Indiana Tribüne, Volume 19, Number 184, Indianapolis, Marion County, 22 March 1896 — Page 3

iln Mjlml-ille. Line CrzZhlung aus dem deutsch amerikanischen itben von Kans Zloyland.

(1. Fortsetzung.) Die Kinder konnten jetzt, da sie ihre Mutter in Thränen aufgelöst zu Füßen der starr wie eine Bildsäule dastehenden Großmutter knien sahen, nicht umhin, in ein überaus klägliches Geschrei auszubrechen, welches die Nerden des armen Wurm noch mehr erregte, als dies ohnedem schon geschehen war. Der Bedauernswerthe liebte ja seine Frau trotz aller ihrer Fehler, unter welchen ihre stete Weinerlichkeit nicht in letzter Reihe stand, von Herzen, und er konnte wahrhaftig den Gedanken nicht ertragen, daß sie sich Unglücklich fühle und noch obendrein ihn dafür verantwortlich mache. Es war ja freilich lächerlich, wenn Johanne ihn grausam nannte, ihn. der keiner Fliege was zu Leide thun konnte, der sogar den Cockroaches sorgsam auswich, wenn sie bor ihm über den Weg liefen aber andererseits fiel ihm plötzlich auf's Herz, daß es doch nicht schön von ihm gewesen war. der Mutter seiner Frau gegenüber einen so gröblichen Ton anzuschlagen, und kaum stieg in der zartbesaiteten Seele des Herrn Wurm diese Erkenntniß auf, da bemächtigte sich auch schon eine mildere Stimmung seiner und diese verleitete ihn zu der In Anbetracht der bestehenden Verhältnisse höchst überflüssigen, ja gefährlichen Bemerkung: Nun, nun was habe ich denn auch so Schlimmes gesagt?" Der gute Wurm in seiner Herzenseinfalt ahnte nicht, datz er mit diesen anscheinend so harmlosen Worten den Kopf neuttdings unter das unsanfte Joch beugte, das er bei nur ein wenig mehr Festigkeit noch in derselbenStunde gänzlich hätte abwerfen können, um ein freier Mann zu werden, an dem fürderhin keine Schwiegermutter mehr ihr Müthchen hätte kühlen dürfen. Es gibt eben leider Menschen, die sich nun einmal auf ihren Vortheil nicht verstehen. Frau Heinzelmann dagegen war aus aänzlich anderem Holze geschnitzt. Wie ein geübter Fechter erkannte sie augenblicklich die Blöße, die sich ihr Gegner gegeben, und ihr war nun nicht mehr bange, daß sie den :ebellirenden Schwiegersohn nicht schließlich doch noch unterkriegen würde. Ueberlegen Sie so wenig, was Sie in Ihrem durch nichts gerechtfertigten .Zorne vorbringen?" fragte sie. Und nach einer Pause, während welcher keine Antwort erfolgte, setzte sie mit einem Ausdrucke so tiefer Erschütterung in der 'Stimme hinzu, als handle es sich um nichts weniger als eine von Wurm verübte todeswürdige Majestätsbeleidigung: Sie haben mir den Stuhl vor die Thüre gesetzt!" Ihr freundlichen, hilfreichen Geister, die ihr der Sage nach an jedem deutschen Herde wirkt, warum doch rauntet ihr in diesem wichtigen Moment Herrn Wurm nicht guten Rath zu. warum schlugt ihr ihn nicht wenigstens derb hinter die Ohren, aus daß er zum Vewußtsein gekommen wäre der kritischen Lage, in der er sich befand? Ein kleines Achselzucken, ein abweisendes Lacheln seinerseits hätte die Situation noch für ihn retten können. Frau Heinzelmann wäre alsdann sicherlich stolz aus dem Zimmer gerauscht, hätte sich aber wohl für längere Zeit sorgsam gehütet, mit ihrem Schwiegersöhne in so unverantwortlicher Weise anzubinden, wie dies heute und schon unzabliae Male früher geschehen war. Statt sich dergestalt vernünftig und zweckmäßig zu verhalten, beging Wurm die durch nichts zu entschuldigende, ausgewachsene Dummheit, seinen Rückzug fluchtartig fortsetzen, indem er mit fast ängstlicher Miene erwiderte: Haben Sie denn nicht selbst gesagt. Sie wollten mein Haus verlassen?" .Da ich. als gebildete Frau. Ihre Rohheiten nicht weiter dulden könne ja. das habe ich allerdings gesagt," antwortete Frau Heinzelmann. Ader es wäre daraufhin Ihre Pflicht gemesen, mich um Entschuldigung zu bitte'.l. Was abcr thun Sie statt dessen ?" Frau Heinzelmann sprach nicht aus, aber sie klappte ihre knöchernen Hänve mit einem so weithin hörbaren Geräusch zusammen, daß Herr Hopser über der Straße es hörte und dadurch zu einer völlig irriaen Annahme verleitet wurde. Denn er rief dem getreuen Faktotum hinter sich mit einem über die Maßen vergnügten Gesichte Zu: Pomponius! Sie hat ihm wahrhaftig eins