Indiana Tribüne, Volume 19, Number 219, Indianapolis, Marion County, 26 April 1896 — Page 7

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Das pcilchcn. Von O. Altmann. Als Herold des Lenzes, als Sinnbild der Bescheidenheit wird das duftige Veilchen gefeiert; seit frühester Zeit fand es bei allen Völkern Beachtung, und manche mythologische Vorstellung, manche sinnige Sage spiegelt die Liebe und Werthschätzung wider, die sich das holde Frühlingsblümchen allerorten erworben. Nach einer orten talifchen Legende sind die ersten Veilchen den Freuden- und Dankesthränen Adam's entsprossen, als ihm der (5ngel Gabriel Gnade verkündet, nachdem der, Stammvater des Menschengeschlechts hundert Jahre der Reue und Buße in Einsamkeit zugebracht hatte. Dagegen berichtet eine griechische Mythe. daß Zeus das Veilchen geschaffen, um die in eine weiße Kuh verwandelte Jo mit duftiger Nahrung zu speisen. Auch erzählen die Dichter, daß sich Vulkan mit Veilchen bekränzte, um die Liebe der schaumgeborenen Göttin zu gewinnen, und wirklich übersah Venus um des lieblichen Wohlgeruchs willen die Häßlichkeit des hinkenden Gottes. Ebenso nimmt in der wendischen Sage Blaublümlein eine wichtige Stelle ein. Als die Macht des Heidenthums gekrochen war, wurde die stolze Burg, in welcher der böse Gott Czernebog hauste, nach anderer Lesart er selbst, in einen Felsen verwandelt, während seine liebliche, unschuldige Tochter zum Veilchen wurde. Wer aber einst dies Veilchen pflückt, dem soll Glück und Reichthum zu theil werden. Doch nicht nur in Dichtung und Sage finden die duftenden Frühlingsblumen Erwähnung, sondern auch im Leben selbst, in Sitten und Gebräuchen der Völker, spielen sie eine Rolle. In dev veilchenbekränzten Stadt, wie Pindar Athen bezeichnet, herrscht die sinnige Gewohnheit, alljährlich an einem Frühlingstage die dreijährigen Kinder mit Veilchenkränzen zu schmücken. als ein Zeichen der Freude, daß die zartesten und gefährlichsten Lebensjahr glücklich 'überstanden seien. Im Mittelalter wurde, sobald die er--sten Veilchen sproßten, ein Frühlingsfest, der sogenannte Lenzreigen, gefeiert; Hans Sachs und später Anastasius Grün erzählen uns, wie es bei einer solchen Gelegenheit in der Umgegend von Wien zu einem Streit zwischen Nithart Fuchs und den Bauern kam. Mitunter wird auch die blaue Blume als Wunderblume betrachtet, die verborgene Schätze cmzeigt, Glück und Gesundheit, bringt. Priscianus, ein byzanUnischer Arzt um 400 n. Chr.. behauptete allen Ernstes, daß man gegen Krankheit auf ein Jahr gefeit sei. wenn man die ersten drei im Frühling gefundenen Veilchen verzehre. Ehedem war das Veilchen so recht ein Lenzesbote und nur dem Frühling eigen, unter dessen Tritten es emporsproß. Mit welcher Freude wurde das Blümchen begrüßt, wenn es sich oft schon an milden Märztagen unter krwspenden Fliederhecken den Sonnenstrahlen öffnete und Wohlgeruch aushauchte: Veilchen schlägt das blaue Auge Schüchtern schon zum Himmel auf. Und in dürrem Gras verborgen Schickt es süßen Duft hinauf. Aber die gärtnerische Kunst hat das vielbesungene Lenzenskind schon längst zu .. einer echten Zeitlosen, zu einer Blume aller Jahreszeiten gemacht und seine' zierlichen Blüthen zu erstaunlicher Größe entwickelt; durch VerWandlung der Staubgesäße in Blüthenblätter sind auch gefüllte Arten entstanden, und selbst die Farbe ist mannigfach variirt worden. Einzelne dieser Sorten führen hochtönende, stolze- Namen: Kaiserin Augusta, Kronprinzessin von Deutschland. Bismarck, der Zar, Ruhm von Kassel und so weiter; sie finden auch bei den reichsten und kostbarsten Blumenarbeiten Verwendung und werden gewiß nicht übersehen, selbst neben prächtigen und auffallenden Floras. denn das tiefe Violett und der köstliche Wohlgeruch bringen stets eine reizvolle Wirkung hervor. Ueberall in den dustenden Grüßen, die Freundschaft und Liebe an Geburtstagen und zum Wechsel des Jahres darbringen oder als letzte Abschiedsgabe theuren Verstorbenen mitgeben, in den Sträußen und Gebilden gärtnerischer Kunst, welche bei Einsegnungen, Verlobungen, Bällen. Festlichteiten jeder Art. als Ostergeschenk, zum Tafelschmuck jetzt eine so hervorragende Rolle spielen allüberall und zu allen Jahreszeiten ist das veredelte Veilchen vertreten. Doch hat darum sein einfaches Schwesterchen, das Kind der freien Natur, nicht an Werth verloren. und ein