Indiana Tribüne, Volume 19, Number 198, Indianapolis, Marion County, 5 April 1896 — Page 7
Zraucn als Diplomaten. Von Eugen Holani.
Wer hätte der Frauenwelt die Vefähigung abgesprochen, in der Politik eine entscheidende Rolle zu spielen? Die Geschichte allerZeiten u. Völker beweist durch zahlreiche Beispiele, daß viele grauen auf allen Gebieten des politischen Lebens erfolgreich gewirkt haden. Die Geschichte giebt uns eine unzählbare Menge Beispiele von solchen Damen an, welche durch die Größe ihres Geistes in Behandlung vonSlaatsGeschäften sich hervorgethan haben und vor welchen Männer, die in Kabinetsländeln grau geworden.dennoch dieSea.el streichen müssen. Da aber gleichwohl der Welt - Gebrauch ihnen ordentlicher WeiseSitz u. Stimme in dem Ministerio abspricht, so ist es ein sehr seltener Fall, eine Dame als dasHaupt einer eigenthümlichen Gesandtschaft zu sehen." So schrieb 1752 der später in den Freiherrnstand versetzte Rechtsgelehrte und Darmstädtische Legationsrath in Frankfurt am Main, Friednch Karl Moser. Aber kam der Fall auch selten vor. so kam er doch vor, und es ist nicht uninteressant, die Frauen, welche als Gesandtinnen einen politischen Einfluß auszuüben vermochten, Revue Passiren zu lassen. Vom Cardinal Mazarin, welcher sich bekanntlich häufig genug der Frauen zur Ausführung seiner politischenPläne bediente, rührt der Ausspruch her: Die Frauen sind würdig, ein önigreich zu regieren. Und die Frauen haden diesen Mazarinschen Ausspruch bewährt. Sie haben bisweilen mit fester, sicherer Hand regiert. Die Regierungsperioden der Königin Elisabeth von' England, der Kaiserinnen Maria Theresia und Katharina II gehören zu den glanzvollsten ihrer Reiche, ohne zu gedenken, jener Frauen auf denThronen, welche an der Seite ihrer Herrschergemahle einen nicht zu leugnenden hohen Einfluß auf die Geschicke der Völker auszuüben vermochten. Wir wollen hier nicht auf die Frage näher eingehen, ob das weibliche Geschlecht befähigt, von der Natur besonders beanlagt sei, die Herrschaft über einLand zu führen. Doch wollen wir eines merkwürdigen Falles erwähnen, wo eine auf den' Königsthron berufeneFrau ihrem Geschlecht selbst diese Befähigung absprach und ihrerseits auf die Herrschaft verzichtete. Der Fall ereignete sich in England, wo ja den Frauen das Successionsrecht nicht versagt ist. Als König Jacob II. vor der Revolution nach England geflohen war, erklärte das Parlament den Thron für erledigt und fetzte die Tochter des Königs, die Gemahlin des Prinzen von Oranien. Prinzessin Marie. davon in Kenntniß, daß sie die rechtmäßige Erbin des Königsthrones sei. Da begab sich Prinzessin Marie zu ihrem Gemahl und richtete die folgende Worte an ihn: Ich habe nicht eher als gestern fahren, daß eine solche Verschiedenheit zwischen den Gesetzen Englands und denen. Gottes besteht ? aber ich verspreche Fhnen hierdurch, daß Sie jederzeit das Regiment führen sollen, und ich bitte nur darum, daß. wie ich das Gebot beachten werde. welches den Frauen vorschreibt, ihren Gatten zu gehorchen, Sie das Gesetz beobachten wollen, welches den Gatten vorschreibt, ihre Frauen zu lieben," So wurde der Prinz vonOranien der Mitregent der Königin Marie. Doch zur Gesandtin dürfte sich die Frau gewiß vorzüglich eignen und zahlreiche, geschichtlich beglaubigte Fälle beweisen diese Befähigung. Als eines der ältesten Beispiele von dem einer Frau übertragenen gesandtschaftlichen Charakter darf die im Jahre 1525 erfolgte Sendung der Prinzessin Margarethe von Frankreich undWittwe des Herzogs von Alencon nachMadrid angesehen werden. Sie sollte die Befreiung des gefangenen Bruders, des Königs Franz I., vom Kaiser Karl V. erwirken. Etwas vordem noch ist die diplomatische Thätigkeit der Tochter Maximilians I Margarethe, zu erwähnen, welche im Jahre 1503, wo sie bereits Wittwe des Herzogs Philibert von Savoyen war, die Ligue von Chambray abschloß. Der Gewandtheit Margarethens gelang es. den für Venedig so verderblichen Vertrag zu Stande zu dringen. Der in der Geschichte unter dem Namen Samens rieben" bekannte Frieden vom Jahre 1529 zu Cambray zeigt schon durch seinen Namen, daß Frauen bei dem Zustandekommen des--selben die Hand im Spiele hatten. Di: Mutter König Franz I. von Frankreich und die Tante und Erzieherin Kaiser Karls V., Louise von Savoyen und Margarethe von Burgund, wa?en ls Unterhändlerinnen bei diesem Fsrndensschluß thätig. Auch im Jahre 1537 