ausgewischt!" Herr Wurm tauchte inzwischen tief in seine Halsbinde und ließ den Wortschwall, mit dem ihn seine Schwiegermutter begoß. in unrühmlicher Ergebenheit über sich ergehen. Ich rufe Sie zum Zeugen an. Toby," fuhr Frau Heinzelmann nach jenem Händeklappen fort, hat Herr Wurm mich nicht aufgefordert, sein Haus zu verlassen?" Toby schwieg muthlos. Nun?" herrschte ihn aber die alte Frau an, und Toby schien es. als zögen sich ihre langen, krallenartigen Finger drohend zusammen. Erschreckt stotterte der junge Mensch hervor: Herr Wurm meinte sagte allerdings, daß es wäre " Sehen Sie, H:rr Schwiegersohn!" iriumphirte Frau Heinzelmann, ohne erst den Kern der Aussage des Zeugen abzuwarten, Ihre eigenen Freunde lassen Sie im Stiche, wie das, wenn man so sehr im Unrechte ist, auch gar nicht anders zu erwarten ist." Aber, Frau..Kein Aber, wenn ich bitten darf," trompetete Frau Heinzelmann den völlig zerknirschten Wurm an. .Sie

haben mich hinausz:wi:sen, und ich schüttle den Staub von meinen Füßen. Mögen Sie die Folgen verantworten!" Herr Wurm hob nach dieser unerwarteten Wendung hoffnungsvoll wie ein Pferd, dem man nach langer ermlldender Ackerarbeit vom friedlichen Stalle erzählt, ein wenig das Haupt. Allein es fiel ihm sofort ein, daß seine Frau ihm nunmehr keine ruhige Stunde gönnen werde, bis er Frau Heinzelmann selber dringend gebeten haben würde, ihren Entschluß zu ändern, das heißt, wieder im Hause zu bleiben und er ließ entmuthigt den Kopf wieder in die Halsbinde zurücksinken. - Frau Johanne, die noch immer am Boden kniete, in sich zusammengesunken. wie von der Wucht ihres Unglückes gebrochen, begann nach der Ankündigung ihrer Mutter unter Händeringen und begleitet von dem heulenden Chorus der Kinder, auf's Neue zu klaqen und zu jammern: Mein guter Gott! wie soll das enden was soll daraus werden! Ich kann die Mutter nicht verlassen und komme es wie 'immer.... Die Kinder nehme ich mit mir.... Oh Wurm, bitte doch die Mutter, daß sie wiever bei uns bleibt!" - Und da Wurm im Augenblicke zu einem solchen Grade von Selbstdemü'thigung sich noch nicht aufzuschwingen vermochte, stieß sie einen gellenden Schrei aus und traf unverkennbar die umfassendsten Anstalten in eine Ohnmacht vorgeschrittenen Grades zu sinken. Ehe es aber noch fo weit kam stürzte Wurm mit blassem und sehr verstörtem Angesichts aus dem Zimmer und enteilte in den zu ebener Erde gelegenen Laden, wo allein er sich Herr fühlte. Aberauch hierher verfolgte ihn das Jammern von Weib und Kindern, das nur zu deutlich vernehmbar durch die dünne Decke drang, und störte ihn im Konzept von Mahnbriefen an säumige Zahler, bei welcher Arbeit er Vergessenheit zu finden gehofft hatte. Wurm klappte daher sein großes Einschreibbuch wieder zu. und da ihn sein Magen trotz alledem dringend zu mahnen begann, daß er noch immer nichts gegessen hatte, nahm er rasch entschlossen seinen Strohhut vom Nagel und trat auf die Straße, um in dem Saloon", der etwa zwanzig Schritte von seinem Hause entfernt gastlich die Pforten geöffnet hielt, ein paar Glaser Bier zu trinken, und etwas von dem kalten Lunch zu genießen, der dort zu finden war. Auf der Straße warf Wurm einen scheuen Blick unter dem Rande seines Strohhutes hervor nach Hopser hinüber, der sich behaglich in seinem bequemen Schaukelstuhl wiegte. Hopser schlug eine laute Lache auf, als er den Andren so offenkundig gedrückten Gemüthes abziehen sah und schrie mit Stentorstimme in den eigenen Laden hinein: Pomponius, Präsentire das Gewehr die geschlagene Armee zieht vorüber!" Isis und Osiris aber blinzelten nach dem Grocer hinüber und wedelten mit den Schwänzen, als machten auch sie sich lustig über den armen Wurm. II. Eine Neuigkeit. Einige Tage strichen hin, ohne daß Herr Hopser Gelegenheit zu irgendwie nennenswerthen Beobachtungen in Bezug auf das Nachbarhaus gehabt hätte. Es ging da drüben plötzlich Alles einen merkwürdig geordneten, völlig geregelten Gang: kein Wortgefecht, keine Thränen in den Augen der Frau Johanne, nicht einmal erheb!!cheres Geschrei der Kinder, das' auf innere Unruhen hätte schließen lassen. Es waren verlorene Tage für Herrn Hopser, eine traurig ereignislose Zeit, in der man