Indiana Tribüne, Volume 19, Number 254, Indianapolis, Marion County, 31 May 1896 — Page 2
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' ' , l Fräulein Verahaus und ich aeben'Euch
Stiminungcn.
1 Ein lustiger Reim aus der Kinder pitoe lautet: Mein lieber Bruder Aergerlich Weiß gar nicht, was er will; .' Denn was vt hat, das will er nicht, J Und was er will, das hat er nicht, Mein lieber Bruder Aergerlich Hat alles, was er will." Das fugt man mißgelaunten kleinen Ouerköpfen vor. wenn weder Spiel noch Arbeit ihnen behagt und sie im wahrsten Sinne des Wortes nicht wisJen, was sie wollen. Könnte das Lied then aber nicht auch manchmal bei uns Erwachsenen Anwendung finden? Verznögen wir uns ganz . davon frei zu sprechen, je in folch' einer Bruder-Uergerlich-Stimmung" zu sein? Ob sie aus körperlichem oder geistigem Unbehagen entspringt vorhanden ist sie auch bei dem Besten hin und wieder. Da haben wir einen langen, gemüthlijchen, wenn auch einsamen Abend vor Ms. an dem viel zu schaffen wir Morgens fchon beabsichtigen. Der Hausherr znuß zu einer Versammlung, dieWild sänge, die uns den Tag über in Athem gehalten haben, schlafen also Ruhe herrscht im gemuthNchen Wohnzimmer. Mer das seelische Gleichgewicht ist erschüttert: Wodurch wissen wir selbst juchi. Wieviel wollten wir heuteAbend erledigen! Briefe schreiben, nothwenfcigc Näharbeiten beenden, zuletzt noch tin Buch lesen, das bald seinem Eigen jhümer zurückgegeben werden soll zaber wir mögen nicht, absolut nicht; jgar nichts von alledem, was doch so nothwendig wäre! Briefschttiben? schrecklich! ES ist ja nichts Jnteressantes zu berichten, und weshalb auch? Andere Leute schreiben auch nicht und lassen uns wochenlang warten. Nähen? Am späten Abend noch? Nein, einmal muß der Mensch ruhen. Wann Zhat eine Hausfrau denn überhaupt Ruhe?! Ein Seufzer folgt dieser inZhaltsschweren Frage und die Stimimung wird immer düsterev. Nun bleibt die Lectüre. Aber dasCguch Zst keine leichte Waare; es fordert das Nachdenken heraus! und Denken? nein, such denken mögen wirebennicht! Mißmuthig schweifen die Blicke durch das Zimmer vielleicht austerSuche nach der bekannten Fliege an der Wand. Da bleibt das Auge auf dem Kalender heften.' Wie, heute schon der vierzehnte? In .zwei Tagen ist einer lieben mütterlichen Freundin Geburtstag, der wirklich nicht mit einem Brief Vergessen werden darf; denn wie viele sröhliche Stunden unserer Jugendzeit verdanken wir ihr; wie oft haben wochenlange Besuche bei ihr eine angenehme Unterbrechung in unser stilles Landleben gebracht! Und bei ihr war es auch, wo wir unseres Herzens reich stes Glück fanden. Ehe wir selbst es Ivissen, sind wir über diesen Gedanken pm Schreibtisch. Die Feder fliegt übe? das Papier, und aus dankbarem Kerzen 'heraus finden sich die rechten Worte von selbst. Der erste Bogen ist gefüllt, und so viel Interessantes wäre iwch zu berichten: von dem Glück des Hauses, vonden Kindern, und ihrem Gedeihen, während wir eben noch ge zneint, es gebe gar nichts Interessantes znehr. Nach Verlauf einer kleinen Stunde ist ein langer Brief fertig. Erfrischt und angeregt suchen wir jetzt fast nach neuer Thätigkeit. Mit Eifer und ohne Seufzer nehmen wir die Näharbeit vor. Die Nadel schafft. 'und die Gedanken wandern in die Ferne, zu theuren Lieben, zu vergange nen glücklichen Tagen und zurück zum 3lück der Gegenwart. So, nun ist uch diese Arbeit fertig; jetzt noch das Buch. Die geistige Spannkraft ist im wiedergekehrt, wir gehen mit Lust Md Interesse rrn die Lectüre. die uns Don Seite zu Seite mehr fesselt, fo daß 3vir der entfliehenden Zeit nicht achten, bis endlich das Abendläuten in unsere Stille hineintönt und es uns mahnt, kdaß der Tag ein Ende haben und jetzt faxt Ruhe folgen soll, der wir nun auch mit Befriedigung nachgehen. Wo abe? Hlieb die Brüder-Aergerlich-Stim znu? Sie ist verschwunden; in der Arbeit und Pflichterfüllung haben wir sie veraessen. Seaen war auch hier .der Mühe Preis!" - Hinlänglich m o t i v i r t. In Sardellendorf ist. wie m allen Ost .-seebädrin, das Betreten der StrandPromenade in der Nähe des Damenba i3 den Herren wahrend der Badezeit Mtersagt. Eine altere Dame trifft un auf ihrem Gang zum Bade den Kandidaten Schnase auZ Dresden, welcher, unbekümmerr um das Verbot mit einem Opernglase bewaffnet den Badenden zusieht. ' Aber, mein Herr sagt die Dame entrüstet, was fällt Ihnen ein, sich hin mit einem Opern glaS aufzupflanzen?"' Der Candi dat Schnase setzt sein Opernglas einen Augenblick ab, und entgegnet mit der vollendeten Ruhe des Weltweisen: Ich bin Se nämlich sähre kurzsichtig." DieTonhöhe. .Wie hastDu Dich gestern in der Gesellschaft unter.halten?" Mäßig." Wer war denn von Berühmtheiten anwesend?" Der Tenorist Schrillmalier und der Bassist Tiefhuber." Was ha! denn der Tenor gesagt?" Dumm Seiten." Und der Bassist?" -Dieselben Dummheiten, blos'eineOc'tave tiefer." Fatal. Sagen Sie, Frau Amtsrichter, wie kommen Sie denn zu dieser Menge Chinesen?" Ach. als -ich Hochzeit hatte, war gerade großer Ausverkauf in einem chinesischen Ge scöaft! ... Es sind lauter Hochzeits geschenke!" E in Eisenbahnunglück Ja. Freund, wie schaust denn Du cns; was ist passirtt" B.: Eisen .dabnunglück erlebt." A.: Einen Zusammenstoß?" B.: Nee, fremdk 2amt im Tunnel geküßt." u--
Auf Umwegen. Humoreske von Hermann Limbacü.