kleiner Strauß MärzVeilchen, von der rechten Hand gepflückt, erfreut die Empfängerin innig. Wie das moderne, künstlich gepflegte Veilchm längst seine Bedeutung als Verkündcr des Lenzes verloren hat, so tat es auch aufgehört, ein Symbol der Bescheidenheit zu sein, denn es trägt seine großen Blüthen recht zur Schau und wird sogar mitunter baumartig in die Höhe gezogen. Als Frühlingsböte und Sinnbild der Bescheidenheit und Demuth kann nur unser herziges Veilchen gelten, das gebückt in sich und unbekannt" auf der Wiese st:ht und im Verborgenen blüht," von dem Rückert singt: Das Veilchen birgt im Duft sich still. Weil aufgesucht es werden will." Im sonnigen Süden werden neben anderen wohlriechenden Blumen auch Veilchen in großartigem Maßstab angebaut, um Wohlgerüche daraus zu Sieben -für Essenzen, Oele, Pomaden, Seifen uwb andere Toilettenmittel; obwohl all?i? Nizza und Cannes jährliÄ mebr WL0 Kilo Veilchen lie-

fern, mag noch oft die sogenannte Veilchenwurzel, die aromatische Wurzel der florentinischen Iris, anstatt des echten Veilchens für Zwecke der Parfümerie benützt werden. Aber noch in anderer Weise muß unser holdes Frühlingsblümchen -dem genußsüchtigen Menschen dienen. Mancher hat's zum Anbeißen lieb und begnügt sich nicht an den Freuden, die es dem Auge und der Nase gewährt, es soll auch der Zunge des Feinschmeckers einen Leckerbissen bieten, und so bringen denn moderne Kochbücher allerlei Recepte für Veilchen-Eis, -Cr6me. -Gelöe, -Marmelade. -Sirup, sür gezuckerte Veilchenblüthen, Veilchenliqneur und so weiter. In Bezug auf den Veilchengeschmack beim Trinken sind übrigens die alten Römer schon Kenner gewesen; sie liebten es, ihren Wein nicht nur mit Rosen und Myrten, sondern auch mit Veilchen zu würzen, in ähnlicher Weise, wie wir Waldmeister zur Maibowle hinzufügen. Auch dem Morgenländer ist die Verwendung des Veilchens in der Küche längst bekannt; namentlich dürfen bei seinem Lieblingsgetränk, dem erfrischenden Sorbet oder Scherbet, nie die duftenden blauen Blumen feh-len.

Eine Freundin gesuchl. -kizzc aus dem Berliner Lcbeil.von Eduazd Jürgensen. Hermine W. war die Tochter sehr achtbarer und angesehener Eltern aus dem Kleinbürgerstande einer weitentlegenen kleinen Provincialstadr. Da sie ein sehr aufgewecktes Mädchen ist, so hatten die Eltern ihr eine recht sorgfältige Erziehung geben lassen, damit ihre Kräfte aber auch erschöpft. Jetzt sollte Herminchen nun selbst für ihren Unterhalt sorgen und das konnte sie auch. Als vorzügliche Rechnerin hatte sie die Buchhaltung erlernt und bekam auch schließlich im vorigen Jahr eine halbwegs gutbesoldete Stellung in einem größeren Geschäfte hier in Beilin. Soweit verlief alles normal, wie's in jeder zahmen Novellette üblich ist. Nun war aber Hermine in unserer Großstadt vollständig fremd, stand ganz allein und langweilte sich sehr, denn da sie ein überaus sittsamesMädchen war. so begab sie sich nicht etwa in verführerische Tanzlokale u. s. w.. sondern blieb Abends fein säuberlich zu Hause, las den Berliner Lokal-An-zeige? als gänzlich unschädliche Lectüre, stopfte die möglicher Weise in ihren Strümpfen vorhandenen Löcher zu und was der guten Dinge mehr sind. Indeß, wie gesagt, solche Sachen werden doch auf die Dauer sehr langweiliq und Herminchen sehnte sich daher zuletzt nach persönlicher Unterhaltung, selbstredend nur nach weiblicher! Da sie nun also, wie ebenfalls bereits gesagt, ein sehr aufgewecktes Mädchen war, so faßte sie einen besonders schlauen Gedanken, sie erließ eine Annonce. Die lautete folgendermaßen: (Ueberschrift 20 Pfennige, jedes weitere Wort 5 Pfennig.) Seit einigen Monaten bier in Berlin im Buchhaltersache :yatig und in der Hauptstadt noch völlig fremd, möchte ich mich recht eng an eine junge, freundliche Dame anschließen, um mit derselben gemeinsam das Leben zu genießen. Offerten erbitte unterChiffre H. W. 21 an die Expedition dieses Blattes. Kommen Sie morgen Abend wieder, verehrtes Fräulein, und holen Sie sich die eingelaufenen Briefe ab", meinte der liebenswürdige junge Mann am Schalter, aber bringen Sie auch Ihre Handtasche mit!" Hermine war zwar über diese Aeußerung etwas erstaunt, dennoch folgte sie dem Rathschlage, und das war ein wirkliches Glück gewesen, denn nicht weniger als netto 300 Briefe, in die elegantesten duftendsten Couverts eingehüllt, wurden ihr überreicht. Vollständig