Indiana Tribüne, Volume 19, Number 254, Indianapolis, Marion County, 31 May 1896 — Page 4

Jndiana Tribüne.

Erscheint Täglich und Sonntagv. Die tSgltcb XrlÖftne" kostet durch den Xtlflex i Cent per Woche, die eontaaS.TribSne'5 et5 per Woche. Beide usammen I SentS ,,e, SS ent per Z,n,t. Per Pft außerhalb de, fcubt ingeschtckt U oraukbtzshlung ff pe, Jahr. Me,, 5 Süd Alabama Straße. Indianapolis, Ind., 31 Mai 1896. Sonntags - pitai. Ein Defizit von beinahe 54000. Das ist immer eine unangenehme Geschichte, bei einem Mai-Musikfest, oder bei sonst etwas. Ueber die Ursache deS Defizits herrscht kein Zweifel. Daß der schlechte Besuch eS verursacht hat, daS ist Jedem klar. Nicht so klar aber ist die Ursache der Ursache. Warum war der Besuch mangelhast ? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Ohne Zweifel haben die schlechten Zeiten diel dazu beigetragen, ohne Zweifel auch der Umstand, daß wir in der abgelaufenen Saison große Oper und kürzlich eine Theatervorstellung zu sehr hohen EintrittSpreisen hatten, aber eS wäre meineS ErachtenS doch falsch, alle Ursachen außerhalb der Sache selbst und keine innerhalb derselben zu suchen. Ich bin der Ansicht, daß die langweiligen Programme der ersten beiden Tage, besonde?S aber daS vom Montag bedeutend zu dem schlechten Besuche beigetragen haben. Ich bin kein Musiker, ich bilde mir nicht ein, besonders sachverständig zu sein, aber ich glaube mindestens ungefähr so diel Geschmack zu haben, wie ein Mensch von einiger Bildung und Intelligenz haben kann. ES will mich aber auch bedünken, daß diese Musikfeste nicht bloß für solche Leute veranstaltet werden, welche Musik alS Studium, Beruf oder aus Liebhaberei betreiben, sondern für daS große Publikum, von dem doch eben die Meisten nicht Musiker sind. ES ist daher bei der Zusammenstellung der Programme auf den Geschmack deS großen Publikums und nicht auf den Einzelner Rücksicht zu nehmen, und der Geschmack deS PublikumS ändert sich mit der Zeit und wendet sich stets dem Neuen zu. ES ist keine Ursache vorhanden, zu hundertjährigenCompositionen zurückzugreifen. Der Geschmack ist heute anders als er vor hundert Iahren war. Seitdem ist durch Verbesserungen an den Jnfirumenten und durch Schaffung neuer Instrumente das Orchester leistungSfähiger geworden. Man liebt nicht mehr daS weiche, empfindsame Gedudel, sondern Macht, Kraft und Fülle im Ausdruck. ES giebt eine ganze Menge neuer, vortrefflicher Compositionen, welche dem heutigen Geschmacke entsprechen, so daß man nicht nöthig hat, so weit zurückzugreifen. Ein Zurückgreifen aus ältere Musik ist vollauf da berechtigt, wo, wie in den großen Städten Europa?, regelmäßige Konzerte daS ganze Jahr hindurch stattfinden, wo man stets Gelegenheit hat, die neuesten OpernschSpfungen zu hören, wo man also neben dem Neuen hie und da auch gerne einmal etwaS AeltereS hört, und wo man von Zeit zu Zeit auch dem Geschmacke derer Rechnung tragen kann, welche an der alten Musik Gefallen finden. Wenn man aber nur alle Jahre einmal ein paar Festkonzerte giebt, da sollte man daS Neueste und Beste, dem Geschmacke der Zeit Angemessene wählen. Selbstverständlich sind große Chorwerke zu nehmen, denn es ist der Chor, der daS Fest macht, aber nicht, wie die NewS" meint, die altmodischen Oratorien und Werke HändlS und HeydenS, sondern neue Chorwerke, wie die Max Bruchs und anderer Tonschöpfe? unserer Zeit, und der heutigen Geschmacksrichtung entsprechend, Sachen, in denen Leben, Bewegung, Kraft und Saft ist, für die man sich enthusiaSmiren kann. Ich habe noch keinem Musikfest beigewohnt, bei dem wie diesmal so gar kein EntthusiaömuS zu Tage treten wollte. Der erste Abend war so gründlich langweilig, daß eS sich wie ein Alpdruck über daS ganze Fest legte und die Stimmung eine gedrückte blieb. Erst beim letzten Konzerte sing die Stirn mung an sich zu heben und hätte sich wohl bis zum Enthusiasmus gesteigert, wenn man nicht die Zugaben unterlassen hätte. Dieselben verlängern freilich ain Konzert mehr alö nöthig ist, aber sie gehören nun einmal dazu und machen Stimmung. Bleiben sie weg, fühlen sich sich die Zuhörer enttäuscht und die gute Stimmung wird derdorben. Lieber eine Nummer weniger aus dem Programm als die Zugaben weglassen ! Das ist nun so meine Meinung. Ob

