Indiana Tribüne, Volume 19, Number 247, Indianapolis, Marion County, 24 May 1896 — Page 2

Mndcrstübchctt. Vlin Friedrich Marx. OZe ZnGottes Kirche, trete Ich in's Kinderstübchen trraS, Und zum innigsten Gebete Wird mir Kindes Stammellaut. Jlug' der Unschuld, fromm erhoben, r List mir. was dem dunklen Thal eilverkündend. qlanzgewoben, Ist der gold'ne Morgenstrahl! Himmelssegen auf die Lippe stuhl' ich und in's Herz mir thau'n. Gleich den Hirten an der Krippe, Hingesenkt in süßes Schau'n! gemeinsame Interessen. Ueberdenkt eine Frau mit Ernst die Pflichten, welche ihr nach allen Seiten ihres Berufes obliegen, sowohl m praktischer wie in idealer Richtung, dann gleichen sich alle anderen Verschiedenheiten friedlich aus, und selbst Quffallende Gegensätze lassen sich harmonisch lösen, denn es wird auch unter den äußerst günstigsten Verhältnissen und bei gegenseitiger Liebe und Achtung in der Ehe kein dauerndes Glück zu sinden sein, wenn zwischen beiden Gatten die Uebereinstimmung in ihren innersten Ueberzeugungen fehlt und sie in ihrem Zusammenleben nicht die Aufgäbe erblicken, sich gegenseitig zu stützen und zu fordern. Bu der Verschiedenheit der Lebensführungen und den Altersvorsprung, welchen der Mann vorauszuhaben pflegt, werden sein Character und seine Eigenart zur Zeit der Begründung seines eigenen Heims schon eine Festigkeit gewonnen haben. Das noch weichere, emdrucksfähigere Gemüth der Frau dagegen hängt vielmehr von den Einwirkungen ab, welche die Führung des Gatten darauf ausübt. Liegt darin eine große Verantwortung für den Mann, der seine Aufgabe mit heiligem Einst ersaßt, so erleichtert sie auch der Frau die willige Hingebung, welche sich in Allem dem Willen dessen unterwirft, den sie als ihren Herrn" anzuerkennen vor dem Altar gelobt hat. Und je mehr sie dies mit Bewußtsein, nicht nur aus eigener Haltlosigkeit thrrt. um so zusriedener wird sich das eheliche Leben für beide Theile gestalten. Ein starker Pfeiler des Glückes ist die Gemeinsamkeit der Interessen. Nicht immer liegt es nur an der Flatterhaftigkeit und Vnänderungssucht des Mannes, wenn seine Liebe wie Strohfeuer schon nach den Flitterwochen erkaltet min-, bestens ebenso oft darf man die Schuld bei der Frau suchen, die es nicht verstand, seine Interessen zu den ihrigen zu machen. Namentlich -muß die junge Frau alle Verwandten des Mannes mit aufrichtiger Herzlichkeit als die eigenen betrachten und es als einen wichtigert Theil ihres Glückes schätzen, wenn sie gern m ihren Kreis aufgenommen wird. Gewöhnlich hat sie es mit dem Schwiegervater nicht schwer, der des Sohnes Wohl am Vorurtheilsfreiesten auffaßt und unspruchslvs genug jft, manche kleine Versäumniß in den äußeren Formen mit der jugendlichen Schüchternheit zu entschuldigen. Ganz falsch ist es. wenn sie die Liebe und Verehrung, welche ihr Gatte seiner eigenen Mutter zollt, nicht zu schätzen weiß, fondern sich in kindischer Eisersucht die niemals aus Liebe, vielmehr stets ans Egoismus entspringt dagegen auflehnt. Will sie sich die Liebe des Mannes -nicht verscherzen, der gewiß ein um so besserer Gatte ist, je treuer er an seiner Mutter hängt, so muß sie das übliche Vorurtheil gegen Schwiegermütter von sich weisen und ihr die Ehrfurcht entgegenbringen, tvelche die Mutter ihres Gatten unter ollen Umständen zu fordern hat. Selbst in dem nicht gerade seltenen Falle, daß eine Mutter für ihren Sohn schwer zu befriedigen ist. da sie nicht immer seinen Geschmack theilt und die junge Frau dies empfindet, liegt es ihr erst recht r?b, zu beweisen, daß ihres Gatten Wahl die richtige war und sie wohl befähigt ist, ihn zu beglücken. Wahre Güte und wahre Klugheit führen sie auf diesem Wege sicher zum erwünschten Ziele, und der Mann, welcher die 'beiden ihm theuersten Wesen glücklich -sieht, lohnt ihr mit erhöhter dankbarer Liebe die SelbstVerleugnung und Sanftmuth, womit fit manche kleine Demüthigung ertrug. Gewiß würde sie es als eine schwere Kränkung empfinden, wenn ihre eigene Mutter, nicht die hohe Anerkennung und Rücksichtnuhme von Seiten des Mannes erführe, die sie unbedingt für sie in AnsvruÄ nimmt um sn

mehr sollte sie es als einen tief gemüth-. wum yaracierzug an ihm schätzen, wenn er in seine? Mutter das nachahmenswerthe Vorbild für jede Frau erblickt, ihr alles abzulauschen und abzulernen suchen, bis auf die Bereitung der Lieblingsspeisen herab, womit sie dem Gatten die Erinnerung an das Elternhaus und die von Mutterliebe getragene Kindheit so süß macht. Immer Geschäftsmann. Principal (zum Commis): Nachdem Sie nun meine Gründe geHort haben, lieber Herr Müller, werden Sie wohl einseben, daß ich Ihnen die Hand meititx Tochter unmöglich geben kann; so, jetzt gehen Sie nur wieder in's Comptoir, und schreiben Sie 'mal gleich der Firma Fettlich & Co. in Berlin, sie solle sofort ein Faß Schmieröl bester Qualität schicken! Aus der Rolle gefall e n. Gläubiger: Also Dein Vater ist nicht zu Hause. Er ist verreist? Ja. wann kommt er denn wieder?" Söhnchen (den Schrank öffnend, wo?in sich der. Vater versteckt hat): Papachen, der Herr frägt, wann Du Wiederkommst?"