bedienten sich die beiden genannten Fürsten, Franz L und Kaiser Karl V., der diplomatischen Hilfe zweier Frauen, der Konigin Eleonore von Frankreich und der Königin Marie von Ungarn, um einen Waffenstillstand von drei Monaten zu Bounny abzuschließen. Auch der Thätiqkeit der Köniqin Henriett? von Frankreich ist zu erwähnen. Dock werden alle diese Fälle, in denen es sich un fürstliche Frauen handelt, insofern nicht als vollgiltia angesehen w:rd:n können, als manFürstinnen deshalb nicht zu den Gesandtinnen zählen kann, weil ihnen niemals gesandtschaftliche Kreditive, sondern nur Vollmachten zum Zweck ihrer Neyociationen ertheilt worden sind. Doch haben auch weniger hochgesiellteFrautn im Auftrage von Fürsten diplomatische Missionen ausgeführt so z. B. Gräfin Aurora von Königsmark, welehe von August dem Starken an Karl .V. von Schweden gesandt wurde. . Äurorz von Königsmark, eine
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durch Schönheit und Geist gleich ausgezeichnete Frau, stand bekanntlich zu Konig August von Sachsen in einem Liebesverhältniß. Sie wurde später zur Aebtissin der gefürsteten Reichtsabtei Quedlinburg ernannt. Als nun August vom SchwedenkönigKarl XII. hart bedrängt wurde, eilte Gräfin Aurora von Quedlinburg zu dem noch immer von ihr geliebten König, um ihn aufzurichten und vor Allem ihm seine Königlichen Pflichten vorzuhalten, welche er unter Schwelgereien aller Art vergaß. Da sie aber sah, daß Augusts Energie ganz dahin war, entschloß sich die schöbe Frau, selbst zu Karl XII. zu reisen, denen Stolz und Uebermuth August so empfindlich fühlen mußte. Gräfin Aurora erhielt eine geheime Mission an den König von Schweden. Aber Karl XII., der ein großer Weiberhasser ohnedies war, weigerte sich, die schöne Frau zu empfangen, und sie konnte weiter nichts erreichen, als durch Vermittelung des schwedischen Ministers, Grafen Piper, zu einer Hoffestlichkeit geladen zu werden. Aurora nahm die Einladung an. verlangt: aber, ihrem Range als deutsche Reichsfürstin gemäß, was sie als Aebtissin des Klosters zuQuedlinbürg war, einen besonderen Platz an der Abendtafel. Aber Karl befahl, daß sie unter alle übrigen Damen gesetzt werde, da sie, als ehemalige Maitresse keinen bevorzugten Platz beanspruchen dürfe. So blieb Aurora vom Feste fern. ihre. Mission war gescheitert, sie kehrte in ihr Kloster zurück und schrieb dort ein beißendes Spottgedicht auf Karl XII. Eine andere Gesandtin war die Marschallin öon Guebriant, eine Gesandtin Ludwigs XIV. Sie wird von allen Staatsrechtslehrern als die einzige, wirkliche, weibliche Gesandtin angesehen, da sie die einzige Frau war, die von einem König zu einem anderen regierenden Fürsten gesandt und hierbei mit einem Kreditiv ausgestattet war, welches den Gesandten als solchen bei dem fremden Souverän beglaubigt. Als König Ladislaus IV. von Polen im März 1644 seine erste Gemahlin. Cecilia Renata von Oesterreich, durch den Tob verloren hatte, schritt er sehr bald zu einer zweiten Berheirathung mit der Tochter des verstorbenen Herzogs von Mantua, Marie Gonzaqa, Herzogin von Nevers. Am 6. November 1645 fand die Trauung in der Kapelle des Palais Royal statt, bei welcher der König von Polen jedoch sich durch einen Gefandten vertreten ließ. Als nun die Braut zu ihrem Bräutigam abreiste, wurde ihr von Ludwig XIV. die Marschallin von Guebriant zur Begleiterin mitgegeben und die Letztere ausdrücklich von Ludwig zu seiner Ambassatrice bei dem König Ladislaus ernannt und mit Kreditivbriefen versehen. Die Marschallin war eine geborene Renata von Beck, ihr Gatte hatte 1643 zu Rottweil den Tod gefunden; sie war also Wittwe, als sie die Reise nach Polen antrat. Die von allen Geschichtsschreibern anerkannte hohe Klugheit und diplomatische Gewandtheit dieser Dame sollte auf dieser Reise noch harteProben bestehen. Die Braut nämlich, welche als eine der schönsten Frauen galt, mag wohl auch galanten Abenteuern, die damals am französischen KönigsHofe gang und gäbe waren, nicht ganz fern geblieben sein. Dem König Ladisläus. an dessen Hofe man mit einer Ebe der Herzogin von Revers ohnedies nicht einverstanden gewesen, mögen derartige Hofgeschichten in jedenfalls übertriebener Weise dargestellt worden sein, und als die Braut erschien, weigerte sich Ladislaus, sie zu empfangen und die Trauung anzuerkennen. Er schützte Krankheit vor und bestand darauf, daß die Braut nach Frankreich zurückkehre. Da