Indiana Tribüne, Volume 19, Number 212, Indianapolis, Marion County, 19 April 1896 — Page 7

Die Königliche Erzgießerei in München.

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ie zahlreichen Ve sucher Münchens unterlassen gemiß nicht, die am Wcstcnde der Stadt gelegene Ruhmeshalle mit dem Ko lossalstandbild der Bavaria in Augenschein zu nehmen. Sind es auch nicht im merdieim Sau lengane ang,Bürana. brachten Eiinen verdienter Männer des bayerischen Staat:-, welche das Interne des Fremden fesseln, so wird doch die mäcktize, aus Erz gegorene Vavaria für den Gang vor die Stadt hinlänglich entschädigen. Man wird nicht allein Schwanthalers. des Künstlers, gedenken, welcher diese Colosialfigur modellirt hat. scndern auch unwillkürlich die Lösung der Riesenaufgabe in Vetrccht ziehen, die dem Meister seinerzeit oblag, welcher den Hfc und die Aufstellung dieses Standbildes übernomrnen hatte. 87.360 Kilogramm Erz waren nöthig, um das Riesenweib herzustellen, denn sein Leib hat eine Höhe von 20.5 Meter. König Ludwig I. von Bayern hatte den Erzgießer Ferdinand Miller mit der Ausführung des Werkes betraut, und der Meister wußte alle Schwiengkeitm einer solchen, damals -noch nicht dagewesenen Arbeit zu überwinden und dadurÄ nicht allein seine Person, sondern auch die Werkstätte, in der so Großes geschaffen ward, zu Ehren und Ansehen zu bringen. Es gingen rn der Folge die bedeutendsten Monnmentalwerke aus der Anstalt hervor, und als der Meister sich zur Ruhe legte, walteten seine Söhne mit Glück -und hohem Kunstverständnisse im WerZe- weiter. Der Name Ferdinand ten Miller's, Formsaal. der im Verein mit seinem Bluder Ludwig die Erzgießerei in München leitet, hat nicht nur auf dem Eontwent, sondein auch in den fernsten Ländern jenseits der Meere jich einen ruhmvollen Platz erobert. Ein Besuch der Werkstätten bietet auch dem Laien des Interessanten und Anregenden sehr viel. Betreten wir zuerst das Atelier Ferd. v. Miller's. Wir sehen hier nur wenige skizzenhaft gefertigte Gebilde, aber an ihnen hastet die Schöpfungskraft des künsUerischen Gedankens; hat dieser die erwünschte Form und Gestalt erreicht, dann folgt die Ausführung rasch mit Beihilfe kundiger Hände. Einen Einblick in diese gemeinsame künstlerische Thätigkeit gewährt der Modellirsaal, in welchem eine Anzahl von Bildhauern sich damit beschäftigt, nach vorhandenen Entwürfen und Zeichnungen die Modelle der zum Guß bestimmten Werke herzustelen. Die Vielseitigkeit der künstlerischen Produktion ist recht deutlich veranschaulicht; hier die lebensgroße Figur irgend eines Potentaten oder eines berühmten Mannes, deren Gestalten der Nachwelt überliefert werden sollen, dort allegorische Figuren oder solche für dekorative Zwecke, dann wieder Theile eines architektonischen Schmuckes das alles läßt auf ein ausgedehntes Feld der Thätigkeit schließen. Der Formsaal bringt den Besucher dem Processe des Gusses merklich näher. Hier werden die Umhüllungen gefertigt, welche den Kern des GußWerkes soweit umgeben, daß noch ein freier Raum für das einfließende Erz übrig bleibt. Daß diese Arbeit einer außerordentlichen Sachkenntniß und Sorgfalt bedarf, ist einleuchtend; von der peinlichsten Genauigkeit hängt ja DergroßeOfen. hauptsächlich das Gelingen des Gusses ab. Der Guß selbst vollzieht sich in einer nach außen wenigstens dem Laien nicht erkennbaren Weise, und doch sind jetzt schon die Arbeiter vollauf beschäftigt, indem sie den glühenden Gasen da und dort Abzug verschaffen münen, bis die gewaltigen Massen des flüssigen Metalls allmälig erkalten und gerinnen, woraus man mit den Abräumunasarbeiten beginnen kann. Der große Schmelzofen mit r?er davor liegenden mächtigen Grube zeigt ein höchst unscheinbares Aeußeres, aber wenn die mächtigen Feuer drinnen Tag und Nacht flammen und die colossaler. Erzmassen cülmälig glühen und flüssig werden, dann übermannt -den denkenden Beschauer doch eine ge-

