Indiana Tribüne, Volume 19, Number 205, Indianapolis, Marion County, 12 April 1896 — Page 2

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Tie Steine werden zeugen. Von Otto Ludwig. Der Ostermorgen lächelt. Ein Bräut'gam, in die Welt, Vom Frühlingsduft gefächelt Steigt er aus seinem Zelt. Und rings herum das Schweigen! Der Wald, er steht so still; Kein Blümlein sich verneigen, ' Kein Blättchen rauschen will. Im fernen Kirchlein singet Die fromme Christenschaar; Da von den Steinen klinget Das Echo wunderbar. Als wenn aus Verges-Tiefen Das Singen klang' hervor; Als wenn die Felsen riefen: Er lebt! er lebt!" im Chor. Er lebt! er lebt!" da lauschen Die Blümlein. neigen sich. Da büäet sich mit Rauschen Der Wald so feierlich. Und mächtiger immer mieden .Er lebt! er lebt!" vom Stein, Mir läuft ein Schauer nieder Im tiefsten Mark und Bein? Und denk' und muß mich beugen Was dort geschrieben ist: Die Steine werden zeugen. Wenx mich der Mensch vergißt. ZZlauc pcilchcn. Eine Oster-Gcschichte von Oskar Linke. ' Ernstsinnend blickte der alte Treumann von seinem Fensterchen aus über die Stadt hin. Drei Stock hoch lag die kleine Wohnung, in der Nähe des Bahnhofes, da wo die Lindenstraße in die Konigstraße einmündet. Aber was der wackere Mann schaute, war nicht viel und machte ihm wenig Freude: die Dächer der hohen Häuser, die TelePhondrähte und dann in der Nähe eine mächtige Kuppel, die sich wie ein Kirchthurm ausnahm, und doch nur einem Prachthause der Leipzigerstraße angehörte. Wie verschwindend grüßte dagegen aus der Ferne der Kirchthurm der Ülrichskirche! Treumanu hatte sich an diese Umschau gewöhnt, aber nie sich mit ihr versöhnen können, er, der in den Kriegen von 64, 66 und 70 fernem Könige treu gedient" hatte, wie seine Lieblingsredensart lautete. Aber wie wurde ihm jetzt, am Abend vor Ostern, mit einemmale so seltsam weich ums Herz, was sollte dies unruhige Pochen bedeuten? Leichte, weiße Federwölkchen zogen von Osten her am Himmel entlang, dessen Blau von perlenhaft grauen Schimmern gleichsam überhaucht war, während fern die untergehende Sonne ihm seine liebeKirchthurmspitze der, Ulrichskirche mit rosig loderndem Glänze umhüllte. Es war noch hell. Vor ihm auf dem Tischchen lag die aufgeschlagene Bibel, die Vrille darauf. Als er die Geschichte von der Auferstehung des Heilandes gelesen und die schonen Worte derMaria Mag. dalena. da hatte er weinen müssen. Das Bild der eigenen Tochter Marie trat vor seine Augen. Morgen, am ersten Osterfesttage, werden es gerade fünf Jahre her sein, seit sie ihm von Berlin aus .ihre Heirath mit ihremHerinann wenigstens anzeigte. Auch jetzt schüttelte er trotzdem starrsinnig den Kopf: jeden andern hätte sie zumManne nehmen rönnen, aber nuv ihn nicht, den rothen Umstürzler", der sich so still und bescheiden zu stellen, der sich Sonntags so vornehm zu kleiden wußit und der obendrein noch aus Berlin war Kommt als Schriftsetzer nach Halle, verläßt die Stadt nach drei Monaten und entführt ihm seine.Tochter! Da trat sein Weib herein.. In der Hand hielt sie den sauber gebürsteten, schwarzen Sonntagsrock, um ihn ins Spind zu bangen. Ihre Blicke -trafen sich. Beide sprachen kein Wort; nur der Frau war anzusehen, daß sie geweint hatte und nun doch lächelnd,, wie beseligt drein schaute. Was hast du mit dem Rocke?" fragte der Alte .'barsch. Wir gehen morgen nicht aus." Männchen, mir träumte, wir würden uns morgen recht schön nmüsiren. Denke nur, ich sah uns alle am Saaleufer wandeln und da, wo es derghinan geht, an den Bildnissen unserer beiden verstorbenen Kaiser vorüber." Ehrfürchtig einen Augenblick neigte der alte Bahnhofsbeamte M diesen Worten sein Haupt. Aber Ingrimmig blickt schon wieder Augen : finster wurde sein Antlitz, als -er sprach: Und war eL nicht dort, wo sie ihm