verstand es Frau von Guebriant durch ihr diplomatischesTalent, den König umzustimmen. Er ließ sich, se sehr man auch an seinem Hofe dagegen intriguirte, mit Marie trauen, und Ladislaus ertheilte den Befehl, daß die Gesandtin an seinem Hofe mit den höchsten fürstlichen Ehren ausgezeichnet werde. Ludwig XIV. verwandte überhaupt sehr häufig Frauen zur Abwickelung diplomatischer Angelegenheiten. So sandte er auch zu König KaA II. von England die schöne und kluge Louise von Queroiaille oder, wie sie in der Volkssprache der damaligen Zeit genannt wurde, Madame Carwell. die sehr bald die Vertraute des englischen Königs wurde und so den von Ludwig' gewünschten Einfluß auf die engllsche Politik erlangte. Ein weiteres interessantes 'Beispiel von der diplomatischen Thätigkeit einer Frau wird aus der Geschichte des Kaiserreichs von Trapezunt erzählt. Im Jahre 1460 überzog Sultcn Mahomed den letzten Komnenen des trapezuntischen Reiches, David, mit Krieg. David war verbündet mit dem Fürsten der Turkomanen, Ilrsun. Als nun die Mutter des letzteren, Sara Chatun, sah, daß der Ausgang des Krieges ein mehr als zweifelhafter sei, vermittelte sie zu Ursinga einen Frieden mit Mahomed, worin sie zwar ihrem Sohne das Reich sicherte, aber den Vuudesgenossen David verrieth..' Sie ließ den Osmancnfürsten mit seinem Heer auf verborgenen Wegen, auf denen er durch ihre Veranstaltung nicht auf Widerstand stieß, mitten in das Gebiet des Komnenen David führen, der. vollständig unvorbereitet, seinem Gegner keinen Widerstand zu . leisten vermochte. So fand das alte Reich von Trapezunt durch die treulosen Ränkk einer schlauen Fürstin seinen Untergang. Damit dürfte wohl aber die Zahl jener Frauen erschöpft sein, welche all Gesandtinnen in irgend einer Weis thätig gewesen, wenn wir nicht nock zum Schlüsse des merkwürdigen Che valiers d'Eon gedenken wollen, jenei
geh!mnißvollen Wesens, über dessen Scicblecht niemals Genaues bekannt geworden. Es trat noch jung in daS Heer Ludwigs XV., wo er sich mehrfach durch Tapferkeit auszeichnete, wurde dann Diplomat und war lange als geheimer Agent. des Königs in London thätig. Man hielt ihn allgemein für eine Frau und er trug auch später auf Befehl des Königs, nachdem er sich durch Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen in seinen Memoi ren unmöglich gemacht, Frauenkleider. Nur unter dieser Bedingung, daß er diesem Befehl nachkomme, wurde ihm ein Ruhegehalt von 12.000 Livres vom König zugebilligt. Im Jahre 181t) starb das seltsame Wesen zu London, ohne daß Bestimmtes über sein Geschlecht bekannt geworden, wenngleich er auch auf seinem Grabstein alsMann bezeichnet wird.
Die Convcrsation im geselligen Verkehr. Eine vorzügliche Schule für die Frau ist die Conversation; dieselbe wird aber auch oft zur Lehrmeisterin für den denkenden Mann. Gar häufig findet man die Gesprächsstoffe in Gesellschaften durch die Frauen in eigenthümlicher Weise behandelt, welche dem Mann neue Gesichtspunkte geben, die er allein schwerlich gefunden haben würde; die Ursprünglichkeit, die Naivität der Auffassung . hat fchon manche gerühmte Lösung von Gelehrten umgeworfen, und nicht selten hat der Einfall einer Frau, durch den Verstand und die wissen schaftlicheBildung des Mannes in Berechnung gezogen, zu gar interessanten und wichtigen Entdeckungen geführt. Uebung in der Conversation, auch wenn sie nicht zu wichtigen Resultaten führt, ist jeder Frau zu empfehlen ; sie erweitert die Kenntnisse, regulirt die Anschauungen und erleichtert wesentlich die Bewältigung der Schwierigkeiten im häuslichen Verkehr mit Besuchern, Familienmitgliedern und Untergebenen, denn diese Uebung bringt eine Fülle von Worten und Wendung, welche verschärfen, abschwächen und lehren damit manchen häuslichen Conflict zu vermeiden. Uebung in derConversation giebt aber auch dem geselligen Verkehr eine Würze; denn sie gestattet derFrau, die Plauderei zu reguliren, zu verändern, und dadurch, daß sie die BeHandlung verschiedener Stoffe anregt, jedem einzelnen Gaste Gelegenheit zu geben, sein Ideen und Erfahrungen zur Geltung zu bringen, Uebung in der Conversation beseitigt jede Verlegenheit der Frau um einen passenden Gesprächsstoff; sie wird jederzeit u. für jede Person das Geeignete finden, bald eine Besprechung häuslicher - Angelegenheiten, bald eine Auseinandersetzung über interessante Stadtfragen, über ethische und moralische Themata