Indiana Tribüne, Volume 19, Number 191, Indianapolis, Marion County, 29 March 1896 — Page 7

Sein ehemaliger Bursche. Teutsch-Amerikanische Skizze von 23. v. Echierbrand. I. Ra. hab' nur ein wenig Geduld mit ihm. Alte", sagte der ehemalige preußische Husar- Leberecht Nissen zu seiner Frau, indem er sie gutmüthig auf die Achsel klopfte. Siehste, das is nu mal 'ne böse Geschichte für sp'nen ehemaligen Officier hier in diesem Lande. Was soll er anfangen? Für Vieles taugt er nicht, und Anderes mag er wieder nicht. Da muß man eben etwas warten. Allmälig wird er wohl was Passendes finden. Erst gestern hat er sich wieder down town" um 'ne Stelle bemüht. Aber sie wollten kee solches Grünhorn." Das mag schon sein," erwiderte die feite bessere Hälfte kopfschüttelnd, aber wie lange sollen wir ihn denn hier behalten? Wir haben ja selber nicht diel, und dann den hier füttern, außer den hindern, Gott weiß wie lange s' is ein bischen viel derlangt. Außerdem ist er auch noch so rerwörnt. so daß ich ihm immer die besten Bissen geben muß. und das wenige Geld, was er hat, verplempert er noch draußen unter den fremden Leu. ten, nicht hier." ..Laß gut sein, Alte, es wird schon gehen. Soviel verdiene ich ja. um den Herrn Lieutenant noch eine Weile mit durchzufüttern." Der Herr Lieutenant, der Herr Lieutenant so geht das jeden Tag dummes Zeug! hier ist er kein Lieutenant, und er muß eben zugreifen, sonst nimmt's ein böses Ende mit ihm soviel weiß ich. Auf die Barenhaut strecken taugt in ' Amerika nichts, außer man hat viel Geld und selbst dann " Schon gut, schon gut, liebe Alte", begütigte ihlr Mann nochmals. Es wird sich schon machen." Das Ehepaar Nissen hatte nämlich sefc 6 Wochen einen geehrten Gast unter seinem bescheidenen Dach, den gewesenen Lieutenant von Zitzewitz, der drüben in einem der schneidigsten Hu-, sarenregimenter gedient und dessen Bursche einst Nissen gewesen. Jetzt hatte sich die Sachlage bedeutend geändert. Als Nissen damals seinen früheren Vorgesetzten am Broadway getroffen, da hatte er ihn zuerst kaum wieder erkannt. Wo war die ganze Schneidigkeit" geblieben? Müde der Gang, verlebt und bleich das Gesicht, der Glanz der hellen Augen erloschen, und erst der Schnurrbart, der einst so verwegen Cokett in die Höhe gezwirbelt war jetzt hingen die Enden ine lancholisch herab. Der arme 'Herr Lieutenant! Und Leberecht Nissen, die brave Haut, verspürte ein inniges Rühren, als er seinen Lieutenant" so wieder sah, hier auf fremder Erde, in dem Lande der Dollars, das sonst eigentlich nur imLexicon des deutschen Officiers existirt als das Heim der Weiblichen Goldfische", die ihnen dann in europäischen Badeplätzen gar zu leicht Zn's Garn gehen. Ein trauriges Wiedersehen, attz der Ex-Bursche des Freiherrn von Zitzewitz dachte nicht lange über diese Verwandelung nach, umsomehr als er sich denken konnte, wie sie erfolgt war, denn sein Lieute nant war schon damals ein etwas lockerer Zeisig gewesen. Nachdem er beim Glase schäumenden Bieres im nahen Saloon" erfahren, wie und warum der junge Officier den Dienst hatte quittiren müssen und seinenWeg uber's Wasser genommen hatte, bot er ihm sofort fein eigenes bescheidenes Heim als Zufluchtsstätte an. Aber auf wie lange wird das mög lich sein, mein lieber Nissen?" frug der Lieutenant. Denn ich bin völlig abgebrannt und an Rückerstattung meinerseits wird erst zu denken sein, wenn ich lohnende Beschäftigung gefunden habe." Zu Befehl, Herr Lieutenant" der alte militärische Ton stellte sich unwillkürlich wieder ein es wird mir eine Ehre sein, Sie so lange bei mir zu beherbergen, wie es Ihnen selbst beliebt wenn Sie verlieb nehmen wollen, denn fein und nobel geht's bei uns natürlich nicht zu können Sich's ja denken, wenn man nur eine Kohlen-Round" hat, die bestenfalls 520 bis $25 die Woche abwirft. Aber soviel habe ich ja, um Sie bei mir bis auf Weiteres kostenfrei zu bewirihen." So war's denn abgemacht. Der Lieutenant zog am selben Tage noch

