres üppig schlanken Körpers mit schier opernhaftem Effekt zur Geltung; das Oval ihres Antlitzes glühte und die beiden Grübchen in den Wangen lächelten mit fast kindlich treuherzigem Ausdruck. Bei Gott, sie ist reizend die andern haben recht! Zum eistenmal sah er das; der lächerliche Preußenhaß hatte ihm bisher den Blick verdunkelt. Und man kann ihr nicht grollen ihr nicht! Man muß rhr gut sein! Was kann sie dafür? Sre seil es nicht vußen! Er erstaunte später immer noch, bis zu welchem Grad der Artigkeit er sich an diesem Abend dem Besuch zu Ehren aufgeschwungen hatte. Wie er die Einnchtunzen des Ateliers, die Apparate und Maschinen erklärte, sicy wo.7l zu eingehend in technische Details venrrend; wie er ihr auf allerlei, zumeist naioe Fragen. Antwort stand, wie er sogar auf gewisse durch die Situation sich ergebende kleine Scherze einzugehen nicht verschmähte. Er ist mit Nichten der menschenfresserische Griesgram, der mürrische Tyrann, dessen Launen sich bisher das ganze Haus zu beugen gewohnt war. Man muß ihn nur zu behandeln wissen. Und in einem Anflug schelmischen ttebermuths vermaß sie sich sogar, it,n allmählich zu einem erträglichen Gesellschafter aufzustutzen.Weißt Du. genau 'wie die Hezenküche im Faust," meinte sie. Nur dedeutend ordentlicher ich vermisse die Eule und das Skelett. Zitirst Du auch Geister?" Freundliche Feen sind stets willkommen...." Ah!-. Sie erröthete der Gluth zum Trog, und wahrhaftig, auch die gelblich: Blässe seines faltenreichen Greisengesichtes färbte sich. Das von ihm! Er macht sogar Komplimente! Und er staunte über die eigene Verwegenheit. Hast Du schon Faust" gesehen?" Ich gehe nie ins Theater." Das solltest Du. Willst Du einmal mitkommen? Ich 'hole Dich ab." Ich habe keine Zeit." Du solltest aber. Du mußt! Die Luft hier ist nicht gut. Du bedarfst de: Zerstreuung. Ich möchte Dich schon in die Kur nehmen! Willst Du?" Es war ein so gutes, freundliches Wort. Seit dem Tode seiner Mutter hatte er dergleichen nicht gehört. Die ankern thun ihm den Willen, weil er kränklich und eigensinnig ist, auch ist ja das Geld dazu da. Wie der Ton ihrer Stimme zu Herzen dringt! Oh, von ihr möchte er sich schon in die Kur nehmen lassen! Aha, der Patentofen! Ich habe so viel davon gehört!" Ihre Augen weideten sich an dem blanken Nickekbeschlag. an dem Glanz der kupfernen Kolben, Ventile unt Röhren.
