Indiana Tribüne, Volume 19, Number 247, Indianapolis, Marion County, 24 May 1896 — Page 6

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Pfingsten. Von Richard Zoozmana.

Aufschlägt . Im Walde Frühling sein Zelt. Ru;i trägt, Wie balde, Festschmuck die Welt. Wie schön Erklinget Vogelgesang, Die Höhn Umschlinget Grünes Gerank. Nun pilgert durch das blühende Land Die junge Liebe Hand in Hand. Im Herzen klopft's so eigen. Und als die Nachtigall erwacht, Da küssen sich zwei Lippen sacht Und Wort und Wunsch erschweigm. Am Bach Im Röhricht Flüstert der Wind: Wie schwach. Wie thöricht die Menschen sind. Doch U:Z im Baum singt ein Bög:!5m; Wie süß, wie herrlich muß Liebe sein! ßinc rttsttng. Von Fr. Löhn. Zwanzig Jahre war sie alt. Große, blaue, unschuldsvolle Augen, eine schlanke, aber volle Gestalt, ein Gesicht wie Milch und Blut, das aschblonde Haar in schlichten Zöpfen um - den Kopf gewunden, kräftige, gesundeZähne so sah Katharine, das neue Dienstmädchen von Raths" drüben am Breiteweg aus. Trine war noch nicht lange in der Stadt. Sie war vor Kurzem erst aus Crevese, ihrem Heimathsdorfe, gekom men und gleich bei Raths" in Dienste getreten, denn Trinens Mutter war bei der Frau Räthin ihrer Schwester" Amme gewesen. Gern hatte die Mutter ihr Kind zwar nicht in die Stadt gehen lassen und noch dazu in so eine Stadt, wo so viel Militär war, aber bei Raths" war die Trine am Ende doch gut aufgeboben, zumal sie ja ein ganz braves Mädel war und die Frau Rath noch auf das allergnädigste" bat. nur ja auf ihr Kind recht Acht zu geben. Um das neue Mädchen, das in der Stadt natürlich sich noch wie verloren fühlte mit all dem Fremden, das sie umgab, vertrauter zu machen, mehr aber noch, um ihr all die Kaufläden zu zeigen, in denen sie alles am billigsten und besten einkaufen konnte, ging die Frau Rath" mit auf den Markt, und Trine folgte ihr. den Einkaufskorb über dem Arm. Trine war auch ganz froh darüber, denn sonst nein wirklich sonst hätte jicsich gar nicht über die Straße getraut. Wurde sie doch schon jetzt immer ganz roth, wenn Einer oder der Andere stehen blieb, ihr nachsah, ihr zuzwinkerte und am Ende gar sich den Schnurrbart strich und sagte: Donnerwetter, ist das ein sauberes Mädchen!" Auch heute war Frau Rath" natürlich mit auf den Markt gegangen, d. h. heute erst recht, denn es galt eine ganze Menge einzukaufen, da der Herr Rath nicht nur mehrere seiner Collegen eingeladen, sondern auch sein directer Vorgesetzter zugesagt hatte, auf einen Löffel Suppe zu kommen. Hoch bepackt, in der einen Hand den schwer beladenen Korb, in der anderen eine fette gerupfte Gans, kam Trine mit der Frau Räthin nach Hause. Der Herr Rath war auch noch da, freilich aber schon zum Ausgehen bereit, denn ins Bureau" durfte er ja doch nicht zu spät kommen, das war ihm in den ganzen 27 Jahren seiner Amtsthätigkeit noch niemals pckgirt und durfte natürlich selbst heute nicht vorkommen. Als er aber seine bessere Ehehälfte kommen sah, da konnte er sich's nicht versagen, noch einmal zurück und mit in die Küche zu gehen, denn auch er hatte eine Ueberraschung. eine großartige Ueberraschung. Dort