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wisse Ehrfurcht vor den gewaltigen Kräften, die hier nach dem Willen des Menschen einander in wilder Gluth vernichten und lösen. Ist der Guß glücklich vollendet, dann gelangen die Stücke in den Ciselirsaal. in dem kunstgeübte Hände die einzelnen Theile zusammenfügen und alle Rauheiten, welche da und dort der Fläche anhaften, entfernen, sowie dem Werke die letzte künstlerische Behandlung geben. Hat man alle diese Stätten besucht und sich einen Einblick in die Summe von Mühe und Arbeit verschafft.welche die Förderung jedes Kunstwerkes er-

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Ein Guß. heischt, dann ist es ein Genuß, das prächtige Museum zu durchwandern, in welchem die Modelle der hervorragendsten Bildwerke aufgestellt sind, die in der Erzgießerei geschaffen wurden. Bor allen fällt hier das Colossalstandbild des amerikanischen Generals Washington auf, das in einem Separatraume aufgestellt ist und eine Art Wallfahrtsziel der Amerikaner bildet, welche München besuchen und nicht versäumen, dem Nationalhelden ihre Visitenkarte zu Füßen zu legen; Hunderte von solchen Zeichen der Huldigung bedecken das Fundament des Bildwerkes, und darunter befinden sich Namen, welche vermöge ihres Gewichtes, sei es politischer oder finanzieller Natur, in der ganzen Welt bekannt sind. Daß einzelne Gliedmaßen der Bavaria vorhanden sind, versteht sich von selbst; die Dam? ganz aufzustellen, dazu gebrach es natürlich an dem nöthigen Raum. Außer den hervorragendsten Monarchen, Staatsmännern und Kriegshelden Teutschlands zählen auch eine Menge ausländischer Persönlichkeiten dieser Gattung zu den Insassen des Museums, und an jede dieser Figuren knüpfen sich Erinnerungen in Bezug auf die Geschichte ihrer Herstellung und endlichen Verbringung an Ort und Stelle, welche geradezu an das Romanhafte grenzen. Kein Mensch ahnt, welche Sorgen und Mühen zu überwältigen waren, bis zum Beispiel dasColossalstandbild des südCiselirsaal. amerikanischen Generals Mosqucra am Platze aufgestellt war. Die Versendung auf der Bahn und zu Schiff war noch ein Kinderspiel gegen den Transport in Columbien, welcher auf Lamas und auf dem Rücken von Negern vor sich ging, und jeder Moment mußte von dem das Weck abliefernden Ludwig von Miller überwacht werden. Eine große Reiterstatue des Generals Bolivar war in Gefahr, gänzlich zu Grunde zu gehen. Das Schiff, welches sie nach Südamerika zu bringen hatte, scheiterte bei St. Thomas an der Küste, und der General aus Erz verschwand in die Tiefe des Meeres. Fritz von Miller.welcher den Transport begleitete, wandte sich an den Präsidenten der Republik Venezuela mit der Bitte, ihm zur Bergung des werthvollen Staatseigenthums D a s M u s e u m. Schiffe und Leute zu senden, allein umsonst. Fünf Monate lang setzte er diese Bemühungen fort, bis es ikim gelang, sein Ansuchen- durchzusetzen. Dann wurde der versunkene General, der bereits einen sehr deutlichen, aber unerwünschien Anflug von Patiua hatte, heraufgeholt, renovirt und aufgestellt. Derartige Episoden sind in der Chronik langjähriger Thätigkeit der Gebrüder von Miller vielfach verzeichnet und zeigen, daß mit dem letzten Feilenstrich noch lange nicht alle MLhen und Sorgen überwunden sind. Stoßseufzer. Lieutenant: Herrgott von Bendheim. ist das ein langsames Avancement bei uns bei den Amazonen wäre ich sicher schon Armeecorps-Commandeur!" Ausgleich. Gatte: Kellnerin. wieviel?" Kellnerin: Dreizehn Maß!" Gattin: Dreizehn das ist ja entsetzlich!" Gatte: Beruhige Dich nur ich trink' schon noch eine!" Modern. Arzt: Was fehl? Ihnen denr.? Patient: Hühneraugen hab' ich! Arzt: Da gehen Sie zu ri ncm Hühr.eraugen-Öperateur! Patient: Ich hab' mir aber denkt, Sie könnten Uich vielleicht mit Heilstlum behandeln.

