Indiana Tribüne, Volume 19, Number 205, Indianapolis, Marion County, 12 April 1896 — Page 6

Zxür Geist und Gematy.

Freude fliegt in die Welt hinaus. Bricht jeb; Frucht und kostet jeden Wein. Riefe D'ch nicht das Leid nach HauS, Du kehrest immer bei Dil selber ein. So sind die Mengen! Sie suchen früh und spät Das Bittere im Kelche; Wer keine Klage hat. Der macht sich welche. Bei wem bleibt Kummer gern Und ioill am liebsten ruh'nZ Bei denen, die ihn warten Und ihm zärtlich thun. Was mit Ehren lohnt die Erde, Was mit Kränzen krönt die Welt. Ist nur eine Stundenblume, Die vor einem Hauch zerfällt. Doch die Pflicht, die treuerfüllte, Die die Menge nimmer preist, Einst an Deinem Sterbelager Steht sie als ein guter Geist. Zvas ist Schönheit? Wenn eine Mutter in Griechenland zu den Göttern betete, so flehte sie nicht zuerst um Gesundheit und Glück, um ewiges Heil und himmlische Gnade, sondern vor allem erbat sie Schönheit für ihre Kinder. In ihrem Lande war der ästk'etische Enthusiasmus so lebenbig, daß er noch heute wie ein leuchten der Schimmer über jenem kleinen Lande und jenen verrauschten Jahr Hunderten liegt und unendliche Sehn sucht" erweckt. Schönheit war Tugend unter dem tiefen gesättigten Blau des griechischen Himmels. Die Zeit rinnt, und di: Schönheit vergeht. Ein paar Jahrhundertc spä ter, und die Frage: Was ist Schön hcit? erhält eine andere Antwort. Sie ist grau, trüb und grämlich. Ter menschliche Körper ist nicht mehr das Gesäß vollkommener Schönheit, nein, er wird verachtet und beschimpft. Ter Neuplatoniker Plotin schämte sich so sehr, einen Körper zu haben, daß er sich nicht malen lasten wollte, um nicht seine Schande zu verewigen. Andere freu ten sich, daß sie jahrelang ihren Körper nicht angesehen hatten, und schließ lich erblicken andere ihr Jdcal in grüß licher Unsauberkeit und scheußlichen Verstümmelungen. Schönheit ist Sünde". Das Weib wird als die Pforte der Hölle bezeichnet und auf offener Synode behauptet, ein Weib sei kein Mensch", bis man aus der Bibel das Gegentheil bewies. Tiefe Bilder aus zwei Epochen zeigen knapp und scharf, welchen Wandlungen die Antwort auf die Frage, was Schön' hcit sei. unterworfen ist. In der That lassen sich für alle Epochen und alle Nationen die Beweise liefern, daß der Schönheitsbegriff umfassenden Vcrän derungen ausgeseht ist. Diese Er kenntniß hat die alte formalistische Aesthetik etwas in Verruf gebracht. In vielen sogenannten Aesthetiken" finden sich Zange und gelehrte Definitionen des Wortes schön", und Jahrzehnte hin durch hat man der Erkenntniß gehul digt, daß durch solche Definitionen die Frage: Was ist Schönheit? entschieden werden kann. Der berühmte Leipziger Professor Gustav Theodor Fechner nannte diese Versuche Systeme der Aesthetik von Oben", weil sie immer damit begannen, das Wesen der Schön heit mit einer einfachen Phrase zu be zeichnen, und die Erscheinungen danach maßen. Diese Art, Aesthetik zu tret den, hat unser naturwissenschaftliches Zeitalter stark verdrängt. Von der Erkenntniß ausgehend, daß die Defini tioncn der einzelnen Aesthetiker unter einander differirten, daß jede von ihnen angreifbar oder gar falsch war, daß sie keinen Halt boten in der Flucht der ästhetischen Erscheinungen, hat man versucht, von Unten" um mit Fech ner zu reden eine Aesthetik aufzu bauen. Wenn man sieht, wie sehr die Schön heitsideole der Völker und Zeiten sich wandeln, erscheint es klar, daß eine all gemeine prägnante Erklärung des Be griffcs ..schön" eine aussichtslose Arbeit