VcrrincrScasrcndcn. 5asres!e vou 5.,dolfMenger. Die Schneid55ei. die zum Pfwgstfest gehört, war bestens besorgt, für Frau Olga in grau, für Fräulein Elschen in grün, ganz nach der Mode, oben eng, unten weit, schräg geschnitten und dreifach mit Sammetstreifen besetzt. Elschen mit ihrem goldrothen leichtgewellten Haar, ihren dunkel, grauen Augen und den frischen Farben ihrer sechzehn Jahre sah entzückend aus und bedankte sich extra bei der feschen Schneidermamsell, die in sechs Tagen für je drei Mark die Wunderwerke zusammengestellt hatte. Anders der glückliche Gatte und Vater, Franz Hubert Mauserich, ein Rentier und Haustyrann in der Lothringerstraße, der allerdings zugab.daß die Rechnung nicht vom Wirthschaftsgeld bezahlt werden konnte, aber mit Verdruß fortfuhr: Schon wieder achtzehn Mark, und dabei, wie das Volkslied schwindelt, soll Pfingsten das Fest der Freude sein." Ihm ahnte noch viel mehr, doch vorläufig kam nach der Schneiderei das SroßeReimnachen, bei dem er. um nicht im Wege zu stehen, den Staub der Häuslichkeit von den Füßen schütteln und in der benachbarten Bierstube bis Mitternacht und darüber Skat spielen mußte. Dir zu Liebe", sagte er zu seiner Frau, die mit Elschen einen verständnißvollen Blick wechselte. Sie hatten ihr Pfingstprogramm, dessen Durchführung von seiner guten Laune abhängig war. Nur sein Sohn Herbert, ein strebsamer Oberquartaner, war unwirsch. Er sah voraus, daß 'er während der Periode der großen Sauberung mit seinen Schularbeiten aus einer Stube in die andere gefegt werden würde, und so kam es auch. Schließlich schrieb er einen Aufsatz über die Gründung Roms auf dem Plättbrett in der Mädchenkammer. Das war zu viel. In voller Römerstimmung stürmte er nach der Wohnstube, nahm mit frechen Fingern zwei Cigarren ausVatersSonntqgskiste und setzte die Eoul&urmütze" auf, mit der er als Senior seiner Verbinoungsbrüder in Oberquarta dem oorgeschrittenen Zeitgeist huldigte. Na, na", fragt Frau Olga,, wohin denn so eilig?" Zu meinem Freund Fritz Rotten, drei Treppen hoch." Freund? Ein Architekt, der sein Staatsexamen macht? Was kann der mit Dir sprechen?" Sehr viel! Zum Beispiel von Elschen," entgegnete Herbert mit Selbstgefühl und ging von .dannen. Seine Schwester, glühroth, lief hinterher. ,Das hätte ich .Dir nicht zugetraut, diese Schändlichkeit " Ach, Unsinn! Weine nur nicht. Heraus muß es doch, und Dein Herz, nah das ist Deine Sache. Darin läßt man sich heute nicht mehr Vorschriften machen. Ich euch nicht." Frau Olga war einen Moment sprachlos. Dann schrie sie schmerzlich: Elschen, Elschen, was hast Du gethan?" Aber gar nichts, Mütterchen, gewiß nicht. Herr Rotten wohnt ja auch erst seit Ostern bier. Ich saß auf dem Balkon, und er sah zum Fenster hinaus. Er ist gar zu schüchtern " Das thut Dir wohl leid?. Ach. Elschen, sei offen und ehrlich! Was noch?" Wir begegneten -uns zweimal auf der Straße und dreimal auf der Treppe. Er geht zufällig immer aus, wenn ich nach Hause komme. Dafür .kann ich doch nichts." Nein, nein, aber nimm Dich in Acht, und daß der Papa nichts merkt." Elschen hatte verschwiegen, daß auch schon ein Veilchenstrauß auf den Balkon gefallen war, doch gleichviel, Frau 'Olga konnte es nicht als Unglück ansehen, wenn ihr holdes Töchterlein die Gründung des eigenen Heims dem höheren Baufach anvertraute. Im Gegentheil, sie lächelte, ihr mütterlieher Ehrgeiz war befriedigt. Aber sie wollte nichts merken und bis auf Weiteres im Stillen die Vorsehung spielen lassen. Am nächsten Mittag, als dieganze Wohnung blitzblank war, kam endlich das Pfingstprogramm zur Erörterung. Der brave Herbert wollte sich an einer Turnerfahrt mit urgermanischem Nachtlager im Walde betheiligen, und das was principiell ganz annehmbar. Nur die Verpflegungsfrage machte Schwierigkeiten. Früher hatte er sich mit einer Botanisirtrommel voll Schrippen begnügt, heute beanspruchte er anständiges Futter" und reichliches Taschengeld. Verficht sich." fagte Papa Mäuserich mir berechtigtem Hohn. Du kannst Ansprüche machen. Du bist