vor Langweile bequem hätte umkommen können. Da, eines Vormittages, als Hopser eben aus einem benachbarten Apothekerladen zurückkehrte, in welchem er Thür- und Fensterrahmen kunstvoll und wunderschön mit Lackfarbe bestrichen hatte, bemerkte er, um die Ecke der Straße biegend, daß die Familie Wurm vollzählig vor ihremHause versammelt war und Toby. dem Clerk. zusah, der auf einer Leiter stehend, irgendeine, anscheinend wichtige Beschäftigung an der Wand hatte. Endlich! Das war doch zum Mindesten der Schatten eines Ereignisses! nur ein kleines, unbedeutendes, weltfernes Wölkchen zwar, und noch lange nicht hinreichend, das einförmige Blau des Firmamentes wirkungsvoll und angenehm zu unterbrechen, allein man lernt sich bescheiden, und dann konnte man ja auch nie wissen, was bei Wurm aus so geringfügigen Begebenheiten Alles entstehen mochte. Um Alles in der Welt hätte Hopser seine unmännliche Neugierde nicht verrathen wollen. Er warf daher im Vorüberschreiten nur einen ganz kleinen, schnellen Blick hinüber und verschwand dann in seinerHausthüre mit so gleichgiltiger Miene, als bekümmere ihn die ganze Geschichte nicht im Entferntesten. Selbstverständlich war das unwürdige Heuchelei, denn in Wirklichkeit lechzte der Mann förmlich darnach zu erfahren, was die Welt jenseits der Straße bewege. Infolge dessen verstrichen denn auch kaum drei Minuten, bis Hopser mit seinem Schaukelstuhl und gefolgt von Isis und Osiris auf seiner Porch beHufs Rekognoszirung erschien. Ader auch jetzt setzte er noch sein heuchlerisches Benehmen fort. Denn er sah vorerst durch längere Zeit die Straße hinauf, dann ebenso lange die Straße hinunter, und warf endlich sogar einen langen Blick zum Himmel empor, obwohl dafelbst nicht das Mindeste von Interesse zu erblicken war daS Alles aber, als habe er nicht die leiseste Ahnung, daß Wurms drüben auf der Straße versammelt waren. Indessen

sah Hopser so nebenbei doch ganz genau, daß Toby, auf der Höhe der Leiter stehend, im Schweiße seines Angcsichtes einen Nagel in die Wand trieb, während Wurm, in Hemdärmeln und einen Schurz-vorgebunden sonst aber wie immer mit hoher Halsbind: und Vatermördern die Leiter unten festhielt, um sie vor dem Umschlagen zu bewahren. Hinter dem Grocer stand als stumme Zuschauerin Frau Johanne, an jeder Hand eines von den Bindern, während ein drittes sich an die Falten ihres Nvckes klammerte. Frau Heinzelmann schien auch hier eine Art Oberaufsicht zu führen, denn sie stand etwas abseits von der friedlichen Gruppe und prüfte mit kritischen Augen die Thätigkeit Tobys. Das Alles sah Herr Hopser, wie gesagt, ganz genau, allein er wußte sich längere Zeit hindurch keinen Vers auf die Sache zu machen. Endlich hörte er Toby sagen: So, nun bitte ich um das Schild". Nun endlich direkt hinüberblickend, sah Hopser, wie Wurm eine Wandtafel aus Porzellan von der ungefähren Größe und Form einer mittleren Salatschüssel, nach vorher!ger sorgsamer Reinigung an dem Schurz hinaufreichte. Donnerwetter!" dachte Hopfcr. der alte Narr will doch wohl nicht ein befonoeres Schild über seine paar Kartoffel- und Gemüsekörbe hängen?" Und dieser Gedanke kam ihm so abenteuerlich vor, daß er laut hinau?lachte. Toby befestigte inzwischen das Taselchen mit der Geschiölichkeit eines vielversprechenden jungen Mannes und kletterte dann gewandt von der Leiter, um zusammen mit der Familie denTotaleindruck zu betrachten, den seine Arbeit hervorbrachte. Unglücklicher Weise für die brennende Neugier Hopsers lag auf des Nachbars Hause eben grell und blendend die Sonne, so daß man von drüben wie sehr auch Hopser die Au gen anstrengte nicht zu entnehmen vermochte, was die Inschrift auf jener Tafel besagte. Die Familie Wurm, Frau Heinzelmann und Toby standen stumm in die Betrachtung der Tafel versunken, wie es die Art derer ist, welche auf ein vielleicht folgenschweres Ereigniß Hinblicken, und als sich Frau Heinzelmann, der. sich alle Uebrigen augenblicklich anschlössen, endlich dem Hauseingange zuwendete, sagte sie auch nicht mehr als: Es ist gut", so daß Hopser also auch aus den Gesprachen der Leute drüben nichts Rechtes entnehmen konnte. Seine Neugierde ließ ihm aber keine Ruhe und so begab