perplex über die große Ehre, welche ihr von einer solchenMasse junger Damen, die sich ihr sammt lich als Freundin" anbieten wollten, hier in Berlin erwiesen wurde, eilte sie im Sturmschritt nach Hause und begann in fliegender Hast die eingelaufenen Offerten" zu öffnen. Merkwürdig! Ueberaus merkwürdig! Alle Schreiben von fast vollständig gleichen Inhalts und überall eine höchst eigenthümliche Verwechselung! Sollte hier wohl ein Irrthum vorliegen? Nein, unmöglich! Die Chiffre stimmte ja ganz genau. Wirklich überaus sonderbar ! Sämmtliche Briefe begannen nämlich mit den Worten: Sehr geehrter Herr!" oder: Verehrtester Herr!" Einige waren aber auch recht intim gehalien und fingen an: Sie kleinerSchäUxl" oder gar Mein süßer Pussel!" Wie gesagt, es war sehr merkwürdig. Der weitere Inhalt zeigte sich dann ebenfalls in demselben Tone gehalten; immer klang auf das deutlichste durch, daß die Worte an einen Herrn gerichtet waren und nicht an eine Dame oder vielmehr an ein weibliches Jndividuum, als welches sich Hermine doch mit Recht fühlte. Was da wohl dahinter stecken mochte? Die Freundinnen machten nämlich theilweise auch sofort die unglaublichstcn Anerbietungen z. B.: Am liebsten wäre es mir, wenn ich Sie auf derReise begleiten dürfte", oder aber: Meinetwegcn können wir auch sofort zusammenziehen." Es war reineweg zum Todtlachen naiv! Alle aber baten sie um Rendezvous mit einer rothen Rose oder einer weißen Tuberkulose oder was sonst. Jh." dachte sich Hermine, der Sache mußt Du auf den Grund kommen!" Und so folgte sie denn.kurz ent-

schlössen einer der weiken Tuberkulose

Einladungen, die noch aus denselben Abend um 9 Uhr zufällig an der nachsten Straßenecke festgesetzt war. Richtig! Da stand auch schon die Freundin", die sich mit dem seltenen Namen Elfe unterzeichnet hatte, eine etwas stark gepuderte Dame unbestimmten Alters in recht auffallender Toilette. Die harmlose Hermine ging unbefangen auf dieselbe zu: Sie waren so freundlich, mir auf meine Annonce zu antworten " Wat? Uff Ihre Annonce?" Allerdings!" Sind Sie denn vielleicht der fremde Buchhalter?" Gewissermaßen ja. wenigstens bin ich im Buchhalterfache thätig! Da ich aber hier noch fremd bin. so suche ich eben Anschluß an eine Dame" Wat suchen Sie? Sie sind woll nich richtig in'n Kopp? Wollen Sie hier anständige Mäschens for'n Narren halten?" Aber erlauben Sie mal" Ach. wat is hier zu erlauben. Sie dumme Trine aus Posemuckel! Wenn Se mal wieder wat annonciren, denn suchen Se sich einen Freind un keene Freindin! Verstehen Se mir? Die olympischen Spiele im Altcrtyunl. In der letzten Zeit ist vielfach in Vereinen, Zeitungen und Zeitschriften von den olympischen Spielen die Rede gewesen und, wie bekannt ist, hat der Plan ihrer Wiederbelebung zu allerlei Auseinandersetzungen geführt. Aus der Festordnung der Spiele, die vom 5. bis 15. April in Athen gefeiert wur den.' ergibt sich schon, daß sie in ihrer modernen Art mit denen der alten Griechen nicht vielmehr als den Namen nach gemeinsam haben, der außerdem auch unpassend gewählt zu fein scheint, weil man damit einen ganz bestimmten Begriff verbindet. Nur das vorgesehene Laufen und Ringen gibt allenfalls ein Recht dazu. Schießen, Rad. fahren, Lamn-Tennis, (sticket, Fußball dagegen, wie sie die neuern Spiele aufweisen, gehören selbstverständlich nicht dahin. Immerhin mag es aber anre gend sein, einiges über die Ursprungliche Einrichtung dieser großartigsten nationalen Unternehmungen der Alten zu hören. So tief und fest und so eigenthümlich im Gegensatze zu andern Völkern hat kaum eine andere Einrichtung in der griechischen Nation gewurzelt als ihre Leibesübungen; daher haben sie sich auch so früh und rasch entfaltet. Sie werden überhaupt als das freie, selbstgewählte Spiel lebendiger Kräfte, Stärkung der Glieder und Prüfung körperlicher Tüchtigkeit betrachtet; sie bilden ein Element, welches der Mann nicht entbehren, ohne das er seine Ehre und Männlichkeit nicht vertreten kann. Schon bei Homer finden wir die helle, nische Gymnastik in voller Blüthe. Um seine Vorwelt in dieser Beziehung schildern zu können, wie es der Sänger thut, mußte ihm sein eigenes Zeitalter herrliche Bilder geboten haben. Zu SolonS Zeiten war die Gymnastik in Griechenland ein lebendiges Institut, denn die großen Festspiele wurden gefeiert, und Solon selbst setzte den atti scken