nachging, wo sie ihm hehnlich versprach, ihm zu folgen, ohne die Elkern zu fragen? Und sie ging, die Ungerathene! Ueber diese Schwelle darf sie mir nie wieder kommen! Und wenn er es wagte ich glaube glaube o. nach ist meine Hand sterk diese Kaust da " Die Sprache versagte ihm. Er stand auf irnd ging heftig erregt in Zimmer hin und her. Mann, versündige dich nicht", mahnte die Frau besänftigend, denke, heute tu: dem Feste!" Und die gute Alte wute schon, wovon er -lichts -ahnte. Wer wird sich nicht zuerst an das immer verwende Mutterherz wenden, um wieder ven Weg zum Herzen des Vaters zu finden? Hinter seinem Rücken war dfc Verschwörung angezettelt. Und der Schwiegersohn, dieser Starrkopf und phantastische Politisei"? Auch ihn wtte das Schmeicheln des eigenen Weibes besiegt, sowie ein Blick auf den kleinen Pausback von Jungen, dev immer so viel von Omama" und Opapa" zu erzählen wußte und sie noch nie gesehen hatte: sie wohnten ja so weit, weit von Ber-

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lrn dort und er zeigte zum Hirn mel dort liegt Halle .... Da klingelte es. War es der Nachbar. der den Alten zu einem GlaseBier abholen wollte? Doch der muhte, daß Treumann an Abenden vor Festtagen daheim blieb, um in der Bibel zu lesen. Es klingelte nochmals so unsicher und so eindringlich. ..Geh, Frau, und sieh nach!" Sie ging und kehvte bald zurück mit einem Kinde an der Hand. Das rothwangiae Bllrschlein. im blauen Matrosenjäckchen, mit glänzend schwarzen, bis zu den Knien reichenden Stiefelchcn, mit weißer Mütze, wie ein Prinz dem Alten erscheinend, trug ein Packetchen und ein Sträußchen blauer Veilchen in der Linken. Keck und unbefangen blickte der Knabe zu dem alten Graubart auf, wie prüfend, ob so wohl ein Großvater aussehen könnte. Dann rief er wie ein Sieger: Ja. du bist Großvater, von dem Papa und Mama immer so Schönes erzählt haben. Aber wo hast du denn die schönen, blinkenden Orden? Ich will auch Soldat werden. Aber da ich habe dir auch was mitgebracht." Der Alte stand wie evstarrt da, wäh rend er dem Kinde das Veilchensträußchen abnahm und seine Frau demKleinen den Mantel unter Küssen undLiebkosungen auszog, aus denen sich unser Held wenig zu machen schien. Dann ging sie hinaus; denn sie wußte, wer durch die offenstehende Thür noch zur Kllcke hereingekommen war. Und wortlaus stand noch immer der alte Treumann, während der Veilchenduft das Gemach mit seinen Hauchen gu erfüllen begann: blaue Veilchen, seine Lieblingsbllumen, sie erinnerten ihn daran, daß ihm viele Jahre lang seine eigene Tochter Marie zu Ostern ein Sträußchen darbrachte ; blaue Veilchen, sie erinnerten ihn daran, daß sie auch Kaiser Friedrich liebte, jener stolze Dulder, der einst als Kronprinz Fritz seinen Treumann mit Worten voll Huld auf dem Schlachtfelde von Wörth beehrt hatte . . Und glichen die Augen des Kleinen da vor ihm nicht auch himmelblauen Veilchen? Wie heißt du denn?" fragte der Alte mit zitternder Stimme. Ich? Das mußt du doch wissen. Ich heiße wie du Fritz!" That es ihm der Zaubev der Heimathsprache an. die nur mit fast unmerkbarer Berliner Färbung dev Lippen des Kindes tönte? War es das Verwandtschaftsgefuhl? Sein Starrsinn war gebrochen; fchon nach wenigen Minuten schaukelte er seinen Ensei auf den Knien, zeigte ihm die schönen, blinkenden 5kriegsdenkmünzen" und blickte bisweilen nach der Thür, als hätte er kein reines Gewissen. Seine Ahnung trog ihn nicht. Da stand sie auf der Schwelle, seine Tochter. die er seit fünf Jahren nicht gesehen, und nun, nach seiner Meinung, auch vornehm gekleidet, und er daneden im feierlich langen, schwarzenRock, ein schlichter Arbeiter, der stolze, selbstbewußte Schriftsetzer, mit dem rothen Herzen" .... Vater, verzeih mir!" Schluchzend lag die Tochter zu seinen Füßen. Kind, Kind", stammelte