Indiana Tribüne, Volume 19, Number 177, Indianapolis, Marion County, 15 March 1896 — Page 3

ilii TMern-Äoenne.

i inc LrzZhlung aus dem deutschamerikanischen ttbtn von Kans ZloykanS. I. FeindlicheNachbarn. Vor einer Reihe von Jahrhunderten die Welt steckte noch im Mittelalter, wo es am finstersten ist blühten m schönen Verona zwei stolze Geschlechter. Beide waren einander gleich an Adel, Reichthum und Ansehen, und die An gehörigen dieser achtunggebietenden Hauser hatten daher friedlich und ver gnügt nebeneinander hinleben können bis an die Grenze ihrer Tage. Allein ein feindliches Geschick wollte es, daß zwischen den beiden edlen Familien aus unbekannten Gründen uralter Haß bestand, und daß Raufbolde auf beiiei Seiten jederzeit mit Eifer beflissen waren, durch Anrempelungen und vom Zaun gebrochene Händel die Zwietracht wieder neu zu schüren. Daraus ent.standen Unannehmlichkeiten aller Art und im weiteren Verlaufe der Begebenheiten sogar eine ganze Reihe von . gräulichen Mordthaten, die einem, sonst mit den schönsten Anlagen zum Glücklichwerden versehenen Liebespaare das Leben derart verleideten, daß es seinem trübseligen Dasein freiwillig ein vorzeitiges und schreckliches Ende bereitete. William Shakespeare hat aus dieser blutigen Geschichte sein unsterbliches Trauerspiel Romeo und Julie ' gemacht, und das ist das einzige erfreuliche Ergebniß, das aus der Dickki)vfigkeit der alten Montecchi und Eapuletti. sowie aus dem Uebermulye und der Rauflust ihrer Söhne und Neffen für die Menschheit entstanden ist. Denn wer da etwa zu der Anname hinneigen wollte, daß irgend Jemand die traurige Mähr' aus Verona sich zum warnenden Exempel hätte dienen und sich dadurch hätte abhalten lassen, dem lieben Mitmenschen oyne ersichtlichen Grund und Zweck das Bischen Leben durch Zank und Hader sauer zu machen, der wäre, wie man zu sagen pflegt, arg auf dem Holzwege. Roch heute, wie zu den Zeiten von Romeo und Julia, sind sich die Leutchen allerorten spinnefeind, und das wird so bleiben in alle Ewigkeit, denn unvollkommen ist der Mensch in seinem Thun und Denken", wie der Psalmist singt. Auch die schöne Gartenstadt am Michigansee macht begreiflicherweise von der allgemeinen Regel keine Ausnähme, und der Erzähler der vorliegenden wahrhaften Geschichte sieht sich sogar genöthigt, den geneigten Leser gleich zu Beginn mit einem sich arg in den Haaren liegenden Nachbarnpaare bekannt zu machen. Dieses Paar bestand einerseits aus -einem an einer guten .Ecke" angesiedelten Grocer mit Namen Arminius Wurm, andererseits aus einem gerade gegenüber von diesem befindlichen Painter, der sich Balthasar H. Hopser schrieb. Warum diese beiden wackeren deutschen Bürger einander nicht leiden mochten, ist nicht leicht zu sagen. Die ältesten Bewohner der Umgegend wußten es nicht anders, als daß Arminius Wurm und Balthasar H. Hopser gegeneinander auf dem Kriegspfade ?agen allein über die Ur-Gründe dieser erbitterten Gegnerschaft wvßte Niemand so recht Auskunft zu geben. Wie eine halb verklungene Sage aus fernen Tagen ging in dem Stadtviertel umher, daß Wurm und Hopser einst ganz freundlich und gutartig mitsammen verkehrt hätten, bis sie eines Tages ein Streit über irgend welche verwickelte Angelegenheiten emer Loge, der sie damals beide angehört hatten, für alle Zeiten auseinander gebracht habe. Dem denkenden Menschen leuchtet nun sofort ein. daß solch' lächerlich geringfügige Ursache unmöglich zu äugenscheinlich bis an's Grab währender 'Fehde zwischen zwei sonst recht und billig denkenden Männern führen konnte. Die Wurzel des Uebels mußte osfenbar tiefer liegen. Sie war vielleicht so recht eigentlich in der Verschiedenartigkeit der Charaktere von Hopser und Wurm zu suchen. Eine weitere Kluft als die. welche in dieser Beziehung bestand, ließ sich ayerdings nicht leicht ausdenken: Wurm, derÄrocer. war eine ungemein sanfte, wie eine Frühlingsblume zart angelegte Natur, der auch ein Stich in's Schwärmerische nicht fehlte. Ungünstige und voreingenommene Beurtheiler. wie Nachbar Hopser einer war, wollten sogar wissen, daß Wurm zu Zelten hinter seinem Ladentische an lyrischen Gedichten feile, wie irgend ein hoffnungslos liebender Student in den Tagen der üppigsten Jugendeselei; doch ist dies keineswegs erwiesen. Dagegen steht unumstößlich fest, daß Wurm. Dank seiner nachgiebigen, um nicht zu sagen schwachen Seele, unter den Pantoffel seiner Gattin, ur.d, was noch schlimmer war, unter die eiserne Fuchtel einer geradezu kieselherzigenSchwieermutter gerathen war. Von solcher Weichherzigkeit und Sanftmuth war nunHopser, der Palnter, das gerade Gegentheil. Dieser