ich Recht habe, weiß ich nicht, aber ich glaube eö. Wenn die Herren Direktoren

daS Gesagte daS nächste Mal vesotgen vollen, soll mir'S lieb sein, wenn nicht, dann nicht. Der Plauderer. m ,, m Der Kleine. yon Rudyard Kipling Es ist unverständig, einen Knaben, der in die Welt geschickt wird und dort die Püffe, die ihn erwarten, auf eigene Rechnung und Gefahr pariren soll, nach dem System zu erziehen, das die Eltern einen Schutz vor Gefahren" zu nennen pflegen. Wenn er nicht eine Ausnahme unter Tausend ist, wird er gewöhnlich viele nutzlose Erfahrungen machen und dann vielleicht der Verzweiflung verfallen, einfach weil er den normalen Zustand der Dinge nicht kennt. Wenn ein junger Hund in einem Badecabinet Seife frißt oder an einem Paar frisch gewichster Stiefel herumknabbert, so kaut er und freut sich so lange, bis er entdeckt, daß ihm die Wichse und die Windsorseife furchtbare Uebelkeit verursachen, aber dann überlegt er und kommt zu dem Schluß, daß Seife und Stiefel unheilvoll für den Magen sind. Es ist gleichgiltig, ob ein alter Hund vom Hause ihm haarklein beweist, daß es nicht klug sei. in die Ohren älterer Hunde zu beißen, besonders wenn diese stark sind. Wird er größer, so fängt er an, sich zu erinnern, und mit sechs Monaten tritt er als ein wohlerzogenes kleines Thier, dessen Apetit unter den verschiedensten Genüssen zu unterscheiden weiß, in die Welt ein. Wenn er von der Seife, von den Stiefeln und den großen Hunden bis zur vollständigen EntWicklung seines Körpers und seiner Zähne ferngehalten worden wäre, welche Magenschmerzen und wie viele Bisse würde er erst jetzt zu ertragen haben! Wenden Sie dieselbe Beweisführung gefälligst auf das Erziehungssystem, genannt Schutz vor Gefahren", an und geben Sie Ächt, was daraus hervorgeht. Es war einmal ein Knabe, der nach dem obigen System erzogen ward: er starb ganz einfach daran. Er hatte alle seine Tage von seiner Geburt an bis zu seinem Eintritt in die Militärschule zu Sandhurst, wo er 'beinahe den ersten Platz erhielt, bei seinen Eltern verbracht. Ein Erzieher hatte ihn Alles gelehrt, womit man Lob gewinnen konnte, und Alles, was er, weil es schlecht für ihn sei, zu vermeiden hatte. Er hatte den Seinigen sein Leben lang keinen Augenblick der Unruhe bereitet." Es ist gleichgiltig. was er in Sandhurst außer der gewöhnlichen Routine lernte. Er warf seine Blicke um lH Ull V UilUf IVtllll IU 411 tu; drücken darf. Seife und Wich W r( Jf o aus e ganz ete daönach seinem Geschmack. Er kosj I. t . r - n li -I von und verlieg