Indiana Tribüne, Volume 19, Number 316, Indianapolis, Marion County, 2 August 1896 — Page 7

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Per DSmon.

jy Elizze aus dem Wiener Leben V f Vor der Thür entstand ein Lärm. Der Mann, der sich nach der harten Arbeit der Woche, am Sonntagmorgen länger Ruhe hatte gönnen wollen, fuhr aus dem Schlaf empor. Er hörte eine folternde Männerstimme: 3s laß mi net länger mehr für an' Narr'n halten. Was glauben S' denn eigentli von mir? Net gnua, daß i kan' Kreuzer krieg'. . Nun beschwichtigte eine gedämpfte Frauenstimme. Net so laut, lieber Herr von Huber. wenn's mein Mann hört. . Js mir Alles zn's. I werd' überhaupt mit ihm einmal deutsch reden, daß er a Modi macht. Scheints überhaupt a nette G'fellschaft 3' fein." Am nächsten Samstag zahl' i d' Hälfte. Sie werd'n seg'n." Und zu an Andern gehn S' jetzt a rinkaufen." Was soll ! denn machen, wann Sie mir nix mehr geb'n?" Die widerlichen Unterhandlungen währten noch eine Weile. Endlich gelang es der Frau mit ihren Bitten und Vetheuerungen. den Bedränger zum Fortgehen zu bewegen. Als sie ins Zimmer trat, war ihr Mann schon angekleidet. Sein Gesicht icax geröthet. Was war das wieder, Du...?" Er sprach durch die Zähne, ganz leise, damit kein Wort hinausdringe und seine Schande verbreite. Der Mensch macht solche G'schichten; es is wirkli net der Müh' werth, iafc D' Di so Lrgirst." Er trat auf sie Zu, daß sie geängstigt einen Schritt zunickwich, in den Winlel gegen den Kasten zu. Net der Müh' werth! Weib, weißt Du denn, daß i mi schon nimmer auf d' Gaffen trau', daß i kein' Menschen frei in d' Augen schau'n kann, weil i fürcht', daß wir ihm schuldig sein, daß V z'sammfahr', wenn 's an unserer Thür klopft. Das Geld hast D' do schon längst von mir kriagt und er hat sein Geld no immer net." I hab' halt darauf vergessen." Aber was is mit dem Geld g'scheg?n? Wieder in d' Lotterie is 's g'wandert, red' mir kein Wort, i weiß ja Alles! I iß beinah' nix mehr, i arbeit' wie ein Lastvieh und mach' täglich Ueberstunden und vergunn' mir net die geringste Zerstreuung, daß mir endlich aus der Wirthschaft hinauskommen. Es ist Alles umsonst. Jedes Wort aus Dein' Mund is a Lug. ein Loch wird zug'stopft und ein and'res aufg'macht. Das G'wand hast D' mir ja schon aus'n Kasten g'nommen und versetzt. Du, i sag' Dir, wann i no a anzig's Mal auf so was kumm', so g'schicht was mit uns Zwa!" Er hob die geballten Fäuste gegen sie. die den Kopf senüe und sich duckte, wie ein Hund, der im nächsten Augenblick den Schlag erwartet. Ein tiefer Ekel erfaßte ihn bei diesem Anblick. Er ließ die Hände sinken, aber aus seiner Stimme war die bebende Wuth noch nicht verschwunden, als er ihr sagte: No a anzig's Mal. und Du bleibst mir unter die Händ', merk Dir's! Is mein ganzes Leben z' Grund gericht't, so soll'st D' wenigstens Dein' Lohn finden!" Still, ohne ein Wort der Erwiderung schlich sie hinaus, an der Wand dahin und rasch die Thüre hinter sich zuziehend, als ob sie die Sache noch immer nicht für abgethan halte. In der Küche athmete sie auf und lächelte. Diesmal war seine Gutmüthigkeit auf eine harte Probe gestellt worden und schon recht nahe daran, zu versiegen. Er wußt: ja ncch lange nicht Alles. Sie nahm sich vor, dem Fünf-Num-mern-Teufel abzuschwören, zu knicken und zu knausern, rastlos zu arbeiten, wie er selber, und einen günstigen Moment abzuwarten, um ihm für jeden Schuldkreuzer Mittheilung zu machen. Einige Tage hindurch hielt sie ihr Gelöbniß. Sie ging im weiten Bogen um jede Lottocollectur. um den Verlockungen des Dämons nicht zu unterliegen. Im wachen Zustand, wie im Schlaf dachte sie aber doch nur an ihn. Im Schlafe, der Einem die Träume mit den guten Nummern" bringt! Es kam ihr fast wie ein Verbrechen vor. diese Mahnungen" nicht auszunützen. Sie mußte wenigstens die sich in der gleichen Art immer wiederholten, mit einer gleichgesinnten Nachbarin auslegen". Und damit war jeder gute Vorsatz verflogen, war sie schon wieder verloren. Sie ertrug den Gedanken nicht, daß sie vielleicht das Glück verscherze", daß sie vielleicht einen Gewinn erzielen könne, bedeutend genug, allen Verlegenheiten ein Ende zu bereiten. Nur einen Treffer wollte sie. nur einen einzigcn und dann diesem Spiel, das sie närrisch und