ftrin Erdinaer. der Burlcke des Lieutenants von Flemming. saß in Abwesenheit des Letzteren an dessen Schreibtisch und quälte sich mit dem n r r i : -.- c. v.: ciicu jcgiijiiiajen icoeserguy an uic Erkorene seines 5er?ens. Bor Kurzem erst in den bunten Rock eingekleir r!i.Lt. fc Ost Dti, yane leine isoeiy itjin oeim -au sckied aus dem beimatblicken Dorfe streng eingeschärft, ja bald zu schreiben w i vi- f ir : uau niaji an oz iciujiuuiiycii Stadtmädchen zu hängen. Eben legte er die Feder hin und besah sich das Geschriebene, welches aber, wie er sich seufzend gestand, aus lauter völlig unleserlichen Hieroglyphen zusammengesetzt schien, die er selber kaum zu entziffern vermochte.. Das kann sie nimmer lesen, die gute Lisbeth," brummte er, sich verzweifelnd die feuchte Stirn trocknend. Der Henker hole die ganze Schreibe rei!" Er stützte den Kopf in die Hand und starrte auf das Fragment seines ersten Liebesbriefes. Da legte sich plötzlich eine Hand auf seine Schulter. Fritz fuhr erschreckt empor. Ach, Sie sind's, Herr Lieutenant!" stotterte er, sich kerzengerade aufstellend. Lieutenant von Flemming sah ihn erstaunt an und schüttelte den Kopf. Mensch, was hast Du? Du siehst ja us, als ob Du die ganze deutsche Armee verrathen hättest!" Ach. Herr Lieutenant verzeihen, daß ich mich hierher gesetzt habe aber meine Lisbeth ich hab' ihr versprechen müssen, zu schreiben und nun will mir gar nichts recht Gescheidtes einfallen!" Du bist ein Narr," lachte der Lieutenant, warum schreibst Du Deinen Liebesbrief auf einen solchen Foliobogen, den Du nicht zum achten Theile mit Deinen Gefühlsergüssm bemalen kannst?" Ich fand keinen kleineren!" seufzte r-u ' ,v intz. Laß mal sehen!" gebot sein Herr. Er betrachtete eineWeile kopfschüttelnd das Geschriebene und erklärte dann, es nicht entziffern zu können. Kannst Du nicht besser schreiben?" Fritz schüttelte trübselig den Kopf. Kennt Deine Liebste Deine Handschrift?" Nein, Her? Lieutenant!" . Ist sie hübsch?" Ein wahrer Engel und herzenZ gut!" Kann ich mir denken! Blond oder schwarz?" - Rabenschwarz. Herr Lieutenant!" Vielleicht vom Stamme Israel?" frug dieser mit etwas boshaftem Lächeln. Bitte recht fehr, Her? Lieutenant! Ihr Vater " Schon gut, mein braver Fritz! Den Stammbaum der Rabenschwarzen will ich Dir schenken. Noch eine Frage: Hat sie Verstand?" Oh, Her? Lieutenant, meine Lisbeth ist zehnmal klüger als ich!" antwortete Fritz mit Stolz. Das muß ja ein wahrer Phönix von einem Mädchen sein!" lachte der Lieutenant. Willst Du, daß ich Dir den Brief aufsetze?" Fritz war auker sieb vo? Freude: er ! dankte seinem Herrn, de? stets zu solcyen spaßen ausgelegt wa?, mit stürmischen Worten. Nun also, was soll ich Deiner Lisbeth schreiben?" fragte Lieutenant v. Flemming belustigt, als er den Platz am Schreibtisch eingenommen. Ja, Herr Lieutenant, wenn ich'Z nur selbst recht wüßte!" erwiderte Fritz, sich hinter den Obren krauend. Sie soll r um meinetwillen nicht so grämen und ja nicht krank werden. Ich wäre ganz gesund und munter und dächte gar nicht daran, ihr untreu zu werden." Gut, das ist genügend, mein braver Fritz! Sie soll glauben. Du habest den Brief felbst geschrieben." Dem guten Fritz lachte das Herz im Leibe über dieses Auskunftsmittel, während der Offieier folgende Zeilen zu Papier brachte: Theuerste Lisbeth! Vergib mir, daß ich Dir nickt eher geschrieben habe. Doch an meiner Liebe darfst Du darum nicht zweifeln. Wo fände ich auch ein Wesen, das Dir gliche? Du bist derStern, die Krone meines Lebens! Mir geht es hier sehr gut, nur die Sehnsucht nach Dir trübt mir zuweilen die Seele, und weil ich so gar nichts von Dir erfahre. Bald schreibe ich mehr. Lebe wohl, Geliebte, und antworte bald Deinem treuen Fritz Erdinger!" So. das wäre fertig!" sagte der Lieutenant. Bist Du zufrieden?" Oh. tausend Dank!" erwiderte Fritz gerührt. Das ist mir ganz aus der Seele geschrieben, und ich begreife nicht, daß mir das nicht selbst eingefallen ist. Na, meine Lisbeth wird aber Respect vor mir bekommen und denken: Mein Fritz drückt sich doch schriftlich sehr gut aus! Und besonders die eine Stelle, die wird ihr gefallen von dem Stern und der Krone des Lebens!" Lieutenant von Flemming lachte, und Fritz trug eilig den inhaltsschwe ren Brief zur Post. Was ist nur mit Dir, Lisbeth?" fragte Fräulein Berghaus, die Besitzerin des Rittergutes D., ihre Zofe, als diese erst nach dreimaligem Klingeln erschien. Ach. gnädiges Fräulein, der Fritz hat geschrieben!" Fröulnn Berghaus lächelte. Ei, da muß ich schon Nachsicht .!j?iC Liebe joll ja blind und
