Indiana Tribüne, Volume 19, Number 316, Indianapolis, Marion County, 2 August 1896 — Page 2

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! Aie Kunst dc?s Sröcns.

Wenn man nur das Nothige daz Hat. so ist das Geben die leichteste Aufgabe der Welt, höre ich die verehrien Leserinnen sagen. Gewiß, wenn man der Armenkasse so und so viel Tiebt. seinen Namen in den veröffentlichten Listen sieht und da und dort bewundert wird, daß man so viel ge than. um dem Elend zu steuern! Dann zucken Sie wohl bedeutungsvoll t Achseln und sagen: Es ging nicht anders, das Elend war zu groß, ich las darüber, man darf nicht zurückstehen, die Leute dauerten mich Hunger und Noth kein Verdienst Verzweiflung Tod!" Das ist's ja. Der Tod des Einen oder Anderen macht erst die Menschen darauf auf znerksam, daß es Viele gibt, die hungern und die der Hunger zur Verzweiflung treibt. Hört man von einem Nothleidenden, so heißt es. mög? er sich an die Vereine wenden und bekümmert sich nicht weiter daiurn. Und doch, wie oft wäre man'rfjem Bedürftigen mit einer KleinigZeit geholfen, durch eine einzige Frage könnte die liebe Leserin erfahren, wie am besten zu helfen ist. Hier beginnt die Kunst" des Gebens, denn es gilt nicht gleich, was ich thue, es handelt sich nicht darum, daß ich's thue, sondern das Wie" allein ist ausschlaggebend.' Unser raschlebiges Jahrhundert nimmt sich nicht die Zeit, noch lange nachzufragen, es hastet von Tag zu Tag. von Jahr zu Jahr weiter auf seiner Bahn, auf der es nicht aufgehalien sein will, am wenigsten durch Hilfsbedürftige, die sich ihm hindernd entgegenstellen. Und trotz der vielen Wohlthätigkeitsanstalten, der Concerte etc. zur Linderung fremder Noth, kommt die Hilfe doch oft zu späti Warum muß es oft zu spät sein? Ist es denn eine so schwereAufgäbe für die Frau, wenn sie im Stillen Erkundigungen über Familien einzieht, deren Ernährer an's Krankenbett gefesselt oder gestorben ist? Wie viel Thränen sind da zu trocknen, welcher Hunger zu stillen, wie finden da alte, noch brauchbare Kleidungsstücke ihre Verwendung, und wie mancher Kranke würde schneller genesen und seiner Familie erhalten bleiben, wenn er etwas kräftige Nahrung hätte. Ein Griff in den Beutel thut's also nicht immer, da heißt es forschen, errathen, bie Beschämten aufrichten, ihnen neuen Lebensmuth einflößen, das verlorene Gottvertrauen wiedergeben. Also nicht nur geben, mitempfinden soll der Barmherzige, sonst hat seine Gabe nicht den rechten Werth. O, es ist wahr, man muß den Hunger gefühlt haben, um zu wissen, wie er fchmerzt, znan muß ebenfalls auf seinem Lage? schlaflos gelegen haben, um die sorgenvollen, bleichen Mienen Anderer zu verstehen, um sich an ihre Stelle versetzen zu können. Achtlos gehen wir oft gerade an denen vorüber, die unsere Hilfe am dringendsten bedürfen, rnit denen wir vielleicht geschäftlich verkehren. Wir lesen nicht m ihren Mienen, nicht in dem verzweifelten Aufblick der matten Augen, wirtzersteben Nicht die Bitterkeit, die sich ihnen Wider ihren Willen auf die Lippe drangt, wir sehen vielleicht nur die defecte Kleidung und spotten darüber, wir ahnen mcht, was sie das Lächeln kostet, das ihren Mund umschwebt, und würden im höchsten Grade erstaunt, ja verwundert sein, hörten wir, daß der oder die, welche noch mit nns geplaudert, gescherzt, in der nächsten Stunde aus Verzweiflung Hand Ln sich gelegt. Wie war es möglich, baß ich nichts davon merkte? Warum sagte er nichts, wie gern hätte ich geholfen. Ja. helfen sollen wir Alle. Jeder geben nach seinem Vermögen, aber mit dem Herzen geben, nicht gedankenlos, nicht mit dem Verstände allein, nicht erst lange überlegen und warten, bis es vielleicht zu spät ist. Darin liegt eben die Kunst des Gebens. Theorie uud Praxis. ' Professor Schnattermann schließt sich in der Sommerfrische einem Bäulein an, das ein Stück Vieh vor sich hintreibt. Ist das Euer einziges Rindvieh?kündigt er sich. Joa, Euer Gnaden!" ' Der Professor ergeht sich nun in einer längeren theoretischen Auseinanbersetzung über die Behandlung des Rindviehs zur Erzielung einer ratio nellen Milchwirthschaft, die das Bäulein andächtig anhört. Ich hoffe, lieber Mann schließt tz seinen Vortrag, daß Ihr diesß Grundsätze auch bei Eurer Kuh a wendet!- , Nee, Euer Gnaden!- ; So warum denn nicht?- ' Weil's a Ochse is!" " Unverbesserlich. Bäuerin: Aber Mann, jetzt geh'n wir heim. Du bist ja schon total voll und kannst ichts mehr trinken." Bauer: WaS Heim! war net übel. Zuschauen kann x wenigstens immer noch, wie die andern trinken !" Aha! Dame (als von einem Erdbeben die Rede ist): In dem Mo rient, wo es einem die Beine plötzlich wegzieht, muß man doch eine jämmer liche Stimmung haben!" Student (zerstreut): .Im Moment weniger. eier am nächsten Morgen !" Verstanden?' Ohrenarzt: Haben Sie meine Worte nun auch richtig verstanden? Patient: Gewiß! Ich bin vollkommen ohr ientirt! D i e gar zu große Mittheilt samkeit über eigene Angelegenheiten entsprinat meistens nicht der OssenherziLkeit, sondern der Eitelkeit. r

Zim, der Mnen-Kat.

