Indiana Tribüne, Volume 19, Number 191, Indianapolis, Marion County, 29 March 1896 — Page 6
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Der ucnuidicilc JaiL Elise," sagte Herr Müller eines Mends zu seiner Frau, glaubst Du, daß Du mich lieber hast als ich Dich lieb hatt, oder daß ich Dich lieber habe.' als Du mich lieb hast?- Ohne von ihrem Wirthschaftsbuche aufzuseheu, antwortete sie: Dreizehn von achtundz:Lanz',g, wie viel leibt da?" Nun. ich glaube, daß Du, wenn ich zu Dir spreche, die Liebenswürdigkeit haben sollst, mir zuzuhören sagte ich. Sie erwiderte: Die Wochenrechnung beim Fleischhauer macht zwölf Gulden sechzig Kreuzer aus; er hat schon zweimal hergeschickt. Und sei so gut und schlag' nicht so auf den Tisch auf, sonst wirst Du noch die Tinte ausschütten !" Ich habe nicht auf den Tisch geschlagen, sondern nur mit der Hand in verzeihlicher Ungeduld auf denselben getippt. Ich habe vor einer Weile eine klare Frage an Dich gerichtet, und ich würde wünschen, eine klare Antwort zu erhalten." ..Wer schafft Di?. mich mit Fragen zu irritiren, wenn Du siehst, daß ich rechne? Was gibt's also?" Ich fragte Dich: Glaube ich das heißt, glaubst Du daß' ich mich lieber habe nein, daß Du mich lieber hast Pardon, ich beginne nochmals. Wer von uns Beiden, würdest Du sagen, hätte den Anderen lieber als der Andere den Einen aber. Himmelkreuzdonnerwetter, Du weißt ja ohnehin, was ich m?ine!" Ich weiß gar nichts, als das Eine, daß Du nicht zu fluchen brauchst!" Ich habe nicht geflucht. Wenn Du mich nicht verstehst, so werde ich es versuchen, Dir d:. Frage so begreiflich als nur mögI; ) zu machen. Hast Du lieber, als ich habe? Nun?- Lieber? Wen?" Einer den Anderen." Du meinst, daß Jeder von uns den Anderen lieber hat, als der Andere Jeden?" Nein, das meine ich nicht. Ehe Du die Frage in Unordnung gebracht hast, war sie klar wie nur etwas. Nun paß einmal auf. Wir Zwei sind Zwei, nicht wahr?" Natürlich? das wußte ich ohnehin, aber " Warte eine Minute. Ich will, daß Du mich diesmal verstehst. Welcher von diesen beiden, würdest Du sagen, hat den Anderen lieber, als der Andere den Anderen lieb hat oder würdest Du sagen, daß Jeder den Anderen genau so lieb hat. als der Andere? Verstehst Du mich jetzt?" Beinahe. Sag's noch einmal." Würdest Du der Meinung sein, daß Keiner von uns den Anderen lieber hat, als Beide Jeden lieb haben, oder daß der Eine den Anderen lieber hat als der Andere den Ersteren, und wenn dem so ist. warum?" Nun hast Du Dich unverständlicher ausgedrückt als früher." sagte Elise. . Es scheint,' daß Du jetzt selbst nicht mehr weißt, was Du früher meintest. Komm' zum Nachtmahl und rede ver! nünftiz." Als ich mich zum Nachtmahl niedersetzte, lächelte ich cynisch. Dies erstaunt mich nicht im Geringsten," bemerkte ich. denn ich habe bis her noch kein weibliches Wesen kennen gelernt, welches im Stande gewesen wäre, logisch zu denken, und ich glaube, daß ich ein solches weibliches Wesen auch niemals werde kennen lernen." Nun," sagte Elise, man kann nicht logisch sprechen, wenn man nicht weiß, wovon man zu sprechen hat, und ich weiß nicht, wovon Du sprichst, und Du scheinst es selbst nicht zu wissen, oder, wenn Du es weißt, bist Du viel zu unklar, um es Jemandem verständlich zu machen. Wenn Du logisch zu sprechen wünschest, so, äußere Dich über- die Zwölf Gulden sechzig Kreuzer des Fleischhauers." Wenden wir uns nicht von unserem Thema ab, Elise. Ich fragte Dich, wer von uns Beiden Deiner Ansicht nach den Anderen lieder hat, und Du konntest ' es nicht verstehen." Aber 5as verstehe ich ja. Warum hast Du denn das nicht gleich gesagt?" Soweit ich mich erinnere, waren dies meine präcisen Worte." Aber nein! Du sagtest: Wenn Keines von uns Beiden den Anderen lieber hat, als Einer den Anderen. wer von uns Beiden würde es sein? oder so etwas ähnliches Aber wie hätte ich denn einen solchen Unsinn reden können!" Ah!" rief Elise. wenn die Männer die Geduld verlieren, so wissen sie niemals, was sie