..Es kann einer Hausfrau schonNeid erwecken." Und während er, mit der Hand zugreifend, ihr die Bortheile des Lavorirofens erläuterte: Was gibt es denn heute? Was kocht ihr denn?" fragte sie mit schelmisch blinkenden Zähnchen. Der Gehilfe grinste wohlgefällig über den Scherz. Armand nannte einen langen lateinischen Namen. Das muß wunderschön schmecken! Uebrigens wirst Du heute bei uns speisen. Ich bitte Dich feierlichst, unser Gast zu sein." Er erschrak fast darüber kannte er doch Jemand, der geschworen hatte, keinen Fuß in die Wohnung der Preußin zu setzen. Jetzt schämte er sich des Schwurs. Er stotterte eine Ausflucht. Keine Entschuldigung, lieber Schwager! Ich muß sonst denken. Du hättest etwas gegen mich. Oder hast Du etwa?" Und vor ihren klaren Augen, deren Blick noch inniger bat. als das Wort von ihren Lippen, wagte er sich nicht zu widersetzen. Du würdest uns solche Freude machen! Nicht wahr. Du kommst?" Er willfahrte dem dargebotenen
Händchen mit einem kräftigen Druck seiner knochigen, mit Flecken und Narben bedeckten Chemikerhand. O. er hatte sich diese Preußen ganz anders vorgestellt, sre. für deren radikale Vernichtung der Patentofen dort das Elizir liefern sollte! Viktors und Gertruds Gestalten erschienen unter dem Kelim der Speisezimmerthür. Er hatte seinen Arm zärtlich um ihre Taille gespannt, innig schmiegte sich ihr biegsamer Körper dem seinen an. Jetzt beim Anblick des Dieners, ker am Büffet unbeweglich, wie aus Holz geschnitzt, bereit stanv. schnellte ihr Köpfchen von seiner Schulter empor. Ein paar Sekunden lang freuten sich ihre Blicke des traulichen Raumes. In der Mitte des mit bronzebrauner Ledertapete bezogenen, mit keramischen Seltenheiten geschmückten Zimmers stand der gedeckte Tisch, blendend weiß, funkelnd unter dem goldigen Licht der Hängelampe. Es war eine der glücklichsien Stunden des Tages, die sie an diesem Tisch, einander gegenüber sitzend zu verbringen pflegten, während die Sehnsucht ihrer Augen das hübsche Geplauder ihrer Lippen begleitete, und jede Bewegung, der Neuzier des Dieners zumTrotz. ihre wichtige Bedeutung gewann; wie ein schützender, wohliz wärmender Schirm breitete sich über ihnen de: Lichtkreis, und die Teppich und Portieren dämpften so distret das Geflüster ihrer Unterhaltung. Für wen das dritte Kouvert da?" fragte Viktor. Es kam fast unwirsch heraus. Er hatte sich mehr denn je auf das Tete-a-tete gefreut. Für Armand." Wie? Was? Nicht möglich." Ich habe ihn selbst in seiner Hexenküche aufgesucht. Er hat mir zu kommen versprochen. Viktor wollte es nicht eher glauben, j bis er den Eingeladenen leibhastig ne ben sich sitzen sähe. Du weißt doch, kleine Frau, daß er sich verschworen hatte " Ihr seid alle nicht schlimm! Ihr haßt nur mit Worten. Ich fürchte euch nicht Niemand!" Schelmisch funkelten ihre Augen: Auch Dich nicht, Viktor! Auch Dich nicht!" Mich so herau?zufordern! Warte! Kätzchen Du!" Er sprang auf. nahm das liebliche Köpfchen in beide Hände, und es leicht nach rückwärts biegend, daß die Weiße des Halses sich im vollen Lichte zeigte, ließ er einen langen Kuß auf ihren sehnsüchtig geöffneten Lippen erglühen. Herr Armand!" meldete der eintretende Diener. Nun!" rief sie ein silbern klingender Sinzton. der den Teppichen und Portieren zu gut dünkte, als daß sie ihn spurlos verwischt 'hätten. Du bist eine Zauberin! Du bist stärker als