der Alte weinend und bewegt, laß das, Maric, wozu ich, ich " Er wollte eine ernste Predigt" halten; die Sprache versagte. Der Kleine blickte sie alle erstaunt an ; er verstand sie nicht und ging Lur Großmutter. Und der Schwiegersohn trat zu dem Alten, faßte feine Rechte und sprach mit stockender Stimme: Verzeih uns. Auch ich als Mann liebe nicht viel Worte. Wo die größere Schuld liegt, es bleibe unentschieden. Das ist nun werthlos. Das Kind sei unser Vermittler. Darf Politik die Herzen der nächsten Verwandten trennen? Wirst du recht, werde ich recht haben? Wir beide wissen es nicht, wir hoffen es nur. Laß mir mem Träumen"; auch vor deinen Ansichten will ich Ehrfurcht haben. Die Liebe" Alle, alle, mein Kind!" sagte der Alte gerührt. Bald sitzt denn auchVaterTreumann mit seinem Schwiegersohne in traulich politischem Gespräche, nachdem er ein Gläschen von dem Danzigev GoldWasser, dem Geschenke des Kleinen, geprobt hat. Uno der Festtag wird kommen der Abend verspricht ein herrliches Wetter für morgen wo sie alle" zusammen hinausgehen werden, dorthin zu den Höhen an der Saale, und der Held des Tages wird der kleine Frie:densstifter. der Fritz sein! Und während sie im festlich bunten Menschengewimmel ' dahinwandern, wird auch über ihren Häuptern, von Menschenohren nicht vernommen, nur .von der Seele empfunden, wie geister.heimlich durch die Lüfte klingen jene 'erlösende, Hevzen befreiende Weise: Christ ist erstanden! Freude dem Sterblichen, Den die verderblichen. Schleichenden, erblichen Mängel umwanden. Christ ist erstanden! Selig der Liebende, Der die betrübende, Heilsam' und übende Prüfung bestanden! Mißlungene Renommage. Schauspieler: Ja. meine Lieben, wenn ich an den Abend zurückdenke. . . auf den Schultern haben sie mich nach Hause getragen!" Freund: So bekneipt warst Du?" Medicinal - Wein. Du Vater was is denn das: Medicinal Weine? Ja, mei Bua dös weiß i selber net aber es werden halt Weine sein wo man, wenn man's trunken hat. Medicin drauf nehmen muß! . . ...

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Das (gsterci. Humoreske von Marie Treuter. Arthur Engelhardt lief aufgeregt in seinem luxuriös ausgestatteten Zimmer auf und ab. Von Zeit zu Zeit warf er einen wüthenden Blick nach seinem Schreibtisch. Das elegante Möbel enthielt für den harmlosen Beschauer nichts Außergewöhnliches, zumMindesten aber nichts, was einen Menschen hätte in schlechte Laune versetzen können. Im Gegentheil! Das reizende Mädchenantlitz in dem kunstvollen Noccocorahmen aus Alfenide schaute so verführerisch darein, daß der verbittertste Griesgram seine Freude daran gehabt haben würde. Oder hatte das hübsche Osterei von Zucker, welches noch halb in einerPappschachte! verborgen ruhte, den Zorn des jungen Herrn erregt? Heute war Osterfeiertag und Aufmerksamkeiten jedenGenres kamen doch zumeist immer von liebender Hand. Arthur Engelhardt behauptete in diesem Falle das Gegentheil. Ja, er ging sogar in seiner Ungerechtigkeit und Undankbarkeit so weit, das niedliche Geschenk für eine Chikane seines Oheims anzusehen. Zum wievielten Male die Hand des alterirten Neffen jetzt wieder in die Tasche seines sammetnen 5auswamses fuhr, wollen .wir dahingestellt sein lassen. Genug, er nahm ein zusammengeknülltes Schreiben heraus und las den kurzen Inhalt, den er eigentlich schon auswendig können mußte, wie folgt: Lieber Neffe! Beifolgend sende ich Dir eine kleine Überraschung für das Osterfest. Im Uebrigen gebe ich Dir als Antwort auf Deinen letzten Brief den guten Rath, diesmal die Sorge für Deine fernere Zukunft Deinem Glücksstern zu überlassen. Es würde mich ausrichtig freuen, wenn das Schicksal mehr Schneid hätte als Du. Mit Gruß Dein Onkel. Briefe treffen mich nicht, da ich auf unbestimmte Zeit verreise. Herr, dunkel ist