Indiana Tribüne, Volume 19, Number 226, Indianapolis, Marion County, 3 May 1896 — Page 3

iln lBcicrnüöcitue. tne 5rzZlzlung aus dem deutsch amerikanischen !eben von Aans F!oykand. (7. Fortseung.) Stichow aber fuhr unbeirrt in dem Tone von früher fort: Und, um die Wahrheit zu sagen: Vas frommte es ihm, der da schluminert, wenn ihn eine höhere Macht zu neuem Leben in dieses Jammerthal zulückberiefe? Meint Ihr, daß er dann sich eines anderen, eines besseren, mit einem Worte eines gottgefälligeren Lebenswandels befleißigen würde? Ich sage: Nein! denn wie sehr wir auch Alle unser Herz und unsere Börsen an den gehangen hatten, der als Max von Lipps unter uns gewandelt ist es ist doch wohl nicht in Abrede zu stellen, daß die Sonne In Gnade ihr Licht nur äußerst spärlich auf seinen Pfad geworfen hat. Im Gegentheile! So wie er war. war jedes einzelne Pfund an ihm ein Kopfkissen für irgend ein Laster. und da er die Erde mit gegen 300 Pfunden drückte, war er sozusagen das eine Massenquartier für alle sündhafien Einfälle und alle strafwürdigen Thaten. Wer von uns, die wir leider zu seinen näheren Bekannten gehörten, erinnerte stch beispielsweise, ihn. dessen Verlust wir nichtsdestoweniger beklagen, jemals ganz nüchtern gesehen zu haben? Es ist Niemand unter uns. geliebte Brüder, der solches von sich sagen könnte. Des Morgens ein Weinfaß, war er des Abends ein sz?aß Wein und so ging es all' die Jahre hindurch bis an die Grenze seines Seins.. Jeder Einzelne von uns hat Alles daran gesetzt, ihn seinen üblen Eigenschaften abwendig zu maeben und ihn zurückzuführen auf den Weg des Heils wir wissen aber, daß es vergebliches Mühen war " ,0h Du Gauch!" rief Lipps. abermals aus der Rolle eines Leidtragenden fallend. Still, geliebter Bruder wehrte aber Stichow ab. ich habe noch etwas Weniges über 'den Abgeschiedenen zu , sagen.... Der Gnade des Himmels ihn zu empfehlen, das kalte ich für überflüssig, denn diese ist so unendlich, daß sie auch ohne unser Fürbitten sich des jetzt vor der Himmelsthüre Stehenden erinnern wird: noch überflüssiger wäre in unserem stalle der schöne Spruch: Das ewige Licht leuchte ihm-; denn wir haben zu seinen Lebenszeiten gesehen, daß ihm ein solches Licht leuchtete Tag und Nacht, seit er seine Nase mit sich herumtrug. So beschränken wir :ms denn auf den frommen Wunsch: möge ihm die Erde leicht sein. leichter als er ihr, und auf seinem Leichensteine stehe geschrieben: Hier rbt ton U'mi LkicnZ Pihrrreise Herr Mac von LippZ, fern Würmkrn nun jtt? Cpeise. Cs y.tVn deZ LebenZ Freiern N?$ dihiu Qh srommer Ldrift. triuk' tint Mad für i&n!' Alle lachten, und Hopser rief besonders laut sein Bravo", als Stichow geendet hatte. Lipps aber war mit dem seiner Leichenrede gezollten Beisalle nicht einverstanden. Oho!" rief er, das hat mir nun gar nicht Zmponirt, und Du bildest Dir doch wohl nicht wirklich ein, daß das etwas Vernünftiges gewesen sei. Ich behaupte, es war nicht nur ein albernes, sondern auch ein sehr langweiliges Gesalbader. Und was nun gar die Verse betrifft, so wollen wir aus christlicher Nächstenliebe nicht weiter davon sprechen Mache bessere, wenn Du kannst," schlug Stichow vor; und ein anderes Mitglied der Gesellschaft meinte: Wie wäre es. wenn Lipps sich selber feine Grabrede hielte?" Halt! ja, das will ich," erklärte Lipps. Man soll nicht sagen, daß ich hinter dem Alräunchen da zurückgeblieben wäre." Strenge Dein Pudding-Gchirn an. wie Du willst,'' lachte Stichow, ich wette. Du bringst nichts Besseres fertig ganz zu geschweiqen von der historischen Treue, durch die ich mich ausgezeichnet habe." Ach was, Quatsch." sagte LippS mit einer wegwerfenden Handbeweguna. Ich gedenke eine Rede zu halten, wie sie von keinem von Euch je gehört worden ist." Feuerwerk wird diesmal nicht abgebrannt, und Wasser ist auch nicht in der Nähe." lachte der Faßbinder Holler. ein Zeuge der verunglückten Festlichkeit vom glorreichen Vierten. Wasser ist allerdings nicht in der Nähe." bestätigte Lipps. ich sehe aber leider auch nichts von edlem Weine in meinem Pokale, und davon muß ich haben, wenn anders ich feurig und den besonderen Umständen angemessen sprechen soll." Reichmann beeilte sich, Lipps das Glas zu füllen. Dieser leerte es, wie gewöhnlich, in einem Zuge und erhob sich sodann. Mit einem düsteren Blick auf das Faß. welches den Katafalk -vorstellen sollte, faltete er die Hände und begann: Thränen, geliebte Brüder, heiße Thränen trüben das Feuer meiner Blicke! Einer der Besten, wenn nicht qeradezu der Beste aus diesem edlen Kreise, stattlicher Männer. Max von Lipps. ist nicht mehr! Ist da Einer, der in unserer armen Sprache zu schildern vermöchte, was er uns, was er insbesondere mir, der ich ein Men schenalter hindurch an seiner Seite gelebt, gewesen ist?" Lipps klappte wieder in gut gespielter Verzweiflung die Hände zusammen und ließ das Haupt sinken. Die Andern lachten und Reichmann rief, sich vor Lachen krümmend: ES ist. um an den Wänden hinaufzulaufen!" Lipps aber sprach weiter: Ja. ehrsamer Weinpantscher, vor-

trefflicher Bierverderber, ja, Mr.