Siegern bestimmte Belohnungen aus. Ter Glanz trat aber erst nach den Perserkriegen ein, und wie über Haupt dieser glücklich bestandene Rationalwettkamps den hellenischen Staaten neues Leben und ein kräftiges Bewußtsein ihrer Tüchtigkeit brachte, so strömte auch ein neuer Feuereifer in die Ringschulen, und eine möglichst vollkommene Ausbildung der Gymnastik mußte damals eintreten. Ausgezeichnete Lehrer machten sie in ganz Griechenland be kannt und begleiteten auch ihre Schüler auf die Schauplätze der Kämpfe. Tiefe Plätze wurden immer zweckmäßiger eingerichtet und die schönsten Bauwerke der Städte, sodaß unabhängig von der Witterung die Uebungen im Win ter und Sommer ohne Unterbrechung stattfinden konnten. Auch die bildende Kunst war insofern betheiligt, als sie ihre Modelle auf den Uebungsplätzen suchte; die Folge davon war. daß sich die männliche Kraft -und Schönheit immer mehr entwickelte. Von Staatswegen war die Gymnastik längst als ein unentbehrliches Bildungsmittel der heranwachsenden Jugend anerkannt und geschätzt worden. Betrachten wir nun die eigentlichen olympischen Spiele, so ergibt sich, daß. wie das Gehen die erste einfachste und natürlichste Bewegung ist. so das Lau fen, welches im Spiele der Wettlauf wird, die erste und einfachste gymnastische Uebung bildet. Tie Prüfung der Kraft im Wettlaufe ist so natürlich, daß man sich wundern muß, ihn nicht bei jedem Volke schon in der ersten Zeit seiner Eulturgeschichte, wo die körperliche Ausbildung noch überwiegt, anzu treffen. Seit der Ordnung der olym pischen Spiele war der Wettlaus lange die einzige Kampfart; selten werden Sieger in andern Zweigen erwähnt, Erst nach und nach ging man auch zu andern über, führte diese -ein und strebte nach größerer Mannigfaltigkeit. Während z. B. früher nur der einfache Wettlauf geübt wurde, trat allmählich der Toppellaus, der Langlauf und das Laufen in Waffen hinzu. Ter erste, wobei die Bahn vom Ablaufstande bis zum Ziele nur einmal zu durcheilen war. erforderte im ganzcn keine zu lange Ausdauer: dafür wurde aber sicherlich der höchste Grad von Stärke und Schnelligkeit entwickelt. Bei den anderen Arlen mußte schon mehr auf richtige Abmessung und Verthciluna der Kräfte Rücksicht genommen werden" Aus jener Zeit überlieferte Tarstellun gen zeigen daher auch einen bedeutenden Unterschied in der Bewegung der Wett läufer. Wir bemerken dabei außerdem eine gleichmäßig Bewegung der obern und untern Gliedmaffen der Läufer; die Arme bildeten gleichsam die

Schwingen des Leibes und mußten tactmäßig, dem Ausschreiten der Füße entsprechend, die Schnelligkeit bedeutend steigern. Tie Wettläufer sind so dar. gestellt, daß sie mit erhobencu, fast schwebenden Füßen weit ausschreiten, um mit einem Schritte den möglichst größten Raum zu umfassen. Ter Toppellauf betrug, wi schon der Name sagt, das Toppelte des einfachen Sta dios, indem der Lüuser vom erreichten Ziele wieder bis zur Ablaufstelle zurück eilte. Wenn er sich dem Ziele näherte, machte er eine'Wendung und kehrte auf der andern- Seite der Bahn zurück. Eine weit größere Leistung war der Langlauf, der eine außerordentliche Kraftentwickelung verlangte; man schätzt ihn verschieden, auf 7, 12, 20, 24 Stadien. Auf den Gedanken, eine so lange Strecke zu bestimmen, kam man wohl, um zu sehen, was menschliche Krast leisten könne, und neuere Versuche haben ergeben, daß rüstige Läufer noch Größeres zu leisten imstande sind. Trotzdem mochte in den Iestspielen wohl mancher durch Ehrgeiz angespornte Lüuser nach Vollendung des Laufes erschöpft niedcrsinken, mancher auch den Geist aufgeben. Ter Waffenlaus war Ursprung lich nur Ui einfache Wettlauf mit Schild, Helm und Beinschienen: später hielt man diese volle Rüstung nicht mehr für angemessen und behielt nur den Schild bei. Mehr als vier Mann traten wohl in dieser Art des Wettlaufs nicht zugleich aus; da eben eine beson ders große Leibesstärke erforderlich war, stellte sich Übrigens wahrscheinlich auch nie eine große Anzahl ein. Ter Wettlauf mußte natürlich als eine vortreff liche kriegerliche Vorübung gelten. Tie Wettl'äufer betraten die Bahn nackt und nach vorhergehender Einölung des Leibes. Vor dem Beginn des Laufes hatten die Betheiligten zu losen. Tie gemeldeten und zugelassenen zerfielen nämlich in bestimmte Abtheilungen, von welchen eine nach der andern in der durch das Los entschiedenen