Indiana Tribüne, Volume 19, Number 309, Indianapolis, Marion County, 26 July 1896 — Page 6

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Aaröcn in vcx goisette. Eines der künstlerisch schönsten Mo mente in der Toilette der Frau bleibt dasjenige der Farbe. Farben und Forneu sind die Vokale und Konsonanten in der stummen Sprache der Schöpfung genannt worden, die ihre Vereinigung im Lichte finden, das uns die Formen erkennen, die Farben unterscheiden läßt. Von welchem Einfluß sie überall in Natur und Kunst sind, ist bekannt es sind die Farben, die Italien seinen Zauber geben, und von denen im Leben jedes einzelnen so viel von seinem Behagen, seinerStimmung und seinem Wesen abhängt. Ohne von den besonderen.häufig ganz lokalenBedeutungen zu sprechen, welche von den verschiedenen Völkern gegeben worden sind,steht zunächst fest, daß die Farbe ßewijie Sympathien und Harmonien in uns erweckt und nicht ohne Zusammenhang mit unseren Neigungen, Eioenschaften und Leidenschaften ist. Darum sind es auch die Frauen, welche den Farben ein ganz besonderes Interesse entgegenbringen, ein viel großes als die Männer, und von diesem Interesse wurde, wie es eine Sprache der Blumen gibt, von jeher eine gewisse Farbensymbolik getrieben. So ist es auch ausschließlich die Frauentoilette, für welche die Farbe ganz besonders von Werth ist. Während bei den pri.itiven Völkern ihre Herrschaft eine ganz unbeschränkte ist und der Wilde, vielleicht weil er sich zu einfarbig findet, seinen Körper durch die Tättowirung verschönern will, und wir den Marokkaner, den Neger, den Jndier und Araber sich so bunt als möglich schmücken sehen, wird in demselben Maße, als Bildung und Zivilisation sich derbreiten, die Farbe der Frau überlassen. Von vielem Interesse ist es, zu beobachten, wie abgesehen von dem individuellen Jdeenkreis desMenschen die Farbenempfindungen bei den einzelnen Völkern zunächst schon auseinandergehen. In Indien und dem südlichen China, wo die Menschen dunkel gefärbt sind, gilt entgegengesetzt zu der schwarzen, wie bei uns, die weiße Farbe als Farbe der Trauer. Und doch liegt dieser Wahl zweifellos ganz dieselbe Empfindung zu Grunde, die uns bei unserer Trauerfarbe leitet: es liegt ein Wehgefühl fürs Auge in dem grellen Kontrast der schwarzen Haut und der weißen Gewänder, in der Farbe der. Nacht und der weißen Haut des Europäers. Vielleicht ist es auch ein instinktives Gefühl, das die Farblosigkeit sucht und eine solche in dem Schwarz und dem Weiß findet, die nach optischer Auffassung Farben nicht sind, indem das eine alle Farben absorbirt, das andere dieselbe nur vollständig zurückstrahlt. Ohne Zweifel ist eine Farbe an sich von geringem Werth, und eine künstlerische Bedeutag kann sie erst durch ihr Verhältniß zu einer anderen, durch ihren Kontrast oder ihre Harmonie mit derselben erhalten. Alle zwischen den beiden Extremen Schwarz und Weiß liegenden Farben, deren jede in der Aesthetik der Farbe ihren eigenthümlichen Charakter und Ausdruck hat. werden nun heller durch eine Mischung von Weiß, düsterer durch Verbindung mit Schwarz erscheinen. Dieser eigenthümliche Charakter.sozusageneine individuelleSprache, ist nicht ohne Poesie. Das reine Schwarz kennen wir als die Farbe des spanischen Granden, wo es als Vorrecht des Standes, als Symbol von Charakter und Stolz auftritt, wir sehen es in dem Gewände des Priesters, das Entsagung und Würde ausdrükken und christliche