ist. Deshalb begnügt sich die ..Aesthetik von Unten" zuerst mit der Beantwor tung der bescheidenen Frage: Welche Gegenstände werden als schön empfun den?" Auf diese Frage weiß jeder Antwort zu geben, der Dorsbewohner und Städter, der Knabe und der Greis. das Mädchen und die Matrone, der Bettler und der Fürst, der Auftralneger uno der Pariser. Und dieselben Mcn schen könnten wieder ihre ästhetischen Urtheile abgeben über Haartracht und Echminkfarben, über Kleidungsstücke und Stubenemnchtungcn, über Ohr ringe und Spazierstöcke. Aber das eigentliche Studium der Menschheit lst der Mensch." sagt Goethe. und so ist das Urtheil des Menschen über die Schönheit des andern am interessantesten. Gewiß, innerhalb eines Jahrzehnts, im Bereich einer euroväi schen Eulturnation würde der ästhetische Geschmack sich vielleicht auf em Frauen Porträt einigen können, da5 allgemein als schön empfunden würde. Wenn wir aber durch die einzelnen Eorti ente wandern, wechselt das ästhetische Zdeal wie cic rotten über ihnen. Ein gebildeter Hindu vermag im merhin noch vernünftig und ziemlich lacyllch europäische Damen zu beurthei Icn. So meinte einer Garcin de Tassy erzählt davon das Schönheits ideal der Französin sei ein Mann mit osicner Stirn und lächelndem Anae sicht" ; die Italienerin liebte einen Mann, der träumerisch nachsinnt". die Teutsche einen, der angenehm im Umgang ist und treulich sein Wort hält". .Am schlimmsten sieht nach der Au,saung des Hindu das Schönheits ideal der Amerikanerin aus: Die ame rikanischen Ladies heirathen den ersten besten, der sie eben heirathen will, kümmern sich nicht um dessen Rang und

esellschaftliche Stellung : es ist ihnen einerlei, ob er verstümmelt oder ein Krüppel, taub oder blind ist, wenn : nur Geld hat." Wie aber nehmen sich unsere Schön yeitsideale in fremden Zonen aus ? Selbst weiße Reisende haben behauptet, daß mitten im tropischen Urwald die :benho!'schwarze blanke Haut des NeAcrZ ästhetisch prächtig wirke, indeß die iLeiße des Europäers den Eindruck des krankhaften und Ungesunden mache. ?S erscheint klar, daß die Frage : Was .st Schönheit ? von jedem Stamme an . . , , mi ..fi ;n

rers oeaniworrel wlro. xer cenicy 1,1. am das geniale Wort eines alten grie chischen Philosophen zu wiederholen. ,uch hierin das Maß aller Dinge". Jeder Stamm hat seinen Apoll und ine Aphrodite. Der weisende Hearne, der die nordgmcrikanischcn Indianer genau kennt. neint. wenn man einen dieser Jndla ner nach seinem Schönheitsideal fragen ollte, so würde er antworten: Ein weites, plattes Gesicht, kleine Augen, hohe Wange, eine niedrige Stirn, ein großes, breites Kinn, eine kolbige Ha ennase. eine geldbraune Haut." Im nördlichen Ehina gilt nur der ein cimifche Mandzchutypus für schön : breites Gesicht, hohe Wangenknochen, ehr breite Nai? und enorme Ohren. Das chinesische Gesicht erscheint den be zopsten Asiaten so hübsch, daß einer !;rcr Reisend-.'!!, als er die vorsprin l':nle: Nasen der Singhalesen Ecylons .ih, icn ihnen schrieb, ie hatten den Schnabel eines Vogels und den Kör per eines ctritcn. Bei den Ein ?edvrencn lzonch:nch:nas gut eine nniu für icizcnd. wenn ihr Kops und Glicht Lliiz gerundet ist. .!ci diesen farbigen Nassen gilt die rodf,e Haut als häßlich. Weiße Danen finden bei iu;:cn wenig Galanterie und Entgegenkommen. Die Ehinesen aus dem Innern des Landes halten alle Europäer für häßlich, weil sie eiße Haut und vorspringende Nasen besinn. Die Siamesen mit ihren klci nen Nasen, auseinanderstehenden Na enlöchern, weitem