Indiana Tribüne, Volume 19, Number 212, Indianapolis, Marion County, 19 April 1896 — Page 2
Zriihlingsmorgcn. Von Helene v. Engclhardt.
Nützt das Licht den jungen Morgen, Fällt der Thau auf Bliith' und Blatt, Hei, wie wandert sich's da lustig Durch die grüne Waldesstatt! Tönt so hell der Quelle Rauschen, Lzcht das Grün so zauberisch. Pocht das Herz in trunkner Wonne, Klingt das Liedel jung und frisch! Küßt das Licht den jungen Morgen, Fällt der Thau auf Blüth' und Blatt, Traun, da mag ich's nimmer glauben, Daß das Leben Schmerzen hat. Lacht mir so die weite Erde In des Lenzes Blumenflor, Kommt mir Herzeleid und Trübsinn Wie ein böses Märchen vor. Tausend Blüthen seh ich sprossen. Und da denk' ich so dabei, b die Blume meines Glückes Denn nicht auch zu finden sei. Die auch muß so frei erblühen linier Sturm und Sonnenschein, Darf kein mattes Topfgewächse, Keine Treibhauspflanze sein. Was doch so die Menschenseele Wunderliche Träume hat. Küßt das Licht den junaen Morgen, Fällt der Thau auf Blüth' und Blatt! ZZcim Zticrkampf. Eine amerikamschmexicanische Version einer Schillerschen Ballade von W. v. Schier brand. Jedesmal wenn ich die bekannteBallade Der Handschuh" von Schiller gehört habe, behagte mir der Schluß nicht. Daß der Ritter, nachdem er seiner Dame den höchsten Liebesbeweis durch das Heraufholen ihres Handschuhs aus dem drohenden Bannkreis der wilden Bestien gegeben, sich dann still seitwärts in die Büsche schlägt anstatt den ihm winkenden Lohn nun ebenso kühn und frischgemuth zu pflücken, das wollte mir gar nicht in den Sinn. Ich muß gestehen, dieser entsagende Ritter erschien mir immer etwas im Lichte eines Chump", d. h. eines dummen Kerls. Wenn ich mich dabei erinnere an ein Erlebniß, dessen Augenzeuge ich einst war, so scheint mir jdies in erhöhtem Maße zuzutreffen. Da wo der Rio Grande die Grenzscheide bildet zwischen dem altenMezico und dem im fernen Südwesten gelegenen Theil der Vereinigten Staaien. der einst den Männern spanischer Junqe entrissen und dem großenHanZeereiche angegliedert ward, herrschen noch heute eigenthümliche Zustände. Noch heute haßt der Ureinwohner den Gringo" (Amerikaner) mit einem glühenden, unversöhnlichen Hasse. 'Jioch heute zahlt der Gringo dies Gefühl zurück mit 'Zinsen, und der Spottnaine, Greaser". den er dem Mezicaner beilegt, gilt als tödtliche Beleidigung. Auch sind die Unterschiede zwischen den beiden Rassen noch so greis- und fühldar wie je, und im Aussehen, in Le-dens-und Denkweise kann man sich kaum größere Gegensätze denken als die zwischen der herrschenden und der unterworfenen Bevölkerung. Der .Gringo" der kühne, rücksichtslose Vor tampfer der Zukunft, der Greaser" treuer. Anhänger der Vergangenheit, so stellt sich überall die Sache dar in jenen weiten Gebieten. Trotzdem jedoch kann es an Annaherung Und Vermischung der beiden Rassen nicht fehlen, denn die Macht der Gewohnheit, die Verührungspunktt sind eben zu vielfältig und zu stark. Und eine solche Episode bildet den Etoff der nachfolgenden Erzählung. Brownsville auf der einen Seite, Matamoras auf der anderen, so scheidet der Rio Grande del Norte die beifcen Länder. Unweit Matamoras aber, auf einer Hacienda von ziemlicherAusdehnung, weilte eine Schönheit, die 5cbon viele amerikanische ' Caballeros zum Ueberschreiten des Flusses veranlaßt. Inez Pacheco hieß sie und war eine vollendete Blüthe der spanischmexicanischer Damenwelt schlank, zierlich, cokett, mit dunkeln strahlenden Auaen. seidenen Wimpern und lockiem Haar. Die ganze Umgegend träumte von ihr, und der alte Oberst Pacheco, der einst Gouverneur der Grenzprovinz gewesen und für einen sehr ahnenstolzen Mann galt, hatte alle Mühe, um die Courmacher von seinem Gehört zu halten. Der unermüdlichste aber unter ihnen war ein Amerikaner, einer der gehaßten Rasse, die der alte Pacheco einst unter General Santa Anna bei Eiudad Real mit hatte bekämpfen helfen. Und noch wunderbarer Weise schien die reizende Jnez gerade diesem Fremdling noch den größten Theil ihies jungen Herzchens geschenkt zu haden. Und doch eigentlich war das ganz natürlich. Denn Frank Nichardson war ein stattlicher, feuriger, reicher Freier, der in Zeder Beziehung die übrigen Söhne der benachbarten Hacienderos oder reichen Kaufleute aus Matamoras ausstach. Außerdem war er eigentlich selbst ein halber Mezicaner, denn seine Mutter kam aus demLande der Azteken und hatte ihm ihre bräunliche Schönheit hinterlassen. Aber seit ihrem Tode war Frank viel im weiten Lande ie los ?)ankees" herumgereist, war in Philadelphia und New Jork auf höheren Schulen gewesen und hatie sich eine Zeitlang als Superintendent einer Minengesellschaft in Colorado versucht. Jetzt indeß war er schon seit Iahren in Brownsville, wo er ein blühendes Grenzgeschäft betrieb und