Demuth andeuten will. Das Gelb ist der Zauber des Lichts und derSonne; man kann wohl verstehen, daß die Chinesen es als die schönste der Farben preisen. Ohne Gelb gäbe es keinen prächtigen, schimmernden Eindruck. In der Mischung mit Schwarz giebt es jene mystische, leidenschaftliche Kolorit, wie es jene Lander mit heißer Sonne und starken Effekten vor allem lieben: es kleidet die Nubierin und Araberin und harmonirt in hohem Maße mit derSchönbeit der Spanierin. Das Roth ist bei allenVölkern der Welt beliebt. In derselben Entfernung von Weiß und Gelb wie von Blau und Schwarz, ist es Mittel - Konzentrationspunkt der Elementarfarben, in welchem sich die untergehende Sonne und der dämnierndeMorgen begegnen und vermählen. Mit ihm erhöht die Natur ihre glänzendsten Wirkungen, und die schönsten Blumen gehören ihm an. In der Mitte zwischen der Lebhaftigkeit beller Farbentöne und der Ruhe dunkUz und gesättigter, vermittelt es den Eindruck von Würde und Reichthum, und wo immer wir ihm begegnen, ob in den Gewändern mittelalterlicher Richter, in dem Festkleide der Kirchenfüisten, den Militäruniformen oder in der Toilette der Frauen, überall entspricht es dem Bewußtsein von Stolz und Bedeutung. Der Ausdruck des Blau ist derjenige der Reinheit.. An diese Farbe eine Vorstellung von Triumph und Maßlosigkeit zu knüpfen, wäre unmöglich. Es ist eine verschwiegene, ideale Farbe, eine liebliche Erinnerung an den unerreichbaren Aether oder an die schöne Klarheit des unbewezten Meeres und die Lieblingsfarbe junger Mädchen. Es giebt keine andere Farbe, die dem Weiß so nahe kommt als das helle Blau. Die Komplementärfarbe desBlau, das Orange, entspricht ganz anderen Vorstellungen und Empfindungen. Ein Gemisch von Glanz und Gluth.Gelb und Roth, ist es eine der wunderbarsten FarbenMischungen, in der Toilette der Frau ind-.jsen zweifellos die Farbe, welche die größte Mäßigung gebietet, weil in ihrem Ausdruck ein Charakter von Herbheit liegt, der unwillkürlich an die Frucht gemahnt, der sie ihren Namen dankt.

llt-Aerlm. Von den vielen Sonderveranstaltagen, die Berlins große Gewerbeausstellung im Gefolge hat, ist mit dieser selbst keine so innig und eng verknüpft wie Alt - Berlin; sie gewährt gleichsam das historische Rückgrat der ganzen Ausstellung, hier steht die Wiege des gewaltigen Unternehmens, das Neu - Berlin als ein Zeicben seiner Weltstadtherrlichkeit aufgerichtet hat. Alt - Berlin, ein Werk des Architekten Karl Hoffacker ist eine malerisches Abbild einer mittelalterlichen Stadt, welches in diesem Umfange, in dieser künstlerischen Durchführung bisher auf keiner Ausstellung geboten wurde. Schon von fernher grüßen die Thürme. die Zinnen, die Erker und dieGiebel den Besuche? der Ausstellung. Eine hölzerne Brücke führt über eine Ausbuchtung des Karpfenteichs in das Spandauer Außenthor. Ueber diese Brücke zoo, dereinst der weise und ehrenfeste" Berliner Rathsherr Nikolaus Wtes zum Kampfe gegen die bösen Quiows. dieses gothische Thor es stand in der Gegend der heutigen Garnisonkirche verschlossen dereinst die Berliner in märkischem Bürgertrotze ihrem Landesherrn, dem Eisenzahn. Trotzig reckt sich links der plumpe, tun de Spandauer Thorthurm empor, ein Luginsland gegen den vom Spandauer Heerweg (Öranienburger Straße) andringenden Feind. Durch das Innenthor betritt der Besucher das BerSpandauer Thor. lin von 1650 und zwar die Spandauer - Straße, eine der ältesten Verkehrscdern