u. dgl. und nicht verlegen sein, falls es einige Zeit dauert, um jenen Gesprächsstoff zu treffen, auf welchen die besuchende Person mit Erfolg einzugehen vermag. Diese Uebung ist wohl eine schwierige, aber immerhin eine anregende. Unbedingt nothwendig ist es daß die Frau es lerne, sich in' die Auffassungstraft und den Charakter der Person, mit der sie spricht, hineinzuversetzen, daß sie es lerne, den Geist der Mitsprechenden passend zu behandeln. Richt der Streit und die Disputation ziemt der Frau, sondern vielmehr jene zarte und wohlwollende Form, durch die sie oft den Sinn der strengsten Männer beherrscht. Bei vielen Frauen ist die natürliche Anlage vorhanden, die freie Zeit, welche die Verwaltung des Hauswesens gewährt, zum Aus? tausch von Erfahrungen in häuslichen Angelegenheiten mit andern Frauen, zur Anregung und Belehrung jüngerer Personen oder zur Selbstbildung im Verkehr mit geistvollen Männern zu verwenden. Sehr häufig nöthigt schon die Stellung des Gatten dazu, oft mit andern Personen zu verkehren, und die glückliche Art der Repräsentation -des Hauswesens durch die Frau, ihr geschickte? Umgang mit andern Personen erleichtert oft dem Manne seine Thätiqkeit und bringt beiden Ehre ein. Manchem ist es angeboren, was er thun und lassen soll. Ist es auch im Allgemeinen für den Höherstehenden leichter, sich beliebt zu machen, so kommt es doch in. Gesellschaften oft vor, daß Frauen angesehener Manner wenig beachtet, dagegen geistreiche Frauen m einfachen Lebensverhaltnis sen siehend allgemein beliebt sind. Allein wie viel auch der angeborene Takt vermag, sind gewisse allgemeine Re geln der Etikette doch nothwendig. Liebt der Gatte oder sie selbst es. oft Gäste im Hause zu haben, dann erwachst für die Hausfrau die Pflicht, das Heim für Freunde recht angenehm zu gestalten. Jede Frau weiß aus ih rer Erinnerung an die Mädchenjahre, wie gern sie in das eine, wie ungern sie m das andere Haus geqangen ist, wenn eine Einladung kam. Möge daher jede Hausfrau trachten, zu vermeiden oder 'zu thun, was ihr als Madchen die fremde Gastlichkeit unbequem, cventucll behaglich qemacht hat. Allgemein beliebt ist' die Frau, die mit Anmuth und Grazie im Umgang-mit Menschen zu walten weiß und vielen Nutzen vermag sie hierdurch unbewußt zu stif ten; eine lange währende angenehme Erinnerung an. geistreiche liebenswur dig? Frauen bewahrt man oft. ob gleich nur eine vorübergehende Begeg mmq stattgefunden ; das Benehmen der Frau wird oft zur Grundlage der Beurtheilung der Hausverwaltung, der Erziehung der Kinder und vieler an derer für das Gedeihen der Famili; hochwichtigen Angelegenheiten. Im Hotel. A.: Hast Du gut geschlafen?" B.: Na, es ging so aber die armen Wanzen, die haben du aanze Nacht kein Auge zugethan!"
Schmücke dein Mm! Won Thcodoretta Rosenblick. Nachdem ick aufaefordert worden
bin, für Ihre Zeitschrift über meine Erfabrunaen in Bezua auf häusliche Kunst einen Artikel zu verfassen, schicke ijt , : ijt ' r.w:. . .:riri.r' iiii, wiu io) oyncoies uic vuuiicuc rei auch als Liebhaberkunst betreibe, indem daß verschiedene Zeitschriften wie die Kunst für die deutsche Haussrau , oas Hausmutterchen und der Leimtovk" Aussähe von mir aebrackt haben und dieselben großen Anklang gesunoen haben, Ihnen Einiges aus meiner Praxis und langjährigen Erfahrung, welche ich mir im Laufe der Jahre erworben habe. Theure Leserin! Man glaubt gar nicht, mit was man Alles sein Heim . .. IHmuaen kann: In meinem Hause wird, die Kückenabfälle inklusive mit eingeschlossen. Alles zur Echmuckung des Heims verwendet und haben wir schon zwei weitere Zimmer mitdazumiethen müssen, um Alles unterzubringen. Aus ganz Unscheinbarem kann eine geschickte Liebhaberkünstlerinnenband den reizendsten Zimmerschmuck verfertigen. ?o ejjen wir z. B. öfters Leberwürste. Ich sorge, daß die Häute sorgfältig ausgeschnitten werden, trockne sie, reinige sie. nähe sie zusammen, spanne sie auf Rahmen, bemale sie mit Wasserfärben und erziele dadurch einen Fennerjcymucr, der, sobald es dunkel wird, aussieht wie echte Diavbanien. Mein Mann hat sich allerdings beklagt, daß er zent gar o oft Leberwurste essen muß. aber die schonen GlasfensterImitationen in seinem Schreibzimmer haben ihm doch recht viel Vergnügen gemacht, wozu sich die Häute vonBlut Würsten weniger eignen, weil sie nicht so durchsichtig sind, und er gab sich m mf m mm. 1 schließlich zufrieden. Theure Leserin, wie war