Indiana Tribüne, Volume 19, Number 198, Indianapolis, Marion County, 5 April 1896 — Page 6

Bestimmung.

Von Alexis Aar. Nun ist es Nacht: du aber'sinnst Allein im dunklen Schlafgemach Gar manchem süßen Traumgespinst Und manchem stillen Räthsel nach. Du seufzt, und dennoch duldest du, Daß sie dir immer wieder nah'n, DaK sie zum Herzen ohne Ruh Sich brechen unverhalt'ne Bahn. Und über's blühnde Angesicht Rollt eine schwere Thräne hin, Umsonst! du findest grübelnd nicht Des eig'nen Lebens Zweck und Sinn. Du ahnst es nicht, daß. der dich schuf. Der Gott mit seiner güt'gen Hand, ' Dir gab den herrlichsten Beruf. Den dies: nicht'ge Welt gekannt: Daß an dein süßes Leben sich festklammernd eine Seele hält. Wenn ihr die eig'ne Kraft entwich. Zu widersteh'n dem Sturm dev Welt. Du ahnst nicht, daß im fernen Land Dein Bild, von Liebe still gehegt. Ein Knabe, den du kaum gekannt,Als einzig Gut im Herzen trägt.. Madame Zwchel. Geschichte eines Prozesses. Von Otto ElZner. (5s war in den sechziger fahren, als in Paris ein Prozeß geführt wurde, der sowohl wegen der daran betheiligten Personen, als auch wegen seines Objekts da allergrößte Aufsehen er regte. ady Walpole, die Gemahlin des britischen Gesandten, galt mit Recht für eine imposante Schönheit. Aber was am meisten an ihr blendete, das war ohne jeden Zweifel der Teint. In der That war dieser tadellos. Nicht Anadyomene, als sie dem Schaume des Meeres entstiegen, konnte entzückendere Farbentöne aufweisen. Die Arme konnten einer Statue des Phidias ent lehnt sein. So ging es weiter über Kinn und Wangen hinauf bis zur Stirn. Was am meisten angestaunt wurde, war wohl, daß diese ebenso. wie die Umgegend der Augenwinkel nicht das mindeste Fältchen aufwies. Und man durste sich umsomehr darüber wun dcrn. als Lady Walpole doch bereits in den Jahren war. wo sich die so verrathcrischen Krähenfüße mehr oder weni ger in jedes Antlit) graben. Nichts desto weniger wurde alle Welt getäuscht. Lady Walpole's Teint war im Grunde nicht anders beschaffen, als derjenige aller ihrer Neiderinnen. Was man sah. war Täuschung. Ladt) Wal Pole verfügte eben, um die betreffende Verjüngung vorzunehmen, über eine Hülfe, die allen Andcr-en unzugänglich war. Die Sache verhielt sich nämlich fol gendermaßcn : Bevor Lord Walpole als Gesandter bei den Tuilerien beglaubigt war, ver trat er den Hof von St. James beim ?!achfolger des Prophelen. Seine Stellung war so einflußreich, wie man dies nach Maßgabe des von ihm vertretenen Staates nicht anders erwarten konnte. Nicht zum Mindesten aber verdankte er seine Erfolge den geschickten Händen, mit denen seine Gattin die oftmals schier unentwirrbaren Fäden der Polt tit spann. Sie drang bis in den Serail, sie war die vertraute der Javo ritinnen des Sultans. Als Lord Walpole schied, um für die Stellung am goldenen Horn diejenige am Hofe Napoleons III. einzutauschen, trug er Ehrungen jeder Art mit sich fort. Aber alle Orden und Geschenke kamen nicht dem gleich, das seiner Ge mahlin zu theil wurde. Eine Lieb lingsfrau des Sultans gab ihr am lich ihre Haupthelferin bei der Toilette mit. Es war dies eine Syrierin aus Tamascus, keine Sklavin, eine Art Kammerfrau. Madame Rachel. so nannte sie sich schon damals im Serail aus modisch-frünkiscbe Art. verfügte über jenes kosmetische Wiffcn, wie 'es eben nur im Orient möglich ist. Lady Walpole begriff sofort den Werth dieser Gunstbezeugung. Welche Frau hätte nicht den Wunsch, schön und ewig jung sein zu wollen! Ueberdies stand ihre Uebcrsiedclunz nach Pa ris bevor, also an einen Hof, wo solche Vorzüge zumal geschätzt wurden. Sie erzielte denn auch vollkommen die Bewunderung, die sie erhofft hatte. Selbst die schöne Spanierin, die da mals die franzosische Krone trug, konnte mit ihr nicht wetteifern. Tiefer Triumph währte etwa ein Jahr. Eines Tages ereignete sich das, woran Lady Walpole immer und mit nicht geringem Bangen gedacht. Nur daß es nicht ganz so aussiel, wie sie es sich in ihrer Phantasie ausgemalt. Madame Rachel kündigte ihr nicht etwa den Dienst, nein, sie stellte ihr denselben auch fernerhin in Aussicht. Nur wollte sie ihrer wichtigen Thätigkeit gemäß be zablt sein. So forderte sie für jedes Jahr ein Honorar von 5000 Pfund Sterling, mit dem ebenso höflichen, wie entschiedenen Ansuchen, daß ihr diese Summe in ihrer vollen Höhe auch für die bereits verstrichene Zeit ausbezahlt werde. .'ady Walpole war starr vor Erstauncn. Wäre sie reich gewesen, so würde sie diese Forderung, so exorbitant sie war, dennoch bewilligt haben. -?lber unglücklicherweise war die Dame arm. Sie besaß nichts außer ihren Diaman. ten. Und ihr Gemahl war gleichfalls allein auf die Einkünfte angewiesen, die er als Gesandter des britischen Hauses bezog. Für die gequälte Frau begannen jetzt trübe Tage. Sie versuchte es zu. erst mit Strenge. Aber Madame Ra. chel antwartete damit, daß sie das Haus verließ. Nun zog Lady Walpole mil dere Saiten auf; sie legte sich auf Sit