Mund, etwas dicken Lippen, großem Gesicht und hohen und breiten Wangenknochen haben für europäische Schönheiten keinen Begriff. Ihre eigenen Frauen erscheinen ihnen viel schöner als die Europas. Bei den Kanern ist die schwarz Farbe ehr geschaht, wcil eben die Mehrzahl Des KassernvolkcS cknen ganz dunklen Teint bat. Ein Kasfer würde es als in sehr schlechtes Kompliment aufnehnen, wenn man ihm sagte, er sei hell zefärbt oder sehe aus wie ein weißer iHanxi. I. Shootcr hat von einem unglücklichen Mann (Karrer) gehört. welcher so sehr hell war. daß ihn kein VZädchen heirath.'lr. wollte!" Auch Gal' ton weiß von zwei schlanken, hübschen and hellen Negermädchen zu erzählen, )ie gar keine Bewunderung erregten. Java werden gelbe Mädchen für Schönheiten gehalten, nicht weiße. Ein Ui'aim aus Eochinchina berichtete voller Verachtung von der Frau des dortigen britischen Gesandten, sie habe weiß? Zähne wie ein Hund und eine rosige Zarbe wie Patatenblumen". Und die selbst sehr blaß gefärbten JurakaraS in Südamerika halten die Europäerinnen für untergeordnete Geschöpfe. Nach der Anschauung Rcades können die eger die weiße Farbe der Haut nicht lussteden, sie betrachten blaue Augen nlt Widerwillen und halten unsere ZZasen für zu lang und unsere Lippen für zu dünn." Er hält es für unwahr 'cheinlich. daß Neger jemals die schönste 'uropäische Frau nur auf Grund der bloßen physischen Bewunderung einer zut aussehenden Negerin vorziehen vürden." Ueberhaupt lauten die Antwortender IZeger auf die Frage : Was ist Säzön ? für die Europäer äußerst ungünstig. Sie verhöhnten Mungo Park seiner Farbe und seiner vorspringenden Nase riegen. da sie beides sür ..häßliche und unnatiuZiche Bildungen" hielten. Mun zo Part? der starken Hunger fühlte, revanchirte sich aber sehr höflich und pries das glänzende Schwarz ihrer haut und die ..liebliche Depression ihrer Nasen". Zwar hielten das die schwär ;en Gentlemen für Schmeichelei",

nichtsdestoweniger half sie, denn sie ga ben ihm etwas zu essen. Als Negerlnaben an der östlichen Küste Burton sahen, schrieen sie : Seht den weißen Mann! Sieht er nicht aus wie ein wei ßer Affe ?" Auch die Eingeborenen der Südküste von Guinea zeigten Schrecken und tiefen Abscheu, als sie zum ersten Mal einen Weißen sahen. Als ein Neger den englischen Reisenden Eame ron zum ersten Mal erblickte, bedeckte er die Augen mit den Händen und rannte heulend davon. Nach seinem Ebenbilde schasst sich der Mensch sein Schönheitsideal, das ist das Ergebniß unserer kleinen ethnogra paschen Wanderung, ein Ergebniß, ufls von der ungeheuren Eitelkeit deS menschlichen Geschlechtes zeugt. Denn Eitelkeit ist eine der ursprünglichsten Eigenschaften der menschlichen Seele. Als Darwin einem nackten und frieren den Feuerländer ein Stück Tuch schenkte, sah er zu seiner Verwunderung, wie der Eingeborene das Tuch nicht als Kleidungsstück verwandte, sondern es in kleine Feen riß, um sich und seine Genossen damit zu schmücken. Er fror ganz gern, wenn er nur an seiner Per--son zeigen konnte, was sein feuerländi sches Schönheitsideal war. Anpreisung. Heiraihsvermittler: Aber, Herr Doktor, warum wollen Se nich nehmen de große Partie! Se is reich, se is brillant erzogen und se is schön. ' Se kennen doch rneine Frau, is auch ne schöne Frau, aoer gegen die Partie is se der reine Schund! Mitfühlend. Herr (zum Droschkenkutscher): Meine (Schwiegermutter muß mit dem Zug fort; Sie beeilen sich doch etwas?" .SelbstVerständlich? ich habe auch eineSchwie gernrüttt zu Haus!- .