sanoyuru mir einem etwas weniger guten Platz. Nun kam eine Zwischenzeit und eine Scene mit seinen Eltern, die Wunder von ihm erwartet hatten. Dann verbrachte er ein Jahr der Unschuld" in einem Regiment. wo alle Jungen" Kinder und alle Aelteren alte Weiber waren und endlich ging er, des väterlichen und mütterlichenSchutzes beraubt und ohne einen Menschen zu haben, auf den er in den Stunden der Prüfung hätte zählen können, nach Indien. Indien aber ist ein Land, wo man sich mehr als anderswo hütm muß, die Dinge, ausgenommen die Mittagssonne, allzu ernsthaft zu nehmen. Zuviel Arbeit oder zuviel Energie tödten einen Mann dort ebenso sicher, wie zuviel Lüderlichkeit und Trinken. Die Liebe ist ohne Bedeutung, da man beständig den Ort wechselt und sie" oder er" den Schauplatz verläßt, um nie wieder zurückzukehren. Die gute Arbeit ist ohne Bedeutung, da man einen Mann nach dem beurtheilt, was er Schlechtes gemacht hat, und da ein Anderer gewöhnlich das Verdienst dessen einsteckt, was jener Erste Besseres gemacht hat. Die schlechte Arbeit ist ohne Bedeutung, weil Andere noch schlechtere machen und weil Indien dasjenige Land ist, in dem die Unfähigen am längsten am Ruder leiben. Die Vergnügungen sind ohne große Bedeutung, - weil man , beständig neue aufsuchen muß, ehe man noch mit den alten recht fertig geworden und weil die meisten sich nur durch ein Bestreben auszeichnen: Das Geld eines Anderen zu gewinnen. Die Krankheit ist ohne Bedeutung, weil sie einen Theil des täglichen Pensums bildet und weil, wenn Du an ht stirbst, ein Anderer in den acht Stunom zwischen Tod und Begräbniß Deinen Platz und Dein Amt einnimmt. Aber dieser Knabe (die Geschichte ist alt wie die Welt) kam nach Indien und nahm Alles ernsthaft. Er war hübsch und wurde gut behandelt. Er fand sein freies Leben in Indien sehr angenehm. Für den Anfang mag ei in den Augen eines SubalternofficierS mit seinen Pferden, seinen Bällen, seinen Tänzerinnen auch so erscheinen. Er kostete davon, wie der junge Hund die Seife kostete, nur daß er spät, nach vollendetem Zahnen anfing. Er hatte keinen Sinn für Maß, genau wie der kleine Hund, und konnte nicht begreifen, warum man ihn nicht nit derselben Achtung behandelte, wie im Hzuse seines Vaters. Darüber fühlte er sich verletzt. Er. zankte sich mit anderm. junge Leuten, und da er empfindlich bis auf die Knochen war. so vergaß er diese Zwistigkeiten nicht, die ihn ärgerten. Er liebte daS Whistspiel und ähnliche Spiele derselben Ärt, die die jungen Leute amüsiren sollten, üUt er nahm