Berlins, welche im 13. Jahrhundert angelegt wurde. Die rechts gelegene Brauerei zum Heiligen Geiste" ladet zu einem kühlen Trunke ein. Neben der Brauerei steht die Heilige Geistkirche. In ihremSchatten lag einst das gleichnamige Hospital, eine Stiftung' werkihätiger Frömmigkeit, die 1272 zuerst urkundlich erwähnt toitd. Der Heilige Geist ist nach der Schrift der Tröster für alles Leid und der Erretter von allem Elend dieser Welt ; so widmete man ihm die milden Stiftungen, welche die Mühseligen und Beladenen. die Elenden, die Heimathlosen und die Kranken aufnehmen sollten. Die Braugerechtsame war eineEinnahmequelle für den Armenhof zum Heiligen Geists; daher hat die Nachbarschaft von Brauerei und Kirche eine historische Berechtigung. Die Heilige Geistkirche ist namentlich in ihrer Giebelseite ein interessanter gothischer Bau aus dem 13. Jahrhundert. An der Ecke der Spandauer und Georgen (Königs-) Straße steht das alte Berliner Rathhaus, dessen Thurm Heilige Geist - Kirche. mit einer Zwiebelhaube gekrönt ist. Dasselbe wurde in den Jahren 1260 1270 errichtet, zu welcher Zeit die Gegend der Klosterstraße, Konigstraße und der Neue Markt bebau! wurde. Von diesem alten Nathhausöau rettete sich in das 17. Jahrhundert im wesentlichen nur die Gerichtslaube, das merkwürdigste Denkmal bürgerlicher Baukunst aus dem alten Berlin, welches in der Ausstellung getreu nach dem Original nachgebildet worden ist und für die Besucher derselben einen Hauptanziehungspunkt bilden dürfte. Das untere Geschoß derGerichtslaub: bildet eine offene Halle, die von einem Kreuzgewölbe überspannt wird. Die gedrungene Mittelsäule zeigt ein merkwürdiges Sandsteinrelief, eine Symbolisirung der menschlichen Leidenschaften in Thiergestalten. Ein Affe versinnbildlicht die Sinnenlust, in Adler die Raubsucht, zwei Schwer-ne-die Genußsucht und den thierischen Sinn, zweiHarpyien mit schlangenumwundenen Leibern den Haß und den Mord. An di'.sen Säulen saßen im Mittelalter die Schöffen zu Gericht, um über die Leidenschaften zu urtheilen, welche die Menschen zu Thieren erniedrigen. An dem äußeren Strebepfeiler der Gerichtslaube befindet sich eine andere interessante Sculptur. der sogenannte Kaak", das aus Thonerde gebrannte Spott- und Prangerbild. Es ist ein sitzender Vogel mit Menschenkopf und langen spitzen Ohren. Unter diesem Svottbild wurden die Verbrecher ausgestellt; das Halseisen an derKette unter demselben diente zu ihrer Fesselung. ' Aus räumlichen und financiellen .Gründen mußte in der Decorationsstobt auf die übrigen historischen Gedaude deZ alten Berlins verzichtet weriden. So fehlen die Nikolaikirche, daS kälteste GotteshausBerlins. die in edel'ster Gotik gehaltene Klosterkirche, soYot die Marienkirche; auch die Petri-

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kirche, der alte Dom auf dem Schloßplatz und das kurfürstliche Schloß konnten nicht berücksichtigt werden, ferner nicht die Lange (Kurfürsten-) Brücke und der Mühlendamm, die uralte Uebergangsstelle über die Spree. Das Berlin von 1650 umfaßte das

