Indiana Tribüne, Volume 19, Number 309, Indianapolis, Marion County, 26 July 1896 — Page 2
Keine Zeit.
toie prangt im Hochzeitskleid?, Das Herz so froh bewegt, Denn Liebe war's, die beide i Hände zusammenlegt. Sie steht im Kreis der Gäste In großer Bangigkeit, .Er ist der allerletzte. Er hatte keine Zeit. Wie schmuck im trauten Neste Bereit das Mittaasmahl! Sie häuft' der Speisen beste, Finessen ohne Zahl. , . Sie wartet frohen Herzens ' In ihrer Einsamkeit. -Er nahet erst nach Stunden. Er batte keine Zeit. 'Sie lehnt, im Arm ihr Kindlein, Im Kissen matt zurück, Er will bei ihr ein Stündlein Sich freu'n am jungen Glück. Sie wartet voll Entzücken. Schläft ein voll Dankbarkeit. .Er war gar nicht gekommen. Er hatte keine Zeit. Vs füllet sich der Speicher, Es schmückt sich jeder Naum. And doch an Sorgen reicher! Vorbei der Jugendtraum. 'Das Warten ist geworden i Ihr zur Alltäglichkeit. .Er muß ja einmal kommen. Noch hat er keine Zeit., ' Die Kinder wuchsen fröhlich, t ?Er hat sie kaum geseh'n, And Enkelkinder selig Großmutters Tisch umsteh'n. Sie fand im Heim der Tochter Das Glück der Häuslichkeit. Großvater plagt sich weiter. Hat heut' noch keine Zeit! Pflege des Iranenßaares. Von R. Julien. ' Ueber Körperpflege ist schon recht viel geschrieben worden. Aber seltsam ist es, daß dabei die Kopfhaut noch immer von der großen Menge so lässig behandelt wird. Und doch ist die Haarpfleg: heutzutage mehr denn je am .Platze, da die durch unruhige, nerocn erregende Lebensweise bedingte schlichUxt Blutcirculation auf den Haarboden ungünstig einwirkt. Die Haupiur.sache des vielbeklagten Haarausfalles liegt in vielen Fällen allerdings tiefer, ls daß man ihm mit sorgfältiger Pflege Einhalt thun könnte. Immerhin kann man mit Vernunft und Consequenz mancherlei erreichen. Wo nicht ein örtliches Flechtenleiden zu Grunde liegt, sind sehr häufig Ernährungsstörungen des Gesammtorganismus die Erzeuger desHaarschwundes, und man muß dann vor allem gegen diese zu Felde ziehen, um das Uebel mit der Wurzel zu beseitigen. Dies umfassende Gebiet der Haarkrankheiten wollen wir aber hier nicht erörtern, da jeder einzelne dieser Fälle die Begutachtung des Arztes erfordert. Wir wollen nur einige praktische RathschlägSund Winse über die naturgemäße Haarpflege nach selbstgemachten Erfahrungen geben. Es ist selbstverständlich, daß man im Gebrauch der von den verschiedenen angepriesenenHaarwuchsbeförderungsMittel sebr vorNcktia sein mufc. Sie sind nicht nur meist nutzlos, sondern bisweilen sogar schädlich. Denn alle scharfen Essenzen müssen bei der BeHandlung der Kopfhaut vermieden werden, da sie nur eine ausdörrende Wirkung verursachen. Bei de Haarpflege muß wie bei der Rammten Körperpflege die Reinlichkeit die erste Rolle spielen, denn Staub und Schmutz bleiben gar zu leicht im Haar haften und beeträchtiqen die Thätigkeit der Kopfhaut. Es ist wunberbar. wie viele gebildete und im übripen höchst reinliche Menschen das Wa5chen des Kopfes und Haares als etwas Nebensächliches oder gar Gesundheitschädliches betrachten! Und doch ist mangelhafte Sauberkeit in vielen Fällen der einzige Grund des Haarusfalles. Die Waschungen der Kopfhaut nimmt man am besten mit lau.warmem Wasser und einer milden, nicht alkalischen Seife vor. ßin Haupterforderniß bei der Kopfwasche ist das genügende Abtrocknen des Haares und der Kopfhaut, um Erkältungen zu verhüten, denn die Furcht davor ist es hauptsächlich, weshalb die Kopfwäsche in so vielen Fällen unterlassen wird. Es ist richtig, daß das Austrocknen des langen Frauenhaares inige Schwierigkeiten bietet. Man wäscht den Kopf daher am besten Abends vor dem Schlafengehen; dadurch wird die durch rasches Hin- und Herbewegen entstehende Berdunstungskalte vermieden. Menschen mit trockenem, sprödem Haar thun gut. dies am endern Tage leicht mit feinem, unparfümirtenMandelöl einzureiben, um die Kopshaut bei dem Ersatze des durch die Waschung verlorenen Fettes zu unierstützen. Wie oft die Waschungen des Haares vorzunehmen sind, dafür giebt es keine bestimmte Regel. Leute, die viel Pomade benutzen, folche, die von Natur fettiges Haar haben oder sich diel in staubiger Atmosphäre aufhalien, werden das Haar häufiger relnilassen müssen als andere, die von Natur eine trockene, reinliche Kopfhaut haben. Aber auch diese letzteren sollten mindestens zweimal im Monat KopfWaschungen vornehmen. Und wer es dahin bringt, solche wöchentlich zweimal auszuführen, wird bald den günsiigsten Erfolg davon bemerken. Die Waschungen mit lauwarmem Wasser -entfernen nicht nur Staub und Schuppen sondern sie fördern auch den BlutZufluß zur Haut und stärken dadurch der' Haarwuchs ganz wesentlich. . Sodann ii: auch auf reinliche SRefau