Hopser war ein Mann von noch nicht fünfzig Jahren, mit einer kurzen vierschrötigen Gestalt, einem dicken, runden Schädel, nuf dem sich daS kurz geschnittene Haar stets zornig zu sträuben schien, und einem fast kupferrothen Gesichte, das durch einen mächtigen eisgrauen Schnurrbart gewissermaßen in zwei Hälften getheilt war. Leuchteten Wurms Augen mild und freundlich wie Mondenschein in die Welt, so funkelten die Hopsers meist kampfbereit und drohend wie die Lichter eines Aullenbeißers. Nähere Bekannte Balhasars wollten nun freilich wissen, daß der Mann in Wirklichkeit gar nicht so borstig und unangenehm war, als er sich zu geben liebte. Und unleugbar hatte ja auch Hopser seine menschenfreundlichen Stunddn, in denen er he!ter und umgänglich war, wie andere

Sterbliche, in denen er scherzte und

lachte und fröhlich war. dabei ganz des Sarkasmus vergessend, mit dem er sonst bis obenhin geladen war, wie am glorreichen Vierten" eine Kinderkanone mit Pulver. Allein die Leute, die daraus dem Pennte? die Stange hielten, waren doch entschiedenen der Minderheit: die große, weitaus überwiegende Meherzahl der Zeitaenossen war und blieb mit Wurm der Ansicht, daß Balthasar H. Hopser ein Rauhbein bedenklichster Sorte sei, dem aus dem Wege zu gehen die aewöbnlichste Vorsicht dringend aebot. Wie ihr äußeres und ihre seelischen rc: r xi r i r ? viiycn ujajiCTi, 10 roieien aurn otc ta milienderhältnisse der Beiden die gründlichsten Verschiedenheiten auf. Hopser war seit langen Jahren Wittwer und besaß nur eine einzlge, zur Zeit siebzehnjährige Tochter, welche ihm das Haus in Stand hielt. Sein Nachbar Wurm dagegen hatte nedst Frau und Schwiegermutter sechs heranwachsende Göhren im Hause und besaß außerdem einen etwa vierundzwanzigjährigen Sohn aus' erster Ehe. der augenblicklich aber in Boston weilte, wo er Medizin studirte. So herrschte m Hopsers Hause stets Ruhe und Frieden, während bei Wurm die Kinder schrieen und zwei mit guten, kräftigen Lungen ausgestattete Frauen meist aut und vernehmlich rommandirten. Die langwierige Feindschaft mit dem Nachbar kränkte Niemanden tiefer als Arminius Wurm, und wäre eS nach ihm gegangen, dann hätte er Hopser längst, längst die biedere Rechte hingestreckt und ihm Frieden und Freundschaft für alle Zukunft gelobt. Allein es ging eben in diesem Punkte wie in so vielen anderen nicht nach Arminius' sanftem Sinne: denn da war einerseits die Schwiegermutter, welche den armen, unter ihrem harten Regkmente schmachtenden Wurm als gevorene Schlafmütze" gründlich verachtete und jede, wenn auch noch so schüchtern ich hervorwagende Neigung WurmZ, das Kriegsbeil zu vergraben, mit der ätzenden Lauge ihres rücksichtslosesten Spottes begoß. und da war anderereits Hopser selber, em eigensinniger Dickkopf allererster Güte, der keine Geegenheit ungenutzt vorübergehen ließ. den Nachbar durch irgend einen argen Tort zu ärgern und zu kränken, und so mmer wieder Oel in das unheimlich nisternde Feuer schüttete. Fragte man von dritter Seite Hopser, warum er denn so unnahbar jedem VersöhnungSversuche Wurms vorweg die Spitze abbreche, so verabsäumte er nie, unter eknem wahrhaft erschrecklich anzuhörenden Hohnlachen allerlei anzügliche, den Nachbar in der Meinung der Leute herabsetzende Redensarten hmzuweren. wie z. B.: Kann Freundschaft detehen zwischen Adlern und Fröschen?" oder: Laßt den Wurm auf, Unterr'öcken umherkriechen, zum Verkehr mit Männern taugt er nicht." Wie das o zu gehen pflegt, standen fast immer geschäftige Zungen bereit, die derartige Aeußerungen brühwarm über dieStraße in Wurms Haus trugen, und daß olches nicht dazu beitrug, die nun emmal bestehende Lage zu bessern, ist nur allzu natürlich. Trotz dieses wenig hoffnungsvollen Standes der Dinge hätte vielleicht doch die alles ausgleichende' und alle Wunden heilende Zeit endlich auch einmal einen leidlichen Zustand zwischen dem Grocer- und dem Painter-Hause herbeigeführt. Da aber kam Hopser eines unglückseligeN'Tages auf den üblen Einfall, sich zwei Hunde anzuschaffen; nd dieser anscheinend bedeutungslose umstand schlug so zu sagen dem Fasse den Boden aus. Hopser nannte die Thiere Isis" und Osiris". Kenner der alteayptischen Mythologie wären nun vielleicht geneigt, von den Namen der beiden guten und freundlichen Sonnengötter aus dem Pharaonenlande einen günstigen Schluß auf den Charakter von Isis und Osiris im Hause 5)opser zu ziehen. Bedauerlicher Weise waren aber die Vierfüßler weit davon entfernt, den Götternamen, welche sie rein und fleckenlos überkommen hatten. Ehre zu machen. Um die Wahrheit zu sagen: Isis wie Osiris neigten sehr bedeutend zu