Indiana Tribüne, Volume 19, Number 219, Indianapolis, Marion County, 26 April 1896 — Page 6
Das moderne ZZcrlin.
An seiner architektonischenUmgestal iung arbeitet Berlin seit drei Jahrzehnten mit einem so ununterbrochenen Eifer, daß die kurze Frist eines Menschenalters dazu genügt hat. die deutsche Reichshauptstadt nicht blos nach allen Richtungen hin weit über die früheren Grenzen auszudehnen, sondern auch im Innern der Stadt den einstigen Anblick der Straßen. Plätze und Brücken fast durchweg und vonGrund aus zu verändern. Eine Reihe vonNeubauten sehr verschiedener Art, die wir dem Leser in Wort und Bild vorführen, kann zwar nicht entfernt ein irgendwie erschöpfendes Gesammtbild bieten, läßt jedoch in anschaulicher Weise erkennen, wie mannigfach sich kreuzende Strömungen und AnschauAnt Mühlendamm. ungen für die baukünstlerische Gestaljung des modernen Berlin mitsprechen. Mitten im Centrum der Stadt ist während der letzten Jahre ein völliger Umbau des Mühlendamms durchgeführt worden, der die älteste Verbindung der durch die Spree getrennten Städte Berlin und Cölln bildete. Durch einen Knüppeldamm hatte man lzier einst den Fluß aufgestaut, um sein Wasser für den Betrieb von Mühlen nutzbar zu machen, die schon im 14. Jahrhundert bestanden, nach einem Brand um 1840 in der Form mittelelterlicher Backsteinkastelle erbaut und erst 1880 außer Betrieb gesetzt wurden. Unter dem Großen Kurfürsten hatte man die Brücken auf beiden Seiten mit rundbogigen Verkaufshallen überbaut, zu denen sich später bewohnbare Obergeschosse gesellten. un ebenso war die seitwärts einmündende, den Fluß längs seines Laufes schräg überschneidarbe Fischerbrücke mit neuerrichteten Wohnhäusern besetzt worden. Immer armlicher, schmutziger und verlumpter ward im Laufe der Zeiten der Anblick dieser verfallenden Straßen und immer unerträglicher ihre, den breiten Strom des wachsenden Verkehrs behindernde Enge. Mit einer durch die Interessen der Schifffahrt gebotenen I. A. H e n ck e l s. Flußregulirung und einer gleichzeitig an dieser Stelle erforderlich werdenden neuen Schleusenanlage verband man endlich, um gründlich Luft und Raum zu schaffen, einen vollständigen Abbruch des fast schon in sich zerbröckelnden Häusergedränges. Die Hoffnung freilich, auch die einstigen Mühlen fallen und damit einen freien und weiten Ausblick auf den Lauf des Wassers nach Norden hin, auf das Reiterstandbild des Großen Kurfürsten, das Schloß und den künftigen Dom eröffnct zu sehen, blieb seitens der städtischen Bauverwaltung unerfüllt. Ein. von ihr ausgeführter Umbau faßt? vielmehr das von Persius herstammende Mauerwerk der Mühlen zu eiuem breithingedehnten dreigeschossigen Rundbogcnbau zusammen, der die aus dem Rathhaus verbannten Arbeitsräume der städtischen Sparkasse u. der Armendirection in sich aufgenommen hat. Von der alten Anlage hat das neueGeN bäude den es rings umsäumendenZinnenkranz und die als Erker ausgekragten Eckthürmchen beibehalten. Neu hinzugetreten sind als ein den oberitalienischen Stadthäusern entnommenes Motiv der breite quadratische Thurm inmitten der Haup.front und ein in dreitheiliger Gliederung höher ansteiEquitable - Gebäude. gender schmalerer Thurm an der AuZ;enecke eines der beiden breiten Flügel. die rückwärts ausspringcn und zwZschen sich einen schmalen Hof einfassen. Ein durch monumentale Größe packender Palazzo" ist auf diesem Wege riebt entstanden; der Bau ist vielmehr in seiner Formengebung wie in der flelben Vacksteinverblendung seiner Fronten ein in hohem .Grade bezeich-