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Georgen st raße. Herz der heutigen Weltstadt; es hatte ca. sechstausend Einwohner. Sein Weichbild wurde auf BerlinischerSeite durch die jetzige Neue Friedrichstraße begrenzt; Alt - Köln umfaßte die Spreeinsel südlich der Schwesterstadt Alt - Berlin. Die Hoffackersche Decorationsstadt beschränkt sich im Wesentlichen auf die mittelalterlichen Hauptverkehrsadern, die Spandauer und die Georgen- (Kö-nigs-) Straße. Auch diese entsprechen in ihrem Laufe nicht ganz der historischen Topographie, da auf die Erhaltung des Baumbestandes im Treptower Park, sowie auf die praktischen Bedürfnisse Rücksicht genommen werden mußte. So ist Alt - Berlin im Großen und Ganzen ein Erzeugniß der schöpferischen Phantasie des Baukünstlers, welche, angeregt und geleitet durch die Vorbilder anderer märkischer Städte, in denen Spitzhacke und Meißel die steinernen Spuren der Vergangenheit nicht so unerbittlich vertilgt haben, wie dies in Berlin geschehen ist, ein überaus malerisches Gesammtbild einer märkischen Kleinstadt um die Mitte des 17. Jahrhunderts geschaffen hat. Die Häuser sind Back-stein-, Fachwerk- und Holzbauten; sie geben ein anziehendes Bild von den traulichen Wohnstätten unserer Voreltern. Die Winkel und Winkelchen, die niedrigen Zimmer, die kleinen Fenster, die angeklebten Treppen spiegeln treulich die alte Zeit und ihre engen, beschränkten Verhältnisse wieder. R a t h h a u Z. Im Gegensatz zu ähnlichen decoratioen Schöpfungen sind die Häuser von Alt - Berlin nichHuu durch ihreFronten markirt, sondern es sind wirkliche Räume. Aeußerlich sieht Alles massiv aus, und das Rathhaus, die Kirche und die Stadtthore machen den Eindruck, als seien sie für die Ewigkeit gefügt. JnWirklichkeit sind nur dieDachziegel echt; das Mauerwerk mit den charakteristischen großen Zielsteinm ist nur ein Cementbewurf auf Rohrgeflecht. Sechzig Verkaufsläden bezw. Erfrischungsstätten haben dort Platz gefunden, und die Berliner von 1650 würden staunen, wenn sie das Leben und Treiben in ihren traulichenWohnstatten beobachten könnten; denn das historische Berlin bot um 1650 einen wenig erquicklichen Anblick in seinem Straßenleben. Aus dem Jahre 1614 bewahrt das städtische Archiv eine Kämmereikassenrechnung, auf der es beißt: Hans Schawe gibt vom Straßendamme vom St. Jürgenthor bis zur Klosterstraße, daß er daselbst mag Mist machen, auf Martini 1614 drei Thaler, und so fort jährlich solange er ljv i. J5W C2 SHaus am R a t h h a u s. den Straßendamm gebraucht." Fürwahr,, eine lieblich duftende Passage, welche den hochlöblichen Magistrat von 1614 in financiellen Dingen erleuchtete? als in ästhetischen erscheinen läßt ! Der Theil der Königsstraße, welcher in so einträglicher Weise zu? 5)ebung der Landwirthschaft verwendet würde, liegt in der Ausstellung beim Georgenthor. etwa bei der Wirthschaft zum Roland", in deren Halle Possenspieler und Bänkelsänger" sich hören lassen. Auch im Anfange der Regierung des Großen Kurfürsten, welcher Zeit die Hoffackersche Decorationsstadt angehört, sah es mit der Reinlichkeit in Berlin nicht besser aus. Die Straßen waren ungepflastert, abgesehen von den wenigen großen Steinen, jedenfalls Granitfindlingen, die in der Mitte des Dammes lagen und bei nassem Wetter gleich Rettungsinseln aus dem Morast emporragten. Vor jedem Hause lag ein Düngerhaufen, der erst bei der Bestellung der Felder entfernt r?urde und den die Ackerbürger aus landwirthschaftlichen Gründen nie ein-