Bissigkeit und Bosheit hin. und ihr Ruf war schon in den ersten acht Tagen, da sie im Hause Hopsers weilten, ein so schlimmer, wie nur je der eines Köters, welcher mit eingeklemmtem Schwänze und rücksichtslos nach den Waden von Alt und Jung schnappend durch die Straßen Chicagos gejagt ist. Isis sowohl als Osiris waren mächtig und vierschrötig wie ihr Herr, hatten blrfe runde Schädel Wie dieser, und waren ebenso kratzbürstig. Niemand hätte übrigens zu sagen vermocht, welcher Rasse sie angehörten. Es schien, als hatten sie von allen möglichen Hundearten etwas mit auf den Lebensweg bekommen, aber leider immer nur das Ueble und nichts von dem Schönen und Guten, das andere Hunde auszeichnet und zu Freunden der Menschheit macht. Es sind wahre Mondkälber", seufzte Herr Wurm tief bekümmert und voll düsterer Ahnungen, als er Isis und Osiris an der Seite ihres Gebieters zum ersten Male auf der feindlichen Porch auftauchen sah. Und Herr Wurm hatte die Hunde richtig geschätzt: es waren wahrhaftige Mondkälber und augenscheinlich nur zu dem Zwecke von einem fremden Gestirne auf diese Erde gefallen, um der Menschheit ein Gräuel zu werden. Schon in den ersten Tagen seiner Gegenwart erwürgte Osiris aus purem Blutdurste ein in der Blüthe seiner Jahre stehendes Huhn aus Frau Wurms Hofe, und kaum waren drei Tage über diese Schandthat dahingegangen, apportirte Isis ihrem Herrn den jüngsten Spröß ling der. Familie Wurm, der in einem unbewachten Momente aus seinem

Kinder-Buggy 'gefallen und in den Staub der Straße gerollt war. Madame Wurm erfüllte, als sie ihr Baby dergestalt in dem Rachen der wilden Bestie erblickte, die Luft mit ihrem Klage- Und Rachegcschrei, wobei sie anzusehen war, wie eine SachsenPriesterin aus der Heidenzeit, welche von Wodan die Vernichtung der Feinde erslzht. Hopser aber lachte völlig ungerührt sein gefühllosestes Lachen und lieferte das ihm zugetragene Kind mit der höhnischen Bemerkung den rechtmäßigen Eigenthümern zurück: Der jüngste der Würmer habe

sich seit seiner Geburt noch niemals !n besserer und sorgsamerer Obhut befunden, als da Isis sich seiner annahm." Seit diesen ersten Untbaten batten Isis wie Osiris noch unzählige Schandthaten verübt und dadurch die Flüche der. ganzen Nachbarschaft auf ihre schwarzen Seelen geladen. Allein die Höllcnbratcn gediehen dabei vortrefflich und stiegen in der Gunst ihres ihnen offenbar aesinnungsverwandten Besitzers, je tiefer sie in derzenigen der Familie Wurm und anderer, den Landfrieden hochschätzender Leute sanken. Eines Tages nun. als 5sis oder Osiris welcher von den beiden bösen Geistern es gewesen war. ließ sich nämlich nicht mit Bestimmtheit feststellen aus Wurms Laden eine mindestens zwei Pfund wiegende Wurst stahl und damit flüchtete, und als Meister Hopser den Wurm'schen Clerk Tobias Mayer, ernannt Toby. der als Herold aus dem feindlichen Lager vor sein Antlitz trat, um Buße sur die schändlich geraubte Wurst zu verlangen, auslachte, dabei versicherno, er denke nicht tm Traume daran, auch nur einen Cent zu bezahlen, Mr. Wurm möge auf die Schätze in seinem Laden besser Acht haben da wandelte sich auch die ausgesucht fromme Denkungsart Wurms m g'ährend' Drachengift und er ging hin und erwirkte einen Haftbefehl aeaen Balthasar H. Hopser. Dieser vernahm die Kunde mit Hohngelachter. Als der Sendling der Polizeistation bei .r.: fcn. n , lfm ciuich, iyaiic Kopier uaiuriicy chon einen einwandfreien Bürger bereitstehen, dessen Unterschrift dem Angeklagten die kostbare. Freiheit sicherte. Am andern Morgen aber, vor dem Polizeirichter, wußte Hopser sich so unschuldig zu geben und-die Sache so zu wenden und zu drehen, daß Seine lhn gar mcht anders konnte, als mit einem Freispruche vorgehen, ur. omeyr. als der Klager nicht mit Sicherheit zu saq-n vermochte, welcher von Hopsers Hunden den Frevel verübt hatte. Hopser zog mit Sieger- ? - r l ki miciic au uno gao an oiezem iage seinen Hündchen" die ihm diesen Triumph verschafft.