? Whiskey. ich ahne Deinen Schmerz.

Weme Dich aus. Du Treuer, denn ! , . ? V . C L , lllmucr wiro oas eyrmurvlze )aupr Deines jetzt in lichten Höhen m Nektar und Ambrosia schwelgenden Freundes Lipps sich über den Rand Deiner Weingläser beugen, nimmer wird seine, an die Riesenleiber verflossener Heldengeschlechter mahnende Gestalt vor Dir erscheine, nimmer sein leuchtendes, stolzes Auge auf Dir ruhen." Heilloser, gottvergessener Schlin. el," rief Stichow aus. Doch auch Lipps ließ sich nicht beirren, sondern setzte fort: Er ist dahin, den wir liebten, den wir hochschätzten, weil seine ausgezeichneten Eigenschaften, sein ezemplarischer Lebenswandel uns solche Liebe und Hochschätzung gebieterisch aufzwangen " Na, hören Sie 'mal!" warf Hopser ein. ....weil er Alles in ,sich vereinigte, was den zieren muß, 'den wir würdigen, unser Freund zu heißen." Er lügt wie ein Stumpredner," meinte einer der Zuhörer. Und insbesondere wird ihn Einer vermissen ein noch junger Mann, dessen Name mir momentan entfallen ist ein junger Mann mit einem gewissermaßen gedankenlosen, um nicht zu sagen albernen Ausdrucke im Gesichte, einem geschniegelten Wesen und sehr wenig Hirn im Kopfe.... Und jetzt fällt mir der Name ein: ich meine einen gewissen Viktor von Stichow, der sich rühmen darf, von dem Unvergeßlichen des näheren Umganges gewürdigt worden zu sein." Leider, mußt Du sagen," unterbrach Stichow. Dieser, meine ich, wird den liebenswürdigen Mann ganz besonders schwer entbehren, denn Wenige leben, denen Max von Lipps so ganz sich aufgeschlossen, denen er sein Bestes so rückhaltlos hingegeben, um ihrer Unerfahrenheit und angeborenen Dummheit abzuhelfen und ihnen in diesem Land?, das neben vielen Reizen auch manche gefährliche Klippe hat, die erforderliche Sicherheit zu geben. Und wie an diesem Stichow. so hat der Da hingegangene an Unzähligen edel, uneigennützig " Oho!" rief Hopser dazwischen. uneigennützig, sage ich. und als wahrer Freund gehandelt. Aber nur Wenige haben ihm die Dankesschuld abgetragen, wie es ihre Pflicht gewesen wäre. Ich höre sogar, daß auch jener Stichow von unserem Freunde. NUN da derselbe todt ist. Ueöles spricht, und ich verhülle dessenwegen mein Haupt. Wir aber wollen uns hüten. diesem Beispiels schnöder Undank barkeit zu folgen, unsern Lipps vielmehr in gutem und treuem Andenken behalten. Ich schließe mit derGrabfchrift, die Lipps in den Tagen, da er noch im Lichte wandelte, für sich selber verfaßt hat und die da lautet: .Cfcr liegt Hrrr 2)laj fcn LippZ. oh Wnd'ttk Er srld:r nUt', ti wär' ein Ans'rer! Das stimmt!" jubelte einer der ZuHörer unter dem Gelächter der Uebrigen: Er selber wollt' es wär' ein Andrer!" Bei diesem Ulk war es spät geworden und Hopser, zugleich mit einigen Anderen, erklärte aufbrechen zu wollen. Lipps sprach sich natürlich dagegen aus und schwur, er würde niemals wieder einer langweiligen Gesellschaft durch seinen Geist auf die Beine helfen, wenn man ihn jetzt einsam da sitzen lasse. So kriechen ie doch auch in Ihr Nest, zum Henker," sagte Hopser; und der Faßbinder meinte: Sie wollen wohl wieder den Tag abwarten? Wenn Sie sich noch ein wenig gedulden, werden ohnedies die Hähne krähen." Lipps aber wandte ein: Unsinn: "it is the nighiinpale and not the lark", wie mein seliger Freund Shakespeare zu sagen Pflegte, wenn er länger in seiner Kneipe sitzen blieb als sonst." Stop!" rief in diesem Augenblicke Rautenstrauch denen zu, die schon gehen wollten. Bliibe' Sie. Mr. Hopser und die andere Gentlemen. Wolle noch Tropfe' trinke'. Festtag heute." Salloh Festtag?- rief Lipps, die Ohren spitzend wie ein altes Kavalleriepferd, das die Trompete hört: Was für ein Festtag, Kartoffelsammler. und warum erfährt man davon erst jetzt?" Nicht Zeit gehabt, davon zu rede'," antwortete Rautenstrauch. Habe mich verlobt." Verlobt? Gott steh' uns bei!" rief der Faßbinder, während Hopser dem Rautenstrauch einen Blick zuwarf, in dem nichts von schwiegerväterlichem Wohlwollen lag. Er hätte am liebsten dem Grocer einen Stoß vor den Bauch gegeben, um ihn vom Reden abzuhalten, stand aber zu entfernt von Rautenstrauch, um ihn auf diese Weise aufmerksam zu machen. . Verlobt? Wie heißt die thörichte Jungfrau?" fragte nun auch Lipps. Verlobt ischt bische' zu viel ge--sagt." antwortete Rautenstrauch, angehalte' muß es heiße'." Um was habt Ihr also angehalten heraus mit der Farbe, zum Donner." rief Lipps ungeduldig und gänzlich unbekümmert um die fürchterlichen Blitze, die aus den Augen des Painters schössen, denn er fürchtete, daß inFolge der langwierigenVerhandlungen das schon so freundlich am Horizonte der Begebenheiten ausiauchende Verlobungsfest wieder zu nichte werden würde. Um Miß Hopser." sagte endlich Rautenstrauch mit einem etwas verschämten Lächeln. Hurrah!" brüllte Lipps, wieder ohne c im Geringsten an das etwas sauersüße Lächeln zu kehren, welches nach der indiskreten Eröffnung seines Freundes Rautenstrauch über das Angesicht des Painters zog. Hurrah