aus leinem erbärmlichen Stubchen an der Greenwich Street, wo dem Wirth erst noch die letzte Woche Rente bezahlt werden mußte, ehe er das bischen Gepack herausgab. II. Er gab sich wirklich Mühe, etwas Passendes", zu finden, aber was heißt passend" unter solchen Umständen? Dem Herrn Lieutenant erschien es nicht passend", daß er eine Veschäftigung annehme, die körperliche Anstrengung nothwendig machte. Er hielt es unter seiner Würde, jenen Jobs" nachzugehen, die gewöhnlich m Amerika das Loos gewesener deutscher Lieutenants sind, wie Bartender, Ziellner, Groceryclerk etc., und bei allen seinen Bewerbungen um Posten, die etwas besser bezahlt werden und auf höheren Niveau stehen, wurde ihm stets der stereotype Bescheid:. .Wir brauchen Leute von Erfahrung". In den Spalten der New Yorker Zcitungen fand er Hunderte von Angeboten und Gesuchen, aber sie schienen alle nicht auf seinen Fall zugeschnitten. Ja, es war schwer, etwas Passendes" zu finden. ' Und so waren schon 6 Wochen verflossen, ohne daß es ihm gelungen wäre, lohnenden Verdienst zu erlangen. Er hatte piobir:, Schüler

für französischen oder deutschen Un terricht zu finden, abe? auch da traf er auf Viele, die besser hierzu geeig net erschienen und außerdem schon Erfahrung und günstige Zeugnisse hatten. Müde kam er in der kleinen Wohnung seines ehemaligen Burschen an, die im oberen Stockwerke eines vertäu cherten Tenement-Hauses an der Di-Vision-Street gelegen war. Kreischende Frauen- und schrille Kinderstimmen schollen ihm entgegen, als er die dunkle, übelriechende Stiege hinaufklettert. In der Wohnung selbst empfing ihn Frau Nissen nichts weniger als gutgelaunt, denn ihr Mann war noch nicht zu Haufe angelangt, und das Essen verdarb ihr mittlerweile in der Küche. Man wartete vergebens auf den Ernährer jenen Abend. Um 8 Uhr traf ein Polizist ein. der' in der Weise des rohen Jrländers die Meldung an die Frau bestellte, daß ihr Mann 3 Stunden vorher verunglückt sei überfahren und beide Beine ihm gebrochen seien. Er liege im City-Hospital. Der Wagen und das Pferd seien nack dem Stalle gebracht worden. Das war ein böser Schicksalsschlag für die Familie. Denn nicht allein des Ernährers war sie beraubt, wenigsten bis zur völligen Genesung desselben, sondern auch der Ezistenzmittel. Am späten Abend, als Frau und Lieutenant vom Schmerzenlager des Verunglückten zurückgekehrt waren und nun erst die spärliche Mahlzt zu sich nahmen am Tische, den die Kinderschaar dicht umdrängte, da blickte die gebeugte Frau den ehemaligen Borgesetzten ihres Mannes rathlos und Hilfesuchend an. Was sollte nun .werden? Lieutenant Freiherr von Zitzewitz runzelte die Stirn. Ja, was sollte werden? Er selbst hatte nichts, nicht einmal Arbeit. Konnte er der Familie länger beschwerlich fallen? Ja, würde es überhaupt nicht bald mit deren kleinen Ersparnissen zu Ende gehen, und wovon sollten sie Alle denn leben? Wenn er selbst doch wenigstens Arbeit hätte! Arbeit halt! da fiel ihm ein. Konnte er die Arbeit des treuen Familienvaters nicht übernehmen? Wäre das nicht das einfachste Mittel? Aber solche Arbeit! Kohlen auf den Wagen schaufeln früh am Morgen, durch die engen, mit wüsten Lärm erfüllten Straßen und Alleys ziehen, durch die die Kohlenrunde Nissen's führte, Elmerweise die Kohlen verkaufen und den Weibern da oben in den ärmlichen Tenementhäusern dann auch noch diese Kohlen selbst herauftragen? Brr! Ihm schauderte bei der Idee. Und doch gab es einen anderen Ausweg? Er faßte einen mannhaften Entschluß. In ruhiger, bestimmter Weise theilte er der Frau seines ehemaligen Burschen mit, daß er versuchen werde, die Stelle ihres kranken Mannes nach besten Kräften auszufüllen. Trotz ihres Schmerzes mußte die Frau unwillkürlich lächeln. Die Idee, daß der Lieutenant, dessen weiße, schlanke Hände eine noch völlige Unbekannthast mit aller anstrengenden Arbeit verriethen, anstatt ihres Mannes die schwarzen, mit Kohlenstaub verunreinigten Eimer tragen wolle, kam ihr zu komisch vor. Und als sie die Sache trotzdem, nach Frauenart, mit dem Gaste ihres Mannes besprach, und sie hin- und herwendete, wurde auch der Lieutenant wieder stutzig. Zudem eine solche Arbeit würden sich nicht die stolzen Ahnen seines Geschlechts im Grabe umdrehen.wenn ihr Sproß derartige Frohndienste leistete? Doch gleichviel der kleine Lieutenant reckte sich gerade und versprach, in einem Tone, dem man den ganzen Hel--denmuth anhörte, am nächsten Morgen den Anfang zu machen. Und er that's, freilich mit Hilfe des ältesten Jungen Nissen's, der ihm geschickt und rührig Handlangerdienste leistete den ganzen Tag. Und übe? den zu fordernden Preis, über die 'genaue Anzahl und Wohnung der Kundschaft, und über ähnliche wissenswerthe Dinge unterrichtete ihn Frau Nissen selbst, so daß er am ersten Tage keinen argen Verstoß beging und das verdiente Geld freudestrahlend der dickenFrau Abends schon nach Dunkelwerden in die Hand drückte.