der Rede Sinn." citirte Arthur Engelhart mit grimmigem Humor. Das Ei des Columbus." fuhr er mit einem vernichtenden Blicke auf das unschuldige Symbol des Osterfestes fort. Die Geschichte ist sehr einfach! Er will nichts herausrücken, der alte Geizkragen! Und die malitiöse Anspielung auf meinen Glücksstern, den er wahrscheinlich als noch nicht entdeckt erachtet. Bah, einen Kometen habe ich, der mir den Weg zu meiner angebeteten Klara zeigte!"' Arthur Engelhardt riß das Bild vom Schreibtische und drückte es stürmisch an sein Herz. Sein Liebesglück war aber ach das Einzige, was er seinem Glückssterne verdankte. Sonst war ihm im Leben Alles fehlgeschlagen. Zweimal mit seinem Assessorezamen durchgefallen, wandte er dem ganzen Rechtskram schnöde den Rücken und ward bald ein eifriger Verfechter der Linken. Er opponirte, und zwar gegen den Geiz seines Onkels. Was hatte der alte Hagestolz davon, wenn er seine Millionen in dem Feuerfesten verschimmeln ließ? Das Geld ist doch in der Welt, damit es unter die Leute gebracht werde. Sollte er nicht lieber seinem Neffen dankbar sein, daß er diese oft anstrengende Beschäftigung übernahm, als ihm, wie in dem heutigen Falle, wegen einem Paar lumpiger Hunderttausend Thaler sein ganzes Lebensglück zu verderben? Klara's Vater war nun einmal so ein ungläubiger Thomas, der ihm auf seine in Aussicht stehende Erbschaft keinen rothen Pfennig geliehen hätte, geschweige denn seine einzige Tochter zur Frau geben würde. Ein paar Hunderttausend Thaler in guten und sicheren Werthpapieren angelegt, schienen demselben die festeste Grundlage für das Glück seines Kindes. Konnte sich Arthur mit dieser Summe, die aber nachweislich sein Eigenthum sein mußte, an dem soliden Geschäfte seines Schwiegervaters in sjk betheiligen, so stand seiner Verbindung mit Klara nichts im Wege. Mit der Zeit wäre es ihm vielleicht gelungen, durch List und Schmeichelei das Geld von seinem im Grunde gut herzigen Oheim zu erpressen aber Arthur Engelhardt hatte keine Zeit. Jetzt mußte der Handel mit Klara's Vater rechtskräftig gemacht werden. Bctheiligte er sich nicht an dem Unternehmen, so that dies sein Nebenbuble.'. der nicht erst auf den Tod eines reichn Onkels zu warten brauchte und außerdem dem Vater seiner Geliebten als Schwiegersohn willkommener war, als er. Schon vor Wochen hatte Arthur Enyelhardt seinen Oheim von seinen Wünschen und Hoffnungen in Kenntniß gesetzt und heute erst lief die my steriöse Antwort t'J. Arthur zerriß das Schreiben und verbrannte die Fetzen im Kamin. Dann warf er sich in seinen Gesellschaftsanzug. 'Und ich behaupte dennoch, daß ich mehr Schneid habe, als mein Schicksal," murmelte er, als er sich befriedigt vom Spiegel abwandte. Beim Hinausgehen fiel sein Blick noch einmal auf das Osterei. Er mußte gestehen, daß es sehr niedlich war. Ich werde es Klara bringen!" beschloß er. Er fand zwar für gewöhnlich derartkge Aufmerksamkeiten nicht chic nd hatte als Osteraruß seiner Anaebeteteu

bereits einen kostbaren Blumenstrauß gesandt. Ach, wie reizend!" sagte eine Viertelstunde später die schöne Millionärstochter. als sie das Osterei aus den Händen ihres heimlichen Geliebten in Empfang nahm. Ihr Vater nöthigte Arthur zum Diner. - Wir haben nur noch einen Gast," setzte der alte Herr hinzu. Selbstverständlich war das sein Nebenbuhler. Arthur wurde es bei dem Gedanken ganz schwarz vor den Augen. Was fehlt Ihnen, Herr Engelhardt," rief Klara voll Bestürzung. Sie nannten sich nur unter vier Augen .Du". . Ich finde auch, daß Sie sehr blaß aussehen, mein Freund." stimmte der alte Herr seiner Tochter bei, indem er Arthur scharf fizirte. Vielleicht habe ich mir an irgend etwas den Magen verdorben," platzte Arthur wüthend heraus. Das Osterei des OheimS war in der That schwer zu verdauen. O, dafür habe ich ein vorzügliches Mittel," sagte Klara eifrig. Sie verschwand augenblicklich aas dem Zimmer, um bald darauf mit einemFläschchen zurückzukehren, aus welchem sie einige Tropfen auf Zucker goß. Arthur verschluckte pflichtschuldigst das Heilmittel, obgleich es einen intensiven und widerlichen Geruch verbreitete, und versicherte mit einem etwas gezwungenen Lächeln, daß ihm