ja wieder nicht versetzt worden." Aber nur", rief der Gekränkte, weil ich für Oberquarta unentbehrlich bin. Sonst wär' ich schon für Secunda reif." Ja wohl, als Jubelgreis. Also kurz und gut, drei Mark magst Du verturnen." Zehn Mark. Papachen. Billiger geht'ä nicht, kostet mich selbst mehr. Auf Ehrenwort. Ihr fahrt hochfein nach der Sächsischen Schweiz, und ich soll wohl gar an meinem armen Leibe die Kosten abdarben. Quod non! Ich kann auch lateinisch. Zehn Mark, oder, ich sahre mit." Sächsische Schweiz!" schrie Her? Mauserich und sah ergrimmt seine Frau an. Olga, Du warst wohl in Dalldorf?" Die Gattin senkte ihr Haupt und blieb' die Antwort schuldig, doch Elschen, das auch schon etwas vom Tem-

perament Ux modernen Tochter hatte, entgegnete unverzagt: Alle Tanten und Cousinen haben ihre Pfingstfahrt, die eine nach dem Harz, die anderen nach Rügen, die dritten nach dem Riesenaebirge " Natürlich!" fiel arglistig ihr Vater ein. das lohnt sich auch wenn man Geld hat. aber das bischen Sächsische Schweiz. Bastei. Kuhstall. Winterberg, Prebischthor.na, Kinder, ich bitt' Euch, das ist einfach lächerlich." Für unsere bescheidenen Wünsche mehr als genug." Geht mir doch! Bescheiden? Zweihundert Mark, denn nobel oder gar nicht. So bin ich. Dafür können wir fürstlich schwelgen im wunderschönen Grunewald. -oder in Treptow am grünen Strand der Spree, oder sonstwo in benachbarter Wildniß. Einen Müggelsee giebt's in ganz Sachsen nicht. Laßt mich nur sorgen. Ins Frühconcert geh' ich freilich nicht, aber darunter sollt Ihr nicht leiden, Pfingsten ist Trumpf! Amüsirt Euch nur." Frau Qlga kannte ihren Mauserich, der bei hartnäckigen Angriffen auf seine Großmuth sehr ungemüthlich zu werden pflegte. Sie vernichtete also auf die Pfingstfahrt. aber sie weinte vor Aerger und Verdruß. Auch Elschcn war bitterböse und hatte dazu ihre besonderen Gründe. Ihr schüchtcrncr Architekt war verständigt worden, daß sie verreisen wollte, und am Morgen ins Havelland nach demLandgut seiner Eltern gefahren. Selbst Herbert, der dieses kleine Mißverstandniß besorgt hatte, war voll edlen Unwillens, doch kam er dabei auf die Kosten. Herr Mauserich, der schnöde Philister", ließ sich, nachdem er das sonstige Pfingstprogramm bis auf ein Frühconcert verbilligt zu haben glaubte. richtig die zehn Mark abknöpfen", mit tonen sein flotter Herbert am Sonnabend Nachmittag stolzen Muths nach dem Sammelplatz der Turndrüder lief. Was fehlte ihm auch? Er hatte außerdem auf seinem Haupte den mütterlichen Segen und in jeder Tasche zwei Schinkenstullen. .Gut Heil" und vorwärts! Vielleicht konnte er, da die Turnfahrt nach dem Werder und thunlichst weiter gegen Westen gehen sollte, unterwegs seinen Freund Rotten treffen und ihm zu Elschens Trost die beschleunigte Rückkehr nach Berlin an's Herz legen. Für den Pfingstsonntag hatte der meteologische Bericht im Allgemeinen erwünschte Heiterkeit und erst gegen Abend etwas Gewitterstimmung angekündigt. Auch Falb hatte nur einen kritischen Tag zweiter Ordnung in Aussicht gestellt. Das Frühconcert auf dem LLtzowberge war also gegen himmlische Zwischensälle Verhältnißmäßig gesichert. Frau Olga und Elschen, die sich in Hausfreundschaft der Familie des Kanzleidirectors Wolkenschieb angeschlossen hatten, saßen auf der Südterrasse, sonnten sich in Morgenstrahlen, athmeten mir Entzücken den Fliederduft auS dem großen Garten jenseits der Saarbrückerstraße und beobachteten das fröhliche Leben ringsum, auf der Prenzlauer Allee und zwischen den Kirchhöfen der Friedenstraße. Der Kaffee war auch ganz preiswerth, und die Trompeter bliesen nach Herzenslust. bald im Generalradau, bald in kunstvollem Cornetsolo. Mit einem Wort, wer überhaupt für ein Frühconcert sich begeistern kann, fand das Beste an Morgenluft. Scenerie und Blechmusik. Elschen mentte sogar, daß es auf der Brühlschen Terrasse in Dresden auch nicht viel schöner sein könne. Nur der Kanzleidirector blies in der achten Stunde bedenkliche Ringe aus seiner Merschaumspitze. Die Sonne schien grell, aber