er sich in seinen eigenen Laden, um die anerkannt scharfen Augen Pomponius zu Rathe zu ziehen. Pomponius sah auf die Aufforderung seines Herrn lange und aufmerksam nach dem geheimnißvollen Schilde hinüber, schüttelte aber schließlich, als ihn Hopser ungeduldig in die Seite stieß, den Wollkopf und meinte: Bissel viel Sonn' ich nir lesen können, he!" Hopser rief darauf überaus ärger lich. seinem Getreuen zu: Bissel viel Esel he!" und stieg in das obere Stockwerk, um seine Tochter Helene mit der ihn so lebhaft bewegenden Angelegenheit zu beschweren. Vor Helenens Wohnstube reinigte Hopser vorsichtig die Sohlen seiner plumpen Stiefel vom Schmutz und Staub der Straße, denn er wußte aus Erfahrung, daß das Mädchen eineVerunrcinigung ihres Teppiches äußerst ungnädig zu vermerken pflegte. Und was hätte Hops, so widerhaarig er auch sonst sein mochte, nicht Alles gethan, u:n sich di: Zufriedenheit seines Augapfels Helene zu erringen und zu erhalten. Heien saß mit einer Näharbeit emsig beschäftigt beim Fenster, als Hopser eintrat. Vor dieses Fenster hatte sie zum Schutze geqen den blendenden Widerschein der Sonnenstrahlen von der Straße einen grünen Vorhang gezogen und dieser hatte ihr offenbar jede Bekanntschaft mit den Vorgängen vor und an Wurms Hause gänzlich entzogen. Als ihr Vater eintrat sprang Helene munter, wie es ihre Art war, von ihrem Sitze empor und eilte Hopser entgegen. Halloh, Pa! schon hungrig?" rief sie, den clten Bären mit ihren zarten Armen umklammer.id, und einen herzhaften Kuß auf seine, unter dem langen struppigen Schnurrbarte wie Rosen im Schnee verborgen liegenden Lippen drückend. Während sie aber den Alten fröhlich anlachte, entstanden in ihren von frischer, gesunder Rothe bedeckten Wangen zwei unbeschreiblich reizende Grübchen. Hungrig? na.es geht an," meinte Hopser, sein Kind mit schmunzelnder Freude betrachtend; es ist aber nicht um Essen, daß ich da zu Dir heraufkletterte." Sondern?" fragte Helene erwartungsvoll. Wegen denen da drüben," antwortet Wurm, mit dem Daumen der Rechten nach irgendeiner Richtung, selbstverständlich nach der entgegengesetzten, als der, in welcher Wurms hausten, weisend. Aber Helene verstand ihren Vater trotzdem augenblicklich, und über ihr Antlitz flog ein Schatten. Wegen Wurms?" fragte sie gedehnt. So ist es." rief Hopser eifrig, weißt Du, die Leute haben irgendetwas vor, irgendetwas Seltsames, beinahe Beunruhigendes, was ich bisher nicht ergründen konnte: Denke Dir nur. sie haben ein Schild an die Wand genagelt!" Hopser suchte die Sache damit in ein möglichst geheimnißvolles Gewand zu hüllen, um Helene auch ein Weniges von der Unruhe mitzutheilen, die

er angeblich verspürte. Allein daS Mädchen ging auf diefe Absicht nicht ein. Und was gebt das uns an, Pa?" fragte sie. Kind, das verstehst Du nicht," entgegnete der Vater, ungeduldig den Vorhang von Helenens Fenster wegziehend, um Ausblick nach Wurm hinüber zu bekommen. Das verstehst Du ganz und gar nicht. Schatz. Sieh, ich bin ein alter Soldat. Du kannst Dir also ganz leicht vorstellen, ich wäre Befehlshaber in einer Festung; nun denke Dir weiter, ich, der Befehlshaber, bemerkte eines Tages, daß man, außerhalb meiner Wälle zwar, aber doch innerhalb eines Umkreises, den ich mit dem Auge beherrschen kann, auf eine geheimnißvolle Weise arbeitetc. Glaubst Du, ich würde das so ohne Weiteres hingehen lassen? Fiele mir nicht ein! Es wäre geradezu meine Pslicht, herauszubringen, was man da vor meiner, des Festungskommcndanten Nase treibt; oder nicht??" Ja, ja, Pa, das mag sein aber sind wir in einer Festung? Leben wir im Kriege?" Papalapap! Du weißt: 's ist nicht viel besser wie in Feindesland, seitdem die Würmer in der Western-Avenue umherkriechen.... Nun thu mir aber die Liebe und sieh da hinüber, was auf der Tafel steht. Meine alten Augen können es nicht mehr ausmachen." Helene blickte gehorsam durch mehrere Sekunden hinüber, indem sie die Augen mit der Hand beschattete; abet auch sie vermochte bei der grellen Beleuchtung der Porzellantafel nichts zu entziffern. Ich kann's nicht lesen; die Sonne blendet," beschick sie den Vater. Hopser knurrte unzufrieden etwas Unverständliches in den Bart. Helene