Realistische Skizze von W. v. Schierbrand. 1. Eine Varodie auf dem Grabstein ist jedenfalls etwas Seltenes. Ich erinnere mich aber, eine oqt eintt aus einem kleinen Hügel in der Umgegend von No Rest. Nevada. gesehen zu ha ben. Es war dort der letzte Ruheplatz von Jim Blackwood, dem bekannten Minen-Hai," und auf demselben lag eine unscheinbare Platte, die die Inschrift trug: Doatli Iotcs a Mining Sliark. Eicctcd to tlie Memory of Jim Blackwood. Die Parodie lag natürlich in de Worten Mining Shark anstatt Shilling Mark." Es ist vielleicht nöthig hinzuzufügen, was ein Mining Shark" oder Minen-Hai eigentlieh ist. . Doch, glaube ich, läßt sich dies am Besten dadurch thun, daß ich hier nur die Begebenheit erzähle, die zum frühzeitigen Ende der Hauptperson führte. Jim Blackwood war nicht besser und nicht schlimmer als viele andere, die sich in den Gold- und Silberstaaten, in Colorado. Nevada, Arizona, New Mexico und Californien herumtreiben und ein Gewerbe daraus machen, die ankommenden Tenderfeet" as dem Osten, die werthvolle Bergwerke oder Claims" wohlfeil zu kaufen gedenken, gründlich zu bemogeln. Seit einer Reihe von Jahren hatte Jim diesem edlen Berufe obgelegen und noch nie war etwas besonders Schlimmes ihm dafür Passtrt. Natürlich war es vorgekommen, daß dieser oder jener Sucker," nachdem er um ftin Geld giprellt war, Jim Feschlagen hatte, und der Fall hatte sich auch schon ereignet, so sagte man, daß Jim einem sich zu sehr ungeberdig anstellenden Opfer seiner Schlauheit einen Theil wenigstens des ergaunerten Geldes wieder zurückerstattet hatte, um unnöthiges Aufsehen zu vermeiden," wie er sich dann ausdrückte. Gewöhnlich verstand es Jim, sofort nach Erlegung der ganzen oder theilweisen Kaufsummen für diese oder jene Mine" mit affenartiger Geschwindigkeit sich unsichtbar zu machen und erst wieder zum Vorschein zu kommen, wenn du ganze Lärm verraucht und die Geschichte von dem schnelllebigen Völkchen, das jene unruhigen Gebiete unseres Landes bewohnt, veraessen war. Und das dauerte gemeinhin nicht lange in 6 Wochen schon, hausig noch viel früher, krähte kein Hahn mehr darnach, denn die Hülfe der Gerichte wurde wohlweislich fast nie von den Hintergangenen angerufen. Wußten sie doch im Voraus, daß in jenen Staaten eine Jury fast nie dem fremden Tender foot" Recht gibt gegen die Ausbeutung durch Einheimische, selbst wenn es sich um ein klar erwiesenes Bubenstück Yanvelte.. Darum, wie gesagt, zogen es die Opfer fast stets vor. entweder ein gütliches UebereinZommen mit den vetressenden Mmen-Hien abzuschlie ßen. notabene wenn diese letzteren sich darauf einließen, oder aber sich aus Wuth einen furchtbaren Rausch anzuschaffen und dann mit ihrem letzten Gelde, nicht reicher, abex weiser," den Heimweg nach dem Osten wieder anzutreten. So. wie aesaat. hatte es auck Tixm j Blackwood eine ganze Reihe von Iahren hindurch schon getrieben, und hatte sich ganz aut dabei standen, denn er lebte wie ein Kampfhahn, vom Fette oes anoes. Aber eines Tages ereilte ihn doch das Verhängniß; und das kam so: Jim und sein Pard," Baldy Weeks, hatten schon seit Avril kein Geschäft" gemacht. Sie befanden sich vayer in vem mcht oeneldenswerthen Stadium, wo der Credit schon beinahe gänzlich erschöpft ist und Noth an allem zehrt. Die Suckers" aus dem Osten schienen auf einmal alle ausgestorben zu sein, vielleicht zum Theil in Folge der Thatsache, daß die Presse in den Oststaaten sich seit einiger Zeit diel zu sehr in die Angelegenheiten von Jim und Consorten gemischt hatte, indem sie verschiedene raffinirteBetrugsfalle aus jüngster Veraanaenbeit an die große Glocke gehängt hatte, eine yatiacye, die die Mlnen-Haie in Ne vada nicht aenüaend brandmarken 111 können glaubten, denn, wie sie ganz richtig bemerkten: Was gelt denn die verfluchten vteporters unsere Geschäft an?" Eines Nachmittags saßen Jim und rv i . . a... , . aioy im jid liroro Saloon, wo si mit dem Bartender würfelten um di Drinks," als plötzlich ihr guter reunv, eimcon Moore, uz lahm: Neger, hereinstürzte und atbemlos ausrief: Boys, es gibt. Arbeit für Euch. Eme ganze Colome Grüne ist schon angekommen im U. S. foieL Und sie haben Rocks sage ich Euch yausenwclse. Darauf bestellte Jim für den Bo ten