merkwürdig fahl, und aus dem Osten zog eine bräunliche Wolke heran, die schon den Kirchhof zur Linken erreicht hatte. Seine Frau lachte; was thut's, meinte sie, Du bist ja der Wolkenschieber. Aber er, als gläubiger Büreaukrat undGönner der Zionskirche, sagte sehr ernst: Spotte nicht, wenn der Himmel " Plötzlich ein Donnerschlag. Die Sonne verfinsterte sich, und nieder brauste ein Haoschauer auf die Blumen. Federn und Spitzen der Damenhüte, baß ein bundertstimmiges Kreischen denTrompetentusch des Orchesters übertönte. Die ganze Gesellschaft stürzte in wirrem Gedränge nach dem Saal und den Nebenzimmern. Gott sei Dank." sagte Elschen. daß mir mein neues grünes Kleid für ein Frühconcert zu schade war. Nun hängt es sicher im Spind. Hier wird Alles zerdrückt und zerknittot." Aber ach." stöhnte Frau Olga, ich zog mir doch die neuen Stiefel mit den sündhaften Lackspitzen an. Oh. oh. oh! wie sie klemmen! Wie soll ich nach Hause kommen?" Das war das Ende des Frühconcerts. Herr Mauserich hatte inzwischen festgestellt, daß ihm der Hagel sechs Fensterscheiben eingeschlagen hatte. Glücklicherweise war er versichert, den Schaden hatten also wieder nur seine arme Frau und ihr Elschen, deren Pfingstvergnügen durch Schicksalstücke so brutal gestört wurde. Er sah zum Fenster hinaus. Himmel! Da kam schon Frau Olgcr. aber wie ! War sie krank? Ja,' sie ging wie auf Eiern. Er lief ihr entgegen und Lffnete die Thür: Olga, um Gottes willen " Laß mich. Tyrann", rief die Gattin. Du bist an Allem schuld. . Nun zieh mir wenigstens die Stiefel aus." Sie. warf sich auf's Sopha und streckte die Füße vor. Er zog mit Manneskraft. bis ihm der Schweiß auf die Stirn trat, doch nahm die Operation eine volle Minute in Anspruch. Hast Du Worte, nal rief er endlich. Wen Du mit diesen Pfingststiefeln im Gebirge herumklettern wolltest " i l

Frau Olga war ihm dafür eine Kundgebung ihrer tiefsten Empörung schuftig. Aber sie zog erst die Hausschuhe an, die ihr Elschen gebracht hatte. Dann streckte sie beschwörend die Arme empor: Mauserich! Das wird Dir vergolten werden! Ich weiß nicht, wie! Aber der Tag ist lang, noch bist Du nicht zu Bette." Man hörte eine Droschke vorfahren und sah, daß ein Herr und eine Dame, mit einer kleinen Reisetasche, ausstiegen und in's Haus traten. Dann knarrten vier Schuhsohlen auf den Treppenstufen und Klinglingling" erscholl's an der Corridorthür. Herr Mauserich sprang auf.wie elektrisirt. stürzte hinaus und öffnete. Vor ihm standen seinJugendfreund Näsele, jetzt Bürgermeister in Wokritz. und Frau Gemahlin, Pauline, geborene Karitzka. Alter Junge", rief fröhlich das Stadtoberhaupt, da sind wir endlich mit dem Extrazug der Ostbahn. Hoffentlich doch willkommen." Ungeheuer!" schrie Herr Mauserich in aller Bestürzung und breitete die Arme aus. Ihm war zu Muthe, als ob er noch nachträglich bis zum Ruin verhagelt sei. Doch das war nur ein Moment der Schwäche. Im Grunde seines Herzens regten sich für den unerwarteten Gastsreund die dreifachen Sympathien der Schuljahre, des Stammtisches und der Kriegskameradschaft. Sie hatten zusammen Straß-

bürg belagert, in den Vogesen mit den Rothhemden Garibaldis scharmützelt und drei Tage lang an der Lisaine mit unem furchtbaren Schnellfeuer den deutschen Rhein gerettet. Nach dem Sieaeseinzuae in Berlin wurde Näseke Magistratssecretär. Zwei Jahre I . r Mter oewaro er q gleiazzeiilg mir bestem Erfolg um die Erbtochter deS reichen Wassermüllers in Wokritz urrt um die Büraermeisterstelle daselbst. Seitdem hatte er Berlin nicht wieder gesehen, doch hielt er die Freundschaft aufrecht durch etn Darlehen Don zu, 000 Mark, das nach dem Tode seines Schwiegervaters der Erbschaft entnommen und als Hypothek dritterGüte auf das Mauserichsche Grundstück in der Lothringerstraße eingetragen war. Er bekam 5 Procent Zinsen und liebte die peinlichste Pünktlichkeit, die er zur Jaadzeit atm mit den Sendung emcs Häsleins honorirte. Dagegen drohte er, wenn der Zins ausblieb erbarmungslos mit Kündigung, und das war vernichtend, denn