reden!" Wir hatten dann einen kleinen Streit, denn ich mußte diese, das ganze männliche Geschlecht tief beleidigende Aeußerung auf das Entschiedenste zurückweisen, und seither schmollt meine Frau mit mir. und ich weiß noch immer nicht, ob sie glaubt, daß sie mich lieber hat, als ich sie lieb habe, oder ob ich sie lieber habe, als sie mich lieb hat " Mann wird eine Zrau alt ? Plauderei von I. von Brun Barnom. Eine etwas heikle Frage, wird mancher sagen, insbesondere wenn ihre Beantwortung der Frau, wie in diesem Falle, selbst zufällt. Der Franzose beantwortet sic mit der ihn angeborenenGalanterie: Man ist so alt, wie man aussieht". Der Deutsche, weniger galant, rechnet der Frau die Zahl der Jahre nach. Dank der Emancipation der Frau ficht solches die Unverheirathete nicht mehr an. Die alte Jungfer", welcher auch meist die verbitterte" an, gehangen hat, ist ausgestorben; dadurch ausgestorben, weil das Ge. duldetsein", aus dem das alternd, Mädchen seine Erbitterung geschöpft, nicht mehr zeitgemäß ist. seit die Emancipation ihr Mittel und Wege geöffnet, nicht bloß ein geduldetes, sondern auch ein nutzliches Glied der Gesellschaft zu werden. Jedes Mädchen, das heutzutage Charakter. Energie, Verstand genug hat. um den
Kampf umZ Dassn alltin, auch ohne die Stütze des Mannes, aufzunehmen, hat aufgehört, eine alte Jungferzu sein, auch wenn es in die reiferen Jahre gekommen ist. In ihre Hand ist es gegeben, sich gleich dem Mann eine achtunggebietende C'ellung in der Gesellschaft "zu sichern, welche sie gegen die Lächerlichkeit schützt, die ihrem Altwerden" mehr als der alternden Frau anhaftet. Ist nun der GeisteZ arbeit, die sie mit dem Manne theilt, solches gelungen, so meinen wir, ist auch derZauöerbrunnen gefunden, aus dem die Frau sich ewige Jugend schopfen kann und die Frage: Wann wird eine Frau alt?" gelöst. Mögen auch' körperliche Reize welUn; alle sorgsame Pflege, alle hygienischen Mittel können nun einmal dieses Welken, dieses Altwerden wohl hin-, aber nicht auf halten. Unverwelklich bleibt nur der Geist, den zu pflegen, frisch zu erhalten daher die vornehmste Aufgabe, insbesondere der Mutter sein muß, will sie ihren Kindcrn, auch wenn sie die Kinderschuhe ausgetreten, die erste, die beste Freundin werden. Nur an ein jung fühlendes Herz, nur an einen regen Geist schließt sich die Jugend an, läßt sich von ihnen beeinflussen, leiten. Und es ist heutzutage nicht schwer für das Alter gemacht, auch darin der Jugend überlegen zu bleiben. Doch findet bei unserer heutigen Ju-zend leider das Schillersche Wort seine Anwendung Ich kann das Geschlecht nicht begrei sen. nur das Alter ist jung acy! und die Jugcnd ist alt." Nichts erhält den Geist so lebendig, als wenn wir ihn durch eine lebendige Antheilnähme an den Vorkommnissen des e bens frisch erhalten, uns den heiteren Blick in die Zukunft nicht durch pcssimistische Anwandlungen, schmerzliche Erfahrungen, ernste Heimsuchungen trüben lassen. Das Ewigiungfühlen wie es ein Goethe verstanden ohne jung sein zu wollen, was leicht der Lächerlichkeit anheimfällt das ist das einfachste Mittel, jungzu bleiben, auch wenn unser Haar ergraut, unseren einst so klaren Augen das Licht getrübt ist und sie von Fältchen und Falten umgeben sind. Blickt nur aus diesen Seelenfenstern ein junges Herz, ein frischer Geist, dann heißen wir auch das Alter willkommen, wie die Kühle nach heißen Tagen, wo die Sonne in ihrer Gluth gar oft die Augen geblendet und wir müde des Weges im Staube der Heerstraße geschritten. Selbst der Abend des Lebens. in dem das Hasten und Drängen, das Hoffen und Harren vorüber, gestaltet sich uns dann freundlich, und wir tragen die Gebrechen des Alters mit jener Kraft des Geistes, die auch das schwerste Leiden tragen hilft, und schöpfen unsere HciterX'it auch aus dieser unversiegbaren Quelle. Das ist des Geistes schönstes Recht Daß er der Jugend Palme, ewig hält; Dies Mittel erbt sich fort in dem Geschlecht," Zu dem sich Tugend, Sitte noch gesellt."