Haltung ,;es KammzeugeS großer Werth zu legen. Das erscheint zwar verständlich, wird aber von mehrMen schm. als man glauben sollte, vernachlässig:. Wie können Kamm und Bürste beim täglichen Gebrauch das Haar reinigen, wenn sie selbst voll Staub. Schmutz und Fetttheilchen sind? Es genügt bei Weitem nicht, die Bürste mit demFrisierkamm abzukämmen und den Kamm mit den eigens dazu zu kaufenden Bürstchen zu bearbeiten, fondern auch hierbei muß fleißig Seifenwasser verwendet werden. Der Kamm soll glatt und elastisch sein, aus Hartgummi oder BUffelhorn 'bestehen, und die Ain-ken müssen an allen Seiten sorgfältig abgerundet sein. Scharfe Ecken oder zerbrochene Zinken ma chen das Haar rauh und rissig. Die aus Borsten gefertigten, gebundenen Bürsten sind am meisten zu empfehlen. Alles heftige, ungestüme Kämmen und Bürsten des Haares ist zu lärmet den, da Zerrungen an der Wurzel das Haar lockern und den Ausfall desselben herbeiführen. Deshalb thut man gut. beim Auskämmen am untern Ende des Zopfes zu beginnen und allmälig nach oben vorzurücken, auch ist der St.'iubkämm nur nach erfolgtem vollständigem Durchkämmen langsam und mit Vorsicht durch das Haar zu führenEs ist eine alte, wenn auch unaufgeklärt Erfahrung, daß dre Nachbarschaft ei nes ausgerissenen Haares sirfj rasch lockert und ebenfalls bald ausfällt. Das Abstutzen der Haarspitzen, das s vielfach als Beförderungsmittel des Haarwuchses gilt, erfreut sch dieses Rufes mit Unrecht. Das Haar lst eine Pflanze, die durch Zurückschneiden im Wachsthum gekräftigt wird. Je länaer das Haar ist, desto langsamer ersetzt sich das abgeschnittene Ende. Die Spitzen sind nur dann zu oerschnclden, wenn bei ihnen eine krankhafte Spaltung vorhanden ist. Das Haar ist ein Hornfaden, feiner Beschaffenheit nach den Nägeln verwandt, und auch das Wachstum der letzteren wird durch Verschneiden nicht befördert. Ebenso wie alles heftigeKämmen, ist das feste Binden des Haares zu nahe am Kopfe zu unterlassen, da es ebenfalls zu Zerrungen an der Wurzel und zum Haarausfall führt. Muß dasHaar ier Frisur halber gebunden werden, so möge es mit einer weichen Seidenlitze in einiger Entfernung vom Kopfe geschehen. Der Gebrauch von Oel und Pomade ist naturgemäß nur solchen Leuten anzurathen. die eine trockene Kopfhaut und fprödes Haar haben, doch auch diese thun gut, recht vorsichtig und sparsam damit zu sein, denn ölig oder pomadisirt erscheinende Köpfe pflegen keinen aufnehmen Eindruck auf die Mitmenschen hervorzurufen. Immerhin bedarf ein von Natur trockener Haarboden etwas der NachHilfe, da sprödes Haar, besonoers bei trockener Atmosphäre, sonst leicht brüchig wird. Man verwendet am besten reines Mandelöl dazu, ganz ohne Zusatz von Wohlgeruch, da man sich so jederzeit von der frischen, nicht ranzigen Beschaffenheit des Oeles überzeugen kann. Von den Pomaden verdient die bekannte Rindermarkpomade, die man sich aus 5 Unzen gereinigtem Rindermark, 90 Gran pulverisirtem Benzoeharz selbst zusammenschmelzen kann, wohl den Vorzug. Franzbranntwein, Eau de Quinine. Birkenbalsam diirf-
