Indiana Tribüne, Volume 19, Number 205, Indianapolis, Marion County, 12 April 1896 — Page 7

Vom Pferd auf den Gftl.

Humoristische Erzählung von Fritz Reu ter; in's Hochdeutsche übertragen von Carl Claussen. Ein alter Mantel hält wärmer, als die neumodischen dummen Tinger von Plaids; ein ehrlicher alter blauer Rock mit langen Schöben sieht besser aus, als die wunderlichen Tinger, die man jetjt trägt hinten nichts, vorne nichts ; und in einem Paar alter Stiesel geht man viel bequemer, als in neuen, zumal wenn man mit Hühneräugen gesegnet ist. Und Hühneraugen hat heutzutage Jedermann, den Einen drücken sie hier, den Anderen da. So denke ich heute, in älteren Iah' rcn: aber als ich ein Junge war von etwa 12 Jahren, da ergings mir, wie allen Kindern: Immer etwas Neues! Hatte ich ein neues Messer bekom men oder eine neue Armbrust, dann trug ich die Sachen drei, vier Tage lang mit mir herum, als wären sie mir an getraut, später ließ ich sie liegen, oder ich verlor sie, oder ich vertauschte sie, dann hatte ich doch wieder etwas Neues. Und von dieser Lust am Neuen kam ich zum (Gefallen an der Tauscherei und von der Tauscherei hätte ich wohl noch zu etwas Schlimmeren kommen können, hätte unser Herrgott nicht ein Einsehen gehabt und mir von meinem alten n sei zu rechter Zeit ein paar tüchtige Ohrseigen verabfolgen lassen. Zu jedem richtigen Tauschhandel ge hören Zwei, ein Kluger und ein Däme liger. Für Beide kann die Geschichte schlimm genug werden: Bei dem Klugen biegt sich das Häkchen schon zeitig zum Spitzbuben, bei dem Tämeligen zum Bettler. Ich mochte mich wohl, ohne mir des sen bewußt zu sein, ein wenig nach der letzteren Seite hinneigen, denn zu den Gescheidten hat man mich nie stark ge rechnet, und wenn ich meine BermögensUmstände in Betracht ziehe, kann ich nicht eben widersprechen, -r- Nun, wie mein Freund, Herr Gastwirth Gollenrcider in Treptow, sagt: dem sei nun, wie ihm wolle' die Maulschellen hatte ich weg, und weil in meiner Vaterstadt das Lübische Recht galt, so mutzte ich sie auch behüten. Weshalb ich aber die Ohrfeigen be kam, das hängt so zusammen. Ich hatte einen prächtigen Kanin cheN'Bock, bläulich, mit weißem Stirn fleck, und dies Kaninchen hätte mein bester Freund, Fritz Risck, gerne gehabt. Fritz Risch und ich handelten immer mit einander und ich hatte von ihm schon einen ganzen Vorrath von allerlei Herrlichkeiten erhalten, nur Schade, daß ich nicht so recht wußte, was ich mit denselben anfangen sollte. Diesmal bot er mir für mein Kaninchen acht Schachfiguren, drei ausgebla sene Hühnereier und eine halbe Lichtscheere, und ferner sollte ich noch einen Ableger von Tante Rümpler's Teckel bekommen, wenn der Junge kriegte, wa aber, wie ich nachträglich in Er fahrung brachte, wohl nicht gut der Fall fein konnte, weil es ein männlicher Hund war. Alles Uebrige gefiel mir sonst ganz gut, nur die Geschichte mit der halben Lichtscheere wollte mir nicht so recht in den Kopf und ich sagte zu meinem Freund: Fritz, was soll ich mit dem alten halben Ding?" Jh," sagte er, diese halbe Licht scheere habe ich gefunden, als ich gestern auf dem AmtsBauhofe hinfiel: Du kannst ja die andere Hälfte dazu finden und dann das Ganze für acht Groschen verkaufen." Freilich, das hätte ich wohl thun können, aber ich war schon oft gefallen und hatte noch nie etwas gefunden, und die Sache war mir doch bedenklich. Er aber ließ nicht locker und sagte: Fritz," denn ich heiße auch Fritz sieh' mal, mein Vater ist nur ein Schmied, und Dein Vater ist ein Bürgermeister, warum solltest Du nicht gerade so gut etwas finden, als ich?" Das war allerdings wahr, der Handel wurde also abgeschloen. und er geht. Als er als aber jetzt mit meinem Kaninchen aus der Gartenpforte hm ausgeht und id) noch so dastehe und meine acht Schachfiguren, meine drei asgeblasenen Hühnereier und meine ijülbe Lichtscheere besehe, da schwabs, schwabs! erhalte ich zwei derbe Maulschellen: und als ich mich umsehe, steht da meiner Mutter Bruder, Onkel Mattlzias, der hinter einem Apfeldaum ge sessen und den ganzen Handel mit angehört hat. Mein Onkel Matthias war ein alter Soldat und hatte närrische Gewöhn heiten; es schlug immer zuerst, und erst nachher gab er seine Gründe dafür an. Er war in Ungarn und in Polen gegewesen und hatte die Welt gesehen und wußte viele Geschichten zu erzählen; das Schlimme aber an seinen Geschichten war, daß sie stets eine Nutzanwendung hatten. Die Hütte ich ihm nun gerne geschenkt, denn wenn er bei derselben angekommen war. da gab es immer einen Katzenkopf, damit wir die M?ral besser behielten. Als ich meine Ohrfeigen weg hatte, setzte sich mein Onkel Matthies auf die Bank unter dem Apfelbaum und sagte: Junge, weißt Tu, warum Tu den Denkzettel bekommen hast?" Nein", sag' ich. Onkel: Du hast ja noch leine beschichte erzählt." Ti? kommt natürlich noch," sagt er. $en Tenlzettcl hast Tu erhalten wegen Deiner Hanbelöwutl?, denn so viel ich weiß, will Dein Vater aus Dir keinen Roßkamm erziehen. Und jetzt komm' her und höre die Geschichte: Als ich noch ?u PetarwardeiN bei den Ungarischen Ut.lanen stand, spürn wir bei der Schwaoron einen hittmeister', das war ein tterl wie ein Dreikäsehoch uud hatte einen kleinen Verdruß zwi schen den Schultern, und da Kerlchen war heftig und zänkisch und mußte immer etwas Neues haben und saß so voll von Launen, wie der Esel voll grauer Haare, . und wenn er in den