Endlich. ine Lorfgcsch!chte vrn Alwin Römer. Schön Resel, des reichenMüllers Kind. Möcht' mancher Bursch sich fischen; Doch tvtt's das Mannsvolk auch beginnt. Sie weiß stets zu entwischen! Schickt all' die Burschen, die voll List Sie gar verliebt umwerben, . . Weil sie ein reiches Mädel ist. Verächtlich heim mit Körben! Wer wie ein junger Tauber girrt," Sagt sie, wird nicht genommen!' Der Bube, der mein Schätzer! wird, Der muß mir schneidig kommen!" Zum Eonrad aus dem Försterhaus Zieht sie's mit tausend Fädchen; Doch denkt die arme Kirchenniaus Nicht an das reiche Mädchen. Und ob sie ihn auch hier und dort Zu treffen weiß im Holze Er hat niemals ein liebes Wort Für sie, die batzenstolze!" Am Erntefest die Fiedel singt Hell zum Trompetenschalle ' Der schmucke Jäger dreht und schwingt Die hübschen Dirnen alle. Doch erst beim Kehraus", wie zur Qual, Fragt er die Resel lustig: Tanzt' etwa auch mit mir einmal?" Nein!- schreit sie. Er: Das wußt' ich!" Wie sie drauf zornig zu ihm spricht So halblaut: Dummer Esel!- ' Lacht er hell auf: Das streit' ich nicht! Ganz recht sprichst': Dumme Resel!" Da schießt das Blut mit jähem Trieb. Jn's Antlitz ihr. Du Schlimmer! Die dumme Resel hat Dich lieb!" Schluchzt sie. Merkst Du's denn nimmer?" Benutzte Gelegenheit. Frau: Heute Nacht hatte ich einen gräßlichen Traum. Ich saß nämlich am Meeresgrunde inmitten von vielen tausenden,haßlichen Meeresbewohnern. Ach Emil, Du kannst Dir meine Angst gar nicht vorstellen." Mann: Siehst Du, das kommt davon, wenn Du ohne mich ausgehst." Modern. Herr: Nun.wie geht es Ihren drei Söhnen, Meister? Meister: Den beiden Aeltesten recht gut. Der Eine hat in der Lotterie geWonnen, der Andere reich geheirathet. Nur der Dritte macht mir Kummer. der Dummkopf glaubt, er wird durch l Arbeiten reich werd,.- , ,
ZZie Porzellan ZIlanusactur in Illctfinu
Unter den Kunst- und künstlerisch ausgeführten Gebrauchsgegenständen nimmt das Porzellan, das, früher aus Japan und China eingeführt, der vornehmen Welt als einer der ersten Luxusartikel galt, noch immer einen hervorragenden Platz ein. Die älteste und bekannteste Pflegestätte dieses keramischen Kunstzweiges ist die im Treibischthal bei Meißen gelegene königl. sächsische Porzellan-Manufac-tur, aus der einst das weltberühmte vieux Saxe hervorgegangen ist, und die noch heute, theils alte treffliche Modelle wiederbelebend, theils dem neuesten Geschmack Rechnung tragend, zahlreiche Meisterwerke aus den Weltmarkt bringt. Diese Kunstanstalt steht jedem Besucher zu eingehender Besichtigung offen, und ein Rundgang durch die Fabrikräume ist höchst interessant und belehrend. Mit ganz anderen Augen betrachtet man die Kunstöbjekte der Niederlage., wenn man die umsiändKaolZnschlemmerei. lichen Proceduren, die vielen Hände gesehen hat, die ein Gegenstand in immer veränderter Gestalt erfreut. Haben wir das von Seitenflügeln umgebene mächtige Häuserrechteck betreten, das die Manufactur bildet, so werden wir zunächst durch weite Höfe geführt, in denen das Material zur Herstellung des Porzellans, das Kaolin. die eigentliche Porzellanerde, die in den sächsischen Dörfern Seilitz und Sornzig gewonnen wird, und Feldspath liegt. In der Schlemmerei hat die Porzellanerde einen ReinigungsProceß durchzumachen, darauf wird dieselbe mit Feldspath gemischt und gelangt in die Filterpathe und aus dieser in die Knetmaschine. Daraus beginnt für die Masse eine längere Lagerungszeit; sie wird fest 'zusammengestampft und gewinnt. durch den sog. Rottungsproceß erhöhte