das nenne ich eine Ueberraschung! Es Wundert mich bei der Sache allerdings bedeutend, daß Euch Miß Hopser nicht vor die Thüre gesetzt hat, als Ihr um sie anhieltet, denn sie ist ein verzweiseit hübsches Mädchen na, und Ihr seid gerade kein Adozis. Rautenstrauch, das muß Euch jeder Spiegel, der's ehrlich meint, sagen...." Unsinn!" knurrte ietzt Hopser, innerlich wüthend darüber, daß Rautenstrauch -die Sache, die noch so Weit ron ihrer Reife entfernt war, an die große Glocke gehangen hatte, so weit sind wir noctj lange nicht! Rautenstrauch hat mich gefragt, ob er sich um meine Tochter bewerben dürfe und auf eine solche Frage kann ich doch nicht rundweg nein sagen. Das ist Alles." "Xerer mind, never mind!" rief Lipps. der jetzt das Verlobungsfest" ernstlich gefährdet sah, und darum bestrebt war, allen Einwendungen, mochten sie von welcher Seite auch immer kommen, von vorne herein die Spitze abzubrechen. So oder so: Die Geschichte riecht von Weitem nach Verlobung und Hochzeit, das merkt ein Blinder. Ich denke, Rautenstrauch, Ihr habt einige Ursache, mit ein paar Flaschen von irgendeiner gediegenen

Sorte aufzufahren he. Reichmann! wir bleiben beisammen, bis wir das Wohl des Brautpaares gründlich und in aller Form Herkommens ausgebracht haben. Rautenstrauch gab dem Wirthe thatsächlich einige Orders, während Stichow sagte: Daß Du uns zetzt nicht fortläufst. Dicker, darauf will ich allenfalls einen Erd ablegen." Maast Du thun, mein Sohn, magst Du thun. " schmunzelte Lipps. Ader siehe, lst es nicht ei schöner Zug in 1 . t w ms n i meinem Charakter. on icy micy neis des Glückes Anderer fue und immer bereit bin. bei edlem Weine meinen Mitmenschen Gutes zu wünschen?" Naturlich vorausgesetzi. va ein Anderer den edlen Wein bezahlt," erg'änzte Stichow. Rautenstrauch, in der Freute oaruber, daß ihm seine Absicht, den Painter zu überrumpeln und ihn gewissermaßen vor eine nicht mehr zurückzunehmende Tatsache zu stellen, so gut gelungen war, ließ für diesmal von seiner sonstiaen Knickerei ab unb stellte der Gesellschaft eine stattliche Zahl von Sektflaschen aus Reichmanns Keller zur Verfügung. Lipps übernahm freiwillig das Amt eines Schenkwartes, weil er. ttne er sagte, die Praxis der Wirthe wohl kenne! erst halb geleerte Flaschen spurlos verschwinden zu lassen. Selbstverständlich qenoß er den Löwenantheil von c . .. . ' cy.Y. .rr. oem uelne uno gcrieiq in tfuigc ucncii nur zu bald in eine so ausgezeichnete Stimmung, daß es ihm sogar gelang, auch Hopser die Wolken von der Stirne zu scheuchen. Er wich denn auch nicht vom Platze, bis der letzte Tropfen hinter die Binde aeflossen war, wahrend die Uebrigen. mit Ausnahme von Stichow, der sich verpflichtet suhlte, dem Dicken GeseFschaft zu leisten, sich schon 1 . C ! eine oaive vsiunoe früher yeimivaris begaben. Schlafe Deinen Dampf aus, Elevbant." sagte Stichow zu Lipps. als Beide endlich Abschied nehmend auf der Straße standen. Lipps aber entgegnete: Es ist unverantwortlich von mir, daß ich mit einem noch in zartem Alter stehenden Jüngling so lange im Wirthshaus blieb. Verzeihet mir, oh ihr ewigen Götter!" Darauf lachten Beide, schüttelten sich die Hände und trennten sich, um ihren Behausungen zuzuwandern. Lipps. 