in der Kiste, die auf dem Tische stand, war sie: ein Hummer, ein wahrhafter lebendiger Hummer, der jetzt, als der Herr Rath ihn triumphirend herauszog, mit seinem Schwänze schnappte und mit seinen Scheeren herumsuchte. Die Frau Rath war offenbar über den Hummer sehr erfreut, denn: das hast Du gemacht, Vater," sagte sie, Trine aber schrie laut auf und hätte vor Schreck den Kohlkopf fast fallen lassen, denn so was hatte sie noch nicht gesehen. Bei ihr im Dorfe gab's so was nicht, und als sie hörte, daß das Vieh" gar aus dem Meere komme, da kannte ihr Staunen keine Grenzen. Die Frau Rath gab noch schnell einige Anweisungen wie alles zuzubereiten sei. während der Herr Rath in all den Herrlichkeiten, die ihn dann bei Tisch erwarten sollten, herumkramte und in Gedanken schon schwelgte. Dann ging Frau Rath auf ihrZimmer. um sich umzuziehen, während der Her: Rath sich ins Bureau machte. Auf der Treppe aber fiel ihm etwas Snurriges ein. denn er schmunzelte vergnügt vor sich hin. zögerte einenAugenblick, dann aber machte er Kehrt, stiea die paar Stufen empor, klinkte die Wohnungsthür auf und trat wieder zu Trinen in die Küche. Trine," sagte er, mit dem Kerl da. dem Hummer weißt Du wohl umzugeyen, meine Frau wird's Dir doch gesagt haben, wie er gekocht wird?" Ja wohl, Herr Rath, ich weiß alles," entgegnete Trine. Hat sie Dir aber auch gesagt, was er sonst noch mit ihm für eine Bewandniß hat?" Nein, Herr Rath, gar nichts." " . .Hm, hm." machte der Rath sehr

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doch sagen sollen. Denn dieses Thier da, siehst Du. wird namentlich junge Mädchen sehr gefährlich, Dir wohl wahrscheinlich nickt, denn Tu warst doch immer vernünftig. Du hast Dich doch noch nie mit einem Mann eingelassen? nicht?" Aber Herr Rath", sagte Trine ganz verschämt und zupfte, die Augen niederschlagend, an ihrem Schürzensaum. Na, na," machte der Rath, das kann man nie wissen. Dieses Thier aber, siehst Du, weiß immer Bescheid, und wenn ein Mädchen, das sich auch nur im Geringsten etwas vorzuwerfen hat. das Thier da zum Kochen setzt, dann schämt es sich so, daß es von oben bis unter erröthet." Aber Herr Rath." Es wird roth, ganz roth, doch bei Dir wird so was gewiß nicht Passiren." und der Rath ging ganz vergnügt seines Weges und lachte über den guten Scherz. 'den er sich mit dem Mädchen geleistet hatte, bis er endlich über seine Vureauarbeit die ganze Sache dergaß. Um zwei Uhr war der Dienst zu Ende und da die Herren Collegen des Herrn Raths Gäste waren, so machten sie zusammen den Weg nach des Raths Hause. Nur der Amtsvorstasd kam einige Minuten später. Der Tisch war natürlich schon giern zend gedeckt und bot mit seiner gestickten Saucen Chaussee". dem Tischläufer und seinem reizenden Blumenarrangement einen wirklich hübschen. anheimelnden Anblick. Bei den ersten Gängen ging alles ganz ausgezeichnet und Katherine stellte sich so geschickt an und sah in ihrem netten Kleidchen mit der blütheweißen, frisch geplätteten Schürze und dem weißen Tüllhäubchen so propre und appetitlich aus, daß der Herr Rath wirklich seine Freude an ihr hatts. Endlich