täolich reicher ward. Die Mexikaner erzählten sich viel von seinen fabelbasten Reichthümern, die ibrer Mei
nuna nach genügen sollten, um mit Onkel tarn flirt zu rivalinren. Dabei war Frank aber beliebt, sehr beliebt, bei Mexikanern wie bei seinen eigenen Landsleuten, denn er war liberal. sreigiebig. und sehr gutherzig, auch fröhlich und voll Humor. Bei alledern aber sah der alte Oberst Pacheco diesen Fremdling keineswegs mit günfügen Augen an, und mehrmals schon hatte er Drohungen gegen das Leben des unternehmungslustigen Freiers ausqestoßen, obgleich Schön - Jnez ihn stets wieder schnell besänftigt hatte mit ihren ihren sammctweichenPatschHändchen. Frank kannte den alten Kriegshelden, und er wußte, daß er in ihm das einzige ernste 5zinderniß für seine Liebe zu erblicken hatte. Aber alles das hielt ihn nicht ab. bei mondHeller Nacht über den Fluß zu setzen und den Weg nach der nur eine halbe Stunde entfernten Hacienda zu nehmen. so oft die Gewalt der Leidenschaft ihn trieb. Eine solche Nacht war's wieder. Die Sterne funkelten in südlichemGlanze, der weiche Fiühlingswind flüsterte in den Büschen, und die mezicanische Spottdrossel flötete zärtlich in dem Boskett hinter der Veranda. . Unter dem Fenster, das nur qanz matt erleuchtet, stand der brave Liebhaber mit seiner Mandolme im Arm und sang, mit gedämpfter, ausdrucksvoller Baritonstimme: Yo quiero ver la luz tu ojos al rnirar, Ay! Nina! Mirarne! Miranie nor piedad. Sin tinn hav vida. no! ni dicha ni nlacer. Quiereme nina! o muero, por ialta de querer. Ja, ohne Dich ist wirklich kein Leben", murmelte auch sie, die da oben hinter den Jaloussieen den geliebten Sänger beobachtete. Aber nun ein Schrei einScharren auf dem sandigen Boden, und das Geräusch mehrerer heftiger Stimmen. Windlichter flackern, und die entsetzte Schöne sieht ihren Vater, zornbebend vor dem Fremdling stehen. Frank ist indeß nicht leicht aus der Fassung zu bringen. Die zertrümmerte Mandoline mit dem Fuße wegstoßend, blinkt in seiner Faust der zuverlässige Colt'sche Navyrevolver, mit dem er sich freie Bahn verschafft und sich gegen die ihn umschwärmenden zerlumpten Peones- (Knechte) des alten Mezicaners den Rücken deckt, indem er sich dicht an die Hauswand lehnt. Quien es, sennoies?" sagt er ruhig. Der alte Oberst nähert sich. Cennor, Sie stören den Frieden meines Hauses. Was wollen Sie hier? Meine Tochter? Die erhält kein Amerikaner, mag er auch sonst noch so ehrenwerth sein. Wozu also die Mühe?" Sennor Don Pacheco, haben Sie die Güte, mich anzuhören , sagt Frank ganz ruhig. Sie wissen, daß ich Ihre Tochter. Donna Dnez, liebe, ehrlich und aufrichtig liebe, und sie zu meinem Weibe machen möchte. Sie liebt auch mich, wenn mich nicht Alles täuscht." Oho, Sennor, das wage ich zu bezweifeln." Dann überlassen Sie esJhrerTochter selbst. Sennor, zu entscheiden". wendet Frank unerschrocken ein. So sei es man rufe meine Tochter. Donna Fnez, herunter in den Pation befiehlt der alte Oberst. Und sie kommt, und mit tiefem Erröthen giebt sie zu, auch ihrerseits dem jungen Amerikaner zugethan zu sein. Aber meine Tochter soll kemen hassenswerthen Fankee ehelichen", ruft der alte Oberst nochmals. Ich bin eigentlich gar kein Aankee", spricht Frank, denn meine Mutter war selbst eine Mezicanerin." So habtJhr, Sennor, EurerMuttersprache entsagt. Oder welchen Be weis wollt Ihr erbringen, daß Ihr Mezicaner seid? Halt das correo del toro das Stiergefecht. Habt Ihr je eines mitgemacht nicht als Zuschauer, als Kämpfer? Doch nein wie sollte ein Amerikaner des Nordens dazu kommen. Nun Wohl, Sennor, wenn Ihr Euch getraut, beim Stierkämpfe nächstenSonntag Ihr wißt, auf der Plaza del Gobierno den Beweis zu liefern, daß Ihr ein Mexicaner sind, daß Ihr den glänzenden Stahl von Toledo dem Thier in'sHerz stoßen könnt, daß Ihr mit einemWorte ein Mann seid und keine Memme, so ich sag's vor Zeugen und die Heilige Jungfrau von Guadaloupe hörts auch sollt Ihr die Hand meiner Tochter haben. Anders nicht." Es war eine Verrücktheit, ein Beweis jener nichtsachtenden Tollkühnheit, wie sie eben nur in der goldenen, der dummen Jugend, bei einem rasend Verliebten möglich ist. Aber Frank Richardson that's. Das Gerücht, daß der junge Amerikaner aus Brownsville als Matador auftreten wolle, hatte sich in der Umgegend verbreitet. Von jenseits des Flusses