ick da erfreut! Unserm Speisezimmer feblte schon lanae ein Lüster, ftch habe aus einem alten Regenschirmgestell, einigen Kilos alter Glasscherben und emer Mischung von verdorbenen Salzgurken, Kartoffelschalen, Asche, Gips und zu Grunde gegangenen Bücklingen einen Prachtvollen Lüster hergestellt. Die Stan gen des Regenschirms bestrich ich mit einer aus obigen Ingredienzien gekneteten VJlat, den Bücklingen nahm ich die Sckuvven ab. was eine vräcktiae Vergoldung für den Lüster abgab, auf den ich sie klebte, und die Glasscherben ließ ich schleifen und behängte damit den Lüster, der anfangs nicht angenehm roch, aber von geradezu prächtiger Erscheinung war; nur das Schleifen war etwas theuer, nach dessen Preis ich vergessen hatte, vorher zu frager.. Der Glasschleifer hat 275 Mark verlangt, aber es giebt gewiß Schleifer, die das billiger machen. Lange war es mein sehnlichster Wunsch, die Büste meines Lieblingscomponisten zu besitzen, indem ich auch die Musik als Liebhaberkunst treibe und mir dieselbe in echtem Gyps zu kostspielig war. Nun verfiel ich auf einen Gedanken, auf de.l ich wirklich stolz bin: ich hatte ein Gefäß, welches überflüssig wurde, da mein Jüngster sozusagen daraus wuchs. Dieses setzte ich auf einen abgebrochenen Lampenfuß, schlug den Henkel ab, modellirte eine Nase an seine Stelle und auch das Uebrige. was zum Gesicht gehört, bis es dem großen Künstler ähnlich sah und ich es mit Goldbronze bestrich, wo es dann wirklich wie eine echte Bronzebüste aussah. Um das Gesicht recht ähnlich zu machen, hatte ich mir mehrere große Photographien und Stahlstiche mit , Portraits des Meisters gekauft. Für die echte Büste verlangte der Gypsfigurenhändler 6 Mark, mir kostete die meinige nichts, als um 20 Pfennige Modellirwachs und um 10 Pfennige Goldbronze. Mit Goldbronze läßt sich überhaupt Fabelhaftes erreichen. In meinem Rococozimmcr habe ich z. B. einen Spiegelrahmen einfach durch aufgenagelte Salzbretzen stilvoll verziert. Kein Mensch kennt das von einer echten Schnitzerei Louis XV." weg. Eine Galosche meiner Schwiegermutter, in die ich eine Kinderbadewanne aus Blech stellte, gab einen wundervollen ovalen Blumentisch, ein Korsett der gleichen Dame mit Leimwasser steif gemacht und bronzirt. ist als Behälter für getragene Wäsche jetzt die Zierde unseres Schlafgemachs. Wie gesagt, theure Mitschwester, ich verwende Alles im Haushalt zur Schmückung unseresHeims: Aus alten Stiefelsohlen meines Mannes habe ich in Lederschnitt sehr hübsche Bierglasunters'ätzchen gemacht, auö alten Conservenbüchsen, abgelegten Bügeleisen und Blechtopfen stellte ich einen RitterHarnisch für unsern Vorplatz zusammen, den nur ein Kenner, weil derselbe wirklich hübsch ist, von einem echten Maxemanuelsharnisch weg kennt, wie man sie heißt. Ein reizendes Tintenzeug erhielt mein Gatte von mir zu seinem letzten Geburtstag: und aus was ist es? Nur ans abaebrochencn Sozhletflaschen. Austernschalen und Hummerscheeren. Zu seinem Namenstag bekam er einen Pfeifenständer aus was? Aus zwel defekten Teppichklopfern und einem zerbrochenen Toi-lette-Eimer. und den Resten einer ausrangirten Bettvorlage es sieht aus wie indisch. Erst iünast habe ich ihm den Sin seines Sckreibstuhles mit tiefer KerbschnittarbeZt verziert. Er saat er müsse nun an mich denken, so oft er daraus sitzt, wie ihn überhaupt jedes Stück in unserem Hausrath an meine fleißigen Hände erinnert Ich glaube. sagen zu dürfen, daß nahezu nichts mehr ungeschmuckt ist in unserem Heim. Bei Einladungen verzieren wir sogar Zahnstocher und Streichholzer mit Holbrand. Ueberhäupt wird mit dem Glühstift Alles bearbeitet, was
aus Holz oder Leder ist, wie ta? -rr . n er rt v l-.rjn;
cuciö Pioceuan- uno inguigesHiil stilvoll bemale. Daß man alle Stoffreste zu uebhaberkünitlicken Arbeiten verwenden kann, versteht sich von selbst. Unser großer Salonteppich weist Musier von sämmtlichen Hosen auf, die meinMann in den 24 Jahren unserer Ehe getragen. Man hielt denselben für einen 's- 1 Y V w rf-w t ccnien Perser, unsere noryange smo mit der Wolle abgetragener Strümpfe und Socken gestrickt und hängen an (bronzirten) Vorhangstangen, die früher Besen gewesen sind. Unsere Stühle sind mit meinen ehemaligenSeidenkleidern übrnostttt. nns,r? nHhuitfsften Tischtücher sind ehemalige Bettlaken, i , . . . vie ich mit rothem Garn verziert habe, während unsere Betttücher aus ehemaligen altdeutschen Tischdecken