kam die Reihe an das kulinarische Glanzstück: den Hummer. Mit lächelnder, sieghafter Miene, die Schüssel allerliebst über ihrem hübschen, blondzöpfigen Köpfchen haltend, schritt Trinchen auf die Tafel zu und stellte vor die entsetzt aufschreiende Hausfrau einen Hummer nieder, der kohlenpechrabenschwarz auf seinem grünen Bette von Petersilie und Kresse lag. Natürlich allgemeines Erstaunen über diesen Anblick. Was war geschehen? Die liebe Unschuld vom Lande hatte. als es das unbeimliche Thier beim Sieden immer roth und röther werden sah. in ihrer Herzensangst, bei der Herrschaft in bösen Verdacht zu gerathen, zu einem heroischen Mittel gegriffen. Sie hatte den erbärmlichen Wicht, der einen einzigen Kuß, denVetter Jakob ihr beim Abschied vom Dorfe gegeben hatte, so falsch auffaßte und roth darüber wurde, einfach genommen und batte ihn gewichst! wie ihres Herrn Stiefel niemals geworden wären. Der Herr Rath aber, oh! der Herr Rath, der wälzte sich in seinem Stuhle vor Lachen und das thaten seine Collegen und der Herr Vureauvorsteher auch, als sie des Räthsels Lösung erfuhren. Immer Derselbe. Die Frau Professorin will mit ihrem Manne einen Spaziergang machen und erwartet denselben vor dem Hause. Der Herr Professor erscheint auch pünktlich, hat aber aus Versehen seinen alten Rock anbehalten. O." meint er, als seine Frau ihn darauf aufmerksam macht, das merkt man schwerlich!" Aber bester Mann," entgegnet diese, sieh' nur, der Rock paßt ja gar nicht zu Deiner neuen Hose!" Du hast Recht, geliebte Euphrosine!" entgegnet der Herr Professor, geht noch einmal in die Wohnung zurück und erscheint nun in seiner alten Hose. AufdemMeldungsamt e. Beamter (zu einem Arzt, der dis Meldung von seiner Niederlassung in der Stadt erstattet): Wir haben leider schon viel zu viel Aerzte in unserer Stadt!" Arzt: Ja. wir Aerzte wollen eben alle leben!" Beamter: Die Anderen aber auch!" Das guteKind. Karlchen: Papa, ich sitze jetzt nicht mehr auf der letzten Bank." Vater (erfreut: Das ist hübsch von Dir! Da hast Du zehn Pfennig! Aber nun erzähle mir 'mal. wie das gekommen ist." Karlchen: Die letzte Bank wird gestrichen!" Nicht immer. A.: Man sagt, die Frauen wären für alle Schmeicheleien sehr empfänglich, aber das ist nicht immer wahr." B.: Wie so denn?" A.: Ich sagte heut' meiner Frau, sie. wäre so hübsch, daß sie kein neues Kleid brauchte, aber sie wollte mir diese Schmeichelei nicht glauben." Z e r st r e u t. Professor: Ich bin eigens hierher gereist, um Ihre berühmte Münzsammlung zu bewundern! Händler: Gerade diese ist mir heute Nacht gestohlen worden! Professor: O, wie fatal! Und die Adresse der Diebe könnten Sie mir nicht sagen? Ein Pantoffelheld. A.: Der Mayer ist ein Pantoffelritter. Er muß seine Frau um Erlaubniß frag.'n. wenn er sich Cigarren kaufen will." B.: Das ist noch nichts. Bei den Huber'schen sagen die Kinder zu ihm Mama und zur Mutter Papa." Mißverstanden. Fremder: Herr Meyer zu sprechen?" Magd: Der Herr Meyer befindet sich auf der Hochzeitsreise!" Fremder: O, das thut mir leid!" Magd: Nicht wahr, der arme Herr! Sie kennen sei ne Frau also auch?"

Hrcisswakd.