aus waren die Schaulustigen herbeigeströmt, viele von ihnenFreunde des reichen Kaufmanns aus Vrownsville, to see fair play", wie sie sich ausdrückten. Der Stier gehörte oer muthigen, seuriaen Rasse des Nordens an, und die Chulos hatten ihn mit ihren Pfeilen. die mit langen Widerhaken Versehen waren, in eine keineswegs gemüth licheStimmung versetzt. Oben auf dem Ehrenplatze, in der mit einer weiten, roth-weiß-grünen Baldachin versehenen Loge, wo sich auch die übrigen Spitzen der Gesellschaft befanden, faß der alte Oberst Pacheco mit seiner liebreizenden Tochter. Inez strahlte vor Schönheit, und die verhaltene Angst um das Schicksal des Geliebten war nicht im Stande, den Stolz auf seinen außerordentlichen Muth zu dämpfen.,
Die Spitzenmantille über die weißen Schulter und den Fächer schwingend
gegen die Hitze, sah das schöne Mädchen mit brennenden Augen in die Arena hinab. Jetzt, als der Stier halbblind vor Wuth und die blutüberströmten lan ken mit dem Schweif peitschend in ei ner Ecke raste, erschien Frank Richard son. Sein Erscheinen war das Signal für einen Beifallssturm wie ihn selbst die Arena von Matamoras noch nicht erlebt. Emc blutrothe Rose siel zu sei nen Füßen nieder. Er hob sie mitGrazie auf und verbeugte sich.mit dem ganzen Anstand eines Altcastiliers gegen die Dame, Inez, die ihm dies Symbol der Liebe geworfen. Und dann ging's so schnell, daß man mit seinen Augen kaum folgen konnte. Der Stier kam angerannt mit gesenktem Haupt Frank sprang im richtigen Moment behend zur Seite. Wieder folgte eine Attacke, und da wäre der junae Amerikaner beinahe auf der Spitze seiner Hörner stecken geblieben. Aber das Glück, das dem Muthigen stets wohl will, war ihm auch diesmal hold, und im Ausstehen, noch halb knieend empsmg er semen wuthenden Gegner auf der Spitze seines Schwertes. Es war natürlich Zufall, was sonst, aber der Degen bohrte sich bis an's Heft dem schäumenden Thier zwischen Schulter und Hals ein. und mit einem dumpfen Röcheln sank das Ungeheuer in die Kniee. EwigeZuckun gen, und es war verendet. Ein Tosen, ein Heulen, ein SllaU sehen, als ob der ganze kichte Bau ein fallen sollte, begrüßte die tapfereThat des Fremdlings. Er war Sieger geblieben in einem Stiergefecht, er, der Neulma. der Amerikaner, und sem Ruhm war nun felsenfest und für alle Zeit begründet in Mexico. JTIUIU JUUJUIU UJl 11 ICKl JllUll UiCUt co:jc.wr :ri so jung wie damals, und Donna Inez ist nicht mehr ganz so schlank. Aber ihre Kinder sind beredte Zeugen dafür, daß eine mericanisch - amerikanische Verbinduna nicht unter allen Umständen schlecht ausfällt. Epidemie in ZZodenbcrg. Humoreske von Fr. Stork. Selbst Rodenberg's älteste Leute wußten nichts von epidemischenKrankheiten. Und nun plötzlich behauptete das schwache und schone Geschlecht, es grassire eine rapid steigende Epidemie, der Radsport! Schon vor Jahren traten vereinzelte Symptome, bei halbwüchsigen Buben, in die Erscheinung. Da prangte unter der Wechnachtstanne das von wohlwollenden Großeltern.Pathen oder den verblendeten Eltern selbst gestiftete Dreirad. Zum Entsetzen der Mutter unternahmen die hoffnungsvollen Sportsmen kühneProbefahrten in dem ohnehin überfüllten Bescheerzimmer. Daß die werthvollsten Dinge dabei zu Falle kamen, mußte geduldet werden, so lange der liebenswürdige Stifter zugegen war. Später verwies man dem Fahrkünstler solch verwerfliches Thun. Das Rad wanderte in den Flur, allwo es arglose Passanten gefähUiete. Zum Glück hielt der Mechanisn'us den Kraftproben selten lange Stand. Das stark malträtirte Rad spazierte, unter thränenreichem Geleit seines Besitzers, auf den Speicher, wo es über die Launenhaftigkeit der Menschen Philosophiren konnte. Die Mütter athmeten auf. Sie hatten genug an schweren Visionen gelitten, wenn der Sohn tollkühn über Rodenbergs vorsintfluthliches Pflaster holperte. Ein Beinbruch zählte zu den gelinderen Wahnvorstellungen. Da, als die Stadt in ihrer weltberühmten Baumblüthe prangte, flog eines Tages eine elegante Gestalt auf hohem Zweirad durch die Gassen. Dieser lange Mensch, von Beruf Referendar beim Amtsgericht, übertrug den Ansteckungsstoff aus der Großstadt in diesen gesegneten Erdenwinkel. In schneidigstem Radlertricot machte er die Gegend unsicher, so daß die ältlichen Muhmen ihre traditionellen gesundheitlichen Promenaden fortan mit bänglichen Ahnungen unternahmen. Dagegen waren etliche Handlungsbeflissene. sogar der Apothekergesellewie die Rodenberger den Lehrling der Schwanapotheke benamseten einfach fanatisirt. und sämmtliche junge Damen