ten, auf Flchen. Ihre schönen Augen vergoffen sogar Thränen wirkliche, echte Thränen. Tie schlaue Syrierin blieb hart wie ein Felsen, ja. sie drohte allen Ernstes mit einem Prozeß und leitete denselben bald darauf thatsächllch ein, und daß dieser Prozeß der Emailleuse" ungeheures Auffehen er. regte, kann man sich denken. Ter Tag der Behandlung kam. Ter Zuschauerraum war schon Stun den vorher überfüllt. Tie gesammte Aristokratie hatte ihre Bertreterinnen entsendet. Man kicherte, als Lady Walpole eintrat. Hunderte von gold' gefaßten Lorgnons waren auf sie ge richtet. Man wollte doch sehen, wie sich ihr Teint ausnehme, nachdem sie. auf die nachhelfende Hand der Email leusc verzichten inußte. Lady Walpole entzog sich diesen Waffen, so gut sie vermochte. Ihre Hände waren bis zu den Ellenbogen von Handschuhen umfloffen. Das Kleid, das sonst die schönste Büste be reitwillig gezeigt hatte, reichte bis hin auf zu dem Kinn. Das Antlitz war ticf verschleiert. Ein Murmeln der Enttäuschung ging durch ihre Reihen. Sie verbirgt sich," hieß es also ist sie häßlich! Tie Behandlung bot nichtsdestoweniger der sensationsbcflinenen Menge all' die Pikantericn. die man erhofft hatte. Madame Rachel schilderte bis in die winzigste Einzelheit, welche Mühe sie stets hatte, bevor sie mit dem Ber jungungs-Berfahrcn fertig war. das sie täglich bei Lady Walrole vornehmen mußte. Tie etwaigen Lücken ergänzte ihr Anwalt. Jedes Fältchen in den Angenwinkcln. die vorwitzigen Härchen auf schultern. Arm und Nacken die ganze Procedur, der sich Lad? Walpole bei der Elnailleuse zu unterziehen pflegte Alles, Alles sührte er mit einem Raffinement vor, das an Grausamkeit grenzt. Lady Walpole mußte sich, stützen, um nicht ohnmächtig zusammenzudre chen. Tarauf zogen sich die Richter zurück, um das Urtheil zu sprechen. Sie waren einsichtsvoll genug, der Klägerin nicht das ungeheuerliche Ho norar zu bewilligen, das sie bean spruchte; es wurden ihr 300 Pfund 7500 Francs zugesprochen. Tie Augen der Emaillcuse funkel ten! ..Was?" rief sie aus ... Und für eine so geringe Summe konnte Mylady ein ganzes Jahr hindurch die Welt in den Glauben versetzen, daß sie jung und schön sei Tas ist ja ein Lumpengeld, auf das ich überhaupt verzichte!" Tamlt wandte sie dem Richter den Rücken und verließ den Sitzungsräum. Lord Walpole hat gleich darauf mit seiner Gemahlin Paris verlassen. Madame Rachcl verblieb in Paris. Sie bewohnte ein vornehmes Hotel, das mit allem Eomfort ausgestattet war. .Jeden Antrag, den man ihr machte um sich ihrer Gunst zu vergewissern, wies sie' jedoch mit aller Ent schiedenheit zurück.' Nichtsdestoweniger hielt sich das Gerücht im Umlauf, daß es eine Sterbliche -gab, . aber nur eine einzige, in deren Tienst sie stehe. Alltäglich sah man einen dicht geschloffen? Wagen vor der Thür ihres Hotels hal ten. Eine verschleierte Dame stieg heraus und verschwand im Hause. Wer sie sei, hat Niemand mit Bestimmtheit erfahren, wenn auch die allgemein nach einer höchsten Stelle hinneigende Ber muthung nie entkräftet worden ist. Verstand und Hcrz. Es ist nicht richtig, sogar eine große Unkenntniß unseres eigenen Selbst, wenn wir davon überzeugt sind, daß die Empfindungen, welche wir die des Herzens nennen, immev besser sind, als die. welche wir von unserm Verstände dictirt glauben. Oft sogar führt gerade der Verstand die Rechte' des Guten und Wahren gegen unser Herz, und wiv werden in vielen Fällen richtig, selbst gut, wenn auch vielleicht an-, scheinend lieblos handeln, wenn wir nur unserm Verstände folgen und der Stimme des Herzens kein Gehör schenken. Es wäre schlimm um unsere Wohlfahrt bestellt und unser Leben würde einem Fahrzeuge obne Steue? gleichen, wenn das Herz allein unser Leiter wäre. Es taugt einmal nicht zur vollständigen Selbstständigkeit. es muß einen Herrscher über sich wissen: den Verstand, der rechtzeitig einen Druck ausübt, damit es in richtigen Schranken bleibt. Treffend ist. daß man Verstand und Herz, da sie untrennbar sind, mit Mann und Frau vergleichen kann, wie sie in guter Ehe gedacht werden müssen. Ersterer, der Verstand, der Herr des Hauses, ist maßgebend in seinemUrtheil bei allem, was das Wichtigste ist, ihm gebührt die Entscheidung. Das Herz dagegen, die zartfühlende, weiche Frau, wirkt im Stillen, mildert und besänftigt die strenge Entscheidung, und dies erkennend, fühlt der Verstand, daß ohne das Herz sein Haus unbehaglich und traurig sein würde. Nur durch Ergänzen, durch Zusammenwirken beider kommt der Segen.