Und in Greifswald, da weht der Wind so kalt." heißt es nur zu richtig im Universitätenliede". Aber trotz dem dürfen wiv heute die Cistercienscrmönche segnen, die 1233 den Ort als Marktplatz für ihr Kloster (Eldena) anlegten. Schon 1250 zur deutschen Stadt erhoben, wurde Greifswald frühzeitig eines der angesehensten Glieder der Hansa im Pommernlande. Der Stadtkure, das heißt der Thumiwächter von St. Nicolai, sah von seinem hohen Sitze wiederholt das frohe Gewimmel eines Hansatages und gar oft den Auszug wehrhafter Bürgerschaaren. Aber seit dem sechszehnten Jahrhundert verfielen die Universitätsbibliothek. Hansa und der Ostseehandel immer mehr; spärlicher wurde die Zahl der Schiffe im Greifswalder Bodden. Auch die 1456 zumeist durch das Verdienst des lhatkräftigen Bürgermeisters Heinrich Rubenow begründete Hochschule konnte längere Zeit nicht zu rechter Blüthe gelangen. Ihrem erfreulichen Aufschwünge seit Anfang des siebenzehnten Jahrhunderts machten 1627 die Schaaren Wallenstein's ein rasches Ende. Aber im Juni 1631 rückte Gustav Adolf in die Stadt ein. und die schwersten Kriegsleiden waren vorbei. Drei Jahre später gab der letzte Pommernherzog Bogislaw XIV. durch Schenkung der früheren Eldenaer Klostergüter, die bald einen überraschend reichen Ertrag lieferten, endlich auch der Universität eine solide materielle Grundlage. Aber die vielen Kriege, wiederholte feindliche Besetzunjm ntäm n.v ' m i I ,m7r''7iTT'vlx ,7!,!!!,!!s,'V, ,ll,','!s",,,,,,,!i,, ' t I Kriegerdenkmal. gen und die Unaunst der Laae Heften sie in der scbwediscken 5Zeit nur vorübergehend größere Bedeutung gewmnen; nocy 1805 zahlte die kleine, unberühmte Universität". , wie sie Arndt nannte, nur 81 Studenten. Da wurde die endliche Vereinigung Neu - VorPommerns mit Preußen (1815) Greifswald zum Heile. Zwar war die Wiederbelebung der einstigen Blüthe des Seehandels unmöglich, aber die Universität nahm mit der Zeit einen bedeutenden Aufschwung. Jm Winter 1848 49 war allerdings erst knavv das zweite Hundert der Studenten überschritten; aber seit Vollendung der Berlm - Stralsunder Bahn laa Greifswald nicht mehr allzu sebv im Winkel". Es zählte 1872 schon 520, fünfzehn Jahre spater sogar 1103 Studenten. Auf dieser' Höhe vermochte es sich freilich nicht zu erhalten; aber der Durchschnitt betrug doch seitdem etwa 800 bis 9XX Die Hälfte dieser Zahl pflegen Mediciner zu sein, denn es bestehen eme ganze Reche musterguRuine in Eldena. tiger medicinisch - naturwissensckiaftlichcr Institute. Daneben treten bedeutsam, gewöhnlich em reichliches Viertel der Gesammtzahl ausmachend, die Theologen hervor. Die Greifswalder Studenten recrutiren sich jetzt aus ganz Deutschland: aber auch fremde. zumal Schweizer, fehlen in keinem Semester. Und doch ist die Zeit längst vorbei, wo man, wie die Tradition meldet, nur gegen das ausdrücklich: Versprechen, ein Stipendium anzunehmen, hier injcnbin wurde. Wie in allen kleineren deutschen Universitätsstädten, weht auch in Greifswald eine durchaus akademische Luft: studentische Gebräuche sind mit mancherlei rn i c t" iusanoiungcn lies m oiz uurgcuicnen Kreise eingedrungen. Besondere Erwähnung verdienen neben dem Schwimm- und Segelsport die kühne?. winterlichen ?chnttjchuyfayrten, oft bis nach Rügen hin. So ist Bruder Studio m Greifsvald recht gut aufgehoben, aber auch

