Indiana Tribüne, Volume 19, Number 309, Indianapolis, Marion County, 26 July 1896 — Page 4
Jndiana Tribüne.
Erscheint Täglich und Sonntag. Die tZalich .Tribüne- kostet durch ien Trlg j EentS per Woche, dte Vontag,Z:rtbüe-l CextZ per Woche. Seide ,usame 15 ent ,d 65 Gent p ?kt. Ver Post außerhalb de, tfttbt zugeschickt t VorauSbthlnz V pe, fjalr. orruoi 10CÜD Ulabana LtraKe. Indianapolis, Ind., 2S. Juli 1896. Sonntags - Ptauilerei. Ein Araber hatte einen Feind und er wollte einft einen recht schweren Fluch gegen ihn aussprechen. Nach langem Besinnen sagte er zu ihm: Möge deine Seele nicht mehr Ruhe haben, als der Hut eines Europäers." Wer das ewige Hutabziehen, die es in Europa Brauch ist, noch nicht vergessen hat, der wird die Schwere dieses Fluches begreisen. Aber ich weiß einen, der ist noch schwerer, der ist meineö ErachtenS der schwerste Fluch, den man ausstoßen kann, der erinnert mich an ChamissoS Worte: Und that einen Fluch gar schauderhaft." Und dieser furchtbare Fluch lautet: Mögest du in Amerika während einer PräsidentschaftScampagne Redakteur einer deutschen Zeitung sein!" Der Deutsche in Amerika ist nämlich der unangenehmste ZeitungSleser, den eS giebt. Notabene. waS ich hier schreibe, gilt nicht von Allen, namentlich nicht von gebildeten Leuten, aber eö gilt von Vielen. Und alö zweites Notabene, (ich sollte eigentlich Notamale sagen) ist er nur der deutschen Zeitung gegenüber unangenehm, nicht aber der englischen. Von der englischen Zeitung läßt er sich alleS gefallen. Ganz einerlei, WaS die englische Zeitung schreibt, da wagt er nicht aufzumucken. WaS aber die deutsche Zeitung betrifft, da meint, zwar nicht der vernünftige Mensch, aber jeder unvernünftige, die Zeitung gehöre ihm und müsse akkurat so geschrieben sein, wies ihm paßt. Er will nicht durch die Zeitung belehrt werden, sondern will in der Zeitung lesen, was er selber denkt und wenn'S daS dümmste Zeug wäre. WennS möglich wäre müßte man für Jeden eztra eine Zeitung schreiben. Der vernünftige Mensch schätzt eine selbständige unabhängige Meinung und achtet den Redakteur, der eine solche Meinung aukspricht, auch wenn sie nicht mit der seinigen überstimmt. Er prüft diese Meinung, denkt darüber nach, vergleicht sie mit der seinen und sucht Belehrung darüber wer Recht hat. Kommt er auch schließlich zu der Ueberzeugung, daß er selber Recht hat, so verargt er doch dem Andern seine Ansicht nicht. Der unvernünftige Mensch aber, wenn der einmal eine Meinung gefaßt hat, dann bleibt er dabei, ärgert sich über Jeden, der ander? über die Sache denkt alö er und läßt sich von Niemand belehren. Nehme wir eine Frage, wie die Silberfrage. Da giebt es Leute, welche in ihrem ganzen Leben vorher sich nicht um die Sache gekümmert hatten, welche in ihrem Leben noch kein Buch darüber gelesen haben, welche noch nicht einmal wissen, waS gewisse Ausdrücke, wie z. B. Währung, Monometallismus oder BimetalliSmuS bedeuten und doch wüthend über den Zeitungsschreiber sind, der anderer Meinung ist alS sie, und sei derselbe auch ein Gelehrter ersten RangeS. In den Augen eines solchen Menschen ist der Zeitungsschreiber natürlich immer gekaust. DaS Schönste dabei ist aber, daß ti vorkommen kann, daß ihm von zwei gegnerischen Seiten