Rinnstein gefallen war, so ruhte er nicht eher.. als bis er auch im Graben lag, und hatte er heute Stiefel an, so müßten es morgen Schuhe sein nnd übcrnlorgcn Pantoffeln. Und dabei war die .röte reich, und die Tummhci ten, welche sein Gänsekopf ersann, tonnte sein Geldbeutel wohl aushalten, wenigstens eine Zeit lang. Was war denn nun wohl natür lichcr, als daß unser kleiner mißgstalte ter iittmeister immer einen ganen Schw.'rm von hungrigen Kameraden um )vi) hatte, die an ihm hingen wie die Kletten, die an ihm sogen wie die Blutegel und hinter seinem Rücken über ihn lachten wie die Spit-buben. Einer von dieser Brüderschaft redete ihm ein, daß es das größte ergnügen von der 'clt sei. in einer verschlossenen GlaSkutsche 31 sitzen, (5iner hinten draus. Einer vorne drauf und dann mit vier Pferden die Landstraße immer au und ab. Das gefiel unserem kleinen Rittmeister. das hatte er noch nicht versucht, das war ihm noch etwas Neues und. wie mein Freund, der Schuhmacher arr.kow zu Nostock zu sagen pflegte, folglicher Weise" wurde die Glaslutsche mit den Mühren angeschafft, und das größte Vergnügen auf dieser Welt nahm feinen Ansang, aber auch bald ein Ende; denn wenn unser kleiner Wippwupp von Rittmeister in der Glaskutschc saß und von einem Fenster zum anderen herüberhüpfte, wie ein cartesianischeS Teufelchen in der Medizinflasche, dann blieben die Leute stehen und lachten, als hätten sie einen Affen gesehen. Nach drei Tagen war ihm schon die Sache etwas Altes, und es war ein rechtes Glück, daß sich der Oberst von dem Regiment eine junge Frau genom men, und daß diese sich eine Glaskutsche mit vier Pferden, mit Einem hinten drauf und Einem vorne drauf in den Kopf gesetzt hatte. Der Oberst hatte nun aber nichts weiter als sein Ossi ziersgehalt. und Jahre hindurch hatte er in den Fcierabendstunden immer das schöne Lied gesungen: ..Die Trakta mentcn, die seind gar zu klein. " Er hatte aber immer danach getrachtet. seine'Einnahmen zu verbessern und so hatte er denn auch drei Tage vor sei ner Hochzeit einem ungarischen Grafen im Würfelspiel eine Kalesche mit zwei Pferden abgewonnen, von denen das eine dumm war. Er geht also zu meinem kleinen Ritt meiste? und malt ihm recht süß vor, welches Vergnügen es bereite, selbst zu kutschiren; und weil nun das, waS zu einem richtigen Tauschhandel gehört, hier zusammen kam, nämlich ein Kluger und ein Dämeliger, so wurde der Han del abgeschlossen, die gnädige Frau Oberst erhielt eine Glaskutsche mit Einem hinten drauf und Einem vorne drauf und mein Herr Rittmeister be kam die Kalesche und den Dummen. Und eines Tages, als ganz Peterwa? dein an nichts Böses dachte, setzte sich mein kleiner Rittmeister auf den neuen Wagen und fuhrwerkte der Frau Oberst mit der Deichsel und dem Dummen in'S Fenster hinein. Das gab denn nun einen gewaltigen Lärm und der Adju tant des Herren Oberst, oder richtiger gesagt der Frau Oberst, kam heraus und fragte den Rittmeister, ob ihn der Teufel reite. Rein," antwortete der kleine buckelige Offizier, mich nicht, aber die Mähren." Und nun besprechen sie die Geschichte, reden ein Langes und Breites hin und her und auS dem Reden wird ein Handeln und aus dem Handeln wird ein Tausch, und der Adjutant war auch Einer von de ncn, die sich darauf verstehen, und die es so einzurichten wissen, daß ihnen nichts Schlimmes auf die Leine kommt, wenn sie Hunde zu leiten haben. Das Ende war. mein kleiner buckeliger Ritt meiste? bekam für feine Kalesche und die beiden Mähren ein Reitpferd, einen Grauschimmel, der, wenn er vorne so gebaut gewesen wäre, als er hinten sein sollte, nichts zu wünschen übrig ge lassen haben würde. Diesen Grauschimmel kannte ich aber ganz genau, ich hatte ihn im Jahre vorher mit der Remonte aus der Vuko wina geholt: und saß in den beiden Kutschpferden des Rittmeisters e i n dummer Teufel, so saßen in dem Grauschimmel zehn glühende Teusel und Fcuerfresser und in der Reitbahn ging er mit den Sanbsäcken mit allen vier Beinen zugleich hoch in die Luft hinein, und in Wahrheit war er zu garnichts in der Welt zu gebrauchen.