wir!" NeuntesKapitel. Das also war Voularöde! Das also der Dichter, dessen Verse Lavaströme bedeuten sollten, der Generalpächter des Patriotismus, der große Märtyrer von Anno 1870. der werdende Mann, den der Sonnenglanz von Gabettas Gunst so effektvoll umstrahlte. Gertrud hatte den Dichter noch nicht persönlich kennen gelernt. Das junge Paar hatte diese ersten Monate dem diskreten Glück gelebt; jetzt erst begann es in die Welt zu treten. Aber die Bekanntschaft dieser Modeberühmtheit würde Gertrud nicht entgehen: er war Hausfreund bei den Schneiders, sie hätte ihn längst dort treffen müssen, wenn er nicht soeben erst von semer Tournee durch die Provinz heimgekehrt wäre, wo er durch die Deklamation seiner Gedichte die ersten Revanchefeuer angezündet hatte. Der Name war ihr ja längst bekannt. Es war derselbe Held, von dem ihr vamals in Mülheim der Deserteur Viktor erzählt hatte, der wegen Verdachts des Komplots in der Kasematte gesessen und von dem es hieß, die Preußen würden ihn erschießen. Das war nicht geschehen Viktor spottete später darüber : Sie hätten zu viel Kugeln gebraucht, um ihm das Mundnxrk todtzuschießen!" Viktor, wie kannst Du nur so scherzen!" Nun, was hat er denn Großes vollbracht, daß er so mit seinem Helden thum klingelt? Er hat das Pulver vom Hörensagen gerochen, er hat sich in Sedan kapituliren lassen, er hat zu Koblenz im Zelt umhergelungert, preußische Kartoffelsuppe gegessen und Verse gedr'chselt. das ist Alles. Nun spielt er den großen Mann. Wie müßte Frank-
reich vor mir erst auf den Knieen l!e gen und ich habe doch nur meine Pflicht gethan." Du bist auch kein Dichter. Er hat als solcher die Berechtigung, in den Wolken zu spazieren." Nun, er läßt sich aber seinen Spazierganz gehörig bezahlen! Er hatte früh:r nichts, war ein armseliger Corn-mis-Boyageur. heute hat er sich schon durch seine Verse ein Vermögen zusammengeklingelt. Der versteht's!" Aber jetzt wagte Viktor nicht mehr so offen über seinen ehemaligen Zeltgenossen herzuziehen. Der Mann war in Mode gekommen. In den Zeitungen konnte man ihm nicht mchr ausweichen; auch im Kleinvcrkehr begann man sich vor seinem wachsenden Ruhm zu beugen; die Frauen schwärmten für den jungen Dichterpatrioten und die Skandalchronik behauptete, er verstehe diese Verhimmelung in greifbar irdische Beweise umzusetzen. Auch Frau Rosa Schneider gehörte zu seinen glühenden Verehrerinnen; das war ja selbstverständlich für die Frau eines Elsässers. Was, meine Liebe, Du hast die Lieder eines Kriegsgefangenen" noch nicht gelesen?" Frau Schneider ließ ihren mächtigen Busen vor innerer Entrüstung schwellen. daß das Mieder krachte, und um den vollen Mund, dessen Oberlippe ein sehr bemerkbarer dunkler Hauch bschattete, wetterte ein Lächeln, das noch in Mitleid bedeutete, aber sofort in irgend eine ironische Pointe umschlagen konnte. Die kleine Frau empfand eine geHeime Scheu vor dem imposanten Wesen dieser VoÄpariserin. Diese hatte sofort ihre Autorität als solche dem harmlosen, unerfahrenen und oft zum Hellauflachen naiven Gretchen hervorgekehrt. Man muß das gute Kind bekehren, man muß es zu einer Pariserin umwandeln! Es ist ihre Schuldigkeit, es ist das einzige, was uns mit dieser Heiratb versöhnen kann! So suchte sie sich in Putz- und Modedingen als Gertruds Beratherin auszuwerfen, was ihr nicht gelang, denn der natürliche Geschmack der