zugleich der Vorwurs gemacht wird, daß er von der anderen Seite gekauft ist. Jft er nämlich unabhängig und unparteiisch genug, in manchen Dingen, so wie er denkt der einen, und in anderen Dingen der anderen Seite Recht zu geben, na dann ist er von beiden Seiten gekauft, und so kommt ti, daß jeder Zeitungsschreiber ein angehender Millionär ist. Und darin sind, ich kann, meinen Landsleuten wirklich nicht den VorWurf sparen, die Deutschen zehntausend Mal schlimmer aU die Amerikaner. Wer da wüßte, waS gelegentlich einer Präsidentenwahl, bei der die Leute meist über alle Vernunft hinaus leidenfchaftlich werden, mir wieder und wieder zu Ohren gebracht, der würde vor Staunen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. t Zu solchen Zeiten erfahre ich immer, waS für ein dummer und schlechter Mensch ich bin. Zugleich würde er aber auch erfahren, wie gut, wie lie- . denkwürdig und namentlich wie klug die Menschen sind und wie sie alleö besser wissen. Manchmal würde er auch staunen über die Summe von Bosheit und Bösartigkeit, die da zum Äuödruck kommt.
Aber ich habe einen breiten Rücken, ich lasse alles geduldig darüber hinunterlaufen und eS drückt mich nicht schwer. Wird dann die Sache etwas zu bunt, dann verbiete ich mir kurz jede Berichterstattung, dann mögen die Leute ruhig schwatzen und schwadroniren und raisoniren, mir bleibt eS unbekannt. Ich mache ruhig weiter, wie bisher und schreibe merne Gedanken nieder, und nicht die anderer Leute. Nur ärgere ich mich manchmal darüber, daß die Deutschen in solchen Dingen überhaupt so unduldsam sind und diese Unduldsamkeit in so häßlicher Weise zeigen. Der Plauderer.
Die Ueverraichung. (Ein studentisches Capriccio.) Am ersten des Maien Ganz früh in der Nacht Da bin ich von Klingen Und Singen erwacht. Der Mai ist gekommen Wa5 war ich so müd'! So wonnig erklang eS Das Geibel'sche Lied. Ich glaub', halb im Traume Sang laut ich mit Trei'n: Ter Mai ist gekommen " Und schlief wieder ein. Doch als ich erwachte O Gott, waS ich sah: Es goß wie mit Kannen Und Einer saß da Der hielt eine Rechnung Und sprach: err von Rauch, Der Mai ist gekommen Der Maier aber auch!" , ,, Die UlmerDogge. von Paul Margueritte (Paris). Großvater DechappeS hatte sich h quem in das wappengeschmückte Eckpol per des eleganten Landauers zurückgelehnt, aber eines besonderen Wohlbe hagens schien sich der alte Herr trotzdem nicht zu erfreuen, denn die innere Un ruhe, in deren Bann er ganz sichtlich stand, malte sich nicht nur in dem krampfhaften Zucken der zahlreichen Runzeln, die seinem Gesicht das Ansehen eine ängstlich in die Luft schnuppern den Kaninchen gaben, sie verrieth sich auch in dem zitternden Ton der Stimme, als er schüchtern zu stottern begann: ,,die die Pferde laufen aber recht schnell.Herr de Feul, DechappeS' Schwie gersohn, warf seiner Frau einen be ziehungsvollen Blick zu. unterdrückte ein anssteigendes Lächeln und lispelte: Ja, freilich, sie greifen tüchtig aus," um dann mit erhobener Stimme hin zuzusetzen: Na, bei dem sicheren Wege hat das ja übrigens keine Gefahr!" Der bestimmte, leicht ironisch gefärbte Ton des zungen Mannes verfehlte in dessen die beabsichtigte Wirkung ganz und gar; dem alten Herrn war trotz der beruhigenden Versicherung