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nendes Beispiel der seit Jahren' daZ ganze Hochbauwesen der Stadt Berlin beherrschenden Verbindung einer einförmigen Nüchternheit der Auffas sung mit tadelloser Solidität der technischen Ausführung. Krtm übersehbar ist allmä'lig die Menge der glänzenden Geschäftshäuser geworden, die sich zumal in den Hauptstraßen des Verkehrs aneinanderdrängen und für ihre architektonischeDurchbildung seit einem Jahrzehnt besonders gern die Formen des Barockstils wählen. Eines der besten Beispiele dieser Gruppe ist das von I. Wendler in der Leipzigerstrabe errichtete Haus der bekannten Stahlwaarenfabrik von I. A. Henckels in Solingen, dessen weitaus größten Theil jetzt das kunstgewerbliche Kaufhaus Hohenzollerneinnimmt. In fünf Geschossen aufsteigend. entfaltet der Bau in der aus grauem Sandstein mit granitenen Säulen bestehenden Facade den ganzen dekorativen Reichthum desBarocks, ohne doch in protzig prunkende Ueberladung zu verfallen. An 'Pracht und Glanz wird dieses Gebäudes noch übertroffen durch den an der Ecke der Leipziger- und Friedrichstraße von Karl Schäfer errichteten Riesenbau der amerikanischen Versicherungsgesellschaft Equitable, dessen Fa- ' hük, i
h tem&k j rmfl . ,yj. ih C3 y j.r ' ir WPi ' n?.ii ü m V ff- -' i'!' M.cÄ attffl m lTvh: WMpiZ k . rs fclr )' in: iii Wl, snSi!i IfeWM&k mmm Tucherbräu. caden durchweg in dem kostbaren Material grauen und farbigen Granits prangen, während die Mansarden des Daches und die schlanke, von einer hohen Laterne gekrönte Kuppel des Eckbaus in reicher Vergoldung auf bronzener Unterlage schimmern und ebenfalls bronzenes Laubornament die Steinschilder des Erdgeschosses umrahmt. Die Formen des Barockstils, die vielfach an dessen französische Ausbildung anklingen, haben sich hier in eigenthümlicher Weise mit den derGothik zugewandten Neigungen des Architekten verschmolzen. In das alte Nürnberg meint man sich versetzt, wenn man dem von dem dortigen Architekten Konradin Walther in der Friedrichsstraße aufgeführten stattlichen Gebäude des Tucherbräus gegenübertritt. Der stattlicheGesammtbau besteht aus zwei selbststänbig in sich durchgebildeten Häusern, denen nur der gleiche Stil der noch ganz in den Anschauungen und im Formenkreis der Gothik wurzelnden, die neuen Elemente zunächst erst als bloßes Ornament verwendenden deutschen Frührenaissance gemeinsam ist. An das
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BillaGrisebach. breit sich entfaltende viergeschossigeEckHaus, dessen Sockel in grauem Sandstein aufgemauert ist, während die oberen Stockwerke mit ihren geradlinig abgeschlossenen Fenstern sich als verputzte, mit reicher Facadenmalerei gezierte glatte Wandflächen darstellen, schließt sich in der Front der Täubenstraße ein in fünf niedrigeren Geschossen aufsteigendes Nebenhaus mit rundbogigen Fensterreihen an, dessenFacade aus rothem bairischem Sandstein besteht und durch zwei zweigeschossigeErker und eine breite Mitellogia des obersten Stockwerks belebt wird. Die reiche Ausgestaltung des steilen Daches wirkt hier kaum minder glücklich als bei dem in malerischem Wechsel mit Giebeln und Erkern, mit gethürmten Luken und zierlichen Kaminhauben besetzten Eckhaus, dessen frisch bewegte WandMalereien von Friedrich Wanderer herrühren und auf der einen Seite den inzuq des Markgrafen AlbrechtAchilles in Nürnberg, auf der anderen aber lustige Scenen im Keller und imKneipzimmer schildern. Als der vielleicht yenialste. jedenfalls als der poetisch feinstfühlende Architekt des heutigen Berlin darf Hans Grisebach gerühmt werden. Mit dem imposanten, in völlig frei und eigenartig behandelten Formen der deutschen Renaissance gehaltenen Faber'schen Haus, trat er zuerst verheißungsvoll auf den Plan.. Besonders reizvoll hat sein reiches Talent sich in einigen wahrhast wohnlich anmuthenden Wohnhäusern von äußerlich sehr schlichtem Geprägr und vor Allem in einer Reihe vonVilM , " " '