Fähigkeit ten für die Porzellanbereitung. Plästicität. Diese Ablagerung wird als ungemein bedeutungsvoll für die Güte des Porzellans angesehen. In China soll sie zwei bis drei Jahre dauern, in Meißen währt sie bis zu zehn Monaten. Es sind auch noch Vorräthe von der ältesten, im Erzgebirge bei Aue gefundenen Porzellanerde vorhanden, die eine etwas röthlich angetönte Masse ergibt. Diese wird zu besonders zarten Figuren verwendet. Dreher. Mit der so bearbeiteten Masse gelangen wir zu den Gestaltungsräumen, wo Menschenhände und Maschinen wetteifern, um ihr eine Form zu geben. Die wichtigste Aufgabe hierbei hat der Modelleur zu erfüllen, der zunächst die Thonmodelle uitd nach ihnen die Gipsformen herstellt, während später der - Bossirer an die ausgeformten Kunstgegenstände die letzte vollendende Hand anlegt, indem er alle Fehler in der plastischen Ornamentik beseitigt. Beide müssen künstlerisch durchgebildet sein und ihr Material, das keine Schwerfälligkeiten duldet, genau kennen. Neben den Vossirern beobachten wir eine große Anzahl Dreher. Diese formen die in das Töpserhandwerk schlagenden Geschirre, sofern diese nicht jmrrfj Maschinen gefertigt werden. und die fo aus Freihanddrehen hervorgegangenen Gegenstände werden hierauf in Gipsformen gedrückt, um ihnen eine gleichmäßige Gestalt zu geben. Figuren ' und Gruppen drückt man in einzelnen Theilen gleichfalls in Gipsformen aus; der poröse Gips saugt alle Feuchtigkeit aus. und die weiche Masse löst sich nach wenigen Minuten hart und trocken heraus. Man bedient sich sodann einer etwas G l a s u r e r. dünnern Masse, um die Theile nach dem Modell zusammenzustellen. ' Henkel, größere Blumen und andere Ornamente werden auf gleiche Weise geformt und angesetzt. Durchbruchverzierung sind Arbeiten, die dem Bossi rer zufallen. Die zarten Spitzengarnituren mancher Rococofigürchen stellt man in folgender. Weise her: Mit einem Pinsel wird eine feine, flüssige Porzellanmasse, der sog. Schlicker, zu
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Spitzen oder Tülleinsatz in dünnen Stäbchen aneinandergefügt, eine Geduldsprobe, die die peinliche Sorgfalt von Frauenhänden erfordert. Obgleich manche classische Figur sich am besten tadellos weiß ausnimmt, besteht doch ein Hauptreiz dieses Kunst Zweiges in der polychromen Aussührung. Besonders die meißener Manufactur zeichnet sich durch wunderbare Farbenwirkungen auf dem leuchtenden Hartporzellan aus. Sie bereitet ihre Farben felbst. Neuerdings richtet man das Augenmerk besonders auf die Be reicherung der schon ganz ansehnlichen Scala von Scharffeuerfarben, denn man unterscheidet eine Malerei über und unter der Glasur. Die Malerei über der Glasur ermöglicht einen blendenden Farbenzauber, ist aber leichter Verletzbar, was sich beim Gebrauchsgeschirr zuweilen fühlbar macht. Die Malerei der Glasur ist daher für solches Geschirr höchst wichtig, denn die auf der verglühten" Masse aufgetra genen Farben werden mit ihr in glel chen Schmelzgrad gestimmt und süe ßen beim Brand mit der Glasur zu sammcn. Sie sitzen also vollkommen unter derselben, wodurch eine große Haltbarkeit bedingt wird. Die in roher Masse fertiggestellten Gegenstände haben den Proceß des Berglühens durchgemacht, d. h. sie sind einer Hitze von etwa 800 bis 1000 Grad Celsius ausgesetzt worden. Sie sind gesintert und noch sehr porös sowie leicht zerbrechlich. Nun werde:? sie entweder mit Scharffeuerfarben versehen, wie die zahlreichen Zwiebelmustergeschirre. die wir bemerken, oder sie harren darauf, als weißes Porzellan vollständig fertiggestellt zu werden. Geschirrträger, die mit unglaublicher Gewandtheit die mit Geschirr belasteten Tragen auf den Schultern balanciren, bringen, was bereit ist, das Glasurbad zu empfangen, nach der