Der Friedensstifter. A.: . . . Wir haben uns so lange nicht mehr gesehen was hast Du denn getrieben?" B.: Ja, weißt Du. wie ich neulich beim Schreiner Hobel drüben war. prügelten sich der Meister und seine Frau. Ich wollte sie auseinanderbringen; da haben sie mich wegen Hausfriedensbruch verklagt.und ich mußte dafür drei Wochen sitzen!" Geschäftssinn. Er: Ich möchte für Sie sterben!" Sie: Ach, wie froh bin ich darüber!" Er: Wie meinen Sie das?" Sie: 0, Papa ist ein Leichenbesorger."

?ie Ausstellung in Vudapcst. Im Mai dieses Jahres begeht Un garn die Feier seines tausendjährigen Bestehens. Um dieses bedeutungsvolle Jubiläum würdig zu begehen, werden glänzende Festlichkeiten veranstaltet werden, deren Mittelpunkt die am 2. Mai stattfindende Eröffnung der Lan-des-Ausstellung inBudapest sein wird; dieselbe wird sowohl ein historisches und culturelles Bild - der bewegten, ber nichts weniger als ruhmlosen Vergangenheit der ungarischen Nation, als auch die Wirthschafts- undCulturfortschritte der Gegenwart vorführen. Der Schauplatz dieser Aussiellung wird das Budapester StadtWäldchen sein, in das die im Bau befindliche elektrische Untergrundbahn vom Centrum der Hauptstadt aus in fünf Minuten führen wird. Das Ausstellungsgebiet umfaßt ohne die außerhalb der Peripherie der Stadt