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andere Menschenkinder dürfen es getröst wagen, der Stadt einen Besuch abzustatten. Gleich beim Heraustreten aus dem Bahnhofsgebäude empfangen wir einen freundlichen Eindruck. Ein Theil der Wallpromenade, die aus dem alten Festungswall mit theilweiserBenützunz der, Wallgräben geschaffen worden ist und sich, mit schattigen Linden und Kastanienbäumen bepflanzt, mehrfach zu Schmuckplätzen erweitert, um den größten Theil der alten Stadt zieht, liegt vor uns. Nach wenigen Schritten ist sie erreicht, und nun bietet ch uns, wenn wir sie nach rechts versolgen. ein sehr hübscher, mannigfach abwechselnder Blick auf die C act. Diese, zehn Jahre nach dem dreißigjährigen Kriege nur noch 4700 Einwohner zählend, hat jetzt mit 23,000 Einwohnern die Schwesterstadt Stralsund fast erreicht. Zwar merkt man, der bedächtigen Art des Pommern entsprechend, in ihr noch wenig von der modernen

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Nicolaikirche. Hast: aber die zahlreichen fremden Elemente aus den akademischen und den Beamtenkreisen bringen doch in das geistige und gesellige Leben namentlich im Winter eine ganz ungewöhnliche Regsamkeit. Da, abgesehen von einer größeren Maschinenbauanstalt, höchstens der Korn-, Holzund Fischhandel (der letztere mit seiner originellen Heringsbörse") etwas größere Bedeutung beanspruchen können, gehört großer Reichthum zu den seltenen Ausnahmen; aber eine gewisse Wohlhabenheit ist ziemlich weit verbreitet und eigentliche Armuth seltener als sonst meist in Städten gleicher Größe. Machen wir nach kurzer Wanderung da ein wenig Halt, wo der Wall vermittels einer Ueberführung die Rubenowstraße überschreitet, so sehen wir zunächst zwei von den alten Kirchthllrmen, links den kleinen Jacob", rechts den langenNicolaus", vor uns; die dicke Marie" zeigt sich uns erst bsträchtLch später. Die Nicolaikirche. gleich ihren beiden Schwestern im gothischen Stil gehalten, kündigt sich Alte Häuser am Markt. schon durch ihren stattlichen, fast 100 Meter hohen, meilenweit sichtbaren Thurm, von dem der Blick weit über das Land und den Bodden schweift. als die eigentliche Hauptkirche der (stadt an. Mehv im Vordergrunde liegen die Augenklinik und das vbvsiologische Institut, auf der Außenseite des Walls aber, fast gerade unter uns. vie katholische Kirche mit ihren zierl - chen gothischen Formen. Der weitere ! eg fuhrt uns an der stadtischen höheren Mädchenschule und an dem dieser schräg gegenüber liegenden stattlichen Flügelbau des Gkmnasiums vorbei. Bald darauf erblicken wiv links unter uns den schönsten Theil der An- ! lagen, den U)!untergrimd, die Schöpfung des vor wenigen Jahren verstordenen humorvollen Botanikers Professor Münter. Durch diesen zurückwandernd, gelangen wir rechts durch die Fleischerstraße nach dem Hauptmarkt. In dessen Mitte erhebt sich seit dem Sedantage 1892 das Kriegerdenkmal; auf der Westseite fesseln den Blick der schöne Renaissancebau des Rathhsuses und daneben das altnthümliche Giebelhaus der Rathsapotheke. - Vom Markt führt uns die Vuchstraße. vorüber an den einstigen, durch Tafeln kenntlichen Wohnungen E. M. Arndt's (No. 17) und des damaligen Einjährig - Freiwilligen Otw von Bismarck (No. 42).' :zu. dem Küstenfluß, der Greifswald' mit dernBodden verbindet., dem Ryck. Wandern wir nach Westen zu weiter am Steinbecler Thor vorbei, so haben, wir gleich darauf' durch die Hunnenst' . ' : !inen malerischen Blick auf die. UnZversktät. Nicolaikirche und gelangen bald zu den schönen Anlagen der Umgebung des schmucken Sol- und Moorbades. Die Hauptgeschäftsstraße, die Langestraße, an ihrem Ende kreuzend, sehen wir

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rechts den Karlsplatz liegen. Wenige Schritte weiter wir haben unseren Ausgangspunkt fast wieder erreicht biegen wir vom Walle links ' in die Domstraße ein. die uns an der Jacobikirche vorbei bald zum Rubenowplatze führt. Von dessen Mitte, vor dem zierlichen, 1856 errichteten RubenowDenkmal stehend, haben wir den besten Blick auf die stattliche Front des 1750 eingeweihten Universifatsgebäudes,das bis 1882 auch noch die Bibliothek und noch einige Jahre länger den größten Theil der Hörsäle beherbergte. Die letzteren befinden sich jetzt, in