Indiana Tribüne, Volume 19, Number 247, Indianapolis, Marion County, 24 May 1896 — Page 3
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ilii lllestcri! ilucime. i Eine Erzählung ans dem deutsch amerikanischen fcben von an Asysa-id. (10. Fortseung). Wurm begab sich direkt zu dem InHaber jenes plötzlich so gefährlich gewordenen Papieres. So lange er aus dem Wege war, ja noch in dem Augenblicke, als er in die Thüre von seines Gläubigers Office trat, schien ihm nichts natürlicher, als daß sein Änsuchen bereitwilligst Gewährung finden würde. Als er aber dem Manne, von dessen gutem Willen so Diel abhing, gegenüberstand, da sank ihm plötzlich man verzeihe den etwas trivialen Ausdruck das Herz in die Hosen, und er vermochte nur stotternd und in sehr unzusammenhangenden Sätzen sein Gesuch anzubrin;en. Mr. Bly. der Gläubiger, war ein baumlanger Mensch mit grauen Haaren, einem Bart, wie ihn Abraham Lincoln getragen hatte, und ruhigen, grauen Augen. Er war durch und durch Geschäftsmann und sein Charakter kalt und scharf wie Kieselstein. Ohne eine Miene zu verziehen, ließ er Wurm ausreden, den armen Wurm, der trotz seiner Herzensangst sich den Anschein zu goöen suchte, als sei er voll Sorglosigkeit darüber daß sein langjähriger Geschäftsfreund, Mr. Bin" nickt zögern würde, ihm die un bedeutende Gefälligkeit", einen neuen Wechsel als Deckung für den alten zu nehmen, gewähren würde. Als Wurm seine konfuse Darstellung der Sachlage, sowie sein Ansuchen endlich vorgetragen hatte, vertrieb die bange Erwartung, wie das Ende der Unterredung sein würde, plötzlich das mühsam genug festgehaltene Lächeln von seinem Angesicht und er starrte den Mr. Bly mit so großen und entsetzten Augen an, als erwarte er vrm dessen Lippen sein Urtheil über Leben und Tod. Aber Mr. Bly nahm darauf nicht die geringste Rücksicht. Ordnung ist die Grundlage aller Geschäfte," antwortete er mit seiner trockenen, geschäftsmäßigen Stimme. Jeder Wechsel muß am Verfallstage eingelöst werden. Ich kann in dieser Beziehung keine Ausnahme machen, 'morninj:, sir!' Und der Mann setzte wieder die Feder an, um in seinen Büchern weiterzusch"ciben, wo er umbrechen hatte, als WiUiu eingetreten .rnr. Wurm, dem der Schweiß in großen Tropfen auf die Stirne trat. l5?ß cewohnheitsmäßig das Zlinn in der Halsbinde verschwinden, und war unschlüssig, ob er sich zum Gehen wenden oder noch etwas zu Gunsten seiner Bitte vorbringen sollte. Endlich entschloß er sich zu letzterem, obwohl er eigentlich nicht recht wußte, was er noch sagen sollte. Kaum hatte er aber den ersten Satz in's Blaue hinein begönnen, da sagte Mr. Bly. ohne von seinen Eintragungen aufzusehe: 'You better let nie alone, sir; I am busy, you see. Hlttrniux!'' Als echter Deutscher glaubte Wurm selbst angesichts dieser groben Abweisang noch zu einer Entschuldigung ' verpflichtet zu sein. Er stammelte also das Fragment einer solchen hervor, wünschte dem Mr. Bly, der von seinem langjährigen Geschäftsfreunde" nicht die geringste Notiz mehr nahm, sehr höflich einen recht angenehmen guten Morgen und da stand er nun auf der Straße. Wie niedergeschmettert taumelte der Vedauernswerthe dudrch die Straßen. Er wußte kaum, wohin ihn seine Schritte führten und das war ja auch völlig gleichgiltig, denn er hatte in seiner hoffnungslosen Verzweiflung kein Ziel vor Augen. Wohin hätte er sich auch wenden sollen? wo war noch Hilfe und Rettung zu erwarten? Eben kam er an einer Wirthschaft vorüber. Die Kehle war ihm wie ausgetrocknet. Ein Glas Bier würde ihn erfrischen, vielleicht auf irgendeine gute Idee bringen. Er. trat ein. ließ sich an einem der Tischchen nieder und bestellte ein Glas Bier. Als der Aufwärter den braunen Trank vor dem Gast niederstellte. hatte dieser die Arme aufgestemmt und war in tiefes Nachsinnen versunken. : Wie Wurm gehofft hatte, so kam es: eine Menge von guten Ideen" zog ihm alsbald durch den Kopf. Den Teufel auch! man muß nicht gleich verzweifeln. War auch dieser Mr. Bly ein hartherziger Schuft, so gab es doch noch andere Leute, zu denen das Haus Wurm seit langen Jahren angenehme Geschäftsbeziehungen unterhielt. Einer von diesen würde doch wohl für eine Gefälligkeit zu haben sein. Und wenn selbst das nicht zu was war der Grocer denn Mitglied einer Loge, in welcher ein paar steinreiche Leute sich seine Brüder" nannten? Wurm begann sich allmählig zu beruhigen. Wie alle Sanguiniker hielt er dm schwachen Strohhalm, den er vor sich schwimmen sah schon für ein festes Brett, auf welches gestützt, man sicher und ungefährdet an Land kommen müsse. Als e: das zweite Glas Bier geleert hatte, war er auch schon -geneigt, über seine frühere Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung mitleidig zu lächeln. Er bestellte sich ein drittes -Glas, und nachdem er dieses geleert, bezahlte er und erhob sich mit dem 'Entschlüsse sein Glück sofort zu ver suchen. Er machte sich nach dem nächsten sei ner Geschäftsfreunde auf den Weg. Hm nach seinem Ziele zu gelangen, mußte er wieder an dem Geschäfts'hause des Mr. Bly vorüber. Erst jetzt war so recht der Aerger über die ba .gatellmäßige Behandlung, die er von Bly hatte erfahren müssen, in Wurm erwart. Er konnte es sich daher nicht versagen, einen Augenblick sieben zu