xliU Bossirer. Glasurstube. Hier wird jeder Gegenstand in eine aus Kaolin. Quarz, Feldspat und Kalkstein bestehende milchweiße Flüssigkeit gciaucht. Sofort verschwindet jegliche Spur von Farbe unter einer mehligen Kruste, die erst im Scharffeuer schmilzt und die Farbe wiederum leuchtend hervortreten läßt. Nachdem die Stellen, die unglasirt bleiben sollen, sorgfältig verputzt worden sind, . ist das Porzellan zum zweiten Brand bereit. Wird die Masse diesem ausgesetzt, ohne zuvor mit Glasur versehen zu sein, so entsteht das Biscuitporzellan. Die Brennöfen bestehen aus drei Etagen und sind im Erdgeschoß mit fünf bis sechs Feuerungen versehen. Die oberen Abtheilungen dienen dem ersten, dem bereits erwähnten Berglühbrand. Jeder einzelne Gegen stand kommt in eine Chamottelapsel, und die Kapseln werden, säulenartig übereinandergeschichtet, in den Ofen gestellt. Die einzige vorhandene Oeffnung wird alsdann zugemauert und der Ofen angezündet. Durch die Beobachtungsgläser und das Entnehmen von verschiedenen Proben, bezw. durch Gasuntersuchungen regelt man den Brand, der von Rothgluth in Weißgluth übergehen muß und durchschnittlich 20 bis 24 Stunden Zeit in Anspruch nimmt. Nachdem sich ergeben hat, daß die Glasur überall in gleichmäßigen Fluß gerathen ist, wird der Spihenbossirerin. Ofen allmählich zwei bis drei Tage lang abgekühlt, und die Gegenstände die durch das zweimalige Brennen den sechsten Theil ihrer Größe eingebüßt haben, werden herausgenommen. Gestaltung und technische Fabrikation haben ihre Pflichten erfüllt, und die Reihe kommt nun an die Maler. Die Malereiabtheilung, vom Malereivorsteher geleitet, beschäftigt etwa 360 Personen. Zu ihnen gehören allerdings auch die Blaumaler, die zum größten Theil mit Hülfe von Pausen zum Auftragen der Zeichnung arbeiten und die unter Glasur befindlichen Muster (Zwiebel-, alt-deutsches Blumen- und Vogelmuster) ausführen. Die Malerei auf Glasur besteht in der Staffirmalerei. das ist das Be. malen von Figuren, Henkeln u. s. w.. ferner in der decorationsmäßigen. etwas stilisirten Blumenmalerei und schließlich in der höheren Blumen- und in der Figurenmalerei, die eine künst lerische Vorbildung erfordern. Man sieht unter bewährten Meisterhanden große Blumenstücke nach der Natm entstehen, die durch eine unvergleich liche Harmonie der Farben entzücken. Besonders reizvoll heben sich auch du Kinder Flora's - von einem dunkeln
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etwa königsblauen oder braunen Grund ab. In der Figurmalerei kehrt man nach manchen mehr oder weniger glücklichen Abschweifungen in's classische Gebiet immer und immer wieder zu den anmuthigen Sujets des Rococozeitalters zurück, die geradezu für das Porzellan geschaffen zu sein scheinen. Watteau, Boucher, Lancret verstanden es wie kaum andere nach ihnen, das Zierlich-tändelnde ihrer Zeit in die graziösesten Linien und zartesten Farben zu übersetzen. Das ebenfalls nur für anmuthige Formen geeignete Porzellan hat in den Bildern dieser französischen Meister die Decoration gefunden, die seinem Charakter entspricht und seine Schönheiten in's volle Licht setzt. Gerade die neuste Geschmacksrichtung legt eine Vorliebe für eine sehr zarte und duftige Farbengebung an den Tag, die die tadellose Reinheit des weißen