Deutschen kam ihr jedesmal zuvor. Mit gesteigertem Neid sah sie den Einfluß der Teutschen in ihres Vaters Hause wachsen. Welch' ein lacherliches Wesen sie aus dem Pllppchen machen! Papa ist in sie vernarrt; dieser Virräthe? von einem Viktor trägt sie auf den Händen! Wenn sie zu Jaminets kam. so steckte sie nun immer sichtbarer ihren Chauvinismus auf. Bis zu einem offen herausflammenden Preußenhaß war es zwar noch nicht gekommen, aber alle Augenblicke zeigten sich ironische Fnnken, die auf Gertruds Deutschthunr lossprühten. Gertrud odachte im guten Gewissen ihrer Unschuld mit der Zeit auch dieser Feindschaft Herrin zu werden. Hatte sie nicht allmählich das ganze Haus erobert? Wodurch? Durch keine andere Kunst, als daß sie da war. er erde mir nachher gleich den
.j 'lchte holen lassen, antwortete dd freundlich auf die Frage irer Schwägerin ich bin sehr neuj?"g. . Verse sind einfach sublim! j Vikisr Hugo hat dergleichen nicht geschrieben! Bei euch (frrau Schneider faßte Worte wie Deutschland" und Preußen" nie an, als wären sie etwas Unreines) bei euch liest man viel Gedichte, nicht?" Es klang halb verächtlich wie: Ih? könnt nichts andres!" Gertrud lacht:: Ei durchaus nicht! Papa könnte man damit fortjagen, mein Schwager sähe die Zumuthunz als eine Beleidigung an, und Mama liest nur Verse, die in ihrem Gebetbuche stehen. Na. und ich selbst bin durchaus nicht so schwärmerisch, als Du denkst." Es war die Auflehnung gegen die Gretchenrolle, die man ihr aufdrängen wollte. Schwärmen und sehnsüchtige Lieder singen und alles Leid wie ein Opferlamm über sich ergchen lassen dazu paßt sie nicht! Sie weiß, es ist eine Art Vorposten, auf dem sie steht, da gilt es die Augen wach zu halten. Gut also, sie ließ sich Boularddes Lieder eines Kriegs gefangenen" kommen. Deine Schwester hat Recht, sie sind großartig!" sagte sie zu Viktor Aber man kann nicht viel davon lesen, man wird schwindelig. Es ist wohl keine Lektüre für uns. Aber ich weiß, ihr seid nicht so schlinim! Wenn die Drohungen und Verwünschungen sich verwirklichten, so würden wir Deutschen ja alle vom Erdboden getilgt." Das also ist Boularde! Sie hatte sich ihn ganz anders vorgestellt. Lvwenmähne und Basiliskenblick, und man kann Gott danken, wenn er eine kleine Deutsche, wie sre ist, nicht gleich bei der ersten Anrede hinunterschluckt. Als sie in die Loge der Schneiders in der Optra cornique trat, erhob sich ein zierlicher Elegant, de? arider Seite der grandios ausgebreiteten Madame Schneider in effektvoller Pose gegen die Brüstung lehnte. m'n Tag, meine Liebe!" rief Rosa, gönnerisch den Fächer nach der Eintretenden hinschwingend. Madame Schaminet!" stellte Herr Schneider vor (das volle Sch! Dem armen Elsässer geriethen die Konsominten wie die Vokale seines abgöttisch aeliebten Französisch gleich schlecht). Und mit einer plumpen Bewealng seiner dicken Bierbrauershand, an der mehrere Ringe funkelten, nach dem Zierbengel hin: Herr Boularöde!" Der Dichter!" verbesserte sofort seine Frau. Ein Name ist nicht nöthig es gibt nur einen Dichter!" Dieser warf mit einer Grimasse der Nasen- und Augenmuskeln das Monocle herab und machte seine blasirt nachlässige Verbeirgung, ganz nach dem Pschüt". Ein schmales blondes Gesicht mit gelichtetem, geckenhaft peinlich friprtem Haar, trotz seinem unreifen