bleiben und durch die verstaubten Fenster in das Lokal zu sehen. . Drinnen saß Mr. Bly noch immer vor seinen Büchern und machte Ein tragungen. Schäbiger Filz!" schimpfte draußen der Grocer zu sich selbst, als er seines langjährigen Geschäftsfreundes" wieder ansichtig wurde; aber das schwöre ich: wenn es mit meinem Gescyäft auch wieder vorwärts ginge wie mit Siebenmeilen-Stiefeln. bei Dir kaufte ich nicht für einen halben Dollar Waare." Aber ach! Die Hoffnung die in diesem Selbstgespräche verschämt zum Ausdrucke kam. erlitt nur zu bald einen schweren Stoß. Denn auch der zweite Geschäftsfreund" zeigte nicht die mindeste Neigung, auf die Wünsche Wurms einzugehen. Wurm wanderte zu einem Dritten, aber das Ergebniß war kein besseres. Noch an zwei weiteren Thüren klopfte er an, aber auch da wurde er unter Hinweis auf die schlechten Zeiten und die herrschend: Geldklemme abgewiesen. Müde und abgespannt kam er Abends spät nach Haus. D:r Kopf schmerzte ihn und eine dumpfe Gleichgiltigkeit gegen Alles hatte sich seiner bemächtigt. Wo ist Julius?" fragte er. als man sich zu dem frugalen Abendessen niederfetzte. Niemand wußte es. Wurm fragte nicht weiter, ja. er hatte eine Minute später schon vergessen. daß er überhaupt nach seinem Sohne gefragt. Dumpf hinbrütend saß er an seinem Platze. Frau Johanne sprach ebensowenig wie ihr Gatte und nur manchmal entfuhr ein
Stoßseufzer ihren Lippen. Frau Heinzelmann verbrachte den Abend auf ihrem Zimmer, wo sie den eigenen trübseligen Gedanken Audienz gab und von wo sie jede halbe Stunde einmal hinüberging an Lipps' Krankenlager, um nach dessen Wünschen sich zu erkundigen. Die Kinder unten fühlten mit jenem seltsamen Instinkte, der den Menschen in ihren frühesten Iahren eigen ist. daß jetzt nicht die Zeit sei. um Unfug zu treiben und Lärm zu machen; auch unter ihnen herrschte daher Kirchhofsruhe. Der letzte Tischgenösse endlich. Toby. hing während des Essens einer sehr merkwürdigen und äußerst verwickelten Räubergeschichte aus dem .fernen Westen nachin welcher Ramon Ortiz. ein Stern erster Größe unter den Banditen von Arizona, eine äußerst glänzende Rolle spielte. Es herrschte also Todesschweigen rings umher. Um neun Uhr Abends brachte Frau Johanne, heute, wie die Taae her. da Lipps liegen mußte, ohne Hilfe seitens der Frau Heinzelmann. die Kinder zu Bette. Wurm nahm ein Licht und begab sich nach dem Geschäftslokale hinunter, um, wie er sagte, die Bücher durchzusehen. Toby aber stieg eilends in seine Dachkammer, um eine neue Geschichte zu beginnen, die diesmal gar von dem groKen Jesse James selder yanoette. XI. Eine Schreckensnacht. Allein gelassen in seinem Laden, dessen nach außen führende Thüre geschlossen war. da bei dem elenden Geschäftsgange zu so später Stundz auf das Vorsprechen vonKunden ohnehin nicht im Entferntesten zu rechnen war, suchte Wurm seine Bücher hervor. Trotz seiner Müdigkeit begann er zu rechnen und zu vergleichen, daß ihm der Kopf rauchte. Aber wie er sich auch mühte aus den Buchstaben und Ziffernkolonnen, die schon vor seinen Augen zu tanzen anfingen, brach kein noch so leichter Hoffnungsschimmer hervor. Wurm stemmte den Arm auf das Putt. an dem er saß, und starrte geistesabwesend in das vor ihm liegendz Buch. Nichts rührte sich, nur die alt: Schwarzwälder-Uhr, die vor so vielen Jahren aus der alten Heimath mit herübergekommen war, tickte eintönig an der Wand weiter. Eintönig? Für den. der nicht näher hinhört, sagt allerdings eine Uhr nichts Ver-nünftiges-nichts weiter als TikTak" vom Morgen bis zum Abend und vom Abend bis zum Morgen. Aber wer in einsamen und trüben Stunden je einmal einer Pendeluhr zugehört hat, der weiß, daß eine solche, besonders wenn sie schon bei Jahren ist. also Gelegenheit gehabt hat. im Leben Erfahrungen zu sammeln, sehr ernst und manchmal sehr vernünftig zu plaudern versteht. Bei den gedankenlosen modernen Uhren freilich, und insonderheit bei dem leichtsinnigen und oberflächlichen Volke der Taschenuhren, würde man vergeblich aus ein vernünftiges Wort warten. Aber die alte Schwarzwalderin im Laden unseres Freundes Wurm war nun begreiflicherweise schon in Folge ihres Alters eine von den erfahrensten Uhren, die es hier zu Lande überhaupt gab, und darum hörte der arme Wurm sehr bald, wie sie, ihr einförmiges TikTak einstellend, zu ihm zu sprechen begann: Früher! Früher!" sagte sie, und löste damit in dem Gehirn des armen Wurm eine ganze Kette von wehmüthigen Gedanken. Ja. früher da war es anders; es war allerdings eine bescheidene Ex!stenz gewesen, voll Arbeit vom Morgen bis zum Abend, aber doch eine Existenz, in der es auszuhalten war. Wie war doch plötzlich die Wendung zum Schlimmen gekommen? Wurm sann vergeblich darüber nach. Die Schwarzwälderin aber hatte gleich eine Antwort bereit. Sie sagte langsam und eindringlich: Unfrieden verzehrt, Frieden ernährt!" Und das wiederholte sie mehrmals, bis Wurm es verstanden hatte.