ein Glas ftortb Rod" und fraat ihn dann ganz genau aus über das cf f ct vi . . Äusieyen. Alter. Benehmen, und die scheinbare Stellung jedes Einzelnen ln ver Gruppe von Ankömmlingen Und dann entwarfen Jim und sein m , . I Parin ven nriegsplan. Natürlich war es wieder der be währte Kniff der ..gesalzenen Mine' (saltad inino). der kerbalten mukte denn der zog ja stets am besten, wie ein Zugpflaster." Es wurde aber Alles genau vereinbart. Zuerst wurde der alte Free Silver Bill" hingeschickt nach dem Hotel, der den Fremden seine Mine zum Kaufe anbieten mußte unter den üblichen Phrasen, daß er nicht genug Geld zum Betried desselben habe und außerdem zu sehr an Rheumatismus leide. Das Letztere war allerdings richtig, das Erster cder nicht, denn der alte Free Silver

Bill hatte überhaupt keine Mine. Der Alte machte auch seine Sache so ge-

schickt, daß er einige Herren der Gesellrf n t. r tr:x icyasl Mil naa) innern angcoucgcii Claim führte und dann ganz nebenbei die viel ertragreichere Mine nebenan. die Jim und Baldy gehörte erwähnte und Stoßseufzer darüber ausstieß, daß diee nicht ihm gehöre, sendern dem alten Gaunerpaar, von dem er aber behauptet, sie würden ihre Mine wohl auf keinen Fall verkaufen, denn sie bringe 51.000 auf die Tonne an weißem Metall" ein und Je mand, der sie verkaufen wolle, müsse ja schon reif für's Irrenhaus sein. Und alles dies erzählte er in so treuherzigem Tone, daß er wirklich ganz ungeahnten Effect erzielte. Namentlich war es der eine, ein ganz junger. noch bartloser Mann. Namens Ralph Woodridge. der aus . Boston war und etwas von Erzen zu verstehen schien, auf den diese naiven Plaudereien Eindruck gemacht zu haben schienen. besonders nachdem er einige abgebröckelte Stückchen Gestein in der Red Titch Mine eben die von Jim und Laldy oberflächlich auf ihren Silbergehalt untersucht hatte. So konnte es nicht fehlen, daß nach der Rückkehr der Herren die Stimmung eine gchobene war, und als sie im Laufe des Abends die beiden Ehrenmänner selbst an der Bar des Hotels trafen und sich mit ihnen in ein Gespräch über Bergwerke in No Rest überhaupt und über ihre eigene Mine im Besonderen einließen, da wußte es Jim, der Silberzüngige. zu bemerkstelligen, daß die Fremden aus freien Stücken über den Ankauf ihrer Grube zu sprechen begannen. Und mit großem Geschick wußten die beiden Partners dann die Unterhaltung auf diesem Punkte festzuhalten, ohne die Herren irgendwie zu drängen. Genug, als sich die Leute von einander trennten, war ein gemeinschaftlicher Besuch der Red Ditch Mine für den nächsten Morgen vereinbart. 3. Selbstverständlich waren die beiden alten Partner, Jim und Baldy, die Nacht über nicht unthätig. Mit Hülfe vom alten Free Silver Bill arrangirten sie die stark silberhaltigen Erzstückelchen, die für sie solche Gelegenheiten auf Lager hielten, in und um die Grube in einer fehr geschickten Weise, wie langjährige Praxis sie ihnen eingab es sah Alles so natürlich aus, daß schon ein erfahrener, alter Bergmann dazu gehört hätte, um den Betrug zu spüren. Die Stückchen klebten an den Rändern wie die Schwalben, als ob sie darauf warteten, abgebrochen und probirt zu werden. Einige derselben waren auch tief im Innern versteckt, wo sie an tx ner Stufe Erz ganz wie von ungefähr angeleimt waren. Das nennt man eine Mine salzen," eine Kunst, in der eben die beiden Partners anerkannte Meister waren. Und so fiel denn auch die eingehende Prüfung der Red Ditch Mine, die am nächsten Morgen vorgenommen wurde und an der sich namentlich der älteste und erfahrenste der Herren Investors" aus dem Osten, ein Herr Short aus Albany, und der junge Herr Woodridge bctheiligten. sehr günstig aus. Die beiden Gauner, Jim und Baldy, stellten gar nicht die Behauptung auf, daß die Erzschicht ihrer Grube sehr tief sei. denn sie wuß ten genau.daß dies eine zünftige Untersuchung herbeigerufener Mlnemn genieure aus Denver oder Colorado Springs nöthig gemacht hätte, eine Sache, die langwierig gewesen Ware und die auch die sichere Entdeckung des ganzen Schwindels zu Tage gefördert hätte. Sie begnügten sich vielmehr. nur von dem Erz m Sicht zu sprechen und stellten ihre Forderung für die Mine demgemäß. Nach einigen Un terhandlungen kam auch der Verkauf