taub machen. Wie geht es denn Deinem tapferen Fritz?" Hier ist sein Brief." antwortete Lisbeth stolz, gnädiges Fräulein dürfen ihn lesen!"
Fräulein Berghaus nahm das Schreiben und las mit wachsendem Interesse die Zeilen des Soldaten. Welch' hübsche Handschrift." begann sie. Dein Fritz scheint ja ein recht gebildeter junger Mann zu sein!" Das glaube ich!" erwiderte Lis beth. Und so bescheiden ist er. Andere prahlen, wenn sie schöne Briefe schreiben können, aber er thut immer, als könne er keine Feder anfassen." Nun, ich gratulire Dir," sagte Fräulein Berghaus gut gelaunt. Ich hoffe, daß es ihm auch ferner gut geht, und wenn Euch die Verhältnisse gestatten, zu heirathen. werde ich für Eure Einrichtung Sorge tragen." Lisbeth schwamm in Wonne; sie küßte ihrer gütigen Gebieterin die Hand in überströmendem Dankgefühl und ging dann singend an die Arbeit. Die wenigen Zeilen hatten sie auf einmal ganz fröhlich gemacht. Am Abend, als Fräulein Berghaus nach der nahen Residenz in's Theater gefahren war, setzte sie sich hin, um dem Geliebten zu antworten. Ihre Handschrift war recht gut, doch wie sie ihr Gehirn auch abmarterte, es war umsonst: sie vermochte es nicht, die schönen Zeilen in gleicher Weise zu beantworten und in wenigen Worten so viel zu sagen. Sie fühlte wohl, daß sie wenigstens ebenso rührend und poetisch schreiben müsse als Fritz, wenn sie nicht in seinen Augen verlieren wollte. Ein Blatt Papier nach dem anderen wurde mit einigen Zeilen beschrieben und wieder verworfen, kein einziger Gedanke fchien ihr des Geliebten würdig zu sein. Aus lauter Kummer über ihren Mißerfolg brach sie schließlich in Thränen aus. So fand Fräulein Bcrghaus die Verzweifelnde bei ihrer Rückkehr. Sei ruhig, armes Kind!" sagte sie gütig, als sie Lisbeths 5wmmer erfahren, ich werde Dir bei Deiner Antwort helfen." Ach, gnädiges Fräulein sind zu gütig," rief Lisbeth in freudiger Ueberraschung. Schon gut; setze Dich nur wieder hin und schreibe, was ich Dir dictiren werde," gebot diese. Lisbeth setzte sich nieder und ihre Herrin dictirte, wobei um ihre feinen Lippen ein fchalkhaftes Lächeln zuckte. Folgendes: Mein geliebter Fritz! Mit welcher Freude, ja mit welchem Entzücken Deine Zeilen mich erfüllt haben, vermag ich Dir nicht zu fchrciben. Du wirst-es mir auch schwerlich nachempfinden, da es Dir möglich war, mein Herz so lange in bitterster Sorge und Ungewißheit zu lassen. Hundertmal sagte ich mir: Der, um den Du Dich grämst, hat Dich treulos verlassen. O, der Gedanke war mir schrecklich! Nun ist aber Alles gut, Alles verziehen. Du gedenkst meiner in alter, treuer Liebe, mehr verlangt mein Herz ja nicht. Doch bis Dein Urlaub Dich zurück in meine Arme führt, schreibe recht bald wieder so schön und zärtlich Deiner Dich treu liebenden Lisbeth." Nein, das ist noch schöner als sein Brief!" rief Lisbeth in höchstem Entzücken. Wie kommt es nur, daß un fereins das nicht auch so von sich geben kann?" Ja, das ist eben das Sonderbare mit dem Verstände und dem Herzen." lächelte Fräulein Berghaus. Doch kommt es imLeben zuletzt immer auf's Herz an und nickt der Klügste, sondern der Beste besteht." Lisbeth dankte noch tausendmal ihrer gütigen Herrin, und als sie an dem Abend zur Rube ging, legte sie den Brief ihres Geliebten unter ihr Kopfkissen. Mit stolzem Erstaunen las Fritz Erdinger die Antwort seiner Geliebten, ohne das geringste Mißtrauen, da er von dem geistigen Uebergewichte seines Schatzes so vollkommen überzeugt war, daß er demselben sogar Schillersche Verse zugetraut haben würde. Triumphirend zeigte er seinem Lieutenant den Brief. Dieser las ihn und schüttelte überrasckt den Kopf. Ist Dir die Handschrift Deiner Lisbeth bekannt?" frug e? zweifelnd. Wie