bestehen. Alte Schnupftücher lassen sich mit gefchickter Benützung der Löcher und Flicken in reizende a-Zour-Deckchen verwandeln und sind dieselben für Teller, Vrodkörbchen sehr verwendbar. nrrr , r . , . uuzs laßi slll) verwenden, tyeure Leserin, wirk m nickt him in ' " w v Haushalt: Eierschalen. ??ischaräten. alte Handschuhe. Geflüaelknocken. Eigarrenkisten. Tintenflaschen. Nestlebüchsen. Zündholzschachteln. Kartonemballagen. zerbrochenes Geschirr jeder Art. Staniolkapseln. Flaschenkorke, Alles läßt sich verwenden, bronziren, xunzen, aussagen, brennen, verlöthen, schneiden, schleifen, graviren, bemalen, annageln, aufhängen, feilen, lackiren, treiben, hämmern, ätzen, bekleben, kerbschneiden, schnitzen, transparent machen. Unser eiaenes Qeim.,ist nun ll,rdings schon so schr als möglich geschmückt. Aber im nächsten Jahr geht meine Tochter auf den ersten Nss s fang ich jetzt mit ihrer Aussteuer an. Uebrigens fällt mir dabei ein.daß man abgelegte Ballblumen auch bronziren kann und sie dani- von Kunstschmiedearbeiten nicht wegzukennen sind. Was t i t r t n ' ser quoica tu. Also schmucke Dein Heim! Zvenn Du erst Zrau bist. Wenn Du erst einmal Frau bist, wird Dein Mann schon für Dich sorgen. denken und handeln, spricht oft die Mutter zu ihrer Tochter. Wieviel Anlagen und Fähigkeiten verkümmern oft in der festen Hoffnung auf den künftigen Mann. Wie nun aber, wenn dieser nicht kommt? Harmlos, wie die Schmetterlinge im Blumengarten, gaukeln so viele junge Mädchen durch das Leben. Aber es bleibt nicht immer so. Es kommt ein Tag, der die Mädchen unsanft aus ihren Träumen rüttelt, der sie daran erinnert. daß das Leben nicht nur Rosen, sondern such Dornen bringt. Darum sollte Selbstständigkeit das Hauptziel der Erziehung sein, Selbstständigkeit im Denken und Handeln, Selbstständigkeit im Erwerb und in der Meinung. Selbstständigkeit im Erwerb, das sei Dein erstes Erziehungsprinzip. Wie Du Deinen Sohn frägst, was willst Du werden?" so laß auch Deine heranwachsende Tochter sich für irgend einen Beruf entscheiden. Beobachte ihre Talente und Fähigkeiten, bilde sie aus und ' lehre sie dieselben verwerthen. Unabhängig vor allem muß das Mädchen dem Manne gegenüber stehen. Die Liebe, nicht die Angst, unversorgt zu bleiben, soll für die Frau beim Schluß der Ehe maßgebend sein. Aber nicht nur im Erwerb, auch im Denken und Handeln muß die Frau frei und selbstständig sein. Nichts ist lächerlicher, als eine Frau, welche bei jeder Kleinigkeit sagt: da muß ich nst meinen Mann fragen; oder eine Mutter, die nicht nach eigenem Ermessen ohne Papas Hilfe die Kinder lohnen oder strafen kann. Etwas anderes ist es bei wichtigen Angelegenheiten, da wird selbstverständlich die Frau den Rath des Gatten befolgen oder um seine Meinung in dieser oder jener Sache bitten. Wie gut für die Frau, welche bei einem plötzlichen Unglück selbstständig ihre Verhältnisse ordnen kann. Rechnen, die große Kunst, die größte von allen, bleibt demMädchen ein Buch mit sieben Siegeln. Das theoretische Rechnen hat der Backfisch wohl in der Schule gelernt, auf welchen Grundlagen jedoch der Haushalt der Eltern ruht, erfährt die Tochter selten. Wie aber soll die Frau Gehilfin des Mannes sein, wenn sie niemals lernt, was ein Haushalt erfordert. .welche Lasten darauf ruhen und wie schwer es oft ist, das tägliche Brot herbeizuschaffen. Nicht nur sein Taschenaeld soll das junge Mädchen ausgeben und berechnen lernen, es muß - rwi r r ei auch Theil haben an ven uiZirlyscyasissorqen überhaupt. Sagt nicht immer Ihr lieben Mütter: Meine Tochter lernt das Leben früh genug kennen, ihre Jugend soll harmlos und fröhlich sein!" Nein, lehrt stt dem Unaluck m's Auge sehen, damit sie ge wappnet ist. wenn es kommt, und ihm muthig gegenüber treten kann. Auch die Ehe ist schlieklich keine ewige Ver sorgungs-Anstalt. denn der Mann kann sterben, das Vermögen verloren aeben.' Wohl tat Frau., die solchen Schicksalsschlägen nicht nur mit Thranen und Klagen gegenuversttyl. SchwachfüßigeAusrede Hausfrau: Aber. Louise, Du hast ja so viele Liebhaber! Wienstmavchen : Ja Madame, die wollen mir alle heirathen und Hausfrau will man doch auch 'mal werden! Leichter Erwerb. A.: Was treibst Du denn jetzt eigentlich? B.: Ich erwerbe meinen Unterhalt mit Schreiben. A.: So! Für Zeitungen? B.: Nein! Ich schreibe zweimal jeden Monat an meine Tante, daß ich Geld , brauche.
per Zjanöschuh. Umwoben von dem annzen rn,??