als im Stalle zu stehen, Hafer zu fres schen und den Leuten die Schienbeine entzwei zu schlagen. Also gut!. Diesen werthvollen Grau schimmcl handelt sich also mein kleiner Rittmeister ein, und eines Tages setzt er sich darauf und reitet durch die Straßeu. aus Peterwardein heraus. reitet ins Feld, und die zehn Teufel in dem Schimmel reiten mit, aber sie schlafen; und der Schimmel trabt ge mächlich den Weg entlang, wie de5 Schreibers Block alte schwarze Stute. Mein buckeliger Rittmeister reitet und denkt an nichts; da kommt über das Feld ein Jäger dahergegangen mit einem Hunde, und mein kleiner Ritt meiste? denkt aerobe darüber nach, warum der Hund wohl da gehe und warum der Jäger wohl da gehe, und ob der Hund wohl mit dem Jäger gehe. obrr der Jäger mit dem Hunde, und grübelt uch so tles IN Gedanken hinelN, da plötzlich erwachen die zehn Teufel, im Grauschimmel und reiben sich die Au gen und bauö liegt mein kleiner buckeliger Nlttmclster m einem Graben. Und hiervon, mein Sohn", sagte mein Onkel MatthieS zu mir. hier von " Und ich dachte, jetzt käme seine fatale Nutzanwendung und daher duckte lck mich. wenr, "gle er. .noch nicht; die Geschichte ist noch nicht iu Ende. viervon, mein isoyn. stammt daS Räthsel her: Wann kom. men Berg und Thal zusammen? Und die Antwort darauf lautet:. Wenn ein

Buckeliger in einen (Lraden saut.Der 'tollgewordene Grauschimmel lies ohne Aufhören im Kreise um die Stelle herum, wo der Herr Rittmeister lag und schlug hinten und vorn aus und schnob und wieherte, und die zehn Teufel in ihm hielten den Schwanz hoch in die Höhe. Mein kleiner Äitt

meiste? sammelte endlich, so gui es ging, seine Knochen aus dem (Graben zusammen, spuckte Feuer und Fett und riß dem Jäger das Gewehr von der Schulter. Zornig rief er : ..Wart', Eanaille. wir sind noch nicht fertig miteinander !" wie der Truthahn zum Re' genwurm sagte, als sich derselbe in feinem Schnabel krümmte und wand, und er wollte sofort daS Pferd er schießen. Aber der Jäger fiel ihm in den Arm und bat ihn, er solle das Thier doch verschonen, es sei doch nur eine unvernünftige Creatur und besitze ja keinen Verstand, und als mein Hei ner Rittmeister hoch und heilig schwur, er wolle den Schinder nicht mehr vor Augen sehen, da schwur der Jäger noch dreimal mehr, das solle er auch gar nicht, er selbst wolle das Pferd mitneh men und wolle ihm seinen Jagdhund dafür geben, und schließlich gelang es ihm denn auch, den Rittmeister zu be schwichtigen. So wurde denn auch dieser Tausch abgeschlossen. Ais auf den Hund war er nun schon mit seiner Sucht nach etwas Neuem und mit seinem Hang zum Tauschen gekommen; ab.'r er sollte noch weiter kommen. Mein kleiner Rittmeister verstand von der Jagd just so viel, wie die Kuh vom Sonntag: aber dem braungefleck ten Köter zu Liebe wurde er ein großer Jäger, kroch in ein Paar mächtige Was ferstiefel hinein, klimperte in.N knackte einen ganzen Morgen an dem Schloß von einem doppelläufigen Gewehr her um, schoß sich vor den Augen der gan zen Schwadron mit beiden Läufen durch die .Hutkrempe, daß es nur so prustete und ging dann, als sei er ein vollende ter Nimrod, auf die Hühnerjagd. Ich war damals schon Wachtmeister, war die Mutter der Schwadron und hatte den Knopf auf dem Beutel, d. h. ich konnte die Herren Offiziere mit Bor schuß züchtigen oder sie loseisen und da für nahmen sie mich denn manches Mal mit auf die Jagd, und ich war thöricht genug mitzulaufen, denn ich hatte nichts davon als müde Beine. Wir gingen also, mein kleiner Ritt meister und ich, zusammen und ich war klug genug, ihn immer drei Schritt vor mir vorauf gehen zu lassen, denn ich dachte: Deine Waden und was darüber sitzt, sind nicht seine Hutkrempe. Und mein kleiner Rittmeister, der rief seinem Hund und pfiff ihm und streichelte ihn und prügelte ihn und riß ibm beinahe die Ohren ab und ließ ihn suchen und apportiren und stellte mit ihm so viele Geschichten an, daß darüber auch ein wahrer Engel von einem Hunde hätte die Geduld und den Verstand verlieren müssen. Pluto wurde denn schließlich auch so duselig, daß er ging, wenn er stehen sollte, und daß er stehen blieb, wenn er gehen sollte, und der Herr Rittmeister knallte rechts und links vor bei, und Pluto bekam immer die Schuld und schließlich wollte der Ritt meister ihn erschießen. DaZ that mir nun aber doch leid und ich sagte: Herr Rittmeister, der- Hund ist noch jung, er ist noch nicht ordentlich dressier, über lassen Sie mir den Hund, ich gebe Ihnen diesen Pfeifenkopf dafür. Sehen Sie, auf demselben ist ein Bild der be rühmten Stadt Criwitz in Mecklenburg; die? hier links soll der Kirchthurm sein und dies Punktirte hier rechts sind die