III. Schwer wurde es ihm aber doch. Die erste Nacht konnte er vor Schmerz fast gar nicht schlafen. Die Glieder fühlten sich wie gerädert; die zarte Haut der Hände und Arme war überall gerissen und zerschunden, und als er vor Tagesanbruch von seinem harten Lager sich erhob und wieder an das Werk ging, da bedürfte er seines ganzen Stolzes und seiner ganzen Entschlossenheit. Und so blieb es noch die ersten 3 Wochen. Zwischen durch aber mehrte sich bei ihm das Gefühl der Genugthuung. Er selbst wußte am besten, wie schwer ihm der Sieg über sich selbst geworden, aber ein erhebendes Gefühl tröstete ihn doch über aller Mißlichkeiten und Demllthigungen, das Gefühl, etwas Nützliches, elwas Braves zu thun, eins Stelle in der Welt auszufüllen, wen, auch noch so niedrig, die ihm das Prädikat eines Ehrenmannes sicherte. Sein Herz schw-ll. als er aus den feuchten Augen der armen Mutter las. wie dankbar sie ihm sei für die rechtzeitige Hilfe, die er ihr geworden, und als er am ersten Sonntag mit den drei kleinen Kindern und Frau Nissen dem Patienten auf seinen Schmerzenslager einen 'Besuch abstattete und dessen bewegte Dankesworte vernahm, da füllten auch seine Augen sich, und die Mühe und Anstrengung sem's niedrigen , TageWerks wurde ihm hinfort leicht. Ja, es gelang ihm sogar, die Kohlenrunde auszudehnen und der alten Kundschaft

einige neue Abnehmer hinzuzufügen, so daß sich der Wochenverdienst nicht unerheblich steigerte, und die Frau nicht genug Worte der anerkennenden Bewunderung für ihn finden konnte. Eines Tages es waren über zwei Monate verflossen seit dem Unfall wurde Nissen als geheilt aus dem Hospital entlassen, und als er vernahm, daß nicht allein die kleine Reserve der Ersparnisse nicht angerührt worden war während seiner erzwungenen Muße, sondern im Gegentheil, dieselben sich noch um ein Vedeutendes vermehrt hatten, da drückte er seinem Lieutenant" gerührt die Hand und blinzelte verständnißvoll seiner Frau zu, als wollte er sie an ihre einstigen Worte' bezüglich ihres Gastes erinnern. Abends wurde großer Familienrath gehalten. Nachdem die Sachlage hin und her erwogen worden war, beschloß man, das Geschäft" auszudehnen und es unter vereinten Kräften fortzusetzen. Und die Bemühungen der Beiden waren von merkwürdigem Erfolg begleitet. Man operirte jetzt mit zwei Gefährten jeden Tag und die rohe Arbeit, das Schaufeln und Tragen konnte einem für wenig Geld engagirten Manne überlassen bleiben. Binnen Jahresfrist hatte sich die Firma, die nun aus dem Lieutenant und seinem ehemaligen Burschen bestand, dermaßen finanziell gehoben, daß sie zusammen eine Kohlen-Fard" pachteten und mit erneutenKräften betrieb. Nach Verlauf eines weiteren Jahres fügte man den Verkauf von Brennholz hinzu, und man legte ein hübsches Sümmchen zurück. Jetzt, nach 10 Jahren, hat Lieutenant von Zitzewitz, seinen hochadligen Verwandten in Deutschland einen Besuch abgestattet. Die fanden ihn sehr verändert, doch nur zu seinem Vortheil. Er war ein blühendes Bild der Frische, Spannkraft und Gesundheit geworden, und er war sogar in der Lage, eine alternde Cousine, die sich im Hause einer herrischen Tante langsam zu Tode grämte, ein Asyl in seinem schönen Heim in New Nork zu bieten. Denn er ist jetzt verheiratet allerdings nicht standesgemäß," denn seine Frau ist eine Schwester seiner ehemaligen Gastfreundin, und er ist der Schwager seines ehemaligen Bur schen geworden. Die Firma Zitzewitz & Nissen grünt und blüht, und liefert sogar den überseeischen Dampfern in Hoboken Tausende von Tonnen Kohlen für die Fahrt nach Europa. Wenn jetzt Nissen mit seiner Frau manchmal eine Meinungsverschiedenheit hat was allerdings selten vorkommt so pflegt er pfiffig zu lächeln und ihr mit dem Finger zu drohen: Du. Alte, wer hatte damals Recht, als ich Dir sagte, es werde sich schon Alles machen?"