meine eigene, Herr Lieutenant!" Sonderbar." fuhr Jener fort, das Mädchen muß in der That einen nicht gewöhnlichen Grad von Bildung besitzen, wenn sie die Antwort nicht vielleicht einem Briefsteller entlehnt hat." Meine Lisbeth ist so klug wie ein Professor, Herr Lieutenant." versetzte Fritz gekränkt. Ihr gnädiges Fräu lein hält große Stücke auf sie." Mensch, dann bist Du allerdings zu beneiden! Ist das gnädige Fräulein alt?" Bewahre, sie ist jünger als meine Lisbeth!" Wahrscheinlich fchon verlobt?" Daß ich nicht wüßte. He?? Lieute nant." Ach so sie lebt von eine? Pen sion, die sie bei de? Ve?heirathung verliert, was?" Fällt ih? qa? nicht ein!" lachte Fritz. Fräulein Bergbaus besitzt ein Rittergut und ist steinreich. Kein Mensch hat ihr etwas zu sagen. Meine Lisbeth behauptet, sie hasse die Männer und wolle nicht heirathen." Eine Emancipirte also? Auf Ehre, interessant! Häßlich wie eine Nachteule" Im Gegentheil. Herr Lieutenant, sie ist eigentlich noch viel hübscher als meine Lisbeth. und wenn sie mich haben wollte " i&lir MerbreH ihn LZcutenznt
von Flemming laut auflachend, Du bist ja ein wahrer Don Juan wenn das Deine Lisbeth wüßte!" Um's Himmelswillen, Herr Lieute nant, sie würde mir die Augen auskratzen! Es war ja nur Spaß, das gnädige Fräulein denkt ja nicht daran. ihre Augen auf unsereinen zu werfen " Das glaub' ich Dir auch so ob gleich der Geschmack der Weiber zuweilen barock genug ist, wie Figura zeigt: Deine Lisbeth ist ein beredtes Zeugniß einer solchen Verirrung! Hast Du keine Photographie von ihr?" O ja," lachte der pfiffige Fritz. Wollen sie der Herr Lieutenant einmal fehen?" Lieutenant von Flemming fah nicht das listige Gesicht seines Dieners, als dieser eine Photographie aus seiner Brieftasche nahm und ihm dieselbe hinreichte. Kerl das ist Deine Lisbeth?" frug der Lieutenant erstaunt beim An blick des reizenden Frauenbildes. Ist sie nicht hübsch. 5)err Lieute nant?" entgegnete Fritz mit treuherzi ger Miene. Hübsch? Das ist kein Wort dafür. Sie ist schön, bezaubernd, hin reißend Kerl! Wie kann sich ein Frauenzimmer von solcher Qualität in Dich verlieben?" Herr Lieutenant!" Ach was, Fritz Erdinger! DaS kannst Du selbst nicht begreifen, wenn Du ehrlich fein willst!" fuhr der Lieutenant im lebendigsten Eifer fort. Auf Ehre! Das ist eine Geschmacks verirrung, die kein Vernünftiger gut heißen kann. Ich beneide nein ich bedauere Dich sie wird Dich unglücklich machen. Mensch, was willst Du mit einem solchen Engel be ginnen?" Na, das ist ja meine Sache, Herr Lieutenant!" erwiderte Fritz, ohne weitere Empfindlichkeit zu verrathen. Geben Sie mir nur das Bild der Herr Lieutenant könnten sich hinein verlieben." Dieser betrachtete es noch einen Au genblick und gab es dann zögernd dem Soldaten zurück, der es ruhig, ohne es weiter zu beachten, in seine Brieftasche zurücklegte. Perlen vor die Säue!" brummte de? Lieutenant für sich. Ein solcher Bauernbursche führt diesen Engel heim und ich? es ist rein lächer lich " Je mehr er sich das Bild des Mäd chens vergegenwärtigte, desto mehr ent flammte es seine Einbildungskraft. Er konnte das süße Antlitz nicht vergessen und unbemerkt schlich es sich in sein Herz, um nach und nach gänzlich davon Besitz zu nehmen. Ich glaube, diese Lisbeth hat es mir angethan," meinte er einst in einer Stunde der Selbstprüfung. Eine Dienstmagd! Pah. wenn das Liebe wäre, möchte ich dem lofen'Amor die Flügel für immer stutzen!" Nichtsdestoweniger schrieb er die Antwort wieder für den arglosenFritz, den er fogar verschiedentlich daran mahnte. Die Briefe wurden in der Folge immer glühender und poetischer goß doch der verliebte Lieutenant den 'ganzen Strom seiner eigenen Her zensgefühle in die Feder, so daß es zuletzt felbst dem einfältigen Fritz ein wenig zu arg für einen Brief an feine Lisbeth erschien. Auch Lisbeths Erwiderungen wurden immer überschwenglicher, obgleich sie ihren Fritz verschiedentlich bat. seiner Zärtlichkeit doch Schranken aufzuerlegen. Die ganze Welt soll Zeuge sein," schrieb Fritz oder vielmehr Lieutenant von Flemming hierauf, daß ich Dich liebe, daß Du mein bist. Schönste der Schönen!" So flogen die Briefe lustig hin und her, bis zu dem Tage, wo Fritz zum ersten Male auf Urlaub gehen wollte. Lieutenant von Flemming war sich selbst ein Räthsel aeworden. Warum