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Modelleur. Hartporzellans vollkommen zur Gelrung gelangen läßt. Deshalb werden auch die Gruppen wieder viel leichter und gefälliger siasfirt, indem man die in reicher Anzahl vorhandenen besten Modelle des vorigen Jahrhunderts zum Vorbild nimmt. Von wunderbarer Feinheit sind ferner die peinlich sauber ausgeführten Bildchen der Schilder und Cartouchen, die der subtilsten Miniaturmalerei nicht nachstehen. Liebhaber eines ernsteren Kunststils aber werden sich gleichfalls völlig befriedigt finden, denn auch die Meisterwerke der Dresdener Bildergalerie werden unausgesetzt auf Vasen. Teller und Platten copirt, von den so beliebten Niederländern (Dow, Metsu, Wouverman, Brouwer. Teniers) an bis zu den Madonnen Holbein's und Raffael's. Selbstverständlich werden auch Schöpfungen unserer modernen Meister verwendet. Von einer vornehmen Wirkung ist eine neue kostbare Art der Decoration, die auch hierher gehört: die Malerei mit transparentem Gold oder Platin, welch letzteres als Silber erscheint. Man malt mit dem feinst vertheilten Metall auf einen tiefdunklen Grund, der durch die zartesten Blumenmaler. Stellen- hindurchschimmert. Die sog. Limogesmalerei ist schon länger bekannt und besteht in dem Malen mit weißer .Emailmasse auf fertiges, ebenfalls königsblau grundirtes Porzellan. Mythologische Sujets, Amoretten ctg nen sich speciell zu dieser Ausführung. Man verwechsele jedoch die Limogesmalerei nicht mit der PatesurpateMalet (Masse auf Masse). Diese ist eine der neuesten Methoden, deren Vervollkommnung die meißener Fabrik mit regem Eifer erstrebt, und in der sie kaum von Sevres erreicht wird. Die Schöpfungen von Sevres in dieser Art haben bei weitem nicht eine solche Weichheit der Contur aufzuweisen. Malerei und Bildhauerei gehen hier Hand in Hand. Auf dem roh geformten Gegenstand, der zuvor einen Grund durch eine zarte Scharffeuerfarbe empfangen hat. wird mittels eines Pinsels Porzellanmasse in Schlickerform aufgetragen und mit Pinsel und Holzstilbchen zu einem Basrelief, meist antiken Genres, modellirt. Dann erst erfolgt der ZZerglühbrcnd, das Glasuren und endlich das Gut- oder Scharfbrennen. Feingeschnittenen Cameen gleich ruht die so hergestellte Decoration auf dem zartgetönten Grund. Neu ist auch die Verwendung von Aufhöhungs- und pastösen Farben. Eine Unterabtheilung der Malerei ist die Polirerei. Das zur Decoration verwendete gute Gold erscheint nach dem Vrand matt und glanzla und wird von Frauenhänven mit Hülfe von Halbedelsteinen (Achat und Blutstein) sorgfältig polirt. Na? das leichter vergängliche Glanz- oder Neugold kommt glänzend aus dem; Feuer. Das Einbrennen der über die Glasur befindlichen Farben erfolgt in den Muffeln der Emaillirösen Sei einer Hitze von ungefähr 800 Grad Celsius. Künstlerisck ausgeführte Gemälde werden 'zwei- bis dreimal übermalt und gebrannt, um die Wirkung der Farben intensiver zu gestalten. Nach einem Rundgang durch die Fabricationsräume erfreut sich des Auge des Besuchers an den Prachtstücken: Vasen, Candelabern. Kronleuchtern und Girandolen. Wir bemerken weiter einen prachtvollen Kamin und sogar ganze Thüreinlagen aus Porzellan. Die Schautische sind mit alten und modernen Meisterwerken beladen, und wir bewundern jetzt erst recht den kostbaren Schatz alter Modelle und For-