'der irgend ein Kneiplied vor sich hersummte, kam nicht weit, da stieß er auf einen Mann, der rafchen Schrittes um die Ecke bog. Lipps, trotzdem er weitaus nicht mehr ganz nüchtern war, erkannte ihn augenblicklich: Es war Dr. Julius Wurm. Der Doktor war so ziemlich der einzige Mensch in der Stadt, vor welchem Lipps etwas wie Respekt empfand, Der Dicke begrüßte demzufolge den Arzt nicht, wie er bei der übrigen Menschheit pflegte, mit einem fchaalen Witze, sondern sagte fein säuberlich Guten Abend" und erkundigte sich, was den Arzt zu so später Stunde auf die Straße führe. Ich habe einen schweren Fall an California Avenue," antwortete der Doktor sichtlich zerstreut und offenbar mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Und woher kommen Sie, wenn man fragen darf?" Ei freilich darf man," rief Lipps sidel, weil Dr. Wurm ihn überhaupt beachtete. Wissen Sie. Doktor: Qui non habet in nuinrnis was nützt's 'dem. wenn er frumm is. fagtMartinus Luth:r irgendwo, und danach lebe ich. Heute mußte ich übrigens einer Verlobungsfeier beiwohnen." Einer Verlobungsfeier?" fragte der Doktor noch immer sehr zerstreut. Jawohl. Wissen Sie. man hat mich . gern bei solchen Festlichkeiten, denn wenn ich auch, sozusagen ein alter Kerl bin, so suche ich doch, was herzerfrischende Fröhlichkeit und gefunden Humor anbelangt, noch immer meines Gleichen unter den Jungen." Da der Doktor darauf nicht antwortete, fuhr Lipps mit der Redseligkeit eines Angetrunkenen fort: Ich sage Ihnen, Doktor, und Sie können es mir aus's Wort glauben: es geht nichts über den seltsamen Geschmack der amerikanischen Mädels. Ich glaube bei Gott, ich fände trotz meiner weißen Haare und meines nicht 'wegzuleugnenden Hängebauches auch noch Eine, die mich wollte. Ein fo öübsches Ding und sucht sich so ein Ungeheuer aus. Was der Kerl nur für aräuliche Glotzaugen hat! und die abstehenden Ohren wie die Henkel an einer Ash-Box nicht anders ha, ha, ha!- Lipps lachte laut hinaus in die Nacht. ;.

Wer ist denn daS Brautpaar?" fragte der Doktor, um nur etwas zu sagen. Ihres Vaters Konkurrent von da unten, wissen Sie, dieser Laffe. der Rautenbauch, oder wie das Möbel heißt. Ein gräßlicher Kerl und langweilig über alles Erlaubte. Er ist auch doppelt so alt als die Braut." Und diese ist jung und hübsch?" Alle Wetter, ich will's meinen!" Lipps schnalzte vergnügt mit der Zunge, dann sagte er: Aber Sie müssen ja die Kleine kennen, das Ding da, die wie heißt sie doch gleich die Helene vom Painter." Und Lipps wies mit dem Daumen der Rechten nach dem in Nacht und Dunkelheit liegenden Hause Hopsers, an welchem daö ungleiche Paar eben vorüberkam. Helene? " rief der Doktor, mit einem plötzlichen Ruck: stehenbleibeno und den Arm seines gänzlich unvorbereiteten Begleiters so heftig anfassend, daß der gute Lipps. der ohnehin nicht eben fest auf den Beinen stand, um's Haar hingestürzt wäre. Helene Hopser? Lassen Sie sich nicht aulachen. Herr!" Julius ließ die Hand des Anderen wieder los und wurde wieder vollständig ruhig. Er wußte ja, daß ein MißVerständniß obwalte. Aber ich bitte Sie, Doktor," sagte Lipps sehr gekränkt, das weiß Ich entschieden besser, beim ewigen Donner! Ich kann doch nicht geträumt haben, daß ich gut ein Viertel von dem Sekt ausgetrunken habe, den der glückliche Bräutigam aus Anlaß seine,Verlobung soeben hat aufmarschiren lassen! Und während der ganzen Zeit steckte Papa Hopser, die Beine unter denselben Tisch, unter dem wir sie hatten." Und sagte ausdrücklich, daß seine Tochter mit jenem Mensch: verlobt sei?" Ausdrücklich? hm? Warten Sie einmal. Sagte er es wirklich , ausdrücklich? Mir schwebt vor. als hätte die Geschichte irgendein Häkchen gehabt; aber wenn Sie mich an den Beinen aushängen wollten, wie einen to'oten Hasen, ich wüßte jetzt nicht zu sagen, was es war." Erinnern Sie sich, bitte. Die Sache ist für mich von großem Interesse," drängte der Doktor. "Woll, Doktor." sagte Lipps betrübt, nehmen Sie es mir nicht übel, aber es wäre so ziemlich vergebliches Bemühen, wollte ich meinen Geist jetzt darnach anstrengen. Ich kenn' mich. Wenn ich. wie heute, eine Unmasse

Zeugs in mich hineingeschüttet habe. St.... ifl; Sa fiP. Offs 3 W 3 uuuii ii ytiuut, uis ivuit uuis, ivua mir am Kneiptische trnrch den Kopf gefahren, m der großen Fluth ertrunken. Die Gedanken schwimmen dann in mir wie todte Kälber aus ausgetretenem Fließwasser, und nichts kann sie wieder zum Leben erwecken. Ach ja, das Saufen ist wahrhaftig ein Laster." Während Lipps so sprach, um schließlich äußerst zerknirscht den Kopf hängen zu lassen, gelangten die Beiden an das Thor ihres Wohnhauses. Der Doktor trat zuerst ein und trennte sich von Lipps mit einem kurzen Gute Nacht". Kein Wort weit. Lipps aber schlich niedergeschlagen wie ein begossene? Pudel auf sein Zimmer und ächzte dort noch im Einschlafen ein Beträchtliches. Der grauhaarige Sünder, dem sonst blutwenig an der Meinung seiner Zeitgenossen gelegen war, konnte es nicht verminden, daß der Doktor ihn seine Mißachtung so deutlich hatte merken lassen. VII. Eine gute Kapitalanläge. Papa