- ein besonderes liene; Wurm aber verhüllte sein Haupt und klagte über die Mangelhafte Handhabung der Gerechtigkeit durch' unverständige und einsichtsr - en -i 1 ' 01 e PouzelrlllZler. . ' . Mit diesem trüben Ereignisse war endgiltig das letzte Hoffnungsfünkchen verglommen, daß jemals wieder menichensreunölichere Beziehungen zwischen den Häusern Wurm und Hopser würden hergestellt werden. und unter dem mächtigen Einflüsse der Frau Johanne Wurm, wie unter dem noch gewaltigeren der in den weiesten Kreisen gesurchteten Frau Barbara Heinzelmann, wie die Schwieqermutter Wurms hieß, drängten dle Dinge allem Anscheine nach allmähliz einer schrecklichen Katastrophe zu. So standen die Sachen in der Western-Avenue zu der Zeit, in welcher unsere Erzählung ihren Anfang nimmt. Es war das an einem ungemein warmen Sommertag, dessen Mittagsstunden Herr Hopser auf seiner Porch ltzend zubrachte, wahrend Isis und Osiris zu seinen Füßen lagen, beide einander gelegentlich anblinzelnd und manchmal leise knurrend, auf welche Weise sie ihre Schelmen-Gedanken unter einander auszutauschen p,legen. Herr Hopser war außerordentich gut ab" und betrieb im Grunde genommen sein Gewerbe nur mehr zum Zeitvertreibe, nur damit das Kind einen Namen habe". Er konnte es sich darum gestatten, während andere minder Glückliche im Schweiße ihres Angesichtes schafften, stundenlang vor seinem Hause beschauliche Rast zu halten und die Vorgänge zu beobachten, die' sich ihm gegenüber bei Wurm abspielten. In seinem Laden ' rumorte während dessen stets Hopsers Faktotum, ein alter, grau haariger Neger, ton er Pomponius" nannte, wiewohl der Schwarze von Rechtswegen Anspruch auf den ehrlichen Namen Benjamin Smith hatte. Hopser liebte es, in solchen Stunden der Ruhe seine Ansichten über dieWelt und ihr Getriebe im Allgemeinen, wie über seine augenblicklichen Veobachtungen im Besonderen demNeger mit zutheilen. Derlei Gespräche wurden stets in deutscher Sprache gehalten, denn Hopser, obwohl an dreißigJahre im Lande, hatte es niemals dahin gebracht, zwei - Dutzend zusammenhängende englische Worte hintereinander herzusagen. Viel leichter war es ihm geworden, seinemPomponius eine entsprechende Menge von deutschen Vokabeln einzupauken. Heute hatte HopserS unfriedsames und schadenfrohes Gemüth ganz besonderes Vergnügen an der Rastzeit, denn im Hause des Nacbbars stritt man sich, daß der Lärm zwei Blocks weit zu hören war. Offenbar nahm die ganze HausbeWohnerschaft an demWortgefecht theil, denn man unterschied deutlich die hohe und sehr erregte Stimme des Haus Herrn, die bald gellenden, bald weinerlichen Klänge aus der Kehle der Haus frau und die metallharte, Redeweise der Frau Heinzelmann. Dazwischen

ließ sich manchmal auch, doch stets sehr

schüchtern, der Clerk , Herr Tonas Mayer, vernehmen und von Zeit zu Zeit erhob eines oder das andere der Kinder so stürmisches Geschrei, als sollte es augenblicklich an den Spieß gesteckt . und unbarmherzig gebraten werden. Je toller der Lärm drüben wurde, desto vergnügter wurde hüben Herr Hopser, über dessen breitem Angesicht heute ein geradezu sonniges Lächeln lag. Hörst Du's, Pomponius?" fragte er in den Laden hinter sich hinein, wo der Neger zwischen Lackflaschen. Farben und Pinseln in größter Geschäftigkeit umherwirthschaftete. "Aye, aye, sir!" kam es aus der Tiefe des Ladens dumpf und hohl wie aus einem leeren Fasse zurück, bissei Krieg drüben, he!" Biffel?" fragte Hopser verwundert zurück: Das nennst Du bissel? Ich denke es geht an s Hauen. In diesem Augenblicke scholl hell und klingend wie eine Fanfare die Stimme der Frau Heinzelmann herüber. Herr Hopser nahm darauf seinen breitrandigen Hut vom Haupte und schwenkte ihn tief, wie wenn er Jemanden besonders achtungsvoll begrüßen wollte. Allen Respekt, Frau Heinzelmann, sagte er dabei, das würde, bj Jove, einem Stabstrompeter Ehre machen." Gott schütze unsern Seele radebrechte Pomponius, seinen Wollkops für einen Moment in's Freie streckend. Hopser lachte äußerst ausgeräumt. Sollte mich gar nicht wundern. wenn die Alte demnächst einmal auf dem Besen reitend zum Schornstein herausführe meinte er. Hat den Teufel im Leib, die Wetterhexe. Aber, weiß Gott, sie ist mir noch lieber als der Waschlappen, ihr Schwiegersohn Sollte dlssel bei uns herüben fern - he!" grinste der Neger. Zur Dressur setzte Hopser ernsthaft hinzu. Drüben ging indessen der Krakehl ohne eine Minute Pause ungestört weiter. Wie gewöhnlich in solchen' Fällen war der eigentliche Anlaß des Haders ein ganz unbedeutender. Charley, der zweitjüngste Sprosse Wurms, hatte seinen schlechten Tag und war daher unbändig und trotzig wie ein sunger Apache. Seine älteste Schwester, em Mädchen von zehn Jahren, der Clerk, die Mutter, endlich sogar die Großmutter, Frau. Heinzelmann. bemühten sich rastlos um den dreijährigenKnirps, alle gleich angelegentlich beflissen, seine Thränen zu trocknen und ihn wieder zu guter Laune zu bringen. Vergebens. Charley mochte, nichts von den Trostgründen' wissen, die man ihm vorbrachte, sondern verlangte immer sätegorischer nach Candies. die man ihm in weiser Besorgniß um seine Gesundheit vorenthielt. " Sei wieder mein lieber kleiner Junge schmeichelte die Mutter. Candy!" brüllte Charley.. Morgen sollst Du Candy haben viel einen