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kM'WZ5?7 tii;tJ..i!liijl Haupteingang zur h i st o r. .Ausstellung. geplante Thierausstellung, die selbst 85,000 Quadratmeter beansprucht, einen Flächenraum von 520.000 Quadratmeter, wovon etwa 120.000 bebaut sind. Auf diesem Terrin wurden mit einem Kostenaufwand von nahezu ö Millionen Gulden insgesammt 165 Hallen und Pavillons errichtet, in denen etwa 17,000 Aufstellen nebst historischen Reliquien und antiken Kunstschätzen die großen Errungenschaften moderner Culturarbeit, die verschieb iensten wirthschaftlichen Producte und industriellen Erzeugnisse, die Waffen und Behelfe des Krieges wie die Mittel zur Ausnutzung und Verwerthung der Segnungen des Friedens zur Schau stellen werden. Die Ausstellung zerfällt in zwei Hauptgruppen: die historische und die zeitgenössische Ausstellung. Zweck der erstem ist die Darstellung der culturellen EntwicKung Ungarns von der äU testen bis in die neueste Zeit in den verschiedenen geschichtlichen Epochen. Historische Ausstellung. Den Zwecken der historischen Ausstellung dient ein am Ufer des StadtWäldchenteiches errichteter malerischer Vebäudecomplex, dessen Schöpser der Architekt Jgnaz Alpar ist. Dieser Prachtbau zeigt schon in seiner äußern Construction die Geschichte der ungarischen Baukunst von der 'Zeit des ersten Ungarkönigs bis auf unsere Taze. Der Architekt hat sich die überaus schwierige Aufgabe gestellt, die in Unzarn derzeit noch auffindbaren Bauftile der verschiedensten Zeiten zu ver:inigen, und es ist ihm auch vorzüglich gelungen, die Baudenkmäler aus alten Zeiten mit den Nachahmungen der modeinen Baustile zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden. Will man sich das Werk näher ansehen, so gelangt man zunächst über eine breite Brücke durch ein mächtiges Bogenthor, das eine getreue Nachahmung des Portals oer im 13. Jahrhundert erbauten Jaker Kirche bildet, in ein im romani j schen Stil gehaltenes Kloster aus der OMWM äjj GiZ i L ' titaswj n rr ÜJinnt'l JU "im- r ' i . i -x V jt. st lf ii n k, J? v - -.- -Ich 6 Sä Historische Ausstellung. Arpadenzeit. Durch passende bauliche Motive mit dieser Gruppe verbunden ist das im gothischen Stil errichtete zweite Hauptgebäude für historische Gegenstände aus der Zeit der Könige aus verschiedenen Herrscherhäusern bis 1526. Das Hauptstück dieses BauWerkes bildet eine vortrefflich gelungene Nachahmung des im 15. Jahrhundert von Johann Hunyady errichteten, im Spitzbogenstil ausgeführten Schlosses Vajda-Hunyad, dessen Piloten und Bastionen bis in den Teich hineinreichen. In dieser Gruppe finden sich auch andere, durch ihre Prachtvolle Ornamentik hervorragende Bauschöpfungen vereinigt; so sehen wir hier interessante Motive der classisch schönen Kapelle von Csürtörtökhely, des Rathhauses in Vartfeld, des in die Renaissance übergehenden Festungsthurms von Schäßburg u. a. Der letzterc vermittelt den Uebergang zur dritten Gruppe, die die Baustile der Renaissance-, Barock- und Zopfzeit darstellt. Einen überaus großen Reichthum von decorativer Kunst, mannig faltiger Ornamentik und architektoni scher Gestaltungsfähigkeit bieten auch die innern Höfe. Die stilvollen wnern Räumlichkeiten dieser historisch I äußerst werthvollen Gebäude werden