! ten bei allzu häusigem Gebrauch, insoige ihres starken Spiritusgehaltes, eine austrocknende Wirkung auf den Haarboden ausüben. Wer diese Zeilen in der Erwartung gelesen hat, dieses oder jenes WunderMittel empfohlen zu finden, der wird sich enttäuscht sehen. Einfache, aber sorgfältige naturgemäße Behandlung sind das Hauptmittel der Haarpflege wie der Schönheitspflege überhaupt. Allerdings ist diese nicht möglich ohne Consequenz und Selbstbeobachtung. Bequemer ist es ja auf alle Fälle, ein vom Fahricanten warm empfohlenes HaarstürkungsMittel fix und fertig zu kaufen und sich davon tagtäglich ein Quantum auf den Kopf zu gießen. Aber ein ganz untrügliches, sicheres Mittel, das in dieser Hinsicht gehegten Hoffnungen euer) wirklich alle erfüllt, ist bis jetzt noch nicht erfunden worden. Wer sich indeß die kleinenMühen und Rücksichten nicht verdrießen läßt, der wird entschieden, falls nicht ein örtliches oder tieferes inneres Leiden zu Grunde liegt, gar bald ein Einhalten des Haarausfalles und eine Beförderung des Wachsthums verspürcn. Ironie. Mitarbeiter (eine? humoristischen Witzblattes, zum Redacteur): Haben Sie diesen Witz schon je einmal vorher gesehen? Redacteun Nein, ich sehe ihn sogar jetzt auch noch nicht einmal! So herum. Na. Bumsky. kannst Du denn das verteufelte Saufen nicht bleiben lassen? Bor acht Tagen traf ,ch Dich betrunken und heute schon wieder! Bumsky: Nei nein, gn gnädiger Herr! I ich bin halt no noch immer be soffen! ' A g u a t ' s Bier. Sofserl: Dös Bier is so guat und gar so schön sitzt's sich heut' hier im Garten, dös i halt gar nit mehr heim möcht'! Wamperl: Da frag'n mer halt den Wirth, ob mer hier biervouakiren können! Die sparsame Haussrau. Schon wieder mit dem Haushaltsgeld fertig? Kannst Du denn gar nicht auskommen? Das schon da brauchen wir nur in Deiner Stammkneipe zu Mittag zu essen! Aus der Schule. Lebrer: Di:s hier ist also ein Punkt, dies ein Komrna. dies ein Colon und dies in Semicolon. Wer weiß' es jetzt? Du Hänschen? Hänschen: Ein Vunkt UN Komma, einColoNz antisemitisches &vwu . -
Zlntcr dem Flieder.
Von Victor LyS. I. Auf dem mit Perlmutter eingelegt ten kostbaren Tischchen in einer schönen Krystallvase duftete ein reiche: Strauß wundervollen Flieders. Gllberte träumte. Er mußte sie doch ganz närrisch lieben, oder ganz außergewöhnlich beschränkt sein, daß er es wagte, ihr den wunderbaren Strauß zu senden, während er sie doch kaum kannte. Verrückt also, verrückt aus Liebe, oder sonst ein Narr. Denn unmöglich konnte er sich einbilden, daß er bei ihr auch nur das Geringste zu erreichen vermochte. Ja. wenn sie noch irgend etwas gethan hätte, um ihn zu ermuthigen! S? gewissenhaft sie aber auch nachdachte, sie fand wahrhaftig nichts, was sie sich hätte vorwerfen können, keine Unvorsichtigkeit, keine Koketterie, auch nicht einmal ein Wort oder eine Geste, welche ihn zu solch einer Kühnheit berechtigen konnte. Sollte vielleicht ihr Entzücken beim Anblick eines ähnlichen Fliederstraußes, den sie neulich bei Madame de Kerdrou6t gesehen hatte, von ihm mißverstanden worden sein? Allein war denn Mr. de Bolga überhaupt dort gewesen? Ja doch; allein sie bewahrte eigentlich kaum eine Erinnerung an ihn, nur die Kravatte fiel ihr ein. welche er damals trug, aber wirklich auch nur diese allein, denn ihr Träger war so unbedeutend, daß er in der eleganten Gesellschaft, welche sich zu denKerdroutscheu Reunions drängte, so sehr vcrschwunden war, daß in ihrem Gedächtniß sich die Erinnerung an seine Person vollständig verloren. Die Kravatte aber ein unmögliches Etwas von niederschmetterndem Ehk". welches die triumphirende Al bernheit seines Trägers bewies, haftete nach in ihrem Gedächtnisse, während der Mensch selbst dahinter verschwand. Monsieur de Bolga galt übrigens in der Gesellschaft für einen liebenSwürdigen Menschen, und es wurde so gar viel von seinem Glück in der Liebe gesprochen. Ja, wenn er gewollt hätte, nur eines einzigen Wortes hätte es bedurft und er würde bezwungen zu ihren Füßen liegen, in einer Sklaverei, wie er sie bisher noch nie kannte. Aber wäre Mr. deBolga auch der verführerischste unter all den edlen Rittern gewesen, und hätte seine Kravatte auch den Gipfel allen Geschmacks erklommen nie würde sie, Gilberte, dies eine Wort aussprechen, nie würde es ihren Lippen entfliehen! II. Unter all' den jungen Männern, welche sich ihr in stummer Anbetung näherten, zeichnete Gilberte keinen einzigen aus; nein, sie dachte nur an ihren Lucien, sie liebte nur ihn, und vielleicht gerade um so mehr, weil er sich fast gar nicht um sie, sein ihm angetrautes Weib, kümmerte. Wenn sie also die Huldigung des kleinen Mr. de Bolga angenommen hatte, so verfolgte sie damit nur die eine Absicht , zu erkennen, wie