schlecht machte- für immer entsagen! Das Glück gaukelte vor ihr her, sie glaubte oft schon, so nahe zu sein, um es beim Schovf erfassen zu können nur um ein Aug'" und sie hätte einen namhaften Gewinnst eingesackt. Und das Glück, an das sie so ausschließlich dachte, floh und entfernte sich weiier und weiter. An einem Samstag war's, als mehrere Leute den heimkehrenden Mann erwarteten. Er ahnte, um was es sich bandle, als er ih:er ansichtig wurde. Er öffnete die Wchnungsthür und ersuchte sie mit einer bittenden Qandbewegung. Anzutreten. Die Unterredung währte nicht lanae. '.f Er zog den Wochenlohn bis auf den j ietzttn Kreuzer aus der Tasche und legte ihn auf den Tisch. sm.t.- tct r i. i-ccv Jjuu I nc;, Illgie et ingrim-. Mig. - - ' . Eines der Weiber erklärte, nicht län

ger warten zu können und den ganzen Betrag bekommen zu müssen. Da nahm er die Uhr sammt der Kette und legte sie zu dem Gelde. Er sah sich in der Wohnung um und öffnete die Thüren der Schränke. Nehmt Euch, was Ihr wollt. Was soll i denn sonst no thun?" Als die Frau erschien, wurde sie am Hausthor von einer Nachbarin ange halten. Geh'n S' net hinein jetzt. Jhner Mann könnt' Jhner was anthun; er schaut danach aus, als ob er wem umbringen möcht'!" Sie fürchtete sich so sehr, daß sie das mitleidige Anerbieten einer Frau, bei ihr zu übernachten, freudig und dankbar annahm. Die mitleidige Seele fand sich auch gerne bereit, am Morgen die Vermittlerrolle zu übernehmen. Nach einer Weile kam sie athmenlos zurückgelaufen. Im Hofe unten fam melten sich Leute vor einem Fenster. Um Gotteswillen, wer hätt' si das denkt! Na, so was! D'erschrecken S' net. Jhner Mann hat sie aufg'hängt, es is nix mehr z'machen, er is schon ganz kalt und steif." Schluchzend und völlig niedergeschmettert begab sich die Wittwe in BeLleitung ihrer Freundin auf den Weg, um die Vorbereitungen zum Leichenbcgängniß zu treffen. Sie hatte zu diesem Zweck den Rest ihrer Werthsachen zu Geld gemacht. Das hat er do verdient, der arme Mann, daß er a schöne Leich' kriagt, da is mir kan Opfer z'groß." Sie gingen eine Zeitlang schweigend nebeneinander. Vor einem Geschäftsladen, an dessen Thüre eine schwarze Tafel mit fünf Ziffern hing, von denen drei durch Kreidekreise eingerahmt waren. blieb sie stehen. Sie wies nach der Tafel. 's wär' do rein a Sünd', wann i net die drei Nummero von mein' armen Seligen setzert: sein Alter, sein' Todestag und 's Aufhängen. Gelten S'?" Sie fand keinen Widerspruch. Sie hätte sich um einen solchen auch gar nicht gekümmert. Der Eollectantin legte sie einen Gulden hin. während diese schrieb, noch einen zweiten, und ehe der Betrag auf den Zettel gesetzt wurde, sagte sie: Warten S' no a Bisserl, i muß nur g'schwind nachschau'n, wie viel i be! mir hab'." Dann legte sie das ganze Geld hin, das sie für die Beerdigung ihres Mannes zur Verfügung hatte.

Ziic gestohlene Volka. Humoreske von Karl Liebscher. Als ob es von gestern wäre, steht sein Bild vor mir, die Gestalt des alten, dürren Cantors im langen Gehrock von antediluvianischem Schnitt, dessen Farbe einst schön blau gewesen sein maa, mit den großen Bemknopsen darauf. Ein schwarzes Seidentuch trug er fern sorgsam um den mageren Hals geschlungen, und auf der Nase eine große, horngefaßte Brille mit runden scharfen Gläsern, Gläsern von einer Dimension, wie man sie für Niesenrefractoren anzufertigen pflegt. Und unterm Glas hervor, unter buschigen Augenbrauen sahm ein paar treuherzige wasserblaue Augen in die schöne Welt, von welcher der HerrCantor seiner Kurzsichtigkeit wegen freilich nur eine ganz kleine Krume genießen konnte. In den bartlosen Gesicht kniffen sich zwei blasse Lippen auf einen Mund, der sich nur selten und dann zu wohlgesetzter, ernstbedächtiger Rede öffnete, während man es seiner Nase, als dem wohlerhaltensten. weil bestgepflegten Theile des Gesichtes auf den ersten Blick ansah, daß sie ihr Eigenthümer in seinem Leben nirgends hineingesteckt, wo sie hätte zu Schaden kommen können. Wie der Tau die Purpurknospe der Rose erquickt und die goldenen Sonnenstrahlen ihr feuchtes 'Blüthenkleid trocknen, so brachte der Inhalt einer silbernen Tabaksdose seiner Nase Labung, und das blaugeblumte Schnupftuch vertrat den warmen Sonnenstrahl. Der Haarschmuck, den er sich