1 mußte er jene unglückselige Photogra-
pyie gesehen haben? Um keinen Preis durfte er Fritz nach Hause lassen. Er verweigerte ihm daher unter irgend einem Vorwande vorläufig denUrlaub und fagte eines Tages zu ihm, daß er nothwendig verreisen müsse. ' Fritz begleitete ihn zur Bahn und fluchte dem davonbrausenden Zuge tausend Donnerwetter nach. Doch was half's? Er mußte gehorchen. Sein Herr aber lächelte triumphirend. Er wollte Lisbeth zuerst begrüßen und, wenn das Original dem bezaubernden Bilde entsprach, im Sturm ih? Herz erobern. Wenn er sich seine Gestalt neben der vierschrötigen seines Burschen vergegenwärtigte, mußte er lächeln und hielt den Sieg für eine Ehrensache. An seinem Ziele angekommen, betrat er ohne langes Besinnen das Haus und blieb erst auf der Treppe zum ersten Stock, wo er die Wohnzimmer vermuthete, mit einem peinlichen Gefühle stehen. Wie konnte er, der adelige Gardeofficier, nach dem Stubenmädchen sich erkundigen? Es geht nicht." murmelte er. auf Ehre! Ich würde mich blamiren und das Mädchen obendrein!" Er wollte sick eiligst zurückziehen. Schöne Geschichte," dachte er zornig, ein Rückzug in bester Form ich räume einer Magd das Fcld!" Lisbeths Bild trat verlockend vor ihn hin. Vielleicht entzaubert mich ihr Anblick und dann " Da kam ihm plötzlich ein guter Gedanke. Auf Ehre, das muß gehen!" Er strich sich den Bart zoq die Uniform glatt und stieg ohne Zögern die mit Teppichen belegt: Treppe empor' : Lieutenant von Flemmina wollte niZts Vermgercs, a!Z 5:i Sjuu&a
Berghaus melden lassen und bei ihr für seinen Fritz um die Hand Lisbeths werben. Ein etwas wunderlicher Gedanke. Werm er aber geglaubt, daß Lisbeth scheinen und ihn anmelden würde, so hatte er sich geirrt. Eine alte, mürrische Köchin musterte ihn mit etaunten Blicken und ging brummcnd hinein, um seine Karte abzuge ben. Er mußte ziemlich lange warten, ehe die Alte zurückkehrte und nach der halb offenen Flügelthür deutete. Er trat hinein, durchschritt ein Börgemach und stand plötzlich vor einer jungen Dame in elegantester Toilette. ' Mein gnädiges Fräulein!" begann er, doch im nächsten Augenblicke prallte er zurück und fand vor Erstaunen keine Worte mehr: vor ihm stand das Ori ginal jener Photographie, welche Fritz für das Portrait feiner Lisbeth ausgegeben aber noch tausendmal schöner und bezaubernder, als das Bild es gezeigt hatte. Der sonst so kühne und sattelfeste Officier war verwirrt, um alle Fassung gebracht. Das konnt: unmöglich Lisbcth. das mußte Fräulein Berghaus selbst sein. Diese blickte ihn erst erstaunt, dann ängstlich an und machte eineBewegung nach der Klingel. Lieutenant von Flemming ermannte sich. Verzeihen Sie, meine Gnädige!" begann er gefaßter, ich habe doch die Ehre, vor Fräulein Berghaus zu stehen?" Allerdings, mein Herr. Jedoch" Sie besitzen eine Dienerin, gnädiges Fräulein, Namens Lisbeth " Fräulein Berghaus blickte ihn wieder ängstlich an und dann abermals nach der Klingel. Sollte sein Verstand nicht in Ordnung sein? Schade um den bildschönen, jungen Mann! Besagte Person," suhr er noch dringender fort, scheint sich nach Ihnen, mein gnädiges Fräulein, fehr gebildet zu haben. In einer folchen Schule freilich " Aber ich bitte Sie, mein Herr," rief die junge Dame mit sichtlicher Angst, was hat meine Dienerin und ihre Geistesbildung mit Ihrem Besuch zu thun?" Sehr viel, meine Gnädige. Ich komme, um ihre Hand zu werben " Ah -" Fräulein Verghaus wich entsetzt zurück, sie glaubte jetzt hinlänglich überzeugt zu sein, es mit einem Geisteskranken zu thun zu haben. Der arme Lieutenant wußte in seiner Aufregung kaum, was er sprach, und kam erst wieder zur Besinnung, als die junge Dame nun wirklich nach der Glocke griff. O bitte, meine Gnädige, hören Sie mich erst ganz an," bat er mit flehender Stimme, fo daß Fräulein BergHaus die Glocke wieder auf den Tisch stellte. Nun, mein Herr!" sagte sie. Ich bitte doch recht sehr, daß Sie zur Sache kommen!" Ach ja, zur Sache!" Der Lieutenant blickte