im Hotel am Abend desselben Tages zu Stande, und die vereinbarte AnZahlung von $5,000 wurde prompt in Baar und Checks geleistet. Somit wäre Alles in Ordnung geWesen, und Jim und Baldy hätten jetzt wieder ihrer alten Gepflogenheit huldigen und verschwinden können auf einige Zeit, bis der Sturm vorüber. Aber etwas Unerwartetes geschah. Der alte Free Silber Bill war mit dem Theil der Beute, der ihm geworden, nicht zufrieden, und imOld Crow Saloon kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen ihm und den beiden Spießgesellen. In seinem Rausch und Zorn ging dieser alte Sünder noch hinüber nach dem United States Hotel, wo er die Herren Investors alle beisammen traf und wo er im Grimm über die erlittene schnöde Behandlung aus der Schule plauderte. Die Folge war, daß sich sofort zwei der Herren, eöen jener Herr Short und der junge-Woodridge. auf die Fährte nach den beiden Hallunken, begaben. Der junge Mann, Woodridge, war ganz besonders empört darüber, wie er mit all seinen mineralogischen Kenntnissen dis Mal geleimt worden war. Außerdem war das kleine Cavital, das er zu der Ankaufssumme für die Mine beisteuern mußte, auch sein ganzes Vermögen, womit er in aller Eile in Nevada r:n reicher Mann hatte werden wollen. So traf ihn der durch die beiden Gauner erwachsene Verlust doppelt hart, und als er mit Herrn Sbort die Spelunke betrat und dort die Beiden seelenvergnügt ihre Pläne für die näckste Zukunft bespre chen hörte, da erfaßte ihn milder Grimm und er zog seinen Revolver. Noch schneller indeß, hatte Jim BlackWood den seinigen bei der Hand. Ein Blitz, ein Knall, und der junge Mann lag in seinem Blute auf den Sägespähnen des Old Crow Saloons. Doch im selben Moment auch hatte den Mörder schon die Vergeltung ereilt, denn von einer Kugel des ic trej-

senden Herr Short ereilt, PürZte er todt zu Boden.

Und als am nächsten Tage me alten Settler" von No Rest Jim begruben unter jenem kleinen Hügel, da machte der Humorist unter ihnen, der einst Schauspieler im Variety Theater gewesen war, den Vorschlag, aus allgemeine Kosten dem Todten den tiefsinnigen Denkspruch als Leichenrede zu widmen: Death loves a minins Sliark, Tcr erste Erfolg. Paul Grünccke, Landschaftsmaler mit und ohne Staffage, hatte auf der letzten Internationalen" seinen ersten Erfolg erzielt, und damit, wie er selbst sagte, seinen Ruhm begründet. Wenn nun auch doshafte Kollegen behaupteten, daß an ihm jenes populäre Sprichwort von dem vom Schicksal bevorzugten Bauern zur Wahrheit würde, so war es doch nicht zu leugnen, er hatte es in relativ kur zer Zeit zu etwa- gebracht. Grünecke gehörte der Landschafter. Schule einer mitteldeutschen Kunst stadt an. Die Folge einer heimlichen Liebe mochte es sein, daß sich sein Stre ben frühzeitig auf das Fertige" richfcte. Was cr auch malte, ein Bild oder Bildchen machteer draus. Dafür hieß er auch der Bildermacher" unter College. Rahmen konnte er sich leisten, denn er hatte die Mittel dazu. So war es ihm schon nach wenigen Jahren des Studiums möglich, erst. malig ein reiferes Bild: Landschaft am Abend" niederträchtige Collegen nannten es Rahmen mit Landschaft" nach der großen Ausstellung in der Landeshauptstadt senden zu können. War die unbeanstandete Aufnahme diese? Bildes schließlich ne Folge fleißigen Strebens, so war es doch ent schiedenes Glück, daß dieses selbe Bild nach kaum einmonatlicher Eröffnung der Ausstellung verkauft" wurde. Verkauft zu dem geforderten Preise von 1500 Mark. Grünecke war geneigt zu zweifeln. Aber da lag es ja vor ihm, das bedeutungsvolle Telegramm. Ver kauft! Ohne Handeln?! Schüchtern hatte er seiner Zeit diesen Preis ange setzt, in der sicheren Voraussetzung, daß er so viel nie bekommen werde. Nun war's aber doch! Cr war also gemacht?! Moderner Meister, berühmter Name und was alles jubelte es ihm in übersprudelnder Freude durch den Kopf. Natürlich ein Telegramm a die Eltern. Dann zur Geliebten; zur heimlichen. Jetzt wollte er sich aber verloben. Mochten die Eltern einwenden, was sie wollten; er hatte jetzt einen Namen und er verlobte sich. Die Eltern waren dagegen, doch es half nichts mehr, eS war gemacht. Die Collegen bekamen ein Festessen. Es war Spätherbst. Grünecke war Sommer über gereist. In