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zur Aufnahme der im Lande verwahrten sowie der vom Deutschen Kaiser, vom Zar, vom Sultan und von andern hohen Persönlichkeiten bereitwillig leihwi'se überlassenen, auf Ungarn bezüglichen historischen Denkwürdigleiten. Reliquien und Kunstschätze dienen, sowie sicherlich einen Hauptanziehungspunkt der Ausstellung bilden. 0t

iÄV 8 &J Ni ?&'m NKi Directionsgebäude. Das Directionsgebäude ist nach den 'Plänen des Architekten Kolbenbayer erbaut und umfaßt nebst einem 17 Meter langen Sitzungssaal die Lokalitäten des Präsidenten der Ausstellungscommission. Ministers Ernst Daniel, des Directors Ministerialraths Joseph Schmidt, des Secretärs Moritz Gellen u. s. w. Die im Innern nach dem Muster des Leipziger GeWandhauses gebaute Festhalle wird zur Abhaltung von Concerten. FestVersammlungen. Vorlesungen und zu? Aufnahme einer Ausstellung der darstellenden Kunst dienen. Im Falle schlechten Wetters soll die Eröffnungsfeier der Millenniums-Ausstellung in dieser Halle stattfinden. Bei schönem Wetter wird diese Feier auf dem großen Platz vor der Jndustriehalle stattfinden, woselbst allabendlich eine tontaine luunneuse" spielen und das Publikum sich bei den Klängen mehrerer Musikkapellen im Freien ergehen wird. Festhalle. . Von besonderm Interesse werden nebst dem bereits Erwähnten noch das vom ethnographischen Gesichtspunkt gewiß sehenswerthe Ausstellungsdorf mit Typen der für die einzelnen Gegenden des Landes charakteristischen Bauernhäuser sein, ferner die Darstellung der Geschichte der Fischerei, der Jagd und des ungarischen Hirtenlebens. die Ausstellung derProducte und Erzeugnisse Bosniens und der Herze gowina, die Exposition des KriegsMinisteriums und der Kriegsmarine, die nach den Plänen des Architekten Baumhorn erbaute prächtige Halle für Vervielfältigungsindustrie, die 10.000 Quadratmeter große Maschinenhalle u. s. w. Man darf, ohne sich der Uebertreibung schuldig zu machen, beHäupten, daß die ungarische Millen-niums-Ausstellung nicht nur den autochthonen Bewohnern dieses .Staates, sondern auch den' Ausländern eine Fülle interessanter Sehenswürdigkeiten und nützlicher Anregungen bieten und Ungarn im friedlichen Wettbewerd der Culturvölker alle Ehre machen wird. Niemand. Jemand dagewesen während meiner Abwesenheit, Johann?" Zu Befehl, Herr Lieutenant der Civilschneider mit der Rechnung!" Also Niemand dagewesen! Verstanden?" Die bösen Grenadiere. Fräulein (am Klavier singend): Nach Frankreich zogen zwei Grena dier'!" Stubenmädchen: Ach, anadiaes Fräulein, von de Grenadier' weeß ich ooch e' Lied zu singen!" Gemüthlich. Fremder : Bitt' schön, wann trifft denn der Abendzug hie: ein?" Stationsdiener: Ja. so um a achte 'nun kimmt er gern!" Das Letzte. Breetenborn: Weeßt Du's schon? Nudelmüller: Was denn? Breetenborn: Die alte Zippeltitzen hat sich gehängt. Nudelmüller: Was de nich saast. Breetenborn: Höre, mal, Nudlich, ich will Dir was saan, mich ufzehängen, das wär doch mei Letztes. Nudelmüller: Bei der Zippeltitzen war's ooch das Letzte.

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Deutsche Kapellmeister.