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Villa Schwarz. len vetyattgt. die zur den glücklichsten neueren Schöpfungen auf diesem Gebiet zu zählen sind. Die trauliche, in der bei Grisebach besonders beliebten Verbindung braunrothen Sandsteins mit verputztenWandflächen ausgeführ,te Villa Schwarz in der LichtensteinAllee, die mit ihren Giebeln und hochragenden Dächern, mit ihren Thürmen und Hallen schloßartig sich entfaltende villaRaußendorsf amkurfürstcndamm und des Architecten eigenes. seineVorliebe für die Uebergangszeit derGothik in die Renaissance deutlich widerspiegelndes Wohnhaus in der Fasanenstraße sind bezeichnende Proben einer Kunst, die auch die Architektur zu geben weiß. Die Formen, in denen das Schaffen Grisebach's sich bewegt, bietet die deutsche Frührenaissance ihm dar. Auch Bernhard Sehring, der seit einer Reihe von Jahren zu den meistgenannten Berliner Architekten zählt, erscheint vornehmlich durch die deutsche Renaissance begeistert, die indeß bei ihm in ganz anderer Weise widerklingt. Nicht ihr stiller, traulicher Reiz ist es. der ihn fesselt, sondern in erster Linie die kühne, nicht selten an das Bizarre streifende Phantastik ihrer malerischen Effekte. Das von ihm in der Fasanenstraße erbauteKünstlerheim. das seinen Namen zuerst in weiteste Kreise trug, ist ein Meisterstück'decorativer Phantam 5 , TCS , 1 5MMWLMjM T h e a t e r d e s W e st e n s. sie, und in einem im Grunde ganz gleichen Charakter ist eine neuerdings von ihm in der Carmerstraße errichtete Gruppe von Wohnhäusern gehalten, die dem meist üblichen Einerlei des Miethshausbaus in der denkbar wirksamsten Weise gegenübertritt. Fast unerbittlich ist in der Ausgestaltung der Facaden jede gemeine und gewöhnliche Form vermieden, der Schablone der entschiedenste Widerspruch entgegengesetzt und dieser Widerspruch noch nachdrücklicher betont durch das aus riesigem stilisirten Blatt- und Blüthenwerk. aus Heiligenbildern und aus bald humoristischen, bald unheimlichen Thierfiguren bestehende malerische Ornament, das sich über die flachen Bögen des Erdgeschosses, über die Pfeiler und über die Fensterbekrönungen in phantastischem Spiel hinbreitet. In dem Theater des Westens, das nach Sehring's Entwurf jetzt der Vollendung entgegengeht und einer der interessantesten neueren Theaterbauten zu werden verspricht, stellt sich die der Kartstraße zugewandte Hauptsront mit ihren zwischen mächtige Eckpfeiler eingeschlossenen Bogenstellungen als eine in wuchtigen Renaissanceformen gehaltene Architektur von ungleich strengerem Gepräge dar. An sie aber, die in ihrer Gliederung die innere Anläge des Zuschauerhauses mit seinen Zugängen und mit dem breiten oberen Foyer zum Ausdruck bringt, ist nach rückwärts als Bühnenbau, an den wieder ein reizvoller Brunnenhof sich anlehnt, em desto phantastischer entwickelter burgartiger Gebäudecomplex angeschlössen, in dessen malerischer Gruppirung die eigenartige Erfindungsgabe des Architekten ihre besten Trümpfe ausspielt und binnen kurzer Frist ihren höchsten Triumph feiern wird. Das kleinste Sand Europas. Zwei Stunden von der alten Kaiserstadt Aachen, zwischen den Königreichen Preußen und Belgien, liegt das scaenannte neutrale Gebiet vonMoresnet. des kleinsten Landes Europas". Im vergangenen Jahrhundert bildete das Ländchen unter österreichischer Herrschaft einen Bestandtheil derGrafschaft Dalhem (HerzogthumLimburg). Im Jahre 1795 wurde Moresnet dem französischen Canton Aubel (Departement de l'Ourthe) zugetheilt, welcher Landestheil unter anderen im Jahre 1815 von Frankreich an die verbündeten Mächte abgetreten wurde. Zwar war schon in den Artikeln 25 und 66 der Wiener Congreßacte