ganzen' Sack voll!" Nein, ich will heute!" heulte Charley unbewegt, dabei mit den. Beinen strampelnd und mit den Armen gefährlich um sich schlagend. Endlich glaubte sich die Großmutter m's Mittel legen zu müssen. Die würdige Dame knickte ihre hohe, wie ein Laternenpfahl magere Gestalt zusammen und beugte sich soweit zu ihrem unartigen Enkel herab, bis ihre lange, spitze Nase fast das Näschens Charleys berührte. Dabei legte sie ihr runzeliges für gewöhnlich bitterböses Angesicht in so freundliche Falten, als ihr das nur immer möglich war. und gab dem kleinen Vengel süe Kosenamen und allerlei gute Worte. .Warte nur bis morgen, mein kleines Kätzchen, mein Herzensjunge, mein lieber kleiner Schatz; morgen gibt eS Candies so viel Dein Herzchen verlangt. Heute hattest Du genug davon. Du würdest den Magen verderben, würdest so dick auflaufen (die Groß mama bezeichnete dabei mit einerHandbewegung einen Körperumfang, den niemals noch ein Sterblicher erreicht hat) und müßtest sterben.... Hier hast Du ein Stückchen Cake. mein Goldkind, morgen sollst Du Candy haben Der Junge hatte der alten Dame gutwillig zugehört, weil er aus früheren Vorkommnissen schloß, daß ihm die Großmutter endlich doch geben würde, wonach, ihm der Sinn stand. Als er aber erkannte, daß er sich für diesmal darin geirrt, gerieth. Charley außer Rand und Band. Wüthend schleuderte er das Stückchen Kuchen, das ihm die Großmutter gereicht, zur. Erde, und da Frau Heinzelmann ihre Nase unoorsichtiger Weise noch immer im Bereiche der kleinen Fäustchen des Knirpses hatte, faßte dieser danach und , kniff mit einer solchen Verferkerwuth hinein, daß die bedauernswerthe Dame einen kleinen Schmerzensschrei nicht zu unterdrucken vermochte. Dabei schrie Charley wie ein Zahnbrecher: Candy! Can dy! .Mag keinen Cake!.!" . ... In eben diesem Augenblicke öffnete sich die Thüre und Papa Wurm, Frieden und Freundschaft in dem glattrasirten Antlitze wie immer, betrat daS Zimmer. ÄlS er bemerkte, daß für den Mittagstisch noch keinerlei nennenswerthe Vorkehrungen getroffen wgren. verfinsterten sich indessen seine Züge bedenklich, denn er hatte den ganzen Vormittag über fleißig in seinem Laden gearbeitet und war daher rechtschaffen hungrig. Das Zorngobeul sttnes Söhnchens belrte ihn allssgleich darüber, welchen Umständen die unerwünschte Verzögerung keizumessen sei, und in einer ebenso plötzlichen, als bei seiner Langmuth seltenen Aufwallung gerechten Zornes beschloß Herr Wurm an dem kleinen Trotzkopf Cbarley ein Exempel zu statuiren. Mit großm Schritten eilte er der Stelle zu, wo um Cbarley Alles auf den Knieen lag. Im Nu hatte er den Jungen er

faßt, der vor blankem .Staunen über diese gänzlich ungewohnte Behandlung sogar mit Weinen aufhörte, und glnch darauf begann der Vater einen gewissen unnennbaren Theil von Charleys kleinem Körper überaus kräftig zu Vearbeiten, wobei er ausrief: So. so. Du magst nicht, meinSohn. Du magst wirklich nicht? All right, da Hast Du Candies, Candies von der Sorte, die Du verdienst!Mutter und Großmutter, ja sogar Toby. der Clerk. sahen sprachlos vor Staunen über die plötzlich entwickelte väterliche Autorität der Ezekution zu. Die Geschwister Charleys aber, das älteste Mädchen allein ausgenommen, stimmten aus Schmerz über das Schicksal, von dem ihr Brüderchen eben betroffen wurde, ein Geschrei an, das die

Wände erzittern machte. Wurm ließ sich dadurch Nicht, stören. Noch eine ganze Weile klatschte ferne Hand regelmäßig wie das Ticken einer Uhr auf Charleys Kehrseite nieder. und erst als er die Lektion wirklich für ausreichend hielt, stellte den zappelnden Jungen auf die Beute. Der heu lenden Schaar der übrigen Kinder rief er dabei drohend zu: Ruhig, sonst komme ick auch über euch!" Da diese Drohung alsbald wirkte. fand Herr Wurm vorläufig nichts weiter mehr zu thun. Er tauchte mit dem Kinn tief in die hohe Halsbinde, dte er nebst einer höchst sonderbaren Gaktung von Vatermördern zu tragen pflegte, legte die Hände auf dem Rücken zusammen und begann im Zimmer auf und niederzugehn. Vielleicht in keiner anderen Famme wäre aus einem so unbedeutenden Anlasse ein häßlicher Sturm entstanden. Jede andere Muer. ja sogar die weitaus uberwlecstnde Mehrzahl der Groß-, respektive Schwiegermütter, hätte gewiß die Sache für erledigt angesehen, nachdem der letzte Streich gefallen. So gut erging es aber Wurm nicht. Denn kaum hatte er von dem Jungen abgelassen, da richtete sich auch schon Frau Barbara Heinzelmann zu ihrer vollen impomrenden Hohe aus. Sie warf vorerst einen majestätischen Blick um sich her, dann sagte sie in dem Trompetenton, der ihr eigen war: Es