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men. den die Manufactur besitzt. Von den berühmten ältesten Gruppen sind die hervorragendsten die Parnaßgruppe, Apollo und die Musen darstellend, eine Huldigungsgruppe für August III. Daran reihen sich die Schöpfungen Meister Kändler's.die ganze leichtlebige Welt der Rococo- und Zopfzeit: die zierlichen Koketten, die gepuderten Ein Prachtstück. Cavaliere. die schmachtenden Schäfer und Schäferinnen und die tändelnden Amoretten. Beliebte humoristische Gruppen sind Graf Vrühl's Schneider auf dem Ziegenbock und ein aus 33 Figuren bestehendes Affenconcert. Selbstverständlich wird auch allen Anforderungen der verschiedenen Kunststile sowie denen der modernsten Geschmacksrichtung genügt. Für die neusten Entwürfe läßt man ferner dem Gebiet der elektrischen Beleuchtung besondere Berücksichtigung zutheil werden, die für Beleuchtungsartikel weiten Spielraum gewährt. Die neuen Armeefahrräder. Vor Kurzem gelangten bei unserer Bundesarmee zwei neue Fahrräder, das neue Armee-Tandem" und das Fahrrad Modell 40" zurEinführung. Das Erstere soll hauptsächlich beim Patrouillen- undMeldedienst Verwendung finden, ist für zwei Mann eingerichtet und trägt sehr sinnreich und praktisch verpackt deren ganze Ausrüstung, und zwar so, daß ein jeder Theil derselben augenblicklich fertig zur Hand ist. Auf der vorderen Lenkstange ruhen die Mäntel für die beiden Radfahrer, auf der hinteren zwei Militärdecken, während die Büchsen und Revolver zwischen den Lenkstangen bezw. unter den Sätteln festgeschnallt sind. In der ganzen Längsrichtung der Maschine ist ein Futteral mit Signalflaggen angebracht. Armee-Tand cm. Das Fahrrad Modell 40 ist lediglich für die Aufnahme des Colt'schen selbstthätigen Schnellfeuergeschützcs bestimmt und zeigt im Allgemeinen den Bau gewöhnlicher Fahrräder, nur daß es schwerer ist und über der Vordcraxe das Lafettengestell für das Geschütz trägt. Die Colt'sche Waffe, erst kürzlich nach sorgfältigen und genauen Versuchen vom Marineministerium angenommen, ist derart construirt. daß die Pulvergase zum HinFahrradModell40. ausschleudern der Patronenhülsen und zum Einschieben neuer Patronen benutzt werden. Sie wiegt etwa 40 Pfund, kann gegen 250400 Schuß in der Minute verfeuern und ist so auf dem Vordergestell des Rades angebracht, daß sie sich nach allen Richtungen hin drehen läßt und dem Fahrer in keiner Weise beim Steuern hinderlich ist. Beide Räder wurden von der Pope Manufacturing Company hergestellt. - Unangenehm:. Wie geht es Ihnen?" Schrecklich! Weil man mich kalt gestellt hat, heizt mir nun meine Frau ununterbrochen ein! Durchschaut. Fräulein : Wie. Sie sind noch nicht verheirathrt, Herr Baron?" Baron: Nein, gnä' Fräulein, habe immer die Rechte noch nicht finden können." Fräulein: Wieviel muß sie denn haben?" Schnelle Wahl. Lehrerin: Vor Allem, Kinder, fcßt Euch nie zu etwas Bösem verführen! Wenn Euch also Jemand einladet, statt in die Schule, mit ihm in die Konditorei zu gehen, Ella was wurdest Du dcr wählen?" Ella (schnell entschlossen): Apfelkuchen mit Schlagsahne!" Ermunternder A n f a ng. A.: Wie; Du hast jetzt eine Wirth schafterin' Deine Frau wollte doch selbst kochen?" V.: Allerdings; aber sie hat sich gleich am ersten Tag Gesicht und Hände verbrannt ich habe mir den Magen verdorben und die Nachbarn haben sich beschwert, daraufhin haben wir die Idee aufgegeben!" D u r ch d i e B l u m e. Wirth (am Stammtisch in der elften Abend stunde): Herr Apotheker. Ihr Dienst rnädchen war hier. Apotheker (angst lich): Hat meine Frau was ausrichten lassen? Wirth: Das Mädchen meinte nur, daß Sie später gewiß wünschen würden, früher nach Hause gekommen zu sein.