die Grenze zwischen Preußen und den vereinigten Niederlanden durch Aufstellung einer Grenzlinie im Allgemeinen festgesetzt worden, allein die zur endgiltigen Festlegung der Grenzlinie ernannten preußischen und niederländischen Commissare konnten sich nicht einigen. Dieserhalb wurde in Artikel 17 des am 26. Mai 1816 zu Aachen zwischen den beiden Mächten geschlossenen Grenzvertrag eine Bestimmung aufgenom nen, durch welche der streitige Landestheil einer gemeinschaftlichen Verwaltung untergeordnet wird und von keiner beiden Mächte militärisch besetzt werden darf. Der letztere Theil dieser Bestimmung, betreffend das neutral j Gebiet, besteht bis heute unverändert
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fort und ist grundlegend für die Existenz und Verwaltung desselben. Nur sind mit der belgischen Revolution die Rechte der Vereinigten Niederlande an
Altenberg. das Königreich Belgien übergegangen. Durch die gemäß obigen Artikel 17 vorgenommene Theilung fielen von der Gemeinde Moresnet etwa 60 Häuser an Preußen. 80 Häuser an die vereinigten Niederlande. Neutral - Moresn'et. noch nicht 350 Hektar groß, zählte bei seiner Entstehung noch ungefähr 250 Einwohner und 50 zerstreut liegende Häuser. Daß eine Einigung über ein so geringfügiges, weder commerciell noch strategisch wichtiges Gebiet nicht zu Stande kam, liegt in der Rechtsauffassung beider Staaten, welche dahin geht, daß nach richtiger Auslegung der Wien Congreßacte jedem der Alleinbesitz zukomme. Veranlassung zu diesen entgegengesetzten Auffassungen bildete wohl nicht das Gebiet als solches, sondern das auf demselben gelegene sehr bedeutende Galmeibergwerk des Altenbergs, dessen Alleinbesitz den betheiligten Staaten sehr werthvoll erschien. Weder Preußen noch Belgien haben in Moresnet bis heutigen Tages ein selbstständiges Gesetzgebungsrecht, es bestehen vielmehr die französischen Gesetze und Einrichtungen von früher weiter fort. Das Gebiet untersteht einem preußischen und einem belgischen Commissar, welche beide mit der gemeinschaftlichen Verwaltung betraut sind und ihre Sitze in Aachen respective Verviers haben. Von ihnen werden auf Grund des Artikel XX des Gesetzes Grenzstraße. vom 23. Pluviose des Jahres VIII (17. Februar 1800) der Bürgermeister und die Stadträthe ernannt. Der Gemeinderath setzt sich zusammen aus zehn Bürgern. Eine eigene Gerichtsverwaltung besitzt Moresnet nicht, es steht den Bewohnern frei, ihre Klagen und Streitfragen bei den zuständigen preußischen oder belgischen Gerichten vorzubringen. Die Ortspolizei wird vom Bürgermeister ausgeübt, welchem preußische und belgische Gendarmen, sowie ein neutraler Gemeindediener in diesem Amte zur Seite stehen. Auch für die Steuerabgaben gelten die alten Bestimmungen; es sind zu entrichten:Grundsteuer, Personal- und Mobiliarsteuer. Thür- und Fenstersteuer und Patentsteuer. Demnächst soll auch eine Gewerbesteuer fü Schanklokale eingeführt werden. Emmaburg. Was die militärischen Verhältnisse des Gebietes betrifft, so sind die benits bei Entstehung desselben ansässigen Bürger und deren Nachkommen von der Militärpflicht entbunden, wo hingegen preußische oder belgische Staatsbürger sich durch Auswanderung auf neutralen Boden keineswegs dieser Pflicht entzichen können. Altenberg, der Gemeindehauptort, liegt am Südende des Gebietes an der Aachen - Lütticher Chaussee. Der übn ge bewohnte Theil besteht aus zerstreut liegenden Häusern und Gehöften. Diese mit eingerechnet, zählt die Gemeinde heute ungefähr 2900 Seelen, worunter 400 neutrale Bewohner sein dürften. Das landschaftliche Bild, welches das Städtchen seinen Besuchern darbietet, ist ein sehr freundliches. Von der Sohle des Altenbergs langsam ansteigend, lacht es freundlich ins Thal mit seinem spiegelhellenSee und seinem industriellen Getriebe hinüber ins deutsche Land zu den waldigen Höhen, wo auf festem I m Steinbruch. Felsengrund über rauschenden Baum krönen. ditEmmabura .sich, stolz er