bereits viel besser darnach würde. Die Unterhaltung nahm sodann chren Fortgang. Plötzlich ertönte ein Poltern und Plumpsen, dann em Krach, wie wenn etwas zerbrach. Die drei drehten sich erschrocken um. Mein Osterei!" kreischte Klara. Es lag zerbrochen am Boden. Auf dem Teppich wälzte sich Muffel, der große Angorakater, und gebärdete sich. als ob er plötzlich toll geworden wäre. Ach, Muffel ist so arg nach Baldrian. ich stellte das Fläschchen neben das Osterei," jammerte Klara. Vielleicht kann man die Stücke wieder zusammenkleben," tröstete sie ihr Vater, der m jeder Hinsicht sehr praktisch angelegt war, und bückte sich nach den Fragmenten der einstmcigenHerrlichkeit. Sieh' da, wie es scheint, ist es schon einmal geleimt worden," fuhr er überrascht fort. Und hier, was ist das? Ah. wohl eine Ueberraschung für meine Tochter. Gewiß ein Gedicht. Wie poetisch!" Klara riß ihrem Vater erglühend einen kleinen zusammengefalteten Zettel aus der Hand. Ach, es ist nur ein Check über sechsmalhunderttausend Mark von Herrn Arthur Engelhardt auf der Reichsbank zu erheben," sagte sie enttäuscht. Jetzt riß Arthur seinerseits wie elektrisirt seiner Geliebten das Papier auö der Hand. Und ich behaupte noch einmal, daß ich mehr Schneid habe als meinSchicksal!" jubelte er. Und womit willst Du das beweisen?" fragte plötzlich eine Stimme von der Thür her. Onkel, theurer Onkel, wo kommst Du her?" schrie Arthur und warf sich stürmisch in die Arme eines alten, listig lächelnden Herrn. Umgekehrt wär's richtiger." lachte der Alte sarkastisch. Wahrlich, Du bist mir ein theurer Neffe!" Aber erkläre mir dochOnkel," stammelte Arthur von Einem zum Andern blickend. Was denn? Daß das Schicksal mehr Schneid hat, als Du? Mit Vergnügen! Das Schicksal wollte es. daß der Vater Deiner lieben Klara ein alter Jugendfreund von mir war. Daß wir unsere Freundschaft erneuern konnten, verdanken wir Dir. Als Anerkennung dafür erhältst Du von mir den gewünschten Mammon, von Seiten meines Freundes, die geliebte Braut. Und nun Kinder umarmt Euch, wir geben Euch unseren Segen." Bei all' seiner Glückseligkeit wurmte es Arthur dennoch, daß sein Onlnl Recht behalten sollte. War es nicht schneidig von mir." brachte er beim Diner die Sache wieder auf's Tapet, daß ich. anstatt es auf meinem Schreibtisch liegen zu lasdas Osterei Klara brachte?" Das hatte jeder Andere auch gethan," wiedersprach sein Onkel. Aber daß Dir mein Osterei schwer im Magen lag. war eben Dein Schicksal, sonst würdest Du nie verspürt haben, welch' Wunder wirkende Heilmittel Deiner lieben Braut zur Verfügnug stehen. Im Uebrigen rath ich Dir, die Perspektive nicht zu weit auszudehnen. Denn Du könntest Dir leicht dieStimmung verderben, wenn Du darüber nachdenkst, wie es gekommen wäre, falls Muffel keine Schwärmerei für Baldrian besessen hätte. Es war das erste Mal. daß ich Deinen Glücksstern leuchten sah. Und ich hege nun einmal keine Sympathien für Menschen, denen das Schicksal seine Hülfe versagt. Und um weiteren Combinationen ein Ziel zu setzen, erhob er sein Glas, trank es leer, warf es auf die Erde, daß es in tausend Stücke zersprang und unter dem lustigen Scherbengeklinge! rief er: Das glückliche Brautpaar, es lebe foch!", ; . Folgerichtig. Dichterling:. Wa wa was? Sie haben meme Liebesgedichte verbrannt? Warum denn? Redacteur: Natürlich, weil ihnen das nöthige Feuer fehlte.

Gstcrn in Spanien. Von Professor Tr. E. Bethe.