seines Schwiegersohnes nun emmal nicht recht geheuer zu Muthe, und in dem trüben Wasser seiner schmutziggrauen Augen spiegelte sich nach wie vor das unstäte Flackern quälender Sorge und Angst. Vom Scheitel bis zur Sohle blitzsauber und geschniezelt, mit ausgesuchtestem Geschmack gekleidet, machte der Greis, der die fein behandschuhten Hände artig gefaltet hielt, ganz den Eindruck eineS alten Kindes, dessm körperliche Pflege zuverlässigen Leuten anvertraut - ist. Und mit dem Kinde hattr er auch die Schwächen und Fehler gemein: die lü sterne Naschhaftigkeit, daS lächerliche Furchtgefühl, die knabenhafte Eitelkeit und die kindliche Sucht, hin und wieder ein ganz klein wenig zu flunkern und zu lügen. Sein persönliches Wohlbe finden ging ihm über Alles. Er wollte nur immer gehätschelt sein und hielt eifersüchtig darauf, daß man es ihm gegenüber an schuldiger Rücksicht und Aufmerksamkeit nicht fehlen ließe, dafür konnte man von dem Alten aber euch Alles erlangen, wenn man ihm nur gehörig zu schmeicheln verstand. Den ruhigen, zielbewußten EgoiZmug und die umständliche Fürsorge für die werthe eigene Personuchkelt hotte die Tochter dom Vater geerbt. Die hübsche Dame, deren Formen freilich schon et was stark zu werden begannen, trug auf den graziösen Schultern daS kokette ttöpfchen eznes nledllchen ZiervogelS, und die blühend, Farben des Gksichts ließen daraus schließen, haß eint Be sitzerm der Diät und ErnährungSfraae v .ü.' fw r w ' Die geuorige AUsmerliamiell zu qett werden ließ. Tie junge Frau, bie in lässiger Haltung zur Seite d.eS Greises saß und eifrig darauf bedacht war. ihrem zierlichen, mit allem Raffinement der weltersayrenea Modedame gkllelde ten Körper eine möglichst bequemt Lage zu geben, wandte ihr lächelndes Zlencht ihrem Gatten zu, dem sie ausrilitigen Dank dafür wußte, daß er sie zur rü sin gemacht und ihr dadurch die MSg lichkeit geboten hatte, in der vornehmen Gesellschaft daS Bürgerrecht zu erwer' den. Der ehemalige Zuckerfabrikank DechappeS durste sich schon den LuxuZ gestatten, einen Theil seines betracht licden vermögen? darauf zu verwenden, sich eine gräflichen Schwiegersohn zu taufen, der nebenbei noch Kavallerie' ossizier war und sich als solcher Nach Menschenmögllchkelt xujnut hatte. Prächtiges Wetter heut,!" schnarrte Herr de Feul, seine grau zärtlich an blickend und den sufaezwirbeltcn Schnurrbart und den kurzaehaltenen Vollbart streichend, den er sich hatt? stehen lanen. nachdem er in dai Civil Verhältniß übergetreten war. Der stattliche, hochgewachsene Mann mit dem energischen Kops des bewähr ten, in allen Satteln gerechten Sports in an bueuate seiner Srau ÜetS und
überall den ?akt und die galante Auf merksamkeit eines Gatten, der berech tigten Grund hat, all seine Liebens Würdigkeit aufzubieten, um für seine