Monaco und seine Spieldank. Messieurs et Mesdames ! f altes votre jeu! Le jeu est fait, ne rien va plus." Wie oft schon mag der hagere Croupier am oberm Ende des grünen Tisches in Monte Carlo diese Worte mit derselben monotonen Stimme ausgerufen haben? Wie oft schon hat seine schmale Hand den kleinen Rechen ausgestreckt, um die GeldHäuflein an sich zu ziehen, die die gütige Vorsehung seiner Durchlaucht, dem ffUrsten von Monaco bescheert, um es ihm zu ermöglichen, den Aktionären eine Dividende von 40 Prozent auszuzahlen. Der März ist da und die Beamten der Svielbank wissen, daß ihre Soison naht, denn alle jene reichen Vaganten, die den Winter in.Paris, Berlin und Wien mit Grazie ver-' bracht, sie reisen dem Frühling entgegen an die Riviera, wo die Veilchen sprossen, wenn im Norden Europas noch der Schnee liegt und rauhe Winterwinde mit dem Frühling um die Herrschaft streiten, und die meisten steuern nicht ungern ihren Antheil bei, um die Kassen der Spielbank zu füllen. Das Fürstenthum Monaco genießt die Ehre, nächstSan Marino der kleinste Staat der Welt zu sein und doch welche Rolle spielt es in den Kreisen jener die leben, um zu genießen. In dem kleinen Landstrich, den viele unserer Texanischen Ranches an Ausdehnung bedeutend übertreffen, mit seiner Armee von 126Mann. wird mehrGold in Umlauf gebracht als in irgend welcher Goldmine der Welt. Ds Monte Carlo nur neun Meilen von Nizza entfernt ist, so ziehen diejenigen, welche die Aufregung des Spiels nur als Nebcnsache betrachten, es vor, sich auf gelegentliche Abstecher in die Republik zu beschränken, anderenfalls findet man in den Hotels Monacos allen Comfort, den man sich nur wünschen kann. Jedes Jahr setzt die Verwaltung der Spielbank große Summen als Preise aus für Fachtwettfahrten und selbst die bekanntesten und reichsten ?)achtsmen Europas setzten ihren Ehrgeiz darin, einen derselben zu gewinnen. Fürstliche Hohheiten, der Adel und Alles was auf Vornehmheit Anspruch macbt. nimmt an diesen Wettfahrten Theil und zu Tausenden drängen sich an diesen Tagen die Besucher durcheinander. In diesem Jahre hat die Verwaltung das stattliche Sümmchen von 575,000 für Sportzwecke ausge scfet und sie würde es für einen Mißerfolg ansebcn. wenn nicht das Vielfache dieser Summe wieder in ihreKasse ein flösse. Der eigentliche, recht harmlose klingende Name dieses größten Spicletablisscments der Welt, der Fremde leicht irreführen könnte, wenn man nicht so genau wüßte, um was es sich handelt, lautet Badegesellschaft und Frem-

oen-Club." Allerdings ist Monard auch Seebad. Aber wenn die Aktionäre sich auf die Einnahmen hieraus beschränken müßten, so würde sich ihre Geldanlage nicht so lohnend erweisen. Große Capitalien strömen während der bevorstehenden Fachtsaison den Kassen der Bank zu und die umfangreichsten Vorbereitungen sind getroffen worden, um denen, welche eine Vorliebe fürs grüne Tuch haben, ihren Aufenthalt angenehm zu machen. Die alten Spielsäle sind gänzlich renovirt worden und üben einen größeren Reiz aus als je in früheren Jahren. Die Roulettetische sind neu gestellt worden und balanciren kaum um einen tausendstel Zoll. Nicht lange mehr und die Zeitungen werden ihren Lesern, wie alljährlich Nachrichten auftischen über unglaubliche Gewinne und Verluste. Freilich bemüht sich die Bank mehr, die Gewinne, womöglich noch vergrößert, bekannt zu machen, während sie über größere Verluste, die Besucher der Spielsäle zu verzeichnen haben, liebevoll den Schleier des Bergessens deckt. Die Wirkung dieses jährlich ausgeworfenen Köders ist durchaus nicht zu unterschätzen, denn gar mancher hat schon darauf angebissen und im Bemühen, die Bank zu sprengen. ein Vermögen verloren. Äaß das Unternehmen seine großen Schattenseiten hat, läßt sich nicht leugnen aber das bedingt nur, daß auch Lichtseiten verHanden sein müssen. Vor allem spricht zu Gunsten der Leiter. daß nur mit Vaargeld gespielt werden darf. Wer keines mehr hat, muß aufhören. Credit gibt es nicht und selbst eine Rothschilds Anweisung würde höflich refusirt werden. Einem enragirten Spieler wird es dadurch unmöglich gemacht, etwa seine Liegenschaften zu verpfänden und sich dadurch gänzlich im Spielerrausch zu