bewunderten den schneidigen Radler in dem hierorts noch unbekannten Sportkostüm. Sie stürzten an die Fenster, sobald das gebieterische Warnungsglöc?lein anschlug, um wenigstens die, wie ein Phantom um die Ecke huschende Rückansicht zu bewundem Das lehrreiche Sprichwort von den bösen Beispielen schien eigens für den Referendar erfunden. Selbst ehrbare Familienväter erlagen endlich dem Ansteckungsgift. Das Patriarchlische Rodcnberg ward ein Herd der Zwietracht. Jedes auftauchende Bicycle bedeutete ein häusliches Scharmützel. Kampf um des Streitobjects .Sein" oder .Nichtsein". Den nie appetitlosen Männern sollte das Radfahren die Verdauung fördern. Man war es leinfach der Familie schuldig-, sich körperlich frisch zu erhalten. Die lächerlichen Einwendungen der Frauen: ein tüch tiger Gang thue d''e gleiche Wirkung, verfingen nicht mehr. Immer nur den langweiligen Weg um die Schloßruine. wo man alle zehn Schritt, auf eine feindliche.spionirende Klatschbase stieß, das war man endlich müde. Man versauerte ohnehin in diesem Krähcd'xuUL Die Bauern starrten den gespenstisch über die Feldwege schwirrenden Rädern entsetzt nach, und die Weiber bekreuzten sich, vermeinend, die ganze Hölle sei auf der Spazierreise.
Sonst war jegliche Modethorheit in Nodenberg verpönt. Ein rother Schlips, den der Gerichtsschreiber am Sonntag spazieren führte.erregte schon peinliches Aufsehen. Und nun sah man solide Männer wie Jahrmarkts-
Hanswürste auf dem Rad hocken. Selbst der Steuereinnehmer, der sich in Anbetracht fünffacher Vaterwürde jegliche? Narrethei begeben sollte. überraschte seine Mitmenschen mit einem braungestreiften Sportanzug Vorlaute Backsische waren der Ansicht, er säfre aus wie ein in die Lange gezogener Maikäfer. Sogar der durch mancherlei Vorkommnisse abgehärtete Stadtdiener vermeinte in dem Herrn Einnehmer den Vorläufer einer Gauk lerbande zu erblicken. Erst, der kordiale Gruß des Einnehmers klärte den Verblüfften über den dienstwidrigen Irrthum auf und glättete seine stramme Polizermiene. Sonst pilgerte man zu den nahen Waldbergen. Die treue Gattin wußte des Hauses Schirm und Hort unter ihrer bewahrten Leitung bei gleichge sinnten Freunden. Man feierte Picnics im duftenden Haidekraut, berauschte sich an Natur und Freundschaft und sang Lieder von Lenz und Liebe. Freiheit. Männerwürde und Treu und Einigkeit. Jetzt saß die grollende Gattin mit den Kindern daheim, wehmüthiger Erinnerung an icne billigen Freuden hingegeben. Der Referendar, der all dies Herzeleid heraufbeschworen, war sich seiner Nichtswürdigkeit, durchaus nicht be wußt. Ja, er brachte in doppeltem Sinne Zwietracht in ein bislang friedsames Haus. Mit guten Empsehlun gen betrat er als Gast Doctor Unruhs Haus. Der Doctor nahm ihn freund lich auf. die behäbige Doctorin desglei chen, und die achtzehnjährige Lena machte es sich zur Pflicht, umgehend für den gewandten Großstädter zu schwärmen. Die phlegmatische Doctorin amüsirte sich harmlos über die steigende Aufregung der Damen, deren Männer der Fahrmanie zum Opfer fielen. Ihrem Frieden drohte keine Gefahr, denn der Doctor hatte sein Halbverdeck, die guteingefahrenen Braunen und seinen in Treue bewährten Christian. Diese blinde Vertrauensseligkeit erlitt nun um die Sonnenwendzeit jählings ein Riß. Der Doctor ruckte mit derThat sache heraus, daß er die Equipage verkauft und die Praxis per Rad absah ren werve. )as laziua wie eme Bombe ein! Die Doctorin weinte und schmollte ob solcher empörenden Hinterlist. Sie schwur, den Referendar m Acht und Bann zu thun, bis der Doctor diesen tollen Plan aufgebe. Der Doctor bewies mit rhetorischer Gewandtheit, daß er als Radler ein Vermögen erspare. So'n Gaul will alle Augenblick fressen, und Christian desgleichen: Du übertreibst wieder. Das Bis chen für Christian hat' man über. Christian macht sich auch tm arten Nützlich. Einerlei! Ich hab's einmal satt, unthätig hinterm Spritzleder zu hocken, in der Erwartung, nächstens mal von Christian in den Chausseegraben geschmettert zu werden!" Es ist zu abscheulich, daß Du mit dem Referendar so heimlich bei Kaufmann Saft das Complott ausgeheckt hast! Nicht ein Loth lasse ich mehr bei Safts holen! Und der Referendar hat den letzten Thee bei mir getrunken. darauf kann er Gift nehmen!" Daß Lena nach diesem Trumpf mit verweinten Augen umherging, erboste die gereizte Mutter noch mehr. Sie schwur, den Referendar nicht mehr sehen zu wollen und sollte er. allen Regeln Hohn sprechend, sofort zum Genchtsrath aufrucken. Die ohnehin schüchterne Frau des Kaufmanns Saft duldete