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gehen ließen. Die Schweinesiälle lagen an der Straße der hölzernen oderFachWerkhäuser, sie waren durch den 30jährigen Krieg vielfach schadhaft geworden, u. nicht immer war ein göttlicher Eumäos vorhanden, der das edle Borstenvieh hütete. So konnte es vorkommen, daß ein Herr des edlen Rathes", der im feinen, eng an den Körper sich anschließenden Wams von holländischem Tuch, mit über den Rocb geschlagenem Linnenkragen, grauseidenen Strümpfen und derben Schuhen dem baufälligen Rathhause zuschritt, in sehr intime Berührung mit einem grunzenden Vierfüßler gerieth. Am 14. August 1660 erließ der GroßeKurfürst eine Berlinische Brunnen- und GcrssenordmlNJ," in der den Bürgern Sauberkeit auf den Straßen und sonstiges Wohlverhalten zur Pflicht gemacht wurde. Diese Gassenordnung enthält u. a. die drakonische Strafndrohung, daß jedem, welcher die Väume und Weinstöcke beschädige, die damals noch vor den Häusern standen, zum Abscheu für andere die Hand abgehauen sterben sollte. Wie schwer es

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Verbindungsstraße. war, die Berliner zur Sauberkeit zu erziehen, geht aus der Verordnung des Jahres 1671 hervor, in welcher der Fürst befahl, daß jeder Bauer, der mit einer Fuhre zur Stadt komme, auch eine Fuhre Straßenmüll mit zurücknehmen solle. Im Jahre 1676 finden wir Gassenmeister". welche mit Karren in den Straßen umherfuhren und klingelten,um dieBewohner zurHerbeischaffung des Gassenmülls zu veranlassen, 1684 führte der unermüdlich thätige Fürst besseres Pflaster" in Berlin ein und verordnete gleichzeitig, daß die Seiten der Georgenstraße (Königsstraße) ebenfalls gepflastert wurden. Bis dahin war nur ein Theil des Mitteldammes mit Steinen befestigt gewesen. Ein streng naturalistisches" Straßenbild Alt - Berlins vom Jahre 1650 würde somit für Auge und Nase weuig angenehm sein und könnte nur mit einem erheblichen Aufgebot von Säugethieren aus der Gattung Ku hergestellt werden. Hätte sich Meister HoffFischräucherei. acker dieses Naturalismus befleißigt, so wäre der Besuch von Alt - Terlin ohne lange Stiefel und ohne eine Nase, die an landwirtschaftliche Düfte gewohnt ist, nicht anzurathen gewesen. Das Leben und Treiben in der Ausstellung Alt - Berlin spielt sich in freundlicheren Formen ab. Die fünfhundert Angestellten der Ausstellung erscheinen im Costüm der Zeit, einMusikchor von dreißig Mann läßt auf historischen Instrumenten alte Weisen ertönen und löst sich in der Zeit von ein bis elf Uhr mit einem gleich starken Sängerchor ab. Auf demPlatze vor dem Rathhause finden Turniere und mittelalterlicheFeste statt, so daß des fr'öhlichen Jahrmarkttreibens bis in die Nacht hinein kein Ende sein wird. Uebereinkommen. h'. Q A.: Wie kommt es. daß Du seit neuerer Zeit wieder so lange im Wirthshaus bleibst? Was sagt denn Deine junge Frau dazu?" B.: 0, ich habe mit ihr einen sehr günstigen Vertrag geschlossen: Ich darj nämlich so lange im Wirthshaus bleiben, als sie zu Hause dichtet!" Selbstbewußt. Junge Dame: Mir träumte, ein schöner und kluger Mann reichte mir eine Rose." Herr: Und was sagten Sie darauf zu mir?" Herbe Kritik. Maler: Ich habe eben zwei Gemälde beendet, üder die ich gern Ihre Meinung hören möchte. Herr Doctor. Das eine Bild ist mein Vater, nach einer alten Photographie, das andere stellt Charlotte Eorday im Kerker dar." Kritiker (nach längerer Betrachtung): Sagl Sie, bitte, welches ist der Vater?" Aus der guten alten Zeit. Jnspicirender General: Wie kommt denn das, daß die eine Abthei lung so eine stramme Disciplin aufweist, während die andere fast gar nicht auf das Commando hört?" Hauptmann: Ja weischt dös sein I die Verheiratheten und dö andere dö Ledigen!"