kleinen Ehestandssünden und schwien gen sinanziellen Arrangements gegebe nen Falls milde Beurtheilung und ge neigtes Gehör zu finden. Denn in seinen pekuniären bothen war Herr de Feul ganz und gar aus die Güte und Gnade der Frau angewiesen, die vermöge ihres GeldbewilligungSrechtes den Herrn Gemahl am Gängelbande leitete: und wenn sie ihres Kassneram teS auch nicht gerade als kleinliche Knauserin waltete, so geschah es doch auch oft genug, daß Herr de Feul-in seinen Geldnöthen bei seiner Gattin keine Hilfefand; auf dn anderen Seite verstand sie eS allerdings auch wieder vortrefflich, gelegentlich mit vollen Händen zu geben und den Herrn Ge mahl durch Erfüllung seiner stillen Wünsche für die ritterliche Art, die er ihr gegenüber beobachtete, entsprechend zu belohnen. So hatte sie erst jüngst wieder die vielbewunderte Ulmer Dogge Dragg, den Lieblingshund deS Fürsten Wer fchakow, um hohen Preis angekauft, um Herrn de Feul, der Dragg für sein Leben gern sein eigen genannt hätte, eine besondere Freude zu machen. Mit wohlgefälligen Blicken beobachtete sie die eleganten Bewegungen des prüchtigen Thieres, das den Wagen mit ge. waltigen Säßen umkreiste, bald den Pferden vorausgaloppirte. dald wieder zurückjagte, mit lustigem Gebell an den Gäulen in die Höhe sprang und, auf die Gefahr bin. unter die Quse ?u ae. rathen, nach dem Zaumzeug schnappte. ium nicht geringen Verdruß des Kut Ichers, der seine liebe Noth hatte, daS feurige Gespann zu zügeln, und der sich in seiner ohnmächtigen Wuth mit dem Gedanken tröstete, dem Hunde nach der Rückkehr eine gehörige Tracht Prügel zu verabfolgen, eine Absicht, die übrigens auch in der Idee r r r w unausgesuyrl oueo, wen oem loaiemu stigen Manne auf dem Kutscherbock noch rechtzeitig einfiel, daß die Dogge erst dieser Tage einem Stallburschen, der sie zu schlagen gewagt, den Arm total zerfleischt hatte. Da der Hu und w wird die Pf Pferde noch scheu m machen!" stammelte Herr'.DechappeS in seiner Her zenSangst. Der hinfällige Greis sah sich an allen Ecken und Enden von allerlei Gefahren bedroht. Kaum daß er im Wagen Platz genommen, um seine tägliche Spazierfahrt zu machen, so beschlich ihn auch schon die Furcht, eS könnte sich unterwegs einer jener Un fälle ereignen, die mannigfache Ver drießlichkeiten und Geldopfer im Ge folge haben. Die bange Sorge vor Räubern und Mördern ließ ihn des Nachts kein Auge schließen, und wenn der Kamin nur ein wenig rauchte, so genügte daS vollkommen, um den Alten ln'S Bockshorn zu jagen. Die Atten täte der Anarchisten hatten vollends dazu beigetragen, die kindische Furcht des GreiseS in's Ungeheure zu steigern und seine ohnehin schwache Gesundheit zu untergraben. Diesmal hätte es Herr de Feul gar nicht mehr der Mühe werth gehalten, dem alten Hasenfuß ein Woit der Be ruhigung zu sagen; als er indessen be merkte, daß seine Frau mit allen Zei chen lebhafter Unruhe nach vorwärts sah, wandte auch er den Kopf, um nach dem Hunde Umschau zu hatten, der just in diesem Augenblick mit wüthen dem Gebell auf der Straße dahin stürmte. Der Kutscher, dem eS nicht entgangen war, daß die Dinge da vor ihm eine böse Wendung zu nehmen drohten, legte sich mit aller Kraft in die Zügel, um seine Pferde zu einer ruhigeren Gangart zu zwingen. Herr de Feul mljhte sich vergeblich ab, Dragg zurückzurufen, Die grau samsten Züchtigungen, an denen es ihr Herr nicht fehlen ließ, hatten nicht ver? möcht, die unbändige Wildheit de? Dogge zu brechen, die auch hepte wieder wie stets den Gehorsam verweigerte. Wochenlang war das Thier ruhig und zutraulich wie ein Schoßhündchen, dann aber verwandte es sich urplötzlich ,iq eine wilde Bestie, die in den Hühner stall