Wurm hatte was jetzt immer seltener wurde feiäe idyllischen Tage". Es war aber auch ein herrlicher Morgen über die Gartenstadt heraufgezogen. Vor Tagesanbruch war ein heftiger Gewitterregen niedergegangen, der die Juli-Hitze angenehm gemildert hatte. Vom See herüber wehte erfrischende Luft, die Sonne prangte rein und glänzend an dem tiefblauen Firmamente und in allen Zweigen zwitscherte und pipste das lustige Volk der Vögel. Warum hätte nicht auch Wurmen solchem Tage sich seines Lebens freuen sollen? Nicht etwa, als ob ein erfreulicherer Geschäftsgang eine heiterere Laune des Grocers gerechtfertigt hatte. Das war leider anz und gar nicht der Fall. Aber andererseits war der wackere Wurm schon seit mehreren Tagen weder mit seiner Schwiegermutter noch auch mit seiner Gattin aneinandergerathen. Man hatte wirklich von dieser Seite keinerlei nennenswerthen Versuch ge macht, ihn zu argern und zu reizen, und ein glücklicher Zufall wollte es, daß sich zur selben Zeit auch die Jungen so manierlich benahmen, als das bei ihren, sonst energischer Nachhilfe sehr bedürftigenCharakteranlagen .nur immer möglich war. Das allein war für den bescheidenen, an unruhiger: und unfreundlichere Zeiten nur zu sehr gewöhnten Wurm ein Grund, fröhlich und zufrieden zu sein. Obendrein war aber gestern ein Bries angelangt, der an und für sich ein: recht aufgeräumte Laune zu rechtfertigen schien. Der besagte Brief enthielt zwar nur wenize Zeilen, aber in denselben zeigt: Mr. Brozen an. daß die Deutsche Sparbank" wie nun definitiv festgesetzt sei" mit 1. August ihre Geschäfte aufnehmen würde. Um die Wahrheit zu sagen: Die Gerichte mit der Deutschen Spardank hatte dem Grocer . in der letzten Zeit schon fo schwer im Magen gelegen. wie verdorbener Hummer, schlechter Käse, oder irgendsonst etwas ganz Unverdauliches. Es war ja auch keine Kleinigkeit: man hatte diesem Mr. Brozen so ohne Weiteres 3000 Dollars, d. i. fast das ganze Vermögen

der Familie anvertraut und nun verging Woche um Woche, ohne daß der Mann von sich, respektive von der Sparbank hätte hören lassen. . Hier z Lande kann man ja auch nie wissen, ob der Gentleman von gestern sich nicht heute schon als ausgemachter Hochstapler und Strauchritter entpuppen würde. Na, Gott sei gelobt und gedankt: Diesmal hatte man es aber doch mit einem wirklichen Gentleman ZU thun, und am 1. August fingen die 2000 Dollars endlich zu arbeiten an. Für einen anderen, weniger sanguinisch veranlagten Menschen als Wurm einer war, hätte nun natürlich in der ihm zugegangenen einfachen Anzeige noch nicht 'das Mindeste Beruhigende gelegen. Aber Wurm war eben eine so gute Seele, daß er, wenn man es ihm nur irgend möglich machte, stets von Herzen gerne bereit war, von seinen Mitmenschen nur das Beste anzunehmcn und zu glauben. Und dann litt der Grocer auch an der bei Deutschen leider nicht eben zu seltenen Erschcinungen gehörenden Indolenz, die in allen schwierigen Lebenslagen lieber Fünfe grade sein läßt, um nur nicht in die so unbequeme Lage versetzt zu sein, das schöne Gleichgewicht ber Seele zu verlieren. So war denn Wurm, wie gesagt, am frühen Morgen schon sehr vergnügk. patschelte Toby auf den Kopf und erinnerte den faulen Bengel, der eben mit athemloscr Spannung der Entwicklung -einer ganz fürchterlichen Räuber- und Rittergeschichte folgte, daß der Zucker nachzuwiegen und die Korinthen zu reinigen seien. Sodann warf er einen verzückten Blick nach der Ecke, in welcher wohlverwahrt das Teleskop aufbewahrt lag und schwelgte einen Augenblick in der Erinnerung an den herrlichen Anblick, den gestern Abend der uralte Saturn geboten, während er daran dachte, spitzte er den Mund, um sich ein Liedchen zu pfeifen, griff mit der einen Hand nach einem Stuhl, mit der anderen nach dem am Ladentische liegenden Morgenblatte und trug Beides vor das Haus, um auf dem einen sitzend das andere zu lesen. Indem er sich selber sein Leiblied, den alten Dessauer", zum Besten gab. begann Wurm die Zeitung zu durcbblättern: Zuerst die Telegramme. Jllinoiser Legislatur" dieses Item durfte er ruhig überschlagen; was Gescheidtes war von dieser Seite ja doch nicht zu gewärtigen. Eine schaurige Familientragödie in St. Louis", handelnd von einem Wahnsinnigen, der Gattin unÄ Kinder erschossen hatte; Wurm wunderte sich dabei, daß es noch immer so viele Leute gebe, die sich in der Lage befinden, den Verstand verlieren zu können. Der deutsche