inzwischen, kampfesmüde, daß ihr speculirender Eheherr ein ganzes Dutzend Räder in seinem Laden aufpflanzte. Jede Woche polirte man die werthvolleniKaufob jecte mit Schmirgelpapier und geöltem Leder, und klemmte eins ums andere in das ohnehin enge Schaufenster, zum Staunen der Nachbarn. Herr Saft vergnügte sich täglich, seiner Frau von dem immensen Profit" vorzudeklamiren. So kamen die Herbststllrme. Bei Safts verschwamme die brillanten Aussichten in den sich fort und fort auf dem Lande wälzenden Nebelmassen. Er selbst quälte sich täglich durch den klebrigen Brei der Landstraße, um ein gutes Beispiel zu geben, und er fand auch noch Sportgenossen, die ihm folgten. Den Doctor überkamen Heimwehstimmungen nach dem geschmähten.unthätigen Hocken hinter dem Spritzleder des leichtsinnig verkauften Wagens. Der Referendar hatte, seit man bei seinen Besuchen nie mehr zu Hause" war. thatsächlich keinen Thee bei Doctors getrunken. Eines Tages kehrte Lena von einem Ausgang in befremdlich gehobener Stimmung heim. Schon am folgenden Abend entwickelte der Referendar im Club die Ansicht, daß Rodenbergs Landstraßen im Winter für den Radspott geradezu unmöglich seien. Er habe sein Rad, bis zum Frühling, auf Wartegeld gesetzt. Hierauf grenzenlose Bestürzung der Sportgenossen. Der Doctor verläßt in grimmiger Laune, nach einem Disput mit dem kecken Redner, das Local. Nächsten Tages rückte die Einnehmerin bei Doctors zu einer DauerPlaudersitzung an. Wissen Sie's schon? Der Referendar. der unseren Männern erst die 5Iöpfe verdreht mit seiner Fahrerei, er klärt nun kaltblütig, unsere 'Straßen wären unfahrbar! Na. eben sind wir im November, das dickste Ende kommt erst. Aber die Wuth der Männer!
Und mit dem Herrn' Doctor hat er sich so halbwegs überworfen. Er hat ihn aber auch gleich gewarnt, die Equipage nicht abzuschaffen. Also Sie wissen noch gar nichts? Ich bin heilfroh. Mein Mann ist bei bindfadendickem Regen aus die Erhebungen gefahren, nur weil er mir beweisen wollte, daß er den Wagen sparen könnte. Nun hat er sich einen handfesten Katarrh zugezogen, Fliederthee hab' ich gekocht, und nun liegt er im Schwitzkasten." Während sich die Einnehmerin in ihrer derben Manier den aufgespeicherten Groll von der Seele schwatzte.pflog Lena eine nicht minder interessante Zwiesprache über die hintere Gartenmauer hinab, als sei dies heuer der lieblichste Aufenthalt. Der Doctor aber gestand eines Tages polternd und unwirsch, er habe seine Braunen zurückgekauft. Bon den 500 Mark Reugeld verrieth er nichts. Christian, der sich bislang privatisirend im heimischen Dorfe aufhielt. zog triumphirend wieder in Doctors Kutscherstube ein. Seine Ahnung, daß Doctors ohne ihn nicht assistiren könnten", war keine trügerische. Das rundliche Antlitz der Doctorin legte sich wieder in die altgewohnten Behagensfalten. Ihr weiches Herz ward versöhnlich gegen die Mitwelt gestimmt. Und in dieser menschenfreundlichen Anwandlung lief ihr im allerengsten Gäßchen der Referendar in den Weg. Sie brachte es nicht übers Herz, seinen respectvollen Gruß unerwidert zu lassen. So wagte er nächsten Tages einen letzten Versuch, und siehe da. Mama litt offenbar an Gedächtnißschwäche, sie ließ ihn gnädigst vor. Als der Doctor gegen acht Uhr aus dem Club kam. traute er seinen gesunden Augen nicht. Da saß ja der Rechtsverdreher", wie er den Referendar grollend titulirte, und schlürfte seinen Thee, als hätte er hier das größte Recht dazu. Ha, diese Weiber! Wenn sie nur ihren Willen durchsetzen," knurrte er ingrimmig. Brummend gab er nach Wochen auch seinen väterlichen Segen, um den Lena und bfagter Rechtsverdreher bescheidentlich baten. Bei Kaufmann Saft lag das Stimmungsbarometer sehr tief. Die dielen, schönen Hundertmarkscheine!" stöhnte dann Frau Saft vorwurfsvoll. Und wenn die verflixten Dinger nur nickt so leicht rosten wollten." Dann schlug ihr Eheherr zornmüthig auf den Tisch, daß die kleine Frau ängstlich zusammenklappte. Was heulst und lamentirst Du da? Laß die Sonne wieder hoch kommen, dann erlebst Du. daß ich in vier Wochen ausverkaufe! Wir haben eine große Zukunft. In der Armee haben sie das Fahrrad auch schon und wenn nochmal zehn Jahre um sind, hat jeder anständige Mensch, der auf Bildung Anspruch macht, sein Rad! Damit basta!" Und richtig, mit der Lenzsonne stiegen Herrn Safts Acticn. Und die Doctorin mußte noch den schrecklichsten der Schrecken erleben eines Tages kam auch ihre Lena in Pumphosen hoch zu Rad. Aber dagegen war nichts mehr zu machen, denn Lena war ja bereits Frau Referendar. Eine Vorahnung.