einbrach, um dort ihre Mordgier nach Herzenslust zu befriedigen, Ge, gen Bettler und alle Leute, die in zer lumpten, abgerissenen Kleidern umher gingen, zeigte Tragg indessen auch in seinen guten Tagen stets eine unüber windliche Abneigung. .Dragg !" schrie der Graf mit Auf bietung semer ganzen Lungenkrast auf 's s)twt, und mit wahrer Stentor stimme setzte er erregt hinzu : Ten Stock weg. weg mit dem Stock ! Der Hund wird Ihnen sonst an die Kehle springen ! Hierher Dragg ! Willst Du y?ohl herkommen ! Dem Kutscher war es endlich gelun gen, dje Pferde zum Stehen zu brin gen, er und die drei Insassen des Wa geyS garrtey enjsetzt aus daS Dramä. j)aS sich vor ihren Augen ahspjelte. Ein alter Bettler, der sich beim Herannahen de WsgeyS .vom Weg'rande erhoben hatte, UM die Herrschaften um eine milde Gabe zu bitten, hatte Drag'S Wuth erregt. Mit weitgeöffneteni Rachen, dessen schneeweißes Gebiß sich von.dem blutrothen Hintergrunde scharf abhob, den sehnigen, schlanken Körper zum Sprunge zurückgebogen, kauerte die Dogge zähnefletschend und heiser heulend vor ihrem Opfer. Herr de Feul hatte gerade noch Zeit, den Wa genschlag aufzureiß:n und mit erhöbe nem Spazierstock auf die Straße zu springen. Auf dem erdfahlen Gesicht des Bettlers, einer entkräfteten, in staubbedeckte Lumpen gehüllten Grei ,ngestalt, malten sich alle Schrecken &r namenlosen Angst; ungeschickt such telte er mit seinem Stecken in der Lust herum und seinen bebenden Lippen entrang sich ein unverständliche; Wort, gestammel, daS den .schmutziggrauen Vollbart in regelmäßigen, Rhythmus auf der eingefallenen Brust tanzen ließ. Die Doaae mochte wobl ahnen, daß
man dabei war, lyr die sichere Beute zu entreißen ; sie spürte kaum den Stoc! des Herrn auf ihrem Rücken, als sie auch schon mit einem gewaltigen Satze dem Alten an die Kehle sprang. Herr de Feul hatte den Hund am Halsband gepackt und schrie wie beses sen Joseph ! Joseph !" ' Allein der Kutscher, der fürchtete, t sein u ruhig den Boden stampfen den Pseicc in dem Augenblick durch. gehen würden, in dem er die Zügel aus der Hano ließ, wußte sich selbst weder zu rathen noch zu helsen und blieb wie angewurzelt auf dem Bocke sitzen. Dragg schien die Schläge, die sein Herr hageldicht auf seinen Rücken niederfallen ließ, gar nicht zu fühlen, er hatte den Bettler niedergeworfen und machte sich daran, den Unglücklichen mit seinen furchtbaren Zähnen zu bearbeiten. Der Alte wagte keinen Laut von sich zu geben; das todtenblasse Antlitz krampfhaft verzerrt, glotzte er mit weitaufgerissenen Augen voll Entsetzen die erbarmungslos auf ihn eindriw gende Bestie an. Herr de Feul würgte den Hund nach Krästen und machte ver zweifelte Anstrengungen, ihn zurückzu reißen; das gellende Kreischen s'.ner Frau, das klägliche Wimmern Des Großvaters und die Bemühungen de! Kutschers, der seine liebe Roth hatte, die durch den Tumult scheugemachten Pferde am Durchgehen zu hindern, das Alles trug nicht wenig dazu bei, die Er regung des Grafen zu steigern. Dragg!" brüllte er keuchend zum letzten Male, während die Adern auf seiner Stirn bedenttich anschwollen. Der Verzmeiflungsschrei des Grafen mochte wohl dem Bettler erst die ganze