Reihenfolge zum Laufe antrat. Als eine besondere Sitte der Wettläufer während der Ausführung des Laufens wird ein gewaltiges Schreien erwähnt, als sollten dadurch der Muth und die Ausdauer gefördert werden; hauptsächlich fand dies statt, wenn man sich dem Ziele näherte. Ties erinnert an die in ähnlicher Weise erfolgende laute Theilnähme der Zuschauer bei heutigen Re gattcn, Radfahrrcnncn u. s. w., die sich in südlichen Ländern zu einer außerordentlichen Höhe steigert. Eine andere vielgeübte Art der Wett kämpfe war das Ringen, das eigentlich den Hauptbestandthcil der hellenischen Gymnastik bildete. Hierbei war ebenfalls daS Einölen des Leibes und die Bestreuung desselben mit Staub von größter Wichtigkeit. Waren die Kämpfer nach den Losen paarweise zusammengestellt, so trat das erste Paar nach gegebenem Zeichen in die Schranken. Zunächst suchte jeder von ihnen eine günstige Stelle zu gewinnen, namentlich die Sonne im Rücken zu haben und schen Fuß zu fassen. Die Haltung mag dieselbe wie heute beim Ringen gewesen sein: man stand mit etwas ausgebreiteten Füßen, legte die Arme zum Schutz und Angriff aus, zog Hals und Kopf zt'.rück. rundete oder wölbte gleichsam den Oberleib. Rücken. Schultern und Nacken, faßte nun den Gegner und alle seine Bewegungen scharf ins Auge, um seinen Angriffen entgegenzukommen und sie unschädlich zu machen. Die einfachste Kampfform, mit welcher in den meisten. Fällen der Kampf beginnen mochte, bestand in dem gegenseitigen Erfassen und Festhalten der Arme, und zwar da. wo sie am schwächsten sind, etwas über der Wurzel derHand, um so den Gegner durch einen raschen Zug. Ruck oder Stoß zum Fallen zu bringen oder ihm durch dasFestdrücken Schmerzen zu bereiten und ihn nach längerer Dauer zum Verzichte zu bewegen. Eine zuweilen angewandte Methode des Ringens Kar die. den Gegner an den Fingerspitzen zu fassen, sie zu drücken, sodaß sie auch wohl zerbrachen, und nicht eher loszulassen, bis der andere sich aus Schmerz für besiegt erklärte. Ein kräftigender, schöner Wettkämpf war das bekannte Discuswerfen, das nur nach bedeutender VorÜbung kunst- und regelrecht ausgeführt werden konnte. Die Gestalt der Wurfscheide war rund, einem kleinenSchilde ähnlich, der weder Handhabe noch Riemen hat. schwer und wegen der Glätte des Metalls nicht leicht zu fassen war. Für die Knaben hatte man kleine Wurfscheiben. Bei dem Werfen kam es besonders auf eine geschickte Stellung und Haltung an. DenStandort bildete eine kleine Erhöhung. Vor dem Abwerfen machte man die Hand mit Erde etwas rauh, um sicherer zu fassen, dann gab man der Scheibe die beste Lage in der Hand, wiegte sie einige Male auf und ab. um gleichsam das Verhältniß der aufzuwendenden Kraft zum Gewichte abzumessen, den Discus wurfrecht und die Muskeln des Armes elastisch zu machen. Rücken, Racken und Haupt wurde nach einer Seite hin gebeugt, sodaß der Werfende die linke überschauen konnte, die Augen verfolgten die den Discu tragende Hand, das Knie des rechten Fues machte eine geringe Beugung, das linke eine stärkere; der rechte Arm schwang dann die Scheibe in halbkreisförmigen Bogen und warf ihn aus der Tiefe heraus in die Ferne. Tie Scheibe wurde nicht nach einem Ziele gesandt, "sondern blost in die Weite, wobei man eine mäßige Höbe nur so weit erstrebte, dak der Wurf den nöthigen Bogen machte, um den Discus nicht zu früh auf die Erde zu bringen. Die weiteste Entfernung entschied den Sieg; dabei galt diejenige Stell:, wo der Bod:n zuerst berührt wurde. Auch das Werfen mit Spießen, vom leickten bis zum schweren, wurde getrieben. Hierbei war die Stellung na-

türlich eine ganz andere als vtt ver eben besprochenen Uebung. Der Wersende stand in graderHaltung aufrecht, vor dem Abwürfe würd: durch den hoch und aufrecht gehaltenen Arm die rechte Schulter zurückgebogen, im Augenblick des Werfens selbst aber vorwärts gekehrt, die linke rückwärts. Der Spieß sollte ein bestimmtes Ziel treffen; zur Abwechslung mochte man auch zuweilen den Weiiwurf treiben. ' Der sogenannte Fünfkampf behaüp!eie bis in die späteste Zeit als die allseitigste gymnastische Uebungsweise seine Geltung und war nur ein Wer! junger, rüstiger, elastischer Manner. Ueber die Reihenfolge haben sich verschiedene Meinungen gebildet, eine äU tere. wonach sie diese war: Sprung, Wettlaufen. Weitwurf mit Discus und Speer (Akontion). Ringkampf. Hier