Weinberge.Nun wußte ich, daß er eine große Sammlung von Pfeifenköpfen hatte. Pfeifenköpfe mit den Bildern von Wien und Ofen und Trieft und allen mög lichen anderen Städten, aber Eriwitz hatte er noch nicht, und darum war seine Neugier wieder einmal wach ge worden und er tauschte. Bald darauf gehen wir nach Hause und er raucht aus seinem neuen Pfci fcnkopf. Als wir nun so in das Thor, von Peterwardein kommen, da kitzelt und iuckt es mich so inwendig und ich sage:' Herr Rittmeister, wissen Sie auch, woraus Sie eigentlich rauchen?" Er sieht mich verblüfft an und sagt: Aus einem Pfeifenkopf" ". Nein", sage ich, aus einer Glas kutsche - mit vier Mähren und Einem hinten drauf und Einem vorne drauf" und ich mache ihn nun aufmerksam auf seine Tauschlust. Da nimmt er plötz lich die Glaskutsche mit den vier Mäh ren und Einem hinten drauf und Einem vorne drauf und die Kalesche mit dem Dummen und den Grauschimmel mit den zehn Teufeln und den jungen Hund und den Pfeifenkopf mit der Stadt Criwitz und allen ihren Weinbergen und schmeißt Alle wider einen Stein: m Dann will ich den Quarck auch nicht!"" So trieb er's weiter, bis er nicht einmal mehr einen Quarck an einen Stein zu werfen hatte und all' sein Unglück kam von seiner Neugier und seinem Hang zum Tauschhandel. Mein Onkel Matthies stand nun auf und als ich mich wieder duckte wegen der Moral, da sagte .er: Na. diesmal will ich Tlr die Nutzanwendung schen !en: aber besieh' Tir Deine Scharteken einmal genau, die Du für Dein schönes Kaninchen bekommen hast; und was den zunaen Hund von Tante Rump ler's Teckel anbetrifft' so merke Dir das Sprichwort: Was hinterherkommt. beißt der Wo!f!" Und er ging zum Garten rnnauZ. ! Ich stand nun .da und besah meine tarlicbtciteii und kam zu der Einsicht, daß ich. ein großer Thor gewesen 'war und von dieser Stunde an gab ich die Tauscherei auf. Aber mit dem Gelüste nack Zimmer etwas Neuem" hat es bei mir noch lange gedauert lange lanae! Viele Dummheiten. v;::e Thorheiten find aus dem Ei herausge krochen. Jetzt, glaub' ich, bin ich damit fer' tia: iekt drücken mich die neuen Stie

sel.' seilt ist mir der 'neue Rock unbe I

ouem. iekt auälen mich die VMtn Ge-! sichter; ich wollte, lch säße wieder unter dem alten Avielbaum. ich hörte wieder die alten Geschichten und mein Onkel Mattbies gäbe mir wieder einen Denk zettel! Jetzt würde lch mich besser' dar. nach richten. Eine grausige Fahrt. Hätte ick sie nicht geliebt, so wäre eS vielleicht anders gekommen. Wer kann es wissen? Ein Wirt, ein Lächeln, ein Druck der Hand kann manchmal unser Schicksal bestimmen. War es meine Hand, die an jenem Tage Matt DcaneS Schicksal besiegelte, oder hätte ihn das Verhängniß doch ereilt, gleichviel ob ich oderein Anderer da oben stand? Im innersten Herzen weiß rch, daß keine Macht der Erde ihn hätte retten können und doch wage ich nicht mir Antwort auf die Frage: Habe ich feinen Tod ge wünscht? zu geben. Eins ist sicher: habe ich gesündigt, so genieße ich wenig sten-3 die Frucht meiner Sünde nicht. Meine Liebe zu Ally ist das Glück meines Lebens. Jeder, der sie sah, mußte sie lieb haben. Das süße, zarte Gesicht mit den dunklen, sanften Augen von blondem Haar umrahmt, die helle Stimme, ihr freundliches, herzgewin nendes Wesen, ihr sonniges Lächeln waren unwiderstehlich. Als sie mir eines Tages glückstrahlend mittheilte, daß sie Matthew Deane heirathen' wollte, stand mir das Herz still und ich glaubte, ich müffe sterben. Wir kannten uns von Jugend auf und waren seit lange die besten Freunde. Sie weiß noch heute nicht, daß ich sie liebe. Den Schmerz, den ich bei ihren schüchternen Worten empfand, war zu gleich mit einer großen Bitterkeit ge mischt, daß gerade dieser unwürdige und lasterhafte Mensch sie heimführen sollte. Nur ihre Schönheit liebte er und war gar nicht im Stande, die Tüchtigkeit, Güte und Geduld, die in ihrer Natur lag und sich in tausend kleinen Zügen offenbarte, zu schätzen, obgleich er sie in späterer Zeit auf eine harte Probe stellte. Aber ich sagte kein Wort. Ich hielt nur ihre kleine Hand, die nun einem Anderen gehören sollte, einen Augen blick länger als sonst in der meinen. Ich lächelte sogar und wünschte ihr Glück. Matt Deane war ein hübscher, ge wandte? Mensch, immer nett gekleidet, ein guter Tänzer und von allen Mäd-. chen gerne gesehen. Er war Schreiber bei der Eisenbahnverwaltung. Ich dagegen war Lokomotivführer und bin immer ein plumper ehrlicher Kerl gewe sen, der jeden Abend bestaubt und er müdct nach Hause kam; ich konnte nicht tanzen und verstand es auch nicht, schöne Worte zu machen, wie er, und Niemand kümmerte sich viel um mich und meine Ehrlichkeit. Seit Ally mit ihm verheirathet