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Vilder von Cuba. , Die außerordentlichen Anstrengungen, welche die spanische Negierung macht, um den Aufstand niederzuschla gen, der vor einem Jahre auf der grofeen Antilleninsel Euba ausgebrochen ist. lenkten die allgemeine Aufmerksamkeit auf diese Perle West-Jndiens und es erscheint wohl am Platze, diese schöne Insel einer Betrachtung zu unterziehen. Die Einfahrt in den riesigen Hafen von Havanna bietet noch wenig Anziehendes. Nachdem man an mehreren großen VefestigungSwerken vorbeigefahren ist, die die Küste zu schützen haben, gelangt man zu den beiden Forts der Punta und des Morro. welche, zu beiden Seiten der nur 350 Nards breiten Meerenge, diese gegen Seeangriffe vertheidigen. Hat man diese enge Gasse passirt. so eröffnet sich das prächtige Panorama des außerordentlich belebten Hafens und der großen Stadt mit ihrem sanft ansteigenden Hügellande. PalastdesGeneral-Gou-verneurs. Die Flaggen aller Nationen wehen in dem leichten Winde, der die TropenHitze immer mildert, und Hunderte von großen Schiffen, Tausende von kleineren Fahrzeugen und Booten beleben den Hafen und zeugen von dem riesigen Handelsverkehr, welcher Havanna mit aller Welt in Verbindung setzt. Die Sprachen aller Cultur- und Handelsvölker der Erde erklingen aus der in steter Bewegung befindlichen Menschenmasse. welche durch ihre Geschäfte in die Nähe des Hafens geführt wird. Alle Farben vom tiefsten Schwarz bis zum zartesten Weiß, vom dunkelsten Braun bis zum kupfrigen Noth.' zum Gelb und Oliv sind hier vertreten.denn Neger. Mulatten. Creolen. Amerikaner des Südens und Nordens. Chinesen und Malayen bilden ein lebendes Bölkermuseum. Unmittelbar am Hafen liegt einer der schönsten Plätze der Stadt, die Plaza de San Francisco, und zahlreiche belebte Handelsstraßen führen in das Innere Havannas, dessen Einwohnerzahl sich nahezu auf 400.000 Seelen beläuft. Das geschäftige Treiben der großstädtischen Bevölkerung ist hier verbunden mit dem eineZHandelsund Hafenplaßes ersten Ranges und selbst um die Mittagszeit, in der. vollends im Somm??. die übrigen Bezirke Kathedrale. verödet sind, hört hier die Bewegung nicht gänzlich auf. weil die Nähe des Meeres immerhin etwas erfrischend wirkt und den Aufenthalt im Freien ermöglicht. Eine andere Physiognomie zeigen die durchweg makadamisirten glänzenden Straßen del Prado, von San Rafael, Galiano. del Morte, del Cerro. de la Jnfanta. del Principe Lllfonso und die mächtige Plaza de Armas. Die Zehntausende, welche sich zu Fuß, zu Pferd und in den eigenartigen altmodischen zweirädrigen Bolantes und anderen Gefährten in den kühlen Nachmittags- und Abendstunden hier bewegen, lassen glauben, man befinde sich in einer Stadt, die ausschließlich zum Vergnügungsaufenthalt dient und in der Niemand sich um Arbeit kümmert. Thatsächlich ist die Masse der Beschäftigungslosen in Havanna auch außerordentlich groß, denn die Zahl der Wohlhabenden und Reichen, der Plantagen- und sonstiqen Gutsbesitzer, welche fremde Kräfte für sich arbeiten lassen, ist sehr beträchtlich und die Neigung zur Arbeit in den höheren Gesellschaftsklassen sehr gering. Das Klima ist an dieser, der weißen wie der farbigen Bevölker'.:' Cubas in gleicher Weise eigenen rnr heit hauptsächlich schuld, und wer uil StraßeDelPrado. nothgedrungen um seine Existenz ringen. durch seiner Hände Arbeit die Mittel zum Leben beschaffen muß, der zieht es vor, nichts zu thun und ein nur dem Genuß der Daseinssreuden gewidmetes Leben zu führen. Der Schmuckplatz Havannas ist die Plaza de Armas, deren prächtige Gartenanlagen einen großen Theil aller tropischen Zierpflanzen ausweisen. In der Mitte des Platzes erhebt sich die Statue Ferdinand's VII., eine der besten Skulpturen von den in ziemlich beträchtlicher Zähl auf den Platzen, den Akamedas und in den Parks Havanj nas, Santiagos, Matanzas, und der