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hebt, bespült von dem lustig dähinspru delnden Gohlbach. Alte Sagen knüpft der Volksmund an diese Feste aus dem 13. Jahrhundert. Hier soll Karls des Großen Tochter Emma mit ihrem Geliebten Einhard in Zurückgezogenheit gelebt haben. Die anmuthige Geschichte der Liebe dieses großenGeschichtsschreibers zu der Kaisertochter ist ?n Gedichten und Dramen unz'ähligemale behäng delt worden, so daß sie fast den Charakter und die Geltung einer geschiehtlichen Thatsache erlangt hat. DieBurg in ihrer reizenden, stillen Lage ist aber auch zu einer Stätte der Minne geradezu wie geschaffen, und der Duft vergangener, schönerer Zeiten durchweht sie. Am Fuße der Emmaburg liegen die Steinbrüche von Preußisch - Moresnet und die derBergwerksgesellschaft gehörigen reichen Zinkerzgruben Fossey und Schmalgraf. An Unterrichtsanstalten besitzt Altenberg zwei Knaben- und zwei Mädchenschulen. ferner eine Näh- und Strickschule, sowie eine KleinkinderbeWahranstalt. Postämter sind zwei vorHanden, ein belgisches und ein deutsches. und wird das Gebiet von beiden PostVerwaltungen als Inland betrachtet. Im Jahre 1886 bestand neben diesen ein drittes, neutrales Postamt mit besonderen Postwerthzeichen, welches nur den Charakter einer Lokalpost trug und bereits dreizehn Tage nach seiner Eröffnung (am 19. October 1886) einging, da die Commissäre die Genehmigung dazu nicht ertheilt hatten.
SaS Naiser.WilhelM'Denkmal für Frankfurt a. M. In Gegenwart des deutschen Kai. serpaares soll am 10. Mai in Frankfurt a. M. die Enthüllung des KaiserWilhelm - Denkmals stattfinden, ein Werk des Bildhauers Clemens Buscher in Düsseldorf. Ein Blick auf das Denkmal laßt erkennen, daß die Massenvertheilung eine ganz andere ist, als man sie gewöhnlich zu sehen bekommt. Die conventionelle symmetrische Form ist sehr vortheilhaft durch eine malerische Anordnung ersetzt. Die Gestalt des Kaisers Wilhelm ist historisch getreu wiedergegeben. schlicht und einfach, ohne jeden Pathos. Diese Auffassung, der der Künstler in seinem Entwurf den entsprechenden monumentalen Ausdruck gab, unterscheidet Buscher'sDenkmal von den meisten andern, die den Kaiser mehr als den Siegreichen darzustellen versuchen. Die Ruhe in der Auffassung der Hauptfigur wird noch vervollständigt durch die ruhige Qaltung des Pferdes. Kaiser Wilhelm-Denkmal. Die Figuren an der vordern Seite des Postaments bilden eine zusammengehörige Gruppe, die im Aufbau sehr originell ist: der Genius des Friedens, hochaufgerichtet einhersöhreitend, reicht dem siegreichen Kaiser 6as Lorbeerreis empor. Die beiden weiblichen Gestalten verkörpern die Kunst und den Gewerbefleiß, Kränze spendend. Die Segnungen des Friedens kommen in dieser Gruppe zur Darstellung. An derRückseite des Postaments thront die Irancofurtia, die alte Freie Reichs- und Handelsstadt, die Reichsinsignien beschükend. An den beiden Längsseiten des Postaments sind Reliefs angebracht. Das ein stellt die Wahl und Weihe Friedrich Barbarossa's zumKaiser im Jahre 1152 dar; da andere gibt den Moment wieder, wie Kaiser Wilhelm, siegreich aus dem Felde heimkehrend, am 15. März 1871 in Frankfurt, der alten Kaiserstadt, begrüßt wird. Den Guß hat die W. Rupp'sche Erzgießerei (Hans Klement) inMunchen besorgt. Wölfel und Herold in Baireuth lieferten dasGranitpostament (polirter schwedischer Granit). The 3Iereur Boxer Sensationelle Erfindung, großartiger als der Phonograph, fertigt selbstthätig jeden Reisenden ab!