Vröee der Gefahr zum Bewußtsein ge bracht haben, denn das Gesicht des am Boden Liegenden verzerrte sich plötzlich im Todeskampfe und von den krampf haft verdrehten Augen war nur noch das Weiße zu sehen, das verglast in's Leere stierte. Im ersten Schrecken ver meinte de Feul auch nicht anders, als der Unglückliche hätte den (&ist aufge .'geben. Halb sinnlos und schäumend vor Wuth erinnerte er sich erst jetzt, daß ia sein Stock einen Stoßdegen barg. Im Handumdrehen war der Degen herausgerissen und von wahrer Mord lust ergriffen stieß de Feul die scharfe Klinge zu wiederholten Malen dem ra senden Thiere in den Leib. Das laute Schmerzensgeheul des zu Tode verwun beten Hundes brachte den Grasen vol lends aus der Fassung, er kannte sich vor Wuth nicht mehr und stieß zu, wo hin e? immer traf. Ein warmer Alutstrom ergoß sich Über den Körper des alten Bettler, der noch immer leb loS dalag, und bespritzte Herrn de Jeul'S Hände und Füße. Dem lärmenden Kampsgetümmel war ein langes Schweigen gefolgt. Dragg lag röchelnd und zuckend am Loden. Der Kutscher hatte die Pferde glücklich zur Ruhe gebracht, er war vom Bocke heruntergeklettert und stand jetzt mit offenem Munde neben seinem Herrn. Frau de Feul, die mit entsetz ten Augen das grüßliche Schauspiel betrachtete, lag leichenblaß im Wagen aus gestreckt und schien einer Ohnmacht nahe, während daS Gesicht deS alten DechappeS den starren Ausdruck und die rothviolette Färbung eines vom Schlagfluß Getroffenen zeigte. Herr de Feul sah seinen rothgefärbten Degen an. ohne recht zu wiffen, wie er ihn vom Blute säubern sollte; er reichte ihn Joseph, der eine Handvoll Gras aus riß und die Klinge damit abwischte. Der Bettler war langsam wieder zur Besinnung gekommen: ohne sich vom Boden zu erheben, ließ er seine erstaun ten Blicke im Kreise umherschweifen und suchte sich vergeblich von Gescheh niffen Rechenschaft abzulegen. Grade jetzt durchlief ein leichtes Zucken den langgestreckten Körper der Dogge; die zitternden Flanken, die sich in flegender Hast auf und nieder bewegten, hoben sich noch einmal, um dann kraftlos zu fammenznfallen. Dragg war todt! Der Anblick feines sterbenden HundeS hatte die Wuth des Herrn de Feul zu Neuer Flamme angefacht. Sie elender Lumpenkerl!- schrie er den erschrockenen Bettle? an, mit Ihrem verfluchten . Knüppel haben - Sie den Hund nur, gereizt. Wqö? Sie wollen am Ende wohl noch einen großen Mund haben? Wie? Als ob ich eS Mt mit meinen eigenen Augen gesehew hätte ! Ich hätte nicht übel Lu,- Sie dem Gendarmen zu übergeben! Mit solch einem roheff Tagedieb soPs man gar nicht so viel Federlesens machen! Und zu denken, daß ich Ihretwegen solch einen Hund hinschlachten mußte, einen Hund, der , weiß Gott hundertmal , so Viel werth war als Ihr ganzes jämmer. licheZ Leben! Ja, ja, Sie brauchen mich Nlcht so erstaunt anzusehen ! Sie sind ein arbeitsscheues Subjekt und 'in alter, ungeschickter Tölpel obendrein 1" Seine Aufregung legte sich indessen ein wenig, als er zwischen dem geöffne ten Hemde des Greises das Blut be. merkte, das aus einer glücklicherweise nicht tiefen Wunde am Halse hervor. ickttte.. - : - s DcrAste schwanste zwischen derLust, ein Klagelied anzustimmen, und der Furcht, dafür pon neuen, gngesaznauzt zu werden, lIx hatte eben .erst. pon lIendaxmen sprechen