auf diese dritte Hypothek wäre in Berlin sicher lein Geldmann hmemgesallen. Herr Mauserich begriff, daß sein Freund, der immer herzhaft zufaßte und nie zu kurz kam. Ansprüche machen würde, und das verdarb ihm die Laune. Er war ja nur ein Rentner niederer Ordnung. Frau Olga aber strahlte vor Gastlichkeit. Sie sah m dem Bürgermeister von Wokritz den Rächer des Unrechts, das ihr durch die versagte Pfmgstfahrt zugefügt war. und als anstandshalber gefragt wurde, ob in der Nähe em Gasthaus sei, entgegnete sie schnell: Aber liebste Freundin, was denken Sie von uns! Wir Damen richten uns unten ein. und drei Treppen hoch wohnt die achtbare Wittwe Käsebier, die zwei Zimmer vcrmiethet. Das eine ist leer, und der Herr, dem das andere gehört, ein liebenswürdiger Architekt, ist verreist. Dort können die beiden Herren schlafen. Mein Mann als Hauswirth kann das in Ordnung bringen." Herr Mmifctich sah sie an wie tin Wütherich. doch schon huschte Elschen vorbei, um sich der Einwilligung der Frau Käsebier zu versichern. Es war ihr besonderes Vergnügen, zwei Minuten in der Architektenstube zu verplaudern. Zum Mittagbrod, das in thunlichper Beschleunigung aufgetragen wurde. spendete Frau Olga auch zwei Flaschen Rothwein, allerdings von verdächtiger Qualität. Dann wurde der Kaffee hinterhergejagt und zum Aufbruch gerüstet. Die Damen fuhren nach dem Sedan -Panorama und von dort nach Castans Pansptikum, das stand an der Spitze des Programms der Frau Bürgermeisterin; ihr Gatte dagegen entschied sich für eine Rundfahrt. Er wollte wenigstens annähernd wissen, .ob wirklich Berlin während seiner zwanzigjähriaen Abwesenheit zur schönsten Stadt der Welt sich ausgewachsen habe. Um 5 Uhr war Rendezvous im Ausstellungspark und nach einer Erfrischungspause gemeinsame Fahrt zur Großstadtluft" im LessingTheater; nicht blos aus eigenem Trieb, sondern auch auf Anstiften der Honoratioren von Wokritz, die über das kleine städtische Culturbild endlich ein obrigkeitliches Urtheil hören wollten. Herr Mauserich und sein Gastfreund stiegen also in einen offenen Ringbahnwagen und fuhren bis zum Halleschen Thor. Der kritische Tag hatte sich in der Morgenfrühe ausgedonnert, und die Festlust zog farbenprächtig durch alle Straßen, die zu den Vororten führten; auf dem Damm Kremser. Miethswagen, Droschken und Pfmgstreiter. auf den Trottoirs Familiengruppen. Großeltern. Gatten. Brautpaare, unzähliges junges Volk, schneidige Bursche, hellgekleidete Fräulein. Feiertagsbummler und Kindermädchen. 'Alles wie sonst", sagte Freund Näseke. Berliner Leben in Pfingstlicher Potenz". Aber die Scenerie war großartig verändert, besonders an de? Alsenbrücke mit dem Ausblick auf Moabit, am Königsplatz mit d:m hochragenden Parlamentspalast und im Zuge der Königgrätzerstraße. Doch das weiß die Welt. Wer wird in Berlin davon sprechen? Punktum! Aber die Innenstadt", rief Herr Mauserich mit allzu leichtfertigem Lokalpatriotismus, auch sie hat sich Herr lich verjüngt." Dann nimm nur in Gottes Namen eme Droschke, Freund, und genire i

Dich nicht. Wenn Du jemals nach Wokritz kommst, bin ich mit allen Sehenswürdigkeiten alldort sehr gern zur Revanche bereit." Mit' diesem grotesken Trost mußte Herr Mauserich, seufzend, im Herzen, toie der vielduldnde Odysseus, im Süden, imCentrum und Nordwesten kreuz und quer durch die Straßen gondeln, die in der fünften Nachmittagsstunde des Pfingstsonntags fast gänzlich verödet waren. Aber er kam mit dem Gastfreunde für baare fünf Mark wenigstens rechtzeitig im Ausstellungspark an, wo er arglistig bemüht war, die Theaterzeit zu versäumen. In aller Erregung darüber, daß aus dem Rassen Dreieck" die Terrasse von Pergamum mit dem Tempel des Olympischen Zeus emporgewachsen war, hätte der kunstsinnige Näseke sich beinahe in den Glaspalast verschleppen lassen, indeß die Damen protestirtcn und mahnten zur Eile. Noch war es ein Glück, daß man den Omnibus benutzen konnte; aber die schwache Hoffnung, daß die Großstadtluft" ausverkauft sein werde, schlug f:hl. Für die Extrazügler waren Billets reservirt. Herr Mäuserich zahlte an der Kasse für fünf Parquetplätze 20 Mark und an der Garderobe für 3 Damenhüte 75 Pfennige. Er wünschte sich auf die Bastei, die er seiner Gattin verweigert hatte. Von dem köstlichen Schwant und dem köstlichen Spiel hatte er doch keinen Genuß. Im Gegentheil, je hochgradiger