weit ihr Gatte in seiner Gleichgiltigkeit gegen sie gehen würde. Gerade in dem Augenblick, als ihre kleinen weißen Hände mit den Blumen beschäftigt waren, um diese in einer zierlichen Base effektvoll zu gruppiren, kam Lucien aus seinem Club nach Hause. Obwohl die Nacht schon ziemlich vorgerückt war, hatte Gilberte ihren Gatten dennoch erwartet. Lucien wollte erst einfach durch das Boudoir durchgehen, da er seine Frau jedoch noch auf fand, mußte er wohl oder übel, wenn nicht anders, so schon aus Höflichkeit einige Augenblicke bei ihr verweilen. Er setzte sich ihr also g:genüber und plauderte von diesem und jenem. Wohl Niemand hätte bei dem Anblick des jungen Paares aeglaubt. daß die bid$n erst seit so Kutzem verheirathet waren, so kühl, so ausgesucht höflich und gemessen waren sie mit einem der. Und dennoch gährte in ihr, dem schönen jungen Weibe, eine von Lucien ungeahnte Leidenschaft. Alle die schmerzlichen- Gedanken, welche sich in ihrem Herzen angehäuft hatten, hatten ihr an diesem Abend heiße Thränen abgepreßt; jetzt aber zwang sie sich, und sie suchte ihren Kummer zu verbergen und zu verheimlichen und hörte lächelnd zu, wie Lucien, der achtlos mit dem Flieder strauß spielte, dessen berauschendsr Duft den Raum fast betäubend erfüllte, zu ihr sagte: Oh, Dein Blumentisch bedeckt sich ja immer von Neuem mit Blüthen. Ist das am Ende gar ein Beweis, daß Dein Frühling seinen Sänger gefunden hat?.Mein Gott," spöttelte Gilberte. Du sprichst ja grade wie die Leute in einem Roman." Im Grunde aber war sie tief erregt über diese ewige Manier ihres Gemahls. alles in's Lächerliche zu ziehen, und über die Art seiner Complimente. Sie wußte, daß sie reizend und begehrenswerth genug war. um anders geliebt zu werden als andere Frauen, anders als mit den abgedroschenen Phrasen von gemachter Zärtlichkeit und Hingebung. Jeden Verrath, jede Treulosigkeit hätte sie diesem kalten und gleichgiltigen Verhalten ihrcs Mannes vorgezogen. Wie er ti zu ihr sprach und ihr über den Flieder hinweg zulächelte, hätte Gilberte ihn beinahe hassen können und ein , Etwas, wie der Wunsch, sich an seiner Kälte zu rächen. so zu rächen, daß seineManneswürde darunter verletzt wurde, überkam sie. Und unwillkürlich dachteGilberte zurück an den kleinen Mr. de Volga. der Jji eben noch so verabscheuenswert
erschienen war. und allmählig fing sie
an, sich mit lhm zu versöhnen. Sie fand ihn nicht mehr lächerlich, sie dachte nur. daß er sie lieben mußte, ohne doch von ihr geliebt zu sein, währcnd er Lucien sie nicht liebte; nein, das fühlte sie. das sah sie aus jedem seiner Blicke, aus jedem seiner Worte; das sah sie aus dem Lächeln, mit dem er sie ansah. Und ein bitteres Lächeln hat auf ihre Züge, ein Lächeln, das Lucien befremdete: Und darf ich nicht, ohne indiscret zu fein, erfahren, von wem dieser prächtige Flieder gekommen ist?" Nein." sagte Gilberte. das ist mein Geheimniß und es dürste Dir wohl gleichgiltig sein." Da zum ersten Mal erröthete Lucien. Und wenn ich nun darauf bestände, es zu erfahren?" sagte er. So würde ich dennoch die Antwort darauf verweigern. Gilberte!" ... Es lag etwas Drohendes in seiner Stimme. Gilberte aber lachte auf, und: Lucien! Du scheinst zu vergessen." sagte sie, daß Du das Recht, Dich in meine Dinge zu mischen, längst schon verscherzt hast. in. Bei diesen Worten aber hatte ihre Stimme in Folge ihrer Aufregung förmlich gebebt. Noch nie war es zu einem fo leidenschaftlichen Ausbruch zwischen den Beiden gekommen, noch nie hatteGilberte mit solcherEntschlossenheit gesagt: Ich hasse Dich!" und noch nie hatte Lucien sich in seinem egoistischen Gleichmuth so erschüttelt gefühlt. Augenscheinlich hatte er eine derartige Auflehnung seiner Frau bis jetzt nicht für möglich gehalten. Gilbertes Weigerung schlug seinem Stolz in's Angesicht. Zum ersten Male fühlte er, wie diese kleine rosige Hand in sein Herz griff, daß es ihn heftig drückte wie mit brennendem Schmerze und es beinahe aufhörte zu schlagen. Zum ersten Male aber hatte er auch das Gefühl von etwas unsagbar Süßem, das ihm zugleich ein schmerzliches und wonniges Entzücken erfüllte. Sie Beide waren verstimmt, und sie saßen