weg, um nicht auf's Neue durch die Schönheit seines Gegenübers verwirrt zu werden. Verzeihen Sie meine Aufregung aber das Ungewohnte ich bi hergekommen, um für meinen Bedienten Fritz Erdinger um die Hand Ihrer Dienerin Lisbeth zu werben." Ueber das Gesicht von Fräulein Berghaus flog ein schalkhaftesLächeln. Sie hatte offenbar Mühe, ihre Heiterkeit zu unterdrücken. Ah, das also ist des Pudels Kern. Herr Lieutenant!" entgegnete sie. Welch' außerordentlicher Mensch muß dieser Fritz Erdinger sein, um eine so ehrenvolle Freiwerbung zu verdienen!" O ja, er ist ein braver Mensch," nickte der Lieutenant mechanisch. Sehr geistreich " Thun Sie ihm nicht Unrecht!" Wieso? Er ist sicher ein ganz gebildete? Mann. Ich hatte Gelegenheit, seine Briefe an Lisbeth zu lesen." Ah so ja freilich! Doch gegen Lisbeths geistreiche Briefe kommen sie nicht im Entferntesten auf, mein gnädiges Fräulein! Ich war erstaunt über diesen Briefstil bei einer Dienerin!" Sie haben die Briefe gelesen, Herr Lieutenant?" fragte Fräulein Berghaus plötzlich, wie mit Purpur über-gössen.
Lieutenant von Flemming blickte sie forschend an ein Blitz fuhr durch fem Gehirn und schien ihn momentan zu blenden. Ja, meine Gnädige!" versetzte er langsam. Sie interessirten mich in so hohem Grade, daß ich begierig war,' die Briefsiellerin kennen zu lernen." Und deshalb also sind Sie hierher gekommen?" fragte sie ironisch. Es freut mich, Ihren Wunsch erfüllen zu können, Herr Lieutenant." Rasch ergriff sie die Glocke und ließ sie ertönen. Meine Gnädige!" stotterte der Lieutenant verwirrt. Dort ist die Briefstellerin!", fuhr Fräulein Berghaus fort, mit einer leichten Handbewegung auf die eintretende Lisbeth deutend, und lächelnd fügte sie. zu dieser gewandt, hinzu: Der Herr Lieutenant von Flemming hat eben feierlich um Deine Hand angehalten." Gnädiges Fräulein!" fuhr der Lieutenant entsetzt empor, während dasDienstmädchen ihn ebenso verblüfft anstarrte. Natürlich für seinen Bedienten Fritz Erdinger," ergänzte sie sich. Nun, das hätte ich mir auch ausgebeten!" rief Lisbeth. Ich nehme keinen Anderen als meinen Fritz! Aber wo ist er denn geblieben?" . . Eine Dienstpflicht hielt ihn zurück."' entgegnete der Lieutenant rasch. Aber Margen NBg2 lytt er kier' sein.
unseren ?egen und werden auf Eurer rL r 't'i iä
Noaizen lanzen. Sie sind sehr kühn im Versprechen, Herr Lieutenant." erwiderte die Genannte, allein diesmal ohne denSpott, der ihn schon einige Male so empfindlich getroffen. Geh' nur wieder, Lisbeth! Es ist gut!" Haben Sie sonst noch Wünsche, Herr Lieutenant?" frug Fräulein Berghaus, als sie allein waren. Ja, meine Gnädige!" versetzte dieser, ihren Blick frei und offen erwidernd. Ich bitte um die Erlaubniß, Ihnen sagen zu dürfen, daß es mich sehr glücklich macht, in der Verfasserin jener Briefe eine heimliche Stellvertreterin entdeckt zu haben, eine Stellvertreterin. die es verstand, mich durch ihren Geist zu fesseln " In der That?" lachte sie. wieder leicht erröthend. Nun wohl, so hoffe ich auch mich entschuldigt, wenn ich den Geist Ihres Dieners in einer anderen Quelle suche, als in seinem eigenen Gehirn." Zugestanden!" rief Lieutenant von Flemming. Die fchöne Stellvertreterin wird mir zwar niemals verzeihen können, ihre Gedanken und Gefühle an einen Fritz Erdinger verfchwendet zu haben " Während Fritz Erdinger untröstlich sein würde, wenn er entdeckte, daß ein Anderer mit seinen Gefühlen Spott getrieben!" Lieutenant von Flemming war nahe daran, ihr zu Füßen zu fallen und ihr zu schwören, daß er an keinen Spott denke, daß er sie liebe und längst geliebt habe, allein er beherrschte sich und schlug einen weniger gefährlichen Ton an, und bald hatte er auch den ganzen Zauber seiner Unterhaltungsgabe wiedergefunden. Am nächsten Tage kam Fritz Erdinger auf Urlaub, von seiner Lisbeth mit offenen Armen empfangen. Als er die wunderlicheGeschichte von seinem Lieutenant erfuhr, machte er ein pfiffiges Gesicht und lachte wie ein rechter Schelm, doch hütete er sich wohlweislich, seiner Lisbeth zu fagen, daß er eine Photographie des gnädigen Fräuleins, die er ihr früher einmal heimlich ausgeführt, für