die Helterkeit wurde, desto mehr argerte er sich. Am liebsten hätte er den alten Kriegskameraden, der an Allem schuld war. auf gezogene Kanonen gefordert, doch er fürchtete die dritte Hypothek. Vergebens stieß ihn Frau Olga an: Mauserich, blamire Dich nicht." Er heuchelte Kopfweh und setzte sich bei der Heimfahrt melancbolisch auf den Bock zum Kutscher. In seinem Tiessinn vertilgte .er auch beim Abendbrod fast allein den Rest des Pfingstbratens. Das war der Schluß seines kostenreichen Tagwerks. Man begab sich zur Ruhe. Herr Mauserich legte sich in das Archiktenbett, blieb aber Zunächst schlummerlos. da Freund Näseke im Nebenzimmer ein Schnarchconcert ausführte, Das nur mit dem Brausen der ererbten Wassermükle zu veraleichen war. dann fielen ihm doch die Augenlider zu. E, träumte sogar, datz er ver negenoe Holländer" sei. bis ein greller Lichtschein ihn aufschreckte. Am Tische stand ein großer vollbärtiger Mann, der die Lampe angezündet hatte, neben ihm Herbert, der Turner. TableauZ Herr Mauserich saß gesträubten Haares aufrecht im Bette. Herbert rief: Nanu. Papachen, Du hast Dich wohl selbst ezmittirt. Es folgten vie gegenseitigen Vorstellungen und Erklärungen. Der Architekt begnügte sich in aller 5ocbacktuna. die er für Elschens Vater hegte, herzlich gern mit dem Sopha und Herbert schlief im Fauteuil. Der Bürgermeister von Wokritz war gar nicht erst aufgewacyr und concertirte weiter im Genre der Wassermüble. Am nächsten Morgen hatte 'Herr Mauserich einen rettenden Entschluß gefaßt. Er meldete sich krank und er suchte den angenehmen Herrn Rotten, den Freund seines Sohnes Herbert, die Führung der Gesellschaft nach der Rational-Galerie und den Museen zu übernehmen. Elschen war. glücklich. Sie hatte ihr grünes Kleid an uno überzeugte sich mit einem Seitenblick, wie sebr sie von ihrem zukünftigen Baumeister bewundert wurde. Kaum minder glücklich suhlte stcy Herr ucauserick in seiner Entlastung. Gegen Mittag aber kam Herbert und enttäuschte ihn mit der Botchasl, vay Mama mit den Gastfreunden nach dem ooloaiscken Garten aefahren sei und alle dort auch diniren würden. Sie bitte um 30 Mark." Sie ist wahnsinnig!" schrie Herr Mauserich. Vatc?", entgegnete Herbert, fange doch endlich an. Dich mit den Ansprüchen der Neuzeit abzufinden. Wir kommen auch gar nicht nachHause, sondern fahren direkt nach dem Stadtbahnhof am Alexanderplatz. Du sollst gegen Zehn dort Abschied nehmen und die kleine Reisetasche mitbringen." Das war ein Vorschlag zur Güte, Herr Mauserich quälte sich ein Zwanzigmarkstück und machte sich dann in seiner Art einen vergnügten Pfingstmontag. Als er gegen zehn auf dem LahnHof erschien, sagte Freund Näseke: Schade, schade, wir hätten wenigstens acht Tage bleiben sollen. Der Zug fuhr vor. Näseke schob seine Pauline hinein, sprang hinterFenster. Besten Dank. Mauserich. Aber zu Neujahr muß ich die Hypothek kündigen." Ein schriller Pfiff. Fort war der Gastfreund. Schurke!" rief ihm Herr Mauserich nach und stand einen Augenblick wie betäubt. Er wußte noch lange nicht Alles, auch das nicht, daß Elschen und ihr Architekt im stillen Gebüsch am Barenzwinger sich heimlich verlobt hatten. Aber Eins war ihm klar. Er nahm die Hand seiner Gattin und sagte fast zärtlich: Ueber's Iah? machen wir eine Nfinastfakrt. aleickviel wohin, meinetwegen nach Perl.'berg; doch zu Hause bleiben wir nicht." Aufder Hochzeitsreise. Erste junge Frau: Nun, Erna, was suchst Du denn so eifrig im Fremdm fübrer? Zweite iunae ffrau: Eine Stelle in Venedig, wo mich mein Mann noch nicht geküßt hat. Renommage Ich sah gestern im Westen der Stadt colossaZs Rauchwolken aufsteigen." Don Juan: Stimmt, habe einen Theil meiner Liebesbriefe verbrannt. . .