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Zum Schutze der Küste. Die drohenden Kriegswolken, welche die Venezuela - Botschaft des Präsidenten Cleveland vor einiger Zeit heraufbeschworen hatte, sind zwar geschwunden, allein in Washington wird immer noch mit dem Säbel gerasselt, freilich weniger im Weißen Hause, als im Capiiol. Unter Hochdruck wird auf die Bewilligung ungeheurer Summen für die Verstärkung unserer Marine und für den Bau von Küstenbefestigungen in allen Häfen von irgend welcher Bedeutung hingearbeitet. Diese Fortificationen sollen selbstverständlich

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a22 Unter Deckung. mit den neuesten Mordmaschinen armirt werden und Einrichtungen erhalten. welche ihnen vor dem Feuer feindlicher Schiffe den größtmöglichen Schutz gewähren. In erster Reihe gehören hierzu die Verschwindungs-(Gegengewichts-) Lafetten nach dem System Buffington - Crozier, welches von unserem Geschützdepartement als das vollkommenste seiner Art angesehen wird. Diese Lafette gestattet, daß das Geschützrohr beim Schuß durch den Rückstoß niedersinkt und zugleich ein Gegengewicht emporhebt. In dieser gesunkenen, dem Feinde unsichtbaren Stellung wird das Rohr festgehalten. geladen, gerichtet und schließlich vermöge der Gegengewichte wieder in die Schußstellung gehoben. Trotz ihrer massiven Construction ermöglicht diese Lafette eine bedeutende FeuergeschwinFertig zum Feuern. digkeit und zwar sind in 12 Minuten 21 Secunden aus einem achtzölligen Geschütze nicht weniger als 10 Schüsse abgegeben worden. Beim Laden ist das Geschütz gegen ein Geschoß, das unter einem Winkel von 7 Grad einschlägt, vollständig gedeckt. Die Fortificationen des New Aorker Hafens sol len außer anderen Batterien 15 zehnz'öllige sowie 9 achtzöllige Geschütze auf solchen Verschwindungslafetten erhalten. Die genaue Position derselben an den strategisch wichtigen Punkten des Hafens wird selbstverständlich nicht bekannt gegeben. In rytyräa. Die verzweifelte Lage, in welche die Italiener durch die schwere Niederlage von Adua versetzt werden, hat sich. Dank den ebenso energischen wie geschickten Operationen des Ober-Com-rnandirenden der Erythräischen Colonie. General Valdissera, etwas günstiger gestaltet. Er hat außer Asmara und Keren auch Ginda, Sahati und Arkiko in Vertheidigungszustand setzen lassen, da er die Möglichkeit ins Auge faßte, daß die Derwische unter nördliGeneralBaldissera. cher Umgehung Kassalas und Kerens ihm in den Rücken kommen. Indeß hat Valdissera einen längern Drahtbericht nach Rom gesandt, worin die Fortsetzung des Kriegs für unmöglich erklärt und zum Frieden gerathen wird. Inzwischen ist dem Vordringen der Derwische durch ein Treffen bei Mt. Maran. wo die letzteren 500 Mann derZoren. Einhalt gethan worden. Boshaft. Frau Müller: Ich bin wirklich besorgt, das unsere Anna sitzen bleiben wird." Herr Müller: Sei unbesorgt, Marie! Da du mal einen Mann bekommen hast, wird sie sich wohl auch verheirathen." Boshaft. Alte Coquette: und dann heben wir in unserem Garten noch einen reizenden Baum, der gerade an meinem Geburtstage gepflanzt wurde." Herr: Oh, meine Gnädigste, darf ich den nicht einmal sehen? Ich schwärme nämlich für solche alte.prächtige Bäume!"