Die antiken Völker bauten sich ihre Religionen selbst aus ihrem innersten Empfinden auf, sie schufen sich Götter nach ihrem .Ebenbilde, und ihre Götterfeste waren der reinste Ausdruck ihres Seins. Das Christenthum hat allen Nationen Europas die gleiche Religion, den gleichen Gott, die gleichen ffeste gegeben. Dennoch hat jede die Form der Feste anders ausgestaltet und der Charakter einer jeden glvt sich auch heute noch in ihnen kund, in keinem aber wohl so stark, wie im Osterfeste. Denn auf's Engste, wenn auch unbewußt, hat sich mit dev ernsten Er-innerung-'feier an Tod und Auferstehung das Frühlingsfest vereinigt, das zu begehen jeden Manschen die allgütige Natur durch die holden Boten ihres neuen Lebens unwiderstehlich mahnt. Der Priester, der sein Amt recht versteht u.?d Herz und Sinn hat für die uralten ewig neuen Wundev der Natur. wird die tiefe und schöne Symbolik dem Volke nicht nehmen, sondern sie nutzen, das des Winters Hinsterben und das Erwachen des Frühlings mit dem Tode und der Auferstehung des Religionsstifters vergleicht. Wir Deutfche empfinden diese Bedeutung des Osterfestes innig, obwohl bei uns die karaere Natur oft genug nur die ersten schüchternen Anzeichen schickt. Wir sammeln die Kätzchm" derBäume und schmücken am Palmsonntag unsere Häuser mit ihnen. Im Süden prangt die Erde dann schon reich im Blumenschmuck. In Spanien thürmen sich amPalmsonntag Berge von bunten Blumen an den Rändern der Straßen und Plätze. Mit dem Osterfest ist dev Frühling da. Farbenprächtige Bilder schmücken die dunkle Stadt. Camelien, Rosen, Anemonen, Veilchen, Tazetten, Nelken, Narcissen harren in entzückendem Durcheinander und schier unerschöpflicher Fülle der Käufer. Und diese kommen ohne Unterlaß. Ein Jeder kauft em Straußchen, der Arme em paar Blümchen, der Reiche große, oft genug riesige, meist unglaublich geschmucklos gebundene Vouquets. Doch nicht zum eigenen Schmuck. Die Spanier haben wie die Franzosen die schöne Sitte, an den Ostertagen der Gottheit als eine liebliche Opfergabe die ersten Zeugen ihrer unvergänglichen Güte darzubringen. Die ?urchen sind voll von süßem Duft und weite Kreise um die Altäre sind in farbenfröhliche Frühlingsgärten verwandelt. Während dies Blumenopfer auch in Frankreich üblich ist. pflegen die Spanier am Palmsonntag noch eine andere Sitte, die ich nirgends sonst gefunden habe. Su grüßen wie einstens dieBurger von Jerusalem den Herrn mit Palmzweigen. Die hohen schlanken Zweige der Dattelpalme, die in iSuro va nur in dem bekannten Walde bei Valencia gedeiht ein Geschenk der Arabev werden getrocknet und gebleicht, ihre hängenden Blätter weiden an der Spitze und unten zu Kronen und Lockenbüscheln künstlich zusammengeflochten und mit bunten Bandern und candirten Früchten behanhangen. Man beschenkt die Kinder mit diesen Palmwedeln. Drollig ehrbahr traaen die Kleinen diese prächtigen Zweiae, die oft mehr als doppelte Menschengröße haben von ihren Eltern unterstützt, zur Kirche. Man kann sich nichts Malerisches denken, als eine spanische Kirche am Palmsonntag. In den düstern Kapellen schimmern um die Altäre die fröhlich bunten Frühlinqsblumen in überreicher Fülle und in den langen Schiffen schwankt und. wankt hoch über der dichtbedrängten Gemeinde ein Wald gelblicher Palmen, umspielt von den zitternden Strahlen der verjüngten Sonne, die durch die trüben Kinchenfenster buntgolden hereinfluthen. Auf die Lust des Palmsonntags folat die stille Woche. Keine öffentliche Lustbarkeit fand statt, die Musik verstummt selbst in dem ewig tönenden Barcelona, am Charfreitag und folaenden Samstag darf auch in Madrid kein Wagen fahren, die Kirchen werden ihres Frühlingsschmuckes beraubt und mit schwarzen Stoffen ausgeschlagen, die Glocken verstummen tiefe Stille und Schwermuth legt sich über das ganze Land und selbst in den Gasthäusern der Hauptstadt muß auch der Ketzer festen, d. h. mit einer abwcchslungsreichen, bald aber doch nur schwer erträglichen Reihe leckerer Eierund Fisch - Gerichte sein Leben fristen. Die Sinnenlust der Spanier sucht und findet aber auch in der stillenWoche Befriedigung. Die große Procession am Charfreitag in Sevilla ist weltberühmt. Sie ist schon oft in ihrer reichen eigenartigen Pracht geschildert worden. Die Verurtheilung und der Leidensgang des Heilandes wird in ihr