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Eine Hochzeit in Ziid-Zndicn. Es war an einem schönen milden Abend im Februar, so erzählt derMissionar Richard Heimer in seinenSchilderungen indischen Lebens, als ich, in Sprachstudien vertieft, dinch ein Geknatter in der Luft gestört wurde. Als ich durch das wegen derSchwüle immer geöffnete Fenster schaute, sah ich feurige Raketengarben in kurzen Zwischenräumen zum Abendhimmel emporsteigen. Bald füllte auch heller Lichterglanz die Straße, und Musik drang an mein Ohr. Ich trat in das Freie und sah dichtgedrängte Menschenschaaren, von Hunderten von Pechfackeln beleuchtet, heranziehen. Es war ein indischer Hochzeitszug. Diesen Zug eröffnete eine aus weißem Tuch hergestellte riesengroße Schlange, mit welcher Kuli durch die Menschenmenge hindurcheilten. Diesem heiligen Thier der Inder folgte ein anderes, ein weißer Elephant, doch leider auch nur in Nachbildung. Mit Stricken wurde dieser auf Rädern laufende Holzkoloß gezogen. Eine Musikkapelle schloß sich an und blies auf Blechinstrumenten Hochzeitsweisen, für deutsche Ohren keinesweos liebliche Musik. In diese Musik mischte sich der dumpfe Klang der Holztrommeln, das Geknatter derRaketen und ein hundertstimmigesStimmengewirr der Menschenmenge. Fackelträger und Kulis mit bunten Wedeln liefen zu beiden Seiten. Ein grauer mächtig großer Elephant schritt gravitätisch mit seiner rothseidenen Decke einher. Indische Tanzmädchen in bunten, reichgeschmückten Gewändern mit gelben Blumen im schwarzen Haar folgten. Die Hauptperson des Zuges war aber der Bräutigam. Die Leser wenden mir wohl ein, das sei dieBraut. es war erst. der Abend vor der Hochzeit. Nach indischer Sitte darf die Braut erst am Tage der Hochzeit mit dem Bräutigam zusammenkommen. Oft lernt die Braut erst an diesem Tage ihren künftigen Eheherrn kennen. Für die felige Maienzeit des Brautstandes fehlt den Indern das Berständniß. Ueberhaupt steht die Frau in Indien auf bedeutend tieferer Stufe, als der Mann. Sie darf nicht in Gesellschaft von Männern weilen, muß nach dem Mann essen, ja sich erheben, wenn ein männliches Wesen herantritt. Doch wir eilen zurück zu dem auf stattlichem Roß reitenden Bräutigam. Ein blauer Sammet - Anzug nach europäischem Schnitt kleidet ihn. Mit Goldund Silberstickereien ist das Kleid besetzt. Ein Dreimaster schmückt sein Haupt. Gar stolz schaut er auf die Menge herab. Ein Diener eilt hinter ihm her und fächelt ihm Kühlung zu. Prunkwagen, mit Flittertand überladen, folgen und eine Reihe einfacher Ochsenkarren mit den Verwandten des Bräutigams machen den Schluß. Dc. uns vom Bräutigam eine in Golddruck abgefaßte Einladung, an deren Spitze ein dem o ähnlicher Buchstabe als Zeichen des Bauchgottes prangte, zuge sandt worden war, wollten wir auch das Treiben im Hochzeitshause kennen lernen. Ein hoher thurmähnlicher Bau war aus Holz zum Empfang der Gäste neben dem Hause erbaut worden. Schon aus der Ferne winkten die Fahnen und die vergoldeten Wände. - Mit Mühe bahnten wir uns den Weg in den Hof. Götzenfiguren prangten als Gemälde an den Seiten des Kiosk. Ueber dem Eingange hingen Kokosnüsse, Platanen, Palmenzweige. Der Bräutigam begrüßte seine europäischen Gäste am Eingang der Halle und geleitete uns auf unsere Plätze. Die Halle war dichtgedrängt von braunen Hochzeitsgästen. Auf dem Boden saßen mit untergeschlagenen Beinen die Freunde und