sie ebenfalls, wie Alles, wie die Kopf

schmerzen, die den Gelagen folgten, ernsthaft. Er verlor sein Geld bei diesen Spielen. Er nahm seine Verluste ernsthaft und bot für die natwnalen Wettrennspiele soviel Energie und Leidenschaft auf, als wenn es sich um ein Derby gehandelt hätte. Und alles dies war theils durch seine Unerfahrenheit, die derjenigen des kleinen Hundes, der in den Stiefel hineinbiß, ähnlich war. theils durch die Schlaftrunkenheit seines früheren zu ruhigen Lebens und die Ueberreizung seines jetzigen veranlaßt. Niemand warnte rhn vor der Seife und der Wichse, well im Allgemeinen Jeder ihr von selbst mißtraut. Es war ein trauriges Schauspiel, diesen Knaben zu sehen, der einem jungen, sorgfältig gehüteten Füllen glich, das, einmal von seinem Groom getrennt, sofort stürzt und sich Schaden thut. Dieser zügellose Genuß von Freu den, die es nicht werth waren, daß man sich ihnen überließ und gewisse Grenzen überschritt, dauerte sechs Monate, die aanze kalte Saison hindurch. Alsdann dachten wir, daß die Hitze, die Erinnerung an das verlorene Geld, an seine gefährdete Gesundheit und seine ermatteten Pferde unseren jungen Mann beruhigen und daß er auf diese Weise fern Gleichgewicht wiederfinden würde. So erging es neunundneunzig unter hundert jungen Leuten. Man kann sich in jeder beliebigen indischen Station davon überzeugen. Aber in diesem Falle bewährte sich das Princip nicht, weil der iunae Mann von allen Eindrücken beherrscht wurde und weil er, wie wir schon sieben Mal gesagt haben, die Dinge ernsthaft nahm. Natürlich konnt? wir nicht wissen, was er selber über seine eigenen Ausschweifungen dachte. Sie gingen schließlich nicht über den Durchschnitt hinaus und waren nicht der Art, daß man alle Hoffnung aufgeben mußte. Vielleicht würde er den Rest seines Lebens, um an das Financielle zu denken. in Geldnoth verbringen; vielleicht thäten ein paar Sorgen seiner Gesundheit noth. Aber unser Held sah wahrscheinlich die Situation von emem ganz anderen Gesichtspunkte aus an und glaubte sich wegen financieller Schwierigkeiten rettungslos verloren. Sem Hauptmann sprach am Ende der kalten Saison" strenge mit ihm. Er wurde dadurch noch unglücklicher, obgleich es eine ganz gewöhnliche Büßpredigt dieses Vorgesetzten war. Das. was nachher folgte, ist ein seit sames Beispiel von der Art, wie wir allesammt verkettet und gegenseitig verantwortlich für einander sind. Was das Hirn unseres jungen Man nes vollständig zerstören sollte, war eine Beobachtung, die eine Frau an stellte, während sie mit ihm sprach. Es ist unnütz, sie zu wiederholen, denn es war weiter nichts, als eine grausame kleine Phrase, die, unbedacht ausgesprochen, ihn bis m die Haar wurzeln erröthen machte. Er blieb drei Tage zu Hause und bat dann um einen Urlaub von zwei Tagen, während dessen er etwa dreißig Meilen weit, in der Nähe einer Station von Canal - Ingenieuren, aus die Jagd gehen wollte. Er erhielt die Erlaubniß und zeigte sich am Abend bei Tisch noch lärmender und aufgeregter als gewöhnlich. Er erklärte, großes Wildpret" schie ßen zu wollen, und fuhr um halb elf Uhr in einem Wagen weg. Das einzige Rebhuhn, das man in dem Nevier schießen konnte, war wirklich kein großes Wildpret", so daß Alle in La chen ausbrachen. Am anderen Morgen kam ein Makor nach kurzem Urlaub zurück und hörte, daß unser jungerMann abgereist sei, um großes Wildpret" zu schießen. Der Maior hatte sich für den iNeinen" interessirt und ihn mehr als einmal während der kalten Zeit" zurückzuhalten versucht. Als er von der Expedition hörte, zog er die Brauen in die Höhe und gmg in das Zimmer des jungen Man nes, wo er eme Nachforschung hielt. Bald kam er daraus zurück und ich begegnete ihm gerade. Es war kein Anderer sonst im Be stibül. Er sagte: Der Kleine" ist jagen gegangen. Jagt man aber Wildpret mit emem Revolver und emer Schreibmappe?" Ich erwiderte: Welcb ein Unsinn, Major." denn ich verstand, was ihm im Kopfe herumging. Er versetzte: Unsinn oder nicht, ich gehe an den Canal und zwar gleich; es läßt mir feine Ruhe." Er dachte einen Augenblick nach, dann fügte er hinzu: Verstehen Sie. zu lügen?" Wie denn nicht?" antwortete ich. Das ist ja mein Handwerk Nun gut." sagte der Major. Sie kommen also mit mir und zwar sogleich, an den Canal. um zu jagen. Gehen Sie sich ankleiden, machen Sie schnell und kommen Sie im Wagen und mit einer Flinte hierher zurück." Der Major war von herrischem Wesen, und ich wußte, daß er keine Befehle umsonst ausgab. Ich gehorchte als) und fand bei meiner Rückkunft den Major in einem Wagen eingerichtet. Flintenkasten und Mundvorrath an Lederriemen ausgehängt und Alles für einen Jagdausflug be:!t. . Er schickte den Kutschcr weg und kutschirte selbst, so lange wir in der Stadt waren, mit einer ruhigen Haltunq, aber auf der staubigen Straße, die die Ebene durchschnitt, flog der Vonv von selbst dahin. Ein Pony, der m Freien aufgezogen, kann gelegentlich das Höchste leisten. Wir legten die dreißig Meilen in etwas weniger als drei Stunden zurück, ajer daS arme Thier war halb todt. Als ich einmal fragte: Wozu diese tolle Hede. Major?" antwortete er: .Der