dem 188? vollendeten, sich an die Hinterseite der Universität anschließenden rothenBacksteinbau des Eollegiengebäudes. Diesem gegenüber erhebt sich die stattliche, äußerst praktisch eingerichtete Bibliothek im Florentiner Stil. Von Greifswald bringt uns ein Dampfer in zwanzig Minuten nach Eldena. Wir wandern zunächst zu der in einem kleinen Parke gelegenen Klosterruine; das Kloster, schon um 1550 ausgestorben, wurde 1633 von den Wallensteinern zerstört. Dann geht es weiter zu dem herrlichen Elisenhain, mit seinen für die Ostseegegenden - so charakteristischen theilweise Jahrhunderte alten Buchen. Natürlich aber wollen wir auch noch das Meer sehen. Eine viertelstündige Wanderung führt uns zum Strandpavillon, der einen schönen Blick auf das immer gleiche und doch auch ewig wechselnde Meev bietet. Freilich haben wir nicht die offene See, sondern nur einen kleinen Meerbusen vor uns; bei heiterem Weiter erkennt man deutlich die vielaekrümmte Küste von Rügen. Meist "ist die Wasserfläche ziemlich glatt; aber wie sehr ein Nordoststurm die Scenerie ändern kann, lehrt die große Sturmfluth von 1872, wobei das Wasser des

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MMlM R a t h h a u Z. sonst so unschuldigen Ryck die ganze Hafengegend Greifswald's überschwemmte. Eldena ist, wie das gegenüberliegende Wiek, ein besuchter Badeort und eine beliebte Sommerfrische. Diese bequeme Badegelegenheit, die gute Verbindung mit Rügen und das rege geistige und gesellige Leben machen Greifswald namentlich im Sommer zu einem fehr angenehmen Aufenthalt. fZsiY mm immvä IsoVfVT r " 1 snert tji c rldscndeVor tr Regelmäßig, wenn Fräulein Marietta Werner ihr Frühstück auf der Terrasse des Badehotels einnahm, saß dort an einem benachbarten Tische ein stattlicher,, offenbar den besten Kreisen ungehöriger Badegast, welcher eine Flasche Bier trank und eine Wurst dazu aß. Seine imponirende, männliche Gestalt, seine regelmäßigen, energischen Züge und sein ruhiges gebildetes Benehmen hatten Marietta bald für ihn gewonnen und sie beobachtete ihn unablässig mit dem Interesse, welches eine längst heirathsfähige, gereiftere Dame für einen schönen Mann in gesetzteren Jahren immer besitzt. Aber leider schien ihre Aufmerksamkeit ihm bis jetzt entgangen zu sein. Da endlich heute als ihn eben wieder ein Blick ans ihren brauen Augen streifte, sprach er mit sonorer .Stimme zu ihr: Mein Fräulein, ich habe schon seit längerer Zeit das Vergnügen, Sie hier zu sehen! . . . Lieben Sie Wurst mit Kraut?Ihre Seele jauchzte auf. Wohl war die Anknüpfung etwas seltsam gewählt; aber cr knüpfte doch wenigstens an. Q, nun kommt es bald das erlösende Wort! Traumtrunken ahnte sie schon Strandpromenade, Geständniß, Standesamt. Hochzeitsreise! Ach ja!" seufzte sie daher hold erröthend. Nun," versetzte er mit seinem tiefen Bariton und steckte sich ein neues Stück Wurst an di: Gabel, dann stören Sie doch Ihre Neb'nmenchen nicht immer mit Ihrer Hungermie, und bestellen Sie sich eben uns Hlmmelwillen auch einmal so eine Wurst!" Warnung. Student (zum Schneider): Wenn Sie Ihre Waaren so loben, haben Sie sich es selbst zuzuschreiben, wenn ich etwas bestelle!" - AusderSchule. Lehrer: Was ist Ei für ein Wort? Schüler: Ein Hauptwort! Lehrer: Welches Geschlecht? Schüler: Dös woas mer no net. bis es auskrochen is! Einguter Bekannter.' Bei hren oftmaligen Nordlandsreisen müssen Sie doch bereits eine be kannte Person sein bei den dortigen Bewohnern!" .Jfla und ob! Sogar die Seehunde wedeln mit dem Schweif, wenn sie mich sehen!" Auch ein Heirathsgründ. Vater der Braut: Ihr Gesch'äft soll aber sehr schlecht gehen und da wollen Sie noch eine Frau insHauS nehmen?" Bewerber (Bäcker): Eben deshalb; zusammen können wir wenigstens die Backwaaren vertilgen, die jeden Tag übrig bleiben!"