für's Alte? gerettet, war von imponirender Bescheidenheit, die Platte am Scheitel hatte die Größe eines mittleren Königreiches im Stiefrischen Handatlas. Steckbrieflich? Kennzeichen besaß er keine, es wäre denn, man ließe seine kleine liebreizende Nichte als ein solches gelten. Eine verwittwete Schwester von ihm und deren blondbezopftes 12jähriges Töchterlein führten seinen Haushalt und ließen ihm eine Pflege angedeihen, wie sie 'fix einen alten verbissenen Junggesellen, wie unser Herr Cantor einer war, von Staatswegen strafweise verboten sein sollte. In einem hochgegiebelten Häuschen, das sein Eigenthum war, hauste er. recht und schlecht und lebte da ganz 'seiner vielgeliebten Frau Musica, deren eifrig und gelehrter Diener er war. Das hatte ihm auch die Stelle des Regens Cliori an der kleinen Kirche verschafft, die als Gotteshaus für das städtische Gymnasium bestimmt, allwöchentlich an Sonntagen ihre Pforten zum Gottesdienste für die Studirenden dieser Anstalt öffnete. Außer 'dieser kirchlichen Thätigkeit pflegte der Her? Cantor noch eine häusliche und zwar hatte er einen Kreis von Violinschülern um sich gesammelt, zumeist aus Zöglingen des Gymnasiums gebildet, wozu auch ich mich zählte, denen er mü mehr oder weniger Glück die Geheimnisse der Geigenkunst beizubringen trachtete. Was waren das fü? fröhliche herrliche Stunden, die wir damals, nun ist es schon lange her, in dem Hause des Cantors verlebten! Nach den strengen Gesichtern der Schulprofessoren

r i das alte', milde Antlitz des Cantors beobachten zu können, wie es sich in Falten legte, wenn wir es gar zu toll trieben und ihm der Spaß zu bunt war, den wir uns wieder einmal erlaubt hatten! Sie M. sollten sich doch wirklich schämen, statt etwas Richtiges zu lernen, benehmen Sie sich wieder einmal nicht wie ein junger Mann, der bald das Gymnasium verlassen soll, sondern wie ein . . ." Den Vergleich schluckte er jedesmal hinunter und überließ es uns, ihn zu vervollständigen. Daß diese Angewöhnung des Herrn Cantors unserer jungen, übermüthigen Phantasie nur gelegen kam, bedarf wohl keiner Versicherung und ein jeder von uns sah seinen größten Stolz darin, mit neuen gräßlichen Vergleichen die Bewunderung seiner College zu erringen. Uebermüthig wie ein wahnsinniger Iltis." Beschränkt wie's Weltmeer," ich könnte eine Legion solch jugendlich überspannter Redensarten anführen, mit denen wir geflissentlich die Vergleiche des Herrn Cantors zu einem würdigen Abschlüsse zu bringen suchten. Q diese Flegeljahre! Der Cantor componirte auch. Das wußten wir alle, obgleich ev diese Thätigkeit seiner Person wie ein Staatsgeheimniß in dem Archive seines Herzens verborgen hielt und gegen Niemanden verrieth, doch kam es manchmal vor, daß er nach beendetem Unterricht sich an sein altes wackeliges Clavier setzte und mit größter Andacht und Rührung, oder mit jugendlichem Feuer, je nach Art des Tonstückes, eine Composition frei aus dem Gedächtnisse vortrug. Am Schlüsse legte er uns dann jedesmal in erwartungsvollem Tone die Frage vor: Nun. was meint Ihr?" oder wie hat es Euch gefallen?" Rathet einmal nach dem Componisten!" Uns allen war eS klar, wer dasSalonstück oder die Tanzweise oder die Fuge verbrochen, die wiv soeben unter den Fingern unseres Lehrers hervorquellen gehört, hüteten uns jedoch sehr, dies zu gestehen, und begannen zu rathen, daß der Herr Cantor das eine Mal seine helle Freude daran hatte, das andere Mal vor Aerger schier zerplatzen wollte. Einmal vermutheten wir einstimmig, daß nur ein Tonheros wie Händel oder Haydn diese herrliche Fuge gesetzt haben könnte, um in der nachstell Blolin stunde fest und steif zu behaupten, der soeben gehörte neue Marsch sei ein elender Schund, den Niemand ander:? als der Capellmeister der hiesigen Ve-teranen-Musikcapelle, mit dn der Cantor spinnefeind war, verübt t)abep könne, da dieser Mensch das frevler,sche Glück besitze, daß seine elendesten Erzeugnisse auch noch von anderen viel musikalischeren Leuten nachgespielt werden. Wie ihm ein solcher Tadel durch's Gehirn fuhr, wie er sofort seinen Clavierkasten klappte, zum Fenster trat und mit scheinbar gleichgiltiar Miene und doch nervös an die Scheiben des Fensters trommelte, während man es ihm dabei ansah, wie es ihn im Innern