der Aus ftellung war es auch gewesen. Er hatte eS selbst gelesen, das schwerwiegende Verkauft." Dann hatte er Abschied genommen von seinem ersten Bild. Mit Studien überladen kehrte er in's Elternhaus zurück. Nicht allein! Seine Braut war mit ihm, die Krone seines Erfolges, wie er sie nannte! Seinen Eltern wollte cr sie zuführen. In heller Glückseligkeit begrüßte er die Seinen. Ja, aber was war denn das?! Dort im Wohnzimmer, direkt über dem Sopha, da hing ja seine Landschaft am Abend", sein erstes Bild? Wahr, haftig! ES hing dort! Grünecke'S Vater hatte sich'S nicht versagen können, auf der Durchreise die Ausstellung zu besuchen und seinem Paul heimlich die Freude" zu bereiten. Er hatte die Landschaft gekauft, er konnte das! War es doch für seinen Sohn! Grünccke war zerschmettert. Cr hatte an sein Können geglaubt. Wenn das die Collegen erführen! Schließlich raffte er sich auf. Eines hatte er doch durch sein erstes Bild erreicht, seine Verlobung. die war sein Glück und für den Bilder kaufen den Vater ein Denkzettel! Für Geist und Gcmüth. , , Lern dich bescheiden; Dann, was auch schiede, Bleibt dir der Friede. Hast Du den Stundenlauf bedacht? Bedacht der Tage Wandern? Der Morgen, der Dir Freud' gebracht, Bracht' tiefe Trauer andern. Und ist Dir dieses erst bewußt. So wirst Du bald verstehen: Der Tag, der andern brachte Lust, Muß Dir im Leid vergehen. O. d i e s e K i n d e r. Gast: Welch' ein. außerordentlich schmackhaftes Mittagsmahl, meine gnädige Frau so etwas bekomme ich nicht oft. Karlchen: Wir auch nicht! Mißver stände n. Tochter (aus einem Romane vorlesend): Da erschien der Graf und der so mutlziae Stanislaus floh. . Mutter (schwerhörig): Pfui, was erschien? Ein Floh oder eine Laus! Angenehm Aussicht. Theat??di?ectc? zun. Dichter: Hono. rar kann ich Ihnen für die Ausführung Ihres Stückes nicht zahlen; Sie können jedoch Schmerzensgeld von denjenigen beanspruchcn. die Sie nachher verhauen!" Zur Uebung. Tochter: Papa, findest Du es nicht häßlich, die Hände immer in denTaschen zu haben. Bater: Nein, mein Kind, ich übe mich nur! Tochter: Worin übst Du Dich denn? Vater: Na, wennDu erst derheirathet bist, dann werde ich ja doch immer die Hände in den Taschen haben müssen. - - - -

EU.fl no Ml. Von Mvx Hauöhofer.

i O Tannenduft und Waldesrauschen! Wie wunderbar einsam war's in diesem Thale vor vierzig Jahren! Wie glänzte der Sonnenschein auf das endlos sich dehnende Waldgelande! Wie schmetterten der Kuckuck und die Walddrossel ihren Ruf durch die Einsamkeit! Wie spannen und woben die Märchen und Sagen ihren schimmernden Zauber durch die hundertjährigen Stämme hin! Am frühen Morgen fah man die Füßchen von Elfen im Thau sich abzeichnen, und am Abend, wenn die Sonne fank, gab's ein tausendstimmiges Schwirren und Singen km heiligen Waldtempel; und was tausendjährige Poesie geschaffen hatte, klang und sprach durcheinander, huschte durch die Schatten der Baumkronen und spielte in den letzten Lichtern des Tages! Die glucksenden, gurgelnden Wellchen des Waldbaches hielten Zwiespräche mit demSäuseln der Erlen am Uferrand; unter dem Wurzelwerke des Hohlweges saßen kleine braune Zwerge rnd rauchten aus Thonpfeifchen einen köstlichen Tabak, den nur sie aus den Kräutern desWaldes zu bereiten wußten. Und dieselben Zwerge krochen durch die hohen nickenden Farnkräuter und suchten sich feine Pilze alsWintervorrath in ihre Felshöhlen zusammen; sie schleppten kleine Bütten voll Bromkeer?n in ik Keller, um Mein daraus i zu keltern, und kämpften mit den Eichhornchen um die köstliche Frucht der Haselnußstaude. Ja schön war's da mals im Walde! Ab nd zu kam wohl einmal ein mit vier holsteiner Hengsten bespannter Frachtwagen die stille Straße daher, und der Fuhrmann im blauen Kittel ließ seine Peitsche knallen: aber das störte nicht die Ruhe des Waldes; die Rehe blieben in kleiner Entfernung stehen und schauten mit großen glanzenden Augen dem Fuhr werk nach. Zu tiefst im Waldgrund, wo die Straße sich gabelt, stand eine uralte Mühle, die zugleich Herberge war. Ue ber dem Fachwerk des Erdgeschosses erhob sich ein Stockwerk aus grauem Holze und über diesem ein hohes Dach, mit goldgrünem Moose bewachsen. Ein grüner Kranz hing über derHaus thüre, zum