Kaiser aus Reisen". Wurm unterbrach das Pfeifen und murmelte vor sich hin: Was denn der Mann so gar nicht zu Haus bei Muttern bleiben kann, wo's doch so schön ist. Ich meine, bei dem heißt's auch wie bei Hans Wurst: Abwechslung muß sind, und müßte ich die Suppe mit 'der Gabel essen." Nachdem der Grocer dergestalt von seinem unbestreitbaren Recht, an Hoch und Niedrig Kritik zu üben, ausgiebig Gebrauch gemacht batte, setzte er wieder mit dem alten Dessauer" ein und fuhr im Lesen weiter. Ein paar Depeschen, die noch folgten, interessirten ihn nicht besonders, und er ging daher mit ein:m kurzenVlick über sie hinweg.. Dann kam der Lokalbericht: Geaen den Gastrust" all rizznt, hängt die Kerle auf;- Aus dem Rathbause: Allerlei Budel-Orbinanzen". Wurm stützte, wäbren'd er dieses Item las, das Haupt auf die Hand und brummte dann: Donnerwetter, man sollte nicht glauben, was sich das Volk hier zu Lande, von einer Handvoll von Spitzhuben 'bieten läßt!" Nach dieser tiefsinnigen Bemerkung, die sich der Brust von schon so vielen amerikanischen Bürgern entrungen hat. fiel das Auge Wurms auf einen längeren Artikel, der mit fünf Titeln überschrieben war. und während fein Antlitz erdfahl wurde, feine Hände konvulsivisch zu zittern begannen und seine Haare merklich Neigung zeigten, zu Berge zu stehen, las er: Turchgedrattnt. George M. Brozen, derLankzründer", fluch tig geworden. Hunderte von deutschen Familien die Opfer des Gauners.

Die Polizei hinter ilzm lzer. Brozens Nccord. Der arme Wurm, der da sein ganzes Glück plötzlich unter sich zufammenörechen sah. gewann nur mit Mühe die Fassung so weit wieder, daß er den Artikel zu überfliegen vermochte. Aus den Ueberschriften allein hatte sich allenfalls schon der berechtigte Schluß ableiten lassen, daß es sich da um keine Lobeshymne auf Mr. Brozen handle. Der Inhalt des Artikels überbot aber alle Erwartungen noch um ein Beträchtliches. Nach diesem Berichte war der sogenannte Brozen nichts weitere als ein von den verschiedensten Polizeiämtern des Landes seit Langem drrngettd begehrter, äußerst gefährlicher und sehr berüchtigter Hochstapler, und der Artikelschreiber wunderte sich nur, daß der Mann fo lange Zeit ungehängt habe in Chicago umherlaufen können." Wurm wunderte sich darüber gleichfalls außerordentlich; aber was nutzte dieses Staunen jetzt, da das Unheil geschehen war? Der Schaden. den Brozen angerichtet, sei noch nicht festgestellt, doch müsse derselbe jedenfalls ein sehr bedeutender sein. Bisher hätten sich etwa fünfzig Beschädigte mit einer Gesammt-Schadensziffer von etwa $40,CKX) gemeldet, doch würde die Haupttruppe der über den Löffel Barbierten sicher erst noch angerückt kommen, denn man wisse ja, daß die l Dummen niemals alle würde. .

Als Wurm diesen FundamentalSatz gelesen hatte, schlug er sich, wie zur Bekräftigung von dessen unumstößlicher Richtigkeit, mit der geballten Faust vor bie Stirne. Es folgten noch mehrere Angaben hinsichtlich der Schritte, welche seitens der Polizei eingeleitet worden waren, sodann ein langes Sündenregister des Gauners, so weit es bisher bekannt war", und endlich der lapidare Schlußsatz: Die Betrogenen werden wohl kaum jemals einen Penny von ihrem Gelde wieder zu sehen bekommen." Man wird es verstehen, daß Wurm wie gebrochen war, als er den Artikel durchgelesen hatte. Mit wunderbarer Deutlichkeit stanÄ seine Zukunft vor seinem geistigen Auge, und wie sehr er auch dieses unheimliche Bild durchforschte, nirgends zeigte sich ihm ein lichtes, freundliches Fleckchen ringsumher alles grau in grau . Die Kniee wollten ihn kaum tragen, als er sich erhob, um seine Familie mit der fürchterlichen Neuigkeit bekannt zu machen. Er zitterte vor dem Momente, wo er damit vor die Frauen würde hintreten müssen, aber dieser Moment ließ sich nicht hinausschieben, es mußte sein. In den Wohnräumen oben hatte inzwischen Frau Heinzelmann ihrer Tochter einen Vortrag über die Annehmlichkeiten guter Kapitalanlage, wie über die Wege, die zu solcher führten, gehalten. Die ewig mit beschwertem Gemüth dahinlebende Frau Johanne hatte nämlich ihren Besorgnissen dahin Ausdruck gegeben, was denn geschehen würde, wftrn Mr. Brozens Unternehmung wider alles Erwarten doch etwa fehlschlagen sollte? Da war nun Frau Heinzelmann völlig in ihrem Fahrwasser. Sie verstand zwar natürlich nicht die Probe von der Sache; da sie aber, seit sie Aktionärin" geworden, auf allen Seiten Erkundigungen