die ihrige ausgegeben habe in folchen Dingen verstand Lisbeth keinen Spaß. Hm," sagte er vergnügt zu ihr, am Ende wird doch noch ein Paar aus den Beiden." Sie wird nicht so narrisch sein und des Lieutenants Schulden bezahlen." versetzte Lisbeth energisch. Fritz schwieg, um ihren Zorn nicht zu reizen. Als er vor Fräulein Verahaus erscheinen mußte, fand er jedoch seine ganze Beredtsamkeit wieder und er zählte der Aufhorchenden fo viel Gu tes von seinem Lieutenant, daß Fräulein Berghaus ihn einen vortrefflichen Diener nannte und ihm einen Posten auf ihrem Rittergute versprach. Lieutenant von Flemming aber benützte fo ausqezeichnet einen erbetenen Urlaub, um sich das Herz der Angebeteten zu erobern, daß die Welt bereits nach vierzehn Tagen mit einer Verlo bungsanzeige überrascht wurde Geistesgegenwart Der Sckulinsvector Müller, welcder em ausaesprochener Feind der sogenannten Prügelpädagogik" ist. dagegen darauf hält, daß die ihm unterstellten Lehrer ihre Zöglinge mit den Regeln der Gesundheitspflege bekannt machen, findet eines Tages unangemeldet in eine Dorfschule tretend wie der Lehrer sich anschickt, einen Jungen über'Z Knie zu legen. Schnell gefaßt wendet sich der Ueberraschte dem Eintretenden entgegen: Herr Schulinspek tor sehen mich eben im Begriff, zu dem Capitel praktische Massage überzugehen!" Abgeführt. Frau Meier (zu ihrer Freundin): Ja, liebe Freundin, ich bin am 22, April geboren. Herr Meier (der dies mit angehört): Ich dächte, liebes Kind, Du wärest am 1. April geboren. Frau Meier: Ja, wenn man bedenkt, daß ich Dich zum Manne genommen habe, könnte man allerdings auf die Idee kommen! Vorgebeugt. A.: Warum hast Du Dich denn mit Schulz gezankt.es war doch gar kein Grund vorHanden? B.: Ja, ich hatte erfahren, er wollte mich anpumpen, jetzt bin ich doch wenigstens sicher, daß er es nicht thut. Vo?Ge?icht. Richte?: Haben Sie noch etwas zu Ihrer. Vertheidigung anzuführen? Angeklagter: Ja woll, ick habe mir überhaupt blos geirrt, ick wollte in een janz anderes Haus inbrechen! Bewunderung. A.: Sie verkebren ja jetzt fo viel bei dem alten Schmidt, was bewundern Sie denn an dem Mann so Besonderes?" B.: Seine Tochter Laura." Erklärt. Fremder: Jetzt bin ich schon einige Male bei Ihnen gewesen, Frau Wirthin, und nie kann man ein Mittagessen haben! Kocben Sie denn nie 'was?" Wirthin: A Fremder kommt selten, und wir essen immer, was Tags vorher übrig bleibt!" , 7 D u r ch d i e I l u m e. Feldwe-! dzi l5um xizixmzn, oer um uriauo bittet): Hm, eigentlich sollten Sie noch nickt wieder gehen na, in's Zvjl felsnamen los! Wenn man sich hier 'malSchinken kauft, kriegt man ja d?ch nur amerikanischen!" ' Schonunqsgrund. Dorfpolizist (bei einer Rauferei) :-Jessas, schlagt's 'n Jockel nit todt er is no' 's ganze Jahr d' Steuern schuldi'!" Zweideutig. Onkel: Nun, mein lieber Neffe, macht die hehre Alssenschaft auf Dich zuweilen nicht einen überwältigenden . Eindruck?" ' Studiosus: 'O.' Onkel.- ich' bin' oft ganz
'wkuscht:".. -
?ic Elic und das Held. Einen heiklen Punkt in der Ehe bil
det oft das leidige Geld. Unentbehrlich als materielle Grundlage häusli chen Behagens, kann sein Mangel zur Ursache größten Elends in den Familien. seine Ucberfülle aber niemals ei Quelle ihres wahren Glückes werden. Bringt die Frau ihrem Manne ein Vermögen oder sogar große Reichthümer zu, so darf sie sich nichts darauf zu gute thun. Ein edler Mann kann leicht verletzt und abgestoßen werden, wenn sie nicht reicher an Herzensgüte und Liebe als an irdischen Gütern ist. Nie erträgt ein hochsinniger Charakter das Gefühl der unwürdigen Abhängigkeit von dem guten Willen seiner Frau, welche dies, wenn sie ein wohlgebildetes Zartgefühl besitzt, auch unmöglich wünschen kann. Das eigne Interesse gebietet ihr daher, ihrem Besitz durch Zartgefühl erhöhten Werth zu geben. Oft werden von Seiten der nur eben wohlhabenden Frau Ansprüche erhoben, als ob das bischen Geld gar kein Enbe nehmen könnte; eine Folge ihrer unverständig geleiteten Erziehung. wonach die Mädchen den Maßstab des Elternhauses an ihre neuen Verhältnisse legen, ohne der Thatsache, daß sie vielleicht nur den vierten oder