Ja, die leidigen Streitereien in und außer dem Haus, sie hatten ihm Alles verbittert und ihm die Lust an seiner Arbeit genommen. So war's gekommen ohne daß er es selbst bemerkt hatte. Zuerst war ihm das Haus verleidet worden, dann das Geschäft, und als es einmal so weit gekommen war. da ging's dann auch rasend schnell bergab: der Kunden wurden immer weniger, die Einnahmen wurden gerinaer, und damit war der Boden für üble Unternehmungen von der Art bei Deutschen Sparbank" bestellt. Hätte er nicht die Lust an seinem Geschäfte verloren, dann wäre dieses nicht zurückgegangen und wäre dieses nicht zurückgegangen, so hätte man ihn vergebens zu beschwatzen versucht, sein Geld diesem Schwindler Vrozen anzuvertrauen: er hätte alsdann nicht nöthig gehabt, auf die dreißig oder vierZig Prozent" der sogenannten Deutschen Sparbank" zu spekuliren. So reichte Eins dem Anderen die Hand. Aber war es denn wirklich seine Schuld, daß es so gekommen, war nicht vielmehr eine gewisse Frau ? Nein, nein!" sagte ernsthaft die Uhr. Und sie hat recht, sann Wurm weiter. Denn der Herr im Haus hätte er sein sollen, nicht die Andere, die Frau Heinzelmann.... Hätte er nur ein einziges mit Festigkeit ihr gegenüber seinen Standpunkt vertreten, wäre er nur ein einziges Mal dabei geblieben, wenn er eine Meinung, eine Ansicht aufgestellt hatte nie mehr hätte Frau Heinzelmann gewagt, ihm entgegenzutreten, wie sie es thasächlich gethan. ach! und so oft gethan! Er hätte bald Ruhe und Frieden in seinem Hause gehabt. Haus und Geschüft wären ihm nicht unangenehm geworden mit einem Worte es hing auch hier wieder Alles zusammen, wie ein Sack krummer Nägel und es stellte sich klar heraus, daß ihm selber die Hauptschuld an dem unvermeidlich gewordenen Zusammenbruche beizumessen sei. Eben wollte Wurm eine neue Frage an die alte Dame an der Wand richten. da knarrte die Hausthüre in ihren rostigen Angeln. Wurm fuhr aus seinen Träumereien auf und sah verstört um sich. Julius war nach Haus gekommen. Er stieg eben die Treppe hinauf. Schlaftrunken ließ Wurm das Haupt wieder auf das Pult sinken; er wollte hören, was die Schwarzälderin ihm noch weiter von ihrer Weisheit mitzutheilen hätte. Aber die Uhr war offenbar nicht mehr recht zum Sprechen aufgelegt. Wurm hörte längere Zeit hindurch nichts mehr von ihr als das gewöhnliche Tik-Tal", mit dem sie sich auch sonst die Zeit zu vertreiben pflegte. Endlich ließ sie sich wieder vernehmen. Muß anders werden!" tickte sie. Ja, es sollte anders werden, ganz anders, gelobte sich der Grocer. Er wollte von nun ab die Fuchtel imHause selber führen und sich den blauen Teusei darum kümmern, wenn das etwa der Frau Heinzelmann nicht angenehm sein solle. Die Frau Schwiegermutter mußte lernen. Ordre zu pariren und die Gattin mußte sich gewöhnen, dem Manne zu gehorchen, anstatt der Mutter. Dann würde das Ding wie von selber gehen und alle Noth hätte ein Ende. Und als er dieses bei sich dachte, da senkte Wurm im Traume das Kinn tief in die Halsbinde, als stünde er schon vor den beiden Weibern, um ihnen seinen unwiderruflichen Entschluß anzukündigen, daß er hinfort das Szepter des Hauses führen und nicht mehr aus der Hand lassen werde. Ehe die Schwarzwälderin noch irgendetwas weiteres sagen konnte, mengte sich etwas Anderes ungebeten, in's Gespräch: die Petroleumlampe nämlich, die dicht neben dem nun gänzlich auf dem Pulte ruhenden Haupte Wurms stand. War die Uhr an der Wand mit einer soliden Bürgerssrau aus der guten alten Zeit zu vergleichen, so hatte diese Petroleumlamp: eine sehr bedenklich: Aehnnchkeit mit einem jener leichtfertigen Dämchen, dt: in Alles dreinreden, ohne das mindeste von der Sache zu verstehen, um die es sich eben handelt, ja, ohne die Erfahrung zu haben, die nöthig ist, um ein Ding richtig beurtheilen zu können. Als richtige Moderne hatte si: einigermaßen reovlutionäre Ideen in Bezug auf die Frauenfrage, was aber vielleicht daher kam, daß sie mit einem schönen röthlichen Glas ausgestattet war. Diese Lampe also mischte sich in's Gespräch, indem si: zischte: ' Macht euch nicht lächerlich! Wir Weiber ducken nicht unter: ich so wenig wie die Frau Heinzelmann. Wir haben die Welt zu regieren, nicht das schwerfällige Männervolk.Wurm wußte nicht, womit er dieser Keckheit begegnen sollte. Er wartete daher ab, was die Uhr dazu sagen würde. Diese ließ sich endlich herab hinzu werfen: Laß' sie reden, laß' sie reden! Siehst Du," sagte nun auch Wurm vorwurfsvoll zu der Lampe, die alte Dame kümmert sich nicht um Dein naseweises Geschwätz. Besser Du hältst den Schnabel und thust allein, was Deines Amtes ist." Was meines Amtes ist!