Zeichen, daß ein hungriger und durstiger Gast hier Einkehr halten könne. Und haneben an einem niedrigeren Seitenbau drehte sich ein mächtiges altersschwarzes Mühlrad, von dessen Speichen und Schaufeln krystallene Tropfen sprühten. Nach Norden und Süden und nach Westen und Osten war meilenweit von diesem Hause nichts als tiefe, stille Waldeinsamkeit. Was an Gästen zu diesem Hause kam und es waren we nige genug das kam zu Fuß gegangen. Ab und zu einmal ein HandWerksbursche mit seinem Tornister auf dem Rucken, oder m der Ferienzeit ein wandernder Student, vielleicht auch manchmal ein Hausierer mit seinem Holzkasten, ein Jäger mit seinem Hunde oder ein paar Waldarbeiter. Aus der Laube, die neben der Haus thüre an der Mauer des Hauses stand, schaute an Sommertagen, vom Blat terwerke wilden Weins umrankt, die blonde Kuni. des Wirthes Töchterlein, nach Gästen aus. Jeder, der da kam, konnte eines freundlichen Lächelns, eines herzlichen Grußes sicher sein. Flink wie ein Reh war sie, die Kuni, wenn es galt, die Gäste zu bedienen. Und was es im Hause gab: es war nicht viel, aber gut und echt und wohl feil. Wer einen Thaler in der Tasche trug, konnte dafür in diesemHause wie ein Fürst eine Woche lang leben; er schlief auf schneeweißen Linnen und erhielt Huhner und Forellen, mehr, als der hungrigste Studentenmagen brauchte. Und wenn man ihm beim Abschied die kleinwinzige Zeche mit Kreide auf den Tisch herschrieb, ward er wohl noch gefragt, ob es ihm nicht zu theuer sei. An einem schönen bend, gerad am Sonnwendtage war's, als ein müder. staubiger Wanderer die Straße daher geschritten kam. Es war ein junger Mensch, Remhart mit Namen, m stad tischem Gewände, mit einem dürftigen Ranzlem auf dem Rucken. SeinSchnt war müd und schleppend geworden; denn er war am frühen Morgen von seinem letzten Nachtquartier aufgebro chen.und einSommertag, auf derLand straße zugebracht, ist lang. Vor der Waldherberge blieb der Wanderer stehen und überlegte. Er hatte noch ein Stück Brot von seiner Mittagsmahlzeit in der Tasche; mit diesemBrote und einem frischen Trunk aus dem Mllhlbach hätte er sein leibUches Dasein wohl gefristet bis zum nächsten Morgen. Auch sah er auf der Straße eine Heuhütte stehen, in der er mit seinen müden Gliedern wohl eine Unterkunft gefunden hätte unentgcldlich. Er fühlte in die Tasche, nach dem Säckchen, das seine kleine Barschaft barg und schon, war er entschlössen, das Brot zu seinem Nachtmahl und das Heuhüttchen zu seinem Nachtlager zu machen. Da fiel sein Blick auf das lächelnde Gesicht der Kuni hinter dem Weinlaub, und er lenkte seine Schritte der Herberge zu. Als er dann auf der Bank vor dem Hause saß und seine müden Beine von sich streckte, und als die Kuni ihm ein Fläschchen sauren, aber reinen Landwein und einen Teller mit kaltem Flei sche hinstellte: da war dem armenMenschen, als wäre er im Paradiese. Und so war ihm auch noch lange Wochen nachher als. er zum dauernden . Gaste des Hauses geworden war. Droben im Dachstübchen stand sein Bett; unten an dem Tische neben der Hausthüre war sein Standquartier. Da saß er be! seinen einfachen Mahlzeiten und verkehr1a freundlich und weltgewandt mit den b und zu kommenden, Gästen. Moch-

en eS nun Fuhrleute lern oder Jäger,

Handwerksburschen oder Holzschläger oder Hausierer: er wußte mit allen zu reden, was sie anging. Es war ein icltsames Gewerbe, das er trieb. Sein ganzes Handwerkzeug war ein kleines, graues Buch mit vieen leeren Blattern, ein Tintenfaßchen, euZ Horn gedrechselt, und eine Feder. Mit diesem Handwerkszeug saß er in der Laube des Hauses, und er schrieb und schrieb rastlos und unermüdlich in das Buch.. Er schrieb die lustigen und ernsten Erlebnisse, die er dann und wann von den Gästen der Herberge erz'.m horte; und wenn gerade kem Gast kam, der was Schreibenswerthes erzählte, so lief Herr Reinhart in den Wald hinein und schrieb dann nieder, was er aus dem leise klingendenWaldquell erlauschte, aus dem Rascheln des Laubes und aus dem Kuckuckschrel. Und je mehr Sommertage dahingingen. um so mehr füllte sich das kleme graue Buch mit beschriebenenBlättern, mitGeschichten aus der einsamen wunvcrbaren Tiefe des Waldes. Da war kein Waldsteig und kein Brückchen, kein Waldweiher