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. Vertrauen. ! Es kommt so häusig vor. daß irgend eine harmlose Aeußerung, eine unbedeutende Redensart ganz anders aufgefaßt wird, als sie von demjenigen, der sie gesprochen hat, gemeint ist. Und wir Menschenkinder mit unsern Fehlern und Schwächen sind zum Bedauern sei es gesagt so leicht geneigt, von Andern eher etwas Schlechtes als Gutes zu denken, besonders dann, wenn der Schein wider den Betreffenden ist. Gleich dem Unkraut im Garten, das rascher emporschießt als die edlen Pflanzen, so wächst da! Mißtrauen nur zu schnell in den Herzen der Menschen, und hat es erst einmal Wurzel gefaßt, dann ist es unendlich schwer, das Uebel wieder zu entfernen. Bittere Feindschaft entsteht oftmals zwischen denen, die sich lieb haben, wenn Liebe und Freundschaft nicht mit einem felsenfesten Vertrauen Hand in Hand gehen. Eine echte Freundschaft ist ehne Vertrauen überHaupt nicht denkbar", wird mancher sagen; nicht der leiseste Zweifel in die Gesinnung des Freundes dürfte unsere Seele bewegen." Das ist wohl wahr und dennoch wie schwach ist der Mensch, wie leicht wird auch das liebevollste Herz schwankend! Selbst wenn die schönste Harmonie zwei Seelen verbindet, dürfte es vorkommen, daß einer die Handlungsweise des andern nicht verstehen kann; man überlegt, man beleuchtet die Sache von allen Seiten, der erste Zweifel schleicht sich in's Herz. Dann kommen vielleicht noch böse Menschen, die das innige Verhältniß längst schon mit Neid gesehen haben; vorsichtig wird das Feuer geschürt, und schließlich sind wir ganz von der Schuld des Andern überzeugt. O. wie viel bittere Stunden. wie viel Herzeleid schaffen sich die Menschen, wenn das Vertrauen fehlt! Wie mancher innigeHerzensbund wird für immer zerrissen, wie Viele scheiden im Groll von einander und erkennen erst, wenn es zu spät ist, ihre Thorheit. Keiner spricht aus falschem Stolz das erlösende, versöhnende Wort, und die Hände, die sich einst liebend gefaßt, finden sich nicht wieder zusammen; die Kluft, welche die Herzen trennt, wird zuletzt unüberbrückbar. Es war zur schönen Sommerszeit, als ich selbst, eines unseligen Mißverständnisses halber, mich einer geliebten Freundin entfremdete. Auf's Tiefste beleidigt durch ihr. in meinen Augen unliebenswürdiges, wenig freundschaftliches Benehmen, zog ich mich ganz von ihr zurück. Eine Frage über die Ursache ihrer sonderbaren Art und Weise hatte mir auf den Lippen geschwebt, doch ich fand im rechten Augenblick leider nicht das rechte Wortes blieb unausgesprochen. Wir sahen uns wochenlang nicht, und als es endlich geschah, war die Begrüßung kühl und förmlich, nicht wie zwischen Menschen, die sich lieb gehabt und verilanden hatten. Ein Etwas war zwischen uns getreten, das fühlten wir beide, aber keins fand den Muth zu einer offenen Aussprache. Ich litt unsagbar unter diesem traurigen Zwist; ich wollte ja nicht an ihre Schuld' glauben. ich suchte nach allen erdenklichen Entschuldigungsgründen, aber das Mißtrauen saß zu fest in meinem Herzen, die bösen anklagenden Gedanken wollten nicht weichen. Endlich, nach langer Zeit kam es zu der, von ihr wie mir längst ersehnten Auseinandersetzung. Wir ließen es beide an Vorwürfen nicht fehlen, indessen wie froh waren wir über die Lösung der Dinge! Mir fiel es wie Schuppen von den Augen, ich sah die ganze Angelegenheit plötzlich in einem anderen Lichte. War der Schein auch gegen meine Freundin gewesen, so erkannte ich doch nun die Grundlosigkeit meines Zornes. Wir konnten uns beide nicht freisprechen von aller Schuld, denn es hatte auf beiden Seiten am rechten Vertrauen gefehlt. Ein offenes Wort im geeigneten Augenblick hätte uns viele böse Stunden erspart. Fester noch als vorher verbindet uns nun das Band innigster Freundschaft, wir werden nach der empfangenen Lehre es sicherlich nie wieder am Vertrauen mangeln lassen. Und ist es denn nicht etwas Köstlicbes um das Bewußtsein.einen treuen Freund im wahren Sinne des Wortes zu besitzen? Es muß Herzen geben, welche die Tiefe unseres Wesens kennen und auf uns schwören, selbst wenn die ganze Welt uns verläßt," sagt Gutzkow. Wem ein solches Herz geschenkt ist, der hüte diesen 'seltenen Schatz und bringe ihm unbegrenzte Liebe, unbegrenztes Vertrauen entgegen. Dann wird seine Freundschaft von dem rechten Idealismus durchdrungen sein, der sich so schön in einem Gedicht von Felix Dahn ausspricht: Wemi eines Menschen Seele Du geWonnen, Und in sein Herz hast tief hineinge- . schaut. Und ihn befunden einen klaren Bronnen. In dessen reiner Fluth der Himmel blaut: Laß Deine Zuversicht dann nichts Dir rauben Und trage lieber der Enttäuschung Schmerz. Als daß Du grundlos ihm entziehst den Glauben, Kein größer Glück als ein vertrauend Herz. Laß adlermuthig Deine Liebe schweifen Bis dicht an die Unmöglichkeit hinan, Kannst Du des Freundes Thun nicht mehr begreifen, So fängt der Freundschaft frommer Glaube an!"

JJie rohte Zkose.