- zischte die Lampe boshaft auf. Und weißt Du, was meines Amtes ist? leuchten, leuchten, damit ihr nicht Alle im Dunsein tappen müßt. Wie denn, wenn es keine Lichter gäbe wie ich Eines bin ihr würdet, wenn die Sonne einmal schlafen gegangen ist. nicht die Hand vor den Auaen sehen. Und wenn die
I Weiber nicht wären, würdet ihr auch beim hellen Tag in Finsterniß wanI . . , m c in i
dem. oenn ior erus i,i ca. wie uci meine. zu glänzen und Euer Leben zu erleuchten." . Wurm wartete, was die Uhr dazu
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agen würde; da diese sich aber in tieeS Schweigen hüllte, antwortete er an hrer statt: Ja, leuchten und glänzen, das wäre schön und gut. Aber weder die Weiher noch die Lampen begnügen sich damit, und nicht selten richten Beide damit Unglück an." Da Wurm dergestalt seine Weisheit ausgekramt hatte, begann das laichtsinnige Wesen zu lachen, daß es jir, um sich selber drehen mußte. Vergebens warnte die Uhr an der Wand: Gieb Acht gieb Acht!" Die Lampe lachte und hüpfte vor Vergnügen, und da sie ohnehin sehr knapp am Rande des Pultes stano, konnte ein Unglück gar nicht ausbleiben. Sie verlor 'denn auch richtig das Gleichgewicht und stürzte unter elnem ängstlichen Aufflackern vom Tisch herab in einen zufälligerweise untenstehenden Korb, der mit Sägespähnen füllt war. Die Uhr sagte nichts weiter als: Da hat man's, da hat man's!" Wurm aber war im Grunde froh, daß die Verfechterin der Frauenemanzipation unter den Lampen abgegangen war. So konnte er sich's noch bequemer auf dem Pulte machen als bis her. da sie neben ihm gestanden und den Raum beengt hatte. Es herrschte jetzt tiefe Stille im ganzen Raume. Die SchwarzwälderUhr beschränkte sich wieder auf ihr TickTack, und die Gedanken Wurms irrten in der weltfremden Traumwelt umher.. Aus dem Korbe mit den Sägespähnen aber kroch eine feurige Schlange. Sie kroch knisternd hinüber nach den Kisten und Fässern, und bald flammte es auch da auf, wie wenn die eben verschwundene Lampe alle ihre Schwestern zu ihrer Unterstützung herbeigerufen hätte. Ueberall erschienen Flammen und Flämmchen, die feurigen Zungen gleich gefräßig an den Wänden hinleckten und alles erfaßten, was sie erreichen konnten. Krach! Da sprengte der Rauch das einzige Fenster des Raumes. Wurm fuhr mit einem Schrei in die Höhe. Auf seiner Brust hatte es in den letzten Minuten wie mit Zentnerlast gelegen. Er sab verwirrt um sich. Im nächsten Augenblick stürzte er wie ein Rasender an die Thüre, die in sein Haus führte. Feuer! Feuer!" Und während Wurm nach . den Wohnzimmern eilte, um die Hausgenossen zu wecken und ihnen behilflich zu sein, daß sie so rasch als möglich in's Freie gelangten, blies durch die geöffnete Thüre und das zerbrochene Fenster ein leiser dünner Luftzug. Wie sanft er aber ?.uch war auf das im Entstehen begriffene Feuer wirkte er belebend, wie der Hauch des Frühlings auf die sprossenden Gräser und Krauter. All' die knisternden. Flämmchen vereinigten sich alsbald zu eine? einzia.cn mächtigen Flamme, die mit rasender Schnelligkeit Alles verschlang, was in ihrem Bereich war, und mit einer Art tollen Freude hoch hinaufzuckte an den ausgetrockneten Wänden. Wurm mit seinem Feuerruf hatte rasch Alle im Hause, den hilflosen Lipps allein ausgenommen, auf die Beine gebracht. Frau Johanne in ihrer fürchterlichen Angst unterließ eö vielleicht zum ersten Male in ihrem Leben angesichts der schrecklichen Gesahr, zu seufzen und die Hände zu ringen, sondern sie