Die Kunst des Dirigirens ist eine specifisch moderne Kunst. Während das Publikum von früher damit zufrieden war, wenn ein Orchesterstück correct, das heißt ohneNotenfehler und mit Beobachtung der nöthigen Nuancirung. gespielt wurde, verlangt man heute, daß sich in dem Dirigenten eine Persönlichkeit offenbare, daß seine Art, ein musikalisches Kunstwerk anzusehen, eine besondere und ihm eigenthümliche sei. So hat sich denn in der NeuZeii eine ganze Reihe von Dirigirtalenten, von Virtuosenkapellmeistern heraus gebildet, die auf dem Orchester spielen, wie irgend ein Solist auf seinem In strument. Einige der hervorragendsten dieser Künstler führen wir unsern Lesern heute im Bilde vor. Die ältere Generation wird durch Levy. Sucher und Hans Richter vertreten, die jüngere, ccher nicht minder bedeutende, durch Felix Weinga,tner. Felix Mottl, Richard Strauß, Dr. Karl Muck und Arthur Nikisch. Hermann Levy wurde am 7. November 1839 in Gießen geboren, studirte von seinem dreizehnten bis sechszehnten Jahre bei Vinzenz Lachner in Mannheim und besuchte von 1855 bis 68 das Leipziger Conservatorium. Nachdem er mehrere Jahre Musikdirecior in Saarbrücken und Kapellmeister der deutschen Oper in Rotterdam Jos. Sucher. Hans Richter, gewesen, wurde er 1864 Hofkapellmeister in Karlsruhe und blieb in der freundlichen Badenser Hauptstadt bis 1870, wo er die Berufung in seine jetzige Stellung nach München erhielt, erst als Hofkapellmeister, später als Generalmusikdirector. Ihm zunächst im Alter stehen Joseph Sucher und Hans Richter, beide in Ungarn geboren und beide imJahre 1843. der eine am 23. November in Döbör, der andere am 4. 'April zu Naab. Sucher wurde im Wiener Löwenburgconvict erzogen und widmete sick dann dem Studium der Rechte. Aber das Jus fesselte ihn nur kurze Zeit; von Jugend auf war die Musik ihm lieb und werth gewesen, jetzt wurde sie ihm Lebensgefährtin. Nachdem er bei Simon Sechter einen Cursus im, Contrapunkt durchgemacht hatte, trat er als Correpetitor in den Verband, der Hofoper ein, dirigjrte zugleich den akademischen Gesangverein und ging 1876 als Kapellmeister an das Leipziger Stadttheater. In Leipzig verheirathete er sich mit der berühmten Sängerin Rosa Hasselbeck. Seitdem ist das Ehepaar künstlerisch immer zusammen thätig gewesen: 1878 in Hamburg unter Pollini, 1882 in England und seit 1888 am königlichen Opernhaus in Berlin, wo es noch heute erfolgreich wirkt. Hans Richter ist ein echtes Musikerkind: sein Vater war Kirchenkapellmeister in Raab, seine Mutter Sängerin und Gesanglehrerin. Er selbst wurde wie Sucher im LLwenburgconvict eri Felix Weingartner. Felix Mottl. zogen und trat danach als Chorknabe in die Wiener Hofkapelle ein. 1859 wurde er in das Conservatorium aufgenommen und studirte Horn unter Kleinecke, Klavier und Theorie unter Sechter. Nach einem Engagement als Hornist am Kärnthnerthortheater bekam er durch Esser eineEmpfehlung an Richard Wagner und brachte auch das Jahr 1866 bis 67 bei diesem in Luzcrn zu. 1863 wurde er Chordirector der Münchener Hofoper, leitete 1870 die erste Aufführung des Lohengrin" in Brüssel und folgte 1871 einem Ruf als Kapellmeister an das Nationaltheater in Pest. Im Jahre 1375 diriglrte er in Wen ein großes Orchesterconcert mit, solchem Erfolg, daß er nach dem Rücktritt Herbeck's und Deffoff's von der Leitung des Hofoperntheaters aufgefordert wurde, an diese Stelle zu treten. Richter leistete dem Ruf Folge und übernahm damit zugleich die Leitung der philharmonischen Concerte. Hans Richter ist ein hervorragender Wagnerdirigent; fast bei allen Bayreuther Aufführungen hat er mitgewirkt, und 1376 leitete er sogar die ganze Serie des Ringes" bei sämmtlichen Wiederholungen ganz allein. Seit 1877, wo er abwechselnd mit Wagner in London eine Reihe von Wagnerconcerten diriairte, ist er auch in England ein alli jährlicher und vielgefeierter Gast: die i Hans Richter-Eoncerte gehören in London zu den Gipfelpunkten der musikalischen i.Seafon-. Das LLwenburgconvict, aus dem schon Sucher und Richter hervorgeaanaen. wurde auch die Wiege der Talente Felix Mottl's. Er wurde am ' 29. August 1856 zur Unter-St. Veit bei Wien geboren und fand wegen seiner schönen Sopranstimme Aufnahme in dies Erziehungsinstitut, nach r essen Absclvirung er das Wiener Conservatorium besuchte, um es nach wenigen