wurmte, ganz gewaltig wurmte! Pünktlichkeit ist die H'öflichkeit der Könige," wie gut, daß unser Herr Cantor nicht als königliche Hoheit geboren wurde, er hätte umsonsten in dem Ruf gestanden, ein Aus bund von Unhöslichkeit zu sein. Das akademische Viertel zu Beginn des Unterrichts fand in ihm einen treuen Anhänger, und wenn sich dies Viertel in den Sommermonaten bei großen Hitzen bisweilen auf's Doppelte ausdehnte, so ertrugen wir auch das ohne Murren. Danach regulirten die mtU sten von uns ihr Kommen zur Violinstunde und so traf es sich nicht einmal bloß, daß meine nichtsnutzige Person als erster zur Stelle war und im Unterrichtszimmer warten mußte, bis der zweite und dritte und die anderen kamen. So war es wieder einmal. Alleinsein erzeugt Langeweile, und um den bösen Geist des Gähnens zu vertreiben.begann ich geräuschlos einen hohen Stoß Musikalien zu durchbkättern. der das geschlossene Clavier mit seiner Last drückte. Halt, die bekannten Notenstrkche des Herrn Cantors eine Polka kein Titel statt des Componisten Namen drei Sternchen! Hallo, was wäre das für rfn Gaudium, einmal selbst ein bischen den Componisten zu spielen und nachzuempfinden. waL der Herr Cantor vor mir mit denselben Noten empfunden. Die Geige an's Kinn und rasch mit den Fingern das Tanzstückchen heruntergelesen. Einmal zweimal dreimal, die Sache war nicht so schwer. Jetzt ohne Noten, aus dc.n Polka zwar mit einigen Fehlern, aber das Trio fehlerlos. Das war ein mclodisches Meisterstückchen, so rasch blieb es mir im Kopfe haften. Herr Cantor, Sie werden ein Wunder erleben! Als es klopfte und ein Mitschüler in's Zimmer trat, lag der Notenpack bereits wieder an seinem alten Ort. Bald waren wir alle versammelt und

nach einer ' ichlichen Vie?telstunde Wartens trat der Herr Cantor m'S Lehrzimmer. Der Unterricht ging sei nen alten Gana. und die kurze Stunde war verflogen, ehe man's recht gedacht. Heute schien unser Lehrer keine Lust zu verspüren, uns mit einer von seinen Compositionen aufzuwarten. Nun, fo werde ich s thun! Herr Cantor, be gann ich schüchtern meine Rede, verzeihen Sie. wenn ich Sie um Ihr Urtheil bitte, aber. . . ." absichtlich kam ich in's Stocken. Nur heraus, mein Junge, was soll's?" Herr Con to?," setzte ich muthiger fort, ich habe etwas cnponirt (er machte große Au gen) und möchte nun von Ihnen gern wissen, ob es auch recht 1 et. Geschmel chelt durch die Aufforderung, einmal als Musikkritikus zu richten, nickte er wohlgefällig. Ohne Scheu, lege los zeige, was Dir der. Genius eingeblasen," forderte er freundlich lächelnd.

Ich nahm mein Gedächtniß zusammen, setzte den Bogen an und spielte meine Polka, die seine Polka war Schon nach den ersten Takten, die ich nur holprig zu spielen vermochte, ging eine merkwürdige Veränderung mit meinem Lehrer vor sich, sein rundliches Gesicht wurde ellenlang, er schien bestürzt. Zornesfalten lagerten sich auf feine Stirn, als ich aber das melodische Trio begann, es glatt herunterspielte und zur Verlängerung seiner Qual noch ein zweites Mal. da glich er einem wüthenden Eber. Man konnte es in seinem Gesichte lesen, was in seinem Innern jetzt brodelte. Sollte er sich auf mich stürzen und mir in's Gesicht sagen: Das ist meine Polka, die Du mir gestohlen," oder sollte er ruhig abwarten, was noch kommen würde, vielleicht die rasche Ausklärung? DaZ Spiel war zu Ende. Tosender Beifall der Kameraden, die keine Ahnung von, meiner schwarzen That hatten, überschüttete mich. Eine kleine Pause erlaubte mir. mich in dem billigen Ruhm zu sonnen, den ich soeben meuchlings erworben. Höre," begann der Cantor mit zornbebender Stimme (Du" und Sie" galten bei ihm gleich), Ihre Polka klingt wie. . . ." meine ergänzte ich im Geiste seinen begonnenen Vergleich, den er wieder nicht zu Ende führte. Nicht übel, recht gut nachempfunden." wobei er das nach" vielsagend betonte. Geben Sie nur Acht, daß aus Ihnen nicht noch einmal ein Operncomponist wird. Anlagen dazu haben Sie heute genügend gezeigt." Die Kritik war damit beendet. Ich hatte ihn und er mich verstanden. Ohne Gruß verließ er das Gemach und auch wir zogen von dannen. Warte, alter Brummbär, Dein Leidenskelch ist noch nicht zur Neige," nahm ich mir beim Nachhausewege vor. Und fein säuberlich schrieb ich auf rosafarbenes Notenpapier die schöne Polka nieder, versah sie mit