Verwandten, während aus einem vergitterten Fenster die Frauen neugierig in den Saal hineinschauten. Die Musik spielte ununterbrochen ihre Weisen. Nachdem wir uns niedergelassen hatten, schmückte uns der Bräutigam mit duftenden Guirlanden und Straußchen. Auf einer vergoldeten Schüjel wurden uns Platanen, brauner Zucker und die mit einer indischen Festfeier unzertrennlich verbundenen Betelblätter und Arekanüsse gereicht. Sobald wir unsere Finger noch in starkduftendesSandelholzwasser gesteckt und einen Strom von Reyenwasser über uns hatten ergehen lassen müssen, hatten wir Muße, uns Alles näher zu betrachten. Starker Weihrauchduft erfüllte die Halle, welche von einem mächtigen Glaskronleuchter und vielen Ampeln beleuchtet wurde. Die Halle war ausgeschmückt mit Bildern, Teppichen, buntem Glas und allerlei Flittertand. Der Lichterglanz, die leidenschaftliche Musik, die bunten Gestalten der Inder, der phantasievolle Bau der Halle, die schwarzen uns mit einem Fächer Kühlung zuwedelnden Diener, der reich geschmückte Bräutigam: Alles dies war geeignet, uns in ein Märchen von Tausend und eine Nacht zu versetzen. Und die Braut? Sie befand sich mit ihren Frauen in einem kleinen Zimmerchen und empfand wohl wenig von ihrem Glück. Wir besuchten sie dort und fanden ein hübsches, ebenfalls mit kostbaren Gewändern und Juwelen geschmücktes Mädchen von vielleicht 16 Jahren, der Bräutigam zählte wohl etwa gegen 20 Jahre. Schüchtern reichte sie uns die Hand. Ein Onkel erzählte uns mit Stolz, daß sie lesen und schreiben könnt?, allerdings für ein in disches Mädchen etwas Bemerkenswertbes. Bald kehrten wir voll des interessanten Erlebnisses mit unseremOchsenwaaen naü Haus zurück. Gegen 10 Uhr des Abends kündeten uns emporzischende Raketen, heller Lichtschein und die Klänge der Musik, daß der Hochzeitszug sich nahe. Er verlief ebenso wie der schon oben beschriebene, nur daß jetzt noch mehr Fackeln und eine größere Menschenmenge, ihn
begleiteten. Die braunen energischen Polizisten verstanden jedoch die Menge gut in Zucht zu halten. Von-dem flachen Dach unseres Hauses aus konnte man Alles prächtig genießen. Hinter dem feierlich einhertrabenden grauen Elephanten fuhrenBraut undBräutigam. Sie saßen in einem aus Glas und Gold- und Silberflitter gefertigten Kahn, der auf einem Gestell von Ochsen gezogen wurde. Im Schein der Fackeln sah man ihr Goldgeschmeide funkeln. Von dem schwarzen Haar de? Braut konnte man vor lauter Geschmeide nichts sehen. Doch nicht froh schaute sie in die Menge hinein. Wie ein Marmorbild saß sie an der Seite ihres Bräutigams, unverwandt den Blick zu Boden gerichtet, wie es die indischeSitte verlangt. Nachdem sie am Götzentempel einen längeren Besuch gemacht, hatten, entwickelte sich das Schauspiel vor unserem Haus. Hunderte von Raketen durchfuhren zischend die Luft, bald laut knallend, bald einen Regen Leuchtkugeln ausschüttend. Funkfeuer. Feuerregen wechselten in bunter Folge ab. Auch den Anblick eines chinesischen Feuerwerks hatten wir, indem aus einer Trommel feurige Menschenfiguren herausfuhren. Und in die indische Musik und das Geknatter der Feuerwerkskörper mischte sich das Brausen des nahen Meeres. Gegen 1 Uhr Nachts war Alles ruhig, nur aus der Ferne klangen die Hochzeitsweisen noch herüber. Sie sangen mir, der müde von dem Gesehenen war, vereint mit dem Brausen des indischen Oceans das Schlummerlied. Otto Roquette.