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anderen größeren Ortschaften der Insel aufgestellten. Eine Seite des großen Platzes ist von dem Palast des Im alten Biertelvon Havanna. General-Gouverneurs der Insel eingenommen. Obgleich wie die meisten Häuser Havannas sehr niedrig, da die häusigen Erdbeben die Errichtung hoher vielstöckiger Bauwerke nicht zulassen, ist er doch von großer Ausdehnung. da er viele Bureaus enthält. Hier residirte bis zu seinem Rücktritt der Marschall Martinez Campos, wenn er in der Hauptstadt weilte. Auch das Jntendanturgebäude und die Caserne de la Fuerza sind an diesem geräumigei. Platz gelegen, dessen bedeckte Hallen am Tage Schutz gegen die tropische Hitze gewähren, stets von Spaziergängern erfüllt sind und sich besonders auch zur Abhaltung der kleinen Empfänge, der Tertulias, eignen. In nächster Nähe von der Plaza liegt die Stelle, an welcher der Sage nach Columbus einst den Boden der Insel betreten haben soll. Zu seinem Andenken ist hir eine kleine Capelle errichtet, vorderen Eingang eine des Entdeckers der neuen Welt allerdings wenig würdige unbedeutende Statue aufgestellt ist. Seine Gebeine ruhen angeblich in der Kathedrale, welche sich Straßenhändler. unweit davon befindet. Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts erbaut, dietet sie nach außen hin einen unscheinbaren Anblick dar. Um so glänzender und. reicher ist das Innere, das eine große Zahl von Heiligenbildwerken ausweist, die mit den kostbarsten Ge-' wändern bekleidet sind; die Wände sind mit ziemlich guten Frescobildern und Oelgemälden italienischer und .sparnscher Meister bedeckt. Der Pasco de Tacon, der Padro, die Carlos Tercerostraße, die Alameda sind die beliebten Promenaden der oberen Gesellschaftsklassen. Gegen Abend versammeln sich dort die zahllosen Stutzer und vornehmen Nichtsthuer Havannas, um die Schönen zu bewundern, welche meist in den zwenädrigen Bolantes, seltener in den vierrädrigen Victorias und anderen Equipagen und noch seltener zu Fuß erscheinen. Die Corsostraße und überhaupt diese Promenaden des Tacon und desprado haben kaum ihresgleichen, denn die Eigenart vieler ihrer Erscheinungen, die tropische Umgebung, die bunten Farben, die merkwürdigen Trachten, die Verschiedenartigkeiten der Rassen, welche hier vertreten sind, prägen dieser Gesellschaft einen besonderen Stempel Geflügelhändler. auf, der sie von der aller anderen Länder auszeichnet. Da sind zunächst die beliebten ungemein leichten Gefährte, die Volantes, weiche meist dreisitzig sind. Die sehr große Länge der Wagengabel, in der das Pferd oder Maulthier geht, macht den übrigens ungemein leichten.schnelllaufenden Wagen doch im Gedränge sehr unbequem. Gelenkt wird er von einem Neger, der auf dem Zugthier reitet und in eine zwar sehr reiche, aber etwas phantastische Livree gekleidet ist, wie denn auch die Volantes der Vornehmen und das Zaumzeug durch Silberbeschlag auf das luxuriöseste verziert sind. Eine rothe mit Gold gestickte Jacke, weiße Beinkleider, hohe Relterstiefel, die bis über die Knie reichen und mit großen Sporen versehen sind, und ein breiter Strohhut bilden gewöhnlich die Tracht der Volantenkutscher. Diese Wagen werden auch außerhalb der Stadt, auf dem Lande überall mit Vorliebe gebraucht, dann aber sind sie gewöhnlich mit zwei Pferdn oder Maulthieren bespannt, während die derHauvtstadt fast immer nur einspännig sind.' Ungemein interessant ist es besonders, die ethnischen Elemente genauer zu studiren, aus denen sich die Vevölkerung Cubas und Havannas im besonderen zusammensetzt und die in allen ihren charakteristischsten Typen