über das Wesen der AktienUnternehmungen im Allgemeinen, wie der Banken im Besonderen eingezogen hatte, war sie längst von der Ueberzeugung durchdrungen, daß sie geradezu Sachverständige in derlei Dingen sei. und sie wartete ihrer Tochter auf deren Fraae daher in ihrer Weise auf. Wenn die Geschichte, was ja aber gar nickit anzunehmen ist, wenn die Geschichte also nicht gehen sollte," versicherte sie die Ahnungslose im Tone vollster, Ueberzeugung, dann bekommt man eben sein Geld zurück, und das bei Heller und Pfennig." Als darauf die Tochter mit überaus besorqter Miene und ein wenig zweifelnd"das Haupt schüttelte, fuhr Frau Heinzelmann. entrüstet darüber, daß man ihre Behauptungen zu bezweifeln wagte, in sehr energischem Tone fort: Bei Heller und Pfennig! Na. das wäre mir eine schöne Geschichte! Zu' was gäbe es dann um Alles in der Welt Gesetze! Lee so 'ne Aktie w doch nicht, wie wenn sich einer eine Wurst kauft. Beim Butcher und beim Grocer da legt man sein Geld hin. bekommt dafür etwas, das steckt marr in den Mund, ißi es. und die Sache ist vorüber. Kaust man aber eine Aktie, so bekommt man für sein Geld eigentlich nichts, denn. ein Stück Papier ist doch so zu sagen nichts. Man gibt sein Geld also für eine Hoffnung hin. Erfüllt sich die, so ist es gut: Dann bekommt mair eben reichliche Zinsen. Man legt die Hände in den Schooß und laßr sein Geld arbeiten, wie sie's nennen, anstatt daß man sich selber abplagte. Erfüllt sich die Hoffnung nicht, nun. dann bekommt man allerdings keine Zmsen.. das ist selbstverständlich, aber das Geld, das man hergegeben hat. das muß man doch . wieder zurückbekammen, denn man hat ja dafür noch nichts gekriegt, als ein Stück Papier. Das ist Jedermann fo sicher wie Weihnachten am 25. Dezember, und darüber braucht sich Niemand graue Haare wachsen zu lassen." Woher Frau Heinzelmann diese ihre Weisheit hatte, ist stets Geheimniß geblieben. Gewiß ist nur, daß dieselbe auf Frau Johanne nicht den richtigen Eindruck machte, denn wiewohl diese. Dame im gegödenen Zeitpunkte eigentlich noch keine rechte Veranlassung zur Verzweiflung hatte konnte sie es doch, offenbar aus alter Gewohnheit, nicht unterlassen, unter einem tiefen Seufzer die Hänlic zufammenzuklappend und herzbrechend zu stöhnen: Ach Gott, ach Gott, wie wirv dcr? noch werden!" Kaum war dieser Stoßseufzer ihren Lippen entflohen, da erschien, anzusehen wie ein Gespenst aus jenen langst verflossenen, aber schönen Tagen, da die Bewohner einer anderen Welt auf das Geheiß der Sterblichen kamen und gingen wie wohldressirte Pudel, Vater Wurm in der Thüre. Sein Antlitz hatte die Farbe von holländischer Leinwand, unter dem spärlichen Haare perlten Schweißtropfen hervor und die Kniee schlotterten so bedenklich, daß man jeden Moment befürchten mußte, der arme Wurm würde unter seiner eigenen Last zusammenklappen wie ein Taschenmesser. Dabei war seine Toilette bedeutend in Unordnung gerathen, denn der eine Theil seiner Hosenträger baumelte hinter ihm her, wie der Strick hinter einem Gehenkten, und die Kravatte hatte sich ü weit nach rechts hinüber verschoben, daß die Schnalle nach vorne stand und der Bebauernswerthz auf diese Weise beim besten Willen, keine Gelegenheit fand, das Kinn to der Binde verschwinden zu lassen. Frau Johanne befand sich just rn der Stimmung, ein Unglück zu ahen und sie begrüßte daher ihren Gatten, ohne erst dessen Anrede abzuwarten, mit dem Ausrufe: Hilf Himmel! Der Allmächtige stehe uns in Gnaden bei!" Der alte Wurm stand noch immer sprachlos unter der Thüre und wies nur mit einer wahrhaft erschrecklichen Gebärde nach dem Zeitunqsblatte. das tt aufgeschlagen in der Rechten hielt. (Fortsetzung folgt.) '

5ür die Küche. Russische Suppe. Etwa? Sauerkohl kocht man mit einem Stück Schweinebauch weich, legt ein halbes bis ein Pfund Bratwurst dazu und läßt diese einige Zeit dämpfen. Nun nimmt man die Wurst und das Schweinefleisch heraus und thut den Kohl zum Abtropfen in einen Durchschlag, alsdann kocht man von guter Fleischbrühe mit der entfetteten Kohlbrühe und etwas in Butter geschwitz- . tem Mehl eine seimige Suppe, schnei det den Kohl einige Male durch, thut ihn in die Suppe und zieht dieselbe mit einigen Eidottern und etwas saurer Sahne ab. Das Schweinefleisch, em Stück Rindfleisch aus der Bouillon und die abgehäutete Bratwurst schneidet man in kleine Stücke und thut sie in die Suppe. Diese Suppe schmeckt vortrefflich. Gebratene