handelte, und das mit anerkennenswerther Energie. Ihre Alarmrufe hatten die Kinder geweckt. Die zehnjährige Mary, ein kluges Mädchen, half ihre Geschwister mit dem Nothdürftigsten bekleiden. Gustmg rettete in treuer brüderlicher Liede zu guter Letzt sogar noch des kleinen Eharley Schaukelpferd und-eilte mit diesem in den Armen vor der Mutter her. welche Eharley und das Baby trug, auf die Straße alle zusammen so fürchterlich schreiend und Hilfe rufend, daß die ganze Nachbarschaft aus den Bellen fuhr. Julius erkannte in dem Augenblicke, da der Ruf des Vaters ihn geweckt hatte, die ganze Gefahr: Ein altes Holzhaus es mußte brennen wie Zunder. Er öffnete rasch das Fenster. Frauen und Kinder hatte der Vaier geweckt und durch die Thüre in Sicherheit gebracht ihm selber mußte, wenn es nicht anders ging, ein Sprung durch's Fenster Rettung bringen. Unmöglich konnte er seine unter vielen Entbehrungen angeschafften Bücher und Instrumente im Stiche lassen. Mit ein paar raschen Griffen 'warf er die Bücher in die noch bereitstehende Kiste, in welcher sie von Boston nach Chicago gebracht worden waren, that ebenso, aber etwas vorsichtiger, mit den Instrumenten, und hob sodann 'die schwere Bücherkiste auf die Schulter, während er die leichtere mit ttn Instrumenten unter den rechten Arm nahm. So bepackt, betrat er den Korrivor. Im ganzen Haus war nichts mehr zu hören als das eigenthümliche und so furchtbar unheimliche Geräusch, welches jedes Feuer selbst hervorbringt: jenes Knistern und .Prasseln, und dann das Gräulichste jenes Lodern der Flammen, wenn ein frischer Luftzug über sie hinfährt. Wie ein m weiter Ferne brandendes Meer hörte sich das Toben der Menschenmassen an. die sich mit wunderbarer Schneiliakeit um die Brandstätte versammelt batten. Der Korridor oben, den der Doktor der ganzen Länge nach mit seiner Last durchschreiten mußte, war schon mit Rauchschwaden angefüllt, doch war die Luft für eine kräftige Lunge immerhin noch zu athmen. Je tiefer der junge Mann die Treppe hinab kam. desto schlimmer wurde eö in diefer Beziehung. Die Thüre, welche vorne auf die Straße führte, war offenbar nicht mehr zu passiren. Julius wendete sich daher ohne Zögern nach
dem Hinteren Ausgang des Hauses, der in den Hof führte. , Als er sammt seinen Schätzen tauch diese Thüre ungefährdet in's Freie trat, fiel ihm der Vater unbekümmert um Bücher- und Jnstrumentenkisten um den Hals und rief ein- um das andere Mal: Mein Sohn! mein Julius! Gott sei gepriesen!" Julius wußte sich der Liebkosungen des Alten kaum zu erwehren. Endlich gelang es ihm, seine Kisten niederzustellen, und aufathmend richtete er sich auf. Da aber stürzte Frau Heinzelmann auf ihn zu, indem sie mit angstverzerrten Züaen schrie: Und Lipps? Wo ist Herr von Lipps?" Lipps! Der alte Wurm wur'de leichenblaß, als er den Namen hörte Alle hatte er gerettet, den kranken Lipps aber hatte er vergessen. Auch Julius blaßte. Hast Du ihm nicht in's Freie ge holfen?" fragte er den Vater. Wie konnte ich!" stotterte dieser. Schnell ein nasses Tuch!" rief Julius unter die Umstehenden hinein, es ist kein Auqenblick zu verlierend Du wirst doch nicht ?" stöhnte der alt: Wurm angsterfüllt. Sollen wir uns nachsagen lassen, daß wir uns Alle gerettet, daß wir aber unsern erkrankten Gast hätten verbrennen lassen?" qab Julius zurück. Nur schnell, Leute!" Jrgend Jemand reichte ihm das verlangt: Tuch, das man am Brunnen in Wasser getaucht hatte. Sie kommen nich' mehr hinauf keine Möglichkeit nich'!" sagte der Betreff:nd: dabei. Hinauf gewiß." antwortete Julius, aber wohl kaum mehr denselben Weg zurück. Besorgt eine Leiter, Leute, und Du. Vater, zeige den Mannern. w? sie anzulegen ist. Vorwärts, schnell, oder Alles ist verloren!" Die Leute stoben auseinander. Nur Wurm, wie zu einer Salzsäule erstarrt, blieb auf dem Flecke stehen und starrte dem so heißgeliebten Sohne nach, dessen hohe, kräftige Gestalt eben in dem Thorwege verschwand. Julius hatte, ehe er den gefährlichen Pfad betrat, noch einmal tief Athem aeschöpft und danrt das 'durchnäßte Tuch über das