Ausdruck um die Augen bereits mit Krähenfüßen gezeichnet, auf der Oberlippe die krampfhafte Anstrengung eines Bärtchens, über dem Kinn eine etwas sichtbarere Mousche. Im Knopfloch seines Frackes, der von korrektesiem Sitz war, stak die unausbleiblich: Gardenia. und aus der Manschette der rechten Hand klingelte eine um dasGelenk geschlungene breite silberne Gliederkette. Madame betet sie an!" rief Frau Schneiders sonorer Alt, unbekümmert um das Piano der Arie, das eben auf ver Bühne verhauchte. Gertrud lächelte verwundert: er nimmt solche Uebertreibung doch nicht ernst? Er glaubt doch nicht etwa, daß ich so dumm sei, das zu glauben? Und ihre Augen strahlten ihm mit naiver Offenheit ins Gesicht. Wahrhaftig, er wiederholte seine Verbeugung um eine Nuance tiefer, und sofort stellte sich die schon so oft angewandte Phrase als Stichwort ein: Welche Ehre. Madame! GestattenSie, daß ich die Rollen tausche..." Das war nicht so ganz Phrase die liebliche Erscheinung der Deutschen hatte ihn überrascht, ja er spürte eine kurze Verwirrung vor dem seelenklaren Blick ihrer Augen. Nun, da Gertrud an der Brüstung Platz genommen. neta Jener, die ihm der Klatsch der Salons als neueste Flamme zudiktirte, begann sein Kennerblick zu vergleichen. Hier die reife, bereits durch Künstelei gestützte Schönheit der Vollblutpariserin mit dem Meisterstück eines Marmornackens, der aus dem verblüffend tiefen Ausschnitt der bordeauzfarbenen Moiretaille leuchtete, mit den herrlich gemodelten Armen, mit dsm verzehrenden Feuer des dunkeläugigen Blickes, und vor Allem mit dem gluthvollen Temperament, das jede Schranke niederzureißen bereit ist. Daneben die zarte, poetisch keusche Blume, die aus einem Wald hierherverpflanzt schien und trotz der schwülen Pariser Treibhausluft ihre köstliche, herzerquickende Frische bewcthrt hatte. Unter demPhrasengepolter, mit dem er seine Landsleute betäubte, vibrirte immer noch eine Spur echter Poetennatur, die sehr wohl im Stande war, sich für diese entzückende Offenbarung der reinen unverdorbenen Weiblichkeit zu begeistern. Wie der feine Hals von dem natürlich gekräuselten und tief herabwuchernden Nackenhaar so kräftig überschattet war das ist zum Anbeißen! Wie reizend der kleine ovale Kopf auf diesem Hälschen sitzt es gelüstet einen, sich herabzubeugen und den Duft des seidig glänzenden Haares, das offenbar mit nur wenigen Griffen, jeden Schmuck verschmähend, aufgesteckt ist, mit gierigem Athemzug einzusaugen. Welch eine niedliche rosafarbene Ohrmuschel und die gewisse verlockende Stelle dahinter. Schade, daß sie nicht ausgeschnitten ist! Doch die Spannung des seidenen Stoffes läßt die vollendete Rundung ihrer Formen ahnen, und die Weiße des aufgestützten Armes verräth den blendenden Teint, den die Hülle neidis .5 verbirgt. Fast fck die Keusche, Liebliche . " ""'blicken
zu betaste . . Gleich kam . 'i mödiant zu Hilfe; sie iji ; rlr 'ii.., jung, sie ist schön, von emer (äiuw's die ganz aus der Pariser Schablone fällt vor Allem ist sie eine Preußin! Gerade das macht sie doppelt begehrenswerth. Wie pikant, wie parado.r: ein Boularöde, der eine Preußin liebt! Das ist kühn das ist großartig! Es wird seine Originalität nur verstärken man muß eben seine Effekte zu übertrumpfen wissen! Sie wird nicht leicht zu erobern sein! Man sagt, sie liebe ihren Mann das ist lächerliche deutsche Art! bah. ein Boularöde erreicht alles, waZ er will! Und der Dämon des