wurden also zunächst Kraft und Geschmeidigkeit der Füße in einzelner und fortgesetzter Bewegung geprüft, worauf dann die Arme ihre Stärke beweisen mußten. Später war vielleicht folgendeOrdnung eingeführt: Sprung. Diskuswerfen. Akontion. Wettlauf. Ringkampf, wodurch ein zweckmäßiger Wechsel in die Bewegung der Arme und Beine gebracht wurde. DerSprung behauptete immer seine erste Stelle. Man kämpfte urtei Flötenspiel, theils gewiß, um daö Schauspiel des Fünfkampfes mit Musik zu beginnen, theils um die Schwung- und Sprunglraft des Körpers zu beflügeln. Auf vielen Abbildungen sieht man auch Springer mit sogenannten Halteren (Hanteln) in beiden Händen. Der Ringkampf hatte wohl die letzte Stelle, weil die andauernde Art einen zu bedeutenden Kraftaufwand erforderte, die. vorausgeschickt, zu den andern Kämpfen hätte unfähig machen können. Der Faustkampf gehörte zu den schwersten Bestimmungen der Gymnastik. Die Hand war mit einem flachen Riemen umwickelt, der später durch einen scharfen ersetzt wurde. Endlich fügte man noch Nägel. Knoten und Buckel hinzu, sodaß die Faust theils durch ihr Gewicht, theils durch die hervorragenden Theile des Riemens eine außerordentliche Wirkung haben mußte. Dichter der spatern Zeit geben ziemlich schreckliche Beschreibungen über die Faustgewinde. die unter Umständen recht gefährlich waren. Jeder Faustkämpfer suchte die Sonnenstrahlen im Rücken zu haben. Kunstfertige Kämpfer legten im Anfange ihig die Arme aus und wehrten alle Angriffe des Gegners ab, um ihn dadurch zu ermüden. Um den Schlag möglichst nachdrücklich und wirksam zu machen, erhob sich der Kämpfer, stand gleichsam auf den Zehen mit vorgebeugtem Oberleibe und führte so seine Streiche. Der Hals und das Haupt wurden zurückgebogen oder hierhin und dorthin gedreht, UM den Schlägen des Gegners auszuweichen. Der geschickte Faustkämpfer mußte die linke wie die rechte Hand auf gleiche Weise gebrauchen können. Um dem Körper einen stärkern Antrieb zu geben, holte man tief Athem. Neben der Anwendung von List und Täuschung mußte auch auf Anstand und Ebenmaß inHaltung und Bewegung geachtet werden. Jeder günstige Augenblick wurde natürlich benutzt, jede Blöße des Gegners aufmerksam erspäht, jeder Schlag desselben fruchtlos gemacht. Der erfahrene Kämpfer schonte im Anfange seine Kraft oder suchte den Schlägen des Gegners durch rasche Wendungen, List und ähnliche Manöver auszuweichen. Die Schläge wurden hauptsächlich nach den obersten Theilen des Körpers, nach Haupt, Schläfen, Ohren, Wangen, Kinn und Nase geführt. Die Zäbne waren besonders heftigen Angriffen ausgesetzt. Damit in derHitze des Kampfes der Anstand nicht verletzt wurde und ein wildes Boxen anfing, gab es gewisse Vorschriften. So wzr es nicht gestattet, einander anzufassen, zu ziehen und zu umschlingen ; ebensowenig war das Ausschlagen mit den Füßen erlaubt. Das Pankration in Olympia zeigt den Begriff des Allbewältigers." Fast sämmtliche Theile des Körpers waren dabei in Thätigkeit. Arme und Schenkel. Ellenbogen, Knie. Hände, Füße, Nacken, Schultern, theils angreifend, theils abwehrend. Dabei gab esStöße. Griffe. Schläge. Umschlingungen aller Art. In keiner andern Art des Kampfes hatte Gewalt und List. Kunst und Gewandheit einen so freien Spielraum wie hier. Sie erforderte Geistesgegenwart und eirre gleiche Uebung der linken wie der recht'n Hand. Von den Belohnungen der Sieger mögen nur einige Worte gesagt werden. Die Preise bestanden in dem einfachen Zweige eines Oelbaumes, die von einem Knaben, der noch beide Eltern hatte, mit einem goldenen Messer abgeschnitten wurden. Nach den Begriffen des hellenischen Volkes umfaßte ein olympischer Kranz die ganze menschliche Glückseligkeit in sich. Zugleich mit der Bekränzung fand auch das Ausrufen des Namens des Siegers nebst dem seines Vaters und seiner Heimath durch die laute Stimm: des Heroldes statt. Endlich hatte jene? das Recht, sich auf dem Schauplatze des Sieges eine Bildsäule aufstellen zu lass en. Llbendruh.

Nu ruhen alle Wälder; Dem Tage folgt die Nacht. Es wird bedeidend kälder. Obwohl der Mondschein lacht. Keen Käfer nee, weeß Knebbchen, Keen Frosch huppt durch die Welt; Ja. nich ämol ä Drebbchen Vom Appelboome fällt. Ei ja, es war sehr heeße! Nu' ruht rings das Gebrill. Und wer dagsiber beese, 3s meeschdendeels nu' still! i-

MMköcsZIil. Von HanS Wachenhusen.