einer am Kopfe des NotenbogenS kaMgraphisch hingeworfenen Dedicatio m tiefster Ehrfurcht gewidmet' uno irug sie das nächste Mal mit in die Violinstunde. Am Schlüsse derselben zog ich die bis dahm streng verborgen gehaltene Notenrolle aus meiner Mappe und überreichte dieselbe mit einer feierlichen Handbewegung dem Herrn Cantor. Herr Cantor, geruhen Sie aus den Händen Ihres Schülers fern erstes Werk anzunehmen und betrachten Sie es als das, was es ist...." Weiter kam ich nicht mit memer wohlgesetzten Rede. Schon gut, ich weiß schon." unterbrach er meine Worte und wurde dabei feuerroth im Gesichte. Daö Opus aber, das er aus meinen Händen empfangen, schleuderte er verächtlich auf einen gerade leer stehenden Stuhl. Ich hatte es aus mit ibm. Fortan würdigte er mich keines Blickes' mehr, zur größten Verwunderung meiner Mitschüler, die darin eine versteckte Künstlereifersucht mitterten. und ließ mich die kurze Zeit, die bis zu unserem Abgrc; vom Gymnasium noch übrig bli'.die ganze Verachtung kosten, die bm Räuber seiner Polka gebührte. Der Tag kam, an dem wir dem Gymnasium Valet sagten, um freie akademische Bürger zu werden. Der Abschied von unserm alten Violinlehrer war ein feierlicher. Gerührt drückte er einem jeden von uns die dargebotene Hand und wünschte unS Glück und Segen auf dem weiteren Studienwege. Mir drückte er beson ders fest die Rechte und ehe ich's recht gewahr wurde, hatte er mir ein kleines Briefchen zugesteckt mit denW?r;?n: Das lesen Sie nachher und iun behüte Sie Gott!" Gemeinsam verließen wir die Behausung des Herrn Cantors, hinter den Gardinen versteckt sah uns ein blondeS Köpfchen nach und am offenen Fenster des Nebengemaches stand die ernste Gestalt des Lehrers. Als wir uns getrennt hatten und ein jeder nach Hause eilte, die letzten Vorbereitungen zur Abreise zu treffen, trat ich in einen Thorweg, nahm das Briefchen des Herrn Cantors und erbrach es rasch. Ein kleines Notenblatt entfiel der Envelope. Ich las: Mein lieber C. In der .Polka, die Sie L sbub mir gestöhlen und in tiefster Ehrfurcht gewidmet haben, fehlt ein Takt im Trio. Hier ist er. Künftighin seien Sie genauer im Stehlen von Melodien, be sonders dann, wenn Sie einmal eine ganze Oper componiren wollen. Ihr alter Cantor." echicksalsgenossen. Besucht' nach vielen Jahren Den Park jüngst einer Stadt. .Nein!" dacht ich, wie inzwischen Sich's hier verändert hat." Nur ein mir liebes Plätzchen, Das ich einst oft beehrt Mit meinem holden Schätzchen, .'ne Bank. to; unversehrt. ' Das Herz mit unsern Namen Noch heute sie verziert. Ob mehrmals gleich die Maln Schon d'rüber hin lackiert. .Ja!" dacht' ich, sie betrachtend; Den Zeichen gleich wir sind; Indem, die sie einst machten. Heut' auch Lackierte" sind!- ' Genügende Erklärung. Merkwürdig, die FrauRath wird immer erst gegen Schluß der Soiree gesprächig!" Das kommt daher, weil eben sonst um diese Zeit ihrHerr Ge. mahl heimzukommen pflegt!" Im Allgemeinen öitte! man nur um Rathschläge, um sie nicht zu befolon oder um dem, der sie gege1 den hat. Vorwürfe u machen. :

Aic Katttvcrslyöttcnmg. Jede Frau hat nicht nur die Pflicht, die Schönheit auf natürlichem Wege, d. h. durch Beförderung der Hautthatigkeit zu pflegen und zu verbessern, sondern muß auch von diesem Bestrcben bis an ihr Ende erfüllt sein. In gewissen Jahren tritt einmal der ZeitPunkt ein. wo das Alter anfängt seine Rechte geltend zu machen, und mit immer schärferer Schrift seine Thätigkeit in unser Aeußeres einzeichnet. Von diesem Zeitpunkte an sind diejenigen Mittel, welche die Schönheit auf natürlichem Wege zu fördern haben, gewohnlich machtlos und dann sind wir berechtigt, die Hilfe der Kunst in Anspruch zu nehmen, welche uns lehrt, diese unauslöschliche Schrift und ihren Inhalt dem Auge des Uneingeweihten zu verbergen und noch viele Jahre in unentschwundener Frische und Schönheit den Angriffen des Alters und der Zeit scheinbar zu trotzen! Diese letztue Aufgabe kann jedoch nur erreicht werden, wenn die Kunst der Verschönerung mit äußerster Delikatesse, mit feinstem Verständniß und mit vollendetem Geist und Geschmack geübt wird. Und nur in dem ei.kz'.gen Falle erfüllt sie ganz ihren Zweck, wenn sie die Natur'in solcher Weise nachahmt, daß