sechsten Theil des elterlichen Vermögens besitzen oder erst zu erwarten haben, Rechnung zu tragen. Daraus entstehen natürlich Verlegenheiten und Verwirrungen, die nur zu oft in Mißstimmung und Zwistigkeiten enden und zu ebenso bedenklichen Proben des ehelichen Glückes werden. Wie großer Reichthum bei Taktlosigkeit. Führt ein reicher Mann ein Mädchen aus bescheidener Lage als Gattin in fein Hauö. fo ist oft die Schnelligkeit zu bewundern, mit welcher sie sich in die ungewohnte Herrlichkeit einlebt, bisher ungekannte Be dürfnisse und Genüsse als Nothwendigkeiten betrachten lernt, und trotz der Freigebigkeit des Mannes, welchem es anfangs Vergnügen macht, sie zu fchmücken und mit den Freuden des Lebens bekannt zu machen, immer neue Wünsche hegt, deren etwaigeNichterfüllung sofort ihre Unzufriedenheit und üble Laune hervorruft. Beschränkte Naturen gewahren es nicht, wie sie durch ein solches Gebaren vielleicht die Liebe und Achtung des Gatten verscherzen, wogegen eine kluge undgute Frau den Äußerlichkeiten nur insoweit ein Recht über sich einräumt, als sie damit dem Geschmack und dem Willen des Mannes Genüge leistet. Ohne gerade besondere Anlage zurHeuchelei und Verstellungskunst vor auszusetzen, dient der Brautstand den Verlobten doch selten dazu, sich gegen seitig so kennen zu lernen, daß die Ehenicht manche Enttäuschung brächte. Sie sahen sich viel in dem Sonntagsgcwande einer erhöhten Stimmung,, indem das Glück ja die meisten, we nigstens die guten Menschen liebenswürdiger macht, oder durch das Ver schönerungsglas der Liebe, welches einen verklärenden Schimmer selbst über Fehler breitet, die man zu andern Zeiten vielleicht mit einer gewissen Strenge verurtheilen würde. Im täglichen Zusammenleben wundern sie sich zuerst über manche bis dahin unbemerkteEigenheit, dann finden sie sie unbequem, zuletzt, wenn das liebende Augenicht als ein milder Richter waltet, un erträglich. Da es nicht nur einem, sondern beiden Theilen in der Regel, ganz ähnlich ergeht, so ist es gut, wenn. jeder darauf gefaßt ist, keinen Er'gel, fondern ein einfaches Menschenkind geheirathet zu haben, dessen Schwachen man ebensogut in den Kauf nehmen muß, als man mit den eigenen dafür zahlt. Es ist unsere Aufgabe, die menschlichen Schwächen zu besiegen. Gegen des Mannes Heftigkeit ist keineswegs die Empfindlichkeit der Frau sondern ihre fanfte Freundlichkeit, gegen seinen Willen nicht Widerspruch und Eigensinn, sondern 5kachgiebigkeit, geg-n seine Verdrießlichkeit nicht üble Laune, sondern stille Heiterkeit die zurerlässigsten Kampfmittel. Sind die Ehegatten in der ersten Zeit auch unzertrcnnlich, so wird der Mann doch bald den unterbrochenen Verkehr mit alten Freunden und Bekannten wieder aufsuchen, ja vielleicht öfter dabei über die Polizeistunde hinaus verweilen. In diesem Falle ist der jungen Frau rur zu rathen, sich bei guter Zeit zur ttuhe zu begeben und die Stunde seiner Heimkehr zu verschlafen, statt dieselbe mit vielleicht bitteren Gefühlen abzuwarten und ihm ein überwachtes, von Thränen überströmtes Gesicht zu zeigen. Begrüßt sie ihren Mann dagegen am Morgen mit unveränderter Liebenswürdigkeit. so ist eher zu erwarten, daß der Sünder in sich geht und beschließt, sein liebes Frauchen nicht so bald wieder auf die Probe zu stellen. Thut er dies aber doch, dann kann die Hausfrau versichert fein, daß er ihr muntere und offenherzige Erzählungen über die stattgehabten Vorfälle geben wird. Ueberhaupt ist es unklug, aus der Liebe eine Kette machen zu wollen. W:r nicht freiwillig in ihren süßen Banden bleibt, wird die Kette schnell genug zerreißen Glaube doch keine Frau, einen Vortheil für sich daraus zu ziehen, wenn sie ihren Gatten immerwährend zur Seite hat. Sie muß in ihrem eigenen Interesse vielmehr wünschen, daß er durch Beruf, Geschäfte und geselligen , Umgang einen Theil seiner Zeit von ihr fern gehalten werde, damit Abwechselung seinenGeist erfrische, er wird dann um so lieber sein Heim aufsuchen und glücklich kann sich die Frau fchätzen, deren Mann bei längerer Abwesenheit vom Huse fein Frauchen mit den Worten . be grüßt: .Zu Haus ist es.dsch am be-Len.".'