Gesicht aeworfen. Es mußte ihn vor den so gefährlichen Verbrennungsgasen schützen, die sich in dem engen Korridor, so nahe dem Feuerberd, angesammelt hatten. Der junge Mann rechnete, daß das obere Stockwerk noch gefahrlos zu Passiren sein würde. Das untere wollte er lausend hinter sich bringen. So stürzte er sich denn rasch entschlossen in den Qualm, welcher in einem breiten Strome durch den unteren Korridor sich seinen Weg in's Freie bahnte. Kaum eine halbe Minute . Zeit brauchte er, um die ersten Stusen der Treppe zu erreichen. Diese halbe Minute aber war schrecklich, und jeden Augenblick glaubte Julis, zusammenbrechcn zu müssen. Aber er arbeitete sich, ohne den Weg, den er machen mußte, zu sehen, zur Treppe durch und gelangte über Äese, wenn auch mit versengtem Haar und Bart in das obere Stockwerk. Auch hier lag schon überall der schwarze Qualm in dichten Schwaden, aber es war doch schon weit besser als unten. Das aber war dem Doktor klar, daß er weder allein, am allerwenigsten aber mit Lipps den Weg. den er gekommen, zurücknehmen konnte er mußte unter allen Umständen durch das Fenster aus dem in Flammen stehenden Haus. Als Julius in Lipps' Zimmer gestürzt kam, war dieser eben bemüht, Licht zu machen. Der Glückliche hatte bis vor einer Minute geschlafen; erst das Lärmen der Leute in dem Hof unter seinem Fenster hatte ihn geweckt, und als er erwacht war. verspürte er auch den Rauch, der inzwischen in's Zimmer gedrungen war. Daß irgend eine Gefahr vorhanden sei. davon hatte er. als Julius bei ihm eindrang, noch keine Ahnung. Alle Wetter. Doktor." rief er. nicht im Mindesten aufgeregt. Julius an. es sieht so aus. als ob in der Nähe ein Brand ausgeörochen wäre; wenigstens stinkt es hier kannibalisch nach Feuer Julius war vor Allem an's Fenster geeilt und batte es aufgerissen. Hieber. Leute die Leiter schnell, schnell!" Leiter?" rief Lipps. dem endlich eine Ahnung aufdämmerte, ich glaube bei Gott" Sputen Sie sich." wendete sich nun der Doktor an den Patienten, wir müssen durch das Fenster hinaus das Vorderhaus sieht schon in hellen Flammen, ehe z.?hn Minuten um sind, lieat auch das hier in Schutt und Asche." Während JuliuZ so sprach, riß er Kissen und Decken aus dem Bette und half Lipps aufrichten. Dieser ächzte und siöhnte zum Erbarmen. Mein Himmel, wie komme ich hinunter. Ich kann mich kaum bewegen! Das ist eine schöne Bescheerung Der Doktor, ohne sich auf ein Gesprach einzulassen, hüllte den Kranken in seine Decken. Versuchen Sie,, ob Sie stehen konnen." befahl er. Es zittern mir die Knie!" ' Da legen Sie den linken' Arm um" meinen Nacken; bis zum Fenster sind nur fünfSchritte. so weit bringe ich Sie schon." Lipps that, wie ihm geheißen. Diese füns Schritte bis an's Fenster nahmen aber mehr Zeit in Anspruch, als Julius gebraucht hatte, um aus dem Hofe heraufzukommen. Von draußen drang nun verdcppeltes Geschrei herein. Ein Scharren an der Wand zeiqte an. daß man endlich eine vassende Leiter gefunden .hatte.
daß Rettung nahe sei. Da erschien
auch schon nne'duntt. mit Ruß bedeckte Gestalt von außen am Fenster und rief herein: Her mit dem Kranken! Wenn die Leiter hält, bringe ich ihn hinunter!" Julius schien es, als sei ihm die Stimme nicht unbekannt. Doch machte er sich weiter keine Gedanken darüber. Lipps, den die geringe Anstrengung so sehr erschöpft hatte, daß er kaum mehr wußte, was mit ihm geschah, ließ willenlos mit sich machen, was man wollte. Er fühlte, daß man ihn emporhob, daß plötzlich kühle Abendluft um seine Schläfen spielte dann ging eS irgcndwo hinab, tief hinab Der Doktor hielt die Decke, in welche er Lipps eingeschlagen, hinten fest, um so dem Manne, welcher den Kranken an den Beinen umfaßt hatte, 1t schwere Last zu erleichtern. Ehe er auf diese Weise das Zimmer verließ, wurde die Thüre wie von einer unsichtvaren Macht mit furchtbarem Krachen aufgeschlagen, und herein drang eine breite Feuerzunge, die alsbald über das ganze Zimmer hin leckte, und im Nu Alles, was sich drinnen befand, in Feuer gesetzt hatte. Eine Minute des Zaitderns, hätte dem