i VonZoev.Reuß. Die gute Stube welch aliväterischer Klang, welche stillbelächelte Erinnerung an das deutsche Pfahlbürgerthum unserer Großeltern! Darf man überhaupt noch wagen, ihrer zu erwähnen in unserer vorgeschrittenen Zeit, die ihre geheiligten Gesetze unmittelbar von der Hygiene und dem in der Gegenwart fast zum Allgemeingut gewordenen künstlerischen Geschmack empfängt? Ja, sie ist viel geschmäht worden, diese einstige, stolze Königin des deutschen Bürgerhauses, mit Recht, und Unrecht zugleich bis sie das Feld geräumt hat! Und sicher war es auch ein bedenkliches, anfechtbares Princip unserer Vorfahren, den schönsten und besten Raum des ganzen Hauses der fortgesetzten Benutzung und dem täglichen Verkehr zu entziehen und lediglich für Festacie. Besuchszwecke oder besondere Veranlassungen zu schonen. Dennoch vermag ich in dieser Grabrede nichts Böses und Kränkendes von ihr zu sagen getreu 5em schon im Alterthum anerkannten Grundsatz von den Todtcn soll man nichts Uebles sprechen." In unentweihter Majestät steht sie mir auch noch vor Augen, die gute Stube" meines theuren Elternhauses, als Allerheiligstes der Heimath! Der ponceaurÄhe Damastbezug der Möbel, mit den atlasartig eingewirkten Blumen des Wollstoffes, wirkte maiestätisch wie der Purpur eines Königsthrons! Als anspruchsvolle Grundfärbe n?ar das augenblendende ponceauroth auch in der weiteren Ausstatrung des allgemeinen Heiligtbumes festgehalten, trotz aller sonstigen Bescheidenheit meiner elterlichen Wohnung. Die meisten Rosen, mit dichren, blaugrünen Blättern, mit denen irgend eine Haustante die beiden steifbeinigen Fußbänkchen mühsam in feinemKreuzstich bestickt hatte, ruhten auf. ponceaufarbenem Grunde. Gleicbfarbig war auch der reich mit weißen Schmelzperlen benähte Klingelzug, der mit hartem, befehlendem Ton Male vom Abwäschen herbeirief und ihr. aus lauter Respect, kaum so viel Zeit ließ, die Küchenschürze abzubinden. Es war aber keineswegs allein die Rücksicht auf Würde und Repräsentation des Hauses, welche die schreiende, rothe Farbe ausgewählt hatte, sondern auch die praktische Rücksicht auf die Echtheit der Farbe. Selbst die indiscreteste Märzsonne vermochte nichts an der Pracht" . zu ändern, trotzdem sie ihre goldenen Strahlenfinger schon in der Morgenfrühe zu den Fenstern hereinstreckte und bis zur Zeit der Knixvisiten darin verweilte, vermuthlich um die Toiletten der Besucherinnen in's rechte Licht zu setzen. Das Werthvollsie des Raumes waren die Familienbilder über dem Sofa, die von guten Meistern stammten. Anstatt der heutigen Photographien aus jedem Jahrgang pflegte man sich eben nur einmal.aber werthvoll, in efligie nachbilden zu lassen, meist in der Zeit des blühenden Liebeslenzes. Auch meine Eltern undGroßeltern waren während jener Lebensepoche abconterfeit, letztere tm koketten Rokokocostum. erstere m der Tracht der dreißiger Jahre. Mein guter Vater, kaum dreißig Jahre alt, sah, mit aufgelegter Sonntagsmiene und geschniegelt und gewichst, wie ein Unterossicier aus, meine Mutter erstrahlte in Himmelblau, der Farbe der schönen Seelen"! Auf dem großen, runden Sofatische lag eine bunte Damastdecke, über welche eine schlichte, blüthenweiße, aber in zierliche, treppenähnlich gebrochene Fältchen gelegte Serviette ausgebreitet war. In , der Mitte desSofatisches auf einem Perlenbricken", stand ein riesiges Krystallflacon voll Kölnischen Wassers. Die Servante an der Wand war in Wahrheit ein Mädchen für Alles"! Gut vergoldete, vasenartige Tassen, eine wohlpräparirte Schildkröte, ein paar alte Stammbücher, eine Kokosnuß, die Robinson mitgebracht zu haben schien, Cotillonorden und vertrockneter Weihnachtsmarzipan wurden in diesemMuseum des Hauses aufbewahrt. Gewisfermaßen als Krone dieses Museums fungirte ein riesiger Potpourritopf voll duftender, durch Salz conservirter Blumenasche, zu dessen apartem, prikkelndem Wohlgeruch einst Großmamas Hausgärtchen durch seine Lavendelund Rosmarinstöcke den Grund gelegt hatte. Wer aber beschreibt den Eindruck der guten Stube am Weihnachtsabend, dessen Andacht und Weihe nicht unbeträchtlich dadurch erhöht ward, daß die Bescheerung in dem vornehmsten Raume des Hauses stattfand. Selbst Male, der mit Scheuerbürste und Fußreiniger bewaffnete Cerbcrus, hatte nichts dagegen einzuwenden, wenn die Scheuerdielen, gewöhnlich rein und weiß wie Schinkenteller, an diesem Tage große und kleine Fußspuren zeigten. Inmitten des ansehnlichen Raumes stand der Christbaum, umgeben von einem Moosgärtchen mit Pfefferkuchenhäuschen und Krippe, und warf seinen blendenden Schein bis in die sauberen, staubfreien Winkel der guten Stube". Für gewöhnlich. wenn freundschaftlicher Besuch kam zum Lichten", das heißt zu einem Plauderstündchen nach dem Abendessen. wurde die Beleuchtung des Heiligthums durch die neumodische, bewunderte Moderateurlampe" besorgt. Wer überhaupt noch die Bekanntschaft dieser launenhaften Schönen gemacht hat, kennt auch die Verlegenheiten, die sie bereiten konnte. Ein complicirtes Uhrwerk pumpte das Brennöl herauf, war aber so wenig zuverlässig, daß ein knarrendes, ächzendes Geräusch und darauf folgende Dunkelheit fast jedesmal eintraten', wenn sie sicher waren.