kleine t seit zwölf, vierzehn, beinahe fünfzehn Stunden allein und ich wiederhole, daß ich keine Ruhe habe." Die Unruhe erfaßte mich ebenfalls; ich half ihm den Pony antreiben. Als wir an das Haus am Canal kamen, rief der Major nach dem Diener des kleinen", aber es kam keine Antwort. Dann näherten wir uns dem Hause und riefen ven Kleinen" selbst, aber es kam keine Antwort. Oh," sagte ich. er wird ausgegangen sein, um zu jagen." In demselben Äugenblick bemerkte ich durch eins dcr Fenster hindurch eine angezündete kleine Reiselampe. Es war 4 Uhr Nachmittags. Wir blieben beide knapp unter der Veranda stehen, hielten unseren Athem zurück, damit uns kein Ton verloren ginge, und hörten aus dem Innern des Zimmers das Brr. Brr, Vrr einer Menge von Fliegen, Der Major sagte nichts, sondern nahm seinen Helm ab, und wir traten leise ein. Der Kleine" lag inmitten des kahlen, weißgetünchten Raumes todt hingestreckt auf dem Feldbett. Er hatte sich mit seinem Revolver den Kopf durchschossen. Auf dem Tische lagen die Schreibmappe und etliche Photographien. Der Junge war hierher sterben gekommen, wie eine vergiftete Ratte. Der Major flüsterte ganz leise: Armer Junge! Armer, armer Teufel!" Dann wandte er sich gegen das Bett und sagte zu mir: Ich brauche Ihre -Hilfe in dieser Sache." Da ich wußte, daß der Kleine" einen Selbstmord begangen, verstand ich genau, welcher Art diese Hilfe sein müsse; ich ging also an den Tisch, steckte eine Cigarre an und begab mich an die Durchsuchung der Schreibmappe. Der Mljor blickte über meine Schulter hinweg und wiederholte für sich selbst: Wir sind zu spät gekommen. Wie eine Ratte im Loch. Armer, armer Teufel!" Der Kleine hatte die halbe Nacht damit verbracht, an seine Familie, an seinen Oberst und ein junges Mädchen daheim in England zu schreiben und sobald er damit zu Ende war, hatte er sich getödtet, denn als wir bei ihm eintraten, war er schon lange todt. Ich las Alles, was er geschrieben hatte, und theilte Manches davon dem Major mit. Aus seinen Berichten ersahen wir, wie ernst er Alles genommen hatte. Er sprach von der Ehrlosigkeit, die er nicht länger ertragen könne, von der unauslöschlichen Schande, von seinem verlorenen Leben, seiner verbrechenschen Leidenschaft " und sonst noch von einer Menge Dinge privaten und zu heiligen Charakters, als daß man sie drucken dürfte. Der Brief an das junge Mädchen war der schmerzlichste von allen, und die Bewegung erstickte mich, als ich ihn las. Der Major bemühte sich nicht einmal, seine Thränen zu verbergen. Ich achtete ihn nur noch mehr deswegen. Er las, rang die Hände und weinte wie ein Weib, ohne sich zu bemühen, sich zu beherrschen. Die Briefe waren so trostlos, so verzweifelt, so erschütternd! Wir vergaßen alle Dummheiten, die der Unglückliche begangen, um nur an das ausgestreckte Ding auf dem Bette zu denken und an die düsteren Blätter in unserer Hand. Diese Briefe an ihren Bestimmungsort zu senden, war ganz unmöglich. Sie hätten das Herz des Vaters gebrochen und die Mutter getödtet, indem sie ihren Glauben an den Sohn getödtet hätten. Endlich wischte sich der Major mit einer entschlossenen Bewegung die Au gen ab und sagte: Eine nette Geschichte, die da über eine Familie hereinbricht! Was sollen wir thun?'' Ich, der ich wußte, warum mich der Major mit genommen hatte, erwiderte: Der Kleine ist an der Cholera gestorben. Wir waren in seiner Nahe. Wir können nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Also vorwärts!" Nun begann eine der traurigst-ko-mischen Scenen, an denen ich je im Leben theilgenommer- die Erfindung einer großartigen, geschriebenen und documentirten Lüge, um den Schmerz einer Familie drüben in der Heimath zu mildern! Ich begann den Entwurf des Briefes, der Major suggerirte mir von Zeit zu Zeit einen Gedanken, immer damit beschäftigt, die beschriebenen Bogen des armen Jungen zu sammeln und im Kamin zu verbrennen. Als wir uns an's Werk machten, war der Abend heiß und still, und die Lampe gab nur ein schlechtes Licht. Endlich schien mir der Brief zufriedenstellend zu sein; er war abgefaßt, als ob der Kleine" ein Muster aller Tugenden gewesen, angebetet vom Regiment, als ob er hätte Hoffnung ge-