In Darmstadt ist der Dichter und Literaturhistoriker Otto Noquette aus dem Leben geschieden. In Krotschin am 19. April 1824 geboren, widmete sich Roquette in Heidelberg. Berlin und Halle philosophischen, geschichtlichen und literarischen Studien, worauf er drei Jahre. 1853 bis 1856. als Lehrer am Blochmann'schen Gymnasium wirkte. Nach dem Tode seines VaterS trat die Sorge für die mittellos zurückgelassenen Seinen an ihn heran. Er nahm seine Mutter und deren zwei unverheirathete Töchter mit sich nach Berlin. Journalistischer Erwerb, der Roman Heinrich Falk" und die Lebensbeschreibung des unglücklichen schlesischen Dichters Christian Günther füllten seine Zeit aus. bald auch die Beschäftigung mit seiner Geschichte der deutschen Dichtung" und mit seinen Vorlesungen am Berliner Polytechnikum, wo er sich als Privatdocent ' OttoRoquette. niedergelassen hatte. Arbeit über Arbrit häufte sich ihm, und doch wollte sich nirgends eine dauernde Stellung zeigen, nachdem sein Unterricht an der Berliner Kriegsakademie infolge poli- ! tischer Verdächtigung ein schnellesEnde genommen hatte. Da endlich im Jahre 1869 erging an ihn der Ruf. in Darmstadt amPolytechnikum als Professor der Geschichte und Literatur einzutreten. Er folgte und ist dort bis zu seinem Tode geblieben, erst unter weniger erquicklichen, dann unter freundlichen Verhältnissen. Im Zusammenhange mit seiner Schul- und akademischen Stellung erschienen seine literaturhistorischen Arbeiten, namentlich Geschichte der deutschen Literatur". Seinen Ruf als Dichter begründete Roquette mit Waldmeisters Brautfahrt- (Stuttgart 1851; 66. Auflage 1893), einem anmuthigen Märchen, in dem er den heiteren Lebensgenuß am Rhein feiert. Diesem seinem Erstlingswerke folgten Romane, Novellen und dramatische Dichtungen; die Geschichte seines Lebens enthalt das Buch Siebzig Jahre". Phänomenal. Der ehemalige Bäckermeister und nunmehrige Rentier Wanstl. ist so dick, daß er hilflos zusehen mußte, als ihm kürzlich ein Strolch die schwere goldene Uhr sammt Kette raubte, da seine Arme nicht bis an den Culmina tionspunkt seines Bauches reichten. B e d e n k l i ch Räthin: WolUn Sie die Freundlichkeit haben, mir das Fleisch etwas zu zerkleinern. Fleischersfrau (zu ihrem Manne): Du, Gottfried, schlag' doch mal der Frau Rathin die Knochen entzwei! Ganz egal. .Sie werben um meine Tochter. Herr Lieutenant ja können Sie sie auch ernähren?" Na. Herr Commerzienrath. ich sie oder sie mich das ist unter Ehekameraden doch ganz egal!".
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