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auf den Promenaden vertreten sind. Den Hauptbestandtheil bildet hier das weiße einheimische Element der Creolen. Nicht mit Unrecht zählt man die Frauen Havannas, und zwar hauptsächlich die Creolinnen zu den schönsten Mcnschheitsblüthen der Erde. Das im Allgemeinen einen schwermüthigen Grundzug zeigende Gesicht der Mädchen und Frauen ist doch stets äußerst belebt und ungemein ausdrucksfahig. wozu die dunkelen von langen Wimpern beschatteten, feuersprühenden Augen im reichsten Maße das Ihrige beitragen. Ihre berückende Schönheit ist namentlich für den Ausländer gefährlich, der zum ersten Mal m den Bannkreis ihrer natürlichen, durch Toilettenkünste, geschickte Farbenwahl. berechnetes Auftreten, lebhaftes Fächerspiel und Coquetterie erhöhtl'Ii (,fil I ii Mm t im) M i l ch v e r k a u f. ten Reize tritt. Die durch das Klima erzeugte Neigung zu größter Ruhe und Trägheit ist die Ursache, daß sie frühzeitig ihre Zierlichkeit und Anmuth verlieren. Während sie auf Bewahrung der zarten Weiße ihrer Hautfarbe halten, ist die der Männer wesentlich dunkler, in's Oliv spielend. Auch ihnen ist ein eigenthümlicher, ernster, melancholischer Ausdruck eigen, und zwar in ungleich höherem Grade als den Frauen, da ihr Mienenspiel viel weniger lebhast ist. Frauen wie Männer sind zwar sehr reizbar, aber leicht zu besänftigen, im Grunde sehr gutmüthig und äußerst mildthätig. Fast ebenso stark wie das weiße ist das farbige Volkselement auf Cuba, aber es wird von den Creolen wie den Spaniern möglichst gemieden und mit Geringschätzung behandelt, so daß selbst Quadronen und ganz hellfarbige Mischlinge sich, dem eignen Taktgefühl gehorchend, ziemlich fern von den Weißen halten. Mie überall weisen auch hier die Mulatten und zwar noch in viel höherem Grade als in den Vereinigten Staaten oft die schönsten und reizendsten Erscheinungen auf. Es gilt dies wiederum in erster Linie von den jungen Mädchen. Im Uebrigen erblicken wir hier dieselben mehr oder minder abstoßenden farbigen Volksttzpen wie in den Vereinigten Staaten. Die Farbigen bilden das eigentliche Arbeiterelement; sie sind die Dienstboten der Creolen. ihre Fabrik- und Plantagenarbeiter Die starke EinFruchtverkäufe. Wanderung chinesischer Kulis ist ihnen sehr unangenehm, denn da diese Fremdlinge mit ungleich niedrigeren Löhnen zufrieden und dabei viel arbeitsamer als die Neger und Mulatten sind, so machen sie diesen empfindliche Concurrenz. Eine besondere Abart der Creolen oder vielmehr der im Laufe der JahrHunderte entstandenen Mischbevölkerung sind die Guajiros, die sich Hauptsächlich mit Bodencultur beschäftigen und durch ihre verhältnißmäßig starke Constitution vortheilhaft von den durchweg kränklich und schwächlich aussehenden Creolen abstechen. Man sieht sie in Havanna häufig als Straßenverkäufer von Obst und Gemüse. UnsereTypenbilder geben eine anschauliche Vorstellung von denFarbigen und Guajiros in ihren Eigenschaften als Dienstboten, wie als Händler. Die Zahl der Straßenverkäufer ist ungemein groß, denn es werden alle EßWaaren und Erfordernisse fü: den Haushalt von den Verkäufern in die Häuser gebracht. Wie zum Theil noch in manchen Städten des spanischen Mutterlandes wird der Milchverkauf derart betrieben, dafc die Kühe in die H KVtH msSL MM MK5?, LuL.3 Z m W$Ü mL l'FW-I &etfP- rf äfCäLjjJi T?3ei-? ?rr ItaraÄrgjjlf' Eingang zu einer Plantage. czAnbt athra&t und vor den Auaen der I Kunden und Käufer gemolken werden. , c. "ti u..:i. (ftM3virtii i )ic aroize jüibc lani wcue ,t,.uvw.fc I X . y T . K r Y L von VJiuq in anoerer uxtit rncgi zu, da sie zu rasch sauer werden würde. Die Einrichtung der Häuser ist im Durchschnitt verhältnißmyßig einfach, wenngleich die Miethen ganz außerordentlich hoch sind. Mit Ausnahme des großen Empfangsalons. der oft von