aber lächelte leise und legte ihrem Vater die kleinen Hände auf die breiten Schultern. Wieder auf dem Kriegspfade. Pa?" sagte sie, pfui, pfui! wie kann man nur seinen Nächsien so feindlich gesinnt sein!" Hopser suchte sich los zu machen. denn er ahnte, daß das Mädchen zu einer Strafpredigt aushole, und nichts verursachte ihm ein so unbehagliches Gefühl, als wenn Helene mit ihm zankte. Mein Kind, das " hub er an. Allein Helene ließ ihn nicht weiter sprechen. ......verstehe ich nicht," ergänzte sie. Sieh. Pa. ich kann es auch wirklich nicht verstehen, wie ein so guter Mann wie Du und bist Du nicht Herzensgut, Pa? Leugne es. wenn Du kannst gegen fremde Leute so bitterböse sein kann. Wer Dich nicht näher kennt, muß ja wahrhaftig glauben, daß Du ein Ausbund von Unverträglichkeit und Böswilligkeit seist, daß Du Niewanden auf Erden was Gutes gönntest, wenn Du " Papa Hovser hielt es im Interesse seiner väterlichen- Autorität für zweckdienlich, Helene nicht weiter sprechen zu lassen. Blitz und Hagel!" rief er. was die Würmer von mir glauben, ist mir total schnuppe!" Pfui, Pa!" machte Helene mit einem strafenden Blick auf den Schöpfer ihrerTage. Dann setzte sie hinzu: Mir ist es aber gar nicht gleichgiltig, was die Leute von meinem lieben, guten Pa denken." Donnerwetter, Mädl, es geht nun einmal nicht anders im Leben. Ein jeder Mensch hat seine Widersacher und seine Feinde." Feinde? Glaubst Du denn wirklich, daß der Mann da drüben Dein Feind ist? Kann der überhaupt Jemandes Feind sein?" fragte Helene ein wenig altklug. Ja, man traut dem Waschlappen derlei allerdings nicht zu. Aber hat er mich nicht einsperren lassen?" gegenfragte Hopser mit einer so düsteren Miene, als erinnere er sich eben eines von Wurm angerichteten gräßlichen Blutbades, dem er. Hopser, nur mit knapper Noth entronnen. Mich einsperren!" Urber Helenens Angesicht zuckte wieder ein kleines Lächeln: Es ist Dir. Gott sei gepriesen, dabei nicht schlimm ergangen. Pa; und dann: ein bischen unhöflich warst Du ja doch in Deiner Antwort an Wurm, als er Dir den Burschen mit der Botschaft sandte!" - Diese Mahnung an von ihm bewiesene Grobheit erheiterte Hopser ersichtlich; es schmeichelte ihm gewisserma ßen. daß diese seine Grobheit nun auch die gebührende Anerkennung fand. Unhöflich war ich freilich." räumte er daher bereitwilligst ein, oder besser gesagt: sackgrob, denn, weißt Du, man muß nichts halb thun; ist das aber eine hinreichende Ursache, um mich gleich vcrhasten zu lassen? Das frage ich! Konnte der Wurm damals nicht herüber kommen, und auch seinerseits mit mir grob, werden? Siehst Du: so etwas hätte mich aufrichtig gefreut. Wir hätten uns gegenseitig eine Menge von faustdicken Bengelhaftigkeiten an den Kopf geworfen und damit trala! Alles wäre wieder im rechten Geleis gewesen. Aber dazu hat er nicht Herz genug, der Saure-Gurkenheld, der Salatritter, der...." Helene legte dem Vater rasch die Hand auf den Mund. Oh. Papa!" rief sie mit lachender Entrüstung. Du treibst es wirklich zu arg!" In diesem Augenblicke sah Hopser, über sein Töchterlein hinwegblickend, auf der Straße unten einen großen, dicken Mann, der eben Wurms Haus verlassen hatte, und jetzt langsamen Schrittes, behäbig, wie ein reicher Kaufherr aus einer Hansastadt, und pustend, wie eine Straßenlokomotive seines Weges zog. . 4 .

Halloh!" rief Hopser, da walzt sich Max von Lipps dahin. Er hält südlichen Kurs, wandert also in Reich:nanns Saloon. Den will ich nach dem Schilde fragen." Oh weh. Pa! Da kommst Du in nette Gesellschaft!" 's .ist wahr." lachte Hopser, schon halb aus der Thür, der arme Lipps hat eine trockene Leber, und sauft daher manchmal ungebührlich, hat auch manche andere üble Eigenschaft aber er weiß einmal Alles, und gelangweilt hat sich auch noch niemand in feiner Gesellschaft." Mit erstaunlicher Schnelligkeit sprang der Painter die Treppe hinunter. Behend wie ein Jüngling, der von seine: Herzallerliebsten beim Tanz erwartet wird, zog er im Laden unten einen Rock über di: Schultern, stülpte den mächtigen Schlapphut auf das borstige Haupt, und setzte sich, nachdem er noch seine Hunde herangepfiffen, auf die Fährte des ihm vorangegangenen Herrn von Lipps.