hören,. ejnexMenschengqttung.mit hex er,weyn es irgend anging, Mts zu thun hgben wollte, Für den AnAenblick schien es also dock gerathener den Mund zu hglten,wenn er . sich auch in der Sache selbst ganz unschuldig fühlte. Er hatte doch wahr haftig nichts gethan, was den Hund veranlassen konnte, ihm an die Gurgel zu springen! Das konnte wirklich kem Mensch behaupten! Herr de Feul war an den Wagen schlag herangetreten und bemerkte traurig: Nein,, diesen Prachthund solch eines Jammerkerls wegen zu opfern! ES ist einfach himmelschreiend! Großvater DechappeS wußte darauf nichts zu erwiedern, er vermochte beim hestenWillen nicht, seiner zugeschnürten fleble einen Zon zu entlocken., seine
Töchter bewahrte sich aber Iluch hier wieder als praktische, von werkthätigem Mitleid ersüllteFrau. die mit klarem Blick die Situation überschaute. Sie zweifelte keinen Augenblick, daß die böse Geschichte, wenn sie sich erst gehörig in den Kneipen herumsprach, bei der Arbeiter- und Bauernbevölkerung genug böses Blut machen und ihr Theil dazu beitragen würde, ihrem Mann, der sich zur Zeit gerade um ein Mandat für die Deputirten - Kammer bewarb, bei der Wahl zu einem Durchfall zu verhelfen; sie nahm deshalb auch gleich die Gelegenheit wahr, allen böswilligen Auslegungen des bedauerlichen Vorfalls von vornherein zu begegnen, und flüsterte in dieser Absicht demGatten ins Ohr:Der arme Mann scheint ja verwundet zu sein. Wir müssen ihn in jedem Falle mit auf das Schloß nehmen und dort nach besten Kräften Pflegen." Na, das wäre noch schöner!" rief der Graf mit dem Brustton sittlicher Entrüstung. Ja, ja, glaube mir. Du wirst schon später einsehen, daß ichRecht habe," redete Frau de Feul auf ihren Gatten ein. Ich denke wir handeln dabei mehr in Deinem," sie verbesserte sich rasch, in unserem eigenenJnteresse als in dem des Bettlers." Sie wußte des Weiteren so viele ausschlaggebende und überzeugende Argumente zur Unterstützung ihres Vorschlags anzuführen, und Großvater Dechappes gab seinemEinverständniß mit den Ausführungen seinerTochter durch lebhaftes Kopfnicken so ent-
schiedenen Ausdruck, daß Herr de Feul schlleßllch klein bergab und auf weitere Einwendungen verzichtete. Aber wenn er sich auch der besseren Einsicht seiner Frau unterordnete, so konnte er es sich doch nicht versagen, seinem Schmerz über den Verlust seines Lieblings in halbtaut gemurmelten Schimpfereien Luft zu machen, die seinem grenzenlosen Haß gegen das ekelhafteGeschmeiß herumlungernder Strolche" beredten Ausdruck gaben. Ueberlab die Ordnung dieser Anaelegenheit nur mir!" Mit diesen Worten wandte sichFrau de Feul dem verschüchtert dastehenden Bettler zu. Ihrer freundlichen Zu spräche gelang es endlich auch, den ob dieser Ehrung verblüfften Alten glücklich dazu zu bewegen, den Wagen zu besteigen und neben dem Kutschersitz Platz zu nehmen. Joseph und Herr de Feul schafften inzwischen den Kadaver des Hundes von der Chaussee weg auf das Nachbarfeld und bedeckten ihn nothdürftig mit einer Schicht rasch zusammengelesenen Holzes; hier sollte er vorläufig liegen bleiben, bis der vom Schloß beorderte Karren ihn ab holen würde. Nachdem auch dieses traurige Geschäft beendet war, nahmen Beide ihre Platze im Wagen wieder ein, der sich in der