Keine günstigere Gelegenheit konnte den Engländern geboten werden, ihre Unentbehrlichkeit in Egypten zu beweisen als die Niederlage der Italiener in Abessinien und die zugleich zu erwartende Mobilmachung der MahdiDerwische, die sich schon vor Kassala gezeigt haben. Man erinnert sich, wie diese Horden, deren Bewegung derjenigen der Wanderraten und der Heuschrecken gleicht, nack. den traurigen Erlebnissen von Hicks - Pascha und Gordon. bis vor Wadi - Halfa und dem ersten Nil-Ca-taract erschienen, die von MehemedAli und dem Israel Pascha eroberten Aequatorial - Länder für Egypten rettungslos verloren gingen und von den Engländern nach ihrer Besitznahme des Pharaonenlandes aufgegeben wurden. Jetzt erwartet man die Derwische wiederum und will ihnen bis Dongola entgegen gehen und dadurch zugleich die durch Frankreich und den Sultan gewünschte Räumung Egypten's als unmöglich darstellen, denn ziehe England sich aus Egypten zurück, so sei es schutzlos, ja es könnten, wenn man nicht sofort zur Abwehr greife, die Zeiten Dschingis - Khan wiederkehren So schlimm ist es nicht. Die Politik soll mich hier nicht kümmern, ich will nur darthun, daß neben den Abessiniern. den Italienern und den Engländern och eine vierte afrikanischeMacht sick bereits mobil gemacht hat. die bei den gegenwärtigen Operationen ihre hohe 'Bedeutung hat. nämlich der Nil. Am 10. Mai fängt in Abessinien die Regenzeit an, früher aber noch beginnt der Nil seine alljährliche Reise. Anwachsend durch die von den CentralPlateaux herabströmenden Wassermassen überschwemmt er die Niederungen, verpestet die weitesten Strecken und langt am 21. Februar in Gondokoro. der 'Negerhauptstadt an. wo die arabischen und europäischen Kaufleute ihre Agenten für den Elfenbeinhandel halten und das Christenthum vergeblich sein Kreuz aufzupflanzen suchte. Danach müßte die Ankunft der großen Strömung, geographisch' berechnet schon am 7. April in Chartum zu erwarten sein, da sich aber der Nil unterhalb Gondokoro in ungeheuren, von Kraut durchwachsenen Sümpfen und unzählbaren kleinen Armen verirrt in denselben Sümpfen, in welchen die römischen Schaaren untergingen, die Nero zur Erforschung der Nilquellen ausgesandt hatte, so hat er viele Hindernisse und Aufenthalt. Die Entfernung von Gondokoro bis Chartum beträgt 2000 Kilometer; der Strom macht deren etwa zwei in der Stunde. folglich müßten ihm ohne diese Hmdernisse zweiundvierzig Tage genügen. Aber da er durch alle diese kleinen Arme sein Wasser nieder sammeln mufe, erreicht der blaue Nil Chartum früher als der weiße. Dieser Theil des Stromes aber thut wenig für die Befruchtung des Landes; er vereinigt nur sein Wasser mit dem Thonschlamm, den der weiße zusammengerafft hat. und wenn beide in Chartum zusammentreffen, brauchen beider Farben, der rothe Thon des weißen Nils und bläuliche Farbe des blauen, etwa 500 Kilometer bis gegen Abu - Hamed. ehe sie sich wirklich vereinigen; sie reisen diese ganze Strecke neben einander. Heute kennt man diese Sümpfe, die von der unglücklichen, holländischen Reisenden Fräulein Tinne mit einem kleinen Dampfer befahren wurden, schon besser als zu Nero's Zeit. Man weiß, daß sie zwischen dem 3. und 5. Grad nördlicher Breite einen Raum wie etwa das adriatische Meer einnehmen, und weiß auch, warum der weiße Nil anstatt am 7. April erst am 19. Mai in Chartum. seinem Zusammenfluß mit dem blauen, anlangt. Hier ist die Regenzeit bedeutend kürzer und währt nur vier bis fünf Monate. Darfur. Kordofan. der Sennaar und Abessinien sind übrigens demselben atmosphärischen Gesetze unterworfen. Der Regen beginnt hier am 10. Mai Anfangs spärlich, dann bis Ende Juli steigend, in großen Massen fallend und andauernd bis Anfang September. Es ist das die Winterzeit jener Zone, die der Araber Kharif nennt, während in den Monaten März und April Alles versengt. Während dieser Regengüsse wachsen auch die den Nil speisenden Flüsse Keilas. Vacher-el-Gasal. der blaue Nil und der Atbara, die beide aus Abessinien kommen. Eigenthümlich ist es. daß das Anwachsen des blauen Nil in Chartum sich schon am 27. April zeigt, zweiundzwanzig Tage früher als das des weißen, den der blaue einige Kilometer oberhalb Chartum speist. Es liegt aber darin kein Widerspruch, denn wenn auch die Regenzeit erst gegen den 10. Mai in Abessinien beginnt, so schmilzt die Hitze des vorangehenden Monats den Schnee auf den Berggipfeln und dies veranlaßt die Wasservermehrung, die das Steigen des weißen Nil am 27. April bei Chartum verursacht. Am 16. Mai wird die Fluth bereits unter Veranstaltung von Festlichkeiten bei Donozola, dem vierten Cataract erwartet dem Ziel der eben begönnenen englischen Expedition und bei öem -zweiten Cataract. bei Wadi - Halfa empfängt man ihn zwölf Tage spater. Bei Assuan, der nördlichen Grenze Nubien's. passirt endlich der Strom den ersten Cataract und tritt in Unter - Egypten ein. Hier beginnen dann durch die Canäle die Aderlässe, durch die ihn dieCultur zu ihrenDienstcn unterwirft. Am 17. Juni bereitet man sich auch in Kairo zum Empfang der großen, sehnlich erwarteten Wasser vor, durch deren Überschwemmung das ganze Delta lebt. Anfangs ist das Steigen kaum bemerkbar; Wochen verKreichen ehe die rothe Wassermasse