ruiniren. Nur wenige Leute Pflegen ihr ganzes Vermögen, sofern von Vermögen die Rede sein kann, in der Tasche zu tragen. In einem solchen Falle könnte allerdings ein Crösus als Bettler Monte Carlo verlassen. Gar manches Vermögen mag durch diese Bestimmung schon gerettet worden sein und wenn natürlich auch ein Unglücklicher Spieler heimgehen, sein Eigenthum in Baar umsetzen und dann nach Monaco zurückkehren kann, so geschieht dies doch nur selten, denn der Rausch, den der Spieler empfindet, wenn er am grünen Tische sitzt, schwwdet, sobald er Monte Carlo im Rücken hat. Natürlich waren es nicht Gründe philanthropischer Natur.die die Spielbankverwaltung veranlaßten, diese Bestimmungen einzuführen, sondern nur praktische. Es ist eben ein Geschäft wie jedes andere und muß als solches seine Principien haben. Routinirte Spieler, die alljährlich Monte Carlo besuchen, setzen sich gemeiniglich einem bestimmten Betrag aus. den sie ihrer Spiellust zu opfern Willens sind, der Eine vielleicht 1000 Francs, der Andere 10.000 Francs, je nach ihrem Können. Ein bekannter Londoner Bankier läßt sich den Spaß jährlich 60.000 Francs kosten, die er mit bewundernswerther Pünktlichkeit verliert, um dann wieder heimzukehren. Zuweilen braucht er nur einen Tag, um sein Ziel zu erreichen, mitunter muß er aber auch wochenlang arVeiten", um seine 60.000 Francs los zu werden. Er gehört zu der Legion fester Kunden, deren sich das Etablissement erfreut und auf die sich seine Hoheit stets verlassen kann. Der Fürst von Monaco ist ein gescheut Mann und besitzt ganz schätzbare Eigenschaften. Die Zahl seiner Unterthanen beträgt 15.000, aber sie sind es nicht, die in der staatlichen Scheeranstalt Wolle lassen müssen, im Gegentheil es existirt ein Gesetz, daß den Landeslindern seiner Durchlaucht verbietet, ;,t G?uck in den grünen Sälen von Mvnte Carlo zu versuchen und nicht nur der Uebenr.'.er dieser Vorschrift, sondern auch di'" Bank selbst würde bestraft werden. .Daß das Spiel ein Laster ist, gibt der Fürst gern zu, aber das gilt nur für die Monacoer, für die Seeligkeit der Fremden fühlt er sich nicht verantwortlich. Daß über einen solchen Platz von so allgemeiner Anziehungskraft alle möglichen unrichtigen Anschauungen verreitett sind, ja geflissentlich genährt werden, ist wohl erklärlich. Daß jeden Morgen die Gärten um das Kurhauö nach Leichen von Selbstmördern abgesucht werden, ist genau eben so wahr als die Behauptung, daß die ganze französische Presse dem Fürsten zur Verfügung stände. Beides sind Uebertreibungen, denen allerdings ein kleiner Kern von Wahrheit zu Grunde liegen mag. Die 800.000 Francs, die alljährlich für die Presse ausgesetzt werden, dienen nicht dazu, wahre Neuigkeiten zu unterdrücken, sondern sollen die betreffenden Herausgeber nur abhalten. Sensationsartikel zu bringen, die das Geschäft der Spieldank zu schädigen geeignet sind. Pariser Zeitungen, die nicht ihren Antheil an diesen 800.000 Francs erhalten, wimmeln von Phanthasieberichten über Selbstmorde, Skandale und Verbrechen, die Monte Carlo zur Scene haben. Solche Nachrichten schädigen natürlich die Bank und da muß man halt in die Tasche greifm. um die Nerven der Leser solcher Blatter zu schonen. Ein beneidenswerthes Dasein führt dieBevölkerung des Fürstenthums. Steuern kennt man nicht, für alle öffentlichen Einrichtungen sorgt die Spielbank, die Polizei ist vortrefflich, die Wasseranlagen stehen einzig da, die Straßenbeleuchtung wirkt einfach seenhaft und des Nachts bietet sich dem bewundernden Auge ein Panorama, daß sicb in einem Halbkreis von pittoresker Großartigkeit von . Riff zu Riff ent-

lang'den Gestaden der schönen Bai hin-1

zieht. 1 Nikola Teöla und seine Ersindun gen. Kein zweites Gebiet wird so nach unbekannten, verborgenen Schätzen durch sucht wie das der Elektricität. Jeden Tag sind wir eines neuen Fundes gewärtig. besonders seitdem die Elektrotechnik ein bevorzugter Industriezweig geworden ist. In Amerika werden mit der Elektricität immer mehr praktische Erfolge erzielt, während in Teutschland in letzter Zeit theoretische Unter, suchungen zur Erkenntniß des Wesens der Elektricität bevorzugt worden sind. Einer von den Wenigen, die beide Bestrebungen in ihrer Thätigkeit vereinigt haben, ist Nikola Tesla.' Entsprechend seinem Bildungsgange in Europa hat er seine Lehr und Wanderjahre verlebt, um dann in Amerika eine zweite Heimath zu finden hat er in Theorie und Praxis zugleich Neues und Ueberraschendes geleistet. Nikola TeZla wurde 1857 zu Smiljan in Bosnien, wo seine Familie eine geachtete Stellung einnimmt, aus serbi