Im Jahre 1788. als Kaiser Joseph II. sich auf Besuch in Paris befand, ging er einesAbends mit seiner Schwester, der Königin Marie Antoinette, aus dem königlichen Theater, als derselben auf der Treppe der Fächer entsiel, welchen sogleich ein Herr in zierlicher Kleidung aushob und der Königin überreichte. Bei wem habe ich mich zu bedanken? fragte die Königin. Ich bin Advokat in der getreuen Stadt Paris." lautete die Antwort. Und wie ist Ihr Name?" Maximilian Robespierre!" Ich danke Ihnen, mein Herr!" sprach die Königin, und im Weitergehen zu ihrem Bruder: Dieser Mann flößt mir Furcht ein!" Joseph lachte und erwiderte: Seit wann fürchten sich Weiber vor Kleldern (Robes) und edlen Steinen (Pierres)?" Die Kleider und Steine" aber brachten die Königin auf das Schaffot. m Glückliche 2tuV. Wia draußen das Wetta, Was kümmert uns dees? Vagnüagt wia die Zeiserln San i und mei' Res! Und stürmts aa und reg'nts Und dunnters felm d'rei' Herinnet im Stüaberl ; Kunnts schöna net sei'! Das garstige Fieber. Mei. sage Se mer doch, liebe Petzbuberin, an was ist denn eigentlich Ihr Ratzi gestorben? An dem malefizgarstigen Fieber ist er gestorben. Aber was ist denn das für ein Fieber, das garstige Fieber? Der Doctor sagt, das sei das Fieber, wenn man es im Unterleibe habe! ' Und Sie? Ei! Ei! Herr Majorl4 sagt der lange hagere Secretär Schmidt zum dicken Majorle, der ihm etwas abgetrunken begegnet. Sie haben schiints zu viel getrunken!Und Sie", entgegnete der Major kurz, und Sie haben scheints zu wenig gegessen. Widerlegt. Professor: Keiut Reael ohne Ausnahme. Student: Ich weiß eine ohne Ausnahme, 5)err Professor. Professor: Und die wäre? Student: Die alte Deutschen tranken noch eins, bevor sie gingen.