Doktor wie seinem Patienten Tod und Verderben gebracht. Jetzt erst erschien die zu spät gerufene Feuerwehr. Wurms Haus war begreiflicherweise nicht mehr zu retten; man mußte es einfach niederbrennen lassen und sich darauf beschränken, die Nachbarhäuser vor einem gleichen Schicksal zu bewahren. In dieser Beziehung waren denn auch die Arbeiten der wackeren Löschmannschaften von Erfolg begleitet. Das Grocerhaus" aber war nach kaum einer halben Stunde nichts weiter mehr, als ein rauchender Trummerhaufen. Die Familie Wurm, Frau Heinzelmann mit inbegriffen, hatte für den Rest der Nacht bei Nachbarn ein Unterkommen gefunden. Es handelte sich ja für sie nur darum, ein Dach über den Häuptern zu haben an Schlafen dachte erklärlicherweise keines von ihnen. Lipps war auf einem rasch requirirten Handwagen nach der Wohnung Stichows geschafft worden, welch' letzterer den Kranken für sich beansprucht hatte. Nur um Toby bekümmerte sich Niemand. Doch halt! Auch seiner erinnerte sich schließlich Jemand, wenn auch leider durchaus nicht in jener liebevollen Weise, wie sich Toby das gewünscht hätte. Als nämlich, nach der so wohl gelungenen Rettung von Lipps der hoffnungsvolle junge Mann , darüber wetterte und schimpfte, daß -die Retter nicht auch seinen Tobys Koffer in Sicherheit gebracht hatten, in welchem doch nicht allein der unentbehrliche Sonntagsstaat. sondern auch eine ganze Reihe sehr werthvoller Bücher" ausbewahrt gewesen waren. da erhielt der gute Toby aus dem Dunkel der Nacht heraus von einer sehr russigen Hand eine Backpfeife, die von einer ausnehmend guten Abstammung war. Und eine Posaunenstimme scholl an sein Ohr. welche rief: Lausejunge, wir hätten wohl auch Deinen Stiefelknecht sorgsam mit heruntirtragen sollen?" Der arme Toby warf einen scheuen Blick zurück und erkannte zu seinem Schrecken Mr. Balthasar H. Hopser, den flegelhaften Painter, welcher bekanntlich nicht mit sich spaßen ließ. So hielt es der Jüngttng für vortheilhafter, die Maulschelle ohne jede Enlgegnung zu lassen und wortlos zu verschwinden. XII. Gefangenschaft und Befreiung. Wir haben den armen Wurm innerhalb weniger Wochen von Stufe zu Stufe, sehr tief hinuntersinken sehen. Als wir an jenem denkwürdigen Tage die Bekanntschaft des vortrefflichen Mannes zu machen das Vergnügen hatten, befand er sich in vergleichsweise befriedigenden Verhältnissen. Allerdings fühlte fcer Grocer sich schon damals nicht so recht glücklich, woran aber in erster Linie seiner Schwiegermutter, der Frau Heinzelmann 'die Schuld zuzuschreiben ist; allein er war damals doch noch ein aufrechter Geschäftsmann", der zwar keir.eRei!hümer sammlte. jedoch sein Leben auf eine recht anständige Weise fristete. Dann kam der plötzliche Rückgang tos Geschäftes, welcher geradezu rapid wurde, als sich ihm Rautenstrauch als Konkurrent auf den Nacken setzte. Kurz darauf ereignete sich jenes Unglück mit der unseligen sogenannten Deutschen Sparbank", und nun der Brand, welcher ihn und die Seinigen vollends' an den Bettelstab brachte. Diese Schicksalsschläge hatten begreiflicherweise auch in dem Aeußeren des bedauernswerthen Mannes ihre sehr sichtbaren Spuren zurückgelassen. Von Fettleibigkeit war auch in 'den guten Tan Wurms nichts an ihm zu bemerken gewesen; jetzt aber war er offenbar auf dem besten Wege, bei lebendigem Leibe zur Mumie einzutrocknen. Sein Rücken war gebeugt, wie der eines Mannes, der mitten im Greiserialter steht, und , seine einst so fernst und wohlwollend in die Welt blickenden Augen sahen nun müde und erloschen toein. wie in Folge hohen Alters erblindete Fenster. Er war schrecklich unglücklich, 'der Arme, so unglücklich, daß es ihm gar nichts mehr ausmachte, als am Morgen nach dem Brande, der zugleich auch der Fälligkeitstag jenes in den Hängen des Mr. Bly befindlichen Wechsels war, dieses verhängnißvolle Papier zur Zahlung pr'asentirt wurde. Er zuckte nur die Achseln, als der Abgesandte des Mr. Bly von den Folgen sprach, "bic sich unabwendbar einstellen müßten, wenn Vit Zahlung nicht geleistet würde. . (Fortsetzung folgt.) .