einander gegenüber, getrennt durch die ganze Welt von Gedanken und Empfindungen, und es schien, als hätte der duftende, blühende Flieder da zwischen ihnen eine unübersteigliche Schranke aufgerichtet. Sie schwiegen. Lucien athmete wie unbewußt den Duft dieses Flieders ein, der ihm fast die Besinnung raubte seine ganzen Gedanken zu lähmen schien und ihm seltsamen Schwindel verursachte. Der erste Verdacht, die erste Eifersuchtsrcgung hatte seine Seele berührt. Woher kam dieser Flieder? Und da der Duft ihn berauschte, und Gilberte, in dem Dufte und der Liebe ihrer zwanzig Jahre, ihm so nahe war, preßte er sie sanft, wortlos an sein Herz, und ihre Lippen fanden sich in einem langen, langen innigen Kusse, und dicfe Minute des Glücks entschädigte das junge Weib für alle die bösen Stunden, die sie bisher in unbeachteter Liebe verlebte. IV. Einige Stunden später sprach Mr. de Volga bei Madame vor. Allein er wußte nicht wie ihm war, als die schöne junge Frau mit dem glückseligsien Ausdruck der Welt auf ihn zutrat und ihm mit dem liebenswürdigsten Lächeln sagte: Ich danke Ihnen, Sie haben wirklich keine Ahnung, welch große Freude Sie mir mit dem Flieder gemacht haben. Mein Mann fand ihn entzückend. Diskretion. 'Was ist eigentlich Discretion? Gar diele Leute führen das Wort im Munde, aber nicht alle scheinen sie recht. bewußt zu sem. was es bedeutet. Der lateinische .Ausdruck bedeutet: Was völlig getrennt, ganz abgesondert ist," gewiß, wer discret ist, weiß mit richtigem Tact das herauszufinden, was in den Bereich des Nächsten und in seinen eigenen gehört, und wird diese Grenze niemals, weder im Sprechen noch im Handeln überschreiten. Da ist kein Ausfragen nach Familienund Vermögensverhältnissen denkbar, kein Examiniren über das vergangene Leben, wobei der Andere wie auf der Folter sitzt und doch vielleicht wegen seiner untergeordneten Stellung dem Frager nicht ausweichen darf, fja gibt's aber auch keine ungesuchte Vertraulichkeit, keine Mittheilung von Dingen, die wir vielleicht lieber nicht wissen möchten, oder die uns mindesiens gleichqiltig lassen. Discretion ist Tact, das heißt, sie ist das Gefühl, wieviel .Wohlwollen und Vertrauen wir von Anderen erwarten dürfen.und wieviel Interesse sür unsere eigenen, uns so wichtigen Angelegenheiten wir von ihnen beanspruchen können. Der Discrete wird keinen fremden, wenn auch offen daliegenden Brief ohne Erlaubniß lesen, denn daö Eigenthum des Andern ist ihm heilig. Ein discreter Mensch wird weder die ihm von seinen Freunden anvertrauten GeHeimnisse ausplaudern, noch die ihm ccliehcnen Lücber ausleihen. Discrete Leute werden keine Bemerkungen über unsere Kleidung machen, uns nicht saen. wie gut od:r schlecht wir aussehen, nicht nach unseremAlter fragen; sie setzen sich nicht neben uns. wenn wir mit einem Freund oder mit der Braut oder dem Bräutigam allein zu sein wünschen, und noch viel weniger bcnutzen sie ohne besondereErlaubniß die uns angehörenden Dinge.. Die Discretion ist eine zarte Sache, die angeboren sein kann, aber auch gelernt sein I will, sie gehört zur Bildung, wie ein ,,j,r n.i; ! t "ftr fjUiC 2lj(Z $4 , i
Sie 7acht.
Nqch dem Holländischen von A. Herbst. 1. Aber so sag' doch zu Mensch!" drängte Fritz. Clara geht auch . . ." Was? Fräulein Clara geht auch? Nun. dann nehm' ich selbstverständlich an." So, so! weht derWind von daher?" fragte mein Freund, auf's höchste erstaunt, also, weil Clara mitkommt, bist Du gleich bereit!" Ich wurde roth und schwieg wie konnte ich auch nur so dumm sein! Na. darum keine Feindschaft nicht, alter Junge im Gegentheil! Also du kommst? Aber noch was: Du hast neulich erzählt, daß Du kommst? Aber noch was: Du hast neulich erzählt, daß Du im Besitz von zwei Paar schwarzen Tuchbeinkleidern bist. Kannst Du mir Nicht eines davon borgen? Meine sind auf den Knien schon so blank, so abgetragen." Die Bitte meines Freundes kam mir verteufelt ungelegen, denn ich besaß selbst nur ein Galabeinkleid. Daß ich auch dies verfluchte Aufschneiden nicht lassen konnte! Warum hatte ich nur ein zweites dazu phantasirt? Mich vor dem rüder meiner ange beteten Clara als Lügner, als kläglichen Aufschneider zu zeigen, das ging denn doch nicht an. Ja -gewiß, mit Vergnügen." Wundervoll! Sie werden mir gewiß passen, meinst Du nicht? Aber um cam sicher au aebn. zeia' sie mal her." Zeigen? Das kann ich nicht. Im Augenblick sind sie beim Schneider. 