schern Stamme geboren. Seine Schul bildung genoß er in Gospic und Carstatt in Kroatien. Ursprünglich sollte er, der Famillentradition entsprechend, in den Dienst der griechischen Kirche treten. Bei seiner ausgesprochenen Neigung zu naturwissenschaftlichen Studien stand man aber davon ab, und gestattete ihm, die polytechnische Schule in Graz zu besuchen. Nach Beendigung seiner Studien bildete er sich in Prag und Budapest in den Sprachen aus und ging, nachdem er in der Heimath und in Paris vergeblich die Ausbeutung einiger Erfindungen versucht hatte, 1882 nach Amerika, wo er sogleich in den Edison Werken Aufnahme fand. Indessen verließ er, um ohne Zwang seinen Erfindungen nachgehen zu können, auch diese 'Stellung bald wieder und vereinigte sich mit einer Gesellschaft zur Verwerthung einer die Bogenlicht Beleuchtung verbessernden Erfindung. Bei all dieser Thätigkeit beseelte ihn aber nur ein Gedanke, dessen Ausführung seiner Vh ien zu dem jetzt vielgenannten mache: sollte: Die Erfindung von Maschinen zur Erzeu gung schnell wechselnd?? elektrischer Ströme. Nachdem ibm dies gelungen war er construirte Maschinen, die den Strom mehr als zweimillionenmal in der Minute umkehren , konnte er mit der überraschenden Thatsache, an die Oeffcntlichkeit treten, daß mit sol chen Strömen bei gleichzeitig hoher Spannung ganz neue Wirkungen er. zielt werden. Unterbricht man einen elektrischen Strom oder wechselt dessen Richtung, so entstehen jedesmal in einem benachKarten Leiter, z. B. in einer Draht spule, Ströme, die ihr Entdecker Fara day JnductionSströme benannt hat. DaS Verhalten dieser Ströme, die zu oen interessantesten Erscheinungen der Elektricität gehören, ist seit etwa sechzig Jahren gründlich erforscht worden. Um so überraschender war es, daß die schnell wechselnden JnductionSströme, die Tesla in einer Spule von hoher Span nung hervorrief, ganz neue Erscheinungen erzeugten. Während die bisher bekannken Wech selströme, durch unseren Körper ge führt, unerträgliche, ja tödtlich wirkende Erschütterungen erzeugten, ist die Wirkung der Ströme bei hoher Wechselzahl und Spannung auf den mensch, lichen oder thierischen Organismus fast unmerkbar. Tiefe überraschende That sache ermöglichte überhaupt erst Tesla's weitere Entdeckungen. Zu diesen ge hören die verschiedenartigen Lichterschci nungen bei zunehmender Wechselzahl der Ströme. Zuerst entsteht zwischen den Enden der Spule ein dünner, fa denförmiger, beständig umhcrflackern der Lichtbogen, der allmählich in einen weißen, fingerdicken, über die ganze Spule hinwcgschlagenden Flammenbogen übergeht. Sodann verwandelt sich die flammende Entladung in eine Büschelentladung. Aus allen Spitzen und Vorsprüngen treten Lichtströme heraus. Bei etwas zunehmender Wechselzahl entsteht mitten in einem Büschel ein wahrer Sprüh' regen von kleinen silberweißen Funken oder ein Bündel von äußerst dünnen silberfarbigen Fäden. Steigert man jetzt noch die Wechselzahl, so verschwindet die schöne Lichterscheinung, und die Spule giebt nur noch bei kleinen Entfernungen einen Funken. Aber, was überaus interessant ist, die Ströme gehen in diesem Stadium unter Ent faltung prachtvoller Lichterscheinungen sehr leicht durch Isolatoren von erhebe licher Dicke, z. B. durch Ebonit- und Glasplatten, hindurch. Befestigt man an der einen Klemme der Spule einen sehr dünnen Draht, so sendet er mächtige Strömungen aus und vibrirt oder schwingt leuchtend im ttreise umher. Wahrend gewöhnliche klektrische Ströme nur aus . Spitzen leuchtend ausfließen, zeigen die Wechsel, ströme auch beim Ausströmen von abrundeten Flächen prächtige Llchler lcheinungen. Befestigt man an den Snden der Spule zwei Metällsäulen, so erscheinen zwei mächtige Büschel, die nicht nur wie zwei Gasrlammcn aus sehen, sondern wirklich heiße Flam. men sind. Berührt man mit der einen Hand das eine End? ter Spule und nähert die freie Hand einer mit dem anderen Ende verbundenen Messingkugel, so brechen aus den Fingerspitzen Lichtströme hervor. Bei hinrei chend gesteigerter Wechselzahl würde der ganze Körper in einen vollständigen Flammenmantcl gehüllt werden, ohne daß er im mindesten verletzt würde, ob. schon der hundertste Theil dieser Kraft, tn anderer Weise angewandt. . einen Menschen tödten würde. Diese wemjtti Beispiele mögen genügen, um die interessanten Lichterscheinungen der Tesla'schen Wechselströme zu charakteri I siren.