habt, die schönste Carriöre zu machen, u. s. w., u. s. w., als ob wir ihm während der Krankheit beigestanden und als ob er gestorben wäre, ohne zu leiden. Die Bewegung überwältigte mich, als ich diese Dinge niederschrieb und an die armen Leute dachte, die sie lesen würden. Dann brachte mich die groteske Seite der Sacke zum Lachen und da dies Lachen sich mU der schmerzlichen Bewegung mischte, erklärte der Major, dqß wir ulle Beide etwas trinken müßten. Ich wüge nicht zu sagen, wie viel Whisky, wir hinunterschluckten, ehe wir den Brief beendigten. Er hatte aber gar keine Wirkung auf uns. Hierauf nahmen wir die Uhr. daZ Medaillon und dieRinge des armen Kleinen". Schließlich sagte der Major: Wir müssen auch eine Haarlocke schicken. Auf so was leat eine Frau Werth." . Aber aus gewissen Gründen war es unö unmöglich, eine öaarlocke z sin den. die in dem Zustande aemesen

wärs, daß man sie hätte schicken "können. Der Kleine" war braun und der Major glücklicherweise ebenfalls. Ich schnitt mit einem Messer eine Haarlocke des Majors oberhalb seiner Schläfe ab und that sie in das Packet, das wir zurecht machten. Von Neuem überkam mich wieder jene aus Schmerz und Lachen gemischte Bewegung und ich mußte einhalten. Dem Major erging es kaum besser, und wir wußten, daß die härteste Arbeit noch vor uns lag. Wir siegelten das Packet das die Photographie, das Medaillon, die Ringe, den Brief und die Haarlocke enthielt. Dann sagte der Major: Um Gotteswillen, gehen wir jetzt hinaus, verlassen wir dieses Zimmer und denken wir nach!" Wir gingen hinaus, um eine Stunde an den Ufern des Canals spazieren zu gehen und unser Mitgebrachtcs zu essen. Dann ging der Mond auf. Ich kenne jetzt genau die Gefühle, die ein Mörder empfindet. Dann kehrten wir mit einer großen Willensanstrengung in das Zimmer zurück, wo sich die Lampe und das Andere" befand und wo uns unsere neue Aufgabe erwartete. Ich beschreibe sie nicht; es war zu furchtbar; das Feldbett wurde verbrannt, die Asche in den Canal geworfen und die Strohmatten folgten nach. Ich ging in das Dorf, um zwei große Schaufeln zu leihen; ich wollte nicht, daß die Leute vom Dorfe uns Hilfe leisteten, während sich der Major noch mit den anderen Einzelheiten beschäftigte. Wir brauchten vier Stunden angestrengter Arbeit, um das Grab zu graben. Während wir gruben, fragten wir uns, ob wir, was uns von einer Todtenmesse in der Erinnerung war. hersagen dürften. Wir entschieden uns. als Compromiß ein Vaterunser zu sagen und ein nicht officielles Gebet für die Seele des Kleinen" beizufügen. Nachdem wir die Grube zugeschaufeit hatten, kehrten wir auf die