Aür die Küche. KalbsmilH (Briesle, Midder). Für die Krankenküche, sowie für kleinere Kinder ist die Kalbsmilch ihre? Weichheit und Leichtverdaulichkeit wegen von großem Werthe und deshalb sehr zu empfehlen. Für diesen Zweck dlanschirt man sie in siedendem Wasfer, kühlt sie ab, putzt sie aus und kocht sie in schwach gesalzenem Wasser oder sehr leichter Fleischbrühe weich. Zulcht schneidet man sie zierlich in die Suppe. Als feine Beilage zu Gemii sen, wie grüne Erbsen, Endivien, Blumenkohl u. s. w. bereitet man die Kalbsmilch auf folgende Weise: Nach dem man sie gewässert und blanschirt hat, schneidet man sie in nette Stücke, legt sie in ein Kasserol mit einigen Speckscheiben, zerschnittenem Wurzelwerk, einer Zwiebel, etwas Kräuter und wenig Nelke. So zubereitet übergießt man Alles mit kräftiger Kalbsbrühe und dämpft bei gelindem Feuer und öfterem Begießen die Kalbsmilch eine gute Stunde. Sobald sie genügend weich ist, nimmt man sie heraus, seiht die Brühe durch, entsettetxsie und gibt sie entweder so, wie sie ist. vder verkocht sie mit einigen conservirten Tomatoes. Beefsteaks von Rindslende. Man nimmt eine schöne Rindslende, häutet sie ab und schneidet querdurch fingerdicke Scheiben daraus, welche man mit einem gewöhnlichen Hackemesser etwas breitschlägt; dann bestreut man diese Scheiben auf beiden Seiten mit Salz und gestoßenem Pfeffer und läßt sie zwei Stunden so liegen. Nachher taucht man diese Scheiben in siedende Butter, legt sie auf den Rost und bratet sie bei starkem Feuer so geschwind wie nur möglich; sowie die Scheiben auf einer Seite braun sind, werden sie umgekehrt, daß die andere auch braun wird. Dann drückt man etwas Citronensaft darauf, auch Sardellenbutter kann man dazu geben. Hat man keinen Rost, so brate man sie in siedender Butter auf hellem Feuer fünf Minuten unter fortwährendem: Hin- und Herschieben der Pfanne. Man richtet die Beefsteaks mit gerösteten Kartoffeln an. Sch in ken speise. Eine vorzügliche Speise von Eier und Schinken bereitet man, indem man vier Dotter mit etwas Salz und ungefähr einem Kaffeelöffel Mehl fein abrührt, dann den Schnee der vier Eier dazu gibt, diesen Teig in eine Pfanne mit heißer Butter gießt und ihn bei offenemFeuer backen läßt, gewendet darf die Speise nicht werden. Wenn sie auf der unteren Seite eine goldgelbe Farbe hat und oben leicht überlaufen ist, gibt man fein gewiegten Schinken nebst e! nigenKapern darauf, schlägt dieSpeise über dem Schinken zusammen, läßt sie noch einige Augenblicke in der Pfanne und gibt sie dann rasch zu Tisch. Herings klopse, ohne Fleisch. Man nimmt 6 Heringe, schneidet sie auf, reinigt sie gut und wässert sie 12 Stunden; dann entfernt man die Gräten und wiegt die Masse mit 6 Zwie beln recht fein. Hiermit mischt man 3 ganze Eier, 18 gargekochte, geriebene Kartoffeln, eine Prise Pfeffer und Gewürz und so viel geriebene Semmel,' daß der Teig fest wird und sich mit Leichtigkeit kugelartig formen läßt. Die Klopse werden glatt gedrückt und in gutem Schweineschmalz schön braun gebraten. Die angegebene Menge genügt für sechs Personen. Senfbutter. Sechs Eßlöffel voll feinen Senf, 4 hartgekochte Eidotter, etwas Salz und Pfeffer werden mit einem halben Pfund Butter vermischt, durch ein Sieb gerieben und zu kaltem Fleisch gegeben. Karlsbader Mehlspeise. Ein Eßlöffel voll Mehl, zwei Eßlöffel voll Zucker, 3j Unzen geriebenes Weißbrot, 6 Eier, 1 Quart saurer Rahm werden gut abgerührt, die Hälfte in eine bestrichene Form gefüllt, 10 bis 13 Minuten gebacken, dann eine Marmelade darauf gegeben und die andere Masse darüber gelegt. Nach einer Viertelstunde streut man geriebcneS Brot, das mit Zucker und Zimmet verwischt ist, fingerdick darüber und backt es noch eine halbe Stunde. Gefülltes Lamm. Man nimmt ungefähr 5 Unzen trockenes Weißbrot, reibt die eine Hälfte, weicht die andere Hälfte ein und preßt sie wieder aus, hackt Petersilie und 1 2 Schalotten fein und dämpft beides in Butter an. gibt ein halbes Pfnd gehacktes Kalbfleisch und ein viertel Pfd. mageres Schweinefleisch dazu, ferner 2 Eidotter, 2 ganze Eier, etwas Muskatnuß und etwas Salz. Das Alles verrührt man gut und streicht es durch ein Sieb. Von einem jungen, gemästeten Lamm schneidet man die Vorderbeine ab, knickt die Rippen, füllt das Innere mit obiger Masse und näht es zu. Dann bindet man die Keulen zusammen und stellt es in den Bratofen, und es wird unter anhaltendem Begießen schön gar und recht saftig. An die Sauce gibt man etwas sauren Rahm, nachdem man sie entfet tet hat. Candirte Orangen. Die Orangen werden vorsichtig geschält, dann, ohne die Haut zu verletzen, in ihre einzelnen Scheiben zerlegt; nun läutert man Zucker, kocht ihn zu Syrup, taucht jede Scheibe da hinein, so lange er heiß ist und legt dieselben zum Erkalten auf ein mit Mandelöl bestrichen es Papier. Der Wundervogel. Junge Dame: Ich besitze einen Canarien vogel. der plattdeutsch spricht. Herr Aber Fräulein Emmi, das ist doch gar nicht möglich! Dame: Und doch wörtlich wahr; wenn man zu ihm spricht: Wat rookst Du lieber. Cigarr' oder Pipr dann anwortet er
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