Am bekanntesten ist Tesla durch dle Versuche, ein praktisches BeleuchtungsMittel herzustellen, geworden. Ein in :iner luftleeren Kugel eingeschlossener ssörpcr ' wird durch Verbindung mit :iner Stromquelle von rasch wechselnder Spannung bis zum Glühen erhitzt. So kann z. B. ein Knops aus feuer festem Stoss hochglühcnd gemacht wer)en. Da der menschliche Körper ein Leiter ist, so kann der Strom durch den Körper geführt werden, indem man )as freie Ende der Spule in die eine Hand, die Lampe in die andere nimmt. Zluf diese Weise erspart man die Rück'.eitung der jetzigen elektrischen Lampen. Zs kommt nur darauf an, einen feuersesten Stoff ausfindig zu machen, da Die Wechselströme den glühenden Körver stark angreifen. Einen solchen Stoff hat Tesla in dem von dcm Ameri tarier Acheson hergestellt? Earborunsvm, einer Art Kohle, gefunden. Elektrisches Licht in luftleeren Röh. ren ist eines der beliebtesten Untersuch angsobjekte der Physiker. Die jetzt vielgenannten, von Professor Röntgen entdeckten X.Strahlen gehören in diese Kategorie. Auch Tesla hat auf diesem Gebiete neue, weittragende Entdeckunsten gemacht. Als er eine luftleere Glasröhre in die eine Hand nahm und mit der anderen Draht berührte, der Wechselströme von hoher Spannung führte, wurde die Röhre so bell erleuchtet. daß er bei ihrem Scheine lesen konnte. Aus dieser Entdeckung zog Tesla sofort weitere praktische Konsequenzcn. Die ideale Art," sagt er, einen Saal oder ein Zimmer zu beleuchten, würde darin bestehen, daß

man in ihm einen Körper bewegen könnte, der, wohin man ihn auch setzen möge und ohne daß er mit irgend etwas elektrisch verbunden ist, leuchtet". In der That gelang ihm das. Er hing zwei Bleche auf, die mit den Enden der Induktionsspule verbunden waren. Eine luftleere Röhre, die er dann in der Hand irgend wohin zwischen die Bleche oder an irgend einen Platz, selbst in eine gewisse Entfernung jenseits derselben hielt, blieb fortwährend leuchtend. Tesla ging noch weiter. Schon im Anfange seiner Untersu chungen war er auf den Gedanken gekommen, die Jnductionsströme hoher Wechselzahl zur Erregung von Licht in zugeschmolzenen Gla'sgesäßen ohne je den Zulcitungsdraht zu verwerthen. Er construierte Lampen, in denen der Jnductionsstrom, der einen Knopf oder Faden zum Glühen brachte, durch das Glas hindurch erzeugt wurde. Tesla hat sich nicht darauf beschränkt, diese und viele ähnliche Experimente anzustellen, sondern er hat auch sogleich deren gemeinsame, im Wesen der Elek. tricität begründete Ursache dargelegt. Die von ihm entdeckten Erscheinungen werden nach seiner Ansicht durch elek trostatische Kraft" erzeugt, d. h. durch eine Kraft, die den Äther in eine überauS schnelle Bewegung versetzt. DaS Herumwirbeln von Molekülen und ihres Äthers erzeugt die Ätherspannun gen. Die Ausgleichung dieser Ätherspannungen nist Ätherbewegungen hervor, und diese sind es, die wir elekirische Ströme nennen. Erreicht die Bewegung der schwingenden Ätheratome einen hohen Grad, so entsteht eine Lichterscheinung im scheinbar leeren Raume. Prallen die Ätheratome oder Moleküle auf andere Körper, so werden diese warm und schließlich leuchtend. Die bei einzelnen der angeführten Ex. perimente entwickelte Wärme rührt von dem Anprall der Luftmoleküle gegen, einander und gegen andere Körper her. Ein Körper, durch den der Wechselstrom fließt, wird glühend und leuchtend, weil durch die schnell wechselnden Ströme die ihn umgebenden Gasmolcküle in heftige Bewegung versetzt werden und ihn gleichsam in einer Sekunde wie mit Trillionen unsichtbarer Hämmer" bearbeiten. Ebenso wird eine nahezu luftleere Röhre leuchtend, weil die GasMoleküle in ihr so heftig bewegt werden können, daß diese Bewegung eine Lichterscheinung erzeugt. Tesla hat nicht nur alle seine Entdeckungen durch diese Theorie erklärt, er will vielmehr erst infolge der Ueberzeugung von dem Borhandcnsein einer elektrostatischen Kraft" zur Entdeckung- der genannten Erscheinungen geführt worden sein. Natürlich bedarf seine Theorie noch des weiteren Ausbaues, um als allgemein gültig anerkannt werden zu können. Die Erbtante. Ein simple Geschichte von Eiizabeth JürS. Zwölf Jahre war ich alt, als es mir passirte und heute bin ich schon junge Großmutter und stehe in der Mitte der Vierziger; es ist somit schon über dreißig Jahre her. Verjährt! pflegt man ja woh! in solchen Fällen zu sagen, für mich giebt's aber in diesem Falle keine Verjährung, denn ich bin inzwischen auch häufig wieder an die Geschichte erinnert worden, erst ganz kürzlich wieder. Deshalb sei's hier erzählt: Tante Lise hieß sie und mich hatte man nach ihr getauft, deshalb war ich stets ihre Lieblingsnichte und bin es auch heute noch, wie sie mir erst vor wenigen Wocken, als ich sie nach mehr als dreißigjähriger Trennung zum ersten Mal wiedersah, fest versichert hat. Die gute Tante Lise lebt nämlich immer noch und hat erst im vergangenen 5labre ihren neunzigsten Geburtstag gefeiert, was sie vermuthlich nur mir zu verdanken hat, denn ich schließe sie allabendlich in mein Gebet ein. Damals also war ste eine Dame gegen Ende der Fünfziger, eine gereifte Jungfrau, enragirte Männerfeindin und galt allgemein für sehr geizig. Ich persönlich kann mich zwar in dieser Beziehung nicht über ste benagen, denn mir hat sie mindestens drei Mal, als ich noch ein kleines Mädchen war, einen Apfel geschenkt, allerdings einen etwas anaefaulten. den ich abe? trotz-