Fanatismus raunte ihm das häßliche Wort zu: ist das nicht die herrlichste Gelegenheit, Revanche im Detail zu nehmen an dem verhaßten Deutschland, indem er die lieblichste seiner Töchter verführt.... Der Vorhang fiel, dasHaus applaudirte; Frau Viktor that das mit aufrichtiger Herzlichkeit, und während ihr begeistertes Lächeln den Heraustritt der Sänger auf die Bühnenrampe erwartete, klappte sie die Hände nach Kinderart in schnellem Tempo zusammen. Frau Schneider, die in affektirter Kühle, im absichtlichen Gegensatz zu ihrer Schwägerin, die Hände langsam und unhörbar, nur der Form wegen, zusammenführte, wandte ihren Kopf rückwärts, um hinter Gertruds Rücken einen Bl'ck ironischen Einverständnisses, die Deutsche betreffend, mis Boularöde zu wechseln. Doch siehe da, der Blick des Dichters war nicht zu haben! Seine lüstern funkelnden Auoen verschlangen die Gestalt vor ihm, wahrend seine Hände frenetisch applaudirten; die silberne Kette an seinem Handgelenk klingelte erregt. Was ist das? Nicht möglich! Aber dennoch empfand sie hier im Herzen einen Stich. Wie gefällt Ihnen Paris, Ma-dame?-fragte Voularöde, sich zu Gertrud herabneigend. Das Ueblicke Gertrud bekam diese Frage ja überall vorgesetzt. ' Herrlich! Ganz wundervoll !" Und sie schnellte enthusiastisch empor. In der That rief jede Ausfahrt ihr. von Neuem dies aufrichtige Entzücken wach. "I! n'y a quö Baris! Baris est südlim!" Der arme Schneider, der es noch nicht emmal zur richtigen Aussprache des Anfangbuchstabens von Paris gebracht! Setz Dich doch, Jacques!" rref Frau Schneider unwillig.(Fortsetzung folgt.1
Kur die Küche VrotsuppemitBackpflaumen. Die Backpflaumen werden am Abend vorher gewaschen und, reichlich mit Wasser bedeckt, ein wenig warm gestellt, ebenso altes Brot. Am nächsten Tage setzt man zunächst die Pflaumen in ihrem Einweichwasser und einem Stückchen Citronenschale auf. Sind die Pflaumen weich, fügt man das Brot hinzu. Bald wird man beide durch ein Sieb schlagen können, kocht sie hierauf noch eine halbe Stunde und süßt nach Belieben. Auch kann man noch ein Glas Weißwein hinzufügen. Diese Suppe schmeckt gut und ist sehr nahrhaft und kann dieselbe an heißen Sommertagen auch kalt gegessen, werden, wo sie sehr erfrischend wirkt. Rundstück vom Kalb auf Husarenart. Das Rundstück wird aus der Keule geschnitten, daß es etwa 4 Zoll dick ist und in der Mitte nur ein Röhrknochenstück liegt, welches man glatt herauslöst. Eine Büchse Zunge wird geöffnet, die Gallert von der Zunge gelöst und von der Zunge der weniger ansehnlicheTheil in fingerdicke Streifen geschnitten, mit denen man das Fleischstück von innen spickt. Die durch Herausnahme des Knochens entstandene Oeffnung wird mit einer guten Kalbsleischfarce gefüllt, das Fleisch NUN mit Bindfaden umschnürt, damit es seine Form behält und in eine mit Speckplatten und Wurzelscheiben ausgelegte Kasserolle gethan. Es wird mit einigen Nelken, Pfefferkörnern, einem Lorbeerblatt, etwas Thymian, Muskatblüthe gewürzt, mit wenig fetter Fleischbrühe überfüllt und im Ofen unter öfterem Begießen langsam gedämpft. Wenn es weich ist. legt man das Fleisch auf eine heiße Schüssel, entfettet die Sauce, verkocht sie mit einer halben Mehlschwitze, giebt die Sulz der Zunge daran, sowie etwas Citronensaft, und giebt diese Sauce zu dem Rundstück, nachdem man es garniert hat. Man schneidet die Zunge in