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'WCitL, j Möbeln überfüllt ist, sind die Wohnräume ziemlich leer; chaukelstühle auf den den Boden bedeckenden Matten AMMÄN i ryirj SMZH'M a r-s LliJw ?-5g'-fcv GefährtaufdemLande. sind oft das einzige, was man in ihnen findet; die Wände sind einfach getüncht oder mit Stuck überzogen und je nach dem Reichthum der Bewohner mit un tergeordneten Lithographien oder desseren Bildern versehen; in keinem Haushalt fehlt ein kleiner Altar. Die Fenster reichen meist bis auf den Fußboden, haben gewöhnlich keine Glasscheiden, sondern sind nur mit Gittern versehen und entbehren stets der Vorhänge, die nur ausnahmsweise an den Thüren angebracht werden. Die H'äuser, die selten mehr als zwei Stockwerke haben, sind oft mit Veranden und Balkönen versehen; alle haben Platte Dächer, die ebenfalls in den kühleren Abendstunden als Aufenthalt für die Familien und ihre Freunde dienen. Das gesellige Leben ist bei der außerordentlich großen Gastfreundschaft Ländliche Wohnung. der Cubaner sehr stark entwickelt und äußerst angenehm. Man besucht sich sehr häufig, und auch auf den Promenaden werden kleine Gesellschaften gebildet; ist der Abend nicht durch große gesellige Vereinigungen. Bälle, Theater oder Concerte in Anspruch genommen, so versammelt sich die Familie im Salon des eigenen Hauses und ist stets sicher. Besuch von Freunden zu erhalten. Allen Cubanern ist die Liebe für Musik und Tanz eigen; besonders sind es allerdings die Neger und Mulatten. welche diese Künste ausüben, sobald und wo sich Gelegenheit dazu bietet. Erklingt irgendwo die Guitarre, die Negertrommel, die Clarinette, das Guiro oder das Banjo, so findet sich auch bald ein großer Kreis von Menschen zusammen, die auf die einfachen, schwermüthigen Volkslieder lauschen oder an dem Tanz theilnehmen. Der Nationaltanz ist die huiz;i ci iolla. Man kann kaum sagen, daß man Cuba kennen gelernt hat, wenn man nicht eine oder die andere große Tabakoder Zucker- oder Kaffeeplantage besucht hat, da gerade die Plantagencultur dort auf das Höchste entwickelt ist. Südwestlich und südlich von Havanna erstrecken sich die Distrnte der Vuelta abajo. jener Gebiete, in denen die geschätztesten Tabaksorten gedeihen; aber auch nach Osten über Matanzas ud nach Slldosten bis an die höheren Hü-gel-und Bergketten des Innern hin erstreckt sich die Vuelta abajo. Mit der Eisenbahn kann man leicht die am Vumurithal bei Matanzas gelegenen Plantagen erreichen, welche zu den großartigsten gehören, und sich einen Einblick in die Cultur dieser Pflanze verschaffen, welche seit der Entdeckung Cubas dieser Insel unermeßlicheReichthümer aus allen Theilen der Welt zugeführt hat und fortgescht die Haupteinnahmequelle der Bevölkerung bildet. GleicheWirkung v e rschiedeneUrsachen. Quartierfrau: Was seh ich. Tini?! Eine Ihrer Wangen ist geröthet und bei unserm Zimmerherrn, dem Herrn Schöberl, auch eine! Kommt das nicht etwa vom Küssen her?! Stubenmädchen: Bei mir ja; bei Herrn Schöberl aber von aner Ohrfeigen. Aus der guten alten Zeit. Feldwebel: Den Urlaub sollen Sie haben. . . Ihres alten Vaters wegcn!" Soldat (kleinlaut): Die Metzgerei haben wir aber leider nicht mehr, Herr Feldwebel!" Gemildertes Urtheil. Jakob Rosenblüth schickt seinen Sohn, der die Reise für das Geschäft besorgt, zu Aron Goldstein in Danzig. Er soll sehen 1.) an ihn zu verkaufen und 2.) womöglich dessen Tochter zu bekommen. Der junge Jakob vollzieht den Befehl seines Vaters, aber er kehrt betrübt heim. Nu," fragt ihn dieser, hast Du gehabt Erfolg?