AleXanÄre und Zulm. Im Jahr: 1846 kam Alexandre Dumas lil3 in Gesellschaft seines Vaters und anderer bedeutendes Männer wie des Dichters Theophile Gautier, des Malers Giraud u. a. nach Madrid. wo aus Anlaß der Vermählung der Königin Jsabella und der Jnfantin Luise Fernanda mit dem Jnfanten Franz von Assist und dem Herzog von Montpensier glanzvolle Feierlichkeiten stattfanden. Nachdem die beiden Dumas den Festen bis zu Ende beigewohnt, beschlossen sie. über Andalusien nach Algerien zu reisen. Ihnen schlössen sich vier fröhliche Gesellen an: die Maler Voulanger und Giraud und die Schriftsteller Desbarolles und geistreicher Weise geschildert worden Maquet. Die ganzeReise ist in äußerst von Dumas pere in dem Buche Von Paris nach Cadiz." welches neben dielcn richtigen Beobachtungen eine Menge von zwar wiegen, aber grundfalschen Angaben über Spanien und spanische Zustände enthält. Der kleine" Dumas, wie er gemeiniglich hieß, war damals 22 Jahre alt; kein Wunder also, daß er mehr Sinn hatte für die schwarzen Augen der üppigen Andalusierinnen. als etwa für monumentale oder landschaftliche Schönheiten. In Cordova. der Vaterstadt des Philosophen Seneca. entbrannte sein junges Herz in Liebe. Das kam nämlich so: Am Abend ihrer Ankunft in der Kalifenstadt, als die Reisegesellschaft nach dem Abendessen auf dem Balkon des Gasthofs, in dem sie abstiegen. Kühlung athmete, gewahrte sie, daß in einem gegenüberliegenden vornehmen Hause ein außerordentliches Leben herrschte. Alle Fenster des Hauses waren hell erleuchtet, Wagen mit schöngeputzten Damen und Herren kamen alle Augenblicke vorgefahren; aus einem der Säle erscholl fröhliche Tanzmusik. Der Gasthofbesitzer theilte mit, daß der Herr des genannten Hauses, eine Militärperson hoher Stellung, ein Fest veranstalte, wobei seine einzige Tochter Num ersten
Male in Gesellschaft erscheine. Die kecken Franzosen, die sich das Fest ansehen wollten, ließen dem erwähnten Herrn einen Brief überreichen, indem sie ihre Namen nannten und zugleich das Gesuch stellten, in seinem Hause erscheinen zu dürfen. Sie erhielten, wie dies bei der spanischen LiebensWürdigkeit zu erwarten war, sofort eine freundliche Einladung. Nun warfen sich Dumas und seine Begleiter in ihren besten Staat und betraten den Festsaal, wo sie äußerst zuvor kommend empfangen wurden. Die Franz?sen verbrachten einen köstlichen Abend. Sie konnten sich nicht satt sehen an den herrlichen Frauen-Er scheinungen, die hier versammelt-wa-ren. Ihre Aufmerksamkeit wurde aber in ganz besonderem Maße durch die Tochter des Hauses m Anspruch genommen, ein Mädchen von geradezu blendender Schönheit, ein Ausbund all der Grazie und des Liebreizes, die den Andalusierinnen eigen sind. Du mas fis vernarrte steh förmlich in das Mädchen, und zwar derart, daß er seinen Vater und die Neisegenossen aus Cordova fortziehen ließ und dort zu rückblieb. um zu den Füfem der Schö nen Liebesseuszer auszustoßen. Die Andalusierin erwiderte die Liebe des jungen Mannes, dessen Vater durch seme Romane schon damals m Spamm allgemein bekannt war. Die Verliebten wollten heirathen, stießen jedoch auf unüberwindliche äußere Schwierigkeiten. Der junge Dumas war nicht getauft, was für den streng religiösen spanischen Kriegsmann ge nüate. um ihn als Schwiegersohn z rückzuweisen. Alles Flehen seiner Tochter vermochte nichts gegen die seisenharte Strenge des Spaniers. Julia. so hieß das Madchen, war aber nicht umsonst Andalusierin; sie verschwand aus Cordova und begab sich nach Paris, wo sie mehrere Jahre mit dem jungen Dumas zusammenlebte. 5)ierauf kehrte sie nach Spanien zu rück und installirte sich in Madrid in einem luxusvollen und im Mittelpunkte der Stadt gelegenen Hause, wo sie ein etwas zweideutiges Leben führte. Bei ihr verkehrten Träger hochadeliger Namen und Besitzer großer Vermögen. Lang, lang ist's her! Julia brach nie ganz mit Dumas; sie unterhielt mit ihm regen Briefwechsel. Der Botschafter Frankreichs in Madrid. der mit Dumas fils verkehrt hat. erzählt, daß er während einer Saison die er in Gesellschaft des Verfassers der Cameliendame" in einem Badeorte verbrachte, vielfach zu beobachten Gelegenheit hatte, wie der berühmte Schriftsteller mit Rührung die ihm aus Madrid zugegangenen Briefe las und öfters eingeftand, er -könne das Abenteuer in Cordova sein Leben lang nicht vergessen. Die Andalusierin starb zu Anfang der 70er Jahre, und in den von ihr hinterlassenen Papieren befinden stcb zahlreiche köstliche Briefe von Alexandre Dumas fils. Unter den Kunstgegenständen, die dem kürzlich verstorbenen Dichter gehör! hatten und . in Paris zur Versteigerung gelangten, befand sich auch ein Bild von Giraud. das ein blendendschönes, junges Weib spanischen Typus in weißem Gesellschaftskleid' darstellte. Es war das Porträt Julia's, im Jahre 1815 gemalt. Gut genug. Donnerwet ter. Johann, was bringst Du mir denn gerade heute meine durchlöcherten Stie fel? Drum, weil ich geglaubt habe, dieselben seien für dieses miserable Re genwetter gut genug! Beleidigende Frage. Dame: ...Werden Sie mich auch ewig lieben, Herr Lieutenant?" Lieutenant: .Gnädigste, wie können Sie fragen? Ich liebe immer ewig!-