Er war all' seiner Lebtage ein Pechvogel aewesen und darüber ziemlich in die Jahre gekommen. Jetzt aber sch-en ihm das Glück lächeln zu wollen. Er hatte gelegentlich eines Spazierganges im Stadtparke eine Dame kennen gelernt, als er sich ermüdet auf einer Bank niedergelassen hatte. Sie schien an seinem devoten Wesen Gefallen zu finden und schenkte ihm manchen Blick.der, obwohl er sonst äußerst naiv in punUo Liebe war, ihn ermunterte, sich von der Vortheilhaftesten Seite zu zeigen. Sie wurde offener, erzählte, da sie Wittwe und bestsimiert sei. Dieser letztere Punkt zog ihn ganz besonders an, denn er hatte kaum satt zu essen. Sie interessierte ihn immer mehr und er fand sie schließlich sehr hübsch. Daß die Kunst das Aeußerste hatte aufbieten müssen und besonders die Nase seiner Nachbarin einer stundenlangen Behandlung bedürfte, um in der blendenden Weiße zu erscheinen, wie sie sich ihm präsentierte, blieb ihm, dem naiven Menschen, natürlich verborgen. Die Zusammenkunst hatte vor einigen Tagen stattgefunden und er sie um ein Wiedersehen gebeten, so oft er aber an die Bank im Park kam, fand er diese leer. Daß dies ihrerseits lediglich in der Absicht geschah, sie in seinen Augen interessanter zu machen, ahnte er selbstverständlich wieder nicht, sondern er that genau das, was sie im Voraus berechnet hatte er wurde aufs äußerste erpicht, sie wiederzusehen und griff schließlich zu dem in diesem Falle vielbenützten Mittel der Annonce. Unter bemitleidenswerthen Qualen rang er sich sogar zu diesem Zwecke ein Gedicht ab, in welchem er sie als Rose feierte dann würde sie schon wissen, daß gerad? sie gemeint sei. denn sie hatt während ihrer ersten Zusammenkunft eine prachtvolle rothe Rose im Gürtel stecken gehabt, die sie ihm auf fein Bitte geschenkt hatte. Mein Herz verblutet langsam sich. Getroffen von Amors Geschosse O sag', wann beglückstDu wieder mich, Du, mit Deiner rothen Rose? So sollte morgen im Tagblatt sieben: das rothe Rose" so fett als nur irgend möglich sie mußte sofort verstehen. Er begab sich schon vor ber Ausgabe des Blattes in den Park, sie konnte ja ehe sie das Blatt las. von dem er wußte daß sie es sich hielt, gerade heute endlich gekommen sein. Wäre das nicht der Fall, so wollte er auf der bekannten Bank bis zur Dämmerung aushalten hilf Amor! Er sah auf seine Uhr nun konnte das Blatt in ihrer Hand sein, würde sie kommen?? In die angenehmste Träumerei versunken, merkte er nicht, wie ihn die große Hitze in Schlaf verfetzte. - Sein Erwachen war ein plötzliches und schreckhaftes. Er hatte geträumt, ein Kirchthurm wäre ihm auf denKopf gefallen, in etwas schien der Traum sich der Wahrheit angepaßt zu haben, denn er fand feinen Hut tief eingetrieben. so daß ihn die dickste Finsterniß umgab. Schon im nächsten Moment empfing die Angströhre einen zweiten Schlag, der sie noch fester auf sein Haupt paßte. Er sprang natürlich auf und sein Hilfegeschrei erklang durch die Gebüsche. Aber es wurde übertönt durch einen Frauendiskant, welcher Injurien über ihn ergoß, die sich die Feder sträubt wiederzugeben. Himmel diese Stimme! Das war sie! Was aber veranlaßte sie zu solchem Zorn? Es blieb ihm nicht Zeit zur Ueberlegung. Und eine Erklärung wurde ihm abgeschnitten, denn in dem Momente. wo er den Mund öffnete und zwar so weit es ihm nur möglich war, um verstanden zu werden und die Situation zu klären flog ihm ein weiches. dickes, rundes Etwas in denselben. daß er im nächsten Momente mit einem Erstickungsanfalle zu kämpfen hatte. Es gelang ihm glücklich den Ballon dem Gehege seiner Zähne zu entwinden und allerdings unter ziemlicher Beschädigung der Ohren aus demEylinder sich zu finden. Seine noch itwas blödenAugen ließen ihn die von ihm Angedichtete unter Aufwirbelung einer Wolke Stubs noch eben um eine Gebüschecke verschwinden sehen. Erschöpft ließ er sich wieder auf die Bank niederfallen welch' ungeheures neues Pech! Mechanisch spielten seine Hände mit dem BaZon, den er sich mit solcher Mühe aus dem Munde geholt hatte und welcher sich nun als zerknüllte Zeitung erwies. Er entfaltete sie es war das Tageblatt! Seine Augen suchten nach seiner Annonce sollte diese ihr weibliches Zartgefühl verletzt haben?? Da war sie: MeinHerz " las er leise vor sich hin. Mein Herz verblutet langsam sich. Getroffen von Amors Gefchosse O sag', wann beglückst Du wieder mich, Du. mit Deiner rothen Xose?" Dieser Druckfehler war in diesem Falle allerdings der Gipfel des Pechs. Ein Optimist. A: Wie sieht es mit Deiner literarischen Thätigkeit?" B: O, meine Einsen1)ungen werden von der Redaction jetzt schon viel besser aufgenommen!- A: Woher weißt Du das?" B.: Nun. wenn meine früheren Beiträge zurückkamen, stand immer die Bemerkung .alt" darauf, jetzt aber heißt es stets: .nicht wuT

Dressur und Erziehung.