- Wie haißt Erfolg? Als ich hab' angehalten um de' Lea, hat mich lassen werfen Herr Goldstein hinaus!" Gott der Gerechte und den Mann hab' ich gehalten for ä Cavalier, ä Schuft is er, ä gemeiner Kerl, der Goldstein, er hat Dich werfen lassen hinaus ohne bestellt zu haben!!!" Das nicht, er hat mir nachgeschickt den Prokuristen in's Hotel und gegeben einen b:deutendenAuftrag!" Hat er? Er is doch ä Cavalier!" Erster Gedanke. Ella: Ich glaube, das Bad verdient sein Renommee gar nicht, ich sehe doch keinen Erfolg." Elise: Ja, mir scheint's auch so. Noch Nichtsein einziges Paar hat sich verlobt!" Angenehme Auskunft. Dramatischer Schriftsteller (zum Di rektor bei Aufführung seines Stückes): Wird das Publikum mich rufen. Herr Direktor?" Direkto r: Ich glaube. tl wird Ihnen pfeifen

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Tie Krisis in PartS. Als die dritte französische Republik am 1. November 1805 in dem Cabinet Bourgeois ein neues Ministerium erhielt, fehlte es nicht an Voraussagungen, daß dasselbe eine Episode des Umsturzes und de? Desorganisation inauguriren würde. Diese Annahme hat sich nicht bestätigt, vielmehr, hat mmm mm&zm mmmp mm Leon Bourgeois das Ministerium, trotzdem es ein unverfälschtes radikales ist, sich bestrebt, den Staat von höheren Gesichtspunkten als denen einer Partei zu regieren. Die erste Krisis, in welche das Cabinet gerathen, ist wider Erwarten nicht durch innere Angelegenheiten, sondern durch die englisch - egyptische Constellation herbeigeführt worden. Der Minister des Aeußern, Marcellin Verthelot, hat sich der Schwierigkeit der Lage nicht gewachsen gezeigt und ist deshalb vom Premier Bourgeois zum Rücktritt gezwungen worden. MarcellinBerthelot. Verthelot, der einer der berühmtesten Chemiker der Neuzeit ist, wurde von Anfang an für das Amt eines Mini sters des Auswärtigen durchaus ungeeignet gehalten, da er ein Mann der Theorie, aber nicht der Praxis ist. Bourgeois dagegen ist bestimmt und fest in seinem Auftreten, weshalb es nicht Wunder nehmen kann, daß Berthelot vor ihm weichen mußte. Das Portefeuille des Aeußern ruht nun in Bourgeois' Händen und die nächste Zukunft. wird zeigen, ob er als Diplomat dieselbe Meisterschaft besitzt, di: ihm als Redner einen Namen gemacht hat. ' (Segen die Terwlsche. Die englische Regierung hat einen Feldzug gegen die Derwische beschlossen.. welche dem Vordringen der euro päischen Cultur in Afrika alle erdenkliehen Hindernisse entgegensehen und deren Fanatismus wiederholt in blutigen Kriegen Ausdruck gefunden hat. Die Expedition wird von Sir Herbert Kitchener Livdorg befehligt und aus fünf sudanesischen sowie sieben egyptischen Bataillonen, welche durch Artillerie. Cavallerie und ein Kamelcorps verstärkt werden sollen, bestehen. Diese Heeresmacht wird einen Vorstoß gegen El Ordeh (Neu Donaola) machen, während das North Staffordshire SirHerbertKitchenevLivdorg. giment nach der Grenzstadt Wady Halsa dirigirt wird. Die Expedition ist mit großen Schwierigkeiten verknllpst, da derNil in seinem oberen Laufe auf eine Entfernung von über 100 Meilen zahlreiche Stromschnellen sowie Riffe hat und oer Transport der Truppen dadurch ungemein behindert wird. Zarter Wink. Herr: Ich war ein guter Freund Ihres verstorbenen Mannes, haben Sie nicht etwas, was Sie mir als Andenken an ihn überlassen könnten?" Untröstliche Wittwe: Was mei. nen Sie denn zu mir?" Unverfroren. Gläubiger: Heute müssen Sie mir aber unbedingt Geld geben, meine Frau hat keine Schuhe mehr anzuziehen!" Schuld ner (zu seiner Frau): Du.hast Du nicht noch ein Paar alte Schuhe für die Frl Tratsche! V .

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