theils durch kostümirte Sevillaner, theils in kostbaren klastischen Gruppen dargestellt. In ähnlicher Weise wird auch an anderen Orten Andalusiens die Leidensgeschichte vom Bolke dramatisch dargestellt. Im mittleren und nördlichen Spanien ist das, wenigstens in den qroßen Städten, nicht üblich. aber auch dort will man der sinnlichen Anschauung nicht entbehren. So wird denn die große Leidensgeschichte Christi in den Theatern aufgeführt. Jeden Abend die ganze stille Woche hindurch, an den Haüptfeiertagen zweimal, wird in allen Theatern dasselbe Stück und nur dies eine gespielt: El rnartir del Calvario di niiestro Senor Jesu' Christo" kündigen die Theaterzettel an wie alle anderen Tragödien und Possen, und auch im Innern des Theaters ist kein leiser Versuch gemacht, die Zuschauer auf die besondere Bedeutung dieses Schauspieles vorzuberei-

kn und in eine entsprechende Stirn

mung zu versetzen. Die Bühne ist verdeckt von emem Vorhang, der nichts Anderes sein will, als was er ist, ein Stück Pappe, von oben bis unten beklebt mit Reclamen von Casös, Zeitungen, Stiefelwichse. Chocolade u. s. w. Und doch hat die Aufführung nichts Vrofanirendes. Man hält sich ziemlich ena an die Evangelien, deren einfache Erzählung sich leicht dramatisiren läßt und seit früher Zeit ja unendlich häufig dramatisirt ist. Bei der spanischen Dramatisirung tritt auch der Mariencultus in seiner Schönheit hervor. Denn das Verhältniß des Sohnes zu? Mutter, ihre Angst, ihre Schmerzen, ihre Ergebung werden in einfachsten und gerade darum rührendsten Weise zum Ausdruck gebracht. Einen tiefen und bleibenden Eindruck habe ich gerade durch die Marienscenen empfangen, besonders durch die Scene unter dem Kreuze, als Maria auf die Richtstätte kommt, wo ihr Sohn zwischen den beiden Schachern am Marterpfah! hängt, und sie mit dem Rufe: mein Sohn, mein Sohn!" unter ihm zusammenbricht. Am Ostersonntag verwandelt sich mit einem Schlage das spanischeLeben. Das Fasten ist zu Ende, die Glocken läuten, der Trauerschmuck wird aus den Kirchen entfernt. Musik ertönt, die Wagen rasseln. Das Leben darf wieder ganz seine Anforderungen befriedigen und die zurückgehaltene Lust macht sich doppelt laut und fröhlich Luft. Da zeigt sich nun am deutlichsten die Nohheit des spanischen Volkes und die Toleranz der Kirche, die ihrem treuesten Kinde nicht seine kleinenFreuden stören will. Als Krone des Osterfestes feiert Spanien am Ostersonntag den ersten Stierkampf (Corrida de toros) der Saison. Der Qstersonntag ist der glänzendste und einträglichste Tag im Jahr für die edle Gilde der Toreros. Man muß es gesehen haben, um es sich vorstellen zu können, was da für em leidenschaftliches, tolles Leben auf dem langen kothigen Wege drangt und tobt, der von Madrids Pasdo del Prado zum weit draußen gelegenen Stier-Circus, der Plaza de toros, fuhrt. Heute, den neuen Frühling und die Auferstehung des Herrn zu feiern, will sich jeder Spanier die Lust gönnen, die er kennt, den blutigen Kampf andalusischer Prachtstiere mit den berittenen Picadoros, den Bauderilleros und dem vergötterten Matadov. Heute am Ostersonntag läßt der Spanier was draufgehen, da bietet er sich auch das Vergnügen des Fahrens aber im Galopp muß es gehen, was die Gäule laufen können! Und lustig muß es gehen, was die Gäule laufen können! Und lustig muß es aussehen! Die ältesten Schindmähren werden heute eingesparint und mit gelbrothen Netzen. Troddeln und Büscheln aufgeputzt. Wagen aller Art rasseln durcheinander: Coupes modernster Facon und uraltehrwllrdige Postkutschen, riesige Omnibus oben und unten mit 40 50 Menschen eng besetzt, von sechs Maulthieren und Pferden gezogen, kümmerliche Droschken mit Familien, die Säuglinge auf dem Schooß, hochelegante Equipagen mit zwei Bedienten und Wappenschildern am Schlage, kleine einspännige Kutschen aus alter Zeit mit sechs Sitzen, heute von acht Personen besetzt, der Kutscher hinter dem Pferdeschwanz auf der Gabeldeichsel, Seggiolas vom geckenhaften Besitzer im schwarzen Gehrock, Rose im Knopfloch, selbst gelenkt, Tramwaywagen von viev Mauleseln gezogen. Arm und Reich. Jung und Alt, Mann und Weib strömt dahin: der Bettler wie der Minister, die junge Gräfin im Pariser Hut mit weißer Mantllle m farbensatter Toilette und das alte Hökerweib. das Kind auf dem Arm. Das ganze Volk ist auf den Beinen und unter Toben und Schreien, Lachen und Fluchen geht's hinaus wie der Hexenzuq zum Brocken. Rasch ist der Circus gefüllt. 