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Jahren mit Auszeichnung zu verlassen. Die Leitung des akademischen Wagnervereins brachte ihm die erste Uebung im Dirigiren, aber schon 1881 fand er ein Feld größerer Thätigkeit: er ging als Nachfolger Dessoff's an das Hoftheater in Karlsruhe, und seinen Bemühungen ist es zu danken, daß jetzt die Karlsruher Oper als eine d ersten in Deutschland gilt. Sein Wirkungskreis ist tym auch so lieb geworden, daß er eine 1886 an .ihn ergangene Berufung als Hofkapellmeister nach Berlin ausschlug und in Karlsruhe blieb. Als Componist ist Mottl mit Liedern, sowie mit einer Oper Agnes Bernauer" und dem Festspiel Eberstein" an die Öffentlichkeit getreten. Arthur Nikisch wurde am 12. October 1855 zu Szent Miklos in Ungarn geboren, besuchte wie alle vorhergenannten das Wiener Conservatorium, wo er im besodern Schüler Von Dessoff und Hellmesberger war, Und verließ das Institut 1874 mit einem Preis für Composition und Violinspiel. Zunächst trat er als Geiger in das Wiener Hofopernorchester, aber schon 1878 holte ihn sich Angelo Neumann als zweiten Kapellmeister an das Leipziger Stadttheater, und hier bewährte er sich so ausgezeichnet, daß ihn Stügemann. der 1882 die Direction übernahm, zum ersten Kapellmeister machte. 1889 ging Nikisch als Dirigent der Sinfonieconcerte unter glänzenden Bedingungen nach Boston, kehrte jedoch 1893 in sein engeres Vaterland, nach Pest, zurück, wo er Kapellmeister und Operndirector wurde. Wegen eines Zerwürfnisses mit der Intendanz, Fcb er diese 'Stellung auf und übernahm dafür 1895 die Leitung der Leipziger Gewandhausconcerte und der Berliner philharmonischen Concerte.

Arthur Nikisch. Herm. Levy. Dr. Karl Muck ist ein Darmstädter Kind (geb. am 22. October 1859) und verlebte seine Jugend in Würzbürg, wo sein Vater die Stellung eines Ministerialraths bekleidete. Schon als Gymnasiast trat er mit Erfolg pianistisch auf, bezog aber doch die Universität, um Philosophie zu studiren. In der Mustkstadt Leipzig wurde jedoch sein Drang zur Tonkunst so mächtig, daß er sich unter E. F. Richter's und Karl Reinecke's Leitung ihr ganz widmete. 1880 ließ er sich als Klavierspieler vor der großen Oeffentlichkeit hören, und zwar mit . Scharwenka's v-nioII-Concert in einem Gewandhausconcert. Während der nächsten Jahre war er als Dirigent in Zürich, Salzburg, Brünn, Graz und Prag thätig und wurde 1892 als Hofkapellmeister an das Berliner königliche' Opernhaus engagirt. Nach Reinecke's Rücktritt bot man ihm die Leitung der Leipziger Gewandhausconcerte an, aber die Berliner Intendanz mochte sich nicht entschließen, seinen Contract zu lösen, verlängerte ihn vielmehr um zehn Jahre. Von allen hier aufgeführten Kapellmeistern ist Richard Strauß der einzige, der als Componist ebenso bedeutende und nachhaltige, ja vielleicht noch nachhaltigere Erfolge aufzuweisen hat wie als Dirigent. Er wurde am 11. Juni 1864 in München als Sohn eines königlichen Kammermusikers geboren, war Schüler vom Hofkapellmeister W. Meyer und machte schon in jungen Jahren Aufsehen durch verschiedene Orchesterwerke; so durch eine Serenade für dreizehn Blasinstrumente, die Hans von Bülow mit dem Meininger Orchester vielfach aufführte. Bülow fiWriKx Karl Muck. Rich. Ctrauß. zog ihn als Hofmusikdirector nach Meiningen (1885). aber schon ein Jahr später finden wir ihn als dritten Kapellmeister in München und 1889 als Hofkapellmeister in Weimar. '1894 verließ er Jlm-Athen. um wieder nach München überzusiedeln, wo er heute als Hofkapellmeister neben Hermann Levy wirkt. In demselben Jahr verheirathete er sich mit der Weimarer Primodonna Frl. de Ahna. die auf dem Musikfest des allgemeinen deutschen Mustkvereins 1894 die weibliche Hauptrolle in seiner Oper Guntram" hinreißend dargestellt hatte. Von Strauß' Compositionen sind außer einer Anzahl von Kammermusikwerken und Liedern vor allem zu erwähnen die sinfonischen Dichtungen Aus Jtalien". Don Juan". Macbeth-, Tod und Verklärung". Als Componist hat sich auch Felix. Weingartner mannigfach versucht, insbesondere als Lieder- und Operncom ponist (Sakuntala-, Malawika". .Genesius"), ohne daß er es darin bisher zu allgemeinerer Anerkennung gebracht hätte. Um so rückhaltloser hat man ihm als Dirigenten zugejubelt, und die von ihm geleiteten Sinfonieconcerte des königlichen Opernhauses in Berlin stehen bei dem musikverständigen Publikum der Reichshauptstadt