war, ging ich noch weniger als sonst unter Menschen, ich that meine Pflicht nach besten Kräften und lebte einsam weiter. Allys Glück dauerte nicht lange. Matt vernachlässigte sein Weib mehr und mehr, er lungerte tagelang in den Wirthshäusern umher und verlor end lich seine Stelle. Nach kaum scchsjäh riger Ehe war Ally nicht wieder zu er kennen: ihre Wangen waren eingefal len, ihre Augen verweint und das schöne Haar von weißen Fäden durch zogen. Was Matt an ihr geliebt hatte, ihr hübsches frisches Gesicht, ihre Iugeud. war dahin; Sorge und Krank heit hatten sie vor der Zeit alt gemacht, und sie war ihm gleichgiltig geworden. Sie aber liebte ihn noch immer, wie ich sie. Sie war mir krank und. verblüht eben so theuer wie als junges, blühendes Mädchen, oft sah ich sie am Fenster stehen und ihm nachsehen, wenn er schwankenden Schrittes die Straße herabschritt. Und oft, wenn . ich um Mitternacht den Schnellzug geführt hatte und durch die kühle Nacht meiner einsamen Wohnung zuging, fand ich Matt betrunken im Rinnstein liegen. Dann brachte ich ihn, so gut eS ging nach Hause, um Ally's Willen. Es dauerte nicht lange, so war Matt in Noth und bat mich, ihm zu helfen. Ich legte regelmäßig ein hübschesSümm chen zurück und borgte ihm so oft er mich darum bat, obgleich ich wohl wußte, daß ich keinen Pfennig davon je wiedersehen würde. Als er nicht länger im Stande war die Miethe zu bezahlen und der Gerichtsvollzieher an die Thür klopfte, kaufte ich daS kleine HauS mit sammt dem daranstoßenden Gärtchen und ließ ihn ruhig weiter darin wohnen. Der Garten zog sich der Bahnböschuna entlang, und Nacht für Nacht, wenn ich v n i"iti. r i. -.- oen cyneuzug suurie, lay iq oaslcyl, bei dem Ally noch tief in der Nacht nähte, durch die kleinen Fenster schim mern. Ich sorgte dafür, daß das bau fällige kleine HauS ausgebessert wurde und manche Nacht, wenn ich vom Dienste kam, habe ich damit zugebracht. den verwilderten Garten in Stand zu setzen, wie es eigentlich Matts Pflicht gewesen wäre. Sie ahnte nicht, daß ich es war, der dafür sorgte: sie glaubte. es wäre Matt, und oft wunderte ich mich, daß es nicht herauskam; aber er war selten nüchtern und verstand wohl kaum, was sie zu ihm sagte. Manchmal, wenn ich einen freien Abend hatte, besuchte ich Frau Deane. Tann schaukelte ich die Kinder auf mei nen Knieen und sie holten lachend und jubelnd die Aepsel und Nüsse, die ich für sie mitgebracht hatte, aus meiner Rocktasche. Sie liefen mir entgegen, sobald sie mich von weitem kommen sahen und auch Ally sah mich gern, hauptsächlich wohl, weil ich denKindern Freude machte oder weil meine Besuche das traurige Einerlei ihres Lebens unterbrachen, ich selbst war ihrNichts; und es war gut so, denn nicht um die Welt hätte ich Ally anders haben mögen, als sie war: Die stille, kränkliche, blasse, alternde Frau war für mich das ScbönI ste, Beste und Höchste auf der Welt. FlliaLmanchmal.wenn ich durch die

kleine Gartenthür Uder die Strecke nach Hause ging, stieg es mir beiß in die

Augen vor Mitleid mit ihr und mit mir: Manchmal wäre ,cb am liebsten auf und davon acaanacn wollte Gott, ich hätte es gethan! Aber dann würe sie ganz unbeschutzt zurückgeblicden und o ging ich ruhig im alten Ge leise weiter. Endlich aber kam eine Nackt, die ick mein Lebtag nickt vergeben werde. Ich hatte den Abendschnelllua m sabren. der sich um ein Beträchtliches verspätet hatte, und um die verlorene Zeit emzu bringen, fuhren mir mit erhöhter Ge schwindigkcit. Es war eine klare Mondnacht, keine Wolke am Himmel und so hell, daß man die Blätter der Bäume zählen konnte. Wir näherten uns der Böschung, an der Allys Haus lag, und ehe ich, wie jeden Abend zu dem erleuchteten Fenster niedersah, blickte ich die Strecke entlang. Aber dieser eine Blick machte mein Blut zu ils erstarren! In der Mitte der Schienen, gerade auf dem Geleise, das der Zug Passiren mußte, lag eine dunkle Maffe; es mußte ein Haufen Steine oder eine Anzahl Eisenbahnschienen sein, die irgend ein teuflischer Verbrecher auf das Geleise geworfen hatte, um den Zug zur Entgleisung zu bringen. Warum? Wer konnte kaltblütig Hun derte von Menschenleben dem sicheren Tode leihen wollen? In einem Augenblicke flogen diese Gedc'-.iken durch meinen Kopf, während wir uns mit rasender Schnelligkeit näherten. Plötzlich sah ich. daß der dunkle Gegenstand weder ein SteinHaufen noch eine Eiscnmasse, sondern ein Mensch war, der mitten auf der Strecke lag, das Antlitz voll vom Monde beleuchtet. Ich ließ die War. nungspfeife so schrill und laut ich konnte, ertönen; der Mensch mußte entweder todt oder sinnlos betrunken sein, denn er rührte sich nicht. In die sem Augenblicke