scheint, der Herr Schwiegersohn läßt seinen Zorn übe? unangenehme Kunden wieder einmal an den unschuldigen Kindern aus. Frau Wurm sagte nichts: doch warf sie einen feuchten Blick nach oben und rang stumm, die Hände, als sei ein gräßliches Unglück über sie und d:e ihrigen gekommen. Der Herr des Hauses antwortete aus die scharfe Bemerkung der Schwiegermutter nur sotto voce. Es ist Zeit, daß dem Bengel Art beigebracht wird." warf er hin. Frau Heinzelmann richtete sich noch höher auf. Wie beliebt?" fragte sie mit einem Blicke, der scharf wie em Dolchmesser auf.denSchwiegersohn hinzuckte. Als Wurm aus die Frage semer Schwiegermutter nicht gleich antwortete, erklärte Frau Wurm unter Seufzen: ' Wurm meint, wir eigneten uns nicht dazu, .den Kindern Art beizubringen, . Der Gemahl hob das Kinn aus der Halsbinde, als wollte er etwas fagen; doch kam ihm Frau Heinzelmann zuvor.. Wie? wir eigneten uns nicht.. fragte sie, die Arme wie vor Ueberraschung m die Seiten stemmend. Ich hoffe, das ist nicht Ihr Ernst, Herr Schwiegersohn Doch, es ist mein Ernst, Frau Schwiegermutter gab Wurm zurück, so laut sprechend, daß Frau Heinzelmann ihn verstehen konnte; dabei legte er in seme Rede aber doch schon einen sanfteren, mehr überredenden Ton. Gewiß ist es mein Ernst fuhr er fort: Denn, sehen Sie, eine Frau wird im Leben nicht mit solchen Rangen fertig. Das muß ein Mann besorgen." Herr Wurm war stolz ans sich selbst. So fest und energisch hatte er schon seit Langem nicht zu sprechen gewagt. Er warf sich formlich in die Brust, hob den Kopf diesmal besonders hoch aus der Halsbinde und schleuderte seinen, wie Schase bei einem Gewitter in einer Ecke des Zimmers zusammengedrängten Kindern einen Blick zu. in dem deutlich zu lesen stand: ich werde demnächst unter euch treten und fürch terliche Musterung halten Auch der Clerk war gewissermaßen stolz auf seinen Herrn und Meister. ' Dagegen verfehlte des Mannes Festigkeit vollkommen ihres Eindruckes auf Frau Heinzelmann. Diese lachte vielmehr rt r . - f- W lrampsyasl aus uno inoem t die Schultern so hoch als möglich hinaufzog, aus:. - . - Ein Mann muß daZ besorgen! ha. ha, ha! Sie sind köstlich, Herr Schwiegersohn !" .In wie ferne bin ich köstlich, Frau Schwiegermutter?" Ereifern Sie sich nicht! Mir im--ponirt Ihr Zorn nicht im Geringsten; das sollten Sie schon wissen. Im Uebrigen muß ich Ihnen fagen. .daß Sie sich lächerlich machen,.. wenn Sie Sie! von Kindererziehung sprechen. Ihnen würde ich nock nicht einmal einen jungen Hund zum Erziehen übttaeoHt' Frau Schwiegermütter", rief der also Beleidigte empört. Nicht einmal einen jungen Hund!? wiederholte Frau Heinzelmann im bestimmtesten Tone. Frau Johanne Wurm rang die Hände und seufzte, herzizerbrechlich; Toby. der Clerk,. aber schauderte. Wenn wir Frauen nicht wären fuhr Frau Heinzelmann sieghaft fort, verstehen Sie. Herr Schwiegersohn, wir schwachen Frauen wohin wäre es mit Ihnen und den Kindern

schon gekommen! wissen Sie woN: Hopsers Hunde -hätten die Kleinen längst zernssen und Sie hätte der Nachbar einfach zum Hause hinausgejagt Mich hinausgejagt? zu meinem eigenen Hause? Ich muß sagen, das finde ich lächerlich!" ' Es ist aber so, nicht wahr Johanne? denn mit Ihnen erlaubt man sich alles, weil es Ihnen an backbone fehlt!" Nun war Herr Wurm sich wohl bewußt, daß ihm die rechte Festigkeit des Willens mangelte; allein er ließ sich begreiflicher Weise nicht gerne daran erinnern, und er konnte vollends ärgerlich werden, wenn eine so rauhe, lieblose Hand wie die seiner Sckwiegermutter auf solche Schwächen seines Charakters hinwies. Das. verbitte ich mir!" rief darum Wurm, und es kann nicht verschwiegen werden, daß er, während er so rief,

mit geballter Faust hestig auf den Tisch schlug, auf welchem die verschiedenartigsten Ger'äthschaften Saugflaschen, Spielsachen, Teller und Kleidungsstücke bunt durcheinander standen und lagen. Mein Gott! mein Gott!" stöhnte Frau Johanne, nicht mehr weit davon entfernt, in Thränen auszubrechen. Er artet wieder aus!" Ich ausarten!" fchrie Herr Wurm entrüstet, das puterrothe Angesicht gegen seine Frau wendend, ich. die Geduld, die Langmüthigkeit selber, ich arte wieder aus!... Nein, Johanne, davon kann nicht die Rede sein. Aber ich habe es satt, mir Alles gefallen zu lassen, was mir in meinem eigenen Hause Schlimmes gesagt und angethan wird und das von einer Frau von einer Frau Herrn Wurms Stimme stieg zu einer unnatürlichen Höhe empor die mich eigentlich gar nichts angeht!" . Das gewagte Wort war heraus; kein Schatz der Welt hätte es wieder in das Gehege der Zähne zurückgebracht. Es that denn auch augenblicklich