Beranda, nicht m das Haus zurück. um zu schlafen, denn wir waren halb todt von Müdigkeit. Beim Erwachen sagte der Major in schläfrigem Tone: Wir können vor Morgen nicht zurückkehren. Vergessen Sie nicht, daß er heute Morgen m der Frühe gestorben ist. Das erscheint naturlicher." War der Major diese ganze Zeit wachgebueoen, um nachzudenken? Ich erwiderte: Warum haben wir denn den Leichnam nicht nach der Gar nison zurückgebracht?" Der Major dachte einen Augenblick nach. Weil die Eingeborenen geflohen sind, als sie horten, izz er an der Cho lera gestorben sei. Außerdem haben wir keinen Wagen gehabt. Das war vollkommen richtig. Wir hatten den Pony ganz vergessen und so war er nach Hause zurückgekehrt. Wir blieben also diesen ganzen er stickend heißen Tag in dem Hause am Canal und gingen wieder und wieder die Geschichte vom Tode des Kleinen m allen Einzelheiten durch, um uns zu vergewissern, daß sich nirgends eine schwache Seite darbiete. Wir plauderten den ganzen Abend und wiederholten unsere Geschichte vom Tode des Kleinen". Sobald der Mond aufgegangen und der Verstorbene theoretisch begraben war, schlugen wir den Weg zur Stadt quer durch die Ebene em; unser Marsch dauerte von acht Uhr Abends bis sechs Uhr Mor gens; aber obgleich wir todtmüde wa ren, vergaßen wir nicht, in das Zimmer des Todten zu gehen, semen Re volver mit allen Schüssen zu laden und ihn wegzuhängen. Seine Schreibmappe wurde auf den alten Platz ge legt. Dann gingen wir dem Obersten Bericht erstatten und kamen uns mehr als je wie Morder vor. Hierauf bega ben wir uns zu Bett, wo wir bis in die Ewigkeit hinein schliefen, denn wir waren am Ende unsere Kraft. Die Geschichte wurde so lange ge glaubt, als dies nöthig war, denn nach vierzehn Tagen dachte Niemand mehr an den Kleinen". Dennoch fanden viele Leute Zeit, zu meinen, daß der Major skandalös gehandelt habe, da er den Leichnam nicht zurückgebracht, um ihm durch das Regiment die letzten Ehren erweisen zu lassen. Das Traurigste von Allem war der Brief, den die Mutter des armen Jun gen uns, dem Major und mir, schrieb, und der ganz mit Tintenflecken bedeckt war. Sie sagte uns die rührendsten Dinge über unsere Güte und über die Dankbarkeit, die sie uns ihr ganzes Leben lang bewahren werde. Wenn man Alles recht betrachtet. war sie uns inWirklichkeit Dankbarkeit schuldig, aber nicht gerade für dasie nige, wovon sie glaubte, daß wir es gethan hatten. Pumpernickel, Roggenbrot und alle Sorten Kuchen in vorzüglicher Qualität bei Bernhard Thau, MarktSand 122 ider Hosbrook Str. No. 1. Kakamazoo, Mich., ist wegen seineö Sellerie berühmt ferner als die Heimath von ThoS. Slater, dessen Anzeige auf Seite 10 erscheint.