Tlc Wchr?rastc des Congo-Staatc5. Jm Hinblick auf die kürzlich gemeldeten Aufstände von Eingeborenen des Eongo - Staates erscheint es von Interesse, einen Blick auf die MilitärOrganisation zu werfen, die in Fachkreisen nur wenig, in weiteren Kreisen überhaupt nicht bekannt ist. Durch Decrete vom 5. August und 17. November 1888 bezw. vom 30. Juli 1891 wurde eine aus Europäern, die meist dem belgischen Heer entnommen waren, und Eingeborenen eine Truppe 5ormirt, deren Aufgabe es sein sollte, Ruhe und Ordnung im Innern des Landes. daneben aber auch, die Herrschaft der Regierung über solche Landestheile aufrecht zu erhalten, wo ein directer Einfluß derselben vorläufig noch nicht

O f f i c i e r e. ausgeübt werden könnte. Diese Wehrmacht steht unter dem Befehl des Generalgouverneurs des Eongostaats und umfaßt: 1. das stehende Heer, 2. die eingeborenen Milizen, 3. die Hülfstruppen, 4. die Eisenbahnhülfstruppen, endlich noch die durch die Antisklaverei - Gesellschaft zu Brüssel im Eongobecken aufgestellten Freicorps, die Schulter an Schulter mit de? Regierungstruppen zu wirken berufen sind. 1. Das stehende Heer. Das ganze Officiercorps und die Mehrzahl der Unterofficiere sind Europäer, von denen die dem ersteren Angehörigen fast alle dem activen Dienststand oder der Reserve des belgischen Heeres entnommen wurden. Sie werden auf eigenen Antrag auf die Dauer von drei Iahren nach dem Eongo abcommandirt, verbleiben aber im Etat des belgischen Heeres, für dessen Rechnung sie sogar ihre Eoinpetenzen beziehen. Ueber die Erercrerende Infanterie. Zahl der belgischen Unterofficiere und ihr Verhältniß zur belgischen Armee ist genaues- nicht bekannt, ebenso wenig über den Werth oder Nichtwerth der. eingeborenen Unterofficiere undMann--schaften, zmnal sie sich aus allen Theilen Eentralafrikas ergänzen und daher durchaus kein gleichwerthiges Material, enthalten. Namentlich aber haben die Eingeborenen vom Unterlauf des Eongo und in den östlichen Theilen, des Staats durch Alkoholismus und den Sklavenhandel der Araber moralisch und Physisch schwer gelitten. Der Ersatz der Mannschaften erfolgt theils durch Aushednug fast ausschließlich von Angehörigen des Eongostaats. Die' Stärke des Contingents bestimmt der König der Belgier; zur Zeit beträgt' dasselbe über 5000 Mann, die Dienstzeit ist auf sieben Iah--re bemessen, von den fünf im stehenden Heere, zwei in der Reserve ab zuleisten sind. Das Heer ist in acht. Artillerie. Compagnien getheilt, dereir jede vM einem Hanptmann befehligt wird; an der Spitze des Ganzen steht der Stab, ede Csmvaanie zerfällt in eine unbestimmte Anzahl von Zügen, an deren Spitze je ein Lieutenant sder Unterlieutenant stebt. 3u jeder Compagnie gehört ein Zug Artillerie und nach Maßgaöe der ftyr verschiedenen Kopfstärken der einzelnen Compagnien eine Anzahl europäischer Sergeanten sowie eingeborener Sergeanten und Gefreiter. Die Ausbildung derRekruten erfolgt in Uebungslagern, welche gegen Handstreich befestigt sind. Dort werden auch Hausthiere gezüchtet und in der Umgebung Pflanzungen unterhalten, um einerseits die für die Verpflegung der Mannschaften nothigen Producte zu ziehen, andererseits aber die Leute kulturell zu bilden. Die Uniformen sind blau, am Kragen und an den Handgelenken :nit rothen Borten besetzt. Die Kopfbedeckung ist der rothe Fez, die . Fußkleidung auf Märschen sind