erkannte ich seine Züge Großer Gott im Himmel! eö war Mathew Deane, der wenige hundert Schritte vor dem dahinrasenden Zuge lag! Ich wußte, was geschehen mußte! Keine Macht der Erde konnte Matt retten, die Räder des ZugeS wür. den ihn zu einer formlosen Masse zer malmen, denn es war unmöglich, den Zug zum Stehen zu bringen, ehe er über seinen Körper hinweggegangen war. In diesem furchtbaren Äugen blicke schien mir die Maschine, die ich liebte wie der Reiter sein Roß, ein lebendiges, flammensprühendes Unae thüm, daß sich auf sein wehrloses Opfer stürzt. Und dann, dann durchzuckte mich plötzlich, wie ein Blitz, der Gedanke, daß Ally nun frei würde, frei für mich und mein Herz jauchzte! nur einen Augenblick: Im nächsten schauderte eS vor Entsetzen, denn deut lich, als fei eS schon geschehen, sah ich vor mir die blutige, formlose Masse deö Mannes, der einst mein Schulkamerad gewesen war, den Ally liebte, der der Vater der kleinen, unschuldigen Kinder war, die mich vertrauensvoll verehrten! Alle diese Gedanken fuhren schnell wie der Blitz durch mein Gehirn, in dem Augenblick, in dem ich den Liegenden erkannt hatte! Wir näherten uns mehr und mehr der,Stelle. Wie der Mann lag, mußte sein Ende ein fürchterliches sein; erst das Erwachen, dann das Erkenntniß seiner Lage und dann mußte die Maschine der Länge nach über seinen ganzen Körper, ihn zermalmend, hin weggehen. Ich konnte ihn nicht mehr retten, ich konnte nur Eins thun: den Augenblick der entsetzlichen Qual abkürzen, indem ich mit vollem Dampf in rasender Schnelligkeit das Unabwendbare vollendete. Ohne Besinnen hob ich die Hand und öffnete den Regulator auf Volldampf. Wie der Pfeil vom Bogen, wie die Kugel aus dem Lauf schoß der Zug über die Strecke es wurde dunkel vor meinen Augen be wußtloS fing mich der Heizer auf und führte den Zug weiter. Ich lag wochenlang im Fieber. Ich phantasirte nicht, ich sah nur Tage und Nächte lang nichts als eine ungeheure Blutlache auf meiner Bahnstrecke. Ich sprach wochenlang kein Wort, ich hatte nur den einen Gedanken: Du hast Allys Mann gemordet! Hatte ich es gethan? In Gedanken wenigstens? Woher der Freudenblitz, der mich bei dem Gcdan ken, daß Ally nun frei sei, durchzuckte? Welches war der geheimste Gedanke, der mich zur Beschleunigung der Katastrophe trieb? Diese quälenden Fragen war ich nicht im Stande zu beantwor ten. Die erste, die ich erkannte, als das Fieber mich verließ, war Ally, die mich, unserer alten Freundschaft eingedenk, getreulich gepflegt hatte. Als sie er fuhr, daß ich infolge fener Schreckens nacht, die sie mix Wittwe aemackt batte. krank darniederlag, kam sie täglich zu mir. Aber ich sah in ihr nicht mehr die Ally, die ich liebte, sondern nur das Weib des Mannes, den ich ums Leben gebracht hatte. Doch die Zeit wirkt Wunder! Nach und nach gesundete ick und that wieder meine Pflicht, wie früher. Und auch Ally blühte wieder auf, denn ich ver schaffte ihr Arbeit - und half ihr, wo ich konnte. Sie weiß heute noch nicht, daß das Häuschen ncht ihr Eigenthum ist. Ich gehe täglich zu ihr. die Kin der lieben mich mehr denn je, und oft scheint es mir, als sei ich mehr wie ein Bruder für Ally. Aber jene Nacht steht wie kin Schatten zwischen uns. Vielleicht kommt der Tag. an dem ich ihr beichten kann und manchmal ist mirs, als müffe sie dann sazcn: Dem Herz ist so rein wie meines !" Aber der Tag ist noch nickt gekom men. Ich wage es nicht, sie als Richter anzurufen, ich kann mich nicht frei sprechen, ich lebe allein!.. . . . ' M i tz v e r st a n d e n. Was ? Sie, ein Vater mit sieben Kindern, gehen nach Helgoland zu längerem Kuraufenthalt?" Die Kinder laß' ich ja zu Hause!-

wie man in England helrailset. Die Mode mischt sich einmal in Alles, sie beherrscht den äußeren Menschen wie den inneren, sie schreibt uns ganz offenkundig unsere Manieren vor und heimlich auch die Gefühle, beeinflußt uns nicht allein in der Art, wie wir grüßen, sondern auch in der Art, wie wir uns verlieben. Und wer an diese moralische Allmacht der Mode nicht glauben, ihr nur innen materiellen Machtkreis zugestehen möchte, der lese die Mittheilungen, welche ein' Londoner Geistlicher er zähll einen starken Mittelstand in seiner Pfarre und traut alljährlich eine stattliche Zahl von Ehepaaren dem Mitarbeiter einer englischen Revue gemacht hat. Der Clergyman verficht den Grundsatz, daß in Ehesachen die Wahl der jungen Männer fast ausschließlich durch die Mode entschieden wird, und er führt auch Thatsachen zur Begründung des anscheinenden Paradoxons an. Von seinen Londoner und Provinzcollegen will er weit-