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Unter den Frauen, welche im Lause unseres Jahrhunderts durch ihre Schönheit, den Glanz ihres Auftre tens, ihren Geist, ihre Bekanntschaf ten. vor Allem durch ihre romantischen Abenteuer und ihre tollenAusschreitungen der tausendzüngigen Fama cndlolen Stoff zu Nachreden geliefert haben. so daß noch jetzt ihre Biographien sich lesen wie ein Roman, und Zwac ein pikanter, gebührt der Lady Blessington die Palme. Most gorgeous Lady Blessinton" nennt sie ihr neuester Biograph. Fitzgerald Molloy und auf Pomp und Pracht und Prunk machte die Gräfin allerdings Anspruch, sie, die Tochter eines armen irischen Landbesitzers, die im 15. Iahre auf Befehl ihres Vaters den Capitän Farmer ehelichte, nach nur dreimonatlichem Eheleben mit einem Capitän Jenkins durchbrannte, unter dessen Schutz sie sechs Jahre lang lebte, bis der Earl of Blejstngton sie kennen lernte und sich so sterblich in die junge Schönheit verliebte, daß er dem Capitän, angeblich als Ersatz für die der Dame geschenkten Juwelen einen Cheque für 10.000 Pfd. Stlg. (50.000) schickte und sie heirathete. Ein so schwelgnisches Leben führten derGraf und seine Frau in London und auj Reisen, daß selbst das Jahreseinkommen von 5150,000, das der Graf aus seinen irischen Landgütern zog, den Bedürfnissen und Anforderungen des Ehepaars nicht genügte. Die Glanzperiode der Gräfin hebt aber eigentlich erst nach dem Ende des Earl an. der in Paris einem Schlaganfall erlag. Auf ihren Wittwengehalt, armselige 2000 Pfd. $10,000 angewiesen, öffnete sie erst in Seamore Place ihren Salon, in dem sich Minister, wie Lord Palmerston, Politiker vom Schlag des Benjamin Disraeli, Literaten wie Dickens, Landor, Lzrd Lytton, Schauspieler wie Macready, Künstler wie Landseer. Schec. Archer, Wilkie. Dichter wie Rogers. Campbell und Moore zusammenfanden. Disraeli. Englands nachmaliger PremierMinister, stand hoch in Lady Blessington's Gunst und in einem aus dem Jahre 1834 datirten Briefe fragt er sie um Rath über die französische Literatur, ob er Sand lesen solle, ob Balzac, und als er sich um den Eintritt in den hochconservativen Carlton - Club bewarb, bat er seine Gönnerin, für ihn Stimmen zu werben und er wurde aufgenommen, allerdings nicht ohne heftige Opposition. Daß der König der Dandies, der Graf d'Orsay, im Salon dieser berühmten Dame verkehrte, die ihr mageres Einkommen dur Abfassung von Büchern über Schönheit und heute gänzlich vergessenen Romanen zu vermehren suchte, ist nur natürlich: weniger natürlich war seine unglückliche Ehe mit der Stieftochter der Gräfin. Der Scandal beschäftigte sich mit dem Haus in Seamore Place in ausgiebiger Weise, und nicht ohne Grund. Dann zog Lady Blessington aufsLand, wie sie ihrem Freund Landor schrieb, nach Gore House, in 5lnsington, wo sie zu ihren intimen Freunden auch den Prinzen Louis Napoleon zählte, der ihr einige Jahre später vom Schlosse Ham aus, wo er als Gefangener saß, einen Brief schrieb, in dem er sagte. daß er keinen Wunsch habe, seinenPlatz zu verlassen, denn ich bin hier an meinem Platz." Aber die Freundin Lord Byron's denn auch dieser Dichter hatte sie gekannt konnte den Prunk in Gore House nicht mehr lange fortsetzen, obschon ihr Charles Dickens, der ersteRedacteur der vor gerade 50 Jahren gegründeten Ddly News-, für die seiner Zeitung gelieferten ausschließlichen Mittheilungen einen Jahresgehalt von 800 Pfd. (54000) zahlte, der unter Forster auf 500 Pfd. reducirt wurde. Gore House mußte gegen Gerichtsvollstrecke? und Gläubiger wie eine belagerte Festung verbarricadirt werden, und der Concierge gab nur solchenPersonen Zutritt, die ihm als Freunde der Gräfin persönlich bekannt waren. Und in einer dunklen Nacht entfloh Lady Blessington in Gesellschaft 'des Comte d'Orsay nach Paris. Ueber 20.000 Personen besuchten die Prunkgemächer des herrlichen Palais an den drei der Versteigerung des Mobiliars vorausgehenden Tagen. In fremder Erde ruht sie. deren LebensabendManches mit dem Ende der berühmten Lady Hamilton, der Geliebten des Lord Nelson gemein hat ; ihre Ueberreste auf dem Kirchhof in St. Germain - en - Lain deckt ein Monument. auf welchem ihr Freund, der Dichter Borry Cornwall, in schwülftigen Versen ihre Tugenden lobt. Freundlicher Ttern. Von Julius Sturm. Freundlicher Stern, Ewig mir fern. Wandelst du hoch am Himmel die Bahn, Nur mein Blick kann grüßend dir . nahn. Doch auch du Senkest mir zu In mein stilles, nächtliches Thal - Grübend aus fernen Hohn deinen Strahl. Zeit und Raum . Sind nur ein Traum? Scheiden können die beiden uns nicht. Spiegelt sich doch mir im Auge dem ' Licht. ' Zweideutig. Meyer: Sie, gerr Hirsch, der Lieutenant da drü!:z si:ht Ihnen wirklich etwas ähnlich. Geldjude Hirsch: Ja, ja, er hat auch was von mir!