Mit voller Gewalt herandringt und erst Mitte August, wenn die Steigung Zweidrittel ihrer gewöhnlichen Höhe man rechnet 5$ Meter erreicht hat, sorgt man freudig unter festlichenVeranstaltungen für die Füllung desKairo durchschneidenden Khalifcanals, der heute zwar keine Bedeutung mehr hat, aber als die letzte Spur des von den Pharaonen zur Verewigung des Flusses mit dem rothen Meer gegrabenen Canals betrachtet wird. Die hochstchöhc erreicht der Nil erst um Mitte September und verbleibt auf derselben vierzehn Tage, wo er zu fallen beginnt. Bei dieser Gelegenheit opferte man ehedem dem Nil eine bräutlich geschmückte Jungfrau zurSymbolisirung der Vermählung von Isis und Osiris: fo lautet die freilich unwahrscheinliche Sage. Von der Oeffnung der zur Befruchtung durch den Nilschlamm dienenden Canäle ab dauert das Steigen bis zum Herbst - Aequinoctium, doch in geringerem. Grade, denn das ganze Delta ist überschwemmt und die Wassermasse zertheilt sich zwischen den hohen Dämmen in der ganzen Ebene. Im Allgemeinen betrachtet man in Kairo den 26. September als das Ende des Steigen. Das Wasser fällt allmäliz bis zum Sommer, wenn nicht noch eine Gegen - Ueberschwemmung eintritt, ein Phänomen, das der Almanach von Kairo auf den 14. Octover legt, also hundertneunzehn Tage nach dem ersten Moment des Steigens. Ich benutze bei diesen Daten die Berechnungen eines egyptischen Freundes, des Ingenieurs Tissot. Wie ungeheuer auch die Wohlthat ist. die der Nil Egypten erweist, das ohne ihn größtentheils eine Wüste sein würde, hat er doch die üble Gewöhnheit. diese Wohlthat mit einer Art von Pestilenz zu eröffnen, durch die sögenannten grünen Wasser", die von den ersten Tagen des Monat Juni ab eine Unglückssaison bezeichnen. Die in den Aequatorial - Gegenden und weiter nördlich gelegenen Seen werden nämlich während der Monate, in welchen die Zuflüsse ausbleiben, kein Tropfen Regen fällt und die Sonne glühend auf sie herabbrennt, zu stinkenden Sümpfen, in denen sich eine Menge organischer Stoffe. Pflanzen. Baumstämme. Blätter und Schilfe zersetzen. Ungeheure Schwärme größerer und kleinerer Jnsecten schlagen sich auf sie nieder und verfaulen mit an dieserVegetation. Ein grüner dichter Schlamm bedeckt die Sümpfe, die Luft verderbend. und diese Verwesung setzt sich, sobald die Zuflüsse eintreten, in ungeheurerMasse. Alles überschwemmend, in Bewegung. Diese FLulniß ist gewissermaßen die Avantgarde des Nil. Sie trifft in Kairo am 6. Juni ein und verbreitet einen Pestgestank, der für den Gesundheitszustand derHauptstadt höchst gefährlich ist und erhält sich bis zum Eintreffen der rothen Wasser, fünfundzwanzig Tage, nicht gerechnet, den ersten geringeren Zu fluß. bei dem das Nilwasser noch nicht stark genug ist. um die Fäulnis hinwegzuschwemmen. Die Wirkung dieser Pest ist so verhängnisvoll, daß einmal bei dem Auftreten der Cholera in der Hauptstadt ganze Straßen von Leichenhaufen gesperrt waren und auf dem Lande den armen Fellachen alles Vieh zu Grunde ging. Von der Masse der Niederschläge in den Aequatorialländern hängt natürlich die Höhe der Ueberschwemmung im Delta ab; ist sie zu mächtig, so reißt sie die hohen Dämme nieder, die einzigen Communicationswege. die. aus Nilschlämm aufgeworfen, ohnehin nicht sehr widerstandsfähig sind und bei der orientalischen Sorglosigkeit, die Alles verkommen läßt, was schadhaft ist, nicht dvor schützen können, daß die ganze Baumwollernte ersäuft; ist sie nicht ausreichend zur Bewässerung der Felder, so verhungert der Fellache sammt seinem Vieh. Der Nil ist die Vorsehung Egypten's. Unter - Egypten Ware eine Wüste ohne ihn wie jetzt die Landschaft Gofen, die einst die Fruchtkammer Egypten's war. Bei einer langen Anwesenheit dort im Jahre 1869 machte der englische Reisende Samuel Baker dem Khedive Jsmael Pascha mit der Karte in der Hand weis. daß. wenn irgend einer der Negerfürsten nördlich der Aequatorial - Gegenden auf den Gedanken käme, dem wasserreichsten der Nilarme dort oben eine andere Richtung zu geben, fo würde in UnterEgypten die Ueberschwemmung ausbleiben und das ganze Detta sei verloren. Baker erhielt darauf hin die Ausrüstung einer Expedition von etwa zweitausend Mann, um in Sennarr Colonien anzulegen und die Neger zur Baumwollen - Cultur anzuhalten, die Jsmael Pascha's ganze Sorge war. Sie kostete Millionen und nahm ein klägliches Ende. Der Nil aber fließt wie seit Jahrtausenden seinen alten Weg. Um die Mitte des Monats Mai also würden die Engländer dem gewaltigen Ansturm des Stromes schon begegnen. früher noch den pestverbreitenden grünen Wassern, die derEzpedition auf dem Nil verderblich sein würden. Dieser Wea ist also aeaenwärtia ein bedenklicher; der andere, zu Lande, ist es der Hitze wegen kaum weniger. Die Expedition von Suakin aus in's Land zu dirigiren wäre von der Vernunft geboten. Aber die Raison" hat hier nicht mitzusprechen, wo andere und Weiter gehende Pläne verfolgt werden sollen. Selb st verrath. Sie: Liebst Du mich noch, wie am Tage unserer Hochzeit?" Er: Gewiß, mein Kind!" Sie: Das ist noch keine Antwort. Ich möchte wissen, wie sehr Du mich liebst!" Er: .Ich lieb? Dich ebenso sehr, wie Du mich liebst!Sie (ihn von sich stoßend): Gij' eh Du abscheuliH:i MM!" .