Zu den höchsten Lebensaufgaben, welche die Natur dem vornehmsten Erdcnbcwohner, dem Menschen, gestellt hat. gehört außer Zweifel auch die körperliche und geistige Heranbildung dcö nachfolgenden Geschlecht! Es ist eine Aufgabe des Menschen, beide Geschlechter haben daran theilzunehmen, und mit Recht Pflegen Einsich! und Eharaktergröße des ElternPaares, oder deren Stellvertretung, beider glücklichen Lösung als Hauptfaktoren zu gelten. Daß die Natur das Weib zu dieser höchsten Lebensaufgabe nicht allein mitberufen hat, sondern dies wichtige, zur Erhaltung und Weiterentwicklung der ganzen physischen, wie geistigen Schöpfung nothwendige Geschäft äugen, schcinlich zumeist wenigstens zuerst in die Hand des schwächeren WeibeS legte, kann als Beweis für die von der Natur vorgesehene und bestimmte Ebenbürtigleit des WeibeS angesehen werden. Im ganzen Thierleben liegt das Erziehungsgeschäst vorzugsweise der Muttcr ob, der Bater ist nahezu davon aus geschlossen. Und wer durch Beobachtung erfahren hat, wie das mütterliche Thier sein Kleines nicht nur nährt, sondern von Anfang an bemüht ist, seinen Sprößling zu einem Wesen her anzubilden, nicht allein wie es selbst ist, sondern überhaupt zu einem Wesen vollkommenster Art der eigenen Gat tung, kann keinen Zweifel darüber hegen, daß in dem weiblichen Thiere die höchste Fähigkeit vereinigt ist, welche das Erziehungsgeschüft verlangt. Die mütterliche Schwalbe lehrt das ausgebrütete Schwülbchen die Kunst des Flicgens und unterstützt seine schwache Kraft; die Katze unterrichtet ihre Klei nen nicht nur in dem zu ihrer Erhal tung nothwendigen Mausen, sondern lehrtddas junge Kätzchen auch Reinlichseit urch Waschen und Putzen und dergleichen. Ueberhaupt weiß die Na tur der dem Menschen verwandten Säugehiere von einer Minderwerthig seit des weiblichen Thieres nichts, viel fach findet sogar der umgekehrte Fall statt. Das wichtige Werk der Heranbildung für das irdische Leben muß natur gemäß beim Eintritt des neugeborenen Wesens in die Welt beginnen, denn der Zweck dieses Werkes ist. Schaden für dasselbe zu verhüten und mit allen Mitteln seine Entwickelung zu fördern. Noch vor zwanzig Jahren wußte man wenig oder nichts von einer Säuglings erziehung. die eben in einer einfachen und zweckmäßigen Gewöhnung besteht. Jetzt beweisen besonders die Pflegstütten der Säuglinge, was durch dieselbe zu erreichen ist. Regelmäßigkeit im Schlaf, in Darreichung der Nahrung und in der Reinigung erzeugen ersahrungsmäßig regelmäßige, körperliche Funktionen. Die Gewöhnung, die zur Gewohnheit werden soll, bildet mit Recht im fortschreitenden Kindesalter, während des rein physischen Lebens, einzig und allein die erziehende Macht. Darum ist es aber auch dringend noth wendig, daß das Kind, vom ersten Be ginn des Bewußtseins an, in dem aus gesprochenen Willen der Eltern ein bestimmtes Gesetz über sich emvstndet, welches es fürchten lernt, unter dessen Schutze'cs aber gleichzeitig auch Sicher heit, Wohlbehagen und Gedeihen kühlt. Die Principien nach welchen verfahren wird, müjsen von Vernunft, Moral und Erfahrung ausgehen und durchdrungen sein. Irgend welchen Eigenthümlichkeiten" des Kindes jetzt schon Rechniing tragen zu wollen, wäre grundfalsch. Meistens sind solche Ei gcnthümlichkeiten nur Einbildungen und verdanken ihr Dasein lediglich eine? affenartigen Mutterliede oder der Be obachtung irgend einer alten Kinder muhme. ' Tcr äußere Zwang zu zweckmüßigen, lobenswecthen Gewohnheiten, die Dressur, erweist sich im physischen Leben