3 war 'ne Kleinigkeit dran zu repariren " Ich kann mich doch bestimmt drauf verlassen, daß ich sie vor dem Ball habe?" -am bestimmt." Gut. ich rechne darauf! Mer nun noch etwas. Sag' mal, hast Du noch mehr Etwasse in Petto?" Nein, dies ist wirklich das letzte." versetzte ftrifc lachend. KannstDu mir nicht bis zum Ersten fünfzehn Gulden leihen? Papa reißt sich diesen Monat nichts mehr von der Seele und Clara hat vorige Woche schon genug auf dem Altar der Bruderliebe geopfert." Hör' mal, Fritz, so gem ich's auch thäte, es ist mir nicht möglich; ich hab' selbst nur noch .... Dann kann ick nickt auf den Ball. Nein, auf den Ball mußt Du da muß Rath geschaffen werden. Du aebst unter allen Umstanden mit. Natürlich, nichts lieber als das. Und das Beinkleid schickst Du bei Zeiten? Ad:eu!" Verlaß' Dich d'rauf! Adieu. Und viele Gruße zu Hause. Kaum war er fort, so eilte ich, die Hülfe meines Freundes anzurufen, aber natürlich that ich, als ob ich für mich selber bitten käme. Er war fogleich bereit. Wann ist der Ball?" Am dreißiasten. also übermorgen. Nun, das trifft sich gut. Morgen brauch' ich sie selbst zu emer Gesell schaft. aber übermorgen früh fchick' ich sie Dir. Du kannst Dich draus ver lassen." Vortrefflich, besten Dank im Voraus!" Ich war aerettet. Nun noch ein Bittgang zu meinem Sckubmacher. 3ch munte .bockst nötbia" ein Paar Lackstiefel haben. Gewöhnliche Schuhe Würden's auch gethan haben, aber ihr auf dem Ball ohne Lackstiefel unter die Auaen treten nimmermehr! Ich wurde gerade nicht sehr zuvorkommend emvsanaen. So, lassen Sie sich endlich mal wieder blicken. Herr Langers? .Wie Sie seben." saate ick so lie benswürdig und höflich wie' möglich. Nu, 's ist auch yoye 3t. Sie kom men doch sicher ihre Rechnung vezay len?" Das ist nun gerade nicht derZweck meines Kommens ich wollte Sie ersuchen . . . Nein, nein, ich mach' kein Stück mehr, bevor die alte Schuld nicht abaezahlt ist . . . Am Ersten bestimmt; ich geb' Ihnett mein Wort." Der gute Mann wurde dunkelroth vor Wuth. Am Ersten! ja das kennt man schon. Damit kommen Sie mir man nicht. Da müssen Sie sich 'nen Andern suchen. Warum beehren Sie denn grad' mich mit Ihrer Kundschaft?" Weil keiner solch' gute Waare liefert wie Sie. Und wirklich, pünktlich am ersten nächsten Monats, sollen Sie ihr Geld kriegen alles." Diese Schmeichelei und meine kläg liche Miene verfehlten ihr Wirkung nickt. Was foll's denn sein?" brummte '"Em Paar Lackstiefeletten." Was?! Nee. hören, Se mal, das ist denn doch ein bischen stark. Das kann nich mal ordinäre Stiefeln bezahlen und will mit Lackstiefeletten glänzen! Warum? Wozu? Sie wollen doch nicht auf'n Ball?" Ja freilich," versetzte ich unbedacht. N, nee, junger Herr, daraus wird nichts. Erstens brauchenSie nich auf'n Ball zu geh'n und zweitens wird das Schuhwerk durch's Tanzen fo ramponirt, daß man's nich mal mehr zuiücknehmen und wieder verkaufen kann.." Aber ich sag' Ihnen doch, ich bezahleSie bald. Und übrigens wird auf dem Ball nicht viel getanzt. Er ist bei meinem Professor und seh'n Sie . . . daher kann ich auch nicht ablehnen. O! Bei Ihrem Professor; na, tos ist freilich was Anderes." Victoria! Ich hatte meine Lackstiefel. O hätte ich Alles voraus ge-wußt!
Der Schuhmacher stellte nur eiueBe-
dmauna: ich durfte nicht tanzen IWerni ich nicht getanzt hatte, konnte er sie zur Noth noch für neu verkaufen. Was sollte ich thun? Ich nahm seme Bedingung an, fest entschlossen, mich nicht daran zu kehren. Er sollte dadurch nicht geschädigt werden, denn ich hatte mir fest vorgenommen, am Ersten alles zu bezahlen. Sollte ich mich vielleicht noch einmal emer solchen Scene mit 'nem Schuster aussetzen? Um keinen Preis! Das Nöthigste war also besorgt. Wenn ich nun noch irgend wo einen kleinen Pump anlegen konnte, war Alles in Ordnung. Doch Letzteres wollte Mir, trotz aller meiner Bemühungen nicht gelingen. Alle Freunde, an die ich mich wandte, saßen selbst arg in der Klemme. Kein