dem gegessen habe. Und einmal auch

sogar zwei Wallnusse! Die waren freilich taub, jedoch das war Tante Lise selbst ebenfalls. Bei icner Gelegenheit aber, von der ich bier erzählen will, schenkte sie mir etwas viel werthvolleres, nämlich einen Ring! Und das kam so: Ich war aus der dritten m die zweite Madchenklasse aufgerückt und eilte freudestrahlend zu Tante Lise. um ihr das wichtige Ercigniß mitzutheilen. Da nahm sie mich gütig bei der Hand und sprach, mir tief dabei in die Augen fchauend: Llsbettel, Du bist ein liebes, braves Kind, das uns allen stets nur Freude bereitet. Dem Verdiensie seine Belohnung! Ich will Dir ebenfalls heute eine Freude machen! Nicht wahr, Du hast doch auch Schmucksachen gerne?" O gewiß, liebe Tante," erwiderte ich mit vor freudiger Erwartung geröthetcn Wangen. Nun, dann komme mit mir." Und so führte sie mich mit feierlichem Ernste und wehenden Haubenbändern, wie sie damals Mode waren, in ihr Allerheiligstes. Das war Ihr Schlafzimmer. Dort stand eine alte Kommode, in deren oberstem Schubfach Tante Lise ihre sämmtlichen Raritäten aufzubewahren pflegte. Wie glänzten meine Augen, als sie dasselbe jetzt langsam aufzog und sich meinen erstaunten Blicken eine Unzahl Bijouter' Ringe, Ohrgehänge u. f. w. zeigten. Sieh mal, mein herzliches Kind." meinte die alte prächtige Dame. da kannst Du Dir nun also einen Ring auswählen, welchen Du immer willst, weil Du gar so fromm und lieb bist und stets für Deine alteTante zu beten pflegst. Entscheide Dich also, mein gutes Kind!" Ich muß gestehen, die Wahl wurde mir überaus schwer. Schließlich jedoch entschied ich mich sür einen hübschen, mit blauen und rothen Steinen besetzten Reifen, der grade auf meinen kleinen Ringfinger paßte. Dann möchte ich wohl diesen wählen. Herzenstantchen!" Tante Lise nickte freundlich. Du hast für Dein jugendliches Alter bereits einen sehr ausgebildeten, guten Geschmack!" Dann faßte sie ebenso wohlwollend mein kleines Patschhändchen, zog mir leise und zart den Ring wieder vom Finger herunter, warf ihn in die Schublade zurück, drückte dieselbe fest zu. zog den Schlüssel ab und sagte, während sie mich wieder aus ihrem Allerheiligsten hinausführte: Schön, mein liebes Lisbettelchen, diesen Ring bekommst Du also, wenn ich gestorben bin!" Ich kann nicht gerade behaupten, daß mir an dem Rest jenes unvergeßlichen TageS gerade besonders freudig zu Sinne gewesen wäre. Ein wie hochgradig braves Kind ich aber damals war. beweist wohl der Umstand, daß ich trotzdem an dem selbigen Abend nicht unterließ, für ein langes Leben der Tante Lise zu beten! Darüber sind inzwischen, wie be reits erwähnt, reichlich dreißig Jahre vergangen. Und als ich kürzlich nach langem Aufenthalte im Auslande die Neunzigjährige wieder besuchte, da bat ich sie mir doch mal wieder den Ring, meinen Ring zu zeigen. Aber Kind, der paßt doch jetzt garnicht mehr auf Deine großen Finger!" meinte sie. Einerlei. dann kann ihn vielleicht nach Deinem Tode meine Enkelin, oder eventuell meine Urenkelin tragen!" Und zögernd holte sie ihn hervor, wobei ich eine höchst merkwürdige Entdeckung machte, die ich als Kind damals unniöglich hätte machen können. Jetzt bete ich wieder allabendlich für die Erhaltung des Lebens meiner theuren Erbtante, denn ich möchte nicht gern, daß meine kleine Enkelin sich eine Grünspahn - Vergiftung zuzöge! Der Ring war nämlich von Tomback! Sokratcs. Einst war dem alten Sokrates Ein selten Glück beschicken: Er lebte einen ganzen Tag Mit seiner Frau in Frieden! Vergnügt saß er im Schaukelstuk' Und rauchte seine Pfeifen; Warum es heut so ruhig war. Fast konnt' er's nicht begreifen. Die Gattin war beschäftigt just. Den Abendthee zu kochen Und hat bis jetzt böses Wort Mit ihrem Mann gesprochen. Glückselig rief er endlich aus Ach. lebten wir so täglich! Xanthippe, warum bist Du doch Nicht immer so verträglich?" Was?!" schrie sie plötzlich aufgeregt, Du willst Dich noch beklagen. Und hat bis jetzt kein böses Wort Wenn wir uns nicht vertragen!" Ein Wörtchen gab das andre dann. Wie oft bei Eh'genossen, Bis daß sie ihm den Wasserkrug In das Gesicht gegossen. Da sprach der alte Philosoph: fr-v o cr r ii t . p uas cipici inug mi aciyt", Daß wer den Ehefrieden liebt, Sich üben muß im Schweigen!' syrenrettung. Wohlfeiles Lob!" so spricht voll Borurtheil. Wer die Kritiken des Herrn X elesen; Wie ungerecht! es ist sein Lvö wohl seil. Doch wohlfeil ist es wahrlich nie gegewesen. ' ZarteAndeutung. Fräulein ßflt! Du tflrth irfy s. c:,' l " r r bw mein Familienname wird mir aber all ' mälia reckt fadel" w . . , , , ;