jener ritterlichen Romantik, die ihn in's Leben gerufen hat. aehört der Handschuh ohne Zweifel zu den interessantesten Details der Damentoilette. Mit ihm ,st von ieher ..eine gewisse Poesie eng verbunden gewesen; es umgiebt ihn etwas von dem Reiz seiner galanten und kriegerischen Vergangenheit. die ihn dem Gegner als Fehdezelchen hinwerfen und als Huldbeweis der Herrin an den blanken Ritterhelm heften lehrte. Unstreitig hat der Handschuh eine interessante Geschichte und eine wechselvolle Vergangenheit, wenngleich seine Ahnen nicht bis in's graue Alterthum reichen, denn die Frauen des Alterthums kannten ihn . noch nicht. Die Königin von Saba kam ohne Handschuh zu Salomo. und jene perlenfarbigen Hände der schönen Kleopatra, die einen Antonius so fest zu halten wußten, schwächten ihren geheimnißvollen Magnetismus noch durch keine Hülle. Sein goldenes Zeitalter beginnt mit dem Mittelalter. Er schützte auf der Jagd die harten Hände des schonen Ritterfräuleins vor, den scharfen Fängen des ??alken. aber er verhüllte auch die schlanken, weißen Finger, die ein kühner Knappe so gern küssen mochte. Wenn Fräulein Rosalinde gerade einen Handschuh kein anderes ihrer Toilettenstücke, nicht eine Schleife von ihrem Busen, einen Ring von ihrem Finger wählte, um ihn in den Löwengarten hmabzuwersen und den Ritter zu einer Liebesprobe herauszufordern, so beweist dies, daß der öandsckub überhaupt als ein Objekt der Huldigung und der Herausforderung zugleich galt. Die Lettenbraut, unter deren strickenden Fingern der Handschuh als Heirathsvorbote entsteht und. zu rne len Dutzenden un Kasten des Mad chens aufgehäuft, dort bis zu dem entscheidenden Tage ruht, heftet ihn als Franze an die Zipfel eines weißen Tuches, das sie zedem ihrer Hochzeitsgäste wie ein Ordensband über die Brust legt. In der Schweiz figuriren die Handschuhgeschenke, der Sitte gemaß, bei Taufen und Begrabnissen. Die Pathin muß dem Bathen ein Paar Taufhandschuhe kaufen, und eme Landesverordnuna verbietet zugleich, bei den Kindtaufen Handschuhgeld zu verabreichen. Unter allen Umständen müssen die Pathen das Kind, damit es ein anständiges Menschlein werde, in Handschuhen über die Taufe halten. Der Roman und das Gedicht, die altspanische Romanze sogar schon.welcher Schiller den Stoff zu seiner Ballade entlehnte, zeigen die geschickte BeNutzung des Handschuhes als Knotenschürzer und Eheprokurator. Hier ist ein , vergessener der Verräther eines heimlichen Rendezvous, dort ein der Hand entfallen der Schlüssel zu einer Intrigue, endlich ein vergifteter der Eifersucht Rächer, wie einen solchen die Gräfin Cosel der schonen, venetianischen Malerin, der Gräfin Eoccini, die ihr die Liebe August des Starken zu rauben drohte, von dem Chemiker Bolta zurichten und heimlich zustellen ließ, der ihrem Körper einen entsetzlichen Ausschlag brachte, an welchem die junge Künstlerin starb. Auch die schwarze That einer Katharina von Medici, die durch das Geschenk vergifteter Handschuhe denTod Jcanne d'Albrets herbeiführte, wird unvergessen bleiben. Seit dem Mittelalter, wo der Handschuh ausschließlich einen aristokratisaen Charakter hatte, trat er mehr und mehr ausser früheren Reserve heraus, bis er. in zeitgemäßer Toleranz, heute ein allgemeines Requisit geworden ist. Jeder Toilette ist er jetzt, unerläßlich, und nur die erste Jugend und eine gewisse Vogelfreiheit jenseits der Gesellschaft darf sich von ihm emanzipiren. Als Däne" sehen wir ihn auf der Promenade, als Katzenleder im Salon, und als weißer glac6 läßt er mancherlei Erinnerungen an Examina, Einsegnungen, Pathenstellen und andere feierliche Momente in uns erwachen. Das einzige oilettenstück, das zu schmeicheln verschmäht, sind Handschuhe. Handschuhnummern sind der einzige Maß stab jener Skeptieker an Frauenreizen geworden, die in der Hand allein die wahre Schönheit sehen wollen. Wie viele vermeinen nur am Handschuh allein die echte Eleganz und die Dame von Welt zu erkennen. : Was ifi der Mensch. Aus was besteht der Mensch? Was erhält man, wenn er chemisch zerlegt wird? Der Mensch bestcht aus dreizehn Grundstoffen, von denen fünf gasförmig und acht fest sind. Der Hauptbestandtheil ist Sauerstoff in einem Zustand von äußerster Zusammenpressung. Ein Normal - Mensch von 70 Kilogramm Gewicht enthält 44 Kilogramm Sauerstoff, welche unter gewöhnlichen Verhältnissen einen Raum von 23 Kubicmeter einnehmen würden. Ferner birgt besagter Mensch 7 Kilogramm Wasserstoff, welche im freien Zustande einen Raum von 80 Kubicmeter füllen würden. Die drei übrigen Gase sind Stickstoff (1.72 Kilogramm) Chlor (0.80 Kilogramm) und Fluor (0.1 Kilogramm). An festen Stoffen enthält der Normalmensch 22 Kilogramm Kohle, 800 Gramm Phosphor. 100 Gramm Schwefel. 1750 Gramm Calcium, 80 Gramm Kalium.. 70 Gramm Natrium, 50 Gramm Magnesium und 45 Gramm Eisen. Eisenmetalle birgt somit der menschliche Körper nicht, und er enthält in derHauptsache nur Stoffe, die wohlfeil sind, wie Brombeeren. Eine bergmännische Ausbeutung des Menschen würde sich kaum verlohnen.
Vcrüymte ZVcinscijfcr.