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Zn dem Wuttderkandc der neuen Welt.

Es war Anfang der vierzigerJahre, ll!v .3 zuerst der amerikanische Forschungsreisende Stephens im tropischen Amerika, besonders in Fukatan, unter dem Urwald begraben, die Reste einer hohen, alten Eulss 4 mIVaI 4 StAWJk iui uuucuic, üüii ucicu Existenz vorher nichts oelannt gewesen. fete phens fand auf seinen Reisen in den Jahren 1839-1842 die Trum, mer von nickt weniger als 50 Städten mit qroßen, prunkvollen Tempeln und Palästen, Jb?. - nft hnn fSiinhrtin hrrn . V V l fc VV.VIft VV.l Fuß Länge, mit T steinernen Göt terbildern und Inschriften, Mj Alles in einem reichen, vhantastischenStil,völ. lig vergessen und Der Thurm. verschollen n der pfadlosen Wilonkß! 63 war plötzlich im tropischenAmerika ein Wunderland entdeckt, dessen Schätze denen des alten Egypten an die Seite gestellt werden konnten. Seitdem waren im Innern der Halbinsel Jukatan wenig Forschungreisende, und die Zahl de? Funde war kaum erheblich vermehrt wsrden. Das Reisen in jenen theilweise noch unbekannten und schwer zugänglichen Gegenden ist mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Man konnte wohl glauben, die noch vorhandenen Ruinenstädte des alten Culturvolkes seien sämmtlich gefunden. Jetzt auf einmal kommt eine neue, überraschende Kunde aus Zukatan. die geeignet ist, das Interesse der Palast von C h a c m u ! t u n. gesummten gebildeten Welt in Anspruch zu nehmen. Etwa hundert neue, bisher gänzlich unbekannte Ruinenstädte sind gefunden worden! Und der Forschungsreisende.dem der Ruhm gebührt, trotz allerSchwierigkeiten und Gefahren mit seltener Ausdauer und bewunderungswürdigem Geschick diese Ruinen an's Licht gezogen zu haben, ist ein Deutscher, der vormalige mezicanische Hauptmann in Diensten des Kaisers Maximilian. Theobert Maler, der, von deutschen Eltern stammend, der Staatsangehörigkeit nach Oesterreicher ist. Seit dem Jahre 1886 hat der kühne Forschungsreisende mit zäher Ausdauer jahrelang das Innere Juktans nach Ruinen durchsucht, und zwar abweichend von anderen .Reisenden, indem er sein Quartier an bestimmten Punkten für längere Zeit aufschlug und von dort die Umgegend burchforschte. ' Eine der von ihm neu aufgefundenen Ruinenstädte wird von den Eingeborenen Chacmultun (der rothe Steinhügel") genannt. Unter ihren Bauwerken findet sich ein Palast von strenger, einfacher Bauart.dessen Westfassade unsere Abbildung darstellt. Der Oberbau dieses Tempelpalastes, der uns zeigt, daß die alten Baukünstler auch verstanden, ohne jeden Prunk geschmackvoll zu bauen, ist leider ganzlich eingestürzt. Einen besonderen Reiz verleiht den Gebäuden an jenem Orte der Umstand, daß sie aus röthlichem, lachsfarbenen Kalkstein gebaut sind. Auf dem Bilde sehen wir noch die Spuren der üppigen tropischen Vegetation, die auf der Terrasse vor dem Gebäude und auf seinem eingestürzten oberen Stockwerk wuchert, und deren Entfernung nicht die geringste der zu überwindenden Schwierigkeiten bei der Durchforschung und Aufnahme der Ruinen darstellt.