jederzeit als größte Wohlthat. Das große Werk der eigentlichen Erzichung beginnt naturgemäß nur ganz allmählich-, die geistige Entwicklung des Kindes bestimmt allein den Zeitpunkt. Sobald selbständige Urthcttsfähigkeit zu Tage tritt, muß dem Kinde der Grund gesagt werden, aus welchem das Gebot oder . Verbot hervorgeht. Die Darlegung der Gründe muß möglichst dem Gesichtskreise des jungen Geschöpfes angepaßt, dann aber, darauf fußend, mit Energie und Strenge Gehorsam für das gebotene Wort gefordert werden. Diese Darlegung der Gründe erhebt die Dressur zur Erziehung und begegnet am besten dem Trotz, der hauptsächlich durch das instinktive Gefühl der Willkür herausgefordert wird. Aber auch jetzt noch hüte man sich vor zu vielem Individualisieren! Wohl sind sich nicht zwei Strohhalme in' der Schöpfung gleich, um wie viel weniger zwei -Menschenseelen! Aber ein festes, von Weisheit und Erfahrung diktirtes Gesetz bietet unter allen Umstünden eine festere Stütze gegen die angeborenen Leidenschaften. Neigungen und Schwuchen, und darum einen Schutz gegen die eigene, mangelhafte Individualität. Ein kräftiger Wille von oben, selbst ein als unbequem empfundener Druck gestatten weniger Spielraum zu Ausschreitungcn, zwingen zur Selbstbehcrrschuna und zu größerer Achtsamkeit auf sich selbst, und bahnen damit den Weg zum letzten, erhabenen Ziele des gesummten Erziebungswcrkcs der Selbsterziehung! Sobald der eigene Trieb nach Vervollkommnung erwacht, ist damit der Beweis geliefert, daß Lehre und Beispiel jn der jungen Seele Wurzel geschlagen haben, und die Hosf nung gegeben, daß die Früchte nicht ausbleiben werden! Beim Photographe n. Fräulein: Ist mein Bild auch recht ' m T f L - rn i yuoicq geworren l Pyolograpy: Na. ich sage Ihnen, dagegen sind Sie selbst das reine Scheusal!"

Gcrtha's Herzfehlcr. Eomtesie Gcrtha war trank, recht krank, wirklich. Sie sah keineswegs blaß aus, wie dies bei Krankheiten im Allgemeinen der Fall zu sein pflegt, und es ließen sich bei ihr auch sonst keine der gewöhnlichen Begleiterscheinungen von Krankheiten, als da sind Fieber, Appetitlosigkeit u. f. m., entdecken. Aber sie sagte es selbst, und so oft sie es sagte, geschah es mit einem so tiefen, tiefen Seufzer und mit einem so schmachtenden Aufschlag ihrer wirk lich wunderbar schönen, himmelblauen Augen, daß man ihr wohl oder übel glauben mußte. Freilich der Herr Papa man weiß ja, die Väter solch kranker Tvchterchen sind immer Skeptiker. und wenn sie nebenbei, wie Eom teste Gertha's Vater, alte Militärs und Grafen sind, dann sind sie dies erst recht der Herr Papa wollte an eine Krankheit seiner Tochter nicht glauben. Dummes Zeug", meinteer, ,dasMädet hat zuviel Prallinces und Fruchteis gegessen., sich den Magen verdorben. Drei Tage Wassersuppe, dann ist sie gesund!" Indessen das ist so die Weise alter Militärs: drei Tage Was. ser und Brot! Als ob zwanzigjährige Rekruten und siebzehnjährige Eomtes sen ein und dasselbe Material seien. Frau Gräsin aber erklärte rückhalt los : ..Das muß ich als Mutter besser wissen. Das Kind ist krank. Ich sende noch heute zu dem Arzt und damit basta !" Gesagt, gethan ! Schon eine Stunde später war der alte Freund und Haus arzt der gräflichen Familie, Medicinal rath Professor Dr. Werrenpännig zur Stelle. Fräulein Gertha wurde nach allen Regeln der Kunst abgehorcht und abgeklopft, auch sonst bis in den in nersten Magenwinkel hinein ausge forscht, wie dies ja eines alten Medicin raths Pflicht und Schuldigkeit ist, und endlich wurde die