Die ersten Weinfässer entstanden wahrscheinlich in deutschen Landen, denn öie Völker des Alt?rthums kannten den Faßbau noch nicht; ihre Weinbehälter waren irdene Gefäße, die nur der Form nach den heutigen Fässern gleich kamen. Die Griechen und Romer benutzten Amphoren, und ihr Trinkgefäß war das Trinkhorn, das bei den Studenten noch heute im Gebrauch ist. Es ist also' anzunehmen, daß die ersten Faßbinder Deutsche waren, und nicht ohne Grund singt Scheffel in seinem reizenden Gedicht Das große Faß zu Heidelberg": Das .ächte Faß zeugt deutschen Schwung. Es gingen die Germanen Schon auf die Völkerwanderung Mit Trinkglas. Faß und Hahnen." Zu den größten Fässern gehört vor Allem das berühmte Faß im Schloß zu Heidelberg, das Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz im Jahre 1751 durch den Kufermelster Johann Jakcb Engler erbauen ließ. Dieses Ungethüm faßt 236 Fuder Wein, gleich W6.000 Flaschen und soll nicht we Niger als 80,000 Gulden gekostet habat. Es ist 29 Fuß lang. 25 Fuß hoch und mißt im Durchmesser 22 Fuß. Doch ist dieses nicht das einzige Niesenfaß. das im Heidelberger Schloß lagerte, denn fchon im Jayre 1591 wurde im Auftrage des Pfalzgrasen Johann Kasimir ein Faß erbaut, das 132 Fuder Wein hielt, wähnd des Dreißigjährigen Krieges jedoch, da es zu lange trocken stand, ver faulte. Auch Kurfürst Karl Ludwig ließ ein Faß erbauen, das 204 Fuder Wein aufnehmen konnte. Als die Franzosen später Stadt und Schloß Heidelberg zerstörten, wurde auch dieses Faß demolirt. doch ließ es Kurfürst Karl Philipp im Jahre 1716 wieder neu aufbauen. Leider ist das berühmte Riesenfaß im Schloß zu Alt-Heidelberg schon seit 1764 gänzlich leer und deshalb ruft es bei Schefsel an der angeführten Stelle schmerzlich klagend aus: Als edler Vildungsdurst die Welt Erfüllt mit edlem Streben, Rief mich ein Kurfürst und ein Held Als Burgfaß hier in's Leben. Noch sieh ich fest, wo Alles fiel, Des Pfälzer Geists ein Funken; Groß im Gedanken, flott im Stil Und gänzlich leer getrunken. Oh wär' ich voll heut, Mann und .Glas Füllt ich mit Rheinweinmässen; Doch weh und ach! Dem Haupt- ' wort FaßFehlt langst sein Zeitwort .fassen" Noch größer als das Heidelberger ist bekanntlich das Ludwigsburger Faß, das 1790 gebaut wurde und 289,000 Flaschen faßt. In dem Keller des Klosters Eberbrach im Rheinzau befand sich im Mittelalter ein Riesenfaß, das im Jahre 1525 von rheinischen Bauern zerstört wurde. Drei stattliche Riesenfässer lagern auch in der ehemalig fürstbischöflichen Kellerei im Schloß zu ' Würzburg. Das größte dieser Fässer faßt 55 Fuder Wein, und die beiden Kleineren können 289 und 276 Eimer aufnehmen. Sie enthielten in früheren Zeiten den .Bestallungswein", der unter die fürstbischöflichen Beamten vertheilt wurde und aus verschiedenen Lagen stammte. Ein in der Festung Königstein in Sachsen befindliches Riesenfaß, das im Jahre 1680 angefertigt wurde, war sogar noch größer, als sein berühmtes Geschwister in Heidelberg, denn es faßte volle 600 Eimer Wein mehr als dieses. Indessen nicht in früheren Jahren allein, auch in neuester Zeit noch wurden Riesenfässer erbaut, die an Größe dcnColossalfaßbauten in alten Schlössern und Klöstern nicht nachstehen und die bezeugen, daß man auch heute noch im deutschen Vaterlande dem Gott des Weines huldigt. In Rüdesheim am Rhein, in den Kellereien der Firma I. V. Sturm, lagert ein stattliches Faß, das im Jahre 1874 von einem Küfer in Weisenau bei Mainz erbaut wurde und 20 Stück Wein, gleich 24.000 Quart, aufnehmen kann. . Es mißt in der Länge 11$ Fuß und ebensoviel im Durchmesser. Im Jahre 1874 wurde dieses Faß mit Rüdesheimer 1874er gefüllt und seitdem ist es ständig im Gebrauch. Auf seinem Vorderboden, der mit reicher Holzschnitzerei geziert ist befindet sich der Spruch: Im Rüdesheimer Berg gedeiht s Der Wein am besten weit und breit. Drum schirme Gott dies Stückchen Erde. Damit alljährlich voll ich werde." Das mächtigste Riesenfaß der Neu zeit ruht jedoch in der Kellerei M Weinbergbesitzcrs August Wilhemj in Hattenheim. Es wurde im Jahre 1874 von dem Küfer Ignatz Müller in Eltville erbaut und faßt 50 Stück Wein. Dieses Faß. das gleichfalls beständig im Gebrauch ist. wurde im Jahre 1876 bei Gelegenheit des Deutschen Journalistentages feierlich eingeweiht und war damals mit 1874er Rauenthaler gefüllt. Beider Taufe dieses Fasses sprach der rheinischeDichter Emil Rittershaus den Pathenspruch, der in einem Hoch auf Wilhelmj, den Kaiser lm Reich der Rebe", ausklang.