gehende Bestätigungen der Ansicht erhalten haben, daß es viel weniger Launen der Verliebten, als Moden des Beliebtseins gibt, und er ist auch nicht in Verlegenheit, Quellen solcher Moden anzuführen. Sport. Theater, Literatur üben nach seiner Meinung mehr Einfluß ' auf den englischen Junggesellen, als Liebe und Convenienzen; mitunter kommt der Einfluß, ohne daß man wüßte woher, ohne Motiv. die Mode in Heirathssachen ist da, weil sie einfach da ist. Einstmals so erzählt der Neverend suchten die jungen Leute mit Vorliebe Mädchen von zartem Aussehen und kleinem Wuchs, melancholische, poetische, schmerzverklärte Gesichtchen, ähnlich den blassen, leidenden Blumen. Junge Mädchen von solchem Aeußern waren damals die begehrtesten auf dem Heirathsmarkte Englands. Heute geschieht das Getheil; der Fortschritt des Sports hat jetzt unseren Freiern Werthschätzung eingeflößt für die starken, großgewachse?.en. rothwangigen Mädchen, die auf dem Vicycle. bei Cricket. Lawn-Tennis und Fußball ihren Mann stellen. Ein. Preis, den ein Fräulein heutzutage bei einer Sportsconcurrenz erringt, bringt ihr so viele Bewerber ein. wie eine große Mitgift. Ein Beispiel nur aus letzter Zeit: Acht junge Damen aus London-West. die trotz Schönheit und trefflicher Erziehung bisher keinen Mann gefunden hatten, bildeten einen Ruderclub nach Art jener von Oxford und Cambridge. Binnen zwei Monaten waren sie alle verlobt. Und wenn ich mit einem heirathswstigen Junggesellen über ein Mädchen spreche, fo geschieht es unter zehnmal neunmal, dah er mich fragt, ob sie groß und wie der Biceps ist und welchen Sport sie betreibt.. Die Publicität. führte der Pastor weiter aus. übt nicht geringeren Ein fluß, jene Publicität nämlich, die durch Porträts und Photographien in den Schaufenstern geübt wird. Die ersten Bilder jeder neuvermählten Lady beherrschen monatelang dieMode derEheschließungen. So waren lange Zeit das Ideal unserer freienMänner Ehegenossinnen von einiger Aehnlichkeit mit der Herzogin von Leinster, mit Lady Helene Vincent, Gräfin Warwick. Lady Randolph Churchill und zuletzt .mit der neuen Herzogin von Marlborough. Die mächtigste von Allen denn ihr Einfluß in dieser Hinsicht dauert noch fort jene, der die Mehrzahl dieser naiven und fugsamen Männerherzen zufliegt, ist ganz gewiß Lady Annesley, die junge Gattin des Grafen Annesley. Glücklich die jungen Damen, die ihr halbwegs ähnlich sehen: 'sie werden nicht lange unvermählt bleiben. In einem einzigen Monat kamen fünf junge Männer zu mir, um den Tag der Trauung zu bestimmen und keiner wußte feiner Braut ein anderes Lob zu singen, als dieses, das ihm genug schien: Sie hat einige Aehnlichkeit mit Lady Anneslcy". Einige Aehnlichkeit nur. etwas Vages, Unvollständiges, kaum Annäherndes und das genügt! Lady Annesley sei gesegnet für alle die auten Gefühle, die ihre Schönheit einflößt, für alle diese Heirathen. die sie stiftet, ohne es selbst zu ahnen. Dabei hatte keiner der 5 jungen Leute diese edle Lady gesehen, sie haben blos die Photographien in den Schaufenstern betrachtet und dazu noch sehr verschiedene, von verschiedenstem Werthe. von denen jede anders die Anmuth des Originals wiedergab. So hat sich jeder der Fünf seine Lady Annesley geschaffen, nach dem Bilde, das er gesehen, eine nach seiner eigenen Optik, und dieje Xttdy Änneöley lieh! wahrscheinlich der wirklichen nur wenia ähnlich. Ein dreißigjähriger Mann, verständig. gebildet, hat mir erklärt, er werde nur eine Frau hnrathen.die der Kunst lerin Sybil Sanderscn ähnlich ist. Der Einfluß der Theaterdamen in Hei rathsanaelegenheiten ist noch bedeutender als jener der Damen aus der vornehmen Gesellschaft, aber weniger nachhaltia. Und der Londoner Geist liche findet daS letztere leicht erklärlich: Die Junggesellen haben im Theater volle Gelegenheit, ihr Ideal aus das genaueste betrachten und kennen zu lernen; in Fge dessen begnügen sie sich nicht mit einer leisen Aehnlichkeit. sie verlangen die vollständige Gleichheit. Dann verändert sich der Eindruck, da oft die jungen Leute sich - unbewußt freilich mehr von einer ! Rolle, als von einer Schauspielerin begeistern lassen. Vor fünfzehn Jahren wünschte sich em Psarrnnd des Reve rend eine Gattin.' die der Schauspiele rin Langtry ähnlich wär?. Er hatte sie in einer, tragischen Rolle bewundert; als er sie dann in einer heiteren 'sah, ' war der Zauber sofort verflogen.' Vo-

riges Jhr traf e? ein Mädchen, das man leicht mit der , Schauspielerin Patrick-Campbell verwechseln konnte und da diese gerade sein Ideal war, heirathete er sofort die Doppelgängerin. In dieser Bccinflußung der Heirath'Mode lösen die berühmten