Diagnose aufgestellt : Fräulein Tochter leidet an einem Herzfehler. Sehr viel Schonung, sehr viel Ruhe, Vermeidung cder Aufre gung und Anstrengung, lm Ucbrigen Abwarten." Und nun wachte GräsiN'Muttcr mit Argusaugen darüber, daß die Verhal tungsmaßregeln auf das Peinlichste ausgeführt und innegehalten wurden'. Kein Schritt durfte in ihren Salons mehr laut werden, kein lautes Wort ge sprechen, kein Wunsch der armen Eom tesse abgeschlagen werden. Ja. als diese sich eines Tages von dem Eigar renqualm, der vom Eorridor zufällig in ihr Boudoir gedrungen war, belästigt fühlte, da verbot sie nicht nur ihrer männlichen Dienerschaft, sondern selbst ihrem - Gatten, dem Herrn Grafen, und ihrem Sohne Egbert, jegliche Rauchen daheim. Ich will mein armes Kind nicht durch Euch hinscblach ten lassen. Wenn Ihr rauchen wollt, dann geht wo anders hin. hie? im Hause dulde ich es nicht mehr." Verrückt, Papa," brummte Egbert seinen Pater an, die ist doch nicht krank!" Helf' er sich!" knurrte der Herr 'Graf zurück. Der alte Medicinalrath diagnosticirt nun mal suf einen Herzfehler und Deine Mama schwört auf ihn, wie auf das Evangelium, da " Tu müssen wir mit Herzfehlern!" siel der Sohn dem Vater in die Rede. Ich danke." Helf' er sich!" knurrte der alte Herr noch mal. Ich gäbe auch was darum, wenn ich den Frauenzimmern die verrückte Idee austreiben könnte. Meine Cigarre fehlt mir in der That!" Wenn Du erlaubst, Papa, dann bringe ich in den nächsten Tagen mal einen sehr tüchtigen, mir befreundeten jungen Arzt mit." Wird wenig helfen, Junge!" Abwarten, 'Papa! Erlaubst Du?' Gebe Dir sogar eine Kiste von mci nen besten Havannas, wenn Tu Deine Mutter und Schwester dadurch von ihrem Herzfehler kurirst." Schon am selbigen Tage hatte Egbert Graf von eine geheime Unterredung mit seinem jungen Freunde, dem Phy siter undiMediciner Tr. Mentzel. Herzfehler? Hm! Nichts leichter als das. Tie Sache muß nur höchst dis crct vorgenommen werden, denn in den Herzen solcher jungen Damen sitzen zu weilen höchst sonderbare Dinge." Es gilt also. Tu hast heute Abend Zeit, ich darf Dich abholen?" Ich stehe zur Verfügung!" Am sclbigcn Abend befand sich der junge Physiker und Dr. mcd. Mentzel in den Salons der Frau Gräsin-Mut-ter, und da er Uuger Weise bei dem ersten Blicke, den er auf Eomtesse Gertha werfen durfte, in die mitleidvollen Worte ausbrach: Ah. gnädige Com teste, leiden am Herzen!" hatte er sofort das Vertrauen oon Mutter und Trc tcr erworben. Er durfte die un:: r 'imcsie auf ihr Herzleiden sogar mit u ,i ncuentdeckten Professor Röntgen' sch.n .Strahl untersuchen. Das Resultat dieser Untersuchung, die Photographie nämlich,- welche er mittelst des Röntgenschcn Lichtstrahls von fcni kranken Herzen der jungen Taine aufgenommen hatte, theilte er ton Vater' derselben mit: sie zeigte scharf und klar einen Ofsiciers.Helm auf einem Kopfe, dessen Züge allerdings nicht mit vhotographirt waren, weil

dies der .'Strahl überhaupt nicht thut, - die aber durch eindringliche Nachfrage dei der Herzkranken von Seiten des Herrn Papa bald ermittelt und da sie einem ganz patenten jungen Officic? angehörten, auch bald in Ratura als Heilmittel für die Eomtesse Gertha her k-e!gesckant werden konnte. Es gab .i c fei rlich: Verlobung, bei der da? zweite Gla? e.'t dem genialen Erfinder des 5 Strahls gebracht wurde. Ganz egal. . .. .Sie werben um meine Tochter, Herr Lieute nant ja können Sie sie auch ernäh ren?" Na, Herr Commerzienrath, ich sie oder sie mich das ist unter Ehekameraden doch ganz egal!".