Wunder! Am Ende des Monats! Mißmuthig zählte ich meine Reichthümer nach; sieben Gulden und einige lumpige Cents. Na, wir mußten uns dann eben nach der Decke strecken. Wenn ffritz und ich sehr sparsam waren. konnten wir damit auskommen. Albert's Beinkleid kam pünktlich an und ward direct an Fritz weiter spedirt. Hierauf begab ich mich zum Ueberfluß noch mal auf die Jagd nach Morieten, aber vergebens! Als ich aeaen Abend heimrehrte. erzählte mir meine Hauswirthin, daß Albert im Laufe des Nachmittags bereits dagewesen sei. Was mag der wollen?" dachte ich. Er wird doch nicht seine Beinkleider wieder haben wollen?" DasBeste ist, sich, wenn er ew?a noch mal kommt, verleugnen lassen; sagen, daß ich schon fort bin. Und ich gab meiner Wlrthm die nothwendigenJnstruc tionen. Eben war ich dabei mein schneewei ßes Oberhemd anzuziehen, als heftig geschellt wurde. Es war Albert, ich erkannte seine Stimme. Er schien sehr ärgerlich. Wie? Schon fort? Haben Sie ihm denn nicht gesagt, daß ich ihn drinaend sprechen muß? Gewiß und wahrhaftig hab' ich das gesagt; aber Herr Langers mußt' vor'm Ball noch 'nen weiten Weg machen. Hierauf folgte eine lange Pause. Al bert fchien nachzudenken. Hm! Ich will mal oben auf seiner Bude nachsehn; vielleicht hat er was für mich hinterlassen", hörte ich ihn endlich zu meinem Schreck sagen. Nein oben war ich noch eben, es lag nichts da," klang die Stimme meiner Wirthin. Nun. um ganz sicher zu gehen, will ich doch mal selber nachschauen, fuhr mein Freund fort. Das geht wirklich nicht, bester, es es lst noch nicht aufgeräumt. Ach was, das wird so schlimm nicht sein!" rief Albert lachend, während er schon die Treppe hinaufging. Ich war rathlos! Wohin? Da fiel mein Blick auf den Kleiderschrank. Ein Sprung drin war ich und zog die Thür gerade in dem Moment hinter mir zu, als Albert eintrat. Nichts zu sehen." sagte er. Und dann, nachdem er sich überall umgeblickt hatte, ging er. Ich versprach mir großes Vergnügen von diesem Ball. Ach, wie freute ich mich schon im Voraus auf Clara's silberhelles Lachen! Als ich eintrat, war der Tanz schon in vollem Gange; Clara aber hatte mir verschiedeneTänze aufgehoben und war auch zum Souper noch frei. Ich schwamm in Seligkeit. Hurrah! Da bistDu ja. DuPrachtkerl! Einen Augenblick. Schwesterchen! Ich muß erst mal diesem fidelen Retter die Hand schütteln. Wie hast Du das so reizend angestellt! Na, vorläufig adieu meine Dame wartet. Bei Tisch sehen wir uns wieder." Mit diesen Worten war er v schwunden. Was hatte er nur? So'n Gethue um einer geliehenen Hose willen! Erst beim Souper sah ich Frrtz wieder. Er saß uns gegenüber, neben der jungen Dame. mit. der er fast den ganzen Abend getanzt hatte und schien sich ganz wundervoll zu amüsiren. Ich reichte Clara die Weinkarte. Bescheiden wählte sie Chateau Larose zu ein Gulden fünfzig. Gott fei Dank! Aber was war nur in Fritz gefahren? Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, als ich das Eticett las Marquis de Terme drei Gulden I So'n Verschwender! Um mein Entsetzen auf's Höchste zu steigern, sah ich eine Weile später, daß Fritz Champagner anfahren ließ. War der Junge verrückt? Wer sollte das bezahlen? Und dabei bewies er eine so erstaunliche Gemüthsruhe, als ob es keine leeren Portemonnaies auf der Welt gäbe. . Plötzlich' kam ein Kellner auf mich Zu. ... . ' "'1 - " ' Draußen im Vorsaal steht einHerr. der Sie dringend zu sprechen wünscht." Ich entschuldigte mich also bei meincn Tischnachbarn und folgte dem Kellner. Gerade wie ich es gedacht: Albert! Wie ein Geier fchoß er auf mich los. Nimm mir's nicht übel, daß ich Dich abrufen ließ," begann er wie gesagt, aber ich war schon dreimal auf Deiner Bude. Du hast es doch gefunhn? Hast Du es bei Dir?" Natürlich hab' Zch's gefunden und bei mir." versetzte ich ihn erstaunt ansehend, indem ich froh menv rechtes Bein vorstreckte. Ein schwarzes Beinkleid ist doch, namentlich des Abends bei Gasbeleuchtung, nicht vom anderen zu unterscheiden.' Er sah nicht mal danach, sondern fuhr fort: Das ist gut: gieb's nur rasch her. ich befinde mich in höchster Verlegenheit!"
Entsetzt fuhr ich zurück. .Was meinst Du ... ich soll ... .