seine Wirkung: Frau Johanne begann heftig zu schluchzen, wobei sie immer wieder hervorstieß: Er bringt mich um meinen Frieden er macht mich unglücklich!" Frau Heinzelmann aber erhob sich zu der ganzen Höhe ihrer Würde, die von Wurm so schnöde angetastet worden war. Herr Wurm sagte sie ernst und gemessen und mit einem geradezu niederschmetternden Blick auf ihren Schwiegersohn, Sie vergessen sich!" Nicht ich Sie vergessen sich!" verbesserte Wurm, im Zimmer aufund niederstürmend. . Sie vergessen sich,' sage ich! Denn wie können Sie es wagen, mich eme Frau zu nennen, die Sie nichts angeht? Bin ich, nicht die Mutter Ihrer Lebensgefährtin. und dann: wem danken Sie es, daß Sie vom armseligen Clerk ,zum selbstständigen Geschäftsmanne vorgerückt sind?" Was Sie mir an Geld geliehen haben, verzinse ich Ihnen anständig und ich bezahle diese Zinsen regelmäßig antwortete Wurm verstockt. Darauf wußte Frau Heinzelmann momentan keine Antwort. Frau Johanne aber schluchzte: Mein gütiger ' Himmel! Wohin wird das führen!" Genug!" entschied endlich Frau Heinzelmann, ich werfe meine Worte an Sie weg. Sie suchen Streit, und um eine Ursache dazu sind Sie nie verlegen. Es ist Zeit, daß ich Ihr ungastliches Haus verlasse Dies sprach Frau Heinzelmann mit der Miene eines Wesens.- das bisher als freundlicher Hausgeist an dem häuslichen Herde segensreich gewirkt und dessen Scheiden von den Zurückbleibenden eigentlich als ein schwerer Schlag hätte empfunden werden müssen. Allein Herr Wurm hatte dlese Drohung in den letzten sieben Jahren (so lange weilte Frau Heinzelmann in der Mitte seiner Familie) zu oft'gehört und zu oft war sie leerer Schall geblieben, als daß sie heute, da er in Folge der erlittenen Kränkung so tief erregt war, die beabsichtigte Wirkung auf ihn geübt hätte. Er war nicht im Mindesten erschreckt, sondern schleuderte seiner Schwiegermutter kühn die Worte zu: Oh. gehen Sie, gehen Sie! Das wäre ein Segen für mich, für uns Alle!" Frau Heinzelmann hob die Augen zum Himmel, als wollte sie diesen zum Zeugen des Frevels anrufen, der eben an ihr verübt worden, und dabei faltete sie die Hände wie fassungslos über das heillose Betragen des Mannes vor ihr, dem sie das Geschick ihres einzigen Kindes anvertraut hatte. In ihrem stummen Schmerze kam ihr nun aber eben dieses Kind hilf- und liebreich, wie die? einer braven Tochter zukommt, entgegen. Ich gehe mit Ihnen rief nämlich Frau Johanne unter einem Strom von Thränen, ich verlasse Sie nicht! Du aber sagte sie zu ihrem Gatten gewendet, wirst an diesen Tag denken. an dem Du mein und der Kinder Glück grausam zerstört hast!" . (Fortsetzung folgte Schlau. A.: Haben Sie den wunderbaren Sänger gehört, dabei ist er stocktaub. B.: Na. erlauben Sie 'mal, wenn er stocktaub ist, wie weiß er denn da. wenn er zu singen aufgehört hat? A.: , Der Kapellmeister gibt ihm em Zeichen! Sicherer Schütze. Sonntagsjäger (der in nn Wildpretharvdlunz einen Hasen kauft und durch ein desonderes Merkmal einen verkrüp pelten Löffel erkennt, daß er nach diesem Hasen schon' mebreremal auf Jagden geschossen hat):. Siehst Du, j Racker, bist nur halt ooq mcht entgan gen!"

Ziir dieKiiche. Berg - Suppe. Fein geriebenes und in Butter gelb geröstetes Brot wird mit etwas Zucker, abgeriebener Citronenschale und gut gereinigten Rosinen vermischt. Man drückt diese Masse warm in einen Trichter und stürzt denselben in die Suppenterrine so um, daß, wenn man den Trichter behutsam abht, das Brot unversehrt als ein Berg in der Terrine steht. Nun bereitet man eine Wein- oder Biersuppe und gießt dieselbe vorsichtig in die Suppenschüssel, ohne den Berg zu vernichten. Fleischsalat. Hierzu dient Suppenfleisch oder jeder gute, gare Fleischrest je zarter und feiner, desto besser jede Sorte allein oder be liebig gemischt (Geflügel ohne Haut), feingeschnitten (Streifchen, Scheibchen, würfelig) oder gröblich gehackt. Dann gut vermischt mit Oel und Pfeffer. Hierauf mit ca. halb fo viel wie Oel oder nach Geschmack Weinessig, worin das nöthige Salz, auch wohl etwas Zucker und womöglich auf einen mäßig gehäuften Suppenteller Fleisch einen gestrichenen Theelöffel Fleicheztrakt (bei Suppenfleisch etwas mehr) aufge" löst worden, auch wohl etwas (Speisesenf)'. Verfeinert wird durch: Rahm, ein bis zwei zuerst mit dem Oel verrührte Eidotter, Wein, zerkleinerte Sardellen, Champignons und derglei chen, feine Kräuter, Kapern. Nach Belieben mischt man auch fein geschnittene' Zwiebeln, Hering, eingemachte rothe Rüben, saure Gurken, gekochte Kartoffeln, hartgekochte Eier (würfelig, geschnitten) hinzu; stets aber nur soviel, daß Fleisch stark vorwiegt.