Sollte jemals irgendwo eine internationale Ausstellung origineller Käuze veranstaltet werden, dann könnte Uncle Sam sich daran mit jener ruhigen Sicherheit beteiligen, welche das Bewußtsein unbesiegter Ueberlegenheit verleiht. Bei der Preisvertheilung würden wir ohne Frage unsere sämmtlichen Konkurrenten um mehrere Pferdelängen schlagen; darauf ist ruhig ein gebratener TrutHahn gegen eine Schnitte Schweizerkäse zu wetten. Denn bei uns wachsen die zweibeinigen Originale sozusagen wild, und werden überdies noch in den herrlichsten Exemplaren aus aller Herren Länder importirt. Wir haben ihrer von allen Sorten und Arten: Steinreiche Leute, die sich ihr ganzes Leben lang schwer plagen, sich allen möglichen Abbruch an Leibespflege thun und aus die einfachsten Genüsse verzichten, einzig und allein um ihr Bank-Konto wachsen zu sehen; andererseits arme Teufel, die nach Wochenlanger Pferdearbeit alle Vierteljahre einmal den Krösus spielen und während einer einziaen tüchtigen Spree" zum Fenster hinausstreuen, was sie sich mühsam Dollar um Dollar zusammengelegt haben; Trinker, deren höchstes Ideal volle läset sind, und Wassersimpel, in derenAug?n es nichts Schrecklicheres gibt als Bier, Wein und alle gebrannten Wasser; Religionsstifter, die sich schon hier auf Erden ihren fashionablen Privat-Him-mel eingerichtet haben, und gottlose Kerle, die eigens zu dem Zwecke im Lande umHerreisen und lange Reden halten, um den lieben, alten Herrgott aus seinem Himmel hinwcg zu spintisiren. Wir haben thatsächlich Alles, was auf dem Gebiete der Querköpfigkeit zu haben ist, und wenn jemals da oder dort Mangel in der einen oder anderen Gattung fühlbar werden sollie. bann nur immer bei uns angefragt. Wir liefern jede Sorte zu WholesalePreisen und berechnn bei Abnahme von wenigstens einem Dutzend nichts für Fracht und Verpackung.... In der Sammlung unserer Origlnale nimmt Herr Max von Lipps. dessen Bekanntschaft wir in Reichmanns Saloon. einenBlock vom Heim Wurms und Hopsers entfernt, zu machen gezwungen sind, einen ehrenvollen Platz ein. Max von Lipps war, wie er zu sagen pflegte, ein schüchterner Sechziger", d. h. er war erst vor ganz kurzer Zeit in das Jahrzehnt des beginnenden Greisenalters eingerückt. Allein in seinem Wesen war nichts zu finden von der Ehrwürdigkeit des Alters im Gegentheil: noch mit weißen Haaren war er ein ärgerer Schlemmer als die meisten seiner Trinkkumpane, welche 25 oder 30 Jahre weniger auf dem Rücken hatten. Davon erzählte schon sein Aeußeres: eine an die sechs Fuß hohe, von der Last des Alters nur wenia gebeugte Gestalt mit einemSchmerbauch, der in den langen Jahren, da sein Besitzer sich heillosem Fraße und wüstester Völlerei hingegeben, zu unerhörter Ueppigkeit gediehen war. Auf diesem Monstrum von Körper und gehalten von einem fettsüchtigen Nacken in der Stärke einer Damen-Taille, saß ein mächtiges, von lange, weißen Haaren wirr umflattertes Haupt. Das Antlitz war von keinem Bartstämmchen verunstaltet, worüber die wie eine ausgewachsene Kartoffel übermäßig in die Breite gediehene Nase offenbar so erfreut war, daß sie stets auf'S Freundlichste glühte, wie die Laterne vor einer Trinkstube. Von den Augen ist nicht viel zu berichten: sie waren an sich klein, und verschwanden überdies noch fast gänzlich zwischen zwei überaus feisten, stets sanft gerötheten Backen. War gelegentlich einmal Näheres von den Augen des Herrn Lipps zu sehen, so konnte man feststellen, daß sie grau und verschwommen waren, und stets feucht schimmerten, als Passire all' der Rheinwein, den ihr Eigenthümer hinter die Binde goß, ehe er in den Magen gelangte, vorerst einmal hinter der Hornhaut vorbei. Das Merkwürdige an Herrn von Lipps, das. was ihn aus dem Meere der Alltäglichkeit heraushob und zum Originale stempelte, war aber keinesweqs sein Aeußeres. sondern die Art, wie er sein Leben machte". In dem Lande, in welchem emsige Arbeit Alles bewegt und in Athem hält, ragte er wie ein verwitterter Block, bestehend aus fremdem Gestein. Leute, die ihn seit Jahrzehnten kannten, haben den Mann nie ernsthaft beschäftigt, nie bei irgendeiner Art von Arbeit gesehen. In dieser Beziehung glich Lipps ganz den Vögeln des Himmels, von welchen bekanntlich geschrieben steht: sie säen nicht, und sie ernten nicht, und der himmlische Vater ernähret fit doch." Wovon Lipps lebte, war für Viele ein unlösliches Räthsel; denn er hatte niemals einen Cent, rechtlichen