Richtung nach dem Schloß in Bewegung setzte. Lu stig trabten die Pferde zwischen der Doppelreihe derRlesenbaume dahin. durch deren dichtes Laubwerk hier und da ein flimmernder Sonnenstrahl aufblitzte und goldene Ringel auf den weißen Chausseestaub zeichnete. Kaum zu Hause angelangt, sorgte Frau de Feul dafür, daß dem Vaga bunden gehörige Wartung und auf merksame Pflege zuthei! würde. Bald verbreitete sich in der ganzen Umgegend das Gerücht von der Heldenthat des Grafen, der mit eigener Lebensge fahr den alten Bettler den Zähnen sei ner rasenden Dogge entrissen hatte. Man besprach in aller Ausführlichkeit die einzelnen Phasen des schrecklichen Kampfes, in dessen Verlaufe es dem Vertheidiger des Hilflosen undSchwachen glücklicherweise gelungen war. der wüthenden Bestie mit der scharfen Klinge seines Stockdegens den Garaus zu machen. Herr de Feul sah sich zetzt auch in die Lage versetzt, den Zeitungsberichterstajtern, dse auf's Echloß kamen, um ihn zu interviewen. Rede und Antwort zu stehen. Laut erklang im ganzen Lande das Lied vom braven Mann. um. dessen Haupt sich der Lorbeer des Helden wand, und her Bettler, der sich die gräfliche Küche tressllch schmecken ließ und bei der up pigen Ernährung dick und rund ge worden war. trug seinen Theil dazu hei, für seinen Lebensretter Zeugniß abzulegen und den Edelmuty der de Feuls in's hellste Licht zu setzen. Dem Grafen verschaffte die Geschichte einen Zuwachs yon hundert Stimmen bei der Wahl und damit den Sieg über feinen Gegner, einen radikalen Arzt, der sein bischen Hab und Gut in Pil len und Mixturen angelegt hatte, die er, um Stimmung für sich zu machen, als Allheilmittel gegen jegliche Krankheit unter die Wähler vertheilte. Dragg hat seine letzte Ruhestätte im schönsten Theil des Schloßgartens gefunden. Herrn Dechappes aber hat das Hundeabenteuer die Lust grünolich verleidet, an dey Spazierfahrten seiner Binder fürderhin theilzuneh men; er möchte sich derartigen aufrcgenden Scenen nicht gern auf's Neue aussehen und zieht es deshalb vor, zu Hause zu bleiben. Lchenswesöheit. Trink' und minne Zum Gewinne Deines kurzen Erdenstrebens! ' Wein und Lieben Sind die Grieben In der Schlackwurst unsres Lebens. Gute Ausrede, ftaybel Ihrem Schwank haben die Leute sehr viel gegähnt!" Aber Sie wissen ja, die Meisten lügen, wie sie den Mund aufmachen!" . In der Schule. Lehrerin. Nennen Sie mir zwei Gegensätze, Amalie " . Schülerin: Hausschlüssel und Pantoffel!"
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Auflage In der Sitzung de Direktoriums der
von Jndiana vom 8. Juli 1396 wurden folgende Beschlüsse passirt:
Beschlossen, daß zur Deckung der Verluste
aus die der deutschen Gegenseitigen Dersicherungs-Gesellschaft von Jndiana auSgestell ten und von dieser Gesellschaft übernommenen PrämiumNoten erhobm werdm:
A1 Prozent auf alle Prämium.Noten, 31. Dezember 1896 auskaufen. B 6 Prozent auf alle Prämium.Noten,
den und nach dem 31. Dezember 1696 auslaugn.
C 3K Prozent auf alle Prämimn-Noten, Dezember 1825 ausgestellt wurden. Beschlossen, daß die öxeeuiiv.Beamten
den, für die prompte Eollemon und Emzahlung bieser Auflage binnen 30
sorgm und alle dafür nöthigm Schritte zu thun."
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