Wildenten.' Die wilden Enten werden einige Tage in Essig gebeizt, dann auf der Brust in drei Reihen mit Speck und Citronenschale gespickt, gut gesalzen, gepfeffert, im Rohr gebraten, mit saurem Rahm und Essig betropft und in der eigenen Sauce, nach Belieben mit Kartoffeln, aufgetragen. Lammbraten. Hiezu wählt man entweder das Schulterstück oder die Keule mit dem Nierenstück. Das Fleisch muß etwa zwei Tage alt geschlachtet sein und wird womöglich nicht gewaschen, sondern nur gut abgewischt, mit Salz bestreut und in einer Pfanne bei ziemlicher Ofenhitze unter fleißigem Begießen eine bis ein und eine halbe Stunde gebraten. Dann und wann schüttet man einige Löffel kräftiger Fleischbrühe zu und gibt Acht, daß der Bratensatz nicht zu braun wird. Die Sauce wird mit hellbraun geschwitztem Mehl sämig gemacht und extra gegeben. Salat oder feines grünes Gemüse paßt am besten dazu. Kalbsschnitzel auf rheinifche Art. Die gut geklopften Schnitzel werden mit ein wenig Salz, und weißem Pfeffer gewürzt, in Ei und geriebener Semmel umgewendet, in frischer Butter auf beiden Seiten hellbraun gebraten und beim Anrich ten oben daraus mit einem Gitter vou Sardellenfilets und Kapern belegt. Man gibt eine Sardellensauce oder geschmorte Kartoffeln dazu.' Gemüse von Hopfenkeim ch e n. Die jungen Hopfensprößlinge werden gereinigt in Bündelchen gebunden und in Salzwasser gar gekocht. Man stellt einen Durchschlag auf einen Kochtopf mit etwas heißem Wasser und läßt die Hopfenkeime darauf abtropfen, damit sie während der Bereitung der Sauce heiß bleiben. Irr Butter schwitzt ' man eine gewiegte Schalotte und gehackte Petersilie, gibt etwas Milch, zwei Löffel Fleischbrühe, etwas Glace, eine Prise Muskatnuß, Pfeffer und Salz daran und schwingt hierin die Hopfenkeimchen heiß, richtet sie gehäuft an und umgibt sie mit ge rösteten ausgehöhlten Brotschnitten, in deren Höhlung man ein fertiges Setzer legt. S ch l e s i s ch e,.m u r b e K u ch e n. Sieben hartgekochte Eigelb werden mit einem halben Pfund Zucker verrieben und mit einem halben- Pfund ungesal zener Butter nebst einer Messerspitze Salz und zwei' ncheir Eiern vermengt. Dann werden ungefähr zwei Pfund Mehl dazu gethan,, und die Masse tüchtig geknetet, bis ein glatter Teig entsieht. Nun wirv de Teig mit der Nudelrolle einen knappen halben Zoll dick ausgerollt und mit Formen ausgesiochen; die Backbleche werden mit Mehl bestreut, die Kuchen nicht zu dicht aneinander gelegt und darauf mit einem zerklopften Ei bestrichen. Nun werden füße Mandeln sein geschnitten und, mit Zucker und Zinrmt vermengt, auf die Kuchen gestreut. Diese werden ganz hellbraun gebacken. Spinatpud ding. Vier reichliche Handvoll Spinat werden gelesen, gewaschen, in siedendem Salzwasser schnell überkocht, ausgedrückt, feingehackt und in etwas Butter gedünstet: hierauf schält man die Rinde von zwei bis drei Brötchen, weicht die Krume in Milch, drückt sie fest aus und thut sie nebst einem halben- Pfund gehacktem, kalten Kalbsbraten oder ein bis zwei gehackten, gebratenen Nieren, einer gewiegten Zwiebel, etwas Petersilie und.' einem Viertel Pfund kleingeschnittenem Speck zu dem Spinat. Nun wird die Masse gut verrührt, einige Minuten durchgeschwitzt und bei Seite gestellt zum Auskühlen. Nun rührtman ein Viertel Pfund Butter leicht, mischt nach und nach sechs bis acht Ei dotier in die Spinatmasse, etwas Salz. Muskatnuß und den Schnee der Eiweiße darunter, streicht eine Form mit Butter aus, belegt den Boden kreuzweis mit daumbreiten Streifen von dünn geöackenem Eierkuchen; füllt die Masse hinein und kocht den Pud ding ein und eine viertel Stunde. Sorgfältig gestürzt, reicht man eine feine weiße Butterfauce daz. Kalte Speise aus Oran--gen. Ein halbes Pfund Zucker, auf" Welchem man die Schale that Orange? abgerieben hat wird gestoßen, dannmit vier Eigelb, einem ganzen Ei, dem Sast von vier Orangen und einem Glas Weißwein vermischt Nun schlägt man diese Masse auf schwachem Feuer zu Schaum, mischt eure Unze aufaeloste Gelatine dazu, stellt das aus's Eis und schlägt anhaltend, bks es ab gekühlt ist. Nun schlagt max ein Pint

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fußen Rahm zu Schaum und füllt beides, gut durcheinander verschlagen, in eine Form. Wenn erstarrt, wird die Speise gestürzt und beliebig mit Eingemachtem u. s. w. verziert. . E i n S t e ck e n v f e r d s r i ß i. ost mehr als hundert AckerL'äule. . .