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kn höchstem Ansehen. Auch literarisch

hat sich Weingartner in jüngster Zeit mit großem Erfolge bethätigt. Weingartner ist am 2. Juli 1863 in Zara in Dalmatien geboren, studirte 1881 aus dem Leipziger Conservatonum und war als Kapellmeister in Danzig. Königsberg. Prag. Mannheim und Hamburg thätig, bis er 1891 als Hofkapellmelster nach Berlin veru sen wurde. Unter schwerer Anklage. Das civilisatorische Wirken der deutschen Reichsbeamten in den afrikanischen Colonien steht seit dem Bekanntwerden der von dem Kanzler Leist, einem, früheren Referendar, urd dem Lieutenant Wehlan verübten Scheußlichkeiten in einem gar üblen Gerüche. Anfänglich war die öffentliche Meinung geneigt, die Verbrechen dieser beiden Beamten nicht als einen Ausfluß des Systems zu betrachten, ihre Unthaten vielmehr auf das Conto ihrer persönlichen Disqualification zu setzen, allein die auffallende Milde, mit welcher die Uebelthäter in Berlin bebandelt wurden,ließen erkennen, daß Dr. Carl Peters. etwas faul im Staate Dänemarkist. Man entschuldigte die Unthaten mit dem Tropenkoller." Jetzt ist zum dritten Male eine Anklage erhoben worden und zwar gegen Dr. Peters. Die Verbrechen, welcher dieser Mann im Reichstage geziehen wurde, sind noch schlimmer, als die Leist'schen und Wehlan'schen Unthaten, denn die Anschuldigungen lauten auf Mord. Dr. Peters ist cinev jener schneidigen" Feze, wie sie der preußisehe Militarismus so zahlreich gezeitigt hat. Ein Vorsichtiger. So wollen Sie photographirt werden?" Ja, g'rad so!" Möchten Sie nicht lieber warten, bis Ihr Gesicht wieder etwas abgeschwollen ist?" Na, na, da that' mir's Bild nichts mehr nützen! Ich will mich ja scheiden lassen und da brauch' ich ein Beweis-, stück, wie mich mei' Alte zug'richttt hat!" Durch bie Blumen Finden Sie nicht auch, Fräulein Lina, ich habe doch eigentlich einen recht häßlichen Namen." Ach, und ich möchte so gern so heißen!" (Sarkastisch. JungerSchausvieler (zum Direktor eines Provinztheaters): Ach, Herr Direktor, als ich gestern in einem Drama zum erstenmale auftrat, lachte das Publikum! Was soll ich nur thun?" Direktor: Werden Sie Komiker." Bekanntmachung.' Die Strafe für das Baden an verbotener Stelle wird vom 1. Juni ab auf 75 Pfennig pro Person herabgesetzt. Vereine und größere Gesellschaften erhalten besondere Vergünstigungen. Der Magistrat von Rathhausen. Theatergespräch. Dame (in der Vorstellung von Wilhelr.? Tell"): Ich finde, die Titelrolle wird großartig gespielt!" Herr: Ja. aber der Tell hat eine falsche Perücke; in Wirklichkeit hat er bekanntlich vnt Glatze gehabt." Dame: Davon habe ich aber noch nie etwas gehört!" Herr: Aber ich bitte Sie, meine Gnä diaste, die Tellsplatie". ist doch ge. l r. . c tu

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