Schauspielerinnen und Sängerinnen einander ab: auf Mistreß Langtry kam Adelina Patti, dann Madame Calvs. jetzt ist es vornehmlich Mestreß Eames. Cafeconccrt. Ballet. Vaudcville. Fcerie sind fast einflußlos, eine Ausnahme bildet nur Miß May Yohe. Auch das ist erklärlich; denn nicht die bloße körliche Aehnlichkeit wird begehrt, sondern die Aehnlichkeit.durchgeistigt durch eine bestimmte Rolle, eine von einem Dichter geschaffene Heroine, und das Alles fehlt bei den oben erwähnten Kunsigathingen. Das nähert schon den von der Vühne ausgeübten Licbeszauber dem Literarischen. In diesem, der gleich häuflg ist bei Männern wie bei Mädchen, finden sich die seltsamsten Launen. Siele behalten aus ihrer leßten Lcctüre den Cultus für eine Romanheldin : ist der Roman nicht lllustnrt, dann haben sie volle 'Freiheit in der physischen Ausstattung des Ideals. machen auch große Concessionen in Vetreff des Alters, der Farbe der Haare, der Augen, des Teints, und halten nur an bestimmten Details fest. Ich lese keine Romane sagte der Pastor kann also auf diesei:: Gebiete den Zug der Mode nicht verfolgen; aber ich kenne eclatante Beispiele solchen Einslusses. Vor zehn Jahren wollten alle meine jungen Pfarrklnder Amazonen heirathen. Als ich Einem von ihnen ein wirklich ausgezeichnetes Mädchen lobte, frug er: Kann sie reiten?" Rein, sagte ich. Dann reden wir nicht weiter davon. Die Braut in diesem und diesem Roman reitet." Dann wünschten sie alle ein Mädchen, das einen Schiffbrüchigen gerettet, dann die natürliche Tochter eines italienischen Fürsten, später eine russische Nihilistin oder die Erbin eines Rajah. die aus politischen Gründen verbannt wäre. Und das alles voll Uneigennützigkeit. ohne Rücksicht auf die Geldfrage, ohne Anspielung auf eine Mit gift. In einem Punkte sind diese seltsamen Verliebten unheilbar: im Sor namen der Heldin. Das ist ehre eonditio sino qna non und ich sah schon wegen solcher Kleinigkeiten die passendsten Parteien zurückgehe. Ohne daß ich mir in literarischer Beziehung darüber Rechenschaft geben könnte, waren im Verrüfe der letzten zwanzig Jahre nacheinander die am gesuchtesten Vornamen: Sarah. Bianca, Dolores. Gabrielle. Ethel. Dorothea, Carmen, Pamela. Hermengarde, Lily, Annie natürlich mehr sremde als englische. Der Geistliche schloß mit bitteren Worten des Bedauerns, daß von Tag zu Tag die Zahl jener geringer wird, die einfach heirathen. um zu heirathen. das heißt aus Liebe und um zusammen glücklich zu werden. Alles, was er sagte, bezieht sich auf England und fast ausschließlich auf die MännerWelt. Es wäre gewiß interessant. Aehnliches über andere Länder und auch über die jungen Mädchen zu erfahren. Diese letzte delicate Enquete könnte aber sicherlich nur eine Dame machen. Zjaarsrisur in Japan. Gleich ihren abendländischen Collegen schwärmen die japanischen Romanciers in ihren Dichtungen für Damen mit schönem und wohlsrisirtem Haar. In der hübschen, aus alter Zeit stammenden Geschichte der treuen Ronin äußert der ästhetisch veranlagte Verschwörer Gihei zu seiner Gattin: .Wer würde daran denken, eine Frau zu seinem Weibe zu begehren, welche ihr Haar nicht schmuck in Ordnung hält?" Die originelle Haartracht der Japanerinnen beherrscht bekanntlich zur Zeit den europäischen Geschmack, der sich bezüglich der Frisur neuerdings immer mehr an das japanische Vorbild anlehnt. Eine Veranschaulichung dcr echten japanischen Haarfrisur dürfte daher nicht ohne Interesse sein. Die Japanerin hockt bei der Haarfrisur nieder und läßt ihr Haar von der Friseuse kunstgerecht ordnen. Diese entnimmt dem niedlichen, mit Schiebefächern versehenen Kasten von Goldlack die zierlichen Kämme, das wohlriechende Oel. die Nadeln und auch das zum Bepudern von Gesicht und Hals nothwendige weiß: Pulver, eü Product aus dem mehligen Samen der Jalapa. Dann geht sie an's Werk. Aber sie schafft keine Zöpfe und auch keine Löckchen. denn beide sind bei den japanischen Frauen niemals Mode aewesen. Auch wählt sie nicht die Frisur des lose und lang herabhängenden Haares, da diese nur von den Hofdamen des alten Kaiserhauses getragen wurde. Nein, nachdem sie das Haar gelöst, so daß es in blauschwarzer Fluth herabwallt, kämmt sie es sorglich aus. salbt es wohlduftend, streicht es aus dem Gesicht nach oben zurück. breitet es über den Ohren flügelartig in glatten Puffen aus. fügt zwischen diesen eine kleinere Puffe ein und schlingt es hinten aus dem Haupte zu einem Knoten. Nun fügt sie noch die Haarnadeln aus Metall und Schildpatt mit den zierlichen Blüthen. Vögelchen und Insekten, kleinen, bunten Bildungen aus Flitter, ein und die kunstgerechte Frisur ist fertig. Strafe. Einst hat sie Korbe nur vertheilt. Darüber ist die Jugend' ihr enteilt. Trüg' einer heut nach ihr Begehr: Sie gab' sich selbst als alte Schachtel her. "