Einkommens, war arm wie eine Kir chenmaus und ließ sich doch in keiner Weise etwas abgehen, ja, lebte wenigstens was essen und trinken anbelangt meist in Herrlichkeit und Freuden. Seine näheren Bekannten wußten freilich, wie das zuging: Herr Max von Lipps ernährte sich buchstäblich von seinem Witze. Stets in wahrhaft königlicher Laune. gesprächig wie eine Elster, um eine derbe Antwort auf einen derben Spaß nie verlegen, und mit jedem Fremden schon in der ersten Viertelstunde aus dem besten Fuße, versammelte er, wohin er auch kam, bald einen großen Kreis von Zuhörern und Lachern um sich und wurde dadurch der Liebling aller Gastwirthe, deren Kunden er oft bis lange nach Mitternacht beisammenhielt, wobei er allemal in punkto Trinken mit dem allerlöblichsten Beispiel, voranging. Das verschaffte ihm nun natürlich in unzähligen Trinkstuben freieZeche, so oft er nur kommen wollte. Dann beschäftigte er sich aus Liebhaberei auch damit, junge, sonst aber hoffnungsvolle Grünhörner in's amerikanische Leben einzuführen", wie er es nannte, das heißt, er schleppte Zöglinge dieser Art von einem sample room" in das andere und erzählte ihnen zwischendurch seine Schnurpfeifereien, mit denen er stets alle Taschen vollgepfropft hatte. Erging es solchen jungen Leuten in Folge allzu reichlicher Libationen die übrigens auf Lipps' ausgepichte Organe nur in den seltensten Fällen nennenswcrthe Wirkung übten übel, so war Lipps der Mann, der den Leidenden mit Rath und That zur Seite blieb und ihnen endlich wieder auf die Beine half. Auf solchen und ähnlichen Wegen sammelte er sich eine Anzahl von Freunden, deren Börsen er gelegentlich in Anspruch nahm, um jene Bedürfnisse zu bestreiten, welche sich bei den Wirthen seiner Bekanntschaft nicht decken ließen: Kleidung. Wäsche, Tabak u. dergl. m. Die Miethe für sein Quartier blieb er übrigens mit Ausdauer schuldig. Er bewohnte eine, allerdings äußerst bescheiden eingerichtete Kammer im Hinterhause bei Wurm. Wurm und Frau Johanne waren nun freilich nicht die Leute, welche einen Miether gerne duldeten, der, unbekümmert um seine Verbindlichkeiten, mit souveräner Verachtung die sämmtlichen Zahltage im ganzen lieben langen Jahr versireichen ließ; allein Lipps hatte den weitaus mächtigsten Faktor des Hauses auf seiner Seite, nämlich Frau Heinzelmann. Er verabsäumte schlauer Weise nie, dieser würdigen Dame allerlei Flattusen zu sagen und ihrer Phantasie damit in jene entlegene Zeit zurückzuhelfen, da sie noch - von ver Männerwelt im alten Vaterlande umschwärmt war, wie eine Sommerblume von prangenden Faltern. Und wie dankbar war Frau Heinzelmann dafür ihrem alten Galan! Sie nahm ihn in Schutz, wenn Wurms hausväterlicher Sinn über den alten Lüdrian mit den unverantwortlichen Schulden" ärgerlich wurde, und sie warf ihren ganzen Einfluß in die Wagschale, um Frau Johanne gelegentlich abzuhalten, über Lipps das Schickfal des auf die Straße setztwerdens zu verhängen. Dafür beschenkte Lipps Frau Heinzelmann mit seiner Hochachtung, nannte sie seinen Schutzgeist und borgte ihr allmonatlich eine Anzahl Dollars ab, an deren Rückzahlung er selbstverständlich nie im Leben dachte. Zu diesem Heros aller Taugenichtse, der es sich inzwischen in der Trinkstube bei Reichmann bequem gemacht hatte, indem er sich in einen weiten Stuhl und den linken Fuß, in dessen Knie das Zipperlein leise mahnte, auf einen zweiten gelegt hatte, gesellte sich nun unser wackerer Freund Hopser. Als Lipps den Painter mit seinen beiden Hunden eintreten sah, präsentirte er mit dem dicken Stock, den er beständig bei sich führte, wie mit einem Säbel und rief mit seiner rauhen, stets .weinumflorten Stimme: Heil Balthasar Etsch! Heil Isis! Heil Osiris! Was trinkt Ihr, Man der gutgemischten Farben? Ich denke, ich nehme ein Glas Vier," sagte Hopser, der eigentlich nicht den mindesten Durst hatte, in seiner trockenen Weise. Lipps erhob sofort wieder seine Stimme und befahl in eirum Tone, als hätte er alle Taschen voll geprägten Metalles: He. Reichmann! Ein Glas Bier für den Freund Painter und Rheinwein für Euren ergebensten Knecht." Ehe noch der Wirth das Verlangte herbeigebracht hatte, fuhr Lipps zu seinem Freunde gewendet fort: Ein wahrer Segen übrigens für einen armen Mann gleich mir, daß Ihr gekommen seid, Hopserchm. Ihr müßt wissen: ich habe meine Geldbörse zu Hause liegen lassen Donner und Doria, 's ist ärgerlich genug, Ihr braucht deshalb nicht zu feixen! Seid also so gefällig und borgt mir so vieleSilberbatzen, als ihr an dieser Hand Finger seht, id cst fünf Dollars." Während er das sagte, hielt er dem Painter die ausgespreizte Rechte hin, deren kurze, fleischige Finger anzusehen waren wie sorgsam unterbundene Würstchen. Hopser lächelte arglistig: Es ist ein Unglück, das mit dem Geldbörsen-Vergessen ich habe nämlich die meine auch zu Hause liegen lassen." Faule Ausrede!- lachte Lipps. nicht im Mindesten empfindlich, derlei im--donirt mir nicht. Freund Farbenmischer. Ich versichere Euch: vergessene Börsen das gibt es gar nicht in keiner von den beiden Hemisphären." Haben Sie 'denn nicht eben selber etwas von einer vergessenen Börse er ! wähnt?" Lipps lachte wieder, daß ihm der Bauch wackelte. lFortsedung folgt.)'

Zur die Küche.