zurückgeben. . ." Na natucllch! Das versteht m doch von selbst!" Ich sine an am Verstände meines Freundes zu zweifeln. Ja. aber . . ich kann doch hier nq . . . mein Beinkleid . . ." .Wer svrickt von Deinem Beinkleid?Mein Portemonnaie will ich zurückhaben!" Wa a a .? . . . Dein Porte mon naie?" .Natürlick! Du saast dock, eben. Du hast es in derHosentasche gefunden. Es steckt noch ein fetter Zwanziger drin!"' Es brauste mir m den Lyren blitzschnell ward mir alles klar! UndFritz war so ein Esel gewesen, zu glauden. daß ich das Geld sur ihn ausgeuobert und in die Tasche practicirt hat-' te! Jawohl, jawohl ich weiß schon. Dein Portemonnaie ja natürlich hab' ich's gefunden, aber . . . aber . . ich hab's zu Hause ich hab's in meinem Schreibtisch verschlossen." Verflucht .... nimm mir's nichtübel, aber das nenn' ich Pech haben!. Na. dann fei so gut und pump' mir was von Deinem; ich muß doch etwas. Geld haben nicht mal zu Mittag, essen konnt' ich heute!" Während er noch sprach, hatte ich seufzend mein Vermögen getheilt: drei Gulden für iyn. drei für mich. Als ich zurückkam, fand ich Clara über mein langes Ausbleiben im hochsten Grade verstimmt. Doch trotz der Verehrung, die ich sür meine reizende Nachbarin hegte, war ich viel zu sehr vor den Kopf geschlagen, um mich mit Erfolg zu bemühen, sie wieder in gute Laune zu versetzen. Endlich, endlich ließ sich am oberen Ende das charalteristische Zurückschieben der Stühle h'o ren. Wie ein Tiger auf feine Beute stürzte ich mich auf Fritz; er wollte gerade am Büffet noch tm Flasche Champagner bestellen. Fritz zeigte sich zum Glück nicht wU derspenstig; im Gegentheil, er war sentimental und theilnehmend gestimmt, so daß es mir verhältnißmäßig leicht, wurde, ihm das Portemonnaie abzuschwindeln. Ich stieß einen Seufzer der Erleich-. terung aus. Wenn es mir nun noch gelang, meine Angeb'.te wieder zu ttrsöhnen, war alles in Ordnung. Aber das glückte mir nicht; sie war zu tics gekränkt, ich hatte es bei ihr total verdorben. Zwar tanzte sie nach langem Flehen. noch einige Male mit mir, aber ihr sil berhellcs Lachen, auf das ich mich so gespitzt hatte, ließ sich nicht hören.End. lich ließ ich alle Hoffnunz fahren. Wir begaben uns früh nach Hause;, aber auch der gemeinsameHeimweg war unaemüthlich; wir sprachen wenig. Gerade wollten wir in die zu ihrer Wohnung führende Straße einbiegen, als plötzlich eine schrille Jungenstimme: hinter unS sich hören ließ. Ei. ei, Herr Langers. das hab' ichnu mit meinen eigenen Oogen gesehen und werd's ooch mei'm Meister verzählen, daß Se doch in de unberapptm. Stiebeln gedanzt haben." Clara war unwillkürlich stehen geblieben und ich kehrte mich wüthend' nach dem Sprecher um . . . Es war Piet, der Lehrjunge meines. Schuhmachers. Was fällt Dir ein. Du nichtsnutziger Lümmel . . ." begann ich heftig. Machen Se sich man nich dick, dünn, is Mode." grinste der Schlingel höhnisch. Mein Meister hat mir ausgeschickt, Se in's Oog' zu behalten undnu will ich's ih$n schönstens sagen." Mit dieser Drohung verschwandPietlm die Ecke.. Clara schaute mich an ich sie und plötzlich plötzlich brach sie In silberhelles Lachen aus. Sie lachte und lachte und konnte gn nicht mehr aufhören. Da war nun der Augenblick, nach dem ich mich den ganzen Abend gesehnt hatte. Und ich? WaS fMe ich tun? Den. Beleidigten spielen? Das wäre doch zu dumm ' gewesen, daher lachte ich mir, anfangs wohl wie einBauer, derZahn--schmerzen hat. aber bald aus voller Brust. Endlich konnte kelns von uns. Beiden mehr. Clara wollte sich entschuldigen! Eswar nicht hübsch von ihr. aber es wargar zu komisch gewesen, sie hatte wirklich nicht anders gekonnt und ich m'och te ihr nicht böse sein . . . Ich beruhigte sie darüber, und dawir nun doch in fröhliche Stimmung' gerathen waren und ich ihrLachen nach meinem Sinn nicht oft genug hören konnte, erzählte ich ihr all eine, schrecklichen Erlebnisse an diesem Tage, von Anfang bis zu Ende, und die. gaben ihr noch verschiedene Male Ge legenheit, ihre Lachmuskeln in lebhaft te Thätigkeit zu setzen. ' So endigte dieser denkwürdige Ball. abend no viel vergnügter, als ich zu hoffen gewagt. - Einige Wochen später feierte Clara..ihren Geburtstag; ich schenkte ihr eineBonbonniere, die ich nach langem Suchen endlich aufgetrieben: eine Atrcppe, in Form eines Lackstiefels. .Fritz freilich meinte, es hätte ein Pantoffel sein müssen. So'n JunkerNaseweis! AufderReitbahn.Lieute--ant (zu einem Rekruten, dessen Pferd in nördlicher Richtung durchzugehenversucht): Zügeln Sie doch IhrenGaul, Meier! Wollen wohl im Nordpol - Entdecken Nansen den Rang ablaufen!Resignation. Arzt (in de? Sprechstunde): Was fehlt Ihnen?" Patient: Ich bin schon acht Tage s-: krank; ich habe solche Schmerze?.,, -zcs mir das Leben verleidet ist. urc hab' ich mir halt gedacht: tv.V cits ich einmal zum Doctor nz'i ch'n wie's will." '