20,000 Menschen bliesen erwartungsvoll. Die Quadrille zieht auf. Tusch der erste Stier wird losgelassen. Wer kennte die Kämpfe nicht schon aus Wort und Bild? Wir verabscheuen sie. wir entrüsten uns, wir loben die spanischeKLnigin. daß sie ihnen fern bleibt aber in Spanien keinen Stierkampf gese-, hen zu haben, ist ja schlimmes als in Rom gewesen zu sein, ohne den Papst zu sehen man geht mal hin bleibt bleibt bis zum Schluß und ist beim nächsten Stierkampf' pünktlich zur Stelle: denn es ist das aufregendste, großartigste Schauspiel, das es gibt. Gott verzeih' mir! Ich bin ja Culturmensch! Ostcrzelt. Won Martin Greif. O wunderreiche Osterzeit, Da aus des Eises starren Banden Der Lenz in lichter Herrlichkeit So wie der Heiland auferstanden. Sieh hin, das frühe Veilchen blüht. Und wo nach überwund'nen Tagen Das erste Grün den Busch umzieht. Hörst du die Drossel wieder schlagen! Wohin du blickst, die Wunder winken, Die das Gemüth allein begreift. Und klug will dich das Kind bedünken. Das nach der Häslcin Eiern schweift. Küchenlogik. Köchin : Früher kann der Herr Professor un möglich schon zerstreut gewesen sein." Kindermädchen: Warum net?" Köchin: Weil er sich so ein gar bild.saubers Weiberl 'rausg'sucht hat!" Vom C o r s o. War denn Lieutenant Kämpfer auch auf dem Corso?" Natürlich!" Was für Blumen warf er denn?" Lauter Schwertlilien!" . -

Zum Schutz und Trutz.

Als vor Kurzem der bisherige Präsident des Oranje-Freistaates, F. W. Reitz, in Folge schwerer Krankheit sein Amt Niederlegte, handelte es sich bei der dadurch nothwendig gewordenen Neuwahl emcs Nachfolgers vor Allem darum, ob die einheimische Burenbevölkerung, die zumeist auf eine innige Verbindung mit der durch Sprache und Abstammung. Geschichte und Regierungsform verwandten SüdafrikaNischen Republik hinarbeitet, den von ihr aufgestellten Candidaten, den Präs. Krüger. Landrichter Martinus Th. Steijn. durchbringen würde, oder ob die mit dem Capland liebäugelnde Gegenpartei, die unter anderem einer Verwirklichung der großafrikanischen Pläne Englands nicht abhold sein soll, mit ihrem Vertreter, dem Volksraad-Vor-sitzenden I. G. Fräser, die Oberhand behielte. Mit großer Majorität ging der Burencandidat Eteijn als Sieger aus dem Wahlkampfe hervor und er wird sonach während der nächsten fünf Jahre die Geschicke des Freistaates leiten. Die Annahme daß Steijns Wahl deren günstiger Erfolg zum Theil mit unter dem unheimlichen Druck der großbritannischen Expansionsbestrebungen, insbesondere der im vergangePräs. Steijn. nen Jahre vor sich gegangenen Annexion des Amatongalandes und des erst kürzlich unternommenen Einfalls der Jameson'schen Freibeuter zu Stande gekommen, auf einen thatkräftigen Mann von bedeutenden Charaktereigenschaften gefallen ist. eine entschieden anti-englische Politik bedeuten würde, hat sich bereits bestätigt, denn soeben ist zwischen der Südafrikani-schen-Republik und dem Oranje-Frei-staat ein Schutz- und Trutzbündniß abgeschlossen. Mit Führern wie Steijn und Krüger werden die Buren nicht allein sich die eigene Selbstständigkeit wahren, sondern auch dem Vordringen des gemeinsamen Feindes von der Capstadt zu den Nilmllndungen einen unübersteiglichen Wall entgegensetzen, um so mehr, als es ihnen in ihrem Widerstande gegen die Uebergriffe der Engländer nicht an Unterstützung fehlen dürfte. Vorsichtig. , . i v Arzt: Wie viel Bier haben Sie denn durchschnittlich pro Tag getrunken?" Patient (mit einem ängstlichen Blick nach der Thür): Sehen Sie doch erst gefällig 'mal nach, Herr Doctor, ob meine Alte nicht an der Thür horcht!" Prophetischer Blick & 4 'Sßi h, 57j tggir Braut: Aber was ist denn das, warum bist Du inn so betrübt und ernst man möchte gerade meinen, wir- seien schon verheirathet!" Unter Stammgästen. ,Du, Deine Alte ist ja die reinste Hexe!" Und ob die hat auf'm Blocksberg ein Stammkrügel!" E i n G e b.i l d e t t r. Haben Sie schon von dem Ausbruch des Vesuvs gelesen?" Nein, weshalb war denn der Kerl eingesperrt worden?" Harte Dressur. Vicefeld webel (zu den Rekruten): Euch -will ich noch einexercieren, dann aber geh' ich zum Hagenbeck."

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