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ble nur widerwillig angelegkett chtf he, die der Neger lieber über das Gewehr gehängt trägt. Schwarze Ledergamaschen schützen die Beine gegen Dornen u. s. w. An Waffen führen die Officiere das neue belgische Mausergewehr, die Mannschaften das alte belgische Albini-Gewehr. Zahl, Construction und Kaliber der jeder Compagnie zugetheilten Geschütze sind sehr verschieden; darunter gibt es Krupp'sche Kanonen, Hotchkiß - Schnellfeuergeschütze, Mazim - Mitrailleusen u. s. w. 2. Die eingeborenen Milizen werden nach Ortsbrauch durch die Truppencommandeure ausgehoben und in Compagnien getheilt, doch fehlen über ihre angeblich erhebliche Zahl genauere Angaben. Anscheinend sind sie weniger für militärische als für Trägerzwecke bestimmt, finden dagegen auch als Hülfstruppen für kleinere Abtheilungen des stehenden Heeres zu Expeditionen Verwendung. Eine militärischeOr. ganisation selbst der Träger hat sich angesichts der großen Zahlen der für diesen Dienst erforderlichen Mann-

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T r a ns p 0 r t von Rebellen. schaften als nöthig erwiesen, um bei ihnen die Ordnung aufrechtzuerhalten. Beispielsweise führte im Jahre 1893 die 6 Weiße, 300 reguläre Soldaten zählende Expedition nach Kasongo 3000 Milizen als Träger mit sich. Alle Versuche mit Tragthieren, selbst mit Kameelen und Elephanten, sind mißglückt, dafür, werden jetzt aber die Wasserstraßen in vollemMaße ausgenutzt, und es wird dies noch mehr geschehen, sobald die im Bau befindliche 400 Kilometer lange Normalspurbahn von Matadi nach Leopoldville zurUmgehung der Livingstone - Stromschnellen dem Betrieb übergeben sein wird. Gegenwärtig sind erst 129 Kilometer fertig, dennoch übt sie schon einen großen Einfluß auf den Verkehr aus. 3. Hülfstruppen. Sobald die Sicherheit im Innern gefährdet ist, soiv len alle im Staatsdienst stehenden Beamten und Arbeiter eine durch Officiere oder Civilbeamte befehligte Hülfstruppe bilden. Ein gleiches geschieht mit den Arbeitern der Eisenbahngesellschaft, von denen ein Theil die Sicherung der Eisenbahn übernimmt, der andere die Reserve bildet. 4. Die von der brüsseler Antisklaverei - Gesellschaft aufgestellten Freicorps bestehen seit dem Herbst des Iahres 1888 in den Ländern westlich des Tanganyikasees, um den SklavenhanMajor Lothcrrre. ixt nach Sansibar zu verhindern. Jh re Commandeure werden von Köniz Leopnld ernannt, die Mannschaften zum größten Theil aus den von den Misswnaren erzogenen Waisen bezw. aus. befreiten Sklaven ergänzt,, mit denen die Gesellschaft eine Anzahl ten befestigten Posten in den genanntenGe--bietstheilen besetzt hat.Bis jetzt, verfügt, die Gesellschaft schon über mehrere Gescbütze, demnächst auch über zwei Dampfer auf dem Tanganyikasee Daß die höheren Officiere dieser Truppen in den unter- ihrer Controle stehenden Gebieten ein strenges Regiment führen, ist durch daä Vorgehen deK Major Lothaire zur Genüge dargethan worden. Dieser ließ bekanntlich den englischen Händler Stokes ohne Weiteres erschießen, weit derselbe- den Sklavenhändlern Waffen geliefert: und sonst Vorschub geleistet haben sollte Von einem Kriegsgericht ist übrigens MazorLothalre erst kurzlich freigesprochen, d. h. sein Vorgehen als gerechtfer trgt anerkannt worden I m Concert. A.r Sehen Sie nur, wie cokett der Capellmerster dirigirt!" B.: Ja, er ziert sich furchtbar; das reine Dirigigerl!" Wart lich. Was. der Doctor Helle hat eine so reiche Partie ge macht?" Ja, das ist ein practischer Arzt!Aus Geschaftsrucksich. ten. Herr: Warum sind Sie mit den alten Damen so freundlich?- Zeitungsbesitzer: Weil das langjährige Jnserentinnen von Heirathsannoncm sind.Pietät. Richter: Woher nahmen Sie die Dietriche, mit welchen Sie den Einbruch vollführten? Verbrecher: Wem Erbtheil von meinem gott seligen Vater; sonst hat er mir nichts zum Andenken hinterlassen.