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i i "V i ff-fffr j kmT Palast von Huntichmul. Reicher, aber auch recht geschmackvoll, ist die Fassade eines anderen Palastes, den Theobert Maler in der ebenfalls von ?hm neu entdeckten Ruiuenstadt Huntichr.iul aufgenommen hat. Die Baukunst jener alten Völker war, wie wir sehen, an verschiedenen Motiven keineswegs arm: hier ist die Form der Halbsäule in zierlicher Weise verwendet. Das Innere des 250 Fuß lamtri Gebäudes enthält nur vier Gemächer. der obere Theil ist leider wieder zerstört. Die schönsten und am reichsten mit Verzierungen geschmückten Bauten fand Maler in derGegend von Hochob. Unsere Abbildung stellt eine Tempel fassade aus jener Ruinenstätte dar, eine der prunkvollsten, die der Forscbunasreisende funden bat. Die bei aller Ueberladung mit Schnörkelwerk !

immer noch recht harmonisch wirkende Fassade zeigt uns die Blüthe der alten Baukunst und erinnert an indischen Geschmack.

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Das Glotzauge. Sind die bisher erwähnten Ruinen besonders durch ihren Baustil interessant, so ziehen zwei Denkmäler, die Theobert Maler in ganz öder, menschenleerer Wildniß am Rande einer Savana (Grasebene) entdeckte und die kein Auge eines civilisirten Menschen vorher gesehen, durch ihren ganz räthselhaften Charakter unsere Aufmerksamkeit auf sich. Es ist ein von uns dargestelltes Denkmal mit dem großen Gesicht (Das große Glotzauge" von den Eingeborenen genannt) und ein thurmartiger Bau. Die erstere Figur ist 6Z Meter hoch; sie war überall mit größtentheils abgefallenem röthlichen Stuck bedeckt. Ihr gegenüber. 33 Meter entfernt, steht der Thurm, von hohen und schmalen Fensterchen durchKrochen. Einige hervorragende Steine lassen erkennen, daß sie einst Figurenschmuck getragen haben. Auch der Thurm war ehemals mit rothem Stuck bekleidet. Außer einigen Trümmern in der Nähe deutet nichts darauf, daß hier ehemals eine Stadt gestanden hat. Welche Bedeutung diese Denkmäler in der Einsamkeit gehabt haben mögen, wer weiß es? Wir finden nichts Aehnliches in Central-Amerika. Fremdartig und seltsam ragen sie aus der Wildniß empor, als Zeugen einer verschollenen Cultur. Die heutigen Eingeborenen opfern, wie Maler bemerkte, an der Colossalfigur in aöergläubischer Scheu Wachskerzen, um Glück auf der Jagd zu haben, 'sonst haben sie ebensowenig eine Erinnerung an die Vorzeit, wie die Fellachs in Egypten. Palast von Hochob. Von kleineren Bildwerken, die der Forschungsreisende entdeckte,seien endlich die in unserer letzten Abbindung dargestellten Trägerfiguren erwähnt. Beim Durchforschen der Ruinen von Chichen-Jtza fand Maler im Innern eines Tempels verschüttet die Reste einer steinernen Tischplatte von drei Meter Länge, getragen von 14 Figuren und 10 kleinen Säulen. Die besterhaltenen sind auf der Abbildung dargestellt. Die Figuren sind zwischen 64 und 83 Centimeter groß und in der Gesichtsbildung zum Theil so individuell behandelt, daß man fast an Portraits glauben könnte. Trägerfiguren von Chich e n - I tz a. Von welchem Volte stammen nun aber diese Denkmäler eine: untergegangenen hohen Cultur? Das alte Culturvolk der Mayas, das begabteste und civilissrteste des amerikanischen Alterthums, ist derSchöpfer aller jener Bauwerke gewesen. Die Forschungen Malers haben gezeigt, wie blühend einst die Cultur des Mayavolkes geWesen sein muß: Hunderte von Städten mit großartigen Palästen und Tempeln bedecken das Land, das heute größtentheils eine Wildniß ist. Die Forschungen Theobert Malers eröffnen neue überraschende Blicke in die Blüthezeit jenes .Wunderlandes der Neuen Welt'. Eine Heldenthat. Lehrerin (im Pensionat): Was nennen Sie zum Beispiel eine Heldenthat? Nun, Fräulein Hulda? Fräulein (die vor kurzem noch in ärztlicher Bchandlung war): Wenn man einem bübschen jungen Arzt die Zunge zeigen muß! Unsere Kinder. Elschen: Mama, wenn ich einmal heirathe, bekomme ich dann einen Mann wie Papa?" Mama:Gewiß, mein Kind!" Elschen: Und wenn ich ledig bleibe,- werde ich dann eine alte Schachtel wie Tante Anna?" Mama: Allerdings!" Elschen (mit einem Seufzer): Fürwahr, wirMäd chen sind doch in jedem Falle übel dran!"