und keine Wiesenhalde mehr, die mcht irgend etwas Trautes und Geheimnißvolles in das Buch hiningetraumt hatten. Was im VollMondschein auf der Landstraße geisiert, was in verfallenen Waldhütten und um verlassene Kohlenmeier mit Lauten aus längstvs?gangenen Zeiten flüstert, was an Schatten über die Kreuzwege huscht und hinter eingesunkenen Wegsaulen kauert: der ganze deutsche Wald mit seinem Märchen zauber spiegelte sich in diesem Buche. An den stillen, langen Sommer Nachmittagen, wenn gerade kein Gast zu bedienen war, saß Reinhart mit Kuni zusammen. Dann bat sie ihn, er möge ihr das letzte vorlesen, was rn das Buch geschrieben war. Und Reinhart las und sah dabei die Auge des Mädchens leuchtend auf feinGesicht gerichtet. Dieses Leuchten, nachdem es tagelang aus ihren Augen gekommen war, entzündete ein gleiches Leuchten tief innen in seiner Seele; und der Zauber des Waldes, der so viele Goldfäden spann, wußte auch diese beiden jungen Leute mit seinen Goldfäden zu umweben, daß sie Welt und Zukunft fast vergessen hätten. rsr w vt emaye.. )ocy neinyart war em ehrliches Herz und ein hochfliegender Geist dazu. Er wollte kein Weib heimführen, ehe er im stände war, ihr ein Heim und eine geordnete Stellung unter den Menschen anzubieten. Und das mußte erkämpft werden aber nicht hier zwischen den Märchen des Waldes, sondern fern im schwirrenden Treiben der Städte. So kam denn die schmerzliche Stunde, wo es galt. Abschied zu nehmen von der stillen Herberge am rauschenden Mühlbach und von der blondhaariaen Tochter des Hochwalds. O es war hart, unsäglich hart für die beiden! Waren sie nicht so tapfere Herzen gewesen: sie hatten es mcht ver wunden. Aber sie verwanden eS doch. Und eines Tages trat Rein hart mit seinem Ränzchen auf dem Rücken vor den Müller hin und sagte dem Alten, es ginge jetzt ans Abschiednehmen, und bat, ihm seine Zechschuld zu sagen. Neun Thaler betrug diese Schuld, und sieben Thaler warenRein harts ganzes Bermögen. Die legte er dem Wirthe hin; und einen achtenThaler, den er an seiner Uhrkette hangen hatte, wollte er von derselben losmachen und auch, dazu legen. Und was den neunten Thaler beträfe, so möge der Wirth mit der Bezahlung warten bis Reinhart nach Leipzig gewandert sei, um dort das Buch, das er in der Waldberberae aeschneben. an einen Buchhändler zu verkaufen. Dann wer de der Thaler geschickt werden. Der Müller hatte ein Herz im Leibe. Fünf Thaler nahm er nur; die anderen vier lieh er dem Wanderer auf fein ehrliches Gesicht hin, ohne Schein und Brief.' Dann schüttelte er dem Scheidenden die Hand und ging in seine Müble. Reinbart aber trat an die Laube hin. wo Kuni saß. über eineNä herei gebeugt, auf welche heiße Tropfen aus ihren Augen fielen. Kuni " fagte Reinhart leise, und es war das erstemal, daß er Du zu ihr sagte willst Du mir ein Jahr lang die Treue halten?" Ein Leben lang!" antwortete Kuni mit nassen Augen. Behüt Dich Gott, Du Lieber. Du Guter! Ich wart' auf Dich im Walde, magst Du früh kommen oder spät!" Und so schieden sie und wußten nicht, wie schwer das Warten ist und das Treusein, wenn die Jahre dahinrollen und das Leben verrauscht! Und die Jahre rollten dahin, erst eines, dann wurden zehn daraus und endlich dreißig und vierzig. Die Ber-g-lngenheit versank in das Meer der Erinnerung und die-Gegenwart kam herangebraust, und nun umfängt uns das Heute mit seinem kühlen Licht und seinem rastlosen Treiben. Nun sitzen wir nicht mehr zwischen den Goldfäden des Waldeszaubers, sondern zwischen denDrahtfäden der Telephonnetze, und statt auf grünen Moospolstern dehnen unsere Glieder sich auf den Plüschpolstern des dahinstürmenden BahnzugeS! So denkt mit wehmüthigem Lächeln auf den feinen Lippen ein alter Herr, der aus dem dröhnenden Eisenbahnwagen in eine Waldlandschaft hinausschaut, die er seit vierzig Jahren nicht mehr gesehen hat. Gott sei TXnk denkt er dieser herrliche Wald ist heute noch wie einst! An seinem Harzduft und an seiner himmlischen Einsamkeit. hat die Gegenwart nichts-ver-dorben! An einer kleinen Bahnstation, die auf halber Höhe des waldigen Hügelzuges liegt, entsteigt er dem hetßenWa gen. Er athmet aus, roie er fttht) da er der einzige Passagier ist. der hier amta NerBabndof ist niSt hübsü!