uns die Kunst durch nichts bemerkbar wird. Dies Ziel zu erreichen, hat hat man nicht nur die vorzüglichsten und feinsten Präparate nöthig, es ist ci'ch ein hohes Maß von Beobachtung, Uebung und peinlichster Sorgfält der Ausführung erforderlich. Das erste Erforderniß ist. daß die verschiedene Präparate, sowie deren Werth und Zusammensetzung für die Hautverschönerung in keiner Weise der Gesundheit nachtheilig werden dürfen. Das verbreitetste aller derartigen Fabrikate ist der Puder, welcher in neuerer Zeit immer allgemeinerenGebrauch findet, aber gerade bezüglich seiner Anwendung und seines Werthes sind die irrigsten Auffassungen verbreitet. Der Puder ist nämlich nicht immer nur ein Mittel zur Verschönerung, er dient auch in hohem Maße hygienischen Zwecken und verdiente als solcher einen Platz unter den hygienischen. Hautmitteln. Vom Puder sind zwei Arten zu unterscheiden., welche sowohl betreffs ihrer Zusammensetzung wie ihrer Wirkung vollständig verschieden sind. Es sind dies: Der hygienische oder Reispuder und der eigentliche Verschönerungspuder, auch Fett- oder Veloutine-Puder genannt. Der hygienische Puder stellt, wie sein Name schon andeutet, die Verschönerung erst in zweiter Linie. Er hat hauptsächlich die Aufgabe, nach dem Waschen beruhigend auf die Hautorgane zu wirken und dieselben vor den Einflüssen zu rauher Witterung zu schützen. Am zweckentsprechendsten ist dieser Puder, wenn er aus ganz reiner, zu feinstem Staub zermahlener Reisstärke besteht, welche gehörig parfümirt und mit entsprechender Färbung, rosa oder gelblich. versehen wird. Von besonders guter Wirkung ist der Puder nach dem Waschen und zwar wendet man ihn in der Weise an, daß man mit Hilfe einer Puderquaste das Gesicht leicht mit dem Puder betupft (nicht einreibt) und den überflüssigen Staub mit einer Pud V quaste oder dazu präparirten Hasenpfoten wieder entfernt. Auf diese Wuse absorbirt der Puder nicht nur alle in die Haut eingedrungenen, überflüssigen Wassertheilchen, er schließt auch in mäßiger Weise die Poren und befördert dadurch einen höheren Grad von Wärmeentwickelung in der Haut, was man am besten aus dem angenehmen beruhigenden Gefühl erkennen

kann.welches dieseMaßnahme zederzelt erwecken wird. Während der Reispuder hauptsächlich der Hautpflege dient und erst in zweiter Linie auch dazu beihäat, die Hautfarbe zu verbessern, ist der Fettpuder nur geeignet, das Aussehen des Teints, dies allerdings in sehr hohem Maße, zu verbessern und zu verschönern! Die conservirenden Eigenschaften des Reispuders besitzt der Fettpuder nicht, vielmehr wirkt derselbe unter Umständen sogar austrocknend auf die Haut. Aus diesem Grunde ist zu empfehlen, den Fettpuder nie allein ausschließlich zu gebrauchen. sondern nebenbei, besonders aber immer nach dem Waschen den Reispuder zu verwenden. Soll der Zweck des Fettpuders erfüllt und der Teint wirklich verschönt werden, so ist bei der Anwendung desselben die peinlichste Sorgfalt zu üben. Vor allen Dingen nehme man dieses Vorhaben stets bei vollster Beleuchtung vor und zwar derart, daß man, am besten mit einer Plüschquaste, den Puder nicht zu reichlich in die Haut einreibt und mit einer praparirten Hasenpfote oder weichem Läppchen cllen nicht eineriebenen Puder wieder entfernt. Besonders sorgfältig sind die Einschnitte an dem Munde, der Nasenwurzel, ferner die Augen und Ohrenhöhlen zu säubern. dc: sich der Puder dann besonders stark anhäuft und dem Gesicht den Stempel des Geschminktseins aufdrückt. Das letztere ist der Fall, wenn man den Puder zu dick auftragt, wodurch der Ausdruck des Gesichts leidet, indem derselbe starr und eintönig wird. Der Teint darf von dem Puder nur einen schwachen Schein an nehmen und es ist wichtig, einen Puder von entsprechender Farbe zu wählen. Für blonde Damen ist eine zart rosa Nuance, Brünetten gelblich zu empfeh len. Damen mit röthlichem od ganz schwarzem Haar wählen weißen Puder. Es ist ein dringendes Vedürfniß, des Abends vor dem Schlafengehen eine gründliche Abreibung aller gepuderten Hauttheile mit Goldcream vorzunehmen und danach dieselben mit reinem Wasser abzuwaschen. Man versäume dies niemals! Nichts ist geeigneter, die Haut vorzeitig welk und schlaff werden zu lassen. aU das Schlafen mit verstopften Poren.