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Prof. CurtiuS.

In Berlin ist einer der Nestoren de? deutschen Wissenschaft, Prof. Ernst Curtius. aus dem Leben geschieden. Der Dahingeschiedene war am 2. September 1814 zu Lübeck geboren, studirte in Bonn, GLttingen und Berlin Philologie und ging 1837 mit Brandis nach Athen, wo er mit E. Geibel die Klassischen Studien" herausgab. 1840 begleitete er seinen Lehrer O. Müller auf dessen Reisen durch Griechenland und habilitirte sich dann 1843 an der Berliner Universität, an welche? er 1844 eine außerordentlicheProfessur erhielt. Im October 1344 zum Erzieher des nachmaligen Kaisers Friedrich HI. berufen, begleitete Curtius diesen 1849 auf die Universität Bonn. 1850 nach Berlin zurückgekehrt, widmete er sich wieder seinem akademischen Lehramte. bis er 1836 als ordentlicherProfessor und Mitdirector des Philolog!schen Seminars nach GLttingen ging. Curtius wurde 1853 Mitglied der Academie der Wissenschaften zu Berlin. unternahm 1862 mit Bötticher und Strack wieder eine Reise nachGriechenland und wurde 1863 als ordentliche: Professor an die Universität BerProf. Curtius. lin berufen, wo er zugleich Direcko? des Antiquariums und beständigerSe cretär der königlichen Academie der Wissenschaften wurde. Im Frühjahr 1874 ging Curtius im Auftrage des Deutschen Reichs nach Athen und schloß mit der griechischen Regierung einen Vertrag wegen der Ausgrabungen zu Olympia ab, die im October 1875 begannen. Seine Hauptwerke sind: Peloponnesos", eine Darstellung dieser Halbinsel mit Bezug auf deren Geschichte, Sagen und Kunstdenkm'äler, die Griechische Geschichte", worin er die Ergebnisse der gelehrten Forschung in geschmackvoller Darstellung einem größern Publicum zugänglich machte, und Die Stadtgeschichte von Athen". Er hat noch eine Reihe wissenschaftlicherArbeiten in den Abhandlungen der Berliner Academie der Wissenschaften" und in der von ihm und R. Schöne herausgegebenen ArchäologischeZeitung" veröffentlicht. In der zweiten Sammlung sind auch die Vorträge enthalten, welche gefammelt eine geschichtliche Uebersicht der Ausgrabungen von Olympia gewähren. Die Resultate derselben sind enthalten in Ausgrabungen zu Olympia". Dazu gehören als Ergänzung: Olympia und Umgegend" und Die Altäre von Olympia". Gutgesagt. Nachtwächter (zum benebelten Stu denten): Was machen Sie da?" Student: Ich sviele alte Jungfer!" Nachtwächter: Wa as? ?" Student: Ich warte nämlich auf einen, der mich heimführt!" Gewissenhafte Auskunft. (Ein Bauer hat ein Gewächs auf dem Schädel und consultirt einen Chi rurgen.) Bauer: Jscht dös G'wächZ g'fährlich oder net, Herr Bader? Chirurg: Not, g'fährlich ischt's grad net, aber 's sitzt an oiner saudomma Schtell! E in Roman ohne Worte. Er (leidenschaftlich): ? Sie (verschämt)' !! Beide (in seeliger Selbstvergessen heit): ! ü! : (Die Thür geht auf. ihr Vater tritt ein. Beim Anblick der Beiden wü thend): !!!! J !!"! .

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