runde Scheiben, legt sie um das Fleisch und häuft auf jede Scheibe ab wechselnd einen Theelöffel junger, in Butter gedünsteter Erbsen und kleine Karotten. An der einen Seite häuft man alsdann geröstete, runde Kartoffein, auf der andern kleine, gefüllte Kopfsalathäuptchen an und legt auf das Rundstück in die Mitte hochrothe, gedämpfte Tomaten. Gebratene Küchlein auf polnische Art. Junge KLchlein richtet man vor, füllt sie mit einer Farce, die aus den gewiegten Herzen und Lebern, einem Stück schaumig gerührter Butter, einigen Eigelb, dem nöthigen Salz, etwas fein gehackter Petersilie und geriebenem Weißbrot bereitet wird, und dressirt die Küchlein wie gewöhnlich. Hierauf legt man sie nebeneinander in eine passende Pfanne, begießt sie rasch mehrere Male mit kochendheißer Butter, bestreut sie mit Salz und legt sie in den heißen Ofen, um sie dort unter fleißigem Beträufeln mit der Butter in 2025 Minuten gar zu braten. Ist dies geschehen, bestreicht man sie mittelst eines Pinsels
rasch mit einer Mischung von zerlasse ner Butter und Eigelb, bestreut sie mit Semmelbröseln und stellt sie noch so snae in den Ofen, bis die Kruste eine Ti üj. ' rmt Farbe zeigt und die Küch- ::: aar sind. Man richtet t - s.ä .n A. cu. 5ietzt sie mit eiwu e7!5?t ?n Zerkocht sie'mit luc.;;- feil.rd '. brühe und Rahm zu richtiger ; fenheit und reicht sie durchseiht neben her. Zungenragout. Man kocht die Zunge 3 bis 3 Stunden, zieht sie gleich ab und schneidet sie in fingerdicke Scheiben. Dann wird ein Stück Butter mit Mehl gebräunt, mitFleischbrühe abgerührt, Citrone ohne Kern, Nelken, Pfeffer, Salz, nach Belieben Morcheln, Würstchen oder Klößchen und Kapern hineingethan. Die Sauce muß dicklicht und recht kräftig sein, und wird über die heißen Zungenschnitten gegossen. Puffbohnen auf Erfurter Art und Puffbohnen Salat. Zwei Quart von den Schoten befreite Puffbohnen werden in kochendem Salzwasser mit einigen Zwiebelschlotten weich gekocht, das Wasser rein abgegossen und die Schlotten entfernt, dann ein Viertel Pfund Speck in Würfel geschnitten, zerlassen, zwei Eßlöffel voll Mehl und eine klein geschnittene Zwiebel braun rösten lassen. dahinein drei Eßlöffel Weinessig und die kurzgekochte Brühe von einem beliebig großen Stück Rauchfleisch zu einer sämigen Sauce gerührt und kochend über die noch heißen Puffbohnen gegossen und eine Viertelstunde leicht weiter gekocht. Ebenso geben die Puffbohnen, wie oben angegeben,weichgekocht mit Essig, Oel, Salz. Pfeffer und Zwiebeln, einen Salat von vorzüglichem Geschmack. C r ö m e s ch n i t i e n. Man koche zuerst einen ganz dicken Cröme von einem Pint Sahne, 3 Unzen Zucker, Vanille. 4 Unzen feinem Mcbl und 3 Eiern sehr behutsam unter beständigem Rühren auf gelindem Feuer. Ist der Cr6me etwas abgekühlt, so thue man ihn auf ein mit Mehl bestreutes Backbrett und breite ihn einen Finger dick aus. Wenn er ganz erkältet ist, schneide man ihn in Stücke von einem Finger Länge und drei Finger Breite, wende sie in Mehl, backe sie in heiß Butter gelbbraun und bestreue sie noch warm mit Vanillezucker. Glück im Unglück. Vater (entrüstet): Run hast Du Dich wie der zwei Stunden nach der Schule herumgetrieben, statt . nach Hause . z? kommen. Sohn: Wie spät ist es denn? Vater (giebt ihm eine, Ohrfeige): hat eben CinS geschlagen! C:,n: Da bin ich froh, daß ich nit txzi Stunde früher geken: bin. m tJ