Die Vose und iyre Wytycn. .5?enn' mir die Blume, Die lacht und weint. Und Lust und Schmerz in sich vereint V Es ist die Rose mit ihrer Lieblich-

keit und ihren Dornen. Mit ihrer Farbenpracht, mit Ihrem köstlichen Allste und mit ihrer reichen Fülle lieblicher Reize wurde die Rose schon im, Alterthum von den Dichtern anpriesen und als ..Königin der Blumen" gefeiert. Die weiße Rose war und ist das Symbol der Unschuld, die rothe das der Liebe Nicht nur strenggläubige Theologen, sondern auch andere profane Menschenkinder haben behauptet, die Rose entstamme einzig und allein dem Paradiese, und so wie das gesummte Menschengeschlecht von einem Menschenpaare von dort aus sich über die Erde verbreitet, gerade so haben es auch alle Rosenarten von einer Rose gethan. Mag man darüber denken, wie man wolle, Thatsache ist, daß allerdings die schönste Rose, die Centifolie. ihre Heimath in jenen Himmelsstrichen hat, p?o nach den Ueberlieferungen der alten Sagen das Paradies gelegen haben soll, nämlich in Persien. Alle Dichtungen der Vorzeit besa gen, daß die Rose ursprünglich von weißer Farbe gewesen ist. Anakreon laßt sie aus dem weißen Meeresschaum gleichzeitig mit der Göttin der Schönheit geboren werden, als die Götter Anadiomene erblickten, träufelten sie Nektar lzernineder, welcher der Rose den kostlichen Dust verlieh. Die rothe Rose entstand nach emer Sage bei einem fröhlichen Götterfeste im Olymp. Der Liebesgott Amor, im raschen Tanze sich schwingend. stieß mit semen rosenrothen Flügeln eine Schale mit Nektar um, dieser ergoß sich über die im Olymp blühenden weißen Rosensträuche, welche sich dadurch roth färbten. Nach einer anderen Mythe ist Flora die Schöpferin der rothen Rose. Von Amors Pfeil, dessen Liebe sie erst verschmähte, schmerzlich getroffen und nun in glühender Leidenschaft für ihn entbrannt und von ihm gemieden, schuf sie im Sehnsuchtsschmerze die Blume, welche lacht und weint" mit ihren Reizen, ihren Dornen. Eros!" will sie leidenschaftlich ausrufen, als die herrliche Blüthe ihrer Hand entsprossen ist. aber schüchtern verstummt die erste Silbe und nur die letzte Silbe Ros" tönt von ihren Lippen, indem sie zart erröthet. und als Rose" begrüßen alle Blumen des Haines und der Flur die neugeborene Schwester. Tieck'läßt die rothe Rose aus den Umarmungen der Liebe, ihrem Sträuben und ihrer Ergebung hervorgehen. Boß läßt die weiße Rose über die Küsse erröthen. die Zeus den Hören gegeben habe. Räch Herder's Paramythie bildete Aglaja die Lilie. Thalia und Euphrosine webten die hundertblättrige weiße Rose. . Der französische Dichter Rapnr erzählt, daß Apollo die in unheiligcr Liebe verfolgte schöne Rhodante, Köniam von Korinth, die in sein Heiligthum flüchtete, in einen Rosenstrauch mit Dornen verwandelte, um sie den Zudringlichen zu entziehen daher wurde sie Blumenkönigin". Die Anhänger Mohamed's lassen die Rose aus den Schweißtropfen des Propheten entsprießen und die indische Sage läßt eine der Frauen des Wischnu, die Pagoda-Siri, aus einer Rose geboren werden. Auch als das Symbol des Muthes und der Tapferkeit wurde die Rose gefeiert. Die altert Gallier schmückten ihre Helme vor der Schlacht mit Rosenkränzen, und bei den Triumphzügen der Römer trugen die Krieger, die zuerst in das feindliche Lager eingedrungen waren. Rosenzweige in den Händen und schmückten als Zeichen ihres Ruhmes ihre Schilde mit Rosen. Die. Zahl der Gedichte, welche die wundervolle Blume preisen und verherrlichen, wer könnte sie zählen! Im Tempel, im Palast und in der Hütte wird sie gehegt und gepflegt. Die Rosenknospe ist die sinnigste Liebesgabe; ein verwelktes Rosenblatt im alten vergilbten Buche ruft froheErinnerungen längst verschwundener Zeiten wach, und em Rosenstrauch auf dem GrabHügel theuerer Entschlafenen gilt als das Symbol ewig dauernder Liebe. Tat Hart. Chr. Rüffe. Marik. heww up din Hart Bedacht, Denn't aeiht ., .nst verlorn! Un giwy't'-. ' .)iern as du nich acht. Is jI aü stahlen worn. Denk doch cimal, wenn't einer find't, De't gor nich bruken kann, Un stickt dat in de Tasch geschwind! Min Diern, wat fängst du an? Und wenn de Deiw so lising kümmt Und deiht so schon un god Un di dat säute Hart afnimmt, Nahst weinst du di to Tod. Doch hest du einen goden Fründ, De't sicher wohren kann, Besinn di nich. min leiwes Kind, Un trug din Hart em an. Un giwwst dü't mt, ick weit en Flagg, Dor liggt't so weil un still. Und dor kann't rauhn ki Nacht un Dag. So lang uns' Herrgott will. Un giwwst du't mi, ick hol dat lik, Äst keiner wohren kann. Ick glöw. 't is wol dat best. Marik, Du trugst din Hart mi an.

Vuöittstcm's erstes Lied.