Verlangt. Respektable deutsche Männer zur Uebernahme der Agentur für in jedem Hause leicht- verkäufliche Artikel. Ersahrung nicht nothwendig, einfache Arbeit und gute Bezahlung garantirt. Jeder, der sich ein rentable Geschäft zu gründen wünscht, oder sich einen guten Nebenverdienst verschaffen will, schreibe sofort für Cirkulare und kostenfreie Proben an d. I. Ockoop 55 (7o., Wo. 235 State Straße, Nannt, M.

In jedem Laden in der Stadt wurde Ihren ein Anzug wie Sie ihn gerne hätten, von zehn bis fünfzehn Dollar tosten. Wir glauben, daß wir Sie befriedigen können mit unseren Anzügen zu

Wir haben viele Sorten, Schnitte und Farben. Sehen Sie unser feines Assortement moderner Strohhutc. No. 1 West Washington Str.

mmMo

UM

- ' '' mtSAml aJ7 , m frGr?t)iZxTTfiil6 $mmwi4 & $4&it&&m 1 's C'U I ' 4 i'Vi' i I . i'5,rTJ w j MMUM I tk , hTn O.jr.i fci li r L . ', wi mm uBv mterirc- 7 n W Tir '

Deutsch e

Feuer-Verfichmmgsgesellschaft

von Haupt-Ofsice: 27 1-2

Die älteste Versicherungs.Gesellschaft. Capital 9100 ,000. Heserve Fond $270.000.

Versichert gegen Gas'ßxplosion'Schaden. Versichert gegen SturM'Schaden

Theodor Stein, Präsident. Friedr. Schrader, 1. Vice.PrLs. John W. Schmidt. 2. Bice-VrSs.

mmu

Gebaut in der größten und besten Fabrik der Welt. 15.00 Beim kaufen eine WaverleyS. Der Preis ist uur $85.00, aber find anerkannt die besten der erster Klasse Räder Gespart. Sie besitzen mehr gute Eigenschaften als irgend ein änderet Rad. Eine Untersuchung wird Sie davon überzeugen. Detailaeschäft: Lcks Psnnfylvnni und Shio Strußs.

) Fch 11 fa - .' t"; , i$ k ,4; i r f jCI- ! V Iri MM

Slsy-IXigh. Oroocoiita

El T. EJearsey Oycle Co., No. 116 und 118 Nord Yennsylvania Straße.

LIeitsckule offen während deö TagS und Abends.

Sie weifen s ffstC y Lri

BR0THEBS,

WagenFabrikanten. 9 bis 72 W. Morriiftr. und 198 bii 200 Maple Str. Der gabrikatton ,n Eiswagen, Bierwa-gen,Flafchenbierwa-genu.Ablieferungß-roagen aller Arten, atrd besondere ufmerk samkeit geschenkt, ttc&a ratuTcn erden schnell u, (tut besorgt. Alle rbett garanttrt. Telephon 1380 Sud Delaware Straße. Lorenz Schmidt, Sekretär. Theodor Reyer, Schatzmeister. August Doppers. Solintor.' DGYGlESi

Amerikas Günstling.

Ein verständiger Einkauf am Anfang, vermeidet Unzufriedenheit und Reue später. Sie haben nichts zu bereuen, wenn Sie Ihr Rad aus den nachfolgenden wählen. Alles neue Modelle

The Matchloso Soarooy $85 The Barnoa "WhitoPlyor $100

darauf hin. Kein anderes Rad der Welt ist ehe eS auf den Markt kam so viel besprochen worden alS daS JSJZJTT D)D2 Kein anderes Rad ist so snell z Popularität gelangt. Qarum 7 Weil echte staubfreie & gellager Verhärtung der Anfioßftellen, Kurbelstange und Aze aur eine Qtück und größte OorzÜZlichkeit in Construktion und Finish" sin Yopnlsrität xeöwnen. .