Oder dasFleisch wird nur gemischt mit mehr oder weniger einfacher Mayon-naise-, Remolade-, Hering-, Kartof-fel-, Weerettich-, Senf-, auch wohl Aepfelsauce.; diese, besonders bei Suppensleisch, mit Fleischextrakt, Bratenjüs oder dergl. kräftig abgeschmeckt. Ferner mit grünem Salat (auf ca. zwei Theile Fleisch em Theil). Der Fleischsalat soll saftig, nicht brühig sein. Nett angerichtet (nach der Mitte zu etwas erhöht) wird er gern verziert mit einem Kranze von Sellerie-, Kar toffel-, grünem Salat, oder die ersteren in Kreuzform, Fleischsalat in bift entstandenen Abtheilungen, mit verschiedenfarbiger Gelee. Leberklöße. Die Kalbsleber wird abgehäutet, von allen Adern befreit und fein gehackt. Dann weicht man Semmeln in Wasser ein, dämpft in etwas Butter feingehackte Zwiebeln und Petersilie und die ausgedrückten Semmeln, verarbeitet dies gut mit der Leber, Salz. Muskatnuß nach Bedarf, ebenso viel Eiern als Semmeln, etwas Mehl und kleinen Speckwürfeln, sticht darauf mit emem Lossei Klößchen aus und kocht ste in Salzwasser gar. UeberkrusteteGänseleber. Man legt zwei große, schöne Gänselebern einige Stunden in Milch, halbirt, häutet und wäscht sie, legt sie in' zerlassene Butter, giebt feingeschnittene Schalotten, Petersilie, einige feine Scheibchen Schinken und gewiegte Champignons, dazu, dünstet sie kurze Zeit, gießt ein Glas Madeira und füat etwas Glac6 dazu und läßt die Lebern etwa zehn Minuten dünsten und dann in ihrem Fond erkalten. In deß wiegt man 1 Pfund Schweinefleisch nebst den Abfällen der Lebern, mischt: es mit einigen geweichten Semmeln, Salz, Pfeffer und etwas feinen Kräutern, dünstet nun zwei geschnit-tene-Trüffeln, vier Champignons, eine halbe Zwiebel und etwas gewiegte Peterstlie in Butter durch und mischt dies dies unter die Farce. Eine ausgestrichene, tiefe Schüssel streicht man singerdick mit der Farce aus, schneidet die Lebern in Scheiben, legt die Hälfte auf die Farce bedeckt sie mit dieser, läßt- nun die andern Leberscheiben und darauf den Rest der Farce folgen, die- man zuletzt mit Speckplatten bedeckt. Man bäckt das Gratin dreißig Minuten in mittelheißem Ofen und servirt es in seiner Schussel, nachdem alles Fett abgefüllt wurde, mit einer Trüffelsauce, zu der man die Abfälle der 'Trüffeln verwendet. Eine offene Pastete. Man nimmr ein Stück Blätterteig, treibt ihn strohhalmsdick, nach der Form der Schüssel, womit die Pastete auf die Tafel kommen foll, aus. schneidet den Rand ab und legt den Teig auf einen Bogen- Papier. Dann treibt man eben eine solche Teigplatte fingerdick aus. schneidet" mit einem scharfen Messer die Mitte so weit heraus, daß nur ein kleiner Rand bleibt, drückt diesen auf den Rand der ersteren Platte, wel ch: man- zuvor mit Ei bestrichen hat, dann sticht man an mehreren Stellen in diese Mein, damit sie keine Blasenbekommt und backt dies bei mäßiger: Hitze, gelbbraun. Ist sie fertig, so fülltman ein feines Ragout hinein und verziert eS oben auf mit aus der Blätterteig gestochenen Blättern und Figuren. Gedünstetes Kalbsh i-?n. Man häutet und putzt das Hirn, läßt hierauf Butter in einem Tiegel zcrzehen, Fidt das Hirn mit einigen Zwie belscheiben hinein, füllt es mit etwas Fleischbrühe und Wein auf, cKe etwas Citronenschale und genügend Salz dazu und läßt tl weich dünsten. Dann wird ein wenig Mehl ngesiäubt,das Ganze nochmals aufgekocht, schließlich die Sauce vor dem Anrich-. ten mit Eidotter angerührt und mit dem Hirn angerichtet. M a l i t i ö s. Hausftau: Bit. te, nehmen Sie doch das Stückchen Kuchen noch Ihren Kindern mit! Besuch: Danke. Danke, das kann ich doch nicht verlangen. Hausfrau: Aber weshalb nicht, es ist ja doch nicht der Mühe werth. waS Sie übrig ccfaj sen haben! .