Von M. Bessmertun. Mi! aroker Liebe bin Rubinstein stets an seiner südrussischen Heimath, wo seine, wenn auch nicht glückliche, doch heitere Kindheit verfloß. Sein eminentes Talent entwickelte sich nur langsam unter der Leitung seiner hochmusikalischen und sehr strengen Mutter. Er lebte mit seinen Eltern in einer Vorstadt Odessas und rnufcle die meiste Zeit der Musik widmen. Die i w . . . llnierrlcylsuunoen ve: ver Mutter endeten aar oft mit Strafen und Tbränen. in welche sich auch jene seiner kleiia s:.i. : et. i v:. iiui yiiuuvui aujuiu uiiUjit;i, uvc ui demselben Hause wohnte und jede Geleaenheit wahrnahm, sich während der Musikstunden in irgend einem Winkel des Zimmers zu verstecken. Der Knabe ärgerte sich zwar, wenn er sie während ces uevens schwieriger Pajjagen plotzch entöeate, aber sie wußte stets sei'.cn 5!orn mit iraend einer kleinen Aufmerksamkeit, wie Kastanien oder seltenen Muscbeln. zu beiänftiaen. die sie am Meeresufer für ihn sammelte. Fühlte er sich sehr unglücklich, so trönete ne um mit den Worten : Wie kann deine Mutter dir nur auf die Hände klopfen, da da doch meiner Meinung nach so himmlisch spielst V4 Ach, ach, ich bin faul, schrecklich faul und kann das Klavierspielen nicht ausstehen" erwiderte trauria der Knabe, ein Geständniß, das mitleidige Thränen in die Augen des kleinen Mädchens lockte. Um ihm seine Mühe ZU erleichtern und ihn abzulenken, sang t manchmal die Acelovien seiner uebungen mit ihrem schwachen, dünnen Stimmcken. Auck alättete sie ihm aern seine langen wilden Locken und ordnete seine Notenhefte, die zerstreut herumlagen, was ihm so manchen ernsten Worfwurf der Mutter einbrachte. In sich verschlossen widmete der sonderbare Knabe oft tagelang nicht die gerinasteAufmerksamkeit der kleinen Anjuta. bis er eines Tages, da er sich ganz besonders niedergeschlagen fühlte, sich zu ihr m emen Heuschuppen sete. Sie reichte ihm Kastanien hin. er ergriff ihr Händchen und mit zitternder Stimme bat er: Komm zu uns. kein Mensch ist im Hause, ich will . ri i . r.'.i t . : mi em kieo vorspielen, oas notu iciuct gehört und das nur du allein kennen sollst. Die Kinder liefen nach Hause. Der kleme Compornst setzte sich an'S Klavier und spielte seiner treuen Freundin sein erstes Werk vor. Bald darauf siedelten Rubinsteins Eltern nach Moskau über, wo der Knabe öffentlich auftrat und das Publikum in Erstaunen versetzte. Dann ging er nach Paris. Sein Name wurde allbekannt und er legte den Grund zu seiner großen Berühmheit. Mit Hilfe eiues unermüdlichen Fleißes erreichte seine Kunst eine bedeutende Höhe und die kleine Idylle am Schwarzen Meere wurde unter den Wogen des wachsenden Ruhmes vergessen. Einige Jahre vor Rubinstein's Tode brach in der Stadt Charkow ein verheerendes Feuer aus. In ganz Rutzland wurven Sammlunaen zum Besten der schwer Betroffenen gemacht, aber im Ganzen wurde die Noth der von allem n:blößten nur wenig gelindert. Da machte jemand den Vorschlag, man möge Rubinstein auffordern, ein Concert für Charkow zu geben und eine Dame, die in der Nähe von Charkow mit ihrem Sohne wohnte, schrieb ihm folgende schlichte Worte: Hochvereyrter Mästro! Noth. Armuth und Elend herrschen in unserer Stadt: eines Ihrer Concerte wäre?ine unbeschreibliche Wohlthat. Darum bittet Sie in Erinnerunq der lieben Kindertage Ihre Anjuta." In der darauffolgenden Woche schon befand sich die Stadt in fieberhafter Aufregung. Rubinstein hatte zugesagt, in Charkow ein Concert zu geben und nun bemühte man sich, ihm einen würdigen mpfang zu bereiten. Gutsbesitzer aus der Umgegend der Stadt strömten zusammen und zum Concerte erwies sich der größte Saal als zu tlem für rcic drängende Menschenmenge. Viele, die Rubinstun oft gehört, versicherten, daß er nie so schon gespielt habe, als geraoe damals in Charkow. Ganze Berge von Blumen und Lorbeeren thürmten sich auf der Estrade aufRubinstein aber saß wie in fernabliegende Gedanken tief versunken und als der betäubende Beifallssturm sich nicht legen wollte, stand er auf. verbeugte sich und ließ feine feurigen Blicke forschend durch die Menge fliegen, ls fuche er jemanden. Dann setzte er sich wieder an's Klavier und leicht präludirend ging er zu einem einfachen kleinen Liede über, das voll tiefen, ergreifenden Gefühls war und dem andächtig lauschenden Auditorium so recht zu Herzen ging. Keiner kannte diese kleine Composition und berauscht von Entzücken klatschte man wie rasend. Der Künstler suhr sofort in's Hotel und äußerte den Wunsch, des Morgens in aller Frühe unbegleitet zum Bahnhof zu gehen. Auf den Zug wartend saß er ernst im Wart?saal. Eine Dame in schwarzem Kleide trat an ihn heran und überreichte ihm einen Strauß einfacher Feldblumen. Beide standen stumm einander gegenüber und blickten sich verständnißinnig mit ernstem Ausdruck an, dennn ihrer Seele zog der Traum der Ktu cit vorüber mit ihren trüben und heitern Bildern. Sie sahen sich als spielende Kinder, während sie nun Menschen im vorgerückten Lebensalter waren. Anjuta!" sagte endlich Rubinstein mit zärtlich bewegter Stimme. Dank, vielen Dank für Ihre treue Erinnerung." Und ich danke Ihnen für das erste Lied!" entzegmte ergriffen die Dame. Es läutete zur Abfahrt und seine Hand küssend rief sie ihm ein letztes herzliches Lebewohl zu.