Aie gute Stuö

recht störend zu sein. Die Hausfrau

mußte dann von Neuem pumpen", um fünfzehnMinuten später abermals eme egyptlsche Finsterniß über sich her einbrechen zu sehen. Dafür blieb e aber auch ein Triumph, wenn die rnu gluckselige Lampe sich endlich wieder auf ihre Bestimmung besann und für eine halbe Stunde das Streiken einstellte. Solche Liebenswürdigkeit pflegt, von den verständnißvollen, durch eigene Erfahrung belehrten Gasten jedesmal mit Acclamation aufgenommen zu werden! Gewissermaßen alsAdjutanten standen der unberechen baren Moderateurlampe zwei Wachskerzen auf silbernen Leuchtern zur Seite, zu denen eine silberne, auf länglichem Tellerchen ruhende Lichtputze gehörte, die allerdings mehr zur Vervollständigung der Ausstattung und zur Repräsentation diente, denn die Wachskerzen wurden eigentlich nicht geschnäuzt". Dennoch pflegten wir Kinder jedesmal untereinander ein altes Räthsel aufzuwärmen, wenn die silberne Lichtputze auf den Tisch kam. Es lautete: Wie heißt das Ding, das beißt, ? Beißt's oben, macht es munter, Es tödtet. beißt es drunter!" Und niemals werde ich den Tag vergessen, an dem die Leiche meines Brüderchens in der gutcnStube aufgebahrt war. Der Tod hatte ihn durch eine tückische Kinderkrankheit schnell wie durch Blitzstrahl getroffen. Von dem Sterbebett hinweg trug ihn Vater weinend. auf seinen Armen in das Heiligthum hinüber. Wir aber schlichen geisterhaft leise in dem nun doppelt geweihten Raume umher, um den geliebten kleinen Todten nicht zu wecken, mit dem wir doch so lebensgern das VesPerbrot getheilt und das alte lustige, tolle Spiel getrieben hätten! Aber auch jetzt sammelten wir noch vorsichtig und respectvoll verstreute Blüthen und Blätter vom Erdboden auf, damit sie nicht zertreten würden und den blüthenweißen. durch dunkle, ölgetränkte Eichenholzstreifen noch mehr gehobenen Dielenboden beschmutzten. Ich glaube, der moderne Salon mit seiner frivolen Einrichtung, der falls er überhaupt nicht fortgesetzt bewohnt wird. sich doch täglich zum Empfang öffnen muß, vermag die feierliche. erziehliche Bedeutung der von ehrfurchtsvoller, aber warmliebender Pietät gehüteten guten Stube" nicht zu erreichen, selbst wenn er ein Tempel künstlerisch gebildeten, vornehmen Ge schmacks ist! Tempi passati! Wann wird cinc Frau alt. Eine Enquete von Kory Towska. DieverheiratheteFrau sagt: Alt nennt man eine Frau, die Runzeln kriegt, Doch dies sind Zeichen, welche oftmals lügen; Alt sind Wir, wenn der Gatte uns betrügt. Und jung, wenn wir ihn unserseits betrügen. DiealteJungfer. Die Welt ist ganz verkehrt, das ist doch klar! Mich läßt man steh'n! Auf keinem Balle tanz ich! Jung ist noch jede Frau von dreißig Jahr. Alt jedes Mädchen schon mit neunund zwanzig! DieSchönheit." Das Haar ist fahl, der Teint verblüht. Ach, wer mich sieht, begreift nicht meine Qualen: Jung sind wir, wenn der Maler vor uns kniet, Und alt, sobald wir anfangen zu malen. Die Schauspielerin. Man weiß, daß keine Jugend ewig dauert. Und wo sie aufhört, das wird leicht gefühlt: Jung ist, der beim Theater auf Beschäft'gung lauert. Und alt, wer die Naiven spielt. ' Die Schriftstellerin. Die Jugend flieht nicht mit den braunen Haaren, Das Alter kommt nicht mit dem weißen Haupt: Alt ist, wer siebzehn Auflagen ersahren. Und jung, wer noch an die Verleger glaubt! Die Philosophin. Laßt doch den Kopf ergrauen, wann er mag. Wozu die Siebzehnjährigen beneiden! Ach, man ist jung an jedem Freudentag Und stets genau so alt wie seine Leiden! Gleiches Recht. Hab'n Sie g'lesen, Herr Chef? Verwundungszulagen sollen die Officiere bekommen. Wenn das g'schieht, müssen wir Staatsbeamte dasselbe bekommen. Aber Herr Bleichberger, Sie haben doch keine Verwundungen. So? Glauben Sie, das verwundet ' nicht, wenn's alle Augenblick heißt: Bleichberger, da hab'ns wieder eine rechte Dummheit g'macht! Selbstbewuß t. Herr: Da ist in unserer Nachbarstadt ein Mann von phänomenaler Schönheit aufgetaucht . . . Weiber alle rein weg!" Lieutenant: Donnerwetter . . . sollte ich einen Doppelgänger haben?" Seine T i n l e. Käufer (in einen Laden tretend): Haben SicTin te?" Kaufmann:' Ach Herrjeses. ich sitze bis über die Ohren drin!"