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tUUytktiib WMlVlUMVtyW U weiter gleißender Kiesfläche. Hier war einst eineWaldwiefe, von riesigen Tan nen umstanden. O. wie es da ach dem harzigen Duft roch damals, vor vierzig Jahren! Jetzt riecht es ein we nig nach dem Qualm der Lokomotive. So denkt der alte Herr und beeilt ich, aus dem Bereiche der Station zukommen. Hinter dem Stationshauschen sieht er einen mit den Landesfarben hübsch bemalten Wegweiser mit der Aufschrift: Zum Hotel Waldhaus. Der Wanderer stutzt: aber er saßt sich wieder. Der Weg zur Waldmuhle muß zur Linken steil abwärts führen und dieses Sträßlein nein, das führt nach rechts! Und getröstet schlag: der Wanderer einen Fußpfad ein, der ihn nach links steil hinunter führt. Nun fühlt er sich wieder auf bekanntem Boden. Ja das ist derselbe schone Wald, wie damals, dieselben Edeltannen und die silbergrauen Buchenstämme! Und jetzt jetzt muß er gleich an jenen prächtigenWaldquell kommen, der so wunder bar heimlich aus den Felsen sprudelt und heimliche Märchen singt! Aber was ist das? O pfui! Der alte Herr betritt plötzlich welßgeneßten Boden und vor sich sieht er den lieben alten Quell doch in welchem Zustande! Aus einem geschmacklosen Löwenkopfe von Zinkguß lauft ein Wasserfaden und darüber steht auf einem Metalltäfelchen: Waldquell. Und zwei Tafeln mit Polizeiverboten erinnern daran, daß hier weder Rad gefahren noch vom Wege abgewichen, auch kein Baum und Strauch beschädigt werden darf! Dafür steht da eine hübsche, ganz neu mit Ockerfarbe gestrichene Bank. Höchst indignirt geht der alte Herr auf dem nun prächtig gehaltenen Wege noch einige Schritte weiter. Nun muß jene Wegecke kommen, wo man zum ersten Male die Waldmühle sieht! Aber da ist wieder ein buntbemalter Wegweiser mit der Aufschrift: Hotel. Und unten im Thale jenseits des BacheS o Schmerz und Schmach: Wo die alte moosbewachsene Mühle gestanden hatte, da steht ein vierstöckiges Hotel ein öder azarakterloser Neubau, von welchem eine hohe Fahne heruntersimpelt; und wo einst die krystallenen Tropfen vom Rade gesprüht hatten, steht eine Veranda mit weiß und rothen Vorhängen, in welcher ein Kellner Kaffee serviert! Thränen möchten dem alten Herrn Reinhart ist sein Name in die Augen treten. Aber er bezwingt sich; ein Lächeln schmerzlichen Spottes tritt auf sein Gesicht und er murmelt: O du liebe alte Mühle! Vierzig Jahre ja freilich! Da kann wohl vieles enders werden! Zögernd geht er weiter. Vor dem Hotel betritt .er einen sauber bekiesten. Platz. Immer langsamer wird sein Schritt; er nimmt die Miene eines gleichgültigen Spaziergängers an und betrachtet die Oleanderbäume, die rechts und links vom Eingang ins Hotel stehen. Nun erscheint auf dem Teppich, der aus dem Flur bis über die Stufen vor dem Hause sich herabsieht, eine weibliche Gestalt, groß, schwerfällig und umfangreich, mit etwas verdicktem Halse und strengem Blick. Sie trägt ein getupftesSeidenkleid, dazu in einerHand einen Schlüsselbund, in der anderen ein Schildkrot-Lorgnon. Ein Fußgänger!" denkt sich die stattliche Matrone und blickt mit strenger Herablassung auf den Wanderer nieder. Dieser geht weiter, über die Brücke zurück. Dort ist ein Gärtnergehilfebeschäftigt, junge Bäumchen an Stangen zu binden. Er grüßt den alten Herrn. Derselbe faßt sich ein Herz und fragt den Gärtnergehilfen: Ist das die Wirthin? Die Dame im Seidenkleid?" Der Bursche wirft einen schrägen Blick nach dem Hotel hinüber. Freilich ist's die Wirthin! Die gestrenge Frau Kuni!" Und der Wirth, ihr Mann, ist er auch im Hause?" Freilich ist er im Hause! Aber Herr ist er nicht; Herr ist sie. Das ist ein scharfes Weibsstück; die versteht's !" Gesenkten Hauptes wandert der alte Herr weiter. O Kuni!" murmelt er. Kuni einst und jetzt!" Die saubere Wurst. Frau: Die Wurst ist doch ganz frisch' und sauber?" Fleischer: Nu, nadierlich. Madamchen! Sie kommt ja doch direct vom Schwein!" Im Liebeseifer. Junger Graf: Erlangen Sie von mir, was Sie wollen, mein Fräulein, ich bin ihr Sklave. ' Balleteuse: Dann schenken Sie mir eine Halskette. Graf: Wie gütig Sie sind, liebes Fräulein, ich bin ihr Sklave und Sie wollen die Ketten tragen. Schnell entschlossen.Hübsche junge Dame (zum Stadtrei senden, der seine Kleidermuster ausgebreitet hat): Zeigen Sie mir. bitte rmr ganz solide Muster! Stadtreisender (sich in die Brust werfend): W8 meinen Sie zu mir, mein Fräu. lein? Versichere Sie: Muster von Solidität !" Verfängliche Frage. Hr Oberst, ich bitte dringend, zu verbieten JhrenOsfizieren dasHazardspiel. Mein Sohn, der Lieutenant der Reserve, der ist, eingezogen zu einer vierwöchentlichen Uebung bei Ihrem Regiment, hat verloren gestern im Spiel bare 3000 Mark!" Ich bin Ihnen für dieseMittheilung sehr dank. bar. werde die Sache streng untersuchen und die Schuldigen zur Verantvortung ziehen... Aber sagen Sie mir 'mal ganz aufrichtig. Herr Com rnerzienrath: Würden Sie auch dann zu mir aekommen sein, wenn Ihr Herr Eobn Markewsnnen