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Zricsach. Vor einiger Zeit wurde die kartnerische Stadt Friesach von einem verheerenden Brande heimgesucht. Gegen sechzig Gebäude sind zerstört worden, die Stadtpfarrkirche ist stark bescha digt und deren östlicher Thurm theilweise eingestürzt; auch die Dominikanerkirche hat arg gelitten. Friesach ist ein Stück zerbröckelnder Romantik. Echt feudal sieht es aus mit seinen hohen zinnengekrönten Mauern, die dem malerisch gelegenen alten Städtchen gleich einem losen Gürtel zu weit geworden sind.- Die
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Marktplatz. Mauern umgiebt der weite Stadtgra ben; vor allem aber sind es die pittoresken Burgruinen, die den Ort trotzig überragen und unseren Blick fesseln. Auf deuRuinen einer römischenRiederlassung erbaut, ist Friesach eine der ältestenStädte in den österreichischen Alpen. wo bereits810 dasKollegiatstist zu St. Bartholomäus vom ErzbischofArno von Salzburg errichtet worden sein soll. Im Jahre 1134 ließ Erzbischof Conrad I. von Salzburg die Ring mauer mit dem Stadtgraben, die noch beute die Stadt einschließt, herstellen. Um das Jahr 1200 ließ sich der Deutsche Ritterorden in Friesach nieder, der noch heute daselbst eine Komturei besitzt, zu welcher die Deutsche Ritterordenskirche und das Ordensspital, beide aus dem 13. Jahrhundert stammend, gehören. Sie Stadtpfarrkirche ist eine Mgm Oi!äl 6ÄH5Ä "t T-JH iJXS mmi fc'iä-- 1 Stadtpfarrkirche. der größten Kirchen Kärntens. ihr Ursprungsjahr ist unbekannt, es steht aber fest, daß Erzbischof Adalbert II. im Jahre 1187, als er das Magdalenenhospital vom KlosterAdmont übernommen, an der Kirche gebaut - hat. Dieselbe weist noch ein romanisches Portal und einen romanischen Thurmunterbau auf, währendSchiff undChor gothisch sind. Der Character desGanzen ist durch die mehrfachen Anbauten und Neuerungen zwar nicht mehr recht einheitlich, doch durch seine imposanten Dimensionen von großem Eindruck. Das Dominikanerkloster wurde mit der dazu gehörigen Kirche im Jahre 1251 erbaut und ist das älteste Klosier des Dominikanerordens in Oesterreich. In der Kirche befindet sich eme künstlerisch sehr werthvolle Madonnensäule aus dem 14. Jahrhundert und schöne gothische Altäre mit Holzschnitzereien, außerdem birgt die Kirche die sehenswerthe Grabstätte der Ritter von Thanhausen. Der später fo berühmte Scholastiker Thomas von Aquin hat dem Kloster mehrere Monate als Konvenwale angehört; seiner gedenkt eine Inschrift unter der Kanzel: Hie Stabat Thoraas'ab Aquin". Friesach wurde im Laufe der Zeiten sehr häufig durch verheerende Brände Dominikanerkloster. heimgesucht, und wiederholt in den Jahren 1292, 1340. 1384, 1582, 1052 und 1873 ist die Stadt ganz oder 'zum größten Theile abgebrannt. Der letzte große Brand wüthete 1804, in welchem Jahre am 23. Juli die Stadtpfarrtirche mit dem Propsteigebäude, die K5oterkirche und 42 Häuser C& brannten. Unverfroren. Wenn Sie nicht gleich gehen, laß ich den Hausknecht kommen!" Meinen Se. daß er vielleicht könnt' was brauchen von meiner Waar"?!Treffend. Wann hat Frau Ratscher immer ihr Kaffeekränzchen?" Am SamstoA Nachmittag.,Ah! Also ein Heensabbath!- . i
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