Suppenbiscuit. Man rührt 5 Unzen Butter schaumig, fügt allma lig 6 Eigelb, 6 Löffel feines Mehl, etwas Salz, Muskatnuß und gewiegte Petersilie hinzu, zieht den Eiweißschnee durch die Masse und füllt sie in eine flache, längliche Form, in der man sie im Ofen goldbraun bäckt. Das Viscuit wird gestürzt, mit dem Bundschneidemesser in viereckige Stückchen geschnitten und diese als wohlschmeckende Einlage in klare Fleischsuppen gegeben. Spinat auf französische Art. Der gelesene, gewaschene und dlanchirte Spinat wird in frischem Wasser gekühlt, gut ausgepreßt und feingehackt; dann-zerläßt man in einer Kasserolle ein gutes Stück Butter oder Speck, thut den Spinat hinein, ierrührt ihn einige Minuten, gießt etwas kräftige Bouillon oderRahm an. würzt mit Salz. Pfeffer, geriebener Muskatnuß, einer Priese Zucker und ein wenig gehackter Citronenschale, stäubt etwas Mehl darüber, läßt ihn unter fleißigem Umrühren kurze Zeit damit durchdämpfen und garnirt ihn beim Anrichten mit Semmel - Croutons. Man kann auch Fleisch - Croquetten nehmen. Thüringer K a r t o ffelk l ö ß e. Möglichst am Tage vor der Zubereitung der Klöße wäscht man einige Quart großer, mehliger Kartoffeln, schält dieselben, wäscht sie nochmals und reibt sie aus einem Reibeisen in eine große, tiefe Schüssel, worauf man sie mit kaltem Wasser übergießt (noch besser, wenn man sie sofort in kaltes Wasser hineinreibt), welches mehrere Male abgeschüttet, durch fri sches erseht wird, und worin man auch die geriebene Masse über Nacht stehen läßt. Am folgenden Morgen preßt man die Masse in einem leinenen Säckchen (Beuteltuch) gehörig aus, so daß alle Feuchtigkeit abläuft, schüttet sie in eine Schüssel und überbrüht sie mit kochend heißem, nicht zu dickem Kartoffel-, Milch-, Reis-, Gries- oder Hirsebrei; ebenso nimmt man heiße, mit Eiern verquirlteMilch hinzu. Man rührt die Masse gehörig untereinander, thut Salz und geröstete Semmeln dazu, formt runde Klöße und läßt dieselben fast eine halbe Stunde in siedendem Salzwasser kochen, bis sie an der Oberfläche schwimmen. Die Klöße müssen augenblicklich, wenn sie au dem Wasser kommen, zu Tische gegeben werden. Man ißt sie besonders zu Rinderschmor-, Hammel-, Schweineund Gänsebraten oder mit brauner Butter. Gebratener Hecht. Ein Hecht wird gereinigt, mit Salz eingerieben, ganz mit Butter bestrichen und in den Backofen gestellt. Der Fisch bleibt ganz. Nachdem er 10 Minuten gebraten hat, übergießt man ihn mit dickem saurem Nahm. Nachdem er braun ist (man muß ihn öfters mit der Sauce übergießen), schüttet man ein Glas Wein daran. Es darf niemals so viel Sauce sein, daß der Fisch darin kocht, er darf blos braten. Zu letzt legt man einen halben Theelöffel Mehl in die Ecke der Pfanne, das ver einigt sich langsam mir der Sauce und bindet sie. Eigentlich sollte er in der Fischpfanne selbst, die- man mit gefranztem Crepon - Papier verziert, zu Tisch gebracht werden. Den Fisch selbst verziert man mit Petersilie und Citronenschelben. An Butter darf bei diesem Gericht nicht gespart werden. Salzkartoffeln sind am besten dazu. Schweixer gefüllte Kröpfli". Zum Teig: ein halbes Pfund Mehl, 7 UnzenButter, 2 Unzen Zucker. 3 Eßlöffel französischer Branntwein, 1 Eßlöffel Wasser; zum Füllen: einge machte Früchte oder Gelde. Nachdem der Teig ausgerollt, werden- mit einem großen Wasserglas Böden davon abgestochen, diese mit Eingemachtem gefüllt, einmal zusammengeschlagen, mit Ei bestrichen und schnell im Öfen gebacken. Reisnudel it.. Die Reisnudeln werden in kochendem Salzwasser eine halbe Stunde langsam gekocht, auf ei nen Durchschlag geschüttet und mit kochendem Wasser übergössen. Dann rühre man dieselben mit reichlich gelb gemachter Butter, Fleischbrühe und klein gehacktem, grkochtem Schinken durch, richte sie an und bedecke sie mit in Butter gelb gemachten Reisnudeln. Wlännttxrtuc. " r Liebchen,, sieh, die Biene eilt Rasch von einem Blatt zum andern. Nirgends lange sie verweilt, Sie will stets genießend wandern. Liebchen! So ist Männersinn. Er auch lobt sich stets das Neue. Fliegt von Blurir zu Blume hin, ! Selten, selten kennt er Treue! Trr ist einer daS bin ich, Liebchen, treu Dir bis zum Grabe! Ewig, ewig lieb' ich Dich, Bis ich eine Ähd're habe! B eimHeirathsvermitt ter. Früher mag die Dame ja hübsch gewesen sein, jetzt hat sie aber weder Zähne noch Haare mehr!- .Ich lasse Sie Ihnen natürlich ganz wieder her stellen, wie sie gewesen ist!V orbereituny. Freun din: Ich denke Du betast an Dei ner Ausstattung und Da schreibst?" Braut (Pastortochter): Gehört auch dazu ich fertigte den Predigten-Vorrath!-DieRichtige. Heirathsver. mittler: Der Herr wäre sonst geeig net. der rt ist etwas störrischer Natu!" Wittwe (mehrfach verheira thet gewesen): .Ach was, ich ln schort ntt mehr fertig geworden!" L .

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